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Die Tour de France 2016 ist Geschichte – Langweilig? Von wegen! Gefährlich? Eher weniger als sonst.

Rad fahren

Was für eine tolle Frankreich-Rundfahrt liegt hinter uns!

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Tour de France Peloton, Foto by なまがき (Namagaki), Flickr, Licence CC BY-SA 2.0 

Auch dieses Jahr hat die große Schleife nicht enttäuscht. Grandiose Landschaften, mythische Pässe, tolle Zuschauermengen (manchmal zu viele), sportliche Höhepunkte und Drama. Die Tour ist eben die Tour!

Dazu gehören aber auch zwei weitere Dinge, auf die man jedes Jahr zählen kann. Bzw. zwei „Anklagen“ oder Vorwürfe, die man Jahr für Jahr hören kann. Auf diese zwei Dinge möchte ich kurz eingehen und dann festzustellen, dass es eine der tollsten und spannendsten Touren der letzten Jahre für mich war.

Punkt 1: Jedes Jahr wird gefragt: Wird die Tour von Jahr zu Jahr gefährlicher?

Und – Punkt 2 – es wird standardmäßig gesagt: Es fehlt der Tour an Spannung.

Wird die Tour von Jahr zu Jahr gefährlicher?

Wenn sich auch vielleicht die diesjährige Tour selbst für den unreflektierendsten Zuschauer ganz offensichtlich einen willkommen sturzarmen Anfang erfreuen konnte, so dass die reflexhafte (und meist nicht durch Tatsachen unterstützte) Frage diesmal kaum gestellt wurde. Das ist ein valider Punkt und eine valide Frage, wo verschiedene Faktoren mit hinein spielen.

Z.B. in erheblichen Maß durch die zunehmende und sich in meinen Augen schon längst ins Gegenteil verkehrten Maßnahmen zur (in Teilen vermeintlichen) Erhöhung der Verkehrssicherheit. Streetfurniture, bzw. Straßenmöblierung bzw. Verkehrsberuhigungsmaßnahmen wie Kreisel, „Speedbumbs“ (stumme Polizisten), Verkehrsinseln (nicht selten extra nachträglich in eine perfekte Straße nur zum Zweck der Geschwindigkeitsreduzierung eingebaut), mehr und mehr Markierungen (Rutschgefahr), Hochborde etc. Das stört die Sichtlinien (soll ja teilweise sogar so sein, um die Anfahrtsgeschwindigkeiten der Kfz auf diese Weise zu mindern), führt aber auch für den Kfz-Verkehr alleine schon teilweise zu unnötigen und prekären Situationen – mehr noch in Verbindung mit übrigen Verkehrsteilnehmern wie Fußgängern oder Radfahrern.

Auch die Räumfähigkeit solcher Straßen im Winter ist stark herabgesetzt. Und bei so mancher Maßnahme, an der ich selbst vorbeikomme, fasse ich mir an den Kopf und frage mich, ob der planende Ingenieurskollege schon mal an andere Dinge wie Müllabfuhr, Rettungskräfte oder verbleibenden Straßenquerschnitt im Winter Gedanken gemacht hat… Für Radfahrer im Allgemeinen und Rennradfahrer im Besonderen sind viele solcher Dinge (insbesondere auch „Holperschwellen“) Gesundheitsrisiken allererster Güte. Und wie das für ein rasendes Peloton nochmals bedenklicher wird, brauche ich nicht zu erläutern.

Der zweite Punkt sind die vermeintlich höheren Investitionen in die Teams und das Ziel Tour de France. Das muss sich lohnen, das darf nicht durch eine verpasste Gruppenteilung bei windiger Flachetappe oder vor wichtigen Anstiegen schon in den ersten Tagen verpasst werden. Ein enormer Druck wird von allen Seiten auf die Teams und Fahrer und innerhalb der Teams aufgebaut. Alle Fahrer, egal ob Sprinter oder Klassement-Fahrer müssen und sollen nach vorne gebracht werden, damit auch ja keiner hinter einem möglichen Sturz in der Endphase einer Etappe hängen bleibt. D.h. da wo sich früher nur die Sprinter mit ihren Teams geknubbelt haben, spielen jetzt auch noch die Gesamtklassement-Aspiranten mit ihren Helfern mit. Das kann ja nicht gut gehen.

Und der dritte Punkt sind die im vergangenen im bisherigen letzten Jahr schon viel zu oft und viel zu tragisch als Verursacher von auch tödlichen Unfällen aufgetretenen Motorräder. Natürlich wollen wir alle Live-Bilder vom Renngeschehen sehen. Natürlich gehören Polizeimotorräder dazu, um die fliegenden Sperren und Streckensicherungen durchzuführen. Aber wir brauchen nicht x Fotografen, die das 120ste Foto der Etappe vom Motorrad aus machen oder sich an fotogene Streckenpunkte fahren lassen, sich dort vor die Zuschauer stellen (mag ich ja besonders gerne… nicht), schnell ein paar Fotos vom durchjagenden Feld machen und dann wieder auf’s Motorrad hüpfen.

Es gibt da ein paar gute erfahrene Teams aus Fotografen und Fahrern – aber bestimmt auch nicht so gute. Und generell sind es zu viele. Und sie fahren zum Teil ungeeignete Maschinen. Und: die geilsten Fotos von Grand Tours der letzten Jahre machen Leute wie Jered und Ashley Gruber (Gruberimages) oder Beardy McBeard. Die fahren nicht mit Motorrädern durch das Peloton, sondern suchen sich im Vorfeld tolle Fotopositionen (und erreichen die auf Nebenstrecken – eine stressige und hohe Kunst). Generell muss mit den Motorrädern etwas passieren!

Der denkwürdigste Moment dieser Tour wurde dann auch durch ein Motorrad verursacht – aber nur mittelbar. Das Motorrad konnte da wahrscheinlich relativ wenig machen, es ging am Mt. Ventoux einfach plötzlich nicht weiter, da die Menschenmassen zu dicht standen.

Ganz im Gegenteil zu meinen aufgeführten wichtigen Problempunkten war die diesjährige Ausgabe der Tour de France aber besonders in der – auch diesmal wieder hektischen – Startwoche von außergewöhnlich wenigen Stürzen und von absolut keiner Aufgabe gekennzeichnet! Bis zur Etappe Nr. 8 waren alle Mannschaften noch komplett! Erst in dieser musste der Däne Michael Mørkøv seinen Verletzungen aus der ersten Etappe Tribut zollen. Insgesamt sind über die folgenden Etappen 24 von 198 Fahrern ausgestiegen; als letztes Tony Martin auf der letzten Etappe. Er führte Knieschmerzen an (die wahnsinnig gewesen sein müssen – umsonst gibt kein Rennfahrer das Rennen am letzten Tag 50 km vor dem Ziel auf)!

Und Alberto Contador hatte es wieder mal erwischt. An zwei aufeinander folgenden Tagen sogar. So sehr ich ihn früher nicht leiden konnte – wegen seines Clenbuterol-Dopings (Clenbutador) und vor allem seiner mehr als kindischen und dem sportlichen Gegenüber respektlosen Geste des „Pistoleros“ nach Siegen. So sehr habe ich später seinen Renninstinkt, seinen Willen, Rennen zu animieren und seine Radfahrer-Qualitäten schätzen gelernt. Aber er scheint auch ein regelmäßiger Kandidat dafür zu sein, aus Grand Tours heraus zu crashen bzw. sich dort „auf die Schnauze“ zu legen. Und dass ist mal keine Qualität eines Siegfahrers oder Grand-Tour-Contenders. Mit anderen Worten: Das ist man bei Contador mittlerweile fast gewohnt, dass er hohe Chance hat, von Stürzen erwischt zu werden.

Aber sonst wie gesagt: Eine wirklich für die Fahrer sichere und von den meisten Unbillen verschonte Anfangsphase der Tour und eine gute Tour insgesamt in der Hinsicht. Trotz der Sturzorgien auf der vorletzten, verregneten Bergetappe vergangenen Freitag in den Alpen.

Punkt 2: Die Tour langweilig? Niemals – Fern davon!

Ja klar, spannender geht immer. Aber wirklich nagelkauende Spannung, Etappe für Etappe, von Tag 1 bis zu den Champs-Élysées, von Start jeder einzelnen Etappe bis zu deren Zielstrich…? Nein, das kann man doch nicht wirklich erwarten, oder?

