Auf dem Weg zum neuen Rennrad: Mühsam nährt sich das Test-Eichhörnchen (mit Grill and Ride)

Produkttests, Rad fahren
Zum Rennrad-Testen braucht man allen Beistand, den man bekommen kann. An der Friedenskapelle der heiligen Eucharistie.

Zum Rennrad-Testen braucht man allen Beistand, den man bekommen kann. An der Friedenskapelle der heiligen Eucharistie.

Hier (Gute Rennradläden … Probefahrtwüste Deutschland) schrieb ich ja schon ausführlich über die desolate Lage, wenn man sich auch nur einen winzigen, halbwegs informierten Einblick in interessante Rennräder verschaffen möchte.

Nun, mühsam nährt sich das Eichhörnchen. Damit ich überhaupt voran kam, konnte ich schließlich einige Läden und Testmöglichkeiten mit nicht geringem zeitlichen und monetären (in Form von Benzingeld) Aufwand seit dem Februar wahrnehmen. Konnte einige Sachen schon per E-Mail-Nachfragen ausschließen (entweder, indem dort keiner für nötig hielt, zu antworten oder indem die Antworten bestätigten, dass entsprechende Modelle oder Läden nichts für mich waren). Und dabei war ich schon seit letztem Spätherbst an einem neuen Rennrad interessiert…

Von einigen Irrungen und Wirrungen, vor allem aber von einem sehr informativen und hilfreichen BMC Grill and Ride Event bei Radsport Rauer will ich im Folgenden berichten.

So war ich in einem Laden in Ratingen, Vogliovelo.de. Da konnte ich wenigstens mal auf einem Titanrad fahren. Auch, wenn es leider nicht die richtige Größe war (der Rahmen war viel zu groß), willigte ich ein, Herrn Waldeck zu besuchen. Einfach mal schauen, was er so da hat und einfach mal einen Eindruck eines Titanrades holen. Wohl wissend, dass über die Fahrqualität oder die Federungseigenschaften von Titan ein mir zu großer Rahmen kaum bis überhaupt gar nicht Auskunft geben konnte. Nun ja. Ich hab das Rad (ein Punch) probegefahren. War ganz nett. Hat mich zumindest in dem Sinne bestätigt, dass ich einem Titanrad nicht abgeneigt wäre – ich aber auch nicht unbedingt eines brauche.

Der nächste Stop: Einen Riesenumweg auf einer Wochenendheimfahrt ins Wittgensteiner Land und zwar über Koblenz. Jawohl, ich habe Canyon besucht. Aufgrund des Verkehrs auf den Autobahnen war ich Freitags recht spät dort angekommen. Es war nur noch eine halbe Stunde bis Geschäftsschluss. Aber eine Probefahrt des gewünschten Modells war überhaupt kein Problem. Ohne jeden Zeitdruck wurde ich sehr sympathisch beraten und konnte zwei Rahmengrößen im direkten Vergleich fahren diese und viele andere befingern. Gut, die „Probefahrt“ war mehr ein qualifiziertes Probesitzen, da man auf etwas hin- und herfahren auf Canyons Parkplatz beschränkt ist. Aber hey, man ist ja nicht verwöhnt (siehe wieder Gute Rennradläden … Probefahrtwüste Deutschland) und das ist besser als nichts. Zumindest konnte ich einen ersten Eindruck gewinnen, mir über die benötigte Größe klar werden und das tolle Finish des Rahmens mit eigenen Augen bestätigt sehen. Toll fand ich auch, das man sich problemlos bis über den eigentlichen Geschäftsschluss hinaus für mich Zeit genommen hatte.

Als nächstes konnte ich dann einen Termin bei Rockers Bikeshop im Herzen Bochums vereinbaren. Brauchte zwar ein paar Mails und ein Telefonat und ich musste einen passenden Tag finden (Radläden haben ja leider nicht bis 21:00 Uhr auf…) aber ich war dann doch recht angetan von dem Besuch:

20140305_Tweet

 

Jörg hat sich wirklich Zeit für mich genommen (sogar bis nach Geschäftsschluss). Ich konnte dort ein Trek Domane probefahren und direkt mit meinem Wilier Triestina vergleichen, welches ich dafür extra mitgebracht hatte. Und ich muss sagen, das Konzept des Domane funktioniert sehr gut! Ich habe dann auch davor und danach lange Zeit im Konfigurator ProjectOne verbracht. Und dort auch das eine oder andere nett aussehende Bike konfiguriert. Aber wie ich es auch drehte und wendete: selbst der sehr vielseitige Farbkonfigurator lies dann doch eine wirklich klasse Farbkombi nicht zu. Und war dann auch für eine eigentlich ganz normale Farbe schon sündteuer. Es mag ja schön und gut sein, dass bei einigen (allen?) Designs da Handarbeit durch Airbrush-Künstler durchgeführt wird. Aber da wünschte ich mir doch noch ein paar andere generelle Design-Kombinationen anstelle dieser ganzen Flammen-Designs… Hallo Trek? 1985 ruft an und will seinen D&W-Katalog zurück… ;-)

Alles in allem finde ich ProjectOne aber schon eine tolle Sache. Nur leider zu Apothekenpreisen. Die wären mir allerdings egal gewesen. Aber so richtig war ich dann mit den Rahmenlinien als solche nicht zufrieden und obendrein wurden mir Lieferzeiten im Bereich von 2 bis 3 Monaten prophezeit…

