Bikes & Gear

Taschen-Setup für Bikepacking: Von der Gesamtschau zum Schwerpunkt Heck-Lade-Systeme (Seatpacks, Saddle bags, Panniers, Racks, Tailfin und Co)

Hier soll es um mein Setup für Bikepacking-Rennen gehen. In diesem Beitrag rekapituliere ich kurz mein bisheriges Setup und möchte mich dann vorrangig Lösungen für die Gepäckunterbringung „Hinten am Rad“ widmen. Wann ist eine Seatpack am besten? Welche Alternativen gibt es dazu, wenn sie einem zu sehr schaukelt, wenn man besonders viel darin unterbringen will und mit der Zugänglichkeit dieses Inhaltes hadert?

Welche Lösung bietet sich an, wenn ich ein besonders kleines Rad fahre? Kann man das Fahrverhalten des Rades sinnvoll verbessern, wenn man andere Lösungen wählt? Machen Rack-Systeme mit Seitentaschen (mehr) Sinn? Wenn ja, welche? Oder ist eine integrierte „Hybrid“-Lösung wie die Tailfin Aeropack Best of both Worlds? Zudem gebe ich euch auch noch diverse Tipps und Meinungen zum Gesamt-Taschensetup. Was z.B. ist sinnvoll oder nicht am Lenker, auf dem Oberrohr oder im Rahmendreieck. Garniert mit dem einen oder anderen Tip oder Verweis auf eine clevere Lösung, die das Bikepacking-Leben einfacher macht – von der DIY-Craddle bis zur Nachrüst-Oberrohr-Taschen-Verschraubung. In einem Folge-Artikel widme ich mich dann den Erfahrungen meines Praxistests einiger ausgewählter Produkte der im Folgenden aufgeführten Konzepte.

Was darf’s denn sein?

Also los:

Anfang 2017 habe ich mich in der Vorbereitung zum TCRNo5 ausführlich mit der Taschenkonfiguration befasst. Das war mein Einstieg in das gesamte Thema des self-supported Ultracycling, welches mich seit dem nicht mehr losgelassen hat. Ihr findet den Artikel hier: TCRNo5-Vorbereitung: Taschen-Konfiguration. Oder: Wohin mit dem Gepäck und dem Wasser?

Die daraus entstandene Taschen-Konfiguration hat sich für mich von Anfang an bewährt und musste nur in kleinen Details angepasst werden. 

Ein Aspekt hat mich aber schon immer beschäftigt und der betraf die Zugänglichkeit des Inhaltes der großen Seatpack / der Saddlebag bzw. der Satteltasche. In der Szene oft liebevoll frotzelnd „Arschrakete“ genannt. 

Ein zweiter Aspekt kam hinzu: das Fahrverhalten des Rades, wenn eine besonders große Satteltasche vollgefüllt relativ weit und halbwegs steil nach hinten oben ragt. Und da geht es zunächst gar nicht mal um vermeintliches Wackeln solcher Taschen (ein Problem, das sich mir gar nicht stellt), sondern rein um die Verteilung des Gewichts weit hinter und hoch über dem Schwerpunkt des Rades. Das ist in Großen und Ganzen kein Problem, wird aber doch spürbar, wenn man besonders viel Inhalt in einer solchen Tasche unterbringen will oder eher muss.

Und wenn man das will oder muss, dann wird auch der erstgenannte Aspekt der Zugänglichkeit immer wichtiger.

Hat man nämlich nur das allernötigste bzw. idealerweise nur die wirklich höchstens einmal am Tag benötigte Ausrüstung in der Seatpack (z.B. nur die Schlafausrüstung, die vielleicht aus Schlafmatte, Schlafsack und oder Biwaksack, ggfs. noch ein TShirt), dann stört es auch nicht, dass man nur von hinten durch eine eher kleine Öffnung in einen tiefen Schlauch, den eine sehr große Seatpack annähernd darstellt, greifen muss. Man holt eh fast alles auf einmal heraus. Und danach stopft man es auch alles auf einmal zum Aufbruch wieder in die Tasche hinein. Und wenn man das eh nur einmal am Tag machen muss, dann kann man da auch etwas Zeit für ein gutes Packergebnis aufbringen.

Zur Schlafausrüstung könnten jedoch ja auch die Hygiene-Artikel, darunter auch die Gesäßcreme gehören. Es ist zwar selten, aber da muss man vielleicht doch auch mal mitten am Tag nachlegen. Auch Teile des Werkzeugs und Ersatzmaterial eignen sich für die Unterbringung in einer Seatpack. Die, die man hofft nur selten oder am besten gar nicht zu benötigen. Wenn man sie aber doch mal braucht, darf man erst die (sicherlich leichteren und daher eher hinten in der Tasche befindlichen) Schlafutensilien herausfummeln, bevor man an die eher schwereren Werkzeuge oder Ersatzschläuche an der Wurzel der Tasche herankommt. Was zudem dadurch erschwert wird, dass man den Inhalt einer Satteltasche ja fest komprimieren muss. Zum einen, damit auch alles hinein passt. Zum anderen, damit sich somit eine kompakte, relativ selbst tragende und stabile Gesamtheit ergibt, die nicht schlackert oder schlimmer gar, auf den Hinterreifen hinab sackt (ich komme darauf noch im weiteren Verlauf dieses Artikels zu sprechen).

Variable und typische Zustände der Ortlieb-Traurigkeit während meines ersten Bikepacking-Rennens, dem TCRNo5… Hier besonders extrem – aber auch mit wesentlich mehr Mühe und Sorgfalt bei der Beladung und Kompression blieb die Satteltasche nie formhaltig.

Wie man es also bei der Reihenfolge der Befüllung einer solchen Seatpack macht, ist es verkehrt. Die Regenüberschuhe ganz nach vorne, weil der Wetterbericht keine Spur von Regen vorhersagt? Im Zweifel fährt man dann in der ersten Nacht in einen Regenschauer hinein und darf dann im Dunklen schnell kramen. Doch eher die Feuchttücher nach vorne, dafür die Regenjacke als letztes hinten für den Direktzugriff? Im Zweifel hat man dann irgendwas machen müssen und dann die Finger voll eingesaut, was gerade jetzt so ein Feuchttuch super nützlich machen würde. 

Das mag sich für manchen jetzt vielleicht überkompliziert anhören und andere mögen denken: ja, dann hab doch wirklich nur die Schlafsachen in der Seatpack und den Rest, wie z.B. eine Regenjacke, steckst du in die Rahmentasche.

Den Ersteren sei gesagt: Ja, das ist zwar alles kein Beinbruch und man kann auch mit solch einer beladenen Seatpack gut zurande kommen. Letzten Endes geht es aber bei Bikepacking-Rennen um Effizienz und bei Bikepacking-Touren um Entspannung. Beides ist suboptimal, wenn man sich beim Fahren dauernd Gedanken machen muss: „idealerweise hätte ich jetzt eine wärmere Jacke an, aber ich will jetzt nicht schon wieder anhalten und in der Tasche kramen“. Oder wenn man es dann doch tut, und beim Rausziehen der Jacke leider auch noch die Schlafmatte herauspurzelt und die Überschuhe halb heraushängen. 

Den Zweiten sei gesagt: Wunderbar, wenn ihr genügend große Rahmen fahren könnt und/oder keine Probleme mit ausladenden Rahmentaschen habt, so dass ihr tatsächlich alles das, was ihr irgendwann im Laufe des Tages mal benötigt, aber auch genauso schnell wieder weglegen müsst, irgendwo „vorne“ am Rad bzw. idealerweise im Rahmendreieck bzw. auf dem Oberrohr unterbringen könnt. Lasst euch gesagt sein, das ist nicht jedem gegönnt.

Die Randbedingungen: vorne geht wenig, hinten muss es bringen

Somit sind also die Randbedingungen gesetzt. Ihr fahrt einen sehr kleinen Rahmen und habt vielleicht gar keine Chance, zusätzlich zu den Flaschen auch sogar nur einen Half-Frame-Bag im Rahmendreieck unterzubekommen. Full-Framebags (außer Custom-Anfertigungen) gab es für kleine Rahmen bis vor kurzem überhaupt nicht. Jetzt hat kürzlich Apidura erstmals eine solche vorgestellt. Natürlich konnte man sich aber auch davor mit diversen keilförmigen Taschen immer schon versuchen zu behelfen. Es besteht aber immer noch ein großer funktionaler und auch ästhetischer Unterschied, ob ich versuche, z.B. eine Ortlieb Frame-Pack in ein moderat kleines Rahmendreieck zu hängen (und überall schleifende Winkel offen stehen habe, die weder dem Fassungsvermögen der Tasche zutragen noch ermöglichen, irgendwas anderes wie z.B. eine Flasche da unterzubringen) oder ob ich einen für Gravel- und Rennrad-Geometrien gedachte Full-Framebag kaufe oder mir sogar maßfertigen lasse.

Oder ihr fahrt einen etwas größeren, aber immer noch moderat kleinen Rahmen (ich fahre z.B. üblicherweise „S“ bzw. 52 cm) und bekommt auch eher nur eine Halb-Rahmentasche unter. Zudem seit ihr vielleicht ebenfalls wie ich enorm sensibel, was die Beinfreiheit bzw. Kniefreiheit angeht. Ich werde kirre, wenn meine Oberschenkel oder Knie beim Pedalieren an einer Rahmentasche reiben. Oder wenn sie im Wiegetritt an eine zu breite oder leicht zu einer Seite gekippten Oberrohr-Tasche stoßen. Es reicht da schon die ganz normale und eigentlich vorbildlich schlanke Apidura Expedition Compact Frame Bag. Wenn ich diese zu stark befülle – und dazu reicht neben meinem Elektronik-Beutel mit Kabeln und Ladern, Arm- und Beinlingen, Buff und Regenjacke schon die eigentlich sehr dünne Endura Primaloft Weste – dann bauscht sie sich schon weit genug auf, dass ich da leichten Hautkontakt in Abhängigkeit der Pedalstellung bekomme. Wenn ich da sehe, was andere in eine ähnliche Tasche hinein bekommen, kommen mir fast die Tränen. Z.B. hat Neil von Bikepacking.com neulich mal seine Gravel Bikepacking List vorgestellt und da gezeigt, dass er sogar ein kompletten Kocher samt Kochgeschirr in seiner Half-Frame-Bag transportiert. Und die Dinger haben einen ziemlichen Durchmesser. Das ist aber schon eine ziemliche Ausnahme. Zeigt aber, was man alles auch im Rahmen unterbringen kann, wenn einem O-Beine oder empfindungslose Lederhaut in den Innenbeinen gegeben sind. 

Das möchte ich gleichzeitig mit einer Warnung und Empfehlung an euch verbinden: Habt ihr Knieprobleme? Oder andere Probleme mit den Bändern irgendwo im Beinapparat? Nur bei Bikepacking-Rennen ab 2 oder 3 Tagen? Oder für Wenig-Fahrer vielleicht erst nach 5 oder 6 Stunden auf einer Gravel-Tour? Vielleicht denkt ihr ja auch nur, ihr kommt mit einer solcherart weit befüllten Rahmentasche oder der dicken Oberrohr-Tasche problemlos klar – tut es aber gar nicht. Ich habe für mich gemerkt, dass ich unwillkürlich die minimalste Anpassung des Pedalierens bzw. der Fußhaltung vornehme, damit ich eben so gerade nicht an den Taschen reibe. Wie geschildert, dazu reicht bei mir schon die recht schmale Apidura Halfframe Bag, wenn sie auch nur leicht ausgebeult ist. Das ist vielleicht nicht mal so sehr am Bein zu sehen, wenn man an sich herunterschaut und die Bewegung der Knie verfolgt. Aber trotzdem wird die Belastung mehr auf den Außenfuß gelegt oder die Knie immer etwas weiter außen geführt. Wenn man das (vielleicht auch unbewusst) dauerhaft macht und nicht das Übel an der Wurzel beseitigt, sind Knieprobleme sehr wahrscheinlich. Prüft das ruhig mal, wenn ihr da bei euch Bedarf seht. 

Weiter mit den Gründen, warum man hinter dem Sattel ein gerüttelt Maß an Volumen unterbringen möchte: Vielleicht wollt oder müsst ihr ja einfach so viel Ausrüstung mit euch führen, dass trotz viel Laderaum vorne und im Rahmen immer noch genügend überbleibt, was eine große Seatpack von 12 bis 15 Litern Fassungsvermögen erforderlich macht. 

Ab diesem Volumen und wenn dieses nicht nur allein für das Schlafsetup und nichts anderes benötigt wird, wird es kompliziert. Bzw. dann lohnt es sich, über andere Arten der Unterbringung „Hinten am Rad“ nachzudenken. Und das möchte ich hier mit euch tun.

Gleichzeitig sollen aber auch Aspekte wie Leichtigkeit und Aerodynamik nicht zu kurz kommen! Mir persönlich geht es vorrangig immer noch um die ideale Ausstattung für ein Bikepacking-Rennen. Zwar sowohl über Straße wie auch über Gravel-lastige Abschnitte oder gar Mountainbike-Terrain, aber doch vorrangig #fastfar. D.h. wenn es nicht wirklich hundertprozentig nötig ist, irgendetwas an den Gabelholmen zu befestigen, dann kommt da auch nichts dran. Gleiches gilt für große und ausladende Front-Gepäckträger im Porteurstil. Wo also riesige, kastenförmige Fronttaschen auf einer Art Pizza-Rack fett im Wind und meistens inkompatibel zu Aerobars platziert werden. Unzweifelhaft geht da viel hinein und sie sind auch wunderbar zugänglich (wenn sie nicht unter Aerobars eingeklemmt werden). Aber sie beissen sich auch im höchsten Maße mit aerodynamischer Effizienz. Und da Bikepacking-Rennen im Grunde nichts anderes sind, als besonders lange Einzel-Zeitfahr-Wettbewerbe, ist diese enorm wichtig. Aus diesem Grunde sind solche Taschen und auch Front-Panniers in diesem Artikel kein Thema.

Aber: Erlaubt ist was gefällt! Im Bikepacking scheinen wir meiner Ansicht nach sowieso mittlerweile den Kreis zum Radwandern wieder voll geschlossen zu haben. Wurden doch z.B. einst diese Seat-Packs und generell Bikepacking-Taschen extra erfunden, damit man nicht mehr mit den Panniers, den Seitenpacktaschen am Gepäckträger, breit ausladend immer an irgendwelchen Ecken von engen Trails hängenblieb. Und damit man sein MTB besser manövrieren und zur Not auch schieben konnte. So greift man heute teilweise wieder auf Seitenpacktaschen und spezielle Träger zurück, weil man vielleicht mit den Seatpack-Lösungen gerade am MTB und bei Verwendung von Dropper-Posts unzufrieden ist.

Aber: Erlaubt ist was gefällt! Im Bikepacking scheinen wir meiner Ansicht nach sowieso mittlerweile den Kreis zum Radwandern wieder voll geschlossen zu haben. Wurden doch z.B. einst diese Seat-Packs und generell Bikepacking-Taschen extra erfunden, damit man nicht mehr mit den Panniers, den Seitenpacktaschen am Gepäckträger, breit ausladend immer an irgendwelchen Ecken von engen Trails hängenblieb. Und damit man sein MTB besser manövrieren und zur Not auch schieben konnte. So greift man heute teilweise wieder auf Seitenpacktaschen und spezielle Träger zurück, weil man vielleicht mit den Seatpack-Lösungen gerade am MTB und bei Verwendung von Dropper-Posts unzufrieden ist. Und gerade im Gravel-Bereich stelle ich fest, dass viele jeden Anschlagpunkt (derer es glücklicherweise recht viele an den meisten Gravelbikes gibt) mit Hingabe nutzen und quasi an jede Gravelbike-Gabel auch mindestens Flaschenkäfige, wenn nicht gleich sofort dicke gepackte Schlafsäcke oder Drybags drangeschraubt und selbst für die Sonntagsnachmittagsausfahrt rund um den See spazieren gefahren werden. Das SUV-Syndrom lässt halt auch bei Radfahr-Trends grüßen… ;-)

Das Gute daran: Mittlerweile gibt es eine Vielzahl von Lösungen und Möglichkeiten, wie man sein individuell ideales Bikepacking-Rad oder Radtouren-Rad mit Taschenplatz konfigurieren kann. Für alle möglichen Vorlieben und alle möglichen Unternehmungen. Vom einfachen Overnighter bis zur wochenlangen Expedition abseits jeglicher Zivilisation.

Teil 1: Allgemeines zu meinem Bikepacking-Taschen-Setup

Wie sieht nun meine mittlerweile in sechs Bikepacking-Rennen über Straße und Gravel und einem siebenten mit angepasstem Setup und Full Suspension MTB bestrittenen Rennen über Offroad-Terrain bewährte Taschen-Konfiguration aus?

Es ist eine klassische Bikepacking-Setup-Variante mit Top-Tube Bag, Half-Frame Bag, Seat-Pack und Food-Pouches bzw. nur einer Food-Pouch am Lenker.

Meine damalige Zielvariante in der CAD-Entwurfssicht
Und hier schon einige Jahre später im Laufe des Trans Pyrenees Race No 1

Es gibt weitere klassische und weitverbreitete Bikepacking Taschen-Konfigurationen. Sehr häufig findet man z.B. auch Full-Frame Bags anstelle einer Halfframe-Bag. Natürlich muss man dann schauen, wohin dann mit dem Wasser-Vorrat. Eher selten findet man eine Variante, die ich damals im schon oben erwähnten ersten Artikel zur Taschen-Überlegung vor dem TCRNo5 ebenfalls als CAD-Skizze gezeigt habe, wo ähnlich wie beim Triathlon eine oder sogar zwei Flaschen hinter dem Sattel montiert werden. Die meisten Leute, die eine Full-Frame-Bag wählen, wählen eine Trinkblase, die dann darin untergebracht samt Schlauch als ihr Trinksystem fungiert. Ergänzt vielleicht mit zwei Extra-Foodpouches am Lenker, in die dann weitere, auch an der Tankstelle oder im Supermarkt gekaufte Wasser- bzw. Limo-Flaschen untergebracht werden können. Oder Zusatz-Flaschenhalter, die an der Gabel montiert werden.

Beispiel eines Full Frame Bag, mit Option für eine kleine (oder auch große) Seatpack und Verwenden einer Trinkblase.

Eines meiner Lieblings-Ärgernisse will ich hier auch nicht versäumen direkt am Anfang kund zu tun. Lenker-Rollen. Einmal generell und einmal hinsichtlich ihrer Verwendung. Dazu muss ich etwas ausholen und komme auf die Motivation für und Vorteile von spezifischen „Bikepacking-Taschen“ zu sprechen. Lenkerrollen haben ihren Platz im Bikepacking. Und der ist an der Flatbar. Bzw. da machen sie am meisten Sinn. Und da kommen sie auch her. Wie auch das gesamte Bikepacking, wenn wir uns der Schule anschließen, dass es zuerst das Mountainbiken über lange Distanzen und enge Singletrails war, wo man feststellte, dass klassische Packtaschen (entweder vorne oder hinten oder vorn und hinten) das Durchkommen vorbei an Baumstämmen, Felsen oder Dornenbüschen doch stark beeinträchtigte. Und auch nicht mit dem gewünschten Fahrverhalten oder gar mit gefederten Hinterbauten in Einklang zu bringen waren. 

Dazu muss ich etwas ausholen und komme auf die Motivation für und Vorteile von spezifischen „Bikepacking-Taschen“ zu sprechen.

Das solcherart Taschen dann auch für die Straße, bzw. eher, für Straßen-Ultracyclingrennen sehr praktisch waren, hat sich dann erst danach heraus gestellt. Warum „praktisch“? Praktisch in der Hinsicht, als dass es bei solchen Veranstaltungen eben nicht darum geht, Ausrüstung, Wechselkleidung und Verpflegung für 3 Wochen in den Anden mitzuführen, sondern nur minimalstes Gepäck sehr leicht und sogar möglichst aerodynamisch unterzubringen.

Leicht, weil man anstelle von einem oder zwei robusten, gummierten und mit Anschlagschnallen versehenen Packtaschen-Paaren nur zwei oder drei kleinere Taschen aus leichten Textilien benötigte und diese auch mit diversen Laschen direkt am Rahmen verzurrt werden somit also auf weiteres Gewicht von Gepäckträgern, Lowridern, super vielen Anschlagpunkten etc. verzichtet werden konnte. 

