Merkmale gut sitzender Rennrad-Kleidung und Einzeltest der neuen Audax-Kollektion von Café du Cycliste

Ich bin ja immer auf der Suche nach schönen und gut passenden Rennrad-Klamotten. Funktional sollen sie obendrein sein. Das sind ja gleich drei Wünsche auf einmal. Das geht ja nun wirklich nicht – so heißt es doch, oder?

Es ist aber auch wirklich schwierig. Jeder kennt ja wahrscheinlich seine Problemzonen in Bezug auf Konfektionsgrößen, nicht wahr? Sind es bei einem die Schuhe, die eigentlich alle zu eng geschnitten sind, so vielleicht beim anderen die Ärmel, die immer zu lang sind, wenn der Rest eigentlich passt. Oder der Hals ist zu eng. Und so weiter und so fort. Bei Rennrad-Bekleidung kommt noch die unterschiedliche Philosophie der Bekleidungsmarken zum Tragen. Nicht jeder Hersteller bietet unterschiedliche Linien für legeres Fahren und für Racing an. Anders ausgedrückt, für nicht ganz so superschlanke und eher aufrecht fahrendere Menschen und für fittere Leute, die auf einem Rennrad auch ihren Unterlenker finden und benutzen wollen. Und manche Marken meinen eigentlich, dass sie sportlich schneidern, scheitern aber trotzdem daran.

Woran erkennt man gute Rennrad-Bekleidung?

Sie sitzt ideal, wenn man auf dem Rad sitzt!

Da flattert dann nichts bzw. kaum was. Kragen, Taschen, Polster der Hose usw. sitzen an den richtigen Stellen. Im Stehen – vor dem Spiegel im Laden oder in der Eisdiele – da sind dann vielleicht die Träger der Hose fast schon zu eng, spannt vielleicht die Brust ein wenig. Auf dem Rad aber ist es ja, wo es zählt. Da beult dann idealerweise die Brust nicht oder nur ganz wenig aus. Auch am Bauch ist keine exzessive Stoffmenge. Hinten reicht das Ende des Trikots schön über die Leistengegend und liegt oberhalb des Pos gut an – und ist nicht auf den halben Rücken hochgerutscht. Die Schultern zeigen auch einen halbwegs guten Übergang von Arm über Schulter und Rücken.

Ihr seht also – es geht hier mitnichten (nur) um Performance-Kleidung für heringdünne Rennradspezis, die sich in hautenge Klamotten zwängen können und dabei noch eine gute Figur machen. Es geht auch für normalgewichtige Personen einfach um einen zweckmäßigen und der Aktivität angemessenen Schnitt. Egal ob für Racing oder für RTF. Ob für Eintages-Tour oder für Brevets und Bikepacking.

Ich möchte hier zwei Beispiele nennen: Assos und Rapha. Assos gibt es viel länger als Rapha. Beides sind aber aktuell sehr bekannte (und auch nicht gerade als preiswert bekannte) Radsportbekleidungsmarken. Bei aller (sehr gut gemachten) Selbstdarstellung von Rapha haben es diese erst sehr spät verstanden, was es bedeutet, für das Rennradfahren und nicht für die Eisdiele oder für atmosphärische Schwarz-Weiß-Foto-Setups zu schneidern. Assos hingegen war und ist schon immer der Garant dafür gewesen, dass deren Kleidungsstücke 100 % auf die Funktion und dem Sitz beim Fahren – also da und nur da wo es zählt – ausgelegt sind. Rapha ist mittlerweile auch dahinter gekommen…

Fallstricke und oft schlecht gemachte Details:

Wie findet man nun all das heraus? Ob ein Kleidungsstück gut passt und das macht, was es soll? Wie sich der Stoff anfühlt, wie der Schnitt ist und wie der Schnitt mit den eigenen Körpermaßen harmoniert?

Mein „Lieblingsproblem“ sind immer die Hosen. Ich habe nun mal keine Basketballer-Stelzen. Sondern eher normal lange Beine. Und an denen ist auch was dran. Sowohl an Ober- als auch Unterschenkeln. Der Trend zu immer längeren Beinen bei kurzen Hosen geht also genau in die falsche Richtung für mich. Ich würde gerne bei kurzen Hosen (aka Bibshorts) zwischen zwei Beinlängen wählen können: zwischen „normal“ und „eher kurz“. Wobei mir „normal“ schon deutlich zu lang wäre und „eher kurz“ dann genau richtig wäre.

