Up up up: Rapha Rising in one go! Mit Gedanken zu Rapha, Strava Challenges und Höhenmetern.

Rad fahren

Die Rapha Rising Challenge hat schon seit Jahren einen Platz in meinem Herzen.

Das ist eine sehr schöne Initiative und Motivation von Rapha. In Verbindung mit Strava.

Rapha, die Radsportbekleidungsmarke aus England, die ich bis dato wesentlich und schon langjährig mehr für ihre Fotostrecken und ihren Style sowie das sehr schön transportierte Gefühl mochte und mag als für ihre tatsächlichen Klamotten. Letztere ließen für mich immer schon eine große Lücke zwischen Anspruch und tatsächlichem Schnitt und Funktion (hier und hier). Das hat sich erst in jüngster Zeit geändert und von den aktuellsten Neuerscheinungen kann ich sagen: jawohl, das gefällt und passt mir. Habe jüngst ausführlich die Pro Team Aero Jerseys und die Pro Team Flyweight, Lightweight und Midweight Jerseys ausprobiert und mir ein Aero und ein Lightweight Jersey zugelegt. Genauso war ich jetzt von der Classic Bib Short in der neuen Version II sehr positiv überrascht. Die finde ich sehr gut – im Gegensatz zu den in meinen Augen richtig schlimmen Lightweight Bibshorts.

Strava, das motivierende Trainingsportal mit seinem damals innovativem Konzept der automatischen (und manuell, wenn gewünscht) Segmenterkennung und dem Führen von Ranglisten innerhalb dieser Segmente. Da macht auch heute Strava keiner was vor. 2009 wurde Strava gegründet. Heut zu Tage werden fast 10 Aktivitäten pro Sekunde auf Strava geteilt (2016).

Ich bin Strava-Mitglied seit 2010. Meine erste hochgeladene Aktivität stammt vom 09. Oktober 2010. Challenges, als weiteres Motivationselement, wurden meiner Meinung nach dann erst so 2012 eingeführt. Jedenfalls stammen meine ersten virtuellen „Pokale“ bzw. „Achievements“ aus diesem Jahr.

Was sind „Challenges“? Damals nur von Strava oder auch von ganz wenigen Dritten, allen ziemlich voraus, Rapha, initiierte Herausforderungen, innerhalb eines bestimmten Zeitraums eine bestimmte Kilometerzahl zurück zu legen. Oder eine bestimmte Höhenmetersumme zu akkumulieren. Oder an einem ganz bestimmten Tag auf das Rad zu steigen und x Stunden oder x Kilometer zu fahren.

Während solche Herausforderungen damals eher selten und noch etwas besonderes waren, sind sie just auch in diesem Jahr in meinen Augen fast schon inflationär. Man klickt sie an und nimmt sie quasi „im Vorbeigehen“ mit. Fahren tut man eh und eine „Herausforderung“ in einer Woche 4 Stunden auf dem Rad zu sitzen… nun ja, ich vermute mal, der durchschnittlich ambitionierte Radsportler verliert da keinen einzigen Gedanken drüber. Meist geht es heute dann auch darum, durch die Teilnahme in eine Verlosung hinein zu kommen. Ist ja auch schön.

Damals aber (jaja, Opa erzählt jetzt wieder vom Krieg… ;-)), da hat man noch seine Trainingswochen etc. nach den Challenges geplant. Und einfach nur Kilometer abreissen, dass konnte ja jeder und die Leute im Flachland sowieso viel zu einfach. Unsereins im Mittelgebirge musste dabei sowieso immer ordentlich Höhenmeter mit abspulen.

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Im Land der tausend Hügel. Panoramablick im Sauerland nahe Schmallenberg, Holthausen.

Deswegen waren mir die Höhenmeter-Challenges immer am liebsten. Sie waren (und sind auch heute noch) etwas besonderes und seltener. Für sie musste und muss man sich richtig ins Zeug legen und die Strecken auch entsprechend planen.

Und angefangen damit hat Rapha mit seiner Rapha Rising Challenge. Die erste gab es 2011. Die war glaube ich – ich bin nicht ganz sicher – noch außerhalb von Strava.

Aber seit 2012 habe ich jede Rapha Rising Challenge mitgemacht.

Meine virtuelle #RaphaRising Roundel Collection.

Meine virtuelle #RaphaRising Roundel Collection.

Das besonders schöne: Rapha lässt es sich nicht nehmen, jedem erfolgreichen Teilnehmer auch einen echten Stoff-Aufnäher im selben Design wie das virtuelle Herausforderungslogo zukommen zu lassen.

Interessanterweise wurde die 2015er Rapha Rising außerhalb von Strava durchgeführt. Man musste sich auf der Rapha Webseite direkt registrieren. Beleg für die Komplettierung war einfach nur auf Vertrauensbasis. 2016 gab es leider gar keine Rapha Rising Challenge. Dafür jetzt dieses Jahr wieder. Und zwar auch wieder auf Strava.

Hier ging und geht es nie einfach nur um das schnöde Klettern einer beliebigen Zahl und mit einem Monat Zeit. Hier wurde und wird immer eine passende Begebenheit, die Summe einer oder mehrerer ikonischer Bergetappen oder ein Jubiläum von Rapha aufgegriffen und als Herausforderung in einer Woche, 9 oder 14 Tagen zu komplettieren, gestellt.

Dieses Jahr ist (die aktuell noch laufende) Challenge eher von der nicht so herausfordernden Sorte, muss ich leider feststellen. Es gilt die vergleichsweise harmlose Höhe von nur 4600 m in der sehr auskömmlichen Zeitspanne vom 1. Juli 2017 — 23. Juli 2017 zu erklettern. Dafür gibt es ein Zusatz-Zückerli: Wer die Herausforderung in einem Tag meistert, kommt zusätzlich in die Verlosung einer tollen Reisemöglichkeit. Einen Cent Cols Challenge Trip mit Rapha Travel.

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Rapha Rising 2017 — 4600 m completed

Nun, wenn das nicht Motivation genug war, dann war es die Tatsache, dass so eine Fahrt ganz hervorragend in mein Training für das Transcontinental Race passte.

4600 Höhenmeter an einem Tag ist jetzt nichts besonderes, wenn man innerhalb des Challengezeitraums den passenden Alpenmarathon bestreitet. Bei der so von mir geliebten Maratona dles Dolomites würde es aber schon nicht reichen. Dort sammelt man über die 8 Pässe der langen Strecke „nur“ 4190 Höhenmeter. Allerdings auch über „nur“ 138 km.

Im Mittelgebirge sieht das schon anders aus. Da ist schon die Tourenplanung eine Herausforderung und ein Spaß für sich. Welchen Bergfaktor kann ich für eine sinnvolle Tour erreichen, ohne jetzt auf extra Gimmicks auszuweichen, wie einfach immer nur den selben Anstieg hoch und runter zu fahren?

Hier könnt ihr euch die Tour von GPSies.de herunterladen, die ich für letzten Samstag geplant hatte und abgefahren bin. Sie führt durch das wunderschöne Wittgensteiner Land und kettet dort eine Vielzahl von schon für sich alleine herausfordernden Anstiegen aneinander. Über Winterberg führt sie dann kurz nach der Halbzeit auf den Kahlen Asten. Nordrhein-Westfahlens höchsten auf Asphalt zu erreichenden Berg. Der zwei Meter höhere Langenberg ist unweit von dort, aber nicht auf der Route.

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Auf dem Kahlen Asten, mit 841 m ü. NN der (zweit)höchste Berg Nordrhein-Westfalens.

Sowohl in Winterberg (da mit immenser Auswahl) als auch direkt auf dem Kahlen Asten im Astenturm ist Einkehr möglich. Mein Tipp ist aber die Nordhang-Jause direkt am Fuß des kurzen Abzweigs hoch zum Astenturm. Schnelle und sympathische Bedienung, leckerer Kaffee und Kuchen und unkompliziertes Abstellen des Rades samt Nachfüll-Gelegenheit der Bidons.

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Yours Truly am Aufgang zum Asten-Turm. Ausguck, Station des Deutschen Wetterdienstes und Einkehrmöglichkeit eines Bistro. „Stilecht“ mit dem ersten von mir gut empfundenen Rapha-Trikot und der allerersten Fahrt damit.

Hier sind wir schon im Sauerland (wenn auch noch quasi in Rufweite des Altkreises Wittgenstein :)). Vom Kahlen Asten geht es hinab des oberen Lennetals und dann auch wieder durch ein Seitental hinauf nach Altastenberg um von dort eine Schleife Richtung Norden und dann zurück nach Süden durch das Sauerland zu ziehen. Über den Anstieg über Jagdhaus geht es dann wieder zurück in das Wittgensteiner Land.

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Gutes Wetter (trocken, heiter bis wolkig), schönes Licht und feine kleine Sträßchen. Meine Route durch das Rothaargebirge.

Nun liegt es in der Natur der Sache, dass geplante Höhenmeter nicht wirklich tatsächliche Höhenmeter sind. Wer dazu ausführliche Hintergründe erfahren möchte, möge sich diesen Artikel ansehen. Je nach zugrunde liegendem Geländemodell ergeben dann auch die unterschiedlichen Routenplaner unterschiedliche Ergebnisse. So war meine ursprünglich in Strava geplante Tour 205 km lang und weist dort 5000 Höhenmeter auf. Das hatte ich schon mit entsprechendem Puffer geplant, denn ich wusste ja, dass Strava, bzw. Geländemodelle, hier eher deutlich übertreiben. Also mehr Höhenmeter ausgeben, als man nach korrekter Bestimmung eigentlich wirklich klettert. Deswegen auch, liebe Leute, niemals ohne Not die „Höhenmeterkorrektur“ auf Strava oder auf eurem Garmin-Portal benutzen. Die „korrigiert“ die Höhenmeter nämlich nicht, sondern bläst sie meistens nur künstlich auf. Es gibt aber auch Gegenden, wo der Unterschied nicht so krass ausfällt. Mehr darüber, warum das so ist, erfahrt ihr im oben verlinkten Beitrag.

Diese Korrektur ist nur dann sinnvoll, wenn der eigene barometrische Höhenmesser in dem Radcomputer, den ihr hoffentlich habt (beim Smartphone ist Hopfen und Malz verloren ;-)), fehlerhafte Daten aufgezeichnet hat. Weil entweder ein richtig extremer Wettersturz mit einhergehender Luftdruckschwankung in eurer Fahrt auftrat oder weil strömender Regen die Messöffnung bzw. die Messung beeinträchtigt hat. Ein Phänomen, gegen dass mein Garmin Edge 1000 im Gegensatz zu anderen Edges und auch meinen Wahoo Elemnt erstaunlich widerstandsfähig, ja geradezu immun war. Dem hat selbst stärkster Regen auch im barometrischen Höhenprofil nie etwas ausgemacht.

Nun, zurück zur geplanten Strecke: In Strava werden für  diese 5000 Höhenmeter ausgegeben, GPSies ermittelt nach Import derselben Strecke für die 205 km knapp 4600 Höhenmeter – wäre also Punktlandung für die Rapha Rising Challenge. Tatsächlich war ich am Ende des letzten Anstieges in Schameder bei rund 4125 Höhenmeter. Das reichte also noch nicht!

Nun – es war schon Abend, 205 km und 4125 Höhenmeter waren schon in den Beinen. Still going strong, aber ich wusste schon, was ich getan hatte. Stetes auf und ab im Mittelgebirge kann beizeiten deutlich anstrengender als in den Alpen sein. Und auch langsamer. Die Gradienten sind meist steiler und die Abfahrten auf den kleinen Sträßchen verwinkelter als so mancher Pass. Man braucht also auch länger. Deswegen fuhr ich dann kurzerhand noch über Leimstruth hinab nach Amtshausen um von dort dann Richtung Dille zu fahren. Diesen Anstieg habe ich dann einfach 2 mal ganz und 1 mal etwas mehr als halb gefahren, damit ich am Schluss auf meine „echten“ 4600 Höhenmeter kam:

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4625 Höhenmeter bei einsetzender Dämmerung. Rapha Rising komplett.

Insgesamt wurden es so 225 km mit einem Nettoschnitt von 22,5 km/h über die reine Fahrtzeit in Bewegung von 10 Stunden.

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Wittgensteinisch-Sauerländisches Kletterfest: Rapharising in one go

Hier der Link zu meiner Aktivität auf Strava und hier nochmal der Link zum Herunterladen der geplanten Strecke auf GPSsies.

Dialled… oder: 303 km Solofahrt und finale Test-Bestätigungen für das Transcontinental Race

Rad fahren

Dialled….

Also eingestellt und als passend und arbeitsfähig empfunden. Alles. Naja, fast alles. Für das Transcontinental Race.

Letzten Samstag konnte ich auf einer 300 km Ausfahrt sehr viele verbliebene Checkboxen abhaken. Dinge, an denen ich schon recht lange gearbeitet habe.

Das geht los bei den Bestandteilen des Fahrrades, geht weiter über die Ausrüstung, über das Pacing und den körperlichen Leistungsstand und über die Navigation bis hin zur Ernährung und zur Zeiteinteilung.

Ihr erfahrt im Verlaufe des Artikels etwas über Effizienz auf dem Rad. Darüber, welche Pausen ich wo warum gemacht habe und welche Überlegungen und Bedürfnisse dahinter standen. Und ihr erfahrt, was ich wo gegessen habe und ob das ausgereicht hat. Und noch mehr.

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Yours Truly an der Hainmühle nahe Marburg und Kirchain

Natürlich bleibt noch einiges Offen und ich bin mir dessen bewusst, dass ich jetzt noch keine Ahnung haben kann, wie mich dieses enorme Unterfangen verändern wird bzw. welche Horizonte sich mir eröffnen werden. Welche Erfahrungen ich machen werde und ob ich es überhaupt bis ins Ziel nach Meteora aus eigener Kraft schaffen werde.

Und meine Planung wird erst ganz zum Schluss zum Start in Geraardsbergen am 28.07.2017 abgeschlossen sein. Vorher wird auch noch mindestens eine Version des Race Manual veröffentlich werden müssen, welches Details zu den Parcours vor den 4 Control Points beinhalten muss und den Check Point 3 in der hohen Tatra überhaupt erst genau bekannt geben muss. Hier ist durch den tragischen Verlust von Mike Hall natürlich jegliches Verständnis vorhanden, dass sich solche Dinge hinziehen und dass dort im Moment mit Hochdruck daran gearbeitet wird. Umso dankbarer und mit einem um so gesteigert erfahrenen „Verantwortungsgefühl“ gegenüber den Veranstaltern und den Prinzipien des Rennens empfinde ich momentan meine Vorbereitung.

Und das, was ich vorbereiten und planen kann, dass ist weitgehend abgeschlossen.

Was habe ich letzten Samstag gemacht und getestet?

Distanz:

Runde 4000 km gilt es innerhalb 15 Tagen zurück zu legen. Aus meiner ersten Routenplanung und exakter Arithmetik kommt dann heraus, dass ich rein rechnerisch 254 km pro Tag zurücklegen muss, um rechtzeitig zur Finisher-Party in Meteora anzukommen.

