Startpanorama - Das Wetter bessert sich, 16 Stunden Rad am Ring nehmen ihren Lauf. (Foto: Sportograf)

Rad am Ring 2015 – Grüne Bunte Ponyhof-Hölle

Rad fahren

Rad am Ring 2015. Auch dieses Jahr beweist die Schleife durch die Eifel mal wieder, dass sie zurecht „Grüne Hölle“ und nicht „Bunter Ponyhof“ genannt wird (Anregung aus einem facebook-Kommentar der Rad am Ring Seite). Wieder einmal schreibt der Nürburgring und schreibt das Radteam Wittgenstein die Geschichte fort. Das Team bereits zum 6. Male. Und ich persönlich bin zum 4. Mal dabei. Meine persönlichen Eindrücke schildere ich diesmal in „Runden“.

Startpanorama - Das Wetter bessert sich, 16 Stunden Rad am Ring nehmen ihren Lauf. (Foto: Sportograf)

Startpanorama – Das Wetter bessert sich, 16 Stunden Rad am Ring nehmen ihren Lauf. (Foto: Sportograf)


Minus-1te-Runde ;-) „Vorbereitung und Anfahrt“

Ich bereite mich trainingsmäßig ja nie gesondert auf den Nürburgring vor. Zu vermerken gibt es als Besonderheit heuer nur, dass ich seit der Maratona dles Dolomites leichte Beschwerden am rechten Knie habe. Die waren nach der Maratona sofort wieder weg, tauchten vor zwei Wochen Freitag dann nach einer harten FTP-Testprotokoll-Einheit dann aber wieder auf. Am folgenden Samstag merkte ich das Knie dann von Anfang an und dass ich eine Ausfahrt mit Radfreunden am Sonntag nicht abgesagt habe, sondern trotz allem mit ihnen noch durch das Ruhrgebiet (und das noch bei Regen) gefahren bin, das war im Nachhinein einfach nur unvernünftig.

Mit einer ganzen Woche ohne Rad, nur einer Core-Trainig-Einheit und einem kurzen Spazierenrollen am Sonntag, einer leichten E1-2-Einheit am Montag und nochmal am Donnerstag war’s das an Vorbereitung und Heilpause für das Knie.

Anfahrtstechnisch verlief die Hinfahrt zügig und ohne Probleme. Ich war sogar so früh da und durch die Sturmböen (dazu gleich mehr) wahrscheinlich Sonderbedingungen vortreffend, so dass ich mit meinem Einfahrtsschein noch die offizielle Einfahrtsroute befahren durfte. Ich war also zum ersten Mal mit meinem eigenen Auto auf der Parzelle. Luxus! :)

Bisschen mulmig war mir beim Auffahren auf die Grand Prix Strecke aber schon. Ich hätte ja eigentlich über das historische Fahrerlager zur Parzelle gewollt. Durch den Tunnel und ich wäre sofort da gewesen. Aber nein – das hätte ich erst ab 12:00 Uhr gedurft, so der Ordner. Na gut. Dann halt über die Einfahrt nahe Parkplatz C-6. Hmm. Tor offen, keiner da. Bin ich hier richtig? Da ist die Rennstrecke. Öhhh. Na gut – ich muss nach links. Soweit trägt die Streckenkenntnis. Aber jetzt läuft doch noch das Laufevent, oder nicht? Ähhh. Also lieber vorsichtig…

Habe dann tatsächlich ein paar einzelne, versprengte Läufer überholt. Das war aber alles halb so wild. Schnell stehe ich auf unserer Parzelle, parke und begrüße die Kollegen.


Nullrunde:

Zunächst. Das heisst, zunächst hatte der Wind das Kommando. Richtiger gesagt – Sturmböen.

Sie liessen unser Zelt knattern und schlagen. Eine ziemlich laute und störende – zum Teil aber den Aufenthalt im Zelt auch heimelig machende – Geräuschkulisse. Ab und an mussten wir an den Ecken die Gurte der Seitenteile nachziehen. Alles halb so wild. Aber schlafen hätte man da so noch weniger als sonst die Jahre können. Den Küchenpavillon hatte es wohl schon am Freitag abend zerlegt. Eigentlich wissen wir doch, wie Material für den Ring beschaffen sein muss. Mit Faltpavillons braucht man da gar nicht erst aufkreuzen…

Die Geräuschlücken des Zeltes füllte das ständige Heulen des Windes an der Fahnenmastreihe vor dem Boxengassengebäude des Rings. Das war echt nicht von schlechten Eltern.

Unter diesen Randbedingungen und mit der offiziellen Unwetterwarnung des DWD hatten die Veranstalter gar keine andere Wahl, als den Start der Radwettbewerbe zu verschieben. Zunächst um 3 Stunden, hiess es. Das galt auch für die Jedermannrennen, die zu dem verkürzt wurden. Aus der 150er Runde wäre also eine 75 km Distanz geworden.

Als sich der neue Startzeitpunkt näherte, aber immer noch keine Verbesserung eingetreten und die Unwetterwarnung bis in den Abend verlängert wurde, hiess es dann: Start zu den 24h-Rennen um 20:00 Uhr, Jedermann-Rennen abgesagt.

Bitter für die Jedermänner, von denen aber sicher nicht wenige davor schon den Ring verlassen hatten. Sturm mit Aussicht auf Regenschauer – das ist sicher nicht das Juli-Wocheend-Rennen, dass man sich so vorstellt. Wie sich herausstellte, war die Entscheidung richtig.

Richtig war aber auch die Entscheidung, sowohl den Start der 24-Stunden-Wettbewerbe zu verschieben, als auch, da zu bleiben und überhaupt zu starten.

Ob und wann es überhaupt zu einem Start kommt, dass wissen wir den Nachmittag über aber nicht so richtig. Wir sitzen im Zelt, Regenschauer kommen und gehen. Die Wasserkocher machen Überstunden.

Hier noch ein Kaffee. Und noch ein Kaffee. Gern auch mal ein Instant-Cappu oder eine heiße Nudelsuppe aus dem Becher. Die mitgebrachten Kuchen und teilweise schon Salate werden probiert. Bei den Salaten halte ich mich noch zurück, aber das Leistungsgewicht sinkt dank Käsekuchen, Apfelkuchen und Nußecken doch mehr, als es der Hohen Acht zuträglich ist.

Sport gibt es nur in Form der Tour de France. Aber immerhin! So können wir die spannende Etappe und den Höhepunkt mit der Ankunft in Alpe d’Huez live mitbekommen. Gar nicht mal so übel. Ralf hat wie üblich ein WiFi-Netz aufgespannt und wir schauen auf seinem Notebook (welches eigentlich für die Liveticker-Einträge des Teams und das Checken der Timings zur Verfügung steht) den ARD-Livestream. Die fachlich-sportliche Qualität des ARD-Kommentars ist unter aller Kanone, davon konnte ich mich schon zweimal während dieser Tour überzeugen. Ich habe dann immer mit schaudern auf Eurosport umgeschaltet. Und so ist es auch nicht weiter schlimm, dass wir erst mal basteln müssen, damit der Ton halbwegs hörbar wird. Die Notebook-Lautsprecher kommen einfach nicht gegen die Windgeräusche und die Gespräche im Zeltinneren an. Am Ende koppeln wir einen externen Mini-Speaker über Bluetooth an mein iPhone, auf dem ich ebenfalls den Stream starte… :)

Saukalt ist es. Für obenrum hab‘ ich für alle Klimaregionen mehrfach alle Optionen dabei. Was bin ich froh, dass ich einer Intention folgend auch noch die dicke Thermoweste (nix für’s Radfahren) mitgenommen habe. Für untenrum habe ich aber nur kurze Hosen und einen Satz Knielinge. Für’s Rennen wird es reichen. Aber für das herumhocken im Zelt und für die gelegentlichen Gänge zu den Toiletten und mal zur Verpflegungszone (Ach – die Bratkartoffeln mit dem panierten Schnitzel am Samstag Mittag habe ich ja auch noch unterschlagen… ;-)) ist es doch untenrum recht frisch.

Da treffe ich übrigens Natascha und Jens. Wie schön! Wir waren ja auch schon zusammen bei der Maratona dles Dolomites vor 2 Wochen. Sie wollten eigentlich das 150 km Rennen fahren… tja, leider dieses Jahr eine Nullnummer…

So habe ich auch am späten Nachmittag mein Rennrad immer noch im Kofferraum. Immer noch keine Startnummer montiert, aber habe schon Radschuhe angezogen.
Warum? Nun, die sind wärmer als meine Straßenschuhe… oO. Als zweites Paar habe ich noch die Northwave Celsius Schuhe dabei. Die sind von unten schön Wasserdicht und auch Warm. Noch die Socken gegen dickere Exemplare getauscht und die Knielinge an und weit nach unten gezogen. So sind auch die Füße wieder warm.

Die Eifel ist auch im Sommer eine Bitch! Obwohl – heute sind ja in ganz NRW Festivals etc. abgesagt worden. Mit diesen Sturmböen ist echt nicht zu spaßen.


1. Runde: „Kaltstart“

Jetzt weiß ich, wie sich Wettkämpfer fühlen, deren Start immer weiter verschoben wird.

Die Böen haben deutlich nachgelassen, der Start findet tatsächlich statt. Ich bin der Startfahrer und mache mich mit Ralf, der Startfahrer für sein Besi & Friends-Team ist, auf den Weg in den Startblock. Jochen, Roland und Thorsten begleiten mich an der Seite – wir werden eine tolle, gemeinschaftliche und sehr ausgewogene Teamleistung einfahren, so viel sei vorweg genommen. :)

Es ist saukalt, ich stehe mit langen Knielingen, normalen Radschuhen mit Überschuhen und Softshell über dem Kurzarmtrikot in der Startaufstellung. Und habe noch die dicke Weste an, die ich 1 Minute vor dem Start zu Jochen rüber reiche.

Und dann geht es endlich los. Weniger Teilnehmer (als bei der Maratona), keine Jedermannstarter voraus und eine breite Autorennstrecke. Ja, in den ersten Kurven muss man ein wenig aufpassen. Aber es ist jede Menge Platz vorhanden.

Auf der Strecke ist es angenehmer als auf der Parzelle. Die Abendsonne ist pünktlich zum Start hervorgekommen und gab Stimmung, die Strecke war fast trocken und trocknete zügig weiter ab.