Er hat mir dann noch ein recht schönes Colago C59 Disc gezeigt, dass er gerade für einen Kunden am Aufbauen war. Hmm, ja – so etwas würde ich ja gerne mal Probefahren. Das ging aber nicht… Da waren wir wieder. Im leibhaftigen Status der Testmöglichkeiten von wirklich interessanten Rädern…

A pro pos Colnago. Ja – auch da habe ich diverse Aufbau-Threads auf Weightweenies und auf anderen Quellen angesehen. Fotos von schönen Colnagos angesehen, mich detailliert mit der Geometrie und den verfügbaren Farben beschäftigt…

Mich dann aber dagegen entschieden. Weil ich:

a) keines Probefahren konnte

b) mir ein, zwei Designs der vorigen Jahre gefielen, aber nicht deren aktuelle (Grmpf)

c) ich ein neues Rad im Frühjahr bis Frühsommer haben wollte – und nicht im Spätsommer oder Herbst, wenn ein bestellter C59 oder auch C60 Rahmen dann endlich mal ankommen würde…

Ich hatte einen guten Eindruck von Rockers mitgenommen – aber leider führen sie nur Trek, Specialized und Colnago (und da konnten sie mir halt leider auch nicht wirklich weiterhelfen).

Testen bei schönem Wetter Anfang März an der Ruhr

Testen bei schönem Wetter Anfang März an der Ruhr

Also weiter. Endlich kam der 8. März. Und mit ihm das BMC Grill and Ride Event bei Radsport Rauer in Überruhr. Hier war ich schon Ende Januar (oder Anfang Februar) mit dem Rennrad vorbei gefahren. Look und BMC gibt’s da zu kaufen. Nun ja, vom 695er Aerolight von Look konnte er für mich und einen anderen Kunden wenigstens einen Rahmen, mal zum anschauen und befingern, testweise ordern. Immerhin. Zu einem BMC-Probefahren kam es dann aber leider erst mal nicht und ich wurde dann doch auf das ohnehin anstehende Grill and Ride Event vertröstet. Nun ja – dafür konnte ich dann an diesem Termin bei schönsten Sonnenschein fast das komplette Rennrad-Lineup von BMC probefahren.

Beinahe wäre es aber hier auch zu einem Test-Supergau gekommen. Für mich war hauptsächlich die BMC Teammachine SLR01 in Rahmengröße 54 interessant. Das hatte ich Herrn Rauer im Vorfeld extra gesagt, darüber gab es E-Mail Verkehr und eigentlich hätte ich einen solchen Rahmen auch schon im Vorfeld bekommen sollen. Und? Gott sei Dank hatte der sympathische BMC Mensch die Straßenmaschine der auch anwesenden BMC-Teamfahrerin Kerstin (die beim Event einen MTB-Kurs gab) dabei. Das war zwar ein 2013er Rahmen, aber wenigstens genau in der passenden Größe für mich. Puh – Glück gehabt wo es eigentlich keines Glückes bedurft haben sollte.

Nun ja: der BMC-Testvan war da. Viele Besucher, die glücklicherweise gar nicht so sehr an den BMC-Rädern oder zumindest den Rennrädern interessiert waren. Ich war mit meinem Wilier Triestina GranTurismo im Kofferraum (als Vergleichsrad) da. Sonne schien. Zeit war da. Das Testen konnte beginnen. :)

Die Horster Mühle an der Ruhr. Ein Stück meiner Teststrecke am beim BMC Grill and Ride Event.

Die Horster Mühle an der Ruhr. Ein Stück meiner Teststrecke am beim BMC Grill and Ride Event.

Kurz zusammengefasst:

Geiler Testnachmittag! :)

1. Runde: BMC Teammachine SLR01, 2013er Modell (Kerstins Bike ^^) mit Shimano Dura Ace Di2

Kerstins BMC Teammachine SLR01, 2013er Modell, Shimano Dura-Ace Di2

Kerstins BMC Teammachine SLR01, 2013er Modell, Shimano Dura-Ace Di2

2. Runde: mein Wilier Triestina GranTurismo

Wilier Triestina GranTurismo, tested and proved :)

Wilier Triestina GranTurismo, tested and proved :)

3. Runde: BMC GranFondo GF01, 2014er Modell mit Shimano 105

BMC Granfondo GF01, 2014er Modell, Shimano 105

BMC Granfondo GF01, 2014er Modell, Shimano 105

Intermezzo: eine (nicht wirklich gute) Currywurst mit Brötchen

4. Runde: BMC Teammachine SLR01, 2014er Modell (zu groß, 59er), zum Testen der SRAM Red 22

BMC Teammachine SLR01, 2014er Modell, SRAM Red 22

BMC Teammachine SLR01, 2014er Modell, SRAM Red 22

5. Runde: BMC Timemachine TMR01, 2014er Modell, Shimano Ultegra Di2

BMC Timemachine TMR01, 2014er Modell, Shimano Ultegra Di2

BMC Timemachine TMR01, 2014er Modell, Shimano Ultegra Di2

Intermezzo: ein Kaffee (deutlich besser als die Wurst ;-))

6. Runde: wieder mein Wilier Triestina GranTurismo

Insgesamt 66 km mit 3 Stunden Moving Time (Finde den Eintrag auf Strava hier).