Hinzu kommt noch, dass der äußere Muskelkopf des Quadrizeps bei mir eher hoch am Knie ansetzt. Ein nicht ganz so flexibler Beinabschluss, der auch noch an einem vergleichsweise langen Bein sitzt, ist also meist bei gestrecktem Bein etwas unschön lose oder weit. Oder wäre – wie auch die gesamte Hose – bei klein gewählter Größe zu eng. Jetzt findet mal eine nicht zu lang geschnittene Bibshort mit gutem Polster, dem idealen Bündchen, keinen blöd verlaufenden Nähten, nicht zu hohem Bauchabschluss und auch vielleicht noch in dem richtigen Design (wenn’s nicht immer nur schwarz sein soll).

Bündchen und Gripper – ein weiteres Lieblingsthema von mir. Beim Bauch- und Rückenabschluss nicht so wichtig. Da sitzt Stoff auf Stoff und meistens bekommen das die Hersteller gut hin. Meistens. Manchmal auch nicht so gut. Da stellt man dann fest, dass sich das Trikot immer leicht dreht, der Frontreißverschluss immer schräg verläuft – auch wenn man nur ein kleines Beladungsungleichgewicht in den Rückentaschen hat. Z.B. Handy links, Schlüssel, Luftpumpe und Minitool rechts.

Wichtiger sind aber die Bündchen an Arm- und Beinabschluss. Die sind direkt Performance- und Wohlfühlrelevant. Mancher Hersteller schießt da weit über jedes Ziel hinaus und gummiert voll durch. Das ist eklig! Das fühlt sich nicht gut an. Das ist blöd beim Anziehen (am besten klappt man das Bündchen dafür komplett um), das merkt man bei jeder Bewegung und man schwitzt in diesem Bereich drunter. Manchmal ist auch der Übergang zum eigentlichen Stoff ganz und gar nicht gelungen und es trägt dann auch noch eine Naht extra auf oder schneidet ein.

Allen Herstellern, die solche Gummierungen oder Vollflächenaufprägungen einsetzen sei gesagt: Es geht wesentlich besser! Schaut euch doch einfach bei Mitbewerbern um. Von leichten und dezent eingesetzten Soft-Dot-Silikon-Prints bis hin zu völligem Verzicht auf jedwedes gummiertes oder Silikon-Element. Armabschlüsse kommen z.B. hervorragend ohne jedes Bundelement aus. Ganz ideal sind oft lasergeschnittene Armabschlüsse, die höchsten Komfort mit bestem aerodynamischem Verhalten vereinen können.

Bei Bibshort-Bündchen sollte auf einen möglichst flexiblen und breiten Bund als Beinabschluss gesetzt werden. Was ganz und gar nicht geht: einen schmalen Bund, am besten noch relativ eng, aus einem Material, welches deutlich weniger dehnfähig ist als der anschließende Stoff des Hosenbeins. Da gibt es nur genau zwei Möglichkeiten: Entweder der Bund schneidet deutlich ein und die Hose passt halbwegs und labbert nicht an den Oberschenkeln herum (von Muskelunterstützung will ich hier noch gar nicht reden) oder der die Hose ist deutlich zu weit und labberig, aber wenigstens schneidet der Bund nicht in die Muskeln.

Ich habe seit Januar eine Hose von Sportful, die ganz ohne gummierten Bund oder Bund mit Silikonprints auskommt. Leider kann ich das genaue Modell nicht mehr im Sportful-Lineup ausfindig machen, da es aus einer zurückliegenden Kollektion für individuell designte Kits stammt. Da ist der Beinabschluss als doppelt gelegter, etwas seidiger Stoff (also ein Stoffschlauch im Grunde) ausgelegt. Fühlt sich super an. Rutscht nicht hoch. Schmiegt sich an meinen Oberschenkel sowohl in gebeugter als auch in gestreckter Form.

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Mit dem J.Guillem Titanrad im passenden J.Guillem Kit unterwegs. Die Hose ist von Sportful und ist insgesamt genial. Besonders an den Beinabschlüssen. Qualität muss nicht teuer sein.

Auch die Audax-Hose von Café du Cycliste, auf die ich gleich kommen möchte, ist hier ideal: der Stoff geht nahtlos durch. Das Bein ist ein einziger Schlauch ohne jede Naht und das Bein geht nahtlos in einen Bundbereich über, wo ganz dezent wirkende Gripper in den Stoff partiell eingewebt sind. Das liegt super an und trägt überhaupt nicht auf. Super komfortabel.

