Garmin hat den Edge 820 vorgestellt – ist er interessant?

Rad fahren

Hersteller wie Garmin denken ja immer, sie müssten neue Funktionen erfinden bzw. einbauen, um neue Geräte attraktiv zu machen. Dabei verkennen Sie, dass ein Großteil ihrer aktuellen und potenziellen Kundschaft einfach nur Geräte möchte, die einfach nur  funktionieren und ein paar Grundeigenschaften aufweisen. Nicht zu groß, nicht zu schwer,   die Bedienung lässt einen nicht verzweifeln, die Qualität der aufgezeichneten Tracks ist gut, die Firmware ist robust, die Akkulaufzeit ausreichend und die Anschlüsse sind so angeordnet, dass man sie auch benutzen kann, während das Gerät in seiner mitgelieferten Halterung steckt…

Grundlegende Dinge, oder? Warum führe ich sie auf? Weil z.B. der Garmin Edge 1000 nur zwei der obigen Punkte erfüllen kann. In der Tat finde ich die Firmware (zum ersten Mal für ein von mir genutztes Garmingerät) robust und die Qualität der aufgezeichneten Tracks ok (grundsätzlich können das die Edge-Versionen mit GPS+GLONASS wesentlich besser als die Versionen nur mit GPS).

Garmin hat nun den Edge 820 angekündigt. Siehe das erste Preview von DC Rainmaker hier.

Dann wollen wir mal die Checkliste prüfen:

Garmin Edge 820

  • Kartenfähig (und routingfähig – wer sich darauf einlassen möchte…) ohne Kompromisse und doch im kompakten Formfaktor (gleich wie Edge 520) – sehr gut!
  • Touchbedienung wie der Edge 1000 – uh oh, viel zu oft treibt einen der Edge 1000 mit „Lock Screen“ Meldungen in den Wahnsinn. Egal ob es regnet, einfach nur neblig ist oder ob es ein wunderbar trockener Tag ist. Selbst bei besten Bedingungen ist die Präzision der Auswahl und der resultierenden Aktion ein Glückspiel. Sicher ein Kompromiss von Garmin, um zum einen die Bedienung auch durch Handschuhstoff zu gewährleisten und das Gerät nicht auf jeden Regentropfen ansprechen zu lassen. Die resultierende Qualität der Bedienung ist jedoch zum Haare raufen. Auf einem Smartphone ist die Unterscheidung zwischen Scrollen einer Liste oder Auswahl eines Listenelements problemlos, auf dem Edge 1000 muss man sehr vorsichtig und bewusst agieren und selbst dann ist Erfolg nicht garantiert… Viel des Charmes des 820 wird für mich davon abhängen, ob Garmin beim Fertigen und Kalibrieren von kapazitiven Displays erheblich dazugelernt hat oder nicht.
  • Batterielaufzeit 1: Der Edge 1000 und der Edge 520 sind mit 15 Stunden angegeben. Natürlich erreichen beide Geräte und besonders der Edge 1000 diese Zeit bei weitem nicht. Insbesondere, wenn man beim Edge 1000 das Kartendisplay zum navigieren oder Track nachfahren darstellen lässt. Eine erste Info, die mittlerweile berichtigt wurde, gab für den Edge 820 sogar nur 12 Stunden an. Das wäre die komplett falsche Richtung! Nicht nur ich wünsche mir ein Gerät, mit dem eine Tagestour > 8 Stunden ohne externe Stromversorgung und ohne Zittern möglich ist! Beim Edge 1000 ist das nicht gegeben! Diese Angabe wurde mittlerweile korrigiert und auch bei Garmin kann man sehen, dass die Dreierriege 520, 820 und 1000 einheitlich mit 15 Stunden angegeben wird. Bleibt zu prüfen, wie lang der 820 nun wirklich hält.
  • Batterielaufzeit 2: DC Rainmaker berichtet, dass der 820 dafür aber eine recht effektive Stromsparoption habe, die bei Bedarf alles abschaltet, was nicht unbedingt gebraucht wird – also in der Hauptsache das Display. Dabei aber weiter alles aufzeichnet und bis zu 50 % längere Laufzeit ermöglicht. Wenn man das also von Anfang an einschalten kann, könnte man vielleicht im Maximum tatsächlich 12 Stunden Aufzeichnungszeit herausholen? Bliebe einem tatsächlichen Test vorbehalten, ob man das a) kann b) welche Laufzeit dabei herausspringt. Aber: Zum Track nachfahren und das Gerät tatsächlich für Infozwecke unterwegs zu benutzen hilft das natürlich nicht…

Das sind die für mich ausschlaggebenden Punkte – natürlich kann der 820 noch mehr, aber solche Dinge wie WiFi etc. könnt ihr gerne bei DC Rainmaker erlesen. Diese Funktionen nützen alle nichts, wenn das Gerät nicht auf dem Rad einfach bedienbar ist und das macht, was ich von ihm will: wenig Platz wegnehmen, alle meine Trainingsdaten aufzeichnen und darstellen und mich Tracks nachfahren lässt (keine Garmin-Navigation bitte, Danke). Und das alles, ohne dass ich nach 6, 8 oder 10 Stunden mit einem toten, stromlosen Klotz da stehe.

Ein Haufen Rapha (Core-Jersey, Brevet-Windblock-Jersey, Lightweight-Bibshorts)

Rapha ist einfach nichts für mich

Produkttests, Rad fahren

Rapha und ich, wir sind einfach nicht für einander geschaffen. Bzw. bei allem coolen Style, der mir in der Fotografie und in der Präsentation von Rapha sehr gefällt, halten – nun zum wiederholten Male getestet – ihre Produkte nicht das ein, was ich an Anspruch an Rennrad-tauglichem Schnitt und an Performance-Fit aus dieser Präsentation ableite und mir persönlich erwarte. Und auch bei anderen Marken besser umgesetzt finde. Your Milage may vary.

Immerhin passen die Kragenschnitte jetzt besser als damals bei meinem ersten Test eines Langarm-Jerseys.

Was habe ich getestet?

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Ein Haufen Rapha (Core-Jersey, Brevet-Windblock-Jersey, Lightweight-Bibshorts)

Zunächst mal – wer bei Rapha etwas zum vollen Preis kauft, dem scheint auch nicht mehr zu helfen. Gefühlt (und im Frühjahr tatsächlich) alle zwei Wochen gibt es Rabatte von meist 20 %.

Zu jedem Frühjahrsklassiker: Sage den Sieger vorher und du kommst in die Lostrommel für einen schönen Gewinn. Allein für das mitmachen: Hier hast du deinen 20%-Gutschein. Nächste Woche das gleiche Spiel. Mitmach-Aktion hier, Umfrage da. Eigentlich eine schöne Sache. Da will ich mich auch gar nicht drüber beschweren; das trägt zur Rennrad-Kultur bei und ist für Rapha Image-Pflege. Ich frage mich nur, wie man mit dieser Frequenz an Rabatten die Kundschaft davon überzeugen will, die normalen Preise zu akzeptieren.

Nun ja, darum soll es gar nicht gehen. Preise sind relativ und so teuer ist Rapha gar nicht. Wenn es die Sachen Wert sind…

Es gab also wieder eine Rabattaktion und ich hatte schon so einige Teile auf dem Kieker, die für mich interessant erschienen und wo ich Rapha einfach nochmal testen wollte.
Schließlich statten sie nun seit 2013 das Team Sky aus und sind durch deren konsequenten Pro-Bedarf und die „Marginal Gains“-Strategie gezwungen, nicht nur schöne Schwarz-Weiss-Fotostrecken und Sportwool-Trikots mit Standard-Schnitt zu produzieren, sondern wirklich funktionale Bekleidung mit konsequenter Passform für Rennhaltung und Bedürfnisse des Pro-Pelotons (ob Klassikerwetter, ob Schnee am Pass oder Hitze) zu konzipieren. Und das kommt meinen Bedürfnissen sehr viel näher als Meriono oder Brevet-Chic. Ich fühle mich dann in einem Trikot wohl, wenn es sich schön an den Körper schmiegt, wenn es vor allem in Rennradhaltung nicht übermäßig Falten in Nacken, Schultern und Brustbereich wirft. Und wenn die Ärmel schön anliegen.

