Das Canyon Grail: Testride Review

Canyon hat ein neues Rad herausgebracht. Ein Gravelbike. Das Canyon Grail. Ihr habt vielleicht schon davon gehört oder darüber gelesen. Entweder in den üblichen Online-Outlets der diversen Zeitschriften oder generellen Internetformate und Online-Magazine.

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Das Canyon Grail CF SLX 8.0 DI2 in Storm Green.

Vielleicht aber auch, weil sein Lenker noch am Tag der Vorstellung das gesamte radaffine Internet dazu veranlasst hat, Spott über das Grail bzw. seinen Lenker auszuschütten. Und ich muss sagen, ich habe mich köstlich amüsiert und habe mich an den Überlegungen, was das Teil denn soll und welche Wirkung man sich davon verspricht, beteiligt. Denn es Bedarf ja nicht viel, um nachzuvollziehen, dass da nicht nur bei mir ein großes „W T F !?“ (what the f*ck) auf der Stirn geschrieben stand.

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Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen: Collage aus Internet-Fundstücken.

Natürlich ist das zu einem sehr großen Anteil auch Kalkül von Canyon. Man möchte in der Diskussion sein, wahrgenommen werden, (vermeintliche) Maßstäbe setzten.

Natürlich gab’s zeitgleich auch die ersten Reviews und Tests zu lesen. Das ist ja das übliche: Hersteller laden zu Produktvorstellungen ein, fliegen die übliche Presseclientel nach Gran Canaria (z.B. letztens Campagnolo) oder hier im Falle nach Südfrankreich ein (was auch nicht immer schön sein muss – je nach Wetter). Die Artikel werden geschrieben und nach Ende der Embargofrist alle gleichzeitig veröffentlicht.

Solche Neuvorstellungen zu „covern“ oder Pressemitteilungen aufzugreifen ist nicht mein Metier. Ich habe auch keinen Anlass, auf irgendwessen Befindlichkeiten Rücksicht nehmen zu müssen. Muss auch keine Formulierungen weichspülen oder irgend etwas gut finden, um mich mit der Industrie gut zu stehen oder keine Werbekunden zu vergrätzen. Ich widme mich einfach nur Dingen, die mich aus ganz persönlichem Bedarf interessieren.  Dann, wenn ich Zeit und Lust dazu habe.

Und ich hatte Zeit und Lust, letztes Wochenende zu Canyons alljährlicher „Hausmesse“ nach Koblenz zu fahren. Dem Pure Cycling Festival. Da war ich nämlich noch nie, aber das Programm war vielversprechend und ich wusste bereits vom letzten Jahr, dass sich ein solcher Besuch bei Canyon immer lohnt. Da war ich nämlich bereits schon mal zum Open House Day angereist. Beim Pure Cycling Festival ist nochmal mehr los und es gibt obendrein „Stars zum Anfassen“ sowie viele Workshops und halt eben auch Ausfahrten. So z.B. auch extra ein Gravelride am Samstag mit dem Grail!

Ja, das war doch Spitze. Hatte ich mich doch bereits im Vorfeld über den Lenker ausgelassen und so wollte ich dem Rad und dem Lenker eine Chance geben und mich höchstpersönlich im Gelände von den Vorzügen oder auch von den Nachteilen des Lenkers im Speziellen und des gesamten Rads im Allgemeinen überzeugen.

Wie fährt sich das Grail nun als Ganzes und wie steht es um den Lenker? Das wollte ich also persönlich herausfinden.

Denn – und dass ist ja das für mich Schlimme: eigentlich sind die Spezifikationen und das Design des Rahmens des Grails sehr toll. Wenn nur der Lenker nicht wäre. Wie fährt sich das Grail nun als Ganzes und wie steht es um den Lenker? Das wollte ich also persönlich herausfinden.

Und die Gelegenheit hatte ich ausführlich. Bei bestem Wetter fuhren wir in kleiner Gruppe von 19 Teilnehmern samt zwei Guides von Canyon kurz durch Koblenz (samt Sandwege und Innenstadtpflaster), umkurvten Passanten und das Deutsche Eck und kletterten schließlich zunächst über Asphalt und dann Waldwege hinauf in den Wald und weitere Waldwege hoch über dem Rhein. Mal mit schönem Ausblick auf Lahnstein und mal über ruppige, mal auch glatte Waldwege und Trails auf sowie ab. Und – super wertvoll – einer der Guides war nicht irgendjemand, sondern Daniel, der Lead Engineer des Grail. Beste Gelegenheit also für Fachsimpelei, Fragen und auch ganz generell ein paar Einblicke und On-The-Fly-Miniworkshops zu Design-Philosophien. Z.B. der bereits bekannten und standardmäßig am Grail verbauten VCLS 2.0 CF Blattfedersattelstütze.

Canyon macht jetzt also auch Gravel:

Gravel. All-Road. New Road. Adventure. Diese Begriffe finden sich auf Canyons Einführungsseite zum Grail. Die Jungs vom GCN hatten sich auch mal zu GROAD (Gravel und Road) verstiegen und ich selbst begreife mein Giant TCX Advanced Pro 1 schon seit dem Kauf vor drei Jahren als „Any-Road“ Bike. Und so habe ich es auch von der Ausstattung konzipiert: Nicht als Crosser mit cross-üblicher Kettenblattgröße z.B. 46/36 oder sogar als 1x (also nur ein Kettenblatt vorne), sondern mit einer normalen Kompaktkurbel 50/34, um eine schöne Bandbreite der Gangwahl und auch eine gute Reisegeschwindigkeit auch über lange Strecke und sowohl befestigter als auch unbefestigter Straße zu erreichen. Wie man schon an der Vielfalt der Begrifflichkeit erahnen kann gibt es eine mindestens genauso große Vielfalt, was man denn nun unter einem Gravel-Bike verstehen soll. Oft ist es auch so, dass ein und derselbe Rahmen mal als Crossrad und mal als Gravelbike verkauft wird, je nach Ausstattung. Giant macht das z.B. auch so. Interessanterweise sind die Marketing-Leute von Giant der Meinung, dass das Gravelbike 1x braucht und dass es das TCX zu einem Crossbike macht, wenn man zwei Kettenblätter spezifiziert… Für manche Hersteller braucht ein Gravelbike ein besonders tiefes Tretlager für satte „Straßen“lage und Zutrauen auch bei hohen Geschwindigkeiten und Kurvenfahrten über rolligem Boden. Und für andere Hersteller eher ein höheres Tretlager, um etwas mehr Bodenfreiheit für ruppigeres Terrain, Bodenwellen und Co zu bieten. Und das sind nur einige der Designphilosophien.

Nun hat also auch Canyon ein genau auf diesen (sehr schwammig und breit definierbaren) Einsatzbereich ausgerichtetes Rad vorgestellt. Zusätzlich zu ihrem dedizierten Cross-Rad, dem Inflite. Canyons Anspruch ist kein geringerer, als die „Interpretation eines perfekten Gravel-Bikes“ darzustellen. Wie aus den vorhergegangenen Worten klar geworden sein dürfte, kann das nur Canyons eigene Interpretation sein – ob die mit der Interpretation und den Bedürfnissen ihrer Kunden übereinstimmt, darf also zu Recht bezweifelt werden. Aber das ist ja auch gar kein Problem. Wem das Rad gefällt, der kauft es. Und wem es nicht gefällt, der kauft es nicht.

Der Elefant im Porzellanladen – die Hoverbar

Fangen wir mit dem offensichtlichen an. Dem Lenker. Canyon nennt ihn „Hoverbar“. Bzw. technisch: Canyon CP01 Cockpit CF

Zunächstmal: Ästhetisch in meinen Augen eine Vollkatastrophe. Und nicht nur das – auf den ersten Blick erschließen sich sogleich eine Reihe von Folgeproblemen, die auf diese Kombination von Systemintegration und extremer Andersartigkeit zurückzuführen sind. Ich werde sie einer nach der anderen Aufzählen und die tatsächliche Praxisbewertung aus meiner Testfahrt gegenüberstellen.

Kurz zurück zum optischen Eindruck. Da mag die Schönheit ja im Auge des Betrachters liegen. Und: gute Ansätze hat das Rad ja. Ein in meinen Augen elegant in Richtung Steuersatz ansteigendes Oberrohr, ein sanfter, dennoch markanter Knick, der einen gelungenen und glatten Übergang ohne jeglichen Versatz in den Vorbau einleitet. Ähnlich eines Look 795. Nur nicht ganz so deutlich abfallend und dadurch sogar eleganter.

Aber dann folgt eben kein normaler Lenker. Und auch kein cooler integrierter Lenker. Sondern es folgt ein komisches Doppelstock-Konstrukt. Selbst dass könnte ja, bei aller Ungewöhnlichkeit, noch irgendwie cool herüberkommen. Aber spätestens die offene Zugführung macht in Verbindung mit den beiden Querholmen des Lenkers (dem unteren, der dem Lenker halt gibt und mit dem Vorbau befestigt – und die nicht zum Greifen vorgesehen ist und dem oberen, der eigentlichen Hover Bar mit ihrer plattgedrückten Mitte) aus dem Lenker einen ziemlichen Verhau. Das ist zwar die günstigste und wartungsfreundlichste Verlegeart solcher Züge, aber sie passt halt überhaupt nicht zum geradlinigen Äußeren des Rest des Rades und wirkt allein durch die zwei Querholme des Lenker um so viel unordentlicher als bei einem normalen Lenker. Hier hätte Canyon bei der ganzen Integration des Lenkers und des Vorbaus diesen letzten Schritt – die vollständige Kabelintegration – auch noch gehen müssen.

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Canyon Grail und sein Hoverbar Lenker CP01 Cockpit CF von vorne.

Auch abseits von der Kabelführung finde ich den Übergang zwischen unterem Querholm und Lenkerbogen (die sogenannten Drops) auch nicht gelungen. Optisch schon nicht. Von den noch viel gravierenderen Implikationen hinsichtlich Einschränkung der Griffwahl und Daumenproblemen werde ich gleich noch berichten.

Friss oder stirb

Denkt bitte bei all dem und dem was gleich noch folgt daran: Ihr könnt diese Probleme nicht durch den Austausch des Lenkers oder durch mehr oder weniger Spacer beheben. Dieses Rad könnt ihr nur mit diesem Lenker fahren! Wahrscheinlich würde schon rein mechanisch kein normaler Aheadset-Vorbau auf den Gabelschaft zu montieren sein, weil seine hinteren Spannschrauben mit der aufragenden Vorderkante des Oberrohrs kollidieren würden. Und selbst, wenn sich ein montierbarer Vorbau fände, würde sich daraus ein ziemlicher Höhenversatz zwischen Sattel und Lenker ergeben.

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Steuersatz – quasi nahtlos unten und hinten durch den Rahmen „umschlungen“. Bei meinem Testrad fehlte die Kabeleinlasstülle der Züge, die an den anderen für sauberen Eingang in das Unterrohr sorgte.

Die Logik – was steckt eigentlich hinter diesem Design?

Als wir durch die Wälder oberhalb des Rhein fuhren frug ich Daniel, seines Zeichens Lead Engineer für das Grail, wer denn auf die Idee dieses Lenkers gekommen sei. Da würde man sich schon so an die 5 Jahre mit herumtragen, hiess es da. Und zwar mit der Frage, wie man den Oberlenker vom Vorbau entkoppeln könne. Hier am Grail sehen wir nun das umgesetzte Resultat der weiteren Überlegungen. Was steckt dahinter? Oder was soll da dahinter stecken?

