Ein Rennrad-Sonntag im Wittgensteiner Land

Rad fahren

Wittgenstein – ich liebe dich. Deine kleinen und lieblichen Täler, deine Hügel, deine Anstiege. Deine ruhigen kleinen Straßen durch Wiesentäler, Wälder und entlang deiner Bäche. Du liebliches, verstecktes, klimatisch durchaus auch raueres Juwel im Rothaargebirge.

Wer richtig schön und richtig ruhig Radfahren will, dem sei der Kreis Siegen-Wittgenstein in Südwestfalen empfohlen. Dort, im Rothaargebirge zwischen Sieger- und Sauerland kann man sowohl mit dem Moutainbike als auch mit dem Rennrad das radeln und die Landschaft genießen. Und entweder Höhenmeter sammeln oder auch entlang von Eder, Sieg und Lahn es flacher rollen lassen.

Und man ist mit egal welchem Rad nie fern vom Wald. Oder im Wald. Schließlich ist der Kreis Siegen-Wittgenstein mit rd. 65 % Flächenanteil Wald der waldreichste Kreis Deutschlands. Und als Rennradfahrer freuen wir uns über wunderbar glatten Asphalt der nicht wenigen kleinen Sträßlein jüngst zu Gute kam.

Anbei einige Impressionen aus dem Ilsetal bei Feudingen und dem Harfeld zwischen Richstein und Bad Laasphe:

Transcontinental Race Vorbereitung: Pfingsten testet man in Bimbach

Rad fahren

Wie trainiert man für ein Ultradistanz-Radrennen? Und wie bereitet man sich darauf vor? Zur Vorbereitung gehört ja nicht nur die bloße Fitness-Komponente, sondern weit mehr. Neben dem Material auch die mentale Komponente. Und neben der bloßen Fähigkeit, lang zu fahren, bzw. lange Tage im Sattel zu verbringen auch die Erfahrung, das Tag für Tag zu wiederholen. Und dabei nicht nur schnell, sondern vor allem effizient zu fahren. Dazu gehört auch die Erfahrung wie man sich und seine Tagesbedürfnisse organisiert, um die Zeit in Bewegung möglichst hoch zu halten.

Was macht der Körper, was das Material und was der Geist, wenn man das nicht nur einen Tag lang macht oder mal eine sehr intensive Trainingswoche einlegt, sondern wenn man Tag für Tag für Tag richtig lange auf dem Rad verbringt. Und damit meine ich 12 bis 16 Stunden (inklusive kurzen P.- und Einkaufspausen).

Dafür würde sich ein langes Wochenende eignen, wo man tatsächlich mit Sack und Pack einfach mal so 600 bis 800 km über drei Tage fährt. Ja – aber irgendwie bin ich dazu noch nicht gekommen… ;-)

Viele Leute nutzen ja auch eine klassische Brevet-Serie, um da hinein zu kommen. Typischerweise fangen die Brevets im zeitigen Frühjahr mit rd. 200 km an, um sich dann über April, Mai und Juni über 300 und 400 auf 600 km hoch zu arbeiten.

Während zwar jede Fahrt – und sei sie auch noch so kurz – zu einer Prüfung werden kann (da kommt es ganz auf die äußeren Umstände an), sind 200er für mich keine erstrebenswerten Brevets. Wofür da den Umstand mit Anmeldung, einem einzigen fixen Termin und Kontrollkartenstempelei? Einen alleinstehenden 200er kann man jederzeit am Wochenende solo fahren. Oder noch spaßiger, im Rahmen eines Radmarathons oder eines anderen Radevents.

Bei einem 300er wird das schon interessanter und für mich fängt da der Brevet-Sinn an. Habe ich aber auch noch nicht gemacht. Viel lieber habe ich meine Zeit in eine ausführliche Trainings- und Urlaubswoche auf Mallorca investiert, die ich mit dem Mallorca312 Radrennen gekrönt habe (siehe ausführlichen Bericht hier). Ja klar, das ist kein Brevet. Und auch nicht Solo und unsupported. Aber seinen Hintern über 312 km rauf und runter der Küstenstraße und diverser Pässe auf Mallorca zu schaffen und die vielen tollen Wellen durchzudrücken – da hilft der Windschatten auch nicht immer so wirklich. Wenn überhaupt. Oder man stellt den Windschatten selbst für andere her.

Von daher: aus reinen Fitness- und Trainingsgründen ist das die für mich sinnvollere Art der (Trainings-)Vorbereitung. Eingebunden in meinen Trainingsplan. Und spaßiger, weil mit Freunden unterwegs und in netter, spannender Umgebung.

Was fehlt ist natürlich: das Gewicht und Handling des voll ausgerüsteten Rades mit bepackten Taschen. Wie komme ich mit den Taschen zurecht? Was passt von meiner ersten Ausrüstungsliste überhaupt alles hinein? Und was davon am Besten in welche Tasche? Und wie benutze ich das dann alles?

Daher war es nun endlich an der Zeit für eine…

…Kostümprobe! ;-)

Der Bimbacher Rhön-Radmarathon

Und wieder mal: Nein, keine selbstversorgte Solofahrt über zwei oder drei Tage. Dazu war das Alternativprogramm zu verlockend. Und zwar ergab sich kurzfristig die Möglichkeit, Pfingsten in Bimbach zu starten. „Pfingsten fährt man in Bimbach“ so die überaus erfolgreich in die kollektive Gedankenwelt der deutschen Rennradszene eingebrannte Botschaft des RSC ´77 Bimbach.

Dieser wollte ich in den letzten Jahren schon mal folgen – nie ergab sich allerdings die Gelegenheit oder es war natürlich alles schon ausgebucht. Und jetzt konnte ich mit Freunden dort zusammen fahren. Das hörte sich super an und war auch super.

Die Bimbacher bieten sowohl am Samstag als auch am Pfingstsonntag unterschiedliche RTF-Strecken an. Die Kombination der jeweils längsten Strecken (Samstag die Tour 4 mit 158 km und Sonntag die Tour E mit 260 km) ergeben in der Summe 418 km mit rd. 6800 Höhenmeter und werden als separate Wertung „Bimbach 400“ mit Finisher-Medaille, Urkunde und Finisher Shirts geführt.

Das hörte sich super an! Ja, keine Solofahrt, sondern Kleingrüppchen. Also schon Profitieren von Windschatten. Aber auch so stark rauf und runter, dass das a) nicht ganz so stark in’s Gewicht fällt (oh Mann, was lag ich da zumindest für den Sonntag verkehrt… ;-)) und b) dass das in sich selbst ein sehr gutes Training versprach, diese Höhenmeter mit dem vollbeladenen TCR-Rad zurück zu legen.

Überhaupt: Steile Mittelgebirgsrouten sind so mit das beste, was man trainieren kann. Auf langen Alpenpässen kann man sich in seinen Rhythmus finden und diese schön hochkurbeln. Ist man endlich oben, kann man sich meistens (wenn die Abfahrt nicht zu steil und mit zu vielen engen Kehren versehen ist) dann auch in der Abfahrt sehr lange wieder gut erholen.

Im Mittelgebirge trifft man viel öfter auf eher steilere Anstiege, Serpentinen in der Abfahrt gibt es da auch und es geht ständig rauf und runter. Kaum Zeit zum erholen.

Also: alles Super! Genau das richtige zum Trainieren.

Das Rennrad und das Taschensetup

Für eine Kostümprobe braucht man ja eigentlich das finale Rad. Leider habe ich das immer noch nicht… Es soll ja ein Titanrad werden. Erste Überlegungen und Ergebnisse einer Testfahrt hatte ich schon im Februar veröffentlicht.

Volle 100 % hatte mich das Rad noch nicht überzeugt. Aber eine ausführliche Korrespondenz mit Jan-Willem Sintnicolaas, dem Firmengründer von J.Guillem, später und wir hatten eine Option gefunden. Nur leider lässt diese immer noch auf sich warten…

J.Guillem Orient vor Schloss Prösels bei Völs am Schlern

J.Guillem Orient vor Schloss Prösels bei Völs am Schlern

Im oberen Foto im Vordergrund: das J.Guillem Orient Ende Mai während eines kurzen Giro d’Italia-Abstechers in Südtirol. Genau das Testrad, das ich im Februar für ein Wochenende hatte. J.Guillems Scheibenbremsen-Rennrad. Wie alle anderen Titanräder von J.Guillem ist es nach einem berühmten Pass auf Mallorca benannt.

Leider ist das immer noch nicht mein finaler Rahmen. Weil der immer noch verspätet ist, habe ich nochmal genau dieses Leihrad als Test-Plattform. Ich habe bereits meine Kurbel, meine Laufräder und meinen Sattel montiert. So komme ich wenigstens dabei weiter, mein finales Setup für das Transcontinental Race auszutüfteln und ein paar Komponenten bereits zu testen.

Am Tag des Fotos hatte ich meine neue Rahmentasche zum ersten mal montiert und ausprobiert. Ein überraschend praktisches Teil. :)

Die Apidura Mountain Frame Pack (medium) passt sowohl in das J.Guillem Orient (Rahmengröße 52 cm) als auch in mein Canyon Ultimate (Rahmengröße S) wie angegossen. Kein Bein bzw. Knie-Kontakt in befüllter Form ebenso. An den Inhalt kommt man auch im Fahren sehr gut. Toll!

Leider bekomme ich sowohl im Unterrohr- als auch im Sattelrohr-Flaschenhalter so nur noch eine 0,5 l Wasserflasche eingesteckt.

In dieser Konstellation bin ich dann vor zwei Wochen am Samstag in Südtirol diverse Dolomitenpässe gefahren. Das fühlte sich alles super an und wider erwarten fand ich auch die hydraulischen Shimano-Scheibenbremsen mit ihren 140 mm Rotoren super und völlig ausreichend.

Die momentan montierten Schwalbe Pro One 28 mm Reifen mutieren auf den Hunt Bike Wheels 30Carbon Aero Disc Laufrädern zu 31 mm Breite und ergeben ein Querprofil welches bei mir in Kombination mit der Geometrie des Orient eine tolle Kurvenzuversicht hervorbrachte. Leider lassen sie sich als Tubeless-Reifen doch nur sehr schwer auf die Felge montieren…

Da fehlte aber immer noch was:

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„Kostümprobe“ – Samstag nachmittag nach der 158er RTF vor dem Bürgerhaus in Bimbach

Stimmt: Lenkertasche, Oberrohrtasche und Satteltasche. Die hatte ich für das Pfingstwochenende dann auch montiert und befüllt. Bis auf die Zeitfahr-Lenkeraufsätze (samt Beleuchtung und einer zusätzlichen Foodpouch) ist dies das Setup welches ich plane zu nutzen:

J.Guillem Titanium Scheibenbremsen-Rennradrahmen, Quarq DZero SRAM red Leistungsmessungskurbel, Shimano Ultegra hydraulic DiscBrake (das wird später zur SRAM red eTap mit der mechanischen TRP Spyre Scheibenbremse), Hunt Bike Wheels 30Carbon Aero Disc Laufräder (vielleicht wechsle ich die noch), Apidura Rahmentasche, Apidura Oberrohrtasche, Ornot Handlebar Bag und Ortlieb Seat-Pack.

Mit Inhalt und einer 0,5 l Wasserflasche gewogen– allerdings noch ohne die Lenkertasche – lande ich bei rd. 12,3 kg. D.h. ich gehe davon aus, dass das finale Rad mit allem drum und dran bei 13,5 bis 14 kg landen wird…

Samstag, Teil 1 des Bimbach 400:

Am Samstag werde ich für die 158 km Runde also wohl ein 12,9 kg Rad bewegt haben. Und damit sind wir dann zuerst zu fünft, später dann zu viert die Kuppen der Rhön hinauf- und hinabgefahren. Und das mit Lust und Laune und durchaus so, als gäbe es kein Morgen und vor allem keine weiteren 260 km. Also eine sehr viel zügigere Gangart, als es für eine Ultradistanz-Radfahrt angeraten und nachhaltig ist.

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Smiles for Miles. Oder: Lächeln und Winken! ;-)

Aber egal. Es ging ja um den Trainingseffekt und um das Bikehandling. Und dazu kann ich sagen – bis auf das natürlich spürbare Gewicht habe ich mich mit dem Rad samt Gepäck nie gehandicapped gefühlt. Ich habe natürlich bei einer Gangart, die sich ein klein wenig auch bei den anderen am Sonntag bemerkbar machen würde, volle 4,5 bis 5 Kilogramm mehr als sonst üblich an Masse die in Teilen steilen Rampen der Rhön hochgedrückt.

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Forever… cockpit view ;-)

Wettertechnisch war es weitestgehend sehr schön. Erst gegen Ende gab es mal einen sehr kurzen (passgenau bei einer Kontrolle) und dann einen etwas längeren Regen-Part. Allerdings kam eine Weile nach Zieleinfahrt dann doch wieder die Sonne heraus und ich konnte bei einem Kaffee und Kuchen wieder halbwegs abtrocknen.