Das Redesign des Classic Jerseys dieses Jahr liest sich dann auch wie eine Kritik-Liste am ursprünglichen Jersey: Neues Merino-Mischgewebe, leichter und mit besserem Tragekomfort. Reduktion des Gewichtes. Schnitt und Passform optimiert.

Das schien für mich in die richtige Richtung zu weisen.

Aber das Classic Jersey hat mich gar nicht so interessiert. Vielmehr war es die Einführung der Core Linie und mit ihr des Core Jerseys. Nicht etwa, weil dies etwas preiswerter als das Classic-Jersey ist. Nein, weil es ein anderes, moderneres Material aufweist, schön auf Understatement getrimmt ist und weil Rapha schreibt, dass es perfekt auf die Sitzposition auf dem Rennrad angepasst sei und einen sicheren, körpernahen Sitz aufweise. Heureka!

Das wollte ich mal austesten.

Und zum Zweiten interessierte mich das Brevet-Windblock-Jersey. Der „Feind“ beim Rennradfahren ist einfach der Wind. Die Tage im Sommer, wo es einfach nur brüllend heiss ist, sind rar gesäht. Meist hat man doch durchwachsene Tage, wo es darum geht, nicht zu sehr zu schwitzen, aber auch nicht auszukühlen. Windschutz ist hier das A und O und ein guter, atmungsfähiger Stoff, der dennoch winddicht ist, ist eines der besten Dinge, die man auf dem Rad haben kann. Deshalb ist auch das Castelli Gabba eins der besten Trikots, die man haben kann.

Und das Dritte, was mich ansprach: kurze Kurze Hosen. Die meisten Bibshorts haben zu lange Beine, finde ich. Was ich schon immer gefordert und gewünscht habe, sind wählbare Beinlängen bei Bibshorts unabhängig von der eigentlichen Größe. Und Siehe und Staune: Rapha hat das dieses Jahr eingeführt! Super. Leider nicht für alle Modelle. Und für manche Modelle in die für mich falsche Richtung – also normal und extralang… Bäh! ;-)
Aber: die Lightweight Bibshorts wird von Rapha in normal und short angeboten. Das wollte ich sehen und testen.

Also: Meinen 20 % Rabatt-Code genutzt und mal eine dicke Bestellung über den Kanal geschickt: 2 x das Core-Jersey in S und M, 2 x das Windblock-Brevet-Jersey in S und M und einmal die Lightweight Bibshorts in M.

Das Core-Jersey:

Der Stoff des Core-Jerseys erscheint mir ganz angenehm. Recht schwer – in einem positiven, wertigen Sinn. Das mag auf dem Rad je nach Witterung ganz angenehm sein. Kann aber im Resultat einfach nur schwerer als ein gewohntes Race-Jersey sein. Die Nähte sind sauber und aufwendig gefertigt und das Trikot weisst schöne Details auf. Auch der Kragen ist fein gearbeitet.

In der Summe her ist das Core-Jersey aber doch nicht so ganz so meins. Für mich finde ich die Größe M an den Ärmeln bisschen zu lummelig (Meckern auf hohem Niveau), den Brustbereich ok aber insgesamt einen Ticken zu weit. Mir würde die Größe S deutlich besser passen. Da liegt alles gut an und trotzdem ist der Kragen nicht zu eng (so eben). Leider, leider und für mich sehr unverständlich: Das Trikot ist in S ist viel zu kurz! Das fällt noch kürzer aus als die eh schon notorisch im Körper kurzen Castelli Trikots. Und das will was heissen.

Ist also nichts für mich! War aber noch das beste der getesteten Produkte und wie beschrieben, von der Qualität eigentlich recht ansprechend.

Das Brevet-Windblock-Jersey:

Mit seinen Pink und Reflex-Streifen über Brust und Rücken ein klassisches Rapha-Design aufweisend wird es als so ziemlich eines der ultimativsten Teile für Brevets oder einfach nur Radfahren beworben. Aber…. puh… das erste Berühren und in der Hand halten… Es gab und gibt wenige Trikots, die mir sofort so gar nicht gefallen haben, wie dieses.

Der Stoff des Brevet-Jerseys… Uhh, den finde ich jetzt nicht so toll. Ich kann nichts über das Tragegefühl auf dem Rad oder nach x-hundert Kilometern sagen. Er erinnert mich von der Haptik aber eher an alte, fast schon reiss-bereite und vom jahrelangen Tragen fadenscheinige Hemden als an irgend etwas tolles, Kuscheliges, oder Leichtes oder Funktionales. Wirklich eher Lidl-Grabbelkiste als Boutique-Ware. Sorry, wenn ich meinen Eindruck so drastisch formulieren muss. Das muss nicht jedem so ergehen.

Der Kragen des Jerseys in Größe S liegt gut an – in Größe M ist er mir schon ein Ticken zu weit und steht auch durch die steifere Vorderpartie mit dem Windschutz etwas ungeschmeidig ab. Nein – das ist absolut nichts für mich.

Die Lightweight Bibshorts:

Vorweg: die Beinlänge der „short“ Version finde ich für mich sehr angenehm. Das ist genau die richtige Länge für mich mit meiner 81er Schrittlänge. Aber was leider sofort auffällt und sehr stört: der deutliche Unterschied zwischen Beinabschluss und eigentlichem Stoff der Hose. Der eigentliche Stoff ist sehr weich und dehnfähig. Fast schon übertrieben so. Ich weiss nicht, wie sich allein dies beim Fahren bemerkbar machen würde. Der Beinabschlussbund ist im Vergleich sehr fest und eng und kaum dehnbar. So schneidet er merklich und störend in meine Oberschenkelmuskeln. Nein, das passt gar nicht. So lohnt sich nicht mal ein Testsitzen auf dem auf der Rolle montierten Rad, um zu schauen, wie das Polster so ist.

Das Ergebnis des Tests ernüchtert. Drei Produkte getestet, drei mal glorios daneben gegriffen. Das Core-Jersey bekommt von mir da noch die beste Wertung und sogar eine Empfehlung, sofern ihr eine Größe benötigt, die nicht all zu sehr auf Racefit ausgelegt ist. Sollte letzteres allerdings der Fall sein und ihr ein enganliegendes Jersey bevorzugen, wird es euch wahrscheinlich auch zu kurz sein.

Tja, ich habe sofort alles wieder eingetütet und es ist wieder auf dem Weg nach England. Bei Rapha bleibe ich lieber beim gelegentlichen Vorbeischauen auf einen Schnack und einen Espresso am Rapha Mobile Club. Und wenn es sich ergibt, mache ich auch gerne bei einem Gentlemens Race oder ähnlichen Event mit. Das geht ja auch hervorragend in Castelli-Sachen. Oder Assos. Oder Sportful. Oder oder… :)

Auf meiner Königswinkel-Cross-Tour mit meinem Giant TCX Advanced Pro 1. Hier vom Pechkopf (ein kleiner Gipfel auf 1400 m über dem Meer) kommend und am so genannten "Seenblick" stehend. Nun - statt mehreren Seen gab es ein einziges Meer - ein Meer von Wolken! :)

Königswinkel-Cross: Aus dem Nebel die Sonne erstiegen

Rad fahren

Herbsturlaub. Ich wollte mal eine Woche wandern. Ja – Schockschwerenot: Zu Fuß gehen. ;-) Na ok, das Rad habe ich trotzdem in den Kofferraum gepackt… :)

Zur Auswahl standen Dolomiten oder das Allgäu. Darauf fiel diesmal die Wahl. Wieso? In den Dolomiten bin ich oft und gerne. Deshalb hätte ich mir diesmal ein etwas anderes Eckchen ausgesucht. So Richtung Eggental. So ganz konnte ich mich da dann aber doch nicht für erwärmen. Im Oktober muss man dort schon schauen: Was hat noch offen, was macht gerade Urlaub, um im November wieder in die Wintersaison einzusteigen… Doch lieber wieder in’s Gadertal oder Richtung Seiser Alm etc.?