Den Lenker vom Vorbau, bzw. vom Rest des Rades als solches zu entkoppeln (ohne natürlich das Steuern unmöglich zu machen oder in der Präzision zu mindern) ist ja aus Komfortgründen wünschenswert. Ich habe gerade einen anderen Artikel in Arbeit, wo es um genau diesen Frontkomfort beim Rad (mit der Zielrichtung für Ultradistanz) geht. Möglichkeiten gibt es da einige: von der gefederten Frontgabel über gefederte Vorbauten bis hin zu einfach nur dickeren Reifen mit geringerem Luftdruck. Auch entsprechende Carbonlenker können z.b. das Quentchen mehr Dämpfung und Flex als ihre Aluminiumvarianten bieten. Das kann aber auch zu weit führen – mancher bescheinigt z.B. extrem flachgeformten Aero-Rennlenkern fehlende Kontrolle bei schnellen Kurvenabfahrten.

Canyon will mit der Hoverbar genau das verhindern: einerseits maximal die dämpfenden und flexenden Materialeigenschaften von Carbon nutzen. Unterstützt durch die Formgebung, durch die Breite und durch die sehr plattgedrückte Mitte des oberen Lenkerholmes. Gleichzeitig aber auch einen stabilen und Kontrolle bietenden Lenker beibehalten.

Sie beschwören also die tollen, ermüdungsverzögernden Dämpfungs- bzw. Federeigenschaften des Oberlenkers (Tops) und die betonte Extrastabilität und Sprinteignung in der Bremsgriff-Position (Hoods) und im Unterlenker (Drops).

So weit, so gut.

Jetzt frage ich: wo brauche ich über ruppige Gravel-Abschnitte, über Waldweg-Abfahrten, in technischen Sektionen denn die meiste Dämpfung? Bzw. wo wünsche ich mir mehr Komfort, damit es mir beim Bremsen nicht immer so hart in die Hände schlägt? Richtig – auf den Hoods oder in den Drops!

Wo brauche ich die wenigste Dämpfung? Beim lockeren Klettern. Dann liegen die Hände auf dem Oberrohr. Aber eh locker. Eh in langsamerer Fahrt.

Sobald es etwas schneller wird, sobald ich mehr Kontrolle brauche, sobald ich jederzeit bremsbereit sein muss (also eigentlich immer – ob im Trail oder in der Gruppe) sind meine Hände auf den Hoods oder in den Drops.

Ein Lenker, der nur in den Tops federt bzw. dämpft, aber in den Hoods und den Drops gar nicht oder sogar noch steifer ist als ein normaler Lenker ist also grundverkehrt!

Wann kann denn die Hoverbar ihre Dämpfungseigenschaften ausspielen? Wirklich nur auf flacher, voraussehbarer Strecke, ohne dass man selbst im Gewusel (Straßenverkehr, Gruppe, Rennen, Miteinander von Radfahrern und Fußgängern auf Wald- und Wanderwegen) ist. Beim Auf- und ab auf typischen Wegen im Mittelgebirge? Nope – Oberlenkerhaltungsanteil geschätzte 10 bis 20 %. Auf dem Gravelride am Samstag: Oberlenkerhaltungsanteil ebenfalls nur geschätzte 10 % (trotz ausprobieren wollens). Ich flaniere z.B. mit meinen Rädern gern durch Städte (so als Sightseeing). Das hatten wir am Samstag auch gemacht: Unser Weg führte uns vom Canyon.Home entlang der Mosel zunächst zum Deutschen Eck. Nicht auf den Vordermann aufdotzen und schön um die Fußgänger und anderer Radfahrer umherkurven. Oberlenker: 0%.

Dann flach entlang des Rheins. Aufgrund Fahrt in der Gruppe lieber bremsbereit sein und – euch wird es nicht anders ergehen – ich fahre sowieso die meiste Zeit in der Bremsgriffhaltung, d.h. auf den Hoods. Das ist einfach die universalste und bequemste Haltung mit der meisten Kontrolle. Von der Lenktechnik und von der Brems- und Schaltbereitschaft her.

Ein aufwendiger Lenker, der mir alles gibt, nur den Komfort nicht da und nicht in den Drops, macht aber so wirklich alles verkehrt.

Also auch auf dem Flachen dort: Oberlenker: 5 % (will man ja mal testen)

Dann im Anstieg steil die Waldwege hoch? Hände auf den Hoods und richtig gezogen. Oberlenker – kann man machen, aber eher bei nicht so viel Power in den Pedalen. Dann gilt es auch weniger harte Schläge oder schnelle Vibrationen auszufiltern, sondern man hebt quasi das Rad über einzelne Steine, Wurzeln und Rillen. Nichts, wo man sich wirklich nach Dämfpung sehnt.

Was bleibt: Paris-Roubaix vielleicht? Ebene Pflasterabschnitte? Ja – durchaus. Da wäre die Hoverbar genau richtig. Aber nur vorausgesetzt, man ist nicht im Pulk und muss bremsbereit bleiben. Oder lange Gravelabschnitte, auf denen man allein unterwegs ist. Ok – da, und auch wirklich nur da, kann dieses Konzept greifen.

Meine Frage ist aber: Was soll ein Lenker, der so integriert ist, der mich in möglichen Einsatzgebieten und Variantenwahl dermaßen einschränkt (ich werde weitere Problempunkte aufzeigen) aber dessen Funktion dann doch nur in einem sehr eng begrenzten Einsatzfeld überhaupt gegeben ist? Was man beim Gravel-Riding braucht, ist Komfort und Kontrolle (in Form von „es schlägt mir den Lenker nicht aus der Hand oder führt zu Handgelenksproblemen“ gerade in den Drops und auf den Hoods. Nicht auf den Tops. Also wirklich gerade anders herum als es Canyon mit der Hover Bar realisiert.

Federt die Hover Bar denn überhaupt?

Nach all dem Bohei und dem extremen Design, das ja sogar noch einen Aufkleber auf der Mitte der Hoverbar „No Heavy Loads“ erfordert, denkt man sich, was weiss ich für einen Effekt nun spüren zu müssen.

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Flex Area an Ausichtsarea. Mit dem Grail oberhalb und gegenüber von Lahnstein am Rhein.

Die Realität sieht ganz anders aus. Das erste, was ich und die anderen gemacht haben: Im Stand mit den Händen auf die Hover Bar gedrückt. Es passiert… Nichts. Gefühlt ist die Hoverbar so stabil wie ein ganz normaler Carbonlenker. Was man spürt, ist der Komfort der bei mir mit rd. 2,5 bar gefüllten 40 mm breiten Schwalbe G-One Reifen. Aber kein spürbarer Flex des Lenkers bzw. der Hoverbar an sich. Ich tat mich auch etwas schwer, wirkliche Unterschiede zwischen dem Herumdrücken (und auch Fahren) auf den Tops, den Hoods oder den Drops zu erspüren. Wirklich nur sehr minimal.

Ich glaube schon, dass Canyon das relativ bewusst und zurückhaltend getuned hat. Über eine tatsächlich mal gefundene, ebene Pflasterstrecke ohne Bremserfordernis waren deutliche Vibrationen nach wie vor zu spüren, aber auch merkbar, dass eine gewisse leichte Dämpfung am Werke war. Aber auch hier nochmal direkt die Frage – bei dieser sehr zurückhaltenden Dämpfung – warum nicht einfach durch einen normalen Lenker realisieren? Oder noch viel besser: Im Vorbau realisieren (durch ein System wie dem Shockstop Stem von Redshift Sports, den ich auch gerade teste oder ein System wie der Future Shock von Specialized) so dass der ganze Lenker und nicht nur die Tops etwas davon haben.

Beide vorgenannten Systeme ergeben in meinen Augen deutlich mehr Sinn als Canyons Hoverbar und schränken auch die Lenkerwahl in keinster Weise ein. Und – sie federn deutlich besser und merkbarer und sind auf den Fahrer einstellbar! Ich könnte mir vorstellen, dass ein 90 kg schwerer Fahrer vielleicht deutlich mehr Flex der Hoverbar verspürt, als ich mit meinen 67 kg. Nur – nützten tut mir das halt nichts.

Der Querholm. #dontmesswithmydrops

So ein Rennlenker ist eine tolle Erfindung. Es gibt sie mit unterschiedlichem Reach und Drop und auch mit unterschiedlichen Bögen (Ergo, Winkel, klassisch, auch seitlich etwas ausgestellt). Man kann so sehr viele Griffpositionen wählen. Stufen- und nahtlos entlang des Lenkerbogens. Außer bei dem Lenker des Grail. Da ist dort unten dieser Querholm. Und da stößt man dann mit seinem Daumen dran.

Jetzt kann man ja argumentieren, dass das stufenlose entlang gleiten des Griffes in den Drops auch schlecht sein kann. Dann, wenn man maximale Kontrolle braucht, vielleicht auch schwitzige Finger hat und in einer kniffligen Abfahrtssituation alles gebrauchen kann, aber nicht, von den Bremsen zu rutschen. Mit diesem Querholm kann man (und muss man leider auch) den Daumen nun direkt über den Querholm innen legen. Und ist so quasi noch zusätzlich mit dem Daumen eingehakt. Daniel beschrieb das als ein sehr sicheres „hooked in“ Gefühl.

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Über diesen Querholm muss der Daumen wohl oder übel.

Ja, das kann ich nachvollziehen. Nun ist es aber so – ich habe normalerweise nicht das Gefühl, dass ich aus der Unterlenkerposition abrutschen könnte. Und wenn, dann nur, wenn ich aus anderen Gründen (Abwechselnde Körper- und Griffhaltung um Verspannungen zu verhindern) noch viel weiter unten in den Drops greife – weil ich gerade gar nicht bremsen will und muss. Ja – und das kann ich mit diesem Querholm nicht mehr.

Knacks – Daumen kollidiert mit irgendwas. Ach ja – der blöde Querholm… #DontmesswithmyDrops

Dieser Querholm verhindert die freie Wahl der Griffposition in den Drops! Gerade Personen mit nicht sehr großen Händen werden finden, das ihr Daumengelenk unangenehm gestreckt und belastet wird und dass sie auf eine einzige, sehr hohe, Griffpostion in den Drops eingeschränkt werden. Diese Position ist nicht meine Position. Ein guter Test für normale Positionen (ob Hände, Arme, Füße o.ä.) ist immer die Schaffung einer unbewussten Handlung. Einfach mal hochhüpfen und die Fußstellung nach dem Landen beobachten. Oder – in diesem Fall – durch enge Gassen wuseln, Warnhandzeichen nach hinten geben und wieder in die Drops greifen. Knacks – Daumen kollidiert mit irgendwas. Ach ja – der blöde Querholm… #DontmesswithmyDrops

Null Feinjustage der Bremsgriffe

Was verhindert der Querholm noch? Das übliche montieren von Brems-/Schalthebeln. Die haben eine (nicht aufbiegbare, wie ich gelernt habe) Schelle, die normalerweise vom Ende des Lenkers zur gewünschten Position auf den Lenker geschoben wird. Das geht natürlich aufgrund des Querholmes nicht. Hierfür baut Canyon in den Lenker integrierte Montagepunkte ein. Immerhin konnte mir Daniel meine Sorge nehmen, dass diese Montagepunkte nur mit Shimano kompatibel sind. Die übrigen „Major“ Player soll man auch montieren können. Das hätte in meinen Augen auch dem Faß den Boden ausgeschlagen, könnte man ein Grail nicht mal mit einer SRAM- oder Campagnolo-Schaltung aufbauen.