Rein rechnerisch. Ohne Tage, wo gar nichts zusammenläuft. Ohne Tage, wo man nur Gegenwind hat oder Pannen auftreten oder unvorhergesehene Sperrungen etc. zu Umwegen zwingen oder Irrwegen führen.

260 bis 300 km sollte also ein durchschnittlicher Tag zum Ergebnis haben. Und zwar nicht nur, wenn es flach mit Rückenwind dahin rollt.

Das ich 100 bis 130 km Tag für Tag im Grundlagenbereich abspulen kann, auch wenn es über Alpenpässe geht, das weiss ich. Ich habe auch schon mal Alpenmarathons im Renntempo über 200 km gefahren und bin auch am nächsten Tag wieder los (da konnte ich dann zwar kaum einen Hering vom Teller ziehen, aber das besserte sich dann im Laufe des Tages).

Aber über 250 km wurde die Luft dann dünn. Deswegen habe ich dieses Frühjahr einige Events eingeschoben, die für mich da ein sehr sinnvolles Training ergaben. Und zwar bin ich da tatsächlich aus dem Trainingsplan und Trainingssteuerungs-Aspekt herangegangen. Und nicht nach dem, was vielleicht sonst aus der „klassischen Randonneurssicht“ (wenn es überhaupt eine solche gibt) eher in den Sinn kommt.

Ich bin also keine Brevet-Serie gefahren, die klassischerweise im zeitigen Frühjahr mit 200 km Brevets anfängt und sich dann über 300 und 400 km auf 600 km heraufarbeitet.

Sondern ich habe gewissenhaft meinen Trainingsplan verfolgt, mit der zweigleisigen (und leicht sich gegenseitig konterkarierenden) Zielsetzung, meine Schwellenleistung zu erhöhen (immer gut) und meine Effizienz im Grundlagenbereich zu steigern (auch immer gut).

Eine höhere Schwellenleistung macht zum einen einfach Spaß und zum zweiten hebt sie damit auch automatisch meine Leistungsfähigkeit im Dauerleistungsbereich. Ob ich in Zone 2 bzw. GA1 (beide Bezeichnungen meinen im Grunde das gleiche) nur 180 Watt oder 210 Watt den ganzen Tag treten kann, macht einen Riesen-Unterschied. Und ob ich dabei trotzdem schon einen hohen Anteil Kohlehydrate verbrauche oder noch weitestgehend Fette zur Energiebereitstellung heranziehe (Ziel hier – eine eher niedrige VLa max zu haben), ebenfalls. Letzteres Ziel habe ich durch viele Trainingseinheiten mit niedrigen Kohlehydratspeichern und ohne Mahlzeiten bzw. Mahlzeiten ohne Kohlehydrate vor der Einheit verfolgt. Ich habe durchaus das Empfinden, dass mir dies geholfen hat.

Innerhalb dieses Trainingsplanes habe ich dann gezielt Wochen und Ereignisse eingebaut (manches hat sich auch kurzfristig ergeben – passte aber genau in mein Konzept, wie das Pfingstwochenende in Bimbach) wo ich Belastungsschwerpunkte gesetzt habe. Und zwar anders, wie man sie in einem Brevet, aber auch anders, wie man sie in einem Test-Ultradistanz-Rennen setzen würde. So war die Trainingswoche auf Mallorca eine gezielte Belastungswoche, die auch sehr intensive Einheiten aufwies. Auch sehr intensiv in Verbindung mit Lang – in der Woche u.a. ein 212 km Ritt über den Küstenklassiker. Und dann mit einem Kracher endete: dem sehr geilen Mallorca312-GranFondo. Extrem lang und in vielen Teilen sehr intensiv gefahren. Und am Vortag hatte ich mich extra auch nicht geschont.

Diese 312 km waren mit Abstand meine bis Dato an einem Tag zurückgelegte Distanz auf dem Rad.

Pfingsten kam dann die nächste Stufe. Zwar nicht 312 km an einem, aber 160 km am ersten und 260 km am zweiten Tag – insgesamt also 420 km in zwei Tagen. Und das mit voller Transcontinental-Taschenkonfiguration und fast vollständig beladen.

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„Kostümprobe“ – Samstag nachmittag nach der 158er RTF vor dem Bürgerhaus in Bimbach

So habe ich in diesem Jahr bis zum jetzigen Zeitpunkt insgesamt 7.460 km per Rad (Rollentrainer und draußen) zurückgelegt. Dabei waren es dieses Jahr bis jetzt 3 Ausfahrten über 200 km, eine Ausfahrt über 250 km und 2 Ausfahrten über 300 km. Die eine davon: letzten Samstag.

Alleine Fahren ist für mich kein Problem, dass bin ich gewohnt und mag es sehr. Genauso, wie es beizeiten toll ist, mit Freunden oder in größerer Gruppe bzw. auf großen Events zu fahren. Da liebe ich die Vielfalt. Ich brauche mir aber durch das viele alleine Fahren keine Sorgen machen, dass ich ohne Windschatten oder moralische Gruppenunterstützung nicht voran komme. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass dies für manchen, der längere Sachen eigentlich nur „geschützt“ in der Gruppe fährt, auch eine Sorge sein könnte.

Ich wollte aber für mich wenigstens noch einmal die 300 „vor dem Komma“ stehen haben – und das auch ganz alleine in meinem Wohlfühltempo. Und im (fast) fertigen Setup. Und im gewohnt hügeligen Umfeld mit einem Bergfaktor von in etwa 10. Das bedeutet, dass auf 100 km gute 1000 Höhenmeter zusammenkommen. Anders gesagt: auf 1 km 10 Höhenmeter. Das ist der Bergfaktor.

Bergfaktor 10 ist für meine Mittelgebirgsregionen normaler Standard. Meist ist er ein wenig höher, so 11 bis 13. Wenn ich richtig klettern möchte, kann ich ihn problemlos auf 20 oder im Extrem auf 30 hochtreiben.

Bergfaktor 10 ist auch genau der Wert, den ich für meine Gesamtroute von Belgien nach Griechenland ermittelt habe. Natürlich wird es da bergigere und flachere Tagesabschnitte geben. Aber diese Höhenmeter – auf meine 300 km also echte 3000 Höhenmeter – die haben mir also einen guten Test geliefert. Sowohl was die Beanspruchung, den Energieeinsatz als auch benötigte Zeit angeht.

Ich kann vorab sagen: Ich bin mit einer zufriedenstellenden Reisegeschwindigkeit und ohne Weh-Wehchen oder sich ankündigende Probleme wieder daheim angekommen. Wieder daheim angekommen, habe ich mich nicht über die Maßen erschöpft gefühlt und musste mich vom Rad schälen, sondern es hätte auch eine 100 km Runde sein können, die gerade zu Ende gegangen ist.

Ich kann vorab sagen: Ich bin mit einer zufriedenstellenden Reisegeschwindigkeit und ohne Weh-Wehchen oder sich ankündigende Probleme wieder daheim angekommen. Wieder daheim angekommen, habe ich mich nicht über die Maßen erschöpft gefühlt und musste mich vom Rad schälen, sondern es hätte auch eine 100 km Runde sein können, die gerade zu Ende gegangen ist.

Hört sich jetzt erst mal Super an. Finde ich auch Super. Und damit könnte der Artikel auch schon enden. ;-)
Aber zum einen muss ich das tatsächlich ja etwa 14 Tage hintereinander machen – oha! Und zum zweiten habe ich ja noch mehr herausgefunden und getestet.

Pausenzeiten / Zeitbedarf:

Und hier fängt es schon an. Gesamtzeitbedarf:

Mit 26,8 km/h Durschschnittsgeschwindigkeit bin ich sehr zufrieden. Viel mehr kann ich mir bei solchen Tagen mit doch vergleichsweise vielen Höhenmetern nicht erwarten. Über die 303 km waren das in Bewegung 11 Stunden und 20 Minuten.

Über alles, also Brutto waren es aber knappe 14 Stunden (13 Stunden und 52 Minuten). Auch nicht so furchtbar schlecht über einen kompletten Tag. Aber da gibt es jetzt zwei Dinge. A) der gesamte Tag und B) die Effizienz (es ist ja schließlich ein Rennen…)

A) der gesamte Tag. 14 Stunden auf dem Rad (mehr oder weniger). D.h. da sind noch 10 Stunden über bei vollen 24 Stunden. 10 Stunden Schlaf… Nein – natürlich nicht… Das Frühstück war schon in meinen 14 Stunden enthalten (auf der Strecke Einkehr). Aber eine große Recovery-Mahlzeit pro Tag muss noch hinzukommen. Dann braucht man Zeit für Körperpflege (und wenn es nur der Hintern ist, das muss sein… sonst auch Dusche bei Gelegenheit), Ausrüstungspflege (Kleidung, alle zwei Tage oder so bei Hotelaufenthalten mal waschen. Auch nach dem Rad muss mal gesehen werden, hoffentlich aber selten wegen tatsächlichem Handlungsbedarf, kann aber auch sein) und dann eine erholsame Nachtruhe. Ich werde nicht um die vordersten Plätze kämpfen können und alle Nächte durchfahren). Wie man sieht… mit 10 Stunden wird’s dann fast schon knapp – je nach Dingen die anstehen.

Naja – hier werde ich sehen, wie sich meine Tage entwickeln…

B) die Effizienz auf dem Rad. Von der Theorie wäre es natürlich am Besten, niemals mit dem Pedalieren aufzuhören. Morgens losfahren, für den Tag alles am Rad haben (Verpflegung / Wasser – Wasser wird schon schwierig), nie anhalten. Weder für körperliche Entleerungsbedürfnisse noch für Nahrungsbeschaffung oder das Auspacken von Nahrung. Das geht natürlich nicht.

Am anderen Ende des Spektrums steht aber dann: für jede Kleinigkeit anhalten. Hier für eine Pinkelpause. Ein Kilometer weiter, um einen Riegel auszupacken. Dann kurz, um sich Klarheit über die Route zu verschaffen, dann um Wasser auf zufüllen. Wieder etwas später, weil man noch etwas einkaufen muss. Danach dann, weil man sich unbedingt mal die Beine vertreten muss und wieder etwas weiter, weil schon 3 Stunden was in der Tasche rüttelt und man es endlich ruhig stellen will usw. und so fort.

Meine Schwäche hier sind auf jeden Fall Foto-Stopps. Und Kaffee-Stopps… Nun. Manches muss einfach sein. Es soll der Spaß und das Erleben ja nicht auf der Strecke bleiben. ;-)

Dennoch, wie stand es um meine Effizienz am Samstag?

Ich habe bei 11,3 h in Bewegung zusätzliche 2,5 h Pausen benötigt. Davon kann ich 13 Stopps identifizieren. Das macht rein rechnerisch knappe 12 Minuten pro Stopp.

Meine Aufenthalte im Einzelnen (Jeweils Pausenzeit in Minuten und Pauseninhalt):

  1. 29 Min: Frühstück in Biedenkopf. Eigentlich zu lang (der Service war zu umständlich / hatte ich so nicht erwartet, Kaffee viel zu groß, Twitter und Mail gecheckt + Instagram samt Foto Posting)
  2. 6 Min: Lange vor Bahnschranke auf Radweg verbracht, 2 Züge. Ok, Shit happens.
  3. 9 Min: Fotos bei der Hainmühle gemacht – wat mutt, dat mutt
  4. 3 Min: Pinkeln + Apfelschorle Flasche öffnen u. in Foodpouch packen + Brötchen aus Foodpouch, auswickeln und dann essend weiter (Effizienz at work, 3 Dinge für einen Halt aufgespart und abgearbeitet – so muss das. :))
  5. 5 Min: Fotos in Fulda (Ah jo… ;-))
  6. 8 Min: Eis kaufen in Fulda und beim Spazieren essen – hätte ich eigentlich länger erwartet, fand es aber gut für die Erholung und einen lockeren Tag. Eigentlich 8 gut angelegte Minuten.
  7. 2 Min: Fotos Windräder machen
  8. 3 Min: Pinkeln und Gel zu mir nehmen (Raus und rein – immerhin zwei Dinge auf einmal)
  9. 27 Min: Tanke in Grünberg, ausführliche Pause: Getränke nachfassen, Brötchen essen, Twitter und WhatsApp checken (abgesehen vom Frühstück die erste große Pause des Tages. Hab’ mich lange drauf gefreut. Geht aber auch kürzer. Durchaus aber auch länger, würde ich in einen Supermarkt einfallen…)
  10. 8 Min: Fotos am Lahnsteg bei Gießen (Landmark)
  11. 11 Min: Aral-Tanke hinter Gießen: eigentlich nur kurze Zeit nach vorheriger Pause, aber Bock auf Cappu und Kuchen, sollte letzte Pause vor Endspurt (75 km) werden (Debattierbar – eigentlich unnötig und reiner Luxus / Schwäche. Der Cappu tat aber sehr gut!)
  12. 4,5 Min: Vor Breidenbach: Routen-Option für letzte 30 km checken, Licht montieren (Lenker) bzw. anschalten (Hinten) und feststellen, dass das Rücklicht nicht funktioniert
  13. 18 Min: Aral-Tanke in Bad Laasphe: Batterien für Rücklicht kaufen, Dose Cola, 2 Donuts (Teil 1 technisch motiviert, Teil 2 Luxus / Sicherheit. D.h. wenn schon mal Stopp, dann auch Trinken und Essen).

Schwupps: alles nicht lang, aber 134 Minuten Pausen. Es verbleibt ein Delta von knappen 20 Minuten für weitere kurze Stopps (hier mal ein Riegel auswickeln, da mal an einer Ampel stehen).

Wenn man sich darüber mal bewusst wird, kann man daran arbeiten. :)

Verpflegung:

Wo ich doch gerade bei den Pausen war, die natürlich überwiegend der Versorgung dienen – wie war es um den Energieverbrauch und die Energiezufuhr bestellt?

Einer der Vorteile, eine Leistungsmessung am Rad zu haben, ist, exakt die aufgewendete Arbeit und die verbrauchte Energie zu kennen. Das waren am Samstag für die 303 km und 3000 Höhenmeter 6441 kJoule.

Wenn man den mittleren Wirkungsgrad eines Menschen / Radsportlers mit rund 25 % ansetzt (gute Daumenregel, genauer wird’s nicht), dann heisst das, dass dieser Wert mit 4 multipliziert werden muss. Um also diese 6441 kJoule Energie zur Fortbewegung aufzubringen, musste ich 4 mal so viel Energie aufnehmen. Also 25.764 kJoule.

Dazu kommt natürlich noch der Grundumsatz, den ich auch in gebraucht hätte, wäre ich den ganzen Tag auf dem Sofa gesessen. Und der Grundumsatz in Ruhe nach dem Rad fahren. Bleiben wir aber bei der reinen Energie für die 303 km.

Was habe ich wo gegessen und wieviel Energie steckte darinnen (Kalorientabellen-Webseiten sei Dank)?