Auch, das zwei, besser noch drei oder vier Siegkandidaten wirklich über 3 Wochen sekundennah beisammen bleiben oder sich zumindest immer wieder Verschiebungen ergeben, dass wäre zwar nicht schlecht, aber ist auch nicht wirklich erwartbar noch notwendig für Spannung.

Auch eine, zwei oder drei Minuten können als Vorsprung schon auf einer einzigen Bergetappe oder eine Windkantengeschüttelten Flachetappe zunichte gemacht werden. Auch ein kompromisslos auf den Toursieg ausgerichtetes Team muss ständig auf der Hut sein, geschickt agieren und ist kein Garant, selbst einen bestehenden Zwei-Minuten-Vorsprung ständig zu halten.

Natürlich kann man sagen: Kein anderes Team als Sky war so geschickt und kompromisslos auf den Toursieg ihres Leaders ausgerichtet. Und da ist was dran – Movistar wäre gut beraten gewesen, neben reinen Kletterern auch ein, zwei Lokomotiven für die windigen Flachetappen mitgenommen zu haben. So mussten sie ihre Kletterer dort schon verschleissen. Und in den Bergen war es letzten Endes nur Valverde, der Quintana zur Seite stehen konnte. Das hat er auch super loyal gemacht, aber er ist halt nicht der typische Domestike und in dieser Unterstützungsrolle sicher auch nicht so geübt.

Was einige GC-Aspiranten tatsächlich sagten, ist, dass sie teilweise in den Bergen gar nicht gewagt hätten, Sky unter Druck zu setzen oder den ersten Schritt zu machen, weil sie wussten oder annehmen mussten, dass sie erst Froomes Helfer einen nach den anderen ausschalten mussten, bevor sie an Froome selbst knabbern hätten können.

Und das führt zu der von Froome selbst, mittlerweile aber auch von Prudhomme vorgeschlagenen und in meinen Augen auch einzigen sinnvollen Maßnahme, die Teamgröße leicht zu reduzieren. Prudhomme spricht aktuell von 8 statt von jetzt 9 Fahrern. Kleinere Fahrerfelder tragen auch zur Sicherheit und weniger Gedränge im Zielbereich bei und so muss sich ein Team zumindest ein klein wenig mehr Gedanken machen, wieviel Bergfahrer sie mitnehmen oder wo sie ihre Stärken sehen wollen. Und ein Froome kann im Maximum eben nicht mehr 8 Leute, sondern nur 7 Leute am Berg vor sich haben (effektiv natürlich noch weniger, da in einem robusten Team nicht alle Domestiken Bergfahrer sein können).

Aber sonst – die Tour sei langweilig gewesen? Keine Spannung!? Davon kann mal wieder absolut keine Rede sein. Fern davon!

Ja, Contador mit wenig Biss (und leichter Krankheit) wegen der Stürze raus… Schade. Richie Porte fing sich in der ersten Woche direkt einen Minutenrückstand durch eine Platten kurz vor der Zielphase ein. Sehr schade für ihn. Bei Quintana durften wir wieder einmal rätseln: Wann will er denn nun endlich mal angreifen? Auch wieder am letzten Berg, wenn es zu spät ist? Und durften Frotzeln, dass er Froome nicht vom Hinterrad gewichen ist. Um dann in der 3 Woche spätestens zu erkennen: Quintana ist dieses Jahr nicht in der Verfassung der vergangenen Jahre. Daniel Martin: er war da, auch am spitzen Ende des Rennens, aber die Attacken immer kurzlebig, wenn sie denn mal kamen.

Überraschend – nein, eigentlich nicht wirklich: die gute Form von Bauke Mollema. Wirklich überraschend und erfrischend sowie für die Zukunft vielversprechend: Adam Yates bei seiner ersten Grand Tour souverän in das Weiße Trikot gefahren und das Podium nur um 21 Sekunden (10 davon waren eine diskussionswürdige Jury-Strafe) am Podium vorbei.

Roman Bardet hat den Franzosen endlich zur 19. Etappe erst kurz vor Toresschluss ihren Etappensieg geschenkt und fuhr sich damit von „Ferner liefen“ auf Platz 2 des Gesamtklassements. Generell gab es viele Umstürze in den Top Ten gerade auf den letzten Alpenetappen. Nur halt nicht auf Position 1.

Ein geschickt und glücklich agierender Chris Froome war nicht nur optimal durch sein Team unterstützt, sondern zeigte auch ganz neue und spannende Erweiterungen seines Arsenals. Die Attacke nach der letzten Bergwertung in der Abfahrt vom Col de Peyresourde in Etappe 8? Genial vorbereitet und genial ausgeführt. Und er hat Moviatar und Quintana blöde aussehen lassen, die da wirklich nicht aufgepasst haben. Nebenbei: Froome hat sich auch selber ziemlich blöde aussehen lassen. Er ist nun mal wirklich nicht der Eleganteste auf dem Rad und im Aero-Tuck noch pedallierend setzte er dem ganzen nochmal die Krone auf. Aber es brachte ihm wertvolle Sekunden. Und Sympathien der Zuschauer (gemixt mit Lästereien ob des Stils… Der Gute kann ja nunmal wenig dafür).

So war auch meine Reaktion: Sieht super Scheisse aus, aber Hut ab. Froome kann abfahren und attackiert geschickt. Er und Sky sind kein One-Trick-Pony mehr (stoisch mit Bergfahrern, die in anderen Teams Leader wären, die Konkurrenz durch eine Mörderpace kontrollieren und dann an einer oder zwei Bergankünften die Nähmaschiene für einen Tagessieg und 2 Minuten Zeitvorsprung anwerfen), sondern nutzen auch Abfahrten und sogar Flachetappen für Sekundengewinne.

A pro pos Flachetappen: Wann bitte hat man zum letzten Mal das Grüne und das Gelbe Trikot einen Zielsprint ausfechten sehen? Auf einer Flachetappe als Ausreisser vor dem jagenden Feld!? Hallo, wie geil war dass denn bitte?

Und dann der (leider nicht sportliche) aber trotzdem in die Annalen der Tour eingehende Zwischenfall mit den Zuschauern und dem Motorrad auf dem Mont Ventoux? Durch starken Wind und Sturmwarnungen wurde die Etappenankunft vom Gipfel hinab zum Chalet Reynard verlegt. Die zum Nationalfeiertag angereisten Zuschauermengen mussten sich also auf viel kürzere Strecke verteilen und zudem konnten nicht alle Absperr-Elemente in den neuen Zielbereich transferiert werden. Das hat sicher dazu beigetragen, dass es noch etwas enger als sonst wurde.

Aber das kennen wir ja schon seit über 20 Jahren. Diese mich schon seit früher zum Herzklabaster treibenden Menschenmengen aus fanatischen Zuschauern, die sich vor den Fahrern erst im letzten Moment teilen. Wie erleichtert war und bin ich immer, wenn die Fahrer dann in den letzten 3 Kilometern und den Absperrungen angelangt sind. Ich erinnere mich da immer an 1999, die Etappe nach Alpe d’Huez und den Zuschauer, der für ein Foto auf die Strecke lief und den in Führung liegenden Italiener Giuseppe Guerini (Team Telekom) zu Fall brachte… Glücklicherweise hatte es ein Happy End und Guerini konnte Etappe trotzdem noch gewinnen…

Aber während früher die Zuschauer die Fahrer angebrüllt hatten oder, wenn sie neben ihnen hergelaufen sind, die Fahrer angefeuert haben, machen es die meisten heute, um ins Fernsehen zu kommen. Sie schauen dann auch nicht auf die Fahrer, sondern sonstwo hin oder in die Kamera, während sie dämliche Plakate schwenken. So unwesentliche Dinge wie Fahrer, die um den Sieg kämpfen oder Kameramotorräder werden da gerne mal übersehen… Früher gab es außerdem viele Leute, die natürlich zu so einem Ereignis ihre Kamera dabei hatten. Es waren aber nicht alle und die meisten Leute wussten grob, was sie damit machen sollten und konnten.

Heute hat ja fast nun jeder ein Smartphone am Anschlag, am Besten noch mit Deppenszepter (aka Selfiestick), um damit dem Nachbarn ein Auge auszustechen. Und weil nun plötzlich nicht 10 % oder 30 % mit Kameras einen guten Winkel auf die Radfahrer haben wollen, sondern gefühlt 90 % – dann drücken sich die natürlich noch mehr und mehr als sonst schon immer weiter nach vorne und machen jede verfügbare Gasse zu.

