Sony RX100 Iso80 vs Iso125 Gesamt

Sony DSC-RX100, Post 2: Dynamikumfang

Fotografie, Produkttests

Anstelle eines einzigen Riesenartikels zur neuen Sony DSC-RX100 Kompaktkamera werde ich eine lockere Reihe von Postings meiner Eindrücke veröffentlichen. Das ich direkt einen sehr positiven Eindruck gewonnen hatte postete ich samt drei Aufnahmen in voller Auflösung hier.

Mittlerweile habe ich eine davon und eine weitere, vierte Aufnahme auch in meinem flickr-Stream veröffentlicht.

Hier soll es nun um den Dynamik-Umfang der Kamera gehen. Und zwar habe ich die Sony RX 100 vom Fleck weg einfach in die Trikottasche gesteckt (natürlich vor Feuchtigkeit geschützt), zum Rad fahren mitgenommen und direkt produktiv eingesetzt. Von der Bedienung her wirft die Sony hier keine Fragen auf und alle benötigten Einstellungen (Fokusfeld verschieben, ISO und/oder Belichtungskorrektur und natürlich Blende – ich fotografiere nahezu ausschlieslich im Av-, also Blendenvorwahl-Modus) sind zu meiner vollsten Zufriedenheit praktisch und schnell erreichbar.

Von daher hatte ich auch kaum einen Blick in das Handbuch geworfen. Kunststück, es liegt ja auch keines, nicht mal auf CD bei. Ja, es liegt ja nicht mal eine CD bei. Sony setzt hier leider voll auf das Internet. Während ich das ja fast noch verschmerzen könnte, wenn vom ausführlichen Handbuch wenigstens ein PDF-Download existierte, so hat Sony hier leider den Vogel abgeschossen. Denn das vollständige Handbuch gibt es nur im HTML-Format und zum derzeitigen Zeitpunkt auch nur in Englisch. Es liegt im Kamerakarton eine Kurzanleitung in allen möglichen Sprachen bei, soviel sei ergänzt. Aber alles in allem: Sehr schwaches Bild!

Nun, ohne Blick in das Handbuch fielen mir zwar die unübersehbaren Striche über und unter den ISO-Werten 80 und 100 auf dem Display bei der ISO-Auswahl der Empfindlichkeit der Kamera auf. Da hatte ich mir aber zunächst wenig dabei gedacht bzw. ich nahm mir vor, später daheim nachzulesen, was es mit dieser Markierung auf sich habe. Gemäß alter Schule (je niedrig empfindlicher der Film und in jüngeren Jahrzent(en) je niedrig empfindlicher die ISO-Stufe der digitalen Kamera desto weniger Korn bzw. Rauschen) wählte ich natürlich bevorzugt ISO 80 und ISO 100 für meine ersten Fotos. Auch, wenn mir verschiedene Aspekte zur Base oder native ISO, der Suche nach der selben oder dem Bewerten von Bildqualitätsparametern in Bezug zur ISO-Empfindlichkeit durchaus geläufig sind.

Recht schnell fiel mir aber auf, dass in den Fotos der RX100 insbesondere Wolken oder die weissen Teile meines Rennrades doch sehr schnell ausgefressen dargestellt wurden. So etwas kannte ich in diesem Extrem bis dato kaum – weil mir von Hause aus nur richtig gute Kameras und keine 08/15 Cams in das selbige kommen.

Interessant, dabei war ich doch gerade von einer anderen Sony, nämlich der NEX-5n in letzter Zeit sehr verwöhnt worden was gerade den Aspekt des Dynamikumfanges anging. Und das auch bei der Verwendung der RAW-Files. Bei Verwendung der JPGs kommt sogar noch eine Technik zur Erweiterung des Dynamikumfangs (dunkle Bereiche werden quasi empfindlicher belichtet bzw. aufgehellt, dabei steigt zwar latent das Rausch-Potenzial in diesen Flächen, das Ergebnis der NEX ist dabei aber mehr als ordentlich) zum Einsatz, die ich standardmäßig eingeschaltet habe: DRO.