Was und wo KiloJoule
Frühstück in Biedenkopf
– 1 großer Kaffee 193,4
– 1 Körnerbrötchen mit Käse und Remoulade 1619
– 1 Buttercroissant 1115
– 1 Snickers Weisse Schokolade 1007
– 1 Körnerbrötchen mit dick Käse und Kochschinken und Remoulade 1847
– 1 Apfelschorle 0,5 l 600
Fulda
– 1 Eis in der Waffel, 2 Kugeln (Malaga und Milchschnitte) 1392
– 1 Portionstütchen Studentenfutter (Trader Joe’s Nuss-Frucht-Mix) 845,6
– 1 Nutrixxion Riegel Peanut & Chocolate 880
– 1 Powerbar Gel (Black Currant) 454
Jet-Tanke Grünberg
– 1 Cola 0,5 l 880
– 1 Förstina ISO-Sprudel 0,5 l 440
– 1 Körnerbrötchen mit Salami und Gurken 1257
Araltanke hinter Gießen
– 1 Cappuccino 153,8
– 1 Schokocreme-Croissant 1384
– 1 halber trockener, bröckeliger Haferriegel mit Schoko-Fettglasur 600
Bad Laaspe, Araltanke
– 1 Cola 0,33 l Dose 580,8
– 2 Donuts 1900
Gesamt 17148,6

Zu Hause angekommen, gab es dann:

1 (nicht sehr großer) Teller Spaghetti Bolgonese 2200
1 Cola 0,33 l 580,8

Macht in Summe: 19.929 kJoule Zufuhr über den gesamten Tag.

Demgegenüber steht (wie gesagt, noch ohne Grundumsatz, nur von der Radfahrt) ein Verbrauch von 25.764 kJoule.

Also eigentlich Unterdeckung. Nun ist das so eine Sache mit dem Kalorienzählen. Hat ein Hörnchen 60, 70 oder 80 Gramm? Hat ein Körnerbrötchen vom Bäcker 50 oder 80 Gramm? Waren da 55 oder 120 Gramm Käse drauf? Das ist also – bis auf die Getränke und die abgepackten Sachen nicht so furchtbar exakt. Es wird aber tatsächlich so sein, dass ich weniger zu mir genommen habe, als ich verbraucht habe. In den Muskeln und in der Leber ist ja auch jede Menge Energie, verfügbar als Glykogen gespeichert. Und bei den moderaten Intensitäten werde ich auch ordentlich Fettverbrennung betrieben haben. Nichtsdestotrotz – ich hätte schon gern ein oder zwei Gels mehr anstelle einem komischen Haferriegel dabei gehabt. Den musste ich mir reinwürgen. Ein Gel wäre besser gegangen. Oder ein süßer Donut. :) Für die Energiedeckung von Folgetagen muss es also noch ein bisschen mehr Zufuhr sein – da sehe ich aber keine Probleme.

Insgesamt war ich auch immer gut versorgt – es gab zu keiner Zeit Phasen wo ich merkte, dass der Druck auf dem Pedal nachliess, weil ich nicht genug „Dampf auf dem Kessel“ hatte.

Auflieger / Aerobars:

Was im Englischen mit Aerobars bezeichnet wird, nennen wir im Deutschen Auflieger oder Lenker-Aufsätze oder auch Zeitfahraufsätze. Das sind Aufsätze auf entweder kompletten Zeitfahr-Lenkern oder für normale Rennlenker, die aus nach vorne weisenden Griffstangen (Extensions) und aus Auflage-Kissen bzw. Schalen für den Ellenbogen bzw. den Unterarm bestehen (Armpads). Es gibt sie in vielen verschiedenen Konfigurationen. Sind sie sinnvoll für ein Ultracycling-Event? Sind sie sinnvoll für mich? Und wie gewöhne ich mich an sie, und worauf muss ich überhaupt achten?

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Profile Design T1+ Aerobars in the final setup. Means – I’m satisfied with the lateral width, height above handlebar and pad orientation and position behind the handlebar. Changed the original T1+ ski bend extensions for 3T extensions. And cut off around 3 cm from the back end (knee clearance).

Das sind Fragen, die sich wohl jeder Beginner im Ultracycling- bzw. Bikepacking-Sektor stellt. Und die ich mir gestellt habe. Deswegen habe ich schon im Winter begonnen, mit verschiedenen Modellen erste Erfahrungen zu sammeln.

Einen sehr ausführlichen Beitrag über meine Erkenntnisse und Konfigurations-Empfehlungen habe ich (allerdings in Englisch) Mitte Juni veröffentlicht.

Wie ihr dort lesen könnt, habe ich mich für die Profile Design T1+ Aerobars mit 3T-Extensions entschieden und diese 30 mm oberhalb des Rennlenkers montiert. Ich würde nicht empfehlen, heute solche Auflieger zu montieren und sich morgen schon in eine epische Tour zu stürzen. Selbst 50 km mit überwiegendem Anteil in den Aufliegern könnten ernsthafte Probleme an Muskeln oder Sehnen und Gelenken verursachen, wenn man diese Position so gar nicht gewohnt ist. Man sollte sich langsam herantasten. Das benötigt seine Zeit.

Nach vielen kürzeren und auch mal wenigen etwas längeren (bis 100 km) Testfahrten war es für mich dann letzte Woche soweit, dass ich mit Zuversicht auf eine 300 km Runde und hohem Auflieger-Positions-Anteil gehen konnte. Ich war sehr gespannt, wie die Resultate sein würden.

Nach diesen 300 Kilometern kann ich feststellen – jawohl, die Auflieger helfen mir tatsächlich und sie scheinen zu keinen Problemen zu führen. Ich kann sehr effizient damit fahren und in der Ebene bzw. leichten positiven oder negativen Gradienten richtig Tempo machen und auch meine normalen Wattwerte treten und abrufen und gleichzeitig bieten sie eine willkommene Abwechslung in den Fahr- und damit auch Hand-Positionen. Haken dran.

Sattel:

Auch die Sattelfrage war noch offen und für mich „missionskritisch“. Schon nach den ersten 100 km unwohl fühlen, nach 200 km regelrechte Schmerzen haben und am Tag zwei oder drei dann mit erheblichen Taubheitsgefühlen kämpfen müssen oder schon wunde Stellen ohne Chance auf Abheilen zu haben…? Eine der schlimmsten Dinge, die ein Fortkommen wenn schon nicht verhindern, dann aber nur unter Schmerzen und ineffizient gestalten. Die Fahrt würde nicht nur zur Tortur, sondern diese Tortur auch noch verlängert, weil man nicht so schnell vorankommt.

Wenn es nur irgendwie geht, sollte die generelle Form und Art des Sattels (sowie der obendraufsitzenden Hose samt Polster) mit dem Hintern und den jeweiligen Sitzpositionen konform gehen. Wie das dann nach mehreren Tagen im Sattel allein durch die Dauerbelastung aussieht, ist ja noch einmal eine andere Frage. Aber wenn es vorher schon nicht passt, dann sind schwere Probleme vorprogrammiert.

Natürlich habe ich schon diverse Sattelmarken und Sattelformen „durch“, wie man so schön sagt. Da ich schon ein paar Jahre intensiv Rad fahre, bin ich für mich mittlerweile bei einem vorzüglichen Sattel gelandet. Es ist der Tune KommVor. Ein Hauch von Nichts obendrein. Eine sehr leichte Carbonschale, von dem uneingeweihte Menschen erstaunt sagen „Wie kann man bloss auf so einem harten Sattel sitzen!?“

Aber die Form passt super und die Carbonschale bietet die Möglichkeit, auch noch entsprechend zu flexen. Seit ich diesen Sattel kenne und fahre, sind auch Touren größer 150 km für mich keinerlei Problem. Mit anderen Sätteln hatte ich schon deutlich früher Probleme, musste häufiger den Druck vom Sattel nehmen (Wiegetritt, in Abfahrten auch aufstehen etc.).

Der Tune KommVor hat aber dennoch drei Nachteile für mich für ein ausführliches Selbstversorger-Bikepacking-Event:

Zum einen ist er von der Schale her zu Fragil. Einmal das Rad umgefallen und auf der Sattelkante gelandet – Bruch. In der Tat hatte ich das schon einmal. Es gab zwar ein Crash-Replacement-Rabatt für den Ersatzkauf, das hilft mir nachts um Drei in der Hohen Tatra aber auch nicht weiter.

Zum zweiten ist es ein sehr leichter Sattel mit Carbon-Sattelstreben. Diesen möchte ich auf Dauer und mehrere 100, geschweige denn 4000, Kilometer nicht zumuten, den Schlaufen einer 16 Liter fassenden Bikepacking-Satteltasche zu widerstehen. Ich hatte diesbezüglich auch mal eine Nachfrage an Tune gesendet, die hierfür auch keine Garantie abgeben konnten und wollten (verständlich für mich).

Zum Dritten ist es schon so, dass auch dieser Sattel dann zwar ok, aber auch nicht optimal für den Fall ist, wenn durch eine tiefe Aufliegerposition eine entsprechende andere Sitzposition, bzw. auch andere Drucksituationen in Richtung Sattelnase resultieren.

Vorrangig waren für mich aber Gründe 1 und 2. Was tun, also?

Quasi seit Februar, eigentlich schon seit letztem November suchte ich also nach Sätteln mit ähnlicher Form wie dem Tune KommVor, aber mit stabileren Sattelschalen herkömmlicher Bauart und mit Aluminium-, Stahl- oder Titanstreben. Das war gar nicht so einfach. Und wo kann man schon überhaupt vernünftig Sättel testen? Bzw. wenn, dann sowieso nicht die Modelle, die einen gerade interessieren…

Ja, da gibt es einige Tipps. Solltet ihr zufällig einen guten Radladen um die Ecke haben und sollte der zufällig Testsättel im Sortiment führen und ihr kennt diese Marke noch nicht – dann nutzt dieses Angebot. Meistens wird es jedoch so sein: Ihr habt keinen guten Radladen um die Ecke und sie haben entweder überhaupt keine Testsättel oder nur von einer oder maximal zwei Marken und da höchstwahrscheinlich auch nicht von allen Modellen. Die Wahrscheinlichkeit liegt bei gefühlten 90 %, dass ihr nicht den Sattel finden werdet, der euch gerade interessiert.

Dann gibt es von einigen Sattelmarken – z.B. fizik – spezielle Testeditionen, die absolut greusliche Farben (vollflächig pink oder gelb) und dicke „Test“ Aufdrucke haben. Sonst aber dem jeweiligen Modell exakt entsprechen. Die kann man zuweilen günstig kaufen. Lasst euch die aber nicht für 80 oder gar 100 Euro andrehen… 25 bis 50 Euro ist da eher der richtige Wert. So hatte ich mir vor Jahren mal einen Fizik Arione und einen Fizik Antares für je 25 Euro bei einem Versand gekauft.

Manche Hersteller bieten auch auf ihrer eigenen Webseite direkte Testmöglichkeiten bzw. unlimitierte Geld-Zurück-wenn-nicht-Zufrieden Garantien an. Für den Deutschland-Vertrieb der unten noch mal erwähnten ISM-Sättel ist das z.B. so.

Und nicht zuletzt bietet auch jeder Radtest (was wiederum einen ganz anderen Problemraum aufspannt – findet hier einen Link zur Probefahrtwüste Deutschland) die Möglichkeit, den dort gerade auf dem Rad vorgefundenen Sattel direkt mit zu testen.

Die verschiedenen Hersteller-Angebote, durch Vermessung und diverse Tests direkt den richtigen Sattel für Fahrer, Fahrposition bzw. Fahrstil zu finden, können darüber hinaus leider auch keine Tests ersetzen. Im besten Fall weisen sie in die richtige Richtung im schlimmsten Fall führen sie zu einem Sattel der aber auch überhaupt nicht passt.

Die verschiedenen Hersteller-Angebote, durch Vermessung und diverse Tests direkt den richtigen Sattel für Fahrer, Fahrposition bzw. Fahrstil zu finden, können darüber hinaus leider auch keine Tests ersetzen. Im besten Fall weisen sie in die richtige Richtung im schlimmsten Fall führen sie zu einem Sattel der aber auch überhaupt nicht passt.

Das IDmatch System von Selle Italia ist z.B. so eines. Mittels Caliper werden Hüftknochen- bzw. Oberschenkelknochen-Ansatz-Weiten gemessen, dann die Oberschenkeldicke gemessen und dann der Hüftrotations-Winkel während eines Tests (Hände Richtung Zehen) bestimmt. Hatte ich vor ein paar Jahren mal machen lassen. Heraus kam die Kategorie S3 (die haben alle sehr betonte Ausschnitte). Einen entsprechenden Sattel kaufte ich mir und fuhr ihn nur eine einzige Tour. Druckspitzen aus der Hölle.

Also, wenn ihr wirklich euren Sattel finden wollt, hilft halt nur Testen, Testen, Testen. Und um genau an die Modelle zu kommen, die euch interessieren bzw. die mich interessierten, half demzufolge nur „Brute Force“. Einfach kaufen und Probe fahren.

Fizik:

Auf diese Weise kannte ich ja vorher auch schon so einige Sättel, wie gerade dargestellt. Von Fizik z.B. den Arione und den Antares, standardmäßig auf meinem Giant Crosser verbaut. Mir dadurch aber auch schon als eben nicht langstreckenkompatibel bekannt. Der Aliante hingegen sieht von der Form her ähnlich wie der Tune aus… Den gab’s auch mit hellblauem Dekoreinsatz. Sehr passend für mein Giant… Das war der erste neue Sattel… Direkt schon im Novmeber gekauft. Ja, ganz echt, aber noch keine Offenbarung…

Fabric Scoop:

Dann wollte ich schon immer mal die Fabric Sättel ausprobieren. Genauer, die Fabric Scoop Modelle. Vergleichsweise leicht und gut aussehend schien mir auch die Form in etwa so zu sein, wie ich sie wohl brauche. Nun gibt’s da aber auch mehrere Versionen. Sollte es eher der Scoop Flat, der Scoop Shallow oder der Scoop Radius sein? Ich entschied mich für die mittlere Form, den Fabric Scoop Shallow Elite Sattel. Ja, ganz echt. Nochmal etwas besser für mich als der Fizik Aliante. Aber auch noch nicht so toll wie der Tune KommVor.

Wäre also vielleicht der Scoop Flat oder der Scoop Radius noch etwas besser oder wieder schlechter? Irgendwo hört es dann aber auch auf. Ich habe weder die Zeit noch das Geld, um mir das gesamte Weltsortiment aller Sattelmodelle zuzulegen und Probe zu fahren. Also beließ ich es bei diesem einen Fabric Modell und wand mich erst mal ganz anderen Konzepten zu.

ISM Adamo:

Die ganz radikalen ISM-Sättel (Adamo) hatte ich mir zumindest mal angesehen und Berichte darüber gelesen. Bin aber zum Schluss gekommen, dass ich die erst mal nicht ausprobieren werde. Hintergrund ist hier ganz klar auch die Fahrtauglichkeit und das Gefühl bei „normalem“ Fahren auf dem Rad – vom Bummeln über das Klettern bis hin zu schnellen Abfahrten und Gewichts- und Positionsverlagerungen. Da muss ein Allrounder und kein „One Trick Pony“ her. Ein solches ist der Adamo für mich. Auch war ich wegen seiner zwei Arme sehr skeptisch. Ich habe mal einen Sattel ausprobiert, der auf einen erheblichen Ausschnitt setzte. Einen Selle Italia. Der hat schon auf den ersten Metern regelrecht weh getan und mehr als eine Tour habe ich damit nie gemacht. So etwas passt anscheinend für mich gar nicht.