Dazu kommt noch, dass, wenn ein Fahrer vorbei ist, sofort das Foto geshared werden muss. Der Fahrer – und die nächsten kommenden Fahrer scheinen dann komplett ausgeblendet…. Leute… Hirn einschalten bitte…

Dennoch – den Mann im Gelb am Berg in Radschuhen laufen sehen… meine Güte. Drama, Gesprächs- und Diskussionsstoff ohne Ende…

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Nur 3 von zahlreichen Froome running Memes

Die vorletzte Etappe der Alpenetappen, leider mit vielen Stürzen im Regen und den Abfahrten. Aber alles ohne gefährliche gesundheitliche Folgen und dafür mit mehr Drama für das Rennen und das Gesamtklassement. Selbst Froome und Nibali sind dort gestürzt. Das zeigt, wie unsicher so ein Tour-Gewinn wirklich bis zu den Champs-Élysées selbst ist. Und: was wäre passiert, wäre Nibali nicht gleichzeitig mit Froome gestürzt?

Roman Bardet gewann diese Etappe und für den folgenden Tag war auch durchwachsenes bis schlechtes Wetter zu erwarten. Im Setup der Etappe konnte man recht bald ablesen – oh, da könnte Ag2R La Mondiale mit Bardet etwas vorhaben. Es wäre nicht undenkbar gewesen, hätte Bardet tatsächlich versuchen können, auf der letzten Bergetappe sich nicht nur mit dem gerade am Vortag erst eroberten 2. Podiumsplatz zufrieden zu geben, sondern sogar Froome anzugreifen. Die Bedingungen waren aber dann doch viel zu schlecht, so dass er lieber den sicheren zweiten Platz nachhause „geschwommen“ hat, während Movistars Izzaguirre eine irre Abfahrt (Nomen est omen ;-)) an der Haftgrenze zum Tagessieg genutzt hat. Also auch in der Gesamtwertung: Spannung bis zum Schluss innerhalb der kompletten Top Ten!

Sagan… brauche ich mehr zu sagan (hüstel ;-))? Wow, was für ein Fahrer. Was für eine Freude, ihm zu zu sehen. Dieses Jahr 3 Etappensiege (Knoten geplatzt), das grüne Trikot (wie eigentlich immer ;-)) und die Auszeichnung des angriffslustigsten Fahrers.

Auch von deutscher Sicht war die Tour de France 2016 wirklich nicht schlecht:

Buchmann und das ganze Team Bora Argon 18 haben in der ersten Woche ein Super Bild abgegeben.
Paul Voß holt sich das erste gepunktete Trikot des Bergpreis-Führenden auf der ersten Etappe (leider muss er es Tags darauf wieder abgeben – aber tolle Leistung und tolle Publicity für Bora Argon 18).

Die lange Duo-Flucht von Panzerwagen Tony Martin mit Alaphillipe im Schlepptau – schon ein bisschen zum Augenreiben. Aber cool.

Unsere Sprinter waren diesmal nicht so erfolgreich, aber immerhin: zwei Tagessiege. Greipel dazu auf der prestigereichen Schlussetappe in Paris! Damit hält er übrigens seine beeindruckende Serie aufrecht, seit 2007 in jeder Grand Tour, in der er teilnahm, mindestens einen Etappensieg zu erringen!

Bei Kittel muss man sich aber etwas wundern. Vielleicht auch Sorge haben? Wie kommt er im neuen Team an, wie geht es weiter? Sicher war es ein Gutes, dass er mit frischem Elan und Frühform in den ersten Rennen des Jahres gezeigt hat, wo der Hammer hängt. Vor allem auch seinem neuen Team. Da war er der Sprinter, an dem keiner vorbei kam. Hat ihm das für die Tour geschadet? Schadet ihm die Tour für die weitere Zukunft? Eine Etappe hat er gewinnen können. Aber sicher hätte es Cavendish (der in Bezug auf die Tour ein beeindruckendes Come Back zeigte) deutlich schwerer gehabt, wäre Kittel in der Form des Frühjahrs gewesen.

Degenkolb wurde auch bereits wieder in aussichtsreicher Position bei ihm liegenden Zielsprints gesehen. Da scheint das Comeback gut zu verlaufen, er braucht aber wohl sowohl noch mehr Form (ihm fehlen ja quasi 7 Rennmonate) und auch Zutrauen (Bremsen mit seinem Finger, „richtig reinhalten“). Da wünsche ich ihm weiterhin gute Besserung und Formwiederherstellung.

Also – eine der spannendsten und denkwürdigsten Tour de France Ausgaben seit langem!

Ein Haufen Rapha (Core-Jersey, Brevet-Windblock-Jersey, Lightweight-Bibshorts)

Rapha ist einfach nichts für mich

Produkttests, Rad fahren

Rapha und ich, wir sind einfach nicht für einander geschaffen. Bzw. bei allem coolen Style, der mir in der Fotografie und in der Präsentation von Rapha sehr gefällt, halten – nun zum wiederholten Male getestet – ihre Produkte nicht das ein, was ich an Anspruch an Rennrad-tauglichem Schnitt und an Performance-Fit aus dieser Präsentation ableite und mir persönlich erwarte. Und auch bei anderen Marken besser umgesetzt finde. Your Milage may vary.

Immerhin passen die Kragenschnitte jetzt besser als damals bei meinem ersten Test eines Langarm-Jerseys.

Was habe ich getestet?

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Ein Haufen Rapha (Core-Jersey, Brevet-Windblock-Jersey, Lightweight-Bibshorts)

Zunächst mal – wer bei Rapha etwas zum vollen Preis kauft, dem scheint auch nicht mehr zu helfen. Gefühlt (und im Frühjahr tatsächlich) alle zwei Wochen gibt es Rabatte von meist 20 %.

Zu jedem Frühjahrsklassiker: Sage den Sieger vorher und du kommst in die Lostrommel für einen schönen Gewinn. Allein für das mitmachen: Hier hast du deinen 20%-Gutschein. Nächste Woche das gleiche Spiel. Mitmach-Aktion hier, Umfrage da. Eigentlich eine schöne Sache. Da will ich mich auch gar nicht drüber beschweren; das trägt zur Rennrad-Kultur bei und ist für Rapha Image-Pflege. Ich frage mich nur, wie man mit dieser Frequenz an Rabatten die Kundschaft davon überzeugen will, die normalen Preise zu akzeptieren.

Nun ja, darum soll es gar nicht gehen. Preise sind relativ und so teuer ist Rapha gar nicht. Wenn es die Sachen Wert sind…

Es gab also wieder eine Rabattaktion und ich hatte schon so einige Teile auf dem Kieker, die für mich interessant erschienen und wo ich Rapha einfach nochmal testen wollte.
Schließlich statten sie nun seit 2013 das Team Sky aus und sind durch deren konsequenten Pro-Bedarf und die „Marginal Gains“-Strategie gezwungen, nicht nur schöne Schwarz-Weiss-Fotostrecken und Sportwool-Trikots mit Standard-Schnitt zu produzieren, sondern wirklich funktionale Bekleidung mit konsequenter Passform für Rennhaltung und Bedürfnisse des Pro-Pelotons (ob Klassikerwetter, ob Schnee am Pass oder Hitze) zu konzipieren. Und das kommt meinen Bedürfnissen sehr viel näher als Meriono oder Brevet-Chic. Ich fühle mich dann in einem Trikot wohl, wenn es sich schön an den Körper schmiegt, wenn es vor allem in Rennradhaltung nicht übermäßig Falten in Nacken, Schultern und Brustbereich wirft. Und wenn die Ärmel schön anliegen.

Das Redesign des Classic Jerseys dieses Jahr liest sich dann auch wie eine Kritik-Liste am ursprünglichen Jersey: Neues Merino-Mischgewebe, leichter und mit besserem Tragekomfort. Reduktion des Gewichtes. Schnitt und Passform optimiert.

Das schien für mich in die richtige Richtung zu weisen.

Aber das Classic Jersey hat mich gar nicht so interessiert. Vielmehr war es die Einführung der Core Linie und mit ihr des Core Jerseys. Nicht etwa, weil dies etwas preiswerter als das Classic-Jersey ist. Nein, weil es ein anderes, moderneres Material aufweist, schön auf Understatement getrimmt ist und weil Rapha schreibt, dass es perfekt auf die Sitzposition auf dem Rennrad angepasst sei und einen sicheren, körpernahen Sitz aufweise. Heureka!

