Favero BePRO Pedal an Campagnolo Super Record Kurbel. Der Super Record Schriftzug längs der Kurbel ist gleichzeitig eine Super Ausrichte-Hilfe für die Strichmarke der BePRO Pedale.

Test Favero BePRO Powermeter – Erfahrungen mit einem pedalbasierten Leistungsmesser am Rennrad

Produkttests, Rad fahren

Mein neues, selbstaufgebautes Canyon Ultimate CF SLX (hier der Aufbau-Beitrag) habe ich direkt mit den BePRO Leistungsmess-Pedalen von Favero ausgerüstet. Das Vorgänger-Rad, ebenfalls ein Ultimate CF SLX (Modelljahr 2014) war mit einer Power2Max Leistungsmesskurbel ausgestattet.

Weil ich des öfteren nach meinen Erfahrungen befragt werde, es generell mehr und mehr Interesse an dem Thema Leistungsmessung am Rad im Allgemeinen und Pedalbasierte Optionen im Besonderen gibt, möchte ich meine Beweggründe für die Auswahl genau dieses Systems und meine ersten Erfahrungen über nun rund 1900 km und 2 Monate aufschreiben.

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Mein neues Canyon Ultimate CF SLX mit Campagnolo Super Record EPS. Und den Favero BePRO Pedalen. Machen einen schlanken Fuß im Wortsinn… :)

Warum Pedalbasiert?

Es gibt verschiedene Stellen an einem Fahrrad, an dem eine Leistungsmessung erfolgen kann. Am verbreitetsten sind Systeme, die sich an der Kurbel befinden. Hier muss man nochmals unterscheiden zwischen Systemen, die an der „Spider“ also am Kurbelstern messen (u.a. der Pionier der Leistungsmessung, das SRM-System), die an der Achse messen oder die an einem oder an zwei der Kurbelarme messen.

Darüber hinaus gibt es noch Systeme, bzw. ein System, welches in der Hinterradnabe misst und mittlerweile ein paar Systeme, die direkt im Pedal messen. Und damit hört es nicht auf: in den Markt der Leistungsmesser ist in den letzten Jahren und insbesondere letzten Monaten sehr viel Bewegung hineingekommen. Exotischere Systeme wie Messung in Schuhsohlen etc. sind nun auch darunter. DC Rainmaker ist eine seit Jahren bekannte Koryphäe, wenn es um ausführliche und aussagekräftige Tests und Informationen über Sport-Elektronik (Uhren, Radcomputer, Actioncams, Rollentrainer etc. und natürlich auch Leistungsmesser) geht und praktischerweise ist gerade ganz aktuell seine neueste Marktübersicht zu Leistungsmessern herausgekommen, die sehr schön die verschiedenen Optionen und seine Einschätzungen dazu aufführt: The Power Meters Buyer’s Guide–2016 Edition.

# Vorteile Kurbel-basierte Systeme:

Nun – unter den Spider-, Achs- oder kurbelbasierten Systemen finden sich die erprobtesten und robustesten Systeme. Auch die, die am nächsten dem „Einmal installieren und dann vergessen“ Ideal nahekommen oder ihm sogar entsprechen.

Mein Power2Max Leistungsmesser ist so ein System (Spiderbasiert). Damit misst er integral beidseitig (also direkt die Gesamtleistung). Er ersetzt die normale Kurbel, ist also schön am Rad eingebaut. Er braucht vor Fahrtantritt nicht kalibriert zu werden und die eingesetzte Knopfzelle hält eine ganz Weile (in Monaten und 1000den Kilometer zu messen).

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Power2Max Type S Campagnolo 11 Speed Leistungsmesskurbel

Man braucht sich nicht um Toleranzen oder Mindestabstände zwischen Kette oder Kettenstrebe und Kurbelarmen zu sorgen wie z.B. bei Nachrüst-Kurbelaufsätzen wie z.B. 4iii oder Stages oder bei Pedalsystemen mit abstehenden Pods und Verbindungskabeln von außen an der Kurbel nach innen zum Pedalauge beim Garmin Vector.

Und wenn so ein Rad auf die Seite fliegt (egal ob umfallen oder Crash) oder man Kontakt mit Bordsteinen bekommt (oder gleich direkt mit dem Crosser oder MTB im Gelände über Stock und Stein unterwegs ist), dann passiert der Kurbel meist eher wenig bis gar nichts. Bei Pedalen kann das aber schon anders aussehen.

Für mich als „Relikt“ der Vergangenheit betrachtet, gibt es immer noch die Powertap für das Hinterrad. Ich war mit meiner ersten Powertap nie so wirklich zufrieden. Und für jemanden, der nicht nur Räder, sondern auch Laufräder wechselt, eher noch ungünstiger als eine Kurbelbasierte Variante. Doch auch denen sollte im Falle eines Falles eher wenig passieren. Sie laufen für mich damit auch unter der „robusten“ Kategorie.

Wo ich doch gleich zwei „kurbelbasierte“ Systeme habe (bzw. hatte) (die Power2max am 2014er Canyon und die Rotor Power LT – leider nur linksseitig – am Crosser), warum interessiert mich für meinen Rennrad-Neuaufbau und insgesamt nun ein Pedalbasiertes System?

Ich wollte:

  • die schöne und leichte Campagnolo-Kurbel behalten
  • eine echte beidseitige Messung (auch wenn’s nur nice to know ist) (die Power2Max hat nur eine Pseude-Links/Rechts-Aufteilung)
  • leichte Wechselbarkeit von Rad zu Rad (ich habe deutlich mehr Räder als ich mir Leistungsmesskurbeln zu kaufen gewillt bin – besonders interessiert mich hier der Einsatz an meinem Bahnrad)
  • Eine evtl. auch einfach mal zu einer Trainingslagerwoche mitnehmbare Option für ein Leihrad
  • und schließlich auch nicht ganz abwegig: leichtere Wiederverkaufsmöglichkeit.

Aber – eingangs klang es schon an – wo neue Vorteile sind, gibt es auch Nachteile. Dazu gleich weiter unten mehr.

# Warum keine kurbelarmbasierten Systeme, wie z.B. Stages?

Das bekannteste kurbelarmbasierte System, welches auch den ganzen Trend mit der rein linksbasierten Messung losgetreten hat und die damit auch eine sehr hilfreiche Preisbrecher-Pionier-Rolle eingenommen haben, ist das Stages Power System. Gleichzeitig hatte und hat dieses System aber so seine Qualitätsprobleme, die sich vorrangig in Messausfällen (Totalausfall), Wassereintritt oder in sehr hohen Batterieverschleiss äußern.

Powermeter24.com hat eine neue Blogserie ins Leben gerufen, in der sie Langzeiterfahrungen und Ausfall- bzw. Rücksendequoten für die jeweils besprochenen Leistungsmesser aufführen. Für einen Verkäufer eine beeindruckende und offene Aktion, Hut ab dafür. Im Beitrag zum Stages Powermeter sind die Fehler und eine sehr hohe Ausfallquote von 12 % aufgeführt. Wörtlich heisst es da: „Die Ausfallquote nach unserer Definition beschreibt, dass von 100 verkauften Geräten 12 Geräte innerhalb der Gewährleistung aufgrund eines Defektes zu uns zurück kommen. Andere Powermeter wie z.b bePRO oder SRM liegen hier bei 3% und weniger. Aus unserer Sicht liegt sie damit aktuell in einem viel zu hohen Bereich.

Dazu kommt noch die nur links-basierte Messung, die mich auch nicht zufrieden stellt. Weiter unten habe ich zum Thema Links/Rechts-Verteilung einen eigenen Abschnitt.

Dritter Punkt: die Montagefreiheit zwischen den Aufsätzen von Stages oder 4iiii und der Kettenstrebe bzw. auch der Kette und der Kurbel (wenn es um die immer noch erwartete und nicht gelieferte „Rechts“ Option für eine beidseitige Messung geht).

Und der letzte Killerpunkt: Ich fahre am Rennrad Campagnolo Kurbeln. Die sind aus Carbon und für Carbon hat noch keiner der entsprechenden Anbieter eine Option. Ich möchte keine andere Kurbel (z.B. Rotor o.ä.) installieren, nur um so ein Powermeter fahren zu können.

Welche Pedalbasierten Systeme gibt es zur Zeit und welche Vor- und Nachteile haben sie in meinen Augen?

Garmin Vector

  • Vorteil: Garmin (Marktpositionierung, Know How)
  • Vorteil: relativ Leicht
  • Vorteil: Als Parameter neben PS (Pedaling Smoothness) und TE (Torque Efficiency) auch Cycling Dynamics mit Garmin Endgeräten verfügbar
  • Vorteil: automatische Kalibrierung
  • Vorteil: seit kurzem Austauschkit erhältlich, um anstelle Look Keo auch Shimano SPD-Pedalkörper verwenden zu können (aber Time oder Speedplay geht nicht)
  • Nachteil: Nur ANT+ als Übertragungsart
  • Nachteil: Garmin (nachgewiesener Trackrecord nicht idealer Firmware und Facepalm-induzierender Design-Entscheidungen aus vielen eigenen und nachprüfbaren Erfahrungen im Bekanntenkreis sowie in Foren)
  • Nachteil: separater, abstehender „Pod“, auch in Version 2 noch viele Berichte mit Problemen (Dauerhaftigkeit der Verbindung, mögliche Kollision und in Folge Abriss bei schlagender Kette (Abfahrten auf schlechter Straße, Paris-Roubaix, Ronde van Vlaanderen etc.)
  • Nachteil: Zuverlässigkeit insgesamt, viele negative Erfahrungen mit den Vector-Pedalen  (gut: viele Geräte = viele negative Erfahrungen; aber auch nach Berücksichtigung dessen gibt es einfach zu viele glaubwürdige negative Berichte)
  • Nachteil: Zuverlässigkeit der Wertegenauigkeit (immer noch Abhängigkeiten vom genauen Einhalten des Montagedrehmoments)

Powertap P1

  • Vorteil: einfachste Montage (wirklich nur festschrauben ohne Zusatztools, ohne Kontermutter, ohne Berücksichtigung von Drehmomenten)
  • Vorteil: AAA-Batterien (Nur dann Vorteil, wenn Eneloop-Akkus zuverlässig anstelle Einweg-Batterien funktionieren, woran ich erst einmal keinen Zweifel habe)
  • Vorteil: Nutzt Hall-Sensoren (Trittfrequenzgenauigkeit, erweiterte Möglichkeiten neuer Messungen)
  • Vorteil: Sowohl Ant+ als auch Bluetooth Smart als Übertragungsstandards
  • Nachteil: Nur Look Keo kompatibel (keine Option für Shimano SPD, Time oder Speedplay etc.)
  • Nachteil: Gewicht (besonders „gewichtig“ da rotierende Masse)
  • Nachteil: Bauhöhe (leaning angle)
  • Nachteil: nur eine Quelle: Overreading = Leistungsspitzen werden im Vergleich zu hoch angezeigt während ansonsten Übereinstimmung mit anderen Leistungsmessern herrscht)
  • Nachteil: scheinen von allen 3 Systemen am kritischsten auf eigentlich baugleiche Look-Cleats zu reagieren
  • Nachteil: am teuersten von allen dreien
  • Nachteil: Aufweckzeit einige Sekunden (damit Problem beim Sprintstart für Bahnradfahrer)

