Touren & Events

„Renn-Bericht“ Orbit 360 RLP inklusive „Raceday“-Preparation Tips und Know-How

Mein zweiter Orbit. Der erste war der Orbit 360 NRW. Wie der gelaufen ist und welche Eindrücke ich dort hatte, könnt ihr hier nachlesen.

Und falls ihr mit der Orbit-Serie noch nichts anfangen könnt (was eher unwahrscheinlich ist, so toll wurde diese Event-Serie und Idee von Raphael und Bengt aufgenommen und landauf, landab stellen sich Gravel- und auch ganz allgemein radbegeisterte Leute der Herausforderung): Hier findet ihr meinen Beitrag dazu, um was es sich bei Orbit 360 eigentlich überhaupt handelt: Orbit 360 – ein neues Gravel-Format betritt die Bühne.

Vorgestern war es soweit, ich bin den Rheinland-Pfalz Orbit gefahren. Mein eigentliches Haupt-Event diesen Sommer war ja ein anderes. Wie ihr wisst, bin ich das Three Peaks Bike Race gefahren (Rennbericht folgt). Und COVID-konform nicht nur das Rennen an sich, sondern auch meine An- und Rückreise aus und wieder nach Deutschland habe ich mit dem Rad durchgeführt. Das waren in zweieinhalb Wochen dann etwas über 3.000 Kilometer. Insofern blieben und bleiben mir für die Orbit-Rennserie nur wenig Zeit. Aber wenigstens drei Stück zu fahren, um sich auch den 1000 Punkte Bonus zu verdienen, wäre schon reizvoll. Auch wenn selbst dieser Bonus kaum ausreicht, um mich im Ranking der Gesamtserie spürbar nach oben zu spülen. Sagenhaft, was da die Führenden an Volumen raushauen. Zwischen 8 und 11 Orbits (Stand letztes Wochenende vor dem Update des Ranking) haben da die wirklichen Enthusiasten schon erfolgreich befahren und alleine damit so zwischen 2400 und 3300 Finisher-Punkte aggregiert.

Aber völlig egal – jeder einzelne Orbit ist auch für sich genommen Herausforderung genug. Einen entsprechenden Rennkurs dieser Länge (zwischen grob 200 und 300 km) über teilweise schwierigstes Terrain und vorwiegend Off-Road an einem Tag zu beenden bedeutet, eine gute Grundfitness zu besitzen und dann über 11 bis 15 (und teilweise mehr) Stunden auch wirklich alles zu geben. Etwas, was zumindest ich (und ich denke die meisten anderen) für eine einfache selbstgeplante Tour nie machen würden. Hier, mit einem Ranking und Zeitnahme, wenn auch unabhängig voneinander zu fahren, sieht das ganz anders aus. Ansporn und Ehrgeiz sind geweckt! Ideal, um die eigene Komfortzone zu verlassen bzw. auszudehnen und auch, um neue Fertigkeiten zu üben und hoffentlich positive Leistungsadaptionen hervorzurufen (kontrolliertes Overreaching bzw. Breakthrough-Efforts).

 Zwei Wochen Pause sind genug (so gerade):

Mit etwas über 3000 Kilometern über die Straße und mit meinem Drifter im Verlaufe des #TPBR2020 und meinem #RHFN (Riding Home From Nice) geht es mir direkt danach sehr gut. Klar, da ist jede Menge Erschöpfung zusammengekommen und nach 2 Tagen Pause setzt dann auch das gesamte Programm ein. Der Körper bekommt mit: „Ah, jetzt ist tatsächlich Ruhe und Reparatur angesagt“ und fährt das volle Programm mit Wassereinlagerungen und Co. Auch die Kontaktstellen dürfen gerne etwas zur Ruhe kommen. Nichts wirklich wund – aber halt empfindlich. Auch die Handballen freuen sich ganz und gar nicht, wenn sie den Oberkörper auf einem Lenker abstützen sollen. Also erst mal Ruhe und leichte Bewegung. Aber – und das ist das Tolle – sonst habe ich rein gar nichts. Keine angeschlagene Wade, die erst heilen müsste oder ernsthafte Malässen mit Gelenken oder Sehnen. Etwas erholen, und dann kann ich langsam wieder ins Training einsteigen. 

Ich fühle mich sogar so gut, ich hätte wirklich Lust, schon am nächsten Samstag nach meiner Rückkehr den nächsten Orbit zu fahren. Das wäre aber wirklich deutlich zu früh gewesen. Mindestens 2 Wochen müssen es (in meinem Alter sowieso) schon sein. Regeneration ist wichtig!
Wahrscheinlich ist es sogar so, dass ich selbst nach den zwei Wochen und mich komplett fit fühlend immer noch nicht die komplette Frische und den wahren Leistungsstand habe, wie wenn ich anstelle des TPBR ganz normal trainiert hätte.

Nach einer Woche war dann auch das Zusatzwasser wieder aus dem Körper. Trotzdem war es bei den ersten lockeren Ausfahrten so, dass ich automatisch eher bei Rekom-Watt als bei Zone 2 Watt lag, wenn ich einfach so lospedaliert bin. Ein deutliches Zeichen, dass da noch Müdigkeit im Körper war. Das soll nochmal den Punkt des vorherigen Absatzes vertiefen: Wenn überhaupt, dann war ich nach den zwei Wochen so gerade eben just in Time wieder bereit. 

Samstag ist blöd – Sonntags ist blöder:

Das eine war der Aspekt: Erholungszeit. Wie gerade erläutert. Jeder Tag mehr ist besser. Also eher Sonntags wie Samstags. Sonntags sind aber die normalen Geschäfte zu. Blöd. Samstags war morgens Regen vorhergesagt: meh – ich mag’s trocken lieber. Anreise kostet Zeit. Sonntagmorgens ist die Autobahn leerer als Samstagmorgens. Dafür wird die Nacht verdammt kurz, wenn der Orbit etwas länger dauert und man die Rückreise ja auch noch einkalkulieren muss. Nach knapp 15 h ackern auf dem Rad noch 2 h heimfahren und dann früh Montags wieder ins Büro zu müssen: blöd. Nach einer Woche im Büro aber direkt den ganzen Samstag verplanen, der erst mal für den Haushalt, Einkaufen, Freizeit usw. gut wäre… auch blöd. Naja, you can’t win. Also hab ich Sonntag genommen.

Anfahrtszeit und Startzeit:

Wenn es darum ginge, welcher Orbit mir von den bisherigen Berichten am interessantesten erschien, dann wären wohl Rügen (also Mecklenburg-Vorpommern) und Sachsen weit vorne. Die sind aber auch weit weg. Ich bin da pragmatisch: für mich für eine Anreise direkt morgens überhaupt nur in Schlagdistanz sind NRW, Rheinland-Pfalz und Hessen. Rheinland-Pfalz habe ich mir für meinen zweiten Orbit ausgewählt. Und landschaftlich soll der sich auch nicht verstecken müssen. Um so besser.

Die Frage ist: Morgens anreisen (ich habe 1 Stunde und 50 Minuten Anfahrt) oder am Vorabend? Also die Nacht im eigenen Bett verbringen (nichts ist besser) oder draußen biwakieren (nein, extra für einen Orbit, den ich in weniger als zwei Stunden erreiche, nehme ich kein Hotel)?

Wenn die Nacht eh schwül ist, schläft sich’s draußen doch fast besser? Aber dann am Vorabend schon um 22:00 Uhr oder gar früher aufbrechen, harmoniert auch schlecht mit meiner Abendgestaltung. Außerdem dann morgens schon wieder wilde Toillette und mitgebrachtes Frühstück. Vorteil: frühestmöglicher Start. Und Tageslicht ist Gold wert.