Das wollte ich mal austesten.

Und zum Zweiten interessierte mich das Brevet-Windblock-Jersey. Der „Feind“ beim Rennradfahren ist einfach der Wind. Die Tage im Sommer, wo es einfach nur brüllend heiss ist, sind rar gesäht. Meist hat man doch durchwachsene Tage, wo es darum geht, nicht zu sehr zu schwitzen, aber auch nicht auszukühlen. Windschutz ist hier das A und O und ein guter, atmungsfähiger Stoff, der dennoch winddicht ist, ist eines der besten Dinge, die man auf dem Rad haben kann. Deshalb ist auch das Castelli Gabba eins der besten Trikots, die man haben kann.

Und das Dritte, was mich ansprach: kurze Kurze Hosen. Die meisten Bibshorts haben zu lange Beine, finde ich. Was ich schon immer gefordert und gewünscht habe, sind wählbare Beinlängen bei Bibshorts unabhängig von der eigentlichen Größe. Und Siehe und Staune: Rapha hat das dieses Jahr eingeführt! Super. Leider nicht für alle Modelle. Und für manche Modelle in die für mich falsche Richtung – also normal und extralang… Bäh! ;-)
Aber: die Lightweight Bibshorts wird von Rapha in normal und short angeboten. Das wollte ich sehen und testen.

Also: Meinen 20 % Rabatt-Code genutzt und mal eine dicke Bestellung über den Kanal geschickt: 2 x das Core-Jersey in S und M, 2 x das Windblock-Brevet-Jersey in S und M und einmal die Lightweight Bibshorts in M.

Das Core-Jersey:

Der Stoff des Core-Jerseys erscheint mir ganz angenehm. Recht schwer – in einem positiven, wertigen Sinn. Das mag auf dem Rad je nach Witterung ganz angenehm sein. Kann aber im Resultat einfach nur schwerer als ein gewohntes Race-Jersey sein. Die Nähte sind sauber und aufwendig gefertigt und das Trikot weisst schöne Details auf. Auch der Kragen ist fein gearbeitet.

In der Summe her ist das Core-Jersey aber doch nicht so ganz so meins. Für mich finde ich die Größe M an den Ärmeln bisschen zu lummelig (Meckern auf hohem Niveau), den Brustbereich ok aber insgesamt einen Ticken zu weit. Mir würde die Größe S deutlich besser passen. Da liegt alles gut an und trotzdem ist der Kragen nicht zu eng (so eben). Leider, leider und für mich sehr unverständlich: Das Trikot ist in S ist viel zu kurz! Das fällt noch kürzer aus als die eh schon notorisch im Körper kurzen Castelli Trikots. Und das will was heissen.

Ist also nichts für mich! War aber noch das beste der getesteten Produkte und wie beschrieben, von der Qualität eigentlich recht ansprechend.

Das Brevet-Windblock-Jersey:

Mit seinen Pink und Reflex-Streifen über Brust und Rücken ein klassisches Rapha-Design aufweisend wird es als so ziemlich eines der ultimativsten Teile für Brevets oder einfach nur Radfahren beworben. Aber…. puh… das erste Berühren und in der Hand halten… Es gab und gibt wenige Trikots, die mir sofort so gar nicht gefallen haben, wie dieses.

Der Stoff des Brevet-Jerseys… Uhh, den finde ich jetzt nicht so toll. Ich kann nichts über das Tragegefühl auf dem Rad oder nach x-hundert Kilometern sagen. Er erinnert mich von der Haptik aber eher an alte, fast schon reiss-bereite und vom jahrelangen Tragen fadenscheinige Hemden als an irgend etwas tolles, Kuscheliges, oder Leichtes oder Funktionales. Wirklich eher Lidl-Grabbelkiste als Boutique-Ware. Sorry, wenn ich meinen Eindruck so drastisch formulieren muss. Das muss nicht jedem so ergehen.

Der Kragen des Jerseys in Größe S liegt gut an – in Größe M ist er mir schon ein Ticken zu weit und steht auch durch die steifere Vorderpartie mit dem Windschutz etwas ungeschmeidig ab. Nein – das ist absolut nichts für mich.

Die Lightweight Bibshorts:

Vorweg: die Beinlänge der „short“ Version finde ich für mich sehr angenehm. Das ist genau die richtige Länge für mich mit meiner 81er Schrittlänge. Aber was leider sofort auffällt und sehr stört: der deutliche Unterschied zwischen Beinabschluss und eigentlichem Stoff der Hose. Der eigentliche Stoff ist sehr weich und dehnfähig. Fast schon übertrieben so. Ich weiss nicht, wie sich allein dies beim Fahren bemerkbar machen würde. Der Beinabschlussbund ist im Vergleich sehr fest und eng und kaum dehnbar. So schneidet er merklich und störend in meine Oberschenkelmuskeln. Nein, das passt gar nicht. So lohnt sich nicht mal ein Testsitzen auf dem auf der Rolle montierten Rad, um zu schauen, wie das Polster so ist.

Das Ergebnis des Tests ernüchtert. Drei Produkte getestet, drei mal glorios daneben gegriffen. Das Core-Jersey bekommt von mir da noch die beste Wertung und sogar eine Empfehlung, sofern ihr eine Größe benötigt, die nicht all zu sehr auf Racefit ausgelegt ist. Sollte letzteres allerdings der Fall sein und ihr ein enganliegendes Jersey bevorzugen, wird es euch wahrscheinlich auch zu kurz sein.

Tja, ich habe sofort alles wieder eingetütet und es ist wieder auf dem Weg nach England. Bei Rapha bleibe ich lieber beim gelegentlichen Vorbeischauen auf einen Schnack und einen Espresso am Rapha Mobile Club. Und wenn es sich ergibt, mache ich auch gerne bei einem Gentlemens Race oder ähnlichen Event mit. Das geht ja auch hervorragend in Castelli-Sachen. Oder Assos. Oder Sportful. Oder oder… :)

Die Eder bei Beddelhausen.

Festtags-Kilometer. Mit Rennrad und Crosser durch Siegerland, Sauerland, Wittgensteiner Land, Bergisches Land und Hessen

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An der Schönen Aussicht

Schöne Aussicht… … das ist der Name dieser Stelle an der Eisenstraße. Ich glaube, das ist ganz passend. :) Keine Spur von Schnee an diesem 24. Dezember.

Die Verwandtschaft besucht, die Lieben beschenkt und auch zwischen den Tagen im Büro geschafft – dennoch: Da war ja noch etwas Zeit dazwischen. Die Feiertage lagen und liegen sehr praktisch zum Wochenende. Das Wetter ist für Jahreszeit viel zu warm. Aber natürlich sehr praktisch für das Radfahren draußen. Also hervorragende Randbedingungen für ein privates Trainingslager daheim. Zeit für andere Dinge blieb da aber gar nicht.

Von einer Weisheitszahngeschichte, die mich im November nahezu komplett lahmgelegt hatte, war über den Anfang Dezember gerade wieder genug an Fahrten zusammen gekommen, damit ich in den letzten Tagen beginnend mit Heiligabend den Umfang schön hochziehen konnte. Dabei habe ich mich bewusst auf Grundlagentraining E2 in Zone 1-2 konzentriert. Auch die Strecken so ausgewählt, dass zügiges und weitgehend durchgehendes Pedalieren möglich war. Also kein stetes auf und ab auf wohlmöglich noch steilen und „eckigen“ Auf- und Abfahrten. Dennoch sind natürlich wieder einige unvermeidliche (hehe ;-)) Höhenmeter mit hinzugekommen.

Die Kettenbrüder hüben wie drüben (im Wittgensteiner Land und im Bergischen Land / Ruhrgebiet) emsig und natürlich per Strava, oder Instagram, oder Facebook oder Twitter (oder alles zusammen) dokumentierend – was blieb da anderes übrig, als mitzuziehen? ;-) Motivation war genug da und das Wetter passte auch, wie gesagt. Sicher hätte ich gern den einen oder anderen frostigen und dafür sonnigen Tag gegen 8 bis 10 Grad und Meh-Wolken eingetauscht. Aber ich will mich nicht beschweren – am zweiten Weihnachtstag war es sogar richtig schön sonnig. Diesen Tag nutze ich dazu, zum Edersee zu fahren. Das ist von Erndtebrück aus die Rollerstrecke par excellence. Runter ging’s mit Rückenwind, rauf dann halt mit Gegenwind – war trotzdem schön.

