GPS-Radcomputer: Wahoo ELEMNT / Elemnt Bolt vs Garmin Edge 1000

Rad fahren, Produkttests

Oder: Was ihr schon immer über GPS-Fahrradcomputer wissen wolltet, aber nie zu fragen wagtet.

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Der folgende Beitrag beschreibt meine Test-Eindrücke und Erfahrungen mit dem Wahoo Elemnt. Ich werde darüber hinaus stets den Bezug und den Vergleich zur Garmin Edge Serie, hier im speziellen meinen Edge 1000 setzen.

Warum? Kein Gerät existiert im luftleeren Raum. Es ist immer eine (Luxus-)Frage, welches Modell welchen Herstellers wir uns für unsere Bedürfnisse zulegen. Egal ob das Radcomputer sind, ob das andere Radkomponenten sind oder ganz etwas anderes, wie ein Küchenmixer oder ein Fernseher.

Wie gut werden die verschiedenen Bedürfnisse abgedeckt, auf welche Weise werden sie erfüllt? Und selbst, wenn alles nahezu perfekt sein sollte – für welchen Preis kaufe ich mir das ein und ist das andere Gerät des anderen Herstellers dann nicht doch attraktiver, weil es meine Bedürfnisse nur zu 95 % abdeckt, aber halt eben zur Hälfte des Preises?

Und nichts, was wir Menschen machen, ist perfekt. „Irgendwas ist ja immer“ (TM). Das bedeutet nichts anderes als: Gerät x erfüllt Anforderung 1-4 zu 100 %, Anforderung 5-6 nur zu 80 %, Anforderung 7 gar nicht. Hat dafür aber Feature 8-10 die für meinen Bedarf absolut unnütz sind. Gerät y erfüllt Anforderung 1-3 vielleicht nur zu 90 %, Anforderung 4-6 zu 100 % usw. Ihr seht, was ich meine. Um diese Fragen drehen sich unsere Gedanken, wenn wir überlegen, soll es z.B. der Garmin Edge 1000 sein, oder der 820, oder z.B. der Wahoo Elemnt oder Elemnt Bolt.

Ganz normale Fragen also. Diese Erwägung sollte doch selbstverständlich sein, ich schreibe dies aber extra vornweg, weil doch tatsächlich schon mal jemand angemerkt hätte, dass ein Vergleich doch nicht zielführend sei – da ging es um Schaltungen und deren Bedienkonzepte… oh, und wie das zielführend ist und sein muss!

Was ich ebenfalls noch erwähnen möchte:
Ich besitze schon seit 2,5 Jahren meinen Garmin Edge 1000. Habe davor seit 2011 einen Garmin Edge 800 genutzt. Und davor eine Garmin Forerunner 305 GPS-Uhr.
Ich besitze nun seit 5 Wochen ebenfalls meinen Wahoo Elemnt.

Also: Garmin Edge 1000 und Wahoo Elemnt beide selbst bezahlt, beide in meinem Besitz. Ich muss kein Gerät besser oder schlechter finden, weil ich mir nur eines davon leisten kann oder ich eines davon von irgendjemandem gestellt / geschenkt bekommen habe.

Und ich werde sie beide nach ihren jeweiligen Stärken und Schwächen weiter benutzen. Bedarf gibt es bei mir genug. Ob in Zukunft vielleicht der Wahoo mehr und mehr und schließlich alleine genutzt wird – das wird die Zukunft weisen.

Das Potenzial dazu hat er. Und das ist schon mal die gute Botschaft vorweg: Mit dem Wahoo Elemnt existiert erstmals seit der Erfindung der GPS-gestützten Radcomputer eine für mich echte Alternative zu den Garmin-Geräten!

Mit dem Wahoo Elemnt existiert erstmals seit der Erfindung der GPS-gestützten Radcomputer eine für mich echte Alternative zu den Garmin-Geräten!

Was verstehe ich unter einem GPS-fähigen Radcomputer als Trainings-Compagnon?

Da jeder sicherlich verschiedene Ansprüche hat, möchte ich hier meine Bedürfnisse und Ansprüche an einen GPS-fähigen Radcomputer darlegen und die Zielgruppe schärfen.

Es gibt so viele unterschiedliche Arten und Motivationen, sich mit dem Rad fortzubewegen. Als Weg von und zur Arbeit, als Wochenendausflügler mit Touren- oder Elektrorad über Radwege und Bahntrassen, durch die Stadt als Alltagsrad, mit dem Moutainbike über Trails und durch Wälder, mit diversen Rädern quer durch Europa oder über die Welt – entweder als monatelange Reise oder als Rennen und auch mit dem Rennrad zum Training, für lange Ausfahrten und Rennradurlaube, z.B. in den Alpen.

Wenn denn bei den als erstes genannten Nutzergruppen überhaupt der Bedarf nach einem GPS-fähigem Gerät für den Fahrradlenker Bedarf besteht, dann vielleicht nur zur gelegentlichen Routenfindung oder vielleicht, um das Näherkommen des Wochenziels bei der Zahl der Verbrauchten Kalorien oder zurückgelegten Kilometer zu dokumentieren (Fitnesstracker und Co lassen grüßen). Da reicht dann auch das Smartphone oder ein ganz einfaches Gerät, ganz ohne GPS, weil das gar nicht im Fokus steht. Dann sind solche Dinge wie Batterielaufzeit auch völlig unerheblich bzw. gehen eher in die Dimension: Muss ich die Knopfzelle einmal pro Jahr oder nur alle 2 Jahre wechseln.

Am anderen Ende der Skala stehen vielleicht Bikepacker und Radreisende. Hier hat oftmals die Navigation die größte Wichtigkeit (aufgemerkt – hier spreche ich noch nicht Spezialthemen wie „Routing“ an, hier geht es rein um das wissen, wo bin ich, was ist um mich herum, wo will ich hin und wie mache ich das am geschicktesten. Das kann durch Auswahl der Straße sein, der man dann einfach folgt, durch nachfahren einer vorgeplanten Strecke oder teilweise auch: ein Routing). Auch die Akkulaufzeit ist wichtig bzw. noch wichtiger: Hat das Gerät auswechselbare Batterien oder Akkus und können diese während des Betriebes problemlos geladen werden. Trainingsdaten und deren Aufzeichnung (Herzfrequenz, Geschwindigkeit, Trittfrequenz und ggf. Leistung) spielen untergeordnete Rolle oder sind komplett egal. Das Pendel schwingt hier daher oft zu reinen GPS-Outdoor-Geräten und gar nicht mal zu Radcomputern.

Und dann gibt es das große Mittelfeld (oder auch die Nische – je nachdem, von wo man schaut), der motivierten Rennrad- und MTB-Fahrer. Egal ob sie jetzt nur am Wochenende wirklich zum Fahren kommen (Weekend-Warrior) oder einem ambitionierten Trainingsplan auch unter der Woche folgen.

Die wollen fast immer mindestens zwei Dinge wissen: „Wie schnell fahre ich? / bin ich gefahren?“, „Wie hoch ist / war meine Herzfrequenz?“ (als schon langjährig mit preiswerten Mitteln verfügbare Trainings- bzw. Belastungsmetrik) und seit vielen Jahren auch „Wo bin ich gerade? / Wo war ich eigentlich gewesen?

D.h. hier haben wir vier Komponenten:

  • die GPS-Fähigkeit
  • Kopplung von externen Sensoren für weitere Daten (z.B. Herzfrequenz-Sensor, Trittfrequenz-Sensor etc.)
  • Darstellung der aktuellen Daten dieser Sensoren in geeigneter Weise (zur Neugierbefriedigung, zur Orientierung, zur Trainingssteuerung und auch für das Wettkampf-Pacing)
  • Aufzeichnung dieser Werte, um sie sich im Nachgang genauer anzusehen (Auswertung im Gerät und unbedingt auch in geeigneter Software zur Trainingssteuerung und als Grundlage der Trainingsplanung bzw. aber auch: zur Neugierbefriedigung und Katalogisierung (wie oft bin ich eigentlich schon diese Runde / diesen Anstieg gefahren, wie war da eigentlich meine Bestzeit), als Tourentagebuch und auch als soziale Komponente über solche Trainingsportale wie z.B. Strava, die gleich mehrere dieser Bedürfnisse erfüllen)

Ich selbst fahre viel Rad. In früheren Jahren viel mehr Mountainbike, heutzutage viel mehr Rennrad, etwas mit dem Crosser querfeldein und ab und an mit dem Mountainbike. Egal auf welchem Rad ich sitze, und selbst wenn es mein Singlespeed-Bike für den Trassenbummel ist, will ich die gefahrene Strecke aufzeichnen.

Darüber hinaus habe ich mittlerweile an allen Rädern (bis auf mein Mountainbike), Leistungsmesser installiert. Einen Herzfrequenzgurt lege ich auch immer an. D.h. das sind direkt schon mal mindestens 3 Metriken, die als externe Sensoren zu koppeln und darzustellen / aufzuzeichnen / auszuwerten sind (drei, weil vom Leistungsmesser nicht nur Watt, sondern auch Trittfrequenz samt weiteren abgeleiteten Daten geliefert wird). Man könnte auch einen separaten Geschwindigkeitssensor nutzen, bis auf mein Bahnrad (mangels GPS in der Bahnradhalle) nutze ich aber ausschließlich das GPS-Signal für die Geschwindigkeitsangabe und -aufzeichnung. Viele dieser Sensoren sind noch rein für den ANT+ Standard ausgelegt. Zwar kommt mehr und mehr Bluetooth Smart hier ins Spiel und hat auch seine diversen Vorteile. Aber es wird wahrscheinlich noch eine ganze Weile so sein, dass ein Radcomputer ohne ANT+ Fähigkeit von vornherein zu beschränkt in seinen Einsatzfähigkeiten ist. Ich schaue hier auf dich, Polar.

Neben einer Vielzahl von interessanten Sensoren sind es z.B. auch diverse Rollentrainer und Ergometer, die sich ebenfalls per ANT+ steuern und auslesen lassen. Gleiches gilt z.B. für diverse Schaltungen, wie die Shimano Di2, SRAM Red eTap und Campagnolos EPS. Ein entsprechend ausgestatteter Radcomputer mit ANT+ Fähigkeit kann auch diese Schaltungen koppeln und dann schön darstellen und aufzeichnen, in genau welcher Gang-Kombination man sich gerade befindet oder wie oft man vorn und hinten geschaltet hat (das sind jetzt keine weltwichtigen Funktionen, zeigt aber die Vielfalt auf und ich finde es sehr interessant). Shimano und Garmin gehen sogar noch einen Schritt weiter und erlauben es, den Garmin über verborgene Taster in den Schalt-Bremsgriffen der Dura-Ace zu bedienen. Campagnolos EPS ist in der Version 3 auch Bluetooth Smart fähig. Für Shimano Di2 benötigt man für die drahtlosen Funktionen (sowohl ANT+ als auch Bluetooth) ein optionales Bauteil zum Anschluss (D-Fly Wireless Unit). SRAMs eTap kann nur ANT+.

Karten- und Wegführungsfunktionalität

Allen Sensoren zum Trotz, ambitioniertes Training hin oder her – ich mag es auch, einfach mal in’s Blaue zu fahren und die Gegend zu erkunden. Mit oder ohne Vorbereitung.

Ohne Vorbereitung heisst das: „Oh, dieser kleine Abzweig da – wo mag denn der hinführen?“ Gut, dass kann man ja noch durch Erfahren (im Wortsinn) herausfinden.

Aber auch „Hier muss doch irgendwann ein Abzweig in die Richtung folgen, in die ich eigentlich grob möchte. Ist es dieser Weg oder wird er mich in eine Sackgasse oder auf einen Singletrail führen?“. Dann weiss ich es zu schätzen, das direkt auf dem Display des Radcomputers machen zu können. Ohne jedesmal das Smartphone aus der Rückentasche und seiner Hülle herauspfriemeln zu müssen.

Und mit Vorbereitung heisst das: Ich bin in einer Gegend noch nicht wirklich Ortskenntlich bzw. ich bin vielleicht in einer Urlaubsregion. Dann liebe ich es, mir entweder selbst meine Strecke vorzuplanen (weil ich z.B. in etwa 100 km fahren will oder weil ich an einem oder mehreren speziellen Zielen vorbeifahren möchte) oder von anderen geplante oder gefahrene Strecken herunter zu laden. Wohlgemerkt: Selbst geplante oder empfehlenswerte vorgefahrene Strecken. Hier soll keine Routingfunktion einer Software oder des Radcomputers im Nachhinein dran herumpfuschen. Ich muss es so hart formulieren.

Nichts ist schlimmer, als wenn euch eine Routingfunktion eine konkrete Strecke unbemerkt oder ohne Eingriffsmöglichkeit verschlimmbessert! Leider ist die Technik noch nicht soweit, als dass ein automatisches Routing alle Bedürfnisse eines Radfahrers erfüllen kann. Diese Bedürfnisse wechseln auch. Von Art zu Art – Pendler, Touring, MTB, Rennrad. Und von Tag zu Tag – heute mal bummeln und mit dem Crosser auch über Waldwege, morgen mit dem Rennrad zügig nur über Asphalt, übermorgen mit schweren Beinen bloss keinen einzigen Meter über Anstiege, lieber 30 km Umweg, dafür aber dann flach.

Dann sind die Implementierungen auch oft nicht frei von Fehlern (Garmin, ich schaue besonders dich an) und die beste Software hat keine Chance, wenn die Datengrundlage unvollkommen ist. Diese wird zwar ständig besser und das auch über Crowd Sourcing (Open Street Map), aber für die oben genannten Ansprüche muss da eine Vielzahl von Parametern absolut umfänglich und korrekt geführt werden: Art der Befestigung, Art des Weges, Verbindungen, Steigung etc.

Routingfunktionen sind mir persönlich in zwei Anwendungsfällen durchaus hilfreich und willkommen.