20140308_Strava
Habe da übrigens zufällig und auf Anhieb eine ziemlich perfekte Testrunde gefunden. Ganz übles Kopfsteinpflaster da beim alten Hoheleyer Hafen vor, über und nach der kleinen Brücke. Dann eben und asphaltiert entlang der Ruhr. Am Nordufer ruppige, steindurchsetzte Dirtroad bzw. Pfad, dann kurzer Anstieg, dann Single-Trail Dirt Downhill, dann wieder nach zweiter Brücke über Asphalt, dann Pflaster zurück.

Die armen Testbikes, aber auch mein armes GT – Aua, Aua ^^

Dafür eine hervorragende Testmöglichkeit sowohl für Komfort als auch für Handling. Das heftige Kopfsteinpflaster ist auch als Segment „Ruhrbaix“ auf Strava zu finden:

Kopfsteinpflaster beim Holtheyer Hafen

Kopfsteinpflaster beim Holtheyer Hafen

Meine Erkenntnisse aus diesem Test:

Bestes Rad: die BMC Teammachine SLR01 (in der 2013er Version). Hat auf Anhieb super gepasst. Geht super nach vorn. Dabei überraschend komfortabel. Dagegen fällt das GranFondo echt ab. Bzw. es kann im Komfort (zumindest auf Basis meines heutigen Tests) kaum Mehrgewinn gegen das da ganz tolle SLR01 bringen. Da war ich echt überrascht. Und die Geometrie des GranFondo fand ich nicht so gut. Vielleicht mit mehr vergleichen, sorgfältigem Abstimmen… Aber so: Nee, GranFondo war somit draußen!

Ich hätte ja echt gerne das Trek Domane auf der selben Runde dagegen getestet. Das hatte ich am Mittwoch davor gefahren. Das fand ich (auch wieder gegen mein GranTurismo auf selber Runde verglichen) auch auf Anhieb überzeugend. Daraus mein Resultat: SLR01 und Domane hui, Granfondo pfui. Und im Vergleich würde ich sagen: SLR01 im Moment auch etwas vor dem Domane in der Summe.

Die TimeMachine TMR01: Auha – will gut nach vorne, aber kein Rad für mich. Knüppelhart. Absolut nichts für schlechte Straßen, gelegentliche (oder sogar häufigere) Abstecher über Dirtroads oder Pflaster. Und so wirklich: Das SLR01 hing für mich „besser am Gas“. Das mag aber mit den Reifen zusammenhängen. Am TMR01 waren preiswerte Mavic Cosmics. Die wollen auch erst mal beschleunigt werden. Und um einen Aerovorteil zu erspüren – da muss man anders und mehr testen.

Die verschiedenen Schaltungen im Vergleich:

Die Shimano DuraAce Di2 hat eine sehr schöne Bremsgriff/Hoodie-Form und Ergonomie. Endlich schön schmal. Da war und ist Campagnolo aber immer noch der Maßstab (und sieht sowieso besser aus). Die Funktion in Form elektrischen Schaltens: ja, cool!  Aber ich werde glaube ich mit den Tasten der Di2 nicht warm. Das muss einem echt in Fleisch und Blut übergehen. Sonst hat man immer den falschen Knopf gedrückt. Sehr schwierig zu unterscheiden. Und im Winter mit dicken Handschuhen – kann ich mir überhaupt nicht vorstellen. Schwieriger als die mechanischen Gruppen von Shimano. Nein – hat mich echt nicht überzeugt. Bzw. als Ergebnis für mich: Wenn elektronisch, dann Campagnolo.

Die SRAM Red fand ich sehr gut zu schalten. Die Bremsgriffform etwas kantig, wenn auf den Hoodies gefahren. Sonst auch sehr schön zu greifen. Eine echte Alternative. Auch von der Optik für mich schöner als Shimano.

Schade, dass kein BMC Impec zum Testen dabei war. Wobei da die Preise auch nochmals weniger verständlich als bei den übrigen BMC-Rädern sind. Generell muss man sich auch schon die Frage nach der Nachhaltigkeit dieser Rahmen stellen. Sowohl, was Verfügbarkeit als auch was die Preise angeht. Klar – ein Unternehmen will und darf Gewinn machen. Entwicklungskosten (und Werbung und Sponsoring) muss wieder hereingeholt werden. Aber wenn ein Vorjahresrahmen (sofern er überhaupt noch verfügbar ist) dann im Abverkauf glatt mal 30 % günstiger als der diesjährige Rahmen ist, dann kommt man schon ins Grübeln.

Nach einigem weiteren Nachdenken war mein Auftrag an Radsport Rauer klar:

Schau bitte, ob es noch einen 2013er SLR01 Rahmen in Größe 53, ausgestattet für elektronische Schaltung gibt. Alternativ: Prüfe, ob du einen 2014er SLR01 Rahmen in 54 (Geometrie nahezu gleich, nur andere Größenstaffelung in 2014 bei BMC) in stealth (also eine Ultegra-Version rippen) oder in Teamrot (also sündteuren Rahmen separat erwerben) mit der Campagnolo Record EPS und internem Akku aufbauen kannst. Nun ja, das stellte sich wohl als zu komplex bzw. nicht in gewünschter Form durchführbar heraus. Und anstelle zu insistieren war ich (auch ob der erwähnten Thematik mit den Rahmenpreisen und der Nachhaltigkeit) schon wieder bei den nächsten Optionen am grübeln.