Favero BePro

  • Vorteil: relativ einfache Montage ohne Drehmomentkopfschmerzen. Aber Ausrichtung muss beachtet werden
  • Vorteil: Gewicht
  • Vorteil: Bauhöhe (keine Pods, kein „Unterbau“)
  • Vorteil: Preis
  • Nachteil: Nur Look Keo kompatibel (keine Option für Shimano SPD, Time oder Speedplay etc.)
  • Nachteil: Nur ANT+ als Übertragungsart
  • Nachteil: Elektronik und Akku sitzen in einer zylindrischen Erweiterung zwischen Pedal und Kurbel, die nicht mit allen Schuhsohlen kompatibel ist (flache Sohlen kollidieren mit dem Korpus und bei diesen müsste eine Abstandsplatte zwischen Sohle und Pedalplatte montiert werden).
  • Nachteil: Akkulaufzeit mit 30 h vergleichsweise kurz
  • Nachteil: statische Kalibrierung vor jedem Start zu empfehlen
  • Nachteil: Dynamische Kalibrierung nach Montage an einem anderen Rad zu empfehlen (das ist mit dem Prozedere 11 mal rückwärts pedalieren und dann 40 Sek mit 80 RPM zu pedalieren z.B. auf einem Bahnrad gar nicht so ohne weiteres machbar)
  • Nachteil (im Nachhinein festgestellt: kurze Pedalachse. Ist es ein Nachteil? Sind andere länger? Egal, kommt mir doch etwas kurz vor bzw. es sind noch genügend Gänge in der Campa-Kurbel frei.)
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Favero BePRO Pedal an Campagnolo Super Record Kurbel. Der Super Record Schriftzug längs der Kurbel ist gleichzeitig eine Super Ausrichte-Hilfe für die Strichmarke der BePRO Pedale.

Mein Resümee daraus (mache Nachteile sind Ausschlusskriterien, manche Vorteile vielleicht einfach nur „nett“):

Garmin scheidet aus: Von allen 3 Systemen mit den meisten physikalischen und softwaretechnischen Fallstricken behaftet. Nein Danke.

Powertap P1: mit dem Test von DC Rainmaker war ich mir eigentlich sicher: „Ok, damit haben Pedalbasierte Systeme augenscheinlich tatsächlich eine absolut zufriedenstellende Produktreife erreicht.“ Ja, es gibt immer noch diverse Aspekte (hoch bauend, schwer) aber anscheinend zuverlässig und mit Zukunft (Hallsensoren, ANT+ und Bluetooth, Powertap ist ein erfahrener Player). Da ich keine Kriterien fahre (Kurvenwinkel) und sowieso eher kurze Kurbeln (170 mm) wäre auch die Bauhöhe für mich nicht so ausschlaggebend. Das Gewicht schon eher. Der Bericht von Bikeradar mit dem Overreading wäre für mich dann aber das Ausschlusskriterium. Leider lässt sich bei DC Rainmaker nichts dessen völlig Wiederlegendes finden.

Favero BePro: Die Mini-USB-Ports an beiden Pedalen und der große Zylinder, der nur all zu leicht mit den Schuhen in Berührung kommen könnte bzw. mit der Zeit beim Aus- und Einklicken doch in Mitleidenschaft gezogen werden könnte hat mich erst von diesem System abgeschreckt. Aber wenn es von der Sohlenfreiheit her doch passt… Und die Elektronik voll vergossen und die USB-Ports auch völlig nackt komplett wasserdicht sind… was spräche denn dann noch gegen die BePro? Wenig bis nichts!

Ok, sie haben leider kein Bluetooth Smart – also werde ich nicht besser gestellt wie bei meinen bisherigen Systemen Power2Max oder Rotor Power LT oder wie wenn ich die Garmin Vector wählen würde. Sie sind spätestens alle 30 h also wahrscheinlich mind. alle zwei Wochen bis einmal die Woche zu laden, ok. Dafür aber: Leicht, ohne Kopfschmerzen zu montieren, keine Kontakte mit Kette oder Kettenstrebe oder dem Boden zu befürchten. Und das wichtigste: Gute Datenqualität.

Also hatte ich mir die Favero BePRO Pedale bestellt!

Die Installation:

Die kurze Anleitung ist einerseits leicht zu verstehen, andererseits macht sie auch bange, da dort davon geredet wird, bloss nicht die Kontermutter in die falsche Richtung und gegen die Messzylinderseite zu schrauben, da diese sonst zerstört werden könnte… Effektiv ist die Montage aber super einfach. Ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass ich gar nicht die Sticker mit dem Ausrichtungsstrich auf die Kurbelarme aufkleben muss. Denn zum einen kommt es nicht auf den Millimeter bei der Ausrichtung an und zum zweiten haben alle meine Kurbeln ohnehin ein Feature, welches die Mitte des Kurbelarmes anzeigt. Bei den Rotor-Kurbeln ist es eine Mittelrippe zwischen zwei längslaufenden Nuten und bei den Campagnolo-Kurbeln ist es der schmale weisse Strich mit dem Super Record Schriftzug.

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Favero BePro Installationsmaterial und mitgelieferte Pedalplatten. Nicht abgebildet und sonst noch in der Packung: die beiden Pedale, USB-Ladegerät, diverse Stecker-Adapter, Unterlegscheiben und Ersatz-USB-Port-Abdeckungen, Bedienungsanleitungen in verschiedenen Sprachen und die Justagesticker (von mir nicht benötigt). Was davon gehört in den Reise-Werkzeug-Koffer? Nur der unten abgebildete Gabelschlüssel.

Man dreht also das Pedal in das Kurbelauge wie jedes andere Pedal auch, bis es ganz hineingedreht ist. Schaut dann, wo der Querstrich am Messzylinder steht. Dieser muss zur Kurbelachse weisen und mit der Mitte des Kurbelarms übereinstehen. Also wieder etwas zurückdrehen, bis diese Übereinstimmung passt. So ist das Pedal natürlich noch locker. Dafür wird jetzt die Kontermutter auf der Kurbelaussenseite mit dem beiliegenden Gabelschlüssel festgedreht. Et voilá – das Pedal ist fertig montiert. Für das andere Pedal wiederholen und schon kann’s losgehen.

Zur Montage und zum Sitz noch drei Dinge:

  • die Pedalschraube kommt mir ein wenig kurz vor. Gerade, wenn die Ausrichtung des Querstriches nach dem vollständigen Eindrehen so eben nicht passt und man fast eine volle Umdrehung zurück muss, finde ich das etwas grenzwertig.
  • Favero liefert Unterlegscheiben mit, um diese zwischen Kontermutter und Kurbelarm platzieren zu können. Bei den Rotorkurbeln fand ich das erforderlich, bei den Campagnolokurbeln konnte ich darauf verzichten (gut, denn so habe ich nochmal etwas Gewindeeindrehtiefe gewonnen.
  • Anzugsdrehmoment: wie fest dreht man die Pedale nun an? Das Handbuch sagt: 35-40 Nm. Das ist schon eine ganze Menge. Das habe ich so nicht im Handgelenksgefühl. Für die Funktion ist es glücklicherweise unerheblich (ganz im Gegenteil zu Garmin Vector, bei denen steht und fällt die Brauchbarkeit der Werte mit dem Anzugsmoment). Aber einerseits will ich die Kontermutter nicht zu fest zuknallen (um sie wieder lösen zu können und um nicht Gefahr zu laufen, bei verkehrter Drehrichtung doch irrtümlich voll gegen den Messzylinder zu würgen) und andererseits sollen nicht nur die Pedale an der Kurbel bleiben (das wäre doch ganz gut… ;-)) sondern auch die Ausrichtung der Pedale exakt bleiben.

Und so hatte ich Anfangs zweimal den Fall, dass sich die Ausrichtung der Pedale geändert hatte.
Beim ersten Mal ganz zu Anfang. Da hatte ich wohl definitiv nicht ordentlich angezogen. Beim zweiten Mal ist es erst nach geraumer Zeit passiert, dass sich die Ausrichtung des rechten Pedals mitten in einer Fahrt so geändert hatte, dass keine Leistung mehr von diesem Pedal kam. Gemerkt hatte ich das nur dadurch, dass ich plötzlich sehr wenig Watt für das Fahren bei gegebener Geschwindigkeit brauchte. Ein Blick auf die Pedalen zeigte dann, dass sich das rechte Pedal um etwas über eine Vierteldrehung verdreht hatte.

Wie habe ich das Problem behoben: Normalerweise fette ich Pedalgewinde, damit sie nicht festfressen. Eine andere Möglichkeit, dies zu verhindern und gleichzeitig eine weitere Verdrehsicherung zu haben, ist Loctite Schraubensicherung. So habe ich auf das rechte Pedalgewinde Loctite gegeben und das Pedal so neu montiert und auch die Kontermutter etwas beherzter festgezogen (und wahrscheinlich immer noch unter den empfohlenen 35-40 Nm). Seit dem passt alles. :)

Die initiale Kalibrierung:

Montiert sind die Pedale also schnell und einfach. Damit sind sie aber noch nicht einsatzbereit.

  1. Schritt (wie mit jedem neuen Sensor am Rad): das Pairen mit dem Radcomputer (ANT+). Schnell und einfach gemacht.
  2. Schritt: Das Eingeben der Kurbelarmlänge (über das Menü des Radcomputers – bei mir der Garmin Edge 1000).
  3. Schritt: Eine erste, sogenannte dynamische, Kalibrierung ist noch erforderlich. Diese gleicht leichte Imperfektionen der Montage und der jeweiligen Ausrichtung der Pedale ab und aus. Dazu gibt es keinen Button und keine Funktion an Garmins oder anderen Radcomputern, sondern diese dynamische Kalibrierung muss durch ein besonderes Prozedere eingeleitet werden:

Man braucht eine (am besten relativ ebene) Strecke (oder einen Rollentrainer), auf der man aus der Fahrt heraus zuerste 11 Kurbelumdrehungen rückwärts macht (mit etwa 60er Kadenz). Dann gehen die Pedale in den Modus zur dynamischen Kalibrierung. Sie zeigen das an ihren Leuchtdioden an, die ich aber in der Fahrt schwierig eindeutig erkennen kann. Besser und viel leichter sieht man das am Radcomputer, denn dort verschwindet der gemessene Wattwert. Jetzt muss man 40 Sekunden lang gleichmäßig vorwärts treten. Etwa mit 80er Kadenz (plus minus 5 bis 8 Umdrehungen). Wenn das erfolgreich war (hat bei mir bis jetzt jedesmal auf Anhieb geklappt), erscheint auf dem Radcomputer wieder der Wattwert und alles ist OK.

Eine solche dynamische Kalibrierung braucht man nur einmal nach einer Neumontage durchführen. Sicherheitshalber vielleicht noch einmal nach einer oder zwei Ausfahrten, so dass sich die Pedale wirklich gesetzt haben. Ich fand dies aber nicht erforderlich.

Neben der dynamischen Kalibrierung gibt es noch eine statische Kalibrierung. Das kennt man auch bei vielen anderen Leistungsmessern und es dient dazu, vor jeder Fahrt den Leistungsmesser intern zu kalibrieren. Dazu gibt es im Garmin die Funktion „Leistungsmesser kalibrieren“, die direkt aus der Übersichtseite (Drop down) aufrufbar ist. Ein Touch auf den Button „Kalibrieren“ und nach rd. 5-10 Sekunden erscheint die „Null“. Das war bisher jedesmal der Fall und wahrscheinlich kann man das auch sein lassen. Ich mache es bisher vor jeder Fahrt.