Es folgte dann Teil 2 der „Kostümprobe“: Duschen in einem bereitgestellten Duschcontainer an der Grundschule in Bimbach (über das gesamte Wochenende konnte ich ein super organisiertes Event erleben – Hut ab, lieber RSC`77 Bimbach!) wo ich so gegen 18:00 das Reich ganz für mich alleine hatte. Und mit einem Intermezzo in Fulda (gemeinsames Abendessen in der Altstadt) das Aufsuchen des Bürgerhauses, wo ein kostenloses Matrazenlager zur Verfügung stand. Dort habe ich mein kleines „Schlafbesteck“ ausgebreitet (Sea to Summit Isomatte und Mountain Equipment Helium Solo Schlafsack) und mich um 23:00 zur Nachtruhe begeben.

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Schlaf-Ausrüstung. Mit iPhone 6 und einer. Anker Powerbank als Größenvergleich

Der Sonntag: Pfingsten leidet man in Bimbach… ;-)

Zwischen 06:00 und 06:30 war die Startzeit für die lange Strecke E. E wie epic oder E wie extrem… Wir hatten uns für 06:15 am Startbereich verabredet.

Wie vorhergesagt, goss es in Strömen. Kacke! Nein – Exzellent! Ein weiteres Testkriterium konnte angegangen werden. Fahren in strömendem Regen. Habe ich den passenden Kram dabei? Halten die Taschen dicht bzw. halten die Tütchen in den Taschen dicht, von denen ich wusste, dass durch Nähte oder Reissverschlüsse Feuchtigkeit bzw. Wasser eindringen konnte?

Das war also Teil 3 der „Kostümprobe“ und der härteste Abschnitt. Aber auch der schönste, weil längste und hauptsächlichste.

Leider war die Kostümprobe zumindest für das Kostüm, sprich – das J.Guillem Orient – nach der ersten Kontrollstelle und rd. 44 km zu Ende!

Der Defekt…

Eigentlich habe ich bisher Shimano Ultegra, bzw. mechanische Shimano-Schaltungen generell, wenn schon nicht für sexy, dann wenigstens aber für zuverlässige und unauffällige Arbeitstiere gehalten.

Seit ich meinen Giant Crosser habe und spätestens seit Sonntag hat sich das aber stark gewandelt. Klar, es sind nur Anekdoten, aber dennoch. Zum einen braucht es meiner Erfahrung nach nicht viel auf schlammigen Terrain oder im Winter, bis der Top Pull Umwerfer seinen Dienst versagt und Schaltwechsel vom großen auf das kleine Blatt einen beherzten Kick mit der Ferse benötigen, weil der Umwerfer klemmt oder zu schnell (schneller als andere Konstruktionen) einfriert.

Dann versagte bei meinem Crosser in diesem Winter das Schaltwerk. Bzw. wie sich herausstellte, lag es wohl am Brems-/Schalthebel. Was zuerst war, kann ich gar nicht sagen. Ob sich erst der Schaltzug samt Endanschlag im Brems-/Schalthebel falsch verklemmte oder die Indexierung im Hebel Müll produziert hatte und daraus dann eine Totalblockade folgte… Keine Ahnung. Jedenfalls war das damals eine größere Operation. Mit Schaltzug wechseln, Brems-/Schalthebel säubern und mehrfach komplett mit Bremsenreiniger, WD40 etc. duschen bekam ich die Indexierung irgendwann wieder gängig. Und das bei einem Rad, welches erst rund 4500 km runter hatte.

Etwas ähnliches schien sich am Sonntag morgen beim J.Guillem Orient getan haben. Ein relativ neues Leihrad – damals im Februar frisch für mich aufgebaut. Wenn nur ich es gefahren habe (Nutze es seit zwei Wochen wieder, nach dem ich es nach der ersten Testfahrt im März zurück gegeben hatte), dann hat das Rad gerade mal so 1000 km runter. Trotzdem: am Sonntag morgen im strömenden Regen hatte ich nach knapp 20 km Probleme mit dem Schaltwerk. Die Index-Klicks kamen, aber das Schaltwerk folgte nicht. Die obere Kassentenhälfte ging noch so… aber nicht sehr lange, dann rührte sich gar nichts mehr… D.h. ich hatte von km 20 bis zur ersten Kontrollstelle effektiv ein Dualspeed-Rennrad. Vorne konnte ich noch schalten, hinten nicht mehr.

Super. Das ist genau die Sorte Zuverlässigkeit, die ich für das Transcontinental Race brauche. Nicht! Und nach dieser Vorgeschichte bin ich auch mehr als zufrieden, dass ich sowieso schon längst die SRAM eTap für das TCR-Rad vorgesehen habe. Wenn Campagnolo mit ihrer hydraulischen Scheibenbremsengruppe schon weiter wären (ist ja seit zwei Wochen oder so endlich offiziell vorgestellt) dann wäre das für mich die ideale Wahl! Die SRAM eTap sollte aber auch super sein.

Jedenfalls… nach wie vor in strömenden Regen erreichen wir endlich die Kontrolle 1 und ich fahre sofort den Specialized-Servicewagen an. An diesem Tag haben sie bereits gut zu tun und das wird auch nicht abreißen. Ich bin aber schnell dran und schildere mein Problem… Der Techniker kann zwar den Zug befreien, aber die Indexierung ist komplett hinüber. Bzw. auch nach dem Einfädeln und Spannung auf einen neuen Zug aufbringen kommt da nichts… Auch mein Hinweis auf den Versuch mit der Bremsenreiniger-Dusche auf die Mechanik hilft leider nichts… Toll, vor Ort ist nichts zu machen! Shit! Und nun? Ich frage, ob er mir wenigstens ein mittleres Ritzel hinten fixieren kann, damit ich weiter Dual-Speed fahren kann. Darauf hin sagt er mir – „Nein, was fährst du für einen Rahmen? 54er? Nimm doch eines unserer Leihräder?“ Ich brauche zwar einen 52er Rahmen, aber den hat er auch im Van.

Wow, was für ein Service! Ich bekomme ein gar nicht mal so übles Specialized Diverge Expert CEN mit Scheibenbremsen, Shimano Ultegra, Carbonrahmen, DT Swiss R 670 Laufrädern und Specialized Roubaix 28mm Reifen. Das Teil wiegt für ein Carbon-Rad unglaubliche (sehr schwere) 8,7 kg laut Tour-Test. Aber genauso viel wie das jetzt gerade waidwunde J.Guillem Titanrad. Ohne Taschen. Titanrad und Taschen (bis auf Lenkertasche) lasse ich beim Specialized Service. Mit umgeschraubten Pedalen und mitgenommener Trinkflasche und Lenkertasche setze ich mich auf das neue Rad und bin im wahrsten Sinne erleichtert. Von rd. 13 auf rd. 9 kg. :) Ich lasse noch schnell meine RTF-Karte stempeln und mache mich dann sofort in die Verfolgung meiner Gruppe.

Gesündigt, Buße getan – und erst einen, dann zwei Engel gehabt. :)

Glücklicherweise hatte mir Fabian, während ich beim Service festhing, etwas Verpflegung von der Kontrollstelle gebracht. So hatte ich wenigstens ein halbes Brötchen, ein Stück Waffel und ein Stückchen Marmorkuchen intus. Davor war mein einziges Frühstück ein Nutrixxion Riegel am Start und ein Apfel-Smoothie-Gel von Powerbar (die sind lecker, aber leider auch etwas voluminöser als ein normales Gel). Das war’s.

Und damit begab ich mich dann auf den Sündenpfad. Die Gruppe war schon weiter gefahren. Klar – es goss immer noch in Strömen und sie kühlten total aus. Da war es schon besser, dass sie schnell wieder auf den Bock kamen. „Beseelt“ (;-)) von dem Gedanken, die Gruppe wieder einzuholen, habe ich nach der langen Defektpause dann mit dem neuen Rad mächtig auf die Tube gedrückt.

Eigentlich fast das Ärgerlichste daran finde ich, dass ich aufgrund der Konstellation leider keine Wattmessung am Specialized hatte. Wäre ich mit meinem Canyon gefahren und hätte das Rad wechseln müssen, wären meine Pedale die Powertap P1 gewesen. Dann hätte ich allein durch das Umschrauben meiner Pedale auch direkt die Leistungsmessung am Ersatzrad gehabt. Da ich am TCR-Rad MTB-SPD-Pedale fahre, ist dort eine Leistungsmessungskurbel verbaut. Die kann man natürlich nicht so ohne weiteres wechseln… Leider war auch die Knopfzelle meines Herzfrequenz-Brustgurtes schon seit dem Samstag ohne Vorwarnung komplett leer… So kann ich leider nicht direkt quantifizieren, welchen Trainingsstress die gesamte Fahrt am Sonntag ergeben hat. Und kann auch nicht sehen, welche Leistungen ich in welchen Anstiegen gefahren habe. Ich hätte zu gerne die Wasserkuppe und auch den sehr steilen Ebersberg in meiner Trainingsdatenbank!

Es folgte fast den gesamten Rest des Tages nach Kontrolle 2 die Buße.

… für das rumgebolze am Vortag als gäbe es kein Morgen (aber geil war’s :))

… für das Benutzen des J.Guillem in (nahezu) vollem TCR-Setup und Beladung beim Vortags Rumgebolze

… für eine nicht wirklich erholsame Nachtruhe im Matrazenlager des Bürgerhauses (war aber eine Superservice!)

… für ein Frühstück, das nur aus einem Nutrixxion-Riegel bestand

… für ein Nachstiefeln im Speedmodus, um die Gruppe nach der langen Defekt-Reparatur-Pause bei Kontrolle 1 noch bei Kontrolle 2 zu erwischen

… für Nix-Zurückhalten an allen Anstiegen dazwischen und auch an der Wasserkuppe (ach deshalb war der Berg so lang, das ist also die Wasserkuppe… ;-)

… für zu wenig Verdauungspause und Energiezufuhr bei eigentlich allen Kontrollstellen bis in den späteren Nachmittag

Resultat: meine schärfste Waffe – bei Anstiegen mühelos jedes Tempo mitzugehen (wenigstens in meiner Leistungskategorie) – hatte ich bis zur Kontrolle 2 komplett stumpf geschlagen.

Auch die Rumpfmuskulatur bzw. der untere Rücken zeigte „Spürung“. Also nichts mehr mit Spannungsbogen und so…

Super kurze Pausen (auch zum Zeitpunkt des Erreichens der Kontrolle 2 war das Wetter noch nicht angehalten, sich zu wärmen bzw. in den nassen Klamotten richtig abzutrocknen – deshalb sollte / wollte / musste es für die anderen schnell weitergehen) waren weder dafür angehalten, sonderlich viel Energie aufzunehmen bzw. zu verarbeiten. Da es danach meist auch wieder sofort in den nächsten Anstieg ging und es einen Gegen- und Seitenwind hatte, der Belgien im Frühjahr wie einen Kindergeburtstag wirken liess, hatte ich keine Chance auf Erholung bzw. Verdauung…

Das Ergebnis war, dass ich bei der nächsten ernsthaften Rampe abreißen lassen musste und zurückfiel… Bei den wenigen Flachstücken auf den Kuppen oder auch bei den Abfahrten war für mich allein im Wind wenig zu holen; dort bin ich hoffnungslos „verreckt“. Also entweder runterschalten, und die Gruppe nie wieder sehen oder durchdrücken und auch nicht wirklich rankommen.

Doch eine weitere Rampe später… Yay Jenni! Dann danach, Yay Fabian! :) Wir sind dann schließlich zu Dritt die ganze Strecke zu Ende gefahren. Und ich bin in Anstiegen hinterher getuckert und hab in Abfahrten und Flachen gelutscht… Und wir haben mit den anderen immer nur kurz bei den Kontrollen gequatscht…   In dem Modus hatte ich dann bei Kontrolle 5 endlich wieder langsam Land in Sicht. Das Mittagessen von Kontrolle 3 (da gab’s Warm; ich habe auch alles brav in mich hineingeschüttet: einen Teller Nudeln mit Gulaschsoße, einen Becher heiße Boullion, etwas Kuchen, Isozeugs) war endlich verdaut. Es gab (wie bei Kontrolle 4, wo ich sonst nix runterbekommen hatte) wieder Cola (yeah, the Black Doctor). Noch etwas von dem überaus leckeren Kuchen. Eine halbe, sehr gute Brezel. Und eine heiße Knackwurst im Brötchen. Das alles wollte natürlich auch wieder verdaut werden. Doch ein paar weitere langsame Anstiege später kam wieder Leben in die Beine. Und ganz zum Schluss konnte ich die Anstiege wieder mitgehen. Und auch den Schlussstint wieder volle Kanne powern. Yay!

Alles in Allem: Trotz Regen, trotz Wind und trotz Defekt ein geiler zweiter Tag, ein geiler erster Tag, eine erfolgreiche Kostümprobe, ein geiles Bimbach400 und ein geiles Wochenende!

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Gemeinsam im Ziel – was für ein tolles Erlebnis!

Was habe ich gelernt? Bzw. welche Fragen sind aufgetaucht?

Schlafen:

Die Sea to Summit Ultralight Regular Isomatte: Ist sie bequem genug? Meine Nachtruhe war nicht die Allerbeste. Und ich meine, es wäre nicht nur durch das (durch Oropax nicht gänzlich unterdrückbare) Geschnarche im Matrazenlager gekommen.