Wenn ich morgens erst hinfahre, kann ich frischen Kaffee kochen und gemütlich im Auto frühstücken. Und schlafe im eigenen Bett. Der Abend ist kühl, es ziehen Regenschauer durch. Alles klar, ich schlafe daheim.

Morgens um 5 Uhr geht der Wecker. Also nur 5 Stunden Schlaf. Man muss Opfer bringen. Alles ist am Abend vorbereitet. Trotzdem müssen natürlich einige Dinge erledigt werden. Um 6 Uhr fahre ich los. Um 8:10 Uhr stehe ich in Vallendar, dem für mich logistisch best erreichbaren Anfahrtsziel. Am Freibad dort kann man auch super parken.
Fünf Uhr aufstehen ist ja eine Sache. Den Darm davon zu überzeugen, dass er sich genau so entleeren soll, wie sonst zu späterer Uhrzeit, eine andere. Zwar habe ich daheim brav mein Geschäft erledigt, merke aber in Vallendar angekommen: Jetzt wäre es eigentlich nochmal nötig. Leser meines Berichts zum Orbit NRW werden wissen, wie ich mich da über eine geraume Zeit gequält habe, bevor ich dann doch vor Simmerath in die Büsche musste. Die Lektion habe ich gelernt! Zum einen habe ich mir daheim 5 Feuchttücher in einen Mini-Ziplock-Beutel gepackt (denn auch die RLP-Strecke verläuft zum überwiegenden Anteil tief im Wald abseits von jeglicher Zivilisation – zumindest gefühlt). Zum anderen erledige ich das also lieber jetzt, bevor die Uhr läuft.

Naja, das, das umziehen in die Bikeklamotten, Rad aus dem Kofferaum: Als ich endlich den Wahoo starte und loslege, ist es 08:40 Uhr!

Natürlich ist das fern von optimal. Ich bin zwar nicht in Sorge, dass ich den Orbit heute nicht schaffen werde. Aber ich weiss, dass ich nur mit optimaler Performance so gerade noch zum Beginn oder wenigstens in der Dämmerung am Ziel sein werde. Zuvor habe ich mir die Zeiten der Top Ten Finisher des Rheinland-Pfalz Orbits angeschaut, um ein Gefühl dafür zu bekommen. Der derzeitige viertplatzierte hat 12 h benötigt, der siebtplatzierte 13 h. Der 10. 13:35 h. Gemessen am NRW-Orbit ist eine Top Ten Platzierung für mich nicht unrealistisch und das ist, was ich anstrebe. 13 Stunden plus 08:40 Uhr ergibt 22:40 Ankunftszeit. Upps – dass ist dann doch schon nach dem Ende der Dämmerung. Na egal. Muss ja.

Also liebe Leser: hier und jetzt schon der erste Optimierungspunkt: Tageslicht ist bei einem Orbit durch nichts zu ersetzen. Selbst mit bestem Licht kann man die Strecke nie so gut vorhersehen, den Untergrund nie so gut einschätzen wie bei Tag. Und je verwinkelter die Strecke ist, die man manchmal schon am Tag suchen muss, umso größer ist der Nachteil, wenn man Teile davon im Dunklen zurücklegen muss. 

Ganz klar ein Schwachpunkt meiner bisherigen zwei Orbit-Befahrungen. Aber noch früher als 5 Uhr will ich mich dafür auch nicht aus dem Bett schälen. Priorities…

Fahrrad der Wahl:

Wer nur ein Offroad-taugliches Rad besitzt – egal ob das jetzt ein Gravelbike oder ein MTB ist. Ob’s ein Hardtail oder Full-Suspension ist. Egal wie breit die Reifen sind – einfach einpacken, Orbit angehen und Spaß haben. Keine Strecke besteht nur aus einem Untergrund, keine Strecke ist nur flach oder nur steil. Oder nur holprig oder nur glatt. Mal ist also das eine Rad etwas besser, mal das andere. 

Wenn man aber mehrere Räder hat, kann man schon etwas schauen. Bei mir war das so, dass mein Gravelbike, mein Drifter, gerade noch im Straßen Setup ist und so auch noch etwas bleiben soll. Zugleich ist der RLP Orbit ein super höhenmeterlastiges Biest. Es geht also oftmals nur rauf oder nur Runter. Und wo es lang und oder steil bergauf geht, geht es auch lang und steil wieder bergrunter.

Und gerade bei letzterem kann man mit einem Mountainbike, ganz besonders mit einem vollgefederten MTB, richtig Speed machen. Komme was da wolle – egal ob genial gleichmäßige Gravel-Abfahrt (wo doch mal, gerade dann wenn man nicht 100 Prozent konzentriert ist, ein Schlagloch oder ein größerer Stein im Weg liegen kann) oder wurzeliger Singletrail. Typische Waldwege in deutschen Mittelgebirgen sind sowieso für schnelles Befahren mit dem Gravel-Bike eher so „Mittel“. Auch mit etwas breiteren Reifen über 40 mm Breite. Da sind die Seitenfahrspuren mehr oder weniger ausgeprägt, der Boden oftmals bindig und hart und uneben. Zusätzlich liegen noch Steine drauf, die eben nicht im Bett von umliegenden gleich großen Steinen versinken, sondern jeder einzelne für sich eine Gefahr für Reifen und Felge darstellen, wenn man ein etwas größeres Exemplar übersieht und stumpf überfährt. Gerade bei schnelleren Abfahrten steht man daher oft aktiv in den Pedalen, konzentriert einer möglichst optimalen Fahrtspur folgend und jederzeit aktiv kleinere und größere Stöße in den Beinen abfedernd. Langer Rede kurzer Sinn: Mit einem Fully kann man jede lange Abfahrt runterbrettern und dabei sogar noch entspannen, wo man teilweise mit einem Gravelbike schon kalkuliertes Risiko für die Reifen eingeht – und/oder halt so aktiv im Sattel und auf den Pedalen ist, dass es auf jeden Fall mehr Energie kostet. Vom Gerüttel in den Armen ganz zu schweigen. 

Traktion und Steigfähigkeit ist dann ein Faktor, wenn es extrem bergauf geht. Mit Steigfähigkeit meine ich hier die Ausprägung der Geometrie, die es erlaubt, Druck auf dem Hinterrad zu halten und die Front nicht aufsteigen zu lassen. Hier zählt aber vor allem auch möglichst leichtes Gewicht. Und wenn es gar zu steil und vielleicht zu verblockt oder verwurzelt ist, dann schiebt oder trägt man eh. Übrigens habe ich da neulich eine Literaturquelle gefunden; ab 13-16 % Steigung verschwindet der energetische Vorteil des Radfahrens (also im Sattel bleiben) gegenüber dem Laufen (also Schieben) (ARDIGO LP, SAIBENE F, MINETTI AE. The optimal locomotion on gradients: walking, running or cycling? Eur J Appl Physiol. 2003; 90: 365-371. doi:10.1007/s00421-003-0882-7). Empirisch hat das wohl jeder schon mal beobachtet. Wenn man nicht gerade superfit einen Anstieg hochpowert, der auch nicht allzu lang ist (sonst würde man beim Absteigen und Aufsteigen + Wiederanfahren eh weitere Verluste einhandeln), sondern auf wirklich langer Tour ist, steigt man schon mal ab, wechselt somit die Art der Belastung für den Körper ab und ist immer noch genau so schnell. Bzw. genauso langsam. ;-)  Also nur ein gewisser Vorteil für ein MTB in einem engeren Rahmen. 

Aus den Überlegungen heraus habe nicht nur ich den RLP Orbit mit einem MTB befahren, sondern schon ein paar andere – auch sehr schnelle – Teilnehmer vor mir. Die Überlegung kann also nicht so ganz abwegig sein. ;-) Zudem habe ich erfahren, dass auch der Scout dieser Strecke damals nur ein vollgefedertes Mountainbike hatte.