  • Man hat sich irgendwo in fremder Umgebung total verfranzt und muss einfach nur schnell den Weg zum nächsten Bahnhof oder Hotel finden (was hoffentlich total selten der Fall ist)
  •  Während des entspannten Vorplanens einer Strecke (was der Übersicht und dem Bedienkomfort halber nicht auf einer App eines Smartphones und schon gar nicht auf dem Radcomputer erfolgt, sondern in jedem Fall am Desktop-Computer oder auf dem Notebook) verbindet die Software zwei angeklickte Punkte automatisch entlang der jeweiligen Wegeverbindungen. Klick für Klick entsteht dann die gesamte Route. Je nach Komplexität und Anspruch kann auch das durchaus mit zwei Klicks für Start- und Endpunkt erledigt sein und das erhaltene Ergebnis gefällt. Dann bitte aber nichts mehr daran ändern! Weder beim importieren auf das Gerät noch in der Software!

Auch hier wissen Garmin-Nutzer ein Lied davon zu singen. Ist die Routingfunktion des Garmin Edge (egal welches Modell) nicht ausgeschaltet, kann man für nichts garantieren, was der Edge aus einer importierten, als Track perfekt nachfahrbaren Strecke macht. Selbst im Zusammenspiel mit der (von der Benutzerführung nicht sehr komfortablen und gewöhnungsbedürftigen) Software BaseCamp von Garmin und dem Berücksichtigen von allen zugehörigen Tricks und Kniffen ist man vor Routingfehlern und Eigensinn des Garmin Endgerätes nicht gefeit. Erste Regel für alle Garmin Edge muss daher (auch mit den neuesten Geräten und von mir ad nauseum auch nochmals nach Erwerb des Edge 1000 getestet) lauten: Routing Funktion standardmäßig ausschalten.

Tracks nachfahren hingegen: ja bitte! Was verstehe ich darunter? Die Strecke ist fertig geplant oder aus einem von vielen Tourenportalen oder auch von Strava heruntergeladen und wird auf den Radcomputer importiert. Am liebsten klassisch über USB-Verbindung, gerne auch, wenn gut implementiert, über WLAN oder Bluetooth. Der Pfad dieser Strecke ist dann auf der Kartendarstellung des Radcomputers eingeblendet und man fährt einfach dieser Linie nach. Das geht super, man braucht auch keine Abbiegehinweise oder Pfeile – obgleich das schon schön wäre, wenn das Gerät diese bietet. Ist aber (im Falle Garmins muss ich ein „leider“ dazu setzen) mit der Routingfunktion gekoppelt, was nur in Teilen technisch erforderlich ist. Es würde auch reichen, Abbiege-Cuesheets in geeigneter Form in der Trackdatei vorzufinden, diese auszuwerten und sich daran zu halten (wie es der Wahoo Element kann).

Optional ergänzend kann man sich durch Signaltöne alarmieren lassen, wenn man von diesem Pfad abweicht. Also z.B. falsch abgebogen ist. Ein kurzer Blick auf das Kartendisplay und man sieht: „Oh ja, ich hätte ja rechts gemusst und folge diesem Weg dann die nächsten Kilometer“. Dann kann man auch ohne Routing-Hinweise beruhigt auf andere Screens wechseln, die z.B. Geschwindigkeit, Herzfrequenz, Steigung, Temperatur oder was auch immer anzeigen.

Oder es ist so kniffelig und die Abzweige so dicht aufeinanderfolgend und die Gegend total unbekannt, das man am besten einfach immer die Kartenansicht beibehält. Gut und wichtig ist dann, dass man sich ein paar wesentliche Parameter auch in der Kartenansicht zusätzlich darstellen kann. In meinem Fall ist das Leistung und Herzfrequenz. Damit habe ich alles im Blick, was ich unbedingt brauche, auch im Urlaub oder während einer RTF oder einer Tourenveranstaltung, die ja teilweise nur noch ganz wenige kritische Stellen ausschildern und ansonsten auf das Nachfahren des offiziellen Tracks des Events setzen (der letztjährig zum ersten Mal stattgefundene Votec Gravelfondo im Schwarzwald zum Beispiel). Auch hier ist es natürlich von eminenter Bedeutung, dass keine Routingfunktion im Gerät versucht, an einem solchen offiziellen Track herumzupfuschen und die vielen Trackpoints nur als lose Empfehlung bar jeder Reihenfolge und Richtung wähnt…

Ortungsqualität:

Das mag machen aus der eigenen Erfahrung gar nicht so wesentlich vorkommen. Vielleicht, weil sie auf dem eher flachen Land wohnen und nur dort fahren. Wer aber im Mittelgebirge oder auch in den Alpen umherfährt, der wird schon sehr oft beobachtet haben, wie stark der aufgezeichnete Track des Gerätes neben der eigentlichen Straße auf der Karte liegt. Das ist z.B. in engeren Tälern oder an Berghängen der Fall. Signalreflexionen und Abschattungen machen es dem Gerät hier schwierig, die exakte Position zu ermitteln. Diverse Algorithmen können diese Fehler mildern, filtern oder sogar verstärken. Hinzu kommt die Aufzeichnungsdichte bzw. das Aufzeichnungsintervall.

Mit dem Ergebnis, dass Serpentinen gar nicht mehr als solche erkennbar sind, das Tracks meterweit neben der Straße verlaufen und und und.

Wer das jetzt als kosmetisches Problem abtut, der wohnt wie gesagt vielleicht in einer Gegend, in dem ihn das weniger betrifft oder er ist sich der Folgen auch nicht bewusst. Bzw. sie spielen für ihn nicht so eine Rolle.

Warum ist das ein Problem:

  • die gefahrenen Gesamtkilometer werden vielleicht etwas beeinflusst. Wird sich oft herausmitteln (mal zu kurz, mal zu lang, in der Summe einer Fahrt wird es oft passen) und ist wahrscheinlich das geringste Problem
  • Wird das GPS-Signal und der Wegesfortschritt gleichzeitig als Geschwindigkeitsangabe und -aufzeichnung benutzt, springt diese im Wald oder in Tälern und an Hängen deutlicher hin- und her. Das ist unschön, gerade für die gute Daten bei solchen abgeleiteten Werten wie Steigleistung (Höhenmeter pro Sekunde)
  • Wird das Höhenprofil nicht barometrisch gemessen, sondern rein aus dem GPS-Signal trianguliert (am schlechtesten) bzw. aus dem Abgleich des Tracks mit der Geländetopographie ermittelt (für Details dazu siehe auch meinen Artikel zum Thema wie Höhenprofile ermittelt werden), dann wird immer dann ein Fehler erhalten, die Höhe falsch summiert, ein Zacken im Profil erzeugt, wenn der Track von der Straße abweicht und statt dessen 10 oder 30 Meter links oder rechts in der Böschung liegt. Im Zweifel ist dieser Punkt im Gelände nämlich zig Meter höher oder tiefer als die eigentliche Straße. Das ist sehr, sehr unbefriedigend. Insbesondere, wenn man im Nachgang versucht, die gefahrene Leistung aus dem Höhenprofil und der Fortbewegungsgeschwindigkeit zu berechnen. Passt dann überhaupt nicht. Sonst wäre es eine sehr gute Näherung.
  • Das automatische Abgleichen von Segmenten (Strava hat es vorgemacht) ist eine ganz tolle Sache. Zur Motivation. Zur Leistungsverfolgung. Das geht natürlich nur, wenn der aufgezeichnete Track mit dem tatsächlichen Segmentverlauf übereinstimmt. Und nicht zufällig mal einen Zacken nach links hat. Oder 3 Kilometer lang 50 meter rechts vom eigentlichen Weg verläuft. Nichts ist schlimmer, als sich akribisch auf eine persönliche Bestleistung oder einen King of Mountain (KOM) Versuch vorzubereiten und sich dann die Lunge aus dem Leib zu fahren, um zu sehen, dass das Segment auf Strava nicht erkannt wird…

Also: Qualität der Ortung und des Tracks. Ganz wichtig. Hier war mir in der Vergangenheit der Garmin Edge 800 durchaus negativ aufgefallen. Und das, obwohl doch Garmin sich als die GPS-Company bezeichnet und diese ja diverse gute GPS-Geräte anbieten. Aber: Smartphones hatten sich fortentwickelt, die Edge-Reihe von Garmin nicht. Und so waren die testweise mit dem iPhone aufgezeichneten Tracks durchwegs von höherer Qualität als die des Edge 800.

Das hatte mich zum Schluss so gestört, dass ich alleine deswegen zum damals neu herausgekommenen Edge 1000 gewechselt bin. Denn dieser hatte endlich (wie auch der parallel eingeführte Edge 510) zusätzlich zur GPS-Funktionalität auch noch die Möglichkeit, die GLONASS-Satelliten zu nutzen. Damit wurde er wieder so gut, wie ich mir das erwartet habe und wie man es für sinnvolle Trackaufzeichnung überall auf der Welt, außer in Flachlandarealen, auch benötigt.

Akkulaufzeit:

Der schönste und tollste Radcomputer nützt nichts, wenn ihm vorzeitig die Puste ausgeht. Eine gewisse Betriebszeit muss also vorausgesetzt werden. Diese sieht sicherlich bei jedem etwas anders aus. Aber: die Ausfahrten, die man so meist macht, die sollte ein solches Gerät doch überdauern können. Und zwar in einer gerätetypischen Nutzung. Dass bedeutet auch, dass z.B. Sensoren gekoppelt sind, dass man sich mal verschiedene Bildschirmseiten anschaut, dass man im Winter und den Übergangsjahreszeiten auch mal abends etwas Displaybeleuchtung braucht und das man auch mal auf die Karte schaut. Bzw. das Gerät piepst, blinkt oder einen Pfeil zeigt, wenn (wenn Routing funktioniert) denn beim Nachfahren einer Strecke auf eine Abzweigung hingewiesen wird.

Klar ist auch: immer größere Displays, feine Auflösung, viele Funktionen (nicht alle davon braucht jeder, aber vielleicht jeder ein paar andere), wie z.B. Kopplung mit dem Smartphone, Anzeige von eingegangenen Nachrichten – all das kostet Akkuleistung.

Meine Anforderung dennoch: der Radcomputer muss eine in sich abgeschlossene, kompakte Einheit am Lenker des Fahrrades sein, die ohne Zusatz-Akkupack mindestens einen Tag auf dem Rad übersteht.

Meine Anforderung dennoch: der Radcomputer muss eine in sich abgeschlossene, kompakte Einheit am Lenker des Fahrrades sein, die ohne Zusatz-Akkupack mindestens einen Tag auf dem Rad übersteht. Damit meine ich, mindestens 10, besser 12 Stunden. Und zwar ohne dass ich mir nach 8 Stunden schon Sorge machen muss, ob die Akkuladung noch bis ins Ziel reicht. Manchem mag das vielleicht schon sehr lange vorkommen. Aber, solche Tage sind bei mir nicht selten. Egal ob das der Ötztaler Alpenmarathon ist oder der örtliche Extremmarathon, der über 250 km solo durch’s Mittelgebirge führt. Oder ob das ein 24 Stunden-Rennen am Nürburg-Ring in der 4er Staffel ist. Oder ob es ein ganz normaler Urlaubstag mit dem Rennrad ist, wo ich nach dem Frühstück auf’s Rad steige und spät zum Abendessen wieder im Hotel bin. Das muss das Gerät abdecken.

Für alles Längere und Extremere: 24h Solofahrt, Bikepackingtrips nonstop über viele Tage (zum Beispiel das Transcontinental Race an dem ich dieses Jahr teilnehmen werde), da kommen dann Sonderlösungen zum Zug. Da ist es erforderlich und nachvollziehbar, einen Akkupack oder eine Stromversorgung über Nabendynamo anzuschließen.

De Fakto ist es beim Garmin so: 15 h stehen zwar in den Technischen Daten, werden aber bei weitem nicht erreicht. Ein bisschen Window Dressing muss man sicherlich von jedem Hersteller erwarten. Da werden bei Verbrauchswerten und Laufzeitangaben natürlich immer alle Optimalbedingungen angesetzt, um einen schönen Wert hinschreiben zu können. Bei Garmin klafft aber dennoch eine nicht nachvollziehbare Riesenlücke zwischen tatsächlicher Laufzeit und angegebener Laufzeit. Im Gegensatz zu Wahoo.

Zuverlässigkeit:

Ganz wesentlich. Alles kann wunderbar sein – wenn ich mich auf das Gerät nicht verlassen kann, ist alles vergebens.

Neigt es zu Abstürzen bzw. zum Einfrieren? Sind nach Abstürzen alle Daten weg oder kann ich nach Neustart wenigstens ohne Datenverlust weitermachen? Werden aus unerfindlichen Gründen die Daten nach dem Aufzeichnungsstopp schon mal nicht sauber geschrieben und enden in einer korrupten Datei?

Ganz wichtig!

Zum Garmin Edge 1000 kann ich hier sagen – toi toi toi – endlich mal ein zuverlässiges Garmin Edge Modell! Ist bei mir über Jahre wirklich in diesem Sinne sehr positiv aufgefallen.

Den Wahoo Elemnt habe ich erst viel zu kurz, hierzu kann ich bei ihm noch nicht viel sagen.

Sinnvolle Bedienung:

Sinnvolle Bedienung und Ergonomie hat zwei Komponenten: Nutzerführung und physikalische Bedienbarkeit.

Unter Nutzerführung fallen solche Dinge wie verschachtelte oder geradlinige Menüs, viele oder wenige Schritte bis zur gewünschten Funktion etc. Unter physikalischer Bedienbarkeit fällt übergreifend zum Beispiel der größte Unterschied zwischen Garmin Edge 1000 / Edge 820 oder Wahoo ELEMNT / ELEMNT Bolt bzw. auch Garmin Edge 520. Letztere drei werden über Tasten und Knöpfe bedient, die ersten beiden werden über Touchscreen bedient. Bei den Wahoo ELEMNT Radcomputern kommt das Smartphone als unbedingt notwendiger Systembestandteil hinzu. Die Konfiguration der Bildschirmseiten und Funktionen wird zum größten Teil über die zugehörige App auf dem Smartphone erledigt.

Beide Ergnonomie-Komponenten unterliegen dabei zum einen natürlich persönlichen Vorlieben aber vor allem auch Sicherheitsaspekten! Schließlich werden einige Funktionen auch während der Fahrt benutzt.

Ich möchte hier die Frage stellen: sind Touchscreens für Outdoor-Geräte geeignet?