Aerodynamisch,  weil da keine zwei oder gar vier Mini-Schrankwände links und rechts vom Rad ab- und im Wind stehen, sondern so eine Halbrahmentasche kaum breiter als der Rohrdurchmessers des Fahrrad-Rahmens selbst ist. Und weil eine Seatpack, selbstironisch auch gerne „Arschrakete“ genannt, keine zusätzlich angeströmte Fläche darstellt, sondern sich hinter dem Fahrer versteckt und auch in seiner ohnehin schon gestörten Luft liegt; ja, im Idealfall vielleicht sogar die Aeroeigenschaften des Rückens leicht verbessert (hierzu mehr im Folge-Artikel).

Zudem können Bikepackingtaschen an so ziemlich jedes Rad montiert werden. Es werden keine speziell vorbereiteten Gepäckträger-Schraubösen oder ähnliches benötigt, so dass man sein herkömmliches Mountainbike oder sein herkömmliches Straßenrennrad benutzen konnte und kann. Ohne auf Räder mit solchen Montagepunkten eingeschränkt zu sein, die bis vor wenigen Jahren doch fast ausschließlich auf Radreise und weniger auf möglichst schnelles Bewältigen eines hochalpinen Controlpoint-Parcours eines Transcontinental Race o.ä. ausgerichtet waren.

Natürlich hat sich das heutzutage spätestens mit der aktuellsten Riege der Gravelbikes gewendet. Bikepacking ist zwar immer noch die Nische in der Nische Fahrrad. Aber boomt doch trotzdem ungemein. Erfreulicherweise bringen fast alle neu auf den Markt kommenden Gravel und „Allroad“ Räder ein Minimalset von tauglichen Montagepunkten mit sich. Manche mehr, manche weniger. Mal mehr, mal weniger elegant integriert und sichtbar, wenn sie nicht in Gebrauch sind.

Und damit kommen wir wieder auf die Lenker-Rollen bzw. auf die sogenannten Double-Rolltop-Taschen zurück. An einer Flatbar, also einem flachen Mountainbike-Lenker, machen die richtig Sinn. So breit wie der Lenker ist (und eigentlich sind Mountainbike-Lenker ja sowieso alle viel zu breit – Tourer und XC-Fahrer sind keine Downhiller, Jungs und Mädels! Und noch wichtiger: die Lenkerbreite muss zu den Körperproportionen, d.h. Schulterweite und Armlänge, sowie auch Oberkörperlänge passen), so breit kann man da eine Lenkerrolle dranbinden. Links und rechts stört und begrenzt kein Lenker-Drop die Ausmaße und den Zugriff und so kann man sie sogar, wenn man will, ohne dass man sie abnimmt, be- und entladen.

Eine Lenkerrolle in ihrem natürlichen Habitat: an einer Flatbar. Hier die RevelateDesigns Saltyroll, die ich rein ohne Harnisch mit einer minimalen Selbstbau-Abstützung und Fixplus-Straps an meinem Lenker und den Aerobars befestigt hatte. Hat sich im Atlas Mountain Race bewährt.

An einem Rad mit Dropbar, bzw. Rennlenker, sieht das hingegen ganz anders aus. Ich kenne keine Rolltop-Lenkerrolle, die wirklich mit Blick auf Dropbars entwickelt und ausgerichtet wurde. Ja, man kann versuchen, die jeweils kleinsten verfügbaren Versionen mit Ach und Krach zwischen die Drops eines typischen Rennlenkers zu quetschen. Das ist aber selbst bei einem Lenker, der ein noch vertretbares, d.h. nicht zu extremes Maß an „Flare“ aufweist, ein sehr stark kompromissbehaftetes Unterfangen. Wenn es gut läuft, ist in allen Griffpositionen noch genug Luft zwischen Daumen und Fingern und der eigentlichen Tasche vorhanden und auch das Bedienen von mechanischen Schaltungen, die ein Einschwenken des Schalt-Brems-Griffs nach innen erfordern, geht ohne Berührung der Rolltoptaschenenden von statten. Aber dann ist trotzdem ein Herankommen an den Inhalt der Tasche kaum möglich. Eigentlich geht es nur durch komplettes Abmontieren der Tasche. Wofür man dann in üblichen Cockpit-Setups mit Lampen, Radcomputer und ggfs. separater Navigationseinheit oder dem Telefon sowie wahrscheinlich auch Aerobars zwischen jeder Menge Hindernissen herumfuddeln muss. Wie der Anglophone sagt: A real PITA (Pain in the Ass). Und wenn’s wie gesagt nicht so gut läuft, sind sogar die häufigsten Griffpositionen kompromittiert und beim Schalten stösst ihr jedesmal an eine solche Tasche.

Ich kann verstehen, dass man versucht sein kann, eine solche Tasche zu verwenden. Schließlich ist das ein Punkt am Rad, wo man im Vergleich zu einer Toptube Bag oder auch einer Half-Frame Bag richtig viel Volumen unterbringen kann. Z.B. seinen Schlafsack und ggfs. ein Zelt hineinstopfen kann. Aber deswegen auch bei Gravelbikes mit Dropbar zu Ungetümen von extrabreiten Lenkern mit schon karrikativ extremen Flare zu greifen, ist da keine Lösung (für mich). Auf der Straße verbietet es sich von selbst. Wenn schon nicht der Optik wegen, dann auf jeden Fall aufgrund der Aerodynamik. Und auch bei reinen Gravelbikes solltet ihr euch da nicht von der „Beladungsmöglichkeit“ sondern eher nach der Ergonomie und einer optimalen Fahrposition leiten lassen. Und zwar in allen möglichen Griffpositionen. 

Wirklich aerodynamisch ist eine solche fette und breite Lenkerrolle ohnehin nicht. Sehr zu meinem Bedauern existiert in diesem Bereich (also am Rennlenker und besonders auch am Rennlenker mit Aerobars) noch eine deutliche Marktlücke zwischen den Double-Rolltop-Lenkerrollen, die wie gesagt eigentlich für Flatbars vorgesehen sind und den inzwischen ubiquitären Mini-Lenker-Rollen, die mit ersteren nichts zu tun haben, sondern kleine zylindrische Taschen mit meistens einem über die Front reichenden Reisverschluss und rund 3 bis 5 l Volumen Inhalt darstellen. Eine solche nutze ich auch in Form einer der ersten Taschen, die es in diesem Format gab: der Ornot Handlebar Bag, die vor/unter meinem Lenker und hinter der zentral vorne zwischen meinen Aerobars montierten Food Pouch hängt.

Ja, es gibt da vereinzelte Taschen, wie z.B. die Apidura Racing Handlebar Pack, die ein sehr interessantes Konzept hat, mich dann aber doch nicht auf voller Linie überzeugt hat. Oder die einen schicken Eindruck machende Banjo Racing Handlebar Bag, die ich bei Helmut equipment gesehen habe. Noch interessanter finde ich die Race Aero Bar Bag von Restrap, die vernünftigerweise ihrem Namen entsprechend der Länge nach unter die Extensions von Zeitfahraufsätzen montiert wird. Genau solche Lösungen würde ich mir in verschiedenen Varianten von mehreren Herstellen wünschen. Meine Wunschtasche hier habe ich schon mit diversen Taschenherstellern kommuniziert – vielleicht kommt ja irgendwann eine Lösung in Form einer aerodynamischen, mit Aerobars und Rennlenkern kompatibler Tasche, die auch eine zentrale Foodpouch für den Zugriff zwischen den Aerobar-Extensions integriert hat. 

Doch – das alles nur am Rande bzw. um darzulegen, worauf es meines Erachtens bei einem typischen Rennlenker mit Aerobars Cockpit Setup ankommt und wo da meine Präferenzen liegen. Hier ist auch noch wichtig, zu erwähnen, dass die ebenfalls oft zu sehenden Foodpouches links und rechts des Vorbaus und hinter dem Lenker liegend, am Rennrad bzw. Gravelbike ebenfalls sehr kompromissbehaftet sind. 

Ihr wesentlichster Nachteil: wenn ihr aus dem Sattel geht, lauft ihr bei typischen Rahmengeometrien Gefahr (oder es ist gar Gewiss), dass ihr mit den Knien bei jeder Kurbelumdrehung daran kommt. Mehr als unangenehm. Der zweite Nachteil: ihre Zugänglichkeit von oben ist meistens mehr oder weniger durch die Ellbow-Pads der Aerobars behindert. Aus diesen beiden Gründen muss ich auch schweren Herzens beim Rennrad / Gravelbike auf diese zwei Foodpouches verzichten und bevorzuge statt dessen eine einzige Foodpouch und die dann zentral zwischen den Aerobars. Da stört sie unter keinen Umständen, ist super zugänglich und auch aerodynamisch optimal. Herz, was willst du mehr (außer gleich zwei davon haben zu können, heisst das. ;-))?

Teil 2: Die Radmitte

Hier brauche ich nicht zu viel Worte verlieren. Über den Aspekt des Ausbeulens bzw. selbst ohne diesen Umstands, der Gefahr des „Reibens“ der Beine, der Waden oder der Knie an Halbrahmen- oder Vollrahmen-Taschen habe ich ja im einführenden Abschnitt ausführlich geschrieben. 

Bei Oberrohrtaschen gilt Ähnliches. Längst nicht alle Hersteller haben hier einen schlanken „Fußabdruck“ ihrer Taschen im Fokus. Manche gewichten auch das Stauvermögen deutlich über, und bieten eher breite Oberrohrtaschen an. Manchmal sind solche Hersteller sich durchaus der Problematik bewusst und versuchen diese Taschen dann trapezoidal von einer eher schlanken Wurzel nach vorne hin zum Lenker breiter werden zu lassen. Das kann für euch funktionieren oder nicht. Das gilt es auszuprobieren. Andere Hersteller scheinen da überhaupt keinen Gedanken dran verschwendet zu haben. Immer, wenn ich mir z.B. die Ortlieb-Oberrohrtasche ansehe, kann ich nur den Kopf schütteln und mich fragen, welchen Nutzungsfall da der Gestalter wohl im Auge hatte und wie O-beinig er wohl durchs Leben schreiten muss.

Aber auch bei vorbildlich schmalen Taschen, wie z.B. von Apidura, muss man schauen. Je höher solche Tasche sind, umso eher neigen sie zum kippeln bzw. sich zu einer Seite zu neigen. Das ist besonders bei runden Oberrohren der Fall, wie sie für Rahmen aus Metall (Alu, Stahl, Titan) die Regel sind. Carbonrahmen haben häufig ein abgeflachtes oder sogar auf der Oberseite ganz flaches Oberrohr. Auf einem solchen „steht“ eine Oberrohrtasche fast von allein. Aber auch nur, so lange sie entweder nicht voll gefüllt oder tatsächlich auch sehr flach ist bzw. niedrig baut (flacher als alle üblichen Bikepacking-Oberrohrtaschen). Solche flachen Taschen findet man im allgemeinen Rennradbedarf auf den typischen Versender-Seiten und es sind die schon seit vielen Jahren verfügbaren „Bento“-Taschen bzw. Gel-Täschlein für Rennrad-Marathons bzw. eher Triathlons. Da geht natürlich nicht viel rein. Sie sind wirklich nur für ein paar Gels, einen Riegel hier oder ein Minitool da geeignet und gedacht. Für mich war eine solche Tasche aber genau die gering auftragende und Nerven-schonende Lösung, um sowohl meinen Forumslader (für die Stromversorgung aus dem Dynamo samt integriertem Pufferakku) als auch die zwei USB-Kabel für Wahoo und iPhone sowie ggfs. noch Kopfhörer und vielleicht 2 Gels unterzubringen. Und zwar auch auf einem runden Oberrohr ohne jede Gefahr des Kippelns oder zur Seite Neigens. Und selbst wenn – die Tasche ist so flach, da würde die dann auch leicht gekippt kaum stören. Meine Tasche sitzt durch ihr Material und die Möglichkeit, dass sich ihr Boden mit den Klettbändern um das Oberrohr schmiegt auch verhältnismäßig gut reibend und damit verschiebe- und kippsicher auf dem Oberrohr. Ganz im Gegensatz zu Taschen aus den sehr glatten Materialien, aus denen z.B. Ortlieb- oder Apidurataschen gemacht sind. Ihr könnt sie auf dem Foto meines Rades im Trimm für das TPRNo1 sehen. Wie ihr erkennt, reicht sie nicht mal bis zur Oberkante des Vorbaus.

Natürlich gibt es einen weiteren Befestigungsbestandteil, der sowohl das Kippeln im Zaum halten, als auch die Oberrohrtasche daran hindern soll, nach hinten zu rutschen. Ein Klettband (selten auch ein Gummi), welches man um den Gabelschaft, bzw. eher die Spacer, die auf ihm sitzen, zwischen oberen Steuerrohr-Ende und Vorbau legen soll. Da braucht ihr aber schon einen mordsmäßig hohen Spacerturm, damit eine solche Lasche dann genügend hoch nahe der Oberkante der Oberrohrtasche angebracht und tatsächlich eine Chance auf das Verhindern des Kippelns haben kann. Ja – überhaupt eine Chance daraus ausrechnen kann man eigentlich nur, wenn über dem Vorbau selbst noch ein gehöriger Spacerturm thront, der dafür genutzt werden könnte. Nun wäre das aber weder optisch noch technisch wirklich gesund (weil ein solcher „Ast“ sich leicht mit anderen Dingen ins Gehege käme und auch ungesund wäre, wenn man sich damit im Fall der Fälle selbst pfählt).

Nicht ohne Grund findet man heute an mehr und mehr Gravelbikes und an Rädern, die für Bikepacking vorgesehen sind, daher Montagepunkte auf dem Oberrohr kurz hinter dem Vorbau. Darauf kann man dann geeignete Oberrohrtaschen direkt verschrauben (oder sich andere mit Hilfe einer Stanze oder Lochzange zurecht basteln). Zack – Kippelproblem gelöst! Zumindest soweit, wie die Stabilität des Bodens und der Seitenwände einer entsprechenden Tasche ausreicht. Und auch die Lasche um den Spacerturm braucht man nicht mehr. Sehr gut auch für Räder, die sowieso kaum einen solchen aufweisen.

Wer solche Montagepunkte nicht hat und auch gerne normal große und nicht nur extra-flache Oberrohrtaschen verwenden will, der kann sich z.B. zwei Dinge ansehen.

Das eine ist der Spacelink von Rockgeist. Das ist ein flacher, 6 mm hoher Ring mit Führungsschiene, der anstelle eines Spacers unter oder besser über den Vorbau montiert wird. In dieser Schiene wird dann die Lasche der Oberrohrtasche geführt und so sind Lenkbewegungen trotz engstmöglicher Führung der Tasche am Vorbau gewährt.

Und das zweite ist das recht neue Anti Strap System von 76projects. Eine Kunststoffschiene, die mittels doppelseitigem Klebeband auf ein beliebiges Oberrohr geklebt werden kann und damit dann das Bolt-On-Interface darstellt, an das dann die üblichen Bolt-On-Oberrohrtaschen geschraubt werden können. Das finde ich sehr interessant und werde es mir vielleicht mal zum Testen kaufen. Bin nur etwas besorgt über die Wiederablösbarkeit, weil 76projects ein spezifisches Industrie-Klebeband beilegt. Ich denke mal, wenn ich mir das Teil kaufe, würde ich erst mal ein anderes Tape zur Befestigung testen. Z.B. solche wiederablösbare 3M Montagestrips, die es ja auch für feuchte Umgebungen (Bad) gibt.

Teil 3: das Heck

Kommen wir somit zum Haupt-Thema dieses Artikels. Die Ladung am Heck. Die in meinem spezifischen Fall auch den Hauptteil des benötigten Volumens ausmacht. Zähle ich mein übliches, weiter oben ja bereits besprochenes Taschensetup gemäß Inhaltvolumen auf, dann sieht das folgendermaßen aus:

  • Apidura Backcountry Foodpouch: 1,2 Liter
  • Ornot Bar Bag: 3,5 Liter
  • Apidura Expedition Frame Pack: 4,5 Liter
  • Apidura Expedition Top Tube Pack: 1 Liter (neuerdings Noname Bento Pack: 0,3 Liter)
  • Ortlieb Seat-Pack: variabel 8 bis 16,5 Liter

In Summe also bis maximal 26,0 bzw. 26,7 Liter Fassungsvermögen. Davon mehr als die Hälfte (typischerweise wohl so 13-14 Liter ohne es je ausgelitert zu haben) in der Seatpack. Die bei weitem wichtigste Tasche bzw. der bei weitem wichtigste Gepäckunterbringungspunkt für mich also.

Die Randbedingungen und Motivation für die Unterbringung des Hauptanteils der in Bikepacking-Touren und besonders Bikepacking-Rennen habe ich ganz zu Anfang des Artikels erwähnt. Eher kleine Rahmen, wenig Platz im Rahmendreieck, Präferenz für Flaschenunterbringung dort und für Halfframe-Bags gegenüber Full-Frame-Bags, selbst bei Fullframe-Bags aufgrund kleinem Rahmendreieck wenig Volumen-Möglichkeit und Sorge um Reibung bzw. Irritation an der Innenseite der Oberschenkel bzw. Knie.

Die Verwendung von Gabeltaschen kann eine Lösung sein, sollte jedoch erst ganz zum Schluss in Erwägung gezogen werden, wenn andere Beladungsorte schon ausgereizt sind. Zumindest im Performance-orientierten Bikepacking. Ihr aerodynamischer Nachteil ist einfach zu groß und die Kopfschmerzen, Ladung dort sinnvoll ohne vom Hersteller der Gabel vorgesehene Befestigungspunkte unterzubringen, ebenfalls zu stark. Dagegen ist eine klassische Seatpack viel einfacher zu befestigen, ohne dass man Sorge um Speichenkontakt oder herunterrutschen der Ladung zur Achse oder auf die Bremsscheibe fürchten muss. Und eine klassische Seatpack duckt sich auch schön hinter den Fahrer und kann sogar aerodynamisch als eine Verlängerung des Rückens und zur Reduktion von aerodynamischen Nachteilen beitragen. Den Fahrer also nicht langsamer, sondern idealerweise auch ein Quäntchen schneller machen. 

Nun, idealerweise hat man für seine Bikepacking-Tour und besonders für ein Bikepacking-Rennen so wenig wie nur möglich dabei. Und je kleiner dann die Seatpack ausfallen kann, um so besser. Manche können da sogar für ein komplettes Transcontinental sehr reduziert unterwegs sein. Siehe hier, wenn ihr dem Link folgt, z.B. Apiduras Chris Herbert’s Kit-Grid.

Wenn ich mit so wenig auskommen könnte und folglich auch nur eine so kleine Satteltasche, in Chris’ Fall die nur 7 Liter große Apidura Racing Saddle Pack, benötigte, dann bräuchte ich diesen gesamten Artikel nicht schreiben. So eine Tasche trägt kaum auf, kann im Grunde nicht wackeln und auch nur wenig wiegen – also auch in keinster Weise auf die Fahreigenschaften des Rades Einfluss nehmen. Großartig Sorge zu haben, dass man viel in einer solchen Tasche kramen muss, muss man auch nicht haben. Es ist wenig drin und sie ist klein – nach dem Öffnen wird man mit ein, zwei Handgriffen schnell das finden, was man gerade braucht.

Leider habe ich trotz viel Überlegung meine eigene Ausrüstung (ihr findet sie hier ausführlich besprochen) nicht auf ein solches Mindestmaß reduzieren können. Bzw. eher: nicht wollen. Bei Chris Kit Grit fehlte mir z.B. u.a. eine Luftmatratze. Die gibt es in winzig klein und leicht. Und doch muss man sie irgendwo unterbringen. Und für mich und viele andere sind sie das wichtigste Utensil für halbwegs erholsamen Schlaf (wie kurz er auch immer sein mag). Chris Pannenset erscheint mir auch grenzwertig unterbestückt. Und wenn ihr mal schaut: am gesamten Rad ist nirgendwo Platz für Verpflegung, nicht mal eine Foodpouch. Aber: ein solch minimales Setup kann für ein Sommerrennen in warmen Ländern mit ein wenig Mut zur Lücke funktionieren.