Praktisches:

Pedale montieren und deren Sitz: hält mittlerweile und ist einfach (man muss aber den mitgelieferten Gabelschlüssel in seinem Werkzeugkoffer dabeihaben, falls mal was sein sollte).

Schuhsohlenfreiheit / mögliche Kollision mit den Messzylindern / Sorge um deren Beschädigung: Mit meinen Gaerne-Schuhen ist das kein Problem. Auch mit dickeren Überschuhen darüber kann ich einwandfrei ein- und ausklicken und stoße nicht an die Messzylinder. Auch sehen diese immer noch aus wie am ersten Tag (da kommt also nichts dran). Und dass, obwohl ich teilweise sehr häufig ein- und ausklicke (Gar nicht mal so sehr an Ampeln, viel mehr noch auf Touren und im Urlaub alle paar Meter, um Fotos zu machen).


Auslösehärte für die Pedalplatten. Diese ist natürlich einstellbar. Aber selbst auf der leichtesten Stufe ist es für meinen Geschmack noch etwas zu hart. Ich mag das wirklich sehr locker. Aber ok, alles machbar.

Akkulaufzeit. 30 Stunden sind angegeben. Für meine Einsatzzwecke reicht das, aber das Ladegerät muss halt immer (auch für ein langes Wochenende) dabei sein. Das ist kein Leistungsmesser, um damit ein extremes Brevet wie Paris-Brest-Paris oder London-Edinborough-London zu fahren. 24 Stunden Rennen sind aber problemlos. :)

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Bei meinem ersten Kurzurlaub in der Schweiz hatte ich prompt noch gar nicht an das Ladegerät gedacht. Ich habe dann ein Pedal nach dem anderen mit dem Ladegerät meines Handys (Micro-USB sei Dank) geladen. Das ging auch problemlos :)

Dynamische Kalibrierung und deren Einleitung über 11 mal rückwärts pedalieren:

a) wie mache ich das, wenn ich die Pedale mal an mein Bahnrad schraube? Wahrscheinlich ist das auf einer freien Rolle noch am einfachsten zu bewerkstelligen (es muss sich ja danach eine 40 sek. Phase mit 80er Kadenz in Vorwärtsrichtung anschließen).
b) Wenn ich die Kette reinige, dann packe ich ein Feuchttuch (andere vielleicht einen Pinsel mit Lösemittel) um die Kette und drehe die Kurbel lustig mehrfach zurück… Hmm, nach 11 Umdrehungen… habe ich dann die dynamische Kalibierung aktiviert… das wäre nicht gut.
c) gleiches gilt für meine Angewohnheit vor roten Ampeln und mehr noch bei der Annäherung an Spaziergänger auf Bahntrassen-Wegen, rückwärts zu treten („Freilaufklingel“ ;-)).

Also an diesen Punkten merkt ihr – ein Pedalbasiertes System, da denkt man schon mehr dran als an eine Leistungsmesserkurbel.

Allwetter-Tauglichkeit: 100 % gegeben. Ich bin mehrfach durch strömenden Regen mit ihnen gefahren, darunter der intensivste (und kälteste) Regenschutt, den ich je erlebt habe (auf dem unteren Viertel des Albulapasses). Keine Probleme (bis jetzt – ich hab’ sich ja in der Tat erst knapp über 2 Monate)

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Favero BePRO Pedale an der Rotor-Kurbel meines Giant Crossers. Vergleich zwischen BePRO und Rotor PowerLT.

Wertegenauigkeit:

So weit, wie ich das ohne Prüfstand und mit meiner Erfahrung, die mittlerweile eine Powertap-Nabe, eine Power2Max-Kurbel und eine Rotor-PowerLT (linksseitige Kurbelarmmessung) umfasst, sagen kann, sind das hervorragende Werte. Weitere Vorteile:

  • Ich habe jetzt eine wahre und direkte Messung von linker und rechter Beinkraft (bei der Power2Max ist es nur eine Pseudo-Aufteilung nach Stellung der Kurbelarme und bei der Rotor PowerLT wird nur links gemessen)
  • Ich habe bisher keinerlei Mess-Ausreißer (sowohl bei der Power2Max als auch bei der Rotor Power LT kam es immer mal wieder vor, dass in einer Ausfahrt ein, zwei oder drei fehlerhafte Wattspitzen von 3000 Watt oder mehr aufgezeichnet wurden. Das verhagelt dann die CP-Kurve und die Sinnhaftigkeit der Angabe der maximalen Leistung und muss dann manuell im Trainingsauswerte-Programm der Wahl korrigiert werden. Das geht in GoldenCheetah oder in SportTracks sehr einfach – bei Online-Plattformen wie Strava oder Garmin.Connect leider überhaupt nicht).
  • Ich habe auch keine Messlücken (die Power2Max hatte in Verbindung mit Garmin Radcomputern die komische Eigenheit, bei der Trittfrequenzkurve genau bei Kadenz 80 und bei 100 eine Lücke zu haben.

Links/Rechts-Leistungsverteilung:

Gerade das Thema Links/Rechts-Leistungsverteilung erhält besondere Bedeutung bei den mittlerweile vielen Systemen, die der Einfachheit halber und um einen besseren Preis zu erzielen nur links messen (Stages z.B.). Dieser Wert wird dann einfach verdoppelt und als Leistung angegeben und aufgezeichnet. Das kann stimmen, muss aber längst nicht bei jedem Menschen stimmen. Und wenn es für einen Leistungsbereich passt, muss das nicht für alle Leistungsbereiche passen. Und wenn man vielleicht für den ausgeruhten Zustand eine bestimmte Verteilung hat, dann kann diese sich mit zunehmender Erschöpfung vielleicht auch ändern. Und wenn jemand muskuläre Dysbalancen hat, dann stimmt es sowieso komplett nicht. Boris Hendrik hat das mal mit seinen Werten hier schön dargestellt.

Von meinen Power2Max-Angaben her war ich bisher der Vermutung, dass ich so etwa 47 % / 53 % verteilt bin. Gefühlt (aber da täuscht man sich dann halt auch leicht) kam das auch mit der Messung der Werte auf meinem Crossrad (mit der nur links messenden Rotor Power LT) hin. Ich meinte, dass ich da bei gefühlt gleicher Anstrengung etwas weniger Watt angezeigt bekam. Logisch (dachte ich), wenn mein linkes Bein ja auch nur 47 % Leistung bringt und diese dann verdoppelt wird, habe ich halt nicht 2 x 50 % = 100 % der Gesamtleistung, sondern ich habe nur 2 x 47 % = 94 % der Gesamtleistung angezeigt und aufgezeichnet. Also muss ich die Zeitreihen der Trainings mit dem Crosser leistungsmäßig eigentlich mit 1,064 multiplizieren, um diese Fehleinschätzung auszugleichen. Wenn sie denn stimmt. Wenn sie denn auch konstant über alle Leistungszonen und Ermüdungszustände bleibt. Im Mittel aber wäre es deutlich besser, als wenn mir tatsächlich 6 % Leistung fehlen würden.

Fehlten mir aber gar nicht. Da sieht man mal, wie das Gefühl täuschen mag. Wenn man auch den Crosser vorrangig im Winter, in kälterer Witterung, mit dickerer Kleidung und über raueres Geläuf mit anderen Ansprüchen an den Bewegungsapparat benutzt.

Zum Testen habe ich nämlich die Favero BePro-Pedale als erstes an meinen Crosser geschraubt, um die Pedale direkt mit der Rotor PowerLT vergleichen zu können. Habe auch zwei Garmins an’s Rad gepackt und habe bei Ausfahrten parallel aufgezeichnet.

Was kam raus?

Zum Ersten: Siehe und staune: Ich habe gar keine 47 / 53 Verteilung sondern, eine recht nahe 50 / 50 Verteilung im Mittel. Die Rotor PowerLT-Werte wären und waren also direkt übernehmbar.

Zum Zweiten: Die Kurven und Werte von Rotor PowerLT und Favero BePro liegen sehr weitgehend deckungsgleich übereinander. Also entweder sind damit beide gleich verkehrt oder beide recht korrekt.

Zum Dritten: Im Vergleich zu den Rotor PowerLT zeigen die BePro-Pedale Leistungspeaks deutlicher und unmittelbarer an.

Hier die gegenüber gestellten Metriken der zwei Testfahrten (in die Galerie für volle Größe der Abbildung klicken):

Hier ein Ausschnitt der in MS Excel übereinander gelegten Leistungskurven von Rotor PowerLT und BePro:

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Und hier mal zwei andere Arten der Auswertung. Links die Zeitreihe der Links/Rechtsverteilung in der Übersicht und rechts ein Scatterplot der Links/Rechts-Verteilung. Zunächst von der Power2Max Kurbel. Die L/R-Verteilung ist die dunkelrote Kurve links und man sieht schon, dass diese überwiegend im Bereich unter der Mittellinie liegt (im Mittel dann 47/53 anzeigt).

Und jetzt eine von der Anstrengung und vom Trainingsziel ähnliche Fahrt, aber mit den Favero BePRO Pedalen aufgezeichnet. Links sieht man jetzt deutlich mehr. Die Parameter Pedal Smoothness und Torque Efficiency (jeweils als getrennte Aufzeichnung für Links und Rechts) kennt die Power2Max z.B. gar nicht. Gut, was ich damit momentan als Trainingserkenntnisse schließen sollte, weiss ich auch noch nicht. Es soll euch aber erst mal sagen: Da gibt’s noch mehr Werte als nur eine reale L/R-Verteilung und erklären, warum das linke Bild anders als bei der Power2Max aussieht. Rechts sieht man nun eine reale Verteilung von Links und Rechts-Werten.

Und zum Schluss eine Aufzeichnung mit der nur links messenden Rotor PowerLT Kurbel, die ich an meinem Crosser fahre: Wie man rechts sieht, ist die Scatter-Auswertung (jegliche L/R-Auswertung) völlig witzlos bzw. unmöglich. Die Angabe von 50 % entspricht der Annahme des Messprinzips und nicht der tatsächlichen Messung. Links sieht man, dass auch die Rotor PowerLT die Parameter PS und TE zur Verfügung stellt, diese aber halt nur für die Linke Seite messen und darstellen kann. Und die L/R Kurve ist wieder „Fake“ auf 50 % gesetzt und entspricht der Mess-Annahme.

Nach dem Vergleich an meinem Crosser war ich beruhigt, hatte neue Erkenntnisse und die Gewissheit, dass ich mit den BePro-Werten sinnvoll arbeiten kann.

Meine Wertung:

Vorausgesetzt, der Powermeter-Markt bliebe auf dem heutigen Stand (was nicht zu erwarten ist – die Entwicklungen schreiten voran) würde ich die Pedale sehr wahrscheinlich wieder kaufen.

Wenn ich ein Komplettrad kaufen würde, dann würde ich definitiv die BePro als erste Nachrüstoption vorsehen.

Wenn ich mir wieder ein Rad komplett neu aufbauen würde, dann könnte es aber auch doch wieder eine Power2Max-Kurbel werden. Dort wurde gerade die „Next Generation“  vorgestellt, deren wesentliche Neuheiten der jetzt hinzugekommene Bluetooth-Übertragungsstandard (Zukunftssicher, Smartphone-Kompatibel) und die Wechsel von Knopfzelle auf USB-Nachladeoption (soll 150 h, also 5 mal so lange wie die BePro reichen), was ich in Anbetracht der sonst sehr langen Batterielaufzeiten der bisherigen Power2Max Type „S“  fast schon einen Rückschritt finde.