AX Lightness, doch Titan in Form eines VanNicholas (schöne Räder und schön direkt auf deren Website konfigurierbar und bestellbar – leider, leider nicht direkt mit der Campagnolo EPS als Option) oder noch etwas Anderes? Es war fast entschieden…  Aber ihr habt ja schon den Sneak Peek im vorigen Beitrag meines Blogs gesehen und könnt euch denken, was es schlussendlich geworden ist… ;-)

 

Now we are talking, Wilier Triestina – Das neue Cento1AIR

Rad fahren

Wilier Triestina, die traditionsreiche Rennradschmiede aus dem Veneto, hat etwas Neues vorgestellt: die fünfte Generation des Cento1, die Inkarnation des Cento1 als Aero-Racebike. Oder die Verschmelzung von Merkmalen der Zeitfahrmaschine Twinblade mit der Geometrie des Cento1SR. Das Cento1AIR!

Und was soll ich sagen: das erste neue Wilier Triestina Modell, was bei mir wieder einen „Haben Wollen“ Reiz auslösen könnte. Seht selbst:

Wilier Triestina Cento1AIR Red Fluo (Foto: Wilier Triestina)

Selbst das Designschema mit den abgewinkelten Linienzügen scheint bei den Formen und der Rahmengestaltung ein gefälliges Gesamtbild zu erzeugen. Ihr merkt an meiner Wortwahl, dass ich noch nicht vom Fleck weg hin und weg bin, sondern das Design durchaus noch etwas in mir „reifen“ muss, bzw. ich mir gerne ein vollweiß-rotes Farbschema wünschen würde.

Aber immerhin ist es wesentlich gefälliger und cooler als bei seiner Einführung am Cento1SR! Und, wie das Video anzudeuten scheint, ist auch die Oberseite des Oberrohrs so wie sie sein muss: rein und edel. Und nicht mit lauter „billigen“ und prolligen Feature-Buzzwords bedruckt wie beim Cento1SR. Denkt euch einfach als Beispiel den Vergleich zwischen einer hochwertigen, schnörkellosen Alu-Handballenauflage eines Apple MacBook und einem billigen Discounter-Laptop, wo auf dem Plastik neben Intel Inside Logo noch weitere nichtssagende und das Auge beleidigende Floskeln wie „DualBoostMode“, „SuperHiResDisplay“, „TruMotionTec“, „TwinSpark GTI BlaBlubb whatever“ draufgepappt sind.

Wilier take note: let the design and the handling speak for themselves. Don’t print cheap marketing hype buzzwords (assymetric rear arms and whatever) on the top tube or elsewhere on the frame. Those things are for the manual or your web site. Cento1SR was wrong, Cento1AIR seems right so far.

A pro pos Video. Hier ist es:

Ich bin sehr gespannt, wie die technischen Daten sind (Rahmen und Gabelgewicht) und wie es sich fährt. Z.B. ob die Aero-Sitzstütze gemeinsam mit dem Rahmen genügend Komfort bieten kann.

Und ich dachte schon, nach dem geradezu genial designten GranTurismo käme von Wilier Triestina gar nichts mehr, was das bei einem Rennrad so wichtige „Wow!“ bei mir auslösen könnte. Weder das .zero7, noch das Cento1SR konnten dies leisten. Schon gar nicht mit den in meinen Augen nicht sehr vorteilhaften Designs. Auch der Nachfolger des GranTurismo, das GTR, welches interessanterweise noch gar nicht auf der Wilier Triestina-Website zu sehen ist, ich aber schon im Laden angefingert habe, ist vom Design und der Lackierung ein Rückschritt vom GranTurismo, wie ich finde.

Aber das Cento1AIR im Farbschema „Dark“… joaaaa, ich würde es auf jeden Fall sehr gerne mal Probefahren! Im September diesen Jahres soll es verfügbar sein.

Wilier Triestina Cento1AIR „Dark“ (Foto: Wilier Triestina)

Wittgensteiner Maianfangs-Tour

Rad fahren

Long time no see. Oder in anderen Worten: ganz schön viel zu tun in letzter Zeit. Work, decorate new flat, ride, sleep, repeat…

Nicht mal genügend Zeit, um hier auf dem Blog in epischer Breite über den nun endlich vergangenen, verd… langen Winter zu wettern.

Wie dem auch sei: der Winter ist nun endgültig Vergangenheit und auch im Wittgensteinschen ist der Frühling ausgebrochen. Auch, wenn wir hier mit dem Blattgrün an den Bäumen typischerweise etwas hinterher sind – es wird. :)

Und oh, wie ich es liebe. Die wunderbaren Höhen, die wunderschönen Täler, und als Rennradler vor allem: die wunderbaren verkehrsarmen und ampelfreien Straßen! Ein echtes Dorado.

Heute ging es zügig durch die Täler; hier konnte ich es auch mit E2 oder nur leicht höherer HF-Zone geschmeidig und mit guter Kadenz fliegen lassen. Unterbrochen von zwei knackigen Steigungen, die ich voll nahm: Kraftsholz hinter Wemlighausen herüber nach Wunderthausen und das Didoll, von Richstein herüber nach Bad Laasphe. Ersteres geht bis auf knapp über 11 % und das Didoll kratzt auch schon mal an 14/15 %. Interessanterweise fahre ich beide Anstiege eher von der anderen Seite. Der Fairness halber muss man sagen, die Abfahrt vom Didoll Richtung Bad Laasphe ist schon recht ruppig vom Asphalt her. Aber wie sagt man so schön: Das muss das Boot aushalten… ;-)
Aber man muss schon gut bei der Linienwahl durch die Kurven aufpassen.