Wenn ihr wie ich eher so zwischen 10-14 Liter hinten unterbringen wollt, seid ihr bei Satteltaschen vielleicht schon mal den folgenden Problempunkten begegnet:

Mögliche Probleme von Satteltaschen

1.) Kontakt der Oberschenkel-Innenseiten mit der Taschenwurzel 

 —> Kann bei eher „stämmig“ geformten Oberschenkeln und Taschen, die an der Wurzel, also dort, wo sie sich an der Sattelstütze abstützen, zu breit sind und auch ungünstig platzierte Klettriemen haben leicht passieren)

2.) regelrechtes Wackeln und Hin- und Her-Schwingen

 —> Habe ich persönlich keine Probleme mit. Ein wenig Schwingen liegt in der Natur der Sache (und hat seine eigenen Probleme, auf die ich gleich zu sprechen komme), aber Wackeln wie ein Lämmerschwanz sollte bei einer halbwegs ordentlich gestalteten Tasche und sorgfältiger Befestigung nicht vorkommen. Und doch habe ich schon zahlreiche Videos gesehen, wo ganz klassische Satteltaschen der bekannten Hersteller Zentimeterweise unter dem Sattel hängen und schon beim normalen Fahren – im Wiegetritt aber erst recht – schwingen wie ein Lämmerschwanz. Das muss doch total störend sein und auch das Gleichgewicht der Fahrer in Kurven stören und schluckt außerdem unnötig Energie. Ehrlich gesagt verstehe ich nicht, wie man so überhaupt fahren kann, aber nun gut.

3.) kein Platz für die Unterbringung aufgrund zu kurzer Sattelstütze. 

—> Sehr kleine Personen sind halt doppelt herausgefordert. Ein kleiner Rahmen bietet wenig Platz im Rahmendreieck. Hat aber auch oft eine kurze Sattelstütze und demzufolge wenig Raum, um eine große Seatpack dort zu befestigen. Und wenn es doch gelingt, hängt die Satteltasche gefährlich nahe über dem Hinterreifen. Sie darf dann auf gar keinen Fall deutlich bei Bodenwellen und anderen Erschütterungen nach oben und unten wackeln, weil sie sonst auf dem Reifen aufsetzt. Im besten Fall schleift das mal nur kurz. Aber auch so ist dann über kurz oder lang ein Loch in der Tasche. Im schlechtesten Fall blockiert das Hinterrad, ihr habt sofort ein Loch in der Tasche und könnt einen Sturz hoffentlich noch vermeiden:

Ortlieb Seat-Pack. Lochfrass durch Reifenreibung nach Kontakt und Reifenblockade.

4.) hoher Schwerpunkt und damit (wieder besonders bei kleinen und leichten Personen) ungünstige Beeinflussung des Fahrverhaltens des Rades

 —> Je nach Taschendesign und auch je nach Sitzrohr-Winkel, Art des Sattelgestells und auch horizontaler Position des Sattels über der Sattelstütze (also vielleicht besonders weit zurück oder vor geschoben) ändert sich auch der Winkel, den die Seatpack einnimmt. Von eher waagerecht bis bürzelmäßig schräg aufragend ist alles dabei. Natürlich sollte der schwerste Tascheninhalt eher nach vorn unten zur Sattelstütze hin untergebracht sein und die leichtesten Dinge (etwa die Daunenjacke) dann am hinteren Beladungsende ihren Platz finden. Und doch macht es einen Unterschied, ob ich in einer 8 Liter Beladung 1 Kilogramm nur 20 cm hinter der Sattelstütze und bei waagerechter Ausrichtung etwa 10 cm über dem Hinterreifen platziert habe oder ob dasselbe Kilogramm in einer 14 Liter Beladung jetzt 50 cm hinter dem Sattel hängt und bei schräg aufstrebender Satteltasche nun auch vielleicht 40 cm über dem Reifen schwebt.

5.) Zugänglichkeit des Inhalts

 —> Hierüber habe ich mich ja Eingangs ausführlich ausgelassen. Wenn man den Großteil seiner Ausrüstung in der Satteltasche unterbringen will/muss, dann muss man des öfteren auch darauf zugreifen und im Zweifelsfall ist genau das Teil das man braucht, am weitesten unten vorne in der Tasche. Da Satteltaschen eng komprimiert gepackt sein müssen, damit sie eben nicht wie ein Lämmerschwanz wackeln und auch nicht auf den Hinterreifen sacken, ist das mit nochmal mehr Aufwand verbunden.

6.) Absacken der Tasche / Sagging 

 —> Das ist ein typisches Problem von Satteltaschen. Je größer die Satteltasche ist und je waagerechter sie ausgerichtet ist (was im Hinblick auf die Lage des Schwerpunktes eigentlich vorteilhaft ist) um so eher ist sie (oder besser gesagt, ihr Inhalt) geneigt, eben dies zu tun: sich zu neigen. Auf den wohlmöglich allzu nahen Hinterreifen. Mit fatalen Folgen. Um dies zu umgehen, müssen Satteltaschen möglichst kompakt und ohne Lücken befüllt und dann mit den entsprechenden Riemen wirklich fest komprimiert werden. Aber dem sind bei großen Seatpacks trotzdem Grenzen gesetzt. Zwar sind bei guten Taschen wenigstens die Bereiche unmittelbar an der Sattelstütze mit etwas interner Verstärkung versehen – etwa eingearbeitete dünne Kunststoffscheiben – die auch dafür sorgen sollen, dass sich die gesamte Tasche dort gut abstützen kann und auch formhaltig bleibt. Diese Verstärkung reicht jedoch nicht sehr weit nach hinten. Um nicht zu sagen, sie ist oft definitiv viel zu kurz. Wenn euer Tascheninhalt jetzt keinerlei Bestandteile aufweist, die selbst als Struktur bzw. Stütze des weiteren Inhalts fungieren können (hier eignen sich z.B. Zeltgestänge, wenn ihr denn überhaupt eines mitnehmt – für Rennen eher unüblich – oder vielleicht auch leichte Schuhe) dann ist bei großen Taschen ein Absacken mehr oder weniger unausweichlich. Wie schwer dieses Problem wiegt, kommt dann darauf an, wie hoch die Tasche über dem Hinterreifen hängt. In Verbindung mit Problem 3 ist das Absacken natürlich absolut zu vermeiden.

7.) Kompatibilität mit Dropperposts bzw. Teleskopsattelstützen

 —> hier nur der Vollständigkeit halber erwähnt, da man üblicherweise bei Straßenrennen keine Dropperposts verwendet. Auch nicht bei Gravel-Rennen. Erst, wenn das Gelände so richtig technisch wird, die Reifen noch breiter und vor allen Dingen die Abfahrten steil, technisch und trotzdem schnell werden, dann finden sich vielleicht auch beim Bikepacking-Einsatz Dropperposts. Die übliche Taschenbefestigung kollidiert dann mit der Funktionalität einer absenkbaren Sattelstütze. Zudem muss die Größe der Tasche auf die Reifenfreiheit in der tiefsten Sattelposition abgestimmt sein. Eine Kompatibilität mit Dropperposts bedeutet aber wohl meistens auch, dass andere spezielle Sattelstützenarten verwendet werden können, deren Funktion sonst eher behindert würde. Beispiele können Sattelstützen mit Feder- oder Dämpfungselementen sein, wie die eeSilk Sattelstütze von Cane Creek oder auch die Dual Position Sattelstütze von redshift sports.

Mich haben zuletzt besonders die Punkte 4 und 5 zunehmend gestört. Der Punkt 1 ist ebenfalls absolut wichtig für mich. So wichtig, dass er schon seit jeher das Killerkriterium für die Bewertung entsprechender Taschen darstellt. Aber sowohl meine Ortlieb als auch meine Apidura Seat Pack bereiten mir in dieser Hinsicht keine Probleme. Wenn ihr „Erstkäufer“ seid, solltet ihr hier aber besonderes Augenmerk drauf richten. Und der Punkt 6 ist ebenfalls wichtig und sehr nervig. Dieses Problem hatte ich bei meinem allerersten Renn- und Praxiseinsatz der Ortlieb-Seatpack und ich habe es hier ausführlich geschildert: The good, the bad and the ugly. Die einfache und mittlerweile in mehreren Rennen bewährte Lösung zeige ich hier: Baut euch ein eigenes Innenskelett.

Lösungsmöglichkeiten bzw. Taschenoptionen

Wie kann man nun diesen Problemen begegnen? 

Entweder durch besonderes Augenmerk bei der konstruktiven Gestaltung von klassischen Satteltaschen. Durch Beschränkung der Größe solcher Satteltaschen. Und natürlich auch durch ganz andere Taschen-Konfigurationen, z.B. unter Verwendung von Racks, bzw. Gepäckträgern oder anderer fixer Stützkonstruktionen. Diese schauen wir uns nun an.

Harnisch-Lösungen

Harnisch-Lösungen wie z.B. die Restrap Saddlebag möchten Problem 6 (Absacken) und damit auch Problem 3 (wenig Platz durch kurze Sattelstütze) auf zweierlei Arten lösen helfen und indirekt zur Verbesserung von Problem 5 (Zugänglichkeit des Inhalts), zumindest für einen Teilaspekt davon, sorgen. Und zwar indem sie die Befestigung der Ladung an Sattel und Sattelstütze von der Umhüllung und Komprimierung der Beladung trennen. Der Inhalt kommt in einen mehr oder weniger normalen oder auch speziell angepassten Drybag, der mit einem Griff aus dem am Rad verbleibenden Harnisch rausgezogen und auch wieder hineingesteckt werden kann. 

So muss man nicht in ungelenker Position seinen Kram in die am Sattel hängende Satteltasche hineinstopfen und sich dazu eine passende Wand suchen, an der das Rad dabei lehnt und dabei Gefahr laufen, dass der Lenker umschlägt usw.. Oder gar die Riemen unter dem Sattel lösen und die Tasche ganz abnehmen, so dass man sie schön fest packen und komprimieren kann und dann wieder fluchend die Riemen mit einer Hand unter dem Sattel herführen, während die andere Hand die Tasche stützt (weswegen man das auch nicht macht). Aber so einen Drybag  kann man halt ganz normal am Boden stehend vor sich befüllen. Oder auch bei einer Hotel-Übernachtung als Ganzes einfach mit einem Griff vom Rad weg mit ins Zimmer nehmen (wenn man es nicht geschafft hat, sein Rad dorthin mitnehmen zu dürfen).

Auch kann so ein Harnisch (zumindest sollte er dies) weiter nach hinten reichen und so dem Drybag, also letztlich der Tasche, auf viel größerer Länge feste Unterstützung bieten, so dass der Boden eben nicht Absacken kann. Oft nutzen auch Taschen, die für Dropperpost-Einsatz (Problem 7) vorgesehen sind, solche Harnische.

Die Nachteile von Harnischlösungen sind oftmals etwas höheres Gewicht und eher (mir zu) große Breite direkt an der Sattelstütze. Was dann wieder mit meinen oder euren Oberschenkeln kollidieren könnte. Ebenso muss man schauen, wie die Lösungen im Detail ausgeführt sind. Ist der Drybag sehr speziell geschnitten und nur mit diesem funktioniert der Harnisch? Ist er aber gleichfalls nicht sehr robust? Verkehrt sich der Vorteil der Inhaltsentnahme aus dem Drybag in einen Nachteil, wenn man nur „mal eben“ an den Inhalt möchte und jetzt nicht nur eine Seatpack öffnen muss, sondern erst die Sicherung des Drybag im Harnisch lösen muss und dann erst an den Rollverschluss des Drybag gelangen kann?

Feste Sattelgestell-Befestigungen oder auch RevelateDesigns Spinelock

Eine reine Sattelgestell-Befestigung über fixe Metal- oder Kunststoff-Klemmen findet sich meist bei kleineren Satteltaschen für den Dropperpost-Einsatz (Problem 7). Manchmal auch kombiniert mit einer etwas höher angesetzten Klettlasche für die Sattelstütze. Aber auch unabhängig von Dropperpost-Kompatibilität gibt es auch größere Taschen, die auf diese Art das Problem 2 (Wackeln und Hin- und her Schwingen) und wenn sie gut gemacht sind, auch Problem 6 (Absacken) lösen wollen. Und zwar, in dem sie den Inhalt nicht von unten stützen, wie es ein fester Harnisch bewerkstelligt, sondern indem die Tasche quasi an ihrer Oberseite nicht nur am Punkt fixiert ist, wo die typischen Riemen unter den Sattelstreben herlaufen, sondern indem sie einen kleinen Metall oder Kunststoffrahmen bieten, der fest mit dem Sattel verbunden wird und wo der Rücken der Tasche dann über einen entsprechenden weiten Teil ihrer Gesamtlänge dran hängt. Natürlich kann man eine solche Tasche dann nicht so schnell durch lösen zweier Schnappverschlüsse der Sattelstrebenschlaufen lösen. Muss und will man üblicherweise auch nicht. 

Wenn aber doch, dann ist die relativ neue Revelate Designs Spinelock 16L  (gibt es auch als 10L Version) eine interessante Lösung. Sie verspricht all die Vorteile, die ich soeben genannt habe mit der Möglichkeit, trotzdem die Tasche durch das Herausziehen eines einzelnen Bolzens vom Rad zu entfernen. Das geht dann sogar noch schneller als bei einer klassischen Satteltasche.

Problem solcher fester Sattelgestell-Befestigungen: Ihr müsst schauen, ob diese jeweils auch mit eurem Sattel kompatibel sind. Wenn die Sattelstreben einen ungewöhnlichen Abstand voneinander haben oder wenn eurer Sattel Carbon-Sattelstreben besitzt oder gar Carbon-Hochoval-Streben, dann wird die Kompatibilität oftmals nicht gegeben sein. Z.B. könnte ich die RevelateDesigns Spinelock nicht mit meinem bewährten Brooks Cambium Carbon fahren. 

Auch sind solche Taschen wie auch die Harnisch-Lösungen eher etwas schwerer als normale Satteltaschen, die nur mit Riemen befestigt werden. Z.B. wiegt die 16L Spinelock 680 g während die klassische Ortlieb Seat-Pack 16,5 L nur mit 456 g angegeben ist.

Separate Stabilisierungs-Lösungen

Nicht direkt eine Taschenkategorie, aber eine interessante Option können die folgenden zwei Lösungen sein.

Zum einen der WOHO DOM Saddle Bag Stabilizer V2.

Das sind quasi zwei kleine Ärmchen, die ähnlich wie die Sattelgestellbefestigung einer entsprechenden Tasche der vorgenannten Kategorie an das hintere Ende der Sattelstreben geschraubt werden. Diese ragen dann auf typische Seat-Pack-Breite nach außen und dann nach unten. Auf diese Art können sie Seitwärtsbewegungen der Satteltasche viel wirksamer unterdrücken, als dies die reine Fixierung mittels den Sattelstreben-Schlaufen kann. Sie helfen also bei der Lösung von Problem 2 (Wackeln und Hin- und Herschwingen). Wobei ich der Meinung bin, dass bei einer halbwegs fachgerechten Verzurrung der Satteltasche diese Problem ohnehin kaum gegeben sein dürfte. Aber – eure Kombination aus Sattelposition, Sattelart und Taschenwahl kann ja tatsächlich in der Hinsicht etwas empfindlicher sein. Dann ist das bestimmt eine gute Option. Noch viel interessanter finde ich aber die Zusatzfunktion (oder die eigentliche Funktion – je nach Blickwinkel). Das ist nämlich die Befestigung von einem normalen Flaschenhalter-Käfig an jedem der Ärmchen. Auf diese Weise gewinnt man zwei vollwertige Flaschenmontagepunkte und kann so entweder die Positionen im Rahmendreieck gut ergänzen oder ersetzen, wenn dort gar kein Platz bleibt. Ich habe das selber aber noch nicht getestet und bin mir nicht sicher, ob man da nicht aufpassen muss, ob man in Extremfällen mit den Beinen an die Flaschen stoßen kann.

Zum zweiten möchte ich hier nochmal gesondert auf meine DIY-Seatpack-Craddle hinweisen. Diese löst Problem 6 (Absacken) und ist von mir nun schon über mehrere Bikepacking-Rennen erprobt (und immer noch meine erste Version – sie hält also mehrere harte Einsätze durch, von Europas Straßen bis zu übelsten Schotterabfahrten im hohen Atlas). Wo ein Harnisch von unten außen gegenhält und ein „Spinelock“ den Taschenrücken von oben an einem fixierten Rücken hängen lässt, da stützt meine Craddle quasi als Innenskelett den Inhalt der Tasche selbst. Und sorgt dafür, dass durch die Komprimierung der Tasche aus den Inhalt samt Craddle ein festes Ganzes geformt wird, was dem Absacken der Tasche entgegnet. Und: sie wiegt nur 77 g. 

Selbstgebasteltes „Innenskelett“ für die Ortlieb Seat-Pack

Alle bis jetzt beschriebenen Lösungen sind Abwandlungen, Sonderformen oder Hilfslösungen für die nicht gesondert aufgeführten klassischen großen Bikepacking-Satteltaschen, die rein über Schlaufen befestigt werden. Also z.B. einer Ortlieb Seat-Pack. Oder einer Apidura Expedition Saddle Pack. Und wie sie alle heissen. Und diese sind ja auch sehr praktisch. Wenn sie gut konzipiert sind und befestigt werden, ist das Problem 1 und 2 quasi non-existent. Problem 3 und 6 kann man mit den Sonderformen lösen und auch für Dropper-Posts gibt es Formate. Zudem ist das Ganze meist sehr leicht, denn selbst ein Harnisch oder eine fixe Sattelstrebenbefestigung wiegt immer noch weniger als ein kompletter Gepäckträger und vor allen Dingen liegen diese Taschen im Windschatten des Fahrers und ragen weder zum Nachteil der Aerodynamik noch zum Nachteil der Seitenfreiheit beim Navigieren durch enge Singletrails oder auch störend beim Schieben des Rades zur Seite heraus.

Was aber immer noch verbleibt (und ja letztlich auch der eigentliche Auslöser für mich zur Erstellung dieses Artikels war), sind Problem 4 (hoher Schwerpunkt) und 5 (Zugänglichkeit des Inhalts). Beide Probleme sind um so unwichtiger, je kleiner die Satteltasche ist. Wo kaum was drin ist; wo daher auch die Tasche eher kurz und kein tiefer Schlauch ist, da findet man halt alles auf Anhieb, und kann es sofort heraus holen. Und wo kaum was drin ist, wiegt auch kaum etwas und ragt auch wenig weit nach hinten oder hinten-oben heraus. Aber ab so 12 bis 14 Litern Befüllung wird es doch interessant. Bzw. sehr relevant.

Kommen wir also zu weiteren Möglichkeiten, Gepäck am Heck des Fahrrads unterzubringen. Beam-Racks, Racktop-Bags, normale Racks bzw. Gepäckträger mit Panniers bzw. Seitentaschen oder Kombinationen davon und Minimallösungen mit einem normalen, superleichten Drybag. Anything goes. Und manches vielleicht sogar sehr gut. 

Racks mit Panniers / Gepäckträger mit Seitentaschen

Stichwort „full circle“ bzw. zurück zu den Wurzeln. Wurden doch in den Anfängen des kompetitiven oder auch explorativen und möglichst minimalen Bikepackings Wege gesucht, weg von den schweren Gepäckträgern und ausladenden Seitentaschen, auf englisch „Pannier“ genannt, zu kommen. Und in der Folge die schön leichten und schlanken Seat-Packs erdacht; die auch ohne jede Spezialvorrichtung zur Befestigung von Racks etc. auskommen. Gepäckträger und Seitentaschen – die blieben für die Radwanderer, die neben Zelt und Kochgeschirr auch noch den halben Hausstand um den halben Globus mitführten vorbehalten. Und heute? Heute fährt man Wege oder nutzt Räder, wo man anstelle einer großen und ausladenden Seatpack dann doch vielleicht Vorteile in einem fest am Rad befestigten Gepäckträger sucht. Oder es aufgrund Rahmengröße oder Federweg bei einem vollgefederten Mountainbike schwierig ist, eine ausreichend große Seatpack zu nutzen. Aber vielleicht Seitentaschen die Lösung sein können. Wenn sie denn nicht zu breit und schwer sind. Wir erinnern uns: Es geht ja nach wie vor darum: beim Handling des Rades nicht gestört zu werden. Egal, ob das beim Schieben ist (ob steile Passstraße, kniffliger Singletrail oder Treppe zum Bahnhof oder in’s Hotelzimmer) oder beim Fahren (wenn’s links und rechts eng wird).

