Canon EOS M mit EF-M 22 mm Objektiv (Foto: Pressefoto Canon)

Neuvorstellung der Canon EOS M. Canon kann jetzt auch „spiegellos“.

Fotografie

Canon EOS M mit EF-M 22 mm Objektiv (Foto: Pressefoto Canon)

Was schon länger antizipiert war und durch erste Fotos am letzten Wochenende durchsickerte, wurde heute nun offiziell durch Pressemeldungen von Canon bestätigt:

Canon tritt (mit großem Abstand) als letzter großer Kamerahersteller dem Reigen der spiegellosen Systemkameras bei. Über diese sehr interessante Kamerakategorie (oft auch englisch als Mirrorless, oder als EVIL – electronic viewfinder interchangeble lenses oder CSC – compact system camera, bezeichnet) habe ich an diversen anderen Stellen bereits berichtet (hier zum Beispiel: Was ist eine Systemkamera und was habe ich davon).

Es ist die neue EOS M.

M steht augenscheinlich für mirrorless, also spiegellos. Und die Vorsilbe EOS zeigt die Zugehörigkeit zum mittlerweile seit 25 Jahren erfolgreichen EOS-System an. Und das ist meines Erachtens, zusammen mit der Sensorgröße im Format APS-C, die beste Nachricht an dieser Neuvorstellung. Zugehörigkeit zum EOS-System bedeutet, dass Canon hier eine Erweiterung des EOS-Systems aufzeigt, dass eine gewisse Grundqualität der erzielbaren Ergebnisse zu erwarten ist und dass diese Kamera tatsächlich eine _System_ Kamera ist.

Die Spezifikationen:

  • Spiegellose Systemkamera
  • APS-C-Sensor (Hybrid CMOS) mit 18 Megapixeln
  • Formatfaktor 1,6 gegenüber Kleinbild
  • 14 bit DIGIC 5 Bildprozessor
  • Hybrid-Autofokus; Phasendetektion und Kontrast
  • Kontinuierlicher Autofokus im Film-Modus mit Objektverfolgung
  • ISO 100-12.800.; erweitert bis ISO 25.600
  • 4.3 Bilder pro Sekunde Serienaufnahme, 3 Bilder pro Sekunde mit Autofokus Tracking
  • Display 7,7 cm (3,0 Zoll), 1040k Bildpunkte 3:2 Berührungssensitives ClearView II LCD (Kapazitativ, Multi-touch fähig)
  • Filmaufnahmen mit max. 1.920×1.080 (29,97, 25, 23,976 B/s)
  • Anschlussmöglichkeit für externes Mikrofon und einstellbarer Aufnahmepegel
  • Wechselobjektive mit EF-M-Bajonett
  • Standard-EOS-Blitzschuh für externe Blitzgeräte (kein eingebauter Blitz)
  • Adapter für EF- und EF-S-Objektive als Zubehör
  • Kitpreis 849 Euro; inkl. EF-M 3,5-5,6/18-55 mm IS STM und Speedlite 90EX
  • Erhältlich ab September 2012

Augenscheinlich handelt es sich um mehr oder weniger das Featureset bzw. dem Sensor der ebenfalls vor kurzem vorgestellten EOS 650D, einer klassischen DSLR.

Von den Äusserlichkeiten weckt diese Kamera schon mal mein Interesse. Auch, wenn die Presseerklärung in typischer Marketingsprache die Zielorientierung Canons auf die Käuferschicht der Soccer-Mums, der Ebay- und Pinterest-Knipser und generell Kompaktkamera-Aufsteiger erkennen lässt und wenn die geringe Anzahl von Bedienelementen an der Kamera diesen Eindruck unterstreichen zu scheint. Aber letzteres scheint durch ein sehr gutes Touch-Display und die Menüführung gelindert und vor allen Dingen scheint die EOS-M eines:

Kompakt, kompakt, kompakt!

Wer etwas Leichtes, aber Großes mit Sucher und Co möchte (und vielleicht sogar seine EF-Objektive weitestgehend normal, also ohne Adapter, weiterverwenden möchte, der kann das jetzt schon haben: Einfach die günstigste 4stellige oder auch 3stellige EOS hernehmen und schon hat man was Leichtes.

Wer etwas klassisches, ziegelartiges mit Renomee braucht, womit er sich um den Hals baumelnd cool fühlen kann (solche Kameras brauchen eine gewisse Größe, damit der zu beeindruckende Passant oder Cafeteria-Besucher das auch vom Nachbartisch mitbekommt), der kann sich eine Leica M9 oder wenn das Geld nicht reicht, eine Fuji X-Pro 1 holen (der Fairness halber sei angemerkt, dass es schon noch Menschen gibt, die einfach über sehr große Hände verfügen, oder die einen klassischen Look und Haptik bevorzugen und dabei über Gehäusegröße oder anderen Eigenschaften und Funktionalitäten hinwegsehen).

Wer aber eine Systemkamera will, weil er möglichst hohe Bildqualität und Flexibilität durch Objektivwechsel und Systemeinbindung will, aber halt weder schwer noch voluminös tragen will oder kann, für den sieht die neue Canon EOS-M schon mal ganz gut aus:
– kein gehäusevergrößernder Sucher
– Kameragehäuse ragt kaum oben über das Bajonett heraus.
– schön flaches und taschentaugliches Gehäuse
– ein Pancake-Objektiv

Weiterhin trägt sie einen normalen Blitzschuh. Also schon mal gut, wenn man alle möglichen Blitze und externes Zubehör verwenden kann.