Nur im ersten Drittel der Strecke merke ich noch einige störende Windböen, danach hat sich das Thema für das restliche Wochenende erledigt.

Runde 1 - Im Pulk durch die Boxengasse. Danach geht's auf die Nordschleife (Foto: Sportograf)

Runde 1 – Im Pulk durch die Boxengasse. Danach geht’s auf die Nordschleife (Foto: Sportograf)

Den Start mit Runde über die Grand Prix Strecke lasse ich noch piano angehen. Mit extrakalten Muskeln will ich mich locker aufwärmen. Will Muskeln, Sehnen und vor allem mein rechtes Knie langsam an das gewöhnen, was gleich noch kommt. Aber schon nach den ersten Metern auf der Nordschleife und dem ersten sich über die in die Abendsonne getauchte Eifel öffnenden Blick ging mir wieder das Herz auf: Die Eifel, Heaven and Green Hell. Die erste Runde war beides. Gute Bedingungen. Yeah!

Nach der Runde hatte ich das prägnanter zusammengefasst. Beim Wechsel – ich übergebe an Thorsten – fragt mich Jochen: „Und? Wie war’s?“ antworte ich: „Super… und Scheisse.“ ;-)

Startrunde: Vom Eschbach ins Brünnchen. (Foto: Sportograf)

Startrunde: Vom Eschbach ins Brünnchen. (Foto: Sportograf)

Scheisse war halt der Kaltstart. Nicht nur aus dem Stand, sondern halt mit der Kälte eines ganzen windverfrorenen Eifelnachmittags in den Knochen. Und aufgrund meines Knies dann doch einer zu langen Pause zwischen den letzten harten Einheiten zwischen meiner Dolomitenwoche und Rad am Ring. Und teilweise doch noch feuchten Kurven, wo ich mir mit meinem relativ frischen Vorderreifen gesagt habe „Lieber erstmal weiter den Reifen einfahren und den Grip erst nur vorsichtig testen“. Und der Wirklichkeit einer kalten Hohen Acht, die man erst nach Acht Uhr abends und einem halben Tag warten angeht. Ansonsten war’s cool. :)

Runde 1 - im Pflanzgarten (Foto: Sportograf)

Runde 1 – im Pflanzgarten (Foto: Sportograf)

Ich fahre eine 49er Startrunde und gebe mich danach dann einem leckeren Teller Nudelsalat hin. Da hat Kerstin wirklich ein sehr leckeres Salätchen gebaut. Aber auch die traditionelleren Variationen von Sarah und allen lieben Menschen, die uns da was leckeres zubereitet haben, waren allein schon Grund genug, an den Ring zu kommen. :)


Meine 2. und 3. Runde: „Doppelstint in der Nacht“

Da das 24h-Rennen durch den Start um 20:00 Uhr zu einem 16h-Rennen geworden ist, liegt mein nächster Einsatz bereits in der Nacht. Da wollen wir in bewährter Manier wieder Doppelrunden fahren. Vor mir hat Jochen schon eine Doppelrunde gefahren.

Ich fand, es war eine angenehme Nacht zu fahren. Saukalt war es zwar, aber so kennt man die Eifel. Auch im Sommer. Es liess sich aber wirklich hervorragend fahren. Aero is everything. Die Strecke war trocken, mein Licht (Lupine Wilma, hehe) sehr gut und der Vorderreifen hatte jetzt genug Kilometer drauf. Die Kurven und die Fuchsröhre wurden so zu einem Genuss! :)

Runde 2. Die erste der Doppelrunde in der Nacht. Im Brünnchen.

Runde 2. Die erste der Doppelrunde in der Nacht. Im Brünnchen.

Für die beiden Runden habe ich 1 h 51 Min gebraucht. Beim zweiten Mal zur hohen Acht rauf hätte ich fast einen Krampf in der Oberschenkel-Innenseite des rechten Beins bekommen. Konnte ich so gerade noch durchdrücken, in dem ich in den Wiegetritt wechselte und so quasi bis vor dem Karusell blieb. Ansonsten alles Gut! :)

Zurück im Zelt angekommen wechsele ich ein paar Worte mit Jochen. Ansonsten ist es ruhig. Verdammt kalt ist es. Wenn nicht der Schlaf, dann die Kälte – sie treibt in die Schlafsäcke. Aber erst mal mache ich mir eine heisse Tomatensuppe… Ahhh…. :)

Andreas kommt ins Zelt. Schon vor dem verschobenen Start haben sie einen Ausfall im Team, starten nur zu Dritt. Mit Wind, Kälte und Regenschauern sind sie eher zurückhaltend als auf Rennmodus gestimmt. Aber bei allen hat die Eifel in ihren ersten Runden ihre Magie gewirkt. Letzten Endes ist es doch geil, hier auf dem Ring zu fahren. Mit etwas anderen Worten und endorphingeladen breit grinsend drückt das auch Andreas aus und will, dass ich ein Foto von ihm mache. Na, das mache ich doch gern:

Die Eifelnacht, sie wirkt... belebend ;-)

Die Eifelnacht, sie wirkt… belebend ;-)

Dann noch was in den Liveticker schreiben, Twitter und WhatsApp checken, doch noch eine Decke aus dem Kofferraum hervorholen und unter den Schlafsack gelegt, damit noch mehr Isolation da ist. Die Kombi aus Schlafsack und Campingecke ruht diesmal auf einem Feldbett.

Haha – ein Neuerwerb. Frisch für den Ring. Die Kollegen nutzen so etwas schon seit Jahren. Sehr gut – so können zur Not auch schon mal Regenbäche über den Schotterboden laufen, ohne dass man davon in Mitleidenschaft gezogen würde… Etwas bequemer als eine Luftmatratze ist es auch.

Aber trotz allem. Kalt, klamm, klamm, kalt… so richtig gut bin ich nicht gebettet. Das wir dieses Mal kein extra Schlafzelt, sondern ein gemischtes Aufenthalts- und Schlafzelt haben, ist auch nicht so optimal. Um Drei Uhr irgendwas mache ich die Augen zu und ob man das wirklich Schlaf nennen kann, was von da bis um 06:15 von statten geht, weiss ich nicht wirklich.

Auch Thorsten, Roland und Jochen konnten ihre Nachturns super abspulen. In der Nacht liegen wir auf Platz 87 von knapp 700 Vierer-Rennradteams und arbeiten uns weiter vor.


Runde 4 — „Nach der Nacht – Akkus leer, Sonne lacht“

Thorsten weckt mich – obwohl es eigentlich nicht nötig ist – um viertel nach 6. Jochen ist gerade auf seine Runde gestartet. Es ist die erste Einzelrunde nach der Nacht. D.h. in rund 55 Minuten muss ich ihn abwechseln.

Der Schuhfön kommt zum Einsatz. Erst Straßenschuhe, dann Gabba, dann Radschuhe werden von klammer Kälte befreit, damit ich wenigsten beim Anziehen ein angenehmes Gefühl habe. :) Kurze Morgentoillette und kurzes, knappes Frühstück: nur 2 Weissbrot-Sandwich-Scheiben, dazwischen ohne Butter 2 Scheiben Käse, etwas Salz vom Salzstreuer. Eine Tasse Kaffee, 4-5 Nüsse, das war’s. Der Rest musste das Sponser-Energydrink-Pulver in der Trinkflasche richten. So wirklich hat das aber alles zusammen noch keine ausreichende Energie liefern können. Die sehr kühle Nachtruhe hat auch nicht wirklich helfen können. Ohne mollige Wärme und ohne Massage waren die Beine nach meiner Nachtpause gefühlt eher härter als erholter…

Also irgendwie sind die Akkus schon oder noch leer. Zumindest fühlt es sich so an. Effektiv bin ich aber schon etwas schneller als in der Nacht. Aber es ist schon hart. Die Sonne hilft und es ist mal wieder toll, den Eifelring am Morgen bei Sonnenschein zu befahren. Aber es ist noch kalt und der hohe Tauanteil auf der Fahrbahn lässt mich viele Kurven ein klein wenig zurückhaltender Angehen.

Sonnenschein am Morgen. Noch ist es kalt - aber so kann der Tag beginnen :) (Foto: Sportograf)

Sonnenschein am Morgen. Noch ist es kalt – aber so kann der Tag beginnen :) (Foto: Sportograf)

Jedes bisschen Kurvenschwung kostet aber. Das zeigt mir dieses Jahr besonders. Ich gehe bei jeder Abfahrt in tiefe Aerohaltung, beschleunige vorher über die Kuppe in die Abfahrt hinein und nehme den vollen Schwung mit. So überhole ich meist viele, die vor mir in die Kurve oder Abfahrt hineingegangen sind, noch während ich am Gegenhang so schnell bin, dass ich noch nicht treten muss / kann, sie aber schon wieder am pedalieren sind.

Runde 4 - in der Fuchsröhre. Going low and going fast ;-) 92,6 km/h. (Foto: Sportograf)

Runde 4 – in der Fuchsröhre. Going low and going fast ;-) 92,6 km/h. (Foto: Sportograf)

Auf der Döttinger Höhe gibt es mal wieder keinen Windschatten. Oder doch. Hinter mir gibt es welchen. Leider nicht vor mir. Für Spielchen oder zurückfallen lassen habe ich aber weder Zeit noch Lust.

Als ich zur Parzelle zurückkehre sind Bänke rausgerückt, alle wach und Kaffee ist am Start. Endlich wärmt die Morgensonne. Herrlich. Jetzt erst mal ein Nutellabrot, ein Kaffee, dann geschäftlich zur Boxengasse ;-) Und wo ich schon mal da war, noch 3 Euro in zwei belegte Brötchenhälften investiert und ein paar Stände der Expo besucht.

Tweets nach der ersten Runde nach der Nacht.

Tweets nach der ersten Runde nach der Nacht.


5. Runde „On the Rivet“

Wem sagt „On the Rivet“ etwas? Das ist Radfahrer-Lingo und rührt aus den Zeiten, in denen Sättel noch vernietet waren. Z.B. vorne an der Spitze. On the rivet war man, wenn man alles aus sich herausholte und um maximalen Druck auf die Pedalen aufzubringen, auch ganz nach vorn auf die Sattelspitze gerutscht ist.