Nach dem Anstieg zum Kraftsholz hier oberhalb von Wunderthausen

Nach dem Anstieg zum Kraftsholz hier oberhalb von Wunderthausen

Wilier Triestina GranTurismo - what else? ;-)

Wilier Triestina GranTurismo – what else? ;-)

Ich kann irgendwie an keiner Mühle vorbeifahren. Hier Hof Elsoff Mühle. Immer noch im Tal der Elsoff, von der Gemarkungsgrenze und der Adresse aber schon zu Hatzfeld (Eder) gehörig. Hier schrammte ich also kurz durch's Hessen. ;-)

Ich kann irgendwie an keiner Mühle vorbeifahren. Hier Hof Elsoff Mühle. Immer noch im Tal der Elsoff, von der Gemarkungsgrenze und der Adresse aber schon zu Hatzfeld (Eder) gehörig. Hier schrammte ich also kurz durch’s Hessen. ;-)

Die Eder bei Beddelhausen. Wieder im Wittgenstein. :)

Die Eder bei Beddelhausen. Wieder im Wittgenstein. :)

Weite Höhenzüge. Blick über die Wittgensteiner Kammer von der Leimstruther Höhe. Gegen Abend in der Ferne schon leicht diesig.

Weite Höhenzüge. Blick über die Wittgensteiner Kammer von der Leimstruther Höhe. Gegen Abend in der Ferne schon leicht diesig.

Distanz: 89,1 km, Höhenmeter: 921 m, Zeit: 3 h 19 m, Durchschnittsgeschwindigkeit: 26,8 km/h, Durchschnittsgeschw. in Bewegung: 29,8 km/h, Durchschnitts-HF: 140

auf Strava:Strava_20130504

Look Ma – Nu Wheelz! Neue Laufräder & Leistungsmessung für das Wilier Triestina GranTurismo

Produkttests, Rad fahren

KinLin XR-300 Felgen, hinten mit Powertap G3, vorne mit tune Mig 70 Nabe, an meinem GranTurismo:

Sheltered from the Rain

Weiß macht mächtig was her, nicht? ;-)
Ich finde sie richtig edel – und gleichzeitig richtig „Racy“.

Die Presse (ähm, Nutzerkommentare ;-)) urteilt: „Lecker, Lecker, Lecker!“, „…chique“, „Schön!“, „Laufräder stehen dem Rad gut!“, „Passt. :)“, „porn“

Nicht das ihr denkt, die Kommentare hätte ich mir als Stilmittel für diesen Beitrag ausgedacht. Brauchte mich da nicht anstrengen, sondern nur ein paar Reaktionen von Twitter, Flickr und Co hernehmen. :)

Wilier Triestina GranTurismo

Mein Wilier habe ich nun schon seit etwas über einem Jahr, über 9000 tolle Kilometer habe ich mit ihm mittlerweile zurückgelegt. Es sinnvoll zu tunen, fällt gar nicht so leicht. Laufräder kommen ja bei so etwas immer in Betracht. Warum es aber doch nicht so einfach damit getan ist, einfach teure und hochprofilige Carbon-Schlappen an’s Rad zu stecken, habe ich ausführlich in meinem letzten Blogeintrag über Laufräder für das Rennrad dargelegt.

Im Entscheidungsprozess war ich dann also trotz den scheinbar ubiqitären Systemlaufradsätzen bei handeingespeichten Laufrädern gelandet.

Alufelgen KinLin XR-300 in weiß

Nicht zuletzt, weil ich auch schon länger ein Leistungsmessgerät haben wollte.

Ich zeichne ja jetzt schon gerne jede meine Ausfahrten auf. Die Strecke per GPS, die Geschwindigkeit, den Puls, und die Trittfrequenz. Es macht Spaß, die Daten zu sammeln und auszuwerten, sie können sinnvoll für die Trainingsanalyse verwendet werden und nicht zuletzt ist es auch schön zu sehen, wann und wo man überall war (und wo man welche Fotos gemacht hat; den GPS-Track aus meinem Garmin nutze ich natürlich auch, um meine bei Touren gemachten Fotos zu georeferenzieren).

Eine Zeitreihe fehlte mir bis dato allerdings immer: Die Leistung.

Ja, eine Leistungsaufzeichnung ist nicht unbedingt nötig. Schon gar nicht im Hobbybereich. Aber doch mehr als nur nice to have. Und auf jeden Fall eine weitere, motivierende Kurve für mich als Datenjunkie. ;-)

Geschwindigkeit… toll, warst du alleine unterwegs, mit dem Wind, gegen den Wind, gegen wieviel Wind?
Waren viele Anstiege dabei, wenige? Haben Kälte, Schwüle, Stress oder Vorerschöpfung deinen Puls eher erniedrigt oder höher als normal getrieben?

Leistung – das ist die einzig wahre Maßzahl der objektiv gelieferten Arbeit (pro Zeit). Die Herzfrequenz zeigt den Aufwand, der dafür zu betreiben war.

Die Leistungsmessung am Rad ermöglicht unter anderem:

  • spezifische Ziele zu setzen
  • Leistungszonen für effektiveres Training zu bestimmen und zur Steuerung verwenden
  • Leistungsfortschritt objektiv messen (geht aber auch gut an einem bekannten Berg)
  • Trainingsbelastung zu quantifizieren und managen
  • An der eigenen Effizienz durch Beobachtung und Vergleich von Herzfrequenz, Geschwindigkeit und Leistung arbeiten
  • zusätzliche Trainingsmotivation
  • das Pacing bei Dauerleistungen zu unterstützen

Außer Acht lasse ich jetzt mal die ganz spezifische Vorbereitung auf einzelne Rennen und das auf den Punkt in der Saison fit zu sein, das für mich als jemand, der das Rad fahren in der gesamten Saison genießen möchte, nicht so wichtig ist.