Aber, was dadurch nicht geht: Individuelle Anpassung des Bremsgriffs auf Vorlieben und Bedürfnisse. Etwas steiler stellen (machen gerade Crosser und Graveller gerne) oder doch etwas flacher? Nicht möglich. Sehr bedenklich!

Für mich wäre das zwar mit der getesteten Shimano-Schaltung zwar nicht erforderlich. Ich empfand die Griff-Ergonomie und Position der Hoods richtig toll und genial. Aber dass man diese gar nicht anpassen kann… Schlimm!

Blaue Unterarme und Handgelenke – Aua, Aua

Ein weiteres Gestaltungselement des über Jahrzehnte evolvierten Rennlenkers: Die Ausrundung vom Übergang des Oberlenkers hin zum Bügel. Diese ist vorwiegend dazu da, Raum für den Unterarm zu schaffen, wenn die Hand in den Drops ist. Ohne diese Ausrundung und ohne betont nach außen in den Wind gedrehte Ellenbogen stößt sonst der Unterarm schmerzhaft an den Oberlenker. Wie er es beim Grail tut…

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Vorsicht – Ecke zum Anstoßen!

Warum ist das so? Der Oberlenker der Hoverbar ist extrem nach außen gezogen und hat anstelle einer Ausrundung einen richtiggehend spitzen Winkel.

Warum nur? Leider habe ich das Daniel nicht mehr fragen können. Ich kann mir aber zwei Gründe sehr gut vorstellen.
Einen ergonomischen (aber kurzsichtig nur auf die Oberlenkerhaltung bezogenen) Grund: So kann ich sehr weit außen fassen, ohne dass die Hände in die Kurve hineingreifen müssen. Ich gelange so möglichst weit an eine Position heran, wie sie auch eine Flatbar an einem Mountainbike bieten würde. Deren Lenker sind über die letzten Jahre ja auch immer Breiter geworden. Mehr Breite = mehr Kontrolle. Aber auch weniger Durchfahrtsbreite durch Fichtenschonungen und das Abbild als würde man einen Besenstiel vorne quer auf seinem Rad haben… ;-))

Der zweite Grund mag in dem Wunsch nach Flex und Dämpfung gegeben sein. Damit die Hoverbar so flexen kann, wie sie es tut, ist ja bereits schon die Mitte platt gedrückt. Das würde aber noch nicht reichen, wenn die Enden total stabil und eingespannt wären. Einfaches Beispiel: je länger ein Lineal ist, umso einfacher und so weiter biegt es sich in der Mitte. An den Rändern aber wenig. Das Lineal, aufgelagert auf zwei Legoklötze am Rand ist ein sogenannter frei gelagerter Träger auf zwei Stützen. Also muss die Hover Bar schon eine gewissen Abstand von ihren virtuellen Auflager- bzw. Einspannpunkten aufweisen – dort, wo man mit den Händen greift. Und diese Auflagerpunkte müssen auch möglichst weit auseinander sein, damit der Träger (das Lineal) möglichst lang wird. Eine Krümmung verringert die virtuelle Länge der frei flexenden Strecke. Deswegen der spitze Knick. So meine Überlegung (als Ingenieur).

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Draufsicht Canyon CP01 Cockpit CF / Hoverbar. Breiter Oberlenkergriffbereich, dadurch aber auch störende Ecke für die Unterlenkergriffhaltung.

Ja – doof aber nur mit dem Unterarm und den Platz, den er braucht.

Jetzt könnte Canyon sagen: „Dann fahr halt im Unterlenker gefälligst nach der reinen Lehre – konzentrierter Griff, Unterarme parallel zum Boden, Ellenbogen 90 Grad und tiefer Rücken“. Oder nimm halt die Ellenbogen raus in den Wind. Das Äquivalent zu O-Beinen mit den Armen. Nein, das passt ja nicht.

Besonders bei einem Gravel Bike nicht. Damit fahren wir auch über technisches Terrain. Auch mit den Händen in den Drops. Da sind die Ellenbogen aktiv an der Federung und der Radkontrolle beteiligt. Und spätestens bei einer Kompression (reinfahren in eine Kuhle, eine Bach- oder auch nur eine Rillendurchfahrt) oder aber beim Sprint aus dem Sattel aber im Unterlenker macht es „Bämm“ – Kontakt Unterarm Oberlenkerknick. Nein, nein, nein Canyon, damit bin ich absolut nicht einverstanden.

One size fits all – geht natürlich nicht

Was gut ist: Ja, das Grail hat einen schön eleganten Übergang vom Oberrohr zum Vorbau. Und trotzdem sitzt der Oberlenker auf einer komfortablen Höhe. Ganz ohne – von der Stylepolizei ja so verschmähtem- Spacerturm. In der Tat – die Oberlenkerhöhe des Grail soll der eines Endurace mit maximaler Spacerhöhe entsprechen. Sagte Daniel auf der Fahrt. Mein Nachprüfen zu hause zeigte mir, dass das Grail trotzdem noch leicht sportlicher mit 10 mm geringerem Stack+ als das Endurace aufwartet (Stack+ ist ein Maß, das Canyon für das Grail extra neu erfunden musste, um bis zum Oberlenker zu messen, weil die Vorbauhöhe mit der Hoverbar überhaupt nicht mehr aussagekräftig ist).

Im Grunde hat das Grail also einen (optisch) maximal geslammten Lenker, der dennoch eine komfortable und Übersicht gebende Höhe aufweist. Kein Grund mehr aufgrund übergroßer Eitelkeit und falsch verstandener Sportlichkeit sein Fahrerlebnis und seinen Rücken zu ruinieren, weil man ja unbedingt auf alle Spacer verzichten muss und den Lenker ganz nah und tief auf das Oberrohr platzieren muss. Wie die Profis.

Das ist auch super. Ich fühlte mich von der Position her auf dem Grail gerade in den Hoods sehr wohl. Der effektiv sehr kurze Vorbau (lasst euch von dem langen Stück zum unteren Querholm nicht täuschen – die Vorbaulänge zählt bis zum Oberlenker) bietet trotz dem langen Radstand des Grails gute Agilität. Fühlt sich aber etwas gewöhnungsbedürftigt im Wiegetritt und auf den Hoods an.

Aber was ist, wenn euch der Lenker trotzdem noch etwas zu tief ist? Ein kleiner Spacer mehr? Keine Chance. Die Lenkerhöhe ist fix. Nur nach unten liesse sich mit viel Aufwand etwas machen. Wer partout eine andere Lenkerhöhe benötigt, muss eine andere Rahmengröße wählen. Detailanpassungen: Fehlanzeige!

Erweiterungsmöglichkeiten / Anpassbarkeit (des Lenkers)

Diese sind leider sehr beschränkt. Bei einem Gravel-Bike oder bei einem All-Road-Bike kommen sicher nicht nur mir sofort epische Abenteuer, lange Fahrten und Bikepacking in den Sinn. Canyon bewirbt ja auch eine noch kommende Bike-Packing-Taschen-Serie von Topeak extra für das Grail. Unabhängig davon, dass mir die Lenker-Tasche sehr suspekt vorkommt (ich aber ja auch nur das seltsame Seitenbild kenne) denke ich dabei natürlich direkt an Distanzen wie eine Torino-Nice-Rallye oder ein Transcontinental-Race. Ich könnte mir ein Grail sehr gut dafür vorstellen, wenn es nicht diesen Lenker hätte. Denn wie soll man auf diesen Lenker Aerobar-Aufsätze montieren? Geht nicht. Darf nicht. Und Lenker tauschen ist ja nicht.

Möchte man eine besondere ergonomische Lenkerform fahren, oder braucht einen längeren Vorbau? Geht nicht. Einen höheren Lenker? Geht nicht. Einen schnellen Ersatz, wenn der Lenker beschädigt wurde? Ich würde mein Geld nicht darauf verwetten. Eine andere Position der Bremsgriffe? Geht nicht.

Der Rest vom Rad und das Gesamtpaket

Ok, der Lenker bietet kaum das, was Canyon verspricht. An Stellen, an denen man es nicht benötigt. Mit Nachteilen, die man nicht umgehen kann, weil der Lenker absolut nicht austauschbar ist. Und einer Optik, die mir überhaupt nicht gefallen mag. Wie ist denn trotzdem so der Rest vom Rad? Auch, wenn das überhaupt nicht in’s Gewicht fällt, wenn man mit dem Lenker nicht zufrieden sein kann.

Ich fuhr am Samstag das Canyon Grail CF SLX 8.0 DI2. Seines Zeichens das Topmodell der Grail-Linie, ausgestattet mit der aktuellen elektronischen Shimano Ultegra Di2 Schaltung samt hydraulischer Scheibenbremsen. Die Schwalbe G-One Bite in 40 mm sind allen Modellen gemein, auf den höherpreisigen Modellen sind sie auf Reynolds Assault ATR Carbonfelgen tubeless montiert. Ein Fizik Aliante R3 Sattel sitzt auf der bekannten Canyon S15 VCLS 2.0 CF Sattelstütze. Solcherart wiegt das Grail 8,2 kg in Größe M. Ich selbst habe die Größe S gefahren. Passte auf Anhieb. War auch nicht weiter verwunderlich – fahre ich doch mein Canyon Ultimate CF SLX ebenfalls In Größe S.

Der Rahmen sieht, wie schon eingangs erwähnt, sehr schön aus. Er weisst die gleichen Design-Elemente auf, die schon Ultimate zu gefallen wissen: Schöne Rohrformen, klare Linien und ein eleganter Sitzknoten mit schönem Übergang von Oberrohr zu Sitzstreben und vertieft und verdeckt geklemmter Sattelstütze. A pro pos eleganter Sitzknoten – da muss das Inflite leider zurückstecken. Das schaut leider nicht so gelungen aus – ist aber aus Performance- und Funktionsgründen absolut nachvollziehbar. Ganz im Gegensatz zu den Gründen, die Canyon für den Lenker des Grail angibt.

Beim Grail finde ich auch die Farbgestaltung sehr ansprechend. Art und Formen der farblich hervorgehobenen Rahmenteile sieht super aus und die Varianten „Storm green“ und „Carbon copper“ finde ich richtig toll. Daneben gibt es auch noch „Meteor grey“.

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Ein Rotte Grails in ihrem natürlichen Habitat.

Praktisch: Endlich ein Carbonrahmen von Canyon, der Aufnahmen (super unauffällige Schraubgewinde) für Schutzbleche mitbringt.

Durch das Oberrohr-Design liegt dieses etwas höher als ein Oberrohr eines Ultimate oder Endurace. Das hat Auswirkung auf die Überstandshöhe, die gerade bei einem Rad für’s Gelände wichtig ist. Diese ist aber noch ok, finde ich mit nicht all zu langen Beinen. Jemand, der ebenfalls noch Größe S benötigt, aber etwas kleiner ist als ich (175 cm) bzw. kürzere Beine hat, könnte hier aber langsam in grenzwertige Regionen kommen.

Was mir auch sehr gefallen hat, sind die neuen Shimano Brems-/Schalthebel der hydraulischen DI2. Beeindruckend, wie schlank diese trotz der integrierten Hydraulik ausgefallen sind. Gerade für meine nicht sehr großen Hände greifen sich die Griffe optimal. Ich war mit der Oberlenkerhaltung des Grails als Kombination aus Lenkerhöhe und Schaltgriffposition und -Ergonomie sehr zufrieden.

