KB-Format, DSLR, Spiegellos, NEX und MFT mal wieder neu bewertet – Ergebnis: die Olympus OM-D E-M5 zieht ein

Fotografie, Produkttests
Olympus OM-D EM-5

Olympus OM-D E-M5

Es begab sich im Oktober diesen Jahres. Eindrücke eines Photokina-Besuches, trotz diverser Kamerasysteme immer noch unerfüllte Wünsche in der Kombination von Bildqualtität, Transportabilität und Funktionalität sowie absehbar zu erwartendes tolles Herbstwetter ließen den Entschluss reifen: Schluss mit klein-klein, jetzt wird einmal richtig in’s Testen investiert. Und so orderte ich eine Canon EOS 5D Mk II und eine Olympus OM-D E-M5 samt Kitobjektiv M.Zuiko Digital ED 12-50mm F3.5-6.3 EZ und dem Panasonic Lumix G Vario 7-14mm F4.0.  Entsprechend war ich im Oktober mit verschiedenen Kameras und Objektiven im intensiven Herbsttest (Sony NEX-5n, Canon EOS 5D Mk II, Canon EOS 7D, Olympus OM-D).

Mit ein Grund war, weil ich mir noch einmal vor Augen führen wollte, ob ich aus dem Unterschied zwischen KB-Format (5D Mk II) und APS-C-Format (7D) innerhalb des EOS Systems irgendeinen Gewinn ausmachen konnte. Ebenfalls, wie sich die 5D II gegen die hervorragende Sony NEX-5n schlägt und vor allem auch, weil ich nicht auf das sich noch (hoffentlich) zu beweisende WW-Zoom Sony SEL 10-18mm für die NEX warten wollte. Außerdem wollte ich verschiedene Photokina-Erkenntnisse umsetzen.

Diese lauteten:

– Die Fuji X in Form der Fuji X-Pro 1 war wie erwartet eine Katastrophe vom Hybrid-Mess-Sucher-Ansatz, da war die X-E1 schon besser (eben durch den Verzicht darauf) und ihre leicht kompaktere Form. Sie besitzt auch eigentlich schöne Bedienelemente, aber die Haptik des MF an den Objektiven hat mir nicht gefallen. Zusammen mit der RAW-Problematik und der auch bei der X-E1 nicht berühmten AF-Performance nix für mich. Um nicht noch mehr Geld unnötig in die Schwebe zu legen und den Testumfang nochmals zu erhöhen, verzichtete ich also auf die für meine Anforderungen in zu vielen Bereichen kritisch gehandicapte Fuji.

– Die Olympus OM-D hingegen, die ich eigentlich nur mal so befingert hatte, war ganz im Gegensatz meiner Erwartungen eine interessante und prompt in allen Dingen reagierende Kamera – das machte mich auf einen ausführlichen Test neugierig. Und ich muss sagen, ihr Sensor enttäuscht (erstmals für MFT) nicht, wenn ich das einmal bereits vorweg nehmen darf.

– Die neuen NEX, 5r und 6, hatten dagegen keinen unmittelbaren Update-Wunsch meiner NEX-5n aufkommen lassen. Nach wie vor scheint bei Sony im NEX-Format zu gelten: Entweder keinen elektronischen Sucher zu bieten, dann darf das entsprechende Modell einen Touchscreen haben. Oder eben einen EVF direkt einzubauen, dann hat das entsprechende Modell aber keinen Touchscreen. Sehr schade. Auch das InCamera-App System hat mich nun wahrlich nicht vom Hocker gehauen. Und bei der OM-D habe ich festgestellt, dass ich (wenn es nicht auf Trikottaschentauglichkeit ankommt) einen eingebauten zusätzlichen Sucher sehr zu schätzen finde.

Olympus OM-D EM-5 mit dem Kit-Objektiv 12-50mm

Olympus OM-D E-M5 mit dem Kit-Objektiv 12-50mm

Und so zog ich los. Mal nur mit den beiden EOS; wäre die 5DII zur 7D für mich ein wesentliches Up- oder Sidegrade? Ist da vielleicht doch abseits von einem Quentchen weniger Schärfentiefe doch mehr „Plastizität“ bei leicht größerem Sensorformat zu Erreichen? Antwort: Nein. Ist das getreue EF 17-40mm f/4 L, welches ich schon an der EOS 50E benutzte (hah, KB-Vollformat ;-)) vielleicht die bessere Superweitwinkeloption als das EF-S 10-22, welches ich mir die letzten Jahre einknickend als erstes (und bisher einziges) Crop-Objektiv für die Canon EOS 7D holte?

Mal vom heimischen Balkon und mal im Bad Berleburger Schlosspark mit Stativ und vollem Testpark. Alle Kameras an gleichen Objektiven (per Adapter und mit jeweils äquivalenter Brennweite) – um rein den Sensor und die Abbildung zu bewerten. Alle Kameras mit ihren jeweiligen nativen Objektiven – um das System als jeweiliges ganzes zu bewerten.

Dann habe ich mal nur die EOS 5D II mitsamt dem EF 70-200 f/2.8 L in einem speziellen Sportrucksack, dem LowePro Photo Sport 200 AW auf dem Rennrad und beim Laufen getestet. Auch mal zusätzlich zur EOS 7D mit 17-40 und 70-200 noch eine 5D Mk II oben reingepackt und das dickste Gorillapod an die Seite.

Das passt alles sehr gut aber irgendwie scheint mir der Rucksack nicht für den gekrümmten Rücken auf dem Rennrad gemacht. Hatte immer das Gefühl, dass er unschön nur auf wenigen Wirbeln und nicht auf dem vollen Rücken aufliegt. Egal wie eng oder weit ich die Gurte gezogen hatte. Ich meine, mit dem Camelbak Mule nie solche Druckgefühle gehabt zu haben.

Sinn des kleinen Einschubs: es führte mir trotz guten Willens noch einmal vor Augen, dass ich eine KB- oder auch eine APS-C-DSLR auf gar keinem Fall mit zum Rennradfahren oder zum Laufen mitnehmen möchte. Selbst für ganz spezielle Foto-Shooting-Ausfahrten eher weniger.

Am Rösper Weiher: Canon EOS 5D Mk II, leichter Aufhellblitz mit Canon 580 EX II, processing in Lightroom

Und dann wieder mal ganz entspannt mit kleinem Stativ, der Olympus OM-D und der Sony NEX-5n samt dreier Objektive im erwähnten kleinen Camelbak Mule Rucksack ebenfalls per Rennrad nach Bad Berleburg und anderswo hin und diese Kameras nutzend.

Herausgekommen sind über 1500 Aufnahmen im Oktober (die nicht alle reine Testaufnahmen waren). Das anschließende bzw. währenddessen stattgefundene ausführliche Pixelpeepen habe ich mit Notizen begleitet. Und auch nur diese Notizen möchte ich euch hier leicht aufbereitet wiedergeben. Die zu den jeweiligen Schlussfolgerungen gehörigen Fotos für eine von dritten nachzuvollziehende Form der Präsentation aufzubereiten, würde den Rahmen des von mir hierfür zu leisten wollenden Aufwandes sprengen. Dem Notizcharakter ist ebenfalls eine stenohafte und teilweise „direkte“ Sprache geschuldet.