Laufradsatz mit KinLin XR-300 Felge und CycleOps Powertap G3

Welche maßgeblichen Optionen gibt es denn für die Leistungsmessung am Rad?

  • SRM (Kurbelsystem) (http://www.srm.de): Schoberer Rad Messtechnik ist quasi der Urvater der Leistungsmessung am bewegten Rad. Viele Profis nutzen es und die Qualität ist sicher eine der Besten. Aber der Preis ist prohibitv. Lohnt gar nicht, weiter darüber nachzudenken. Vor allem bei der Vielzahl der mittlerweile bestehenden anderen Optionen und derjenigen mehr, die gerade vor Markteinführung stehen.
  • Power2Max (Kurbelsystem) (http://www.power2max.de): Ebenfalls wie bei SRM wird die Leistung an der Kurbelspinne abgenommen. Sehr interessant vom Preis her. Bisher hört man fast nur Gutes. Einzige Sorge war bisher, dass die Einheiten keine Kompensation für Temperaturdrift aufwiesen. Auf der Eurobike wurde jetzt angekündigt, dass die Power2Max in zukunft mit Temperatursensoren ausgerüstet werden sollen. Mit persönlich gefiel aber nicht, dass der Einbau nicht ganz so ohne weiteres gemacht ist, wenn man eine Campa-Kurbel hat – wie immer bei Campa ;-)). Außerdem gefiel mir keine der Kurbeloptionen im Vergleich zur Chorus. Ein Behalten der Chorus-Kurbel ist nämlich bei der Power2Max leider nicht möglich. Auch das ganze Prozedere für Erwerb und Selbst-Einbau, welches auf der Power2Max Website erläutert ist, stieß bei mir nicht auf ungeteilte Freude. Hier fände ich die Option eines Rundum-Sorglos Einbaus aus Händlerhand sehr viel ansprechender.
  • Quarg (Kurbelsystem) (http://www.quarq.com) preislich ist es zwischen Power2Max und SRM angesiedelt. Gibt es auch schon länger als Power2Max. Entsprechend finden sich viele solcher Systeme bei ambitionierten Amateueren, aber auch Profis und Triathleten im Einsatz. Ohne die Systeme genau verglichen zu haben denke ich, dass Viele bei heutiger Neuanschaffung dann das auf exakt dem gleichen Prinzip beruhende Power2Max-System setzen würden. Auch hier gilt, wie auch bei SRM, man muss mit der Kurbelauswahl, die der Hersteller für seine Systeme kompatibel erachtet, zufrieden sein.
  • Powertap (Hinterradnabensystem) (http://www.cycleops.com) Auch die Powertap-Naben, die es in verschiedenen Ausführungen gibt, sind preislich für den Hobby- und Amateurbereich sehr interessant. Dadurch, dass die Leistungsmessung im Hinterrad integriert ist, kann man diese auch auf mehreren Rädern einsetzen (z.B. Straßenrennrad und Zeitfahrmaschine), sofern dort das gleiche Schaltungssystem verwendet wird. Dafür ist man auf genau dieses Hinterrad aber auch angewiesen, möchte man die Leistungsmessung mitlaufen haben. Und kann nicht mal eben im Training diesen und im Rennen jenen Laufradsatz fahren. Oder für die Berge die kompakte Felge und für das Zeitfahren den Hochprofillaufradsatz hervorholen. Es sei denn, man rüstet jeden dieser Laufradsätze mit einer Powertap-Nabe aus.
  • Wie bei den Kurbelsystemen die Kurbel, so ist es hier die Nabe, bzw. der Laufradsatz, bei dem die Auswahl eingeschränkt ist. Es gibt seit diesem Jahr nur noch 2 Optionen von CycleOps direkt. Besser, man lässt sich von einem Laufradbauer was Schönes aufbauen, wie ich es jetzt habe machen lassen. Das geht auch mit Zipps oder anderen teuren Felgen, wenn gewünscht. Was nicht geht, ist die Verwendung von Systemlaufrädern.
  • Polar Look Keo (Pedalbasiert) (http://www.lookcycle.com) Diese ganz neue Art der Leistungsmessung finde ich grundsätzlich sehr interessant. Keine speziellen Laufräder und keine speziellen Kurbeln nötig. Man fährt dass, was man gerade hat oder will ohne Rücksicht auf verfügbare Optionen nehmen zu müssen. Gut, dafür muss man das Pedalsystem mögen. In diesem Fall das verbreitete Keo-System. Auch komplette Laien sollte das Wechseln von Pedalen vor keinerlei Probleme stellen. D.h. kaufen, anschrauben, losfahren. Und beim Radwechsel genauso: Loschrauben hier, randschrauben da, fertig.  Aber, der Teufel steckt im Detail: Ganz so einfach ist das mit dem Schrauben nicht. Es muss schon so einiges beachtet werden, damit kein Unsinn gemessen wird. Etwas Mühe hier wäre aber problemlos verschmerzbar.
  • Der Showstopper beim Keo-Power System ist:
    a) in meinen Augen viel zu teuer,
    b) kein Ant+ (unverzeihlich und damit selbst ins Aus geschossen. Derzeit also nur mit Polar-Headunits verwendbar, die zudem noch absolut ungenügend für das Powerbasierte Training sind.
    c) ich lese immer noch von Probleme beim Einsatz und beim Kunden
  • Garmin Vector (Pedalbasiert) (http://sites.garmin.com/vector/#power) Hier hatte ich hohe Hoffungen und sehr großes Interesse. Aus den prinzipiellen Vorteilen, die ich bei dem Polar-Look-Keo System erläutert hatte. Die Preisvorstellung fand ich auch im Rahmen und dieses System hätte auf den ANT+ Standard gesetzt. Wie man an den Problemen des Keo-Systems sieht, ist die Leistungsmessung am Pedal nicht ohne Probleme. Garmin hat sich daher entschlossen, die Markteinführung dieses Jahr wiederholt zu verschieben, anstelle das Produkt beim Kunden reifen zu lassen.