Zwei kleine Nachteile verbleiben aber bei einer Shimano-Schaltung: 1. Der Höcker ist extrem wenig ausgeprägt (wie auch bei einer mechanischen SRAM-Einheit für Felgenbremsen). D.h. hier ist wenig „Fleisch“ zum anpacken. Der sogenannte Belgian Style, den ich gern verwende, ist hier nicht so schön anwendbar, wie z.B. an Campagnolo Schaltgriffen. An Sram Red etap HRD und an Campagnolo Shiftern für Scheibenbremsen ist er nochmals besser verwendbar). 2. Die Schalthaptik empfand ich bei der neuen Di2 schon deutlich verbessert, aber sie wird in meinen Augen immer noch von Campagnolo EPS und SRAM Red Etap übertrumpft. Sowohl was Verwechslungsgefahr der Schaltflächen als auch taktile Rückmeldung und Größe der Schaltflächen angeht.

Fazit:

Ein Rad, welches aus vielerlei Gründen (die sich aber alle um den Lenker drehen) für mich nicht kaufbar und nicht erstrebenswert ist. Das (wiederum nur aufgrund des Lenkers) handfeste und objektive Nachteile hat. Was ich wirklich sehr bedauere. Denn die Jungs und Mädels aus Koblenz scheinen mir eigentlich ein symphatisches Unternehmen, was vieles richtig macht. Sie haben (bis auf das Inflite und das Grail) richtig toll designte Räder, die sich auch klasse fahren und an der Spitze ihrer jeweiligen Mitbewerber stehen. Sie unterstützen mehrere Profi-Teams und fördern so den Sport und die eigene Entwicklung. Sie betreiben auch Nachwuchsförderung und sind in Koblenz erreich- und ansprechbar. Und nicht zuletzt sind solche Events wie die häufigen Road-Rides, aber auch die Open House Days und das Pure Cycling Festival schöne Gelegenheiten zum Treffen und zum Testen ihrer Produkte.

Kann das Grail etwas für Euch sein? Möglicherweise. Wenn euch genau eine der vorhandenen Größen passt, ohne dass ihr auch nur die kleinste Anpassung des Lenkers vornehmen wollt. Wenn ihr eher große Hände habt, so dass ihr nicht so sehr in Kollision mit dem unteren Querholm des Lenkers kommt. Wenn euch das Aussehen nicht stört oder ihr es sogar cool findet. Und wenn euch die Dämpfungsfunktion ziemlich egal ist, weil ihr einfach nur ein schickes Rad haben wollt. Und wenn ihr eher auf Micro- denn auf Macro-Adventure steht – denn für große Abenteuer wollt ihr sicher mehr Anpassungs- und Erweiterungsmöglichkeit, als es das Grail mit seinem Lenker bietet.

Was bleibt? Vielleicht die Hoffnung auf die für diesen Herbst angekündigte Aluminium-Version des Grail. Das neben den Schutzblech-Aufnahmen des Carbon-Grail auch Aufnahmen für einen richtigen Gepäckträger mitbringen soll. Und das mit einem normalen Lenker ausgestattet werden soll! Ich bin sehr gespannt, wie dann das Rahmendesign aussehen wird! So würde das Alu-Grail aber das vielseitigere und erstrebenswertere Grail werden. Warten wir es ab.

 

 

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51 Kommentare zu „Das Canyon Grail: Testride Review

    1. Der Artikel ist sehr gut. Die Qualität der Canyon Rädet ist unumstritten. Ich persönlich finde das Design des Grail und des Ibflite viel interessanter als das der Ultimates und Endurace. Es ist wie bei den Autos: Fast alle lieben den langweiligen Golf GTI aber ich mag den Civic Type R. Ich würde nie ein “perfektes“ Ultimate SLX kaufen, viel lieber das etwas ungewöhnliche Grail. Hoffentlich wird es ein Flopp, dann bekomme ich es mit einem satten Rabatt.

      1. Hallo Stefan, ich habe mir gerade mal den Honda Civic ergooglet. Dann magst du wahrscheinlich auch eine Severin-Kaffeemaschine lieber als eine Rocket-Espresso-Maschine. Weil – letztere gefällt bestimmt zu vielen und ist richtig cool. Und damit ja wahrscheinlich voll langweilig. ;-)

        Mich würden tatsächlich mal die Verkaufsstatistiken von Canyon interessieren. Und ich würde gerne wissen, wie glücklich Canyon wirklich mit dem Design ist. Vielleicht warten sie ja schon drauf, möglichst schnell einen Nachfolger mit einem funktionaleren und besseren Lenker herauszubringen? Wer weiß. Aber auch dann würdest du einen guten Rabatt bekommen. ;-)

        Danke für deinen Kommentar und viele Grüße.

  1. Schöner Bericht, der es auf den Punkt bringt. Design ist nicht alles. Über Geschmack lässt sich natürlich streiten und es wird evtl. ein paar geben, denen dieser krude Lenker sogar gefällt. Wenn er denn wenigstens funktionieren würde… Schade um den schönen Rahmen.
    Ich musste beim lesen an den Renault Avantime denken, der Anfang der 2000er Jahre kurz zu sehen war und sich kaum verkauft hat. Der war ein Zweitürer auf Basis von Renaults Espace. Ein Riesentrum mit Mordstüren, die mit einer unglaublich komplizierten Kinematik versucht haben sich auch in engen Parkbuchten öffnen zu lassen. Hoher Aufwand und kein Erfolg.
    Vielleicht wird das Grail irgendwann auch mal so ein seltener Exot mit einem kleinen Liebhaberkreis. Und wir werden uns in 15 oder 20 Jahren auf Klassikermessen um diesen Exot scharen.

  2. Ich hoffe, dass nach Abflauen des Windes die Einsicht kommt, einen Vorbau für Standard-Lenker bereit zu stellen, so dass man die Vorzüge des Rahmen mit voller Breite pers. Empfindungen leben kann.

    1. Ich würde nicht drauf warten wollen. Weil ich erstens Denke, dass das nicht in der Absicht von Canyon liegt und zweitens weiss, wie lange es gedauert hat, bis die integrierten Cockpits von Aeroad und Ultimate als einzeln nachkaufbare Option angeboten wurden.

      Aber vielleicht bringt ja das im Herbst kommende Aluminium-Grail einen Vorbau mit, der sich entsprechend adaptieren lässt? Und mit einem Riserlenker, wie er auch für das Specialized Venge Vias oder auch von Drittanbietern verfügbar ist, ließe sich auch ein optisch schöner Lenker und eine nicht zu große Sattelüberhöhung vereinen.

  3. 100% Zustimmung!!! gerade, was den Flex im Lenker betrifft. Damit schiesst Canyon voll daneben!
    Haben die sich mal angeschaut, wie viele Pros Paris-Roubaix im Oberlenker fahren? Fast keiner. Die Top Leute, allen voran Tom Boonen (früher), sind früher fast nur im Unterlenker gefahren. Über den Hebelarm hat man dort den größten Flex und Comfort. Haben Katusha oder Movistar bei PR eine Rolle gespielt (und konnten Rückmeldung über dies und jenes geben)? Noch früher, zu Stahlzeiten, war das weniger ein Thema. Da waren die Räder so windelweich, dass deutlich weniger Lastspitzen angekommen sind. Das merke ich heute noch an einem 87er Peugeot.

    Wo ich anfangs nicht drüber nachgedacht hatte: dieser unsägliche Oberlenker ist Gift für mechanische Schaltungen und Bremsen (sofern man sie will), weil der Winkel viel zu spitz ist (Zugreibung!!!!!).
    Das Bild mit dem Unterarm finde ich Klasse: deswegen gibt es von Ritchey, Easton, FSA und Salsa extra Lenker mit mehr Flare – Problem gelöst. Ich liebe meinen Ritchey EvoMax!

    Canyon sollte schleunigst darüber nachdenken, das Rad mit dem Cockpit des Aeroad (oder was vergleichbares) anzubieten.
    Viel wahrscheinlicher werden die Käufer aber wieder auf das Marketing hereinfallen. Und das ist der Punkt, warum Canyon bei mir immer einen schalen Nachgeschmack auslöst. Immer diese Testsiege und Lobhudeleien machen mich stutzig (wohl wissend warum das so ist). Früher hat Canyon mit der Ausstattung gepunktet (was mir persönlich Wumpe ist), heute machen sie es mit dem Gesamtkonzept (siehe Aeroad, Inflite, …). Ist ja auch gut, aber das bedeutet nicht, dass alles gut ist was die produzieren. Das muß die Presse mal begreifen!
    Jan Talavasek von Specialized hat das mal gut beschrieben: in Morgan Hill werden die Räder entwickelt, die die Entwickler selbst fahren wollen, worauf sie Bock haben! Dabei kommt auch mal Murks raus, welche ruckzuck wieder verschwindet. Und man schielt dort nicht auf die Ausstattung, sondern auf das Fahrerlebnis. Und da hat mich Specialized (und Trek, Kona, Marin) nie enttäuscht.

    Ich bleibe bei meinem Diverge für 999 € (regulär), getuned mit Ritchey EvoMax WCS, Fabric Silicone Lenkerband, Panaracer Gravel King SK 622×40 mm, xtreme WCR Sattelstütze und Specialized Phenom SL Sattel. Die Sora kann ich verschmerzen, die TRP Mira auch. Nur die Kettenblätter von Praxis Works sind unter Last kaum gescheit schaltbar.

    1. Hallo Armin, vielen Dank für deinen ausführlichen Kommentar. Ja klar – es gibt so viele tolle Räder da draußen. Und ich hoffe es kommt bei mir ‚rüber, dass ich immer auf das jeweilige Rad und die jeweilige Lösung und nicht auf die Marke schaue. Es gibt ja auch viele Fanboys da draußen (egal für welche Marke) die es einerseits als persönliche Beleidigung auffassen, wenn jemand irgendetwas an der Marke kritisiert, von der sie sich gerade für viel sauer erspartes Geld ein Rad gekauft haben oder die grundsätzlich alles an ihr gut finden müssen.

      Bei mir ist das so: Ich mag diverse Canyons und finde die richtig geil. Aber sie machen auch ziemlich uncoole Sachen. Im Moment haben sie da mit Inflite und Grail einen (negativen) Lauf. Das gibt es genauso bei jeder anderen Marke. Bei Specialized ist das neue Tarmac super cool. Aber das Venge Vias ist absolut furchtbar. Sackschwer, absolut hässlicher Vorbau und die Felgenbremsversion ist eher unschön und von der Funktion her ganz objektiv schlecht. Cav hat sich ja sogar schlicht geweigert, das Dingen zu fahren. Jeder hat halt Gurken.

      Bei Paris-Roubaix möchte ich aber ergänzen: da fahren sehr viele Pros auch im Oberlenker. Nicht ausschließlich und immer auch von der Situation angepasst auch in den Hoods und in den Drops. Aber auch auf den Tops. Nicht wenige (aber nie die Topfavoriten) hatten sich ja früher immer noch extra Bremshebel an den Oberlenker befestigen lassen, damit sie wenigstens in dieser Haltung noch ein bisschen bremsen konnten. Dieses Jahr hat sich z.B. sogar Wout van Aert (der das am Crosser nie machen würde) an sein Paris-Roubaix Rad wenigstens an einer Seite so einen Extrabremshebel montieren lassen (da hätte er beim Grail aber wohl schon wieder Schwierigkeiten ;-))

      Ich selbst bin ja auch schon zweimal am Samstag vor den Profis die Jedermann-Edition gefahren. Einmal mit meinen TCX Advanced Pro 1 mit 32 mm Reifen, tubeless, 2,8 bar oder so. Nur einfach gewickeltes Lenkerband. War tough, aber ging super. Letztes Jahr bin ich es mit meinem aktuellen Ultimate CF SLX gefahren. Mit 28 mm Clincher vorn und 25 mm Tubular hinten. Hatte ein paar leichte offene Blasen in den Handflächen. Trotz extra gepolsterten Handschuhen. War aber auch etwas verkrampfter am Lenker, denke ich. Und habe härter über’s Pflaster geprügelt. War auch in Teilen auf dem Oberlenker. Aber meistens dann doch in den Hoods. Einfach wegen Kontrolle und Bremsbereitschaft, weil doch immer mal einer vor dir ist, auf den du auffährst.