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Oben bereits einmal erwähnt, hat Powermeter24 eine neue Blogserie mit Langzeiterfahrungen und Rücksendequoten ihrer Leistungsmesser begonnen. Der erste Beitrag stammt vom 20. September, behandelt die BePRO-Pedale und gibt ein sehr positives Votum ab.

Der ebenfalls in diesem Beitrag bereits erwähnte DC Rainmaker hat wohl mit die größte Nutzer-Basis und Kommentar-Rückläufe im relevanten Bereich und schreibt in der jüngsten Powermeter-Kaufübersicht zu den BePro:

Would I buy it: Mostly. Last year I was concerned about how it might hold up long term with the pod design, but after a winter’s worth of DCR readers testing it – the feedback has been overwhelmingly positive.  No issues on the durability front.  I would caution that I wouldn’t buy this unit if you’re moving back and forth between bikes, it’s just not designed for that.  The other downside is that it doesn’t support BLE, so it’s ANT+ only.

Wer also sowieso mit Look-Pedalen fährt, wer Garmins (oder andere ANT+ kompatible Radcomputer) nutzt und wer nicht täglich die Pedale zwischen verschiedenen Rädern hin- und her wechseln möchte (aber er könnte es bei Bedarf recht einfach) und dessen Schuhsohle nicht mit den Pedalen kollidiert, der macht mit den Favero BePRO nichts verkehrt.

Also: Kaufempfehlung für die Favero BePRO Leistungsmesser-Pedale von meiner Seite. Günstiger Einstandspreis, leichte Montage und gute Aufzeichnungsqualität.

#baaw = Bike against a wall

Giant TCX Advanced Pro 1 Disc 2015 Photo Shoot (und kurze Notiz zur Rotor Power LT)

Rad fahren

Vergangenen Samstag konnte ich endlich meinen neuen Giant Crosser, das TCX Advanced Pro 1, ordentlich in Szene setzen. Und zwar im finalen Ausbau.

Giant TCX Advanced Pro 1

Giant TCX Advanced Pro 1

Was bisher noch fehlte: Die Rotor Power LT Leistungsmesskurbel. Da dem Händler die verkehrte Lochkreisversion geliefert wurde, hatte ich zum Übergang irgendwelche alufarbene Kurbelblätter montiert. Das war optisch noch nix. ^^

Antriebsstrang, Rotor powered :)

Antriebsstrang, Rotor powered :)

Jetzt sind die richtigen dran. Die schwarzen Rotor-Scheiben. :) Und Leistungsmessung ist nun auch am Crossbike verfügbar. Zwar nur links, was gewissen Nachteile mit sich bringt. Aber bei dem verhältnismäßig geringen Aufpreis konnte ich nicht nein sagen. Sonst hätte ich wohl auch das Giant mit der Power2Max ausgestattet. Genau wie mein Canyon. So schaue ich mir mal an, was die Rotor Power LT so kann. Bis dato macht sie eine gute Figur, die Daten sehen auf den ersten Blick sehr sauber aus.

Massives Tretlager und Rotor Power LT Kurbel.

Massives Tretlager und Rotor Power LT Kurbel.

Sie scheint auch ähnlich problemlos wie die Power2Max zu sein. Ich musste laut Anleitung nur nach dem initialen Einbau die Kurbel einmal kalibrieren, in dem bei senkrecht stehender Kurbel die Kalibrierungsfunktion über den Radcomputer aufgerufen wird. Ansonsten braucht man sich da augenscheinlich keine Gedanken mehr zu machen und vor oder während einer Ausfahrt irgendwelche Prozeduren durchzuführen. Einfach losfahren. So soll das sein. :)

Was aber zu berücksichtigen ist:

Die Rotor LT misst wie gesagt nur im linken Kurbelarm und multipliziert die Leistung dann mal 2. D.h. es wird auch immer 50:50 Links/Rechts-Verteilung angezeigt. Das mag für manche halbwegs und für andere gar nicht stimmen.

Bei mir ist es so: wenn die Power2Max Recht hat, dann bin ich fast immer bei 47 : 53 . Das ist sowohl das Mittel der letzten 3 und 6 Monate Auswertung. D.h. das linke Bein leistet 47 % und das rechte Bein 53 %.

Die Leistung der linken Kurbel müsste also nicht mit 100/50, sondern mit 100/47 multipliziert werden.

In Realität werden also nicht 2 x 50 %, sondern 2 x 47 % als Summe erhalten. Die Werte der Rotor Power LT sind somit im Mittel um 6 % zu niedrig und müssten für Vergleichbarkeit mit der Power2Max um 6 % angehoben werden. Je nachdem ist das entweder ok oder schon erheblich. Typischerweise 12 Watt bei 200 Watt oder 18 Watt bei 300 Watt sind schon signifikant. Vorteil für mich ist aber, dass ich überhaupt Leistungsmessung und auch die Darstellung der Variabilität etc. am Crosser habe. Ich müsste mir noch einen halbwegs plausiblen Vergleichstest zwischen meinem Canyon mit Power2Max und dem Giant mit Rotor Power LT ausdenken…

Wie dem auch sei: Genießt die Fotos im Blog und der angehängten Galerie. Nach wie vor macht mir das TCX Advanced viel Freude. Ist ein toller Crosser, der für mich eher ein sogenanntes Gravel Bike ist. Bzw. ein „Go Anywhere Bike“, ein Anyroadbike zum überall hin fahren. :)

Daytona Blue you are so fine... :)

Daytona Blue you are so fine… :)

Specs:

Giant TCX Advanced Pro 1 

mit

  • Rotor Power LT Powermeter
  • Shimano Ultegra 11,
  • RS785 Hydraulic Disc brake
  • Shimano RS685 Hydraulic levers
  • Tektro discs 140 mm

Laufräder

  • NoTubes IronCross
  • 32/32 Sapim CX Ray Spokes
  • DT Swiss 240 S Hubs w/ 6-Hole Disc mount
  • RWS 15 mm through axle front and 5 mm quick release skewer back

Reifen

  • Clément X’Plor USH, mounted tubeless

Mehr Fotos:

Upgrade des Canyon: Leistungsmesser Power2Max Type S

Rad fahren
Power2Max Type S Campagnolo am Canyon Ultimate CF SLX

Power2Max Type S Campagnolo am Canyon Ultimate CF SLX

Ich habe noch gar nichts Ausführliches zu meinem neuen Canyon Ultimate CF SLX geschrieben (einfach keine Zeit) und schon wird es aufgerüstet und ich blogge darüber…

An meinem Wilier Triestina GranTurismo fahre ich bekanntlich die Leistungsmessnabe Powertap G3. Hier habe ich dazu und zu Leistungsmessungsoptionen für das Rennrad einiges geschrieben.

Für das Canyon wollte ich unbedingt die Mavic R-SYS SLR WTS Exalith 2 Systemlaufräder haben. Und ich wollte mal eine Leistungsmessung in der Kurbel ausprobieren. Daher war schon beim Kauf des Ultimate klar: Sobald das im Hause ist, wird eine Power2Max-Kurbel geordert.

Mittlerweile gibt es diese nämlich in einer neuen Bauart Typ S. Mit Links-Rechts-Balance (auf die ich gar keinen gesteigerten Wert lege), mit weiter reduziertem Gewicht, mit automatischer Temperaturkompensation (sehr wichtig) und vor allem – auch für und von Campagnolo. Natürlich leider auch wieder mit Campagnolo-Premium-Preis. Dafür aber problemlos gegen die Standard-Campagnolo-Kurbel austauschbar. Und mit gutem Design.

Power2Max Type S Campagnolo, Innenseite Antriebskurbel mit Lager und Hirth-verzahnter Halbachse.

Power2Max Type S Campagnolo, Innenseite Antriebskurbel mit Lager und Hirth-verzahnter Halbachse.

Dass das passen würde, wusste ich nicht nur von Anfragen bei Power2Max, sondern auch vom Profiteam Movistar. Denn das fährt genau wie Katusha u.a. genau meinen Rahmen. Und anders wie Katusha fahren sie Campagnolo. Und seit Anfang dieser Saison fahren sie im Training und im Rennen genau mit dieser Power2Max Type S, die ich jetzt auch eingebaut habe.

Was hätte ich noch für Optionen gehabt?

– Die Powertap G3 Nabe in ein neues handeingespeichtes Laufrad einbauen lassen.

Wie gesagt wollte ich aber einen Systemlaufradsatz testen. Und ich wollte mal ein anderes System als die Powertap testen.

– Das Stages Powermeter.

Hätte ich liebend gerne gemacht. Denn vom Thema Gewicht, Preis und Optik derzeit mein Favorit. Das wird nämlich als kleine Einheit auf die Innenseite der Nichtantriebsseitigen Kurbel aufbondiert. Geht daher aber leider nur auf ganz bestimmten Kurbeln. Davon keine Carbonkurbel. D.h. nicht für Campagnolo.

Nachträgliche Ergänzung (20.07.2014): nach einem sehr bescheidenen Testergebnis in der Cycling Plus (siehe unten in den Kommentaren) und einer seitens Stages ziemlich lapidaren und intelligenzbeleidigenden Antwort auf Nachfragen der Tester (hier nicht wiedergegeben), würde ich persönlich derzeit von diesem Leistungsmesser Abstand nehmen.

– Garmin Vector.

War mir letzten Endes sowohl von Optik als auch von der Haltbarkeit nicht geheuer. Ich habe zu viele Praxisberichte gelesen und gehört, wo die Pedalpots abgebrochen sind. Und zwar nicht aufgrund Unfällen oder Hängenbleiben, sondern beim Montieren. Das passiert sogar Profis, die diese Systeme verleihen und ständig montieren. D.h. der Vorteil, diese Pedale von einem Rad zum anderen zu wechseln, ist gleichzeitig deren Achillesverse. Zudem sind die ermittelten Werte von dem trickreich einzuhaltenden Drehmoment bei der Montage der Pedalpods abhängig.

Mittwoch habe ich die Power2Max von der Post abgeholt. Kettenblätter hatte ich separat bestellt. Ich wollte nämlich Midcompact fahren. Nicht 53/39 (so hatte ich das Canyon beim Kauf konfiguriert), nicht 50/34 (klassisch kompakt – das habe ich am Wilier Triestina), sondern etwas dazwischen: 52/36.

Am gestrigen Donnerstag habe ich mich dann an ein von mir bisher als Buch mit sieben Siegeln betrachtete Stück Technik des Fahrrades gemacht: Ich kann nun offiziell Campagnolo Ultra Torque-Kurbeln demontieren und komplett von Scratch auf- und einbauen. :)

Dazu musste ich leider die tolle SuperRecord Kurbel ausbauen und auf die Titanachse und die extrem leichte SuperRecord-Carbonkurbel verzichten. Aber das war mir vorher klar.

Vorher: SuperRecord Kurbel, 135er Lochkreis, 53/39

Vorher: SuperRecord Kurbel, 135er Lochkreis, 53/39

 

Mittendrin: Kurbel ausgebaut, Blick auf das Tretlagergehäuse.

Mittendrin: Kurbel ausgebaut, Blick auf das Tretlagergehäuse.