Alles klar – deswegen habe ich mein Rose Thrill Hill ausgewählt. Lange Tagesetappen sind diesem nicht fremd. Schließlich war ich mit ihm ja schon in Marokko zum Atlas Mountain Race.

Mein Rose Thrill Hill aufbruchsbereit vor dem Start in Vallendar

War ich damit zufrieden? Ja sehr! War es das optimale Rad? Gut, was ist schon optimal. Über eine so lange Strecke wechselt der Eindruck für das optimale Rad des öfteren. Und doch – Ich würde mein Fully für diese Strecke wohl wieder vorziehen. Nicht zuletzt auch aufgrund der Übersetzung, die ich mit 32 auf 51 mit diesem verfügbar habe.

Das optimale Rad? Vielleicht ein Racefully wie meines, aber noch mehr auf Leichtgewicht getrimmt. Dann wird’s aber teuer. Integrierte Lenker und Vorbau-Einheit. Verzicht auf die Ergon Griffe und Mini-Hörnchen (wäre aber blöd, da für die Langstrecke und die Griffergonomie sehr wichtig) und vor allem wirklich leichte Carbon-Laufräder. Der Rest ist schon „maxed out“ an meinem Thrill Hill. Und mit maximal 2 Zoll Reifen anstelle meinen 2,2 Zoll Maxis Ikon. Vielleicht auch mit Diamant- oder Filethread auf der Lauffläche und nur Kantenstollen. Bzw. dasselbe als Hardtail. Aber wie eingangs dieses Abschnitts geschildert: auch mit einem Gravelbike wird man sich nicht verkehrt auf dem RLP Orbit vorkommen.

Verpflegung und Mitgenommenes:

Extrem wichtiges wie damit auch schwieriges Thema. Ohne konstantes Nachführen von Energie lässt sich ein solcher Tag in der nötigen Intensität nicht durchstehen. Klar, locker am unteren Rand der Grundlagenleistung spazieren fahren, das geht den ganzen Tag. Gegessen wird dann, wenn man auch an einem normalen Tag im Büro oder im Liegestuhl Hunger entwickeln würde. Alles drüber braucht jede Menge Kalorien.

Wie viele? Da ich an allen meinen Rädern Leistungsmesser habe, lässt sich der Bedarf recht einfach ermitteln. Am Ende des RLP Orbit habe ich eine Arbeit in Höhe von 6.422 kJoule verrichtet. Dazu muss ich sogar eigentlich noch den nicht vom Leistungsmesser erfassten Anteil einiger kurzer Schiebepassagen hinzuaddieren. 

Das ist die verrichtete Arbeit. Um daraus auf die verbrauchte Nahrungsenergie zu schließen, brauchen wir noch den Wirkungsgrad des menschlichen Körpers beim Radfahren. Der liegt praktischerweise relativ konstant (für unsere Zwecke) bei 22 – 25 Prozent. Wenn man im Detail nachschaut, wird es natürlich wie immer komplexer (siehe hier: Böning D, Maassen N, Steinach M. Der Wirkungsgrad von Muskelarbeit. Dtsch Z Sportmed. 2017; 68: 203-214). Aber die Größenordnung ändert sich nicht. Ein Viertel also. Das ist sehr praktisch, da wir die Leistung auf dem Rad in Watt und die Arbeit in kJoule messen bzw. angeben und den Energiegehalt von Nahrung in kCalorien. 1 kcal entspricht 4,184 kJoule. Was ebenfalls ziemlich genau 1/4 ist. Also kann man, wie schon öfters hier in meinem Blog erwähnt, die erforderliche Kalorienmenge sehr gut auf seinem Radcomputer bzw. später in der Trainingssoftware ablesen. Bzw. wenn man weiss, was auf einen zukommt, auch in die Taschen packen. Das Vorab in die Taschen packen geht aber auch so: man weiss ja grob, was man so pro Stunde braucht, damit man halbwegs nachkommt.

Also, 6.422 kJoule am Ende. 
Hab ich das unterwegs an Kalorien reinbekommen?

Ich war zwar anfangs gut – insgesamt, aber: nope, gar nicht.

Auf dem Rad mitgeführt habe ich knapp 4.000 kCal. Dazu packe ich am Vorabend alles in mein Körbchen zum mitnehmen, was halbwegs brauchbar für meine Zwecke ist.

Insgesamt 7 Teile, die als „Riegel“ durchgehen. 2 Snickers, 1 Enervit-Riegel (frisch im Three Peaks Bike Race in Sault gekauft und wie üblich daheim in der Tasche gefunden), 1 Powerbar Protein-Riegel, 1 Corny Salty Peanut, 1 Keks mit Schoko, 1 Corny Classic Milch (die letzten drei Dinge noch aus den Einkäufen für den NRW Orbit)
Dazu noch 7 Powerbar PowerGels. Die sind mir eigentlich am liebsten. Ich kann sie immer runterbringen – egal ob unter starker Belastung oder nach stundenlangem Fahren. Beim Einkaufen am Freitag abend fallen mir im Supermarkt noch 3 Bifi Roll in den Einkaufswagen (ganz praktisch als herzhafte Abwechslung und sehr gut unterzubringen wie auch einfach aufzumachen – wenn auch kein kulinarisches Highlight). 2 Fruchtquetschies habe ich auch noch. 

Dazu schmiere ich mir ein Toastbrot-Sandwich mit Käse (samt Butter, etwas Salz und Sandwichcreme) und 4 Frischei-Waffeln mit jeweils Erdnussbutter und Marmelade. Die kommen in Alufolie.

Hinsichtlich Getränken habe ich das ganze Frühjahr und den Sommer gute Erfahrungen mit Maltodextrin gemacht. Ich mixe in meinem üblichen Verhältnis 120 g Maltodextrin plus 40 g Rohrzucker in meine 1 l Trinkflasche. Mehr passt ohne weiteres leider nicht an mein Thrill Hill.

Weil selbst mir 1 l zu knapp ist, stecke ich noch eine 0,33 l Trinktüte Capri-Sun in eine der Trikottaschen.

Der ganze Rest kommt vorwiegend in eine Foodpouch, die ich an Lenker und Vorbau befestige und auch in die Trikottaschen. Da muss auch Handy, meine Kompaktkamera, Autoschlüssel und Windweste rein. Auch die Gore Shakedry-Jacke. Denn der Wetterbericht sieht zwar gut aus, aber trotzdem könnte es vereinzelt Schauer geben. Und kühl könnte es auch werden. Nicht ganz von ungefähr habe ich für heute mein Café du Cycliste Audax Jersey ausgewählt. Ich bin zwar mit dem engen Schnitt der Taschen ihrem etwas zu hohen Ansatz nicht ganz so zufrieden (siehe meine Besprechung dazu hier), aber durch die nochmal über die gesamte Rückenbreite laufende Netztasche bekomme ich die Regenjacke sowie auch meine Silberlinge gut unter. Nur die letzten zwei Bifi Roll müssen noch wo anders hin. Kurzerhand wandern sie über den Front-Reisverschluss unter mein Jersey an den Bauch. Da stören sie auch gar nicht. 

In der zweiten montierten Tasche, der Apidura Toptube Bag, befindet sich eine winzige Powerbank für den Wahoo, meine Petzl Stirnlampe als einzige Lichtoption, Minitool, ein Sachet Powerbar Isomaxx für eine zweite Flaschenfüllung, ein paar Feuchttücher, eine Mund-Nasen-Gesichtsmaske und Geld + EC-Karte sowie eines der Fruchtquetschies. 