Hmm. Warum nicht mal das Allgäu. Entspannender Urlaub fängt mit kurzer Anreise an. Im Allgäu bin ich definitiv schneller als in den Dolomiten. Ich war auch noch nie bei den Königsschlössern. Und: #Crosstober. Cremacycles lud mal wieder zum Crosstoberfest. Interesse hatte ich ja schon. Aber wirklich mal mitmachen? Zwar wecken die sicher sehr tollen Rahmen- und Radkreationen von Ken Bloomer bei mir jetzt nicht den Habenwollen-Reflex, aber das Programm des Crosstoberfestes hört sich schon liebevoll ausgestaltet an.

Also Allgäu! Vorrangig aber tatsächlich zum Wandern und ein klein wenig Fotografieren und einfach nur zum erholen. Ich hatte mir den Hopfensee als Aufenthaltsort ausgewählt. Das erwies sich als eine tolle Ausgangslage. Das Hotel wäre auch super, wenn entweder das hoteleigene WiFi oder wenigstens das Mobilfunknetz irgendeinen Anschein von Geschwindigkeit gezeigt hätte. Beides war dort unterirdisch, so dass ich das Hotel leider nicht weiterempfehlen kann.

Zum Crosstoberfest hat es dann doch nicht gereicht. Eine Anreise am Freitag bereits war von meinem Terminplan nicht drin. So bin ich gemütlich am Samstag angereist. Somit war Crossrennen und die Crossklinik schon außen vor. Das Abendessen hörte sich interessant an. Aber zum einen war ich nicht alleine unterwegs und zum zweiten wollte ich dann nicht erst abends zu so einem Event zustoßen. Und nur den Sonntag zum Crossfondo mitfahren? Ich hatte das zunächst überlegt, aber mich haben da ein paar Dinge abgehalten: Registration nur für den Sonntag und kurzfristig beim Aufschlagen vormittags dort? Hmm, weiss nicht. Das Wetter für Sonntag war auch nicht super vorhergesagt, aber für Montag schon mit Sonne. Und der Hauptgrund: Mal die Gruppe dort kennenzulernen, wäre sicher nett gewesen, aber im Rahmen des letzten Teils eines Wochenendes sicher auch nicht optimal. Und wenn ich schon in einer landschaftlich tollen Gegend bin, dann möchte ich die in meiner eigenen Geschwindigkeit erkunden. Dort anhalten, wo ich will. Dort lange Fotos machen, wo ich will. Und die Umgebung in mich aufnehmen. Das geht nicht, wenn man mit der Gruppe beschäftigt ist, mit Leuten quatscht oder einfach nur dem Vordermann hinterher fährt – und aufpasst, dass man ihm nicht drauffährt.

Ok, also am Sonntag durch den Nebel wandern und direkt mal Neuschwanstein und die umherliegenden Wege erkunden und am Montag dann selbst auf den Crosser – so wurde es gemacht. :)

Schloss Neuschwanstein nahezu so weiß wie der Himmel - im Gegensatz zum bunten Herbstlaub.

Schloss Neuschwanstein nahezu so weiß wie der Himmel – im Gegensatz zum bunten Herbstlaub.

Um es vorweg zu nehmen: sooo viel Sonne hatte ich am Montag auch nicht. Aber es war noch der bei weitem beste Tag der Wanderwoche, die sogar Schnee brachte und sich standhaft weigerte, die Berge zu zeigen. Bis auf Mittwoch und Donnerstag morgen gab’s auch vom Hopfensee aus nix zu sehen.

Ich hatte mir aus GPSies und Strava-Kursen (auch des Crossfondos vom Vortag) meine eigene Radtour geplant. Vom Hopfensee aus ging es zunächst zum Weissensee, von dort zum kleinen aber sehr feinen Alatsee und über einen winzigen Höhenrücken dann herüber nach Österreich ins Vilstal. Immer noch keine Sonne, aber Hoffnung, dass sie so langsam dann doch den Hochnebel besiegen könnte. In Unterpinswang war es dann soweit. Und ich dachte, es würde noch besser… Naja, auf dem Talniveau war das der Höhepunkt. Recht bald kam wieder die übliche komplett dichte Hochnebelsuppe auf. Zunächst gab’s aber den ersten kurzen „Offroad“-Kontakt. Von Unterpinswang auf den Fürstenweg, der geschottert ein paar Serpentinen hoch und dann zu einem kleinen Grenzübergang im Wald führt.

Cxploring zwischen Tirol/Österreich und Allgäu/Deutschland in den Allgäuer und Ammergauer Alpen. Von Pinswang kommend auf dem Weg zum Alpsee mit meinem Giant TCX Advanced Pro 1.

Cxploring zwischen Tirol/Österreich und Allgäu/Deutschland in den Allgäuer und Ammergauer Alpen. Von Pinswang kommend auf dem Weg zum Alpsee mit meinem Giant TCX Advanced Pro 1.

Ab da wechselt dann bald der Fürstenweg zur Fürstenstraße und führt wieder asphaltiert aber recht reizvoll am Alpsee vorbei. Viele Sichtmöglichkeiten auf den See gibt es aber von dort nicht, da ist der Wanderstieg südlich der Straße besser geeignet.

Die Fürstenstraße am Alpsee im Herbstornat. So sah es auch bei meinem Königswinkel-Cross aus. Das Foto stammt aber von einer Wanderung drei Tage später.

Die Fürstenstraße am Alpsee im Herbstornat. So sah es auch bei meinem Königswinkel-Cross aus. Das Foto stammt aber von einer Wanderung drei Tage später.

Bei Hohenschwangau rollte ich durch das geschäftige Touristentreiben aus Besuchern aller Herren Länder und fand mich direkt nach einem der Autoparkplätze auf einem kleinen Singletrail wieder, der mich bald wieder als Wanderweg zur ausgebrannten Gipsmühle führte.

Von der ehemaligen Gipsmühle steht nur noch eine Fassade und dahinter ist noch etwas Holzgewerk, etwas Fluder und das rückschlächtige Wasserrad erhalten. Interessanterweise ist auf einer Tafel vor der Fassade ein unterschlächtiges Rad dargestellt. Seltsam.

Von der ehemaligen Gipsmühle steht nur noch eine Fassade und dahinter ist noch etwas Holzgewerk, etwas Fluder und das rückschlächtige Wasserrad erhalten. Interessanterweise ist auf einer Tafel vor der Fassade ein unterschlächtiges Rad dargestellt. Seltsam.

Ab hier hatte mich der Hochnebel und das trübe Wetter komplett wieder. Es war auch entsprechend nasskühl. Um die 5° C. Naja, man muss es halt nehmen, wie es kommt…

Weiter ging es über einen Wanderweg bis zur Talstation der Tegelbergbahn. Dort hatte mich der Asphalt wieder und jetzt kam der anspruchsvolle Teil. Jetzt ging es nach oben. :) Zunächst sehr lange über eine asphaltierte Forststraße. Der Asphalt war sicher nicht der tollste, aber hier überlegt ich schon, warum man so eine Strecke als Crossfondo betitelt. Das war bis jetzt alles super mit einem Rennrad befahrbar.

So ein, zwei Kilo weniger (Unterschied zwischen Crosser und Rennrad) wären gerade hier auch sicher angenehm gewesen. Denn hier ging’s jetzt steil und nicht zu knapp zur Sache. 520 Höhenmeter über 5,1 km war der Aufstieg zur Rohrkopfhütte. Also im Schnitt 10%. Das ist schon amtlich. Im unteren Part war ich noch voll im Exploring-Mode. Fand am Wanderparkplatz Drehhütte z.B. ein Schild zu einem Erlebniszentrum  Adlerhorst und bin aus Neugier in den Zufahrtsweg eingebogen und habe mir die Location kurz angesehen, bevor es dann weiter hinauf ging. Hinter dem Hammergraben packte der Anstieg dann auch den Hammer aus: Die restlichen 320 Höhenmeter wurden nie flacher als 14 % und das 1,5 km lange Stück bis zur Drehhütte hatte liebliche 17 % im Schnitt zu bieten. Am Abzweig vor der Drehhütte wechselte der Belag auf feinen Schotter und führt mit rd. 14 % weiter zum Rohrkopf. Der Nebel wurde auch heller. Würde es reichen, die Sonne zu sehen?