Auf der anderen Seite: Ist dieser erste Aufschlag (ich hoffe, es ist ein erster Aufschlag und diese Familie wird recht bald Zuwachs erhalten) überzeugend genug, um Fotografen, die z.B. schon in Sonys NEX System investiert sind, herüber zu locken?

Denn zunächst mal scheint die Ähnlichkeit in weiten Teilen frappierend, schaut man sich z.B. das Design der beiden neuen Objektive für das M-Bajonett, das EF-M22mm f/2 STM und das EF-M18-55mm f/3.5-5.6 IS STM an. Letzteres scheint mir nahezu identisch in den Ausmaßen des Sony E 18-55mm F3.5-5.6 OSS zu sein.

Das ist auch nicht weiter verwunderlich: beide Systeme verwenden APS-C große Sensoren und beide Systeme haben ein Auflagemaß von 18mm. Dabei ist zu beachten, dass der Verlängerungsfaktor in Bezug auf Kleinbildformat bei Sony 1,5 und bei Canon 1,6 beträgt.

Von den Abmessungen und zum derzeitigen Punkt von den erst nur zwei verfügbaren neuen EF-M Objektiven gäbe es jetzt also keinen Grund, sofort von Sony NEX auf Canon EOS-M zu wechseln. Nicht zuletzt, da man mit dem NEX-System sehr zufrieden sein kann. Und bei allen Verbesserungswünschen, die noch gehegt werden, muss Canon erst mal zeigen, dass sie im EOS M System besser, schneller oder überhaupt aufgegriffen oder geboten werden.

Nun denn, es ist zwar leider mehr als schlechte Angewohnheit in Internetforen schon nach der ersten Vorstellung von Spezifikationen bereits alles besser zu wissen und schon die Forderungen nach der nächsten Generation zu stellen, aber hier möchte ich ausnahmsweise einmal vorsichtig mit einstimmen. Und zwar mit gewisser Berechtigung, denn mit der neuen EOS-M hat Canon mitnichten ein neues Segment geschaffen, noch haben sie ein bestehendes Produkt weiterentwickelt, so dass man erst mal mit den neuen, erweiterten Fähigkeiten zufrieden sein könne (oder eben nicht, und sich dann nicht für einen Neukauf oder ein Upgrade überzeugen zu lassen).

Nein, hier ist Canon als letzter der Major-Player in ein bereits seit Jahren bestehendes Segment, dem der spiegellosen Systemkameras eingetreten. Und während dieser erste Schritt in den Grundlagen überaus überzeugend ist – APS-C großer Sensor, Systemintegration in die EOS-Familie wären die Hauptpunkte – fehlen doch einige wesentliche Fähigkeiten bzw. Merkmale über das bloße Minimum einer digitalen Kamera hinaus. Fähigkeiten, die bei anderen Herstellern in schöner Regelmäßigkeit zum Paket dazu gehören.

Da wäre zum einen ein wenigstens Klapp- wenn nicht gar ein schwenkbares Display. Das man in einem sehr kompakten Gehäuse mit APS-C Sensor auch einen integrierten elektronischen Sucher untergebracht bekommt, zeigt Sony mit der NEX-7.
Und während der ebenfalls heute vorgestellte Adapter für EF- und EF-S-Objektive eine hochwillkommene Sache ist, werden dringend weitere native EF-M Objektive benötigt.

Entscheidend für den Markterfolg / bzw. für den Erfolg bei mir wird sein:

  • Wie gut sind die beiden EF-M-Objektive?
  • Wie schnell wird es Adapter für Legacy-Lenses von Drittherstellern geben?
  • Wie schnell wird Canon weitere Objektive für das EF-M-Bajonett vorstellen? Oder wollen sie sich auf der Adapterlösung ausruhen?
  • Wird es mehr Pancakes geben?
  • Wann wird es weitere Gehäuse mit M-Bajonett geben, die mehr Funktionen bieten (dabei aber nicht größer werden sollten).

Zudem muss für dieses Gehäuse der Kit-Preis deutlich nach unten gehen.

Alles in allem: wird Canon wieder als Innovator auftreten? Hierzu müssten Sie noch jede Menge aufholen. Was ist z.B. mit der überfälligen Integration von Smartphone oder besser Cloud-Funktionaliät mit der Kamera? Wann wird es so selbstverständlich sein, wie es jetzt schon auf iPhone und Co ist (dort über diverseste Apps realisiert), dass ich zum Beispiel Zeitrafferaufnahmen unterschiedlichster Art konfigurieren und erzeugen kann? Oder die Kamera über mein Smartphone steuern kann? Und viele weitere Sachen mehr?

Verfügt die EOS M über einen Fernauslöseranschluss? Eine Systemkamera muss man fernsteuern können. Ob per Wifi-Modul, Infrarot und/oder Kabel (letzteres bevorzugt, da man so Drittherstellerlösungen einfach anwenden kann).

Aber ansonsten? Schaut nach einem guten Einstieg von Canon aus. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Weitere Links:

Pressetext Canon Deutschland

First Look Preview auf DPReview

Erste Beispielbilder und Filme Canon Japan

Ein Hands-On Video von DigitalCameraWorld

2 Gedanken zu “Neuvorstellung der Canon EOS M. Canon kann jetzt auch „spiegellos“.

  1. „wird Canon wieder als Innovator auftreten?“

    Was heisst denn wieder ?
    Wer bringt die letzten Jahre denn Innovationen ?!

    Schwenkpanorama, Mehrfeld-Rauschunterdrückung, HDR, In-Kamera-GPS -> Sony

    Spiegellose Systeme -> Olympus / Panasonic / Sony

    Sehr interessante Nischenkameras -> Panasonic/Lumix

    OLED-Sucher -> Sony

    Und im Profibereich legt Nikon stets vor…

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