Stichwort „full circle“ bzw. zurück zu den Wurzeln. Wurden doch in den Anfängen des kompetitiven oder auch explorativen und möglichst minimalen Bikepackings Wege gesucht, weg von den schweren Gepäckträgern und ausladenden Seitentaschen, auf englisch „Pannier“ genannt, zu kommen. Und in der Folge die schön leichten und schlanken Seat-Packs erdacht; die auch ohne jede Spezialvorrichtung zur Befestigung von Racks etc. auskommen. Gepäckträger und Seitentaschen – die blieben für die Radwanderer, die neben Zelt und Kochgeschirr auch noch den halben Hausstand um den halben Globus mitführten vorbehalten.

Was mit Gründe sind, warum es in diesem Artikel halt vorrangig um Lösungen für „Hinten“ am Rad geht. Denn bei allen diesen Einsatzfällen ist die Verwendung von Seitentaschen am Hinterrad der Platzierung von Seitentaschen am Vorderrad vorzuziehen. Bei Cyclingabout könnt ihr die Bestätigung aus viel berufenerem Munde als aus meinem hören, da er mit sämtlichen Konfigurationen schon durch alle Herren Länder getourt ist: Where to Best Carry A Load When Bicycle Touring: Front or Rear Panniers?  

Und da es mir hier auch nicht so sehr um Touring, sondern vor allem um Selbstversorger Bikepacking-Rennen geht, sind zwei weitere Dinge wichtig:

  • möglichst geringes Gewicht der Gesamtlösung und
  • möglichst geringe Breite der Seitentaschen, damit die Aerodynamik nicht all zu nachteilig beeinflusst wird.

Klassische Leichtbau-Träger

Bei Leichtbau-Racks stößt man schnell auf einen Hersteller: Tubus. Und ein Modell: Den Tubus Fly. Ein minimales Rack aus Stahl, nur 460 g wiegend. Es geht aber noch leichter. Das gleiche Modell in Titan nennt sich Tubus Airy und wiegt nur 360 g. Mit allen Teilen. So, wie ich ihn verbaut habe, wiegt er gar nur selbstgewogene 298,4 g! Das ist für einen Gepäckträger quasi nichts. Und doch schon mehr als die Hälfte einer leichten und dabei doch großen Satteltasche wie der Ortlieb Seat-Pack. Natürlich gibt es noch viele weitere Gepäckträger, aber in Bezug auf minimalistische Features ist der Tubus Airy in meinen Augen die ideale Leichtbau-Basis für die Verwendung von Seitentaschen. Mehr zum Tubus Airy und meinen Eindrücken zu ihm gibt es im zweiten Teil dieser Artikel-Miniserie.

Der Tubus Airy an meinem Drifter

Es geht auch ohne Rahmenösen

Natürlich ist es der Idealfall, wenn euer Rahmen entsprechende Befestigungsösen bzw. Schraubgewinde für die Befestigung von Gepäckträgern aufweist. Mein Drifter hat ein kaum auffallendes Minimalset solcher Ösen. Jeweils links und rechts direkt über den Ausfallenden. Und in der Kettenstrebenbrücke eine verdeckte, zentrale Öse.

Wenn ihr einen Rahmen aus Metall besitzt (bei Carbon wäre ich da vorsichtig), könnt ihr aber auch ganz ohne Ösen sowohl für oben wie auch für unten ein Schellenset benutzten. Dieses hier.  

Alternativ könnt ihr für die Fußpunktmontage des Trägers auch diese Schnellspanner-Montage-Möglichkeit benutzen, wenn euer Rad noch Schnellspanner-Achsen aufweist (was heutzutage eher seltener der Fall sein dürfte).

Es gibt aber gerade auch für Steckachsen einen coolen Hack (ohne Gewähr):

Und zwar könnt ihr, wenn eure Hinterrad-Steckachse hohl ist (so wie z.B. meine), sehr wahrscheinlich einen handelsüblichen Schnellspanner durch die Steckachse führen. Das ist mehr als praktisch. Denn so könnt ihr das verlinkte Schnellspanner-Montage-Set trotz Steckachse benutzen. Natürlich müsst ihr trotzdem prüfen, ob die Gestaltung eurer Ausfallenden damit kompatibel ist oder ob ihr noch weitere Anpassungen vornehmen müsstet. Und ihr solltet diese Konstruktion dann nicht mit mehr als 25 kg Zuladung belasten.

Kommen wir nun zu den möglichen Taschenkombinationen mit einem Gepäckträger (wobei ich da nur einige Grundkonzepte benennen kann – der Fantasie sind natürlich keinerlei Grenzen gesetzt):

Leichtbauträger und Drybag

Wenn ihr den gerade vorgestellten Tubus Airy an euer Rad geschraubt habt, sind also schon mal 300 bis 360 g Gewichtsbudget verbaut. Wenn ihr jetzt auf Seitentaschen verzichtet, aber einen leichten, handelsüblichen Rolltop-Drybag darauf schnallt, dann kostet das zum einen nicht so viel und zum anderen kommt auch kaum Gewicht hinzu. Vielleicht nur 70 g für einen 12 bis 16 l Drybag. Plus nochmal 30 g für die Riemen. Also 400 bis 460 g als Gesamtlösung. Mithin: genau das selbe Gewicht wie eine eher leichte Seatpack und leichter als eine Harnisch-Lösung. Aber Vorsicht – ich erkläre gleich im Anschluss, warum das zu gut ist um wahr zu sein.

Ein solches System löst alle oben genannten Probleme bis auf Problem 5 (Zugänglichkeit). Nichts kommt in Kontakt mit euren Beinen, nichts kann schwingen, auch kurze Sattelstützen sind kein Problem und da auch ein Absacken nicht möglich ist, ist kein Reifenkontakt zu befürchten. Egal wie holprig der Untergrund und wie lasch die Befüllung des Drybags ist. Ein auf einem Gepäckträger geschnallter Drybag liegt auch definitv tiefer als ein noch hinter dem Sattel hoch in der Luft hängender bzw. nach hinten aufragender Seat-Pack und sorgt so für einen tieferen Schwerpunkt (wenn auch noch nicht ganz so tief wie die Verwendung von Seitentaschen). Da keinerlei Befestigung an Sattel oder Sattelstütze erfolgt, sind auch Dropperposts unproblematisch (man muss nur dafür sorgen, dass der Drybag nicht direkt hinter der Sattelstütze anliegt bzw. noch Platz für den tiefergelegten Sattel über lässt.

Einzig die Zugänglichkeit im Rennen ist noch um keinen Deut besser geworden. Ja – ähnlich wie bei der Harnisch-Lösung schnallt man den Drybag los und hat ihn dann einfach in der Hand. Zum schnellen mitnehmen ins Zelt oder Hotelzimmer und zum einfachen Befüllen und komprimieren vor sich auf dem Boden. Aber wenn man mitten im Fahren schnell an die Schuhüberzieher oder was auch immer gelangen möchte, die ausgerechnet als erstes im Boden gepackt sind, hat man wieder die Problematik des Herumwühlens in einem tiefen, dunklen Schlauch voller anderer Dinge vor sich. Immerhin – nichts hält einen davon ab, einen Double-Rolltop-Bag zu verwenden. Also mit Rollverschlüssen an beiden Enden. So ist der Inhalt wenigstens schon mal von beiden Seiten zugänglich. 

Bei zwei Dingen muss man jedoch aufpassen und hier muss ich den Gewichtstraum etwas platzen lassen. Ich bin bei meiner Gewichtsrechnung von zwei Dingen ausgegangen: dem Tubus Airy und einem Leichtgewichts-Drybag. Beides nicht optimal für den kombinierten Einsatz.

Bei zwei Dingen muss man jedoch aufpassen und hier muss ich den Gewichtstraum etwas platzen lassen. Ich bin bei meiner Gewichtsrechnung von zwei Dingen ausgegangen: dem Tubus Airy und einem Leichtgewichts-Drybag. Beides nicht optimal für den kombinierten Einsatz:

1.) Der Tubus Airy läuft von der Achse schön schräg der zum Reifen hin schlanker werdenden Form des Laufrades entsprechend zu einer sehr schmalen Oberseite zusammen. Oben misst er nur 6,7 cm von Außenkante zu Außenkante. Das ist gut, denn so stehen an ihm befestigte Packtaschen nicht weiter als notwendig nach außen ab und das Rad bleibt auch in unbeladener Form mit befestigtem Träger ein halbwegs graziles Gebilde. Das bedeutet aber auch, dass seine Oberseite leider nur eine sehr (zu) schmale Plattform für alles darstellt, was man auf seinem Rücken befestigen möchte. Sei es einen Drybag oder irgendeine Rack-Top-Tasche, auf die ich gleich zu sprechen komme. Einen vielleicht 25 cm durchmessenden zylindrischen Drybag auf eine so schmalen Plattform zu schnallen ist eine sehr kippelige Angelegenheit und nicht zu empfehlen. Das Konzept ist sicher interessant, aber entweder braucht man da einen normalgewichtigen Träger mit breiter Oberseite oder man befestigt eine kleine Plattform (ein Brett oder gar eine Carbon-Platte) auf dem Tubus Airy. Beides fügt aber wieder etwas Aufwand und Gewicht hinzu.

2.) Leichtgewichtige Drybags werden sehr wahrscheinlich eine eher begrenzte Lebensdauer haben. Schwachpunkt werden Scheuerstellen dort sein, wo der Drybag mit Spanngurten gehalten wird. Sicherlich wird man da etwas polstern können und in puren Straßenrennen wird man damit vielleicht eher auskommen können, als wenn bei Offroad- bzw Gravelrennen Staub und Dreck und noch viel mehr Erschütterungen zusammenkommen und ihr abrasives Werk verrichten. Lasst euch aber gesagt sein, dass selbst als robust erachtete Drybags je nach Umständen eher früher als später das Zeitliche segnen können, wenn man nicht aufpasst.

Von daher: kann sehr gut funktionieren; wird aber am Ende dann doch nicht ganz so leicht wie eine klassische Satteltasche.

Es gibt natürlich neben dem Tubus Airy andere minimale Träger-Lösungen, die in genau diese Richtung abzielen. Z.B. der T-Rack (vorrangig für die Verwendung mit Drybags oder auch Racktop bzw. Trunk-Bags) mit 617 g oder auch der Mini Pannier Rack mit 746 g. Beide von Tumbleweed.cc. Und letztlich beide auch deutlich schwerer als ein Tubus Fly oder Tubus Airy. Dennoch eine interessante Option, wie dieser Artikel auf bikepacking.com zeigt.

Leichtbauträger und Racktop-Bags bzw. Trunk-Bags

Das Prinzip und der Gedankengang ist der Gleiche wie zuvor mit den Drybags. Nur etwas anspruchsvoller bzw. im Produkt etwas komplexer. Anstelle einfach nur einen Drybag auf den Rücken des Gepäckträgers zu schnallen (der eher leicht und durch den Rolltop-Verschluss auch komplett wasserdicht ist) will man hier alle Vorteile wie zuvor genannt haben: kein Beinkontakt, kein Schwingen und Wackeln, eher tiefer Schwerpunkt und kein Absacken. Dropperpost-Kompatibilität wäre auch gegeben. Vorrangig will man aber auch das Problem der Zugänglichkeit lösen. Und das wird wirklich hervorragend bedient.

Keine Taschenfamilie lässt einem so einfach an den Inhalt wie eine Trunk-Bag. Bzw. auch als Racktop-Bag zu finden. Es gibt sie in diversen Formfaktoren und Verschlussarten. Der beste Zugriff ist sicherlich mit einem Doppelreisverschluss an jeder Seite des Deckels gegeben. Ein Zipp und schon kann man den Deckel vollflächig aufklappen und hat nicht nur alles im Zugriff sondern auch alles im Blick – muss also nicht mal kramen. Diverse Innenaufteilungen sind möglich und zu finden – man muss ja nichts komprimieren, damit die Tasche ihre Form behält und nicht herunterhängt. Außentaschen und Flaschenköcher gibt es bei diversen Modellen. Und teilweise sogar angesetzte Seitentaschen. Entweder direkt fix oder nur bei Bedarf aus einer Seitentasche heraus ausrollbar. Eigentlich ideal für die Beladungserweiterung, wenn man mit Verpflegung vollbeladen aus einem Supermarkt kommt und nun erst mal alles unterbringen muss. Diese integrierten Seitentaschen sind auch eher schmal (damit also auch nicht die Aerodynamik sehr störend) und verschwinden bei Nichtgebrauch komplett.

Schon ein Konzept, dass es mir eingangs sehr angetan hatte. Ja, eine meiner ersten Taschen, die ich damals zum Ausprobieren in der TCRNo5-Vorbereitung erwarb, war eine solche Trunkbag von Arkel. Und auch im letzten Herbst habe ich lange unterschiedliche Taschen dieser Kategorie recherchiert. 

Warum bin ich trotzdem wieder davon abgekommen?

1.) In Verbindung mit einem Tubus Airy die Plattformproblematik, die ich schon bei den Drybags angesprochen habe. 6,7 cm Breite sind definitiv auf der zu schmalen Seite für den ordentlichen Support einer solchen Trunk-Bag, wenn sie mit einer Riemenbefestigung ausgestattet ist. Proprietäre Systeme können hier abhelfen – man muss aber genau schauen, für welche Trägerbreiten sie adaptierbar sind. Ortliebs RC-Aufnahme sind z.B. einstellbar für Gepäckträger von 60 bis 140 mm Breite. 

2.) Die Vielzahl an Befestigungssystemen: Riemen bzw. Klettgurte, RC von Ortlieb, MTX QuickTrack, racktime, Snapit, KLICKfix und wie sie alle heissen. Und die Schnittmenge an Trunkbags, die ich interessant finde mit dem Befestigungssystem, mit dem sie ausgestattet sind.

3.) Wasserdichtheit. Hier muss man gewisse Kompromisse eingehen. Auch mit Laschen versehene Reissverschlüsse werden nie so wasserdicht sein, wie ein Drybag oder eine klassische Satteltasche mit Rolltop-Verschluss (vorausgesetzt, ihr Material ist wasserdicht und die Nähte verschweisst). Auch muss man beachten, dass ja gerade ein Tasche über dem Hinterrad im Regen dem Dauerbeschuss der Reifengischt ausgesetzt ist. Auch von unten und hinten. Hier lassen sich Lösungen finden, aber man muss schon genau hinsehen, welche Tasche man in den Betracht zieht. 

4.) Gewicht. Nahezu alle solcher Taschen sind für den Hobby-Tourer oder auch Pendler gedacht. Will sagen, hier geht es um modisches Aussehen und dem Wochen-End-Tourer oder Stadtradler bzw. auch Pendler praktisch erscheinende Features. Hier ein Extra-Reisverschluss, der einen Expansionsbalg verbirgt (Extragewicht), dort eine kleine Außentasche auf einer großen Außentasche mit fraglicher Praktikabilität (Extragewicht), dort ein Steckfach für eine Trinkflasche (vielleicht brauchbar, vielleicht für den Renneinsatz aber viel zu klein oder an der falschen Stelle), hier ein Extrafach mit herausziebarer Regenhaube (schon praktisch, aber besser wäre es, wenn die Tasche per se Regendicht wäre, damit ich mich weder darum kümmern muss, noch das Extragewicht habe). Ihr seht, was ich meine. 

5.) In der gleichen Folge sind leider auch die meisten dieser Taschen viel zu klein vom Inhalt und damit auch schlecht vom Eigengewichts- zum Nutzinhaltsverhältnis. Was im Produktbild bei der Suche auf Amazon oder Ali Baba (ernstgemeinter Tip, hier findet man teilweise viel interessantere Taschen als bei den etablierten Herstellern), aber auch bei Vaude, Ortlieb oder ToPeak noch ganz interessant aussieht, entpuppt sich als gerade mal 6 bis 9 Liter Inhalt darbietend. Und das ist leider deutlich zu wenig. 

Hier trotzdem eine kleine Taschenauswahl, damit ihr ein Gespür für die Art Taschen bekommt, die ich meine:

Reine Trunkbags (ohne angesetzte Seitentaschen)

Ich habe hier direkt schon die Tailfin AeroPack mit aufgeführt, damit ihr nicht demselben Irrtum unterliegt, wie ich eingangs. Ihr werdet feststellen, dass diese Tasche nämlich gerade nicht diese „Fehler“ aller anderen aufgeführten Trunk-Bags macht bzw. eher, dass sie in diesem Reigen die einzige ist, die wirklich ganz klar auf den Anwendungsfall Bikepacking-Rennen ausgerichtet ist. Ich werde sie im weiteren Verlauf noch gesondert aufführen und habe sie auch ausführlich getestet, wovon ich im Folgeartikel berichte. Welchem Irrtum bin ich zuerst unterlegen? Ich war auf der Suche nach Trunkbags. Und zwar sowohl bei den üblichen Herstellern, im Sortiment sämtlicher Online-Händler, in Foren und sozialen Medien. Wohl hatte ich das Tailfin-System auch im Sinn – aber halt als (eher höherpreisiges) Gesamtsystem. Wie sich herausstellt, kann man die Tailfin AeroPack Trunk aber auch alleine verwenden (auch wenn man sich dann entweder eine eigene Schraubbefestigung ausdenken muss oder sich auf die zwei beigelegten Zurrbänder verlassen muss und entsprechend auch einen eher breiten Gepäckträger bräuchte). Deswegen macht es Sinn, sich dann gleich das gesamte System von Tailfin anzuschauen. Dennoch, wer eine wasserdichte Tasche mit Rollverschluss und ohne Firlefanz, dafür aber mit ordentlich Volumen sucht, der könnte hier fündig werden).

Trunkbags mit angesetzten oder runterklappbaren Panniers

Hier wird es also volumenmäßig interessant (lassen wir mal die Tailfin AeroPack aus der vorhergehenden Sektion außer acht, die dort ja ebenfalls gut unterwegs ist). Andererseits ist das reine Ladevolumen im Hauptfach doch eher beschränkt und man wird nicht umhin kommen, die Seitentaschen immer in Benutzung zu halten. Die Frage ist dann – mag ich diese Aufteilung oder gehe ich für meinen Geschmack zu viele Kompromisse ein? Also bräuchte ich dann nicht eher einen etwas breiteren und damit wieder schwereren Gepäckträger? Und sitzt mir so das Gesamtkonstrukt nicht doch wieder etwas hoch über dem Hinterrad (weil die meisten dieser Taschen eher kurz und dafür hoch bauen und auch die angesetzten Seitentaschen sehr viel höher als normale Seitentaschen positioniert sind) und wiegt dann doch eher viel und ist aufgrund des Befestigungssystems nicht ideal?

Leichtbauträger und klassische Seitentaschen

Nun aber endlich zur „klassischen“ Verwendung von Gepäckträgern: der Befestigung von Seitentaschen. Wir erinnern uns an unser „Lastenheft“: Beladungschwerpunkt möglichst tief (aber auch möglichst weit vorne – idealerweise wäre der über dem Tretlager), schneller Zugriff auf den Inhalt aber halt auch möglichst leicht und möglichst wenig zur Seite hinausragend und störend. Also wenig die Aerodynamik beeinträchtigen. Nicht störend, wenn man das Rad schiebt oder eine Treppe hoch- oder herunter trägt. Und – nicht ins Gehege mit den Beinen, hier besonders, den Fersen, kommen. Gerade letzteres muss beachtet werden, weil die Räder, die wir für Bikepacking-Rennen einsetzen entweder reinrassige Rennräder oder auch agile Tourer und Gravel-Renner sind. Mithin eher deutlich kürzere Kettenstrebenlängen als ein Langstrecken-Touring-Rad aufweisen. Wenn jetzt noch vollformatige Seitentaschen, vielleicht auch möglichst weit nach vorne am Heckträger montiert werden, dann ist mindestens bei Schuhgrößen größer 43 die Kollision mit den Hacken vorprogrammiert.