Mit dem Crosser an der Rohrkopfhütte. Nach rund 520 m Anstieg mit durchschnittlich 10 % und in Teilen im Schnitt 17 % kam ich endlich aus der zähen Suppe aus Hochnebel und tiefhängender Wolkendecke hervor. Aussicht gab es trotzdem keine. Aber Sonnenschein für's Gemüt. :)

Mit dem Crosser an der Rohrkopfhütte. Nach rund 520 m Anstieg mit durchschnittlich 10 % und in Teilen im Schnitt 17 % kam ich endlich aus der zähen Suppe aus Hochnebel und tiefhängender Wolkendecke hervor. Aussicht gab es trotzdem keine. Aber Sonnenschein für’s Gemüt. :)

Jaaaa, es reichte. Soeben. Eigentlich hatte ich gehofft, vielleicht von dort oben das Schloss Neuschwanstein sehen zu können. Ist das von da aus möglich? Ich weiss es nicht. Eine Nebelzunge leckte immer wieder über den Hang. Trotzdem. Hier hielt ich sofort an und fotografierte das Schauspiel auf unterschiedliche Weise und freute mich an der Sonne. Hmm – das war leider noch mitten im entsprechenden Strava-Segment. ;-)

Aber egal, darauf kam’s mir nicht an und das hatte ich ja auch schon unten beim Abzweig zum Adlerhorst verbummelt. ;-) Interessanterweise wurde ich hier oben gleich zweimal auf mein Rad angesprochen. „Wie kommst du denn wieder runter?“ Ähh, mit dem Rad…  Und ein anderer Wanderer etwas später „Ist das eigentlich ein gutes Rad für solche Wege?“ ;-)

Ich überlegte kurz, bei der Rohrkopfhütte einzukehren. Aber für draußen war’s zu kalt und der Nebel schwappte immer über die Terasse. Und das Rad bei der doch heute gut frequentierten Hütte einfach draußen stehen lassen, wollte ich auch nicht. Also ging’s bald weiter. Riegel habe ich auch keinen gegessen. Vielleicht hatte ja die Drehhütte auf… Nein, hatte sie heute nicht. Dann später unten im Tal? Nein, da war nichts ansprechendes. Am Forggensee? Ah nee, keine Außengastronomie – alles kalt und trübe und irgendwann auch spät… Resultat mal wieder: nix gegessen außer irgendwann ein Riegel. Hmm, geht doch – extra energiesparend und fettstoffwechselfördernd unterwegs… Natürlich fehlte dann am Abschluss entlang des Forggensees und den lustigen kleinen (wirklich klein und sanft) Wellen des Allgäus der Druck auf dem Pedal.

Aber soweit war ich ja noch nicht. Erst mal wurde vom Rohrkopf wieder in den Nebel hinabgetaucht. Kurze Abfahrt über den Schotterweg, dann an der Drehhütte vorbei über einen etwas steinigen Wanderweg, der alsbald schmal und sehr steil wurde. Ah ok. Eine kurze Tragepassage, dachte ich.

Yours truly mit Sack und Pack :) Der Sack ist mein getreuer Camelbak Blowfish, den ich wegen seiner schmalen Ausmaße gerne nutze und das Pack ist das in bester Crossermanier geschulterte Giant TCX Advanced Pro 1.

Yours truly mit Sack und Pack :) Der Sack ist mein getreuer Camelbak Blowfish, den ich wegen seiner schmalen Ausmaße gerne nutze und das Pack ist das in bester Crossermanier geschulterte Giant TCX Advanced Pro 1.

Für solche Touren habe ich ab und an auch mal einen Rucksack dabei. Hier habe ich dann zwar nie eine Trinkblase, aber Kleinkram, der sonst in den Trikottaschen ist, dabei. Und die Micro Four Thirds Ausrüstung. Heute bestehend aus der Olympus OMD E-M5 und drei Objektiven (7-14, 20 und 45 mm).

Ich wusste nicht, was danach noch kommt. Hier sieht es ja noch ganz harmlos aus...

Ich wusste nicht, was danach noch kommt. Hier sieht es ja noch ganz harmlos aus…

Neblig isses.

Da geht's hoch.

Da geht’s hoch.

Bäume im Nebel

Wirklich neblig.

Aber wenn man nach oben schaut…

Aufstieg zum Pechkopf

Aufstieg zum Pechkopf

Ich hoffte, dass ich nochmal in die Sonne kam. Und dass der Weg, der nun immer schmaler wurde, bald wieder befahrbar wurde.

Wurde er aber erst mal nicht. Sondern entwickelte sich zu einem ausgewachsenen Bergpfad, steil am Hang klebend. Puh, dachte ich. Wenn ich hier wieder umdrehen müsste, hätte ich ein Problem. Und: hier kann doch keiner ernsthaft eine Gruppenfahrt hoch geplant haben… Ist doch viel zu eng und mit dem Rad bergseits muss man ja fast Angst haben, entweder an einem Busch hängen zu bleiben oder abzusegeln…

Naja, wenigstens war ich bald aus dem Nebel und plötzlich…

Einen steilen Bergsteig emporkletternd stieß ich plötzlich aus den Wolken hervor. Ich fand diese überwältigende Aussicht über das Wolkenmeer. Vor mir linkerhand der Tegelberg.

Einen steilen Bergsteig emporkletternd stieß ich plötzlich aus den Wolken hervor. Ich fand diese überwältigende Aussicht über das Wolkenmeer. Vor mir linkerhand der Tegelberg.

Ohhhh! Ahhhh! Wow! Berge! Endlich. Dafür hatte sich die Plackerei gelohnt. Sonne! Aussicht! Etwas herbstliche Wärme. Hach. Da musste ich doch sofort diverse Fotos machen. Oben und unten je ein Panorama aus mehreren Aufnahmen.

Tegelberg und Wolkenmeer

Alles mitten in diesem steilen Pfad.

Velo-Mountaineering und Crossploring at it's best! Mit dem Rad am Berg. :)

Velo-Mountaineering und Crossploring at it’s best! Mit dem Rad am Berg. :)

Hier dachte ich noch: Ok, hier ist keiner am Sonntag hergekommen, du hast da was anderes geplant. Bis weiter oben der Pfad am Kamm tatsächlich wieder flacher und befahrbar wurde und ich dort auf dem Boden ein Cinelli-Lenkerendstopfen fand… Donnerwetter! Geiler Scheiß, Ken, das als Gruppenevent zu planen. :)

Und später auf Strava habe ich gesehen, dass das sogar als Segment angelegt wurde. :)

Extra-Credit, haha :)  Natürlich weisse ich von den 21 Befahrern den abgeschlagen letzten Platz auf. Aber von den anderen hatte auch keiner Sonne und einen solchen Ausblick da. :)

Oben teilte mir dann ein Wegweiser mit, dass ich mich auf 1400 m Höhe und am Pechkopf befand.

Wanderwegweiser und Crossrad.

Wanderwegweiser und Crossrad.

Yay, ein flowiger Singletrail:

Singletrail am Pechkopf

Singletrail am Pechkopf

Der wurde alsbald etwas tief, so dass ich zum ersten Mal etwas Matsch aufsammelte. Und ich fand mehr Spuren von schmalen Reifen. Und sehr bald öffnete sich der Wald und ich war auf einer ebenfalls noch in der Sonne liegenden kleinen Alp.

Mein Giant TCX Advanced Pro 1 auf dem vorderen Mühlberger Älpele

Mein Giant TCX Advanced Pro 1 auf dem vorderen Mühlberger Älpele

Lensflare und Purple Flare Galore. Das Pana 7-14 ist an der OMD 'ne ganz besondere Bitch. Hier passt es ganz gut.

Lensflare und Purple Flare Galore. Das Pana 7-14 ist an der OMD ’ne ganz besondere Bitch. Hier passt es ganz gut.

Aha, mein weisser Bruder: Hier sind sie vorbeigekommen. Die Spuren sind höchstens einen Tag alt… ;-)

Spuren

Hmm, schön so in der Sonne. Doch es führte kein Weg daran vorbei. Ich musste wieder herunter vom Berg. Und damit in die Wolken und den Nebel…

Wolkenmeer, die Zweite.

Wolkenmeer, die Zweite.