Am Sonntag gab es dann mehr Höhenmeter. Dafür aber auch eine schöne Gruppenausfahrt mit Jochen, Roland und Thorsten. Zur Feier des Tages auch mal mit Einkehr beim Kahlen Asten Turm. :)

Insgesamt kamen, immer in maximal zwei aufeinanderfolgenden Tagen, bisher 523 km mit 4809 Höhenmetern zusammen. Heute ist Ruhetag, morgen geht’s mit einer Neujahrs-Tour weiter und für 2016 auch sofort wieder los. Ich habe vor, den Grundlagentrainingsblock dann mit den kommenden drei Tagen hintereinander weg abzuschließen. Ich freue mich auf das kommende Jahr und wünsche Euch allen einen Guten Rutsch!

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Radrennbahn Kaarst-Büttgen

Merry go round – Auf der Radrennbahn Kaarst-Büttgen

Rad fahren

Immer mal wieder was Neues. Fahrrad fahren ist ja so vielseitig und abwechslungsreich. Hat so viele Spielarten und Disziplinen. Und kann auf unterschiedliche Arten faszinieren. Z.B. in Form von Bahnradsport. Da das ja auch eine ganz tolle Form des Radtrainings im Winter sein kann und eine Bahnradhalle, aka Velodrom, nicht allzuweit von Wuppertal entfernt ist, wollte ich das auch mal probieren.

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Radrennbahn Kaarst-Büttgen

Holla die Waldfee! Das ist interessant. Aber zu Anfang auch erstmal mächtig respekteinflößend!

Spezielle Bahnräder. Keine Bremsen. Starrgang – also kein Freilauf. Und das in Kombination mit unbekanntem Geläuf. Glattes Holz und mächtig steile Kurven-„Wände“.

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Steilkurve

„35 km/h solltest du in den Kurven schon drauf haben“ sagt mir Eberhard, der mir ein tolle Hilfe für das erste Herantasten ist. Ein herantasten, das zuerst fast im Drehwurm und dann in einer hochintensiven Trainingseinheit mit sicher einigen Anteilen an Förderung guter Pedaliertechnik endet.

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Paddock

Toll, das werde ich sicher öfter machen. :)

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Radrennbahn Kaarst-Büttgen

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Bahnräder (rechts mein Leihrad)

Rad am Ring 2013

RaR 2013: Rad am Ring? Regen am Ring!

Rad fahren

Das war Rad am Ring 2013. Zum Vergessen. Aber Unvergesslich.

Rad am Ring 2013

Rad am Ring 2013

Episch, HTFU (Harden the Fuck up) – die Lieblingsattribute der Rennradfahrer – mit ihnen sollte man sparsam umgehen. Und je mehr man sich entsprechenden Unbillen wie Regen, Kälte und anderem aussetzt, weil man einfach fahren will, um so mehr schiebt man natürlich die Grenze der Normalität hinaus. Und umso weniger episch ist es dann, z.B. im Regen zu fahren.

Aber auch im Team, mit guter Unterstützung und einer toll ausgestatteten Parzelle als Homebase bestens versorgt, ist HTFU nicht die verkehrte Bezeichnung für das Wochenende.

Ein Wochenende, dass sich in der Wettervorhersage schon als eher feuchtes Vergnügen ankündigte, welches aber zumindest pünktlich zum Start mit ein paar blauen Flecken am Himmel und Trocken begann.

Die Startfahrer im Aufbruch zur Startaufstellung.

Die Startfahrer im Aufbruch zur Startaufstellung.

Zwei Stunden vorher kam ich am Ring an. Diesmal hielt ich mit dem Wagen an der Einfahrt des historischen Fahrerlagers an, um mit einmal gehen und einmal fahren (per Rad), meine Klamotten auf vergleichsweise kurzem Wege zu unserer Parzelle zu bringen. Das Team Wittgenstein residierte wie üblich auf den Parzellen K23-27. Große Teile unserer Gruppe waren schon gestern samt LKW angereist und hatten das Camp aufgebaut. Ihnen und der dahinterstehenden Orga kann man gar nicht genug danken. Ohne diesen gemeinsamen Einsatz wäre ein jeweils so gelungenes Rad am Ring für das Team nicht denkbar.

Wisent Paulchen - unser Team-Maskottchen. Vorne mit dabei. ;-)

Wisent Paulchen – unser Team-Maskottchen. Vorne mit dabei. ;-)

Beim Aufbau und dem anschließenden Grillen haben manche wohl eine ganz spezielle Taktik der Nahrungssupplementation ausprobiert. Jedenfalls fand ich folgende „Medizin“ bei meiner Ankunft auf einem Tisch im Küchenzelt vor:

Ob das Bestandteil des Carboloadings war...?

Ob das Bestandteil des Carboloadings war…?

Ich konnte ja jetzt schon zum zweiten Mal teilnehmen (hier mein Bericht zu meiner ersten Teilnahme 2012) und muss sagen, dass mir – auch wenn wir uns über das Jahr hinweg sehr selten sehen – meine Teamkollegen mit ihrem jeweils ganz speziellen Charme ans Herz gewachsen sind. Hatte ich auch im Vorfeld schon überlegt, dass andere Events, die Zeitgleich im Jahr zur Rad am Ring Zeit statt finden, auch ganz nett wären – etwa ein Alpen-Mehrtages-Event wie die Tour-Challenge – so steht für mich auch trotz des kompletten ins Wasser fallens dieses Rad am Rings fest, dass ich 2014 wohl wieder dabei sein werde.

Auch dieses Mal waren wir wieder bestens ausgestattet. Unser Camp bestand u.a. aus zwei großen Schlafzelten und einem großen Küchenzelt. Das war auch nötig, denn auch in diesem Jahr wurde wieder ein neuer Teilnehmer-Rekord geknackt: wir waren mit 29 Personen am Start. Darunter waren

1 Starter Jedermann 25 km
5 Starter Jedermann 75 km
8 Starter Jedermann 150 km

1 4er Rennradteam 24 h (mit mir)
2 Solofahrer Rennrad 24 h

1 4er MTB Team 24 h
2 2er MTB-Teams 24 h
1 Solofahrer MTB 24 h

Im Küchenzelt hatten wir nicht nur so wesentliche Utensilien wie 2 Kühlschränke, Elektrokochplatten, 1 Elekro- und 1 Gasgrill und eine Kaffeemaschine, sondern auch einen kompletten LTE-Router samt Notebook. Schließlich musste ja sowohl das Leaderboard der Ergebnislisten verfolgt, als auch der Liveticker für die Team-Website www.erndtebrück-am-ring.de geschrieben werden. Hier konnte jeder rund um die Uhr hineinschreiben, was er gerade mochte. Viele Einträge stammen auch von Carsten, der sich der Wiedergabe der Zeiten verschrieben hatte, und mir. Ich war teilweise sowohl erst Twitter, dann WhatsApp und dann den Liveticker am befüllen. Zu berichten gab es nicht wenig – das Rennen war sehr ereignisreich. Für mich selbst, für das Team und für alle Teilnehmer am Ring.

Drei Wisente in freudiger Start-Erwartung.

Drei Wisente in freudiger Start-Erwartung.

Los ging es bei mir freundlich überrascht: Ich war mit meiner ersten Tasche gerade durch den Tunnel vom historischen Fahrerlager gekommen und noch nicht ganz bei unserer Parzelle, da spricht mich jemand mit einem schönen Wilier Izoard an. Wie sich herausstellt, ist es Marc, der @mb2day auf twitter, der hier samt Freundin vor mir steht und mich direkt erkannt hat. Er ist heuer Ersttäter am Ring und möchte die 150 km Jedermann-Strecke unter die Räder nehmen. Schön, dass wir uns kennengelernt haben, Marc.

Nach unserem kurzen Gespräch gehe ich zur Parzelle, begrüße meine Teamkollegen und lerne den nächsten Marc kennen. Marc ist dieses Jahr neu im Team und bildet mit Carsten, Ralf und mir unser 4er Rennradteam. Wir sprechen uns kurz ab, wer Startfahrer sein soll; Marc soll die Ehre des Startfahrers (und die Freude des Extraadrenalinstoßes der Startrunde im vollen Feld mit allen 24h- und Jedermann-Strecken-Startern) zu Teil werden (ich hatte das Vergnügen im letzten Jahr :)).