Wasser:

Wasser war so eine Geschichte. Mit Nahrung kann man sich ziemlich beladen. Wasser wird halt direkt nochmal schwerer. Und will auch untergebracht sein. Trinkrucksäcke sind nicht so meins. Und selbst wenn – ich wollte nicht mit 4 oder gar noch mehr Kilogramm Extragewicht am Start stehen.  Schon gar nicht bei einer Strecke, die deutlich über 4.000 Höhenmeter aufweist. Das hier ist ja nicht der hohe Atlas. Aber – ein Sonntag im Taunus, immer schön abseits von größeren Orten ist gefühlt ähnlich trocken. Denn da ist… Nichts!

Bei meiner Startortwahl ist mir schon von Anfang an klar, dass ich durch Diez schon recht früh komme. Nach 55 Kilometern schon. Da habe ich quasi noch gar nichts verbraucht. Danach ist aber Ebbe. Wenn etwas an Orten kommt, dann sind das kleine Dörflein. Selbst an einem Samstag hätte es da nur hier und da eine Einkaufsoption gegeben. Tankstellen: Fehlanzeige. Selbst Cafés oder Kneipen: rar gesäht und auch überhaupt nicht meine Präferenz. Die einzige Tankstelle, die überhaupt an der Strecke liegt und auch am Sonntag auf hat, kommt erst bei km 182 für mich. Dazwischen die einzige Möglichkeit, wirklich offene Imbisse und ähnliche Gelegenheiten vorzufinden: direkt am Rhein bei Kaub vor der Fähre und direkt danach in Bacharach. Das ist nach 143 km von meinem Startpunkt aus gesehen. Schon besser, wird auch als Verpflegungsoption fest eingeplant, aber davor brauche ich trotzdem noch was. Da ist aber quasi nur Wald. Selbst eine Suche in Open Street Maps (Tip: nutzt diesen Link, um per Overpass nach entsprechenden Inhalten der OSM zu suchen, voreingestellt auf Trinkwasser: http://overpass-turbo.eu) nach Trinkwasser fördert eine einzige Quelle bzw. Brunnen entlang der Strecke nach Diez zu Tage. Komischerweise auf keinem der Friedhöfe. Aber, ok – dass muss reichen. Bzw. ich bin mir sicher, dass es bei kühlem Wetter wenn gar nichts klappt mit Ach und Krach mit meinen 1,33 l bis Kaub reichen kann. Wäre nicht optimal, aber auch nicht dramatisch.

Zwischendrin finde ich dann doch unterwegs einen Friedhof direkt an der Strecke. Und meine Flasche ist auch nur noch zu weniger als einem Drittel gefüllt. Also rein da. Der „Hahn“ ist zwar nicht optimal. Ein Schwimmer-blockierter Auslass knapp über einem Becken, in dem das Wasser steht. Aber ich bekomme frisches Wasser zumindest per Teilstrom direkt in die flach gehaltene Flasche. Gott sei Dank.

In Kaub passt es von der Fähre gut, dass ich noch kurz in „Bennos Truck Stop“ reinhuschen kann und mir eine Dose Cola und eine 0,5 l Flasche stilles Mineralwasser aus dem Kühlschrank holen kann. Und ein Nuii-Eis am Stil dazu.

Damit komme ich bis zur Shell-Tanke bei km 182. Hier bin ich dann schon gut „durch“. Die Sonne mit ihrem Tageslauf auch. Sie ist dabei, unterzugehen. Milchreis oder Griesbrei (siehe TPBR2020) wäre jetzt göttlich. Alternativ, nein, mindestens genauso gut, auch Käsekuchen. Alles drei nicht im Angebot. Eine Quark-Himbeer-Tasche sitzt da noch einsam in der Cafébar-Theke. Sieht schon ein bisschen trocken aus. Aber gleichzeitig noch am ehesten so, als ob ich das noch herunterbringen kann. Gut – dann die Quark-Tasche und aus dem Kühlregal eine Dose Fanta, ein Starbucks-Cappuccino und eine 0,5 l Flasche Powerrade für meine Flasche am Rad.

Typische Langdistanz-Szene: Nachschub anner Tanke. Inklusive Sonnenuntergangs-Reflektion.

Macht (ohne die Fanta, die als Not-Reserve bis nach dem Stop am Ziel durchhält) zugekaufte 960 oder sagen wir 1000 kcal.

Summa summarum 5000 kcal! Das ist eine Menge. Interessanterweise nahezu exakt gleich viel wie ich beim NRW Orbit zu mir genommen habe. Leider aber bei nochmals 425 kJ mehr Arbeit, die ich beim RLP Orbit geleistet habe. Also 1422 bis 1500 kcal zu wenig.
Klar habe ich davor auch nicht knapp gefrühstückt (741 kcal) und bin auch mit vollen Speichern los. Aber optimal war das trotzdem nicht. 

Ich hätte sogar noch ein paar Kalorien gehabt. Bei dem, was ich oben zusammengerechnet habe, sind der Powerbar Protein Riegel und der Keks nicht aufgeführt. Die Fanta auch nicht. Aber ich war gegen Ende so durch – auch mit Essen. Nach dem letzten Gel im Tal vorm letzten Anstieg in der Nähe Boppard hatte ich wirklich keine Lust mehr, irgendwas zu essen. Habe nur noch gierig aus der (kalorienmäßig ziemlich armen) mit Powerade gefüllten Flasche getrunken. Ganz zum Schluss auf den letzten 5 Kilometern sogar Magenknurren und innerliches Debattieren, ob ich doch noch den Keks raushole oder die seit der Shell-Tanke mitgeführte Dose Fanta öffne (kein totes Gewicht, denn meine Flasche ist jetzt schon wieder leer und die Fanta war somit wichtiges Sicherheitsnetz). Entscheide mich dagegen. Somit habe ich da gegen Ende nicht nur von der Anstrengung oder auch/eher von der gefühlten Anstrengung kaum mehr Druck auf dem Pedal. Bzw. noch anders ausgedrückt: die gefühlte Anstrengung wäre sicher auch geringer ausgefallen, wenn ich auch da noch optimal verpflegt gewesen wäre. Platt war ich aber so oder so.

Was kann man noch besser machen? 

Das ist natürlich in gewissen Sinn individuell.

  • Für mich selbst: eher noch ein paar Gels und Fruchtquetschies mehr mitnehmen. Wobei Gels sich besser packen lassen und Quetschies leider nicht so energiedicht sind und auch mehr Volumen benötigen. Aber dafür auch ohne Wasser verzehrt werden können und sogar von sich heraus Wasser mitbringen. Sogenannte Hydrogels gingen evtl. auch.
  • Oder: noch etwas höher konzentrierteres Maltro-Getränk anmixen und mehr Pulver mitnehmen.
  • Oder: im Vorfeld eine vernünftige Bäckerei / einen vernünftigen Supermarkt mit passender Auswahl besuchen. Leider gibt es meine im TPRNo1 entdeckte „Geheimwaffe“ in Deutschland so selten: Mini-Beignets. Also Mini-Berliner. Die gehen für mich super. Lassen sich auch gut aus der Foodpouch selbst in steilen Anstiegen essen. Teilweise zerschmelzen die sogar im Mund. Und gut Kalorien haben die auch.
  • Oder: für so einen Tag sich dann doch mal wieder an’s Backblech stellen. Selbstgemachte Milchreisriegel (als süße Variante) oder Sushireisriegel mit Schinken und Ei (als herzhafte Variante) sind genial. Schmecken aber leider auch nur frisch. Einfrieren bringt die sofort vom Status genial auf Status ungenießbar. Für mich zumindest.
  • Oder: nur Strecken auswählen, die richtig große Tankstellen mit geiler Auswahl in genügend enger Abfolge aufweisen. ;-)

Landschaftliche Reize und Eindrücke von der Strecke:

Die großen Highlights sind natürlich die Ausblicke über die Lahn und der Rhein bei Kaub. Dazu auch Koblenz mit dem Deutschen Eck. Dazwischen liegt natürlich jede Menge Strecke. Und jede Menge Wald. Das ist in der Natur der Sache. So eine Orbit-Strecke ist in erster Linie Herausforderung und rein von der verbrachten Zeit ist man länger irgendwo in einem Waldstück unterwegs, das fast überall im Mittelgebirge sein könnte, als einen einzigartigen Panoramablick über den Rhein zu genießen.