Zuvor kam ich an einem Punkt vorbei, der auf Openstreetmap den Eintrag „Seenblick“ hat. Ich hatte mir ihn extra als Waypoint markiert.

Auf meiner Königswinkel-Cross-Tour mit meinem Giant TCX Advanced Pro 1. Hier vom Pechkopf (ein kleiner Gipfel auf 1400 m über dem Meer) kommend und am so genannten

Auf meiner Königswinkel-Cross-Tour mit meinem Giant TCX Advanced Pro 1. Hier vom Pechkopf (ein kleiner Gipfel auf 1400 m über dem Meer) kommend und am so genannten „Seenblick“ stehend. Nun – statt mehreren Seen gab es ein einziges Meer – ein Meer von Wolken! :)

Seen gab’s nicht zu sehen. Aber anstelle dessen ein Meer – ein Wolkenmeer. Für mich eines der schönsten Bilder der Tour. Ein ganz tolles Naturschauspiel, ein wunderbares Herbstseitenlicht. Der blaue Crosser ein toller Farbtupfer im herbstlichen und hohen Gras… eine schön ausbalancierte Komposition – für mich stimmt hier alles im Bild (als Fotograf hat man ja eigentlich an allen seinen Bildern etwas zu kritteln… :)

Ein letzter sehnsuchtsvoller Blick das Sträßlein hinauf…

So unterschiedlich kann der Aufstieg zum Älpele sein. Eine kleine Forststraße wie hier. Oder ein steiler, schmaler Bergpfad, wie auf der anderen Seite des Pechkopfes...

So unterschiedlich kann der Aufstieg zum Älpele sein. Eine kleine Forststraße wie hier. Oder ein steiler, schmaler Bergpfad, wie auf der anderen Seite des Pechkopfes…

… und dann ging es endgültig wieder in den Nebel hinein. Die Temperaturaufzeichnung meines Garmins zeigt sehr schön die kurzen Sonnenmomente am Berg:

Temperaturkurve

Im Schnitt 6 °C für die gesamte Tour. Im Tal bzw. Vorland immer bei oder unter 5 °C und dann scharfe Peaks auf 21 °C in der Sonne oben am Rohrkopf und dann am Pechkopf. Dann wieder Bibbern bei nebelfeuchtkalten 4 °C…

Die Abfahrt war ganz nett, führte teils über Waldwege und teils über asphaltierte Forststraßen. Alles in allem schätze ich für die gesamte Tour 60 % Asphalt (Straße, Radweg, Forststraße), 24 % glatter Forstweg, 10 % rauherer Forstweg (trotzdem super zum drüberrollen), 3 % Singletrail und 3% Gebirgssteig (Tragepassage). Also, wenn man nicht zu zimperlich ist und vielleicht generalisiert: Anstelle den 3 % Gebirgssteig hätte man ein Rennrad auch noch über die 3 % Singletrail tragen können und den Rest einfach mit dem Renner (aber dann guten Reifen) fahren können. Trotzdem war der Crosser sicher die bessere Wahl. Zumal mein TCX Advanced ja auch ein super Roller und Tourer ist. Die Clement X’Plor USH Reifen sind dafür wie gemacht!

Es gab im Tal ab Halblech noch eine schöne Hatz über einen sanft abfallenden, aber teils doch etwas gröberen (hielt sich aber in Grenzen) Wald- bzw. Schotterweg entlang eines Bergbaches mit gleichem Namen. Da war sicher der Crosser auch wieder besser als ein Rennrad. Hatte auch Spaß gemacht, da Schub zu geben. :)

Danach umrundete ich dann den Forggensee auf seiner Ost- und Nordseite. Aussicht gab’s leider keine. Soweit, dass ich mich deswegen in’s Wasser stürze, ist es dann soeben nicht gekommen… ;-)

Am Forggensee

Am Forggensee

Ob man hier jemals Berge sehen kann…?

Mein Giant TCX Advanced Pro 1 im Forggensee.

Mein Giant TCX Advanced Pro 1 im Forggensee.

Gut, ich hätte mir eine herbstliche Tour im Allgäu auch ganz anders vorstellen können. War überwiegend halt einfach nur zu kalt für die Jahreszeit und ohne Aussicht. Dafür an wenigen Stellen aber um so grandioser! Ich bin froh, dass ich auf diese Weise den Königswinkel mit dem Crosser erkunden konnte. :)

Ich habe die Tour auch auf GPSies abgelegt. Ihr könnt Sie euch dort anschauen und herunterladen.

Natürlich steht sie auch auf Strava. Hier die Tourdaten:

Distanz: 76,8 km, Höhenmeter: 1398 m, Zeit: 06 h 56 m (brutto), Durchschnittsgeschwindigkeit: 11,1 km/h, Durchschnittsgeschw. in Bewegung: 16,2 km/h, Durchschnitts-HF: 123

Strava_20151012

Grüne Hügel vom Col du Hundsruck.

Les Trois Ballons 2015 – Ein Spoocha-Radmarathon-Wochenende in den Vogesen

Rad fahren

3 Uhr 20 in der Nacht. Ich werde wach vom Regen der auf das Dachfenster prasselt. Das Dachfenster, das direkt über dem Bett und nur 1 Meter über meinem Kopf ist. Ein Dachfenster in einem von außen sehr unscheinbaren Haus. Mitten im Nirgendwo zwischen Saint-Bresson und Raddon-et-Chapendu in der Haute-Saône.

Die Anfahrt

Ich war froh, dass ich es gefunden habe. Nach rund 7 Stunden Autofahrt von Wuppertal in die Vogesen. Freitag nachmittags und abends durch Luxemburg, dann durch Metz und vorbei an Nancy ist echt nicht schön… Ich lasse meinem Frust bei einem viel zu kleinen Cafè au Lait in einer kleinen Raststätte an der Autobahn südlich von Thionville per Twitter und über Whats App heraus. Whats App nutze ich übrigens nur wegen der Rennrad-Kollegen. Sowohl der Wittgensteiner als auch der Bergischen/Ruhrgebietstruppe… Ein schlimmes Stück Software, aber ich schweife ab. Versöhnend wirkt die wirklich sehr leckere Tarte aux apricots. Ich nehme gleich ein zweites Stück. Schließlich habe ich morgen was vor.

Ich fahre zum 3 Ballons Grand Trophee Cycling Event. Les Trois Ballons. Oder in Deutsch: die drei Belchen. Die Ausschreibung verspricht 213 km und 4300 Höhenmeter.  Die meisten davon im Anstieg zu den drei Belchen Col des Chevrères, Ballon d’Alsace und Grand Ballon.

Letztes Jahr haben wir mit einer größeren Spoocha-Gruppe am Dreiländergiro teilgenommen. Für dieses Jahr hatten wir uns Ende letzen Jahres die Vogesen und les Trois Ballons als Ziel ausgeguckt, zu dem wir anreisen und ein kurzes gemeinsames Wochenende verbringen wollten. Leider waren wir nicht so viele wie letztes Jahr in Nauders. Während wir den einen oder andern lieben Menschen vermisst haben war es aber in kleiner Gruppe in einem Ferienhaus ganz für uns alleine umso netter.