Am Start sollten alle die Flaschen in die Höhe halten. Wisent-Such-Bild.

Am Start sollten alle die Flaschen in die Höhe halten. Wisent-Such-Bild.

Flugs noch mein Rad geholt, mein Auto auf dem A-Parkplatz direkt vis-a-vis des Dorint geparkt (was lacostet die Welt – Geld spielt keine Rolex ;-)) und wieder zum Camp. Noch weitere Leute begrüßt, eine Schlafstatt ausgewählt und die erste Flasche aus dem Hause Bosch geöffnet. Fump! Aber keine Sorge – es war alkoholfreie Faßbrause. Kann man sogar trinken. Sind hoffentlich ein paar vereinsamte Mineralien drin… ;-) Die Spannung steigt und langsam könnte es jetzt auch losgehen. Die Startaufstellung rückt näher.

Ute und Metty

Ute und @mb2day

Wir gehen alle zusammen zum Start, die Jedermänner und Startfahrer sortieren sich in die jeweiligen Blocks ein und ich laufe an der Seite an der Startaufstellung entlang und mache ein paar Fotos von unseren Leuten und später vom Start. Jetzt und in der Folge bin ich zusätzlich immer per Twitter am checken, was die anwesenden Twitterkollegen so treiben und auch per WhatsApp wird der Kontakt zu den Radkumpels daheim und auch Kollegen an der Strecke gehalten.

Markus

Markus

Bastian und Tim beim Start.

Bastian und Tim beim Start.

Unser Teamcheffe... Start zum 24h Solo.

Unser Teamcheffe… Start zum 24h Solo.

Udo und Thomas

Udo und Thomas

So bleibt kaum Zeit, endlich meinen ersten Kaffee am Ring zu genießen, noch etwas Kohlehydrate in Form von leckerem Kuchen zu bunkern und Radschuhe und Helm anzuziehen, bevor ich zum Wechselpunkt muss. Denn ich bin nach Marc der zweite Starter unseres 4er Teams.

Mit Carsten gehe ich locker quatschend zum Wechselpunkt. Auch dieses Jahr ist wieder klar: wir sind gemäß unserer Teamzusammenstellung und individuellen Fähigkeiten ein lockeres Spaß- und Erlebnisteam. Das Erlebnis 24h Nordschleife steht im Vordergrund – verbissene Zeitenjagd und Optimierung von Sekunden wäre bei uns vergebene Liebesmüh‘. So befestigen wir auch in diesem Jahr den Transponder wie vorgesehen mit dem Klettbändchen am Knöchel; nutzen nicht den Flaschentrick. Carsten und Ralf werden, teils trotz Handicaps und wenigen bis fast gar keinen Jahreskilometern, respektable Zeiten abliefern. Ich habe mir wieder wie letztes Jahr vorgenommen, voll Stoff zu fahren und zu schauen, was geht. :)

Meine erste Runde, Foto: Sportograf

Meine erste Runde, Foto: Sportograf

Von daher bin ich sehr auf Marcs Zeiten gespannt. Seine sportliche Vorgeschichte und seine Lightweight-Laufräder deuten auf fixe Beine hin. Und tatsächlich, nach knapp über 50 Minuten kommt er an. Klasse! 50:10 ist die offizielle Zeitnahme von Start zu Start, da kommt dann aber noch die Teilstrecke durch das Fahrerlager hinzu. Ich muss ihn mal fragen, was sein Radcomputer für den gesamten 1. Stint aufgezeichnet hat.

Er zeigt aber auf seine Bremsgriffe. Dreck dran – oha. Er wurde in einer Kurve etwas abgedrängt oder behindert und musste über’s Gras. Ihm und dem Rad ist aber nichts passiert, daher gehe ich unbelastet in meine erste Runde und die zweite Runde unseres Teams.

Meine erste Runde, Foto: Sportograf

Meine erste Runde, Foto: Sportograf

Und, was soll ich sagen? Yeah, die Eifel hatte mich wieder. Der Ring hat sofort gerufen: „Tritt rein, lass es krachen, Schuuuuub!“. Getreu dem Motto: Mal gucken was geht legte ich alles in die erste Runde und erreichte nach selbstgestoppten 26,0 km, 563 Höhenmetern und 48 Minuten 21 Sekunden wieder den Wechselpunkt. Die Runden der 24 h Fahrer führen jedesmal durch das Fahrerlager und sind daher einen Kilometer länger als die Nordschleifen- und GP-Runden der Jedermann-Rennen. Übrigens hatte ich auch den Eindruck, dass der Streckenbereich im Fahrerlager und zur Einmündung auf die Nordschleife leicht hakeliger abgesteckt ist als im letzten Jahr. Also nicht länger, nicht generell anders, sondern nur in Details ein paar schlecht bzw. zu Zusatzecken führend gesetzte Absperrgitter und einen etwas engeren Zwickel bei der Einmündung zur Nordschleife hin.

Ab hier geht's mächtig bergauf - bis zur hohen Acht. Meine erste Runde, Foto: Sportograf

Ab hier geht’s mächtig bergauf – bis zur hohen Acht. Meine erste Runde, Foto: Sportograf

Mit den 48:21 bin ich spitzenmäßig zufrieden. Meine schnellste volle Runde 2012 dauerte 51:01 Minuten. Auch auf der Steigungsstrecke zur Hohen Acht setzte ich eine neue Bestleistung von 13:54 Minuten und einem Schnitt von 17,7 km/h über dieses Segment. Die schnellste Zeit im letzten Jahr war 14:29 und entsprach einem Schnitt von 16,9 km/h. In der Auffahrt fuhr ich unten noch auf Tim auf, der gerade in seiner zweiten Jedermann-Runde war und wechselte ein paar Worte mit ihm. Insgesamt habe ich sowohl in dieser als auch in meiner zweiten Runde dort nur überholt und wurde kein einziges Mal selbst überholt. In der dritten Runde waren es, wenn überhaupt, maximal zwei.

Fast geschafft. Vor der hohen Acht. Meine erste Runde, Foto: Sportograf.

Fast geschafft. Vor der hohen Acht. Meine erste Runde, Foto: Sportograf.

Nach der Runde musste ich erst mal etwas das Laktat aus den Beinen fahren und kurbelte durch’s Fahrerlager und schaute auch etwas über die Expo. Ich versuchte auch, zu einer der D-Parzellen durchzukommen – aber no Chance aus dem Fahrerlager-Infield. Die muss man über die GP-Strecke anfahren. Nun ja – das hatte ja noch etwas Zeit. Also endlich zurück zum Team-Camp und erst mal wieder Kaffee und Kuchen zu den Kilometern gesellt. ;-)

Windschatten gab's auch: Hinter mir! ;-)  Auf meiner ersten Runde, Foto: Sportograf.

Windschatten gab’s auch: Hinter mir! ;-) Auf meiner ersten Runde, Foto: Sportograf.

Mittlerweile zog es sich auch wieder zu. Das sollte es dann auch mit dem (nur leicht) blauen Himmel für das gesamte Wochenende gewesen sein. Um 16:26 Uhr fängt es dann auch zu regnen an.

Immer noch Windschatten. Auf der Start/Ziel-Geraden. Jetzt noch die GrandPrix-Strecke und durch das Fahrerlager und meine erste Runde ist 'rum. Foto: Sportograf.

Immer noch Windschatten. Auf der Start/Ziel-Geraden. Jetzt noch die GrandPrix-Strecke und durch das Fahrerlager und meine erste Runde ist ‚rum. Foto: Sportograf.

Jetzt hatte ich erstmals richtig lange Zeit. Nach mir übernahm Carsten, dann würde Ralf folgen und schließlich würde Marc zu seinem zweiten Stint aufbrechen. Zeit für Twitter, WhatsApp, unseren Liveticker, leckeren Nudelsalat und auch dem Verfolgen der Zeiten unserer Jedermänner. Dort wurden teilweise richtig tolle Zeiten geboten.

Im 75 km Rennen fuhr Tim mit 3:23:47 in seiner AK auf Platz 11, Bastian mit 2:41:11 sogar auf Platz 6 seiner AK. Giovanna erreichte mit 2:46:57 – Gesamt Platz 14, und in ihrer AK Platz 7.