      1. Hallo Torsten,
        ich kenne die Modifikationen mit Froglegs am Oberlenker, hat Degenkolb ja auch gemacht. Ist wohl mehr für den Kopf.
        Ich stelle es mir gerade auf den Hoods am schlimmsten vor, denn dort hast Du die geringste Kontrolle bzw. das größte Rutschpotential. Wenn Du dann noch wie ich meist ohne Handschuhe fährst, landest Du automatisch im Unterlenker. Wie gesagt, Boonen ist ein klassisches Beispiel: immer ohne Handschuhe, meist im UNterlenker, selten Hoods oder Oberlenker. In den 70ern mussten sich de Vlaminck, Merckx, Godrefroot und die anderen noch mit Isolierband auf dem Lenker zufrieden geben – dass muss richtig bescheiden gewesen sein. Und noch früher? Die Hölle!
        Wo wir schon beim Thema sind, bei P-R wurde schon alles gefahren: Fullies, Softtails, Komforträder und dann gewinnt 2016 Matt Haymann auf einem Foil – der Hammer. Quasi auf einem Pflasterstein die Pflastersteine bezwungen. Mit anderen Worten: es ist sch..egal, Du musst nur besser treten als alle anderen!
        Was mir halt nicht gefällt, ist die totale Integration aller Komponenten, was ja nur mit DI2 und Hydrailik wirklich gut funktioniert. Das wäre z.B. auch Fabian Cancellara ziemlich auf den Zwirn gegangen, der nie DI2 fahren wollte. Da muss er heute Emonda oder Domane fahren, Madone fällt flach (oder er arrangiert sich mit der Zugreibung).
        Oder Hersteller, die mit ihren Leitungen von oben senkrecht im Oberrohr eintauchen (z.B. Merida Reacto) – da schaudert es mich.
        An dem Venge Vias ist so ziemlich nichts dran, was mich anspricht – nada, nix, niente!

      2. Urgs, ja. Züge von oben in’s Oberrohr geht ja gar nicht! Sehr schade, dass das 3T Strada auch so einen Krampf hat. Und doch würde ich das dann doch gerne mal ausprobieren. ^^

  4. Hallo Torsten, danke für Deinen tollen Bericht mit den schönen Fotos. Ich bin ja am Samstag auch mitgeradelt und habe mir das Grail gestern bestellt. Mir passt das Rad mit dem Cockpit wie „Arsch auf Eimer“ und die CF SL-Variante mit der DI2 stellt für mich und den Einsatzweck den ich mit dem Rad plane (lange Schotterpisten, leichte Trails, schlecht asphaltierte (Feld-)Wege), ein sehr gutes Gesamtpaket dar. Ich stoße in Unterlenkerposition nicht mit den Unterarmen am Oberlenker an und finde die Unterlenkerposition mit dem Daumen auf dem unteren Holm sehr bequem und sicher. Also, es ist wie Du schon sagst, eine sehr individuelle Geschichte. Probe fahren ist bei diesem Rad absolute Pflicht! Mal sehen, wann das Rad geliefert wird und ob ich tatsächlich einen Exot gekauft habe :-)

    1. Hey Sonja,

      cool, dass du auf meinem Blog gelandet bist. :) Du wirst bestimmt eine gute Wahl für dich getroffen haben. Ausprobieren ist beim Grail wirklich Pflicht.

      Wahrscheinlich wirst du diese eine Single Trail Sektion in der Abfahrt mit ihrem Auf und Ab nicht im Unterlenker gefahren sein? Ich war da ziemlich fix mit Daniel vorne weg und da ist es mir zum ersten Mal aufgefallen: Hupps – da kommt man ja an den Oberlenker dran. Hatte es dann später nochmal im kurzen Sprintansatz auf der Ebene und im Unterlenker probiert. Deswegen finde ich das absolut nicht gelungen. Aber ich will dir da keine Probleme herbei reden. :)

      Und was Besseres könnte es geben, als einen Exoten zu haben, wenn er doch hundertprozent passt? :)

      1. Ja klar, einen coolen Blog schreibst Du hier. Werde jetzt öfter mal reinschauen!

        Mensch Torsten, ich bin die krasse Abfahrt am Samstag (ganz hinten) natürlich mit den Händen am Oberlenker gefahren! So hatte ich richtig guten Flex ;-)
        Jep…ich finde man muss auch ganz klar den Einsatzbereich des Grails für sich definieren. Einige Passagen während der Tour am Samstag waren für mich sowieso grenzwertig mit dem Grail. Mountainbikes haben schon auch noch ihre Existenzberechtigung :-). Es war gut zu testen, dass man solche gröberen Passagen auch damit fahren kann (zur Not, wenn man mal versehentlich in eine kommt). Unterarme anschlagen geht aber natürlich gar nicht. Ich schau mir die Sache in der Unterlenkerposition nochmal genau an und werde beim ersten blauen Fleck an Dich denken ;-) (und ein Foto machen…)

  5. Hallo Sonja, Hallo Frank,
    Auch ich war am Samstag mit von der Partie.

    @Sonja; erstmal meinen Glückwunsch zur Entscheidung mit ein neues multifunktionales Rad den Radstall aufzufüllen. (Na das war wohl leicht :-)!!
    Danke an Torsten für diese Scharfe und ausführliche Analyse des Grail!

    Vielleicht noch ein paar Gedanken meinerseits zu dem Testride, da ich nicht so viele Kilometer regelmäßig abreiße wie Ihr, betrachte ich das eher aus der Weekendworriersicht und als Fahrer eines Alu Rennrades mit einer 105er und einem gefühlten Komfortfaktor von Null. (R1 Radon)
    Über Sinn und Zweckhaftigkeit des Doppeldeckers lasse ich mich nicht aus, das kann man oben nachlesen. (Effektivität etc.)
    Mein größter Pluspunkt war für mich, dass der Komfort eines hohen Oberlenkers und damit der Möglichkeit relativ aufrecht zu sitzen, im Gegensatz zu meinem Hobel sehr gut war. (Ohne das Endurace gefahren zu sein) Ich hatte mich schnell an die Ansicht gewöhnt noch etwas zweites über dem Vorderrad zu sehen. Klar, meistens bin ich auch mit den Händen auf den Hoods gefahren (auch aus der Gewohnheit heraus), allerdings aus der Sicht meiner paar langen Touren (150-200km) habe ich mir immer gewünscht einen ergonomisch besser zu den Händen (die leichte nach außen geprägt Neigung) passenden Oberlenker zu haben (da ich meistens zwischen Hoods und Oberlenker in regelmäßigen Abständen wechsel) und ich muss sagen, das hat mir gut gefallen!!

    Ich habe am Samstag ganz bewusst jedes Schlagloch und jede noch so kleine Unebenheit nicht ausgelassen und bin mit Absicht da durch um den Komfort zu testen und ich muss sagen mein Fully ist zwar wesentlich besser aber
    dann kommt schon wirklich das Grail! Absolut kein Vergleich zu meinen 25mm Reifen und dem R1 ohne Komfortgimicks….. Gut, sicherlich das Zusammenspiel der breiten Reifen mit der Sattelstütze aber vielleicht auch der Lenker haben ihr bestes getan. (natürlich nur meine subjektive Meinung!)

    Insgesamt gesehen, ob es schlechte Strassenverhältnisse, Waldwege oder Kopfsteinpflaster waren, kann ich das Fahrgefühl als entspannt und ohne viel Ruckelei und damit Einwirkungen auf die Arme/ Schulter und dem allerwertesten beschreiben. Schweben ist vielleicht zu viel aber mit ca 45km/h über den Waldweg ballern hat einfach spass gemacht und mein Fully hätte es nicht viel besser gekonnt.

    Nix positives ohne Kritik.
    1. Ich bin MTB SPD (XTR) gefahren und wenn die Kurbel auf 90 Grad steht und ich das Vorderrad eingeschlagen habe (so extrem sicherlich nur im Stand möglich) hat meine Fußspitze das Vorderrad berührt. )(Rahmengröße -S-) Wir reden über viellicht zwei bis vier Millimeter, kann man sicherlich durch eine Cleat Position regeln aber darüber war ich mit meinen Schuhen Gr. 43 erstmal erstaunt. Beim Fahren war das kein Problem auch auf den Runden im Hof stellte sich dies als nicht so schwerwiegendes Problem heraus.
    2. Das Problem mit der Fronttasche und dem damit verdeckten GPS ist natürlich schlicht grausam und fast ein Killer… man könnte sicherlich eine kleine Fronttasche unter den unteren Holm machen, diese dürfte dann aber nur schmal sein, da der Abstand zwischen Reifen und Holm halt sehr gering ist, vielleicht ist das in den größeren Größen des Rahmens weniger das Problem. Hier bleibt also nur eine Tasche im Rahmendreieck! Oder man akzeptiert das man das GPS nicht sieht oder man macht es irgendwie oben auf dem Rahmen fest (zB wie DC Rainmaker das immer macht wenn er mal wieder mit 5 GPS unterwegs ist :-).

    Letztendlich muss natürlich jeder für sich entscheiden was er mag oder nicht, ich will auf jeden Fall für mein Geld das beste Preis Leistungsverhältnis haben das ich bekommen kann und das CF SL für den Preis mit DI2 und DT Swiss hat vergleichsweise keiner im Angebot. (auch wenn mein Herz für das SLX in Grün schlägt) Auch wenn das viel Geld ist. Sicherlich muss nicht alles Gut sein was die Industrie uns als Konsumenten vorsetzt aber manchmal muss man vielleicht sich selbst ändern und Kompromisse eingehen können und andere Lösungen finden. Auch wenn ich ein Endurace mit 1:1 Übersetzung besser gefunden hätte, gibts halt nicht.

    Focus Parallane oder Cannondale Synapse SE Ultegra mech. wären noch Alternativen. Ich bin kein Canyon Jünger aber ich war sehr zufrieden mit meinem Grail am Samstag auch wenn ich vielleicht ein paar dünnere Strassenreifen aufziehen würde (32 Contis oder 35er Schwalbe) dann hätte ich das beste aus zwei Welten, einerseits ein auf der Strasse gut gehendes Rennrad, als auch, wenn ich mal bei einer neuen Tour wieder unabsichtlich im Wald lande und dann ein paar km Schotter-/ Waldweg ballern muss… (ist mir zB im Taunus und am Rennsteig passiert), ein geeignetes Rad für einen Waldausflug! Auch die Möglichkeit Bleche anzubringen sind ein Pluspunkt für mich.

    Ich verstehe auch, das dies nix für TCR ist um seine Unterarme auf dem Oberlenker abzulegen etc.!
    Ich bin das erste mal DI2 mit Scheibe über eine 40km Tour gefahren und um es kurz zu machen, Weltklasse! Auch wenn die Tasten ein wenig klein geraten sind, war die Schaltperformance top und die Scheibenbremsen super. Ich persönlich kaufen kein Rennrad mehr welches keine hat, es ist die überlegene Technik und alles andere ist dann Fahrtechnik. Wer kauft schon ein Auto mit Trommelbremsen? Auch wenn der Vergleich ein wenig hinkt.

