Telebrennweiten für Micro Four Thirds

Fotografie, Produkttests
Das Panasonic 100-300/4-5.6 Lumix G Vario mit Zubehör Stativschelle von Rösch Feinmechanik an der Olympus OM-D E-M5

Das Panasonic 100-300/4-5.6 Lumix G Vario mit Zubehör Stativschelle von Rösch Feinmechanik an der Olympus OM-D E-M5

Neulich habe ich mal wieder diverse Objektive an der Olympus OM-D E-M5 verglichen. Diesmal ging es um Telebrennweiten.

Im Ring waren: Das Olympus 40-150mm, das Panasonic 45-175 und dann im Nachgang noch das Panasonic 100-300. Dazu als Vertreter der Altglas-Fraktion das Olympus Zuiko Auto-T 135mm f3.5 und rein informativ auch noch ein Canon EF 70-200 f/2.8 L USM und ein Canon EF 300 f/4 L USM IS.

Wie so oft ist sich das Internet nicht so einig, welche von mehreren in Brennweite und Kompaktheit oft so ähnlichen Objektiven von Olympus oder Panasonic nun besser sei. So auch beim Oly 40-150 und Pana 45-175, wo ich schon die eine oder andere Meinung gelesen hatte, das letzteres eigentlich einen Ticken besser sei, aber auch schon mal unter Doppelkonturen leiden könne (entweder durch Shuttershock oder fehlerhafte Interaktion der Bildstabis verursacht).

Mein Fazit: Trotz Versuchs, sie zu provozieren, hatte ich am Pana 45-175 keine Probleme mit Doppelkonturen gehabt; aber meine Vergleichs-Ergebnisse waren dennoch durchwachsen. Je nach leicht unterschiedlicher und für sich selbst genommen noch im gut tolerierbaren Rahmen liegender Dezentrierung war mal das Pana, mal das Oly besser. Alles im allen hat sich dann aber doch das Oly 40-150 in diesem Vergleich einen hauchdünnen Vorsprung erarbeitet. Dazu ist es wirklich hübsch leicht und kompakt. Und, obwohl bei ihm der Tubus beim Zoomen ausfährt, fand ich es beim Zoomen und Handhaben angenehmer als das Pana 45-175.

Ok – hier führt also knapp das Olympus 40-150. Wie sieht es denn aus, wenn mir 150 mm noch zu kurz sind? Auftritt Bühne rechts: das Panasonic 100-300.

Im Vergleich mit dem Panasonic 100-300 ist im entsprechenden Brennweitenbereich aus den gleichen Gründen wie o.g. (leicht unterschiedlicher und für sich selbst genommen noch im gut tolerierbaren Rahmen liegender Dezentrierung) ebenfalls mal das Oly 40-150 und mal das Pana 100-300 vorne. Insgesamt kristallisierte sich aber dennoch das 100-300 als Sieger heraus – vorrangig, weil es einen größeren Telebereich abdeckt (wenn ich schon mal ein Telezoom kaufe…). Außerdem bringt es eine Streulichtblende mit und: man kann eine Stativschelle erwerben. Etwas, was mir recht wichtig ist. Das ist auch u.a. der große Vorteil des Panasonic 100-300 gegenüber dem Olympus 75-300. Aus diesem Grunde habe ich letzteres überhaupt nicht in meine Tests einbezogen. 300 mm an MFT, also 600 mm KB äquivalent – das ist ohne Stativschelle einfach nur unschön.

Übrigens muss ich die OM-D mitsamt Panasonic 100-300 ohne Stativschelle auf meiner Novoflex Miniconnect Schnellwechselkupplung entgegengesetzt zur normalen Richtung montieren. Ist überhaupt kein Problem. Liegt aber daran, dass der Durchmesser des Objektivs so groß ist, dass es sonst auf der Basisplattform aufliegt und die Kameraplatte nicht einrasten kann.

Mit der Stativschelle natürlich gar kein Problem. Diese gibt es bei Rudolf Rösch Feinmechanik. Sie hat auch zwei Ausschnitte für den OIS-Schalter des Panasonic. Der zweite Ausschnitt (für Hochformataufnahmen) liegt allerdings nur dann deckungsrichtig über dem Schalter, wenn die rechte Kameraseite nach unten gedreht wird. Ich bevorzuge allerdings die linke Kameraseite unten. Allein schon aus Bequemlichkeit des Bedienens (Auslöser ist dann nämlich oben) und damit sich ein etwaiger Zusatzgriff (oder eine Kamera wie die GH3 mit ausgeformteren Griff) nicht mit der Stativschelle ins Gehege kommt. Ist für mich aus zweierlei Gründen auch kein Problem: 1.) gehört der OIS bei Stativverwendung ohnehin ausgeschaltet, 2.) scheint der IBIS der OM-D ohnehin performanter als der OIS des Objektivs. So oder so bleibt dieser Schalter also ohnehin immer auf aus und muss überhaupt nicht im Zugriff sein.