Jochen, ebenfalls vom Start weg vom flüssigen Auf- und Ab der Nordschleife sirenenhaft zu Höchstleistungen verführt, legte auf der 150 km Strecke ebenfalls alles in seine erste Runde und erzielte eine sehr starke 47:11 er Runde für die ersten 25 km, die er jedoch im weiteren Verlauf büssen musste. Aber das war es ihm Wert – verständlich! :)

Ute fährt auch eine spitzenmäßige Zeit: auf der 150 km Strecke ist sie nach 5:49:24 im Ziel und erreicht so insgesamt Platz 15, in der Altersklasse sogar einen Podiumsplatz 3!

Wir haben aber auch schon die ersten Ausfälle zu verzeichnen. Markus, Runde um Runde mit Spitzenzeiten auf der 150 km Strecke, hört mit Knieproblemen vor der letzten Runde auf. Er hat auf dem Rad, besonders auf dem MTB, schon genug erreicht – ihm ist die Gesundheit lieber als noch eine weitere Runde zum finishen. Ralf B. wird auf der MTB-Strecke von einem anderen Teilnehmer abgedrängt und der folgende Baum kann ihm nicht mehr ausweichen. Da dieser auch härter als Ralfs Helm ist, muss er in Folge mit einer Gehirnerschütterung Udo alleine fahren lassen. Somit war sein 2er Team halbiert. Bastian, der sowieso schon im Vorfeld traurig war, dass er aufgrund seines Alters nicht bei den 24h-Fahrern mitmachen durfte, freute sich aber über die Gelegenheit und sprang nach seiner tollen 75km-Rennradleistung nur all zu gerne als MTB-Teampartner bei Udo ein.

In der Folge würde es noch Andreas als einem unserer 24h-Rennrad-Solisten schlecht ergehen (körperliche Probleme und Kopfschmerzen) und Thomas würde es, trotz wesentlich mehr Jahreskilometern, als 24h-MTB-Solisten ganz ähnlich ergehen.

So langsam wurde es dann an der Zeit für meinen zweiten Stint. Hmm, weiterhin Regen, gar nicht mal zu knapp. Was anziehen? Ich entscheide mich, dass es „Gabba“ Time und Zeit für einen „unfair advantage“ ist. Wie bei den Profis bei Mailand-San Remo. Runter mit dem Team-Trikot, her mit dem schwarzen Castelli-Gabba. Das ist wirklich ein geniales Teil. Hatte es seit vergangenen Samstag und auch dort direkt in heftigem Regen getestet.

Gabba-Time! Nordschleife im Regen. Meine zweite Runde, Foto: Sportograf

Gabba-Time! Nordschleife im Regen. Meine zweite Runde, Foto: Sportograf

Wieder zum Wechselpunkt, wieder auf Marc gewartet. Diesmal mit seiner Freundin Giovanna. Bald kommt er rein – aber, oh Schreck, wie sieht er aus!? Die ganze rechte Seite aufgeschürft, das Rad waidwund!

Marc ist auf regennasser Fahrbahn im Brünnchen von der Strecke abgekommen, ihm ist der Reifen bei gut 70 Sachen weggerutscht! Trotzdem hat er die Runde noch in respektabler Zeit beendet und übergibt mir den Transponder. Ich weiss ihn sicher von seiner Freundin begleitet – er muss jetzt erst mal ins Medical Center – und ich starte meinen 2. Stint. Gehe aber nicht nur die Kurven bei der Nässe verhaltener an, sondern brauche auch bis ganz zum Anfang der hohen Acht, um wieder halbwegs Motivation aufzubauen: es regnet, es ist trübe und wir sind definitiv nur noch zu dritt (es stand sofort fest, dass er nicht mehr fahren kann). D.h. auch, dass ich der einzige verbliebene Fahrer „mit Ambition“ (sorry Carsten und Ralf ;-)) war und dass es so bei dem Wetter extra schwierig mit weiterer Motivation in den Nachtstints würde. Carsten wird zudem nach seinem dritten Stint und damit seiner ersten Runde in der Dunkelheit sagen, dass er erst wieder fahren wird, wenn es hell wird. Seine Augen machen ihm in der Dunkelheit zu schaffen und er sieht kaum etwas. Naja – da hätte er in der Nacht ruhig weiter fahren können. ;-) Ich würde später auch kaum was sehen; dichter Nebel vereitelte jede Nachtsicht…

Zweite Runde. Regen. Vorsicht in den Kurven. Foto: Sportograf

Zweite Runde. Regen. Vorsicht in den Kurven. Foto: Sportograf

An Beginn zum Anstieg zur hohen Acht führend war mir das aber erst mal wieder egal und ich genoss auch das Regenprasseln, was sich jetzt ohne den Fahrtwind mit dem stärker werdenden Keuchen und dem Sirren der Ketten mischte.

Im Karusell. Auf geht's zur hohen Acht. Meine zweite Runde, Foto: Sportograf

Im Karusell. Auf geht’s zur hohen Acht. Meine zweite Runde, Foto: Sportograf

Wieder zurück im Camp: erst mal raus aus den nassen Klamotten. Schuhe aus, Socken aus, Socken ausgewrungen, Zeitung in die Schuhe gestopft, Trikot aus, Hemd aus… Boah, jetzt würden sich die nassen Klamotten sammeln…

Jetzt nur noch zu dritt, d.h. relativ bald war ich wieder zu meiner nächsten, der dritten Runde dran. Das war mein erster Turn im Dunklen. Also die Lupine Wilma an das Rad montiert. Tolle Lampe. Würde mir aber vergleichsweise wenig nützen. Zwar war es in der dritten Runde trocken – ok, was anziehen – hmm, ok, die Softshell… ;-) – aber dafür in den ersten 8 Kilometern so neblig, dass man kaum die Streckenbegrenzung sah und so mit deutlich reduzierter Geschwindigkeit nahezu einen Blindflug machte. Mehr Licht half auch nicht, machte nur die Nebelwand heller…

Nach diesen 8 km waren die Bedingungen angenehm. Aber man merkte, dass jetzt schon (es war noch nicht mal 00:00 Uhr) deutlich weniger auf der Strecke los war. Der Regen und insgesamt die Bedingungen hatten einige Teams dezimiert und andere überlegten es sich bestimmt zweimal, ob sie lieber eine Pause mehr machen…

Die Fahrradhistorie des Nürburgringes reicht deutlich weiter als die Rad am Ring Verantstaltungen zurück: 1927 fand dort bereits die Rad-Weltmeisterschaft statt.

Die Fahrradhistorie des Nürburgringes reicht deutlich weiter als die Rad am Ring Verantstaltungen zurück: 1927 fand dort bereits die Rad-Weltmeisterschaft statt.

Als ich von meinem dritten Stint reinkomme, schreibe ich auf Twitter und im Liveticker, dass ich erst mal eine Einkaufsliste für das nächste Jahr mache: Zweites Paar Rennradschuhe. Noch mehr Radsocken, noch mehr Funktionsunterhemden. Elektrische oder Gasbetriebene Schuhtrockner, Nebelscheinwerfer…

Zwar war es von oben trocken, doch teils noch nasse Strecke, der Nebel, das Schwitzen – ich hatte schon wieder nasse bzw. klamme Klamotten. Gut, dass ich genug eingepackt hatte. Aber so ein zweites Paar Schuhe wäre schon praktisch.

Nach meiner dritten, der insgesamt neunten Runde unseres Rennrad-Teams, war es kurz nach Elf. Einmal löst mich noch Carsten ab. Nach seiner Runde schreibt er um 0:35 Uhr in den Liveticker: „3. Hölle überlebt. Regenpause, tierischer Nebel, trete in Streik solange es dunkel ist. Mit 1:19:29 bin ich zufrieden :-)“. Nach Carsten geht dann nochmal Ralf auf die Strecke. Wir haben vorher schon abgemacht, dass ich danach auch noch mal fahren werde, wir aber dann eine Nachtpause einlegen. Den Umständen aus Regen, Nebel und dem dezimierten 4er Team, welches nur noch ein 3er Team ist, geschuldet.

Während Ralf auf der Strecke ist schaue auf das Regenradar. Oh fu… das nächste, ausgedehnte Niederschlagsgebiet rollt an. Und wohlmöglich wird es genau dann ankommen, wenn Ralf von seiner Runde wieder reinkommen wird. Und ich raus muss. Naja. Egal.

Aber zunächst bleibt es doch stabil, die Front scheint zunächst westlich der Nordschleife nach Norden zu ziehen.