LR Screenshot mit einem Teil der Testaufnahmen

Auf der Suche nach dem weiten Winkel:
Canon EOS 5D MkII, 17-40 mm bei 17 mm, Blendenreihe f/4.0 bis f/22
Bei f/4 im Zentrum scharf, äußerste Ecken sehr matschig. Zentrumsschärfe ist bei f/5.6 und f/8 noch einen Hauch besser als bei Anfangsblende f/4. Bei f/11 wieder gleich wie bei f/4. Und bei f/16 wird es ein klein wenig und bei f/22 merklich schlechter als bei f/4.
Ecken sind ab f/8 nicht mehr totale Matsche. Bei f/11 langsam im Bereich halbwegs ok (vor allem, wenn es nicht um Architekturaufnahmen geht) und bei f/16 ok. Bei f/22 wirkt die Diffraktion und die Qualität wird insgesamt wieder etwas schlechter.
Canon EOS 5D MkII, 17-40 mm bei 23 mm, Blendenreihe f/4.0 bis f/22
Hier gilt im Zentrum das Gleiche wie bei 17 mm. Die äußersten Ecken sind bei Offenblende bei 23 mm nicht ganz so matschig, aber immer noch extrem weich. Bereits ab f/11 aber durchaus ok (also etwa eine Blende besser als bei 17mm).
Olympus OM-D, Pana 7-14 bei 7 mm (entsprechend 14 mm KB), Blendenreihe f/4.0 bis f/22
Bei f/4 im Zentrum scharf, äußerste Ecken weich, aber bei weitem nicht so matschig und weit ins Bild reichend wie das 17-40 bei 17mm an der EOS 5D Mk II.
Zentrumsschärfe ist bei f/4 und f/5.6 gleich gut, bei f/8 fast auch, aber ab hier könnte schon die Diffraktion in nachteiliger Wirkung ganz leicht begonnen haben. F/11 deutlich abfallend gegenüber den unteren Blenden, Bild aber noch voll ok. F/16 sichtbar weich über das gesamte Bild, f/22 total weich und unbrauchbar. Bei diesem Pixelpitch des kleinen MFT-Sensors klar nicht zu gebrauchen.
Äußerste Ecken ab f/5.6 schon richtig brauchbar, ab f/8 sogar ok. Für f/11 und f/22 gilt das für das Zentrum gesagte.
Olympus OM-D, Pana 7-14 bei 9 mm (entsprechend 18 mm KB), Blendenreihe f/4.0 bis f/22
Toll, keine schlechten Ecken, nahezu komplett Randscharf und das schon bei Offenblende!
Ansonsten gilt für den gesamten Bildinhalt das für das Zentrum bei 7 mm geschriebene: Bei f/4 und f/5.6 gleich gut, bei f/8 fast auch. F/11 deutlich abfallend, aber noch ok, f/16 sichtbar weich und f/22 unbrauchbar weich.
Olympus OM-D, Pana 7-14 bei 12 mm (24 mm KB) und 14 mm (28 mm KB), Blendenreihe f/4.0 bis f/22
Toll, randscharf. Rest wie bei 9 mm.
Sony NEX-5n, Sony 16mm f/2.8 + ECU1 Weitwinkelkonverter = 12 mm (entsprechend 18 mm KB)
Blendenreihe f/2.8 bis f/22, also eine ganze Blende größere Offenblende als die beiden Vorgänger
Bereits bei f/2.8 im Zentrum gut, aber nochmal deutlich sichtbar etwas besser bei f/4.0 und f/5.6. F/8 eigentlich auch noch genau so gut. Bei f/11 wieder gaaanz leicht abfallend, ähnlich, aber vielleicht ein Hauch besser wie bei Offenblende f/2.8. F/16 dann sichtbar weich, aber noch brauchbar, 22 nochmals weicher, aber noch keine komplette Katastrophe.
Ecken sehr matschig.
Ecken werden ab f/8 halbwegs passabel, bei f/11 noch ein Ticken besser. Aber randscharf wird es nie. Bei f/16 kaum Änderung in den Ecken zu f/11, wenn, dann eher schlechter. Und bei f/22 nochmals leicht schlechter durch Diffraktion.
Auch die Ränder in den Seitenmitten sind von f/2.8 bis f/5.6 weich. Erst ab f/8 sind diese ok.
Sony NEX-5n, Sony 16mm f/2.8 (entsprechend 24 mm KB)
Blendenreihe f/2.8 bis f/22, also eine ganze Blende größere Offenblende als die beiden Vorgänger
Bereits bei f/2.8 im Zentrum gut, aber nochmal deutlich sichtbar etwas besser bei f/4.0 und f/5.6. F/8 eigentlich auch noch genau so gut. Bei f/11 wieder gaaanz leicht abfallend, ähnlich, aber vielleicht ein Hauch besser wie bei Offenblende f/2.8. F/16 dann sichtbar weich, aber noch brauchbar, 22 nochmals weicher, aber noch keine komplette Katastrophe. Insofern im Zentrum genau gleich wie mit dem Konverter. Konverter verschlechtert also im Zentrum nichts.
Ecken sehr matschig.
Ecken werden ab f/8 passabel, bei f/11 noch ein ticken besser. Insgesamt leicht doch besser als mit dem ECU1-Konverter. Aber randscharf wird es nie. Bei f/16 kaum Änderung in den Ecken zu f/11, wenn, aber eher schlechter werdend. Und bei f/22 nochmals leicht schlechter durch Diffraktion.
Auch die Ränder in den Seitenmitten sind von f/2.8 bis f/4 etwas weich; betrifft aber nur kurze Seite und nur den äußersten Rand. Ab f/5.6 ok.
Vergleiche der Kamera-Objektiv-Kombinationen untereinander:
Die EOS 5DII mit 17-40 bei 17 mm und Sony NEX-5n mit 16mm+ECU1 tun sich in den Ecken fast nichts. Beide gleich katastrophal.
Bezüglich der Jaggies, die manchmal bei der 5n auftauchen: die finden sich auch im aktuellen (wie oben erläutert, hier nicht dargestelltem) Testmotiv. Am besten sichtbar an der Dachantenne. Aber latent auch in den Dachrelingskanten, der hinteren oberen Seitenfensterkante, Rückleuchteneinfassung links und auch dem Radkasten zu erkennen. Beim Kennzeichen ist es auch sehr deutlich. Ärgerlich. Interessanterweise, wenn man drauf geeicht ist, könnte man auch der EOS einen wiiinzigen Anflug von Jaggies an der Dachantenne, aber nur dort, attestieren.
Über die Blendenreihe verhalten sich die Ecken bei beiden Kombis gleich. Hier ist keiner Kombi den Vorzug zu geben (Weitere Anmerkung zu den Jaggies, dies ist zum großen Teil auch dem Processing bzw. dem Demosaicing aus dem RAW geschuldet. Im JPG, aber auch mit anderen RAW-Prozessoren, z.B. Aperture, stellt sich die Sache teilweise anders dar. Auch z.b. durch Einschalten der Korrektur für CA in Lightroom lässt sich der Eindruck verbessern).
Wäre die Sache mit den Jaggies bei der Sony nicht, wären beide Kamera-Objektiv-Kombinationen (Sony und Canon) auch insgesamt relativ vergleichbar, mit leichtem Vorteil für die EOS 5Dii – aber das wäre nicht kaufentscheidend. Weitwinkelverdikt beider Kombinationen also: ungenügend.
Vergleich der Olympus OM-D mit Panasonic 7-14 bei 9 mm (entsprechend 18 mm KB) und Sony NEX-5n mit 16mm+ECU1. Wie vor mit der EOS: die Oly ist mit dem Pana bis zum Rand scharf, die Sony verhält sich wie die EOS. Klarer Punktsieg für die Oly-Kombo. Von der Textur erscheinen bei diesem Motiv (Balkonausblick bei bewölktem Himmel) beide 16 MP Sensoren ähnlich. Insgesamt erscheint die Oly bereits im RAW schärfer abgestimmt. Das war zumindest mein Eindruck; dass es von der Abstimmung bzw. einem weniger starken Antialiasing-Filter oder anderer Faktoren und nicht der (Zentrums-)Schärfe der Objektive abhängt. Aber auch hier: Vorteil für das Olympus-Panasonic-Gespann. Jaggies weisst diese auch nicht auf.
Übrigens, die Canon EOS 7D mit dem EF-S 10-22 ist ein starker Mitbewerber; diese Kombo ist nahe an der Olympus mit dem Panasonic in Bezug auf Randschärfe.
Olympus OM-D EM-5 mit adaptiertem Leitz-Wetzlar Elmar-C 90mm

Olympus OM-D EM-5 mit adaptiertem Leitz-Wetzlar Elmar-C 90mm

Schlossparktests Bad Berleburg

Olympus OM-D Vergleich EF 17-40 @ 20 mm zum Oly 12-50
EF 17-40 im Zentrum Hauch schärfer. Wärmer. Mehr Mikrokontrast. Ecken: EF 17-40 besser, 12-50 zeigt leichten Abfall.
Hatte mit dem 12-50 auch mal sowohl manuell als auch mit AF (selber Zielpunkt) fokussiert und mir erscheint die manuelle Fokussierung einen Hauch treffsicherer und schärfer.

Sony NEX-5n Vergleich EF 17-40 @ 27 zum Sony 18-55
EF 17-40 insgesamt gleich scharf bis Hauch schärfer. Sony 18-55 fällt an den Ecken nicht ab wie das Oly 12-50, ist aber im Randbereich auch etwas schwächer wie das EF 17-40. Auch gegenüber dem Sony 18-55 zeigt das EF 17-40 mehr Mikrokontrast (sichtbar z.b. im Laub des Baums vor dem Turm, im Gras in der Böschung oder dem Lattenzaun oben auf der Schlossmauer – auch hier wieder gemäß obiger Erläuterung ohne Darstellung der entsprechenden Aufnahmen).
Auch mit der Sony und dem 18-55 habe ich sowohl manuell als auch mit AF im Vergleich fokussiert. Beide exakt gleich treffsicher. Vorteil NEX.

Vergleich Oly OM-D mit Oly 12-50 vs Sony NEX mit Sony 18-55:
Im direkten Vergleich der Kitzooms fällt ein Ranking schwer. Bildmitte scheinen von der Schärfeleistung beide gleichauf. Vielleicht Sony einen Hauch Vorteil. Allenfalls bei der Grastextur in der Böschung (schwach) und beim Zaun (deutlicher) deutlicherer Vorteil für das Sony. In den Ecken Vorteil für das Sony.