Unsere Man Cave für's Wochenende. Von hinten sogar recht pittoresk. Foto: Marko

Unsere Man Cave für’s Wochenende. Von hinten sogar recht pittoresk. Foto: Marco

Und dieses Ferienhaus – von dem hatte ich nur eine grobe Anfahrtskizze. Ganz wie früher. Bevor jedermann ein Smartphone mit Google Maps hatte. Und auch bevor jeder ein Navi hatte. So richtig Oldschool. Und ich wusste auch gar nicht, was mich da genau erwartete. Nur, dass es jemand aus der Truppe organisiert hatte und man von dort recht gut mit dem Rad zum Start und zum Ziel fahren können sollte. Bis nach Luxeuil les Bains führte mich mein Navi, ab da war’s dann ein klein wenig spannend. ;-)

Ich war aber recht bald und kurz vor der Dämmerung angekommen. Zweifelnd hinter das von vorne fast schon baufällig wirkende Haus gefahren und – da standen die Autos der Kollegen. Und auf der Veranda wurde schon an Rädern geschraubt. Puh – doch richtig! :)

Ich habe altbekannte und für mich ganz neue Gesichter begrüßt, meine Radkiste mit Schuhen, Helm und Krimskrams und die Sporttasche auf mein Zimmer getragen und bin danach doch nochmal kurz nach McDonalds am Rand von Luxeuil les Bains gefahren. Es gab zwar Käse, Salami und Brot – aber ich wollte heute noch was Warmes haben. Ideales Carbo-Loading mit ’nem Burger und weltweit gleich mittelmäßigen Fritten… ;-)

Eine Cola, ein kleines Bier und ein paar Gespräche später suchten wir unsere Betten auf. Das war so um halb Eins. Und jetzt ist es nicht mal halb vier und der Regen hat mich geweckt… Also wach und Regen… beides doof! Oropax retten ein kleines bisschen Schlaf bis 5 Uhr. Da geht der Wecker… Seufz – Radmarathons…

Der Tag

Wir treffen uns zum Frühstück. Draußen regnet es noch immer. Hmmm – sollte es nicht eigentlich bis zu 26° warm werden? Kalt ist es nicht. Die übliche Frage: was anziehen, was mitnehmen? Für meine Allzweckwaffe, das Castelli Gabba Convertible, ist es mir zu warm. Ich bin froh, dass ich auch meine Gore Oxygen AS Regenjacke mitgenommen habe. Die kann ich anziehen – dafür bleiben die Windweste und die Armlinge im Haus. Wie sich herausstellte, die ideale Wahl.

Schon zum Start kann ich die Regenjacke ausziehen, so warm, nein, eher leicht schwül waschküchenmäßig ist es schon um 7 Uhr 15 zum Start. Jeweils oben an den ersten Anstiegen und für nicht wenige Abfahrten ist die Gore Jacke aber wieder ideal.

Um 6:30 rolle ich schon die 11 Kilometer von unserem Domizil zum Start nach Luxeuil les Bains. Ich muss mir im Gegensatz zu den anderen noch die Startnummer abholen. Das T-Shirt, was es dazu gibt, stopfe ich mitsamt der Tüte hinter einen Stromkasten eines kleinen Gebäudes auf dem Startgelände. Prima – als ich das Versteck am Sonntag wieder aufsuche, ist es noch da. :)

Also, 7 Uhr 15 ist Start und wir rollen zu siebt los auf die 213 Kilometer-Runde. Zwei weitere „Spoochies“, Marco und Martin, starten etwas später auf die 105 km-Runde. Und Natascha und Jens werden wir leider während des Tages und des Gran Fondos gar nicht zu Gesicht bekommen. Sie fahren auch die 213er Runde und waren in einem Hotel untergebracht. Trotz modernster Telekommunikationstechnik haben wir am Start nicht zusammenfinden können. Dabei war dort die Masse jetzt auch nicht sooo groß. Ich würde mal ganz grob ein Teilnehmerfeld in Höhe von vielleicht zwei- bis dreitausend Rennradlern schätzen.

Nach dem Start rollen wir erst einmal rund 20 km sehr flach in größeren Grüppchen dahin. Dann folgt der erste kleine 130 m Hüppel, die Cote Faucogney. Nach nur weiteren 10 km folgt dann der erste Belchen. Auf dem Höhenprofil, auf das ich vorher nur einen kurzen, sehr groben Blick geworfen hatte, schaut der gar nicht zu wild aus. Sehr hoch ist er auch nicht. Aber die letzen 2,1 km sind im Schnitt 11 % steil und nicht selten steht die Prozentanzeige bei 15 % oder darüber.

Im Einstieg zum Anstieg des Col des Chevrères. Tief hängen die Wolken an den Hängen.

Im Einstieg zum Anstieg des Col des Chevrères. Tief hängen die Wolken an den Bergflanken.

Bevor wir dieses Teilstück erreichen, sehe ich auf einmal Seb, Ralf und Gino an der Straßenseite stehen. Seb hat einen Platten. Ich halte auch an und nutze die Gelegenheit, zum ersten Mal die Kamera heraus zu ziehen und ein paar Bilder zu machen.

Wir waren froh dass dies der einzige platte Reifen unserer Gruppe war. Ich habe noch nie so viele Leute mit Reifenpannen an der Seite gesehen wie in diesem Marathon. Die meisten in der ersten Hälfte. Ok, dort gab es recht viele Abschnitte auf tollen kleinen Straßen mit rauer Oberfläche (typisch halt für Frankreich) und mit festem oder losem Splitt. Aber nichts außergewöhnliches womit ein normaler Reifen Probleme haben sollte. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass alle diese Leute mit empfindlichen Zeitfahrreifen unterwegs waren?

Aber wer weiß. Wir haben sogar jemandem auf einem (alten) Zeitfahrrad mit einem Scheiben-Hinterrad gesehen!

Wie man sieht, hingen zu diesem Zeitpunkt regenschwere Wolken tief über den Bergkuppen. Im Anstieg war leichter Sprühnebel willkommen. Später fing es dann aber im Anstieg zum nächsten Belchen, dem Ballon d’Alsace, richtig zu regnen an. Oben am Gipfel und der dortigen Verpflegung war meine Regenjacke zumindest an den Armen auch total durch. Unschön. Aber für die folgende Abfahrt trotzdem noch vor dem Fahrtwind schützend. Und damit mehr als die halbe Miete.

Aber wettertechnisch war danach das Schlimmste überstanden. Im Anstieg zum Col du Hundsruck kam schließlich die Sonne heraus. Und so konnten wir oben an der Passhöhe auch zum ersten Mal eine sehr nette Aussicht bewundern.

Mein Canyon am Col du Hundsruck.

Mein Canyon am Col du Hundsruck.

Es folgte, natürlich, wieder eine Abfahrt. Wieder eine ganz tolle Abfahrt. Wie alle Abfahrten heute. Und danach dann der Höhepunkt des Profil, der Grand Ballon. Nach rund 111 km – bzw. für uns nach rund 122 km und nach 6,5 Stunden fuhren wir in den Anstieg hinein. Ab da hieß es 15 km und 934 m vertikal mit durchschnittlich  6% zurückzulegen. Hors Category.

Auf dem Großen Belchen (Grand Ballon). Vom Scheitelpunkt der Straße hinunter nach Norden blickend. Über die erste Kurve der Nordseite und die Hügel der Vogesen.

Auf dem Großen Belchen (Grand Ballon). Vom Scheitelpunkt der Straße hinunter nach Norden blickend. Über die erste Kurve der Nordseite und die Hügel der Vogesen.

Ein sehr schöner Anstieg. Irgendwann biegt man um eine Kurve im oberen Drittel und es öffnet sich ein Riesen-Blick weit über die Rheinebene bei Muhlhouse Richtung Osten bzw. Südosten zum Schwarzwald und zu den Alpen. Trotz dass ich voll Druck fahre, habe ich genug Luft und Lust, um den Ausblick zu genießen und Seb gegenüber ein paar Mal zu betonen, wie genial der Ausblick ist.

Weite Sicht über die Rheinebene vom Grand Ballon.

Weite Sicht über die Rheinebene vom Grand Ballon.

Yours Truly - Selfie am Großen Belchen.

Yours Truly – Selfie am Großen Belchen.

Seb und ich – wir waren an jedem Anstieg ein Kletter-Duo und haben uns gegenseitig die Anstiege hochgezogen. Ich konnte heute so zum ersten Mal nachempfinden, wie toll und hilfreich ein Teamkollege in der Spitze auch am Berg ist, wo es ja wahrlich nicht um Windschatten geht. Oft hat Seb geführt. Ich wollte auch gar nicht schneller fahren. Ich wollte aber auch nicht direkt neben ihm fahren und vielleicht damit auch unbewusst noch etwas mehr antreiben (ich nehme bei ihm da ein sehr gesundes Wettbewerbsverhalten wahr ;-)). Wir haben uns aber auch abgewechselt und dann habe ich geführt. Ab und an wechselten wir dann in engen Kurven ab. Das fand ich ganz toll. So haben wir uns gegenseitig gut unterstützt. Hatten es aber auch nicht nötig, uns dann oben an der Kuppe einen abzusprinten. Das haben wir anderen überlassen. Wobei – viele haben uns nicht überholt. Wenn überhaupt.