Auch wollen wir üblicherweise nicht 40 Liter unterbringen, wie es ein Paar von großen Hinterrad-Packtaschen oft bereitstellt, sondern 20 Liter wäre schon mehr als ausreichend. Wir wollen weder das Volumen, noch das damit einhergehende Gewicht und oft brauchen wir auch nicht die derbsten aller Materialien, wenn wir nicht gerade mit häufigem Felskontakt rechnen oder uns regelmäßig durch Dorngestrüpp schlagen wollen.

Gibt es also kompakte und leichte Seitentaschen von der Stange, die für die Zwecke von Bikepacking-Rennen geeignet sind? Ja die gibt es. Und zwar muss man dazu entweder bei den typischen Herstellern von Bikepacking-Taschen schauen (wie z.B. bei Revelate Designs) oder bei den Herstellern von klassischem Radgepäck nicht nach den Hinterrad- sondern nach den Vorderrad-Taschen suchen.

Bei Vaude findet man da z.B. die Vaude Aqua front light (Paargewicht 991 g selbstgewogen) mit den Abmessungen 15 x 31 x 34 cm und dem Gesamtladevolumen als Paar von 22 l. Und bei Ortlieb ist es das „Gravel-Pack“ das man entweder unter Vorderrad-Taschen oder über deren Bikepacking-Linie (in der sie auch angesiedelt sind) findet. Dieses wiegt als Paar selbstgewogene 1181 g mit den Abmessungen 14 x 25 x 30 cm und dem Gesamtladevolumen von 25 l als Paar.

Beide Taschen habe ich mir testweise gekauft und nach der ersten Bewertung die Vaude-Taschen für einen erweiterten Praxistest behalten. Auch hier findet ihr die detaillierte Besprechung und Bewertung im Folgeartikel.

Beide Taschen sind schön kompakt (auch wenn sie für meine Zwecke gerne noch etwas schmaler sein dürften) und so leicht es halt mit üblichen Systembefestigungen geht. Beide Taschen  haben also ein System aus semiautomatischen Greifhaken (für die Hauptbefestigung an der oberen horizontalen Stange des Trägers) und einem oder zwei justierbaren Klemm-Ärmchen an einer Plastikplatte zur Rückenverstärkung der Seitentasche.

Geht es auch minimalistischer? Ja, da gibt es etwas. Und zwar die Revelate Designs Nano Panniers, welche mich ursprünglich dazu angeregt hatten, mich für das Thema Gepäckträger und Seitentaschen für den Bikepacking-Renneinsatz zu erwärmen. 

30 cm lang, 26,7 cm hoch und nur 7,6 cm breit, was mir ideal erscheint. Nur 465 g Gewicht und 13 Liter Gesamtvolumen bereitstellend. Gerade ausreichend. Und wenn nicht, kann ja trotzdem immer noch eine kleine Drybag (oder auch temporär eine Musette oder ein Turnbeutel) oben drauf geschnallt werden. Das geringe Gewicht kommt auch durch den Verzicht auf Systembefestigungen zustande, was zusätzlich den Vorteil hat, dass da kein Haken abbrechen und sich kein Mechanismus lösen oder verklemmen kann. 

Revelate Designs warnt ausdrücklich davor, dass die Nano Panniers nicht wasserdicht sind. Aber das Material selbst ist es schon und ich wäre gewillt gewesen, den Test anzutreten, da auch die Reissverschlüsse entgegen einer Trunk-Bag oder einer Seat-Pack nicht im Wasser-Schleuderbereich des Hinterreifens sondern links und rechts davon liegen.

Was mich letzten Endes dazu bewogen hat, die Nano Panniers nicht zu kaufen hing wieder mit der Kompatibilität mit dem schmalen Tubus Airy zusammen. Zwar kann man die Nano Pannier mittels „adjusting cam buckles“ auch an schmal-rückige Träger anpassen, meint Revelate Designs. Aber anstelle dann auf den breitflächigen Hauptverbindungslaschen aufzuliegen, scheint mir die ganze Last dann auf den schmaleren Riemen zu liegen. Und für die untere Befestigung wäre eigentlich eine weitere horizontale Strebe am Träger vorteilhaft. Da hat der Tubus Airy aber nichts. Eher ungünstig.

Die gleichen Vorbehalte hatte ich gegenüber dem Moosetreks Rear Rack Saddle Pack, der sich die gleiche Befestigungsart mit den Nano Panniers teilt. Die ich auch eigentlich für den rauen Bikepacking-Einsatz für besser als die Befestigung z.B. der Vaude und Ortlieb-Taschen finde. Weil ich auch unter anderem nicht den Wert darauf lege, die Taschen mit einem Griff vom Träger zu lösen (was aber – das habe ich im Praxistest gelernt, schon sehr praktisch für Hotelübernachtungen – und wahrscheinlich gleicherart für das Zelten – ist). Man bräuchte dann halt nur einen etwas anderen Träger als den Tubus Airy, vermute ich mal.  Der Moosetreks wäre mir sogar noch genehmer als die Revelate Designs Nano Pannier. Denn er hat vergleichbare Abmessungen, ist insbesondere auch schön schmal (ebenfalls 7,5 cm) ist aufgrund seines Roll-Top-Verschlusses definitiv wasserdicht und auch noch wesentlich preiswerter.

Was gibt es noch? Z.B. die Tailfin SL22 Super Light Pannier Bags. Mit 22 Litern Inhalt (also 44 L für das Paar) eher groß und auch aufgrund des Befestigungssystems auf die speziellen Tailfin-Träger ausgerichtet (es gibt aber Konversionskits, mit dem auch eine Montage an klassische Träger wie z.B. von Tubus möglich ist). Trotz ihrer Größe sind sie aber noch vergleichsweise leicht und in der Montageausrichtung, wie sie der originale Tailfin-Träger vorsieht, hatte ich auch keine Probleme mit der Fersenfreiheit. Wenn man sie auf das Nötigste reduziert (z.B. einen internen Netzordner herausnimmt) kommen selbstgewogene 1239 g Gewicht für das Paar zusammen. Ich bin recht angetan von Fahrverhalten mit diesen Seitentaschen und finde das Befestigungssystem sehr elegant und robust. Auch hier mehr dazu im Folgeartikel.

Wenn also die Revelate Designs und Moostreks Seitentaschen doch noch zu unflexibel in der Befestigung sind oder anders gesagt, vielleicht zu flexibel in der Befestigung sind und ihr lieber eine bewährte Systembefestigung wie an einer Vaude- oder einer Ortlieb-Tasche haben wollt… Aber euch diese von der Formgebung nicht zusagen oder einfach immer noch zu breit oder auch zu schwer sind… Oder wenn ihr einfach nur die Laschenbreite und Laschenanordnung passend für einen Tubus Airy haben wollt, dann steht natürlich (wie auch bei allen anderen Taschentypen) der Gang zum Custom-Hersteller frei. Das Material der Wahl (vielleicht superleichtes Dyneema) oder die Farbe der Wahl in genau den richtigen Abmessungen und sogar das Befestigungssystem der Wahl – alles möglich. Aber da schlackert man dann schon mit den Ohren, was den Preis angeht. Bei einem Hersteller habe ich mal angefragt (weil dieser bereits schon die eine oder andere Seitentasche hergestellt und auf seinen Seiten gezeigt hat – Seitentaschen sind längst nicht im Repertoire einer jeder kleinen Taschenmanufaktur, die sich oft auf Toptube-Bags, Seat-Packs und Framebags samt der einen oder anderen Foodpouch konzentrieren). 300 bis über 400 Euro wären die Kosten. Angesichts meines damaligen Recherche-Standes  (Ist ein System aus Seitentaschen und Trägern überhaupt interessant für mich? Wie ist die Handhabung? Gefällt es mir gut und besser als eine klassische Satteltasche?) habe ich erst mal dankend abgelehnt.

Soviel also zu Seitentaschen bzw. und Panniers generell. Lösen sie denn nun die möglichen Probleme von Satteltaschen? Oh ja!

  • Problem 1 (Kontakt der Oberschenkel-Innenseiten mit der Taschenwurzel) – gelöst.
  • Problem 2 (Wackeln und Hin- und Her-Schwingen) – gelöst
  • Problem 3 (kein Platz für die Unterbringung aufgrund zu kurzer Sattelstütze) – gelöst.
  • Problem 4 (hoher Schwerpunkt) – gelöst (und zwar bei weitem am Besten von allen bisher vorgestellten Lösungen)
  • Problem 5 (Zugänglichkeit des Inhalts) – gelöst
  • Problem 6 (Absacken der Tasche) – gelöst
  • Problem 7 (Kompatibilität mit Dropperposts / Teleskopsattelstützen) – gelöst

Aber: Kein Licht ohne Schatten. Logisch, sonst hätte man die Bikepacking-Satteltaschen nicht erfinden müssen.

  • Bei kurzen Kettenstreben und großen Packtaschen muss man die Fersenfreiheit beachten
  • Normale Seitentaschen stellen in Verbindung mit dem nötigen Gepäckträger ein deutliches Mehrgewicht gegenüber Satteltaschen dar.
  • Normale Satteltaschen sind viel zu breit (nach Außen hin) was zu geringerer Manövrierbarkeit beitragen kann und die Aerodynamik deutlich gegenüber Satteltaschen verschlechtert (mehr dazu im gesonderten Abschnitt „Aerodynamik“ im Folgeartikel).

Alle drei Punkte kann man lösen bzw. in ihrer Auswirkung minimieren, wie ihr den Schilderungen zuvor entnehmen könnt. Ich war jedenfalls sehr von der Kombination des Tubus Airy und den Vaude Aqua Front light angetan.

Natürlich ist es dazu von Vorteil, wenn das eigene Rad auch Montage-Ösen für die Befestigung von Gepäckträgern vorsieht. Ein paar Kniffe, wie es mit normalen Trägern auch ohne geht, habe ich genannt. Es gibt aber auch Gepäckträger, die von vornherein für die Montage auf Rädern (und auch auf Carbonrahmen) ohne solche Ösen vorgesehen sind. Dazu komme ich jetzt.

Klemm-Racks / -Gepäckträger — Lösungen für Rahmen ohne Ösen

Wenn euer Rahmen keine Gepäckträger-Ösen aufweist und auch Schellen-Lösungen nicht unbedingt zu empfehlen sind, weil der Rahmen vielleicht aus Carbon ist, dann könnten folgende zwei Systeme interessant sein. Beide sind von ihren Herstellern auch ausdrücklich für die Montage an Hinterbauten von vollgefederten Mountainbikes zulässig. Das finde ich sehr interessant und praktisch, habe mich aber noch nicht damit auseinander gesetzt, wie tauglich und robust das z.B. wirklich für ein Atlas Mountain Race wäre. 

Da wäre z.B. die recht neue Tetrarack Serie von ToPeak.

  • Tetrarack M2L, Rückenbreite 13,5 cm, kompatibel mit diversen Klicksystemen der Taschen von ToPeak, maximale Zuladung 12 kg und wiegt 1,1 kg

Der Tetrarack M2L ist dabei die Version für 650B Gravel- bzw. 700C und 29er MTBs.

Es gibt auch einen Tetrarack R2 für 26-29“ Rennräder, der hat dann nur 9 kg maximale Zuladung und wiegt dafür aber auch nur 870 g

Und es gibt auch M1 und R1 Tetraracks, die sind dann für die Gabel vorgesehen.

Bei Thule ist es der schon länger existierende Thule Tour Rack, der im Sinne von „one size fits all“ für die „meisten Fahrradtypen, vom MTB mit Vollfederung bis zum Alltags- und Straßenrennrad, vorne oder hinten angebracht werden kann“ (so die Thule Webseite).

  • Thule Tour Rack, Rückenbreite 17 cm, maximale Zuladung 11,3 kg, Gewicht 1,1 kg.
  • ggfs. für manche Packtaschen ergänzend erforderlich: Thule Pack’n Pedal Side Frames, Gewicht 0,43 kg

Mit diesen montierten Trägern können dann im Grunde genommen alle Seitentaschen (und auch Trunk-Bags), die ich in den vorhergehenden Abschnitten erwähnt habe, verwendet werden. Unter der Voraussetzung, das gewisse Abmessungen gewahrt bleiben. Z.B. erscheint die Tetrarack-Serie nicht dazu geeignet, besonders lange Trunk-Bags (die meisten sind aber – leider – eh eher kurz und kompakt) aufzunehmen. Auch würde ich mir sehr genau die Hebelverhältnisse der Gesamt-Konstellation aus vorgesehenen Taschen und dem jeweiligen Träger ansehen und die genannten maximalen Zuladungen deutlich unterschreiten.

Zu guter letzt muss man die erheblichen Eigengewichte dieser Gepäckträger beachten. 870 g für den Tetrarack R2 (wenn ihr ein Rennrad bzw. Allroad-/ Gravel-Bike für Straßenrennen bzw. Straßen- und leichte unbefestige Wege ausrüsten wollt) sind schon heftig im Vergleich zu einem Tubus Airy mit rund 300 g. 1,1 kg für den M2L oder gar 1,1 kg plus noch einmal 0,43 kg für die Side Frames bei Thule… No way, José. Bzw. dieses erhebliche Mehrgewicht muss schon durch andere Erwägungen aufgehoben werden. Z.B. wenn es unbedingt eine Kombination aus den sehr leichten Revelate Designs Nano Panniers mit einem mittig auf den Träger geschnallten Drybag für das vollgefederte Mountainbike sein soll. Dafür könnte ich mir vorstellen, dem ToPeak Tetrarack M2L mal eine Chance zu geben. 

 Beam-Racks

Wenn man auf gar keinen Fall etwas an den Sitzstreben befestigen möchte, aber eine Sattelstütze aus Aluminium verwendet, könnten sogenannte Beamracks eine weitere Möglichkeit für die Montage von Trunk-Bags und teilweise auch von (sehr leichten und kleinen) Seitentaschen sein. 

Auch hier kann man sich über die Vielzahl der Bauformen bei ToPeak einen guten Überblick verschaffen. Diese bieten gleich eine ganze Reihe von Beamracks für Alltags bis zu Tourenrädern an.

Aber so richtig überzeugt mich diese Kategorie an Trägern nicht. Ja, sie sind etwas leichter als einer der vorgenannten Nachrüst-Träger (mit Gewichten von rund 600 bis 800 g), haben dafür aber auch nur eine geringe maximale Zuladung zwischen 5 bis 8 kg und sollten wirklich nur an Metall-Sattelstützen verwendet werden. Im Resultat hängen diese Träger dann trotz diverser Abwinklungen weit über dem Hinterrad. Einfach, weil sie ja über der Sattelklemme erst ansetzen können. Was dazu führt, dass das Problem 4 (hoher Schwerpunkt) nicht gelöst, sondern eher verstärkt wird. Und gerade um diesen Aspekt geht es mir ja aktuell mit am meisten.

Eine andere Beamrack-Lösung hatte ich ganz zu Anfang meiner Bikepacking-„Karriere“ ausgetestet. Den Arkel Randonneur Seat Post Rack. Dieser weist eine sehr interessante Zusatz-Befestigung auf. Er stützt sich quasi nur gegen den Rücken der Sattelstütze und hängt sich dann zusätzlich über eine Klemmbefestigung an die Sattelstreben. Das macht ihn auch tauglich für die Verwendung mit Carbon-Satteltstützen. Blockiert und fixiert andererseits aber auch den hinteren Bereich des Sattels. So kann man da z.B. keine Trinkflaschen befestigen, wie man es aus dem Triathlon-Bereich kennt oder man kann auch keine Dropperposts oder Gelenk- bzw. Federsattelstützen verwenden (was man mit einem Beamrack könnte, der rein an die Sattelstütze geklemmt würde. Achtung: bei Dropperposts muss trotzdem auf die Zulässigkeit von Aussenklemmungen geachtet werden).

Der Arkel Randonneur Seat Post wiegt „nur“ 495 g, was leider immer noch signifikant ist. Und er ragt leider auch relativ hoch über dem Hinterrad nach hinten. Aufgrund der Aufhängung an den Sattelstreben kann man die Trunkbag auf ihm auch nicht bis ganz an die Sattelstütze heran schieben. Was gut ist; so kommt man auf gar keinen Fall mit den Oberschenkeln mit ihr in Kontakt. Was aber auch schlecht ist, denn so kommt das Gewicht eines Teil des Inhalts halt auch weiter nach hinten zu liegen als es das in einer klassischen Bikepacking-Satteltasche täte. Und da wären wir wieder bei der Schwerpunkt-Lage. Gerade die Kombination aus Arkel Randonneur Seat Post und Arkel Trailrider Trunk Bag (die Tasche war schon schön praktisch) habe ich an meinem Canyon Rennrad als sehr unschön empfunden. Diese Kombo stellte doch schon einen ziemlichen Hebelarm dar, den ich im Wiegetritt deutlich gespürt habe. Nicht nur im Fahrverhalten, sondern gefühlt sogar auf den ganzen Hinterbau des Rades auswirkend. Deswegen habe ich diese Idee nach nur einer Testfahrt zum Edersee und zurück verworfen und Beamrack und Tasche sofort wieder verkauft.

Canyon Ultimate CF SLX mit Arkel Tailrider Trunk Bag auf Arkel Randonneur Seat Post Rack

Custom Mini-Racks, U-Loops und Mini-Panniers 

Jetzt bewegen wir uns wieder von den normalen Gepäckträgern oder auch Nachrüst-Optionen weg, aber überlegen, wie man das Konzept „schmale, eher tief platzierte minimale Seitentaschen“ aber auch „minimale Trunk Bags oder Tailrider“ denken könnte, wenn man von vorne herein einen Custom-Rahmen in Auftrag gibt.

Da sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt und ich kann die Vielzahl der interessanten integrierten oder maßgefertigten Trägersysteme hier nicht mal annähernd darstellen. Was es da nicht alles an schicken Trägern ob Hinten oder Vorne am Rad, ob als Lowrider an der Gabel oder als Porteur-Rack an Front und mit interner Kabelführung und Beleuchtungsbefestigung gibt. Aber hier soll es ja um minimale Lösungen für das Heck gehen. Auch da gibt es ein paar leckere Sachen und bestimmt sind mir längst nicht alle bekannt. 

U-Loops

Besonders angetan haben es mir sogenannte U-Loops. Das sind einfache, dünne Röhrchen, zu einem U mit den ungefähren Abmessungen 7 x 15 cm gebogen. Diese, angebracht an Sitzstreben oder auch Gabelholmen, können dann zum ein- oder aufhängen von leichten Lowridern bzw. flachen Seitentaschen verwendet werden. Schaut mal auf dem Instragram-Stream von Jean Michel Timmermans vorbei, der u.a. sowas herstellt. Sogar als Nachrüst-Option, die mit belieben Schellen bzw. Klemmkonstruktionen der Wahl an eurem Rad befestigt werden könnten. Jean Michel hat auch eine Webseite mit diesen und weiteren Produkten: Tim Tas+Rek. Hier direkt der Link zur U-Loop-Bag und auch diesen Trägern.

Idealerweise ist so eine U-Loop aber direkt bei der Konzeption des Rahmens vorgesehen. Im folgenden Instagramm-Beispiel seht ihr das Rad von Christian aus Belgien der an Gabel und Sitzstrebe solche U-Loops hat. Nun – weder die simple Verschraubung von außen noch die Gestaltung des Rahmens und Rades als Solches haut mich jetzt vom Hocker. Aber das Konzept finde ich sehr reizvoll. Stellt euch das in Titan an Titansitzstreben vor. Auch ohne montierte Taschen hat das dann Style. Ist minimal, trägt also nicht sehr auf, fügt aber einen interessanten Blickpunkt zu. Im letzten Bild (ganz nach rechts scrollen) sieht man dann die minimalen Taschen, die einfach über die U-Loops geschoben werden. Entsprechend schlank, ducken sie sich auch komplett hinter den pedalierenden Beinen und dürften so kaum zusätzlichen Luftwiderstand bewirken (ganz im Gegenteil zu weit ausladenden vollformatigen Seitentaschen). Anstelle solcher Taschen kann man auch entsprechende Drybags daran fest machen. Schon schick!