Leitz Wetzlar Elmar-C 1:4/90 vs. Mamiya Sekor C 80mm
Hier fand ich das Fokussieren auch aus der Hand mit dem stabilisierten Liveview an der OM-D toll, musste jedoch feststellen, dass ich dann doch nicht den richtigen Schärfepunkt getroffen hatte. Und zwar deutlich. Die ersten beiden Aufnahmen waren aus der Hand mit IS (unverwackelt, aber halt unscharf). Die nächsten dann vom Stativ und hier stellte ich fest, dass ich nachfokussieren musste. Also ein gutes Feature (denn ohne stabilisierten Bildausschnitt wäre es noch viel schlechter), welches aber dennoch Übung verlangt. Da sind mir Aufnahmen vom Stativ doch wesentlich lieber.

Vom Stativ ist das Leica 90 mm toll, muss sich jedoch dem nochmal besseren (aber leider auch größerem, immerhin ist es ein Mittelformatobjektiv) Mamiya 80 mm geschlagen geben. Das ist randscharf, während das Leica abseits des Zentrums im Vergleich zur Mitte doch einen leichten Abfall zeigt.

Vergleich Zentrum und Rand - Leitz Wetzlar Elmar-C 1:4/90 und Mamiya Sekor C 80mm, beide an der Olympus OM-D EM-5

Vergleich Zentrum und Rand – Leitz Wetzlar Elmar-C 1:4/90 und Mamiya Sekor C 80mm, beide an der Olympus OM-D EM-5

Schloss vom Waldrand aus: Olympus mit Olympus M.Zuiko 12-50 mm und Sony mit Sony 18-55 mm
Kein Vergleich, das Oly 12-50 ist einfach klar schlechter als das Sony 18-55. Punkt. Trotz sorgfältigster Fokussierung (AF mit Lupenkontrolle) ist das Ergebnis des 12-50 unbefriedigend! (Nachtrag 30.12.: Ohne definitive Tests, einfach aus den bisher gemachten Aufnahmen drängt sich in mir die Vermutung auf, dass das 12-50 auf nahe bis mittlere Entfernungen ganz passabel ist, auf längere Fokusdistanzen aber ziemlich stark abfällt – dies würde auch unabhängig von Serienstreuungen die unterschiedlichen Meinungen – mit dem Schwerpunkt, dass das 12-50 eher schlecht ist – im Netz erklären helfen).

Weil mir das Motiv so gefiel, bin ich an einem anderen Tag (und besserer Tageszeit) noch einmal extra mit dem Rennrad hingefahren. Im Gepäck dann neben der OM-D auch das Mamiya 80 mm:

Berleburger Schloss im goldenen Oktober (Olympus OM-D E-M5 mit Mamiya Sekor C 80 mm)

Berleburger Schloss im goldenen Oktober (Olympus OM-D E-M5 mit Mamiya Sekor C 80 mm)

Butter bei die Fische: Rauschverhalten in der Dämmerung, Sensorreserven

Sparkasse, Dämmerung, jeweils Canon EF 17-40 L @ 20, 28, 40mm mit allen Kameras adaptiert (MFT, NEX, EOS KB), fokussiert jeweils auf Sparkassen-Leuchtschrift über deren Eingang.

Von der Schärfe her alle drei ungefähr gleich auf, keine Beschwerden hier. Alle schön scharf.

Rauschverhalten auch ungefähr gleich, Donnerwetter!

Dann, bei zunehmender Dunkelheit, Test mit ISO 100 (ISO 200 für die Oly) bei Langzeitaufnahme. 30 Sek für EOS 5Dii und Sony NEX, 15 Sek für Oly.
Donnerwetter – EOS 5Dii und Oly liegen gleichauf, sogar mit Hauch Vorteil für die Oly! Die war allerdings mit Langzeit-Darkframe-Einstellung unterwegs (d.h. nach jedem Foto nochmal so lange Darkframe für Rauschunterdrückung. Schärfe schien aber nicht zu leiden).
Im Vorteil gegenüber beiden: Die Sony NEX.

Bei ISO 800: Vorteil für EOS 5Dii. Deutlich vor der Oly, Knapp vor bis gleichauf mit der Sony (je nachdem, wo im Bild ich geschaut habe). Aber soo schlecht ist der Olysensor nicht, der ist sehr sehr nah dran.

Bei ISO 1600: irgendwie alle gleich auf. Choose your Poison. Hier mal vielleicht anderes Rauschverhalten, mal gröber, mal feiner in der Struktur – aber insgesamt von der Wirkung her bei allen gleich schwerwiegend und abschreckend auf 100%. Für eine Webverkleinerung taugen sie allemal, aber gut ist das nicht mehr (Hier spricht deutlich der Qualitätsfanatiker – viele Andere würden allen drei Kameras tolles Rauschverhalten attestieren).

ISO 100 Langzeitbelichtung partiell mit Belichtungspinsel 1 Blende aufgehellt:
Interessant: EOS 5Dii und Olympus OM-D verhalten sich ziemlich gleichauf. Bei beiden ok, bzw. im Himmel und auf der geschieferten Dachfläche nicht wirklich ok. Es wird halt heller, gleiches Rauschmuster bleibt weitgehend bestehen (bei der EOS hatte ich das Gefühl, dass im Himmel schon leichtes Banding erscheinen möchte).
Die NEX hingegen… da zeigen sich in der geschieferten Dachfläche plötzlich die Schieferstrukturen. Jepp, der Sensor ist den beiden anderen in dieser Hinsicht überlegen. Ganz vorne also NEX (APS-C), dann mit etwas Abstand Olympus OM-D (MFT) und dann erst die Canon EOS MkII (KB-Vollformat – und weiss Gott kein schlechter Sensor).

Verdikt:

Mit der Olympus OM-D bzw. deren Sensor ist MFT erwachsen geworden. Damit kann man sehr gut arbeiten. Kein Vergleich zu den im Frühjahr getesteten MFT-Kameras /-Sensoren einschließlich dem ebenfalls nominell 16 MPixel bietenden Sensor der Panasonic GX1. Wenn es allerdings um Manipulationsmöglichkeiten in Schattenarealen bzw. um Langzeitbelichtungen geht, muss er sich dennoch dem Sensor der Sony NEX-5n geschlagen geben. Nicht jedoch dem der EOS 5D Mark II. Und das finde ich doch mal eine sehr reife Leistung.

Die 5D Mark II ist natürlich dennoch im Bereich der Detailauflösung und der Gesamtqualität noch vor der Olympus OM-D. Gemessen an ihren sonstigen Eigenschaften und auch den Ergebnissen mit den nicht gerade schlechten Canon-L-Objektiven in meinem Besitz schwindet der Vorteil gegenüber der Olympus OM-D mit den auch ganz absolut gesehenen Schätzen an Objektiven wie dem Panasonic Lumix 7-14 mmm oder dem M.Zuiko 45mm f/1.8 sehr schnell. Und bezieht man erst den Gewichts- und Größenvorteil mit ein, gerät die EOS 5D II, aber auch andere DSLRs, stark ins Hintertreffen.

Natürlich ist auch bei der Olympus OM-D nicht alles eitel Sonnenschein. Irgendwas ist ja immer (TM).

Daher hier eine Pro- und Contra-Liste zur OM-D (insgesamt und in Vergleich zur Sony NEX):