Während ich damit beschäftigt war, meinem Körper etwas mehr Energie zuzuführen, als das in der kurzen Zeit zwischen Schlafsack und erster Morgenrunde mit dem Weissbrot möglich war, bringt Thorsten die bis dato schnellste, offizell gezeitete Runde nach meiner Startrunde hinein. Eine 52er Zeit. Hmmm – und das nach der bisherigen Anstrengung! Klasse! Und: Motivation! Hehe :)

Es ist etwa 10:00 Uhr und endlich kann ich kurz-kurz in meine 5. Runde starten. Und somit auch unser schönes Team Wittgenstein-Trikot in voller Pracht zeigen. 52 Minuten gilt es zu schlagen. ;-)

Runde 5 - Los geht's. Hier ziemlich am Anfang in der Boxengasse. (Foto: Sportograf)

Runde 5 – Los geht’s. Hier ziemlich am Anfang in der Boxengasse. (Foto: Sportograf)

Gefühlt und gemessen war es die härteste Runde, die ich dieses Jahr gefahren habe. 238 gegenüber 235 Watt normalized Power für diese 5. gegenüber der 1. Startrunde. Und 218 gegenüber 206 Watt Durchschnitt. Die Runden unterscheiden sich aber auch in Bezug auf die Strecke etwas, da die Startrundenfahrer die Grandprixstrecke zweimal zurücklegen. Zumindest für unseren Parzellenstandort trifft das so zu.

Hi there! ;-)  Racing hard and acting cool - am Anfang der Nordschleife in der Hatzenbach. (Foto: Sportograf)

Hi there! ;-) Racing hard and acting cool – am Anfang der Nordschleife in der Hatzenbach. (Foto: Sportograf)

Die Strecke war auch total trocken, so dass ich auch das erste Mal nahezu alle Kurven (bis im Bergwerk) voll durchgezogen habe. In der ersten Runde war’s noch feucht und teilweise böig, dann war’s dunkel, dann taunass und jetzt endlich ideal. :) Alles voll durchgedrückt und auch sonst alles abgerufen, was noch so ging.

Runde 5 - in der Fuchsröhre. Going low and going fast ;-) Mit Gabba 92,6 km/h und mit Aero-Trikot 93,0 km/h. Komplett unwissenschaftlich, aber hey: schneller ;-)  (Foto: Sportograf)

Runde 5 – in der Fuchsröhre. Going low and going fast ;-) Mit Gabba 92,6 km/h und mit Aero-Trikot 93,0 km/h. Komplett unwissenschaftlich, aber hey: schneller ;-) (Foto: Sportograf)

Erfreulich: Das Knie hat über das ganze Wochenende keine Mucken gemacht (habe auch nach jeder Runde mit Arnikasalbe dick nachgelegt) und ich habe die 52 Minuten unterboten. :)

Buchstäblich vor der letzten Kurve. Nochmal alles geben, was drin ist. (Foto: Sportograf)

Buchstäblich vor der letzten Kurve. Nochmal alles geben, was drin ist. (Foto: Sportograf)

Leicht ernüchternd, aber ich schiebe es mal auf die suboptimalen 2 Wochen vor Rad am Ring und auf die äußeren Bedingungen (Kälte, warten auf den Start und dabei frieren, Leistungsgewicht etc.) konnte keine neuen Bestzeiten abliefern. Ok, doch, eine, und zwar in genau der letzten Kurve unserer Team Wittgenstein Runde:

Segmentzeiten

Segmentzeiten „Hatzenbachclimb“. Ist aber in der Tat die letzte Kurve, wo die Grand-Prix-Strecke auf die Innenarena schwenkt. Platz 58 von über 1000 ist auch nicht übel. :)

Mein Rekord auf die Hohe Acht bleibt bei 13 Min 54 sek. aus dem September 2013.

Segmentzeiten Hohe Acht.

Segmentzeiten Hohe Acht.

Das ist das tolle an Strava-Segmenten und der Auswertung. Man kann sich eine solch schöne Gegenüberstellung geben lassen. Heuer immerhin die zweitschnellste persönliche Zeit. Und auch relativ gleichmäßig in allen Runden gefahren. Man kann konstatieren: die schnellste Runde wurde seinerzeit im September gefahren – da habe ich noch ein paar Kilometer mehr in den Beinen.

Aber ich war klar nicht bei meiner Maximal-Leistung. Wobei: zum einen rufe ich die eher auf langen Anstiegen ab und zum anderen war ich aufgrund des Knies im Vorfeld nicht optimal vorbereitet und bin auch die erste Runde wie gesagt ganz leicht verhalten angegangen. Eine neue Maximalleistung (zumindest im Vergleich der letzten 3 Monate) zeigt dann allerdings die lange Dauer der Doppelrunde. Wie man in der folgenden Abbildung sieht, geht die rote CP-Kurve ab etwa 1 h und 12 Min in die Maximallinie über und bildet diese. Geht man allerdings nach meinem FTP-Wert, dann müsste ich so eine Einzelrunde noch fixer fahren. In der letzten Runde wäre ich auch wohl dafür bereit (es gilt ja nichts mehr aufzusparen), dann aber wiederum auch zu kaputt von den Vorrunden…

Critical Power Kurven der Runde 1 (hellgrau) und der Doppelrunde 2 und 3 (rot) vor der Maximalkurve der letzten drei Monate (Golden Cheetah Auswertung)

Critical Power Kurven der Runde 1 (hellgrau) und der Doppelrunde 2 und 3 (rot) vor der Maximalkurve der letzten drei Monate (Golden Cheetah Auswertung)


Abschluss:

Nach mir ist noch mal Thorsten dran. Dann folgt Roland. Er hat die Ehre unsere letzte Runde zu fahren, aber auch die Last, sich ganz zum Schluss nochmal zu motivieren, während die anderen sich schon die leckeren isotonischen Getränke auf Hopfenbasis unserer heimischen Brauerei Bosch zuführen können.

Aber natürlich warten wir nur darauf, uns in das Spalier der übrigen Teams vor der Zielgeraden einreihen zu können und ihn in Empfang zu nehmen. Als er dann reinkommt, fahren wir, der guten Ringtradition folgend, gemeinsam über die Ziellinie.

Geschafft! Zufriedene Zieldurchfahrt. Von Links: Torsten, Thorsten, Roland, Jochen. Zweimal Canyon Ultimate CF SLX, einmal Canyon Aeroad CF SLX und ein kein Canyon ;-)  (Foto: Sportograf)

Geschafft! Zufriedene Zieldurchfahrt. Von Links: Torsten, Thorsten, Roland, Jochen. Zweimal Canyon Ultimate CF SLX, einmal Canyon Aeroad CF SLX und ein kein Canyon ;-) (Foto: Sportograf)

Das Ziel, unter die Top 100 zu kommen, haben wir mehr als dick erreicht. Platz 71 von 696 Rennrad-Viererteams ist der Endstand. Damit unter den Top 75 und hauchknapp daran vorbei, besser als 90 % aller anderen 4er Teams zu sein! Ganz starke Sache und wir können zurecht stolz auf uns sein.

Alles in allem war es trotz (und ein bisschen natürlich auch wegen) der Eifelwetter-Unbillen wieder ein tolles Wochenende am Nürburgring! Wir können es jetzt schon wieder kaum abwarten auch im nächsten Jahr wieder mit großer Truppe zum Ring anzureisen und gemeinsam Spaß rund um Rennrad und Moutainbike zu haben!

Meine Runden auf Strava:

20150725_Strava-RaR-Runde1Runde 1, Runde 2+3, Runde 4, Runde 5

In kleiner, exquisiter Gruppe durch die Eifel.

Nordeifel-EXTREM-Marathon – extrem toller Rennradsamstag

Rad fahren

Letzte Woche stand die Frage im Raum, wer denn noch mit nach Euskirchen kommen wollte. Der RSV Euskirchen hätte da eine sehr schöne Strecke und man wollte die lange Strecke fahren. Die richtig lange Strecke. Die Euskirchener nennen diese:

Nordeifel-EXTREM-Marathon.

Hmmm: 256 km und rund 4600 Höhenmeter wurden dort aufgerufen.

Tolle Daten, die Respekt einflößen und die man nicht so zwischen Tür und Angel fährt. Oder doch? ;-) Das Wetter versprach, trocken zu bleiben (tat es) und die Temperaturen moderat (wich doch stark nach unten ab – der Windchill tat sein Übriges).

Und ich will dieses Jahr ja auch schließlich noch den Ötztaler Radmarathon fahren (auch irgendwie zwischen Tür und Angel, denn so richtig Urlaub dafür habe ich nicht übrig). Wäre also eine gute Trainigsfahrt, denn wann fahre ich schon mal an die oder über 200 km? Richtig – bis auf zwei, drei Mal noch gar nie! ;-) Hier gibt’s übrigens einen Bericht von meiner bisher längsten Fahrt über 263 km – solo und mit 3536 Höhenmetern.

Eifelhorizont

Eifelhorizont

Und: bisher kannte ich die Eifel nur von den 24 Stunden am Nürburgring. Die Strecke und die Beschreibung auf den Seiten des Radsportvereins Euskirchen versprachen eine tolle Gelegenheit für richtig viel (Nord)Eifel-Genuss.

Überhaupt: Daumen hoch für Umfang und Güte der Veranstaltungsinformationen! Informationen zur Strecke, Downloadlink der Tracks, zu Sehenswürdigkeiten (sogar per Audiofiles), zu den Anstiegen – sehr gut! Das hat richtig Lust geweckt.

Auf der Strecke dann: übliche, gute Ausschilderung mit Pfeilen, wie man es so von RTFs kennt. Dazu dann noch überall Schilder, wenn Gefahrenstellen lauern könnten („Achtung“, „Bremsen“ etc.), Hinweisschilder mit Länge, Durchschnittsgradient, Höhenmetern und Sternewertung am Fuß der Anstiege und auf der Straße mit Markierungen versehen Schlaglöcher (von denen es wenige gab – überwiegend war die Oberflächenqualität sehr gut).

253 km durch die Nordeifel. Die meisten davon über solch schöne und absolut unbefahrene Nebenstraßen mit sehr gutem Zustand und glatten Asphalt.

253 km durch die Nordeifel. Die meisten davon über solch schöne und absolut unbefahrene Nebenstraßen mit sehr gutem Zustand und glatten Asphalt.