Nun, normalerweise lasse ich auch dies weg, weil ich wie gesagt grundsätzlich nur mit RAW-Files arbeite. Hier und jetzt muss ich zu Vergleichszwecken aber mit den JPGs arbeiten, da weder Adobe Lightroom noch Apple Aperture zum gegebenen Zeitpunkt die RAW-Files der neuen Sony RX100 unterstützen. Mit RawTherapee könnte man unter Einsatz von Custom-Profilen und eines Schwarzpunktanhebungs-Fixes arbeiten, aber das schaut mir noch zu wüst und schlecht aus. Sonys eigener RAW-Converter, der Sony Image Data Converter (Mac-Version / Windows-Version), ist natürlich anwendbar, aber wahrlich kein Vergleich zu Lightroom oder Aperture.

Also: Sony NEX 5n und Sony DSC-RX100, von beiden jeweils die Bildergebnisse als JPGs, beide mit der Einstellung DRO-Auto. Bzw. die Sony RX100, einmal mit ISO 80 und einmal mit ISO 125 werde ich gleich anhand Bildbeispielen vergleichen.

ISO 80 versus ISO 125:

Warum diese beiden ISO-Werte? Wie ich ja oben schrieb: ISO 80 und ISO 100 sind in der Benutzeroberfläche der RX100 speziell hervorgehoben. Warum? Weil sie sogenannte erweiterte oder Zusatz-ISO-Einstellungen sind. ISO-Einstellungen, die niedriger als eigentlich optimal für die Sensitivität des verwendeten Sensors sind. Sie sind enthalten, um den Fotografen die Möglichkeit zu geben, bei viel Licht oder bei gewünschten, längeren Belichtungszeiten auch noch über die ISO-Werte eine Anpassungsmöglichkeit zu geben (Anmerkung: ein eingebauter Neutralgraufilter wäre hier allerdings die deutlich bessere Alternative gewesen).

Das sich der Unterschied im Dynamikumfang nicht nur in Messreihen erschließt, sondern absolut augenfällig ist, das wollte ich mit den unten stehenden Testaufnahmen herausfinden.

Und in der Tat komme ich so zum Schluss: „Wow – ISO 80 und ISO 100 sind für mich ab jetzt bei der RX100 tabu. Niedrigste und Standardeinstellung sollte sein: ISO 125!“

Bei den folgenden Bildern habe ich immer auf die Achse des Vorderrades meines Rennrades fokussiert. Sowohl bei der RX100 als auch bei der NEX-5n. Bei beiden Kameras war DRO auf Auto-Einstellung aktiviert. Messmethode Matrixmessung. Die RX100 wurde auf f/5.6, die NEX-5n auf f/7.1 abgeblendet. Dies nach Bauchgefühl, um grob ähnliche Schärfentiefe bzw. Diffraktionslevel der unterschiedlich großen Sensoren zu erhalten. Gegenübergestellt sind jeweils entsprechende Belichtungen in Bezug auf die unterschiedliche ISO-Werte und Blenden.

Sony RX100 Iso80 vs Iso125 Gesamt

RX100 ISO 80 vs ISO 125 Detail 01: Beachte z.B. die Seitenfläche des Lieferwagens und das Lenkerband.

RX100 ISO 80 vs ISO 125 Detail 02: Beachte z.B. die rechte Ecke des Kofferraums des SLKs.

In der Praxis würde ich von diesem sehr anspruchsvollen Motiv in Bezug auf die Belichtung (weisse Oberflächen in knalligem Sonnenlicht, aber gleichzeitig Anteile des Motivs im Schatten) eine Aufnahme mit -0,7 Belichtungskorrektur wählen, die ich natürlich auch gemacht habe. In dieser sind alle Weissflächen mit voller Zeichnung versehen und auch die Schatten kann man problemlos nach Gusto etwas hochholen, ohne dass hier Qualitätsprobleme entstehen.