Deswegen habe ich mich auch im Nachgang ertappt, zu denken: „Gravel – Schmavel. Ein schönes, leichtes Rennrad (oder mein leichtes Drifter mit nicht all zu breiten Reifen) und Rheintal auf und ab oder an der Lahn entlang und das nicht zu weit = zigfach mehr Tourismus-Wert und Ausblicks-Genuss bei nur einem Viertel Leiden. Bzw. gar keinem.“ ;-)

Aber nicht während des Orbits selbst. Da ist die Motivation ja auch eine ganz andere. Und trotzdem kann man kurz, zumindest solang die Strecke da entlang führt, die Highlights genießen.

Und das war jetzt auch gar nicht so kurz. Von der Lahn hat man richtig lange was. Ich starte in Vallendar bei Koblenz. Das ist nicht nur am nächsten von meinem Anreisepunkt aus gelegen, sondern sorgt auch dafür, dass ich einen der längsten zusammenhängenden Anstiege, der aber gleichzeitig auch sehr moderat in den Gradienten ist, zum Aufwärmen und dann lospowern nutzen kann. Dabei ist der Weg sehr gut fahrbar; wäre es auch für Gravelbikes. Schon wenig danach führt die Strecke zur Lahn hinab nach Nassau. Und sofort wieder rauf. Über einen tollen Singletrail. Nicht sehr technisch, gut zu fahren. Aber mit ein paar Stufen. Hier fühlt sich das MTB auf jeden Fall zu Hause.

Singletrail bzw. Wandersteig in teils prekärer Lage hoch über der Lahn.

Dazu geht’s rechts steil runter und immer mal wieder tolle Blicke auf die Lahn:

Hoch über der Lahn mit Blick auf Nassau

Hier bin ich aber schon ein Ticken zu weit. Die Laune, auf dem Trail zu sein und gleichzeitig die Konzentration, sowohl auf dem Bike zu bleiben als auch nicht den Hang runter zu stürzen, hat mich einen im spitzen Winkel zurück und hochlaufenden Abzweig des Pfades übersehen lassen. Kein Beinbruch – sofort nach den Fotos sehe ich das und fahre die 100 Meter zurück. Upps, steil – Schieben notwendig. Oben dann eine Felsengruppe mit Stahltreppe. Ich bin zwar im Racemodus, aber da jetzt nicht mal kurz zu scouten, welcher Ausblick sich bietet, wäre ja auch Frevel.

Auf zum Ausguck unter dräuenden Wolken. Hoffentlich behält der Wetterbericht recht und es bleibt trocken.

Um’s kurz zu machen – was ich mit meinem Blick und nur ein paar schnellen iPhone-Fotos vor Ort ebenso gemacht habe – ich war eher unterwältigt. Ganz nett, aber es war eh kein Fotolicht. Also schnell weiter. Immer noch auf schmalen Pfaden. Erst ein Stück oberhalb der Lahn entlang, dann weg von ihr Richtung Norden. Später bei Diez gibt’s jedoch ein Wiedersehen. Ein ausführliches. Vom eigentlich vorgeschlagenen Startpunkt des Orbits geht es wunderbar ein ganzes Stück direkt am Ufer der staugeregelten Lahn flussab entlang. Dann über eine Brücke und ähnlich weit, aber auf höherem Niveau und über einen toll flowigen mal mehr mal weniger breiten Pfad entlang. Herrliches Stück!

Danach folgt ein langer Streckenteil, an dem kommen die Reize eher an den Beinen als an den Augen an. Es geht, natürlich, zunächst mal wieder rauf. Beträchtlich. Aber über einen genialen schmalen Pfad. Ja, er hat teils Wurzeln, nicht zu knapp. Trotzdem von der Art, über die man auch mit einem Gravelbike halbwegs rüberkommt. Ein gewisses Underbiking wäre es aber schon. Mit einem MTB ist man im Wunderland. Macht richtig Laune, da endlos hoch zu fahren. Da ist genug Flow drin, die Steigung so, dass man schön Druck auf dem Pedal halten kann aber trotzdem Speed hat. Und vor allen Dingen ist die Strecke jederzeit flüssig und wie vorrausschauend zu fahren. 

Großes Lob an den Streckenscout! Zwar pendelt mein Blick immer hin und her zwischen Track unmittelbar vor mir, Linienwahl etwas weiter voraus und immer wieder auf die Tracklinie des Wahoo, weil ich das nur zu gut kenne, wenn da dann doch plötzlich ein Pfad abzweigt und der vorgegebene Track Haken schlägt. Aber: das ist hier und heute kaum nötig. Solche Spirenzchen, aus voller Fahrt über einen guten Weg plötzlich nach links ins zugewachsene Unterholz abzubiegen oder in einem Wirrwarr aus dichten Trampelpfaden die unlogischste Abfolge vorzugeben hat der Rheinland-Pfalz Orbit nicht nötig. Und dadurch zeichnet sich gutes und flowiges Streckendesign aus. Schließlich wollen wir Strecke machen und uns nicht auf 100 Quadratmeter Stadthain austoben. Genügend kleine und schmale Singletrails und auch ein paar (niemals unfaire) Überraschungen warten aber trotzdem.

Es folgt eine lange, schöne Abfahrt durch das enge Tal der Wisper. Wie die meisten Abfahrten und auch alle Waldwege, die keine Singletrails sind, ist die Wegqualität hervorragend und auch sehr gleichmäßig. Dieses Urteil mag ein wenig dem Umstand geschuldet sein, dass ich natürlich auch sehr bequem mit meinem Fully da drüber gebügelt bin. Wie schon im Abschnitt zur Bikewahl beschrieben habe ich hier alle Vorteile auf meiner Seite und kann es voll Laufen lassen und gleichzeitig entspannen. Aber denke mir auch gleichzeitig dabei: Hier wäre man auch mit einem Gravelbike nicht wesentlich langsamer. Wenn überhaupt. Und doch: ohne mich anzustrengen sehe ich im Anschluss auf Strava, dass ich im entsprechenden 4,25 km langen Downhill-Segment auf Platz 8 von 85 gelisteten Fahrern lande.

Danach folgt aber eine Rampe, die sich gewaschen hat! Sie findet sich auch schon im „Klappentext“ des Scouts zur Strecke. Einer der steilsten Anstiege des RLP-Orbits, über einen Kilometer lang, der Falllinie folgend in der Spitze etwas über 15 %.  Was sich auf Asphalt gar nicht soo steil anhören und anfühlen würde, aber auf dem rauen und relativ rolligen Schotter eine ordentliche Herausforderung darstellt. Ich habe ordentlich zu tun und kann nur dank meiner kleinsten Übersetzung (vorn 32 und hinten 51) eine mittlere Kadenz von 74 wahren, muss aber in den Steigungsspitzen bis auf 35 runter und Traktion sowie Aufsteigtendenz des Vorderrads unter einen Hut bekommen. Klar könnte man auch Schieben – aber wo ist da der Spaß? ;-) Schieben kommt schon noch. Es gibt auch auf dem RLP Orbit kurze Stücke, die sowohl irre steil, als auch mit einer fiesen Schicht aus Laub und rolligem Material bedeckt sind. 

Es geht nochmal tief runter, nochmal zur Wisper, dann wieder hoch (irgendwo müssen die ganzen Höhenmeter ja herkommen), bevor schließlich langsam mal die Abfahrt zum Rhein folgen muss. Wird auch Zeit, neues Wasser und mal ne Cola oder sowas wäre gut. Ich will jetzt auch die Fähre hinter mich bringen. Wenn das geschafft ist, komme ich auf jeden Fall aus eigener Kraft und ohne anderen Zwangsaufenthalt zurück ins Ziel. 