Take-Home-Message für Bekleidungsmarken und für Rennrad-Neueinsteiger auf Bekleidungssuche:

  • Keine engen und in der Flexibilität deutlich zum eigentlichen Stoff unterschiedliche Bündchen
  • Keine übermäßige und schon gar keine voll-silikonisierten oder gummierten Flächen oder Bereiche
  • Schnitt auf Rennrad-Position angepasst
  • Kurze Hosen in zwei unterschiedlichen Beinlängen anbieten. Aber nicht normal und extralang (Trend), sondern normal (ist eh schon lang bis zu lang) und kürzer!

Das sind eigentlich Selbstverständlichkeiten und so mancher Leser mag sich fragen: wie kommt jetzt so ein einfacher Blogger daher und meint, langjährigen und international erfolgreichen Sportbekleidungsherstellern erklären zu müssen, wie man Rennradbekleidung schneidert? Die Erfahrung zeigt aber, dass es da auch heutzutage noch sehr viel Verbesserungsbedarf gibt. Bei manchen Firmen mehr, bei manchen Firmen weniger. Natürlich ist ein Teil davon auch ein klein wenig Geschmackssache und daher auch von der jeweiligen Philosophie und Präferenz sowohl der Hersteller, als auch der Kunden beeinflusst – gar keine Frage. Zu den Grundprinzipien einer idealen Funktionsbekleidung gehört aber, alles zu vermeiden, was negativ spürbar sein könnte. Eine Naht oder ein Bündchen, was nicht da ist, kann sich nicht beim Waschen aufribbeln, trägt nicht auf, schneidet nicht ein, scheuert nicht usw. Eine Gummierung oder ein Silikonprint, der nicht da ist (gleiches gilt für aufgebrachte Logos) kann sich nirgendwo verheddern, kann nicht rissig werden oder sich ablösen.

Mal ein Negativ-Beispiel konkret benannt:

Isadore macht sehr schöne Merino-Sachen. Hat auch eine interessante (etwas neuere) Linie mit Funktionsstoffen, die Echelon-Linie. Bei den normalen Trikots und auch bei den Echelon-Trikots hat Isadore leider eine starke Tendenz zu sehr eng geschnittenen Kragen. Gut – das ist vielleicht eine Markenbesonderheit und –Präferenz. Kein direktes Negativ-Beispiel. Aber wenn ich hinsichtlich des Kragens eher selten bei anderen Marken auf Problemen stoße, bei Isadore aber immer zu eng bin, auch wenn ich eine oder zwei Nummern größer probiere, dann ist das schade und muss ja nicht sein.

Negativ-Beispiel sind hier aber eher die Armbündchen der Echelon-Jerseys. Nur 5 mm breit, deutlich weniger dehnfähig als der übrige Stoff und unschön eng einschneidend. Egal wo je nach individueller Armlänge das Bündchen zu liegen kommt: kurz oberhalb des Ellenbogens oder sogar mitten auf dem Bizeps. Sehr unschön und ihr könnt das auf jedem Foto des Herstellers sehen. Genau so macht man es eben nicht!

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Isadore Echelon-Jersey. Verflucht enger Kragen, unschön einschneidende Ärmelbündchen. Nicht schlimm genug, es zurückzusenden (war aber nahe dran), aber dadurch auch eher selten von mir getragen.

Dagegen ein Positiv-Beispiel:

Bioracer macht ganz tolle Jerseys, die einfach passen, sich gut anfühlen und gut sitzen. Die Arme kommen ganz ohne Bündchen aus und sind lasergeschnitten. Da trägt nichts auf, da franzt auch nach vielen Wäschen noch nichts aus und der Ärmel sitzt trotzdem oder gerade deswegen top. Und das kostet auch gar keinen Premium-Preis. Ganz im Gegenteil.

Natürlich haben größere Marken auch unterschiedliche Linien. Für unterschiedliche Jahreszeiten, für unterschiedliche Zwecke. Manchmal auch so unterschiedlich, das man fast glauben mag: Gute Sache, soll da jetzt für jeden was dabei sein oder ist das nur der offensichtliche Streuschuss nach dem Motto „irgendwann muss uns ja mal die perfekte Hose / das perfekte Trikot gelingen“?