Habt ihr schon mal im Regen euer Smartphone benutzt? Die neueren sind ja schon etwas wasserdicht, oder? Macht man aber normalerweise nicht. Geht auch nicht wirklich gut. Habt ihr es schon mal mit Handschuhen benutzt? Ahhh, da gibt es ja spezielle, die extra leitfähige Fäden eingewebt oder aufsublimiert haben. Mit denen geht es. Aber auch nicht so super. Man trifft damit nicht wirklich gut, oder? Wenn es dickere Handschuhe sind, wird’s noch schlechter. Meistens haben die ja sowieso keine extra Touchscreen-Fäden. Dann geht es überhaupt nicht.

Der ältere Garmin Edge 800 hatte auch einen Touchscreen. Einen resistiven. D.h. anders als unsere Handys musste man hier auf den Bildschirm drücken. Das funktionierte super. Ob mit oder ohne Handschuhen. Die mussten auch keine Speziellen sein. Regentropfen, Tau, hohe Luftfeuchtigkeit – alles kein Problem. Gut, prinzipiell waren diese Touchscreens nicht ganz so kontrastreich, wie normale Displays oder unsere modernen kapazitiven Touchscreens. Aber sonst – an der Bedienfähigkeit des Garmin Edge 800 hatte ich unter keinen Umständen – ob Sommer oder Winter – jemals etwas zu bemängeln.

Beim aktuellen Garmin Edge 1000 hat sich Garmin wohl gedacht: das Display darf gerne kontrastreicher sein und kapazitive Touchscreens, wie man sie von Handys kennt, ermöglichen das. Und im Prinzip ermöglichen sie auch präzisere Eingabe. Im Prinzip. Nicht allerdings bei Garmin!

Das hat einen nachvollziehbaren Grund und dieser wird wahrscheinlich auch durch einen von mir vermuteten Grund noch verstärkt.

Der von mir vermutete Grund: Garmin kann halt keine kapazitiven Touchscreens herstellen. Ob das allerdings stimmt, weiss ich nicht. Ich sehe nur das Ergebnis.

Der nachvollziehbare Grund: kapazitive Touch-Displays funktionieren über die Messung eines über das Display gelegten elektrischen Feldes. Damit man dieses manipulieren kann, muss ein leitfähiges Objekt her. Unsere Fingerspitze eignet sich hervorragend dazu. :) Nicht aber, wenn sie in einem Radhandschuh steckt. Einem der unzähligen Modelle, die halt keine Touchscreen-Fingerspitzen haben. Andererseits leitet z.B. auch ein Regentropfen. Oder ganz viele. Oder auch eine feine Tauschicht auf dem Display. Selbst eine, die man noch nicht sieht. Oh. Hmm.

Wie geht man jetzt also damit um – einerseits hat die bedienende Person mal mehr, mal weniger isolierte Fingerspitzen zur Verfügung, andererseits sorgen die Elemente dafür, dass das Display mal mehr, mal weniger störenden und widersprüchlichen leitfähigen Einflüssen ausgesetzt ist?

Man könnte sich sagen: kapazitive Touchdisplays für Outdoorgeräte, die an einem Gerät wie einem Fahrrad angebracht sind, sind eine generell doofe Idee – da muss man sich etwas ganz anderes überlegen. Ja, das wäre die schlaue Lösung.

Man könnte sich sagen: kapazitive Touchdisplays für Outdoorgeräte, die an einem Gerät wie einem Fahrrad angebracht sind, sind eine generell doofe Idee – da muss man sich etwas ganz anderes überlegen. Ja, das wäre die schlaue Lösung.

Oder man sagt sich: Hey, das kriegen wir hin. Wir müssen da nur das Feld so stark machen bzw. an das Signal/Rauschverhältnis der Touch-Positionsbestimmung so geringe Anforderungen stellen, dass auch ein Finger in einem moderat dicken Handschuh erkannt wird. Und wenn das Gerät daraus nicht schlau wird oder zu viele Bedienbefehle erhält, dann könnte das ja vielleicht Regen oder so etwas sein – dann soll sich das Display sperren. Die vielgefürchtete Meldung „Touchscreen locked“ darf man dann auf dem Display des Garmin Edge 1000 lesen…

„Touchscreen locked“ sieht man also mehr, als einem lieb sein kann. Bei Handschuhen passiert das oft. Bei Regen. Bei Fahrten morgens oder abends, wenn sich erhöhte Luftfeuchtigkeit auf alle Oberflächen legt – dazu muss man noch nicht mal Tau sehen.

Und auch bei trockenem Wetter oder in geschlossenen Räumen sorgt die geringe Präzision des Garmin-Displays des öfteren für Haare raufen. Wo man drauftippt und wo der Garmin meint, dass man draufgetippt hat… das kann im Grenzbereich durchaus verschieden sein… Um es kurz zu sagen – die Bedienbarkeit eines Garmin Edge 1000 hat nichts mit der eines iPhone oder Android-Smartphones zu tun.

Wer aus allem dem nun herausgelesen hat, dass ich Tasten bevorzuge… ja, aus der leidvollen Erfahrung mit dem Edge 1000 heraus, ist das so.
Ich habe mir z.B. durchaus mit hohem Interesse mal den Garmin Edge 520 angesehen, weil der Tastenbedienung hat. Ich werde ganz am Ende des Artikels schreiben, mit welchen wenigen Anpassungen sowohl Garmin als auch Wahoo den für mich idealen Radcomputer herstellen könnten. Ein vollständig mit Tasten bedienbarer Edge 1000 wäre ein Anfang (nein, hier bitte nicht auf die optionale Remote-Einheit verweisen).

Und bestimmt gibt es hier jemanden, der sagt: „Hey, ich habe den Garmin Edge 1000 und überhaupt keine Probleme mit dem Display.“ Dem sage ich dann: Herzlichen Glückwunsch zum Glück mit dem Wetter oder den Ausfahrten an trockenen Sommernachmittagen. Jeder, der rund um’s Jahr auf dem Rad sitzt – in guten wie in schlechten Zeiten ;-)) – wird schon den einen oder anderen Fluch zwischen den Zähnen zerdrückt haben. Und auch froh sein, dass das Display des Edge 1000 so groß ist. Würde ich nämlich nicht alle wesentlichen Infos auf einen Screen bekommen, so dass ich (Kartenfunktion abgesehen) seltenst in die Verlegenheit komme, den Bildschirm über Touch bedienen zu müssen, hätte ich mich schon längst nach einem anderen Gerät umgesehen…

Aber auch bei Tasten kann man durchaus verschiedene Standards setzen. Sind sie logisch und gut erreichbar angeordnet? Sind sie zu winzig? Rutscht man ab? Drücken sie sich zu leicht, wenn man nur aus Versehen dran kommt? Oder zu schwer? Geben sie haptisch angenehme Rückmeldung oder muss man fühlen, drücken und quetschen und sieht erst an der Reaktion auf dem Display, ob man tatsächlich erfolgreich den Knopf gedrückt hat?

Gerade die seitlichen Taster des Wahoo ELEMNT fallen leider in die letztgenannte Kategorie. Ohne sichtbare Trennung unter einem nahtlos aus der Gehäuseoberfläche herauswachsendem Gummikeil angesiedelt, lassen sie sich bisweilen schwierig drücken und bieten dabei keinen definierten Druckpunkt. Ob man daher also nur das Gummi etwas eingedrückt oder tatsächlich den Taster gedrückt hat, sieht man erst an der Wirkung am Display. Während das mit blossen Fingern noch ganz ok geht, sorgt dieses Verhalten in behandschuhten Fingern tatsächlich dazu, dass man nicht weiss, ob man jetzt den Taster gedrückt hat oder nicht. Bei den drei Tasten unterhalb des Displays ist das nicht so das Problem.

Das geht also – auch unter dem Aspekt Wasserdichtigkeit – durchaus besser. Alles in allem finde ich aber das Tastenkonzept – egal ob bei den Wahoos oder beim Garmin Edge 520 – für das wesentlich bessere Konzept.

Mitbewerber? Hat denn nicht schon längst jemand bessere Lösungen als Garmin gefunden?

Nun gibt es also GPS schon so lange, die Technik von Sportuhren, Radcomputern und Technik-Gadgets ist auch kein Hexenwerk und es wurde dargelegt, dass es bei Garmin-Radcomputern doch die eine oder andere Funktion oder Designentscheidung gab und gibt, die nicht ungeteilte Freude bereitet.

Auch waren die Edge-Radcomputer vor dem Edge 1000 gerne mal absturzfreudig, wenn die Fahrt wirklich lang war oder dem Gerät sonst etwas quer kam (Leider muss man sagen, dass das bei Garmin kein Ding der Vergangenheit ist – vom Edge 820 habe ich in diesen Zusammenhängen wenig Gutes gelesen). Manchmal packt man sich gar vor den Kopf, warum denn das eine oder andere Feature nur so halbgar oder genau auf diese Art und Weise implementiert wurde…Ein einziges Mal vom jeweiligen Designer selbst auf dem Rad genutzt und es hätte doch sofort auffallen müssen… Denkt man sich doch des öfteren. Warum also gibt es nicht schon längst gute Alternativen und Garmin ist in der Versenkung verschwunden bzw. ist gezwungen, eine gute Schippe bei den Features und Kernqualitäten der Geräte drauf zu legen?

Dazu eine ganz kurze Historie, nein eher ein Überflug zu verschiedenen GPS-fähigen Radcomputern anderer Hersteller.
Da wären neben Garmin (ohne Anspruch auf Vollständigkeit) zu nennen:
– Sigma
– Polar
– Lezyne
– Bryton
– Mio bzw. Magellan (je nach Markt US, EU, Asien)
– Falk (wobei die schon sehr auf Radreise, weniger auf Training ausgerichtet sind)
– O-Synce

Dazu kommen noch jede Menge Uhren (und damit noch zusätzliche Marken wie z.B. Suunto) die in der jüngsten Zeit durchaus interessant geworden sind, auch wenn das noch nicht dazu geführt hat, dass ich mich damit tiefer beschäftigt habe. In der Vergangenheit war es fast immer so, dass man außer mit Herzfrequenz-Gurten bei der Kopplung externer Sensoren nichts vorfand und wenn, dann nur rudimentär implementiert. Für Multisportler bzw. Triathleten können Uhren natürlich viel interessanter sein. ich gehe hier aber nicht näher darauf ein. Wer es noch nicht kennt: das Blog von Ray Maker bietet zu Sportuhren, Radcomputern, Leistungsmessern, Radtrainern und allem, was sich Sportelektronik schimpft, die besten Übersichten und die detailliertesten Tests. Da könnt ihr aus dem Vollen schöpfen.

Aber trotz dieser diversen Marken, die mal einen, mal mehrere Versuche auf den Markt gebracht haben – kein anderer dieser Hersteller konnte bis dato tatsächlich einen Radcomputer vorstellen, der (die sicherlich auch sehr durch Garmin geprägte) Erwartungshaltung ambitionierter Radsportler zumindest in der übergreifenden Gänze bedienen konnte, wie es Garmin tut und tat. Entweder war die Ausrichtung eine andere oder man legte anscheinend Wert auf ein ganz besonderes Feature, dass dann vielleicht im guten Fall tatsächlich toll war oder im schlechten Fall nur vielversprechend, aber auch nicht wirklich zu Ende gedacht war. Dann waren es aber andere wesentliche Dinge, die schmerzlich fehlten. Aus der Erinnerung beim Mio/Magellan und Bryton z.B. das Aufzeichnungsintervall und die maximale Datenübernahmefrequenz – ein ziemlicher abturner für alle Menschen, die Wert auf die Qualität der Trainingsmetriken legen. Beim Bryton auch die Mapping-Funktionen und die Menü-Logik und beim Mio/Magellan ähnlich wie beim Falk auch die eher größeren Abmessungen und die wohl mehr auf Touren/Touristik-Seite ausgerichteten Features.

Polar weigert sich aus Prinzip (leider auch beim kürzlich vorgestellten Polar M460), ANT+ zu unterstützen. Davon unabhängig haben mich deren Feature-Sets auch nie wirklich überzeugen können.

Sigma haben ihren Rox GPS. Von der Größe und Güte der Kartendarstellung sowie der gesamten GPS-Unterstützung und der gesamten Art und Form des Gerätes war ich nie besonders angetan. Man hätte mich in der Tat bezahlen müssen, um mir dieses Gerät näher anzusehen, geschweige denn, zu benutzen.

Falk ist schon eher auf den Radwander-Markt ausgerichtet. Deren Geräte sind im Grunde nichts für Training und Sport.

Lezyne war und ist ein vielversprechender „Newcomer“, der nach langer Zeit endlich mal für frisches Blut im Markt dieser Gerätekategorie sorgte. Interessante Geräte in diversen Größen und Ausstattungsvarianten. Leider fand ich, dass sie das Akkulaufzeitproblem auch nicht angingen. Dennoch: Lezyne ist interessant.

Und da kommen wir dann zu Wahoo!

Der Wahoo Elemnt

Wahoo hat ihren ersten richtigen GPS Radcomputer, den hier besprochenen Wahoo ELEMNT im Herbst 2015 angekündigt und Anfang März 2016 in den Handel gebracht. Zu diesem Zeitpunkt an war das Gerät im wahrsten Sinne vielversprechend. Wahoo versprach eine ganze Reihe von Funktionen, die nach und nach implementiert werden sollten. Und Wahoo hat auch Wort gehalten. In einer sehr bemerkenswerten Updatehäufigkeit von Firmware und Kompagnon-Smartphone App hat Wahoo Schritt für Schritt wichtige Funktionen hinzugefügt und seine Versprechen eingelöst sowie auf Nutzer-Feedback gehört. Das wohl schöne dabei: Die Stabiliät des Gerätes und seiner Funktionen war wohl meist gegeben. Klar, Fehler und Eigentümlichkeiten gab es sicher. Im Grunde hat es Wahoo aber wohl verhältnismäßig gut hinbekommen, erst ein stabiles Gerät herauszubringenund dann nach und nach Funktionen hinzuzufügen. Bei Garmin kennt man das durchaus schonmal in der anderen Reihenfolge…

Ich habe die Entwicklung des Wahoo ELEMNT also locker interessiert verfolgt, denn: in der Tat. Zunächst war das Gerät nur vielversprechend, aber für mich noch keine gute Alternative.