  • (+) EVF (elektronischer Sucher)
  • (+) Schwenkdisplay
  • (+) Remote-Auslöser per Kabel anschliesbar (sehr wichtig für mich, habe hier gerade einige Pixel Pawn Funk-Kamera und -Blitzauslöser getestet. Super Sache)
  • (-) Dafür keinen eingebauten Infrarot-Auslöser (aber Funkauslösung über Remote-Anschluss ohnehin zuverlässiger)
  • (+) jede Menge Zubehör, auch Blitze usw. verfügbar (ein wesentlich erwachseneres System als beispielsweise das Sony NEX-System)
  • (+) viele verschiedene Objektive (Zooms wie Festbrennweiten), teils in hervorragender Qualität verfügbar
  • (-) Sony Kitzoom 18-55 wesentlich besser als Oly Kitzoom 12-50
  • (+) Das 7-14 mm ist toll. Alleine das wäre schon ein trefflicher Anschaffungsgrund. (aber es ist auch sehr flare-empfindlich, wenn die Sonne im Bild ist)
  • (+) Tap to Focus und Shoot (ein Merkmal des toll ansprechenden Touchscreens der OM-D)
  • (-) Die kleinen Tasten und Knöpfe am Rückteil der OM-D sind schon enorm diffizil zu drücken. Andere Kameras haben auch kleine Tasten und Bedienelemente, sind aber, da nicht gegenseitig zugebaut, besser erreich- und bedienbar.
  • (+) bis zu 60″ Belichtungszeit einstellbar (anstelle nur bis zu 30″ wie bei sonst allen Kameras, die ich kenne)
  • (+) nicht nur bulb, sondern auch „live time“ : Einmal Auslöser startet Belichtung, nochmal Auslöser beendet sie wieder. Dazwischen wird die vergangene Zeit auf dem Display angezeigt und auch die zunehmende Bildbelichtung wird in Intervallen auf dem Display angzeigt – genial!
  • (+) Einschaltzeit quasi „Instant“
  • (-) in homogenen gräulichen Flächen (ferner Wald ohne Details im Dunst z.B.) offenbart die Oly in LR-Standard-Schärfung ein zwar schwaches, aber merkbares Rauschmuster, das z.b. die NEX-5n nicht zeigt. Himmelsblau ist gleich bzw. ok.
    • Mögliche Anpassung: „Once I got OMD, I removed sharpening in LR from default 25 to 0. Images are sharp enough and are smoother this way.“
      –> Verschiedene Einstellungen ausprobiert. Schwanke zwischen:
      – Einfach einen etwa halbierten Schärfebetrag auszwählen: LR – Schärfen B 12 – R 1,0 – D 25
      – oder bei gleichbleibenden Betrag und Radius einfach die Details von 25 auf 0 zu setzen. Nahezu ähnliches Ergebnis, vielleicht Hauch glatter – aber ein bisschen Grundrauschen ist als Basis nie verkehrt (Stichwort glatte Farbverläufe und Posterisierung, sowie lebende, nicht artifizielle Textur)
      – wenn’s Glatt bei nach wie vor super Schärfe sein soll, dann z.B. Schärfen Standard (25 1,0 25) und Rauschreduzierung Luminanz 16
      oder auch Rauschreduzierung Luminanz 25 und Details auf 100.Ziehe ich eine anschließende Photoshop-Schärfung in Betracht (Unscharf Maskieren Stärke 151, Radius 0,3, Schwellenwert 1), dann kommt letzteres Knackscharf und ohne Rauschen rüber: LR Standardschärfung (25 1,0 25) und Rauschreduzierung Luminanz 25 und Details auf 100.also in LR:
      – normal Einfach einen etwa halbierten Schärfebetrag auszwählen: LR – Schärfen B 12 – R 1,0 – D 25
      – wenn’s Glatt bei nach wie vor super Schärfe sein soll, dann Schärfen Standard (25 1,0 25) und Rauschreduzierung Luminanz 25 und Details auf 100.
  • (-) Stativgewinde nicht in Objektivachse
  • (+) Klappen für Akku und Speicherkarte getrennt und solide einrastend.
  • (-) bei Zeiten um 1/80, 1/100, 1/125 öfters leichte Doppelkonturen (eher nur in Form von leichten Unschärfen erkennbar), wenn Nutzung des Bildstabilisators (IS). Der ist aber bei z.B. Verwendung des 45mm auch bei diesen Zeiten angeraten und sollte funktionieren. Bei 1/20 oder 1/25 tut er es mit selbem Objektiv ja auch.
    Ein IS, bei dem man die Belichtungszeiten im Auge haben muss und je nachdem an oder ausschalten muss, ist nicht nur immens nervig, sondern kostet auch wertvolle, unwiederbringliche Aufnahmemomente.
    Ergänzung: Möglicherweise hängt es eher mit Verschlusserschütterung zusammen: siehe hier: Micro 4/3 Shutter Shock Revisited [OMD-EM-5]
    Hach, irgend etwas ist ja immer… Nun braucht man sich bei spiegellosen Systemen keine Sorge um Spiegelschlag bei kritischen Zeiten und Brennweiten zu machen und dann halt Spiegelvorauslösung zu wählen (nur vom Stativ aus sinnvoll), jetzt muss man bei bestimmten Kameras anscheinend auf solche Nachteile achten. Aber ganz augenscheinlich habe ich eine passable Lösung gefunden: Antishock-Einstellung auf 1/8 Sekunde einstellen und nutzen. A pro pos Antishock:
  • (+) Über Spezialmenü E, Einstellung „Anti-Shock“ kann man die Selbstauslösezeit (wenn auch etwas umständlich) noch etwas weiter anpassen und verlängern. Von 0,5 bis 30 Sekunden zusätzlich zur Direktauslösung, zu den 2 oder zu den 12 Sekunden Selbstauslösezeit.
  • (+) umfangreichst konfigurierbar
Olympus OM-D EM-5 mit Lumix 7-14mm f4.0 auf Stativ

Olympus OM-D EM-5 mit Lumix 7-14mm f4.0 auf Stativ

In der Summe aller Punkte bin ich von der kleinen Olympus OM-D sehr angetan und es macht viel Spaß mit ihr zu Fotografieren. Und das ist ja die Hauptsache. Dem NEX-System werde ich nicht gänzlich abtrünnig werden. Die Sensoren sind Klasse und einen Nachfolger der NEX 7 werde ich mir aufmerksam ansehen. Idealerweise hätte er zusätzlich zum EVF dann auch ein Touchdisplay sowie einen Anschluss-Stecker für Remote-Auslöser. Sonys Weitwinkelzoom SEL 10-18mm F4 OSS scheint, jetzt wo aussagekräftigere Bildbeispiele verfügbar werden, ganz ansprechend gelungen zu sein, wenn auch nicht ganz die Liga des exzellenten Panasonic 7-14mm erreichend. Mal sehen, was die angekündigten Zeiss-Festbrennweiten im nächsten Jahr für das NEX-System bringen werden.

Dann wiederum – die Olympus OM-D ist die klar erwachsenere Kamera im Vergleich zur Sony NEX-5n. Nicht ganz so taschentauglich, aber auf jeden Fall ganz ähnlich leicht zu tragen. Auch ist die Objektivauswahl, was exzellente „High Grade“ Optiken angeht, deutlich besser im MFT-System. Nach allem, was man so sehen und lesen kann, sind das Olympus 60mm Makro und das 75mm f/1.8 absolut Topklasse-Objektive. Auch die neuen Panasonic Zooms 12-35 mm f/2.8 und 35-100 mm f/2.8 scheinen sich hinter den jeweiligen KB-Format Profi-Pendants nicht verstecken zu müssen. Gute Zeiten!

Zum Abschluss noch einige Fotos (Draufklicken führt zur entsprechenden Flickr-Seite mit weiteren Infos):

Halbmond (OM-D + EF 300 f4 + Ex 2x)

Sonnenuntergang über bewaldeten Höhen (OM-D + EF 70-200 f2.8)

Ederwehr Alter Arfelder Hammer (OM-D + M.Zuiko 45 f1.8)

Looking back (OM-D + M.Zuiko 45 f1.8)

Goldener Herbst am Stünzelplatz (OM-D + Lumix G Vario 7-14 f4)

SGNL’s First Hands On zur kommenden Sony NEX-6 und den neuen E-Mount Objektiven

Fotografie

Hier ein kurzes Video zur Vorstellung der Sony NEX-6 samt des neuen Power Zooms 16-50mm f/3.5-5.6, welches auf der Photokina vom Handling und von der Haptik bereits einen guten Eindruck auf mich machte. Bin sehr auf die finale Bildqualität dieses Objektivs gespannt.

Die NEX-6 samt dem Powerzoom soll im November auf den Markt kommen.

Weiters werden auch das im November verfügbar sein werdende 10-18mm f/4 Zoom und die im Dezember kommende Festbrennweite 35mm f/1.8 kurz gezeigt.

(Video: SGNL(TM) by Sony, http://www.youtube.com/user/sgnl?feature=watch)

Und, habe ich das hier richtig verstanden? Da nuschelt er ein wenig. Sagt er bei Minute 3:02 tatsächlich „Time-Lapse Photography“ die dann „later this year“ als App hinzugefügt werden soll!? Yay! Dass ich das noch erleben darf…

Wow, damit wäre endlich meine Selbstauslöserkritik hinfällig. Selbst bei nur rudimentärester Implementation eines Timelapsefeatures könnte die Kamera meinetwegen vor sich hin fotografieren, während ich mich bei der Outdooraktivität meiner Wahl in Position bringe und dann im vorgesehenen Bildausschnitt „performe“. Egal, ob ich dafür 10, 20 oder 320 Sekunden brauche. Dann wären zwar im Anschluss die Fotos bis dahin zu löschen, das wäre aber verschmerzbar. Und vielleicht sind die Entwickler ja auch so vernünftig, und spendieren eine Startverzögerungsfunktion.

Canon EOS M mit EF-M 22 mm Objektiv (Foto: Pressefoto Canon)

Neuvorstellung der Canon EOS M. Canon kann jetzt auch „spiegellos“.

Fotografie

Canon EOS M mit EF-M 22 mm Objektiv (Foto: Pressefoto Canon)

Was schon länger antizipiert war und durch erste Fotos am letzten Wochenende durchsickerte, wurde heute nun offiziell durch Pressemeldungen von Canon bestätigt:

Canon tritt (mit großem Abstand) als letzter großer Kamerahersteller dem Reigen der spiegellosen Systemkameras bei. Über diese sehr interessante Kamerakategorie (oft auch englisch als Mirrorless, oder als EVIL – electronic viewfinder interchangeble lenses oder CSC – compact system camera, bezeichnet) habe ich an diversen anderen Stellen bereits berichtet (hier zum Beispiel: Was ist eine Systemkamera und was habe ich davon).

Es ist die neue EOS M.