Eine Unterlage für Isomatte: Die wäre wohl doch sinnvoll. Mit Platz, einige Sachen direkt neben der Isomatte dreckgeschützt ablegen zu können und beim Anziehen eine saubere Unterlage zu haben. Und ein Schutz für die dünne Isomatte vor scharfen Steinen etc. die die Hülle verletzen könnten. Nimmt aber alles wieder Packmaß ein… Hmmm…

Ein kleines flaches aufblasbares Kissen: Ich hatte mir einen Stoff-Umhängebeutel mit meiner Fleece-Jacke als Kissen unter den Kopf gelegt… Das ging, war aber doch nicht wirklich bequem.

Bekleidung:

Socken: auf jeden Fall zweites Paar dabei haben. So kann ein Paar trocknen.

Schuhe 1: auf jeden Fall ganz dünne Slipper oder so etwas mitnehmen. Nicht nur auf die Multifunktionalität von MTB-Schuhen setzen. Wenn die Nass sind und bei einer Pause bzw. Hotelnacht trocknen sollen, brauche ich währenddessen Ersatz.

Schuhe 2: Meine Shimano SH-XC50N MTB Schuhe, die sonst recht gut sind geben mir bei ausgedehnten Tagestouren leider Probleme im Übergang von Fußrücken zum Schienbein. Dort drückt die Zunge. Das habe ich schon während meines 3 tägigen Südtirol-Stint festgestellt. Eine Modifikation des Zungenbereiches brachte leider keinen Erfolg. Ich bin aber sowieso schon auf der Suche nach einem anderen Schuhmodell.

Regenüberschuhe: die Shimano-Überzieher haben sich am linken Bein am oberen Reissverschlussende während dem Sonntag durch die Haut gearbeitet… Die sind also schon mal definitv nichts für längere Ausfahrten und Ausfahrten mit kürzeren Socken als die Überschuhe lang sind.

Leistung:

Nicht in den Roten Bereich gehen und versuchen, KOMs zu jagen. Gut, das ist keine neue oder bahnbrechende Erkenntnis sondern Selbstverständlichkeit. Das habe ich am Sonntag auch nur gemacht, um Grenzen auszuloten.

Die Leistung kommt wieder: Genug essen und wenn man genug isst, dann kommt auch die Leistungsfähigkeit wieder. Und das selbst nach 200 km. Das stimmt mich sehr positiv.

Radausstattung:

Pedale: Ich will ja eigentlich mit MTB-Schuhen und daher mit MTB-Pedalen fahren. Damit ich mich auch abseits des Rades und rund um die Uhr mit genau einem Paar Schuhen optimal bewegen kann. Aber an diesen blöden Shimano-SPD-Pedalen (am Sonntag besonders mit den XTR-Pedalen gemerkt) haue ich mir in leicht erschöpften Zustand und im engen RTF-Gewusel bei fast jedem Stop irgendeinen Kratzer in die Wade oder haue mir den Knöchel an… Gibt es da nichts Rundlicheres? Doch mal Crankbrothers Egg-Beater ausprobieren? Das wäre aber abweichen vom Bewährten. Vielleicht montiere ich anstelle der XTR-Pedale wieder die preiswerten und etwas schwereren, dafür außen nicht so scharfkantigen PD-M520 Pedale….

Die Veranstaltung:

Wir sind Sparta! Die Kombi-Wertung des Bimbach 400 haben rund 300 Teilnehmer erfolgreich absolviert. Insgesamt gab es dem Veranstalter nach 5.432 Teilnehmer über das gesamte Wochenende, davon 2470 am Samstag und rd. 2262 am Sonntag, die sich auf die diversen Streckenlängen verteilten. Die Niederschlagsmenge am Sonntag: 25 mm. Öha!

„Pfingsten fährt man in Bimbach“. Davon konnte ich mich jetzt auch endlich mal persönlich überzeugen. Ja – ich muss schon sagen: eine mit viel Engagement und individuellem Einsatz des Vereins RSC `77 Bimbach, seiner Mitglieder und Angehörigen, aufgestellte Veranstaltung. Was ich sowohl am Samstag als auch am Sonntag erleben durfte, zeugte von viel Liebe, hoher Motivation und jeder Menge Erfahrung. Für mich ein super organisiertes Event, welches keinen Vergleich mit anderen, perfekt organisierten Radveranstaltungen scheuen muss. Was mir an diesen zwei Tagen Rhön als Rennradrevier gezeigt wurde, macht Lust auf mehr.

Oder auf Wiederkommen…  Am liebsten wieder mit derselben Truppe!

 

Meine Rennradwoche auf Mallorca und die Teilnahme am Mallorca312 Radmarathon

Rad fahren

Was für eine tolle Woche! Wo nur anfangen?

Mit dem Rennrad im Frühjahr auf Mallorca – für viele Tradition, für viele vielleicht Klischee? Oder so gewöhnlich wie ein Butterbrot? Nichts aufregendes mehr? Fliegen fliegen Fliegen hinterher?

Oder doch mehr? Nicht nur einfach schon halbwegs warm im Frühjahr, gut mit dem Flieger zu erreichen und preiswerte Hotels mit fettem Buffet sondern vor allem eine richtig tolle Rennrad-Destination? Mit allem, was dazu gehört: tolle, abwechslungsreiche Landschaft, weitestgehend sehr gute Fahrbahnbedingungen und gute Unterkünfte? Ja. In der Tat!

Davon habe ich mich jetzt noch einmal selbst überzeugt. Noch einmal, weil ich vor vielen Jahren schon ein mal auf Mallorca war. Damals allerdings mit dem Mountain Bike zum Technik Training Camp. Lang lang ist’s her.

Cap de Formentor mit Far de Formentor, dem Leuchtturm

Cap de Formentor mit Far de Formentor, dem Leuchtturm

Jetzt war ich letzte Woche mit dem Rennrad da. Nach Provence und zweimal Toskana wollte ich dieses Frühjahr endlich mal die bekannten und reizvollen Strecken Mallorcas unter die dünnen Pneus nehmen. Die Straße nach hinab zur Bucht von Sa Calobra mit dem berühmten Krawattenknoten. Die Straße zum Cap de Formentor (beide vom Italiener Antonio Paretti geplant). Diverse Routen durch das Tramuntana-Gebirge (Unesco-Weltkulturerbe, nicht weniger) und hoch über der Steilküste entlang. Das sind schon Klassiker, die man auf jeden Fall mal befahren und gesehen haben sollte.

Und – soviel sei vorweg gesagt – ich wurde nicht enttäuscht.

Mit diesem groben Ziel des Frühjahrsurlaubs im Sinn hatte ich mich im vergangenen Herbst darüber hinaus für die Teilnahme am Mallorca312 GranFondo angemeldet. Einfach als Zusatz-Bonbon und noch ganz ohne die Idee, mich für die Riesenherausforderung des Transcontinental-Race zu bewerben (und auch angenommen zu werden).

Nomen est Omen: Der Mallorca 312 Gran Fondo führt 312 Kilometer entlang und über die Serra de Tramuntana und dann in einer Schleife hinab und hinauf der Ostküste Mallorcas. Eine 225 und eine 167 km Runde werden ebenfalls angeboten.

Normalerweise ist das ja immer so eine Frage, wenn man ein solches Event halbwegs ambitioniert angehen will: vorher anreisen und akklimatisieren? Und dann schön tapern (sportlicher, verdenglischter Fachausdruck für das Rückfahren des Trainingsvolumens vor einem Rennen)? Oder zum Rennen (das am Samstag statt fand) anreisen (also am Freitag mit Stress) und die Woche darauf vor Ort Urlaub machen? Und dann vom Rennen so kaputt sein, dass man kaum fahren kann? Aber man will doch gerade im Urlaub dort viel sehen und viel fahren! Das ewige Dilemma.

Das man am besten damit löst: Just ride! ;-)

Just ride

Just Ride – Jenni und Fabian in Richtung Coll de Femenia

Trainingsziel / Wochenziel:

Spaß haben, Landschaft erkunden, Volumen sammeln: Fahren, Fahren, Fahren. :)

Mit den kommenden Anforderungen des Transcontinental Race im Blick war das sogar erklärtes Trainingsziel bei mir. 312 Kilometer am Samstag? Egal – schön davor jeden Tag ohne Rücksicht auf den Samstag ordentliche Kilometer und schöne Touren fahren und schön vorermüdet in den Samstag hinein gehen. :)

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Blauer Himmel, blaues Gabba – am Freitag war’s frisch und Langarm angesagt.

Nicht im Bikepacking-Modus. Auch nicht jeden Tag 260 Kilometer oder mehr (wie ich es als rechnerische Tagesdurchschnittsstrecke benötige, um im TCRNo5 Griechenland von Belgien aus in 15 Tagen rechtzeitig zur Finisher-Party zu erreichen). Denn die Mallorca-Woche sollte aus klassischen Touren und Genuss meiner Halb-Pension im Fünf-Sterne-Hotel bestehen. ;-) Und auch im Sinne des Trainingsaufbaus will ich solche Belastungen noch nicht über eine Woche fahren. Denn: das aerobe System ist recht schnell aufgebaut. Muskeln, das geht auch noch recht schnell. Bänder und Gelenke hingegen – da muss man aufpassen. Eine übermotivierte Volumen- und Intensitätsexplosion kann einem da ganz schnell über mehrere Wochen schachmatt setzen, wenn es z.B. Knie oder Achillessehnen überlastet.

Aber – alles gut. Auch die dann insgesamt 314 km, die als nun längste am Stück gefahrene Tour bei mir auf dem Radcomputer standen, habe ich bestens und ohne Wehwehchen überstanden. Und davon bin ich einigermaßen positiv überrascht. Keine Sitzprobleme, keine Rückenprobleme, keine Knieprobleme, nichts! Der linke Fuß hatte sich am Außenballen irgendwann zwischen km 180 und 250 ab und an mal bemerkbar gemacht, wenn es über besonders ruppige Straßenabschnitte ging (auch die gab es vereinzelt), das war danach aber sofort wieder weg.

Auch die dann insgesamt 314 km, die als nun längste am Stück gefahrene Tour bei mir auf dem Radcomputer standen, habe ich bestens und ohne Wehwehchen überstanden. Und davon bin ich einigermaßen positiv überrascht. Keine Sitzprobleme, keine Rückenprobleme, keine Knieprobleme, nichts!

Ich schreibe das zum einen meinem doch regelmäßig (wenn auch oft nur einmal pro Woche) durchgeführten Core-Training, meiner fortgeschrittenen Konditionierung, dem bei aller Agilität sehr komfortablen Canyon CF SL (mein Leihrad), dem mitgebrachten Tune Komm-Vor-Carbonsattel und vor allem aber auch der sehr welligen Strecke zu, die wir mit viel Spaß und ordentlich Druck auf dem Pedal zurück gelegt haben. D.h. es war immer sehr abwechslungsreich (mal bergauf, mal bergab, mal Wiegetritt, mal im Sattel). Und viiel Druck auf dem Pedal bedeutet auch potenziell weniger Druck auf den Sattel.

Moment mal: Wir?

Ja, ich war – unerwarteterweise – gar nicht allein auf der Insel. Ok, natürlich nicht. Im April ist auf Mallorca zwar nicht die Hölle los, aber wahrscheinlich doch Hochsaison für Rennradfahrer und auch andere Radfahrer. Zudem sind auch schon (oder im Anschluss an die Osterferien) noch viele normale Touristen dort.

Ich meine aber natürlich mein direktes Umfeld. Im März stellte sich bei einer gemeinsamen Ausfahrt heraus, dass Fabian (mit ihm bin ich bereits im Team Wittgenstein in der Staffel 24 h Rad am Ring gefahren und habe ihn auch für die zweieinhalb Tour Transalp-Etappen im letzten Jahr begleitet) exakt in der selben Woche auf Mallorca sein würde. Zusammen mit einer locker aus allen Winkeln der Republik zusammengefundenen kleinen Gruppe, die ebenfalls den Mallorca 312 bestreiten wollte. Wie genial! Noch besser – wir waren auch im selben Ort – Playa del Muro. Und nicht nur das, sondern auch nur 9 Minuten zu Fuß entfernt voneinander untergebracht.

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After Finish Group-Selfie: Alle drauf. Alle gut drauf. :) Nach der Zieleinfahrt des Mallorca312: Fabian, Jenni, Karina, Ronny, Anna, Hannes und ich. Foto: Ronny

Ich hatte im Vorfeld bereits über ein gutes Angebot Flug und Halbpension-Aufenthalt im wirklich sehr angenehmen Be Live Palace del Muro gebucht. Das kleine Sechsergrüppchen hatte ein schnuckeliges Häuschen mit Minipool.
Insgesamt waren wir so zu Siebt. Ich kam am Sonntag abend an, holte am Montag vormittag mein Leihrad und wenige Minuten später trafen wir uns schon zur ersten gemeinsamen Ausfahrt.