Und großes, großes Lob für die Qualität der Strecke als solches und den Mut, wirklich einen „Extrem“-Marathon mit solch vielen und auch vielen knackigen Anstiegen anzubieten. So beeindruckten nicht nur Landschaft und die absolut verkehrsarme Streckenführung auf den vielen kleinen Nebensträßchen (lebt überhaupt jemand in der Eifel? Man wähnte sich fast auf einer komplett abgesperrten Strecke…) sondern auch solche Kracher wie Reifferscheider Burgberg. Auf einer Länge von 360 m galt es im unteren Teil „nur“ 37 Höhenmeter zu überwinden, aber bei max. 18 % und von einer Abfahrt kommend direkt rein in knüppelhartes, fettes Kopfsteinpflaster. Die Euskirchener haben den Anstieg daher auch liebevoll „Kleiner Koppenberg“ getauft. Der zweite Klopper ist der Kirchberg: 91 Höhenmeter wollen auf 720 m überwunden werden und dafür kurbelt man dann schwer bei einer maximalen Steigung von 21%. Sehr genial! ;-)

Kurvig auf und ab durch die Nordeifel.

Kurvig auf und ab durch die Nordeifel.

Ich habe das erste Mal im Rahmen einer RTF an einem Marathon (sonst bin ich nur bei richtiggehenden Alpenmarathons und Cyclosportivs am Start) teilgenommen und habe so keinen Vergleich zu sonstiger RTF-Marathon-Verpflegung. Fand diese völlig ok und gut. Sehr schön war, dass es an jeder Kontrolle richtiges Brot mit Leberwurst oder Frischkäse, nebst Salzstangen etc. gab. Das ist doch für so einen Tag im Sattel viel brauchbarer als der ganze Süßkram, den es sonst so gibt. Z.B. Waffeln und so. A pro pos Waffeln – die gab es natürlich auch. Aber nicht die billigen Dinger, sondern die leckeren dicken belgischen Waffeln. Da ich die in Belgien bei der Flandern-Rundfahrt und bei L-B-L allerdings zu genüge hatte, verzichtete ich darauf. Bis zur letzten Kontrolle. Da gab es sogar Kaffee! Oh wie genial – gerade bei dem sehr kühlen Tag. 10° Celsius war’s im Schnitt. Ein Kaffee und dazu eine belgische Waffel und dann nur noch 28 km bergab bis flach zum Ziel… Ahhhh, wie geil! :)

An der 2. Kontrolle und Verpflegung in Antweiler.

An der 2. Kontrolle und Verpflegung in Antweiler.

Geil war der ganze Tag. Und dazu hatte auch meine Gesellschaft großen – ach was, den größten :) – Anteil. Ein toller langer Tag mit Natascha, Jens, Seb, Ralf, Stefan und David. Schönes Fahren in der Gruppe. Gute Unterhaltung. Abwechseln im Wind, nebeneinander auf den ganzen kleinen Sträßlein und zum Schluss fast ein richtiggehender belgischer Kreisel bis nach Euskirchen hinein.

Distanz: 252,5 km, Höhenmeter: 4208 m, Zeit: 11 h 28 m (brutto), Durchschnittsgeschwindigkeit: 22,0 km/h, Durchschnittsgeschw. in Bewegung: 24,9 km/h, Durchschnitts-HF: 127

Auf Strava:

Strava_20150530

Gas gas gas (Foto: Sportograf)

Rad am Ring 2014 – Team Wittgenstein wieder an der Nordschleife

Rad fahren

RaR zum Dritten: Routine, angenehmes Wetter, beste Bedingungen und familiäre Runde.

Von Samstag, den 26.07. auf Sonntag, den 27.07. und mithin auf einem ganz neuen Termin im Jahr, nämlich im Sommer anstelle Herbst, fand das diesjährige 24-Stunden Rennen Rad am Ring 2014 statt.

Sheer "Riding" Pleasure! :) Start-Ziel-Gerade und Leuchtspuren

Sheer „Riding“ Pleasure! :) Start-Ziel-Gerade und Leuchtspuren

Ich war mit dem Radteam Wittgenstein zum dritten Mal dabei. Dieses Jahr war unsere Runde (auch aufgrund der Urlaubszeit) kleiner als sonst, aber immer noch gleich professionell unterwegs. Küchenzelt mit 2 Kühlschränken, Bierzeltgarnituren, Kochfeld, Gasgrill und was man so braucht, Mannschaftszelt, Notebook für das Füttern des Livetickers – alles am Start.

Dieses Jahr lag der Fokus eindeutig auf dem Rennrad. In der Tat: wir hatten leider auch nur einen einzigen Mountain-Bike-Starter dabei. Sehr gefreut hat mich aber, dass wir diesmal sogar zwei 4er Rennrad-Teams für die 24 Stunden nebst einigen Startern der 75er und 150er Rennen stellten.

Fast ein bisschen gefehlt hat mir das größere „Hoscha“ in der Nacht. Es ist schon ein Unterschied, ob lediglich 2 Teams und 1 Solostarter auch in der Nacht unterwegs sind oder ob 2 bis 3 Solofahrer versorgt werden müssen und weitere 2er und 4er Teams ständig wechseln.

Die Nacht macht es so speziell: In der Dämerung war ich wieder mit kleinem Carbonstativ und der Sony RX 100 unterwegs. Leuchtspuren und im Hintergrund der Turm der Nürburg.

Die Nacht macht es so speziell: In der Dämerung war ich wieder mit kleinem Carbonstativ und der Sony RX 100 unterwegs. Leuchtspuren und im Hintergrund der Turm der Nürburg.

Aber die Truppe, die dieses Jahr wieder beisammen war, hat es mehr als Wett gemacht. Das gute Wetter – es war nicht zu heiß, es war auch nicht immer strahlend blauer Himmel, aber es blieb trocken und durchaus auch sonnig – tat sein übriges dabei. Und so war mal wieder tolle Stimmung am Ring.

Ruck Zuck ist nach dem Start um 13:13 auch mein Turn dran. Ich soll die dritte Runde für unser Team wahrnehmen. Und was soll ich sagen: Von der ersten Sekunde war mein Motto: Race is on! :)

Kurze Gegenanstiege werden mit ordentlich Zug und Druck im großen Gang durchgedrückt (Foto: Sportograf).

Kurze Gegenanstiege werden mit ordentlich Zug und Druck im großen Gang durchgedrückt (Foto: Sportograf).

Ich fahre mich ein klein wenig behelfsmäßig im Fahrerlager und Expobereich warm, gucke immer mal wieder an unserem Wechselpunkt vorbei, drehe dabei immer kleinere Runden, um Carsten nicht zu verpassen und da ruft Andreas schon „Carsten kommt!“. Ok – hingestellt, Transponder übernommen und los. Race is on!

Die Rennstrecke mit den rotweissen Curbs, weiten Kurven und dem Auf und Nieder (Foto: Sportograf)

Die Rennstrecke mit den rotweissen Curbs, weiten Kurven und dem Auf und Nieder (Foto: Sportograf)

Ich habe voll reingehalten. In meiner ersten Runde muss ich bei der Fuchsröhre aufpassen, ausgerechnet dort wird es etwas enger. Sonst ist in dieser dritten Runde des Rennens schon vergleichsweise freies Feld auf der Strecke. Windschatten von Döttinger Höhe bis Tiergarten zu erhalten, fällt schwer. Was sich dort findet, ist mir zu langsam. Erst sehr spät findet sich jeweils jemand oder ein kleines Grüppchen, wo das Tempo passt. Das ist mir aber egal – ich will hier keine Energie sparen, ich will möglichst schnelle Runden fahren. Dabei hilft natürlich, wenn sich zwei oder mehr ähnlich starke und gewillte Fahrer finden und zusammenarbeiten. Dreimal in meinen 6 Runden findet sich das auch: Teilweise von Antoniusbuche durch die ganze Grand Prix Strecke kann ich da mit jeweils einem Partner richtig cool reintreten und mich abwechseln. Das in Verbindung mit der Kurvenhatz durch die Grand Prix Strecke hat richtig viel Laune gemacht!

Genialer Asphalt und Highspeed-Kurven. (Foto: Sportograf)

Genialer Asphalt und Highspeed-Kurven. (Foto: Sportograf)

Für Runde 1 und Runde 2 (Unsere Teamrunden 3 und 7) gemeinsam gibt mir die Trainings-Auswertungssoftware Golden Cheetah im Nachgang einen Intensitätsfaktor von 1,005 an. Also intensiver gefahren als die im vorhinein durch Test ermittelte Stundenleistung in Form der Functional Threshold Power (FTP).

Und das, wo ich die zweite Runde vermeintlich lockerer angegangen bin. Aber wirklich nur ein winziges bisschen. Am Anfang. Die Hohe Acht zog sich auch irgendwie mehr als in der ersten Runde. Ach was. ;-) Beim Wechsel war ich dann aber überrascht – ich habe ziemlich exakt die gleiche Zeit wie in der ersten Runde hingelegt: mein Radcomputer zeigte nach diesen zwei Runden 52 km und 1:37:45 gesamt an. Also selbstgestoppt von Wechsel zu Wechsel für die 1. Runde  48:50 min und für die 2. Runde 49 Min.

Im "Tag Team" abwechselnd über Döttinger Höhe bis durch die Grand Prix Strecke. Mit ihm hier habe ich mich gut abwechseln können. (Foto: Sportograf)

Im „Tag Team“ abwechselnd über Döttinger Höhe bis durch die Grand Prix Strecke. Mit ihm hier habe ich mich gut abwechseln können. (Foto: Sportograf)

Um 21:30 Uhr bricht dann die Dämmerung an, wir machen das Lagerfeuer im Camp an. Und um 01:03 werde ich zu meinem Nacht-Doppelstint aufbrechen.

Die Nacht ist natürlich das, was so ein 24h-Rennen so besonders macht. Eine ganz eigene Stimmung. Nochmals etwas leerer als am Tag. Aber auch wieder beste Bedingungen. Was mich selbst wundert: ich bin konstant gut unterwegs, trotz dass sich die hohe Acht von mal zu mal zäher anfühlt. Für die 1. Runde brauche ich 52 min und für die 2. Runde 60 min inkl. kurzen Stop an der hohen Acht, um einen Becher Isoplörre zu nehmen und Ralf per Handy anzuklingeln, damit er sich bereit machen kann. In dieser zweiten Runde hatte ich hinter dem Bergwerg am Begin der Steigungsstrecke auch einen kurzen Krampfansatz am Oberschenkel innen rechts – konnte aber nach ein paar langsamen, dehnungsbetonten Pedalumdrehungen wieder normal weiterfahren. Fuhr danach aber erst mal betont höherfrequent. Auch das hat zur 60er Zeit der 2. Runde beigetragen.