Bis auf den Sicherungsfederring war der Zusammen- und Einbau eigentlich recht einfach. Gäbe es diesen nicht, würde ich sagen: einmal gemacht – von da an ein Kinderspiel.

Gestern bin ich auch trotz Nieselregen zu einer ersten Testfahrt aufgebrochen. Schließlich muss alles funktionieren – morgen fahre ich zum Dreiländergiro (hier mein Bericht von 2011) nach Nauders.

Ich muss natürlich noch weiter testen. Aber die Kurbel funktioniert mechanisch einwandfrei (ich scheine sie also richtig eingebaut zu haben ;-)). Leistung und Trittfrequenz wird auch gemessen und auf meinem Garmin Edge 800 angezeigt (Pairing war überhaupt kein Problem) und im Gegensatz zur Powertap-Nabe erscheinen mir die Werte stabiler und vor allem wird auch Vernünftiges auf der Ebene bzw. im leichten Downhill angezeigt. Hier war ich mit der Powertap nie so ganz zufrieden.

 

Sheltered from the Rain

Look Ma – Nu Wheelz! Neue Laufräder & Leistungsmessung für das Wilier Triestina GranTurismo

Produkttests, Rad fahren

KinLin XR-300 Felgen, hinten mit Powertap G3, vorne mit tune Mig 70 Nabe, an meinem GranTurismo:

Sheltered from the Rain

Weiß macht mächtig was her, nicht? ;-)
Ich finde sie richtig edel – und gleichzeitig richtig „Racy“.

Die Presse (ähm, Nutzerkommentare ;-)) urteilt: „Lecker, Lecker, Lecker!“, „…chique“, „Schön!“, „Laufräder stehen dem Rad gut!“, „Passt. :)“, „porn“

Nicht das ihr denkt, die Kommentare hätte ich mir als Stilmittel für diesen Beitrag ausgedacht. Brauchte mich da nicht anstrengen, sondern nur ein paar Reaktionen von Twitter, Flickr und Co hernehmen. :)

Wilier Triestina GranTurismo

Mein Wilier habe ich nun schon seit etwas über einem Jahr, über 9000 tolle Kilometer habe ich mit ihm mittlerweile zurückgelegt. Es sinnvoll zu tunen, fällt gar nicht so leicht. Laufräder kommen ja bei so etwas immer in Betracht. Warum es aber doch nicht so einfach damit getan ist, einfach teure und hochprofilige Carbon-Schlappen an’s Rad zu stecken, habe ich ausführlich in meinem letzten Blogeintrag über Laufräder für das Rennrad dargelegt.

Im Entscheidungsprozess war ich dann also trotz den scheinbar ubiqitären Systemlaufradsätzen bei handeingespeichten Laufrädern gelandet.

Alufelgen KinLin XR-300 in weiß

Nicht zuletzt, weil ich auch schon länger ein Leistungsmessgerät haben wollte.

Ich zeichne ja jetzt schon gerne jede meine Ausfahrten auf. Die Strecke per GPS, die Geschwindigkeit, den Puls, und die Trittfrequenz. Es macht Spaß, die Daten zu sammeln und auszuwerten, sie können sinnvoll für die Trainingsanalyse verwendet werden und nicht zuletzt ist es auch schön zu sehen, wann und wo man überall war (und wo man welche Fotos gemacht hat; den GPS-Track aus meinem Garmin nutze ich natürlich auch, um meine bei Touren gemachten Fotos zu georeferenzieren).

Eine Zeitreihe fehlte mir bis dato allerdings immer: Die Leistung.

Ja, eine Leistungsaufzeichnung ist nicht unbedingt nötig. Schon gar nicht im Hobbybereich. Aber doch mehr als nur nice to have. Und auf jeden Fall eine weitere, motivierende Kurve für mich als Datenjunkie. ;-)

Geschwindigkeit… toll, warst du alleine unterwegs, mit dem Wind, gegen den Wind, gegen wieviel Wind?
Waren viele Anstiege dabei, wenige? Haben Kälte, Schwüle, Stress oder Vorerschöpfung deinen Puls eher erniedrigt oder höher als normal getrieben?

Leistung – das ist die einzig wahre Maßzahl der objektiv gelieferten Arbeit (pro Zeit). Die Herzfrequenz zeigt den Aufwand, der dafür zu betreiben war.

Die Leistungsmessung am Rad ermöglicht unter anderem:

  • spezifische Ziele zu setzen
  • Leistungszonen für effektiveres Training zu bestimmen und zur Steuerung verwenden
  • Leistungsfortschritt objektiv messen (geht aber auch gut an einem bekannten Berg)
  • Trainingsbelastung zu quantifizieren und managen
  • An der eigenen Effizienz durch Beobachtung und Vergleich von Herzfrequenz, Geschwindigkeit und Leistung arbeiten
  • zusätzliche Trainingsmotivation
  • das Pacing bei Dauerleistungen zu unterstützen

Außer Acht lasse ich jetzt mal die ganz spezifische Vorbereitung auf einzelne Rennen und das auf den Punkt in der Saison fit zu sein, das für mich als jemand, der das Rad fahren in der gesamten Saison genießen möchte, nicht so wichtig ist.

Laufradsatz mit KinLin XR-300 Felge und CycleOps Powertap G3

Welche maßgeblichen Optionen gibt es denn für die Leistungsmessung am Rad?

  • SRM (Kurbelsystem) (http://www.srm.de): Schoberer Rad Messtechnik ist quasi der Urvater der Leistungsmessung am bewegten Rad. Viele Profis nutzen es und die Qualität ist sicher eine der Besten. Aber der Preis ist prohibitv. Lohnt gar nicht, weiter darüber nachzudenken. Vor allem bei der Vielzahl der mittlerweile bestehenden anderen Optionen und derjenigen mehr, die gerade vor Markteinführung stehen.
  • Power2Max (Kurbelsystem) (http://www.power2max.de): Ebenfalls wie bei SRM wird die Leistung an der Kurbelspinne abgenommen. Sehr interessant vom Preis her. Bisher hört man fast nur Gutes. Einzige Sorge war bisher, dass die Einheiten keine Kompensation für Temperaturdrift aufwiesen. Auf der Eurobike wurde jetzt angekündigt, dass die Power2Max in zukunft mit Temperatursensoren ausgerüstet werden sollen. Mit persönlich gefiel aber nicht, dass der Einbau nicht ganz so ohne weiteres gemacht ist, wenn man eine Campa-Kurbel hat – wie immer bei Campa ;-)). Außerdem gefiel mir keine der Kurbeloptionen im Vergleich zur Chorus. Ein Behalten der Chorus-Kurbel ist nämlich bei der Power2Max leider nicht möglich. Auch das ganze Prozedere für Erwerb und Selbst-Einbau, welches auf der Power2Max Website erläutert ist, stieß bei mir nicht auf ungeteilte Freude. Hier fände ich die Option eines Rundum-Sorglos Einbaus aus Händlerhand sehr viel ansprechender.
  • Quarg (Kurbelsystem) (http://www.quarq.com) preislich ist es zwischen Power2Max und SRM angesiedelt. Gibt es auch schon länger als Power2Max. Entsprechend finden sich viele solcher Systeme bei ambitionierten Amateueren, aber auch Profis und Triathleten im Einsatz. Ohne die Systeme genau verglichen zu haben denke ich, dass Viele bei heutiger Neuanschaffung dann das auf exakt dem gleichen Prinzip beruhende Power2Max-System setzen würden. Auch hier gilt, wie auch bei SRM, man muss mit der Kurbelauswahl, die der Hersteller für seine Systeme kompatibel erachtet, zufrieden sein.
  • Powertap (Hinterradnabensystem) (http://www.cycleops.com) Auch die Powertap-Naben, die es in verschiedenen Ausführungen gibt, sind preislich für den Hobby- und Amateurbereich sehr interessant. Dadurch, dass die Leistungsmessung im Hinterrad integriert ist, kann man diese auch auf mehreren Rädern einsetzen (z.B. Straßenrennrad und Zeitfahrmaschine), sofern dort das gleiche Schaltungssystem verwendet wird. Dafür ist man auf genau dieses Hinterrad aber auch angewiesen, möchte man die Leistungsmessung mitlaufen haben. Und kann nicht mal eben im Training diesen und im Rennen jenen Laufradsatz fahren. Oder für die Berge die kompakte Felge und für das Zeitfahren den Hochprofillaufradsatz hervorholen. Es sei denn, man rüstet jeden dieser Laufradsätze mit einer Powertap-Nabe aus.
  • Wie bei den Kurbelsystemen die Kurbel, so ist es hier die Nabe, bzw. der Laufradsatz, bei dem die Auswahl eingeschränkt ist. Es gibt seit diesem Jahr nur noch 2 Optionen von CycleOps direkt. Besser, man lässt sich von einem Laufradbauer was Schönes aufbauen, wie ich es jetzt habe machen lassen. Das geht auch mit Zipps oder anderen teuren Felgen, wenn gewünscht. Was nicht geht, ist die Verwendung von Systemlaufrädern.
  • Polar Look Keo (Pedalbasiert) (http://www.lookcycle.com) Diese ganz neue Art der Leistungsmessung finde ich grundsätzlich sehr interessant. Keine speziellen Laufräder und keine speziellen Kurbeln nötig. Man fährt dass, was man gerade hat oder will ohne Rücksicht auf verfügbare Optionen nehmen zu müssen. Gut, dafür muss man das Pedalsystem mögen. In diesem Fall das verbreitete Keo-System. Auch komplette Laien sollte das Wechseln von Pedalen vor keinerlei Probleme stellen. D.h. kaufen, anschrauben, losfahren. Und beim Radwechsel genauso: Loschrauben hier, randschrauben da, fertig.  Aber, der Teufel steckt im Detail: Ganz so einfach ist das mit dem Schrauben nicht. Es muss schon so einiges beachtet werden, damit kein Unsinn gemessen wird. Etwas Mühe hier wäre aber problemlos verschmerzbar.
  • Der Showstopper beim Keo-Power System ist:
    a) in meinen Augen viel zu teuer,
    b) kein Ant+ (unverzeihlich und damit selbst ins Aus geschossen. Derzeit also nur mit Polar-Headunits verwendbar, die zudem noch absolut ungenügend für das Powerbasierte Training sind.
    c) ich lese immer noch von Probleme beim Einsatz und beim Kunden
  • Garmin Vector (Pedalbasiert) (http://sites.garmin.com/vector/#power) Hier hatte ich hohe Hoffungen und sehr großes Interesse. Aus den prinzipiellen Vorteilen, die ich bei dem Polar-Look-Keo System erläutert hatte. Die Preisvorstellung fand ich auch im Rahmen und dieses System hätte auf den ANT+ Standard gesetzt. Wie man an den Problemen des Keo-Systems sieht, ist die Leistungsmessung am Pedal nicht ohne Probleme. Garmin hat sich daher entschlossen, die Markteinführung dieses Jahr wiederholt zu verschieben, anstelle das Produkt beim Kunden reifen zu lassen.