M steht augenscheinlich für mirrorless, also spiegellos. Und die Vorsilbe EOS zeigt die Zugehörigkeit zum mittlerweile seit 25 Jahren erfolgreichen EOS-System an. Und das ist meines Erachtens, zusammen mit der Sensorgröße im Format APS-C, die beste Nachricht an dieser Neuvorstellung. Zugehörigkeit zum EOS-System bedeutet, dass Canon hier eine Erweiterung des EOS-Systems aufzeigt, dass eine gewisse Grundqualität der erzielbaren Ergebnisse zu erwarten ist und dass diese Kamera tatsächlich eine _System_ Kamera ist.

Die Spezifikationen:

  • Spiegellose Systemkamera
  • APS-C-Sensor (Hybrid CMOS) mit 18 Megapixeln
  • Formatfaktor 1,6 gegenüber Kleinbild
  • 14 bit DIGIC 5 Bildprozessor
  • Hybrid-Autofokus; Phasendetektion und Kontrast
  • Kontinuierlicher Autofokus im Film-Modus mit Objektverfolgung
  • ISO 100-12.800.; erweitert bis ISO 25.600
  • 4.3 Bilder pro Sekunde Serienaufnahme, 3 Bilder pro Sekunde mit Autofokus Tracking
  • Display 7,7 cm (3,0 Zoll), 1040k Bildpunkte 3:2 Berührungssensitives ClearView II LCD (Kapazitativ, Multi-touch fähig)
  • Filmaufnahmen mit max. 1.920×1.080 (29,97, 25, 23,976 B/s)
  • Anschlussmöglichkeit für externes Mikrofon und einstellbarer Aufnahmepegel
  • Wechselobjektive mit EF-M-Bajonett
  • Standard-EOS-Blitzschuh für externe Blitzgeräte (kein eingebauter Blitz)
  • Adapter für EF- und EF-S-Objektive als Zubehör
  • Kitpreis 849 Euro; inkl. EF-M 3,5-5,6/18-55 mm IS STM und Speedlite 90EX
  • Erhältlich ab September 2012

Augenscheinlich handelt es sich um mehr oder weniger das Featureset bzw. dem Sensor der ebenfalls vor kurzem vorgestellten EOS 650D, einer klassischen DSLR.

Von den Äusserlichkeiten weckt diese Kamera schon mal mein Interesse. Auch, wenn die Presseerklärung in typischer Marketingsprache die Zielorientierung Canons auf die Käuferschicht der Soccer-Mums, der Ebay- und Pinterest-Knipser und generell Kompaktkamera-Aufsteiger erkennen lässt und wenn die geringe Anzahl von Bedienelementen an der Kamera diesen Eindruck unterstreichen zu scheint. Aber letzteres scheint durch ein sehr gutes Touch-Display und die Menüführung gelindert und vor allen Dingen scheint die EOS-M eines:

Kompakt, kompakt, kompakt!

Wer etwas Leichtes, aber Großes mit Sucher und Co möchte (und vielleicht sogar seine EF-Objektive weitestgehend normal, also ohne Adapter, weiterverwenden möchte, der kann das jetzt schon haben: Einfach die günstigste 4stellige oder auch 3stellige EOS hernehmen und schon hat man was Leichtes.

Wer etwas klassisches, ziegelartiges mit Renomee braucht, womit er sich um den Hals baumelnd cool fühlen kann (solche Kameras brauchen eine gewisse Größe, damit der zu beeindruckende Passant oder Cafeteria-Besucher das auch vom Nachbartisch mitbekommt), der kann sich eine Leica M9 oder wenn das Geld nicht reicht, eine Fuji X-Pro 1 holen (der Fairness halber sei angemerkt, dass es schon noch Menschen gibt, die einfach über sehr große Hände verfügen, oder die einen klassischen Look und Haptik bevorzugen und dabei über Gehäusegröße oder anderen Eigenschaften und Funktionalitäten hinwegsehen).

Wer aber eine Systemkamera will, weil er möglichst hohe Bildqualität und Flexibilität durch Objektivwechsel und Systemeinbindung will, aber halt weder schwer noch voluminös tragen will oder kann, für den sieht die neue Canon EOS-M schon mal ganz gut aus:
– kein gehäusevergrößernder Sucher
– Kameragehäuse ragt kaum oben über das Bajonett heraus.
– schön flaches und taschentaugliches Gehäuse
– ein Pancake-Objektiv

Weiterhin trägt sie einen normalen Blitzschuh. Also schon mal gut, wenn man alle möglichen Blitze und externes Zubehör verwenden kann.

Auf der anderen Seite: Ist dieser erste Aufschlag (ich hoffe, es ist ein erster Aufschlag und diese Familie wird recht bald Zuwachs erhalten) überzeugend genug, um Fotografen, die z.B. schon in Sonys NEX System investiert sind, herüber zu locken?

Denn zunächst mal scheint die Ähnlichkeit in weiten Teilen frappierend, schaut man sich z.B. das Design der beiden neuen Objektive für das M-Bajonett, das EF-M22mm f/2 STM und das EF-M18-55mm f/3.5-5.6 IS STM an. Letzteres scheint mir nahezu identisch in den Ausmaßen des Sony E 18-55mm F3.5-5.6 OSS zu sein.

Das ist auch nicht weiter verwunderlich: beide Systeme verwenden APS-C große Sensoren und beide Systeme haben ein Auflagemaß von 18mm. Dabei ist zu beachten, dass der Verlängerungsfaktor in Bezug auf Kleinbildformat bei Sony 1,5 und bei Canon 1,6 beträgt.

Von den Abmessungen und zum derzeitigen Punkt von den erst nur zwei verfügbaren neuen EF-M Objektiven gäbe es jetzt also keinen Grund, sofort von Sony NEX auf Canon EOS-M zu wechseln. Nicht zuletzt, da man mit dem NEX-System sehr zufrieden sein kann. Und bei allen Verbesserungswünschen, die noch gehegt werden, muss Canon erst mal zeigen, dass sie im EOS M System besser, schneller oder überhaupt aufgegriffen oder geboten werden.

Nun denn, es ist zwar leider mehr als schlechte Angewohnheit in Internetforen schon nach der ersten Vorstellung von Spezifikationen bereits alles besser zu wissen und schon die Forderungen nach der nächsten Generation zu stellen, aber hier möchte ich ausnahmsweise einmal vorsichtig mit einstimmen. Und zwar mit gewisser Berechtigung, denn mit der neuen EOS-M hat Canon mitnichten ein neues Segment geschaffen, noch haben sie ein bestehendes Produkt weiterentwickelt, so dass man erst mal mit den neuen, erweiterten Fähigkeiten zufrieden sein könne (oder eben nicht, und sich dann nicht für einen Neukauf oder ein Upgrade überzeugen zu lassen).

Nein, hier ist Canon als letzter der Major-Player in ein bereits seit Jahren bestehendes Segment, dem der spiegellosen Systemkameras eingetreten. Und während dieser erste Schritt in den Grundlagen überaus überzeugend ist – APS-C großer Sensor, Systemintegration in die EOS-Familie wären die Hauptpunkte – fehlen doch einige wesentliche Fähigkeiten bzw. Merkmale über das bloße Minimum einer digitalen Kamera hinaus. Fähigkeiten, die bei anderen Herstellern in schöner Regelmäßigkeit zum Paket dazu gehören.

Da wäre zum einen ein wenigstens Klapp- wenn nicht gar ein schwenkbares Display. Das man in einem sehr kompakten Gehäuse mit APS-C Sensor auch einen integrierten elektronischen Sucher untergebracht bekommt, zeigt Sony mit der NEX-7.
Und während der ebenfalls heute vorgestellte Adapter für EF- und EF-S-Objektive eine hochwillkommene Sache ist, werden dringend weitere native EF-M Objektive benötigt.

Entscheidend für den Markterfolg / bzw. für den Erfolg bei mir wird sein:

  • Wie gut sind die beiden EF-M-Objektive?
  • Wie schnell wird es Adapter für Legacy-Lenses von Drittherstellern geben?
  • Wie schnell wird Canon weitere Objektive für das EF-M-Bajonett vorstellen? Oder wollen sie sich auf der Adapterlösung ausruhen?
  • Wird es mehr Pancakes geben?
  • Wann wird es weitere Gehäuse mit M-Bajonett geben, die mehr Funktionen bieten (dabei aber nicht größer werden sollten).

Zudem muss für dieses Gehäuse der Kit-Preis deutlich nach unten gehen.

Alles in allem: wird Canon wieder als Innovator auftreten? Hierzu müssten Sie noch jede Menge aufholen. Was ist z.B. mit der überfälligen Integration von Smartphone oder besser Cloud-Funktionaliät mit der Kamera? Wann wird es so selbstverständlich sein, wie es jetzt schon auf iPhone und Co ist (dort über diverseste Apps realisiert), dass ich zum Beispiel Zeitrafferaufnahmen unterschiedlichster Art konfigurieren und erzeugen kann? Oder die Kamera über mein Smartphone steuern kann? Und viele weitere Sachen mehr?