Sony NEX-5n vs Sony RX100:

Normalerweise habe ich bei der Sony NEX oft eine -0,3 oder sogar -0,7 Belichtungskorrektur standardmäßig eingestellt. Ich weiss, dass ich bei meiner speziellen NEX so die Belichtungen bekomme, die ich möchte. Bzw. die ich als optimal für die Weiterbearbeitung erachte. Die RX100 belichtet in diesem Sinne „korrekter“. Denn hier empfinde ich +/- 0 als ausgewogen. Wenn ich im folgenden also die JPGs auf gleicher Basis gegenüberstelle, und die Lichter der NEX fast ausgefressener aussehen, als die der RX100, dann denkt dran, dass ich die NEX eigentlich von vornherein eine Drittelstufe dunkler belichtet hätte. Was man aber auch auf dem ersten Blick sieht, ist, dass das DRO bei der NEX die Schatten deutlich stärker aufhellt. Wohlmöglich ist dies standardmäßig deswegen „stärker“ eingestellt, weil der größere Sensor der NEX in Bezug auf Rauschen einfach bessere Vorraussetzungen besitzt als der für eine Kompaktkamera zwar riesige, aber im Vergleich zur APS-C-Größe halt kleinere Sensor der RX100.

Sony NEX-5n ISO 100 vs Sony RX100 ISO 80, Gesamt

Sony NEX-5n ISO 100 vs Sony RX100 ISO 80, Detail 01

Sony NEX-5n ISO 100 vs Sony RX100 ISO 80, Detail 02

 

6 Gedanken zu “Sony DSC-RX100, Post 2: Dynamikumfang

  1. Hallo Torsten, ich wage kaum, hier zu posten. Ich bin alles andere als ein Fotografier-Profi und kann um ehrlich zu sein, nicht alles im Detail verstehen.
    Allerdings habe ich auch eine RX100 und ärgere mich sehr über exakt die von Dir beobachtete Dynamik und die „ausgefressenen“ Flächen.
    Ich benutze die RX100 in den Automatik-Modi. Ohne eigene manuelle Einstellungen (wie ISO) tritt das Problem – subjektiv von mir so empfunden – noch viel häufiger und drastischer auf als von Dir beschrieben.
    Meine einfache Frage: Wenn ich auf die Automatik nicht verzichten will, kann ich irgendetwas tun, um die Belichtung standardmässig etwas nach unten zu korrigieren und die „ausgefressenen Flächen“ zu vermeiden? Vielleicht findest Du Zeit für eine kurze Antwort – ich möchte aber Dein Blog nicht durch Laienfragen missbrauchen.
    Viele Grüße
    Armin

    1. Hallo Armin,

      sieht das hier aus, als ob nur Fotografier-Profis posten dürften? ;-)
      Keine Sorge, hier gibt es wenig Laienfragen.

      Allerdings ist es aus der Ferne auch schwer, mögliche Erwartungshaltungen zu treffen bzw. diverse Randbedingungen zu beurteilen. Vielleicht sind deine Aufnahmen den Umständen entsprechend ja perfekt – nur du erwartest vielleicht zuviel. Z.B. wenn du eine Szenerie mit sehr hohen Kontrasten, z.B. Gegenlicht und tiefe Schatten aufnimmst.
      Oder es liegt tatsächlich ein Problem von irgendwelchen (verstellten?) Einstellungen vor. Oder deine Kamera ist defekt. Oder es liegt vielleicht daran, dass du per JPG aufnimmst und da vielleicht ein kleines bisschen weniger Reserve bei der Dynamik vorliegt (und auf jeden Fall sehr viel weniger Reserve bei der Bearbeitung und auch Anpassung solcher – latent fast immer vorliegender Kontrastumfang-Probleme – vorhanden ist).