Leihrad:

Rennrad leihen oder mitnehmen – dass ist bei Flugreisen ja immer die große Frage. Der Vorteil, das bestens eingestellte, gewohnte und bestens ausgestattete Gefährt dabei zu haben, steht den Nachteilen gegenüber, das auch gut verpacken zu müssen (zum Hin- und zum Rückflug jeweils) und dann auf dem Transportweg darum bangen zu müssen, es mit zum Flughafen und zum Hotel zu transferieren und auch noch extra Gepäck-Gebühren zahlen zu müssen. Geschweige denn, erst einmal auch eine gute Tasche bzw. einen guten Radtransportkoffer zu kaufen (wenn man einem normalen Karton nicht trauen mag…).

Andererseits: Vor Ort leihen heisst ja auch: ein ggf. unbekanntes Rad haben, das Rad erst mal vor Ort holen zu müssen und auf sich einstellen müssen. In meinem Fall habe ich daraus ein Best of Both Worlds gemacht:

Mein eigenes Rad nicht mitgebracht, dafür aber darauf Wert gelegt, genau die selbe Marke und dasselbe Modell (wenn auch das Vorgängermodell, welches ich bis vor letztem Jahr ja auch gefahren habe) auszuleihen. Klar, die Komponenten und der Rahmen waren nicht ganz so wertig, aber funktional. Ein Ultimate CF SL Rahmen gegenüber einem Ultimate CF SLX. Ein bisschen schwerer, aber genau die gleiche geniale und erprobte Geometrie. Anstelle einer Campagnolo Super Record EPS eine mechanische Shimano Ultegra – für eine Woche kann man super damit leben. Keine Hochprofil-Carbonlaufräder – aber das war für die Windverhältnisse und kurvigen Steilküstenstraßen auch sehr willkommen.

Meinen Sattel habe ich mitgebracht und Leistungsmessung war auch kein Problem: Ich hatte meine Powertap P1 Leistungsmesserpedalen dabei. Die sind narrensicher und total einfach umzuschrauben.

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Tadelloser Untersatz für die Mallorca-Woche. Ein Canyon Ultimate CF SL mit meinem Tune Komm-Vor Sattel, mit meinen Pedalen, meinem Radcomputer und meiner Lenkertasche.

Pool Area des Be Live Collection Palace de Muro

Hier konnte man es aushalten: die Pool Area des Be Live Collection Palace de Muro. Es war ein toller Radurlaub, denn diesen Bereich meines Hotels habe ich erst am letzten Aufenthaltstag erkundet. :)

Damit frisch abgeholt und Sattel umgewechselt konnte es sofort in die erste gemeinsame Ausfahrt gehen.

Sehr sehr toll! Mal waren wir zu sechst, mal zu siebt, einmal zu viert, ich einmal allein (am Freitag vor dem Rennen) und am Samstag für die 312 km zu fünft unterwegs (um mittendrin doch auf Anna auf ihrer 167 km Runde zu treffen und dann ein gutes Stück bis zur Streckenteilung zu sechst fahren zu können).

Insgesamt kamen so bei mir in 5 Tagen auf dem Rad 869 Kilometer und 11.576 Höhenmeter zusammen. Im Training Stress Score ausgedrückt: 1623 TSS. Absoluter neuer Wochen-Rekord für mich.  Im August 2015 war ich fast genau so hoch – 1621 TSS über die Route des Grandes Alpes. Auf dem dritten Rang liegt die Dolomitenwoche samt Maratona dles Dolomites auch in 2015. Mit einem TSS von 1524. Nice!

Insgesamt kamen so bei mir in 5 Tagen auf dem Rad 869 Kilometer und 11.576 Höhenmeter zusammen. Im Training Stress Score ausgedrückt: 1623 TSS.

Das Wetter war fast durchweg gut und sonnig. Nur am Donnerstag regnete es den ganzen Tag. Gut – das war dann eh ein sehr gut geeigneter Ruhetag, den ich für’s Ausruhen, für’s Bilder-Verschlagworten und Editieren, für Core-Training im Fitness-Studio des Hotels und für das Abholen der Startunterlagen nutzen konnte.

Am Freitag war es vormittags noch etwas durchwachsen und bewölkt sowie den ganzen Tag über sehr windig und kalt. Aber wenigstens Nachmittags sonnig. Die anderen machten einen zweiten Ruhetag und holten dort ihre Startunterlagen ab (aber da sie auch schon am vergangenen Samstag angereist waren, hatten sie schon einen Tag mehr in den Beinen als ich). Ich wollte wie gesagt auch direkt vor dem Mallorca312 eine Vorbelastung setzen und klapperte daher auf einer 117 km Runde einige Punkte auf meiner Sightseeing-Liste ab:

Der Freitag: Mallorca Tag 5 – Kulturprogramm im Wind gechillt

Bin nach Sineu gefahren, habe dort das Velodrom besucht und befahren: check.
Ein Bekleidungshersteller hatte für die Woche dort sein Minicamp aufgeschlagen und richtete einen lockeren Wettbewerb aus: Für einen Euro Spende an den örtlichen Radverein eine Runde auf dem Velodrom, selbstgezeitet, und in die Liste eingetragen. Die schnellste Tageszeit gewinnt eine Radsportkappe. Das war mir aber gerade egal. Ich wollte einfach nur mal mit dem Rad auf der Bahn gefahren sein und ein paar Fotos gemacht haben (leider war das Licht zu dem Zeitpunkt ziemlich unspannend). Auch wollte ich meine G1-Fahrt nicht mit einem harten Intervall krönen. Daher bin ich einfach nur drüber gegondelt und trug dann irgendeine Zeit ein. Die hingeschriebenen 65 Sekunden trafen dann auch im Vergleich zu den vielen 24er Zeiten auf einiges Erstaunen bei dem Ryzon-Mensch. Ich fragte noch scherzhaft, ob es auch eine Competition für die Lanterne Rouge gäbe… ;-)

Velodromen i Sineu

Velodromen i Sineu

Velodromen i Sineu

Steilkurve, Velodromen i Sineu

Danach bin ich auf den Puig Randa gefahren, habe dort die Aussicht genossen und das Kloster besucht. Was für ein Wind dort oben!

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Im Kloster Santuari de Cura auf dem Gipfel des Puig Randa.

Eine Abfahrt auf teilweise anderer Route bescherte weitere schöne Kurven und führte mich später zum Kloster Monti-Sion. Im Gegensatz zum Puig-Randa ist dort keine Einkehr möglich, die Anlage auch kleiner, aber sehr reizvoll im Ensemble.

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Nicht hoch, aber schwungvoll – Serpentine hoch zum Santuari Monti-Sion. Blick in das Kurveninnere…

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… und Blick nach Außen über Porreres im Hintergrund. Einer von mehreren Bildstöcken auf dem Weg zum Kloster.

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Das Kloster Monti-Sion.

Und schlussendlich bin ich dann noch durch Petra gefahren, um dort auf dem Marktplatz Kuchen zu essen: check. Wobei das erst gar nicht so einfach war, in der Vielzahl der gleich aussehenden kleinen Gassen den Marktplatz zu finden.

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Pfarrkirche San Pere in Petra

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Roads to ride – in der Ebene nördlich von Petra.

Zurück zum Montag: Dort sind wir freestylemäßig zunächst nach Norden nach Alcudia gefahren.

Mallorca, Tag 1 – traumhafte Sa Calobra

Was erst eine Tour zum Cap werden sollte, wurde dann aber eine sehr schöne Tour zunächst über den Coll de Femenia und dann nach Sa Calobra. Yeah! Erster Eintrag meiner „Bucket-List“ direkt abgehakt.

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Traumhafte Straße Richtung Sa Calobra und Puig Major.

Was für eine tolle Strecke dort hin und was für eine noch tollere Serpentinenstraße hinab zu der Bucht von Sa Calobra. Dort unten gab es dann leckeren Kuchen. Und dann mussten bzw. durften :) wir wieder hinauf. Denn, die Straße des Coll dels Reis (so heisst der Pass, der aber eigentlich immer nur Sa Calobra genannt wird) ist eine Sackgasse.

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Der berühmte „Krawattenknoten“ der Sa Calobra Straße.

Nachmittags war es dann auch super ruhig dort. Mittags war doch noch deutlich mehr los. Sowohl was Rennradfahrer als auch Autofahrer und auch Busse betraf. Glücklicherweise soll sowohl die Sa Calobra-Straße als auch die Straße zum Cap de Formentor ab 2018 nur noch für kleine Shuttelbusse und nicht mehr für Kfz-Individualverkehr und größere Busse zugelassen werden.

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Kann schon mal eng werden. Toll abwechslungsreiche, aber auch schmale Straße.

Mallorca Tag 2 – So blau das Meer, so rauh der Teer

Am Dienstag gab es dann eine sehr coole Vorbelastung und Vorschau zur Mallorca312-Runde. Im Reim dich und Schlager-Contest-Modus: Mallorca Tag 2 – So blau das Meer, so rauh (allerdings nur selten) der Teer! ;-)

Zu viert sind wir den Küstenklassiker gefahren und haben uns insgesamt 218 Kilometer und 3.066 Höhenmeter gegönnt.

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Küstenklassiker-Goodness! Fabian, Jenni und Hannes.

Was für eine endgeile Tour! :) Landschaft, Entdeckungen, Schüttelreime, Schlager-Anträllerei, elende Wellen (im Gelände) und Charakterschulung par Excellence auf dem Weg entlang und hoch über der Küste Richtung Westen (Wind schulte unseren Charakter). Mega-Bocadillos in Deia, flankiert von Lemoncake und Mandelkuchen, geile Mucke in der Bar, geile Mucke aus einem Van beim Meerblick-Fotostop und megastarke Pulls von Fabian und Jenni. Krasser Scheiss, spätestens ab Andratx hab ich nur noch gestaunt, wie fit die Jungs und Jenni alle sind – ich wäre alleine längst nicht mit dem Schub über die Wellen gedrückt. Nicht bei 200 km plus… :)

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Es gibt wohl kaum eine Tankstelle, die mehr Auswahl an Gels, Riegeln und anderen Dingen für Rennradfahrer bietet. Daneben auch ein Café. Am Coll de Sa Bataia.

Die Ornot Handle Bar Bag:
Zusätzlich zum Wahoo Elemnt, den ich in dieser Woche ausschließlich benutzt habe und der seinen guten Eindruck (bis auf seinen Out-Front-Lenkerhalter) voll bestätigte, habe ich noch die kleine Lenkertasche von Ornot getestet. Sehr praktisch. Sie habe ich dann für den Rest der Woche und auch für den Mallorca 312 Gran Fondo am Lenker belassen. Toll. Drinnen hatte ich: Topeak-MiniRocket Pumpe, ToPeak-Multitool, Klebepatch-Kit zum Flicken, einen Ersatzschlauch, 2 Gels und einen Riegel. Bis auf den Ersatzschlauch habe ich den Kram sonst in den Trikottaschen. Am Samstag kam zusätzlich hinzu: die sehr geile Endura Prima-Loft-Radweste (die sich sehr klein zusammenlegen lässt), später dann noch Knielinge und immer mal wieder Zeugs, was ich von den Verpflegungsstationen für das nachträgliche Verzehren mitnahm. Hier mal eine Banane und einen Riegel, da zwei abgepackte Sandwiches und noch ein Gel. Immer sehr cool direkt im Zugriff auch beim Fahren. Nicht schlecht!

Für mein eigenes Canyon muss ich mir allerdings noch etwas in Bezug auf die Klettriemen überlegen. Da will ich meine elegant geschwungene Bremsleitung und EPS-Kabelleitung (gemeinsam im Spiralschlauch geführt) nicht einfach so an den Lenker quetschen. Weil aufgrund der elektronischen Schaltung auch nur dieses eine Kabel im Bogen zum Rahmen führt, erhält die Tasche auf der rechten Seite keinen Gegendruck und würde ohne weiteres daher leicht schräg hängen und Wackelpotenzial haben. Zum einen brauche ich hier also eine Verlängerung und zum anderen geeignete Abstandhalter (z.B. aus geschlossenzelligem Schaumstoff) die zwischen Lenker und Tasche in die Kletttriemenschlaufe gesteckt werden können, so dass ich gegen diesen Widerstand die Tasche trotzdem unbeweglich festzurren kann – so die Idee).

Doch zurück zu unserer tollen Dienstragsrunde: Immer, wenn ich auf die Leistungsangabe meines ELEMNT sah, war ich beim Durchdrücken der Wellen irgendwie mindestens bei 240 Watt oder sogar mehr. Also weit im Schwellenbereich oder sogar darüber. Ich dachte mir: oh wei, dass kann doch nicht die ganze Zeit gut gehen…

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Straßen zum Träumen

So bekundete ich nach einem sehr coolen kurzen Supermarkt-Refill irgendwo nach Andratx, vermutlich Es Capdellà, dass ich doch schon „leicht anerschöpft“ sei. ;-) Die Cola und eine leckere Apfeltasche gaben aber wieder frische Energie. :)

Und – sehr interessant, am Beispiel vom (in meiner Trainigssoftware GoldenCheetah automatisch detektierten und Ausgewiesenen) Anstieg Nr 11: Durchschnittsleistung war dort zwar nur 195 Watt, das wäre so gerade in G2, bzw. Zone 3, Tempo. über knappe 13 Minuten. Meine HF steigt aber von 112 am Start auf 161 am Ende des Intervalls. Die Leistung steigt auch durch das Intervall an, weisst aber den Wellen folgende Mikrointervalle auf. Ständig geht die Leistung auf 250, 260, 270 Watt, immer mal für 30 bis 40 bis 60 sek und mehr.
Bei anderen Wellen geht’s immer mal wieder auf 320 bis 350 Watt rauf. Schon eine sehr starke Belastung, die aber in Verbindung mit den ebenfalls vorhandenen Abfahrten und einer längeren Pause in Deià auch nur eine übliche relative Intensität von rd. 0,6, eine xPower von 155 und eine TSS von 397 ergab.