Das ist die aktuelle Situation verfügbarer und im verbreiteten Einsatz befindlicher (oder leider zurückgestellter) Leistungsmessgeräte. Wer noch ein paar Monate bis ein Jahr (oder länger?) warten kann, der wird sicherlich noch mehr Auswahl haben. Denn auf der kürzlich vergangenen Eurobike und auf der gerade laufenden Interbike wimmelte es quasi nur so vor in unterschiedlichen Markteinführungsstadien befindlichen Neuvorstellungen. Da wäre z.B. das neue kurbelbasierte System direkt von Rotor, ein sehr preiswertes Bluetooth Smart Powermeter welches die Leistung aber nicht direkt messen kann und daher nicht so ganz das Wahre sein kann, ein interessantes System von Pioneer welches aber von den Preisvorstellungen (no Way, José) und den vielen Teilen erst einmal Skepsis bei mir hervorruft und ein ganz ähnliches, aber sehr viel einfacheres und damit sowohl vom Design als auch vom Preis her vielversprechenderes System von StageONE.

Aber wie geschrieben: Diese Systeme sind erst vorangekündigt. Sie müssen zum Teil erst zur Marktreife gelangen. Rückschläge und Neubewertungen sind möglich. Die ersten Vorankündigungen des Garmin Vector Systems liegen z.B. schon Jahre zurück (war ein Konzept einer dann von Garmin aufgekauften Firma).

Von daher hatte ich mich bereits lange vor der Eurobike für eine Powertap-Nabe entschieden und bereue diese Entscheidung jetzt auch nicht.

Jedes System hat seine Fallstricke und kleinen Pferdefüße. Ich bin sicher, ich werde die der Powertap schon noch früh genug entdecken.

So oder so wird es sicher im Laufe der Zeit noch den einen oder anderen Blog-Beitrag zu diesem Themenbereich geben. :)

Powertap G3 mit Campagnolo-Freilaufkörper

Im letzten Herbst hatte Cycleops seine Naben-Familie komplett überarbeitet und das Line Up besteht für Rennräder nun aus der Powertap Pro, der Powertap G3 und der Powertap G3C, welche nach Herstellerangaben durch Verwendung von Keramiklagern nochmals 10 Gramm gegenüber der 325 Gramm leichten G3 einsparen soll. Dafür aber 400,- Euro Aufpreis? Nein.

Die 325 Gramm der G3, die jetzt auch einen sehr viel schlankeren Nabenkörper als frühere Ausgaben aufweist, stellen einen sehr guten Wert, verglichen mit anderen Hinterradnaben, dar. Verglichen z.b. mit einer Leichtbaunabe tune Mag 170 von 178 Gramm erhält man also ein Leistungsmess-System mit nur 147 Gramm Mehrgewicht. Bei schwereren Naben sieht das noch besser aus. Top! Zum Vergleich: ein Power2Max System bedeutet 190 bis 216 Gramm Mehrgewicht zur Originalkurbel.

Laufrad mit tune Mig 70 Vorderradnabe, Sapim-Speichen und KinLin XR-300 Felge

Vorne wollte ich eine tune Mig 70. Die nochmals leichtere Mig 45 hat mir nicht so gut gefallen.

Als Felgen wie eingangs erwähnt die KinLin XR-300.

Als Speichen wählte ich die Sampim CX-Ray. Mit 20 Speichen vorne und 24 Speichen hinten kommt der Laufradsatz auf folgende, von mir gewogene Werte:

Vorderrad 655 gr
Hinterrad 954 gr
Summe 1609 gr

Jeweils ohne Schnellspanner, ohne Ritzelpaket, aber mit leichtem Textilfelgenband.

Meine Fulcrum Racing 3 habe ich nach dem ummontieren auch gewogen:

Vorderrad 677 gr
Hinterrad 878 gr
Summe 1555 gr

Jeweils ohne Schnellspanner, ohne Ritzelpaket und ohne Felgenband, da dies bei den Racing 3 nicht nötig ist.

D.h. ich habe jetzt 54 gr Mehrgewicht zu vorher. Und das ist die Pulverbeschichtung der weißen KinLins. Aber weiß mussten sie halt sein. :) Schwarze KinLins wären 50 gr leichter.

Leider sind es auch ein paar Speichen mehr geworden – die Racing 3 haben weniger. Aber gut, das kann der Robustheit nur gut tun. Und die neuen Felgen sind leicht höher und vor allen Dingen: ich habe jetzt eine Leistungsmessung integriert!

Wo habe ich sie aufbauen lassen?

Ich hatte mich an Lightwolf gewandt. Da konnte ich auf seiner Webseite sehen, dass er schon des öfteren Powertap-basierte Laufräder aufgebaut hatte. Kann ich ihn empfehlen?