Vor kurzem bin ich über die deutsche Transcontinental Gruppe auf einen Artikel von Stefan gestoßen, der auch ein ausführliches Video zu den ISM-Sätteln verlinkt hat. Bei ernsthaftem Interesse an so einem Sattel lohnenswert, zu schauen.

SQlab:

Dennoch: Das Prinzip Druckvermeidung und der Versuch, nahezu ausschließlich im Bereich der Sitzknochen unterstützt zu sitzen – da könne ja tatsächlich was dran sein. Also mal was ganz anderes testen? Ich gab den SQLab-Sätteln und ihrem Stufensattelkonzept eine Chance. Nach dem Vermessen meiner Sitzknochen und dem Produktspektrum von SQLab habe ich dann den Sqlab 612 Ergowave Active Sattel 2017 in einer Breite von 12 cm ausgewählt. Hmm ja… interessant. Das Konzept geht auf, muss ich sagen. Eigentlich habe ich bis dato auch keine richtiggehenden Druck- und überhaupt keine Taubheitsgefühl-Probleme bei normalen Sätteln. Da ist es eher ein diffuses Belastungsproblem. Irgendwann tut alles irgendwie weh, wenn der Sattel nicht passt. Bei dem Ergowave-Sattel spürte ich aber schon deutlich, dass der Damm druckentlastet war. Gut, wenn etwas entlastet wird, muss etwas anderes mehr belastet werden. Und ich bin nicht der Meinung, dass das automatisch gut ist, wenn diese andere Stelle unter den Sitzknochen liegt… Dennoch – ich glaube, für das normale Fahren hätte ich mich daran gewöhnen können. Durch seine etwas flachere Nase, die durch das Stufenkonzept auch etwas tiefer liegt, schien mir eine vorgebeugte Position in den Aufliegern auch eher bequemer als bei manch einem anderen Sattel.

Dafür fühlte sich der Sattel „unrund“ und nicht homogen an. Was meine ich damit: Auf gewöhnlichen Sätteln kann man seine Postition inkrementell verändern und es fühlt sich immer „vertraut“ und „erwartbar“ an. Ob man mal etwas nach vorne rutscht, weil man „on the rivet“ fährt – es also richtig krachen lässt – oder ob man in engen Downhill-Kurven schön im Flow auf dem Sattel hin und hergleitet, je nach dem wie es die Kurve verlangt, oder ob man im Anstieg mal einen cm vor mal einen zurück verlagert… Alles passt zusammen.

Auf so einem „One Trick Pony“ wie ich den ISM und auch den Ergowave mal nennen möchte, geht das nicht so gut bzw. fühlt sich dann sofort komplett falsch an. So war es bei mir mit dem SQlab. Nachdem ich ihn dann nach wenigen kurzen Fahrten mit nach Mallorca genommen hatte und dort die erste 100 km Runde Pass-auf und Pass-ab gefahren bin wusste ich – nein, dass ist er nicht. Interessanterweise konnte ich mit dem Sattel einer jungen Dame aushelfen, die ich in einer Gruppe kennenlernen durfte. Ihr half er enorm. Sie fuhr in die verbleibende Woche auf Mallorca und kaufte ihn mir darauf hin direkt ab. Win-Win. :)

Von Rando-Richard zu Brooks:

Also, was denn nun noch testen? Na klar war ich auch schon früher in Foren auf der Suche. Da bin ich dann nochmal nach Hinweisen durch, ob sich Favoriten in der Brevet- bzw. auch der Ultradistanz-Rennszene ausmachen liessen. Nicht wirklich. Bzw. es ergab sich ein so buntes Bild wie wohl die Audax und Randonneurszene vielfältig ist. Fizik Arione findet sich des öfteren, auch diverse andere Sättel und Marken. Und auch Brooks bzw. andere Ledersättel. Klar hat man von gehört, kennt man. Hat man vielleicht, so wie ich, in die Schublade „sieht voll ungeil aus, ist sackschwer und kann kein Regen ab“ gesteckt.

Ja, vom Brooks Cambium habe ich auch schon gehört und hatte ihn früher auch schon mal in den Händen… Auch total schwer und die Textur… sowas Rauhes… schabt im Zweifel auf Dauer nur die Hosen kaputt und könnte potenzielle Scheuerprobleme eher befördern denn umgehen…

Ähnliche Sorgen hatte auch der „Rando Richard“. Wow – der hat ja mal eine super ausführliche Bewertung seiner Sattelerfahrungen gepostet. Zu finden hier. Der ging sogar soweit, den Brooks Cambium einer Schleifpapier / Schelllack – Behandlung zu unterziehen.

Nach dem Lesen seiner Seiten hatte ich aber dann doch zwei Modelle ausgemacht, die ich noch ausprobieren wollte: Den Brooks Cambium und dann vielleicht noch einen Prologo Nago Sattel. Die Prologo Sättel kenne ich noch gar nicht. Den Start machte ich aber mit dem Brooks Cambium. Auch er ist von der generellen Form vergleichbar mit dem Tune KommVor. Und wo der KommVor quasi seine Carbon-Decke oder Schale auf den Carbon-Sattelstreben aufspannt, spannt der Cambium seine Naturkautschuk-Decke nietenbefestigt auf dem Metallgestell auf. Leider ist der Cambium auch ein gutes Stückchen breiter als der Tune KommVor. Ich habe den Brooks Cambium C15. Das ist eigentlich der schmalste. Es gibt auch einen C13. Der hat aber widerum Carbon-Sattelstreben. Das ist ja genau einer der Gründe, warum ich einen Ersatz für den Tune KommVor suche. Der C13 scheidet also aus. Aber der C15 ist auch ein kleines bisschen länger als der Tune-Sattel und von der Formgebung kann ich gut auf ihm sitzen, wie ich festgestellt habe.

Aber Zweifel blieben. So „federnd“ bzw. so nachgebend wie der KomVor war er nicht. Bzw. ich hätte ihn mir noch etwas bequemer vorgestellt. Wäre der Brooks Cambium Carved doch besser und noch bequemer? Oder würde sich sein Ausschnitt so äußern, wie ich es von dem Selle Italia Sattel kannte – extreme Druckspitzen rund um die Aussparung? Ach komm… was soll der Geiz. Also habe ich mir dann nach Pfingsten – mit dem normalen Cambium hatte ich da gerade mal 4 bis 5 Touren, davon die längste 160 km zurückgelegt – auch noch den Brooks Cambium C15 Carved gekauft…

Mit dem war ich nach 2 kurzen Touren dann am Samstag über die 303 km unterwegs. Als Hose hatte ich die Assos Trägerhose T.équipe_S7 an. Ja. Ich bin der Meinung, dieser Sattel funktioniert bisher am besten. Ich glaube, das wird der Sattel, mit dem ich das Transcontinental fahren werde.

Der Ausschnitt scheint zu funktionieren, die Innenkanten aber nicht einzuschneiden. Das Sitzgefühl bleibt weitestgehend homogen. Dennoch spürt man einen kleinen Unterschied zwischen „innen in der Kuhle“ sitzen und etwas nach hinten rutschen. Besonders vorteilhaft finde ich, dass dieser Sattel wie sonst noch keiner gerade auch in der Unterlenker- bzw. in der Auflieger-Position zu passen scheint und keinen Extradruck aufbaut.

Dennoch: Ich hätte da noch Verbesserungsvorschläge. Anstelle eines kompletten Ausschnittes wäre es noch besser für die Homogenität des Sitzgefühls und für jegliche potenzielle Vermeidung von Irritationen, Einschneide-Effekten oder auch Ansatzpunkte für Reibeflächen oder Hosenstoffaufrubbeln, wenn dort, wo der Ausschnitt ist, einfach nur das Material durchlaufen, aber deutlich in seiner Dicke reduziert würde. Seine Kanten der Satteldecke könnten etwas besser abgerundet werden und es sollte ihn als C13 und mit einer ganz leicht breiteren Nase geben. Dann noch die rauhe Textur gegen eine glattere ersetzen und ich glaube, dass könnte dann der ideale Sattel (für mich) sein.

Navigation:

Zur Navigation und ihren Komponenten Routenplanung im Vorfeld einerseits und Routenführung / Orientierung unterwegs kann man auch wieder so vieles Schreiben. Ein sehr weites Feld. Mache ich hier und heute an dieser Stelle aber nicht.

Ich habe mich in der letzten Zeit aufführlicher mit Komoot beschäftigt. Nicht zuletzt, weil auch der Wahoo Elemnt Radcomputer so eine tolle Integration u.a. mit eben diesem Routenplaner besitzt. Meine Samstags-Tour über 303 Kilometer war auch tatsächlich mit wenigen Klicks erstellt. Den ersten Abschnitt von Erndtebrück nach Fulda habe ich im Bereich, in dem ich mich noch auskannte, mit wenigen Klicks auf den Lahnradweg gezupft. Für die zweite Hälfte habe ich Grunde nur zwei Klicks benötigt. Einen auf den Radweg-Steg über die Lahn in Gießen und einen im Bereich Feudingen, kurz vor Erndtebrück. Fertig war der Track. Natürlich zahlt es sich aus, sich solche Tracks genauer anzuschauen und man findet dann immer Punkte, wo man feststellt, dass man Route glatter oder Höhenmeter-Ärmer bekommt. Fallstricke gibt es natürlich auch zu Genüge.

Aber im Großen und Ganzen kommen da schon auf Anhieb sehr passable Routen heraus, habe ich jetzt des Öfteren festgestellt. Auch die Strecke am Samstag war hervorragend. Sehr weite Teile der Strecke zwischen Fulda und Gießen habe ich auf dem Hessischen Fernradwanderweg R7 verbracht. Auch ansonsten war es eine sowohl die Zwischenziele sehr gut und geradlinig und doch auf weitestgehend sehr kleinen und ruhigen Straßen verbindende Strecke.

Auch über die zu fahrenden Strecke und wo ich jeweils abbiegen musste wurde ich auf hervorragende Weise durch den Wahoo Elemnt informiert. Zu keiner Zeit herrschte Unklarheit oder war die Karteninformation fehlinterpretierbar. Das kann der Elemnt einfach so viel besser als jeder Garmin Edge Radcomputer. Und obendrein hält er ohne Zusatzstromversorgung auch einen solchen ganzen Tag (in dem Fall 14 Stunden) durch. Am Ende hatte er noch 4 % Restladestand. Einen ausführlichen Vergleich zwischen Garmin Edge 1000 und Wahoo Elemnt habe ich hier aufgestellt.

Das klappt also schon mal wie gewünscht. Was der Elemnt aber leider nicht kann: den Kartenausschnitt verschieben oder Auskunft über naheliegende Points of Interest oder Ähnliches geben. Dafür werde ich mein iPhone nutzen. Auf ihm werde ich alle möglichen Routing- und Kartenmöglichkeiten haben (und zusätzlich meine Tracks und die jeweiligen Kartenbereiche zur Offline-Nutzung parat haben). Wenn ansonsten aber alles Glatt läuft, brauche ich nur meinem Wahoo zu folgen. Als Backup werde ich meinen Garmin Edge 1000 mitführen. Auch auf seinen Speicher werde ich meine geplanten Tracks aufspielen und parat haben.

Jetzt überlege ich mir noch, wie ich am Geschicktesten eine Liste von Points of Interest und geplanten Stop-Möglichkeiten (24-Tankstellen, McDonalds, im Voraus gescoutete Biwak-Plätze, Ausweichmöglichkeiten etc.) erstelle und parat habe. Vielleicht drucke ich mir in Ergänzung auch noch eine geeignete Tabelle auf Papier aus…

Gesamtposition, Gesamtpaket:

Ja, das scheint also alles zu passen. Soweit ich das mit Einzeltagen und nach meiner bisherigen Erfahrung beurteilen kann. Leider sind dann doch noch ein paar Punkte offen.

Das finale Rad zum Beispiel! Gut, es wird nur ein neuer Rahmen sein, die Geometrie soll exakt gleich bleiben. Dennoch – ich warte immer noch auf das finale Rad, dass mir J.Guillem eigentlich schon Mitte/Ende Mai liefern wollte. Zur Zeit fahre ich auf einem Leihrahmen, der nicht in allen Details dem Rad entspricht, dass ich dann doch hoffentlich noch rechtzeitig bekomme. Wenn nicht, dann fahre ich auf diesem Leihrahmen… Hat vielleicht Vorteile, hat aber auch Nachteile.

Z.B. habe ich deswegen immer noch nicht meine vorgesehene Schaltgruppe montiert. Das soll nämlich die SRAM red eTap sein. Zur Zeit fahre ich mit der mechanischen Shimano Ultegra, die mich ja schon Pfingsten so schmälich im Stich gelassen hat.

Und dann war ich am Samstag vermutlich auch noch nicht mit den finalen Schuhen unterwegs. Das sollen nämlich MTB-Schuhe werden. Einfach, weil ich mich damit besser den ganzen Tag auch abseits des Rades (Einkaufen, Hotel, Essen)
bewegen kann als mit Rennradschuhen und Rennrad-Cleats.

Auch Schuhe sind ein diffiziler Kontaktpunkt zum Rad. Deswegen suchte ich schon diverse Schuhe. Meine üblichen Shimano-MTB-Schuhe sind mir für Cross- und Gravel-Touren daheim tauglich. Für Ultra-Events aber doch etwas zu eng und selbst für Tagestouren in den Dolomiten nicht ganz ok, wie ich Mitte Mai feststellen musste. Sie führen zu Druckpunkten im Übergang Spann und Fußgelenk.

Jetzt hatte ich schon ein paar Schuhmarken und -modelle durch und noch nichts wirklich Passendes gefunden. Deswegen war ich am Samstag noch mit meinen Gaerne-Straßenschuhen unterwegs.

Bei mir zu Hause liegt aber gerade die nächste Lieferung Schuhe… ein Gaerne-Modell, ein Mavic-Modell und der Giro Empire VR90 MTB Schuh. Der Gaerne und der Giro scheinen bis dato alle Checkboxen abzuhaken. Interessanterweise. Denn ich erinnere mich, dass mir aus früheren Anproben der Giro Empire ACC als Rennradschuh im Vorderfuß als deutlich zu eng vorkam und dass ich bei den Gaerne-Rennradschuhen extra auf das Topmodell ausgewichen bin, weil es nur das in halben Größen gab und mir da 41,5 optimal passt und 42 ein Ticken zu groß war. Die Gaerne-MTB-Schuhe gibt es aber nur in ganzen Größen und deswegen habe ich mir bisher nie einen solchen bestellt. Ich werde noch genauer prüfen müssen, ob die MTB-Leisten der Hersteller also doch leicht anders ausfallen als die für die Rennradschuhe.

Ich denke aber, auch das werde ich noch lösen und ansonsten fahre ich dann halt doch in Rennrad-Schuhen.

Ich weiss – da kann noch viel kommen. Da kann sich über mehrere Tage hinweg einfach aufgrund der schien Anzahl von Stunden im Sattel so einiges an Dingen und Problemen entwickeln. Trotz allen Trainings und trotz aller Vorbereitungen vielleicht alleine schon aufgrund von Überlastungserscheinungen. Wichtig ist aber, dass das nicht schon nach 300 km auftritt oder sich ankündigt. Von daher bin ich Stand jetzt erst einmal sehr zufrieden.