Mini-Tailrider

Ich bin mir gar nicht mal sicher, ob das eine zutreffende Bezeichnung ist. Ich meine damit solche filigranen und minimalistischen Träger, wie sie z.B. Fern manchmal verbaut. Z.B. hier zu sehen:

Sozusagen wenig mehr als eine horizontale U-Loop, leicht ansteigend in der Mitte zwischen Reifen und Sitzknoten an den Sitzstreben angeschlagen und minimalistisch gegen eine etwas tiefer liegende Sitzestrebenbrücke (wo sonst bei felgengebremsten Rädern die Bremse montiert wäre) abgestrebt. Toll. Gut – das ist nichts, um da 16 Liter Gepäckvolumen unterzubringen. Aber für etwas weniger geht es sicher gut und sieht wie gesagt mit und ohne Gepäck blendend aus.

Ein weiteres Beispiel zeigt dieses Rad von República Bicicletas:

Auch hier muss man bezüglich des maximalen Gepäckvolumens Beschränkung in Kauf nehmen und bei der im Foto gezeigten Tasche auch Sorge haben, mit den Oberschenkeln an die Tasche zu kommen. Aber: auch diese Lösung eines minimalen Heckträgers vereint niedrigen Schwerpunkt, kein Wackeln, kein Sacken und all die anderen Vorteile, die solche Racks mit sich bringen. Und, er wird sicher wenig wiegen und er macht auch unbeladen eine Super Figur. Style matters!

Aber ihr seht schon – wenn am Heck wirklich die Hauptladung untergebracht werden soll oder wenn gerade kein neuer Rahmen zur Beschaffung ansteht, dann sind die zuvor genannten Optionen schon noch etwas praktischer bzw. haben das Potenzial für mehr Zuladung, als es vielleicht U-Loops oder Mini-Racks gewähren.

Gibt es denn noch eine weitere Konfiguration oder ein System, dass die Vorteile von Gepäckträgern mit den Aerodynamik-Vorteilen und dem schlanken Querschnitt von Satteltaschen übereinander bringt? Also eine gute Plattform für eine auf die Zwecke von Bikepacking ausgelegte Trunk Bag bietet, dabei möglichst wenig wiegt und trotzdem auch an Rädern ohne spezielle Befestigungsösen verwendet werden kann? Ja, gibt es und das soll dann den Abschluss dieser langen Liste an diversen Möglichkeiten zur Beladungsunterbringung am Heck darstellen (die dann trotzdem längst noch nicht alle Subvarianten umfassend benennen kann).

Integriertes System aus minimiertem Rack und Racktop Bag – die Tailfin Aeropack und die Tailfin Racks

Tailfin hatte sich 2016 aufgemacht, einen leichtgewichtigen Carbon-Träger und darauf aufbauend ein System mit Seitentaschen und in der Folge auch einer Trunkbag zu konzipieren und herzustellen, der anders sein sollte als die hergebrachten schweren Träger, die zwar zuverlässig ihren Dienst an Reiserädern oder auch Alltagsrädern dienten, aber halt auch schwer sind, spezielle Befestigungen am Rahmen voraussetzen und daran dann fest verschraubt werden müssen. Selbst für ein schnelles Pendlerrad vielleicht etwas zu schwer, wenn man da sensitiv ist. Definitiv nicht mal eben so als Moment-Entscheidung zwischen Tür und Angel an- und abzumontieren und eben nichts für Räder ganz ohne Montagepunkte – wie alle Rennräder zur damaligen Zeit. Tailfin wollte das lösen. In der Zwischenzeit hat sich bei Tailfin einiges getan und es gibt mittlerweile eine ganze Familie von Komponenten, aus denen man wählen und seine Wunschkonfiguration zusammenstellen kann. 

Z.B als reines Seitentaschen-System mit einer oder zwei Packtaschen. Ideal, wenn man ein Freund von solchen Seitentaschen ist, aber ein Rad ohne Gepäckträgerbefestigung besitzt und sich auch nicht mit den oben genannten Aufsatz-Trägerlösungen von ToPeak oder Thule anfreunden mag. Was ja schon allein eine Frage des Gewichts sein kann. So wiegt der leichteste rein für Seitentaschen benötigte Träger von Tailfin (der X One Pannier Rack) nur selbst gewogene 327 g, wovon 232 g auf den Hauptcarbon-Arch entfallen und die Strebe, die von diesem zur Sattelstütze verläuft, mit 95 g zu Buche schlägt. Das sind interessanterweise trotzdem noch 29 g mehr als mein Tubus Airy. Der in meiner Konfiguration allerdings den Vorteil hat, dass ich an meinem Rad nur eine zentrale Titanstrebe zur Verbindung mit den Sitzstreben nutze. Wären es derer zwei, wäre der Tailfin X One Pannier Rack gleich schwer bis einen Hauch leichter. 

Man kann also mit Fug und Recht behaupten: ja, der Tailfin X One Pannier Rack ist so ziemlich mit das leichteste, was der Markt an Trägersystemen für Seitentaschen bietet. Noch dazu, da dieses System nicht nur fix an vorhandenen Befestigungsösen am Ausfallende des Rahmens angeschraubt werden kann, sondern auch ein sehr gut gemachtes Schnellwechsel-System zur Befestigung an Rädern ohne solche Vorrichtung bietet. Ihr braucht dazu eine kompatible Steckachse oder einen Schnellspanner je nach Ausführung eures Hinterbaus, die ihr von Tailfin bekommt. Daran wird dann der Haupt-Stützbogen des Tailfin-Träger-Systems per Schnellverschluss befestigt.

Es gibt diese Haupt-Stützbögen (die Arches) jeweils in Carbon und in Aluminium. Die Stützstreben ebenso. Diese Stützstreben verlaufen vom Haupt-Stützbogen, wo sie per Gleitgelenk verbunden werden zur Sattelstütze oder auch zum Sitzrohr, wo sie mit einem ebenfalls sehr durchdachten und soliden Klemmschlaufenmechanismus flexibel befestigt werden.

Noch interessanter für das Bikepacking wird es, wenn wir uns die zweite Hauptkonfiguration ansehen, die als ganzes die AeroPack darstellt:

Hier stellt die Trunkbag selbst ein tragendes Element dar und verbindet anstelle der Stützstrebe den Hauptstützbogen mit der Sattelstütze. Man hat also nur die Trunkbag selbst (die in ihrem Boden einen Alurahmen führt) und den Hauptstützbogen. Mit dem separat an die Trunkbag angeschraubten Seat-Post-Connector ist das System komplett. Und ist genau auf die Zwecke des Bikepacking und #Fastfar ausgelegt. 

Genau wie ich oben zum System Seitentaschen und Panniers schrieb, war es Tailfin das gleiche Anliegen, die verbleibenden (oder neu eingeführten) Probleme von Satteltaschen zu lösen, aber gerade ohne Taschen an den Seiten anzuordnen und in den Wind zu hängen.

  • Problem 1 (Kontakt der Oberschenkel-Innenseiten mit der Taschenwurzel) – gelöst
  • Problem 2 (Wackeln und Hin- und Her-Schwingen) – gelöst
  • Problem 3 (kein Platz für die Unterbringung aufgrund zu kurzer Sattelstütze) – teilweise gelöst, mit einem Twist – wenn ein mittlerweile verlängerter Seatpost-Connector verwendet wird
  • Problem 4 (hoher Schwerpunkt) – deutlich verbessert
  • Problem 5 (Zugänglichkeit des Inhalts) – gelöst
  • Problem 6 (Absacken der Tasche) – gelöst
  • Problem 7 (Kompatibilität mit Dropperposts / Teleskopsattelstützen) – gelöst

Und das schöne, man kann das System auch gemischt verwenden. Ein und dieselbe Trunk Top Bag dient im AeroPack System als integriertes Hauptelement, kann aber auch zusätzlich auf das reine Pannier-Trägersystem aufgesetzt werden. Und das AeroPack System kann ich anstelle des komplett „nackten“ Hauptstützbogens, die S-Serie (der in der Carbon-Version nur 185 g wiegt), auch mit dem Hauptstützbogen mit den integrierten Pannier-Montage-Stutzen, der X-Serie, verwenden. Die, wie oben schon geschrieben, dann 232 g wiegen. Wenn ich mag, kann ich dann die Aeropack zu diversen Zeiten mit einem oder zwei Panniers für Monster-Gebpäckvolumen ergänzen. Oder, wenn ich hauptsächlich Seitentaschen bevorzuge, auch dieses System ab und an mit der separat (auch per Schnellverschluss möglich) aufsetzbaren Trunk Top Bag ergänzen.

Wenn doch mal der gesamte Hausstand mit muss: Tailfin AeroPack mit zusätzlich angesetzten SL22 Super Light Pannier Bags

Mögliche Nachteile: Das System ist nicht gerade als günstig zu bezeichnen. Und man darf sich auch die Frage stellen, wie robust so ein leichter Carbon-Träger ist. Vor allem, da ich in der Vergangenheit schon von dem einen oder anderen Versagensfall gehört hatte. Zwar vertrauen wir ja auch unseren Carbon-Rahmen und prügeln diese schonungslos auch über Kopfsteinpflaster oder Gravel, aber so ein etwas bauchig (obgleich auch elegant) ausladender Tragebogen ganz hinten am Rad – der kann ja bei Stürzen oder beim Umfallen schon mal mehr abbekommen. Wo sonst der Lenker, der Sattel, oder im Zweifel das arme Schaltwerk die Wucht des ersten Bodenkontakts ausbaden darf, kann es jetzt auch der Tailfin Carbon Arch sein. Hmmm.

Diese beiden Punkte hatten mich die letzten Jahre davon abgehalten, das System für mich in Erwägung zu ziehen. Nachdem ich aber alle vorgenannten Systeme von der reinen Bikepacking Seatpack über Rack und Pannier usw. nochmal ausführlich durchexerziert hatte und ich mir in der Folge auch den Tubus Airy Träger samt Seitentaschen zum ausführlichen Testen zugelegt hatte fand ich Gefallen an dem Konzept „separater Träger“ und schaute mir daraufhin Tailfin nochmal erneut an. Und wie ich dann so bin – alles im Sinne des Erkenntnisgewinns und nichts ist so viel Wert wie die eigene Praxiserfahrung – habe ich mir dann einfach auch noch den Tailfin Aeropack gekauft. Aber in der Alloy Version. Denn ich hatte festgestellt, wenn ich diese Aluminium-Version wähle und auch auf die Schnellverschluss-Achs-Montage verzichte (weil mein Rahmen ja Montageösen am Ausfallende hat), dann wird der Preis verträglich: 245 Euro stellt so die derzeit günstigste Version des AeroPacks dar. Mit zusätzlichen Fast-Release Dropouts werden es dann 300 Euro (wenn ihr euch diese Teile anseht, könnt ihr das aber auch nachvollziehen) und als Carbon-Version mit Fast-Release sind es dann gleich 391 Euro (Preisangabe Anfang März 2021).

Der AeroPack Alloy schlägt also gleich drei Fliegen mit einer Klappe: er ist günstiger als die Carbonversion, ich mache mir mit diesem überhaupt keine Sorgen in Sachen Empfindlichkeit und Sturzfolgen und er bringt sogar Dreifach-Montagepunkte für die Befestigung von Trinkflaschenkäfigen oder Cargo-Cages mit. Also eine Zwischenlösung zu dicken Seitentaschen, falls man noch irgendwas Schmales unterbringen muss oder für besonders trockene Gegenden richtig in der Wassertransportkapazität aufrüsten möchte.

Zusammenfassung

Wenn ihr bis hier hin alles Gelesen habt – Glückwunsch! Ihr seid belesene und interessierte Menschen und seid fähig und willens, niedergeschriebenen Gedankengängen zu folgen und euch die Ergebnisse zu nutze zu machen. Auch wenn ihr den Artikel nur überflogen habt – ich hoffe ich konnte ihn ausreichend mit Überschriften, Fotos und Zitatblöcken strukturieren, so dass ihr an den Punkt eures jeweiligen Hauptinteresses springen und tiefer einsteigen konntet. Mich würde freuen, wenn ich dem einen oder anderen wenigstens teilweise Neues zeigen oder wenigstens dazu anregen konnte, einer anderen Konfiguration als der klassischen Satteltasche mal eine Chance zu geben. Oder dazu anzuregen, mal links und rechts der so allgegenwärtigen Satteltaschen für das Bikepacking zu schauen. Gerade, wenn ihr vielleicht kleinere Rahmen fährt und ihr auf den ganzen typischen Web-Adressen von Bikepacking-Taschen-Herstellern bisher wenig fündig wurdet.

Andererseits wiederhole ich mich hier gerne: Anything goes und eigentlich konnte man schon immer bei jeder Zusammenkunft von Bikepackern, Bikepacking-Racern und Randonneuren jede Menge an den unterschiedlichsten Taschen-Konfigurationen überall am Rad bewundern. So hat da natürlich auch jeder seine Präferenzen und auch Bedürfnisse an Ladevolumen. Deswegen freue ich mich auch auf eure Kommentare. Womit habt ihr die besten Erfahrungen gemacht? Was ist eure Lieblingstaschen-Kombination? Legt ihr mehr Wert auf leichtes Gewicht und Aerodynamik (solange die Robustheit stimmt) oder geht euch Zugänglichkeit und Ladevolumen über alles? Auch, wenn es mir hier schwerpunktmäßig um die Ladung hinten am Bike ging – vielleicht habt ihr ja ein flammendes Plädoyer für Gabeltaschen oder Porteur-Racks? Oder euch fehlt die Erwähnung einer ganz bestimmten Taschen(-Anbringungs-)art? Wie z.B. Carradice-Satteltaschen und vieles andere mehr, das ich hier aus Gründen der Übersichtlichkeit weg gelassen habe oder mir noch nicht begegnet ist.

Für mich habe ich aus dieser Übung die folgende Erkenntnis gezogen: Ein Set aus leichten und schmalen Panniers kann erstaunlich praktikabel sein. Ja, geradezu eine Offenbarung an Quality of Life für das Leben auf dem Rad abseits von purem Speed, Gewichts- und Aerodynamik-Erwägungen. Und wenn es wirklich leicht und klein und schmal ist, dann müssen auch bei diesen Dingen nur wenig Kompromisse eingegangen werden.

Ein Zwischending dazu ist die Tailfin Aeropack. Deutlich mehr in Richtung Speed, Gewicht und Aerodynamik optimiert als ein Seitentaschensystem mit einem separaten Träger, aber immer noch sehr gut Zugänglich und ohne die Erfordernis, den Inhalt fest zu komprimieren. 

Aber so einfach dieses System auch ist – es ist immer noch ein wenig mehr Aufwand, es zu befestigen und es wiegt mehr als eine reine Bikepacking Seatpack. Wobei das debattierbar ist, ob man eher die Halteriemen einer Seatpack über die Streben eines Sattels geführt hat (ich bin ja so froh, dass mein Sattel als Carved-Version auch den Zugriff und die Sicht von oben durch das Loch in der Satteldecke zulässt) oder den Haupt-Stützbogen des Tailfin-Systems an die Ausfallenden-Ösen geschraubt hat. Bei der Befestigung an der Sattelstütze herrscht Gleichstand. Ja – würde man die Fast-Release Dropouts des Tailfin verwenden, wäre dieser wohl noch schneller als eine Seatpack montiert. Dennoch – es bleibt ein leichtes Mehrgewicht und und halt mindestens mal optisch die zusätzlichen Streben des Stützbogens. Ist es das Wert im Vergleich zu einer Satteltasche? 

Das kommt für mich auch auf das benötigte Ladevolumen am Heck an. Wenn ich mal mit unter 10 Litern auskäme, dann wäre eine etwas kompaktere und leichte Seatpack immer noch die Tasche der Wahl für mich. Das wäre eine Tasche kleiner als die große Ortlieb Seat-Pack und maximal so groß wie die mittlere Apidura Expedition Saddle Pack. 

Und für ein neues Custom-Bike wäre ich sehr versucht, mir verdeckte Ösen für U-Loops oder gleich integrierte U-Loops einbauen zu lassen. Dazu dann leichte und schmale spezialgefertigte Seitentaschen mit 2 mal 6-7 Litern Fassungsvermögen – mehr Bräuchte es nicht. Vielleicht besorge ich mir ja irgendwann einfach mal die Nachrüst U-Loops von Tim Tas+Rek und teste die auch mal für mich.

Das alles, meine genauen Eindrücke und die einzelnen herausgefundenen guten und weniger guten Details des kompletten Tailfin-Systems (mit Trunk Top Bag als Aeropack und auch als Seitentaschen-System) sowie eines klassischen Leichtbau Gepäckträger-und-Seitentaschensystems (Tubus Airy und Vergleich zwischen Vaude Aqua Front light und Ortlieb Gravel Pack) und Vergleich mit zwei klassischen Seat-Packs (der Ortlieb Seat-Pack und der Apidura Expedition Saddle Pack) findet ihr im in Kürze erscheinenden Folge-Artikel. Und da erfahrt ihr dann auch, welches dieser Systeme ich für mein nächstes Bikepacking-Rennen verwenden werde. Welches hoffentlich das Transcontinental Race No 8 diesen Sommer von Brest nach Thessaloniki sein wird.

31 Kommentare

  1. Super Zusammenfassung.
    Tailfin hat inzwischen noch eine dritte Version mit den 3 Schrauben und die Taschenhalter zusammen. Somit ist man noch flexibler.
    Ich habe die Tailfin auch und bin sehr zufrieden.

    1. Hallo Olaf, vielen Dank. Ja stimmt, unter den mittlerweile diversen Optionen ist die neueste, dass es die Alloy-Arch jetzt auch als „X“ Version mit den angesetzten Pannier-Haltestutzen gibt. Und die Triple-Bosses der „S“-Version behält der auch bei. Für größtmögliche Vielseitigkeit. :)
      Wahrscheinlich würde ich selbst aber gerade bei der Alloy-Version dann bei der etwas leichteren „S“-Version bleiben. Wenn doch noch etwas mehr als die Trunkbag an Volumen benötigt würde, wäre ich eher geneigt, kleine Forkpouches oder was selbstgemachtes an den Triple-Bosses zu befestigen.

  2. Ja, Tailfin hat inzischen sogar noch nen extra Flaschenhaltergetöse für hinten an die Trunkbag.
    Hatte mir noch quasi Sekunden vorm Brexit die Carbon Trunkbag geholt inkl. dem Lichthalter und Steckachse fürs Zweitrad. Und da mein Mann begeistert war, er auch. Kam gerade 5 Tage vorm endgültigen Brexit an der Rest. Jetzt scheint ein Kauf dort ja mit tierisch Zoll verbunden zu sein.
    Bei mir läuft es nur noch mit Tailfin hinten, und entweder Restrap Harnisch vorne, Apidura Rolle mit Accessory Bag oder die Restrap Aerobag – je nach Tour und Setup. Oberrohrtasche Apidura Racing 1l. Am Gravelcrosser (umgebauter Cyclocrosser) passt ne Apidura Racing 2.4l in den Rahmen und noch 1 Flasche dank Wolf Tooth B-Rad. Dafür fahre ich dort mit 2 0,8l Food Pouches am Lenker, kann man auch super ne Digicam unterbringen. Am Gravelcrosser hab ich zusätzlich noch wenn ich doch megavolumen brauche Ösen an der Gabel und da liegen entweder Flaschenhalter oder die Ortlieb Fork Packs parat. Allerdings stehen die Ortliebs derart krass im Wind, das ist pervers wieviel Windwiderstand die bieten! Daher nur wenn absolut notwendig.
    Das System funktioniert übrigens auch noch bei meinen kleinen S(47) Stevens und XS(50) Cinelli Rahmen mit Tailfin hinten und maximal 11cm Sattelstützenauszug. Und sogar Millimetergenau noch mit Redshift Dual Sattelstütze und Redshift Shockstop Sattelstütze. Aber vermutlich auch nur, weil ich für meine 160cm megalange Beine hab mit 75cm SL und daher die Stütze so „weit“ raus kann für meine Rahmengröße. Werde demnächst mal wieder aktuelle Bilder anfertigen mit den diversen Systemen. Dank Lampenhalter geht es auch super mit ner Lupine Rotlicht, was an den Apidura Setpacks immer eccht beschissen ging, denn der Lupine Taschenclip hielt da nie gescheit. Vorne bin ich immer noch am basteln wenn der Lenker vollgepackt ist. Hab dann immer Probleme meine Lupine SL AF unter zu bringen und bin da noch ne Winzigkeit von der Optimallösung entfernt.
    Kannste mal sehen, geht noch kleiner und beengter als 52 :P aber mitt entwas Nachdenken und Initiative klappt es irgendwie (und genug angespartem). Bin gespannt auf den Folgebericht.