A pro pos Pause in Deià. Die Mega-Bocadillos habe ich ja bereits erwähnt. In Deià wollten wir einkehren, das stand vorher schon fest. Hannes führte uns zunächst zur Kirche hoch. Eine kleine Extra-Bergwertung bestätigte: Ja, ganz reizvolle Gassen und ja – an der Kirche gibt es immer auch was zu essen, wie Hannes meinte. Allerdings nicht in Form eines Cafés sondern eines kleinen Standes mit Zitronenkuchen und frisch gepresstem Orangensaft. Ok – hier konnten wir schon mal unsere Flaschen nachfüllen und uns Zitronenkuchen als Vorspeise teilen.

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Refill an der Kirche in Deià

Also wieder zurück in den Ort und halbwegs unschlüssig auf ein Café / eine Bar zugesteuert. Ein entgegenkommender Radfahrer riet uns aber dringend ab. Was gab’s sonst noch… ah – vielleicht diese Bar hier… Kuchen? Oder doch Bocadillos. Na, wird schon passen. Draussen sitzen passte aber platzmäßig nicht. Also hinein. Aber die Räder? So direkt an der Straße stehen lassen war dann doch leicht uncool. Hannes fragte einfach den Besitzer und klar: bringt die Räder hinein. Gar kein Problem.

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Bikes inside in der Bar Tramuntana

Sehr cooler Laden. :)

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Hannes, Jenni, Fabian und ich in der Bar in Deià.

Mallorca Tag 3 – Auf die Spitze getrieben.

Am Mittwoch ging es sehr locker und für mich als Rekom-Ride zu siebt in voller „Mannschafts-Stärke“ als schönen Ausflug zum Cap Formentor. Eine absolut tolle Straße. Muss jeder Mal gefahren sein. Leider war auch an diesem Tag und an dieser Strecke viel Auto- und teilweise Busverkehr. Immer noch sehr schön zu fahren und ein tolles Erlebnis, beizeiten aber mit viel Auf-Der-Bremse-hängen und hinter Autoschlangen entlangfahren und vorbeischlängeln. Ich habe ja bereits zu Sa Calobra erwähnt, dass auch diese Strecke zum Cap ab 2018 verkehrsberuhigt werden soll.

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Cap de Formentor

Mit wieder mal diversen frei umgedichteten und angesungenen Schlagerversatz-Stücken und Jauchzern (nicht zu vergessen, Frederico wurde des öfteren gerufen ;-)) ging es vom Cap wieder zurück. Highlight – ein live auf dem Rad durchgeführter Schuhplattler zur Verwunderung der jeweils überholten anderen Radler.

In Port de Pollença gab es Kuchen am (leider windigen) Pier und den Entschluss, durch’s sogenannte „Peter Maffay-Tal“ noch eine Schleife nach Muro dran zu hängen und da nochmal Kuchen zu essen. :)

Einziges Mimimi der Woche: Ich merkte es ab und an im rechten Beinbizeps von gestern. Überhaupt scheinen die Beinbizeps dieses Jahr mein genereller Schwachpunkt zu sein. Da hatte ich doch schon des öfteren Spürung und auch mal Sorge. Aber nach dem Ruhetag am Donnerstag hatte ich dort keine Probleme mehr.

Ja, und dann der Samstag und der Mallorca 312 Gran Fondo!

Hach, ich weiss gar nicht, wo ich anfangen soll.

Was für ein geiler Tag! Was für eine tolle Truppe. Ich bin mit Jenni, Fabian, Ronny und Hannes den Mallorca 312 gefahren. Anna und Karina waren auch dabei, sind aber die kurze Runde gefahren.

Der Mallorca 312 war richtig genial. Tolles Wetter, gerade morgens am Anfang und das erste Drittel: Ganz nach meinem Geschmack! Im frühen Morgenlicht entlang der Küste der Bucht von Alcudia bei genial ruhigem Meer in großer Gruppe geradelt. Dann linksschwenk und immer noch flach Richtung Serra de Tramuntana und in den ersten Anstieg, den Coll de Femenia, den ich in dieser Woche nun zum dritten Mal befuhr. Aber immer wieder toll.

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Traumhafter Start in den Tag. In der Bucht von Alcudia. Oh – man sieht, dass wir uns ganz am Ende des letzten Startblockes eingereiht hatten… ;-)

Dann über Puig Major bis nach Andratx immer entlang der Steilküste. Auf und ab bei grandiosen Aussichten auf das Meer und durch kleine Dörfer. Die Abfahrt von Puig Major hinab nach Sóller – der Kracher.

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Yours Truly in der genialen Abfahrt vom Puig Major hinab nach Soller.

Dann ein zwar auch welliges, aber flaches Intermezzo auf eher breiten Straßen. Hier dachte ich noch: „Oh wei, wenn dass jetzt die verbleibenden 200 km so weitergeht…“ Noch viele Leute zusammen, bald danach auch der Zusammenschluss mit den kürzeren Schleifen und bei den Teilnehmern wohl noch viel Adrenalin aus den Abfahrten und Eindrücken zu vor und wohl noch vergleichsweise frische Beine. Das war erst noch recht schnell und so musste man wachsam und jederzeit bremsbereit sein. Das wandelte sich aber schnell. Spätestens nach der nächsten Verpflegungsstation war für mich davon nichts mehr zu spüren und es hat direkt wieder Spaß gemacht. Gerade auch das letzte Drittel als teilweise verwinkelte und sehr wellige Kurvenhatz über kleine Nebenstraßen und, wie davor auch schon, immer wieder mal durch kleine Ortschaften.

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Küstenhighlights.

Und wie wir da abgefeiert wurden… Die Spanier sind da echt enthusiastisch bei der Sache gewesen. Und selbst jeder Streckenposten war freundlich und grüßte zurück. Ok, Jennis (und auch unser) freundliches und lautes ¡Hola wird da auch dazu beigetragen haben. Und außerdem haben wir bei Sicht von Applaudierenden Chicas und Chicos am Rand unsererseits laut los gejohlt – Stimmung pur! ;-)

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Kurz vor Es Capdellà

Und erst mal in Artà! Wir dachten, was geht denn hier ab. Die letzte Verpflegung, rund 30 km vor dem Ziel und der ganze Ort macht Fete rund um die Verpflegungsstation. Jeder bekam direkt erst mal ein Freibier in die Hand gedrückt. Klasse!

Stimmung auch so – Mein Bedarf an frei aus dem Stehgreif umgetexteten Gassenhauern und Werbe-Melodien ist jetzt erst mal gedeckt… ;-)

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Schmale Sträßlein, viele Rampen – das dritte Drittel des Mallorca 312.

Krasser Scheiss auch, dass wir 5 alle so gleich stark an den Wellen und Rampen waren und sie gnadenlos durchgedrückt haben. Gerade Hannes war da auch kaum zu bremsen.

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Im Ziel nach 314 km. Alle zusammen gefahren – alle gleich stark. Alle für einen, einer für alle!

Starke Truppe, Starkes Team – hat Riesenspaß gemacht!

Was für eine tolle Woche!

Hier noch einige weitere Impressionen als Galerie:

Paris-Roubaix 2017

Rad fahren

Paris-Roubaix! Die Hölle des Nordens, L’enfer du Nord! Die Königin der Frühjahrsklassiker! Das eine Radrennen, dessen Name neben der Tour de France jeder kennt, egal ob er sich für Radsport interessiert oder nicht.

Letztes Wochenende fand bei besten Bedingungen die bereits 115. Ausgabe dieses Monuments des Radsports statt. Und ich war bereits zum zweiten Mal dabei. Sowohl am Samstag zur eigenen Teilnahme an der Paris Roubaix Challenge als auch zum Zuschauen am Sonntag. Ein großartiges Erlebnis und ein tolles Wochenende, dass ich jedem Radsportbegeisterten nur empfehlen kann!

Wie ist es mir ergangen, welche Eindrücke habe ich mitgebracht? Was kann ich mir und euch nach nun zwei Teilnahmen an Tipps und Tricks festhalten und mitgeben?

Das Jedermann-Rennen am Samstag

Nun ja, Rennen… die A.S.O. betitelt es als „Challenge“. Es ist kein Rennen, aber in der Tat: es ist eine Herausforderung! Eine tolle Herausforderung, wie es sie – Streckenlänge, Dauer, Höhenmeter und Berge hin oder her – im Radsport kaum ein zweites Mal gibt.

Ja, natürlich: Man kann sein Mountainbike mit Vollfederung und dicken Reifen einpacken, die 70 km Runde wählen, etwas durch die nordfranzösische Landschaft rollen und sich wundern, was denn nun so besonders an den huppelig-ruppigen Passagen zwischendurch ist. Zumindest, so lange es trocken ist. Bei Nässe sieht auch schon das wieder ganz anders aus.

Oder man nimmt sein Rennrad oder auch Crossrad (wie es seit jeher auch die Profis immer mal wieder machten, ganz in Abhängigkeit vom Material, mit dem sie sonst im Jahr ausgestattet sind) und erfährt die brutale Härte der zu recht gefürchteten Secteurs Pavé, deren grobe, schief und teilweise spitz hervorstehenden Pflaster-Brocken (Stein würde da viel zu harmlos klingen) so rein gar nichts mit allem dem gemein haben, was man für gewöhnlich als Kopfsteinpflasterpassage aus Altstädten oder selbst von historischen Hohlwegen kennt. Allein der Unterschied zu den Kasseien und Bergs der Flandern-Rundfahrt, die beileibe schon nicht ohne sind, ist noch einmal riesig.

Camphin-en-Pévèle, nach dem Rennen. 2016.

Einen regelmäßigen Verband gibt es kaum, die Fugen sind riesig und die Kanten laufen mal kreuz, mal quer und senden das Rad mal hier mal dahin verspringend. Und wenn sie feucht sind, macht der Schmier aus Staub und Lehm die Oberfläche der Steine zu schmierglatten Abschussrampen. Glücklicherweise, muss ich sagen, habe ich solche Bedingungen noch nicht kennenlernen müssen. Außer ein klein wenig im Wald von Arenberg. Der ohnehin einer der schlimmsten und härtesten Sektoren ist. Dort ist es fast immer ein wenig feucht (außer am letzten Wochenende) und die Fugen – nein eher Täler zwischen den Steinen – sind moos- bzw. grasbewachsen. Ein zu jederzeit trügerisches und gefährliches Stück. Jede Abweichung von einer möglichst graden Linie, durch die ausgeprägte Dachform der Pavésektoren meist in der „Weg“-Mitte noch am besten, kann dann Desaster bedeuten. Bei trockenen Bedingungen wird es einfach nur nochmal komplizierter, die Schläge nochmal brutaler und die Kunst, das Rad die richtige Bahn finden zu lassen und dabei nicht über den Lenker, in den Randstreifen oder in den Nachbarn zu fliegen nochmals schwieriger.

Und: das muss man unweigerlich auch tun, denn: man möchte ja an den Leuten vor einem vorbei…

Aber der Reihe nach, Modus und Anmeldung:

Es ist also eine Herausforderung. Aber kein Rennen. Der Modus sehr einfach, gut organisiert und entspannt zu befolgen. Im Grunde mit sehr wenig Extraaufwand, fast wie eine RTF (Rad-Touristik-Fahrt).

Man kann sich unkompliziert anmelden (über die Webseite), die maximale Teilnehmerzahl ist sehr hoch und sehr auskömmlich, so dass man sich oft bis kurz vor dem Rennwochenende noch anmelden kann (Obacht, das ist keine Garantie, besser man meldet sich schon so im Januar oder Februar an. Bei der eine Woche vorher stattfindenden Flandernrundfahrt könnte das aber auch schon zu spät sein, da macht man das besser schon im Dezember). Man kann aus drei Streckenlängen, 70, 145 und 172 km, auswählen und (für die mittlere Runde) zwischen 6 Uhr morgens und 10:00 Uhr vormittags starten.

Auch das Abholen der Startunterlagen ist kein großer Akt. Eine Woche vor dem Event bekommt man seine Teilnehmerbestätigung gemailt, druckt diese aus und bringt sie samt Ausweis zum Einschreiben mit. Das habe ich jetzt schon zum zweiten Mal direkt vor dem Rennen gemacht. So zwischen 09:00 und 09:30 herum war das nie ein Problem. Keine Schlange vor dem Counter, 5 Meter zwischen Rad abstellen, Tür und Counter. Startzettel abgegeben, kleinen Umschlag mit Startnummer für Trikot und fürs Rad erhalten und wieder raus. Die Lenkernummer an’s Rad gezippt und noch einen Gratis-Kaffee abgeholt und schon kann es losgehen. Im Gegensatz zu italienischen GranFondos benötigt man hier keine ärztliche Unbedenklichkeitsbescheinigung.