Die Route:

Da habt ihr’s. Das sind/waren meine Überlegungen und Erkenntnisse im Bereich diverser Rad-Komponenten und Ernährungs- bzw. Pausengestaltung.

Wenn ihr noch schauen wollt, wo ich genau war, dann gibt es hier den Link zur Strava-Aktivitiät und hier den Link auf die Tour, wie ich sie in Komoot geplant habe. Eine recht schöne Strecke. Lohnt sich zum Nachfahren.

Strava_Screenie_303

Ein Rennrad-Sonntag im Wittgensteiner Land

Rad fahren

Wittgenstein – ich liebe dich. Deine kleinen und lieblichen Täler, deine Hügel, deine Anstiege. Deine ruhigen kleinen Straßen durch Wiesentäler, Wälder und entlang deiner Bäche. Du liebliches, verstecktes, klimatisch durchaus auch raueres Juwel im Rothaargebirge.

Wer richtig schön und richtig ruhig Radfahren will, dem sei der Kreis Siegen-Wittgenstein in Südwestfalen empfohlen. Dort, im Rothaargebirge zwischen Sieger- und Sauerland kann man sowohl mit dem Moutainbike als auch mit dem Rennrad das radeln und die Landschaft genießen. Und entweder Höhenmeter sammeln oder auch entlang von Eder, Sieg und Lahn es flacher rollen lassen.

Und man ist mit egal welchem Rad nie fern vom Wald. Oder im Wald. Schließlich ist der Kreis Siegen-Wittgenstein mit rd. 65 % Flächenanteil Wald der waldreichste Kreis Deutschlands. Und als Rennradfahrer freuen wir uns über wunderbar glatten Asphalt der nicht wenigen kleinen Sträßlein jüngst zu Gute kam.

Anbei einige Impressionen aus dem Ilsetal bei Feudingen und dem Harfeld zwischen Richstein und Bad Laasphe:

Transcontinental Race Vorbereitung: Pfingsten testet man in Bimbach

Rad fahren

Wie trainiert man für ein Ultradistanz-Radrennen? Und wie bereitet man sich darauf vor? Zur Vorbereitung gehört ja nicht nur die bloße Fitness-Komponente, sondern weit mehr. Neben dem Material auch die mentale Komponente. Und neben der bloßen Fähigkeit, lang zu fahren, bzw. lange Tage im Sattel zu verbringen auch die Erfahrung, das Tag für Tag zu wiederholen. Und dabei nicht nur schnell, sondern vor allem effizient zu fahren. Dazu gehört auch die Erfahrung wie man sich und seine Tagesbedürfnisse organisiert, um die Zeit in Bewegung möglichst hoch zu halten.

Was macht der Körper, was das Material und was der Geist, wenn man das nicht nur einen Tag lang macht oder mal eine sehr intensive Trainingswoche einlegt, sondern wenn man Tag für Tag für Tag richtig lange auf dem Rad verbringt. Und damit meine ich 12 bis 16 Stunden (inklusive kurzen P.- und Einkaufspausen).

Dafür würde sich ein langes Wochenende eignen, wo man tatsächlich mit Sack und Pack einfach mal so 600 bis 800 km über drei Tage fährt. Ja – aber irgendwie bin ich dazu noch nicht gekommen… ;-)

Viele Leute nutzen ja auch eine klassische Brevet-Serie, um da hinein zu kommen. Typischerweise fangen die Brevets im zeitigen Frühjahr mit rd. 200 km an, um sich dann über April, Mai und Juni über 300 und 400 auf 600 km hoch zu arbeiten.

Während zwar jede Fahrt – und sei sie auch noch so kurz – zu einer Prüfung werden kann (da kommt es ganz auf die äußeren Umstände an), sind 200er für mich keine erstrebenswerten Brevets. Wofür da den Umstand mit Anmeldung, einem einzigen fixen Termin und Kontrollkartenstempelei? Einen alleinstehenden 200er kann man jederzeit am Wochenende solo fahren. Oder noch spaßiger, im Rahmen eines Radmarathons oder eines anderen Radevents.

Bei einem 300er wird das schon interessanter und für mich fängt da der Brevet-Sinn an. Habe ich aber auch noch nicht gemacht. Viel lieber habe ich meine Zeit in eine ausführliche Trainings- und Urlaubswoche auf Mallorca investiert, die ich mit dem Mallorca312 Radrennen gekrönt habe (siehe ausführlichen Bericht hier). Ja klar, das ist kein Brevet. Und auch nicht Solo und unsupported. Aber seinen Hintern über 312 km rauf und runter der Küstenstraße und diverser Pässe auf Mallorca zu schaffen und die vielen tollen Wellen durchzudrücken – da hilft der Windschatten auch nicht immer so wirklich. Wenn überhaupt. Oder man stellt den Windschatten selbst für andere her.

Von daher: aus reinen Fitness- und Trainingsgründen ist das die für mich sinnvollere Art der (Trainings-)Vorbereitung. Eingebunden in meinen Trainingsplan. Und spaßiger, weil mit Freunden unterwegs und in netter, spannender Umgebung.

Was fehlt ist natürlich: das Gewicht und Handling des voll ausgerüsteten Rades mit bepackten Taschen. Wie komme ich mit den Taschen zurecht? Was passt von meiner ersten Ausrüstungsliste überhaupt alles hinein? Und was davon am Besten in welche Tasche? Und wie benutze ich das dann alles?

Daher war es nun endlich an der Zeit für eine…

…Kostümprobe! ;-)

Der Bimbacher Rhön-Radmarathon

Und wieder mal: Nein, keine selbstversorgte Solofahrt über zwei oder drei Tage. Dazu war das Alternativprogramm zu verlockend. Und zwar ergab sich kurzfristig die Möglichkeit, Pfingsten in Bimbach zu starten. „Pfingsten fährt man in Bimbach“ so die überaus erfolgreich in die kollektive Gedankenwelt der deutschen Rennradszene eingebrannte Botschaft des RSC ´77 Bimbach.

Dieser wollte ich in den letzten Jahren schon mal folgen – nie ergab sich allerdings die Gelegenheit oder es war natürlich alles schon ausgebucht. Und jetzt konnte ich mit Freunden dort zusammen fahren. Das hörte sich super an und war auch super.

Die Bimbacher bieten sowohl am Samstag als auch am Pfingstsonntag unterschiedliche RTF-Strecken an. Die Kombination der jeweils längsten Strecken (Samstag die Tour 4 mit 158 km und Sonntag die Tour E mit 260 km) ergeben in der Summe 418 km mit rd. 6800 Höhenmeter und werden als separate Wertung „Bimbach 400“ mit Finisher-Medaille, Urkunde und Finisher Shirts geführt.

Das hörte sich super an! Ja, keine Solofahrt, sondern Kleingrüppchen. Also schon Profitieren von Windschatten. Aber auch so stark rauf und runter, dass das a) nicht ganz so stark in’s Gewicht fällt (oh Mann, was lag ich da zumindest für den Sonntag verkehrt… ;-)) und b) dass das in sich selbst ein sehr gutes Training versprach, diese Höhenmeter mit dem vollbeladenen TCR-Rad zurück zu legen.

Überhaupt: Steile Mittelgebirgsrouten sind so mit das beste, was man trainieren kann. Auf langen Alpenpässen kann man sich in seinen Rhythmus finden und diese schön hochkurbeln. Ist man endlich oben, kann man sich meistens (wenn die Abfahrt nicht zu steil und mit zu vielen engen Kehren versehen ist) dann auch in der Abfahrt sehr lange wieder gut erholen.

Im Mittelgebirge trifft man viel öfter auf eher steilere Anstiege, Serpentinen in der Abfahrt gibt es da auch und es geht ständig rauf und runter. Kaum Zeit zum erholen.

Also: alles Super! Genau das richtige zum Trainieren.

Das Rennrad und das Taschensetup

Für eine Kostümprobe braucht man ja eigentlich das finale Rad. Leider habe ich das immer noch nicht… Es soll ja ein Titanrad werden. Erste Überlegungen und Ergebnisse einer Testfahrt hatte ich schon im Februar veröffentlicht.

Volle 100 % hatte mich das Rad noch nicht überzeugt. Aber eine ausführliche Korrespondenz mit Jan-Willem Sintnicolaas, dem Firmengründer von J.Guillem, später und wir hatten eine Option gefunden. Nur leider lässt diese immer noch auf sich warten…

J.Guillem Orient vor Schloss Prösels bei Völs am Schlern

J.Guillem Orient vor Schloss Prösels bei Völs am Schlern

Im oberen Foto im Vordergrund: das J.Guillem Orient Ende Mai während eines kurzen Giro d’Italia-Abstechers in Südtirol. Genau das Testrad, das ich im Februar für ein Wochenende hatte. J.Guillems Scheibenbremsen-Rennrad. Wie alle anderen Titanräder von J.Guillem ist es nach einem berühmten Pass auf Mallorca benannt.

Leider ist das immer noch nicht mein finaler Rahmen. Weil der immer noch verspätet ist, habe ich nochmal genau dieses Leihrad als Test-Plattform. Ich habe bereits meine Kurbel, meine Laufräder und meinen Sattel montiert. So komme ich wenigstens dabei weiter, mein finales Setup für das Transcontinental Race auszutüfteln und ein paar Komponenten bereits zu testen.

Am Tag des Fotos hatte ich meine neue Rahmentasche zum ersten mal montiert und ausprobiert. Ein überraschend praktisches Teil. :)

Die Apidura Mountain Frame Pack (medium) passt sowohl in das J.Guillem Orient (Rahmengröße 52 cm) als auch in mein Canyon Ultimate (Rahmengröße S) wie angegossen. Kein Bein bzw. Knie-Kontakt in befüllter Form ebenso. An den Inhalt kommt man auch im Fahren sehr gut. Toll!

Leider bekomme ich sowohl im Unterrohr- als auch im Sattelrohr-Flaschenhalter so nur noch eine 0,5 l Wasserflasche eingesteckt.

In dieser Konstellation bin ich dann vor zwei Wochen am Samstag in Südtirol diverse Dolomitenpässe gefahren. Das fühlte sich alles super an und wider erwarten fand ich auch die hydraulischen Shimano-Scheibenbremsen mit ihren 140 mm Rotoren super und völlig ausreichend.

Die momentan montierten Schwalbe Pro One 28 mm Reifen mutieren auf den Hunt Bike Wheels 30Carbon Aero Disc Laufrädern zu 31 mm Breite und ergeben ein Querprofil welches bei mir in Kombination mit der Geometrie des Orient eine tolle Kurvenzuversicht hervorbrachte. Leider lassen sie sich als Tubeless-Reifen doch nur sehr schwer auf die Felge montieren…

Da fehlte aber immer noch was:

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„Kostümprobe“ – Samstag nachmittag nach der 158er RTF vor dem Bürgerhaus in Bimbach

Stimmt: Lenkertasche, Oberrohrtasche und Satteltasche. Die hatte ich für das Pfingstwochenende dann auch montiert und befüllt. Bis auf die Zeitfahr-Lenkeraufsätze (samt Beleuchtung und einer zusätzlichen Foodpouch) ist dies das Setup welches ich plane zu nutzen:

J.Guillem Titanium Scheibenbremsen-Rennradrahmen, Quarq DZero SRAM red Leistungsmessungskurbel, Shimano Ultegra hydraulic DiscBrake (das wird später zur SRAM red eTap mit der mechanischen TRP Spyre Scheibenbremse), Hunt Bike Wheels 30Carbon Aero Disc Laufräder (vielleicht wechsle ich die noch), Apidura Rahmentasche, Apidura Oberrohrtasche, Ornot Handlebar Bag und Ortlieb Seat-Pack.

Mit Inhalt und einer 0,5 l Wasserflasche gewogen– allerdings noch ohne die Lenkertasche – lande ich bei rd. 12,3 kg. D.h. ich gehe davon aus, dass das finale Rad mit allem drum und dran bei 13,5 bis 14 kg landen wird…

Samstag, Teil 1 des Bimbach 400:

Am Samstag werde ich für die 158 km Runde also wohl ein 12,9 kg Rad bewegt haben. Und damit sind wir dann zuerst zu fünft, später dann zu viert die Kuppen der Rhön hinauf- und hinabgefahren. Und das mit Lust und Laune und durchaus so, als gäbe es kein Morgen und vor allem keine weiteren 260 km. Also eine sehr viel zügigere Gangart, als es für eine Ultradistanz-Radfahrt angeraten und nachhaltig ist.

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Smiles for Miles. Oder: Lächeln und Winken! ;-)

Aber egal. Es ging ja um den Trainingseffekt und um das Bikehandling. Und dazu kann ich sagen – bis auf das natürlich spürbare Gewicht habe ich mich mit dem Rad samt Gepäck nie gehandicapped gefühlt. Ich habe natürlich bei einer Gangart, die sich ein klein wenig auch bei den anderen am Sonntag bemerkbar machen würde, volle 4,5 bis 5 Kilogramm mehr als sonst üblich an Masse die in Teilen steilen Rampen der Rhön hochgedrückt.

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Forever… cockpit view ;-)

Wettertechnisch war es weitestgehend sehr schön. Erst gegen Ende gab es mal einen sehr kurzen (passgenau bei einer Kontrolle) und dann einen etwas längeren Regen-Part. Allerdings kam eine Weile nach Zieleinfahrt dann doch wieder die Sonne heraus und ich konnte bei einem Kaffee und Kuchen wieder halbwegs abtrocknen.

Es folgte dann Teil 2 der „Kostümprobe“: Duschen in einem bereitgestellten Duschcontainer an der Grundschule in Bimbach (über das gesamte Wochenende konnte ich ein super organisiertes Event erleben – Hut ab, lieber RSC`77 Bimbach!) wo ich so gegen 18:00 das Reich ganz für mich alleine hatte. Und mit einem Intermezzo in Fulda (gemeinsames Abendessen in der Altstadt) das Aufsuchen des Bürgerhauses, wo ein kostenloses Matrazenlager zur Verfügung stand. Dort habe ich mein kleines „Schlafbesteck“ ausgebreitet (Sea to Summit Isomatte und Mountain Equipment Helium Solo Schlafsack) und mich um 23:00 zur Nachtruhe begeben.

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Schlaf-Ausrüstung. Mit iPhone 6 und einer. Anker Powerbank als Größenvergleich

Der Sonntag: Pfingsten leidet man in Bimbach… ;-)

Zwischen 06:00 und 06:30 war die Startzeit für die lange Strecke E. E wie epic oder E wie extrem… Wir hatten uns für 06:15 am Startbereich verabredet.

Wie vorhergesagt, goss es in Strömen. Kacke! Nein – Exzellent! Ein weiteres Testkriterium konnte angegangen werden. Fahren in strömendem Regen. Habe ich den passenden Kram dabei? Halten die Taschen dicht bzw. halten die Tütchen in den Taschen dicht, von denen ich wusste, dass durch Nähte oder Reissverschlüsse Feuchtigkeit bzw. Wasser eindringen konnte?