Zurück zum Vergleich der Objektive: Wenn es vorrangig um Portabilität und nicht um Reichweite geht, hätte ich aber keine Bedenken aus meinem kleinen Vergleich zum Olympus 40-150 zu raten. Das tut sich von 100-150 eigentlich nichts mit dem 100-300 und ist eine sehr schöne kompakte und leichte Optik.

Das Zuiko Auto-T 135mm ist auch ein schönes kleines Objektiv. Es muss halt manuell fokussiert werden. Und wenn es um das absolute pixelpeepen geht, kann selbst sorgfältiges fokussieren vom Stativ und mit Bildschirmlupe dazu führen, dass man mal minimal daneben liegt. Wenn das so ist, sind die nativen MFT-Objektive besser. Wenn man genau draufliegt, ist das Auto-T ein ganz klein wenig besser.

Das Problem mit dem Fokussieren stellt sich auch bei den beiden informativ fix mitgetesteten Canon-Objektiven. Beim 70-200 f/2.8 L (1. Generation) kriegt sich’s bei 200 mm drum. Rein von der Schärfeleistung sind 100-300 und 70-200 ungefähr ebenbürtig.

Bei 300 mm sieht die Sache anders aus. Zum einen scheint dort das Pana 100-300 tatsächlich nicht seine Bestform zu haben, zum anderen musste es sich da der sehr guten 300 mm Canon Festbrennweite EF 300 f/4 stellen. Wenn der Fokus sitzt, ist es kein Vergleich, das EF ist besser. Aber auch nicht um Welten. Es fällt aber weiterhin auf, dass besonders oberhalb 200mm mit dem 100-300 selbst mir ( ;-) ) CAs auf den ersten Blick offenkundig werden (was aber mit Lightroom überhaupt kein Problem darstellt, mit einem Klick sind sie beseitigt), während das EF 300 f/4 auf den ersten Blick keine CAs zeigt.

Soweit meine ersten schnellen Tests. Das Oly 40-150 und das Pana 45-175 gehen zurück, das Panasonic 100-300 habe ich behalten. Es macht sich übrigens auch sehr gut als Makro- bzw. Nah-Objektiv. Mit 1,5 m kürzester Aufnahmedistanz und 600 mm KB-äquivalenter Brennweite lässt sich schon einiges anstellen. :)

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Das Canon EF 300mm f/4 IS L USM per Adapter an der Olympus OM-D E-M5

Panasonic 100-300 mm

Bäume im Schneetreiben. Panasonic 100-300 mm.

Wilier Triestina GranTurismo. Detail mit dem Panasonic 100-300mm

Wilier Triestina GranTurismo. Detail mit dem Panasonic 100-300 mm.

 

 

 

10 Gedanken zu “Telebrennweiten für Micro Four Thirds

  1. Hallo OM-D Freak,

    hast Du Kenntnisse, wie man Bracketing korrrekt zum Leben erweckt ???
    Ich mache gerne HDR Fotos, aber keine ist dabei sooo kompliziert, wie die E-M5…hab alles drin mit EV, Serien etc. und das LED zeigt auch alle Einstellungen – aber ne Serie schießt sie nie, nur immer Einzelfoto ???
    Hab das kleine Handbuch von Wagner…und schon in engl. Foren gesucht, auch Amazon…da findet man nur, daß es schwierig wäre…aber keine Lösung.

    für meine G3 und die neue RX100 Sony ist sowas ein Kinderspiel, nur Olympus wird zum Rätsel…die Shots mit Automatik sind aber weiterhin scharf, bis zur Klasse einer EOS 5…hab einige auf 500px stehen.

    Grüße von der Eider…
    werner

    1. Hallo Werner,
      um eine solche Funktion habe ich mich noch nie gekümmert. Das mache ich immer nach Gusto, jeweiligem Motiv und über manuelles Einstellen der Belichtungskorrektur, nie über Bracketing. Wenn dir da das Handbuch von Wagner und das Kamera-Handbuch nicht genügend Licht ins vermeintliche Dunkel bringen konnten, kann ich dazu leider nichts beitragen.

  2. das 100-300 von Panasonic ist die einzige Brennweite, die ich NICHT empfehlen kann. Einfach, weil sie im Telebereich (ab 150mm und mehr) unscharf wird. Ein Canon 300mm/4,0L mit m4/3-Adapter ist um WELTEN besser. Aber leider ohne AF- und Bildstabilisator-Betrieb. Eine Schande, dass der 4/3-Standard noch kein 300mm/4,0 hinbekommen hat, genau das braucht es unbedingt!
    Mein 35-100’er/2,8 (70-200/2,8 auf Kleinbild) ist zwar schon ziemlich gut aber in der Endbrennweite fehlts dann doch öfter mal.