Das ist die aktuelle Situation verfügbarer und im verbreiteten Einsatz befindlicher (oder leider zurückgestellter) Leistungsmessgeräte. Wer noch ein paar Monate bis ein Jahr (oder länger?) warten kann, der wird sicherlich noch mehr Auswahl haben. Denn auf der kürzlich vergangenen Eurobike und auf der gerade laufenden Interbike wimmelte es quasi nur so vor in unterschiedlichen Markteinführungsstadien befindlichen Neuvorstellungen. Da wäre z.B. das neue kurbelbasierte System direkt von Rotor, ein sehr preiswertes Bluetooth Smart Powermeter welches die Leistung aber nicht direkt messen kann und daher nicht so ganz das Wahre sein kann, ein interessantes System von Pioneer welches aber von den Preisvorstellungen (no Way, José) und den vielen Teilen erst einmal Skepsis bei mir hervorruft und ein ganz ähnliches, aber sehr viel einfacheres und damit sowohl vom Design als auch vom Preis her vielversprechenderes System von StageONE.

Aber wie geschrieben: Diese Systeme sind erst vorangekündigt. Sie müssen zum Teil erst zur Marktreife gelangen. Rückschläge und Neubewertungen sind möglich. Die ersten Vorankündigungen des Garmin Vector Systems liegen z.B. schon Jahre zurück (war ein Konzept einer dann von Garmin aufgekauften Firma).

Von daher hatte ich mich bereits lange vor der Eurobike für eine Powertap-Nabe entschieden und bereue diese Entscheidung jetzt auch nicht.

Jedes System hat seine Fallstricke und kleinen Pferdefüße. Ich bin sicher, ich werde die der Powertap schon noch früh genug entdecken.

So oder so wird es sicher im Laufe der Zeit noch den einen oder anderen Blog-Beitrag zu diesem Themenbereich geben. :)

Powertap G3 mit Campagnolo-Freilaufkörper

Im letzten Herbst hatte Cycleops seine Naben-Familie komplett überarbeitet und das Line Up besteht für Rennräder nun aus der Powertap Pro, der Powertap G3 und der Powertap G3C, welche nach Herstellerangaben durch Verwendung von Keramiklagern nochmals 10 Gramm gegenüber der 325 Gramm leichten G3 einsparen soll. Dafür aber 400,- Euro Aufpreis? Nein.

Die 325 Gramm der G3, die jetzt auch einen sehr viel schlankeren Nabenkörper als frühere Ausgaben aufweist, stellen einen sehr guten Wert, verglichen mit anderen Hinterradnaben, dar. Verglichen z.b. mit einer Leichtbaunabe tune Mag 170 von 178 Gramm erhält man also ein Leistungsmess-System mit nur 147 Gramm Mehrgewicht. Bei schwereren Naben sieht das noch besser aus. Top! Zum Vergleich: ein Power2Max System bedeutet 190 bis 216 Gramm Mehrgewicht zur Originalkurbel.

Laufrad mit tune Mig 70 Vorderradnabe, Sapim-Speichen und KinLin XR-300 Felge

Vorne wollte ich eine tune Mig 70. Die nochmals leichtere Mig 45 hat mir nicht so gut gefallen.

Als Felgen wie eingangs erwähnt die KinLin XR-300.

Als Speichen wählte ich die Sampim CX-Ray. Mit 20 Speichen vorne und 24 Speichen hinten kommt der Laufradsatz auf folgende, von mir gewogene Werte:

Vorderrad 655 gr
Hinterrad 954 gr
Summe 1609 gr

Jeweils ohne Schnellspanner, ohne Ritzelpaket, aber mit leichtem Textilfelgenband.

Meine Fulcrum Racing 3 habe ich nach dem ummontieren auch gewogen:

Vorderrad 677 gr
Hinterrad 878 gr
Summe 1555 gr

Jeweils ohne Schnellspanner, ohne Ritzelpaket und ohne Felgenband, da dies bei den Racing 3 nicht nötig ist.

D.h. ich habe jetzt 54 gr Mehrgewicht zu vorher. Und das ist die Pulverbeschichtung der weißen KinLins. Aber weiß mussten sie halt sein. :) Schwarze KinLins wären 50 gr leichter.

Leider sind es auch ein paar Speichen mehr geworden – die Racing 3 haben weniger. Aber gut, das kann der Robustheit nur gut tun. Und die neuen Felgen sind leicht höher und vor allen Dingen: ich habe jetzt eine Leistungsmessung integriert!

Wo habe ich sie aufbauen lassen?

Ich hatte mich an Lightwolf gewandt. Da konnte ich auf seiner Webseite sehen, dass er schon des öfteren Powertap-basierte Laufräder aufgebaut hatte. Kann ich ihn empfehlen?

Hmm, da bin ich zwiegespalten. Zum einen muss der Laufradsatz sich erst noch länger in der Praxis bewähren. Ob er wirklich ohne Nachzentrieren tadellos schlagfrei bleibt und so weiter. Da legen die Laufradbauer ja immer sehr großen Wert drauf, dass das durch ihre gute Arbeit nicht nötig sei.

Dazu muss ich sagen: ich kenne es gar nicht anders. Bei mir hat noch kein Laufradsatz die Form verloren. Jaja, dann trete ich halt nicht rein wie ein Ochse und wiege halt nix, auch gut. ;-) Aber ich ballere auch schon mal sehr viel heftiger als mir lieb ist durch Schlaglöcher, Rillen, Riefen und Co – denke also schon, das ich als Belastungstester tauge.

Besonders herausragende Handarbeitsqualität kann ich auch nicht entdecken. Der Laufradsatz ist ok und gefällt mir. Nicht mehr, nicht weniger. Nichts, was ich nicht auch von massengefertigten Laufradsätzen oder von anderen Laufradbauern nicht auch erwarten, ja einfordern würde.

Was mir missfallen hat war die sehr lange Lieferzeit (gut, wusste ich vorher, aber Felix Wolf hat die avisierten 4-6 Wochen auch komplett ausgereizt), die Vorkasse (insbesondere im Licht der sehr langen Lieferzeit) und dieses kleine Detail hier an der Innenseite des Felgenhorns des Vorderrads:

Endkontrolle oder überhaupt Arbeitsbeginn an so einer Felge sollte anders aussehen.

Als ich die Laufräder aus ihrer guten Kartonverpackung zog und sie auf ihr Finish überprüfte (mich hätte nach 6 Wochen der Schlag getroffen, hätte ich sie zurückschicken müssen), entdeckte ich recht schnell diese vermeintlche „Schlacke“-Reste an einer Stelle. Also mein lieber Herr Wolf – wie oft hält man eine solche Felge beim Einspeichen in den Händen? Wie gut schaut man sich seine Werkstücke an, wenn man etwas herstellt, was 6 Wochen Lieferzeit hat? Und man Riesenbrimborium um solide Handarbeit macht?

Wäre das tatsächlich Metallschlacke oder irgendwelche festgebackenen Rückstände gewesen, wäre die Felge für den Eimer. Hätte man es nicht spurlos entfernen können, liefe jeder Reifen Gefahr, sich an dieser Stelle aufzuscheuern oder eine Vorschädigung zu erhalten.

Gott sei Dank erwies sich diese Stelle als Sinterrückstand oder Ähnliches von der Pulverbeschichtung und war problemlos mit dem Fingernagel entfernbar. Aber nochmal: Dies festzustellen, zu beheben oder einfach eine neue Felge aus dem Regal zu ziehen (oder Pronto zu besorgen) wäre Aufgabe des Laufradbauers gewesen.

Das eingelegte, selbsklebende Felgenband musste ich auch erst mal noch ein wenig richten. Und last, but not least – im Karton waren nur die Laufräder. Ich vermisste den Karton der Powertap, die Rechnung, Garantiebelege, Unterlagen zur Powertap und das zur Nabe gehörende Batteriedeckel-Werkzeug. Gut, das hatten sie vergessen – kann ja tatsächlich mal passieren. Kommt jetzt aber leider zu den anderen Sachen hinzu.

Von daher: gute Laufräder bauen sicher sehr viele Leute in Deutschland und der Welt. Leider scheint diese Kunst beim Radladen nebenan immer weniger gefragt zu sein. Aber auch wer da keinen an der Hand hat, findet einige überregionale Laufradbauer.

Ich habe da mal ein paar Links (in keiner besonderen Reihenfolge) zusammengestellt:

Lightwolf http://www.light-wolf.de
Whizzwheels http://www.whizz-wheels.de
radplan-delta http://www.radplan-delta.de
Komponentix http://www.komponentix.de
rad-spannerei.de http://www.rad-spannerei.de/laufradbau-komponenten.php
bike-exclusiv.de http://www.bike-exclusiv.de
und als Übersee-Variante z.B.: Wheelbuilder.com http://www.wheelbuilder.com

Was kostet so etwas?

Ich hatte mir im Vorfeld mal die Preise für die Einzelteile grob im Internet herausgesucht:

Für die Felgen etwa 100,- Euro pro Paar

Für die Vorderrad-Nabe Tune Mig 70: 119,-

Für die Sapim-Speichen so grob 88,-

Für die Powertap G3 z.B. 1.079,-

Mein Gesamtpreis war nur wenig teurer und ich fand ihn fair. Mit dem Aufschlag und der Händlereinkaufsspanne der Einzelteile sollte Lightwolf seinen auskömmlichen und rechtschaffenen Verdienst erhalten haben. Wenn jetzt bald mal das zur Nachsendung versprochene Paket mit den fehlenden Unterlagen ankommt und die Laufräder so bleiben, wie sie jetzt sind, bin ich auch mit Lightwolf zufrieden.

Mit dem Look und dem Fahrgefühl bin ich jetzt schon extrem zufrieden! Die Leistungsmessung funktioniert auch problemlos von der ersten Sekunde; das Pairing mit meinem Garmin Edge 800 war ein Klacks.

Jetzt bin ich motiviert am Daten sammeln, um die Leistungsdaten für meine Trainingssteuerung verwenden zu können. :)

Schnelle und rassige italienische Schönheit

Laufräder (KinLin XR-300 Felgen)

Laufräder für das Rennrad – Carbon, Alu, Aero, Leicht, Gutaussehend, Standfest, Alltagstauglich, Teuer – wähle Zwei (oder auch nur Eins…?)

Rad fahren

Eigentlich wollte ich „kurz“ (hehe) meine neuen Laufräder samt Leistungsmessung vorstellen. Aber auch meinen Entscheidungsprozess etwas darlegen. Nun ja – dieses Thema hat mich nicht umsonst nahezu zwei Jahre beschäftigt. Selbst wenn mir jemand 2000 Euro mit der Maßgabe „Kauf dir was Schönes“ in die Hand gedrückt hätte, wäre die Entscheidung kaum leichter gewesen.

Und weil das so ist, ist dieser Beitrag etwas ausführlicher geworden und beleuchtet nun erstmal vorrangig verschiedene Auswahlkriterien bezüglich von Carbon- und/oder Hochprofil-Laufradsätzen.

Laufräder (KinLin XR-300 Felgen)

Ach übrigens: wenn mir der eine oder andere Hersteller oder Vertrieb mal seine Laufräder zum testen überlassen möchte, bin ich ganz Ohr. :)

# Laufräder (und Leistungsmessung) also #

Beide Themen haben mich schon etwas länger als dieses und das zurückliegende Jahr interessiert. Habe immer wieder geschaut und überlegt. Mal nur bezogen auf Laufräder, dann mal nur bezogen auf das Thema Leistungsmessung und leistungsgesteuertes Training. Öfters auch mal in Kombination, da eine Option der Leistungsmessung die der Leistungsmessung in der Hinterradnabe ist – da berühren sich dann beide Themen.