Verfügt die EOS M über einen Fernauslöseranschluss? Eine Systemkamera muss man fernsteuern können. Ob per Wifi-Modul, Infrarot und/oder Kabel (letzteres bevorzugt, da man so Drittherstellerlösungen einfach anwenden kann).

Aber ansonsten? Schaut nach einem guten Einstieg von Canon aus. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Weitere Links:

Pressetext Canon Deutschland

First Look Preview auf DPReview

Erste Beispielbilder und Filme Canon Japan

Ein Hands-On Video von DigitalCameraWorld

Welche Systemkamera darf es denn sein? Teil 2: MicroFourThirds oder Sony NEX – wer macht das Rennen?

Fotografie, Produkttests

Im Teil 1 habe ich im Vergleich zu digitalen Kompakt- und Spiegelreflexkameras das Konzept der Systemkameras, also kompakter Digitalkameras ohne Klappspiegel, aber mit Wechselobjektiven, vorgestellt.

Und ich habe einige Vorteile und Möglichkeiten der Systemkameras herausgestellt. Der mir dabei wichtigste ist der Aspekt der Kompaktheit.

Mit spitzer Zunge gesagt: Systemkameras sind für mich nicht der neueste Schrei, der SLR-müden Internetforen-„Fotografen“ ein neues Spielzeug gibt und Gelegenheit zum Zurschaustellen cooler, leica-ähnlicher und retrogestylter Möchtegern-Messsucherkameras bereitet. Nein, Systemkameras sollen bei mir den Vorteil ihrer möglichen Kompaktheit zur Gänze ausspielen. Meine Canon DSLR-Ausrüstung ist hervorragend, danke Canon. Sie könnte gerne etwas leichter und kompakter sein – aber die erreichbare Bildqualität und das Arbeiten mit ihr ist ein Genuss (Raum für Verbesserungen gibt es natürlich überall, so auch hier ;-)). Ich brauche nichts Neues, nur um des Neuen willen. Oder weil es nur ein klein wenig kompakter ist. Und vielleicht noch von einem Hersteller, der erst noch richtig lernen muss, wie eine Fotokamera für Fotografen zu bedienen sein muss.

Ich brauche etwas, was dahin kann, wo eine klassische DSLR nicht hin kann. In die Jacken- oder Trikottasche nämlich. Und auf diese Weise dahin, wo man eine große DSLR oder große Fototasche nicht mit hinnehmen darf oder nicht mit hinnehmen will. Zum Beispiel: auf mein Rennrad.

Aber dabei soll die Kamera trotzdem alle Funktionen bieten, die ich brauche und in der Bildqualität gegenüber meiner DSLR (derzeit eine Canon EOS 7D) möglichst wenig oder besser gar keine Kompromisse erforderlich machen.

Mit diesen Vorraussetzungen, hier sind die Wettbewerber:

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Die Kompaktkamera Canon Powershot S95. Meine bisherige Lösung für unterwegs bzw. auf dem Rennrad. Sie gilt es deutlich zu schlagen, sonst brauche ich mir den Mehraufwand nicht anzutun. Die Canon S95 ist dabei schon eine der besten digitalen Kompakten und bietet darüber hinaus auch meine Minimalanforderungen, nämlich fotografieren im RAW-Format und Blendenvorwahlprogramm Av bzw. Ae.

Für Micro Four Thirds stehen im Ring:

Die Panasonic Lumix GF2 und GF3. Beide haben (im Grunde?) den gleichen 12 MP Sensor, beide sind schön kompakt. Dabei ist die GF3 das neuere, nochmals etwas abgerundete Modell. Dies wirkt sich aber nicht auf die wesentlichen Maße, vorwiegend die Gehäusedicke, aus.

Die Olympus PEN E-PL3. Auch sie hat einen (vermutlich den gleichen?) 12 MP Sensor wie die GF2 und GF3.

Die neue Panasonic Lumix DMC-GX1. Sie besitzt den gleichen Formfaktor wie die GF2, bietet aber deutlich mehr manuelle Kontrollen, darüber hinaus auch wieder einen Anschluss für einen Kabelfernauslöser und hat einen neuen, 16 MP auflösenden Sensor.

Diese Kameras wurden mit den folgenden drei (bzw. vier) Objektiven getestet: Panasonic 14mm/2.5 Pancake, Panasonic 20mm/1.7 Pancake, Lumix G X Vario PZ 14-42mm F3.5-5.6 OIS Pancake und Olympus M.Zuiko Digital 14-42mm 1:3.5-5.6 II R.

Das Sony NEX System wird vertreten durch:

Die Sony Alpha NEX-5n. Sie besitzt einen Sony-eigenen 16 MP Sensor. Getestet wurde sie für Vergleichszwecke vorrangig mit dem Zoomobjektiv Sony E 18-55mm F3.5-5.6 OSS.

Meine Eindrücke und Bewertung:

Im Folgenden findet Ihr weder tiefgreifende Reviews jeder einzelnen Kamera noch detaillierte und akribisch beschriebene Labortests. Dafür gibt es andere Dienste oder Webseiten (z.B. DPReview.com. Entsprechende Links habe ich jeder Kamera und jedem Objektiv oben zugeordnet). Ich schildere lediglich meine Eindrücke bzw. hebe hervor, was mir (natürlich insbesondere im Hinblick auf die geplanten Einsatzzwecke) persönlich aufgefallen ist oder wichtig erscheint.

Das Handling der Kameras in Kürze:

Canon Powershot S95:

Mit der Canon S95 kommt man nach etwas Testen gut zurecht, sie hat eine angenehme Bedienung.

Was besonders toll ist: Einstellmöglichkeit über Objektivring; großes, gut auflösendes Display; ihre besondere Kompaktheit; umfangreich einstellbarer Selbstauslöser

Was vorrangig fehlt: frei verschiebbares Fokusfeld für den Autofokus (nur zentral möglich – also immer Focus und recompose erforderlich)

Was schön wäre: Anschluss für Fernauslöser;  Kipp- oder Schwenkdisplay; Focuspeaking; Anschluss für externen Blitz

Panasonic Lumix GF2 und GF3:

Mit den Panasonics kommt man sofort zurecht, sie haben eine angenehme Bedienung und besonders die GF3 ist fast schon ein Handschmeichler.

Was besonders toll ist: Touchscreen, Bedienung wirft einem keine Stöcke zwischen die Beine

Was vorrangig fehlt: umfangreich einstellbarer Selbstauslöser, Anschluss für Fernauslöser.

 Was schön wäre: Kipp- oder Schwenkdisplay, Focuspeaking, Blitzbelichtungskorrektur Was schön wäre GF3: Anschluss für externen Blitz (den hat nur die GF2)

Olympus PEN E-PL3:

Mit der Olympus PEN E-PL 3 kommt man sofort zurecht; gute Bedienung. Der Blick in das Menü verwirrt zunächst und Bedarf vertiefter Beschäftigung, offenbart dann jedoch eine außergewöhnlich umfangreiche Anpassbarkeit vieler Funktionen. Die Haptik ist unvorteilhaft sowohl beim Fotografieren aus der Hand als auch vom Stativ; es fehlt einfach ein kleines Widerlager in Form einer kleines Griffs oder einer Griffleiste vorn an der Kamera. Nicht nur fehlt dieser, sondern die Oberfläche ist dort auch recht glatt – das ergibt ein eher prekäres Gefühl in manchen Situationen.

Was besonders toll ist: viele Bedienmöglichkeiten

Was vorrangig fehlt: umfangreich einstellbarer Selbstauslöser (wenn auch etwas besser als die anderen mFTs durch zusätzlich wähl- und einstellbare Verschlussvorauslösung)

Was schön wäre: größeres, bzw. besser ausgenutztes Display; höher auflösendes Display; Touchdisplay; Focuspeaking; PAL-Format bzw. Bildwiederholfrequenzen bei Videoaufnahme; Lagesensor (völlig unverständlich; fühle mich um Jahre, wenn nicht Jahrzehnte zurückversetzt. Hochformataufnahmen müssen manuell gedreht werden!); besserer Bildstabilisator.

Panasonic Lumix GX-1:

Mit der Panasonic Lumix GX-1 kommt man sofort zurecht, gute Bedienung, sehr handlich

Was besonders toll ist: viele Bedienmöglichkeiten; Touchdisplay; griffig; solider Ein-Aus-Schalter; elektronische Wasserwaage; Stativgewinde zentrisch in Objektivachse und so angeordnet, das auch mit montierter MiniConnect-Kupplung Batterie- und Kartenslotfach zugänglich bleibt.

Was vorrangig fehlt: umfangreich einstellbarer Selbstauslöser; Display in der Wiedergabe als Schärfekontrolle nutzbar (das ist in der Wiedergabe bei Vergrößerungsstufen unerklärlich soft. Kein Vergleich zur Schärfedarstellung mittels Sucherlupe während manuellem Scharfstellen – das zeigt, dass das Display dazu in der Lage wäre. Warum geht es also in der Bildwiedergabe nicht?)

Was schön wäre: Focuspeaking; eine leicht bessere Haptik des vielgenutzten Daumendrehrades.

