Transcontinental Race Vorbereitung: Pfingsten testet man in Bimbach

Rad fahren

Wie trainiert man für ein Ultradistanz-Radrennen? Und wie bereitet man sich darauf vor? Zur Vorbereitung gehört ja nicht nur die bloße Fitness-Komponente, sondern weit mehr. Neben dem Material auch die mentale Komponente. Und neben der bloßen Fähigkeit, lang zu fahren, bzw. lange Tage im Sattel zu verbringen auch die Erfahrung, das Tag für Tag zu wiederholen. Und dabei nicht nur schnell, sondern vor allem effizient zu fahren. Dazu gehört auch die Erfahrung wie man sich und seine Tagesbedürfnisse organisiert, um die Zeit in Bewegung möglichst hoch zu halten.

Was macht der Körper, was das Material und was der Geist, wenn man das nicht nur einen Tag lang macht oder mal eine sehr intensive Trainingswoche einlegt, sondern wenn man Tag für Tag für Tag richtig lange auf dem Rad verbringt. Und damit meine ich 12 bis 16 Stunden (inklusive kurzen P.- und Einkaufspausen).

Dafür würde sich ein langes Wochenende eignen, wo man tatsächlich mit Sack und Pack einfach mal so 600 bis 800 km über drei Tage fährt. Ja – aber irgendwie bin ich dazu noch nicht gekommen… ;-)

Viele Leute nutzen ja auch eine klassische Brevet-Serie, um da hinein zu kommen. Typischerweise fangen die Brevets im zeitigen Frühjahr mit rd. 200 km an, um sich dann über April, Mai und Juni über 300 und 400 auf 600 km hoch zu arbeiten.

Während zwar jede Fahrt – und sei sie auch noch so kurz – zu einer Prüfung werden kann (da kommt es ganz auf die äußeren Umstände an), sind 200er für mich keine erstrebenswerten Brevets. Wofür da den Umstand mit Anmeldung, einem einzigen fixen Termin und Kontrollkartenstempelei? Einen alleinstehenden 200er kann man jederzeit am Wochenende solo fahren. Oder noch spaßiger, im Rahmen eines Radmarathons oder eines anderen Radevents.

Bei einem 300er wird das schon interessanter und für mich fängt da der Brevet-Sinn an. Habe ich aber auch noch nicht gemacht. Viel lieber habe ich meine Zeit in eine ausführliche Trainings- und Urlaubswoche auf Mallorca investiert, die ich mit dem Mallorca312 Radrennen gekrönt habe (siehe ausführlichen Bericht hier). Ja klar, das ist kein Brevet. Und auch nicht Solo und unsupported. Aber seinen Hintern über 312 km rauf und runter der Küstenstraße und diverser Pässe auf Mallorca zu schaffen und die vielen tollen Wellen durchzudrücken – da hilft der Windschatten auch nicht immer so wirklich. Wenn überhaupt. Oder man stellt den Windschatten selbst für andere her.

Von daher: aus reinen Fitness- und Trainingsgründen ist das die für mich sinnvollere Art der (Trainings-)Vorbereitung. Eingebunden in meinen Trainingsplan. Und spaßiger, weil mit Freunden unterwegs und in netter, spannender Umgebung.

Was fehlt ist natürlich: das Gewicht und Handling des voll ausgerüsteten Rades mit bepackten Taschen. Wie komme ich mit den Taschen zurecht? Was passt von meiner ersten Ausrüstungsliste überhaupt alles hinein? Und was davon am Besten in welche Tasche? Und wie benutze ich das dann alles?

Daher war es nun endlich an der Zeit für eine…

…Kostümprobe! ;-)

Der Bimbacher Rhön-Radmarathon

Und wieder mal: Nein, keine selbstversorgte Solofahrt über zwei oder drei Tage. Dazu war das Alternativprogramm zu verlockend. Und zwar ergab sich kurzfristig die Möglichkeit, Pfingsten in Bimbach zu starten. „Pfingsten fährt man in Bimbach“ so die überaus erfolgreich in die kollektive Gedankenwelt der deutschen Rennradszene eingebrannte Botschaft des RSC ´77 Bimbach.

Dieser wollte ich in den letzten Jahren schon mal folgen – nie ergab sich allerdings die Gelegenheit oder es war natürlich alles schon ausgebucht. Und jetzt konnte ich mit Freunden dort zusammen fahren. Das hörte sich super an und war auch super.

Die Bimbacher bieten sowohl am Samstag als auch am Pfingstsonntag unterschiedliche RTF-Strecken an. Die Kombination der jeweils längsten Strecken (Samstag die Tour 4 mit 158 km und Sonntag die Tour E mit 260 km) ergeben in der Summe 418 km mit rd. 6800 Höhenmeter und werden als separate Wertung „Bimbach 400“ mit Finisher-Medaille, Urkunde und Finisher Shirts geführt.

Das hörte sich super an! Ja, keine Solofahrt, sondern Kleingrüppchen. Also schon Profitieren von Windschatten. Aber auch so stark rauf und runter, dass das a) nicht ganz so stark in’s Gewicht fällt (oh Mann, was lag ich da zumindest für den Sonntag verkehrt… ;-)) und b) dass das in sich selbst ein sehr gutes Training versprach, diese Höhenmeter mit dem vollbeladenen TCR-Rad zurück zu legen.

Überhaupt: Steile Mittelgebirgsrouten sind so mit das beste, was man trainieren kann. Auf langen Alpenpässen kann man sich in seinen Rhythmus finden und diese schön hochkurbeln. Ist man endlich oben, kann man sich meistens (wenn die Abfahrt nicht zu steil und mit zu vielen engen Kehren versehen ist) dann auch in der Abfahrt sehr lange wieder gut erholen.

Im Mittelgebirge trifft man viel öfter auf eher steilere Anstiege, Serpentinen in der Abfahrt gibt es da auch und es geht ständig rauf und runter. Kaum Zeit zum erholen.

Also: alles Super! Genau das richtige zum Trainieren.

Das Rennrad und das Taschensetup

Für eine Kostümprobe braucht man ja eigentlich das finale Rad. Leider habe ich das immer noch nicht… Es soll ja ein Titanrad werden. Erste Überlegungen und Ergebnisse einer Testfahrt hatte ich schon im Februar veröffentlicht.

Volle 100 % hatte mich das Rad noch nicht überzeugt. Aber eine ausführliche Korrespondenz mit Jan-Willem Sintnicolaas, dem Firmengründer von J.Guillem, später und wir hatten eine Option gefunden. Nur leider lässt diese immer noch auf sich warten…

J.Guillem Orient vor Schloss Prösels bei Völs am Schlern

J.Guillem Orient vor Schloss Prösels bei Völs am Schlern

Im oberen Foto im Vordergrund: das J.Guillem Orient Ende Mai während eines kurzen Giro d’Italia-Abstechers in Südtirol. Genau das Testrad, das ich im Februar für ein Wochenende hatte. J.Guillems Scheibenbremsen-Rennrad. Wie alle anderen Titanräder von J.Guillem ist es nach einem berühmten Pass auf Mallorca benannt.