    1. Nunja, wenn das deine Beobachtung ist, dann mag das für dich so stimmen. Dass das 100-300 ab 200 etwas schwächer wird, schrieb ich ja. Es ist aber nicht so, dass man sich ab dieser Brennweite selbst bei hohen Ansprüchen mit Grausen abwendet. Ganz im Gegenteil. Da spielen schon die Vorteile des Gesamtsystems m4/3 ihre Stärken aus.

      Sorgfältig fokussiert ist das Canon EF 300 f/4.0 in der Tat besser, wie ich ja auch schreibe. Aber das kommt mit einem Preis: Dem Gewicht, der eingeschränkten Funktionalität für alles außer statischen Motiven und der Erfordernis, im Grunde für jede Aufnahme sorgfältiges Fokus-Bracketing durchzuführen, will man das potenzielle Mehr an Qualität auch in jeder Aufnahme gewährleisten. Auch der geringste Fehlfokus negiert nämlich jeden möglichen Schärfevorteil.

      Ein 300mm f/4 nativ für m4/3 würde mich allerdings auch interessieren.

      Ebenso würde ich gerne mal die ja einen tadellosen Ruf aufweisenden 4/3 Teleobjektive wie das 150 mm f/2 oder das 300 mm f/2.8 ausprobieren.

      1. Danke für deine Stellungnahme.
        Für die Preisklasse geht die optische Leistung des 100 – 300mm vielleicht noch in Ordnung, Problem ist einfach, dass es kein leistungsstarkes Teleobjektiv im m4/3-Standard gibt (mit angepasstem Bildkreis und Bildstabi). Damit kann Panasonic seinem Profianspruch nicht gerecht werden. Ich liebe die GH-3 aber brauche ein gutes und lichtstarkes Tele oberhalb von 100mm!
        Im Moment ist die einzige Option ein 200mm/4,0 von Canon zu adaptieren, das noch einigermassen leicht ist. Aber Bildstabi und AF fehlen halt. Fokusbracketing ist dank unterstützter Sucherlupe nicht unbedingt erforderlich, allerdings ist das Scharfstellen wegen fehlenden Stabilisators dennoch nicht gerade einfach.

      2. Ich mag’s ja auch sehr, bei Landschaftsfotos vom Stativ und über Live-View sorgfältig meine Fotos zu komponieren und auch mit der Lupe scharfzustellen. Machte ich auch schon immer mit meinen EOS DSLRs so, seit es dort Live-View gab. Da aber allein schon aus Notwendigkeit, weil der AF im Zweifelsfall nicht verlässlich war. Da sind die Spiegellosen Gott sei Dank aus einem ganz anderen Holz geschnitzt und bieten in diesem Bereich einen ihrer vielen systembedingten Vorteile.

        Dennoch, wenn man für Tests bei 100% pixel peeping betreibt, sieht man (jetzt insbesondere bei den Brennweiten unter 150 mm) mal bei der einen oder anderen Optik Vorteile, je nach dem wie man sich trotz sorgfältigem fokussieren auf den Fokuspunkt entschieden hat / ihn getroffen hat. Zumindest, wenn die Objektive von der Leistung nicht allzuweit auseinander sind. Da werden dann aber andere Parameter wichtiger als absolute Schärfe… Naja, anderes Thema. ;-)

        Wäre das Zuiko Digital ED 50-200 F/2.8-3.5 (http://www.four-thirds.org/en/fourthirds/telephoto.html#i_050-200mm_f028-035_olympus) nichts für dich?

        Da habe ich auch schon länger drüber gegrübelt. In der Vor-SMD Version soll der AF per Adapter auch halbwegs, wenn auch langsam funktionieren (besser als bei dem neueren SWD). Dem sagt man ja auch exzellente optische Qualitäten nach.

      3. soweit mir bekannt, bietet Olympus keinen optischen Bildstabilisator im 4/3-Standard. Den brauch ich aber, weil Panasonic keinen Sensor-Stabi bietet. Der Kontrast-AF kann z.B. nicht auf Singvögel zwischem Geäst fokussieren (auch nicht mit Spot-AF), hier ist er genauso schwach wie der Phasen-AF der Spiegelreflex-Modelle. Man muss also notwendigerweise auf manuellen AF mit Sucherlupe ausweichen. Und jetzt braucht es unbedingt einen optischen Bildstabilisator, um sauber fokussieren zu können. Das funktioniert m.W. also nicht mit der Adapterlösung – leider.
        Davon unabhängig wäre das 50-200 mit rund 1KG auch unnötig schwer. Ein 35-100/2,8 (70-200/2,8 Kleinbild) wiegt nur 360gr, es müsste analog auch ein 300mm/4,0 in dieser Gewichtsklasse möglich sein. Ansonsten kann ich gleich bei der DSLR bleiben.

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