    Torsten, auch wenn ich es dir auf der Tour fast am Ende schon mal gesagt habe, vielen Dank das du mich/ uns an deinen Gedanken teilhaben lässt und dir die Arbeit machst diesen Blog zu schreiben!! Ich, wie viele Andere profitieren sicherlich davon. Top!

    In diesem Sinne wünsche ich noch ein schönes Wochenende!

    Patrick

    1. Hi Patrick, vielen Dank für deine Gedanken zur Testfahrt. Am Ende haben wir hier noch eine Rundumschau nahezu aller Teilnehmer des Gravel/Grail-Rides am Samstag. :)
      Und herzlichen Dank für deine schon am Samstag geäußerten Worte. Das ist natürlich auch für mich als Autor sehr toll, ein solches Feedback ganz unerwartet auf so einer Fahrt zu bekommen.

      viele Grüße,
      Torsten

    2. Hey Patrick,
      was ist schon ‚leicht’…werde mein Zeitfahrrad verkaufen (S-1)…vielleicht…;-)
      Gruß, Sonja

      1. Hallo Sonja,
        Ja die Trennung fällt immer schwer 🤪!
        Wenn du dein Grail bekommen hast würde mich mal ein kleiner Erfahrungsbericht sehr interessieren.
        Schönes WE!
        Gruß Patrick

    3. Hallo Patrick,
      mal das Trek Checkpoint angeschaut? Finde das sehr gelungen, einzig die externe Verlegung der vorderen Bremsleitung könnte man anführen. Für die Wartung ist es aber besser.

      MfG,
      Armin

      1. Hallo Armin,

        Danke für den Hinweis, ist mir bei meiner Aufklärung im Netz natürlich aufgefallen das Trek ein neues Modell im Angebot hat. Was ich gut finde ist die konsequente Weiterführung in Sachen Bikepacking mit den entsprechenden Möglichkeiten (3. Flaschenhalter, Möglichkeit Taschen an der Gabel zu befestigen etc.). Leider gibts das Modell nicht mit DI2 und insgesamt ist es mir ein wenig zu schwer, muss aber dazu sagen das ich einen guten Kompromiss suche für den Alltag, für mal einen Ausflug in den Wald aber auch die Strassenpace ist da ein Kriterium.
        Ich gebe dir Recht was die Wartung angeht aber da bin ich ganz konsequent der Faule user und Bevorzuge alles innenliegend :-)!!

        Gruß
        Patrick

  6. Hallo Frank, hallo in die Runde;

    vielen Dank für den sehr ausführlichen Bericht. Ich habe mir das Grail CF SL 8.0 nur 3 Tage nach der Präsentation bestellt. In der Woche nach dem PCF konnte ich es dann endlich abholen. In den paar Tagen bin ich jetzt ca. 400km damit gefahren und bin noch immer total begeistert.
    Ja, ich kann die o.g. Kritikpunkte verstehen und in Teilen auch nachvollziehen. Dieses Rad muss passen! Wenn man beabsichtigt Änderungen vorzunehmen ist es schon vorbei. Ich hatte das Glück bei einer Körpergröße von 184 cm mit der RH M gut zurecht zu kommen. Einzig die Sattelstütze musste ich tauschen, weil ich als Langbeiner mit der 350mm Serienstütze (nicht die VCLS Variante) schon über den Maximalauszug kam. War mir dessen aber beim Kauf bewusst, da ich eh eine Syntace P6 HighFlex 400mm montieren wollte und natürlich einen anderen Sattel. Von den VCLS Stützen, so gut sie auch flexen, halte ich nix. Der Wartungsaufwand ist mir einfach zu hoch. Zwischen den Blattfedern sammelt sich Staub und kleine Steinchen, die dann die Oberfläche der beiden Innenseiten malträtieren um im Laufe der Zeit üble Knarzgeräusche zu verursachen. Aber darum geht’s hier ja nicht…
    Mein vorrangiger Einsatzzweck ist der tägliche Weg zur Arbeit. Sommer wie Winter mit eben der Möglichkeit auch mit Schutzblechen fahren zu können. Da ich unzählige Routenoptionen habe, die aber nicht immer befestigt sind und ich Abwechslung so sehr mag, musste etwas mit einem möglichst großen Einsatzspektrum her.
    Nach den 400km meist Abseits befestigter/asphaltierter Straßen kann ich sagen, dass dieses Rad meine Kriterien zu 100% erfüllt. Man sollte auf Trails keine Wunder erwarten, kann aber damit Trails fahren. Auf der Straße ist es durchaus auch mit den 40er Schwalbe recht flott zu bewegen. Mit den Freunden bei der Feierabendtour mitrollen geht allemal. Für die Eskalationsfahrten bevorzuge ich dann doch meine S-Works Tarmac Rennfeile.
    Wo das Grail aber richtig gut geht sind Waldautobahnen. Das Inflite AL, welches ich mal testweise gefahren bin, ist im direkten Vergleich ein unkomfortabler, harter Bock. Es erfordert mehr Aufmerksamkeit und ist auf längeren Distanzen ermüdender. Das Grail ist dagegen butterweich. Ich war überrascht, wie sehr man den Rahmen quasi „verdrehen“ kann, wenn man den Lenker festhält und den Sattel zur Seite hin und her bewegt. Bei meinem Tarmac bewegt sich da nichts! Im Fahrbetrieb merkt man das normalerweise nicht, es sei denn man provoziert kurze, schnelle Lenkimpulse bei Geschwindigkeiten über 50km/h. Wie bereits erwähnt spielt das Grail seine Vorzüge auf Waldautobahnen oder schlechten Feldwegen voll aus. Mit einem Hardtail muss ich, um die gleiche Geschwindigkeit zu erreichen, bereits im roten Bereich fahren.
    Zur Griffposition/Lenker: ich fahre meistens auch mit den Händen an den Hoods. Aber wenn es mal ne lange Gerade hat, dann greife ich schon mal den Oberlenker und ja, etwas mehr Komfort ist spürbar. Aber es ist nicht revolutionär. Die Unterlenkerposition ist dafür gewöhnungsbedürftig. Wie Frank schon erwähnt hat ist es schwierig den Daumen zu positionieren. Da bei mir noch Probleme mit dem Daumengrundgelenk hinzukommen, muss ich da besonders aufpassen. Bedeutet, wenn ich in den Unterlenker greife, darf ich den Daumen nicht locker auf den Zwischenlenker auflegen. Das wäre beim nächsten Schlagloch sehr schmerzhaft. Also entweder fest zupacken und fixieren oder den Griffwechsel besser sein lassen.

    Bis jetzt habe ich den Kauf nicht bereut und ich hoffe es bleibt auch so…

    Grüße Martin

    1. Hallo Martin,

      danke für deinen ausführlichen Kommentar. Im Grunde bestätigst du ja genau mein Bedauern über den Lenker. So ein im Grunde cooles und passendes Rad – schönes Rahmendesign, Möglichkeit für Schutzbleche und mit den 40 mm Reifen und dem vergleichsweise langem Radstand ein guter „Gleiter“ – und der Lenker schränkt die Verwendungsmöglichkeit ziemlich ein und bereitet eine Hölle viel mehr potenzielle Problemstellungen, als dass er ein einziges Problem (und das in meinen Augen nicht mal eines ist) löst und dabei viel wesentlichere Dinge dann doch nicht adressiert (Compliance auch in den viel wichtigeren Hoods und Drops). Und – aber das mag jeder für sich selbst beurteilen, sieht mit der offenen Zugführung auch noch verboten aus.

      Das mit dem Rahmenverwinden ist mir gar nicht so aufgefallen. Zum einen habe ich es nicht bewusst provoziert und getestet, zum zweiten muss ein Rahmen schon richtig nudelweich sein, damit es mir Leichtgewicht auf Anhieb auffällt und zum zweiten waren für mich als erstes und prominent die tubeless Reifen für sehr viel des Komforteindrucks verantwortlich. Ein Setup, welches man super einfach mit jedem anderen Rad replizieren kann, solange es nur die jeweiligen Reifendimensionen zulässt.

      viele Grüße,
      Torsten

    2. Hallo Martin und alle Mitleser,
      ich hoffe, dass ich Dich und auch alle ansonsten Interessierten hier einfach mal so anschreiben darf.
      Ich (183 cm) selbst stehe zwischen der Wahl des Grail in M oder L. Hast Du beim M-Rahmen nicht eine tierische Überhöhung, wenn Du zudem eine noch längere Sattelstütze benötigst? Und stößt Du beim Kurbeln im Stand bei Deiner Körpergröße von 184 cm und bei Deiner Sitzhöhe nicht mit den Knien an den Lenker, da dieser doch mit einem relativ geringen reach+ (458mm) angegeben wird? Ich persönlich fahre auch gerne mit einer relativ großen Sattelüberhöhung. Beim M-Rahmen habe ich jedoch Sorge sehr gestaucht zu sitzen und vor allem beim Kurbeln im Stehen an den Lenker zu stoßen. Ich wäre Dir sehr dankbar, wenn Du Deine Erfahrungen hierzu mitteilen könntest.

      Beste Grüße

      Tim

      1. Das würde ich auch sehr gerne wissen.
        Ich bin 185 und sitze seit über 30 Jahren sehr sportlich durch zahllose Radrennen.
        Ein Grail im L würde mir vermutlich viel zu gemütlich sein.
        Daher tendiere ich zu M.
        Danke
        Chris

  7. Hallo Patrick und natürlich Torsten und alle die es interessiert,
    Freitag kam mein Grail CF SL 8.0 DI2 und ich habe die erste Proberunde hinter mir. Martin hat ja schon ausführlich berichtet, jetzt kommt hier mein erster Fahreindruck bzw. meine Erfahrungen. Erstmal wurde das Bike sehr pünktlich geliefert. Versendet am ersten Tag der angekündigten Lieferwoche. Ich kenne das nicht anders von Canyon aber man hört ja sonst so einiges ;-). Verpackung, Aufbau, Aussehen (habe die meteor-grey-Variante), alles top! V.a. die „Farbe“ hat mich positiv überrascht, der Rahmen sieht sehr edel aus, die silberen Stellen sind deutlich dunkler als auf den Bildern, eher ein Rauchsilber. Elektronische Schaltung: top, läuft butterweich und sauber. Fahreindruck, wie schon von Martin passend beschrieben, sehr, sehr gut auf Schotter und schlechten Feldwegen aber auch auf Asphalt. Leichtfüßig und schnell. Über das Cockpit wurde ja schon genug geschrieben. Mir taugt es sehr gut, die Brems-/Schaltgriffe greifen sich mit meinen Händen super. Unterlenkerhaltung passt gut, Griff mit dem Daumen auf dem unteren Bar find ich klasse. Garmin sitzt an der dafür vorgesehenen Halterung und hat (bei bewölktem Wetter) kaum gespiegelt aber ja, das kann ein „Problem“ werden. Dass die Garmin-Halterung an dieser Stelle, mit vorgeschnallter Tasche, keinen Sinn macht, wurde ja schon erwähnt. Apropos Tasche: dem Grail lag ein Taschen-Rahmenschutz-Aufkleberset mit Anleitung bei. Falls man also Taschen ranmacht, kann der Rahmen entsprechend beklebt werden. Und da kommen wir schon zu den 2 Dingen die mich ein wenig stören bzw. überrascht haben. Das Rad hat keinen Unterrohrschutz. Nix, kein Kleber, nischte. Zwack…mal sehen was ich da mache (ich könnte ja 10 beiliegenden „Taschenkleber“ (ca. 10x5cm) hinterienander hinbeppen ;-) Generell find ich ja, egal was man macht, es sieht suboptimal aus…aber bei einem Gravelbike ist doch Steinschlag zu erwarten. Die Kettenstrebe dagegen ist gut geschützt. Und, was ganz usselig gelöst ist, ist das Kabelwirrwar unter´m /zwischen dem Lenker. Uhijuijui. Hier hätte man sich gut was einfallen lassen können, v.a. das DI2 Kabel wabert frei rum. Hatte doch erwartet, dass das in der Serienproduktion besser wird (im Vergleich zu den Testrädern). Aber ok, mit einem Kabelbinder oder Isolierband werde ich Ordnung schaffen. So, also insgesamt bin ich hoch motiviert das Rad bald wieder zu fahren und freu mich wie Schnitzel über +1 (r+1 ;-). Beste Grüße in die Runde! Sonja

    1. Hi Sonja, wir saßen doch alle auf Serienrädern in Koblenz. Die Kabel wird man leider nicht los – außer rausrupfen und Sram eTap dran machen. ;-)

      Bezüglich des Unterrohrs und dem ungeschützten Carbon – solange die Lackierung recht gut / schlagzäh / wasauchimmer ist, geht’s eigentlich. Da muss man immer etwas Kompromisse machen. Zum einen ist das Unterrohr ja nicht unter Dauerbeschuss, weil weder das Frontrad angetrieben ist und ständig Steine auf’s Unterrohr schleudert und zum anderen fährt man ja nicht ständig durch scharfkantigen Schotter (auch wenn’s Gravel-Bike heisst ;-)).