Leider ist das immer noch nicht mein finaler Rahmen. Weil der immer noch verspätet ist, habe ich nochmal genau dieses Leihrad als Test-Plattform. Ich habe bereits meine Kurbel, meine Laufräder und meinen Sattel montiert. So komme ich wenigstens dabei weiter, mein finales Setup für das Transcontinental Race auszutüfteln und ein paar Komponenten bereits zu testen.

Am Tag des Fotos hatte ich meine neue Rahmentasche zum ersten mal montiert und ausprobiert. Ein überraschend praktisches Teil. :)

Die Apidura Mountain Frame Pack (medium) passt sowohl in das J.Guillem Orient (Rahmengröße 52 cm) als auch in mein Canyon Ultimate (Rahmengröße S) wie angegossen. Kein Bein bzw. Knie-Kontakt in befüllter Form ebenso. An den Inhalt kommt man auch im Fahren sehr gut. Toll!

Leider bekomme ich sowohl im Unterrohr- als auch im Sattelrohr-Flaschenhalter so nur noch eine 0,5 l Wasserflasche eingesteckt.

In dieser Konstellation bin ich dann vor zwei Wochen am Samstag in Südtirol diverse Dolomitenpässe gefahren. Das fühlte sich alles super an und wider erwarten fand ich auch die hydraulischen Shimano-Scheibenbremsen mit ihren 140 mm Rotoren super und völlig ausreichend.

Die momentan montierten Schwalbe Pro One 28 mm Reifen mutieren auf den Hunt Bike Wheels 30Carbon Aero Disc Laufrädern zu 31 mm Breite und ergeben ein Querprofil welches bei mir in Kombination mit der Geometrie des Orient eine tolle Kurvenzuversicht hervorbrachte. Leider lassen sie sich als Tubeless-Reifen doch nur sehr schwer auf die Felge montieren…

Da fehlte aber immer noch was:

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„Kostümprobe“ – Samstag nachmittag nach der 158er RTF vor dem Bürgerhaus in Bimbach

Stimmt: Lenkertasche, Oberrohrtasche und Satteltasche. Die hatte ich für das Pfingstwochenende dann auch montiert und befüllt. Bis auf die Zeitfahr-Lenkeraufsätze (samt Beleuchtung und einer zusätzlichen Foodpouch) ist dies das Setup welches ich plane zu nutzen:

J.Guillem Titanium Scheibenbremsen-Rennradrahmen, Quarq DZero SRAM red Leistungsmessungskurbel, Shimano Ultegra hydraulic DiscBrake (das wird später zur SRAM red eTap mit der mechanischen TRP Spyre Scheibenbremse), Hunt Bike Wheels 30Carbon Aero Disc Laufräder (vielleicht wechsle ich die noch), Apidura Rahmentasche, Apidura Oberrohrtasche, Ornot Handlebar Bag und Ortlieb Seat-Pack.

Mit Inhalt und einer 0,5 l Wasserflasche gewogen– allerdings noch ohne die Lenkertasche – lande ich bei rd. 12,3 kg. D.h. ich gehe davon aus, dass das finale Rad mit allem drum und dran bei 13,5 bis 14 kg landen wird…

Samstag, Teil 1 des Bimbach 400:

Am Samstag werde ich für die 158 km Runde also wohl ein 12,9 kg Rad bewegt haben. Und damit sind wir dann zuerst zu fünft, später dann zu viert die Kuppen der Rhön hinauf- und hinabgefahren. Und das mit Lust und Laune und durchaus so, als gäbe es kein Morgen und vor allem keine weiteren 260 km. Also eine sehr viel zügigere Gangart, als es für eine Ultradistanz-Radfahrt angeraten und nachhaltig ist.

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Smiles for Miles. Oder: Lächeln und Winken! ;-)

Aber egal. Es ging ja um den Trainingseffekt und um das Bikehandling. Und dazu kann ich sagen – bis auf das natürlich spürbare Gewicht habe ich mich mit dem Rad samt Gepäck nie gehandicapped gefühlt. Ich habe natürlich bei einer Gangart, die sich ein klein wenig auch bei den anderen am Sonntag bemerkbar machen würde, volle 4,5 bis 5 Kilogramm mehr als sonst üblich an Masse die in Teilen steilen Rampen der Rhön hochgedrückt.

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Forever… cockpit view ;-)

Wettertechnisch war es weitestgehend sehr schön. Erst gegen Ende gab es mal einen sehr kurzen (passgenau bei einer Kontrolle) und dann einen etwas längeren Regen-Part. Allerdings kam eine Weile nach Zieleinfahrt dann doch wieder die Sonne heraus und ich konnte bei einem Kaffee und Kuchen wieder halbwegs abtrocknen.

Es folgte dann Teil 2 der „Kostümprobe“: Duschen in einem bereitgestellten Duschcontainer an der Grundschule in Bimbach (über das gesamte Wochenende konnte ich ein super organisiertes Event erleben – Hut ab, lieber RSC`77 Bimbach!) wo ich so gegen 18:00 das Reich ganz für mich alleine hatte. Und mit einem Intermezzo in Fulda (gemeinsames Abendessen in der Altstadt) das Aufsuchen des Bürgerhauses, wo ein kostenloses Matrazenlager zur Verfügung stand. Dort habe ich mein kleines „Schlafbesteck“ ausgebreitet (Sea to Summit Isomatte und Mountain Equipment Helium Solo Schlafsack) und mich um 23:00 zur Nachtruhe begeben.

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Schlaf-Ausrüstung. Mit iPhone 6 und einer. Anker Powerbank als Größenvergleich

Der Sonntag: Pfingsten leidet man in Bimbach… ;-)

Zwischen 06:00 und 06:30 war die Startzeit für die lange Strecke E. E wie epic oder E wie extrem… Wir hatten uns für 06:15 am Startbereich verabredet.

Wie vorhergesagt, goss es in Strömen. Kacke! Nein – Exzellent! Ein weiteres Testkriterium konnte angegangen werden. Fahren in strömendem Regen. Habe ich den passenden Kram dabei? Halten die Taschen dicht bzw. halten die Tütchen in den Taschen dicht, von denen ich wusste, dass durch Nähte oder Reissverschlüsse Feuchtigkeit bzw. Wasser eindringen konnte?

Das war also Teil 3 der „Kostümprobe“ und der härteste Abschnitt. Aber auch der schönste, weil längste und hauptsächlichste.

Leider war die Kostümprobe zumindest für das Kostüm, sprich – das J.Guillem Orient – nach der ersten Kontrollstelle und rd. 44 km zu Ende!

Der Defekt…

Eigentlich habe ich bisher Shimano Ultegra, bzw. mechanische Shimano-Schaltungen generell, wenn schon nicht für sexy, dann wenigstens aber für zuverlässige und unauffällige Arbeitstiere gehalten.