Das hat sich seit diesem Frühjahr geändert. Ich kann da keinen fixen Punkt festmachen, aber als ich mir vor einigen Wochen den ELEMNT nochmal angesehen und seine Features überprüft hatte, da fügte sich doch sehr viel zusammen: die Art und Weise der Sensorenunterstützung, die Batterielaufzeit, die versprochene Integration mit Trainingsportalen, Tourenportalen bzw. Navigationslösungen wie BestBikesplit, RidewithGPS, STRAVA und vor allem KOMOOT, das hatte schließlich den Ausschlag gegeben und ich habe mir den Wahoo ELEMNT gekauft. Und das, obgleich gerade zu diesem Zeitpunkt von Wahoo auch der neue ELEMNT Bolt vorgestellt wurde.

Der Bolt ist aber exakt funktionsidentisch mit dem ELEMNT. Er ist etwas kompakter, was zu begrüßen ist. Dadurch ist aber auch sein Display kleiner und es kann daher etwas weniger Inhalt in etwas geringerer Größe als der ELEMNT anzeigen. Das war das Hauptkriterium, warum ich also lieber den ELEMNT gewählt habe. Der Elemnt Bolt hat auch nur eine LED-Leiste über dem Display und keine links daneben, wie der ELEMNT. Und Wahoo bewirbt den Bolt als „ersten völlig aerodynamischen GPS Fahrradcomputer“. Was das außer einem kompakten Gerät (ganz ähnlich wie ein Garmin Edge 820 oder 520) bedeutet, ist allerdings, dass die Vorderkante tiefer heruntergezogen ist und sich der Bodenausschnitt vorne als Kreissegment um den Lenkerhalter herumschmiegt. Ganz schmuck, wenn man den mitgelieferten Lenkerhalter benutzt oder benutzen kann. Wenn man sich Vielseitigkeit bewahren möchte oder muss, weil man das Gerät auf verschiedenen Rädern mit vielleicht integrierten Cockpits und unterschiedlichen Lenkerhaltern benützen möchte, dann muss man wohl vorher prüfen, ob das auch passt…

App-Lified / APPlyfied

Was bedeutet das? Das bedeutet: ohne ein Smartphone kann man mit dem Element wenig anfangen. Oh – er funktioniert glücklicherweise auch ganz ohne Smartphone oder Smartphone-Kopplung. Aber: wenigstens mal zum Setup des ELEMNT kommt man um die kostenlose ELEMNT-Begleiter-App nicht drum herum. Und insgesamt ist die enge Verbindung zwischen dem Radcomputer und der App schon sehr gut gelöst und wesentliches Design-Element des Wahoo ELEMNT. Das muss man wissen. Ich bin da durchaus immer skeptisch und sehe so etwas mit Vorbehalt. Wenn es klappt – und das tut es bei mir – dann ist es schon eine schöne Sache, unterwegs over the Air Trainingseinheiten zu konfigurieren oder nachzufahrende Tracks zu synchronisieren bzw. auf den Wahoo ELEMNT zu schicken.

Hier nun meine ersten Eindrücke zur Nutzung des Wahoo:

Gut:

  • Sehr tolles und einfaches Setup über mein iPhone. Es gab da aber auch ein paar Kopfkratzer. Z.b. muss das eigene WLAN in der Wohnung so konfiguriert sein, dass ein Funkkanal kleiner als 11 genutzt wird. Der Wahoo ELEMNT kann nämlich keine WLAN-Kanäle größer 11 benutzen… steht nirgendwo).
  • Sehr klares und kontrastreiches Display – auffällig besser als das Display des Edge 1000.
  • Viel besserer Regentropfen-Ablauf als der Edge 1000 (das mag dadurch unterstützt sein, dass der Wahoo neu ist und der Edge schon gut gebraucht – aber Tropfen bleiben auf dem Display des Edge und verlaufen da etwas während sie vom Display des Wahoo einfach durch den Fahrtwind weggeblasen werden – sehr coole Sache).
  • Die Kartenansicht des Wahoo ELEMNT ist reduziert und rein schwarz-weiss (der ELEMNT hat kein Farbdisplay) bietet aber gerade dadurch eine gute Orientierung und Lesbarkeit. Der Edge 1000 bietet wesentlich mehr Details und Information, aber er verbirgt sehr viel dieser Information durch zu viele Details und leicht verwechselbare Straßensignaturen, Strichstärken und Linienfarben.
  • (theoretisch) Schöne Sache beim Lieferumfang: nicht nur Outfront-Lenkerhalter und Vorbau-Halter sondern auch noch ein TT-Aerobarhalter dabei (siehe aber auch unter Schlecht).
  • Bluetooth Smart! Garmin kennt nur ANT+ Der Wahoo ELEMNT kann auch reine Bluetooth Smart Sensoren ankoppeln.
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Wahoo ELEMNT und Garmin Edge 1000 im Paralleltest. Hier beide in der Kartendarstellung mit jeweils aktivem Track.

Schlecht:

  • Die Haptik der Bedientasten lässt doch zu wünschen übrig, teilweise schwer zu drücken, kein definierter Klick bzw. Druckpunkt.
  • Keine einfache Datenübertragung mit einem USB-Kabel. Beim Garmin geht das: per USB-Kabel angeschlossen liegt das Gerät zugreifbar im Verzeichnisbaum. Im Zweifelsfall kann man von da super einfach ein .fit-File auf seinen Rechner kopieren oder einen x-beliebigen GPX-Track auf das Gerät schieben. Der Wahoo öffnet sich nicht als Massenspeicher! Großer Knackpunkt! Statt dessen muss man eine Extra-Applikation bemühen. Für den Mac wird z.B. extra die Android-Dateitransfer-Software benötigt. Zwar synchronisiert der ELEMNT komplett über WLAN und im Prinzip benötigt man das USB-Kabel nur zum Akku aufladen. Dennoch finde ich das mehr als unschön!
  • Die Funktions-Angaben an der unteren Display-Kante über den drei Front-Tasten: Diese sind in deutscher Sprach-Einstellung nicht alle lesbar bzw. laufen in- und übereinander.
  • Die Qualität der mitgelieferten Halterungen ist leider nicht gut bis richtig gehend schlecht, wie ich festgestellt habe. Am besten und von mir bis zum Zeitpunkt der ersten Fertigstellung dieses Berichtes nur genutzt: der Halter für Zeitfahrlenker. Ganz ok, dabei aber nur schade, dass anstelle von Gummiringen Kabelbinder benutzt werden müssen: die Halterung zur direkten Montage auf Vorbau oder Lenkerrohr. Total unterdimensioniert, was die Qualität und Stabilität angeht: der Out-Front-Mount. Also eigentlich die wichtigste Halterung! Auf dieser wackelt und zittert der ELEMNT wie ein Lämmerschwanz, sobald der Asphalt nicht Billard-Tisch-Glattheit aufweist. Meine Wertung: Er ist es nicht mal wert, überhaupt ausgepackt zu werden! Dazu passt, dass auch das Halteschräubchen leider nicht mit Gewinde-Kleber versehen und vorbereitet ist, wie es die Schrauben von ähnlichen Teilen anderer Hersteller sind (z.B. Garmin). Kauft euch lieber sofort eine Qualitäts-Halterung eines Drittherstellers. Z.B. K-Edge. Am Rande bemerkt: wenn ich Garmin schon – aus mehrfacher leidvoller Erfahrung – vorwerfen muss, viele Dinge und Features ihrer Produkte anscheinend kein einziges Mal praxisgetestet zu haben, dann muss ich es hier auch Wahoo vorwerfen. Eine einzige und erste Ausfahrt hätte gereicht und hat bei mir gereicht, festzustellen, dass man diese Halterung keinem einzigen Kunden anbieten darf…

Diverse weitere Punkte

Strava-Live-Segmente. Gibt es bei Garmin auch schon länger. Ist bei Wahoo ebenfalls verfügbar und super einfach und schnell eingerichtet. Ich hab’s aber wieder deaktiviert. Mich stört es, wenn die Live-Segment-Seite aufpoppt und da sie leider nicht konfigurierbar ist, fehlen mir da auch wichtige Infos. Die Watt-Angabe zum Beispiel. Auch habe ich einmal festgestellt, dass die Seiten-LED-Leiste am Leuchten bleibt und sich nicht zurücksetzt, wenn man Segment vor Beenden verlässt (z.B. vorher dem Ende abbiegt). Hier sollte Wahoo also noch Hand anlagen.

Startup-Zeit. Die war bei GPS-Geräten und bei GPS-Radcomputern früher relativ lang. Auch bei Garmin. Spätestens mit dem Edge 1000 hatte sich das geändert. Dessen Startupzeit lässt nichts zu wünschen übrig. Beim Wahoo ELEMNT komme ich mir leider wieder ein paar Jahre zurück versetzt vor. Kein Dealbreaker, aber nicht so komfortabel und anfangs auch irritierend: Eine relative lange Startupzeit. Die auch bisschen komisch verläuft. Erst kommt eine kleine Startup-Animation, dann wird der Bildschirm komplett dunkel (nicht aus, dunkel), das kann schon mal rd. 30 bis 60 Sekunden dauern. Dann geht der Bildschirm komplett aus und erst nach einer weiteren kurzen Weile ist dann das Gerät an und bereit…

Hier sollte Wahoo sowohl an der Zeit arbeiten, als auch an einer für den Nutzer nachvollziehbaren Reaktion des Gerätes. Gleiches gilt für das aufladen des Akkus. Wenn der ELEMNT sehr lehr bis komplett leer war/ist, dann erscheint erst mal nichts auf dem Display bzw. eine Art unglückliches Smilie. Das ist schwer zu deuten und anfangs denkt man, da ist was im Argen, das soll eine Fehlermeldung sein. Man kommt da nicht drauf, dass das Gerät einfach erst mal lädt. Und eine sehr sehr lange Zeit benötigt, bevor man mit dem Gerät interagieren kann. Der ELEMNT ist dann, obwohl er am Ladestrom hängt, tot. Man kann ihn nicht bedienen, keine Dateien herunterladen etc. Ganz im Gegensatz zum Garmin Edge (oder anderen USB-Geräten): Sobald die am Strom hängen, kann man sie auch nutzen…

GPS-Standards bzw. Systeme:
Der Wahoo soll auch diverse Satellitennavigationssysteme nutzen können, was auch sehr gut ist. Also neben GPS auch das russische Glonass und, wenn es denn mal richtig nutzbar wird, auch das europäische Galileo. Aber man kann das nirgendwo einstellen und auch die Satellitensicht nirgendwo überprüfen. Der Garmin EDGE 1000 kann sowohl GPS als auch GLONASS, zeigt auch die Satelliten auf Wunsch an und man kann auch wählen, nur GPS zu nutzen (was aber nicht sinnvoll ist – es spart keinen Strom und es verschlechtert potenziell die Güte der Positionierung und die Qualität des aufgezeichneten Tracks).

Kartendarstellung:
Diese beschränkt auf das Wesentliche und ist damit eigentlich sehr gut. Schwarz-weiss, dicke Strich-Linie für den Track unmittelbar und wenige Kilometer in Fahrtrichtung vor einem. Eine eher zurückhaltend gepunktet gefüllte Linie für den gesamten restlichen Track. Diese effektiv hellgraue Linie dürfte für meinen Geschmack durchaus etwas kräftiger gepunktet gefüllt sein.

Für die größere Übersicht und für das Orientieren bzw. das Eingeben von neuen Zielpunkten unterwegs dient das Smartphone, welches dafür auch wesentlich geeigneter ist.

Aber das bedeutet auch: ohne Smartphone, nur mit dem ELEMNT am Lenker kann man nur durch hinein- und herrauszoomen versuchen, einen Überblick zu erhalten. Den Karten-Ausschnitt kann man am ELEMNT nicht verschieben; er ist immer um den Gerätestandpunkt herum zentriert.

Turn-by-Turn Navigation bzw. Routing:
It just works! Es kann so einfach sein! Garmin, schau es dir an – so macht man das!

Beim Wahoo ELEMNT funktioniert das Routing genau so, wie es soll und wie man sich das vorstellt: Mit sinnvollen und dafür komfortabel ausgelegten Tourenportalen wird ein Track erstellt (RidewithGPS oder Komoot) und automatisch auf das Gerät synchronisiert. Die jeweiligen Tracks enthalten Cuesheets für die Abbiegehinweise und nähert man sich einem Abzweig, wird das sinnvoll auf dem Display signalisiert und als besonderes Gimmick auch mit der seitlichen und oberen LED-Laufleiste angezeigt (abschaltbar). Wenn man die Route / den Track verlässt, wird man sinnvoll darauf hingewiesen. Aber das Gerät spielt nicht verrückt, es wird keine wüste und unpassende Neunavigation durch das Gerät versucht und auch das Display friert nicht ein. Alles genau so, wie es für unterwegs richtig und sinnvoll ist.

LED-Leisten:
Das ist natürlich eines der herausragenden Design-Gimmicks des Wahoo-ELEMNT. Ich schreibe bewusst Gimmicks. Man braucht sie nicht zwingend, sie können aber ganz nett sein. Man kann sie unterschiedlich konfigurieren:

  • Anzeige der Leistungszonen nach Watt in Abhängigkeit der Zoneneinstellung in passender Farbe. Sehr gut eigentlich.
  • Geschwindigkeit relativ zur Durchschnittsgeschwindigkeit. Fährt man schneller als der momentane Schnitt leuchten mehr und mehr LEDs oberhalb der Mitte blau. Fährt man langsamer leuchten mehr und mehr LEDs unterhalb der Mitte gelb
  • Herzfrequenzzonen-Darstellung
  • oder aus und nichts dergleichen
  • separat dazu: Turn-by-Turn-Signalisation
  •  Track verlassen, Training pausiert, Benachrichtigung erhalten

Akkulaufzeit:
Das sollte, neben der Klarheit und Ablesbarkeit des Tracks auf der Karte, das Hauptargument für mich sein. Kann der Wahoo da liefern? Die Angabe bei den technischen Daten ist denn auch schon mal 2 Stunden länger als das, was Garmin für den Edge 1000 bei seinen technischen Daten verspricht: 17 Stunden beim ELEMNT, 15 Stunden beim Edge 1000. Aber: das sind ja rein kosmetische Hersteller-Behauptungen. Beim Garmin steckt da nicht viel Wahres dahinter. Wie sieht es beim Wahoo aus?