Sony NEX-5n:

Mit der Sony NEX kommt man nach einigem Testen und individuellem Konfigurieren gut zurecht, noch angenehme Bedienung

Was besonders toll ist: brilliantes Display; Touchscreen; Fokuspeaking

Was vorrangig fehlt: umfangreich einstellbarer Selbstauslöser; Anschluss für Fernauslöser

Was schön wäre: mehr Pancake-Objektive verfügbar; Blitzbelichtungskorrektur; Anschluss für externen Blitz

Meine Eindrücke zur Bildqualität:

Erste Feststellung (nicht unerwartet, aber wesentlich für die weitere Beschäftigung mit MFT): Die Bildqualität (mit 14er und 20er Pancake-Festbrennweite) der 12 Mio Px Panasonics (GF2 und GF3) ist deutlich den 10 Mio Px (und dem kleinen Zoom und viel kleineren Sensor) der Canon S95 überlegen. Sowohl bei bester ISO, als auch besonders bei höheren ISO.

Ein erster Vergleich des Panasonic 14mm/2.5 Pancake zum Vario PZ 14-42mm bei 14mm an einem Gartenmotiv:

Die Festbrennweite ist gut – das PZ akzeptabel bis zu zu soft im gesamten Sektor oberhalb Bildmitte rechts. Wird erst bei f8 und mehr ticken besser (aber nicht wirklich gut).

Ein erster Vergleich des Pana Vario PZ 14-42mm zum Sony E 18-55 Zoom (beide am kurzen Ende, d.h. Pana bei 14, Sony bei 18):

Das Sony ist im Sektor oberhalb Bildmitte rechts (da, wo das Pana richtig schlecht ist) deutlich besser. Dafür ist das Sony am linken Bildrand sehr soft, da ist das Pana Zoom sehr viel besser (beide bei Offenblende 3.5).

Bei f/8 werden die Unterschiede geringer, bleiben aber in oben beschriebener Weise bestehen. Sony zeigt darüber hinaus deutliche Farbsäume (die aber bei Panasonic trotz RAW bereits in der Kamera softwareseitig korrigiert werden? und die bei Sony problemlos in LR beherrschbar sind) und unabhängig vom verwendeten Objektiv in Lightroom (aber nicht z.B. in Sonys eigenem RAW-Konverter oder in Apple Aperture) immer die Neigung zu Treppenartefaktbildung (Jaggies, Aliasing – kann auch in Lightroom vermieden werden, wenn der 2003er RAW-Algorithmus ausgewählt wird).

Ein Vergleich der Olympus PEN E-PL3 zur Panasonic GF 3 (jeweils mit Pana 14mm Festbrennweite):

Die Olympus ist etwas wärmer in den RAWs, die Panasonic etwas kühler. Bildqualität je nach Motiv kaum oder doch schon etwas deutlicherer Unterschied. Z.B. leicht bessere Grasdetails bei der Oly. (Ergänzung: nach Angleich der Bilder mit Weissabgleich Tageslicht und weiterer Standardbearbeitung in Form von Clarity +20 und Dynamik +20 Oly insgesamt einen Hauch besser, aber nicht dramatisch).

Belichtungszeiten: Olympus mit ISO 200 (Basis-ISO) und Pana mit ISO 160 (Basis-ISO) führten zu gleichen Belichtungswerten.

Rauschen: habe kaum einen Unterschied wahrgenommen.

Resultat: Bildqualität kein Kriterium im Unterschied zwischen diesen beiden Kameras – rein das Handling sollte entscheiden.

Bildstabilisator der Olympus PEN:

Mein Eindruck: nicht Empfehlenswert (nur um das Wort „Schrott“ zu vermeiden). Noch nie in meinem Leben hatte ich es mit einem schlechteren Bildstabilisator zu tun. Meine Empfehlung kann nur sein: den internen Bildstabilisator der E-PL3 immer ausgeschaltet zu lassen und sein Vorhandensein nicht als Kaufkriterium zu werten.

Zur Vollständigkeit halber der Vergleich des zur E-PL3 mitgelieferten Kitzooms M.Zuiko Digital 14-42mm 1:3.5-5.6 II und dem Lumix G X Vario PZ 14-42mm F3.5-5.6 OIS, jeweils an der Panasonic GF3:

Bei 14 mm: Das Pana PZ erscheint bei f/3.5 und f/5.6 über den gesamten Ausschnitt leicht besser als das Olympus Zuiko, wer hätte das gedacht. Erst bei f/8.0 scheint Gleichstand zu herrschen bzw. sich der Eindruck leeeeicht umzukehren.

Bei 42 mm: Auch hier ist das Pana PZ durchgehend besser, sowohl offen bei f/5.6 als auch f/8 und f/11. Einzig in der unteren linken Ecke erscheint das Pana softer; dies fällt aber bei f/5.6 nicht ganz so auf und mindert sich auch wieder bei f/11.

Zwischenfazit:

Nach all dem Testen hätte ich mich mit MicroFourThirds als Ersatz für meine Canon S95 und als Austausch für meine Sony NEX-5n für Rennradausfahrten anfreunden können. Dies vor allem unter dem Hintergrund, dass zwar die Kameragehäuse nicht kleiner sind als die der NEX, das aber mit den Pancakes 14 und 20 mm und auch mit dem sehr interessanten PZ 14-42 mm sehr kompakte Rückentaschen-Optionen herstellbar wären, die so leider nicht mit der Sony NEX machbar sind. Da geht das nur mit dem 16 mm Pancake, aber sonst keinem Objektiv. Leider auch nicht mit dem Sony 18-55 Zoom.

Welche MFT hätte es denn nun sein sollen?

Die GF2 und GF3 hatten leider keinen externen Fernauslöser-Anschluss. Den hat die NEX auch nicht, aber wenn ich schon extra nochmal umsteige, dann brauche ich diesen. Denn leider besitzen alle getesten Kameras nicht den sehr komfortablen Selbstauslöser der Canon S95, der sich als überaus wertvoll für die Dokumentation diverser Momente meiner Rad- und anderer Ausflüge und Fotoexperimente erwiesen hat.

Also bleibt nur die Olympus E-PL3 oder die GX-1. Letztere bietet auch einen moderneren Sensor und einen Sensor, der zwar nicht von den Abmessungen, aber wenigstens von der Auflösung her mit dem Sensor der Sony NEX konkurrieren könnte.

Also: Olympus PEN E-PL3 gegen Panasonic Lumix GX-1:

Rauschen: Basis-ISO 160 der GX-1 zu Basis-ISO 200 der E-PL3 sowie ISO 400 zu ISO 400 –> Im Grunde 1:1 gleiches Rauschverhalten und gleiche Rauschtextur. ISO 1600 zu ISO 1600: winziger Hauch Vorteil der GX1. Alles in allem wäre ohnehin nur das Rauschen bei niedrigst möglicher ISO das relevante gewesen. Da mir dieses auf Pixellevel 1:1 gleich erscheint und, wollte man das Bild der GX1 auf die Größe der E-PL3 reduzieren, bei ersterer nochmals leicht verbessert würde, also Gleichstand bzw. Vorteil GX-1.

Bildstabilisierung / Objektive: Der interne Bildstabilisator der E-PL3 ist ein Graus. Obendrein war er bei früheren Modellen auch in ausgeschaltetem Zustand verantwortlich für potenzielle Bildqualitätsprobleme. Auf die in den Objektiven verbauten Bildstabilisatoren einiger Panasonic-Objektive hat man nur Zugriff, wenn diese einen dedizierten Schalter am Objektiv haben. Die Objektive, die ich vorrangig für meine Einsatzzwecke nutzen möchte, bzw. die überhaupt erst den Reiz von MFT ausmachen bzw. MFT einen Kompaktheitsvorsprung vor z.B. der Sony NEX geben, stammen ausnahmslos von Panasonic. Im Zweifelsfall ist die interne Software-Optimierung der Panasonic Kameras daher besser für den Einsatz mit diesen Objektiven geeignet. Vorteil GX-1.

Bildschärfe: Vorweg: Ich konnte für die Olympus E-PL3 bisher nicht (und habe auch keinen Aufwand da hinein gesteckt) Quellen bestimmen, die entweder einen im Verhältnis besonders schwachen AntiAliasing Filter oder eine besonders starke interne Default-Schärfung, die sich auch in den RAW-Files wiederfindet, definitiv bestätigen würden. Es scheint jedoch nicht nur mein Eindruck zu sein, dass Bilder der Olympus im Vergleich und je nach Motiv leicht bis deutlich schärfer erscheinen, als z.B. Bilder der ebenfalls 12 MP Sensoren besitzenden Panasonic GF2 oder GF3 (siehe oben). Und dies unabhängig von etwaigen JPG-Defaulteinstellungen, da ich per se nur mit den RAWs arbeite. So ist die PEN E-PL3 einer GF2 oder GF3 in dieser Hinsicht mindestens ebenbürtig bis deutlich überlegen. Wie bildet sich das auf einen Vergleich mit dem höher auflösenden (16 MP) Sensor der GX-1 ab?