Aber das Thema war nicht einfach und jedesmal musste ich das Thema vertagen, da mich die verfügbaren Optionen nicht wirklich zufrieden stellten. Bis jetzt. Naja, ich habe nach Re-Evaluation einen Kompromiss gefunden, sollte ich besser sagen.

Im Folgenden möchte ich verschiedene Aspekte von Laufrädern beleuchten, die es gerade so schwer machen, sich Neue auszusuchen oder spezielle Typen und Arten zu empfehlen. Und warum ich freundlich und interessiert zuhöre, wenn mir jemand stolz seine Hochprofilfelgen in seinem normalen Rennrad zeigt, ich mir aber so meinen Teil dabei denke, wenn derjenige unreflektiert auf den vermeintlich immensen Aerodynamik-Vorteil zu sprechen kommt. Here we go:

# Laufräder #

Kaum ein Teil (oder deren zwei) ist ein so wirkungsvolles Tuning, hat eine so erhebliche Auswirkung auf das Aussehen eines Rennrades, wie der Laufradsatz. Teuer oder billig, aus Alu oder Carbon oder eine Kombination von beidem, flach kastenförmig oder mit Hochprofil, zum Aufkleben von Schlauchreifen oder als übliche „Clincher“ für die Aufnahme von Faltreifen – es gibt sie quasi in allen Formen (solange man „rund“ bevorzugt ;-)) und Farben.

Aber nicht jeder Laufradsatz eignet sich für alle Zwecke gleich gut. Soll’s mehr in die Berge gehen? Oder steht langes Rollen auf vergleichsweise ebener Strecke im Vordergrund? Oder eher die schnelle Hatz um enge Ecken bei Kriterien?

Auch, wenn es nur um die Optik geht, weil man vielleicht Hochprofilfelgen aus Carbon mit „schnell“, mit dem Profi-Peloton oder auch mit „geil“ assoziiert. Oder weil es schön „bollern“ soll, wie es viele Hochprofil-Carbonfelgen als Laufgeräusch von sich geben – außer einem Loch im Geldbeutel soll sich die (hoffentlich verbesserte) Optik doch bitte nicht in Form anderer Nachteile niederschlagen.

Tja. Und da geht es schon los.

Schon meine Fulcrum Racing 7 ehedem am Cube Streamer haben mir recht gut gefallen, passten sehr gut zum Design des Rades und waren unverwüstlich. Die Fulcrum Racing 3 sahen nochmals einen Tick besser aus, stehen dem Wilier Triestina GranTurismo hervorragend und mir fiel es schwer, einen besseren Laufradsatz zu finden, obwohl die Racing 3 ja wirklich nicht sonderlich exquisit oder teuer sind.

Fulcrum Racing 3 Laufrad (hier Ultremo-bereift auf der Straße im Ilsetal)

Hier mal rote Speichen anstelle schwarzer oder vielleicht auch Carbon-Hohlspeichen, leicht andere Decals auf den Felgenflanken, 30 bis 50 Gramm leichter hier, bei teurerem Preis aber auch mal 50 bis über 100 Gramm schwerer. Nein, im Design und auch in der Praxistauglichkeit (ich habe schon übelste Schlaglochpisten mit Highspeed und grobe Waldwege mit meinen Fulcrums befahren und das auch bei strömendem Regen) war auch mit doppelt und dreifachem Geldeinsatz bei üblichen Alu-Systemlaufrädern im Vergleich zu meinen Laufrädern nichts zu gewinnen. Allenfalls die durch Exalith-Beschichtung komplett schwarze Bremsflanke bei Mavic ist eine interessante Option und für Alufelgen ein Alleinstellungsmerkmal, wenn man auf diesen Look steht.

Also: ein leichteres Rad zu bekommen oder eines, welches für meine Zwecke merkbar robuster oder steifer ausfiele, wäre bei Systemlaufrädern und dem Wunsch, bei Alu als Material zu bleiben, kaum machbar gewesen.

Nun gut – aber was ist mit Optik-Tuning und mit der Aerodynamik?

# Mein Kriterienkatalog: #

Was sollte ein neuer Laufradsatz mitbringen?

  • das Rad noch toller aussehen lassen (klar, zum Thema Rennrad gehört auch immer das Thema Style ;-)),
  • etwas bis etwas mehr aerodynamischen Vorteil gewähren,
  • nicht schwerer werden (leichter sollte es ja gar nicht unbedingt werden. Ein Gewichtsvorteil wird natürlich gerne angenommen, aber es war von vornherein schon klar, dass allein die ersten beiden Punkte ohne die noch in der Folge aufzuzählenden Punkte kaum bei vergleichbarem Gewicht meiner bisherigen Laufräder zu erfüllen waren – geschweige denn bei noch geringerem Gewicht),
  • genauso unproblematisch bei Seitenwind wie meine bisherigen Laufräder sein,
  • unproblematisches Bremsverhalten und Standfestigkeit bieten,
  • Clincher (also für die Verwendung von Faltreifen mit einzulegenden Schläuchen vorgesehen).

Bisher (und immer noch) fast unvereinbare Anforderungen, selbst, wenn man sich auf spezifische Anforderungsprofile beschränkt. Und auch, wenn der Preis absolut keine Rolle spielt. Und selbst, wenn es nur ein Laufradsatz für schnelles Rollen in der Ebene sein soll. Oder ein Laufradsatz, der rein nur für Bergstrecken gedacht sein soll. Für einen möglichst allroundtauglichen Laufradsatz sowieso.

Fangen wir mal an letzter Stelle meines Kriterienkatalogs an:

# Clincher pro / Schlauchreifen contra #

Es soll ein Clincher-Laufradsatz sein. Ich bin noch keine Schlauchreifen gefahren, das sei vorangestellt. Ich würde das zwar gerne mal, allein, um meine eigenen Praxiserfahrungen zu erweitern. Manche Leute schwören ja da rauf. Sicher zum großen Teil aus eigener Erfahrung, häufig sicher jedoch auch, weil es auch die Profis fahren.

Die fahren die aber aus gutem Grund nur im Rennen und nicht im Training. Und auch im Rennen finden sich im Profi-Peloton mehr und mehr Clincher. Tony Martin hat z.B. seinen Zeitfahr-Weltmeistertitel im letzten Jahr mit Clinchern eingefahren.
Denn es sind nicht Schlauchreifen, sondern Faltreifen (für Clincher) die die geringsten Rollwiderstände bieten (siehe z.B. Tour-Magazin 06/2012 und 09/2012).

Insgesamt gesehen sind Faltreifen derzeit auch das Maß der Dinge in Bezug auf Pannenschutz und vor allen Dingen in Bezug auf das Handling im Falle einer Panne.

Und darum geht es. Selbst, wenn Schlauchreifen noch etwas leichter rollen würden, wenn sie mir in Punkto Kurvenverhalten etwa besser gefallen sollten – das kann den Aufwand der Montage und vor allen Dingen die Unabhängigkeit im Pannenfall nicht wettmachen.

Ja, man kann einen Ersatzschlauchreifen mit Know-How halbwegs kompakt zusammenlegen. Aber längst nicht so kompakt wie einen Ersatzschlauch und schon gar nicht so kompakt wie ein Briefmarkengroßes Klebeflickenset, was schon den Großteil der möglichen Pannen abdeckt. Man bekommt den Ersatzschlauchreifen auch sicher mit etwas Übung halbwegs tauglich unterwegs im Feld auf die Felge. Wie gut der dann wirklich zentriert ist und wie gut dann der Klebekitt oder das Klebeband hält, ist eine ganz andere Sache. Ich lese oft, dass die betreffende Person in einem solchen Fall die Tour abbricht und im Notfallmodus nach Hause rollt. Tja – mit einem üblichen Faltreifen geht es in einem solchen Fall unproblematisch und unbeschwert weiter, als ob nichts gewesen sei.

Kurz: Schlauchreifen sind für Leute, denen der Materialwagen hinterher fährt. Oder die im Fall der Fälle jemanden anrufen können.

# Bremsverhalten und Standfestigkeit #

Diese sehr grundsätzliche Entscheidung für Clincher macht es dem Werkstoff Carbon, der ja für Leichtbau und hier in unserem Fall für Pro-Peloton und Hochprofilfelgen steht, sehr schwer.

Der Grund ist, dass die Kräfte, die am Felgenhorn, bzw. eher in der Flanke durch den Reifeninnendruck auftreten, ganz andere Werte erreichen, als dies bei in sich geschlossenen Schlauchreifen der Fall ist. Und dies bei nun deutlich filigranerer Geometrie, welche die Ausformung zu Felgenhörnern im Gegensatz zu den sehr kompakten Schlauchreifen-Felgenbetten bedeutet. Gleichzeitig wirken hier auch die Bremsbelastungen auf diese dünnen Felgenhörner, die nun auch noch die Bremshitze aushalten und ableiten müssen.

Anforderungen, die Carbon-Clincher (und auch so manche Schlauchreifenfelge) vor 2 Jahren noch kaum bis gar nicht und auch ganz aktuell immer noch mehr schlecht als recht erfüllen können (Carbon Clinchers: are they ready for prime timeWhere is the value in a carbon wheelset, Rennrad-Laufräder aus Carbon im Test, Beitrag in Roadbike 08/2012).

Und die Wenigen, die es halbwegs können, bezahlen das mit erheblichem Materialeinsatz. So das selbst mittelhohe (und richtig teure) Carbon-Laufradsätze in der selben Gewichtsklasse wie übliche Mittelklasse-Alu-Laufräder landen. Ja, meist sogar schwerer sind.

Und auch bei den Carbon-Clinchern, die als standfest zu bezeichnen sind, verbleibt immer noch ein Quentchen Restunsicherheit, ist zumindest mit kosmetischen Beeinträchtigungen der Bremsflanke zu rechnen und liegt die Bremskraft 10 bis 20 Prozent unter einer herkömmlichen Alu-Felge (Rennrad-Laufräder aus Carbon im Test, Beitrag in Roadbike 08/2012).

# Aerodynamik Vorteil #

Ok – aber dafür bekomme ich doch wenigstens einen tollen aerodynamischen Vorteil, oder? Zumal ja auch das Gewicht nicht alles ist – besonders natürlich in der Ebene.

Nein – leider nicht einmal das. Auch hier kann ich mich unter anderem auf den Roadbike Beitrag 08/2012 beziehen, in dem ausgesagt wird, dass sich die Aerodynamik eines Laufrades nicht allgemeingültig beziffern lässt, da die Aerodynamik eines Laufrades immer auch vom Rahmen-Gabel-Set beeinflusst wird. Als seriöses Testkriterium tauge die Aerodynamik deshalb nicht – wohl aber als Thema für heiße Diskussionen. Wohl wahr… ;-)

Das Tour-Magazin geht in seiner Ausgabe 06/2012 genau diesem Thema nach. Der Beitrag lautet „Wechselstrategie“ (S. 41 ff) und vergleicht verschiedenste Laufradsätze (Alu, Carbon, Flach- und Hochprofil) anhand dreier fiktiver Streckenprofile (je 100 km mit unterschiedlichen Höhenmeteranteilen: 500, 1200 und 1900 Höhenmeter) unter Berücksichtigung von Rollwiderstand (Falt-, Schlauch- oder Tubelessreifen-Felgen mit entsprechenden Reifen-Vertretern), Gewicht, Bremsverhalten, Rundlauf, Seitensteifigkeit, Beschleunigung und Aerodynamik. Wobei bei der Aerodynamik erstmals die Windkanalversuche durchgängig mit zwei unterschiedlichen Rennrad-Rahmen durchgeführt wurden.