    1. Vielen Dank – oh ja, es geht definitiv noch viel kleiner als 52. Und dann gibt’s auch Räder, die im Vergleich zu anderen sowieso wenig Raum im Rahmendreieck bieten. Wo man also fast froh sein kann, unabhängig von der Taschenfrage eine normale Trinkflasche unterzubekommen. Das Specialized Diverge z.B.

  3. Hallo Torsten! Wow! Was ein tolles Brett von einem Bericht! Sehr interessant! Herzlichen Dank dafür.
    Ich bin jahrzehntelang mehrtägige MTB-Touren ganz klassisch mit Rucksack gefahren. Erst die letzten Jahre habe ich mich für andere Systeme interessiert. Ein Freund fuhr schon öfters mit klassischer Bike-Packing-Ausstattung (Lenkerrolle, Rahmentasche und Seatpost). Ich habe bei unseren Touren dabei eher die Nachteile wahrgenommen: in Schiebe- und Tragepassagen ist das Bike sehr schwer und unhandlich. Besonders bei Tragepassagen ist es enorm mühsam, das vollgepackte Bike überhaupt auf die Schultern zu wuchten. Bergab auf anspruchsvolleren Trails ist das Bike dann auch recht verhaltensgestört und teils schwerfällig. Und abends beim Übernachten und „Abschnallen“ ist es ein ziemliches Geraffel, bis alles vom Rad weg und im Hotelzimmer oder in der Hütte ist.
    Bei meinem ersten und bislang einzigen Langstreckenrennen 2019 habe ich mich dazu entschieden, den zorro DIY Gepäckträger nachzubauchen: https://www.alexanderjaeger.de/zorrocarry-diy-gepaecktraeger/
    Und das war eine super Entscheidung. Ich hatte schon den passenden VAUDE-Rucksack, also war die Investition sehr übersichtlich. Und das Ding hat seinen Zweck beim 20k Ultratrail voll erfüllt: bergauf und in der Ebene hatte ich den Rücken frei und damit auch den Oberkörper entlastet. In Schiebepassagen war das Rad schön leicht und konnte bei Bedarf auch mal schnell über ein paar Stufen gehoben werden. Größter Vorteil war das Handling in den Tragepassagen. Hier konnte den Rucksack aufziehen und dann in bewährter Tragetechnik das leichte Bike auf den Schultern bzw. auf den Rucksack legen. Bergab auf Trails war der Rucksack ebenfalls auf dem Rücken und das Rad war schön agil zu fahren.
    Rucksack auf dem Gepäckträger fixieren oder wieder losmachen und aufziehen: jeweils unter einer Minute. Abends bei der Übernachtung einfach den Rucksack losmachen und ab ins Zimmer damit…
    Mein Fazit: eine low-budget Empfehlung für mehrtägige Mountainbike-Touren im alpinen/hochalpinen Gelände, wenn man keine Übernachtungen unter freiem Himmel oder im Zelt plant.
    Hilfreich war ein Klettgurt, mit dem ich den Rucksack auf dem Sattelstützengepäckträger zusätzlich fixiert habe. Für die Zukunft überlege ich mir noch was, um den Rucksack ohne große Fummelei unten auf den beiden Holmen des Gepäckträgers zu fixieren. Dann kann man damit auch auf sehr holprigen Schotter bergab fahren, ohne das was verrutscht.

    So sieht das bei mir aus: https://www.facebook.com/patrick.trotschler.1/posts/118747839421774
    Und hier noch ein Bild mit dem Klettgurt: https://photos.google.com/share/AF1QipNETBjRtNJQPJT93mzhdhsfszxShr0JAAyeaqChORJ2ipDTUsenEyOah_mTYQFDqg/photo/AF1QipPaS9xnUUckDcYeV6CBBtP4VV1i-eMJI2zRA9vs?key=NTlWc0gxNXFMTzhvay0tU3gzYWRJdEFwU3E0U3B3

    1. Hallo Patrick, vielen Dank für deinen Kommentar und die Ergänzung mit dem „Zorrocarry“.

      Da, wo er herkommt – also MTB und eher technisch bis gar alpin orientiert – ist das eine tolle Idee. Und vielleicht auch für „normale“ Bikepacker interessant, wenn die mehr so die Hüttentour im Sinn haben bzw. fast alles, was sie brauchen, in einem Rucksack unterbekommen und auch Rucksäcke mögen.

      Ist ja generell auch interessant, wie bestimmte Ausrüstungen (hier: bestimmte Gepäck-Mitnahme-Systeme) in bestimmten Kreisen dominieren (und sich selbst verstärken). Bei Mountainbikern ist das der fast ubiquitäre Rucksack. Macht ja auch Sinn: wer im Rahmendreieck ohnehin wenig Platz für Trinkflaschen (wenn überhaupt) hat und daher eher Trinkblasen nutzt, wer vielleicht völlig nerdy ist und die Dämpferpumpe immer dabei hat und beim Alpencross dann natürlich mindestens mal die Regenjacke und den Hüttenschlafsack plus das Vesper dabei hat, der nutzt dann einen Rucksack. Wahrscheinlich das Naheliegendste. Wie du auch schreibst: nichts ist am Rad und stört, egal ob man das Rad trägt, mit dem Hintern hinter den Sattel geht (ist das mittlerweile eigentlich oldschool, weil heute eh jeder ’nen DropperPost fährt?) oder schiebt. Und wenn da nicht Camping-Gear mitgeführt wird, dann geht’s ja auch mit dem Volumen und dem Gewicht auf dem Rücken. Was sich auch ganz anders störend bemerkbar macht, wenn du 15 Stunden (oder seien es auch nur 10) wirklich auf dem Bock sitzt und kurbelst als wenn du mit dem MTB vielleicht nur 8 Stunden unterwegs bist und davon ständig unterschiedliche Haltungen einnimmst – mal schieben, mal im Stehen abfahren, mal tragen…

      Und das färbt dann lustigerweise auch auf andere Anwender der gleichen Radkategorie ab. Nimm zwei Radfahrer, die an einem Sonntag Nachmittag die Wälder unsicher machen: der Rennradfahrer, der auf seinem Gravelbike sitzt, hat die Minipumpe in der Jersey-Tasche, die Trinkflasche im Rahmendreieck und vielleicht auch noch ein Gel dabei und das war’s dann. Der MTBler zieht sich genauso ohne zweimal nachzudenken den Rucksack über, wo die Trinkblase und weiss der Geier was noch drin ist. Obwohl er ja gar nicht zum Alpencross aufbricht, sondern nur 2 Stunden durch den Mittelgebirgswald rollt… Ist natürlich mit einem Augenzwinkern geschrieben. ;-) Aber da ist schon was dran. Da sieht man mal, wie die Bilder, die heute auf Instagram, heute noch und früher halt durch die Titelbilder und Fotostrecken der Radmagazine (kann man auch auf die Gesamtgesellschaft und andere Gebiete ausdehnen) transportiert und gefestigt werden. Aber ich weiche ein wenig vom Thema ab. Deswegen haue ich jetzt auch noch ein bisschen in die Gravel-Klischee-Kerbe: Da geht das ja genauso – unter einem Flanellhemd im Karo-Muster und ohne fett-bepackte Cargo-Cages an der Gabel fährt der stilbewusste Graveller ja auch keine zwei Meter aus dem Haus. Natürlich wird er laut protestieren, dass er irgendeinem Klischee entspricht oder gar bewusst einen Stil pflegt, weil er ja mit seinem Flanellhemd gerade bewusst dem Klischee von aerodynamischem Presswurst-Lycra entfliehen will… ;-)

    2. Hallo Patrick,
      bin beim Stunzi auf mtb-news.de auch auf den ZorroCarry gestoßen und das tolle daran ist: ich habe eigentlich alle Bauteile da, plus Vaude Alpin Rucksack. Daher werde ich das mal nachbauen, ähnlich wie bei Dir. Der Vorteil des großen Rucksacks ist nicht nur, daß er viel Volumen hat, 2 Flaschen seitlich aufnehmen kann, schnell abnehmbar ist beim Tragen oder bei Rast, sondern er sitzt auch recht tief, schaukelt nicht und ist voll im Windschatten des Rückens. Eigentlich ideal.
      Stunzi hat es ja auf seinem MTB montiert und die beiden Tragegurte gekreuzt um den Sattel montiert. Er hat da ein kleines Video auf MTB-News oder auf Bikereisen reingestellt. Scheint bis S3 Trails super zu halten, also dann auch beim Bikepacking.

      Wie Thorsten schon geschrieben hat, ist auf Dauer ein voller Rucksack extrem nervig am Rücken. Die 5kg Mehrgewicht brachten mir nach einer 8h Biketour immer Sitzschmerzen am Hintern. Mit einem 25+5 oder 30+5 Alpin Rucksack plus einer kleinen Rolle vorne hätte man das gleiche wie das Tailfin. Zwei Kollegen von mir haben den Tailfin gekauft, haben aber eine eigene Rolle längs drauf gespannt. Tailfin ist (jetzt nach Brexit) alles andere als günstig. Vielleicht findet man demnächst mal was ähnliches auf AliExpress?

  4. Moin Torsten,

    Wie immer ist es ein Erlebnis, Deine Texte zu lesen! Und damit meine ich nicht nur den Umfang, Du kannst auch einfach schön schreiben!
    Inhaltlich hast Du allerdings wesentliches nicht erwähnt, und zwar das Harness- System für die Frontrolle. Revelate hat zwei verschiedene Modelle, eins bombproof, eins leicht. Auch Acepac hat einen Harness.
    Ein Harness an der Frontrolle ist super, gerade in Verbindung mit dem Dropbar. Der Harness verbleibt immer gut verschnallt am Lenker, den Drybag lässt sich leicht entnehmen.
    Außer ein paar Gramm Mehrgewicht hat ein Harness gegenüber einer Frontrolle nur Vorteile!

    1. Hallo Anno, vielen Dank für dein Lob. :)

      Zur Frontrolle. Richtig. Vielen Dank für deine Ergänzung. Ich wollte jetzt nicht auch noch tief in die Frontrollen-Thematik einsteigen. ^^ Auch da gibt es ein weites Feld von Rollen, die direkt an den Lenker geschnallt werden und Rollen, die mehr oder weniger komplexe Harnisch-Systeme aufweisen. Wenn so ein Harnisch gut gemacht ist, dann muss man sich mit der Thematik der Kabel- und Züge-Unterbringung / Weg-Drückung (gerade ein neues Wort erfunden ;-)) nur bei der Harnisch-Montage auseinandersetzen und im Idealfall ist dann die Frontrolle nach Lösen von zwei Schnallen in der Hand. Z.B. von gibt’s von Revelate Designs ja auch die ultraleichte Pronghorn mit Dyneema-Drybags. Die ist gewichtsmäßig interessant und die Drybags gibt’s in drei verschiedenen Größen. Nimmt man die kleine oder die mittlere, kann man die zwischen Rennlenkerbügel bekommen, gar keine Frage.

      3 Aspekte gilt es aber immer noch zu beachten:
      – erstens sollte wirklich nur das Schlafzeug rein und nichts anderes, an das man nur einmal am Tag ran muss. Denn sonst ist die Zugriffsthematik noch viel hinderlicher als bei Seatpacks. Und das ist ja einer der Hauptgründe für den gesamten Artikel.
      – zweitens bleibt es bei dem aerodynamischen Malus
      – und drittens müssen auch hier Fahrer von kleineren Rahmen jetzt nicht auf ihr Rahmendreieck, sondern auf die Steuerrohr-Höhe und ihre Lenkerhöhe über dem Frontreifen achten. So manch eine Lenkerrolle (ob für Direktmontage oder mit Harnisch) mag man zwar mit ach und Krach zwischen die Rennlenker oder Lenker mit Flare bekommen, wenn man sie nur weit genug einrollt – aber am Durchmesser ändert sich nichts.

      Diese Erwägung ist auch beim MTB zu treffen. Und da noch wichtiger, weil man den vermeintlichen Raum, den man am stehenden Rad meint, auszumachen, beim Einfedern der Federgabel verliert.

      Aus diesem Grunde bin ich auch für mein MTB bei der Saltyroll gelandet. Und zwar, weil die die entscheidenden cm im Durchmesser geringer ist (aber dennoch ordentlich Volumen mitbringt) als z.B. die Ortlieb Lenkerrolle. Und ich habe auch bewusst die Saltyroll ohne den dazugehörigen Harness gewählt, weil mir der nicht für eine kombinierte Lenker- und Aerobar-Montage ausgelegt war. Was die wenigsten sind. Ja, was heisst die wenigsten – ich kenne kein einziges Harnisch, dass daraufhin spezifiziert ist (und ich habe zur Vorbereitung des Atlas Mountain Race ausführlich danach gesucht).

  5. Hi Frank, ich muss zugeben, dass ich nicht alles durchgelesen habe. Ich war besonders gespannt auf das Ergebnis. Umso mehr bin ich erfreut, dass du nach deinen ganzen lesenswerten Vorüberlegungen dich für die Tailfin Alulösung entschieden hast. Bei mir war es mehr oder weniger ein Bauchgefühl mich für dieses System zu entscheiden. Ich bin mit dem Tailfin auch sehr zufrieden. Nur der Oberschenkel Kontakt mit dem Trunkbag hatte mich anfangs genervt, aber mit der Verlängerung ist das Problem jetzt auch gelöst.
    Bin jetzt gespannt auf deine Erfahrungen im harten „Alltagseinsatz“. …Gruß Uli

  6. Wow, toller Überblick! Und du hast die gleichen Zweifel formuliert, die mich bisher davon abgehalten haben, für meinen Airy eine Trunk Bag zu kaufen – ich kann mir nicht recht vorstellen, wie das auf der schmalen Plattform kippsicher halten soll.

    Wenn die Nano Bags vom Volumen her aber gerade ausreichen würden, fehlt aus meiner Sicht noch eine Option: Eine einzige Front-Pannier, entweder rechts oder links am Träger… ich habe die in der Regel links (psychologischer „Abstandshalter“ für Autoverkehr?), aber wenn ich an Umkippen und Schaltwerk denke, sollte ich das vielleicht mal überdenken. Jedenfalls: Halbes Taschen-Gewicht und halber Aero-Nachteil bei halber Kapazität. Und nein, ich habe nicht den Eindruck, dass das Rad automatisch abbiegen will.
    Wenn in deinem Fall eine nicht ganz reicht und zwei viel zu viel sind, könnte man über eine zusätzliche Satteltasche im Bereich 4-6 Liter nachdenken, die hat dann praktisch keines der üblichen Probleme… vielleicht als zentrale Ablage für Regen-/Kältezeugs, dann entfällt auch das Kram-Problem weitgehend.
    Bin mal auf Teil 2 gespannt. Die Pannier-Übersicht bei https://bikepacking.com/index/panniers-for-bikepacking/ ist sicher bekannt?

    1. Hallo Marcus,
      vielen Dank für deinen Kommentar. Für den Airy könnte vielleicht so eine Ortlieb o.ä. tauglich sein. Eine mit einem Klick-System und fester Bodenplatte, deren Befestigungsklammern bis auf die entsprechend schmale Breite (ääähhh ;-)) hinunter einstellbar sind. Die berechtigte Frage ist nur: gibt es solcherart Trunkbags, die auch in ihrer Form, Funktion und Gewicht zufriedenstellen. Meine Antwort: nein.

      Das mit der Option nur einen Frontpannier (oder meinetwegen nur eine normale Pannier (so sie denn halbwegs schmal ist), ist gar keine doofe Idee. Wahrlich nicht! Wert auf jeden Fall, sie als Option zu bedenken.

      Für die Gabelmontage verböte sich eine solche Option, aber für hinten durchaus des Nachdenkens wert.

      Jetzt bin ich zwar kein Sklave der Symmetrie und bekomme Probleme mit meiner inneren Harmonie, wenn am Rad etwas nicht symmetrisch ist (wäre auch unpraktisch – was ist mit dem Antriebsstrang? ;-)) Aber so ganz will mir eine einseitige Beladung hinten nicht gefallen. Durchaus auch ein bisschen wegen der Optik. Aber auch, weil es mir ja gerade um möglichst neutrales Handling geht. Es mag aber durchaus sein, dass das auch bei einer einseitigen Seitentasche, die an Ort und Stelle bleibt, trotzdem noch viel besser gegeben ist, als bei einer Satteltasche die leicht schwingt und viel höher hängt.

      Die Übersicht auf bikepacking.com kenne ich. Aber schau mal an, ich glaube die „Stealth Mountain Panniers“ und die „Sturdy Minne Panniers“ sind neu auf der Liste. Die entsprächen nämlich auch meinem „Beuteschema“. Die anderen dort aufgeführten Pannier (bis auf die von mir hier bereits erwähnten) sind bei mir alle durch’s Raster gefallen. Weil doch zu groß oder zu schwer oder mir vom Konzept nicht so zusagend.

      1. Kleine Ergänzung zur Ortlieb Trunkbag am Airy: Das geht nicht. Mir war aufgefallen, dass die Angaben auf der Produktseite nicht mit denen in der Anleitung übereinstimmen. Anfrage bei Ortlieb hat ergeben, dass die Anleitung stimmt und die Produktseite bald korrigiert werden soll: Das aktuelle Modell passt erst ab 80 (!), nicht ab 60 mm, also gerade nicht am Airy. Eventuell geht es mit dem alten Modell (das mit dem Reißverschluss).

        Warum sind eigentlich die Arkel Dry-Lites bei dir durchs Raster gefallen? Mit Arkel habe ich kürzlich auch geschrieben, weil ich ein paar Berichte über den Tailrider auf schmalen Trägern und sogar einen Blogeintrag über eine Sonderanfertigung dafür gelesen habe, aber die raten eindeutig davon ab. Die Dry-Lites sind aber mit dem Airy kompatibel: Der untere Haken passt wohl in die nach unten offenen Rohre des Trägers, alternativ haben sie noch einen kleinen, smarten Adapter. Die Taschen gehen ähnlich den Nano Panniers nur im Paar, das ist dann aber nochmal weitaus leichter als zwei kleine Vaudes oder Ortliebs.

      2. Hallo Marcus,

        oh, vielen Dank. Das ist gut zu wissen, mit der Ortlieb Trunkbag.

        Das mit dem Haken bei den Arkel Dry-Lites ist ja auch ein netter Insider-Trick. Ebenfalls gut zu wissen. :) Mir erschienen sie viel zu groß im Vergleich. 28 Liter für das (nicht trennbare) Set waren quasi doppelt so viel, wie ich eigentlich brauche. Hätte das nicht ausgereicht, wäre es spätestens das Bild Nr. 11 auf der Produktseite gewesen (wo die Drybag formlos weit nach außen fallend ausbeult). Was ja nicht heisst, dass dieses Pannier-Set nicht trotzdem ganz toll funktionieren kann.