Blöd nur, wenn gerade das hübsche Trikot, oder der tolle Schuh von einer Marke oder der Linie einer Marke stammt, von der man genau weiß, dass sie halt eben nicht passt. Oder vielleicht passt, aber der Hals viel zu eng ist oder sich der Stoff total schlimm anfühlt – das Teil also nur optisch im Katalog bzw. auf der Webseite was her macht.

Take away Message Nummer 2: Probieren, Probieren, probieren. Überall und zu jeder Gelegenheit.

Auf einer Messe, die man besucht. Auf der Bike-Expo vor großen Rad-Events wie der Maratona dles Dolomites oder dem Ötztaler Radmarathon. Beim Besuch einer Innenstadt mit einem gut sortierten Radladen ob auf Geschäftsreise oder im Urlaub. Oder halt: Versandhandel. Teile hin und herschicken.

Ich nutze alle diese Gelegenheiten, mache mir Notizen (auf die ich auch nach Jahren zurückkomme: „War das jetzt S oder M, das ich bei Marke x brauche?“ oder „war das die Marke mit den total schlimmen Hosen, aber die Socken waren toll?“ bis hin zu „In S hervorragend sitzend, guter Schulterverlauf, Korpus aber viel zu kurz. In M gerade eben lang genug, Schultern auch ok, aber Brust beult eher aus und Arme zu lang. Schade.“) oder kaufe den Kram direkt an Ort und Stelle.

 

Die neue Audax-Kollektion von Café du Cycliste

Für solche Probe-Möglichkeiten ist mir ja kein Weg zu lang. Im Juni bin ich extra von Wien aus quer über die Alpen bis nach Nizza gefahren, um das Café du Cyliste zu besuchen ;-) [Folge dem Link, um zu meinem Bericht zum Three Peaks Bike Race von Wien nach Nizza zu gelangen]

Als ich dann in Nizza angekommen war, konnte ich mich quasi an der „Geburtsstätte“ der Teile in aller Ausführlichkeit und Ruhe durch fast die gesamte Kollektion probieren.

Schon im Vorfeld hatte ich ein Auge auf deren neue Audax-Kollektion geworfen und stellte vor Ort fest, dass mir Passform, Materialien und Design gefallen. Sehr schön, so konnte ich anschließend direkt zum Großeinkauf schreiten. Ich bekomme ein Bundle-Angebot und verlasse nach einem Cappuccino das Café mit der Audax Bibshort, dem Audax-Trikot, einem paar Socken, einem Café du Cycliste T-shirt, einer Cap und einer kurzen City-Hose, die auch für Casual-Riding einsetzbar ist.

Über die Audax-Bibshort und das Trikot möchte ich meine Eindrücke schildern. Einen ersten Test machte ich bereits direkt in Nizza auf einer Runde über den Col d’Eze weiter entlang der Küste durch Monaco und Menton bis hinüber nach Italien und zurück.

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Test und Ausführen meiner frisch erstandenen Café du Cycliste Garderobe: Audax Bibshorts und Trikot am Col d’Eze mit Blick auf Nizza.

Danach habe ich die Kombination bisher noch auf drei Touren zwischen 40 bis 150 km in heimischen Gefilden eingesetzt.

Die gesamte Audax-Kollektion besteht aus der gekauften Hose, der „Men’s Audax Bibshorts“ = „Mathilde“. Desweiteren aus zwei unterschiedlichen Kurzarm-Trikots „Monique“ und „Mona“, wobei ich mich für Mona entschieden habe. Und aus einem Langarm-Trikot und einer Weste. Wobei natürlich überhaupt nichts dagegen spricht, jedes Teil mit anderen Teilen von Café du Cycliste oder auch ganz anderen Marken einzusetzen.

Die Mathilde Audax Bibshorts:

Alles in allem: Toll! Wie schon oben beschrieben: Beine in der richtigen Länge, nicht zu lang. Das Bein ist ein einziger Schlauch ohne jede Naht und das geht nahtlos in einen Bundbereich über, wo ganz dezent wirkende Gripper in den Stoff partiell eingewebt sind. Das liegt super und sehr komfortabel an und trägt überhaupt nicht auf. Das Sitzpolster stammt von CyTech und ist hervorragend. Gerade im Zusammenhang mit dem Brooks Cambium C15 Carved Sattel fühlte es sich ideal und super passend an. Auf meinem Tune KommVor war es erst etwas ungewohnt, aber dann etwas anders auch problemlos und sehr gut für lange Distanzen.