Das war also Teil 3 der „Kostümprobe“ und der härteste Abschnitt. Aber auch der schönste, weil längste und hauptsächlichste.

Leider war die Kostümprobe zumindest für das Kostüm, sprich – das J.Guillem Orient – nach der ersten Kontrollstelle und rd. 44 km zu Ende!

Der Defekt…

Eigentlich habe ich bisher Shimano Ultegra, bzw. mechanische Shimano-Schaltungen generell, wenn schon nicht für sexy, dann wenigstens aber für zuverlässige und unauffällige Arbeitstiere gehalten.

Seit ich meinen Giant Crosser habe und spätestens seit Sonntag hat sich das aber stark gewandelt. Klar, es sind nur Anekdoten, aber dennoch. Zum einen braucht es meiner Erfahrung nach nicht viel auf schlammigen Terrain oder im Winter, bis der Top Pull Umwerfer seinen Dienst versagt und Schaltwechsel vom großen auf das kleine Blatt einen beherzten Kick mit der Ferse benötigen, weil der Umwerfer klemmt oder zu schnell (schneller als andere Konstruktionen) einfriert.

Dann versagte bei meinem Crosser in diesem Winter das Schaltwerk. Bzw. wie sich herausstellte, lag es wohl am Brems-/Schalthebel. Was zuerst war, kann ich gar nicht sagen. Ob sich erst der Schaltzug samt Endanschlag im Brems-/Schalthebel falsch verklemmte oder die Indexierung im Hebel Müll produziert hatte und daraus dann eine Totalblockade folgte… Keine Ahnung. Jedenfalls war das damals eine größere Operation. Mit Schaltzug wechseln, Brems-/Schalthebel säubern und mehrfach komplett mit Bremsenreiniger, WD40 etc. duschen bekam ich die Indexierung irgendwann wieder gängig. Und das bei einem Rad, welches erst rund 4500 km runter hatte.

Etwas ähnliches schien sich am Sonntag morgen beim J.Guillem Orient getan haben. Ein relativ neues Leihrad – damals im Februar frisch für mich aufgebaut. Wenn nur ich es gefahren habe (Nutze es seit zwei Wochen wieder, nach dem ich es nach der ersten Testfahrt im März zurück gegeben hatte), dann hat das Rad gerade mal so 1000 km runter. Trotzdem: am Sonntag morgen im strömenden Regen hatte ich nach knapp 20 km Probleme mit dem Schaltwerk. Die Index-Klicks kamen, aber das Schaltwerk folgte nicht. Die obere Kassentenhälfte ging noch so… aber nicht sehr lange, dann rührte sich gar nichts mehr… D.h. ich hatte von km 20 bis zur ersten Kontrollstelle effektiv ein Dualspeed-Rennrad. Vorne konnte ich noch schalten, hinten nicht mehr.

Super. Das ist genau die Sorte Zuverlässigkeit, die ich für das Transcontinental Race brauche. Nicht! Und nach dieser Vorgeschichte bin ich auch mehr als zufrieden, dass ich sowieso schon längst die SRAM eTap für das TCR-Rad vorgesehen habe. Wenn Campagnolo mit ihrer hydraulischen Scheibenbremsengruppe schon weiter wären (ist ja seit zwei Wochen oder so endlich offiziell vorgestellt) dann wäre das für mich die ideale Wahl! Die SRAM eTap sollte aber auch super sein.

Jedenfalls… nach wie vor in strömenden Regen erreichen wir endlich die Kontrolle 1 und ich fahre sofort den Specialized-Servicewagen an. An diesem Tag haben sie bereits gut zu tun und das wird auch nicht abreißen. Ich bin aber schnell dran und schildere mein Problem… Der Techniker kann zwar den Zug befreien, aber die Indexierung ist komplett hinüber. Bzw. auch nach dem Einfädeln und Spannung auf einen neuen Zug aufbringen kommt da nichts… Auch mein Hinweis auf den Versuch mit der Bremsenreiniger-Dusche auf die Mechanik hilft leider nichts… Toll, vor Ort ist nichts zu machen! Shit! Und nun? Ich frage, ob er mir wenigstens ein mittleres Ritzel hinten fixieren kann, damit ich weiter Dual-Speed fahren kann. Darauf hin sagt er mir – „Nein, was fährst du für einen Rahmen? 54er? Nimm doch eines unserer Leihräder?“ Ich brauche zwar einen 52er Rahmen, aber den hat er auch im Van.

Wow, was für ein Service! Ich bekomme ein gar nicht mal so übles Specialized Diverge Expert CEN mit Scheibenbremsen, Shimano Ultegra, Carbonrahmen, DT Swiss R 670 Laufrädern und Specialized Roubaix 28mm Reifen. Das Teil wiegt für ein Carbon-Rad unglaubliche (sehr schwere) 8,7 kg laut Tour-Test. Aber genauso viel wie das jetzt gerade waidwunde J.Guillem Titanrad. Ohne Taschen. Titanrad und Taschen (bis auf Lenkertasche) lasse ich beim Specialized Service. Mit umgeschraubten Pedalen und mitgenommener Trinkflasche und Lenkertasche setze ich mich auf das neue Rad und bin im wahrsten Sinne erleichtert. Von rd. 13 auf rd. 9 kg. :) Ich lasse noch schnell meine RTF-Karte stempeln und mache mich dann sofort in die Verfolgung meiner Gruppe.

Gesündigt, Buße getan – und erst einen, dann zwei Engel gehabt. :)

Glücklicherweise hatte mir Fabian, während ich beim Service festhing, etwas Verpflegung von der Kontrollstelle gebracht. So hatte ich wenigstens ein halbes Brötchen, ein Stück Waffel und ein Stückchen Marmorkuchen intus. Davor war mein einziges Frühstück ein Nutrixxion Riegel am Start und ein Apfel-Smoothie-Gel von Powerbar (die sind lecker, aber leider auch etwas voluminöser als ein normales Gel). Das war’s.

Und damit begab ich mich dann auf den Sündenpfad. Die Gruppe war schon weiter gefahren. Klar – es goss immer noch in Strömen und sie kühlten total aus. Da war es schon besser, dass sie schnell wieder auf den Bock kamen. „Beseelt“ (;-)) von dem Gedanken, die Gruppe wieder einzuholen, habe ich nach der langen Defektpause dann mit dem neuen Rad mächtig auf die Tube gedrückt.

Eigentlich fast das Ärgerlichste daran finde ich, dass ich aufgrund der Konstellation leider keine Wattmessung am Specialized hatte. Wäre ich mit meinem Canyon gefahren und hätte das Rad wechseln müssen, wären meine Pedale die Powertap P1 gewesen. Dann hätte ich allein durch das Umschrauben meiner Pedale auch direkt die Leistungsmessung am Ersatzrad gehabt. Da ich am TCR-Rad MTB-SPD-Pedale fahre, ist dort eine Leistungsmessungskurbel verbaut. Die kann man natürlich nicht so ohne weiteres wechseln… Leider war auch die Knopfzelle meines Herzfrequenz-Brustgurtes schon seit dem Samstag ohne Vorwarnung komplett leer… So kann ich leider nicht direkt quantifizieren, welchen Trainingsstress die gesamte Fahrt am Sonntag ergeben hat. Und kann auch nicht sehen, welche Leistungen ich in welchen Anstiegen gefahren habe. Ich hätte zu gerne die Wasserkuppe und auch den sehr steilen Ebersberg in meiner Trainingsdatenbank!

Es folgte fast den gesamten Rest des Tages nach Kontrolle 2 die Buße.

… für das rumgebolze am Vortag als gäbe es kein Morgen (aber geil war’s :))

… für das Benutzen des J.Guillem in (nahezu) vollem TCR-Setup und Beladung beim Vortags Rumgebolze

… für eine nicht wirklich erholsame Nachtruhe im Matrazenlager des Bürgerhauses (war aber eine Superservice!)

… für ein Frühstück, das nur aus einem Nutrixxion-Riegel bestand

… für ein Nachstiefeln im Speedmodus, um die Gruppe nach der langen Defekt-Reparatur-Pause bei Kontrolle 1 noch bei Kontrolle 2 zu erwischen

… für Nix-Zurückhalten an allen Anstiegen dazwischen und auch an der Wasserkuppe (ach deshalb war der Berg so lang, das ist also die Wasserkuppe… ;-)

… für zu wenig Verdauungspause und Energiezufuhr bei eigentlich allen Kontrollstellen bis in den späteren Nachmittag

Resultat: meine schärfste Waffe – bei Anstiegen mühelos jedes Tempo mitzugehen (wenigstens in meiner Leistungskategorie) – hatte ich bis zur Kontrolle 2 komplett stumpf geschlagen.

Auch die Rumpfmuskulatur bzw. der untere Rücken zeigte „Spürung“. Also nichts mehr mit Spannungsbogen und so…

Super kurze Pausen (auch zum Zeitpunkt des Erreichens der Kontrolle 2 war das Wetter noch nicht angehalten, sich zu wärmen bzw. in den nassen Klamotten richtig abzutrocknen – deshalb sollte / wollte / musste es für die anderen schnell weitergehen) waren weder dafür angehalten, sonderlich viel Energie aufzunehmen bzw. zu verarbeiten. Da es danach meist auch wieder sofort in den nächsten Anstieg ging und es einen Gegen- und Seitenwind hatte, der Belgien im Frühjahr wie einen Kindergeburtstag wirken liess, hatte ich keine Chance auf Erholung bzw. Verdauung…

Das Ergebnis war, dass ich bei der nächsten ernsthaften Rampe abreißen lassen musste und zurückfiel… Bei den wenigen Flachstücken auf den Kuppen oder auch bei den Abfahrten war für mich allein im Wind wenig zu holen; dort bin ich hoffnungslos „verreckt“. Also entweder runterschalten, und die Gruppe nie wieder sehen oder durchdrücken und auch nicht wirklich rankommen.

Doch eine weitere Rampe später… Yay Jenni! Dann danach, Yay Fabian! :) Wir sind dann schließlich zu Dritt die ganze Strecke zu Ende gefahren. Und ich bin in Anstiegen hinterher getuckert und hab in Abfahrten und Flachen gelutscht… Und wir haben mit den anderen immer nur kurz bei den Kontrollen gequatscht…   In dem Modus hatte ich dann bei Kontrolle 5 endlich wieder langsam Land in Sicht. Das Mittagessen von Kontrolle 3 (da gab’s Warm; ich habe auch alles brav in mich hineingeschüttet: einen Teller Nudeln mit Gulaschsoße, einen Becher heiße Boullion, etwas Kuchen, Isozeugs) war endlich verdaut. Es gab (wie bei Kontrolle 4, wo ich sonst nix runterbekommen hatte) wieder Cola (yeah, the Black Doctor). Noch etwas von dem überaus leckeren Kuchen. Eine halbe, sehr gute Brezel. Und eine heiße Knackwurst im Brötchen. Das alles wollte natürlich auch wieder verdaut werden. Doch ein paar weitere langsame Anstiege später kam wieder Leben in die Beine. Und ganz zum Schluss konnte ich die Anstiege wieder mitgehen. Und auch den Schlussstint wieder volle Kanne powern. Yay!

Alles in Allem: Trotz Regen, trotz Wind und trotz Defekt ein geiler zweiter Tag, ein geiler erster Tag, eine erfolgreiche Kostümprobe, ein geiles Bimbach400 und ein geiles Wochenende!

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Gemeinsam im Ziel – was für ein tolles Erlebnis!

Was habe ich gelernt? Bzw. welche Fragen sind aufgetaucht?

Schlafen:

Die Sea to Summit Ultralight Regular Isomatte: Ist sie bequem genug? Meine Nachtruhe war nicht die Allerbeste. Und ich meine, es wäre nicht nur durch das (durch Oropax nicht gänzlich unterdrückbare) Geschnarche im Matrazenlager gekommen.

Eine Unterlage für Isomatte: Die wäre wohl doch sinnvoll. Mit Platz, einige Sachen direkt neben der Isomatte dreckgeschützt ablegen zu können und beim Anziehen eine saubere Unterlage zu haben. Und ein Schutz für die dünne Isomatte vor scharfen Steinen etc. die die Hülle verletzen könnten. Nimmt aber alles wieder Packmaß ein… Hmmm…

Ein kleines flaches aufblasbares Kissen: Ich hatte mir einen Stoff-Umhängebeutel mit meiner Fleece-Jacke als Kissen unter den Kopf gelegt… Das ging, war aber doch nicht wirklich bequem.

Bekleidung:

Socken: auf jeden Fall zweites Paar dabei haben. So kann ein Paar trocknen.

Schuhe 1: auf jeden Fall ganz dünne Slipper oder so etwas mitnehmen. Nicht nur auf die Multifunktionalität von MTB-Schuhen setzen. Wenn die Nass sind und bei einer Pause bzw. Hotelnacht trocknen sollen, brauche ich währenddessen Ersatz.

Schuhe 2: Meine Shimano SH-XC50N MTB Schuhe, die sonst recht gut sind geben mir bei ausgedehnten Tagestouren leider Probleme im Übergang von Fußrücken zum Schienbein. Dort drückt die Zunge. Das habe ich schon während meines 3 tägigen Südtirol-Stint festgestellt. Eine Modifikation des Zungenbereiches brachte leider keinen Erfolg. Ich bin aber sowieso schon auf der Suche nach einem anderen Schuhmodell.

Regenüberschuhe: die Shimano-Überzieher haben sich am linken Bein am oberen Reissverschlussende während dem Sonntag durch die Haut gearbeitet… Die sind also schon mal definitv nichts für längere Ausfahrten und Ausfahrten mit kürzeren Socken als die Überschuhe lang sind.

Leistung:

Nicht in den Roten Bereich gehen und versuchen, KOMs zu jagen. Gut, das ist keine neue oder bahnbrechende Erkenntnis sondern Selbstverständlichkeit. Das habe ich am Sonntag auch nur gemacht, um Grenzen auszuloten.

Die Leistung kommt wieder: Genug essen und wenn man genug isst, dann kommt auch die Leistungsfähigkeit wieder. Und das selbst nach 200 km. Das stimmt mich sehr positiv.

Radausstattung:

Pedale: Ich will ja eigentlich mit MTB-Schuhen und daher mit MTB-Pedalen fahren. Damit ich mich auch abseits des Rades und rund um die Uhr mit genau einem Paar Schuhen optimal bewegen kann. Aber an diesen blöden Shimano-SPD-Pedalen (am Sonntag besonders mit den XTR-Pedalen gemerkt) haue ich mir in leicht erschöpften Zustand und im engen RTF-Gewusel bei fast jedem Stop irgendeinen Kratzer in die Wade oder haue mir den Knöchel an… Gibt es da nichts Rundlicheres? Doch mal Crankbrothers Egg-Beater ausprobieren? Das wäre aber abweichen vom Bewährten. Vielleicht montiere ich anstelle der XTR-Pedale wieder die preiswerten und etwas schwereren, dafür außen nicht so scharfkantigen PD-M520 Pedale….

Die Veranstaltung:

Wir sind Sparta! Die Kombi-Wertung des Bimbach 400 haben rund 300 Teilnehmer erfolgreich absolviert. Insgesamt gab es dem Veranstalter nach 5.432 Teilnehmer über das gesamte Wochenende, davon 2470 am Samstag und rd. 2262 am Sonntag, die sich auf die diversen Streckenlängen verteilten. Die Niederschlagsmenge am Sonntag: 25 mm. Öha!