Das Resultat, bezogen auf die Aerodynamik: Nicht nur ist der Luftwiderstand bei den verschiedenen Felgen bei verschiedenen Anströmwinkeln sehr unterschiedlich (das ist schon länger bekannt und in Abhängigkeit von Philosophie und Design-Fähigkeiten der Hersteller unterschiedlich gut gelöst), sondern auch die Gabel-Form und der Rahmen hat erheblichen Einfluss auf die Aerodynamik des Laufradsatzes (das wurde / wird bisher nicht so häufig kommuniziert, obwohl es eigentlich nachvollziehbar ist). Das der Luftwiderstand des Laufradsatzes ohnehin nur ein Teil des Gesamtwiderstandes des Systems Rennrad ist (und zwar nur 6,7 % nach dieser Darstellung), und die Fahrerhaltung samt Fahrrad die Majorität ausmacht, sei hier nur der Vollständigkeit halber angeführt, ist aber für die Einordnung wichtig. Und sollte auch für die Erkenntnis sorgen, dass „Tuning“ an der eigenen Position und Beweglichkeit ein unschlagbares Preis/Leistungsverhältnis bietet.

Je nachdem, wo man nun schaut: in vermeintlich unabhängigen Tests von einschlägigen Magazinen oder auf den Webseiten der Hersteller, die oft den cW-Wert- bzw Drag-Vorteil ihrer Laufräder gegenüber denen der Konkurrenz darstellen, kann man nun unterschiedliche „Sieger“ heraussuchen. Weiss dann aber immer noch nicht, ob und wieviel des Aerodynamik-Vorteils am eigenen Rad ankommt.

Im „Standard“ Rahmen, exemplarisch wurde ein Canyon F8 verwendet, spielt es dem Tour Test nach kaum eine Rolle, ob z.B. ein Zipp 303, ein Enve 3.4 oder HED Stinger 4, alles mittelhohe und damit weitgehend allroundtaugliche Carbon-Laufräder verwendet werden. Oder auch Campagnolo Bullet Ultra 50 (Hochprofiler, aber Alu-Carbon-Verbund) oder sündteure Lightweight Meilenstein C. Alle liegen im Leistungsabstand zu den sehr extremen Zipp 808 nahezu gleichauf. Ein ganz normaler Alu-Systemlaufradsatz, die Campagnolo Eurus (vergleichbar mit meinen Fulcrum Racing 3 – beide Marken kommen aus gleichem Hause), toppt den Aerodynamik-Vorteil der vorgenannten Laufräder im Canyon F8 deutlich. Nur die Vision Trimax T42 und die Ritchey Superlogic Carbon können die Eurus noch toppen. Das sieht im zweiten zum Test verwandten Rahmen, einem Zeitfahrrad Trek Speed Concept zwar anders aus, zeigt aber ganz deutlich, dass man noch längst keinen Aerodynamik-Vorteil erhält, nur weil man eine Hochprofil-Felge in sein Rennrad einsetzt.

So vergibt das Tour-Magazin für die 3 Streckenprofile 3 mal für den Carbon-Hochprofil-Laufradsatz Ritchey Superlogic Carbon Platz 1 und zweimal (für die beiden Höhenmeterreichsten Streckenprofile) den Platz zwei an den kompakten Alu-Systemlaufradsatz Campagnolo Eurus.

Also im Grunde an den Laufradsatz, den ich in Form der Fulcrum Racing 3 schon habe. Selbst also unter deutlichem Einbezug von Aerodynamik-Gesichtspunkten.

Tja. Und, was noch schlimmer ist: der Siegerlaufradsatz stammt von Ritchey. Eben dessen Laufradsatz WCS Apex Carbon wurde im bereits verlinkten Roadbike Carbon Clincher Test aus der Wertung genommen, da beim Test an der Bremsflanke Vorschädigungen auftraten. Gar keine vertrauenerweckende Tatsache (ich verweise auch nochmals auf die oben verlinkten Beiträge bei Cycling-Tips.com und RedKitePrayer).

# Seitenwindanfälligkeit #

Selbst wenn einem alle oben genannten Aspekte zweitrangig erscheinen (also, mir geht es ganz gewiss nicht so). Man also gewillt ist, entweder etwas weniger Geld für eine Alu-Carbon-Verbund-Hochprofilfelge auszugeben (und dann wenigstens problemloses und gewohntes Bremsverhalten erhält) oder richtig viel Geld für eine reine Carbon-Hochprofilfelge auszugeben. Man für mehr bis sehr viel mehr Geld als für den bisherigen Standardlaufradsatz einen gerade so eben gleich schweren oder sogar schwereren Laufradsatz an sein Rad schrauben möchte. Einen, der schlechtere Bremsleistung aufweist und der vielleicht nicht standfest ist (im Falle von reinem Carbon). Oder einen, der vertraute Aluflanken-Bremsleistung aufweist, wo aber die Kombination zweier unterschiedlicher Materialien zu ganz anderen Problemen führen kann und ebenfalls kompromissbehaftet ist.

Selbst, wenn einem das alles egal ist, will man aber trotzdem nicht von der Strecke gepustet werden. Nun fahre ich nicht im flachen Land in Küstennähe, wo sehr hohe Windgeschwindigkeiten oder Böen weitgehend ungebremst von Hügeln und Wäldern auftreten können. Aber öfters schon mal im Hochgebirge, wo es ebenfalls extrem hohe Windgeschwindigkeiten und gefährliche Böen geben kann (und die Auswirkungen eines Sturzes weitaus fataler sein können). Aber selbst in meiner Mittelgebirgs-Heimatregion gibt es oft genügend starke Böen, die mir in Frühjahr und Herbst besonders in Kurven hohes Fahrkönnen und gute Reaktion abverlangen, möchte ich nicht im Straßengraben landen. Und dass mit meinen Standard-Laufrädern.

Aber auch ohne den Sicherheitsaspekt zu bemühen: Wenige Watt Gewinn in der Vortriebsleistung durch geringeren Windwiderstand würden durch die Fahrer-Belastung in der Radkontrolle und aufzuwendender Konzentration bei starker Seitenwindempfindlichkeit wieder aufgezehrt, wenn nicht sogar überkompensiert werden.

# Quintessenz #

Wenn es richtig, richtig leicht werden soll, muss es ein Schlauchreifensatz sein. Keine Option für mich, wie oben dargestellt.

Geht es nicht in die Berge, dann kann über die aerodynamischen Vorteile eines Hochprofil-Laufradsatzes nachgedacht werden. Aber Vorsicht: selbst in diesem vermeintlich klassischen Hochprofiler Einsatzbereich ist noch lange nicht gesagt, dass man auch einen aerodynamischen Vorteil in allen Bedingungen erhält. Vielleicht ist das einzige, was man gewinnt, die Optik. Oft bei Einbußen in anderen Aspekten. Wem das reicht…

Wenn es aber auch öfters oder ständig in die Berge (ob Mittelgebirge oder Alpen) gehen soll, dann wird es richtig, richig schwer. Nach allen meinen Recherchen wären es nur ganz wenige Carbonlaufradsätze, die ich gemäß meinen Kriterien erwägen würde. Eigentlich ist es in der Summe der Eigenschaften, gemeinsam mit Preis, Optik und positiven Erfahrungsberichten nur ein einziger: Die Zipp Firecrest 303 Carbon Clincher.

Plausibel dokumentierte Aerodynamik-Entwicklung, versprochene relative Seitenwindunempfindlichkeit (durch das Firecrest-Profil und aufgrund der Tatsache, dass die Felgen nur moderat hoch sind), gutes Aussehen, Standfestigkeit und Bremsverhalten. Teuer, ja. Aber nicht sündteuer.

Aber eigentlich habe ich genau das ja jetzt schon mit meinen Fulcrum Racing 3 (siehe oben: Aerodynamik und Co). Ich gäbe nur sehr viel mehr Geld für ein winziges bisschen mehr Sexyness aus. Denn als 303 stechen diese kompakten Felgen halt längst nicht so heraus, wie die etwas höheren Firecrest 404. Die widerum wären aber doch seitenwindempfindlicher als meine jetzigen Fulcrums und durch mehr Material auch schwerer.

Beinahe hätte ich sie bestellt…

Handkonfektioniertes Vorderrad mit tune mig 70 Nabe und Sapim Speichen

# ganz kurzer Exkurs zu Leistungsmessgeräten #

Doch dann dachte ich mir: Nein, das kann nicht alles gewesen sein. Ich möchte nicht etwas über 2000 Euro ausgeben, ohne tatsächlichen Funktions- und nur mit mäßigem Optik-Gewinn. Wie sieht es denn mit der Leistungsmessung aus? Und auch hier hatte ich schon monatelang die verschiedenen Optionen hin- und her erwogen.

Um nur mal die wesentlichsten von mir erwogenen Systeme zu nennen:

  • SRM (Kurbelbasiert): no way, viel zu teuer,
  • Power2Max (Kurbelbasiert): ja, sehr interessant. Nur etwas komplexer, das für Campagnolo lauffähig zu machen und leider auch nur unter Aufgabe der originalen Chorus-Kurbeln und Kettenblätter,
  • Garmin Vector (pedalbasiert): höchst interessant, nur wurde leider wieder und wieder die Markteinführung verschoben. Mal schauen, ob es im nächsten Frühjahr was wird,
  • Powertap (Hinterradnabenbasiert): interessant, nur gibt es leider keine Möglichkeit, die Powertap-Nabe in bestehende System-Laufräder einzubauen. Aber wenn ich jetzt ohnehin endlich so weit war, vielleicht doch einen neuen Laufradsatz anzuschaffen…

Und ohne viel weiter herum zu schweifen: Es ist dann ein handeingespeichter Laufradsatz mit frei zusammengestellten Komponenten geworden. Auch das hatte ich früher schon einmal erwogen, dann aber auch wieder verworfen. Mir gefielen Systemlaufradsätze einfach sehr gut und ich hatte da nie Probleme mit.

Nach nochmaliger Prüfung aller Optionen stellte ich fest:

  • mit entsprechenden Felgen, entsprechenden Speichen, Vorderradnabe und der Powertap G3 (die gibt es auch erst seit diesem Sommer) bleibe ich bei gleichem Gewicht wie meine jetztigen Laufräder (und habe Leistungsmessung hinzu gewonnen!),
  • ich bekomme ein leicht höheres Felgenprofil (für die Optik und hoffentlich, wenn auch ohne Windkanalbesuch nicht bezifferbar und vielleicht auch bei Null liegend, einen Hauch Aerodynamik-Vorteil),
  • habe aufgrund nur leicht höherem Felgenprofil auch vernachlässigbare Erhöhung der Seitenwindanfälligkeit,
  • und kann das alles mit einem kompletten Alu-Profil erhalten (also keine Bremsnachteile).

Und wenn ich 50 Gramm Mehrgewicht aktzeptiere, dann erhalte ich sogar eine wirklich sehr augenfällige und vor allem nicht alltägliche, und zudem sehr edle Optikverbesserung (natürlich liegt die Schönheit wie immer im Auge des Betrachters… ;-)).

Behold!

mein Wilier Triestina GranTurismo mit KinLin XR-300 Felgen in weiss

Mehr dazu im nächsten Blogbeitrag. :)