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Mathilde Bibshort von Café du Cycliste: Stoffstruktur, nahtlos eingewebte Bündchenstruktur und reflektierendes Audax-Logo auf dem linken Bein.

Leicht nachteilig empfinde ich die umfangreiche Träger-Sektion. Die man fast nicht mehr als Träger, sondern eher als vollflächigen Oberflächenbereich ansehen muss. Der Rücken ist z.B. komplett geschlossen. Allerdings alles in Form eines Netzgewebes. Auch der Bund am Bauch ist extrem hoch und nochmals ein Stück drüber auch mit Netzgewebe versehen. Gut – das trägt sich schon sehr bequem und da schneidet nichts ein. Aber es trägt auch zur Wärmelast an heißen Tagen bei und wenn man sich mal kurz zum Wasserlassen hinter einen Baum stellt, muss man sich schon ordentlich bücken und den Stoff sehr nach unten dehnen…  Auch weiß ich nie, was man mit einer Tasche in der Bib-Sektion einer Trägerhose machen soll. Gerade, wenn es sich um eine Audax-Hose handelt. Da wird ja wohl kaum jemand in Versuchung kommen, eine Renn-Funk-Anlage einzupacken? Als „Geheim“-Fach für den Geldbeutel unter dem Trikot? Die ungefüllte Tasche hat ja schon etwas Extrastoff, der latent zu mehr Schwitzen angetan sein könnte. Da jetzt noch den Geldbeutel oder irgendetwas anderes als zusätzliche Schweisbarriere hineinstecken? Was dann auch schön im Schweisdampf gart? Und im Zweifelsfall unschön drückt, weil andere Sachen in den Jersey-Taschen auch da zum liegen kommen?

Gut – aber man muss ja auch nichts hineinstecken. Und die Trägersektion ist wirklich sehr komfortabel.

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Café du Cycliste Audax-Kit im Einsatz. Bibshorts Mathilde und Jersey Mona.

Das „Lightweight Audax Cycling Jersey“ „Mona“

Mona ist von Café du Cylciste für wärmeres Wetter vorgesehen. Ich würde aber nicht sagen, dass Mona ein lightweight Jersey ist, wie es vielleicht Castelli, Rapha und Co begreifen. Also mit superdünnen Stoffen, Meshpanels an den Seiten oder vielleicht sogar am Rücken und so reduziert, dass man sich sogar einen Sonnenbrand darunter holt. Gerade das will man ja aber nicht bei heißem Wetter, wo ja auch die Sonne scheint. Und man will sich auch nicht fragen: Ist das Trikot jetzt nur für den Mittag und Nachmittag und den einen Tag gut, wo wirklich die Sonne knallt und ist es mir ohne Weste an jedem anderen Tag und jeder anderen Stunde zu kalt? Zwiebelprinzip hin oder her – solche Fragen will man sich nicht bei einem Brevet oder generell einer Mehrtages-Tour stellen.

Café du Cycliste geht hier den in meinen Augen richtigen Weg. Der Stoff ist leicht, aber nicht superleicht. Trocknet gut, ist aber nicht zugig. Und weist auch Sonnenschutz auf, der sogar mit UPF 50+ quantifiziert ist.

Das Beste aber ist der Sitz. Das Trikot sitzt einfach gut. Man schlüpft ohne Probleme hinein, schließt den Zipper und alles ist gut. Der Hals ist nicht zu eng, aber angenehm hoch. Die Ärmel haben keine wahrnehmbaren Bündchen, der Rücken ist lang genug. Alles wunderbar!

Obendrein hat das Trikot um die Schultern je ein schmales Reflektorband und am Rücken eine sehr breite Reflektorzone. Sehr gut!

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Von Kopf bis Fuß im Café du Cycliste Style. Socken, Bibshorts, Trikot und Schirmmütze.

Mein einziges Problem sind, leider, leider: die Taschen. Es hätte das ideale Jersey werden können. Aber nein… Seufz!