  7. Hallo Torsten,
    eine wissenschaftliche Arbeit – mein Respekt! Und vielen Dank für die Recherchen und guten Anregungen.
    Was mich beruhigt: Mein Setup bei meiner Schweiz-quer-Tour 1996 war ein leichter Blackburn-Gepäckträger und ein Packsack obendrauf. Das war wohl mein Start in das Bikepacking :-)
    Aktuell sind beim Rennrad der Tubus Fly und der Packsack bzw. 2 kleine Panniers oder das Seatpack meine Wahl.
    Beim Graveln war Seatpack mit Half Framebag und Oberrohrtasche mit dem Zelt am Lenker die Wahl. Was mich stört: Der Beutel am Lenker hängt in den Kabeln. Ich wünsche mit einen Abstandshalter (wie ein decaleur), der den Beutel leicht vor dem Lenker hält. Einen kleinen Gepäckträger über dem Vorderrad habe ich auch schon mal ausprobiert, aber mich stört, dass der Reifen kaum zu sehen ist …
    Danke für Deine Posts – immer einen sehr gute Quelle!
    Gert

    1. Vielen Dank, Gert.

      Zu deiner Schweiz-Tour von 1996: Da siehst du mal. Ist wie in der Mode. Es kommt alles wieder. ;-)

      Mit dem Decaleur hast du ja schon eine mögliche Lösung genannt. Die gibt es ja in verschiedensten Formen. Sogar als Austausch der Vorbau-Frontkappe. Praktischerweise zeigt einem Google direkt eine gute Spannweite an ganz verschiedenen Versionen. War ganz überrascht.

      Darunter sind auch einige „Baryak“-ähnliche Lösungen. Das so eine semi-Aerobar, die keine Aerobar sein will (und in meinen Augen auch keine Aerobars ersetzen kann), sondern eher auf das Abhängen von Lenkerrollen und das Montieren von jeder Menge Extrakram am Lenker abzielt. Lampen, Navis usw. Aber halt auch Griffe vorn dran schrauben kann und flache Armauflagen: https://www.baryak.com/complete

      https://vapcycling.com macht so ziemlich das Gleiche.

      Dann gibt es noch so Taschen wie von Dyed In the Wool. Ohne Decaleur fände ich die auch nicht wirklich gut. Mit Decaleur trägt (haha, Pun intended) das Konzept wenigstens. –> Z.B. die XL Bar Bag (https://dyedinthewool.eu/products/xl-bar-bag), die auch ohne Decaleur verwendet werden kann – aber dann hängt die einfach nur in den Kabeln und schrubbt am Steuerrohr. Hier gibt’s den custom made Decaleur dazu: https://www.hessonlabs.com/racks

      Je nachdem, wie man’s nimmt, ist der entweder schön leicht und praktisch. Oder ein furchtbares Teil, für das man extra einen Spacer tauschen muss (wenn man den Platz überhaupt unter dem Vorbau hat) und das ohne Verwendung einer Tasche einfach nur ebsch aussieht (im besten Fall) oder sogar die Gefährdung einer Verletzung darstellt (im schlechtesten Fall).

      Dann lieber entweder nur so eine kleine Burrito-Roll am Rennlenker ohne alles oder direkt Aerobars und da was Vernünftiges drunter. Ggfs. die schon im Artikel erwähnten Apidura oder Helmut-Taschen (die quer ausgelegt sind) oder so etwas wie die Restrap mit einem Harnisch. Ich persönlich warte ja noch auf eine Tasche, die in der Art eines Fueltanks von modernen Triathlonbikes unter die Aerobars gehangen werden kann und Platz für Kleinkram, Ersatzlampe, etc. aber auch Food und Unterbringung wenigstens einer Flasche gewährleistet. Am liebsten alles, ohne das ich auf die Anordnung meines Radcomputers und meines iPhones zentral über den Aerobars verzichten muss.

      Das macht die Entwicklung einer solchen Tasche auch etwas komplexer, weil Cockpits so individuell sind und sich extrem angepasste Taschen kaum so vielseitig nutzen und damit verkaufen lassen, wie eine 08/15 Lenkerrolle. Oder auch Seat-Pack.

  8. Hallo Torsten,
    vielen Dank für die neuen Anregungen, hier ein paar Ergänzungen und Kommentare 😊
    Dieses Teil https://ridefarr.com/int/product/farr-carbon-aero-bolt-on-v3/ könnte eine Lösung sein, aber mit 165 $ etwas teuer. Allerdings hätte man neben einer weiteren Griffmöglichkeit auch die Chance, unten einen kleinen Packbeutel vor den Kabeln gut zu befestigen.
    Dieser Decaleur https://studiobrisant.com/gilles-berthoud-decaleur-fuer-ahead-vorbau-50-mm-ah50-vr-taschenhalter-front-bag kommt der Sache auch nahe:, leider zurzeit nicht lieferbar.
    Diese Lösung https://www.hessonlabs.com/racks, die Du schon nanntest, wäre wohl effektiv, aber sieht wirklich nicht so schön aus.
    Beste Grüße
    Gert

  9. Hi Thorsten,
    I can’t really read in german, however I found your front light mount option really interesting. Especially when inspecting photos from TPBR 2020. What kind of Go Pro mount are you using there?
    Thanks
    Filip

    1. Hi Filip,
      if you are referring to the kLite Bikepacker Ultra I used in TPBR2020: That one is mounted on the Profile Design Aerobar bridge connecting the tips of my aerobar extensions. The GoPro mount you see there is a 3D-Printed mounting option provided in the box with that kLite light at that time. But that changed lastly. As kLite now has another mounting clamp alltogether. But you’ll also receive some GoPro like adapter pieces with that one.

      The one I have has a base which I could zip tie around my aerobar bridge. Did the Job but I would like to make that one more sturdy for the next time. So the light was sometimes a bit prone to visible vibrations on the ground.

    1. Hallo Mischa,
      Haha, sind wir nicht alle ein bisschen Aero? (Frei nach dem früheren Werbe-Slogan: Sind wir nicht alle ein bisschen Bluna? ;-))

      Im verlinkten Artikel geht es ja rein um den Supertuck. Wer die UCI-Regularien bezüglich Rennrad nicht so verfolgt: Ab 1. April (kein Aprilscherz) dürfen Profis in Straßenrennen nicht mehr den Hintern von dem Sattel nehmen und auf dem Oberrohr in prekärer Situation Abfahrten bewältigen. Da wird sich zwar teilweise den Mund drüber zerissen (á la – hat die UCI nichts besseres zu regeln), aber sinnvoll im Hinblick auf sichereres Fahren und Vorbildfunktion ist es schon. Trotzdem schon ein wenig blöd, wenn man als nun auch noch aufpassen muss, wie man genau auf dem Rad sitzt und ob das Aus dem Sattel gehen nun jetzt ein Ansatz von Wiegetritt und Gewichtsverteilung in einer Kurve oder schon ein Ansatz eines verbotenen Supertucks sein soll…

      Wie dem aber auch sei: Genau um den Supertuck ging es Jan in seinem kurzen, heute erschienenen Artikel. Und du siehst ja auch ganz deutlich in den Fotos, wie er da fährt: Hände im Obergriff eng neben dem Vorbau gegriffen, Ellenbogen tief unter den Lenker gedrückt und das Kinn auf dem Vorbau gelegt (man nennt solche Leute im Zirkus Kontorsionisten).

      Das ist genauso prekär wie ein Supertuck und das machst du auch nur mal kurz auf einer ruhigen Abfahrt, wenn du genau so was herausbekommen willst. Wie schnell du maximal werden kannst.

      Wenn du daraus jetzt liesst, dass eine Randonneur-Tasche aerodynamisch (vor allem auch für die 99% restliche Fahrzeit ist), dann weiss ich auch nicht. ;-)

      Und: Der Jan weiss doch eigentlich wie es geht. Und trotzdem lese ich da wieder: 4 einzelne Runs. Also pro Konfiguration nur einen einzigen. Das ist doch schon mal nicht zulässig. Dann schreibt er: „no significant wind“ – Das passt doch auch nicht. Entweder absolut kein Wind (was kaum vorkommen dürfte) oder er ist signifikant. Das bekommt man doch sonst gar nicht mit. Und dann wird einer von 2 Runs mit einer Handlebarbag, der halt langsamer war, bequemerweise mit Fußnote erläutert, dass er da ja mal wegen kaltem Asphalt in einer Kurve abbremsen muss.

      Also Jan in allen Ehren: aber das ist ziemlich nicht zielführend.
      Nichts desto trotz: wenn du dir diese echt hinter den Randonneurrack geklemmte Haltung ansiehst, dann kann das trotzdem hinkommen. Weil dann, anders als in jeder normalen Haltung auf dem Rad, keine Lücke hinter dem Randonneurbag bleibt. Sofort kommen seine Unterarme, dann seine Oberarme und dann schon der Oberkörper. In dem Sinne wäre das so ähnlich, wie die „Praying Mantis“ Position beim Zeitfahren. Wo die nach oben angewinkelten Arme die Front darstellen und dahinter dann auch keine Lücke, sondern sofort der Kopf kommt.

      Wenn du also für ein Brevet oder auch die Sonntagstour die ganze Zeit so fährst, wie Jan auf seinem Aufmacherfoto – dann wird’s wohl passen. ;-)

  10. Thorsten, nachdem ich mit großem Interesse Deinen kompletten Artikel durchgelesen habe (good job, by the way!) und dies mit einem Bekannten durchdiskutiert habe, stießen wir auf einen Aufbau, der Deinen ersten Ideen entsprang: der Tubus Air oder Fairy. Der Kollege bei mtb-news hatte dies auf seinem Rennrad aufgebaut und dann mit 2 mittelgroßen Ortliebs festgestellt, dass die 3-Punkt Befestigung eigentlich nur für eine leichte Aktentasche seitlich ausreicht. Mit etwas mehr Gepäck wird das ganze instabil. Das Thema Tubus Air ist somit ad acta gelegt. Vor allem für Bikepacking auf holprigen Wegen.
    Ich hatte auch geschaut, wie ich am Rennrad etwas machen kann. Und es gibt von Tubus und vor allem von Racktime ultraleichte Träger (ca. 450g), die oben parallel sind und eine 4-Punkt Befestigung erlauben, und zwar mittels einer Sattelklemme mit 2 Extra Ösen (Rose Bikes) für den Träger. Trek bietet jetzt dieses Racktime System (Bontrager BackRack Lightweight MIK) für seine Gravel Bikes an und auch ein schönes Accessory Bag zum Draufklicken mit 2 seitlichen wasserdichten Taschen zum ausklappen. Das ganze sieht fast genauso aus wie die Tailfin Lösung. Vor allem ist das wasserdicht ohne die lästigen Überzüge wie bei Topeak.

    1. Hallo Bud,
      vielen Dank für deinen Kommentar.

      Das mit dem Airy und seinen Erfahrungen ist interessant. Wie hat dein Bekannter die Instabilität erlebt bzw. beschrieben? Hat er den Gepäckträger wackeln gesehen oder beim Fahren Verwindungen gespürt? Oder war ihm das schlichtweg nicht geheuer?

      Man kann den Tubus Airy ja genauso gut (oder im Fall deines Bekannten eben besser) mit 4 Punkten befestigen. Anstelle einer zentralen Strebe zur „Brems“-Brücke führt man dann zwei Streben zu den Sitzstreben (entweder dort an vorgesehenen Ösen oder per Klemmschellen) oder tatsächlich an solch nette Problemlöser, nämlich die von dir erwähnten Sattelklemmen, die Montagepunkte für solche Gepäckträger-Streben mitbringen. Die hätte ich vielleicht noch erwähnen sollen – die sind nämlich ein guter Tipp!

      Der Bontrager Backrack Lightweight MIK sieht auch sehr schön aus. Dieser spezielle Träger schaut aber oben genau so schmal wie der Airy aus. Er hat auch genau die gleichen Features (oder dergleichen minimierte, wie z.B. keine zusätzlichen horizontalen Streben auf halber Höhe, wie sie „schwergewichtige“ Gepäckträger mitbringen). Und man kann ihn, genau wie den Airy, auf Wunsch nur mit einer 3-Punkt-Befestigung (zeigt das mittlere Produktfoto auf der Bontrager-Seite) oder halt mit 4 Punkten befestigen.

      Deine Anmerkung über die Stabilität hat mich aber über einen anderen Punkt nachdenken lassen – der betrifft Shimmy- bzw. Speedwooble-Neigung. Ich frage mich, ob die bei 3- vs. 4-Punkt-Montage unterschiedlich sein könnte.

      1. Hallo Thorsten,
        super für das schnelle Feedback. Danke. Eins vorweg, ich habe den Fairy mit dem Fly verwechselt. Das Problem beim Fly ist aber das gleiche, eher noch schlimmer, weil der Fly nach vorne verjüngt. Montiert ist das wie bei Dir mit einer Stange nach vorne an die Bremsenschraube. Mit der 3 Punkt Aufhängung sind die Taschen etwas schräg (aero) und beim Wiegetritt schwingt das dann etwas. Bei einer 4 Punkt Montage hält das bombenfest, und man hat nicht den Stress mit dem Umbau an der Bremsenachse.
        Meine Konfiguration war eher für Schwerlast, da ich mit Zelt+Camping Gedöns entweder nach Mittenwald, Ehrwald oder Imst radle. Dort dann alles abmontiere und dann mit Rennrad oder MTB Tagestouren zu den umliegenden Traumgegenden mache. Jedoch will ich in der gleichen Config eine Rennrad Tour zum Gardasee machen. Muss also leicht und stabil sein.

        Ich habe am MTB bzw. Rennrad einen 8cm breiten Ultralight Alu Träger (war Tubus oder Rose, weiss nicht mehr) unten direkt an die QR Achse und oben mit 2 Alu Trägern an die Sattelklemme montiert (bei mir gings direkt an die Schraube vom QR der Sattelsklemme. Professionelle gibt’s ja von ROSE Bikes). Das sitzt bombenfest und ich habe 2 fette Ortlieb Backroller Plus hinten mit ca. 17kg dran gehabt. Das hält. Der Gepäckträger ist für eine einzelne Rolle zu schmal, da hält nichts wie Du selbst schon geschrieben hast. ABER: sobald ich seitlich 2 Packtaschen dran habe, dann wird meine DryBag Rolle (15 L) von beiden Seiten am Runterfallen gehindert. Ich habe sie einfach mit 2 Klettgurten fixiert. Das funktioniert so gut, daß ich das gleiche an meinem Trekkingrad bei mehrfachen AlpX schon gemacht habe. Beim Rennrad kann man dann einfach leichte, kleine Taschen nehmen.

        Anstatt des Tubus Fly (den ich nicht gut finde, weil der konisch vorne zusammenläuft) würde ich bei ROSE einen Racktime Light-It Gepäckträger aus Edelstahl nehmen. Der wiegt zwar ein paar Gramm mehr als Dein Titan Fairy, kostet aber 100,- EUR weniger und ist oben komplett flach. Von Ortlieb gibt es seit neuestem den Trunk-Bag RC. Wasserdicht, 12 Liter, mit Schnappverschluss unten für 60-100mm Gepäckträger und mit Rollverschluss nach oben. Gewicht 800g, also soviel wie Backroller, auch preislich. Dazu kann man dann 2 kleine Gravel Taschen seitlich dran machen und man ist gesettelt.

        Die Fintail mit deren Taschen sind natürlich super. Ich bin überschlagsmäßig gerechnet aber auf knapp EUR 500,- für das gesamte Set gekommen. Das ist dann schon extrem sportlich. Zumal man vorne auch noch was dazu kaufen muss.

        Der Trunkbag von Bontrager, den Trek für seine Gravel Bikes verkauft, hat leider keine guten Rezensionen bekommen (siehe Trek Webseite). Schwer, Seitentaschen halten per Klettband nicht. Nicht 100% zu Ende gedacht.

        Und der Trunkbag von Topeak auch nicht, weil bei Regen das Spritzwasser auf die ungeschützte Innenseite spritzt, nach unten fliesst und sich dann unten im Regenüberzug sammelt. Man schleppt also immer zwei Wasserpfützen mit sich rum.

  11. Ein sehr guter Beitrag. Ich mag ja, dass du uns immer an deinen Gedankengängen teilhaben lässt. So kann ich deiner Konklusion zustimmen oder weiß zumindest warum ich für meine Zwecke zu einem anderen Fazit komme. Ich werfe für die Lenkerrolle nochmal die All-Terrain Handlebar roll on Gramm-Tourpacking ins Rennen. Zum einen kann die auf die eigenen Bedürfnisse customized werden, und durch die Halterung hat die Rolle den erforderlichen Lenkerabstand und lässt sich schnell abnehmen.

    https://www.gramm-tourpacking.com/shopnow/all-terrain-handlebar-roll-95l-/-x-pac-vx21-anthrazit-green

    Ich freue mich schon auf den zweiten Teil, vor allem weil hier seid letztem Jahr ein originalverpackter Tailfin rumliegt und auf die Montage wartet. Grüße aus Darmstadt.

    1. Hallo Ingo,

      vielen Dank für deine Rückmeldung. Genau so soll’s auch sein. Ich schreibe, was und warum ich mir was Denke und ihr könnt es dann für euch bewerten und auf euren Einsatzzweck anpassen. :)

      Mmmh, die Gramm-Tasche mag ganz nett sein. Aber sie wäre mir tatsächlich immer noch etwas zu groß und zu viel Bohei nötig, um sie so einzusetzen. Die Haupthalterung blockiert die Bereiche links und rechts der Vorbauklemmung, die sonst für den Outfront-Mount des Radcomputers „reserviert“ sind und die extra nochmal dazu links und rechts über den Oberlenker gespannten Straps beeinträchtigen die freie Wahl der Handposition.

      Alles Sachen, die auch Aerobars mit sich bringen würden, aber da aus gutem Grund und mit vielen weiteren neuen Montagemöglichkeiten für Radcomputer und Co und weiteren Griff/Haltungspositionen.

      Da würde ich, wenn ohne Aerobars unterwegs, eher tatsächlich die schon im Artikel genannte Helmut-Tasche oder vielleicht auch die XL Bar Bag von Dyed in the Wool bevorzugen.

  12. Aktuelle Preise bei Tailfin:
    Muss mich zu meinem Kommentar weiter oben korrigieren. Ich weiss jetzt nicht, ob es am Brexit (Zoll, Auslandsporto) oder Abwertung des British Pounds liegt. Aber die Tailfin Webseite gibt mir für das Set (Träger, Trunk Top Bag und zwei Side Bags) einen Gesamtpreis von EUR 888,- (Carbon Träger) bzw. EUR 703,- (Alu Träger). Das ist wirklich sportlich!
    Shipping ist kostenlos bei dem Preis.

  13. Hallo Torsten, vielen Dank wieder mal für diesen ausführlichen Artikel. Nach den Erfahrungen meiner Bikepacking-Anfänge in den letzten 2 Jahren wollte ich mein Taschen-Setup nun aktualisieren und mein Bauchgefühl rät mir auch stark zu einem Tailfinn-System. Auch wenn die Preise hoch sind. Ich bin auch mit einem kleineren Rahmen (54) unterwegs und deshalb erscheint es mir sinnvoll über dem Hinterrad mehr Volumen zu haben. Eventuell macht das auch eine Tasche an einer anderen Stelle überflüssig. Ähnlich wie du, war ich mit einer Frontrolle am Dropbar-Lenker nie ganz zufrieden.

    Interessant hätte ich tatsächlich noch den Blick auf eine Satteltasche a la Carradice in Verbindung mit einem Bagman Support Halter gefunden. Mikko Mäkipää war mit so einem System beim TCRNo.7 unterwegs. Scheint also #fastfar kompatibel. https://www.flickr.com/photos/mkpaa/albums/72157709764168521

    Ich freue mich auf die Folgeartikel!

    1. Hallo Christian,
      so eine Carradice ist sicher für manche auch ganz interessant. Und ich habe keine Zweifel, das man mit ihr fast und auch far radeln kann. Schließlich gilt: Anything goes! :)

      Für mich wäre sie aber wohl weniger etwas, von daher wollte ich den Artikel jetzt nicht noch weiter ausufern lassen. Und ich bin auch davon ausgegangen, dass sie bestimmt irgendjemand in den Kommentaren erwähnen wird. :)

      Zumindest in der Form, wie wir die Beladung bei Mikko sehen, wäre wohl eine Kollision mit meinen Oberschenkeln vorprogrammiert (Problempunkt 1) und wenn sie zu breit läuft, bin ich mir nicht sicher, ob sie wirklich komplett hinter dem Fahrer aerodynamisch verschwindet.

      In nicht ganz so breit ist das aber wie gesagt eine interessante Lösung. Von daher Danke für die Erwähnung. :)
      Letztlich eine der diversen Lösungen der Art „Feste Sattelgestell-Befestigungen“. Die bei mir aufgrund des Brooks Cambium mit seinen Carbon-Saddle Rails aber fast allesamt problematisch sind.

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