Das mag aber auch daran gelegen haben, dass wir doch im Tagesverlauf immer weiter in der Fahrzeit zurück hingen.

Zwischen lustigem Quatschen und diversen Fotos: kontemplatives Warten auf dem großen Belchen.

Zwischen lustigem Quatschen und diversen Fotos: kontemplatives Warten auf dem großen Belchen.

Zum Schluss werde ich die Brutto-Zeit von Start bis Ziel mit 12 Stunden 25 stoppen. Die reine Netto-Fahrtzeit ist aber nur 9 Stunden 17 Minuten. Das ist mal ein krasser Unterschied. Aber das war halb so schlimm. Dafür hatten wir einen um so längeren, schönen Rad-Marathon. Wir haben an jedem langen Anstieg oben gewartet, bis wir alle wieder zusammen waren. Das hatte zwischendurch mal etwas länger gedauert – wir hatten jemand mit Knieproblem, wie sich herausstellte und wir hatten einen (temporären) DNF.

Wie das geht? Tja – Ginos Bruder Lorenzo hatte vielleicht nicht die absolut beste Form und auch ein komplett neues Rad, was vielleicht noch nicht optimal eingestellt war. Das hatte er aber dadurch kompensiert, indem er eine klassische Heldenkurbel montiert hatte. Also mal gleich das Lehrbuch, wie ich ein solches Event über 200 Kilometer und 4300 Höhenmeter nicht angehe… Auf der Hälfte des Gran Ballon beschloss er, sich abholen zu lassen…  Um zweieinhalb Stunden später plötzlich an der Verpflegung oben am Servance völlig überraschend mit dem Rad wieder aufzutauchen. Er habe doch nicht Marco angerufen und Zug fahren wäre auch nicht so wirklich sinnig gewesen. So habe er den Gran Ballon umfahren und sei dann wieder auf die Marathon-Strecke eingebogen…

Äh ja. Wir haben uns natürlich gefreut. ^^ Dann hatten wir wie oben geschrieben einen, Gott sei Dank den einzigen Platten und wir hatten, ebenfalls kurz vor der letzten Verpflegung noch jemandem mit gerissener Speiche am Hinterrad. Das konnten wir (dank Seb’s Erfahrung von Paris-Roubaix) mit einer Zange beheben. Naja – so hat sich das geläppert.

Vielleicht war deshalb mein Trainings Stress Score etwas niedriger als vom Nordeifel-EXTREM-Marathon Ende Mai. Der war ja mit 256 km und rund 4600 Höhenmeter sogar von den Zahlen noch etwas heftiger. Dort hatte ich einen TSS von 677. Hier bei Les Trois Ballons einen TSS von 649. Ich empfand den Trois Ballons aber etwas härter. Ich führe das auf die längeren Anstiege zurück.

Gerade auch zum großen Belchen hoch: Da habe ich die zweitbeste Leistung über eine Stunde bisher gefahren: 235 Watt. Und das nach 6 Stunden 40 und schon über 100 km und diverse Höhenmeter in den Beinen. Meine beste Stundenleistung bisher habe ich im letzten August gefahren. 249 Watt. Und das war frisch über eine etwas flachere Runde im Rahmen eines persönlichen Zeitfahrtests.

Im letzten Drittel des Grand Ballons merkte ich dann auch meine linken Fußsohle. Da baute sich langsam Druck auf. Ging aber. Später merkte ich dann, dass das linke Fußgelenk gut beansprucht war. Ich hab’s dann am Abend mit Sportsalbe eingerieben. Der Lohn der Mühe war aber, dass ich den Gipfel wie auch die beiden Prozent-Kracher am Anfang (der Col des Chevrères) und am Ende (der Anstieg zum Plateau des Grillauds, die Côte de Beulotte) allein zu erst erreiche. Und ein super Bergtraining absolviere. :)

Zum Schluss, eigentlich noch vor der letzten Verpflegung, können wir alle keine Anstiege mehr sehen. „Da kann doch jetzt nichts mehr kommen?“, „Neee, keinen Bock mehr auf Anstiege.“, „Hmm, es fehlen doch noch 400 Höhenmeter, wo sind die denn…?“, „Das ist jetzt nur eine Welle…“

Die Welle hatte knappe 380 Höhenmeter und hieß Col d’Oderen. Seb unermüdlich voraus, der Rest sofort wieder zurück. Ich dachte zu mir… Orrr, hilft nix, hinterher. Fuhr dann die Lücke wieder zu und weiter ging das gewohnte Spiel. Ohne Nachlassen an der Schwelle gemeinsam bis ganz nach oben. Da dann bis hinter die Kuppe rollen (damit auf jeden Fall das entsprechende Strava-Segment beendet wurde) und dann wieder auf die Kollegen warten… ;-)

Aber danach kam wie gesagt noch der letzte und steilste Kracher der 3 Ballons, der bis mindestens zu 16 – 18 % steile Anstieg zum Plateaux des Grillauds.

Da gingen und schoben nicht wenige… War lustig zu sehen, wie so nach und nach der eine oder andere nach oben blickend schließlich einfach zusammensackte, den Kopf ganz neigte, einfach aufhörte zu pedalieren und dann ausklickte… ;-)

Aber oben auf dem Plateau war es wunderbar. Tolles Licht, rollend flache Landschaft, überall kleine Tümpel, Heurollen, ein kleines Sträßchen hindurchführend auf dem wir auf leicht ondulierendem Terrain rollen konnten… Ein Klasse Abschluss eines tollen Radmarathons. Der zweite, finale Abschluss war dann der Dampfhammer-Zug von Seb auf dem letzten Flachstück zum Ziel hin. Mit 38er Schnitt flogen wir die letzten 8 km flach bis ins Ziel hinein nach Raddon-et-Chapendu. Genial.

Ein kleiner und nicht sehr repräsentativer Ausschnitt des Plateau des Grillauds mit seinen

Ein kleiner und nicht sehr repräsentativer Ausschnitt des Plateau des Grillauds mit seinen „tausend“ Teichen. Hier hätte man viel mehr Zeit mit Fotografieren verbringen können…

Eine tolle Landschaft, anspruchsvolle Kletterei, tolle Ausblicke (sobald sich die tiefhängenden Wolken verzogen hatten) haben Werbung für die Vogesen gemacht. Die Orte, durch die man durchfuhr… Gut war: es waren nicht viele und nur sehr kleine. Alles sehr ländlich, was ich toll fand. Es gibt aber hübschere Orte und Gebäude als in weiten Teilen dort. Aber das soll nicht nachteilig aufgefasst werden – im Meisten ist man wirklich über kleine Straßen durch den Wald oder die Belchen rauf und runter unterwegs.

Die Menschen bei den Verpflegungsstellen und bei den Kreuzungs- und Verkehrssicherungen waren sehr freundlich. Was ich nicht so toll fand, war die Verpflegung selbst – sie war ok, aber nicht berauschend. Gerade die beiden als „Powerbar“ beworbenen Verpflegungsstellen… Da gab’s gerade mal Energie-Getränk und die Performance Bars… Dabei gäbe es doch von Powerbar noch viel mehr…

Naja – dafür fand ich das Trockenobst, die Bananen-Stücke (kaum angerührt), die Orangen-Viertel (oh jaaa! :)) und Baguette-Brot mit Salami und mit Camenbert super und voll ausreichend. Wobei – an einer Verpflegungsstelle war Käse und Salami aus.

Und es war ziemlich dreckig rund um die Verpflegungsstellen… Das kenne ich sonst nicht so.

Gesamturteil: Ja – sollte man mal gemacht haben. Ein zweites Mal würde ich die Vogesen dann aber alleine oder in der Gruppe selbstorganisiert fahren.

Der Abend

Im Ziel geben wir die Transponder zurück und tauschen das Pfand gegen eine Goldmedaille als Erinnerungsstück ein. Danach gibt es zwei kühle Bier als Erfrischung. Als ich danach wieder auf den Bock steige, bin ich auch bocksteif… Wir fahren mit dem Rad zu unserem Domizil und machen uns sofort an die Zubereitung des Abendessens.

Gut ausgestattete Küche mit rustikalem Herd. Foto: Marko.