Zuerst das positive und außergewöhnliche: über den drei normalen Rückentaschen ist nochmal eine weitere Tasche angeordnet. Über heißt hier nicht „oben am Rücken etwas höher angesetzt als die anderen Taschen“, über heißt hier: „als zweite Lage über die untere Hälfte der normalen Taschen oben drüber verlaufend“. Das macht diese Tasche mit einer Art flexiblen Netzmaterial und ihre Bezeichnung als „Drop“ Pocket sagt schon, wofür sie gut sein soll: Sachen reinstopfen. Ob das die Banane ist (oder gleich 3 oder 4 als Staude sind), ob das die dicke Windjacke oder die Papiertüte mit zwei Brötchen ist. Das bekommt man da irgendwie rein, ohne sich große Gedanken machen zu müssen. Etwas schlecht ist nur, dass ich immer suchen musste, wo denn diese Tasche nun anfängt oder wo die anderen liegen. Auch, wenn ich etwas in die normalen Taschen stecken wollte. Da kann man sich aber vielleicht dran gewöhnen. Ungefüllt stört die Tasche nicht.

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Audax Bibshort Mathilde und Lightweight Audax Cycling Jersey Mona von hinten.

Schlimmer sind aber der Schnitt und die Lage der Oberkanten der normalen Taschen! Die beiden äußeren Taschen sind vergleichsweise schmal bzw. eng geschnitten. Und die mittlere Tasche ist nochmals enger und damit definitiv zu eng! Normalerweise stecke ich in die mittlere Tasche immer meine Sony RX100iii Kompaktkamera. Die bekomme ich in die mittlere Tasche des Mona-Jerseys nicht hinein! Gut, stecke ich sie halt in die rechte Tasche. Wird aber auch eng. Dafür muss dann aber das iPhone in die mittlere Tasche. Hah – ich habe ein iPhone X. Das ist ja kein sehr großes Handy. Im Gegenteil. Das ist eines der wenigen Geräte, die noch ein schmales Gehäuse aufweisen. Und dennoch: in einer kaum auftragenden Handy-Ziplockhülle bekomme ich es soeben in die mittlere Tasche gewürgt. Mal eben so herausnehmen, schon gar nicht während der Fahrt mit einer Hand, ist da nicht mehr möglich. Darüber hinaus sind mir die oberen Enden der Taschen zu hoch. Sie sind damit das entscheidende Quäntchen zu schlecht erreichbar.

Insgesamt verhindern diese Taschen somit, dass ich dieses Jersey jemals für einen tatsächlichen Audax oder ein Bikepacking-Event einsetzen würde. Super-Schade. Alle übrigen Eigenschaften des Jerseys sind sonst 1A!

Hier sollte Café du Cycliste also dringend nachbessern, dann bekommt dieses Jersey 5 Sterne.

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3 Kommentare zu „Merkmale gut sitzender Rennrad-Kleidung und Einzeltest der neuen Audax-Kollektion von Café du Cycliste

    1. Hallo Marco,
      vielen Dank für deinen Hinweis. Meinst du dieses „La Machine“: Lamachine.cc?

      Kenne ich in der Tat noch nicht. Vielen Dank. Nach schnellen Durchschauen würde ich sagen: das ist eher was für meine „Cool kit on the globe“ Artikel Serie. Da reisst die Markenflut ja nicht ab. Wahrscheinlich könnte man problemlos jeden Radfahrtag im Jahr ein Kit einer unterschiedlichen Marke tragen.

      Mich springt da aber jetzt nichts an, wo ich sagen würde – aha, interessant, das würde sich mal lohnen zu kaufen. Aber das mögen natürlich andere anders sehen. Vielleicht sucht ja jemand genau so ein Design, wie es La Machine anbietet.

      Bei mir schrillt aber im Gegenteil bei den Fotos und den Beschreibungen gleich die Alarmglocke:

      Schau dir die Armabschlüsse der Jerseys an. Breites Band, abgesetzt mit einer Naht. In der Beschreibung lese ich dann bei den Features „PGE Band an den Ärmelenden fixiert sie an den Armen“. Jetzt weiss ich nicht, was die mit „PGE“ meinen, aber ich befürchte das Schlimmste. Nämlich genau das, was ich in meinem Beitrag so prominent kritisiere: Genau so macht man es nicht!

      viele Grüße,
      Torsten

      1. Hallo Torsten!
        Ja, genau die Firma meinte ich. Hab ein Trikot von dort. Tatsächlich schneidet am Arm nichts ein. Sehr eng anliegend ist das Trikot in der Tat. Aber sehr bequem zu tragen. Wie alles im Leben natürlich Geschmacksache.

        Alles Gute für’s Trans…No6.

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