Um es vorweg zu nehmen. Besser.

Dazu benötigte es aber erst ein wenig Testerei. So direkt mit Standardeinstellungen war der Wahoo ELEMNT zwar schon sparsamer im Stromverbrauch wie der Garmin, aber noch keine Offenbarung.

Eine erste längere Testfahrt über 4,5 Stunden, parallel mit dem Wahoo ELEMNT und dem Garmin Edge 1000, Turn by Turn am Wahoo genutzt, beide Geräte vorwiegend mit aktiver Kartendarstellung gefahren (rund 75-80 % der Gesamtzeit) zeigte im Anschluss folgende verbleibende Ladestände:

Wahoo: noch 54 % —> d.h. eine Entladung von 10 % pro Stunde
Garmin: noch 36 % —> d.h. eine Entladung von 14,22 % pro Stunde

Weitere Testfahrten mit diversen Screens aktiv – nicht nur überwiegend die Kartendarstellung:

Wahoo: eine Entladung von im Schnitt 8,14 % pro Stunde
Garmin: eine Entladung von im Schnitt 8,46 % pro Stunde

Fensterbank-Laufzeit-Test über 3 Stunden (statisch, keine Sensoren gekoppelt, keine Fortbewegung, aber Kartenansicht auf Dauer aktiv):

Wahoo: Eine Entladung von 6 % pro Stunde, damit eine projizierte Laufzeit von 16,6 Stunden!
Garmin: Eine Entladung von 15,3 % pro Stunde, damit eine projizierte Laufzeit von nur 6,5 Stunden!

Gerade beim Garmin deckt sich das mit meiner tatsächlichen Erfahrung. In fremder Umgebung die ganze Zeit mit aktiver Karte gefahren und nach etwas über 6 Stunden ist die Laufzeit bereits erschöpft!

Im Vergleich, weiterhin auf der Fensterbank, aber anstelle der Kartenansicht den ersten Übersichtsscreen über weitere 2,5 Stunden aktiv (Stoppuhr, Geschwindigkeit, Uhrzeit, HF etc.)

Wahoo: Eine Entladung von 7 % pro Stunde
Garmin: Eine Entladung von 8,8 % pro Stunde

Wie bekommt man beim Wahoo also relativ nah an die 17 Stunden? Es geht, wenn man auf die LED-Laufleisten-Anzeige verzichtet. Super! Damit kann ich sehr gut leben und bekomme eine in meinen Augen exzellente Laufzeit!

Was vermisse ich noch am Wahoo ELEMNT, was hätte ich gerne besser/anders gelöst?

1.) Wenn es Dunkel ist, vermisse ich eine Möglichkeit, einfach nur mal kurz den Screen aufleuchten zu lassen. Natürlich geht das durch einen Tastendruck, z.B. auf eine Seite weiter. Aber ich will ja keine Seite weiter. Wenn ich das also mache, muss ich ein paar mal weiterdrücken, bis ich wieder auf der Startseite bin.
Alternativ könnte ich auch eine der Rauf- oder Runtertasten an der rechten Seite drücken. Dann zoome ich aber rauf oder runter. Muss also danach auch wieder die jeweils andere Taste drücken. Also zwei Tastendrücke. Zudem sind die Tasten auf der rechten Seite etwas schwerer zu erreichen, bzw. deren Druckpunkt eher schlecht.
Die dritte Alternative ist dann halt der Taster auf der linken Seite oben. Gut, damit komme ich in’s Setup. Also auch hier zwei Tastendrücke notwendig.

2.) Kartendarstellung: Leider ist der Kartenausschnitt nicht verschiebbar, sondern nur ein- oder auszoombar. Ist vielleicht auch eine systembedingt bewusste Beschränkung. Zum Orientieren ist ohnehin das Smartphone komfortabler.

3.) Trackdarstellung auf der Karte: Dafür gibt es zwei Signaturen. Die unmittelbar bevorstehende Strecke ist unmissverständlich mit dicken, solide schwarz gefärbten, pfeilmäßig geformten Querstrichen markiert. Das finde ich klasse, weil unter allen Lichtbedingungen super erkennbar (wie ohnehin das Display generell) und es gibt keinerlei Vertun mit irgendwelchen anderen Linien und Signaturen der Kartendarstellung. Wie man es trotz (oder gerade wegen) zu Verfügung stehender etwas höherer Auflösung und Farben viel schlechter machen kann, zeigt Garmin auf seinen Edge Geräten. Tracklinien als dünne, leider nicht in der Stärke einstellbare Linien in zwar wählbaren Farben, die sich aber alle mit der einen oder anderen Kartensignatur oder Straßenkategorie verwechseln lassen. Wie oft ich da schon geflucht habe…

Welches Gerät ist nun das Bessere? Der Garmin Edge 1000 oder der Wahoo ELEMNT.

Hach, schwierig. Beide haben ihre Qualitäten. Beide haben einzelne Nachteile. Beim Garmin kommt für mich hinzu – ich bin ihn gewohnt, kenne ihn (was meine Bedürfnisse angeht) in- und auswendig.

Für jemanden, der sich seinen ersten GPS-Radcomputer kauft, ist das allerdings kein Aspekt. Er findet sowohl mit dem Garmin Edge 1000 als auch mit dem Wahoo ELEMNT sehr fähige und weitestgehend ausgereifte Geräte auf Augenhöhe. Mit Vorteilen, was die tatsächliche Nutzbarkeit angeht und was das „Hören auf die Nutzer-Rückmeldungen“ angeht, beim Wahoo ELEMNT.

Wie müsste denn in meinen Augen die perfekte Mischung der beiden Geräte bzw. eines GPS Fahrradcomputers aussehen?

Was sollte der Garmin Edge 1000 oder Edge 820 vom Wahoo Elemnt übernehmen und umgekehrt, um somit den meiner Meinung nach idealen Radcomputer für Training und Tour zu erstellen? Bzw. wie sollten in den Geräten bereits vorhandene Funktionen ergänzt werden?

Wie erhält Garmin den idealen Edge 1000?

Größe: die Displaygröße ist toll. Da habe ich mich mittlerweile sehr dran gewöhnt und möchte sie eigentlich nicht mehr missen. Garmin sollte daran arbeiten, bei gleicher Displaygröße das Gerät drum herum wieder kleiner zu bekommen.

Akkulaufzeit: Garmin gibt zwar 15 h an. Das ist aber von Anfang an gelogen und wird selbst mit einem neuen Gerät (Akku auf der Höhe seiner Leistungskraft), ausschalten sämtlicher Funktionen und keinerlei Nutzerinteraktion während einer laufenden Aufzeichnung nichtmal annähernd erreicht. Das höchste der Gefühle waren mal eine Annäherung an 12 h. Da darf man – überspitzt gesagt – den Garmin nicht mal ansehen, sonst erreicht man das nicht.
– Übliche Entladungsrate bei normaler Nutzung auf bekannter Strecke (zwei gekoppelte Sensoren, HF-Gurt und Leistungsmesser/Trittfrequenz) keine Navigation, kaum Kartendarstellung, ab und an vielleicht mal eine Bildschirmseite gewechselt sind im besten Falle und bei neuem Gerät 10 % pro Stunde. D.h. nach spätestens 10 Stunden ist der Akku leer.
– Übliche Laufzeit bei normaler Nutzung auf unbekannter Strecke (d.h. egal ob Navigation oder Track-Nachfahren), d.h. des öfteren Mal auf die Karte schauen oder diese die ganze Zeit dargestellt lassen sind leider nur 8 h, je nachdem und mit bereits etwas älterem Gerät (d.h. nicht mehr ganz so taufrischem Akku) 7 h drin (siehe auch oben). Das ist natürlich viel zu wenig.

D.h. hier muss Garmin echt etwas machen. Die Akkulaufzeit muss auch mit Kartendarstellung mindestens 10 h erreichen, besser 12. Damit man auch einen Ötztaler Radmarathon oder einfach nur einen schönen langen Urlaubstag auf dem Rennrad absolvieren kann, oder sich extra wegen dem Garmin eine Ersatzpowerbank mitnehmen zu müssen.

Display / Trackdarstellung: Wenn man auf dem Garmin die Routing-Funktion nutzt (etwas, was ich wirklich nicht empfehlen kann) dann zeigt der Garmin eine wirklich gut zu erkennende, nicht zu verwechselnde und dicke, rosa Linie an. Super. Genau diese Linie würde ich gerne sehen, wenn ich einfach nur einen geladenen Track darstellen lasse und diesen Nachfahre. Warum nur, Garmin, warum!? Warum kann man für diese Funktion keine Strichstärke wählen? Oder einfach nur diese Linienart auswählen!? Warum!? Damit wären 30 % meiner Hauptkritik erledigt. Und so einfach!

Touchscreen. Locked! Arrrrrrgh! Das. Muss. Garmin. Ändern! Loswerden! Am besten durch Tastenbedienung.
Es gäbe da eine Fernbedienung für den Garmin. Das ist aber keine Lösung! Zu diesem riesigen Brett von Edge 1000 nochmal ein Extra-Teil hinzukaufen und am Lenker unterbringen!? Als Remote? Der Edge 1000 ist direkt am Lenker. Ich komme super da dran. Ich brauche keine Fernbedienung direkt neben ihm… Mit der Zusatzfehlerquelle der Kopplung zwischen Remote und Edge… Nur damit ich im Fall der LockScreen-Fälle den Edge Tasten bedienen könnte.

Wie erhält Wahoo den idealen Elemnt?

  • Eine Funktion bieten, um den Screen oder einen Taster einfach nur antippen zu können, damit die Displaybeleuchtung eingeschaltet wird.
  • Eine deutlich bessere Haptik der Bedientasten herstellen (vorrangig der Seitenknöpfe).
  • Am Funktionsumfang der Sensorenkopplung und Kalibrierung arbeiten.
  • Weitere Metriken wie z.B. eine VO2 Max Schätzung inkludieren.

So, da habt ihr es. Viel Stoff zum Thema GPS-Fahrradcomputer für ambitioniertes Training und lange Touren. Mit Hintergründen und langjährigen persönlichen Erfahrungen aus alles Lebenslagen auf Rennrad oder MTB gespickt. Anlass für Diskussion? Ihr seht Teilbereiche anders? Gewichtet Funktionen unterschiedlich? Lasst es mich gerne in den Kommentaren wissen.

Edit / Versionshistorie:

  • 27.04.2017: Bewertung der mitgelieferten Halterungen des Wahoo ELEMNT deutlich erweitert. Und von gut auf schlecht geschoben. Denn: Out-Front-Halterung ist deutlich zu schwach auf der Brust.
  • 01.05.2017: Ein paar Wörter zu Bryton ergänzt und in dem Zusammenhang auch Mio/Magellan erwähnt (beim Überflug zu verschiedenen GPS-fähigen Radcomputern anderer Hersteller)

Garmin hat den Edge 820 vorgestellt – ist er interessant?

Rad fahren

Hersteller wie Garmin denken ja immer, sie müssten neue Funktionen erfinden bzw. einbauen, um neue Geräte attraktiv zu machen. Dabei verkennen Sie, dass ein Großteil ihrer aktuellen und potenziellen Kundschaft einfach nur Geräte möchte, die einfach nur  funktionieren und ein paar Grundeigenschaften aufweisen. Nicht zu groß, nicht zu schwer,   die Bedienung lässt einen nicht verzweifeln, die Qualität der aufgezeichneten Tracks ist gut, die Firmware ist robust, die Akkulaufzeit ausreichend und die Anschlüsse sind so angeordnet, dass man sie auch benutzen kann, während das Gerät in seiner mitgelieferten Halterung steckt…

Grundlegende Dinge, oder? Warum führe ich sie auf? Weil z.B. der Garmin Edge 1000 nur zwei der obigen Punkte erfüllen kann. In der Tat finde ich die Firmware (zum ersten Mal für ein von mir genutztes Garmingerät) robust und die Qualität der aufgezeichneten Tracks ok (grundsätzlich können das die Edge-Versionen mit GPS+GLONASS wesentlich besser als die Versionen nur mit GPS).

Garmin hat nun den Edge 820 angekündigt. Siehe das erste Preview von DC Rainmaker hier.

Dann wollen wir mal die Checkliste prüfen:

Garmin Edge 820

  • Kartenfähig (und routingfähig – wer sich darauf einlassen möchte…) ohne Kompromisse und doch im kompakten Formfaktor (gleich wie Edge 520) – sehr gut!
  • Touchbedienung wie der Edge 1000 – uh oh, viel zu oft treibt einen der Edge 1000 mit „Lock Screen“ Meldungen in den Wahnsinn. Egal ob es regnet, einfach nur neblig ist oder ob es ein wunderbar trockener Tag ist. Selbst bei besten Bedingungen ist die Präzision der Auswahl und der resultierenden Aktion ein Glückspiel. Sicher ein Kompromiss von Garmin, um zum einen die Bedienung auch durch Handschuhstoff zu gewährleisten und das Gerät nicht auf jeden Regentropfen ansprechen zu lassen. Die resultierende Qualität der Bedienung ist jedoch zum Haare raufen. Auf einem Smartphone ist die Unterscheidung zwischen Scrollen einer Liste oder Auswahl eines Listenelements problemlos, auf dem Edge 1000 muss man sehr vorsichtig und bewusst agieren und selbst dann ist Erfolg nicht garantiert… Viel des Charmes des 820 wird für mich davon abhängen, ob Garmin beim Fertigen und Kalibrieren von kapazitiven Displays erheblich dazugelernt hat oder nicht.
  • Batterielaufzeit 1: Der Edge 1000 und der Edge 520 sind mit 15 Stunden angegeben. Natürlich erreichen beide Geräte und besonders der Edge 1000 diese Zeit bei weitem nicht. Insbesondere, wenn man beim Edge 1000 das Kartendisplay zum navigieren oder Track nachfahren darstellen lässt. Eine erste Info, die mittlerweile berichtigt wurde, gab für den Edge 820 sogar nur 12 Stunden an. Das wäre die komplett falsche Richtung! Nicht nur ich wünsche mir ein Gerät, mit dem eine Tagestour > 8 Stunden ohne externe Stromversorgung und ohne Zittern möglich ist! Beim Edge 1000 ist das nicht gegeben! Diese Angabe wurde mittlerweile korrigiert und auch bei Garmin kann man sehen, dass die Dreierriege 520, 820 und 1000 einheitlich mit 15 Stunden angegeben wird. Bleibt zu prüfen, wie lang der 820 nun wirklich hält.
  • Batterielaufzeit 2: DC Rainmaker berichtet, dass der 820 dafür aber eine recht effektive Stromsparoption habe, die bei Bedarf alles abschaltet, was nicht unbedingt gebraucht wird – also in der Hauptsache das Display. Dabei aber weiter alles aufzeichnet und bis zu 50 % längere Laufzeit ermöglicht. Wenn man das also von Anfang an einschalten kann, könnte man vielleicht im Maximum tatsächlich 12 Stunden Aufzeichnungszeit herausholen? Bliebe einem tatsächlichen Test vorbehalten, ob man das a) kann b) welche Laufzeit dabei herausspringt. Aber: Zum Track nachfahren und das Gerät tatsächlich für Infozwecke unterwegs zu benutzen hilft das natürlich nicht…

Das sind die für mich ausschlaggebenden Punkte – natürlich kann der 820 noch mehr, aber solche Dinge wie WiFi etc. könnt ihr gerne bei DC Rainmaker erlesen. Diese Funktionen nützen alle nichts, wenn das Gerät nicht auf dem Rad einfach bedienbar ist und das macht, was ich von ihm will: wenig Platz wegnehmen, alle meine Trainingsdaten aufzeichnen und darstellen und mich Tracks nachfahren lässt (keine Garmin-Navigation bitte, Danke). Und das alles, ohne dass ich nach 6, 8 oder 10 Stunden mit einem toten, stromlosen Klotz da stehe.