      Aber klar – eine kleine Folie könnte schon Gemüt eines frischen Neubesitzers beruhigen. Nach ein paar Wochen shredderst du aber wahrscheinlich unbekümmert mit dem Bike über die Waldwege. :)

      Danke für deinen Ersteindruck hier. :)

      Viel Spaß mit dem Rad!

    2. Hallo Sonja,
      Glückwunsch zum Bike! Was die Steinschlaganfälligkeit angeht ist das denke ich in der heutigen Carbon Qualität eigentlich kein Problem mehr. Gut wer mit dem Unterrohr direkt auf dem Felsen aufschlägt nach einem Sprung dann gibt alles nach Metall, Carbon egal. Kurzes Beispiel, bei meinem Händler mal selbst ein abgeschnittenes Unterrohr auf ne Stahlkannte geprügelt… mehr als einen leichten Kratzer an der Einschlagstelle war nicht zu sehen. Das hat dann meine Vorbehalte gegen Carbon ausgeräumt. Das kabelwirrwar hat mir auch nicht gefallen ich denke Isolierband ist der richtige Weg. Ich finds gut das die 3M Aufkleber dabei sind. Ansonsten scheint es ja weg zu gehen wie warme Semmeln, teilweise schon ausverkauft 😮! Viel Spaß mit n+1! Du hast ja Gr. S was wiegt es denn? Und wie empfindest du die DT Swiss Felgen entgegen den getesteten Reynolds in Koblenz? Beste Grüße und schöne Pfingsten!

      1. Hi Patrick,
        danke! Bin noch immer sehr zufrieden und mit etwas Isolierband habe ich die Kabel vorne jetzt im Griff.
        Das Rad wiegt in S mit Shimano XT-Pedalen und Selle Italia Diva Sattel (beides keine Leichtgewichte) knapp 9 kg. Die Laufräder fahren sich prima und der relativ laute Freilauf ersetzt die Klingel…sehr praktisch :-). Schwer zu sagen, wie sie im Vergleich zu den Reynolds sind. Wie gesagt, mir gefällt das Gesamtpaket und mir war die elektronische Ultegra wichtiger als die Laufräder. Das Grail eignet sich übrigens auch, um Kontakte zu knüpfen. Man kommt schnell ins Gespräch mit neugierigen Radlern…ob das allerdings immer gut ist, sei mal dahin gestellt…;-)
        Viele Grüße und eine gute Woche,
        Sonja

  8. Viele valide Argumente. Mit einem gehe ich allerdings überhaupt nicht einher. Die Einschätzung, dass man bei den Drops die Leichte Federung will. Das ist vielleicht geschmackssache, aber ich will bei den “naturgemäß” kürzeren Drops und Downhill-Segmenten maximale Kontrolle und habe daher lieber eine harte Abstimmung. Bei langen ermüdenden Berganfahrten spüre ich dagegen lieber nicht jeden Stein. Ansonsten hast du die Nachteile des Bikes – insbesonsere die Nichtaustauschbarkeit des Lenkers – schon gut zusammengefasst.

    1. Hi Sebi,

      die Kommentarfreischaltung hat etwas gedauert, weil ich zwei Wochen in Urlaub war. Mit dem Rad, natürlich. :)

      Passt ja dann mit den Drops – denn welchem normalen Rennlenker würdest du „zu weiche“ Drops attestieren? Also so, dass da Canyon mit erheblichen Aufwand und vielen Nachteilen dieses unsägliche Konstrukt ersinnt? Ich wüsste da wie gesagt nur solche sehr auf Aero ausgelegten Rennlenker mit ganz ausgeprägter flacher Oberseite, wie den 3T Aeronova (den ich allerdings nie selbst gefahren habe).

      1. Ob der Aufwand gerechtfertigt ist, kann ich nicht beurteilen. Bin das Bike ja noch nicht gefahren. Aber vom Prinzip bin ich schon der Ansicht bei längeren Berganfahrten über unebenes Terrain will ich entlastung für Hände und Arme, um dann erholter im Downhill präzise arbeiten zu können. Der Vorteil ist sicher nicht beim Downhill per se. Das war mit anderen Lenkern auch möglich. Die Frage ist aus meiner Sicht, ob an langen Tagen Uphill genug Armentspannung stattfindet im Vergleich mit einem klassischen Lenker, um Downhill besser zu performen. Könnte man wahrscheinlich aber auch mit einer anderen Konstruktion erreichen. Mit einem Langzeittest wüsste man mehr.

      2. Hmm, mag da jedem seine Meinung lassen. Aber kann es dennoch nicht nachvollziehen, dass man Bergauf noch mehr Entlastung braucht und im Downhill mehr Kontrolle, als einem normale Lenker bieten. Und diese Kontrolle nicht über Hebelarm, sondern über Steifheit haben möchte. Ich habe noch keinen Lenker gesehen und gefahren, der mir zu weich war. Mit Verlaub, ich halte das für aus der Luft gegriffen (seitens Canyon, um da irgendeine Begründung für ihr Konstrukt zu finden).

        Nehme z.B. mal klassische Downhill-MTBs bzw. MTBs generell. Deren Trend der letzten Jahre war: immer breitere Lenker. Das sind ja fast Besenstile mittlereweile. Die geben durch ihren Hebelarm viel Kontrolle. Das, das die ganz und gar nicht bzw. viel schlechter als schmale Lenker bzw. auch als Rennlenker bieten ist – Steifigkeit. Alleine von ihrem statischen System her. Eine dünne lange Stange. Die obendrein nicht auf einer Starrgabel, sondern auf einer aktiv gefederten Gabel angreift. Nope – das ganze System ist in sich stabil. Aber daran, dass man nun plötzlich Doppel-T-Träger als Lenker braucht, damit die extra Steif sind, denkt keiner.

  9. Hi Torsten, Hi Zuammen,

    lange her der letzte Beitrag. Aber eine Sache stimmt leider nicht, da ich es bei mir schon geändert habe. Die Position der Bremsgriffe/Schalthebel lässt sich auf jeden Fall ändern/anpassen. Das ist nur eine spezielle Schelle. Wenn man das Lenkerband entfernt, kann man die Schelle lösen, Position anpassen und sie wieder festziehen.

    Anscheinend hat das noch niemand hier gemacht und von daher gab es hierzu auch noch keine Einwände. Aber der Punkt stimmt in Deinem Beitrag nicht so richtig.

    Ansonsten stimme ich zu – sehr schönes Bike (in meinem Empfinden) – jedoch der „eingeschränkte Lenker/Vorbau“ lässt individuellen Anpassungen keine Chance – von daher muss es halt passen (oder auch nicht).

    1. Hi,

      vielen Dank für deine Anmerkung. Das ist ja eine gute Nachricht – dann kann man die Bremsgriffe ja doch ein wenig anpassen. Meine Info stammte damals vom Entwickler persönlich.

      viele Grüße,
      Torsten

      1. Ja – man kann sie anpassen (habe es gestern selbst gemacht) und auch andere Hersteller verwenden (also nicht nur Shimano).

  10. Servus Torsten,
    danke für den ausführlichen Testbericht des Canyon Grail. Ich plante, mir ein Gravel zuzulegen und hatte das Grail von Canyon, sowie auch das Checkpoint von Trek in der näheren Auswahl. Grundsätzlich ist das Grail ein sehr schönes Rad, aber der Lenker und deine Testerfahrung haben mich dann doch abgehalten das Grail von Canyon zu bestellen.
    Ich habe mich nun für das neue Gravel von Wilier entschieden (Modell Jena mit Ultegra DI2). Mitentscheidend für den Kauf waren auch die Anschraubpunkte für optionalen Gepäckträger und Schutzbleche.
    Da ich bereits ein Wilier Strassenrenner besitze und damit sehr zufrieden bin, hat dies die Kaufentscheidung leicht gemacht.

    Viele Grüße
    Uwe

    1. Hallo Uwe,

      ich glaube, das ist eine gute Wahl. Ich bin momentan auch auf der Suche. Das Grail fällt aus hinreichend erläuterten Gründen komplett aus. Das Checkpoint ist interessant, hat auch ebenfalls wie das Wilier sehr viele Montagepunkte. Auch an der Gabel für Lowrider – genau wie das Jena von Wilier. Das Checkpoint hat für mich zwei große Nachteile: die Bremsleitung an der Gabel ist komplett außen geführt (alles ist schön integriert, aber vorne muss man mit Kabelbindern hantieren? Neee Leute) und das sehr hohe Rahmengewicht von etwas über 2,1 kg angegeben für einen Komplettrahmen in Größe 56. Demgegenüber hat das Jena nur ein Gewicht von 1,45 kg.

      Beim Jena gefällt mir der Name überhaupt nicht – ok, den muss man ja nicht immer Nennen oder sehen, zumal: mir die Schriftzüge auf dem Rahmen auch nicht gefallen. Wenn ich da an mein schönes Wilier GranTurismo von damals denke… Wenn ich mir das Rad zulegen sollte, würde ich dafür ernsthaft an eine Neulackierung denken. Insgesamt ist das Jena aber so ziemlich eines der durchdachtesten Gravelbikes, die ich kenne (und ich fräse mich gerade durch den gesamten Markt).

      Was ich auf der Webseite nicht erkennen kann: hat das Jena Montagepunkte für einen Flaschenhalter unter dem Unterrohr?

      viele Grüße,
      Torsten

      1. Flaschenhalter am Unterrohr hat es nicht. Der Jenaschriftzug ist sehr klein und stört nicht. Ich habe das Modell in Farbe blue/red matt. Farben sind halt individuelle Geschmacksache.

        Ich habe entsprechend meinem Strassenrenner auch Größe L gewählt. Ich Vergleich zum Straßenrenner ist diese Geometrie sehr bequem. Wenn man die Spacer am Vorbau rausnimmt, wird die Position, sportlicher. Muss man halt austesten.

        Zum Schluss noch ein Lob für Deinen BLOG. Sehr informativ!!

        Grüße Uwe

  11. Hallo Torsten, Hallo Uwe,
    Ich bin auch gerade dabei den Markt zu sichten für ein neues All-In-One radl. Ich bin auch dabei auf das Jena gestoßen, und es interessiert mich mal welche Erfahrungen du inzwischen damit gemacht hast Uwe.
    Ansonsten vielleicht kann mir mal jemand noch weiter Hinweise geben auf Modelle die ich noch nicht auf dem Schirm habe….