Nun – ohne weitere Maßnahmen, 1:1 in Lightroom betrachtet, scheint auch hier die E-PL3 einen leichten Vorteil zu haben. Bzw. durch ihre gute Grundschärfe den leichten Unterschied von 12 zu 16 MP egalisieren zu können. Kann man also von der Bildqualität her schon schließen, dass die Megapixeldimensionsunterschiede beider Kameras unerheblich sind und man einfach diejenige Kamera nehmen kann, die einem besser liegt? Nun – nicht unbedingt. Den Hauch, den die E-PL3 schärfer erscheint, kann man problemlos durch „Unschärfe Maskieren“ z.B. in Photoshop erreichen. Es ist sogar so: Nach verkleinern des GX-1 Bildes (um einen 1:1 Vergleich zu ermöglichen) und gleichen Schärfungsparametern erscheint das GX-1 Bild knackig scharf während das E-PL3 Bild bereits hart überschärft wirkt und Treppenstufen an allen harten Kanten aufweist (Die Originalfotos habe ich gemeinsam mit ein paar weiteren Fotos in dieses Flickr-Set hochgeladen

E-PL3

GX-1

und zum Vergleich auch die NEX-5n ,

wer mag, kann dies also für sich selbst ausprobieren).

Mein Take away: Das E-PL3 Bild braucht man nicht, aber darf man auch nicht stark im Postprocessing schärfen (i.e. es ist schon gehörig inCamera geschärft). Das GX-1 Bild hat Postprocessing-Reserven und ist problemlos auf das Schärfe-Niveau der E-PL3 zu bringen. Es verbleibt also der volle Auflösungsvorteil und besserer Raum für Weiterverarbeitungen des Bildmaterials. Vorteil GX-1 (für mich – für jemand, der kleinere Bilddateien bevorzugt und keinerlei Postprocessing durchführen mag: Vorteil E-PL3).

Video: Soll hier für meine Zwecke nur eine untergeordnete Rolle spielen. Aber dennoch: Die E-PL3 kann leider nur HD in AVCHD konformen 60i. Das ist für europäische Zwecke leider unschön; die GX-1 lässt sich vorbildlich zwischen NTSC und PAL, d.h. in diesem Fall zwischen 60i und 50i umstellen. Vorteil GX-1.

Zusammengenommen mit den Handlingunterschieden (siehe oben bei Handling in Kürze) kann ich sagen, das für mich genommen die GX-1 der E-PL3 haushoch überlegen ist. Wenn MFT, dann also die GX-1, das stand jetzt fest.

Halt – Wirklich MFT? Oder doch nicht lieber NEX?

Ok, wenn MFT, dann die GX-1. Sie ist auch schön griffig und ließe sich daher sogar auch beim Fahren gut bedienen. Aber ist die Qualität doch da, wo ich sie haben möchte? Ist das Lumix G X Vario PZ 14-42mm nun die tolle, superkompakte Krönung oder bleibt es dabei, dass ich nur die beiden Pancakes 14 und 20 mm nehme. Aber – wenn es dann doch auch nur diese beiden sind – so viel Unterschied zur Sony NEX-5n mit dem 16 mm Pancake ist dann ja auch nicht. Als einziger handfester Vorteil verbliebe der Selbstauslöser-Anschluss, den die GX-1, nicht aber die NEX-5n besitzt.

Zudem ist mir beim Testen noch eine sehr negative Überraschung bei MicroFourThirds untergekommen: Bereits bei vergleichsweise harmlosen „Langzeitaufnahmen“ (bei 4 Sekunden kann man noch nicht wirklich von Langzeit sprechen, diese Zeit erreiche und überschreite ich häufig in der Dämmerung, Indoor oder bei Aufnahmen fließenden Wassers) wird das Rauschen insbesondere in den Schatten selbst bei Basis-ISO echt übel. Und das sowohl bei der GX-1 als auch der E-PL3. Und sowohl mit als auch ohne eingeschaltete Rauschunterdrückung, bei der die Kamera ein Darkframe gleicher Dauer wie die Ursprungsaufnahme aufnimmt und zur Rausreduktion verwendet.

Kein Vergleich zu meiner Canon EOS 7D oder der Sony NEX-5n. Einen leichten Eindruck davon könnt ihr euch anhand dieses Fotos der GX-1 und dieses Fotos der NEX-5n machen. Beide mit demselben Objektiv Leitz Elmar-C 1:4/90 mm jeweils Leica-zu-MFT bzw. zu-SEL Adapter angeschlossen.

Bezüglich der Güte (der des Fehlens desselben) des Lumix G X Vario PZ 14-42mm ist in den unterschiedlichsten Foren viel geschrieben worden. So richtig zufrieden scheint mir kaum jemand zu sein. So hatte ich mir direkt zwei Exemplare zum Testen besorgt:

Während ich bei Indoor-Testaufnahmen (und somit kurze Entfernung) an einem Bücherregal und zunächst für sich selbst genommen die Ergebnisse als akzeptabel wahrgenommen habe, konnte ich dennoch leichte Unterschiede zwischen den zwei Exemplaren ersehen.

Ich hatte somit einen Favoriten. Den habe ich bei 14 mm gegen die 14 mm Festbrennweite verglichen. Überraschenderweise habe ich dabei keine großen Unterschiede gesehen. Was mich dabei eher weniger vom 14-42 überzeugt, als über das 14er nachdenklich gestimmt hat. Immerhin konnte ich so auch beim besseren 14-42er Exemplar einen soften, stationären Bereich in Bildmitte oben links dingfest machen bzw. aus meinen ersten Tests bestätigen.

Bei 20 mm im Vergleich zur 20 mm Festbrennweite kam  dann endlich der erwartete Effekt: das 20 mm ist eindeutig besser als das Zoom bei entsprechender Brennweite.

Soweit, so lala.

Beim Test draußen erschien mir das 14-42 aber auch ganz ohne Vergleich irgendwie zu soft. Und jetzt weiß ich nicht, ob ich eine konkrete Ursache habe dingfest machen können, aber mir ist beim weiteren testen etwas aufgefallen, was mir so noch nie untergekommen ist: Doppelbilder bzw. Geisterbilder. Zumindest bei 42 mm. Anhand z.B. folgenden Fotos kann man es einwandfrei an dem Maschendrahtgeflecht ersehen: .

Und das ob mit eingeschaltetem Bildstabilisator des PZ (OIS) oder ohne. Ich bin aber nichtmal sicher, ob es tatsächlich am Objektiv oder vielleicht sogar an der Kamera liegt. Dazu hätte es weiterer Tests bedurft. Ebenso habe ich gerade dieses Motiv nicht per Stativ aufgenommen.

Andererseits brauchte ich das für mich dort auch nicht. 1. handelt es sich um Zeiten, die auch freihand (schlimmstenfalls mit OIS-Unterstützung) problemlos möglich sein sollten, 2. zeigt der Vergleich mit der ebenfalls freihand gehaltenen Sony NEX, wie das Ergebnis auszusehen hat: z.B. hier:

Zusammen mit dem für mich inakzeptablen Rauschverhalten bei auch nur moderat längeren Aufnahmen sowie dem eindeutigen Vorteil des Rauschens bei Basis-ISO (100 bei der Sony NEX-5n und 160 bei der GX-1) steht für mich der nun der Gewinner fest:

Mein Gewinner ist:

Die Sony NEX-5n!

Optimale, kompromisslose Bildqualität bei noch Trikotaschentauglichem Format (mit ganz leichtem Abstrich in Bezug auf das 18-55mm Zoom) gibt es bei der Sony NEX-5n. Sie besitzt obendrein den Vorteil (der hier nicht im Fokus stand) des besten Videomodus: 1080P, also Full HD im Progressive (nicht nur 720I interlaced) mode und das sogar noch bei 50 Frames pro Sekunde. Das bieten nicht mal EOS 5D Mk III und Co. So können selbst bei Full HD noch 50% Zeitlupen bei Pal-konformen 25 Bildern pro Sekunde aufgenommen bzw. wiedergegeben werden.

Obendrein habe ich mit der NEX auch abseits des Rennradfahrens oder bei anderen Terminen nie das Gefühl, Kompromisse bei der Bildqualität einzugehen. Mit der NEX erwische ich mich nie, zu wünschen, ein entsprechendes Bild doch lieber mit der Canon EOS 7D aufgenommen zu haben. Selbst mit der sehr guten MFT-Kamera Panasonic GX-1, welche wirklich auch eine feine Kamera ist die viel für sich sprechen hat, wäre dies aber wohl sicher öfters der Fall gewesen.

Die Selbstauslöser- bzw. Fernauslöser-Thematik werde ich bei der NEX über einen IR-Stecker für das iPhone in Verbindung z.B. mit der App DSLR.bot lösen.

Und nun auf – der Frühling hat begonnen, das Wochenende soll wie die vergangenen Tage sonnig werden: Rauf auf’s Rad und/oder die Kamera zur Hand. Allzeit viel Spaß und Gut Licht :)