Rapha ist einfach nichts für mich

Produkttests, Rad fahren

Rapha und ich, wir sind einfach nicht für einander geschaffen. Bzw. bei allem coolen Style, der mir in der Fotografie und in der Präsentation von Rapha sehr gefällt, halten – nun zum wiederholten Male getestet – ihre Produkte nicht das ein, was ich an Anspruch an Rennrad-tauglichem Schnitt und an Performance-Fit aus dieser Präsentation ableite und mir persönlich erwarte. Und auch bei anderen Marken besser umgesetzt finde. Your Milage may vary.

Immerhin passen die Kragenschnitte jetzt besser als damals bei meinem ersten Test eines Langarm-Jerseys.

Was habe ich getestet?

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Ein Haufen Rapha (Core-Jersey, Brevet-Windblock-Jersey, Lightweight-Bibshorts)

Zunächst mal – wer bei Rapha etwas zum vollen Preis kauft, dem scheint auch nicht mehr zu helfen. Gefühlt (und im Frühjahr tatsächlich) alle zwei Wochen gibt es Rabatte von meist 20 %.

Zu jedem Frühjahrsklassiker: Sage den Sieger vorher und du kommst in die Lostrommel für einen schönen Gewinn. Allein für das mitmachen: Hier hast du deinen 20%-Gutschein. Nächste Woche das gleiche Spiel. Mitmach-Aktion hier, Umfrage da. Eigentlich eine schöne Sache. Da will ich mich auch gar nicht drüber beschweren; das trägt zur Rennrad-Kultur bei und ist für Rapha Image-Pflege. Ich frage mich nur, wie man mit dieser Frequenz an Rabatten die Kundschaft davon überzeugen will, die normalen Preise zu akzeptieren.

Nun ja, darum soll es gar nicht gehen. Preise sind relativ und so teuer ist Rapha gar nicht. Wenn es die Sachen Wert sind…

Es gab also wieder eine Rabattaktion und ich hatte schon so einige Teile auf dem Kieker, die für mich interessant erschienen und wo ich Rapha einfach nochmal testen wollte.
Schließlich statten sie nun seit 2013 das Team Sky aus und sind durch deren konsequenten Pro-Bedarf und die „Marginal Gains“-Strategie gezwungen, nicht nur schöne Schwarz-Weiss-Fotostrecken und Sportwool-Trikots mit Standard-Schnitt zu produzieren, sondern wirklich funktionale Bekleidung mit konsequenter Passform für Rennhaltung und Bedürfnisse des Pro-Pelotons (ob Klassikerwetter, ob Schnee am Pass oder Hitze) zu konzipieren. Und das kommt meinen Bedürfnissen sehr viel näher als Meriono oder Brevet-Chic. Ich fühle mich dann in einem Trikot wohl, wenn es sich schön an den Körper schmiegt, wenn es vor allem in Rennradhaltung nicht übermäßig Falten in Nacken, Schultern und Brustbereich wirft. Und wenn die Ärmel schön anliegen.

Das Redesign des Classic Jerseys dieses Jahr liest sich dann auch wie eine Kritik-Liste am ursprünglichen Jersey: Neues Merino-Mischgewebe, leichter und mit besserem Tragekomfort. Reduktion des Gewichtes. Schnitt und Passform optimiert.

Das schien für mich in die richtige Richtung zu weisen.

Aber das Classic Jersey hat mich gar nicht so interessiert. Vielmehr war es die Einführung der Core Linie und mit ihr des Core Jerseys. Nicht etwa, weil dies etwas preiswerter als das Classic-Jersey ist. Nein, weil es ein anderes, moderneres Material aufweist, schön auf Understatement getrimmt ist und weil Rapha schreibt, dass es perfekt auf die Sitzposition auf dem Rennrad angepasst sei und einen sicheren, körpernahen Sitz aufweise. Heureka!

Das wollte ich mal austesten.

Und zum Zweiten interessierte mich das Brevet-Windblock-Jersey. Der „Feind“ beim Rennradfahren ist einfach der Wind. Die Tage im Sommer, wo es einfach nur brüllend heiss ist, sind rar gesäht. Meist hat man doch durchwachsene Tage, wo es darum geht, nicht zu sehr zu schwitzen, aber auch nicht auszukühlen. Windschutz ist hier das A und O und ein guter, atmungsfähiger Stoff, der dennoch winddicht ist, ist eines der besten Dinge, die man auf dem Rad haben kann. Deshalb ist auch das Castelli Gabba eins der besten Trikots, die man haben kann.

Und das Dritte, was mich ansprach: kurze Kurze Hosen. Die meisten Bibshorts haben zu lange Beine, finde ich. Was ich schon immer gefordert und gewünscht habe, sind wählbare Beinlängen bei Bibshorts unabhängig von der eigentlichen Größe. Und Siehe und Staune: Rapha hat das dieses Jahr eingeführt! Super. Leider nicht für alle Modelle. Und für manche Modelle in die für mich falsche Richtung – also normal und extralang… Bäh! ;-)
Aber: die Lightweight Bibshorts wird von Rapha in normal und short angeboten. Das wollte ich sehen und testen.

Also: Meinen 20 % Rabatt-Code genutzt und mal eine dicke Bestellung über den Kanal geschickt: 2 x das Core-Jersey in S und M, 2 x das Windblock-Brevet-Jersey in S und M und einmal die Lightweight Bibshorts in M.

Das Core-Jersey:

Der Stoff des Core-Jerseys erscheint mir ganz angenehm. Recht schwer – in einem positiven, wertigen Sinn. Das mag auf dem Rad je nach Witterung ganz angenehm sein. Kann aber im Resultat einfach nur schwerer als ein gewohntes Race-Jersey sein. Die Nähte sind sauber und aufwendig gefertigt und das Trikot weisst schöne Details auf. Auch der Kragen ist fein gearbeitet.

In der Summe her ist das Core-Jersey aber doch nicht so ganz so meins. Für mich finde ich die Größe M an den Ärmeln bisschen zu lummelig (Meckern auf hohem Niveau), den Brustbereich ok aber insgesamt einen Ticken zu weit. Mir würde die Größe S deutlich besser passen. Da liegt alles gut an und trotzdem ist der Kragen nicht zu eng (so eben). Leider, leider und für mich sehr unverständlich: Das Trikot ist in S ist viel zu kurz! Das fällt noch kürzer aus als die eh schon notorisch im Körper kurzen Castelli Trikots. Und das will was heissen.

Ist also nichts für mich! War aber noch das beste der getesteten Produkte und wie beschrieben, von der Qualität eigentlich recht ansprechend.

Das Brevet-Windblock-Jersey:

Mit seinen Pink und Reflex-Streifen über Brust und Rücken ein klassisches Rapha-Design aufweisend wird es als so ziemlich eines der ultimativsten Teile für Brevets oder einfach nur Radfahren beworben. Aber…. puh… das erste Berühren und in der Hand halten… Es gab und gibt wenige Trikots, die mir sofort so gar nicht gefallen haben, wie dieses.

Der Stoff des Brevet-Jerseys… Uhh, den finde ich jetzt nicht so toll. Ich kann nichts über das Tragegefühl auf dem Rad oder nach x-hundert Kilometern sagen. Er erinnert mich von der Haptik aber eher an alte, fast schon reiss-bereite und vom jahrelangen Tragen fadenscheinige Hemden als an irgend etwas tolles, Kuscheliges, oder Leichtes oder Funktionales. Wirklich eher Lidl-Grabbelkiste als Boutique-Ware. Sorry, wenn ich meinen Eindruck so drastisch formulieren muss. Das muss nicht jedem so ergehen.

Der Kragen des Jerseys in Größe S liegt gut an – in Größe M ist er mir schon ein Ticken zu weit und steht auch durch die steifere Vorderpartie mit dem Windschutz etwas ungeschmeidig ab. Nein – das ist absolut nichts für mich.

Die Lightweight Bibshorts:

Vorweg: die Beinlänge der „short“ Version finde ich für mich sehr angenehm. Das ist genau die richtige Länge für mich mit meiner 81er Schrittlänge. Aber was leider sofort auffällt und sehr stört: der deutliche Unterschied zwischen Beinabschluss und eigentlichem Stoff der Hose. Der eigentliche Stoff ist sehr weich und dehnfähig. Fast schon übertrieben so. Ich weiss nicht, wie sich allein dies beim Fahren bemerkbar machen würde. Der Beinabschlussbund ist im Vergleich sehr fest und eng und kaum dehnbar. So schneidet er merklich und störend in meine Oberschenkelmuskeln. Nein, das passt gar nicht. So lohnt sich nicht mal ein Testsitzen auf dem auf der Rolle montierten Rad, um zu schauen, wie das Polster so ist.

Das Ergebnis des Tests ernüchtert. Drei Produkte getestet, drei mal glorios daneben gegriffen. Das Core-Jersey bekommt von mir da noch die beste Wertung und sogar eine Empfehlung, sofern ihr eine Größe benötigt, die nicht all zu sehr auf Racefit ausgelegt ist. Sollte letzteres allerdings der Fall sein und ihr ein enganliegendes Jersey bevorzugen, wird es euch wahrscheinlich auch zu kurz sein.

Tja, ich habe sofort alles wieder eingetütet und es ist wieder auf dem Weg nach England. Bei Rapha bleibe ich lieber beim gelegentlichen Vorbeischauen auf einen Schnack und einen Espresso am Rapha Mobile Club. Und wenn es sich ergibt, mache ich auch gerne bei einem Gentlemens Race oder ähnlichen Event mit. Das geht ja auch hervorragend in Castelli-Sachen. Oder Assos. Oder Sportful. Oder oder… :)

Königswinkel-Cross: Aus dem Nebel die Sonne erstiegen

Rad fahren

Herbsturlaub. Ich wollte mal eine Woche wandern. Ja – Schockschwerenot: Zu Fuß gehen. ;-) Na ok, das Rad habe ich trotzdem in den Kofferraum gepackt… :)

Zur Auswahl standen Dolomiten oder das Allgäu. Darauf fiel diesmal die Wahl. Wieso? In den Dolomiten bin ich oft und gerne. Deshalb hätte ich mir diesmal ein etwas anderes Eckchen ausgesucht. So Richtung Eggental. So ganz konnte ich mich da dann aber doch nicht für erwärmen. Im Oktober muss man dort schon schauen: Was hat noch offen, was macht gerade Urlaub, um im November wieder in die Wintersaison einzusteigen… Doch lieber wieder in’s Gadertal oder Richtung Seiser Alm etc.?

Hmm. Warum nicht mal das Allgäu. Entspannender Urlaub fängt mit kurzer Anreise an. Im Allgäu bin ich definitiv schneller als in den Dolomiten. Ich war auch noch nie bei den Königsschlössern. Und: #Crosstober. Cremacycles lud mal wieder zum Crosstoberfest. Interesse hatte ich ja schon. Aber wirklich mal mitmachen? Zwar wecken die sicher sehr tollen Rahmen- und Radkreationen von Ken Bloomer bei mir jetzt nicht den Habenwollen-Reflex, aber das Programm des Crosstoberfestes hört sich schon liebevoll ausgestaltet an.

Also Allgäu! Vorrangig aber tatsächlich zum Wandern und ein klein wenig Fotografieren und einfach nur zum erholen. Ich hatte mir den Hopfensee als Aufenthaltsort ausgewählt. Das erwies sich als eine tolle Ausgangslage. Das Hotel wäre auch super, wenn entweder das hoteleigene WiFi oder wenigstens das Mobilfunknetz irgendeinen Anschein von Geschwindigkeit gezeigt hätte. Beides war dort unterirdisch, so dass ich das Hotel leider nicht weiterempfehlen kann.

Zum Crosstoberfest hat es dann doch nicht gereicht. Eine Anreise am Freitag bereits war von meinem Terminplan nicht drin. So bin ich gemütlich am Samstag angereist. Somit war Crossrennen und die Crossklinik schon außen vor. Das Abendessen hörte sich interessant an. Aber zum einen war ich nicht alleine unterwegs und zum zweiten wollte ich dann nicht erst abends zu so einem Event zustoßen. Und nur den Sonntag zum Crossfondo mitfahren? Ich hatte das zunächst überlegt, aber mich haben da ein paar Dinge abgehalten: Registration nur für den Sonntag und kurzfristig beim Aufschlagen vormittags dort? Hmm, weiss nicht. Das Wetter für Sonntag war auch nicht super vorhergesagt, aber für Montag schon mit Sonne. Und der Hauptgrund: Mal die Gruppe dort kennenzulernen, wäre sicher nett gewesen, aber im Rahmen des letzten Teils eines Wochenendes sicher auch nicht optimal. Und wenn ich schon in einer landschaftlich tollen Gegend bin, dann möchte ich die in meiner eigenen Geschwindigkeit erkunden. Dort anhalten, wo ich will. Dort lange Fotos machen, wo ich will. Und die Umgebung in mich aufnehmen. Das geht nicht, wenn man mit der Gruppe beschäftigt ist, mit Leuten quatscht oder einfach nur dem Vordermann hinterher fährt – und aufpasst, dass man ihm nicht drauffährt.