Was ich aber in der Nacht endlich wirklich ausnutzen konnte, war die brachiale Lichtpower meiner Lupine Wilma. Im letzten Jahr hatte ich mich im Regen und dichten Nebel mit dem Ding nur selbst geblendet und musste niedrigste Stufe fahren. Jetzt konnte ich in der ganzen ersten Rundenhälfte und den folgenden Gefällestrecken volle Pulle aufblenden. Ahhhh, hervorragende Sicht! :)

Flashing through the night :) (Foto: Sportograf)

Flashing through the night :) (Foto: Sportograf)

Nachdem ich wieder reingekommen bin, muss ich natürlich erst mal etwas runter kommen, etwas essen, Zeiten checken etc. bevor ich zu einer kurzen Nachtruhe hinlegen kann. Mit Ohropax und einem Socken über den Augen kann ich in meinem Schlafsack tatsächlich volle 2 Stunden durchschlafen. Frühzeitig vor meiner 5. Runde stehe ich aber für die Morgentoillette und einem kleinen Frühstück von 2 halben belegten Brötchen und ’nem halben Kaffee auf und mache mich für meine Runde fertig.

Sicherheitshalber habe ich rund 5 volle Kits (Trikots mit diversen Armlängen und Bibshorts) dabei. Damit war zwar die Tasche voll, aber auch dafür gesorgt, das auch bei Regenrunden und schlechten Trockenmöglichkeiten immer frische und trockene Klamotten bereit waren. Das war auch ohne Regen gar nicht so verkehrt. Denn in der Nacht wurde es zwar nicht kalt – aber ganz schon klamm. Und so hatte ein weiteres neues Tool einen guten Auftritt: mein frisch für den Ring erworbener elektrischer Schuhtrockner! :)

Sonntag morgen ist es noch etwas frisch, daher die Windweste und Armlinge - aber keine Müdigkeit vorschützen. ;-) (Foto: Sportograf)

Sonntag morgen ist es noch etwas frisch, daher die Windweste und Armlinge – aber keine Müdigkeit vorschützen. ;-) (Foto: Sportograf)

Geniales kleines Ding! Wie ein Fön, nur für zwei Schuhe gleichzeitig und mit sanfter Dauerleistung. Noch im Schlafsack habe ich es vor dem Aufstehen eingeschaltet, damit ich in schöne trockne und angewärmte Schuhe schlüpfen konnte. Ahhh – tolle Sache! Der Neid meiner Teamkollegen war mir gewiss. ;-)

Die 5. Runde war also am Sonntag morgen. Bei schönstem Wetter. Der Aufstieg bis zur hohen Acht fühlt sich wiedermals etwas zäher an. Überraschenderweise kommen dennoch immer wieder gute Zeiten bei herum. 54 Minuten benötige ich selbstgestoppte für diese Runde. Hach, die Sonne scheint und jedes Mal präsentiert sich der Ring von einer anderen Seite, präsentiert andere Stimmungen und andere Ausblicke. Von Jahr zu Jahr, von Runde zu Runde. Jetzt im Hellen erscheinen verschiedene Abschnitte auch wieder im Augenlicht ganz anders als sie in der vergangenen Nacht in den Beinen nur gespürt und im Lampenschein erahnt wurden.

Gas gas gas (Foto: Sportograf)

Gas gas gas (Foto: Sportograf)

Mittlerweile hat sich Carsten ausgeklinkt, wir sind nur noch zu dritt. Das passt mir ganz gut – ich brauche unbedingt noch meine 6. Runde, damit ich die fehlenden Höhenmeter für die Rapha Rising Climbing Challenge auf Strava beisammen bekomme.  Während dieser Runde wird nochmal ordentlich geschwitzt. Mittlerweile steht die Sonne voll auf dem Kesselchen. Die Strecke war auch wieder etwas voller. Man musste wieder mehr bei den Abfahrten aufpassen. Dafür hatte ich wieder einen guten Partner für den Rest der Döttinger Höhe und den Grand Prix Strecken-Abschluss gefunden. Im Tag-Team sind wir wechselnd führend dadurch gezogen was insgesamt dann wieder in einer 52 Minuten Runde mündete.

Mein Canyon Ultimate CF SLX, geniales Fahrverhalten: ob hoch zur hohen Acht kletternd, durch High Speed Kurven zirkelnd oder im Schuss und mit Zuversicht durch die Fuchsröhre. (Foto: Sportograf)

Mein Canyon Ultimate CF SLX, geniales Fahrverhalten: ob hoch zur hohen Acht kletternd, durch High Speed Kurven zirkelnd oder im Schuss und mit Zuversicht durch die Fuchsröhre. (Foto: Sportograf)

Es wäre teamseitig danach noch Luft für noch eine, sogar lockere, Runde gewesen. Aber ich wollte jetzt nicht unbedingt einen Doppelstint fahren und die Kollegen waren nun auch nicht sehr erpicht. Ohnehin ist unser „Traditionsteam“ mehr aus Spaß an der Freude mit jeweils unterschiedlichen Handicaps und Leistungsniveaus am Start. Ganz im Gegensatz zu unserem diesjährigen zweiten 4er Rennrad-Team. Die Jungs waren sehr ambitioniert und haben eine tolle Leistung hingelegt. Mit Rundenzeiten, die fast durchgehend im Bereich zwischen 52 bis 58 Minuten liegen, bringen ihnen am Ende 26 gefahrene Runden Platz 122 ein. In meinem Team fahren wir 21 Runden zusammen und belegen damit Platz 414.

Lotterhaufen. So kann das ja auch nix mit mehr als 21 Runden werden. Der einzige aus meinem 4er-Team, der sich zünfiig in's 2014er Trikot geworfen hat, bin ich. Mit im Bild (und auch im Team-Trikot: Gerd, der als sehr, sehr lockerer 24h-Starter dieses Jahr sein Ring-Debut gegeben hat) (Foto: Sportograf)

Lotterhaufen. So kann das ja auch nix mit mehr als 21 Runden werden. Der einzige aus meinem 4er-Team, der sich zünfiig in’s 2014er Trikot geworfen hat, bin ich. Mit im Bild (und auch im Team-Trikot: Gerd, der als sehr, sehr lockerer 24h-Starter dieses Jahr sein Ring-Debut gegeben hat) (Foto: Sportograf)

Auch dieses Mal war die gesamte Atmosphäre wieder so toll, dass das nächste Jahr auf jeden Fall wieder gesetzt ist! :)

Dazu gehört die Rennstrecke in der Kombination aus Nordschleife und Grand Prix Strecke. Dazu gehört auch der Racemodus bzw. die Mischung der verschiedenen Racemodi (GCC-Rennen, 2er, 4er, 8er und Solo-24h-Rennen für Rennrad und Mountainbike – aber bitte, bitte: auf 24h e-Bike-Rennen kann ich wirklich verzichten – das passt nicht rein). Dazu gehört das Zusammensein im Team und im Basecamp. Und dazu gehört auch, dass dieses Rennen ein Stelldichein der deutschen (und teilweise europäischen) Rennradszene ist. Es gibt so viele Bekanntschaften (sei es online wie Twitter, Strava oder Rennradnews-Forum oder real live) die sich auch jedesmal oder in wechselnder Zusammensetzung am Ring einfinden. Und so hatte ich auch einige Arbeitskollegen getroffen und besucht und auch Twitterbekanntschaften mal in ihrem Camp besucht und ein paar Worte gewechselt – auch, wenn ich dafür erst mal Schleichwege zu den entlegenen DD-Parzellen erkunden musste… :)

Meine Runden auf Strava:

Runde 1+2, Runde 3+4 (Nacht-Doppelstint), Runde 5+6

Insgesamt waren es 156 km und 3469 Höhenmeter die dieses Jahr wieder durchgehend auf Vollgas von mir zurück gelegt wurden. Das finde ich das tolle am 4er Team. Jedes Mal alles geben können und dazwischen Zeit für soziale Interaktionen und zum Herumschauen und aufsaugen der Ring-Atmosphäre zu haben. 2015 daher auf jeden Fall wieder! Vielleicht aber mal 24h Solo? So zum ausprobieren? Mal sehen…

Rad am Ring 2013

RaR 2013: Rad am Ring? Regen am Ring!

Rad fahren

Das war Rad am Ring 2013. Zum Vergessen. Aber Unvergesslich.

Rad am Ring 2013

Rad am Ring 2013

Episch, HTFU (Harden the Fuck up) – die Lieblingsattribute der Rennradfahrer – mit ihnen sollte man sparsam umgehen. Und je mehr man sich entsprechenden Unbillen wie Regen, Kälte und anderem aussetzt, weil man einfach fahren will, um so mehr schiebt man natürlich die Grenze der Normalität hinaus. Und umso weniger episch ist es dann, z.B. im Regen zu fahren.

Aber auch im Team, mit guter Unterstützung und einer toll ausgestatteten Parzelle als Homebase bestens versorgt, ist HTFU nicht die verkehrte Bezeichnung für das Wochenende.

Ein Wochenende, dass sich in der Wettervorhersage schon als eher feuchtes Vergnügen ankündigte, welches aber zumindest pünktlich zum Start mit ein paar blauen Flecken am Himmel und Trocken begann.

Die Startfahrer im Aufbruch zur Startaufstellung.

Die Startfahrer im Aufbruch zur Startaufstellung.

Zwei Stunden vorher kam ich am Ring an. Diesmal hielt ich mit dem Wagen an der Einfahrt des historischen Fahrerlagers an, um mit einmal gehen und einmal fahren (per Rad), meine Klamotten auf vergleichsweise kurzem Wege zu unserer Parzelle zu bringen. Das Team Wittgenstein residierte wie üblich auf den Parzellen K23-27. Große Teile unserer Gruppe waren schon gestern samt LKW angereist und hatten das Camp aufgebaut. Ihnen und der dahinterstehenden Orga kann man gar nicht genug danken. Ohne diesen gemeinsamen Einsatz wäre ein jeweils so gelungenes Rad am Ring für das Team nicht denkbar.

Wisent Paulchen - unser Team-Maskottchen. Vorne mit dabei. ;-)

Wisent Paulchen – unser Team-Maskottchen. Vorne mit dabei. ;-)

Beim Aufbau und dem anschließenden Grillen haben manche wohl eine ganz spezielle Taktik der Nahrungssupplementation ausprobiert. Jedenfalls fand ich folgende „Medizin“ bei meiner Ankunft auf einem Tisch im Küchenzelt vor:

Ob das Bestandteil des Carboloadings war...?