Hach schön, sogar Asphalt für die Abfahrt. Bald bin ich in Kaub. Ach nein – rechts runter vom Asphalt und weg von der Abfahrt? Wie blöd – ich will doch jetzt endlich Kaub erreichen! Aber: Überraschung: Ich befinde mich auf einem weiteren schmalen Pfad am Schieferhang und nach der nächsten Kurve sehe ich: das obere Mittelrheintal mit der bekannten Burg Pfalzgrafenstein. Oh wow!

Blick über den Rhein

Zwei, drei Serpentinen durch den Weinberg, dann noch eine steile Straße runter und ich bin an der Uferstraße in Kaub. Die Fähre habe ich oben im Weinberg schon Richtung Gegenufer fahren sehen. Heisst, ich werde etwas Zeit haben, den schon im Vorhinein in Google ausgekundschafteten Imbiss anzufahren, der direkt gegenüber des Fähranlegers ist. Cola, 0.5 l Wasser und ein Eis, wie schon im Abschnitt Verpflegung geschrieben. Dann rolle ich eben über die Straße und reihe mich hinter drei Autos und drei Motorrädern am Fähranleger ein. Die Fähre ist da schon am Anlegen begriffen. Ich muss da nur rund 2 Minuten warten, kann dann schon auf die Fähre und kurz drauf legt sie auch schon ab. Die Cola trinke ich während der Überfahrt, das Eis muss ich sogar schon am anderen Ufer essen. Trifft sich gut, ich mache heute zwar nur ganz wenige Fotos, aber ein paar von der Burg Pfalzgrafenstein während der Überfahrt und vom linken Rheinufer müssen schon sein. 

Ok, ist schon spät. Let’s do the Rest. Continuing #LetsOrbit. Kurz über den Radweg am Rhein nach Bacharach, kurz da durch gerollt. Wer auf Einkehr Wert legt: hier gibt es auf einem Kilometer mindestens 8 verschiedene Möglichkeiten. Ich rolle aber fix durch das Örtchen und dann heisst es auch schon wieder klettern. Rechts ab und stracks hoch in den Weinberg. Teils auf Wiesenweg, teils auf Asphalt. Aber erstmal, steil. Ich schiebe lieber. Bald werden die Gradienten aber wieder verträglich. Mindestens zwei weitere Burgruinen schieben sich in der Folge in den Blick. In der Folge wird’s trotzdem zäh. Der ganze Tag ist schon superwindig. Klar, wie immer Gegenwind, wenn jemand vom Radfahren erzählt. ;-) Hier jetzt aber wirklich. Gleichzeitig ist die Strecke ausgesetzt. Und ich somit auch dem Wind. Der ganze Tag ist heiter bis wolkig. Was bis jetzt für sehr angenehme Radfahr-Temperaturen gesorgt hat, fängt langsam an, etwas kühl zu werden. Wenig Sonne, früher Abend, ordentlicher Gegenwind – das zehrt schon mehr, als wenn der Wind kaum wahrnehmbar, weil von hinten, kommt. Ich hole die Windweste raus und zähle die Kilometer bis zur Shell-Tanke. Jetzt gerade bin ich auf Asphalt und es rollt ganz gut. Schon den ganzen Tag über habe ich es mir angewöhnt, meinen Lenker auf Flachstrecken, besonders im Wind, eng neben dem Vorbau zu greifen. Das geht erstaunlich gut und sorgt dafür, dass ich nicht wie ein Chopper mit breiten Armen den Windfang gebe, sondern sogar noch schmaler greife, als wenn ich auf die Hoods meines Rennlenkers fassen würde. Was bleibt, ist der Rollwiderstand der breiten 2,2 Zoll Maxxis Ikon, mit der mein Race-Fully bereift ist. Unstreitbar: mit den Schwalbe G-One Allround in 35 mm Breite, die derzeit auf meinem Gravel-Laufradsatz montiert sind, wäre ich hier schneller. Aber auch nur auf diesen insgesamt 21 % Asphalt, mit der diese Strecke ausgewiesen ist. Trotzdem komme ich gut voran. Noch besser sogar, als ich zu hoffen gewagt hatte, denn der Asphalt geht noch weiter. Und zwar in Form eines sehr schön zu fahrenden Bahntrassenradwegs. Der führt fast ganz bis zum Industriegebiet, in dem sich die Tankstelle direkt am Rennkurs befindet.

Gelobtes Land! :) Schnell rein und schnell wieder raus. Meine Auswahl habe ich ja bereits im Abschnitt „Verpflegung“ aufgezählt. Nur das „rein“ der Quarktasche geht nicht ganz so schnell. Mittlerweile bin ich schon soweit, dass fast jeder Bissen mit Flüssigkeit genommen werden will, damit ich da nicht gefühlt minutenlang drauf rumkaue. Das geht aber mit dem Kaffee gut. Will mir aber trotzdem fast zu lange dauern, weil es auch da im Stillstand jetzt empfindlich kühl wird. Ich will die Shakedry Jacke aber noch nicht anziehen. Wenn ich gleich wieder fahre, geht’s wieder.

In die Dunkelheit:

Von weiteren landschaftlichen Reizen kann ich nun nicht mehr berichten; die Dämmerung bricht herein. Doof. Schnell noch soviel Strecke im Restlicht machen, wie’s geht. Leider wird es in den häufigen Waldstücken richtig duster, auch wenn man im Feld noch gut den Weg sehen kann. Hmm. Jetzt schon die Stirnlampe rausholen? Ist noch ein gutes Stück, mindestens 2,5 Stunden. Wird deren Akku so lange halten? Sollte er. Mindestens mal auf der zweithellsten Stufe. Wie lange hält der eigentlich für die volle Stufe? Ich weiss es gar nicht. Dass sie tauglich ist, hat sie in Marokko schon bewiesen. Trotzdem bin ich bei Akku-Lampen immer der übervorsichtige Geizhals. Strommäßig. So lange es geht, versuche ich daher, ohne Lampe auszukommen. Ganz schönes Risiko. Und langsam macht es mich auch. Endlich bin ich unten und in einem Örtchen vor Boppard mit Straßenlaternen und Co. In der Auswertung prüfe ich diesen Abschnitt: Die gesamte Abfahrt ohne Licht hat 12 Min gedauert. Ich bin mit einem zahmen Schnitt von 21.8 km/h geschlichen. Eine vergleichbare Abfahrt zuvor mit einem Schnitt von 42 km/h. Ergo – 6 Min verschenkt. Davor war ich auch schon mit gebremstem Schaum 15 Min unterwegs. Also nochmal grob 7 Minuten drauf. Macht 13 Min verschenkt, nur weil ich den Akku der Stirnlampe unnötigerweise schonen wollte. Man weiss ja nicht, welche komischen Schiebestücke noch kommen und wann man dann doch endlich erst im Ziel ist.

Jetzt geht es aber nicht sowieso nicht mehr ohne Licht. Also das letzte Gel rein, nochmal eine Stange Wasser in die Ecke gestellt, den Akku vom Wahoo abgezogen (den hatte ich davor etwas nachgeladen) und die Stirnlampe hervorgeholt. Wenn schon stoppen, dann gleich für mehrere Dinge auf einmal – oder auch nur für ein Foto. ;-) 

Im Schein der Stirnlampe schaue ich im weiteren Verlauf in mindestens 7 Paare von reflektierenden Fuchsaugen, höre mindestens ein Hirsch und ansonsten zig Raschel- und andere Geräusche die alles mögliche von Rehbock bis Wildschwein gewesen sein könnten. Das ist der letzte Anstieg. Also der letzte lange. Danach noch etwas wellig und dann kommt schon ein Flachstück durch Koblenz, über den Rhein und dann direkt am Rheinufer entlang. 