      Aber keine Sorge – auch ohne Bearbeitung am Computer und im JPEG-Format solltest du sehr befriedigende Aufnahmen hinbekommen können. Denke auch daran – wirklich gute Aufnahmen sind immer etwas nachbearbeitet. Auf jeden Fall meine. Das gehört für mich einfach dazu. Ich weiss, was ich will und wie ich dafür aufzunehmen habe. Das bedingt natürlich etwas mehr Aufwand und Kenntnis.

      Ich habe die RX100 gerade mal auf Automatik gestellt (nutze ich sonst nie) und die Kamera wählte immer nur „sichere“ ISOs. Sprich, die von mir beobachtete niedrige Separation in hellen Bereichen bei ISO 100 wird da nicht auftreten, weil die Kamera eigentlich nur bis runter zu ISO 125 auswählt. Aber aufpassen, wenn du die Kamera auf diese Weise lustig und ohne Not ISO-Werte über 400 auswählen lässt (weil’s halt dunkler ist), dann nimmt der Kontrastumfang sehr langsam wieder ab, das Rauschen nimmt dann aber schnell zu. Das ist aber immer noch besser als ein verwackeltes Bild.

      Zum Schluss noch: Vielleicht ist ja auch dein Monitor so eingestellt (wenn du deine Bilder hauptsächlich über einen Monitor betrachtest), dass er zu hell ist oder in hellen Bereichen nicht mehr so differenziert? Wie gesagt, viele Möglichkeiten.

      Einfach frisch, fromm, fröhlich frei weiter und mit Spaß Sachen ausprobieren und Lernen.

      Viel Spaß dabei. :)

      1. Hey Frank,

        Vielen Dank für die Infos und deinen Rat. Ich verstehe den Hinweis auf meine vielleicht zu hohen Erwartungen. Jetzt hatte ich aber gerade eine Situation, wo „mein“ Motiv gleichzeitig jemand mit einem iPhone (!) aufgenommen hat. Dies ist mit den hohen Anforderungen an die Dynamik viel besser umgegangen. Und ja auch mit Hilfe einer Automatik-Einstellung.

        Ich hab heute auch noch ziemlich viel selbst rumprobiert. Das Ergebnis ist: Die (Mehrfach-)Aufnahmen mit den Intelligent-Automatiken (d.h. inclusive Dynamic Range Optimizer) sind erfolgreich bei wenig Licht. Bei viel Licht – Sonnenschein – sorgt der Algorithmus für eine Aufhellung der dunklen Flächen (Schatten), durchaus erfolgreich und erwünscht. Leider überzeichnet der Algorithmus bei der Neuberechnung des Bildes aber die hellen Flächen, was zu schlechten Ergebnissen führt (eben den erwähnten weissen Flächen). Dieses Ergebnis passt nicht ganz zur Beschreibung, wie die RX100 das Bild neu aus der Analyse heller und dunkler Flächen berechnet (nämlich nicht gemäß HDR, sondern durch eine differenzierte Betrachtung der hellen und dunklen Stellen im Bild). Ich habe auch festgestellt, dass ich das Problem umgehen kann, in dem ich lediglich den „P“-Modus benutze und „intelligent Auto“ und „intelligent Auto Plus“ nicht mehr nutze oder nur noch bei wirklich wenig Licht. Das genau ist aber für mich angesichts des Preises der Kamera und des angesprochenen Nutzerkreises (eben die Nicht-Profis) keine akzeptable Lösung, die Automatik muss in allen Lebenslagen funktionieren, ohne was kaputtzumachen bzw. mit mindestens dem Ergebnis einer „normalen“ Kompakten, also im Ernstfall einfach das Original-Bild so lassen, wie es ist, wenn die Helligkeitsunterschiede zu groß für eine vernünftige Korrektur sind.

        Erstaunlicherweise hat sich Sony bereits aus meine Anfrage gemeldet und um Details und. Bilder gebeten. Bin mal gespannt, was die selbst zu dem Problem sagen! Ich werd dich auf dem laufenden halten.

        Vielen herzlichen Dank für deine Infos und Tipps! Armin

        >

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