Ob das Bestandteil des Carboloadings war…?

Ich konnte ja jetzt schon zum zweiten Mal teilnehmen (hier mein Bericht zu meiner ersten Teilnahme 2012) und muss sagen, dass mir – auch wenn wir uns über das Jahr hinweg sehr selten sehen – meine Teamkollegen mit ihrem jeweils ganz speziellen Charme ans Herz gewachsen sind. Hatte ich auch im Vorfeld schon überlegt, dass andere Events, die Zeitgleich im Jahr zur Rad am Ring Zeit statt finden, auch ganz nett wären – etwa ein Alpen-Mehrtages-Event wie die Tour-Challenge – so steht für mich auch trotz des kompletten ins Wasser fallens dieses Rad am Rings fest, dass ich 2014 wohl wieder dabei sein werde.

Auch dieses Mal waren wir wieder bestens ausgestattet. Unser Camp bestand u.a. aus zwei großen Schlafzelten und einem großen Küchenzelt. Das war auch nötig, denn auch in diesem Jahr wurde wieder ein neuer Teilnehmer-Rekord geknackt: wir waren mit 29 Personen am Start. Darunter waren

1 Starter Jedermann 25 km
5 Starter Jedermann 75 km
8 Starter Jedermann 150 km

1 4er Rennradteam 24 h (mit mir)
2 Solofahrer Rennrad 24 h

1 4er MTB Team 24 h
2 2er MTB-Teams 24 h
1 Solofahrer MTB 24 h

Im Küchenzelt hatten wir nicht nur so wesentliche Utensilien wie 2 Kühlschränke, Elektrokochplatten, 1 Elekro- und 1 Gasgrill und eine Kaffeemaschine, sondern auch einen kompletten LTE-Router samt Notebook. Schließlich musste ja sowohl das Leaderboard der Ergebnislisten verfolgt, als auch der Liveticker für die Team-Website www.erndtebrück-am-ring.de geschrieben werden. Hier konnte jeder rund um die Uhr hineinschreiben, was er gerade mochte. Viele Einträge stammen auch von Carsten, der sich der Wiedergabe der Zeiten verschrieben hatte, und mir. Ich war teilweise sowohl erst Twitter, dann WhatsApp und dann den Liveticker am befüllen. Zu berichten gab es nicht wenig – das Rennen war sehr ereignisreich. Für mich selbst, für das Team und für alle Teilnehmer am Ring.

Drei Wisente in freudiger Start-Erwartung.

Drei Wisente in freudiger Start-Erwartung.

Los ging es bei mir freundlich überrascht: Ich war mit meiner ersten Tasche gerade durch den Tunnel vom historischen Fahrerlager gekommen und noch nicht ganz bei unserer Parzelle, da spricht mich jemand mit einem schönen Wilier Izoard an. Wie sich herausstellt, ist es Marc, der @mb2day auf twitter, der hier samt Freundin vor mir steht und mich direkt erkannt hat. Er ist heuer Ersttäter am Ring und möchte die 150 km Jedermann-Strecke unter die Räder nehmen. Schön, dass wir uns kennengelernt haben, Marc.

Nach unserem kurzen Gespräch gehe ich zur Parzelle, begrüße meine Teamkollegen und lerne den nächsten Marc kennen. Marc ist dieses Jahr neu im Team und bildet mit Carsten, Ralf und mir unser 4er Rennradteam. Wir sprechen uns kurz ab, wer Startfahrer sein soll; Marc soll die Ehre des Startfahrers (und die Freude des Extraadrenalinstoßes der Startrunde im vollen Feld mit allen 24h- und Jedermann-Strecken-Startern) zu Teil werden (ich hatte das Vergnügen im letzten Jahr :)).

Am Start sollten alle die Flaschen in die Höhe halten. Wisent-Such-Bild.

Am Start sollten alle die Flaschen in die Höhe halten. Wisent-Such-Bild.

Flugs noch mein Rad geholt, mein Auto auf dem A-Parkplatz direkt vis-a-vis des Dorint geparkt (was lacostet die Welt – Geld spielt keine Rolex ;-)) und wieder zum Camp. Noch weitere Leute begrüßt, eine Schlafstatt ausgewählt und die erste Flasche aus dem Hause Bosch geöffnet. Fump! Aber keine Sorge – es war alkoholfreie Faßbrause. Kann man sogar trinken. Sind hoffentlich ein paar vereinsamte Mineralien drin… ;-) Die Spannung steigt und langsam könnte es jetzt auch losgehen. Die Startaufstellung rückt näher.

Ute und Metty

Ute und @mb2day

Wir gehen alle zusammen zum Start, die Jedermänner und Startfahrer sortieren sich in die jeweiligen Blocks ein und ich laufe an der Seite an der Startaufstellung entlang und mache ein paar Fotos von unseren Leuten und später vom Start. Jetzt und in der Folge bin ich zusätzlich immer per Twitter am checken, was die anwesenden Twitterkollegen so treiben und auch per WhatsApp wird der Kontakt zu den Radkumpels daheim und auch Kollegen an der Strecke gehalten.

Markus

Markus

Bastian und Tim beim Start.

Bastian und Tim beim Start.

Unser Teamcheffe... Start zum 24h Solo.

Unser Teamcheffe… Start zum 24h Solo.

Udo und Thomas

Udo und Thomas

So bleibt kaum Zeit, endlich meinen ersten Kaffee am Ring zu genießen, noch etwas Kohlehydrate in Form von leckerem Kuchen zu bunkern und Radschuhe und Helm anzuziehen, bevor ich zum Wechselpunkt muss. Denn ich bin nach Marc der zweite Starter unseres 4er Teams.

Mit Carsten gehe ich locker quatschend zum Wechselpunkt. Auch dieses Jahr ist wieder klar: wir sind gemäß unserer Teamzusammenstellung und individuellen Fähigkeiten ein lockeres Spaß- und Erlebnisteam. Das Erlebnis 24h Nordschleife steht im Vordergrund – verbissene Zeitenjagd und Optimierung von Sekunden wäre bei uns vergebene Liebesmüh‘. So befestigen wir auch in diesem Jahr den Transponder wie vorgesehen mit dem Klettbändchen am Knöchel; nutzen nicht den Flaschentrick. Carsten und Ralf werden, teils trotz Handicaps und wenigen bis fast gar keinen Jahreskilometern, respektable Zeiten abliefern. Ich habe mir wieder wie letztes Jahr vorgenommen, voll Stoff zu fahren und zu schauen, was geht. :)

Meine erste Runde, Foto: Sportograf

Meine erste Runde, Foto: Sportograf

Von daher bin ich sehr auf Marcs Zeiten gespannt. Seine sportliche Vorgeschichte und seine Lightweight-Laufräder deuten auf fixe Beine hin. Und tatsächlich, nach knapp über 50 Minuten kommt er an. Klasse! 50:10 ist die offizielle Zeitnahme von Start zu Start, da kommt dann aber noch die Teilstrecke durch das Fahrerlager hinzu. Ich muss ihn mal fragen, was sein Radcomputer für den gesamten 1. Stint aufgezeichnet hat.

Er zeigt aber auf seine Bremsgriffe. Dreck dran – oha. Er wurde in einer Kurve etwas abgedrängt oder behindert und musste über’s Gras. Ihm und dem Rad ist aber nichts passiert, daher gehe ich unbelastet in meine erste Runde und die zweite Runde unseres Teams.

Meine erste Runde, Foto: Sportograf

Meine erste Runde, Foto: Sportograf

Und, was soll ich sagen? Yeah, die Eifel hatte mich wieder. Der Ring hat sofort gerufen: „Tritt rein, lass es krachen, Schuuuuub!“. Getreu dem Motto: Mal gucken was geht legte ich alles in die erste Runde und erreichte nach selbstgestoppten 26,0 km, 563 Höhenmetern und 48 Minuten 21 Sekunden wieder den Wechselpunkt. Die Runden der 24 h Fahrer führen jedesmal durch das Fahrerlager und sind daher einen Kilometer länger als die Nordschleifen- und GP-Runden der Jedermann-Rennen. Übrigens hatte ich auch den Eindruck, dass der Streckenbereich im Fahrerlager und zur Einmündung auf die Nordschleife leicht hakeliger abgesteckt ist als im letzten Jahr. Also nicht länger, nicht generell anders, sondern nur in Details ein paar schlecht bzw. zu Zusatzecken führend gesetzte Absperrgitter und einen etwas engeren Zwickel bei der Einmündung zur Nordschleife hin.

Ab hier geht's mächtig bergauf - bis zur hohen Acht. Meine erste Runde, Foto: Sportograf

Ab hier geht’s mächtig bergauf – bis zur hohen Acht. Meine erste Runde, Foto: Sportograf

Mit den 48:21 bin ich spitzenmäßig zufrieden. Meine schnellste volle Runde 2012 dauerte 51:01 Minuten. Auch auf der Steigungsstrecke zur Hohen Acht setzte ich eine neue Bestleistung von 13:54 Minuten und einem Schnitt von 17,7 km/h über dieses Segment. Die schnellste Zeit im letzten Jahr war 14:29 und entsprach einem Schnitt von 16,9 km/h. In der Auffahrt fuhr ich unten noch auf Tim auf, der gerade in seiner zweiten Jedermann-Runde war und wechselte ein paar Worte mit ihm. Insgesamt habe ich sowohl in dieser als auch in meiner zweiten Runde dort nur überholt und wurde kein einziges Mal selbst überholt. In der dritten Runde waren es, wenn überhaupt, maximal zwei.

Fast geschafft. Vor der hohen Acht. Meine erste Runde, Foto: Sportograf.

Fast geschafft. Vor der hohen Acht. Meine erste Runde, Foto: Sportograf.

Nach der Runde musste ich erst mal etwas das Laktat aus den Beinen fahren und kurbelte durch’s Fahrerlager und schaute auch etwas über die Expo. Ich versuchte auch, zu einer der D-Parzellen durchzukommen – aber no Chance aus dem Fahrerlager-Infield. Die muss man über die GP-Strecke anfahren. Nun ja – das hatte ja noch etwas Zeit. Also endlich zurück zum Team-Camp und erst mal wieder Kaffee und Kuchen zu den Kilometern gesellt. ;-)

Windschatten gab's auch: Hinter mir! ;-)  Auf meiner ersten Runde, Foto: Sportograf.

Windschatten gab’s auch: Hinter mir! ;-) Auf meiner ersten Runde, Foto: Sportograf.

Mittlerweile zog es sich auch wieder zu. Das sollte es dann auch mit dem (nur leicht) blauen Himmel für das gesamte Wochenende gewesen sein. Um 16:26 Uhr fängt es dann auch zu regnen an.

Immer noch Windschatten. Auf der Start/Ziel-Geraden. Jetzt noch die GrandPrix-Strecke und durch das Fahrerlager und meine erste Runde ist 'rum. Foto: Sportograf.

Immer noch Windschatten. Auf der Start/Ziel-Geraden. Jetzt noch die GrandPrix-Strecke und durch das Fahrerlager und meine erste Runde ist ‚rum. Foto: Sportograf.

Jetzt hatte ich erstmals richtig lange Zeit. Nach mir übernahm Carsten, dann würde Ralf folgen und schließlich würde Marc zu seinem zweiten Stint aufbrechen. Zeit für Twitter, WhatsApp, unseren Liveticker, leckeren Nudelsalat und auch dem Verfolgen der Zeiten unserer Jedermänner. Dort wurden teilweise richtig tolle Zeiten geboten.

Im 75 km Rennen fuhr Tim mit 3:23:47 in seiner AK auf Platz 11, Bastian mit 2:41:11 sogar auf Platz 6 seiner AK. Giovanna erreichte mit 2:46:57 – Gesamt Platz 14, und in ihrer AK Platz 7.

Jochen, ebenfalls vom Start weg vom flüssigen Auf- und Ab der Nordschleife sirenenhaft zu Höchstleistungen verführt, legte auf der 150 km Strecke ebenfalls alles in seine erste Runde und erzielte eine sehr starke 47:11 er Runde für die ersten 25 km, die er jedoch im weiteren Verlauf büssen musste. Aber das war es ihm Wert – verständlich! :)

Ute fährt auch eine spitzenmäßige Zeit: auf der 150 km Strecke ist sie nach 5:49:24 im Ziel und erreicht so insgesamt Platz 15, in der Altersklasse sogar einen Podiumsplatz 3!

Wir haben aber auch schon die ersten Ausfälle zu verzeichnen. Markus, Runde um Runde mit Spitzenzeiten auf der 150 km Strecke, hört mit Knieproblemen vor der letzten Runde auf. Er hat auf dem Rad, besonders auf dem MTB, schon genug erreicht – ihm ist die Gesundheit lieber als noch eine weitere Runde zum finishen. Ralf B. wird auf der MTB-Strecke von einem anderen Teilnehmer abgedrängt und der folgende Baum kann ihm nicht mehr ausweichen. Da dieser auch härter als Ralfs Helm ist, muss er in Folge mit einer Gehirnerschütterung Udo alleine fahren lassen. Somit war sein 2er Team halbiert. Bastian, der sowieso schon im Vorfeld traurig war, dass er aufgrund seines Alters nicht bei den 24h-Fahrern mitmachen durfte, freute sich aber über die Gelegenheit und sprang nach seiner tollen 75km-Rennradleistung nur all zu gerne als MTB-Teampartner bei Udo ein.

In der Folge würde es noch Andreas als einem unserer 24h-Rennrad-Solisten schlecht ergehen (körperliche Probleme und Kopfschmerzen) und Thomas würde es, trotz wesentlich mehr Jahreskilometern, als 24h-MTB-Solisten ganz ähnlich ergehen.

So langsam wurde es dann an der Zeit für meinen zweiten Stint. Hmm, weiterhin Regen, gar nicht mal zu knapp. Was anziehen? Ich entscheide mich, dass es „Gabba“ Time und Zeit für einen „unfair advantage“ ist. Wie bei den Profis bei Mailand-San Remo. Runter mit dem Team-Trikot, her mit dem schwarzen Castelli-Gabba. Das ist wirklich ein geniales Teil. Hatte es seit vergangenen Samstag und auch dort direkt in heftigem Regen getestet.

Gabba-Time! Nordschleife im Regen. Meine zweite Runde, Foto: Sportograf

Gabba-Time! Nordschleife im Regen. Meine zweite Runde, Foto: Sportograf

Wieder zum Wechselpunkt, wieder auf Marc gewartet. Diesmal mit seiner Freundin Giovanna. Bald kommt er rein – aber, oh Schreck, wie sieht er aus!? Die ganze rechte Seite aufgeschürft, das Rad waidwund!

Marc ist auf regennasser Fahrbahn im Brünnchen von der Strecke abgekommen, ihm ist der Reifen bei gut 70 Sachen weggerutscht! Trotzdem hat er die Runde noch in respektabler Zeit beendet und übergibt mir den Transponder. Ich weiss ihn sicher von seiner Freundin begleitet – er muss jetzt erst mal ins Medical Center – und ich starte meinen 2. Stint. Gehe aber nicht nur die Kurven bei der Nässe verhaltener an, sondern brauche auch bis ganz zum Anfang der hohen Acht, um wieder halbwegs Motivation aufzubauen: es regnet, es ist trübe und wir sind definitiv nur noch zu dritt (es stand sofort fest, dass er nicht mehr fahren kann). D.h. auch, dass ich der einzige verbliebene Fahrer „mit Ambition“ (sorry Carsten und Ralf ;-)) war und dass es so bei dem Wetter extra schwierig mit weiterer Motivation in den Nachtstints würde. Carsten wird zudem nach seinem dritten Stint und damit seiner ersten Runde in der Dunkelheit sagen, dass er erst wieder fahren wird, wenn es hell wird. Seine Augen machen ihm in der Dunkelheit zu schaffen und er sieht kaum etwas. Naja – da hätte er in der Nacht ruhig weiter fahren können. ;-) Ich würde später auch kaum was sehen; dichter Nebel vereitelte jede Nachtsicht…

Zweite Runde. Regen. Vorsicht in den Kurven. Foto: Sportograf

Zweite Runde. Regen. Vorsicht in den Kurven. Foto: Sportograf

An Beginn zum Anstieg zur hohen Acht führend war mir das aber erst mal wieder egal und ich genoss auch das Regenprasseln, was sich jetzt ohne den Fahrtwind mit dem stärker werdenden Keuchen und dem Sirren der Ketten mischte.

Im Karusell. Auf geht's zur hohen Acht. Meine zweite Runde, Foto: Sportograf

Im Karusell. Auf geht’s zur hohen Acht. Meine zweite Runde, Foto: Sportograf

Wieder zurück im Camp: erst mal raus aus den nassen Klamotten. Schuhe aus, Socken aus, Socken ausgewrungen, Zeitung in die Schuhe gestopft, Trikot aus, Hemd aus… Boah, jetzt würden sich die nassen Klamotten sammeln…

Jetzt nur noch zu dritt, d.h. relativ bald war ich wieder zu meiner nächsten, der dritten Runde dran. Das war mein erster Turn im Dunklen. Also die Lupine Wilma an das Rad montiert. Tolle Lampe. Würde mir aber vergleichsweise wenig nützen. Zwar war es in der dritten Runde trocken – ok, was anziehen – hmm, ok, die Softshell… ;-) – aber dafür in den ersten 8 Kilometern so neblig, dass man kaum die Streckenbegrenzung sah und so mit deutlich reduzierter Geschwindigkeit nahezu einen Blindflug machte. Mehr Licht half auch nicht, machte nur die Nebelwand heller…

Nach diesen 8 km waren die Bedingungen angenehm. Aber man merkte, dass jetzt schon (es war noch nicht mal 00:00 Uhr) deutlich weniger auf der Strecke los war. Der Regen und insgesamt die Bedingungen hatten einige Teams dezimiert und andere überlegten es sich bestimmt zweimal, ob sie lieber eine Pause mehr machen…

Die Fahrradhistorie des Nürburgringes reicht deutlich weiter als die Rad am Ring Verantstaltungen zurück: 1927 fand dort bereits die Rad-Weltmeisterschaft statt.

Die Fahrradhistorie des Nürburgringes reicht deutlich weiter als die Rad am Ring Verantstaltungen zurück: 1927 fand dort bereits die Rad-Weltmeisterschaft statt.

Als ich von meinem dritten Stint reinkomme, schreibe ich auf Twitter und im Liveticker, dass ich erst mal eine Einkaufsliste für das nächste Jahr mache: Zweites Paar Rennradschuhe. Noch mehr Radsocken, noch mehr Funktionsunterhemden. Elektrische oder Gasbetriebene Schuhtrockner, Nebelscheinwerfer…

Zwar war es von oben trocken, doch teils noch nasse Strecke, der Nebel, das Schwitzen – ich hatte schon wieder nasse bzw. klamme Klamotten. Gut, dass ich genug eingepackt hatte. Aber so ein zweites Paar Schuhe wäre schon praktisch.

Nach meiner dritten, der insgesamt neunten Runde unseres Rennrad-Teams, war es kurz nach Elf. Einmal löst mich noch Carsten ab. Nach seiner Runde schreibt er um 0:35 Uhr in den Liveticker: „3. Hölle überlebt. Regenpause, tierischer Nebel, trete in Streik solange es dunkel ist. Mit 1:19:29 bin ich zufrieden :-)“. Nach Carsten geht dann nochmal Ralf auf die Strecke. Wir haben vorher schon abgemacht, dass ich danach auch noch mal fahren werde, wir aber dann eine Nachtpause einlegen. Den Umständen aus Regen, Nebel und dem dezimierten 4er Team, welches nur noch ein 3er Team ist, geschuldet.

Während Ralf auf der Strecke ist schaue auf das Regenradar. Oh fu… das nächste, ausgedehnte Niederschlagsgebiet rollt an. Und wohlmöglich wird es genau dann ankommen, wenn Ralf von seiner Runde wieder reinkommen wird. Und ich raus muss. Naja. Egal.

Aber zunächst bleibt es doch stabil, die Front scheint zunächst westlich der Nordschleife nach Norden zu ziehen.

Ralf schreibt: „2. Nachtrunde beendet, es ist trocken auch die strasse – da macht es gleich wieder richtig Spass“ in den Ticker, während ich um 01:51 Uhr zu meinem nächsten Turn aufbreche.

Ich habe mich gegen die Gore-Jacke entschieden und ziehe wieder die (klamme) Softshell über. Aber die Schuhüberzieher kommen wieder an und auch eine Sugoi-Haube auf den Helm. Ich beschließe gleichzeitig, wie letztes Jahr einen Doppelstint in der Nacht zu fahren. Der einzige Doppelstint unseres Teams für dieses Jahr. Aber ich will wenigstens auf 5 Runden kommen.

In der Erste Runde finde ich angenehme Bedingungen vor, es ist trocken, aber wieder bis zur Fuchsröhre dichter Nebel. Wofür habe ich eigentlich die Lupine Wilma gekauft? Damit kann ich nur den Nebel heller machen, aber nicht mehr sehen. Auf niedriger Wattstufe taste ich mich durch die dichten Nebelfelder. Der Verlauf der Strecke kann nur noch erahnt werden. In der Mitte der Fahrbahn kann man kaum noch die Curbs am Rand der Strecke sehen. Am Rand will man in den Kurven aber auch nicht fahren, um noch Reaktionszeit für kommende Kurven zu haben…

In der Nacht. Hier ist mal kein Nebel . Und es ist auch trocken - oh Wunder. Foto: Sportograf

In der Nacht. Hier ist mal kein Nebel . Und es ist auch trocken – oh Wunder. Foto: Sportograf

Darunter leidet natürlich der Schnitt ganz enorm, nicht nur durch das langsame Abfahren und Durchfahren der Kurven, sondern es fehlt auch einiges an Schwung, den man ansonsten mit in den nächsten Gegenanstieg nehmen würde. So leiden die Nachtzeiten ganz erheblich. Für die erste der Doppelrunden werde ich selbstgestoppte 1:03:15 benötigen, die zweite Runde dauert 1:13:56. Zum einen genehmige ich mir direkt am Anfang einen Milchreiskuchenriegel und zum anderen beschließe ich, auch dieses Jahr mal an das Angebot der Verpflegungsstation an der hohen Acht zu prüfen. Einfach nur aus Neugier. Hab dann da ein Apfelstückchen, einen kleinen Schluck Schorle, zwei Salzstangen und noch irgendwas genommen.

Nachtflug! Foto: Sportograf

Nachtflug! Foto: Sportograf

Jetzt setzt auch wieder der Regen ein. Erst langsam, dann immer stärker. Hinter der hohen Acht kommt auch wieder Nebel hinzu. So geht es über die Döttinger Höhe. Als ich mich der Grand Prix Strecke nähere, zeigt die Eifel, dass sie ja noch mehr kann. Starker Regen prasselt nieder, der dazugehörige Wind treibt ihn ins fast schmerzhaft ins Gesicht. Ich bin froh, als ich nach der Runde durch’s Fahrerlager wieder auf der Parzelle ankomme. Kaum schiebe ich mein Rad ins Zelt, zerreißt ein Blitz die Dunkelheit und es Donnert! Nacht’s um 10 nach Vier, alles klar…

Jetzt aber erst mal wieder runter mit den nassen Klamotten! Alles Patschnass. Ich kann ja so auch kaum zum Duschen gehen. Also muss es ohne gehen – schön warm abfrottieren, passt schon. Bis ich wieder warme und trockene Klamotten anhabe, verwandelt sich der Schotterplatz in ein Netzwerk von Rinnsalen, welches schnell dichter wird. Schnell läuft es auch in die Zelte. Gott sei Dank ist das Schlafzelt am wenigsten Betroffen; ich kann meine Isomatte ein gutes Stück in die Mitte ziehen – dort scheint es trocken zu bleiben.

Als ich mich schnell in’s Küchenzelt aufmache, muss ich da aber schon auf Zehenspitzen durchstaksen, um mir nicht schon wieder nasse Füße zu holen. Ich will doch nur einen heißen Cappuccino zum Aufwärmen und etwas Kohlehydrate…

Das Regenradar-Bild. Heftig.

Das Regenradar-Bild. Heftig.

Im Zelt sind zu dieser Zeit nur noch Matthias, einer unserer beiden 24h-Solo-Rennradfahrer und sein Bruder, der unser Physio ist, zugegen. Ich lege mir leere Bierflaschen unter die Füße, damit ich vernünftig sitzen kann und nicht die Beine hochziehen muss.

Man muss sich nur zu helfen wissen. Fußstützen, um trockene Füße zu behalten. Küchenzelt morgens um 5.

Man muss sich nur zu helfen wissen. Fußstützen, um trockene Füße zu behalten. Küchenzelt morgens um 5.

So hocke ich da, kann mir gerade noch den Teekessel mit heißem Wasser angeln lassen und komme ansonsten eigentlich nicht weg… Gut, ich kann eh noch nicht schlafen. Seit einiger Zeit ist nun Land unter im Camp, der Wind rüttelt beängstigend an unseren Zelten. Aber sie halten. Für viele Pavillion-Parzellen kann man das nicht sagen. Diese werden teils vom Wind abghoben, zerdrückt, auf benachbarte Autos geworfen etc. Sirenen heulen, die Feuerwehr ist unterwegs. Wir haben im Küchenzelt schon längst die Steckdosen hochgelegt.

Um 05:28 wird bekannt, dass die MTB Strecke unbefahrbar ist, ein Communique der Rennleitung sagt an, dass das MTB-Rennen bis 08:00 Uhr unterbrochen wird.

Bis zur Unterbrechnung sind die Jansohn-Brüder unermüdlich auf der Strecke. Hammerharte Jungs. Sie werden auch die einzigen vom Team Wittgenstein sein, die nach der Unterbrechung das Rennen wieder aufnehmen. Aussichtsreich auf Platz 2 in ihrer Altersklasse werden sie diesen Rang auch bis zum Ende verteidigen. Klasse Leistung.

Zwischenzeitlich wurde auch das Rennradrennen unterbrochen – allerdings erst um 06:00 Uhr, als das gröbste schon durch war. Um 06:00 Uhr komme ich auch erst zur Ruhe und lege mich in meinen Schlafsack. Um diese Zeit und noch danach höre ich viele Autos, die den Platz noch in der Nacht verlassen. Verständlich, wenn einem vielleicht das Zelt um die Ohren geflogen ist oder man von untern abgesoffen ist.

In dieser allgemeinen Aufbruchsstimmung beschließt das ganze Team während eines feuchten Frühstücks, auch schonmal das Camp bereits am Vormittag weitestgehend abzubauen. Keiner hat mehr Bock, für einen Blumentopf Kopf, Kragen und Material zu riskieren. Und schon wieder nass zu werden.

Nur die Jahnsons fahren wie gesagt noch. Um 8 Uhr kommt, ebenfalls im Aufbruch befindlich, noch eine Arbeitskollegin (von der fernen D-Parzelle) zum Hallo-Sagen vorbei, worüber ich mich sehr freue.

Durch die Rennunterbrechung wurde auch zunächst die Ergebnislisten unzugänglich – eigentlich herrschte zu dieser Zeit über Rennstatus und Rennstand keine Information vor, was die Motivation nur noch weiter senkte.

So war dann auch jeder froh, als wir alles eingepackt hatten und losfahren konnten. Noch deutlich vor Ende der 24 Stunden. Hach, was war das letztes Jahr schön, als man zur gleichen Zeit schön in der Sonne sitzen konnte, die Lebensgeister wieder kamen und gleichzeitig Leckeres auf dem Grill brutzelte.

Dieses Jahr: Nasse Klamotten, Wind, Regen, kein gemeinsamer Zieleinlauf, keine 6 Runden, nur in einer Runde Genießen der Rennstreckenaspekte (Abfahrts- und Kurvenspeed) möglich, Verletzte… Doof.

Dennoch – auch (oder vielleicht gerade das) ist die Grüne Hölle Nordschleife.

Und damit episch.

Also – nächstes Jahr wieder.

HTFU!

Meine Runden einzeln auf Strava:

Runde 1: http://www.strava.com/activities/80963552, 0:48:21
Runde 2: http://www.strava.com/activities/80963550, 0:54:48
Runde 3: http://www.strava.com/activities/80963529, 0:59:04
Doppelrunde 4 & 5: http://www.strava.com/activities/80963559, 1:03:15 & 1:13:56

Die Mannschaften formieren sich zum Spalier und erwarten jeweils ihren Schlussfahrer, um gemeinsam über die Ziellinie zu fahren.

In 5 Tagen ist es soweit: 24h Rad am Ring, 2013 Edition

Rad fahren

Am kommenden Samstag, um 13:15 Uhr fällt wieder der Startschuss für die 24 Stunden Rad am Ring. Dann wird wieder die legendäre Nordschleife des Nürburgrings für 24 Stunden der Ort sein, um Runde für Runde 26 km Renn-Asphalt und 500 Eifelhöhenmeter auf schmalen Rennradreifen zu bezwingen.

Und ich bin wieder dabei. Zum zweiten Mal und wieder mit unserem Team, dem Team Wittgenstein. Wie auch im letzten Jahr wieder in Form einer 4er Rennrad-Staffel.

Die Mannschaften formieren sich zum Spalier und erwarten jeweils ihren Schlussfahrer, um gemeinsam über die Ziellinie zu fahren.

Am Ziel 2012.

Zur Einstimmung hier der Bericht vom letzten Jahr.

Auf unserer Teamseite ist auch schon wieder der Liveticker für Updates vom Ring vorbereitet.

Daneben wird es während den 24 h vielleicht, sicher aber danach, auch auf der Facebookseite des Team Wittgenstein einige Nachrichten vom Team geben.

Auch dieses Jahr ist das Team wieder gewachsen. Wenn ihr uns besuchen wollt – nahe der Mundorf-Tankstelle bei den Parzellen K27, 26 usw. werdet ihr unsere „Wagenburg“ finden. ;) Die 2013er Teams seht ihr auf dieser Seite.

Gruppenfoto Radteam Wittgenstein bei der Trikot-Präsentation mit Hans-Christian Bosch und Dr. Torsten Spillmann

Gruppenfoto Radteam Wittgenstein bei der Trikot-Präsentation 2012 mit Hans-Christian Bosch und Dr. Torsten Spillmann

Im letzten Jahr war es in der Nacht Schw*inekalt. Aber wenigstens Samstag und Sonntag trocken (Freitag dagegen weniger). Bis jetzt sieht der Wetterbericht noch gut aus – hoffen wir wieder auf ein schönes Ereignis bei besten Bedingungen.