Ralf schreibt: „2. Nachtrunde beendet, es ist trocken auch die strasse – da macht es gleich wieder richtig Spass“ in den Ticker, während ich um 01:51 Uhr zu meinem nächsten Turn aufbreche.

Ich habe mich gegen die Gore-Jacke entschieden und ziehe wieder die (klamme) Softshell über. Aber die Schuhüberzieher kommen wieder an und auch eine Sugoi-Haube auf den Helm. Ich beschließe gleichzeitig, wie letztes Jahr einen Doppelstint in der Nacht zu fahren. Der einzige Doppelstint unseres Teams für dieses Jahr. Aber ich will wenigstens auf 5 Runden kommen.

In der Erste Runde finde ich angenehme Bedingungen vor, es ist trocken, aber wieder bis zur Fuchsröhre dichter Nebel. Wofür habe ich eigentlich die Lupine Wilma gekauft? Damit kann ich nur den Nebel heller machen, aber nicht mehr sehen. Auf niedriger Wattstufe taste ich mich durch die dichten Nebelfelder. Der Verlauf der Strecke kann nur noch erahnt werden. In der Mitte der Fahrbahn kann man kaum noch die Curbs am Rand der Strecke sehen. Am Rand will man in den Kurven aber auch nicht fahren, um noch Reaktionszeit für kommende Kurven zu haben…

In der Nacht. Hier ist mal kein Nebel . Und es ist auch trocken - oh Wunder. Foto: Sportograf

In der Nacht. Hier ist mal kein Nebel . Und es ist auch trocken – oh Wunder. Foto: Sportograf

Darunter leidet natürlich der Schnitt ganz enorm, nicht nur durch das langsame Abfahren und Durchfahren der Kurven, sondern es fehlt auch einiges an Schwung, den man ansonsten mit in den nächsten Gegenanstieg nehmen würde. So leiden die Nachtzeiten ganz erheblich. Für die erste der Doppelrunden werde ich selbstgestoppte 1:03:15 benötigen, die zweite Runde dauert 1:13:56. Zum einen genehmige ich mir direkt am Anfang einen Milchreiskuchenriegel und zum anderen beschließe ich, auch dieses Jahr mal an das Angebot der Verpflegungsstation an der hohen Acht zu prüfen. Einfach nur aus Neugier. Hab dann da ein Apfelstückchen, einen kleinen Schluck Schorle, zwei Salzstangen und noch irgendwas genommen.

Nachtflug! Foto: Sportograf

Nachtflug! Foto: Sportograf

Jetzt setzt auch wieder der Regen ein. Erst langsam, dann immer stärker. Hinter der hohen Acht kommt auch wieder Nebel hinzu. So geht es über die Döttinger Höhe. Als ich mich der Grand Prix Strecke nähere, zeigt die Eifel, dass sie ja noch mehr kann. Starker Regen prasselt nieder, der dazugehörige Wind treibt ihn ins fast schmerzhaft ins Gesicht. Ich bin froh, als ich nach der Runde durch’s Fahrerlager wieder auf der Parzelle ankomme. Kaum schiebe ich mein Rad ins Zelt, zerreißt ein Blitz die Dunkelheit und es Donnert! Nacht’s um 10 nach Vier, alles klar…

Jetzt aber erst mal wieder runter mit den nassen Klamotten! Alles Patschnass. Ich kann ja so auch kaum zum Duschen gehen. Also muss es ohne gehen – schön warm abfrottieren, passt schon. Bis ich wieder warme und trockene Klamotten anhabe, verwandelt sich der Schotterplatz in ein Netzwerk von Rinnsalen, welches schnell dichter wird. Schnell läuft es auch in die Zelte. Gott sei Dank ist das Schlafzelt am wenigsten Betroffen; ich kann meine Isomatte ein gutes Stück in die Mitte ziehen – dort scheint es trocken zu bleiben.

Als ich mich schnell in’s Küchenzelt aufmache, muss ich da aber schon auf Zehenspitzen durchstaksen, um mir nicht schon wieder nasse Füße zu holen. Ich will doch nur einen heißen Cappuccino zum Aufwärmen und etwas Kohlehydrate…

Das Regenradar-Bild. Heftig.

Das Regenradar-Bild. Heftig.

Im Zelt sind zu dieser Zeit nur noch Matthias, einer unserer beiden 24h-Solo-Rennradfahrer und sein Bruder, der unser Physio ist, zugegen. Ich lege mir leere Bierflaschen unter die Füße, damit ich vernünftig sitzen kann und nicht die Beine hochziehen muss.

Man muss sich nur zu helfen wissen. Fußstützen, um trockene Füße zu behalten. Küchenzelt morgens um 5.

Man muss sich nur zu helfen wissen. Fußstützen, um trockene Füße zu behalten. Küchenzelt morgens um 5.

So hocke ich da, kann mir gerade noch den Teekessel mit heißem Wasser angeln lassen und komme ansonsten eigentlich nicht weg… Gut, ich kann eh noch nicht schlafen. Seit einiger Zeit ist nun Land unter im Camp, der Wind rüttelt beängstigend an unseren Zelten. Aber sie halten. Für viele Pavillion-Parzellen kann man das nicht sagen. Diese werden teils vom Wind abghoben, zerdrückt, auf benachbarte Autos geworfen etc. Sirenen heulen, die Feuerwehr ist unterwegs. Wir haben im Küchenzelt schon längst die Steckdosen hochgelegt.

Um 05:28 wird bekannt, dass die MTB Strecke unbefahrbar ist, ein Communique der Rennleitung sagt an, dass das MTB-Rennen bis 08:00 Uhr unterbrochen wird.

Bis zur Unterbrechnung sind die Jansohn-Brüder unermüdlich auf der Strecke. Hammerharte Jungs. Sie werden auch die einzigen vom Team Wittgenstein sein, die nach der Unterbrechung das Rennen wieder aufnehmen. Aussichtsreich auf Platz 2 in ihrer Altersklasse werden sie diesen Rang auch bis zum Ende verteidigen. Klasse Leistung.

Zwischenzeitlich wurde auch das Rennradrennen unterbrochen – allerdings erst um 06:00 Uhr, als das gröbste schon durch war. Um 06:00 Uhr komme ich auch erst zur Ruhe und lege mich in meinen Schlafsack. Um diese Zeit und noch danach höre ich viele Autos, die den Platz noch in der Nacht verlassen. Verständlich, wenn einem vielleicht das Zelt um die Ohren geflogen ist oder man von untern abgesoffen ist.

In dieser allgemeinen Aufbruchsstimmung beschließt das ganze Team während eines feuchten Frühstücks, auch schonmal das Camp bereits am Vormittag weitestgehend abzubauen. Keiner hat mehr Bock, für einen Blumentopf Kopf, Kragen und Material zu riskieren. Und schon wieder nass zu werden.

Nur die Jahnsons fahren wie gesagt noch. Um 8 Uhr kommt, ebenfalls im Aufbruch befindlich, noch eine Arbeitskollegin (von der fernen D-Parzelle) zum Hallo-Sagen vorbei, worüber ich mich sehr freue.

Durch die Rennunterbrechung wurde auch zunächst die Ergebnislisten unzugänglich – eigentlich herrschte zu dieser Zeit über Rennstatus und Rennstand keine Information vor, was die Motivation nur noch weiter senkte.

So war dann auch jeder froh, als wir alles eingepackt hatten und losfahren konnten. Noch deutlich vor Ende der 24 Stunden. Hach, was war das letztes Jahr schön, als man zur gleichen Zeit schön in der Sonne sitzen konnte, die Lebensgeister wieder kamen und gleichzeitig Leckeres auf dem Grill brutzelte.

Dieses Jahr: Nasse Klamotten, Wind, Regen, kein gemeinsamer Zieleinlauf, keine 6 Runden, nur in einer Runde Genießen der Rennstreckenaspekte (Abfahrts- und Kurvenspeed) möglich, Verletzte… Doof.

Dennoch – auch (oder vielleicht gerade das) ist die Grüne Hölle Nordschleife.

Und damit episch.

Also – nächstes Jahr wieder.

HTFU!

Meine Runden einzeln auf Strava:

Runde 1: http://www.strava.com/activities/80963552, 0:48:21
Runde 2: http://www.strava.com/activities/80963550, 0:54:48
Runde 3: http://www.strava.com/activities/80963529, 0:59:04
Doppelrunde 4 & 5: http://www.strava.com/activities/80963559, 1:03:15 & 1:13:56