Gut ausgestattete Küche mit rustikalem Herd. Foto: Marco.

Ich zimmere mir zuvor aber noch eine erste Recovery-Mahlzeit rein. Eine Schüssel Bircher Müsli mit Nutella und Milch. :)

Wir haben zwei tolle Nudel-Rezepte am Start und bald duftet es nach Knoblauch, Gewürzen, Tomaten, Oliven und Süßkartoffeln im ganzen Haus. Das Nudelwasser wird aufgesetzt und… plötzlich ist der Strom weg… öha. Nach geraumer Fahndung kann der Saft an einem Hausanschlusskasten außen am Haus wieder bereit gestellt werden. Die Kerzen, die wir schon herausgesucht haben, bleiben am Tisch und sorgen für gemütliche Stimmung. Endlich können wir auch Natascha und Jens begrüßen, die den Weg zu uns gefunden haben.

Wir verbringen einen tollen, lustigen, leckeren und später dann auch leicht feuchten Abend gemeinsam. Andi hatte leckeren Rotwein von einem Winzer am Mont Ventoux mitgebracht. Später gab es noch Gin Tonic für die Bettschwere. Total unnötig, soll aber ein dufte Recovery-Getränk sein. Oder haben die mich da etwa beschummelt? ;-)

Gedeckter Tisch. Foto: Marko.

Gedeckter Tisch. Noch ohne Kerzen. Noch ohne Wein. Und ohne Spoochies :) Foto: Marco.

Was für ein geniales, aber leider viel zu kurzes Wochenende in den Vogesen. Hier und genau auf solche Weise sollten wir noch mal hin kommen und einen Rad-Urlaub verbringen, versichern wir uns…

Distanz: 230,1 km (inklusive Hinrollen zum Start), Höhenmeter: 4031 m (Garmin Edge 1000 sind notorisch bescheiden, was die Höhenmeteraddition angeht), Zeit: 12 h 26 m (brutto), Durchschnittsgeschwindigkeit: 18,4 km/h, Durchschnittsgeschw. in Bewegung: 24,6 km/h, Durchschnitts-HF: 128

Link zu Strava.

In kleiner, exquisiter Gruppe durch die Eifel.

Nordeifel-EXTREM-Marathon – extrem toller Rennradsamstag

Rad fahren

Letzte Woche stand die Frage im Raum, wer denn noch mit nach Euskirchen kommen wollte. Der RSV Euskirchen hätte da eine sehr schöne Strecke und man wollte die lange Strecke fahren. Die richtig lange Strecke. Die Euskirchener nennen diese:

Nordeifel-EXTREM-Marathon.

Hmmm: 256 km und rund 4600 Höhenmeter wurden dort aufgerufen.

Tolle Daten, die Respekt einflößen und die man nicht so zwischen Tür und Angel fährt. Oder doch? ;-) Das Wetter versprach, trocken zu bleiben (tat es) und die Temperaturen moderat (wich doch stark nach unten ab – der Windchill tat sein Übriges).

Und ich will dieses Jahr ja auch schließlich noch den Ötztaler Radmarathon fahren (auch irgendwie zwischen Tür und Angel, denn so richtig Urlaub dafür habe ich nicht übrig). Wäre also eine gute Trainigsfahrt, denn wann fahre ich schon mal an die oder über 200 km? Richtig – bis auf zwei, drei Mal noch gar nie! ;-) Hier gibt’s übrigens einen Bericht von meiner bisher längsten Fahrt über 263 km – solo und mit 3536 Höhenmetern.

Eifelhorizont

Eifelhorizont

Und: bisher kannte ich die Eifel nur von den 24 Stunden am Nürburgring. Die Strecke und die Beschreibung auf den Seiten des Radsportvereins Euskirchen versprachen eine tolle Gelegenheit für richtig viel (Nord)Eifel-Genuss.

Überhaupt: Daumen hoch für Umfang und Güte der Veranstaltungsinformationen! Informationen zur Strecke, Downloadlink der Tracks, zu Sehenswürdigkeiten (sogar per Audiofiles), zu den Anstiegen – sehr gut! Das hat richtig Lust geweckt.

Auf der Strecke dann: übliche, gute Ausschilderung mit Pfeilen, wie man es so von RTFs kennt. Dazu dann noch überall Schilder, wenn Gefahrenstellen lauern könnten („Achtung“, „Bremsen“ etc.), Hinweisschilder mit Länge, Durchschnittsgradient, Höhenmetern und Sternewertung am Fuß der Anstiege und auf der Straße mit Markierungen versehen Schlaglöcher (von denen es wenige gab – überwiegend war die Oberflächenqualität sehr gut).

253 km durch die Nordeifel. Die meisten davon über solch schöne und absolut unbefahrene Nebenstraßen mit sehr gutem Zustand und glatten Asphalt.

253 km durch die Nordeifel. Die meisten davon über solch schöne und absolut unbefahrene Nebenstraßen mit sehr gutem Zustand und glatten Asphalt.

Und großes, großes Lob für die Qualität der Strecke als solches und den Mut, wirklich einen „Extrem“-Marathon mit solch vielen und auch vielen knackigen Anstiegen anzubieten. So beeindruckten nicht nur Landschaft und die absolut verkehrsarme Streckenführung auf den vielen kleinen Nebensträßchen (lebt überhaupt jemand in der Eifel? Man wähnte sich fast auf einer komplett abgesperrten Strecke…) sondern auch solche Kracher wie Reifferscheider Burgberg. Auf einer Länge von 360 m galt es im unteren Teil „nur“ 37 Höhenmeter zu überwinden, aber bei max. 18 % und von einer Abfahrt kommend direkt rein in knüppelhartes, fettes Kopfsteinpflaster. Die Euskirchener haben den Anstieg daher auch liebevoll „Kleiner Koppenberg“ getauft. Der zweite Klopper ist der Kirchberg: 91 Höhenmeter wollen auf 720 m überwunden werden und dafür kurbelt man dann schwer bei einer maximalen Steigung von 21%. Sehr genial! ;-)

Kurvig auf und ab durch die Nordeifel.

Kurvig auf und ab durch die Nordeifel.

Ich habe das erste Mal im Rahmen einer RTF an einem Marathon (sonst bin ich nur bei richtiggehenden Alpenmarathons und Cyclosportivs am Start) teilgenommen und habe so keinen Vergleich zu sonstiger RTF-Marathon-Verpflegung. Fand diese völlig ok und gut. Sehr schön war, dass es an jeder Kontrolle richtiges Brot mit Leberwurst oder Frischkäse, nebst Salzstangen etc. gab. Das ist doch für so einen Tag im Sattel viel brauchbarer als der ganze Süßkram, den es sonst so gibt. Z.B. Waffeln und so. A pro pos Waffeln – die gab es natürlich auch. Aber nicht die billigen Dinger, sondern die leckeren dicken belgischen Waffeln. Da ich die in Belgien bei der Flandern-Rundfahrt und bei L-B-L allerdings zu genüge hatte, verzichtete ich darauf. Bis zur letzten Kontrolle. Da gab es sogar Kaffee! Oh wie genial – gerade bei dem sehr kühlen Tag. 10° Celsius war’s im Schnitt. Ein Kaffee und dazu eine belgische Waffel und dann nur noch 28 km bergab bis flach zum Ziel… Ahhhh, wie geil! :)

An der 2. Kontrolle und Verpflegung in Antweiler.

An der 2. Kontrolle und Verpflegung in Antweiler.

Geil war der ganze Tag. Und dazu hatte auch meine Gesellschaft großen – ach was, den größten :) – Anteil. Ein toller langer Tag mit Natascha, Jens, Seb, Ralf, Stefan und David. Schönes Fahren in der Gruppe. Gute Unterhaltung. Abwechseln im Wind, nebeneinander auf den ganzen kleinen Sträßlein und zum Schluss fast ein richtiggehender belgischer Kreisel bis nach Euskirchen hinein.

Distanz: 252,5 km, Höhenmeter: 4208 m, Zeit: 11 h 28 m (brutto), Durchschnittsgeschwindigkeit: 22,0 km/h, Durchschnittsgeschw. in Bewegung: 24,9 km/h, Durchschnitts-HF: 127

Auf Strava:

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