Na, da schau, da ist ja schon das Deutsche Eck. Gut – davon mache ich doch noch ein, zwei Fotos.

Das Deutsche Eck macht auch in der Nacht was her.
… natürlich mehr noch, wenn ein Bike davor abgelichtet wird. ;-)

Jetzt ist aber auch wirklich gut. Wie schon geschrieben bin ich restlos durch. Essen will ich nichts mehr, obwohl der Magen schon knurrt. Aber nur noch 5 Kilometer! Vallendar liegt aber ein gutes Stück oberhalb des Rheins. Einmal muss ich also noch hoch. Auch das geht vorbei. Erst steil über Asphalt, dann in einen kleinen Pfad. Ebenso steil. Also nochmal Schieben. Ein letztes Mal. Dann endlich oben. Noch zwei, drei Anwohnerstraßen und ich rolle leicht abschüssig auf das Freibad und den gegenüberliegenden Parkplatz zu, wo ich am Morgen gestartet war. 

Geschafft! 224 km mit 4083 Höhenmetern in 14:53:43 Stunden.

Wahoo-Screenie

Hier der Link zur entsprechenden Strava-Aktivität:

Climbomaniac-Steepolicious Orbit360-Edition: Rheinland-Pfalz

Und damit: vielen Dank für’s Lesen! Wie sieht es bei euch aus. Habt ihr schon einen oder mehrere Orbits gefahren? Wollt ihr noch, vielleicht auch nach dem Ende der eigentlichen Wertungssaison? Seid ihr vielleicht schon auch auf dem Rheinland-Pfalz Orbit unterwegs gewesen? Wie waren eure Eindrücke?

13 Kommentare

  1. Hey Torsten,

    wieder einmal richtig packend geschrieben! Das motivierte mich tatsächlich dazu, nun auch selbst mal eine WordPress Seite anzulegen um meinen gesammelten Gedanken eine Plattform zu geben. Vielen Dank für die Inspiration und die immer sehr ausführlichen Berichte von dir, richtig gut! Ich kann dir den Hessen Orbit übrigens wärmstens empfehlen um deine 1000 Punkte zu ergattern :)

    Mach weiter so, beste Grüße
    Christian

  2. Hallo Torsten,
    wieso hast Du die Flaschenhalter nicht an der Gabel gelassen? Hast Du den Kabelbindern nicht getraut?
    Da Du ja quasi durch meinen Schrebergarten gefahren bist: schon verwunderlich, wie der Scout einen Bogen um vernünftige Pisten im Wispertal gemacht hat. Da gäbe es schönere Alternativen, sowohl hoch wie runter. Mit dem MTB warst Du aber auf der sicheren Seite.

    mfg,
    Armin

    1. Hallo Armin, die Flaschenhalter waren super. Hat alles gehalten, hätte auch weiter gehalten. Aber das ist wirklich nur was fürs Bikepacking in ariden oder entlegenen Gebieten. Sonst macht das an einem Racefully keinen Sinn. Trägt weder zur Optik noch zur Aerodynamik vorteilhaft bei. Wenn’s bei so einer Tagestour wie einem Orbit zur Hitzeschlacht mit begrenztem Nachschub mutieren würde, würde ich eher den Halter unter dem Unterrohr wieder befestigen und vielleicht so eine Lösung für Hinter dem Sattel erwägen (muss man aber schauen, ob man mit dem Hintern nicht dochmal hintern Sattel muss). Oder doch eine leichte Trinkweste.

      Bezuüglich Wispertal: wären die Pisten im Wispertal denn auch schön mit nem Gravelbike befahrbar? Generell muss man sich sicher beschränken. Auf 225 km kreuzt man so viele Areale, die wahrscheinlich alle für sich auch nochmal mehr coole Trails haben. Aber wenn man die alle einbaut, reichen wohl 500 km noch nicht.

      1. Hallo Torsten,
        ja – die Pisten im Wispertal wären super zu graveln. Geht auch teilweise die Eroica Germania drüber.

  3. WOW!!!
    Hallo Thorsten,
    was für ein Bericht – und was für eine andere Sicht auf eine solche Tour, als ich sie habe. Ich bin am letzten Wochenende den Orbit Niedersachsen gefahren (naja, etwas mehr als die Hälfte), Ich muss dazu sagen, dass ich erst in diesem Jahr mit Bikepacking angefangen haben (ich wollte eigentlich beim HanseGravel meine ersten Erfahrungen sammeln, aber der fand ja nicht statt). Meine Erfahrungen bisher waren eher auf mein Trackingrad und die entsprechende 6-Taschen-Konfiguration beschränkt. Also eher ein Radfahrnormalo, obwohl meine Kollegen das anders sehen, nur weil ich des öfteren die 30km Arbeitsweg mit dem Rad zurücklege.
    Aber mal zu den unterschiedlichen Herangehensweisen:
    Ich hatte meinen Orbit als Erlebnistour über zwei Tage geplant. Das bedeutete schon mal mehr Gepäck für Schlafsack, Tarp, Matte,… Und ich koche dann auch gern draußen – also kam auch ein kleines Kochkit mit. Und drei Liter Wasser! Ich fand mein Rad – verglichen mit dem, was ich sonst auf dem Tourenrad mitnehme – trotzdem super leicht :-). Verpflegung bestand aus 4 Cliff-Bars, einer Tüte Nüssen, einer Tüte Minisalami, zwei Äpfeln, einer Banane, 6 kleinen Tütchen Gummibären, einem Nudelgericht und zwei Tüten Beef Jerky. Unterwegs habe ich in Bleckede noch mal eingekauft: Eine Packung Sandwiches, ein mit Pudding gefülltes Croissant und ein Radler wurden direkt vor dem Laden verkonsumiert, 4 Brötchen, eine Dose Bier und ein Netzchen Babybel waren für später als Abendbrot und Frühstück geplant. Damit bin ich auch gut hingekommen. Ich würde ja nie auf die Idee kommen, mir über Kalorien Gedanken zu machen. Davon habe ich eh etwas zu viel ;-) Das ist im Leistungsbereich also schon mal ganz anders.
    Ich hatte aber auch ein paar Sachen mit, die ich bei Dir total vermisse. Was ist mit einem Sanipäckchen, wenn man doch mal stürzt? Ich hatte auch – bei schlauchlosen Reifen – zwei Schläuche dabei und ein Schaltauge und einen Schaltzug und Tape und Kabelbinder und Ersatzbatterien und eine Luftpumpe und Multitool … Braucht man das alles nicht?
    Eine andere Sache sind die Geschwindigkeiten, mit denen Du so bergab fährst. Ich bin da ja super vorsichtig, stehe in den Pedalen, und bremse fast die ganze Zeit. Denn unten, wenn man gerade die höchst Geschwindigkeit drauf hat, kommt das Sandbett oder eine böse Wurzel oder der Trecker hat seine Reifenspuren als Rüttelpiste hinterlassen… Außerdem tut es mir auch um das Material leid, das da durchgeschüttelt wird und irgendwas kaputt geht. Wie geht das also, mit über 40km/h einen Trail runter zu fahren, den man nicht kennt? Ist das Erfahrung oder einfach „calculated risk“?
    Wie auch immer, ein sehr interessanter Bericht. Danke dafür.
    Gruß,
    Helmut

    1. Hi Helmut, danke für deinen ausführlichen Kommentar. Einen Orbit in 2 Tagen zu fahren, ist auch super. Da hat man dann auch etwas Muße, sich mal auf eine Bank zu setzen oder sich vielleicht eine Burg oder so mal näher anzuschauen. Und die Nacht draußen zu genießen. Beides – fix durch, bis die Waden glühen und Touring – hat seine eigenen Reize. :)

      Zum Equipment: Minitool hab ich doch sogar irgendwo in einem Nebensatz erwähnt, glaube ich. Das ist immer dabei, egal wie kurz die Fahrt ist. Ansonsten ist das halt relativ: es ist ja „nur“ eine Tagestour. Da braucht‘s nicht die halbe Werkstatt. Wenn’s einem die Reifen so zerfetzt, das eine Reifensalami nichts mehr hilft (Tubeless-Kit hatte ich dabei), dann ist der Tag halt gelaufen.