„Pfingsten fährt man in Bimbach“. Davon konnte ich mich jetzt auch endlich mal persönlich überzeugen. Ja – ich muss schon sagen: eine mit viel Engagement und individuellem Einsatz des Vereins RSC `77 Bimbach, seiner Mitglieder und Angehörigen, aufgestellte Veranstaltung. Was ich sowohl am Samstag als auch am Sonntag erleben durfte, zeugte von viel Liebe, hoher Motivation und jeder Menge Erfahrung. Für mich ein super organisiertes Event, welches keinen Vergleich mit anderen, perfekt organisierten Radveranstaltungen scheuen muss. Was mir an diesen zwei Tagen Rhön als Rennradrevier gezeigt wurde, macht Lust auf mehr.

Oder auf Wiederkommen…  Am liebsten wieder mit derselben Truppe!

 

Meine Rennradwoche auf Mallorca und die Teilnahme am Mallorca312 Radmarathon

Rad fahren

Was für eine tolle Woche! Wo nur anfangen?

Mit dem Rennrad im Frühjahr auf Mallorca – für viele Tradition, für viele vielleicht Klischee? Oder so gewöhnlich wie ein Butterbrot? Nichts aufregendes mehr? Fliegen fliegen Fliegen hinterher?

Oder doch mehr? Nicht nur einfach schon halbwegs warm im Frühjahr, gut mit dem Flieger zu erreichen und preiswerte Hotels mit fettem Buffet sondern vor allem eine richtig tolle Rennrad-Destination? Mit allem, was dazu gehört: tolle, abwechslungsreiche Landschaft, weitestgehend sehr gute Fahrbahnbedingungen und gute Unterkünfte? Ja. In der Tat!

Davon habe ich mich jetzt noch einmal selbst überzeugt. Noch einmal, weil ich vor vielen Jahren schon ein mal auf Mallorca war. Damals allerdings mit dem Mountain Bike zum Technik Training Camp. Lang lang ist’s her.

Cap de Formentor mit Far de Formentor, dem Leuchtturm

Cap de Formentor mit Far de Formentor, dem Leuchtturm

Jetzt war ich letzte Woche mit dem Rennrad da. Nach Provence und zweimal Toskana wollte ich dieses Frühjahr endlich mal die bekannten und reizvollen Strecken Mallorcas unter die dünnen Pneus nehmen. Die Straße nach hinab zur Bucht von Sa Calobra mit dem berühmten Krawattenknoten. Die Straße zum Cap de Formentor (beide vom Italiener Antonio Paretti geplant). Diverse Routen durch das Tramuntana-Gebirge (Unesco-Weltkulturerbe, nicht weniger) und hoch über der Steilküste entlang. Das sind schon Klassiker, die man auf jeden Fall mal befahren und gesehen haben sollte.

Und – soviel sei vorweg gesagt – ich wurde nicht enttäuscht.

Mit diesem groben Ziel des Frühjahrsurlaubs im Sinn hatte ich mich im vergangenen Herbst darüber hinaus für die Teilnahme am Mallorca312 GranFondo angemeldet. Einfach als Zusatz-Bonbon und noch ganz ohne die Idee, mich für die Riesenherausforderung des Transcontinental-Race zu bewerben (und auch angenommen zu werden).

Nomen est Omen: Der Mallorca 312 Gran Fondo führt 312 Kilometer entlang und über die Serra de Tramuntana und dann in einer Schleife hinab und hinauf der Ostküste Mallorcas. Eine 225 und eine 167 km Runde werden ebenfalls angeboten.

Normalerweise ist das ja immer so eine Frage, wenn man ein solches Event halbwegs ambitioniert angehen will: vorher anreisen und akklimatisieren? Und dann schön tapern (sportlicher, verdenglischter Fachausdruck für das Rückfahren des Trainingsvolumens vor einem Rennen)? Oder zum Rennen (das am Samstag statt fand) anreisen (also am Freitag mit Stress) und die Woche darauf vor Ort Urlaub machen? Und dann vom Rennen so kaputt sein, dass man kaum fahren kann? Aber man will doch gerade im Urlaub dort viel sehen und viel fahren! Das ewige Dilemma.

Das man am besten damit löst: Just ride! ;-)

Just ride

Just Ride – Jenni und Fabian in Richtung Coll de Femenia

Trainingsziel / Wochenziel:

Spaß haben, Landschaft erkunden, Volumen sammeln: Fahren, Fahren, Fahren. :)

Mit den kommenden Anforderungen des Transcontinental Race im Blick war das sogar erklärtes Trainingsziel bei mir. 312 Kilometer am Samstag? Egal – schön davor jeden Tag ohne Rücksicht auf den Samstag ordentliche Kilometer und schöne Touren fahren und schön vorermüdet in den Samstag hinein gehen. :)

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Blauer Himmel, blaues Gabba – am Freitag war’s frisch und Langarm angesagt.

Nicht im Bikepacking-Modus. Auch nicht jeden Tag 260 Kilometer oder mehr (wie ich es als rechnerische Tagesdurchschnittsstrecke benötige, um im TCRNo5 Griechenland von Belgien aus in 15 Tagen rechtzeitig zur Finisher-Party zu erreichen). Denn die Mallorca-Woche sollte aus klassischen Touren und Genuss meiner Halb-Pension im Fünf-Sterne-Hotel bestehen. ;-) Und auch im Sinne des Trainingsaufbaus will ich solche Belastungen noch nicht über eine Woche fahren. Denn: das aerobe System ist recht schnell aufgebaut. Muskeln, das geht auch noch recht schnell. Bänder und Gelenke hingegen – da muss man aufpassen. Eine übermotivierte Volumen- und Intensitätsexplosion kann einem da ganz schnell über mehrere Wochen schachmatt setzen, wenn es z.B. Knie oder Achillessehnen überlastet.

Aber – alles gut. Auch die dann insgesamt 314 km, die als nun längste am Stück gefahrene Tour bei mir auf dem Radcomputer standen, habe ich bestens und ohne Wehwehchen überstanden. Und davon bin ich einigermaßen positiv überrascht. Keine Sitzprobleme, keine Rückenprobleme, keine Knieprobleme, nichts! Der linke Fuß hatte sich am Außenballen irgendwann zwischen km 180 und 250 ab und an mal bemerkbar gemacht, wenn es über besonders ruppige Straßenabschnitte ging (auch die gab es vereinzelt), das war danach aber sofort wieder weg.

Auch die dann insgesamt 314 km, die als nun längste am Stück gefahrene Tour bei mir auf dem Radcomputer standen, habe ich bestens und ohne Wehwehchen überstanden. Und davon bin ich einigermaßen positiv überrascht. Keine Sitzprobleme, keine Rückenprobleme, keine Knieprobleme, nichts!

Ich schreibe das zum einen meinem doch regelmäßig (wenn auch oft nur einmal pro Woche) durchgeführten Core-Training, meiner fortgeschrittenen Konditionierung, dem bei aller Agilität sehr komfortablen Canyon CF SL (mein Leihrad), dem mitgebrachten Tune Komm-Vor-Carbonsattel und vor allem aber auch der sehr welligen Strecke zu, die wir mit viel Spaß und ordentlich Druck auf dem Pedal zurück gelegt haben. D.h. es war immer sehr abwechslungsreich (mal bergauf, mal bergab, mal Wiegetritt, mal im Sattel). Und viiel Druck auf dem Pedal bedeutet auch potenziell weniger Druck auf den Sattel.

Moment mal: Wir?

Ja, ich war – unerwarteterweise – gar nicht allein auf der Insel. Ok, natürlich nicht. Im April ist auf Mallorca zwar nicht die Hölle los, aber wahrscheinlich doch Hochsaison für Rennradfahrer und auch andere Radfahrer. Zudem sind auch schon (oder im Anschluss an die Osterferien) noch viele normale Touristen dort.

Ich meine aber natürlich mein direktes Umfeld. Im März stellte sich bei einer gemeinsamen Ausfahrt heraus, dass Fabian (mit ihm bin ich bereits im Team Wittgenstein in der Staffel 24 h Rad am Ring gefahren und habe ihn auch für die zweieinhalb Tour Transalp-Etappen im letzten Jahr begleitet) exakt in der selben Woche auf Mallorca sein würde. Zusammen mit einer locker aus allen Winkeln der Republik zusammengefundenen kleinen Gruppe, die ebenfalls den Mallorca 312 bestreiten wollte. Wie genial! Noch besser – wir waren auch im selben Ort – Playa del Muro. Und nicht nur das, sondern auch nur 9 Minuten zu Fuß entfernt voneinander untergebracht.

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After Finish Group-Selfie: Alle drauf. Alle gut drauf. :) Nach der Zieleinfahrt des Mallorca312: Fabian, Jenni, Karina, Ronny, Anna, Hannes und ich. Foto: Ronny

Ich hatte im Vorfeld bereits über ein gutes Angebot Flug und Halbpension-Aufenthalt im wirklich sehr angenehmen Be Live Palace del Muro gebucht. Das kleine Sechsergrüppchen hatte ein schnuckeliges Häuschen mit Minipool.
Insgesamt waren wir so zu Siebt. Ich kam am Sonntag abend an, holte am Montag vormittag mein Leihrad und wenige Minuten später trafen wir uns schon zur ersten gemeinsamen Ausfahrt.

Leihrad:

Rennrad leihen oder mitnehmen – dass ist bei Flugreisen ja immer die große Frage. Der Vorteil, das bestens eingestellte, gewohnte und bestens ausgestattete Gefährt dabei zu haben, steht den Nachteilen gegenüber, das auch gut verpacken zu müssen (zum Hin- und zum Rückflug jeweils) und dann auf dem Transportweg darum bangen zu müssen, es mit zum Flughafen und zum Hotel zu transferieren und auch noch extra Gepäck-Gebühren zahlen zu müssen. Geschweige denn, erst einmal auch eine gute Tasche bzw. einen guten Radtransportkoffer zu kaufen (wenn man einem normalen Karton nicht trauen mag…).

Andererseits: Vor Ort leihen heisst ja auch: ein ggf. unbekanntes Rad haben, das Rad erst mal vor Ort holen zu müssen und auf sich einstellen müssen. In meinem Fall habe ich daraus ein Best of Both Worlds gemacht:

Mein eigenes Rad nicht mitgebracht, dafür aber darauf Wert gelegt, genau die selbe Marke und dasselbe Modell (wenn auch das Vorgängermodell, welches ich bis vor letztem Jahr ja auch gefahren habe) auszuleihen. Klar, die Komponenten und der Rahmen waren nicht ganz so wertig, aber funktional. Ein Ultimate CF SL Rahmen gegenüber einem Ultimate CF SLX. Ein bisschen schwerer, aber genau die gleiche geniale und erprobte Geometrie. Anstelle einer Campagnolo Super Record EPS eine mechanische Shimano Ultegra – für eine Woche kann man super damit leben. Keine Hochprofil-Carbonlaufräder – aber das war für die Windverhältnisse und kurvigen Steilküstenstraßen auch sehr willkommen.

Meinen Sattel habe ich mitgebracht und Leistungsmessung war auch kein Problem: Ich hatte meine Powertap P1 Leistungsmesserpedalen dabei. Die sind narrensicher und total einfach umzuschrauben.

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Tadelloser Untersatz für die Mallorca-Woche. Ein Canyon Ultimate CF SL mit meinem Tune Komm-Vor Sattel, mit meinen Pedalen, meinem Radcomputer und meiner Lenkertasche.

Pool Area des Be Live Collection Palace de Muro

Hier konnte man es aushalten: die Pool Area des Be Live Collection Palace de Muro. Es war ein toller Radurlaub, denn diesen Bereich meines Hotels habe ich erst am letzten Aufenthaltstag erkundet. :)

Damit frisch abgeholt und Sattel umgewechselt konnte es sofort in die erste gemeinsame Ausfahrt gehen.

Sehr sehr toll! Mal waren wir zu sechst, mal zu siebt, einmal zu viert, ich einmal allein (am Freitag vor dem Rennen) und am Samstag für die 312 km zu fünft unterwegs (um mittendrin doch auf Anna auf ihrer 167 km Runde zu treffen und dann ein gutes Stück bis zur Streckenteilung zu sechst fahren zu können).

Insgesamt kamen so bei mir in 5 Tagen auf dem Rad 869 Kilometer und 11.576 Höhenmeter zusammen. Im Training Stress Score ausgedrückt: 1623 TSS. Absoluter neuer Wochen-Rekord für mich.  Im August 2015 war ich fast genau so hoch – 1621 TSS über die Route des Grandes Alpes. Auf dem dritten Rang liegt die Dolomitenwoche samt Maratona dles Dolomites auch in 2015. Mit einem TSS von 1524. Nice!

Insgesamt kamen so bei mir in 5 Tagen auf dem Rad 869 Kilometer und 11.576 Höhenmeter zusammen. Im Training Stress Score ausgedrückt: 1623 TSS.

Das Wetter war fast durchweg gut und sonnig. Nur am Donnerstag regnete es den ganzen Tag. Gut – das war dann eh ein sehr gut geeigneter Ruhetag, den ich für’s Ausruhen, für’s Bilder-Verschlagworten und Editieren, für Core-Training im Fitness-Studio des Hotels und für das Abholen der Startunterlagen nutzen konnte.

Am Freitag war es vormittags noch etwas durchwachsen und bewölkt sowie den ganzen Tag über sehr windig und kalt. Aber wenigstens Nachmittags sonnig. Die anderen machten einen zweiten Ruhetag und holten dort ihre Startunterlagen ab (aber da sie auch schon am vergangenen Samstag angereist waren, hatten sie schon einen Tag mehr in den Beinen als ich). Ich wollte wie gesagt auch direkt vor dem Mallorca312 eine Vorbelastung setzen und klapperte daher auf einer 117 km Runde einige Punkte auf meiner Sightseeing-Liste ab:

Der Freitag: Mallorca Tag 5 – Kulturprogramm im Wind gechillt

Bin nach Sineu gefahren, habe dort das Velodrom besucht und befahren: check.
Ein Bekleidungshersteller hatte für die Woche dort sein Minicamp aufgeschlagen und richtete einen lockeren Wettbewerb aus: Für einen Euro Spende an den örtlichen Radverein eine Runde auf dem Velodrom, selbstgezeitet, und in die Liste eingetragen. Die schnellste Tageszeit gewinnt eine Radsportkappe. Das war mir aber gerade egal. Ich wollte einfach nur mal mit dem Rad auf der Bahn gefahren sein und ein paar Fotos gemacht haben (leider war das Licht zu dem Zeitpunkt ziemlich unspannend). Auch wollte ich meine G1-Fahrt nicht mit einem harten Intervall krönen. Daher bin ich einfach nur drüber gegondelt und trug dann irgendeine Zeit ein. Die hingeschriebenen 65 Sekunden trafen dann auch im Vergleich zu den vielen 24er Zeiten auf einiges Erstaunen bei dem Ryzon-Mensch. Ich fragte noch scherzhaft, ob es auch eine Competition für die Lanterne Rouge gäbe… ;-)

Velodromen i Sineu

Velodromen i Sineu

Velodromen i Sineu

Steilkurve, Velodromen i Sineu

Danach bin ich auf den Puig Randa gefahren, habe dort die Aussicht genossen und das Kloster besucht. Was für ein Wind dort oben!