    Folgende habe ich gefunden die in Frage kämen:

    – Canyon Grail…muss man nix mehr zu sagen, hätte auch gerne ne dritte Flaschenmöglichkeit am Unterrohr (Alu hats!)
    – Salsa Warbird v4…gerade neu vorgestellt und in DI2 verfügbar mit allen Bohrungen die man so braucht, schwer mit ca 9,5 kg und ca. 4620€
    – OPEN U.P….Rahmen um so 1000g aber auch immer noch 3200€ nur für den Rahmen
    – OPEN U.P.P.E.R…super Gewicht, leider nur als Rahmeset und mit 4200€ leider out of reach
    Ich find das OPEN ziemlich gut da es immer noch einen Rennrad Charakter hat und man alle Möglichkeiten hat sich ein feines Radl selbst aufzubauen aber teuer….trotzdem komme ich gedanklich meistens auf diese Möglichkeit zurück!
    – Specialized Diverge 2019…gefällt mir auch sehr, allerdings nur in der S-Works Variante (Rahmen 3700€) und dementsprechend teuer, die X1 variante gefällt mir nicht, ich kann nicht verstehen, warum die Pro Variante (5730€) mit DI2 nur in USA verfügbar ist, nicht ganz billig aber das war bei Speci ja immer schon so.
    – ROSE Backroad…Wenn man es sich mit DI2 konfiguriert mit RX etc. und vielleicht anderen Laufrädern kann man sicherlich zwischen 3500 und 4000€ landen und hat dann alles was man will…habe leider keine Erfahrungen mit Rose. (Ca. 8,5kg)
    – Jamis Renegate Elite….nicht gerade leicht und in D nicht so einfach zu bekommen, ich glaube es gibt einen Importeur, Preis habe ich nicht.
    – Kona Libre DL… nur mit Force 1 verfügbar, hat alle Mounts die man so braucht, Preis keine Ahnung.
    – Argon 18 „Dark Matter“…finde ich interessant, weil man es auch für ein 1x oder 2x ausstatten kann. Ist aber nur mit Force 1 und 105er verfügbar, Preis habe ich nicht.
    – Orbea Terra M20i-D….etwas aggressiveres Gravelbike ohne Mounts und um die 4200€ je nach Konfiguration
    – Lauf True Grit…gar nicht schlecht aber auch nicht grad preiswert und teilweise nicht verfügbar aber eine Überlegung wert.
    – Parlee Chebacco LE….bis auf ein Bild hab ich nix gefunden….
    – Pinarello Grevil (+)… jetzt dürft ihr mich steinigen, gerade vorgestellt und noch nicht verfügbar und einem Einstiegspreis für die Ultegra Mech. bei ca. 4700€ (hab ich auf irgendeinem italienischen Shop gefunden…ob das so stimmt wird sich zeigen.) Hier würde mich mal interessieren ob es Erfahrungen mit Rahmenqualität und Support von Pinarello gibt. Viele sagen hässlich, ich finds geil, Schönheit liegt ja zum Glück im Auge des Betrachters :-)

    So, alle anderen Möglichkeiten sind dann schon im Bereich Endurance zu suchen wie das Synapse, Orbea Avant, Fuji Grand Fondo, Giant Defy Pro 0, Paralane und das Endurace….

    Mir wäre auch der dritte Flaschenhalter am Unterrohr wichtig sowie die Möglichkeit bis ca. 40mm Reifen aufzuziehen.
    Habe ich noch Modelle vergessen? Wer hat noch andere Vorschläge?
    Ich bin gespannt.

    Gruß
    Patrick

    1. Hallo Patrick,

      auch wenn Du unbedingt einen dritten Flaschenhalter brauchst (warum auch immer) und das neue Wilier Gravel dies nicht hat, schreibe ich nun trotzdem einen ersten Erfahrungsbericht meiner ersten Ausfahrt. Vielleicht hilft es Dir ja dennoch weiter.

      Gekauft habe ich das Gravel als Ersatz für mein Carbon 26″ MTB Hardtail mit Federgabel. Da ich jedoch keine wilden Downhill fahre ist ein Gravel die perfekte Mischung zwischen Strasse und Schotter. Gerade im Urlaub (ich bin mit dem Wohnmobil unterwegs) ist man mit einem Gravel immer gerüstet. Man kann ja zur Not auch 28 mm Rennradreifen aufziehen.

      Die Radbeschreibung ist auf der Wilier Internetseite zu finden. Ich habe das Modell blue/red matt, mit Ultegra DI2, Mavic Allrad LR mit Mavic Yksion Allroad 40 mm Bereifung, 50/34, Kassette 11-30, Größe L. Ich besitze auch ein Rennrad von Wilier (101 SR) in der gleichen Größe L. Das Rennrad passt super. Auf dem Gravel in L sitze ich wegen des höheren Steuerrohr sehr bequem.
      Die Lenkerhöhe lässt sich mit den Spacern am Steuersatz und der Vorbaulänge gut variieren. Insgesamt war der erste Eindruck sehr gut. Das Rad hat unter 9 kg.

      Ein reiner Rennradrahmen ist im Vergleich zum Gravelrahmen natürlich aggressiver und hat bei Strassentouren einen höheren Spaßfaktor.

      Für die erste Ausfahrt wählte ich meine MTB Stammstrecke bei uns um Schongau. Forstwege, Teer, etwas Schotter, Wiesenweg, 60 Km mit 800 hm.

      Die 40mm Bereifung rollen relativ ruhig und auch auf Teer ging es flott dahin. Bei den Anstiegen auf den Waldwegen führte das Rad sauber und stabil geradeaus, weil halt keine Federgabel.

      Interessant wurde es bei den schnellen Abfahrten auf Forstwegen, auch mit leichten Schotter. Ich kenne die Strecke und habe das Rad bewusst schön rennen lassen. Es lief im Vergleich zu meinem 26 Zoll MTB genauso stabil und sicher. Wegen des Rennlenkers und veränderter Bremsposition muss man sich erst etwas umgewöhnen. Es gibt auch 40mm Gravelreifen (z.B. Maxxis Rambler) mit noch stärkerem Profil, damit lassen sich sicher auch noch heiklere Abfahrten machen. Mit 28 mm Rennradreifen sollte das Rad auf Teer perfekt rollen.

      Die steilsten Anstiege (Teer und Forstwege) bei meiner Tour waren zwischen 10 -14 %. Dies lies sich mit 50/34 und 11-30 gut fahren. Ich werde jedoch die Kassette gegen eine 11-34 tauschen, weil bei meinen geplanten Touren auch längere steile Abschnitte dabei sind.

      Die Ultegra DI2 arbeitete sauber und genau. Ich werde noch ein Bluetooth Modul dazwischen setzen, damit ist es möglich den Syncroshift zu nutzen, und auch eine Fernbedienung meines Garmin 820 kann damit realisiert werden.

      Wie aus der Beschreibung ersichtlich ist, hat das Rad Anschraubpunkte für Gepäckträger, Lowrider und Schutzblech. Aber leider, leider, leider keine Schraubpunkte für einen Flaschenhalter am Unterrohr (das ist der, welcher immer so stark verschmutzt).

      Ich hoffe, Dir ist mit meinem Bericht geholfen. Ich hätte da noch Bilder, die findest Du hier http://www.uz77.de/fotos/

      1. Super, vielen Dank für deine Eindrücke, Uwe.
        Der dritte Flaschenhalter verschmutzt in der Tat. Aber es ist auch der, der den Revervetank schön tief im Schwerpunkt unterbringt und nicht mit anderen Taschenkonfigurationen kollidiert. D.h. man kann die entsprechende Flasche tatsächlich nur als Reservetank nutzen oder eine Werkzeugbox da unterbringen.

    2. Hi Patrick,

      haha, jetzt muss ich ja quasi den schon so oft angefragten Artikel zu Gravelbikes und meinen Gedanken dazu schreiben. Hatte dazu auch schon die Tage angefangen. Sehr schöne Auswahl – über die von dir aufgeführten Räder habe ich auch schon drüber geschaut. Das Jamis Renegade finde ich z.B. auch sehr interessant. UPPER wäre supercool, wenn es doch noch ein paar Montagepunkte hätte. Grevil muss ich unbedingt mal live sehen. Ich fürchte, bei all den Knicken ist mindestens einer zuviel. Aber vielleicht mit der passenden Lackierung…

      1. Hallo Torsten,
        Ja, das wäre gar nicht schlecht ein wenig über die Vereinbarkeit von Gravel Bikes und Bikepacking und Endurance Touren ein wenig zu schreiben.
        Hab noch ne Lösung für eine Dritte/ Vierte Flasche gefunden, kennst du das hier?

        http://woho.bigcartel.com/product/pre-oeder-xtouring-2018-anti-sway-dhl-express-service

        Das würde ich mir auf jeden Fall zulegen wenn ich n+1 verwirklicht habe, ich liebe doppelfunktionale Gadgets und damit schlingert auch die Tasche nicht mehr so….

        Gruß

        Patrick

      2. Hi Patrick, ja kenne ich. Wenn mir das mal über den Weg laufen würde, würde ich es auch mal testen. Nicht, weil ich ein Problem mit dem Wackeln der Taschen hätte, sondern nur aus reinem Interesse. Ich könnte mir z.B. Vorstellen, dass diese Lösung entweder total problemlos ist und gut für weitere Flaschen ist. Oder dass sie eine Hölle von Inkompatibilitäten mit verschiedenen Sätteln und Kollisionen mit dem einfachen Öffnen und Schließen bzw. Zurren der Bikepackingtaschen verursacht.

  12. Hallo Uwe,
    Vielen Dank für deinen kurzen Bericht, ich finde die Farbe super, das wäre auch meine erste Wahl statt des Grau/ Blau. Ja, dritter Flaschenhalter, ist eigentlich super um entweder eine dritte Flasche unterzubringen oder eine Dose wo die ganzen Ersatzteile untergebracht sind (gibt welche die kann man zuschrauben).

    Aber zurück zu deinem Jena, du hast gesagt, dass du die Mavic Allroad Felgen und Reifen hast, diese sind aber auf der Homepage mit diesem Modell gar nicht erwerbbar sondern nur die Shimano Felgen…war das ein Deal mit dem Händler? BTW wo hast du dieses erworben, kannst du eine Empfehlung geben?
    Das BT Modul und die 34er Kassette würde ich auch einsetzen, dann hat man wirklich das Beste aus allen Welten! Und die neue DI2 ist sowieso ein Traum! Ist schon ne Schönheit. Tolle Fotos!! Viel Spass beim Ballern!!

    Gruß

      1. Hey, danke für die vielen Infos zum Wilier Jena!! Alles sehr interessant und hilfreich. Ich habe mich gefragt ob es ein Nachteil des Wilier ist, dass die Kettenstrebe nicht abgesenkt ist. Viele Gravel bikes haben das ja und wenn ich mir mein Rennrad anschaue, schlägt dort die Kette schon auf die Kettenstrebe, wenn man mal nen Schlagloch trifft. Hast Du bei Deinen Geländefahrten schon mal die Ketten rumschlagen gehört?

        Danke schon mal und viel Spass beim „graveln“.
        Uli

      2. Kette schlägt nicht auf die Strebe. Es ist Standardmäßig ein Strebenschutz aufgeklebt. Ich fahre allerdings auch keine übermäßigen Rumpelstrecken. Nach 100 km kann ich nichts negatives berichten.

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