Seit ich meinen Giant Crosser habe und spätestens seit Sonntag hat sich das aber stark gewandelt. Klar, es sind nur Anekdoten, aber dennoch. Zum einen braucht es meiner Erfahrung nach nicht viel auf schlammigen Terrain oder im Winter, bis der Top Pull Umwerfer seinen Dienst versagt und Schaltwechsel vom großen auf das kleine Blatt einen beherzten Kick mit der Ferse benötigen, weil der Umwerfer klemmt oder zu schnell (schneller als andere Konstruktionen) einfriert.

Dann versagte bei meinem Crosser in diesem Winter das Schaltwerk. Bzw. wie sich herausstellte, lag es wohl am Brems-/Schalthebel. Was zuerst war, kann ich gar nicht sagen. Ob sich erst der Schaltzug samt Endanschlag im Brems-/Schalthebel falsch verklemmte oder die Indexierung im Hebel Müll produziert hatte und daraus dann eine Totalblockade folgte… Keine Ahnung. Jedenfalls war das damals eine größere Operation. Mit Schaltzug wechseln, Brems-/Schalthebel säubern und mehrfach komplett mit Bremsenreiniger, WD40 etc. duschen bekam ich die Indexierung irgendwann wieder gängig. Und das bei einem Rad, welches erst rund 4500 km runter hatte.

Etwas ähnliches schien sich am Sonntag morgen beim J.Guillem Orient getan haben. Ein relativ neues Leihrad – damals im Februar frisch für mich aufgebaut. Wenn nur ich es gefahren habe (Nutze es seit zwei Wochen wieder, nach dem ich es nach der ersten Testfahrt im März zurück gegeben hatte), dann hat das Rad gerade mal so 1000 km runter. Trotzdem: am Sonntag morgen im strömenden Regen hatte ich nach knapp 20 km Probleme mit dem Schaltwerk. Die Index-Klicks kamen, aber das Schaltwerk folgte nicht. Die obere Kassentenhälfte ging noch so… aber nicht sehr lange, dann rührte sich gar nichts mehr… D.h. ich hatte von km 20 bis zur ersten Kontrollstelle effektiv ein Dualspeed-Rennrad. Vorne konnte ich noch schalten, hinten nicht mehr.

Super. Das ist genau die Sorte Zuverlässigkeit, die ich für das Transcontinental Race brauche. Nicht! Und nach dieser Vorgeschichte bin ich auch mehr als zufrieden, dass ich sowieso schon längst die SRAM eTap für das TCR-Rad vorgesehen habe. Wenn Campagnolo mit ihrer hydraulischen Scheibenbremsengruppe schon weiter wären (ist ja seit zwei Wochen oder so endlich offiziell vorgestellt) dann wäre das für mich die ideale Wahl! Die SRAM eTap sollte aber auch super sein.

Jedenfalls… nach wie vor in strömenden Regen erreichen wir endlich die Kontrolle 1 und ich fahre sofort den Specialized-Servicewagen an. An diesem Tag haben sie bereits gut zu tun und das wird auch nicht abreißen. Ich bin aber schnell dran und schildere mein Problem… Der Techniker kann zwar den Zug befreien, aber die Indexierung ist komplett hinüber. Bzw. auch nach dem Einfädeln und Spannung auf einen neuen Zug aufbringen kommt da nichts… Auch mein Hinweis auf den Versuch mit der Bremsenreiniger-Dusche auf die Mechanik hilft leider nichts… Toll, vor Ort ist nichts zu machen! Shit! Und nun? Ich frage, ob er mir wenigstens ein mittleres Ritzel hinten fixieren kann, damit ich weiter Dual-Speed fahren kann. Darauf hin sagt er mir – „Nein, was fährst du für einen Rahmen? 54er? Nimm doch eines unserer Leihräder?“ Ich brauche zwar einen 52er Rahmen, aber den hat er auch im Van.

Wow, was für ein Service! Ich bekomme ein gar nicht mal so übles Specialized Diverge Expert CEN mit Scheibenbremsen, Shimano Ultegra, Carbonrahmen, DT Swiss R 670 Laufrädern und Specialized Roubaix 28mm Reifen. Das Teil wiegt für ein Carbon-Rad unglaubliche (sehr schwere) 8,7 kg laut Tour-Test. Aber genauso viel wie das jetzt gerade waidwunde J.Guillem Titanrad. Ohne Taschen. Titanrad und Taschen (bis auf Lenkertasche) lasse ich beim Specialized Service. Mit umgeschraubten Pedalen und mitgenommener Trinkflasche und Lenkertasche setze ich mich auf das neue Rad und bin im wahrsten Sinne erleichtert. Von rd. 13 auf rd. 9 kg. :) Ich lasse noch schnell meine RTF-Karte stempeln und mache mich dann sofort in die Verfolgung meiner Gruppe.

Gesündigt, Buße getan – und erst einen, dann zwei Engel gehabt. :)

Glücklicherweise hatte mir Fabian, während ich beim Service festhing, etwas Verpflegung von der Kontrollstelle gebracht. So hatte ich wenigstens ein halbes Brötchen, ein Stück Waffel und ein Stückchen Marmorkuchen intus. Davor war mein einziges Frühstück ein Nutrixxion Riegel am Start und ein Apfel-Smoothie-Gel von Powerbar (die sind lecker, aber leider auch etwas voluminöser als ein normales Gel). Das war’s.

Und damit begab ich mich dann auf den Sündenpfad. Die Gruppe war schon weiter gefahren. Klar – es goss immer noch in Strömen und sie kühlten total aus. Da war es schon besser, dass sie schnell wieder auf den Bock kamen. „Beseelt“ (;-)) von dem Gedanken, die Gruppe wieder einzuholen, habe ich nach der langen Defektpause dann mit dem neuen Rad mächtig auf die Tube gedrückt.

Eigentlich fast das Ärgerlichste daran finde ich, dass ich aufgrund der Konstellation leider keine Wattmessung am Specialized hatte. Wäre ich mit meinem Canyon gefahren und hätte das Rad wechseln müssen, wären meine Pedale die Powertap P1 gewesen. Dann hätte ich allein durch das Umschrauben meiner Pedale auch direkt die Leistungsmessung am Ersatzrad gehabt. Da ich am TCR-Rad MTB-SPD-Pedale fahre, ist dort eine Leistungsmessungskurbel verbaut. Die kann man natürlich nicht so ohne weiteres wechseln… Leider war auch die Knopfzelle meines Herzfrequenz-Brustgurtes schon seit dem Samstag ohne Vorwarnung komplett leer… So kann ich leider nicht direkt quantifizieren, welchen Trainingsstress die gesamte Fahrt am Sonntag ergeben hat. Und kann auch nicht sehen, welche Leistungen ich in welchen Anstiegen gefahren habe. Ich hätte zu gerne die Wasserkuppe und auch den sehr steilen Ebersberg in meiner Trainingsdatenbank!

Es folgte fast den gesamten Rest des Tages nach Kontrolle 2 die Buße.

… für das rumgebolze am Vortag als gäbe es kein Morgen (aber geil war’s :))

… für das Benutzen des J.Guillem in (nahezu) vollem TCR-Setup und Beladung beim Vortags Rumgebolze

… für eine nicht wirklich erholsame Nachtruhe im Matrazenlager des Bürgerhauses (war aber eine Superservice!)

… für ein Frühstück, das nur aus einem Nutrixxion-Riegel bestand

… für ein Nachstiefeln im Speedmodus, um die Gruppe nach der langen Defekt-Reparatur-Pause bei Kontrolle 1 noch bei Kontrolle 2 zu erwischen

… für Nix-Zurückhalten an allen Anstiegen dazwischen und auch an der Wasserkuppe (ach deshalb war der Berg so lang, das ist also die Wasserkuppe… ;-)

… für zu wenig Verdauungspause und Energiezufuhr bei eigentlich allen Kontrollstellen bis in den späteren Nachmittag

Resultat: meine schärfste Waffe – bei Anstiegen mühelos jedes Tempo mitzugehen (wenigstens in meiner Leistungskategorie) – hatte ich bis zur Kontrolle 2 komplett stumpf geschlagen.

Auch die Rumpfmuskulatur bzw. der untere Rücken zeigte „Spürung“. Also nichts mehr mit Spannungsbogen und so…

Super kurze Pausen (auch zum Zeitpunkt des Erreichens der Kontrolle 2 war das Wetter noch nicht angehalten, sich zu wärmen bzw. in den nassen Klamotten richtig abzutrocknen – deshalb sollte / wollte / musste es für die anderen schnell weitergehen) waren weder dafür angehalten, sonderlich viel Energie aufzunehmen bzw. zu verarbeiten. Da es danach meist auch wieder sofort in den nächsten Anstieg ging und es einen Gegen- und Seitenwind hatte, der Belgien im Frühjahr wie einen Kindergeburtstag wirken liess, hatte ich keine Chance auf Erholung bzw. Verdauung…

Das Ergebnis war, dass ich bei der nächsten ernsthaften Rampe abreißen lassen musste und zurückfiel… Bei den wenigen Flachstücken auf den Kuppen oder auch bei den Abfahrten war für mich allein im Wind wenig zu holen; dort bin ich hoffnungslos „verreckt“. Also entweder runterschalten, und die Gruppe nie wieder sehen oder durchdrücken und auch nicht wirklich rankommen.

Doch eine weitere Rampe später… Yay Jenni! Dann danach, Yay Fabian! :) Wir sind dann schließlich zu Dritt die ganze Strecke zu Ende gefahren. Und ich bin in Anstiegen hinterher getuckert und hab in Abfahrten und Flachen gelutscht… Und wir haben mit den anderen immer nur kurz bei den Kontrollen gequatscht…   In dem Modus hatte ich dann bei Kontrolle 5 endlich wieder langsam Land in Sicht. Das Mittagessen von Kontrolle 3 (da gab’s Warm; ich habe auch alles brav in mich hineingeschüttet: einen Teller Nudeln mit Gulaschsoße, einen Becher heiße Boullion, etwas Kuchen, Isozeugs) war endlich verdaut. Es gab (wie bei Kontrolle 4, wo ich sonst nix runterbekommen hatte) wieder Cola (yeah, the Black Doctor). Noch etwas von dem überaus leckeren Kuchen. Eine halbe, sehr gute Brezel. Und eine heiße Knackwurst im Brötchen. Das alles wollte natürlich auch wieder verdaut werden. Doch ein paar weitere langsame Anstiege später kam wieder Leben in die Beine. Und ganz zum Schluss konnte ich die Anstiege wieder mitgehen. Und auch den Schlussstint wieder volle Kanne powern. Yay!

Alles in Allem: Trotz Regen, trotz Wind und trotz Defekt ein geiler zweiter Tag, ein geiler erster Tag, eine erfolgreiche Kostümprobe, ein geiles Bimbach400 und ein geiles Wochenende!

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Gemeinsam im Ziel – was für ein tolles Erlebnis!

Was habe ich gelernt? Bzw. welche Fragen sind aufgetaucht?

Schlafen:

Die Sea to Summit Ultralight Regular Isomatte: Ist sie bequem genug? Meine Nachtruhe war nicht die Allerbeste. Und ich meine, es wäre nicht nur durch das (durch Oropax nicht gänzlich unterdrückbare) Geschnarche im Matrazenlager gekommen.

Eine Unterlage für Isomatte: Die wäre wohl doch sinnvoll. Mit Platz, einige Sachen direkt neben der Isomatte dreckgeschützt ablegen zu können und beim Anziehen eine saubere Unterlage zu haben. Und ein Schutz für die dünne Isomatte vor scharfen Steinen etc. die die Hülle verletzen könnten. Nimmt aber alles wieder Packmaß ein… Hmmm…

Ein kleines flaches aufblasbares Kissen: Ich hatte mir einen Stoff-Umhängebeutel mit meiner Fleece-Jacke als Kissen unter den Kopf gelegt… Das ging, war aber doch nicht wirklich bequem.

Bekleidung:

Socken: auf jeden Fall zweites Paar dabei haben. So kann ein Paar trocknen.

Schuhe 1: auf jeden Fall ganz dünne Slipper oder so etwas mitnehmen. Nicht nur auf die Multifunktionalität von MTB-Schuhen setzen. Wenn die Nass sind und bei einer Pause bzw. Hotelnacht trocknen sollen, brauche ich währenddessen Ersatz.

Schuhe 2: Meine Shimano SH-XC50N MTB Schuhe, die sonst recht gut sind geben mir bei ausgedehnten Tagestouren leider Probleme im Übergang von Fußrücken zum Schienbein. Dort drückt die Zunge. Das habe ich schon während meines 3 tägigen Südtirol-Stint festgestellt. Eine Modifikation des Zungenbereiches brachte leider keinen Erfolg. Ich bin aber sowieso schon auf der Suche nach einem anderen Schuhmodell.

Regenüberschuhe: die Shimano-Überzieher haben sich am linken Bein am oberen Reissverschlussende während dem Sonntag durch die Haut gearbeitet… Die sind also schon mal definitv nichts für längere Ausfahrten und Ausfahrten mit kürzeren Socken als die Überschuhe lang sind.

Leistung:

Nicht in den Roten Bereich gehen und versuchen, KOMs zu jagen. Gut, das ist keine neue oder bahnbrechende Erkenntnis sondern Selbstverständlichkeit. Das habe ich am Sonntag auch nur gemacht, um Grenzen auszuloten.

Die Leistung kommt wieder: Genug essen und wenn man genug isst, dann kommt auch die Leistungsfähigkeit wieder. Und das selbst nach 200 km. Das stimmt mich sehr positiv.

Radausstattung:

Pedale: Ich will ja eigentlich mit MTB-Schuhen und daher mit MTB-Pedalen fahren. Damit ich mich auch abseits des Rades und rund um die Uhr mit genau einem Paar Schuhen optimal bewegen kann. Aber an diesen blöden Shimano-SPD-Pedalen (am Sonntag besonders mit den XTR-Pedalen gemerkt) haue ich mir in leicht erschöpften Zustand und im engen RTF-Gewusel bei fast jedem Stop irgendeinen Kratzer in die Wade oder haue mir den Knöchel an… Gibt es da nichts Rundlicheres? Doch mal Crankbrothers Egg-Beater ausprobieren? Das wäre aber abweichen vom Bewährten. Vielleicht montiere ich anstelle der XTR-Pedale wieder die preiswerten und etwas schwereren, dafür außen nicht so scharfkantigen PD-M520 Pedale….

Die Veranstaltung:

Wir sind Sparta! Die Kombi-Wertung des Bimbach 400 haben rund 300 Teilnehmer erfolgreich absolviert. Insgesamt gab es dem Veranstalter nach 5.432 Teilnehmer über das gesamte Wochenende, davon 2470 am Samstag und rd. 2262 am Sonntag, die sich auf die diversen Streckenlängen verteilten. Die Niederschlagsmenge am Sonntag: 25 mm. Öha!

„Pfingsten fährt man in Bimbach“. Davon konnte ich mich jetzt auch endlich mal persönlich überzeugen. Ja – ich muss schon sagen: eine mit viel Engagement und individuellem Einsatz des Vereins RSC `77 Bimbach, seiner Mitglieder und Angehörigen, aufgestellte Veranstaltung. Was ich sowohl am Samstag als auch am Sonntag erleben durfte, zeugte von viel Liebe, hoher Motivation und jeder Menge Erfahrung. Für mich ein super organisiertes Event, welches keinen Vergleich mit anderen, perfekt organisierten Radveranstaltungen scheuen muss. Was mir an diesen zwei Tagen Rhön als Rennradrevier gezeigt wurde, macht Lust auf mehr.

Oder auf Wiederkommen…  Am liebsten wieder mit derselben Truppe!

 

Nordeifel-EXTREM-Marathon – extrem toller Rennradsamstag

Rad fahren

Letzte Woche stand die Frage im Raum, wer denn noch mit nach Euskirchen kommen wollte. Der RSV Euskirchen hätte da eine sehr schöne Strecke und man wollte die lange Strecke fahren. Die richtig lange Strecke. Die Euskirchener nennen diese:

Nordeifel-EXTREM-Marathon.

Hmmm: 256 km und rund 4600 Höhenmeter wurden dort aufgerufen.

Tolle Daten, die Respekt einflößen und die man nicht so zwischen Tür und Angel fährt. Oder doch? ;-) Das Wetter versprach, trocken zu bleiben (tat es) und die Temperaturen moderat (wich doch stark nach unten ab – der Windchill tat sein Übriges).

Und ich will dieses Jahr ja auch schließlich noch den Ötztaler Radmarathon fahren (auch irgendwie zwischen Tür und Angel, denn so richtig Urlaub dafür habe ich nicht übrig). Wäre also eine gute Trainigsfahrt, denn wann fahre ich schon mal an die oder über 200 km? Richtig – bis auf zwei, drei Mal noch gar nie! ;-) Hier gibt’s übrigens einen Bericht von meiner bisher längsten Fahrt über 263 km – solo und mit 3536 Höhenmetern.

Eifelhorizont

Eifelhorizont

Und: bisher kannte ich die Eifel nur von den 24 Stunden am Nürburgring. Die Strecke und die Beschreibung auf den Seiten des Radsportvereins Euskirchen versprachen eine tolle Gelegenheit für richtig viel (Nord)Eifel-Genuss.

Überhaupt: Daumen hoch für Umfang und Güte der Veranstaltungsinformationen! Informationen zur Strecke, Downloadlink der Tracks, zu Sehenswürdigkeiten (sogar per Audiofiles), zu den Anstiegen – sehr gut! Das hat richtig Lust geweckt.

Auf der Strecke dann: übliche, gute Ausschilderung mit Pfeilen, wie man es so von RTFs kennt. Dazu dann noch überall Schilder, wenn Gefahrenstellen lauern könnten („Achtung“, „Bremsen“ etc.), Hinweisschilder mit Länge, Durchschnittsgradient, Höhenmetern und Sternewertung am Fuß der Anstiege und auf der Straße mit Markierungen versehen Schlaglöcher (von denen es wenige gab – überwiegend war die Oberflächenqualität sehr gut).

253 km durch die Nordeifel. Die meisten davon über solch schöne und absolut unbefahrene Nebenstraßen mit sehr gutem Zustand und glatten Asphalt.

253 km durch die Nordeifel. Die meisten davon über solch schöne und absolut unbefahrene Nebenstraßen mit sehr gutem Zustand und glatten Asphalt.

Und großes, großes Lob für die Qualität der Strecke als solches und den Mut, wirklich einen „Extrem“-Marathon mit solch vielen und auch vielen knackigen Anstiegen anzubieten. So beeindruckten nicht nur Landschaft und die absolut verkehrsarme Streckenführung auf den vielen kleinen Nebensträßchen (lebt überhaupt jemand in der Eifel? Man wähnte sich fast auf einer komplett abgesperrten Strecke…) sondern auch solche Kracher wie Reifferscheider Burgberg. Auf einer Länge von 360 m galt es im unteren Teil „nur“ 37 Höhenmeter zu überwinden, aber bei max. 18 % und von einer Abfahrt kommend direkt rein in knüppelhartes, fettes Kopfsteinpflaster. Die Euskirchener haben den Anstieg daher auch liebevoll „Kleiner Koppenberg“ getauft. Der zweite Klopper ist der Kirchberg: 91 Höhenmeter wollen auf 720 m überwunden werden und dafür kurbelt man dann schwer bei einer maximalen Steigung von 21%. Sehr genial! ;-)

Kurvig auf und ab durch die Nordeifel.

Kurvig auf und ab durch die Nordeifel.

Ich habe das erste Mal im Rahmen einer RTF an einem Marathon (sonst bin ich nur bei richtiggehenden Alpenmarathons und Cyclosportivs am Start) teilgenommen und habe so keinen Vergleich zu sonstiger RTF-Marathon-Verpflegung. Fand diese völlig ok und gut. Sehr schön war, dass es an jeder Kontrolle richtiges Brot mit Leberwurst oder Frischkäse, nebst Salzstangen etc. gab. Das ist doch für so einen Tag im Sattel viel brauchbarer als der ganze Süßkram, den es sonst so gibt. Z.B. Waffeln und so. A pro pos Waffeln – die gab es natürlich auch. Aber nicht die billigen Dinger, sondern die leckeren dicken belgischen Waffeln. Da ich die in Belgien bei der Flandern-Rundfahrt und bei L-B-L allerdings zu genüge hatte, verzichtete ich darauf. Bis zur letzten Kontrolle. Da gab es sogar Kaffee! Oh wie genial – gerade bei dem sehr kühlen Tag. 10° Celsius war’s im Schnitt. Ein Kaffee und dazu eine belgische Waffel und dann nur noch 28 km bergab bis flach zum Ziel… Ahhhh, wie geil! :)

An der 2. Kontrolle und Verpflegung in Antweiler.

An der 2. Kontrolle und Verpflegung in Antweiler.

Geil war der ganze Tag. Und dazu hatte auch meine Gesellschaft großen – ach was, den größten :) – Anteil. Ein toller langer Tag mit Natascha, Jens, Seb, Ralf, Stefan und David. Schönes Fahren in der Gruppe. Gute Unterhaltung. Abwechseln im Wind, nebeneinander auf den ganzen kleinen Sträßlein und zum Schluss fast ein richtiggehender belgischer Kreisel bis nach Euskirchen hinein.

Distanz: 252,5 km, Höhenmeter: 4208 m, Zeit: 11 h 28 m (brutto), Durchschnittsgeschwindigkeit: 22,0 km/h, Durchschnittsgeschw. in Bewegung: 24,9 km/h, Durchschnitts-HF: 127

Auf Strava:

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Zu Besuch bei der alten Dame: La Doyenne! Lüttich-Bastogne-Lüttich per Spoocha-Group-Ride

Rad fahren

Letzten Samstag bin ich relativ kurz entschlossen nochmal nach Belgien gefahren. Genauer, nach Lüttich. Das ist von Wuppertal aus – gerade an einem Samstag morgen – in schnellen 1 h 40 Min zu erreichen.

Was wollte ich da? Hauptsächlich eine interessante Ausfahrt mit einigen Spoocha-Radsportkollegen machen. Daneben wollte ich auch ein weiteres Kreuz in meiner Liste „Muss man als Rennradfahrer mal gemacht haben“ eintragen: Eines der 5 Monumente des Radsportes besuchen und selbst fahren. Hier:

Hier und heute: Lüttich–Bastogne–Lüttich (französisch Liège–Bastogne–Liège).

Das älteste noch ausgetragene Eintagesrennen – dieses Jahr fand die 101. Austragung statt. Und deshalb wird es auch „La Doyenne“ (französisch Die Älteste) genannt. Ein weiteres der 5 Monumente hatte ich Anfang April schon besucht: Die Flandern-Rundfahrt.

Kurz vor dem Gipfelpunkt der Côte de La Redoute (Foto: Sportograf)

Kurz vor dem Gipfelpunkt der Côte de La Redoute (Foto: Sportograf)

Wir wählten die 157 km Runde der Liège–Bastogne–Liège Challenge. Also die mittlere Runde. Der Vorteil: die Startzeit lief von 06:30 bis 09:30 Uhr, wohingegen man für die lange 273 km Strecke längstens bis 07:30 Uhr starten muss. Mit An- und Abfahrt am selben Tag nicht unbedingt erstrebenswert.

Aber auch die mittlere Runde hat gereicht, um für mich die längste Strecke bisher dieses Jahr gewesen zu sein. Was aber auch daran liegt, dass einfach nur lange Strecke überhaupt nicht zu meinem zielführendem Training im Winter und Frühjahr zählt.

Längste Strecke dieses Jahr, aber nur die zweithöchste TSS. Dafür aber eine neue Bestleistung zwischen 6 und 9 Minuten gesetzt.

Mein Eindruck vom Event und von der Strecke:

Insgesamt eine schön kupierte Strecke. Gefällt mir vom Höhenprofil sehr gut. Mittellange, mittlere Gradienten die man sehr gut hochfahren kann. Wie z.B. die L’Ancienne Barrière mit 4800 m Länge, 228 m Anstieg und im Mittel 4,7 % Steigung.

Lange, gleichmäßige Abfahrten, die im trockenen sicher richtig Spaß bringen.

Entspannte Abfahrt nach der Côte de la Roche-aux-Faucons (Foto: Sportograf)

Entspannte Abfahrt nach der Côte de la Roche-aux-Faucons (Foto: Sportograf)

Dazu natürlich die etwas steileren „Hübbel“, die dann allesamt extra gezeitet waren:

Col du Rosier, Côte de La Redoute, Côte de la Roche-aux-Faucons und Côte de Saint-Nicolas.

Der Tag (vorwiegend) im Regen und durch wenig charmante Vororte von Liège

Es dauerte anfangs etwas, bis wir endlich „richtig“ loskamen. Bis wir am Start alle fertig beisammen waren (immerhin fanden Spoochas vom Ruhrgebiet bis zur Pfalz zusammen), war’s viertel vor 10. Dann ging’s durch’s wenig reizvolle Lüttich wo nach 6 km Klaus zwei Platten hintereinander hatte. So dauerte es 50 Minuten, bis wir die ersten 8,4 Kilometer zurückgelegt hatten und das Schild des „offiziellen“ Starts der Route passierten das gleichzeitig den ersten Anstieg einläutete.

Am Start - also, noch nicht so richtig. Ich bin nur nochmal zum Auto gefahren, um eine Baselayer-Lage auszuziehen. (Foto: Sportograf)

Am Start – also, noch nicht so richtig. Ich bin nur nochmal zum Auto gefahren, um eine Baselayer-Lage auszuziehen. (Foto: Sportograf)

Vom ersten Frühstück zu Beginn meiner Autofahrt nach Lüttich hatte ich jetzt schon fast wieder Hunger. Die erste (von insgesamt 3) Verpflegungsstationen folgte aber erst bei Kilometer 42 (bis dahin sollte es dann 12:00 Uhr sein). Also gab’s da quasi „Mittach“. Die waren da auch schon wieder am abbauen – es gab aber noch alles. Sooo viel war das jetzt auch nicht. Aber adäquat mit Orangenvierteln, dicken Rosinen, belgischen Waffeln, Riegeln, Lebkuchenbrot, Salzstangen und Isogetränk.

Alles schön garniert mit Dauerregen, der uns von Anfang an erst schwach, dann penetrant stärker begleitete und erst so gegen km 90 durch war. Ab km 115 nach der La Redoute wurde es sogar ein bisschen sonnig! :)

Alles ganz Easy auf der La Redoute ;-)  (Foto: Sportograf)

Alles ganz Easy auf der La Redoute ;-) (Foto: Sportograf)

An der ersten Verpflegungsstation entschied Klaus auch, dass er umkehren wollte. Ungern liessen wir ihn ziehen. Aber ich war auch etwas erleichtert – bei diesen Bedingungen mit dem momentan doch noch starken Leistungsunterschied in der Gruppe hantieren zu müssen, wäre nicht einfach gewesen.

Auch so war das stete Auf und Ab in den Abfahrten und den wenigen eher flachen Stücken davon geprägt, nicht Volldampf zu fahren, sondern locker zu pedalieren, um allen wieder ein Aufschließen zu ermöglichen. Bei steileren Anstiegen haben wir auch immer oben gewartet. Das hatte sich auch schon bei der Flandernrundfahrt so bewährt. :)

Vor blühenden Büschen auf steiler Côte de La Redoute (Foto: Sportograf)

Vor blühenden Büschen auf steiler Côte de La Redoute (Foto: Sportograf)

Landschaftlich… naja, es ging rauf und runter – das kann man auch in der Elfringhauser Schweiz bzw. eher so im Sauerland haben. Im Vergleich zur Flandern-Rundfahrt waren wir hier auch auf größeren und deutlich stärker befahrenen Straßen unterwegs. Viel Verkehr, nicht abgesperrt, am Anfang und am Ende durch wenig charmante Ecken von Lüttich, dazwischen durch Gegenden und über Straßen, die sich wie gesagt so auch im Bergischen oder im Sauerland finden lassen.

Das und das morgendliche Einschreiben am Start ließ in mir das typische RTF-Gefühl aufkommen. Und überhaupt nicht das ehrfurchtsvolle „Ooooh, du fährst auf geheiligtem Klassikerboden des ältesten Eintages-Rennden der Welt“. Was ich schon ein bisschen Schade fand.

Das erste mal „Oh, wirklich schön hier“ fand ich glaube ich ab Kilometer 62 bei Trois-Ponts. Wo dann Fluss, Landschaft und hübsche Gebäude ein gewisses Flair vermittelten. Danach gab’s dann auch mal weite Blicke, die nicht durch Regen in der Luft in der Sichtweite begrenzt waren und die es so im Rothaargebirge nicht gibt.

Alles Geben auf der Côte de la Roche-aux-Faucons (Foto: Sportograf)

Alles Geben auf der Côte de la Roche-aux-Faucons (Foto: Sportograf)

Es folgten dann auch die härteren Anstiege. Entlang der La Redoute parkten schon die Campingbusse für das Profirennen am folgenden Sonntag. D.h. da gab’s dann auch etwas Publikum.

Insgesamt dann doch dank der Spoocha-Jungs ein schönes Event! :)

Schöne Erinnerung: eine markante Medaille!

Schöne Erinnerung: eine markante Medaille!

Distanz: 156,4 km, Höhenmeter: 2303 m, Zeit: 8 h 03 m, Durchschnittsgeschwindigkeit: 19,4 km/h, Durchschnittsgeschw. in Bewegung: 23,9 km/h, Durchschnitts-HF: 122

auf Strava:

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16 Talsperren Rundfahrt mit Spoocha

Rad fahren

Gestern fand die 20. Internationale 16 Talsperren Rundfahrt des Skiclub Gevelsberg statt.

Wie ich letztes Jahr schon schrieb: Eine Strecke (oder mehrere Strecken, von 47 bis 151 km für die RTF-Runden und 220 km für die Marathon-Runde), von kundiger Hand über reizvolle Straßen durch das Bergische und das Sauerland (bis zur Biggetalsperre für die Marathon-Strecke) vorbei an den Talsperren der Region geplant, dass sollte man sich nicht entgehen lassen.

Abfahrt vom Damm der Bever-Talsperre Richtung Beverteich.

Abfahrt vom Damm der Bever-Talsperre Richtung Beverteich.

Eigentlich wollte ich die Marathon-Strecke unter die Pneus nehmen. Aus den Kommentaren in der Coffeeride-Gruppe wurde aber in der Vorwoche mehr und mehr deutlich, dass die 150er Strecke aus diversen Gründen mehr und dann fast ausschließlichen Zuspruch empfing. Naja, da fiel die Wahl nicht all zu schwer: Einerseits war mal wieder mit Regen zu rechnen zum zweiten konnte man für die 150er Strecke etwas später starten und zum dritten konnten wir uns so noch mal gemeinsam in größerer Runde treffen und fahren.

8x Spoocha auf der Staumauer der Ennepetalsperre

8x Spoocha auf der Staumauer der Ennepetalsperre

So trafen sich dann morgens um 08:30 Uhr mehrere „Spoochies“ ;-) um zu elft auf die Große RTF-Runde aufzubrechen. Zwei davon wollten schon vom Start weg die 120er Runde fahren, ein dritter entschied sich aus aktuellen Befindlichkeiten (Erkältung) ebenfalls dazu.

Praktischerweise konnten wir so auch ordentlich Kilometer im Rahmen der diesjährigen SPOOCHA Vuelta a España Challenge sammeln. Hier geht es um Spendengelder für ein besonderes Projekt: Spoocha sammelt für die „Piraten“ des Team „Genesis“ in Barcelona.

Das Wetter war mal wieder sehr durchwachsen. Den ganzen Tag liess sich die Sonne nicht blicken; es war vollkommen bedeckt. Glücklicherweise hielt sich der Regen dennoch in Grenzen. Es gab teilweise Nieselregen und nur ein- zweimal kurz etwas mehr Regen.

Nicht ganz endlose Weiten...

Nicht ganz endlose Weiten…

Davon haben wir uns aber nicht beeindrucken lassen (ok, mit Sonne wär’s schon schöner gewesen, logisch). Ich fand das Treffen und Quatschen am Rad mit schon bekannten und noch nicht so bekannten Gesichtern sehr angenehm. Ein kurzweiliger Tag auf dem Rad.

Die Ausschilderung der RTF war optimal, die Kontrollstellen tadellos im Rahmen des normalen RTF-Standards bestückt (Eiwaffeln vom Discounter, Mineralwasser und Apfelschorle, Nutella-Brote hier, Schmalzdungen da und Apfelspalten und Bananen sowie leichte Müsliriegel). Nur wieder im Ziel angelangt war’s etwas öde. Wir wollten uns eigentlich noch schön bei Kaffee und Kuchen (oder Wurst und Bier…) zusammensetzen – aber bis auf einen kleinen Grill mit ein paar fettigen Bratwürsten (und nur halben Brötchen) war da nichts mehr. Gut – Thomas und ich haben uns trotzdem eine solche Wurst gegönnt. Aber ansonsten haben wir uns dann noch ein schönes Wochenende gewünscht und sind alle zusammen abgereist.

Alle? Nein, ein unbeugsamer Wittgensteiner, der gerade an einer Höhenmeter-Challenge auf Strava teilnimmt und ja heute auch eigentlich einen Marathon fahren wollte – dem waren die Höhemeter der 150er Runde noch nicht genug. Also bin ich mit dem Auto (wo ich doch eh in Gevelsberg war) noch hinunter ins Tal der Ennepe zur Asker Straße gefahren. Da das Rad wieder aus dem Kofferraum geholt und auf ging es zum Höhenmeter-Nachschlag. :)

Hill-Repeats an der Aske.

Hill-Repeats an der Aske.

Insgesamt 3 Hill-Repeats rauf von der Asker Straße (Trainingseintrag auf Strava) über die Bergstraße bis ganz nach oben brachten mir auf 18,7 km noch 670 Höhenmeter ins Konto. :)

Für die 150er RTF-Runde lauten die Daten:

Distanz: 148,4 km, Höhenmeter: 2.224 m, Zeit: 6 h 56 m, Durchschnittsgeschwindigkeit: 21,4 km/h, Durchschnittsgeschw. in Bewegung: 25,6 km/h, Durchschnitts-HF: 123

auf Strava:

Strava_20140830_16TS-Rundfahrt

RTF Bensberg wieder besucht: Am 1. Mai Rund um Schloss Bensberg

Rad fahren

Die RTF (Radtourenfahrt oder Rad-Touristik-Fahrt – manche verballhornen es auch zu: Renntempofahrt ;-)) Rund um Schloss Bensberg war im Jahr 2011 meine erste RTF an der ich teilgenommen hatte. Und gestern habe ich dort noch einmal vorbeigeschaut.

Mein Canyon Ultimate CF SLX vor Schloss Bensberg

Mein Canyon Ultimate CF SLX vor Schloss Bensberg (um das zu sehen, muss man aber von der RTF-Runde abweichen)

Von Wuppertal aus ist man in entspannten 45 Minuten vor Ort. Diesmal war ich auch nicht so spät dran wie in 2011. Fand auch wieder einen schönen nahen Parkplatz und nahm die Anmeldung vor. Bei überraschend gutem und sonnigen Wetter (was sich fast durchgehen halten würde) nahm ich vor dem Start erst mal die Langarmteile von meinem Gabba-Jersey ab und rollte entspannt los.

Startfenster war von 07:30 Uhr – 10:00 Uhr. Gut: 07:30 für die senilen Bettflüchtigen, die direkt neben dem Start wohnen. Kann man machen, ist mir recht. Ich weiss gar nicht, welche Lobby die haben? Also ich würde mich als ehrenamtlicher Helfer bedanken (nicht) wenn ich dafür sogar noch früher vor Ort sein muss und alles aufzubauen habe. Da nützt es auch nicht, wenn ich um 15:00 schon wieder abbrechen dürfte.

10:00 Uhr als Startschluss ist noch ok. Nicht optimal, aber da kann man mit arbeiten. Da ich um 10 vor 10 loskam (wo auch noch ein reges Treiben am Start herrschte), hatte ich durchaus viele Rennradler nahe vor mir, oder hinter mir startend, so dass ich mich auch gefühlt auf einer RTF und nicht alleine auf Tour befand. Es gab immer mal wieder Fahrer und Fahrerinnen und Grüppchen zu überholen. Und oben auf Höhe der Großen Dhünn-Talsperre kam sogar mal ein kleines Grüppchen von hinten, das kurz Windschatten bieten konnte. Da folgte aber schon die Abfahrt runter zur Stauwurzel (wo die Gruppe schnell zerfledderte und ich einige schlechte Abfahrer hinter mir lies) und im nicht sonderlich steilen Anstieg nach Halzenberg waren dann die letzten schnell hinten weg.

Kurz darauf traf ich aber unvermutet nette Arbeitskollegen und unterhielt mich bis nach Hückeswagen mit ihnen – und nach einem kurzen Segmentintermezzo zur Bevertalsperre dann auch wieder bei der Kontrolle in Wipperfürth. Und nach einem kurzen Baustellen-Intermezzo auch wieder mit einem von Ihnen bis hinter Schloss Gimborn. Sehr schön. :)

Wenn ich an Talsperren vorbeikomme, muss mein Rad da fotografiert werden.   Tadaaa: Die Bever-Talsperre ist die erste Talsperre, an der mein neues Canyon fotografiert wurde. :)

Wenn ich an Talsperren vorbeikomme, muss mein Rad da fotografiert werden. Tadaaa: Die Bever-Talsperre ist die erste Talsperre, an der mein neues Canyon fotografiert wurde. :)

Da die längste angebotene Runde der Bensberger RTF nur bei 115 km liegt, ich aber bei dem freien Tag länger fahren wollte (und damit auch gleichzeitig schon die GranFondo-Challenge des Monats Mai bei Strava einfahren wollte), musste ich mir den Track gestern noch selber „aufbohren“. Das ist die Extraschleife, die auf der Karte zwischen Gummersbach und Engelskirchen zu sehen ist. Ich hatte die Schleife extra dahin gelegt, um bis dahin ggf. von Zufallsgruppen und -Bekanntschaften und auch den ersten Kontrollen profitieren zu können. Und ich wollte in dieser, von mir doch sonst nicht befahrenen Gegend, etwas sehen.

Und: Die RTF heisst ja sinngemäß: „Rund um’s Bensberger Schloss“. Dasselbige sieht man aber gar nicht. Das konnte ja nicht angehen – also habe ich das Kopfsteinpflastersegment und einen Schlossbesuch auch noch mit in den Track integriert. :)

Das Kopfsteinpflaster und dessen Fugen sind echt nicht von schlechten Eltern - der Rasen und die Fassade geben aber einen guten Hintergrund ab: Canyon Ultimate CF SLX vor Schloss Bensberg.

Das Kopfsteinpflaster und dessen Fugen sind echt nicht von schlechten Eltern – der Rasen und die Fassade geben aber einen guten Hintergrund ab: Canyon Ultimate CF SLX vor Schloss Bensberg.

Ihr könnt meinen Track hier bei GPSies herunterladen. Es sind zusätzlich noch ein paar von mir als wesentlich erachtete Strava-Segmente als Waypoints eingetragen. Die poppen dann auf dem Display eures Garmins auf und ihr wisst, wann „reinzutreten“ ist. :)

Das alles hatte zur Folge, dass ich bei K3 und auch am Ziel gar nichts mehr bekam. Das bringt mich wieder auf meine Lieblings-RTF-Jammerei. Ja, es ist prima, dass sich ehrenamtliche Freiwillige den Tag freinehmen, die Strecke ausschildern, die Angehörigen Kuchen backen etc. Ganz toll! Und dafür gebe ich auch gerne meine 4 bis 6 Euro, selbst wenn ich immer damit rechne, mich am Ende mal selbst zu verpflegen. So habe ich immer mindestens eine volle Flasche dabei. Heute war es auch zum ersten Mal nötig. Auch heute waren die Helfer sehr freundlich – bei Wipperfürth gab’s sogar liebevoll mit Nutella und Bananenscheibchen belegte Eierwaffeln! Herzlichen Dank!

Nichts destotrotz: 8:00 Uhr oder 8:30 Uhr anfangen ist am Feiertag und maximal 115 km Streckenlänge mehr als ausreichend früh. Früher muss nicht! Schon gar nicht am 1. Mai. Schon mal was vom Tanz in den Mai gehört? Dafür gerne Startfenster bis 11:00 Uhr und Kontrollschluss somit erst um 16:00 Uhr. Und lecker Gegrilltes, Kuchen und Kaffee sehr sehr gerne noch darüber hinaus.

Also: ich gönne den Bensbergern ja auch ihren ersten Mai – aber Ausdauer geht anders. ;-)

Andererseits: Ich wusste es ja vorher, war entsprechend vorbereitet und mein Geld habe ich auch gerne danach bei McDonalds ausgegeben (hätte es aber auch gern dem Verein zukommen lassen…).

Alles in allem aber wieder eine schöne RTF, eine sehr schöne, sehr gut ausgeschilderte Strecke und entgegen der Vorhersagen überraschend gutes Wetter. Überwiegend schön sonnig. Ein schöner erster Mai. :)

Sportlich gesehen habe ich am Anfang, damit ich leichter wurde, erst mal das ganze Glykogen in die diversen Strava-Segmente gepulvert. ;-) Feine Sache. Rund um den Altenberger Dom und Co ist schon was an Konkurrenz unterwegs. Um so zufriedener war ich über die relativen Zeiten. :)

Distanz: 135,7 km, Höhenmeter: 1747 m, Zeit: 5 h 58 m, Durchschnittsgeschwindigkeit: 22,7 km/h, Durchschnittsgeschw. in Bewegung: 25,8 km/h, Durchschnitts-HF: 138

auf Strava:

20140501_Strava