Startnummer und Cuesheet befestigt. Es kann losgehen.

Wichtig zu wissen: Wann gibt’s wieder was zu essen, wann fängt es wieder an zu rütteln…

Die 70 und 145 km Runden beginnen und enden in Roubaix, am Velodrom. Ich finde solche Rundkurse logistisch immer am angenehmsten. So muss man sich nicht mit irgendwelchen Transporten von Mensch und Maschine entweder frühmorgens zum Start oder nach dem Rennen vom Ziel zum Startort belasten. Die 172 km Runde startet in Busigny. Es werden auch Shuttle-Bus-Services angeboten, hier sollte man die Webseite der Veranstaltung zu Rate ziehen und sicher auch frühzeitig buchen.

Unterkunft:

Ich ziehe wie gesagt, einen Rundkurs vor. Steige dazu in einem Hotel vor Ort ab. Das war letztes Jahr in Richtung Lille gelegen, dieses Jahr eher nördlich, hinter Tourcoing. Von beiden Orten bin ich über rund 11 km gut mit dem Rad zum Start und vom Ziel wieder zum Hotel gefahren. Ein schöner lockerer Start in den Tag.

Letztes Jahr war meine Ausrichtung: „Ach, ein kurzes Luxus-Wochenende – nimm’ mal ein schönes Zimmer mit schöner Frühstücksmöglichkeit“. Dieses Jahr war sie eher: „Ist eh nur ein kurzes Wochenende – Hauptsache ein preiswertes Bett und direkte Parkmöglichkeit vor Ort“. Frühstück: vorbereitetes Müsli, fertig selbst gemixt und samt Milch und anderem Kram in der Kühlbox mitgenommen.

Und so habe ich mal die „Premiere Class“ Hotelkette ausprobiert. Interessantes Konzept, kannte ich noch gar nicht, so etwas. Der Name Premiere Class hat nun so gar nichts mit Erster Klasse zu tun, das ist eher ein Null-Sterne-Hotel. Das man sogar nachts von außen per Check-In-Automat buchen könnte. Ein einfaches Frühstück kann man optional hinzuordern. Jedes Zimmer wird von außen erreicht und ist quasi eine in sich abgeschlossene Kabine mit einer separaten Nasszelle, die nur wenig über dem Charme eines Dixie-Klos hinausgeht. Aber funktional und der eigentliche Raum ganz ok. Sogar Wifi gab es, entgegen der Hotelwebseite, nicht nur im Rezeptionsbereich, sondern auf jedem Zimmer. Und sogar in einer guten Geschwindigkeit.

Canyon Ultimate CF SLX

Die Waffe der Wahl für die diesjährige Ausgabe: mein Canyon Ultimate CF SLX.

Premiere Class Hotelzimmer. Wifi gut, Rad direkt im Zimmer, Matratze ok – mehr braucht es nicht.

In Summe also: gutes Wifi, Eingang von außen und Rad in die Bude schleppen somit gar kein Problem, no Questions asked. Parken direkt vor dem Eingang… Was will man (manchmal) mehr? Oropax sollte man dabei haben; diese Hotels sind meist verkehrsgünstig an Autobahnzubringern gelegen.

Mein Rennen:

Samstag morgen, das Handy klingelt. Ich schlüpfe nach der Morgentoillette in die vorbereitet hingelegten Radklamotten. Morgens ist es noch frisch, rund 6 Grad Celsius. Trotz Sonnenschein soll es am Samstag noch nicht sehr warm werden, maximal 16 °C sind vorhergesagt.

Ideale Bedingungen für die Castelli Gabba Convertible. Gut, jetzt heisst sie ja Perfetto. Diese Umbenennung finde ich zwar ungeschickt von Castelli, denn Gabba ist der gut eingeführte und klangvolle Name. Aber – sie haben ja recht. Das Ding ist einfach perfekt. Gerade in der Variante als Convertible, d.h. mit den per Reisverschluss abzippbaren langen Ärmeln. Ich finde es sitzt gut, der Stoff fühlt sich angenehm an, der Kragen ist genau richtig und der allzeit vorhandene Windschutz ist einfach genial. Da braucht es gar nicht regnen – dass man allezeit gegen Fahrtwind geschützt ist ist das Geniale für mich. Besonders, da man sich da auch nie gekocht oder schwitzend vorkommt, wie es schon mal mit Funktionsunterhemden mit Windbreak-Layer der Fall sein kann. Klar – oberhalb 20 Grad wird’s auch langsam mal zu warm für das Gabba. Aber ansonsten – eines meiner Lieblingsstücke und genau richtig für heute.

Dazu dann Knielinge, die zusammen mit den eigentlich zu hohen Socken (aber dafür steht auf ihnen „Belgian the Fuck up“ und ich habe sie im letzten Jahr in Arenberg gekauft… ;-)) eigentlich ein voll bedecktes Bein ergeben. Und noch Zehenüberzieher für die Radschuhe.

Zu lange Socken und zu luftige Radschuhe. Da wollt ihr nicht, dass ich davon anfange ein Lied zu singen.

Zu lange Socken und zu luftige Radschuhe. Da wollt ihr nicht, dass ich davon anfange ein Lied zu singen. Wer hat eigentlich den Trend mit diesen fast schon an Kniestrümpfe heranreichenden Radsocken losgetreten? Ich kenne viele Leute, die da immer die neuesten Kaufen, denen sie aber überhaupt nicht stehen. Wir sind halt nicht alle Basketballspieler und haben gertenlange Gliedmaßen. Bei Menschen mit normalen oder eher sogar schon kurzen Beinen passt es einfach nicht, wenn der Sockenbund schon knapp oder sogar halb in den Wadenmuskel-Ansatz hineinschneidet. Deswegen verstehe ich auch nicht, warum diese ganzen hippen Sockenlabels (scheint mir ein schönes Betätigungsfeld für design-affine Radsportenthusiasten mit geringen Einstiegshürden der Herstellung zu sein) immer diese zu langen Socken und nicht mal kürzere Socken zur Auswahl herstellen. Es gäbe ja ganz Nette Designs, nur würde ich diese gerne auf Socken tragen, und nicht auf zu kurz geratenen Kniestrümpfen… ;-)

Zu luftige Radschuhe. Klar. Wir Rennradfahrer wollen alle möglichst leichtes Equipment. Und es gibt ja tatsächlich so etwas wie Hitzestau oder „qualmende Socken“. Das lässt sich für die Hersteller leicht kombinieren und vermarkten. Neu! Jetzt noch leichter! Der leichteste seiner Klasse! Noch bessere Belüftung!
Ja, schon… Aber nicht alle leiden unter schwitzenden Füßen. Und so schön es auch sein mag – nicht immer können wir in Sonnenschein in südlichen Gefilden umher radeln. Nein – ganz im Gegenteil: Heiße Sommertage gibt es nur wenige im Jahr. Mindestens 330 Tage sieht die Realität ganz anders aus. Ein zu kalter Sommertag. Ungemütliche Übergangszeit. Kalte Morgen, kühle Nächte, Regen und Dreck. Von Winter will ich noch gar nicht reden. Wieso will man mir Schuhe für 30 Tage verkaufen? Ich will Schuhe für 330 Tage. Wo ich nicht direkt Krämpfe unter der Fußsohle bekomme, weil der kalte Fahrtwind durchpfeift. Wo ich nicht sofort und unnötigerweise nasse Socken habe, nur weil morgens die Straßen noch feucht vom Morgentau sind und anfangs Feuchtigkeit hochspritzt oder ich mal durch eine einzige Pfütze gefahren bin…

Ah… aber zurück zum Thema. Aus diesem Grunde halt: Zehenüberzieher über die Schuhe zur Rettung. :)

Ich löffele mein Müsli, verfolge währenddessen die Social Media Streams und dann radele ich entspannt zum Start.

Aus meinem erweiterten Bekanntenkreis und dem noch darüber hinausgehenden Social-Media-Kreisen sind nicht wenige am Start. Lee wird mit seiner Belgian Connection wie üblich die lange Runde von Busigny aus in Angriff nehmen und wird vermutlich schon längst gestartet sein. Hier könnt ihr übrigens eine Fotostrecke zu seinem Legend-Rad sehen, mit dem er auch dieses Jahr wieder die Klassiker in Angriff genommen hat. Wir hofften uns zwar zu treffen, es hat – anders als im letzten Jahr – aber leider nicht geklappt.

Mit den Jungs von Good Times Roll bin ich letztens noch gemeinsam den Kuchen und Raketen Ride im Rahmen der Cyclingworld Düsseldorf gefahren und von der Wuppertaler Crosser-Connection war „Janelli“ am Start. Beim nächsten Mal müssen wir einen definitiven Treffpunkt ausmachen, sonst wird das nichts. Nun ist das Rennen und auch das Zielareal nicht soooo groß, aber immerhin groß genug, dass man nicht zwingend ineinander rennt.

Aber an Kurzweil und netten Gesprächen herrscht auch so kein Mangel. Und es gibt ja so viel zu tun, zu erleben, unbedingt zu fotografieren, zwingend vorbeizuschauen etc… schwupps, ist es schon Abend… :)

Aber erst mal muss es ja los gehen. Um etwa viertel vor Zehn rolle ich entspannt über die Startlinie.

Erst ging es im RTF-Style ganz locker durch die Vorstadtbereiche. Etwa einrollen, mit dem (Straßen)verkehr mitschwimmen. Einfach hinter einer Kleingruppe bleiben, auch wenn sie total langsam rollt. Schließlich muss man anfangs nicht den Proleten raushängen lassen und sich vor Abbiegungen oder Ampeln irgendwo vorbeiwuseln. Schließlich kommt man aber so langsam in den ländlichen Bereich. Bzw. in aufgelöstere Besiedelung. Ich nehme etwas Fahrt auf, bin da dann erst im Grundlagenbereich und bald kommt eine etwas größere Gruppe mit ordentlich Geschwindigkeitsüberschuss vorbei. Ich überlege kurz und hänge mich dann einfach dran.

Junge junge. Das wurde dann bis zur ersten Labe ein ausgewachsener Race-Mode mit teilweise Kriteriums-würdigen Kurven-Sprints. Da habe ich auch die höchsten Watt (bis zum Bandensprint im Velodrom) gefahren.

Danach ging es dann „normal“ in kleiner Gruppe bis zum Wald von Arenberg und dort dann hinein in den ersten Kopfsteinplaster-Sektor der 145er Runde und in den ersten der drei 5-Sterne-Secteurs des Rennens: Trouée d’Arenberg. Mit offizieller Zeitnahme. Danach gab’s nur noch mal zeitweise bis zum nächsten Secteur etwas Gruppe und ab da dann nur noch Solofahrten im Wind. Was ich aber ganz und gar nicht verkehrt finde. Spätestens da ist das „Rennen“ dann so versprengt, dass es zwar noch Gruppen gibt, die aber alle ein anderes Tempo fahren. Warum soll ich da Energie sparen und mit 100 bis 160 Watt irgendwo im Windschatten bummeln? Selbst wenn ich alleine nur wenig schneller bin (oft sehr viel schneller, manchmal natürlich auch sehr viel langsamer als vielleicht andere, die mich wiederum überholen) ist mir das lieber und angenehmer, mein eigenes Tempo zu fahren. Es geht ja um nichts als um das eigene Erlebnis und das eigene Training. Energiesparen für eine goldene Ananas? Nicht bei diesem Modus.

Aber zurück zum Wald von Arenberg: Meine. Güte! Letztes Jahr (mein erstes Paris-Roubaix) war ich mit dem Giant TCX Advanced Pro1 und 32 mm Tubeless Reifen am Start. Mit rund 2,8 Bar Druck. Und da hatte ich ziemlichen Respekt, es war auch eher voll da. Und ein klein wenig feucht und schmierig. Und so war ich nicht voll gefahren. Und hatte auch mittendrin für ein Selfie angehalten. Also kann man die Zeiten leider nicht vergleichen.

Heute war ich mit dem Canyon Ultimate CF SLX unterwegs. Vorne 28 mm Clincher mit Schlauch (4,5 bar, war gut) und hinten 25 mm Schlauchreifen (4,2 bar, ging auch gut). Und ich habe Druck gegeben. Sagte ich schon meine Güte? Teilweise versprang das Rad schon halb, besonders dann, wenn ich vom Weg-Scheitel auf eine der Seiten ausweichen musste, um vor mir fahrende Teilnehmer zu überholen. War aber geil. Irgendwie endlose Minuten. Wie lang kann der Sektor sein? Immer noch nicht zu Ende? Im Nachgang werde ich feststellen: 5 Minuten und 10 Sekunden habe ich gebraucht. Voll Gas, voll durchgeprügelt. Ich das Rad, der Arenberg mein Rad und mich.