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Im Kloster Santuari de Cura auf dem Gipfel des Puig Randa.

Eine Abfahrt auf teilweise anderer Route bescherte weitere schöne Kurven und führte mich später zum Kloster Monti-Sion. Im Gegensatz zum Puig-Randa ist dort keine Einkehr möglich, die Anlage auch kleiner, aber sehr reizvoll im Ensemble.

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Nicht hoch, aber schwungvoll – Serpentine hoch zum Santuari Monti-Sion. Blick in das Kurveninnere…

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… und Blick nach Außen über Porreres im Hintergrund. Einer von mehreren Bildstöcken auf dem Weg zum Kloster.

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Das Kloster Monti-Sion.

Und schlussendlich bin ich dann noch durch Petra gefahren, um dort auf dem Marktplatz Kuchen zu essen: check. Wobei das erst gar nicht so einfach war, in der Vielzahl der gleich aussehenden kleinen Gassen den Marktplatz zu finden.

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Pfarrkirche San Pere in Petra

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Roads to ride – in der Ebene nördlich von Petra.

Zurück zum Montag: Dort sind wir freestylemäßig zunächst nach Norden nach Alcudia gefahren.

Mallorca, Tag 1 – traumhafte Sa Calobra

Was erst eine Tour zum Cap werden sollte, wurde dann aber eine sehr schöne Tour zunächst über den Coll de Femenia und dann nach Sa Calobra. Yeah! Erster Eintrag meiner „Bucket-List“ direkt abgehakt.

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Traumhafte Straße Richtung Sa Calobra und Puig Major.

Was für eine tolle Strecke dort hin und was für eine noch tollere Serpentinenstraße hinab zu der Bucht von Sa Calobra. Dort unten gab es dann leckeren Kuchen. Und dann mussten bzw. durften :) wir wieder hinauf. Denn, die Straße des Coll dels Reis (so heisst der Pass, der aber eigentlich immer nur Sa Calobra genannt wird) ist eine Sackgasse.

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Der berühmte „Krawattenknoten“ der Sa Calobra Straße.

Nachmittags war es dann auch super ruhig dort. Mittags war doch noch deutlich mehr los. Sowohl was Rennradfahrer als auch Autofahrer und auch Busse betraf. Glücklicherweise soll sowohl die Sa Calobra-Straße als auch die Straße zum Cap de Formentor ab 2018 nur noch für kleine Shuttelbusse und nicht mehr für Kfz-Individualverkehr und größere Busse zugelassen werden.

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Kann schon mal eng werden. Toll abwechslungsreiche, aber auch schmale Straße.

Mallorca Tag 2 – So blau das Meer, so rauh der Teer

Am Dienstag gab es dann eine sehr coole Vorbelastung und Vorschau zur Mallorca312-Runde. Im Reim dich und Schlager-Contest-Modus: Mallorca Tag 2 – So blau das Meer, so rauh (allerdings nur selten) der Teer! ;-)

Zu viert sind wir den Küstenklassiker gefahren und haben uns insgesamt 218 Kilometer und 3.066 Höhenmeter gegönnt.

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Küstenklassiker-Goodness! Fabian, Jenni und Hannes.

Was für eine endgeile Tour! :) Landschaft, Entdeckungen, Schüttelreime, Schlager-Anträllerei, elende Wellen (im Gelände) und Charakterschulung par Excellence auf dem Weg entlang und hoch über der Küste Richtung Westen (Wind schulte unseren Charakter). Mega-Bocadillos in Deia, flankiert von Lemoncake und Mandelkuchen, geile Mucke in der Bar, geile Mucke aus einem Van beim Meerblick-Fotostop und megastarke Pulls von Fabian und Jenni. Krasser Scheiss, spätestens ab Andratx hab ich nur noch gestaunt, wie fit die Jungs und Jenni alle sind – ich wäre alleine längst nicht mit dem Schub über die Wellen gedrückt. Nicht bei 200 km plus… :)

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Es gibt wohl kaum eine Tankstelle, die mehr Auswahl an Gels, Riegeln und anderen Dingen für Rennradfahrer bietet. Daneben auch ein Café. Am Coll de Sa Bataia.

Die Ornot Handle Bar Bag:
Zusätzlich zum Wahoo Elemnt, den ich in dieser Woche ausschließlich benutzt habe und der seinen guten Eindruck (bis auf seinen Out-Front-Lenkerhalter) voll bestätigte, habe ich noch die kleine Lenkertasche von Ornot getestet. Sehr praktisch. Sie habe ich dann für den Rest der Woche und auch für den Mallorca 312 Gran Fondo am Lenker belassen. Toll. Drinnen hatte ich: Topeak-MiniRocket Pumpe, ToPeak-Multitool, Klebepatch-Kit zum Flicken, einen Ersatzschlauch, 2 Gels und einen Riegel. Bis auf den Ersatzschlauch habe ich den Kram sonst in den Trikottaschen. Am Samstag kam zusätzlich hinzu: die sehr geile Endura Prima-Loft-Radweste (die sich sehr klein zusammenlegen lässt), später dann noch Knielinge und immer mal wieder Zeugs, was ich von den Verpflegungsstationen für das nachträgliche Verzehren mitnahm. Hier mal eine Banane und einen Riegel, da zwei abgepackte Sandwiches und noch ein Gel. Immer sehr cool direkt im Zugriff auch beim Fahren. Nicht schlecht!

Für mein eigenes Canyon muss ich mir allerdings noch etwas in Bezug auf die Klettriemen überlegen. Da will ich meine elegant geschwungene Bremsleitung und EPS-Kabelleitung (gemeinsam im Spiralschlauch geführt) nicht einfach so an den Lenker quetschen. Weil aufgrund der elektronischen Schaltung auch nur dieses eine Kabel im Bogen zum Rahmen führt, erhält die Tasche auf der rechten Seite keinen Gegendruck und würde ohne weiteres daher leicht schräg hängen und Wackelpotenzial haben. Zum einen brauche ich hier also eine Verlängerung und zum anderen geeignete Abstandhalter (z.B. aus geschlossenzelligem Schaumstoff) die zwischen Lenker und Tasche in die Kletttriemenschlaufe gesteckt werden können, so dass ich gegen diesen Widerstand die Tasche trotzdem unbeweglich festzurren kann – so die Idee).

Doch zurück zu unserer tollen Dienstragsrunde: Immer, wenn ich auf die Leistungsangabe meines ELEMNT sah, war ich beim Durchdrücken der Wellen irgendwie mindestens bei 240 Watt oder sogar mehr. Also weit im Schwellenbereich oder sogar darüber. Ich dachte mir: oh wei, dass kann doch nicht die ganze Zeit gut gehen…

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Straßen zum Träumen

So bekundete ich nach einem sehr coolen kurzen Supermarkt-Refill irgendwo nach Andratx, vermutlich Es Capdellà, dass ich doch schon „leicht anerschöpft“ sei. ;-) Die Cola und eine leckere Apfeltasche gaben aber wieder frische Energie. :)

Und – sehr interessant, am Beispiel vom (in meiner Trainigssoftware GoldenCheetah automatisch detektierten und Ausgewiesenen) Anstieg Nr 11: Durchschnittsleistung war dort zwar nur 195 Watt, das wäre so gerade in G2, bzw. Zone 3, Tempo. über knappe 13 Minuten. Meine HF steigt aber von 112 am Start auf 161 am Ende des Intervalls. Die Leistung steigt auch durch das Intervall an, weisst aber den Wellen folgende Mikrointervalle auf. Ständig geht die Leistung auf 250, 260, 270 Watt, immer mal für 30 bis 40 bis 60 sek und mehr.
Bei anderen Wellen geht’s immer mal wieder auf 320 bis 350 Watt rauf. Schon eine sehr starke Belastung, die aber in Verbindung mit den ebenfalls vorhandenen Abfahrten und einer längeren Pause in Deià auch nur eine übliche relative Intensität von rd. 0,6, eine xPower von 155 und eine TSS von 397 ergab.

A pro pos Pause in Deià. Die Mega-Bocadillos habe ich ja bereits erwähnt. In Deià wollten wir einkehren, das stand vorher schon fest. Hannes führte uns zunächst zur Kirche hoch. Eine kleine Extra-Bergwertung bestätigte: Ja, ganz reizvolle Gassen und ja – an der Kirche gibt es immer auch was zu essen, wie Hannes meinte. Allerdings nicht in Form eines Cafés sondern eines kleinen Standes mit Zitronenkuchen und frisch gepresstem Orangensaft. Ok – hier konnten wir schon mal unsere Flaschen nachfüllen und uns Zitronenkuchen als Vorspeise teilen.

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Refill an der Kirche in Deià

Also wieder zurück in den Ort und halbwegs unschlüssig auf ein Café / eine Bar zugesteuert. Ein entgegenkommender Radfahrer riet uns aber dringend ab. Was gab’s sonst noch… ah – vielleicht diese Bar hier… Kuchen? Oder doch Bocadillos. Na, wird schon passen. Draussen sitzen passte aber platzmäßig nicht. Also hinein. Aber die Räder? So direkt an der Straße stehen lassen war dann doch leicht uncool. Hannes fragte einfach den Besitzer und klar: bringt die Räder hinein. Gar kein Problem.

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Bikes inside in der Bar Tramuntana

Sehr cooler Laden. :)

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Hannes, Jenni, Fabian und ich in der Bar in Deià.

Mallorca Tag 3 – Auf die Spitze getrieben.

Am Mittwoch ging es sehr locker und für mich als Rekom-Ride zu siebt in voller „Mannschafts-Stärke“ als schönen Ausflug zum Cap Formentor. Eine absolut tolle Straße. Muss jeder Mal gefahren sein. Leider war auch an diesem Tag und an dieser Strecke viel Auto- und teilweise Busverkehr. Immer noch sehr schön zu fahren und ein tolles Erlebnis, beizeiten aber mit viel Auf-Der-Bremse-hängen und hinter Autoschlangen entlangfahren und vorbeischlängeln. Ich habe ja bereits zu Sa Calobra erwähnt, dass auch diese Strecke zum Cap ab 2018 verkehrsberuhigt werden soll.

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Cap de Formentor

Mit wieder mal diversen frei umgedichteten und angesungenen Schlagerversatz-Stücken und Jauchzern (nicht zu vergessen, Frederico wurde des öfteren gerufen ;-)) ging es vom Cap wieder zurück. Highlight – ein live auf dem Rad durchgeführter Schuhplattler zur Verwunderung der jeweils überholten anderen Radler.

In Port de Pollença gab es Kuchen am (leider windigen) Pier und den Entschluss, durch’s sogenannte „Peter Maffay-Tal“ noch eine Schleife nach Muro dran zu hängen und da nochmal Kuchen zu essen. :)

Einziges Mimimi der Woche: Ich merkte es ab und an im rechten Beinbizeps von gestern. Überhaupt scheinen die Beinbizeps dieses Jahr mein genereller Schwachpunkt zu sein. Da hatte ich doch schon des öfteren Spürung und auch mal Sorge. Aber nach dem Ruhetag am Donnerstag hatte ich dort keine Probleme mehr.

Ja, und dann der Samstag und der Mallorca 312 Gran Fondo!

Hach, ich weiss gar nicht, wo ich anfangen soll.

Was für ein geiler Tag! Was für eine tolle Truppe. Ich bin mit Jenni, Fabian, Ronny und Hannes den Mallorca 312 gefahren. Anna und Karina waren auch dabei, sind aber die kurze Runde gefahren.

Der Mallorca 312 war richtig genial. Tolles Wetter, gerade morgens am Anfang und das erste Drittel: Ganz nach meinem Geschmack! Im frühen Morgenlicht entlang der Küste der Bucht von Alcudia bei genial ruhigem Meer in großer Gruppe geradelt. Dann linksschwenk und immer noch flach Richtung Serra de Tramuntana und in den ersten Anstieg, den Coll de Femenia, den ich in dieser Woche nun zum dritten Mal befuhr. Aber immer wieder toll.

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Traumhafter Start in den Tag. In der Bucht von Alcudia. Oh – man sieht, dass wir uns ganz am Ende des letzten Startblockes eingereiht hatten… ;-)

Dann über Puig Major bis nach Andratx immer entlang der Steilküste. Auf und ab bei grandiosen Aussichten auf das Meer und durch kleine Dörfer. Die Abfahrt von Puig Major hinab nach Sóller – der Kracher.

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Yours Truly in der genialen Abfahrt vom Puig Major hinab nach Soller.

Dann ein zwar auch welliges, aber flaches Intermezzo auf eher breiten Straßen. Hier dachte ich noch: „Oh wei, wenn dass jetzt die verbleibenden 200 km so weitergeht…“ Noch viele Leute zusammen, bald danach auch der Zusammenschluss mit den kürzeren Schleifen und bei den Teilnehmern wohl noch viel Adrenalin aus den Abfahrten und Eindrücken zu vor und wohl noch vergleichsweise frische Beine. Das war erst noch recht schnell und so musste man wachsam und jederzeit bremsbereit sein. Das wandelte sich aber schnell. Spätestens nach der nächsten Verpflegungsstation war für mich davon nichts mehr zu spüren und es hat direkt wieder Spaß gemacht. Gerade auch das letzte Drittel als teilweise verwinkelte und sehr wellige Kurvenhatz über kleine Nebenstraßen und, wie davor auch schon, immer wieder mal durch kleine Ortschaften.

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Küstenhighlights.

Und wie wir da abgefeiert wurden… Die Spanier sind da echt enthusiastisch bei der Sache gewesen. Und selbst jeder Streckenposten war freundlich und grüßte zurück. Ok, Jennis (und auch unser) freundliches und lautes ¡Hola wird da auch dazu beigetragen haben. Und außerdem haben wir bei Sicht von Applaudierenden Chicas und Chicos am Rand unsererseits laut los gejohlt – Stimmung pur! ;-)

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Kurz vor Es Capdellà

Und erst mal in Artà! Wir dachten, was geht denn hier ab. Die letzte Verpflegung, rund 30 km vor dem Ziel und der ganze Ort macht Fete rund um die Verpflegungsstation. Jeder bekam direkt erst mal ein Freibier in die Hand gedrückt. Klasse!

Stimmung auch so – Mein Bedarf an frei aus dem Stehgreif umgetexteten Gassenhauern und Werbe-Melodien ist jetzt erst mal gedeckt… ;-)

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Schmale Sträßlein, viele Rampen – das dritte Drittel des Mallorca 312.

Krasser Scheiss auch, dass wir 5 alle so gleich stark an den Wellen und Rampen waren und sie gnadenlos durchgedrückt haben. Gerade Hannes war da auch kaum zu bremsen.

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Im Ziel nach 314 km. Alle zusammen gefahren – alle gleich stark. Alle für einen, einer für alle!

Starke Truppe, Starkes Team – hat Riesenspaß gemacht!

Was für eine tolle Woche!

Hier noch einige weitere Impressionen als Galerie: