Erster Eindruck zur neuen Racing Handlebar Pack von Apidura

Letzte Woche Montag (03.12.2018) hatte Apidura ihre brandneue „Racing Series“ vorgestellt. 

Sie besteht aus drei Teilen: einer sehr kompakten Bikepacking Satteltasche, einer sehr kompakten Rahmentasche und einer moderat kompakten Lenkertasche. Um diese Lenkertasche soll es hier gehen.

Mit der neuen Racing Series möchte Apidura noch spezifischer auf die Bedürfnisse von kompetetiven Ultra-Distanz-Rennen und Audax-Veranstaltungen eingehen. Möglichst leichtgewichtig und möglichst kompakt sollen die Taschen sein. Kein Geringerer als Kristof Allegaert ist auf den begleitenden Bildern der Apidura Webseite zu sehen. Und er und andere hocherfahrene Apidura Ambassadors wie z.B. auch Sarah Hammond wurden nach ihren Anforderungen und Vorstellungen befragt.

Wer Kristof kennt bzw. die Bilder seiner Räder, mit denen er Rennen vom Schlage eines Transcontinental oder Indian Pacific Wheel Race gewinnt, weiss, dass „Less is more“ bei ihm keine hohle Phrase ist. Ich glaube, ihm ist das gesamte dreiteilige Set auf den Leib geschneidert. Für mich wäre die Gesamtkapazität selbst für ein 7-Tage Rennen viel zu gering. Aber das macht ja nichts – Auswahl ist gut. Und man kann ja kombinieren. 

Neues Material / neuer Look

Für das Kombinieren wäre es aber sehr schön gewesen, wenn Apidura mit der Racing Series kein ganz neues Design eingeführt hätte. Die Taschen sind jetzt schwarz und anstelle der gelben Polygone sind nun an den Kanten aufgefächerte Winkel in reflektierendem Silber und Gelb aufgedruckt. Mein Eindruck: geht so. Verbunden mit dem Design ist aber auch die Verwendung eines eigens für Apidura entwickelten, wasserdichten und verschweissfähigen Laminats.

Die Racing Series Handlebar Pack

Das wichtigste zuerst: es ist wirklich eine Lenkertasche, die für Rennlenker und für den Zugriff während der Fahrt gemacht wurde! Was man sonst so von so ziemlich allen Herstellern von Bikepacking-Taschen für den Lenker findet, sind Taschen mit beiderseitigen Rollverschlüssen. Die sind für breite Flatbarlenker sicher recht praktisch. Aber selbst die kompaktesten unter ihnen kann man nur eher schlecht als recht zwischen den Drops eines Rennlenkers unterbringen. Wenn er sehr breit ist und sogar etwas Flare hat, geht es so lala. Wenn man einen klassischen Rennlenker benutzen will und den vielleicht auch noch in einer Breite unter 42 cm, dann wird es ein Gewürge. Und an den Inhalt kommt man in montierter Form dann schon mal gar nicht. Also nichts für die Regenjacke, an die man bei einem Schauer schnell heran kommen möchte. Oder vielleicht für eine Kamera. Oder für den Löffel, mit dem man seinen gerade gekauften Joghurt essen möchte.

Deswegen benutze ich ja auch immer meine kleine Ornot Handlebar Bag (wie hier z.b. in meinem Artikel zum Cockpit Setup zu sehen)

Und endlich nimmt sich auch mal ein Bikepacking-Taschenhersteller dieser Lücke an! Deswegen hatte ich auch am Montag die Racing Handlebar Pack vom Fleck weg bestellt, um sie mir anzusehen und meinem Arsenal hinzuzufügen.

Bereits einen Tag später war sie hier. Wirklich testen konnte ich sie noch nicht. Weil ich aber festgestellt habe, dass die Fotos auf der Apidura Webseite nicht wirklich einen vollständigen Eindruck von der Tasche vermitteln, bin ich erst einmal selber für euch tätig geworden. Auch in der Transcontinental-Gruppe auf Facebook wurde der Wunsch nach besseren Fotos laut. Deswegen hier an dieser Stelle noch kein Test, aber schon mal viele Fotos, damit ihr die Features etwas besser einschätzen könnt.

Ich muss nämlich sagen: nach dem Auspacken war ich erstmal etwas enttäuscht. Im Englischen schreibe ich ja gerne „underwhelmed“. Sprich: ich war etwas unterwältigt, was die reine Tasche angeht. Mein erster Gedanke war: vielleicht ist sie ja doch etwas zu sehr reduziert? Was für den Preis ganz und gar nicht gilt. 130 Euro für das Dingen? Also entweder finde ich beim Testen, dass sie genial auf das Nötigste reduziert ist, oder ich werde doch einem weniger restriktiven Ansatz (und weniger hohen Preis) nachtrauern. Das muss die Praxis zeigen.

Hier jetzt also erstmal die Fotos und meine ersten Eindrücke:

Apidura Racing Handlebar Pack mit Wahoo Elemnt zur Linken und Sigg Wasserflasche zur Rechten als Maßstab

Die Lenkertasche wird mit 5 Liter Volumen angegeben und wiegt 265 gr. Sie ist an der Oberseite 12 cm tief und 28 cm breit. An der Unterseite ist sie 26,5 cm breit und sie ist 18 cm hoch. Als Größenvergleich habe ich links einen Wahoo Elemnt und rechts eine Sigg Wasserflasche beigefügt.

Draufsicht auf die Apidura Racing Handlebar Pack

So sieht die Tasche von oben aus. 

Draufsicht Apidura Handlebar Pack

Hier habe ich die 4 beigefügten Klettbänder aus den Laschen entfernt. In diesen Laschen ist das die Konfiguration für die Befestigung an den Aerobars eines Zeitfahr-Lenkeraufsatzes. Ihr seht zwei ovale Bereiche an den Rändern, wo der Stoff etwas flexibel und gespannt aussieht. 

Durch den Deckel zugreifbare Taschen. Kante hochgeklappt.

Das sind zwei durch den Deckel erreichbare Taschen, besser, Netzstoff-„Socken“ die fest mit dem Deckel verbunden sind. Hier habe ich eine Art Regenschutzklappe hochgeklappt. Das ist der erste Schritt, um an den Inhalt zu kommen.

Voilà – Flexmetall oder -kunststoff

Diese Klappe und ein weiterer Streifen darunter sind steif, aber flexibel. Wie ein Stück Federstahl. Aufgespreizt ergibt sich diese, leider nicht sehr runde Öffnung. Um Kleinkram wie Riegel oder ähnliches hineinzustecken, reicht das bestimmt.

Racing Series Handlebar Pack – Blick in das Hauptfach

Damit diese Teile dann nicht im Hauptfach verschütt gehen, sind innen über die Höhe der Tasche diese zwei Mesh-Socken eingenäht. Am Deckel sind sind fest verbunden und unten hinten mit je einer Druckknopf-Lasche an der Innenseite der Tasche befestigt. Das macht die Tasche bestimmt sehr flexibel, was die Verwendung des Innenraums angeht. Man kann auch den ganzen Innenraum für einen Biwaksack oder was auch immer verwenden. Oder man lässt halt Raum, damit man in die Socken etwas hineinbekommt. Wo ich etwas Sorgen habe, sind das Unterbringen von eher kleinen und eher eckigeren Teilen. Kabelbinder, eine(n) Spork etc. Ob die sich nicht in dem ganzen Stoff im inneren dann verheddern? 

Ich finde diese „Socken“ auch nicht ganz so praktisch wie eine dedizierte Foodpouch. Ich würde da nicht wirklich krümelige angebrochene Müsliriegel o.ä. unterbringen wollen.

Apidura Racing Series Lenkertasche am Rennlenker ohne Lenkeraufsatz

Das hat aber auch mit der Zugänglichkeit zu tun. Diese ist zwar während der Fahrt gegeben. Aber es ist schon etwas mühsam, erst die Kante hochzuklappen und dann den Ring nach innen zu drücken. Auch hier wieder: das geht bestimmt sehr gut für Kleinkram. Aber für größere Verpflegung und besonders für weitere Flaschen ist der Zugriff viel schlechter. Das liegt vorrangig daran, dass die Öffnung nur so gerade oval bis linsenförmig ist. Bis man da eine Flasche hineingesteckt hat… Da muss man fest drücken…

So sieht es übrigens aus, wenn die Tasche an einen normalen Rennlenker ohne Aerobars befestigt ist. Der Lenker im Foto ist 42 cm von Außenkante zu Außenkante breit.

Apidura Racing Series Handlebar Pack, Rückseite

Dazu nimmt man zwei der Klettbänder und fädelt sie durch die Laschen an der Oberkante der Rückseite der Tasche. Unten hat sie ein weiteres Band, mit der man eine Verzurrung gegen das Steuerrohr vornehmen kann.

Oberseite der am Rennlenker montierten Tasche

Hier sieht man sehr gut das Mesh-Gewebe der Deckeltaschen (mit Lichtquelle in der Tasche aufgenommen). Auf dem Deckel ist noch diese flache Netztasche. Vielleicht fällt euch ein, was ihr da hinein packen könntet. Vielleicht den Haustürschlüssel oder Autoschlüssel bei kurzen Tagesausflügen. Viel mehr mag da wohl nicht sinnvoll hineinpassen.

Das war es leider auch mit praktischen Zusatzapplikationen. Eine kleine Netztasche an den Außenseiten, wie es meine Ornot-Handlebar Bag hat, wäre mir hochwillkommen gewesen.

Fahrerperspektive auf die Apidura Racing Series Handlebar Pack

So sieht die Tasche aus der Fahrerperspektive aus. Ich habe mal links eine 0,3 l Cola-Flasche und rechts die Sigg-Wasserflasche hineingesteckt. Solcherart befüllt, bleibt dann aber leider auch nicht mehr furchtbar viel von der Hauptfach-Kapazität übrig.

Obacht bei kleinen Rahmen und der direkten Lenkermontage

Obacht bei kleinen Rahmen und der direkten Lenkermontage. Mit eher kurzen Steuerrohren und ohne riesige Spacertürme ist nicht mehr sehr viel Platz zwischen Unterkante der Tasche und dem Vorderreifen. Hier ist gerade noch die Gabelkrone sichtbar und das reicht auch vollkommen aus. Tiefer darf es aber nicht mehr werden und Platz für eine Lampe an der Gabelkrone wäre hier definitiv nicht mehr. 

Apidura Racing Series Handlebar Pack am Lenkeraufsatz montiert

Das sieht bei der Montage an den Aerobars schon ganz anders aus. Zum einen wird die Tasche wunderbar über die vier Kontaktpunkte am Deckel an den Zeitfahraufsätzen befestigt. Sie hängt so sehr viel schöner und komplett aufrecht als nur hinten an einem Lenker befestigt. Hier an meinem J.Guillem Orient kommt hinzu, dass ich meine Aerobars ohnehin nochmals 20 mm über dem eigentlichen Lenker befestigt habe. So bleibt ausreichend Raum nach unten.

Apidura Lenkertasche an meinen Aerobars

So sieht das dann von oben aus. Ich muss sagen, das sieht sehr elegant und sauber aus. Trotz meines eher etwas breiten Aerobar-Abstands, der durch die Double-S-Bend-Form nochmals vorne breiter wird, passt die Tasche sehr gut und auch die Deckelöffnungen sind voll zugänglich. Was aber auch daran liegt, dass diese ja auch eher oval als rund sind.

Apidura Lenkertasche mit geöffneter Deckeltasche am Zeitfahraufsatz
Apidura Racing Series Lenkertasche am J.Guillem Orient

Ja, so sieht die Apidura Racing Series Handlebar Pack im Detail also aus. Ob sie das Zeug hat, zum Bestandteil meines TCR-Setups zu werden, muss ich noch sehen. Ohne meine Foodpouch vorne in den Aerobars mag ich mir das nicht vorstellen. Es gilt also, erst mal die neue Tasche wirklich in der Fahrt zu testen und dann zu tüfteln, wie ich sie mit anderen Bestandteilen zu einem Gesamtsystem füge.

Werbeanzeigen

7 Kommentare zu „Erster Eindruck zur neuen Racing Handlebar Pack von Apidura

  1. Danke für die detaillierte Vorstellung. Wie sieht es denn mit der Wasserdichtigkeit aus? Die linsenförmigen Klappen an der Oberseite sind vermutlich nicht dicht, oder?
    Die Montagemöglichkeit an der Aerobar ist natürlich genial. Bisher hatte ich mit der kleinsten Variante der Handlebarbag von Ortlieb geliebäugelt, die passt eng gewickelt knapp an eine 420er Dropbar. An die Probleme mit dem Zugriff im montierten Zustand hatte ich noch gar nicht gedacht. Und die neue Apiduravariante ist schon echt eleganter. Aber eben auch echt kleiner. Wohin dann mit Schlaf- und Biwaksack? Mit Ihren 5 Litern ist sie nur 1,5 Liter größer als die (auch allein nutzbare) Zusatztasche von Ortlieb.
    Nun gut, Allegaert und Co. (und vermutlich auch Du) haben natürlich in Summe schon andere Anforderungen als ich.
    Mhmm – Bisher waren Ortlieb Handlebarbag mit Accessorybag meine Favoriten für den Lenker, jetzt bin ich wieder verunsichert….
    Viele Grüße aus Duisburg,
    Markus

    1. Hallo Markus – also wenn die Klappen nicht wasserdicht wären, wäre die ganze Tasche fehlkonstruiert. Die müssen schon halten. Tauchdicht wird sie natürlich nicht sein.