Arenberg Smiles

Immer ein Lächeln im Gesicht, auch über dem höllischsten aller Pavés. Beim Reintreten der Watt immer noch Augen für den Fotografen. Ok, es hat definitiv geholfen, dass dies mein erster Sektor des Tages war. :) Paris Roubaix Challenge, im Wald von Arenberg. Photo: Maindru photo.

Danach nur kurz angehalten. Ungläubig geguckt, dass tatsächlich alles noch ganz war. Bei dem gnadenlosen Geprügel erwartet man eigentlich beim Blick nach unten nur noch Geklump zu sehen. Dem war aber nicht so. Alles schien noch an Ort und Stelle und Heil zu sein. Na dann – dann also sofort wieder weiter.

18 Kopfsteinpflaster-Sektoren beinhaltet die 145 km Runde. 1 durch, 17 to go. Mein Plan war: dieser Tag wird ein intensives Intervalltraining. Es heisst ja, wenn man nur schnell genug über das Pflaster fährt, ist es weniger schlimm, da man quasi von Kuppe Kuppe gleitet. Gleiten ist natürlich das völlig falsche Wort. Und das Stichwort hier ist auch „weniger“ schlimm. Ein Fitzelchen weniger schlimm als die unendliche Agonie des Gerüttel und Geprügel, die die schonungslose Realität der Pavés von Paris-Roubaix darstellt. Wo schon 2-Sterne Sektoren, wo schon jeder einzelne Stein das Potenzial hat ein Laufrad zu ruinieren, einen Reifen die Luft zu nehmen oder einen Fahrer zu Fall bringen. 2-Sterne heisst manchmal doch eben nur, dass diese Strecke etwas kürzer, aber nicht weniger schlimm ist.

Ganz in diesem Sinne war es für mich im Grunde ein G1-G2-Ride mit 14 EB- bis VO2-Max Intervallen. Jeder Pavé-Secteur: Go! Bis auf die 4/5 Letzten. Gut das Gruson eh so kurz ist und das letzte Pavé, Willems nach Hem , bin ich nur noch Piano über die (ebenfalls holprigen) Asphalt-Randbereiche geschlichen und hätte am liebsten die Hände ganz vom Lenker genommen. Die Auswertung zeigt: 48 Min Tempo-Bereich (Zone 3, G2), 28 Min Schwelle (Zone 4, EB), 16 Min VO2 max (Zone 5), 10 Min Anaerobic (Zone 6) und 6 Minuten noch drüber (Zone 7). Ächz.

Bei allem muss aber auch mal kurz für ein Foto angehalten werden. Auch wenn es dieses Jahr nur zweimal kurz der Fall war. Einmal hier vor Pont Gibus selbst ein Foto gemacht…

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Pont Gibus ist schon eine ikonische und markante Stelle im Rennen. Sie befindet sich im Pavé-Secteur Wallers à Hélesmes.

… und danach beim Weiterfahren selbst fotografiert worden…

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Yours truly at Pont Gibus. Secteur Wallers à Hélesmes. Photo by Maindru photo

und einmal die unglaubliche Flachheit des Seins in Nordfrankreich dokumentiert:

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Die höchsten Erhebungen in Paris-Roubaix sind meist neben Bäumen die Torbögen zum Start und Ende der Kopfsteinpflaster-Sektoren. Hier im Hintergrund der Beginn des Sektors Auchy-Lez-Orchies à Bersée.

Als Neuerung hat die A.S.O. dieses Jahr eine schöne Farbmarkierung der Sektoren zusätzlich zur Klassifizierung der Sektoren zwischen 2 und 5 Sternen ergänzt. So sind die Torbögen der 4-Sterne-Sektoren z.B. rot:

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Roter Sektor. 4 Sterne. Pavé Secteur 12: Auchy-Lez-Orchies à Bersée.

Die drei 5-Sterne Sektoren tragen Schwarz:

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Schwarz – schlimmer geht’s nimmer! 5 Sterne, Pavé Secteur 19, Trouée d’Arenberg.

Beim viertletzten Sektor, Camphin-en-Pévèle, war ich schon ziemlich cooked; der Tank fast leer. Die Hände taten schon seit dem fünftletzten, Bourghelles to Wannehain, richtig weh. Für das drittletzte und das dritte von den drei ehrfurchtgebietenden 5-Stern-Pavés, Carrefour de l’Arbre, hab‘ ich trotzdem nochmal Druck (so viel halt noch da war) gegeben und die Hände ignoriert. Aber im Schnitt waren’s nur noch 182 Watt. Hört sich sehr wenig an, gefühlt waren’s aber mindestens 250 – vom Pflaster will ich gar nicht erst reden. Meine Güte, das ist schon _der_ Kracher so ziemlich gegen Ende.

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Hört es denn nie mehr auf zu rütteln? Nicht mehr so enthusiastisch bei Carrefour de l’Abre. Photo by Maindru photo.

Die Technik:

Paris-Roubaix ist auch deswegen eines der interessantesten Rennen, weil es durch seine (für die Profis 55 km) Kopfsteinpflasterpassagen besondere Herausforderungen an das Material stellt. Wenn noch nicht so sehr für die anderen Kopfsteinpflaster-Klassiker, aber auf jeden Fall für Paris-Roubaix wird dann alles an Tricks und Spezialrädern an den Start gebracht, was das Arsenal so her gibt. Gerne auch mal von anderen Herstellern als den eigenen Sponsoren (da werden dann auch schon mal Markennamen mit Eddings geschwärzt oder ganz falsche Label aufgeklebt). Gerne auch mal alte Technik von vor 10 Jahren und aus der mittleren Preisgruppe der Hersteller. Z.B. werden da schon mal 10 Jahre alte Shimano-Bremsen gehortet, die zwar schwer sind, aber es zulassen, 28 oder 30 mm Reifen da drunter zu montieren.

Durch den Trend hin zu breiteren Reifen (z.b. 25 oder auch 28 mm) auch unter Aeroaspekten und Rollreibungsaspekten sind solcherlei Griffe in Altbestände aber heute immer weniger nötig. Oft bringen auch schon die neuesten Rennräder wieder mehr Reifenfreiheit mit. Und Bremsen mit Direktmontage bzw. auch die neueste Dura-Ace-Gruppe von Shimano lassen Reifenbreiten von 28 mm von Hause aus zu.

28 mm bekomme ich übrigens auch in meinem Rennrad unter. Mein Canyon Ultimate CF SLX hat damit keine Probleme. Zumindest nicht bei adäquaten Luftdrücken. Wie ich im Vorfeld von Paris-Roubaix selbst getestet habe.

Dieses Jahr stand ich vor der Wahl: Entweder wieder mit meinem Crosser, dem Giant TCX Advanced Pro 1 fahren? Im letzten Jahr ging das hervorragend. Auch wenn die Reifen vielleicht nicht die Besten für schnellste Asphaltfahrten und vor allem, schnelle Asphaltkurven, waren. Die Challenge X’plor USH waren tubeless gefahren sehr schön und in meinen Augen mit meinen gewählten 2,5 – 2,8 bar bei 32 mm Breite für die Kopfsteinpflaster ideal. Aber ihre diamantförmigen Schulternoppen waren mir in Kurven auf hartem Untergrund (Asphalt, Pflaster) nicht wirklich geheuer.

Aber selbst diese Reifen und zugehörigen Laufräder habe ich nicht mehr in dieser Kombi und am Crosser momentan nur Stollenschlauchreifen auf Carbonfelgen geklebt. Ich habe zwar ganz neue und schöne Scheibenbremsen-Laufräder von Hunt Bike Wheels – die sind aber für das im Zulauf befindliche Titanrad und ich wollte die jetzt davor nicht unbedingt für’s Giant umrüsten (15 mm Steckachsadapter einsetzen, 6-bolt-Scheiben-Adapter einsetzen) und mit dem Pavé von Paris-Roubaix maltraitieren.

Gut, die andere Alternative war: mein auch noch nicht so altes Canyon Ultimate CF SLX maltraitieren… Hmm. Ok, ich habe mich für letzteres Entschieden. Problem nur: Laufräder. Eigentlich wäre ich liebend gerne mit meinen Schlauchreifen gefahren. Aber das Vorderlaufrad hatte wenige Wochen zuvor das Ende seiner Laufzeit erreicht. Die Bremsflanke begann dort, sich ab zu lösen. Meine Zipp 404 Firecrest wollte ich nun aber auch nicht verwenden. Ich erinnerte mich an meine alten Fulcrum Racing 3 Laufräder im Keller. Die wollte ich mit 28mm Clinchern, aber tubeless nutzen. Schwalbe Pro One hatte ich bereits bestellt. Ich stellte dann fest, dass das Vorderrad der Fulcrums nur 20 Speichen hatte… Ok, das war mir selbst als nicht all zu schwerer Radfahrer für die brutalen Pflastersektoren zu gewagt.

Was also nun tun? Kurzerhand schaute ich, was es denn so an günstigen Alternativ-Laufrädern gibt. Bei Amazon wurde ich fündig: 29,95 für ein Vorderrad mit Shimano-Nabe, moderner Innweite von 19 mm und 36 Speichen, geöst. Na, wenn das nicht halten würde… 36 Speichen sind eine Menge… ;-) Gut, das Ventilloch war für ein Autoventil, aber sei’s drum.

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Nicht mal 1 Euro pro Speiche: 36 Speichen und 30 Euro. Mein vorderes Laufrad für Paris-Roubaix. Hier an der Labe bei Orchies.

Bestellt, angekommen, einen Schwalbe AV 17 Schlauch (der fast schon einen guten Tick zu groß für den Reifen war) samt Schwalbe Pro One aufgezogen. Et Voilá!

Mit 4,5 Bar über harmloses Pflaster und Bordsteinkanten probegefahren und für gut befunden. Und wie gesagt: der Reifen passte in’s Canyon und vor allem auch in die Campagnolo Super Record Bremsen. Selbst bei dieser breiten Felge. Gut, testweise auf bis 9 bar aufgepumpt, drückt schließlich der Reifenscheitel von unten gegen die Bremse. Aber ich würde diesen Reifen auf Asphalt mit maximal 5 bis 5,5 bar fahren (ich fahre 25er Conti und auch Veloflex üblicherweise mit 6 bar) und da passt er. Und mit 4,5 bar passt er auf jeden Fall.

So war ich also für Paris-Roubaix gerüstet. Das Laufrad musste ich bei der Orchies-Labe komplett nachzentrieren, danach hielt es aber. :)

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Mein zuverlässiges ‚Roß‘ – geschüttelt, nicht gerührt, nach 18 Kopfsteinpflaster-Sektoren der 145 km Runde des Paris-Roubaix Jedermann-Events am Samstag. Toller Tag in Frankreich, harte Sache aber beste Bedingungen.

Das Ziel:

Nach dem letzen Sektor gibt es nochmal eine kurze Fahrt über Asphalt und schließlich hinein nach Roubaix. Ab da muss man auch wieder auf Ampeln und auf den Stadtverkehr achten. Das gilt besonders für die letzte Zufahrt zum Velodrom-Areal. Erst kurz vor dem Velodrom erinnert man sich wieder: Ah ja, jetzt folgt keine übliche GranFondo- oder sogar nur RTF-Zieleinfahrt, jetzt kommt wieder die Verbindung zur historischen Radsport-Atmosphäre: Die Einfahrt in das Velodrom von Roubaix!

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Am Ziel! Photo by Maindru photo.

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Historische Steilkurve. Das berühmte Velodrom von Roubaix.

Und nach der Zieleinfahrt gibt es die Finisher-Medaillie und man kann sich auf dem Rasen im Inneren des Velodroms hinflegeln. Oder man holt sich ein verdientes Bier bzw. ersteht einen der weltbesten leckeren Cheeseburger mit handgeschnittenen Pommes Frites und diversen Saucen. Mmmmmh! :)

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Panorama des Velodroms von Roubaix. Am Ziel des Monuments.

Das Profi-Rennen am Sonntag:

Wie im vergangenen Jahr fahre ich nach dem Frühstück zunächst wieder nach Arenberg. Da bin ich in rund 30 Minuten Fahrt, parke ein gutes Stück vor Arenberg am ersten noch freien Stück seitlich der Straße und editiere erst mal noch ein Ruhe ein paar Fotos, bevor ich mich auf den Fußmarsch zum Beginn des Kopfsteinpflaster-Sektors mache, wo wieder eine Public-Viewing-Area mit Großbildschirm und diverse rustikale Imbiss-Stände und ein paar Souvenir-Stände und Kinderbespaßungsareale aufgebaut sind. Leider ist ordentlicher Kaffee oder überhaupt Kaffee dort Mangelware bzw. überhaupt nicht vorhanden… Seufz… Franzosen… Aber zugegeben: strahlend blauer Himmel und public viewing, da denken nicht nur Franzosen (und viele Belgier und Holländer) doch eher oder fast nur an Bier…

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Gut besucht, beste Bedingungen, super informiert und hautnah am Geschehen: Public Viewing direkt am Eingang des berühmtesten aller Sektoren: Der Wald von Arenberg.