      Und auch die Abfahrtsgeschwindigkeiten sind relativ. Vollgefedert geht da einiges mehr bei besserer Kontrolle. Trotzdem bin ich da noch harmlos, weil eh zu leicht, um wirklich schnell zu werden und auch voll der Schisser, was schnelle Kurven auf solchen Wegen angeht. Da bin ich aber nicht allein. Selbst Worldcup-XC-Pros geben zu, dass sie bei Fireroad- (also typischen Waldwegen) Kurven tausend Tode sterben und das als schwierigsten Teil z.b. im Rahmen eines Cape Epic erachten (Kate Courtney, z.B.).

      Wichtig ist, tatsächlich nur so schnell zu fahren, wie einem selbst noch wohl ist, und vor allem, wie man sehen kann! Hinter einer Kurve kann nämlich alles sein: Wanderer (der ist noch weich) oder aber ein Harvester oder ein querliegender Baum! In der Tat musste ich am Sonntag genau vor so einem nach einer Kurve zu stehen kommen. Alles Gut. :)

  4. Hi Torsten!

    Bezüglich Trinkwasserstellen suchen/finden: Mapy.cz ist da ziemlich firm und watersupply.at auch (obwohl die Seite von offizieller Seite schon lange nicht gewartet wird und die Android-App down ist)…
    Gruß
    Rudi

    1. Hallo Rudi, cool – diese beiden Links kannte ich noch nicht. Gerade Mapy.cz sieht ja richtig gut aus – sowohl vom Maprendering als auch von der Benutzung. Sehr nice. Beide Links bauen sicher auf der OSM auf. Die Fundstellen sind daher keine anderen als mit z.B. der OSM selbst (per Auge), oder einem Tool wie Overpass.

      Aber Mapy.cz macht das viel eleganter und übersichtlicher.

      Eine weitere, von OSM unabhängige Quelle (höhö, Wortwitz ;-)) für Frankreich ist https://www.eau-cyclisme.com.

      1. Ja, finde ich auch.
        Ich plane inzwischen Touren schon öfter mit Mapy.cz als mit Komoot oder sonstigem.
        Und je weiter man hineinzoomt, desto mehr Infos kriegt man, auch das umschalten zwischen den verschiedenen Kartenstilen finde ich gut.

  5. Sehr schön zu lesen und guter Tipp mit den Brunnen in OSM plus wissenschaftliche Literatur, wieder was gelernt :) Finde es super spannend deine Überlegungen zu lesen, das hilft mir auch weiter, da ich noch nicht so viel Erfahrung habe in dem (ultra-) cycling-Bereich. Denkst Du, dass es bei einer Eintagestour wirklich so suboptimal ist ein paar Kalorien weniger als verbraucht zu tanken? Man kann ja am nächsten Tag wieder locker auffüllen, bzw. verbrennt etwas Fett und spart so für die nächste Tour Gewicht ;) Rheinland-Pfalz fand ich echt einen sehr schönen Orbit. Bin gespannt wie Dein Bericht zu Hessen aussieht (den Du vermutlich als dritten Orbit fährst?). Hessen war mein erster Orbit und da hatte ich echt einige grobe Fehler gemacht (keine Verpflegungsstellen gescoutet und zu wenig mitgenommen, viel zu hoher Luftdruck).

    1. Hallo Matthias,

      definiere „so suboptimal“. Klar, man stirbt nicht dran. Und man kommt auch irgendwie ins Ziel. Je nach Motivation und Willen auch mehr oder weniger zügig und wenig beeinflusst.

      Aber: ja, es ist sehr suboptimal.

      Ein paar Ergänzungen:
      1.) Was mir zwischendurch noch eingefallen ist und ich noch hätte aufführen sollen: Nicht nur die paar Schiebe-Passagen werden vom Leistungsmesser nicht erfasst (das hatte ich ja erwähnt), sondern gerade bei Offroad-Fahrten wird nochmal eine ganze Menge Energie dafür aufgewendet, um mit dem Oberkörper zu arbeiten, am Lenker zu ziehen, in Abfahrten aktiv in den Pedalen zu stehen und generell die ganzen Stöße und die Rütteleien abzufedern. Das zehrt nicht zu knapp. Dieser Verbrauch fehlt noch in meiner Bilanz. Wie groß der genau ist? Kann ich nicht sagen. Aber damit wird die Lücke nur noch größer.

      2.) Wer eine gute aerobe Basis hat, kann durchaus 100 km auf der Straße bzw. 4 bis 5 Stunden fahren, ohne irgendetwas zu verzehren. Oder auch 3 Stunden über Offroad mit dem MTB rauf und runter fahren (gerade gestern noch gemacht). Aber dazu muss man sich erst mal ein wenig hocharbeiten. Und es ist auch nicht immer angebracht, dass dann auch zu tun – obwohl man es kann. Etwas länger bzw. etwas weiter braucht dann aber auf jeden Fall Nachschub, damit die Einheit halbwegs sinnvoll wird.

      3.) Üblicherweise spricht man davon, dass die einfach verfügbaren Glykogenreserven in den Muskeln (dazu käme noch die Leber, aber die lassen wir erst mal weg) so 60 bis 90 Minuten halten. Auch das ist trainierbar und bei untrainierten Personen ist der muskelinterne Speicher eher kleiner. Aber selbst für Sprints und kurze Zeitfahren, die nicht länger als 60 Minuten dauern, zeigt die Sportwissenschaft, dass Kohlehydratnachschub sinnvoll sein kann. Interessant, wo doch in diesem Zeitraum kaum eine Verdauung und Bereitstellung geschehen kann, nicht wahr? Ich müsste selbst wieder nachschlagen, aber Mechanismen, die da hineinspielen, sind einerseits die Versorgung des Gehirns mit Glucose und die Signalwege des Körpers, der allein schon beim Spülen einer entsprechenden süßen bzw. kohlehydratlösung im Mund quasi „weiss“: Super – wir brauchen nix zurückhalten, Nachschub ist in dieser Sekunde schon unterwegs.

      4.) Du kannst ja man selbst das Experiment machen: Fahr mal 4 Stunden so, dass du in der ersten Stunde ganz locker jemanden was erzählen könntest, dass gegen Ende aber schwieriger und schwieriger wird. Oder wenn du einen HF-Gurt hast, fahre mal wirklich so, dass du 4h bei deiner Grundlagen-HF bist. Am Ende wahrscheinlich sogar eher ein paar Schläge drüber (um die sehr wahrscheinlich eingesetzte HF-Drift zu kompensieren). Wenn du solche Fahrten nicht regelmäßig durchführst, wird das ersten relativ schwierig. Und zweitens wirst du merken, dass das ohne Essen noch schwieriger wird. Und wenn du es doch ohne Essen schaffst, wirst du selbst danach, wenn du dann vor dem Kuchen (oder Nudel) Teller sitzt, erstmal bisschen schwummrig sein und vielleicht gar nicht so den rechten Appetit haben. Das wäre ein klares Zeichen, dass du es in der Einheit deutlich oberhalb deiner normalen Leistungsfähigkeit und unterversorgt getrieben hast.

      5.) Natürlich muss man für all das keinen Leistungsmesser benutzen. Man kann sich auch ohne kennenlernen und sollte nur beherzigen, früh genug und ausreichend genug nachzuschieben. Wenn man’s nicht tut, merkt man’s schon. ;-)

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