      Man muss sehen, was man am Lenker unterbringen möchte. Kristof hat sein Biwaksack vornedrin. Was noch, weiss ich gar nicht. Ich habe in meiner Ornot-Tasche bisher diversen Kleinkram gehabt: Schloss, zweite Akkuleuchte, Sonnencreme, Spork, Flickzeug, Mineralsalz-Kapseln und so Kram.

  2. Interessant hätte ich es gefunden, wenn man quasi zwei Foodpouches rechts und links gehabt hätte. Und dann meinetwegen noch ein Gedöhnse Fach in der Mitte. Den Platz nur für den Schlafsack zu verschwenden macht keinen Sinn bzw, Kombibetrieb mit Gedöhnse ist ja auch nicht so wirklich dolle.
    Und der Preiswiderstand ist mir zu hoch, um eine halbgare Lösung aus zutesten. Da hätte ich es spannender gefunden, eine komplett geschlossene Tasche zu haben, für den Schlafsack usw. und noch ein bisschen Mesh für den Kleinkram.

    1. Ja, hmm, hmm, vielleicht ein ticken modularer? Sicher auch interessant, wäre dann aber ein anderes Konzept. Denn mit separaten Foodpouches links und rechts bliebe halt kaum noch ein sinnvolles Hauptfach über – zumindest wenn man in der Breite bleibt. Was man ja muss, will man in einen Rennlenker passen. Es ist schon schwierig, es da jedem Recht zu machen. Bei der Vielzahl der möglichen Cockpitkonfigurationen gerade mit Aufliegern. Wahrscheinlich muss man sich einfach nur von der Foodpouch-Denke lösen, um von dieser Tasche nicht enttäuscht zu sein. Statt dessen sollte man wohl besser in „durch den Deckel durchgreifbare Extra-Innenbeutel“ denken. Dann kann es vielleicht sogar richtig cool sein. Aber man (also ich) braucht dann doch noch die gewohnte (auch tiefe) Foodpouch, in die auch eine Flasche schnell und einfach rein- und rausgleiten kann. Und in der man auch ausführlich kramen kann.

  3. Ich finde die Idee sehr spannend. Meine Foodpouch kann ich am Lenker mit montiertem Aero nicht mehr während der Fahrt nutzen, also schon Riegel reinstopfen geht, aber darüber sitzt dann direkt die Armauflage. Im Moment sind da dickere Handschuhe drin weil es so unbeständig ist.

    Hatte gedacht, ich bekäme da ggf. eine 610ml Camelbak Podium Iso Flasche rein + 3/4 Regenhose, Regenüberschuhe, Helmcover, Regenhandschuhe, Buff, Racecap und paar Snacks wie ne Banane + Nüsse. Dazu ggf. noch nen Spork, Powerbank, Ersatzakku, Microschloss.
    An meine jetzige 3,5l Ortlieb Accessory komme ich da während der Fahrt garnicht, zwischendrin nur sehr fummelg ran. Bis auf die Flasche passt aber alles o.g. bei 2x rollen noch rein. Wobei ich die Snacks ja auslagern könnte in meine Foodpouch.

    Und das sind ja nur 3,5l. Meinst du das ginge dann auch problemlos in die rein rechnerische 5l Apidura? Da müssten ja theoretisch noch 1,5l Platz sein, also mehr als genug für 610ml+-? Oder sind das wieder so geschönte 5l die in der Realität eher 2,5 sind?
    5echte Liter wären schon echt fein, dann würde ich mir das mal ansehen, nur sieht die auf den Bildern schon kleiner aus als die Ortlieb Accessory? o.O
    Und die war binnen 24 Stunden aus UK bei dir? Respekt, oder hattest du nen deutschen shop?

    1. Hi,

      also wenn du das alles, was du genannt hast, in eine 3,5 l Tasche bekommst, wirst du es wohl auch in die 5 l Apidura Tasche bekommen. Beachte, dass durch die Flasche in der einen Seite dann wohl so geschätzte 0,5 l schon mal weg sind. Also Iso-Flasche wird die Camelbak auch etwas rausschauen, weil sie eine gewisse Höhe aufweist. Das muss ja nicht schlimm sein.

      Für mich hört sich das aber schon recht viel an. Das mag aber vom jeweiligen Volumen der Dinge abhängen.

      Bestellung war direkt in UK.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s