Im vergangenen Jahr habe ich zuvor noch die alten Minen-Gebäude und Fördertürme von außen erkundet. Dieses Jahr setze ich mich (nach meiner erfolglosen Suche nach einer Tasse Kaffee) auch mal entspannt hin und verfolge das Rennen auf dem Großbildschirm, bevor ich mich eine knappe Stunde vor Ankunft der ersten Fahrer direkt an die Strecke begebe.

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Da geht’s rein. Der Wald von Arenberg.

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Im Wald von Arenberg, direkt unter der Brücke. Viel los, tolles Wetter, Mörderstimmung und „Sänger“-Wettstreit zwischen belgischen Fans links und französischen Fans rechts. :)

Es dauert nicht lang und dann kommen schon die ersten Autos als Vorhut, dann ein paar Motorräder, dann wieder nichts, dann noch ein UCI-Auto, dann neutrale Service-Wagen, dann neutrale Motorräder, dann wieder Polizeimotoräder… unglaublich, wie langgezogen die Spitze eines Profi-Rennens ist. Dann wieder längere Pause und wieder eine Reihe von Motorrädern, offiziellen Organisations-Autos und dann – man hört es schon am Johlen der Menge – die ersten Fahrer und sofort dahinter das Hauptfeld. Unglaublich – mit mindestens 50 Sachen sind sie im Nullkomma-Nichts vorbei. Dieses Jahr gibt es auch glücklicherweise keinen Sturz dort.

Greg van Avermaet, BMC Racing Team und Alexander Kristoff, Team Katusha Alpecin

Der diesjährige Gewinner von Paris-Roubaix. Er hat die Kopfsteinpflaster-Klassiker dieses Frühjahres wirklich dominiert: Greg van Avermaet, BMC Racing Team, im Wald von Arenberg. Gefolgt von Alexander Kristoff, Team Katusha Alpecin.

Und bei kaum einem Rennen gibt es so viele Kleingruppen und Einzelfahrer. Nach der ersten Gruppe gibt es noch lange was zu sehen…

MORKOV Michael, Team Katusha Alpecin

Michael MORKOV, Team Katusha Alpecin

DELKO MARSEILLE PROVENCE KTM Team Car im Wald von Arenberg

Eher selten: selbst im Wald von Arenberg staubtrocken. Delko Marseille Provence KTM Team Car, Trouée d’Arenberg.

Was bleibt?

Ein wiedermal toll sonniger Tag in der Gegend um Roubaix.

Ein sehr reizvoller Kurs, der mir von den Häuschen und Orten und Äckern und Rapsfeldern, an denen man vorbeikommt, noch mal ein gutes Stück mehr gefällt als die Ronde – also die Flandernrundfahrt. Gut, man kann beide Rennen nicht vergleichen, aber – das hätte ich vor meinem ersten Mal Paris-Roubaix nicht gedacht. Dazu mag ich Hügel und Anstiege zu sehr und finde Flach viel zu langweilig und öde. Aber die Kopfsteinpflaster-Sektoren lassen bei Paris-Roubaix gar keine Langeweile aufkommen. :)

Vor die Wahl gestellt, in einem Jahr nur die Flandernrundfahrt oder nur Paris-Roubaix zu fahren, würde ich wohl wieder Paris-Roubaix wählen.

Es bleibt auch die Erkenntnis, dass mit 4 bis 7 mm weniger Reifenbreite und mit 1,4 -1,7 Bar mehr Druck die Pavés nochmals brutaler sind und dass das mit ähnlich dünnem Lenkerband und mit den gleichen Handschuhen 2016 gar kein Problem war und ich dieses Mal an beiden Handflächen und -ballen je 1 offene und zwei noch kleinere geschlossene Blasen habe.

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Zarte Büro-Hände und nur kleine Weh-Wehchen. Kein Vergleich zu so manchen Fotos von maltraitierten Profihänden diverser Editionen.

Und die Tatsache dass ich fast schon Kopfschmerzen von dem Gerüttel bekommen habe. Die aber danach sofort wieder weg waren.

Und vor allem bleibt: Das unvergleichliche Erlebnis Paris-Roubaix. Wo für mich am direktesten (noch viel viel direkter als z.B. Lüttich-Bastogne-Lüttich und auch noch mal mehr als schon bei der unvergleichlichen Ronde van Vlaanderen) das Jedermann-Event am Samstag und jeder einzelne Meter dessen die Verbindung zur Historie und zum Mythos Paris-Roubaix erweckt! Und wo schließlich mit der Zielankunft im berühmten Velodrom von Roubaix eine tolle Atmosphäre in historischer Radsportumgebung erschaffen wird.

Wer mag, schaut sich noch die berühmten Duschen an, liest die Namen der vergangenen Sieger und erschafft sich in Verbindung mit dem Besuch des Profirennens am Sonntag ein grandioses Radsport-Wochenende.

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Sightseeing auf dem Weg vom Ziel zurück zum Hotel. Innenstadt von Tourcoing. Ein weiteres Foto für meine „Life behind bars“ Serie. :)

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Klassisches Schwarzweiss für klassischen Frühjahrsklassiker. Photo by Maindru photo.

Heiliges Pflaster – mein Radsportjahrrückblick 2016

Rad fahren

Whoa, das Jahr 2016 war so ein geniales Radsportjahr für mich – ich bin aber vor lauter Arbeit und vor lauter Radfahren kaum dazu gekommen, etwas davon in gebührendem Maße in Blogbeiträge zu fassen. Wo ich mich gerade wieder in einem Roadbike Magazin Artikel wiederfinde (siehe unten) ist glaube ich gute Gelegenheit, das zumindest Schlaglichtartig und mit jeweils einem Foto (oder zwei, drei) nachzuholen. Dabei gehe ich mal von hinten nach vorne in der Zeit zurück.

Wie gesagt, ich habe eigentlich kaum eines der vielen tollen Erlebnisse gebührend in Blog-Beiträge fassen können.

Den Gravelfondo im Schwarzwald, den ja (Hier geht es zum Beitrag). Ein Super-Herbstevent. Das war es aber fast schon.

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Cross bike porn in Landschaftsporn

Weder das sehr feine XXL-Wochenende in Lenzerheide in der Schweiz, wo ich diverse Bündner Pässe u.a. im Rahmen der Alpenchallenge Lenzerheide fahren und genießen konnte (und einmal in der Abfahrt vom Albula-Pass so dermaßen gewaschen wurde, wie ich es bis dato kaum hatte).

Passo dello Spluga„Passo dello Spluga“ auf flickr
Auf den letzten Metern des Splügenpass, kurz oberhalb des Lago die Montespluga. Hier noch auf der italienischen Seite habe ich bereits rund knapp über 1500 Höhenmeter von Chiavenna erklommen und noch rund 200 Höhenmeter vor mir. All das mit rund 29 km von der italienischen Südseite her. Wahrlich ein beeindruckender Pass.

Noch das wiedermal tolle Rad am Ring Event mit einer genialen Dreier-Staffel hart im Wettbewerb der 4er-Teams (warum einfach, wenn man sich zusätzliche Herausforderung schaffen kann / bzw. ein Kollege musste leider kurzfristig absagen).

Leading the Pack„Leading the Pack“ auf flickr
Beim 24h Rennrad Rennen Rad am Ring. Die Gruppe führend in der Ex-Mühle

Noch meinen schnellste Maratona dles Dolomites Teilnahme aller nun 5 Teilnahmen in Folge gleichzeitig zum 30sten Jubiläum der Maratona. Noch die unmittelbar davor liegende und von mir mit meiner Maratona-Woche verknüpfte „Schnupper-Teilnahme“ an der Tour Transalp, wo ich kurzentschlossen für Fabians verunglückten Teamgefährten eingesprungen bin und Fabian so die Teilnahme an der Transalp ermöglichte (und uns beiden so tolle Tage mir hartem Renneinsatz über bekannte und unbekannte Alpen- und Dolomitenpässe bescheren konnte).

Climbing Passo Sella„Climbing Passo Sella“ auf flickr
Noch am Morgen – Ich liebe das Sellajoch!

Tour TransAlp Team Wittgenstein„Tour TransAlp Team Wittgenstein“ auf flickr
Fabs und ich nahe der Passhöhe des Sellajoch auf der zweiten Etappe der Tour Transalp von Brixen nach St. Vigil

Und auch nicht meine erste Teilnahme an Paris-Roubaix, dass mir, dafür dass es ziemlich flach ist (die Kopfsteinplasterpassagen erwähne ich jetzt mal nicht sondern setze sie als gegeben vorraus ;-)) überraschend gut gefallen hat. Landschaftlich tatsächlich auch reizvoller vorkam als die Strecken der Flandernrundfahrt. Die ja nicht weit weg von Paris-Roubaix stattfindet.

Ride like a Flandrien„Ride like a Flandrien“ auf flickr
Nothing special going on in the Arenberg forest. ;-) Time for a selfie with my Ride like a Flandrien cap. #Capsnothats

Und überhaupt: die Flandernrundfahrt! Ich habe auch nicht mal was zur Ronde gepostet, obwohl es im letzten Jahr das Highlight und ein once in a life time Event war!

Anlässlich zur 100sten Ausgabe der Flandernrundfahrt von Visit Flanders eingeladen worden zu sein, um für 5 Tage Belgien als Radsport-Nation kennenlernen zu dürfen, mit Johan Musseuw höchstpersönlich die Helligen und Kasseien rund um Oudenaarde und Gerhardsbergen unter die Räder nehmen zu dürfen und am heiligen Sonntag Flanderns mit 100 Auserwählten die letzten 100 km der Ronde van Vlanderen fahren zu können.

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Frühstück vor dem Ronde Fan Ride und letztes Schwätzchen mit Johan Museeuw. Ein super zugänglicher Sportsmann mit vielen tollen Tipps und er beisst einem trotz des Ehrennamens „Der Löwe von Flandern“ keineswegs den Kopf ab. :) (Foto: Björn Hänssler, bopicture.de)

Zwischen dem Damen und dem Herren-Rennen und mit rund 1 Million Zuschauern entlang des Parcours! Das alles auf Leihrädern von Eddy Merckx, deren „Geburtsstätte“ wir auch besuchten und mit dem ich schließlich auch höchstpersönlich ein paar Worte wechseln konnte!

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Whoa, Eddy! Wer kann schon sagen, dass er mal mit Eddy Merckx im selben Raum gewesen ist. Geschweige denn, ihn erst über das neues Top-Modell seiner Marke und die Entwicklungen der Rennrad-Technik philosophieren zu hören, die eigens eingereichten Fragen beantwortet zu bekommen und dann sogar noch ein paar direkte Worte mit ihm gewechselt zu haben (Danke an Felix, ich hätte mich ja kaum getraut :)) (Foto: Björn Hänssler, bopicture.de)

Ganz und gar nicht zu vergessen, die vielen netten Leute und Radsportverrückten, die ich während diesen Aufenthaltes kennen lernen durfte.

Und auch nicht den coolen Mini-Roadtrip, der sich parallel dazu mit Felix Krakow von der Roadbike und Björn Hänsler als Fotograf abspielte und der mir zu etwas Radsport-Model-Erfahrung verhalf und der sich schlussendlich in zwei Storys im Roadbike-Magazin manifestierte.

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Heiliges Pflaster, nahezu im Wortsinn. In Belgien sowieso. Denn „Koers is Religie“ – Rennen ist Religion. Felix und ich auf der Kapelmuur in Geraardsbergen. (Foto: Björn Hänssler, bopicture.de)

Den ersten gab es im letzten Sommer anlässlich des Fanrides zum Flandernrundfahrt-Jubiläum und der zweite ist ein schöner Reiseartikel mit Thema Flandern. Frisch erschienen in der aktuellen Roadbike 03/2017.

Roadbike 03/2017 Artikel mit mir über Flandern:

Artikel „Heiliges Pflaster – Rennrad-Kurzurlaub in Flandern“, RoadBike Magazin 03/2017

Roadbike 03/2017 Artikel mit mir über Flandern:

Tolle Fotos von tollen Erlebnissen in Flandern. Und lohnenswerte Tipps für den Kurzaufenthalt: RoadBike-Magazin 03/2017

Und um mein Radsportjahr hinsichtlich der großen Events und Auslandsaufenthalte komplett darzustellen: Ich habe auch nur indirekt über meinen Mai-Urlaub gebloggt. Hier war ich, nachdem ich letztes Jahr in der nördlichen Toskana war, in die südliche Toskana nach Siena gefahren und habe dort unter anderem die weissen Straßen, die Strade Bianche, unter meine Räder genommen.

Towards Mucigliani„Towards Mucigliani“ auf flickr
Um die meisten kleinen und reizvollen alten Pfarreien, Dörfchen oder Castelli zu erreichen, muss man über die klassischen „Strade Bianche“ fahren, die unbefestigten, weissen Schotterstraßen der Toskana

Angereist bin ich über Südtirol, wo ich über das Wochenende in den Dolomiten gastierte, ein Pinarello Dogma F8 probe gefahren bin, Grand Tour Luft schnupperte und das Bergzeitfahren des Giro d’Italia von Kastelruth hoch zur Seiser Alm besucht habe.

Ja, es war ein geniales Radsportjahr 2016 :)