Ok, also am Sonntag durch den Nebel wandern und direkt mal Neuschwanstein und die umherliegenden Wege erkunden und am Montag dann selbst auf den Crosser – so wurde es gemacht. :)

Schloss Neuschwanstein nahezu so weiß wie der Himmel - im Gegensatz zum bunten Herbstlaub.

Schloss Neuschwanstein nahezu so weiß wie der Himmel – im Gegensatz zum bunten Herbstlaub.

Um es vorweg zu nehmen: sooo viel Sonne hatte ich am Montag auch nicht. Aber es war noch der bei weitem beste Tag der Wanderwoche, die sogar Schnee brachte und sich standhaft weigerte, die Berge zu zeigen. Bis auf Mittwoch und Donnerstag morgen gab’s auch vom Hopfensee aus nix zu sehen.

Ich hatte mir aus GPSies und Strava-Kursen (auch des Crossfondos vom Vortag) meine eigene Radtour geplant. Vom Hopfensee aus ging es zunächst zum Weissensee, von dort zum kleinen aber sehr feinen Alatsee und über einen winzigen Höhenrücken dann herüber nach Österreich ins Vilstal. Immer noch keine Sonne, aber Hoffnung, dass sie so langsam dann doch den Hochnebel besiegen könnte. In Unterpinswang war es dann soweit. Und ich dachte, es würde noch besser… Naja, auf dem Talniveau war das der Höhepunkt. Recht bald kam wieder die übliche komplett dichte Hochnebelsuppe auf. Zunächst gab’s aber den ersten kurzen „Offroad“-Kontakt. Von Unterpinswang auf den Fürstenweg, der geschottert ein paar Serpentinen hoch und dann zu einem kleinen Grenzübergang im Wald führt.

Cxploring zwischen Tirol/Österreich und Allgäu/Deutschland in den Allgäuer und Ammergauer Alpen. Von Pinswang kommend auf dem Weg zum Alpsee mit meinem Giant TCX Advanced Pro 1.

Cxploring zwischen Tirol/Österreich und Allgäu/Deutschland in den Allgäuer und Ammergauer Alpen. Von Pinswang kommend auf dem Weg zum Alpsee mit meinem Giant TCX Advanced Pro 1.

Ab da wechselt dann bald der Fürstenweg zur Fürstenstraße und führt wieder asphaltiert aber recht reizvoll am Alpsee vorbei. Viele Sichtmöglichkeiten auf den See gibt es aber von dort nicht, da ist der Wanderstieg südlich der Straße besser geeignet.

Die Fürstenstraße am Alpsee im Herbstornat. So sah es auch bei meinem Königswinkel-Cross aus. Das Foto stammt aber von einer Wanderung drei Tage später.

Die Fürstenstraße am Alpsee im Herbstornat. So sah es auch bei meinem Königswinkel-Cross aus. Das Foto stammt aber von einer Wanderung drei Tage später.

Bei Hohenschwangau rollte ich durch das geschäftige Touristentreiben aus Besuchern aller Herren Länder und fand mich direkt nach einem der Autoparkplätze auf einem kleinen Singletrail wieder, der mich bald wieder als Wanderweg zur ausgebrannten Gipsmühle führte.

Von der ehemaligen Gipsmühle steht nur noch eine Fassade und dahinter ist noch etwas Holzgewerk, etwas Fluder und das rückschlächtige Wasserrad erhalten. Interessanterweise ist auf einer Tafel vor der Fassade ein unterschlächtiges Rad dargestellt. Seltsam.

Von der ehemaligen Gipsmühle steht nur noch eine Fassade und dahinter ist noch etwas Holzgewerk, etwas Fluder und das rückschlächtige Wasserrad erhalten. Interessanterweise ist auf einer Tafel vor der Fassade ein unterschlächtiges Rad dargestellt. Seltsam.

Ab hier hatte mich der Hochnebel und das trübe Wetter komplett wieder. Es war auch entsprechend nasskühl. Um die 5° C. Naja, man muss es halt nehmen, wie es kommt…

Weiter ging es über einen Wanderweg bis zur Talstation der Tegelbergbahn. Dort hatte mich der Asphalt wieder und jetzt kam der anspruchsvolle Teil. Jetzt ging es nach oben. :) Zunächst sehr lange über eine asphaltierte Forststraße. Der Asphalt war sicher nicht der tollste, aber hier überlegt ich schon, warum man so eine Strecke als Crossfondo betitelt. Das war bis jetzt alles super mit einem Rennrad befahrbar.

So ein, zwei Kilo weniger (Unterschied zwischen Crosser und Rennrad) wären gerade hier auch sicher angenehm gewesen. Denn hier ging’s jetzt steil und nicht zu knapp zur Sache. 520 Höhenmeter über 5,1 km war der Aufstieg zur Rohrkopfhütte. Also im Schnitt 10%. Das ist schon amtlich. Im unteren Part war ich noch voll im Exploring-Mode. Fand am Wanderparkplatz Drehhütte z.B. ein Schild zu einem Erlebniszentrum  Adlerhorst und bin aus Neugier in den Zufahrtsweg eingebogen und habe mir die Location kurz angesehen, bevor es dann weiter hinauf ging. Hinter dem Hammergraben packte der Anstieg dann auch den Hammer aus: Die restlichen 320 Höhenmeter wurden nie flacher als 14 % und das 1,5 km lange Stück bis zur Drehhütte hatte liebliche 17 % im Schnitt zu bieten. Am Abzweig vor der Drehhütte wechselte der Belag auf feinen Schotter und führt mit rd. 14 % weiter zum Rohrkopf. Der Nebel wurde auch heller. Würde es reichen, die Sonne zu sehen?

Mit dem Crosser an der Rohrkopfhütte. Nach rund 520 m Anstieg mit durchschnittlich 10 % und in Teilen im Schnitt 17 % kam ich endlich aus der zähen Suppe aus Hochnebel und tiefhängender Wolkendecke hervor. Aussicht gab es trotzdem keine. Aber Sonnenschein für's Gemüt. :)

Mit dem Crosser an der Rohrkopfhütte. Nach rund 520 m Anstieg mit durchschnittlich 10 % und in Teilen im Schnitt 17 % kam ich endlich aus der zähen Suppe aus Hochnebel und tiefhängender Wolkendecke hervor. Aussicht gab es trotzdem keine. Aber Sonnenschein für’s Gemüt. :)

Jaaaa, es reichte. Soeben. Eigentlich hatte ich gehofft, vielleicht von dort oben das Schloss Neuschwanstein sehen zu können. Ist das von da aus möglich? Ich weiss es nicht. Eine Nebelzunge leckte immer wieder über den Hang. Trotzdem. Hier hielt ich sofort an und fotografierte das Schauspiel auf unterschiedliche Weise und freute mich an der Sonne. Hmm – das war leider noch mitten im entsprechenden Strava-Segment. ;-)

Aber egal, darauf kam’s mir nicht an und das hatte ich ja auch schon unten beim Abzweig zum Adlerhorst verbummelt. ;-) Interessanterweise wurde ich hier oben gleich zweimal auf mein Rad angesprochen. „Wie kommst du denn wieder runter?“ Ähh, mit dem Rad…  Und ein anderer Wanderer etwas später „Ist das eigentlich ein gutes Rad für solche Wege?“ ;-)

Ich überlegte kurz, bei der Rohrkopfhütte einzukehren. Aber für draußen war’s zu kalt und der Nebel schwappte immer über die Terasse. Und das Rad bei der doch heute gut frequentierten Hütte einfach draußen stehen lassen, wollte ich auch nicht. Also ging’s bald weiter. Riegel habe ich auch keinen gegessen. Vielleicht hatte ja die Drehhütte auf… Nein, hatte sie heute nicht. Dann später unten im Tal? Nein, da war nichts ansprechendes. Am Forggensee? Ah nee, keine Außengastronomie – alles kalt und trübe und irgendwann auch spät… Resultat mal wieder: nix gegessen außer irgendwann ein Riegel. Hmm, geht doch – extra energiesparend und fettstoffwechselfördernd unterwegs… Natürlich fehlte dann am Abschluss entlang des Forggensees und den lustigen kleinen (wirklich klein und sanft) Wellen des Allgäus der Druck auf dem Pedal.

Aber soweit war ich ja noch nicht. Erst mal wurde vom Rohrkopf wieder in den Nebel hinabgetaucht. Kurze Abfahrt über den Schotterweg, dann an der Drehhütte vorbei über einen etwas steinigen Wanderweg, der alsbald schmal und sehr steil wurde. Ah ok. Eine kurze Tragepassage, dachte ich.

Yours truly mit Sack und Pack :) Der Sack ist mein getreuer Camelbak Blowfish, den ich wegen seiner schmalen Ausmaße gerne nutze und das Pack ist das in bester Crossermanier geschulterte Giant TCX Advanced Pro 1.

Yours truly mit Sack und Pack :) Der Sack ist mein getreuer Camelbak Blowfish, den ich wegen seiner schmalen Ausmaße gerne nutze und das Pack ist das in bester Crossermanier geschulterte Giant TCX Advanced Pro 1.

Für solche Touren habe ich ab und an auch mal einen Rucksack dabei. Hier habe ich dann zwar nie eine Trinkblase, aber Kleinkram, der sonst in den Trikottaschen ist, dabei. Und die Micro Four Thirds Ausrüstung. Heute bestehend aus der Olympus OMD E-M5 und drei Objektiven (7-14, 20 und 45 mm).

Ich wusste nicht, was danach noch kommt. Hier sieht es ja noch ganz harmlos aus...

Ich wusste nicht, was danach noch kommt. Hier sieht es ja noch ganz harmlos aus…

Neblig isses.

Da geht's hoch.

Da geht’s hoch.

Bäume im Nebel

Wirklich neblig.

Aber wenn man nach oben schaut…

Aufstieg zum Pechkopf

Aufstieg zum Pechkopf

Ich hoffte, dass ich nochmal in die Sonne kam. Und dass der Weg, der nun immer schmaler wurde, bald wieder befahrbar wurde.

Wurde er aber erst mal nicht. Sondern entwickelte sich zu einem ausgewachsenen Bergpfad, steil am Hang klebend. Puh, dachte ich. Wenn ich hier wieder umdrehen müsste, hätte ich ein Problem. Und: hier kann doch keiner ernsthaft eine Gruppenfahrt hoch geplant haben… Ist doch viel zu eng und mit dem Rad bergseits muss man ja fast Angst haben, entweder an einem Busch hängen zu bleiben oder abzusegeln…

Naja, wenigstens war ich bald aus dem Nebel und plötzlich…

Einen steilen Bergsteig emporkletternd stieß ich plötzlich aus den Wolken hervor. Ich fand diese überwältigende Aussicht über das Wolkenmeer. Vor mir linkerhand der Tegelberg.

Einen steilen Bergsteig emporkletternd stieß ich plötzlich aus den Wolken hervor. Ich fand diese überwältigende Aussicht über das Wolkenmeer. Vor mir linkerhand der Tegelberg.

Ohhhh! Ahhhh! Wow! Berge! Endlich. Dafür hatte sich die Plackerei gelohnt. Sonne! Aussicht! Etwas herbstliche Wärme. Hach. Da musste ich doch sofort diverse Fotos machen. Oben und unten je ein Panorama aus mehreren Aufnahmen.

Tegelberg und Wolkenmeer

Alles mitten in diesem steilen Pfad.

Velo-Mountaineering und Crossploring at it's best! Mit dem Rad am Berg. :)

Velo-Mountaineering und Crossploring at it’s best! Mit dem Rad am Berg. :)

Hier dachte ich noch: Ok, hier ist keiner am Sonntag hergekommen, du hast da was anderes geplant. Bis weiter oben der Pfad am Kamm tatsächlich wieder flacher und befahrbar wurde und ich dort auf dem Boden ein Cinelli-Lenkerendstopfen fand… Donnerwetter! Geiler Scheiß, Ken, das als Gruppenevent zu planen. :)

Und später auf Strava habe ich gesehen, dass das sogar als Segment angelegt wurde. :)

Extra-Credit, haha :)  Natürlich weisse ich von den 21 Befahrern den abgeschlagen letzten Platz auf. Aber von den anderen hatte auch keiner Sonne und einen solchen Ausblick da. :)

Oben teilte mir dann ein Wegweiser mit, dass ich mich auf 1400 m Höhe und am Pechkopf befand.

Wanderwegweiser und Crossrad.

Wanderwegweiser und Crossrad.

Yay, ein flowiger Singletrail:

Singletrail am Pechkopf

Singletrail am Pechkopf

Der wurde alsbald etwas tief, so dass ich zum ersten Mal etwas Matsch aufsammelte. Und ich fand mehr Spuren von schmalen Reifen. Und sehr bald öffnete sich der Wald und ich war auf einer ebenfalls noch in der Sonne liegenden kleinen Alp.

Mein Giant TCX Advanced Pro 1 auf dem vorderen Mühlberger Älpele

Mein Giant TCX Advanced Pro 1 auf dem vorderen Mühlberger Älpele

Lensflare und Purple Flare Galore. Das Pana 7-14 ist an der OMD 'ne ganz besondere Bitch. Hier passt es ganz gut.

Lensflare und Purple Flare Galore. Das Pana 7-14 ist an der OMD ’ne ganz besondere Bitch. Hier passt es ganz gut.

Aha, mein weisser Bruder: Hier sind sie vorbeigekommen. Die Spuren sind höchstens einen Tag alt… ;-)

Spuren

Hmm, schön so in der Sonne. Doch es führte kein Weg daran vorbei. Ich musste wieder herunter vom Berg. Und damit in die Wolken und den Nebel…

Wolkenmeer, die Zweite.

Wolkenmeer, die Zweite.

Zuvor kam ich an einem Punkt vorbei, der auf Openstreetmap den Eintrag „Seenblick“ hat. Ich hatte mir ihn extra als Waypoint markiert.