Hmm, da bin ich zwiegespalten. Zum einen muss der Laufradsatz sich erst noch länger in der Praxis bewähren. Ob er wirklich ohne Nachzentrieren tadellos schlagfrei bleibt und so weiter. Da legen die Laufradbauer ja immer sehr großen Wert drauf, dass das durch ihre gute Arbeit nicht nötig sei.

Dazu muss ich sagen: ich kenne es gar nicht anders. Bei mir hat noch kein Laufradsatz die Form verloren. Jaja, dann trete ich halt nicht rein wie ein Ochse und wiege halt nix, auch gut. ;-) Aber ich ballere auch schon mal sehr viel heftiger als mir lieb ist durch Schlaglöcher, Rillen, Riefen und Co – denke also schon, das ich als Belastungstester tauge.

Besonders herausragende Handarbeitsqualität kann ich auch nicht entdecken. Der Laufradsatz ist ok und gefällt mir. Nicht mehr, nicht weniger. Nichts, was ich nicht auch von massengefertigten Laufradsätzen oder von anderen Laufradbauern nicht auch erwarten, ja einfordern würde.

Was mir missfallen hat war die sehr lange Lieferzeit (gut, wusste ich vorher, aber Felix Wolf hat die avisierten 4-6 Wochen auch komplett ausgereizt), die Vorkasse (insbesondere im Licht der sehr langen Lieferzeit) und dieses kleine Detail hier an der Innenseite des Felgenhorns des Vorderrads:

Endkontrolle oder überhaupt Arbeitsbeginn an so einer Felge sollte anders aussehen.

Als ich die Laufräder aus ihrer guten Kartonverpackung zog und sie auf ihr Finish überprüfte (mich hätte nach 6 Wochen der Schlag getroffen, hätte ich sie zurückschicken müssen), entdeckte ich recht schnell diese vermeintlche „Schlacke“-Reste an einer Stelle. Also mein lieber Herr Wolf – wie oft hält man eine solche Felge beim Einspeichen in den Händen? Wie gut schaut man sich seine Werkstücke an, wenn man etwas herstellt, was 6 Wochen Lieferzeit hat? Und man Riesenbrimborium um solide Handarbeit macht?

Wäre das tatsächlich Metallschlacke oder irgendwelche festgebackenen Rückstände gewesen, wäre die Felge für den Eimer. Hätte man es nicht spurlos entfernen können, liefe jeder Reifen Gefahr, sich an dieser Stelle aufzuscheuern oder eine Vorschädigung zu erhalten.

Gott sei Dank erwies sich diese Stelle als Sinterrückstand oder Ähnliches von der Pulverbeschichtung und war problemlos mit dem Fingernagel entfernbar. Aber nochmal: Dies festzustellen, zu beheben oder einfach eine neue Felge aus dem Regal zu ziehen (oder Pronto zu besorgen) wäre Aufgabe des Laufradbauers gewesen.

Das eingelegte, selbsklebende Felgenband musste ich auch erst mal noch ein wenig richten. Und last, but not least – im Karton waren nur die Laufräder. Ich vermisste den Karton der Powertap, die Rechnung, Garantiebelege, Unterlagen zur Powertap und das zur Nabe gehörende Batteriedeckel-Werkzeug. Gut, das hatten sie vergessen – kann ja tatsächlich mal passieren. Kommt jetzt aber leider zu den anderen Sachen hinzu.

Von daher: gute Laufräder bauen sicher sehr viele Leute in Deutschland und der Welt. Leider scheint diese Kunst beim Radladen nebenan immer weniger gefragt zu sein. Aber auch wer da keinen an der Hand hat, findet einige überregionale Laufradbauer.

Ich habe da mal ein paar Links (in keiner besonderen Reihenfolge) zusammengestellt:

Lightwolf http://www.light-wolf.de
Whizzwheels http://www.whizz-wheels.de
radplan-delta http://www.radplan-delta.de
Komponentix http://www.komponentix.de
rad-spannerei.de http://www.rad-spannerei.de/laufradbau-komponenten.php
bike-exclusiv.de http://www.bike-exclusiv.de
und als Übersee-Variante z.B.: Wheelbuilder.com http://www.wheelbuilder.com

Was kostet so etwas?

Ich hatte mir im Vorfeld mal die Preise für die Einzelteile grob im Internet herausgesucht:

Für die Felgen etwa 100,- Euro pro Paar

Für die Vorderrad-Nabe Tune Mig 70: 119,-

Für die Sapim-Speichen so grob 88,-

Für die Powertap G3 z.B. 1.079,-

Mein Gesamtpreis war nur wenig teurer und ich fand ihn fair. Mit dem Aufschlag und der Händlereinkaufsspanne der Einzelteile sollte Lightwolf seinen auskömmlichen und rechtschaffenen Verdienst erhalten haben. Wenn jetzt bald mal das zur Nachsendung versprochene Paket mit den fehlenden Unterlagen ankommt und die Laufräder so bleiben, wie sie jetzt sind, bin ich auch mit Lightwolf zufrieden.

Mit dem Look und dem Fahrgefühl bin ich jetzt schon extrem zufrieden! Die Leistungsmessung funktioniert auch problemlos von der ersten Sekunde; das Pairing mit meinem Garmin Edge 800 war ein Klacks.

Jetzt bin ich motiviert am Daten sammeln, um die Leistungsdaten für meine Trainingssteuerung verwenden zu können. :)

Schnelle und rassige italienische Schönheit