Auf meiner Königswinkel-Cross-Tour mit meinem Giant TCX Advanced Pro 1. Hier vom Pechkopf (ein kleiner Gipfel auf 1400 m über dem Meer) kommend und am so genannten

Auf meiner Königswinkel-Cross-Tour mit meinem Giant TCX Advanced Pro 1. Hier vom Pechkopf (ein kleiner Gipfel auf 1400 m über dem Meer) kommend und am so genannten „Seenblick“ stehend. Nun – statt mehreren Seen gab es ein einziges Meer – ein Meer von Wolken! :)

Seen gab’s nicht zu sehen. Aber anstelle dessen ein Meer – ein Wolkenmeer. Für mich eines der schönsten Bilder der Tour. Ein ganz tolles Naturschauspiel, ein wunderbares Herbstseitenlicht. Der blaue Crosser ein toller Farbtupfer im herbstlichen und hohen Gras… eine schön ausbalancierte Komposition – für mich stimmt hier alles im Bild (als Fotograf hat man ja eigentlich an allen seinen Bildern etwas zu kritteln… :)

Ein letzter sehnsuchtsvoller Blick das Sträßlein hinauf…

So unterschiedlich kann der Aufstieg zum Älpele sein. Eine kleine Forststraße wie hier. Oder ein steiler, schmaler Bergpfad, wie auf der anderen Seite des Pechkopfes...

So unterschiedlich kann der Aufstieg zum Älpele sein. Eine kleine Forststraße wie hier. Oder ein steiler, schmaler Bergpfad, wie auf der anderen Seite des Pechkopfes…

… und dann ging es endgültig wieder in den Nebel hinein. Die Temperaturaufzeichnung meines Garmins zeigt sehr schön die kurzen Sonnenmomente am Berg:

Temperaturkurve

Im Schnitt 6 °C für die gesamte Tour. Im Tal bzw. Vorland immer bei oder unter 5 °C und dann scharfe Peaks auf 21 °C in der Sonne oben am Rohrkopf und dann am Pechkopf. Dann wieder Bibbern bei nebelfeuchtkalten 4 °C…

Die Abfahrt war ganz nett, führte teils über Waldwege und teils über asphaltierte Forststraßen. Alles in allem schätze ich für die gesamte Tour 60 % Asphalt (Straße, Radweg, Forststraße), 24 % glatter Forstweg, 10 % rauherer Forstweg (trotzdem super zum drüberrollen), 3 % Singletrail und 3% Gebirgssteig (Tragepassage). Also, wenn man nicht zu zimperlich ist und vielleicht generalisiert: Anstelle den 3 % Gebirgssteig hätte man ein Rennrad auch noch über die 3 % Singletrail tragen können und den Rest einfach mit dem Renner (aber dann guten Reifen) fahren können. Trotzdem war der Crosser sicher die bessere Wahl. Zumal mein TCX Advanced ja auch ein super Roller und Tourer ist. Die Clement X’Plor USH Reifen sind dafür wie gemacht!

Es gab im Tal ab Halblech noch eine schöne Hatz über einen sanft abfallenden, aber teils doch etwas gröberen (hielt sich aber in Grenzen) Wald- bzw. Schotterweg entlang eines Bergbaches mit gleichem Namen. Da war sicher der Crosser auch wieder besser als ein Rennrad. Hatte auch Spaß gemacht, da Schub zu geben. :)

Danach umrundete ich dann den Forggensee auf seiner Ost- und Nordseite. Aussicht gab’s leider keine. Soweit, dass ich mich deswegen in’s Wasser stürze, ist es dann soeben nicht gekommen… ;-)

Am Forggensee

Am Forggensee

Ob man hier jemals Berge sehen kann…?

Mein Giant TCX Advanced Pro 1 im Forggensee.

Mein Giant TCX Advanced Pro 1 im Forggensee.

Gut, ich hätte mir eine herbstliche Tour im Allgäu auch ganz anders vorstellen können. War überwiegend halt einfach nur zu kalt für die Jahreszeit und ohne Aussicht. Dafür an wenigen Stellen aber um so grandioser! Ich bin froh, dass ich auf diese Weise den Königswinkel mit dem Crosser erkunden konnte. :)

Ich habe die Tour auch auf GPSies abgelegt. Ihr könnt Sie euch dort anschauen und herunterladen.

Natürlich steht sie auch auf Strava. Hier die Tourdaten:

Distanz: 76,8 km, Höhenmeter: 1398 m, Zeit: 06 h 56 m (brutto), Durchschnittsgeschwindigkeit: 11,1 km/h, Durchschnittsgeschw. in Bewegung: 16,2 km/h, Durchschnitts-HF: 123

Strava_20151012

Les Trois Ballons 2015 – Ein Spoocha-Radmarathon-Wochenende in den Vogesen

Rad fahren

3 Uhr 20 in der Nacht. Ich werde wach vom Regen der auf das Dachfenster prasselt. Das Dachfenster, das direkt über dem Bett und nur 1 Meter über meinem Kopf ist. Ein Dachfenster in einem von außen sehr unscheinbaren Haus. Mitten im Nirgendwo zwischen Saint-Bresson und Raddon-et-Chapendu in der Haute-Saône.

Die Anfahrt

Ich war froh, dass ich es gefunden habe. Nach rund 7 Stunden Autofahrt von Wuppertal in die Vogesen. Freitag nachmittags und abends durch Luxemburg, dann durch Metz und vorbei an Nancy ist echt nicht schön… Ich lasse meinem Frust bei einem viel zu kleinen Cafè au Lait in einer kleinen Raststätte an der Autobahn südlich von Thionville per Twitter und über Whats App heraus. Whats App nutze ich übrigens nur wegen der Rennrad-Kollegen. Sowohl der Wittgensteiner als auch der Bergischen/Ruhrgebietstruppe… Ein schlimmes Stück Software, aber ich schweife ab. Versöhnend wirkt die wirklich sehr leckere Tarte aux apricots. Ich nehme gleich ein zweites Stück. Schließlich habe ich morgen was vor.

Ich fahre zum 3 Ballons Grand Trophee Cycling Event. Les Trois Ballons. Oder in Deutsch: die drei Belchen. Die Ausschreibung verspricht 213 km und 4300 Höhenmeter.  Die meisten davon im Anstieg zu den drei Belchen Col des Chevrères, Ballon d’Alsace und Grand Ballon.

Letztes Jahr haben wir mit einer größeren Spoocha-Gruppe am Dreiländergiro teilgenommen. Für dieses Jahr hatten wir uns Ende letzen Jahres die Vogesen und les Trois Ballons als Ziel ausgeguckt, zu dem wir anreisen und ein kurzes gemeinsames Wochenende verbringen wollten. Leider waren wir nicht so viele wie letztes Jahr in Nauders. Während wir den einen oder andern lieben Menschen vermisst haben war es aber in kleiner Gruppe in einem Ferienhaus ganz für uns alleine umso netter.

Unsere Man Cave für's Wochenende. Von hinten sogar recht pittoresk. Foto: Marko

Unsere Man Cave für’s Wochenende. Von hinten sogar recht pittoresk. Foto: Marco

Und dieses Ferienhaus – von dem hatte ich nur eine grobe Anfahrtskizze. Ganz wie früher. Bevor jedermann ein Smartphone mit Google Maps hatte. Und auch bevor jeder ein Navi hatte. So richtig Oldschool. Und ich wusste auch gar nicht, was mich da genau erwartete. Nur, dass es jemand aus der Truppe organisiert hatte und man von dort recht gut mit dem Rad zum Start und zum Ziel fahren können sollte. Bis nach Luxeuil les Bains führte mich mein Navi, ab da war’s dann ein klein wenig spannend. ;-)

Ich war aber recht bald und kurz vor der Dämmerung angekommen. Zweifelnd hinter das von vorne fast schon baufällig wirkende Haus gefahren und – da standen die Autos der Kollegen. Und auf der Veranda wurde schon an Rädern geschraubt. Puh – doch richtig! :)

Ich habe altbekannte und für mich ganz neue Gesichter begrüßt, meine Radkiste mit Schuhen, Helm und Krimskrams und die Sporttasche auf mein Zimmer getragen und bin danach doch nochmal kurz nach McDonalds am Rand von Luxeuil les Bains gefahren. Es gab zwar Käse, Salami und Brot – aber ich wollte heute noch was Warmes haben. Ideales Carbo-Loading mit ’nem Burger und weltweit gleich mittelmäßigen Fritten… ;-)

Eine Cola, ein kleines Bier und ein paar Gespräche später suchten wir unsere Betten auf. Das war so um halb Eins. Und jetzt ist es nicht mal halb vier und der Regen hat mich geweckt… Also wach und Regen… beides doof! Oropax retten ein kleines bisschen Schlaf bis 5 Uhr. Da geht der Wecker… Seufz – Radmarathons…

Der Tag

Wir treffen uns zum Frühstück. Draußen regnet es noch immer. Hmmm – sollte es nicht eigentlich bis zu 26° warm werden? Kalt ist es nicht. Die übliche Frage: was anziehen, was mitnehmen? Für meine Allzweckwaffe, das Castelli Gabba Convertible, ist es mir zu warm. Ich bin froh, dass ich auch meine Gore Oxygen AS Regenjacke mitgenommen habe. Die kann ich anziehen – dafür bleiben die Windweste und die Armlinge im Haus. Wie sich herausstellte, die ideale Wahl.

Schon zum Start kann ich die Regenjacke ausziehen, so warm, nein, eher leicht schwül waschküchenmäßig ist es schon um 7 Uhr 15 zum Start. Jeweils oben an den ersten Anstiegen und für nicht wenige Abfahrten ist die Gore Jacke aber wieder ideal.

Um 6:30 rolle ich schon die 11 Kilometer von unserem Domizil zum Start nach Luxeuil les Bains. Ich muss mir im Gegensatz zu den anderen noch die Startnummer abholen. Das T-Shirt, was es dazu gibt, stopfe ich mitsamt der Tüte hinter einen Stromkasten eines kleinen Gebäudes auf dem Startgelände. Prima – als ich das Versteck am Sonntag wieder aufsuche, ist es noch da. :)

Also, 7 Uhr 15 ist Start und wir rollen zu siebt los auf die 213 Kilometer-Runde. Zwei weitere „Spoochies“, Marco und Martin, starten etwas später auf die 105 km-Runde. Und Natascha und Jens werden wir leider während des Tages und des Gran Fondos gar nicht zu Gesicht bekommen. Sie fahren auch die 213er Runde und waren in einem Hotel untergebracht. Trotz modernster Telekommunikationstechnik haben wir am Start nicht zusammenfinden können. Dabei war dort die Masse jetzt auch nicht sooo groß. Ich würde mal ganz grob ein Teilnehmerfeld in Höhe von vielleicht zwei- bis dreitausend Rennradlern schätzen.

Nach dem Start rollen wir erst einmal rund 20 km sehr flach in größeren Grüppchen dahin. Dann folgt der erste kleine 130 m Hüppel, die Cote Faucogney. Nach nur weiteren 10 km folgt dann der erste Belchen. Auf dem Höhenprofil, auf das ich vorher nur einen kurzen, sehr groben Blick geworfen hatte, schaut der gar nicht zu wild aus. Sehr hoch ist er auch nicht. Aber die letzen 2,1 km sind im Schnitt 11 % steil und nicht selten steht die Prozentanzeige bei 15 % oder darüber.

Im Einstieg zum Anstieg des Col des Chevrères. Tief hängen die Wolken an den Hängen.

Im Einstieg zum Anstieg des Col des Chevrères. Tief hängen die Wolken an den Bergflanken.

Bevor wir dieses Teilstück erreichen, sehe ich auf einmal Seb, Ralf und Gino an der Straßenseite stehen. Seb hat einen Platten. Ich halte auch an und nutze die Gelegenheit, zum ersten Mal die Kamera heraus zu ziehen und ein paar Bilder zu machen.

Wir waren froh dass dies der einzige platte Reifen unserer Gruppe war. Ich habe noch nie so viele Leute mit Reifenpannen an der Seite gesehen wie in diesem Marathon. Die meisten in der ersten Hälfte. Ok, dort gab es recht viele Abschnitte auf tollen kleinen Straßen mit rauer Oberfläche (typisch halt für Frankreich) und mit festem oder losem Splitt. Aber nichts außergewöhnliches womit ein normaler Reifen Probleme haben sollte. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass alle diese Leute mit empfindlichen Zeitfahrreifen unterwegs waren?

Aber wer weiß. Wir haben sogar jemandem auf einem (alten) Zeitfahrrad mit einem Scheiben-Hinterrad gesehen!

Wie man sieht, hingen zu diesem Zeitpunkt regenschwere Wolken tief über den Bergkuppen. Im Anstieg war leichter Sprühnebel willkommen. Später fing es dann aber im Anstieg zum nächsten Belchen, dem Ballon d’Alsace, richtig zu regnen an. Oben am Gipfel und der dortigen Verpflegung war meine Regenjacke zumindest an den Armen auch total durch. Unschön. Aber für die folgende Abfahrt trotzdem noch vor dem Fahrtwind schützend. Und damit mehr als die halbe Miete.

Aber wettertechnisch war danach das Schlimmste überstanden. Im Anstieg zum Col du Hundsruck kam schließlich die Sonne heraus. Und so konnten wir oben an der Passhöhe auch zum ersten Mal eine sehr nette Aussicht bewundern.

Mein Canyon am Col du Hundsruck.

Mein Canyon am Col du Hundsruck.

Es folgte, natürlich, wieder eine Abfahrt. Wieder eine ganz tolle Abfahrt. Wie alle Abfahrten heute. Und danach dann der Höhepunkt des Profil, der Grand Ballon. Nach rund 111 km – bzw. für uns nach rund 122 km und nach 6,5 Stunden fuhren wir in den Anstieg hinein. Ab da hieß es 15 km und 934 m vertikal mit durchschnittlich  6% zurückzulegen. Hors Category.

Auf dem Großen Belchen (Grand Ballon). Vom Scheitelpunkt der Straße hinunter nach Norden blickend. Über die erste Kurve der Nordseite und die Hügel der Vogesen.

Auf dem Großen Belchen (Grand Ballon). Vom Scheitelpunkt der Straße hinunter nach Norden blickend. Über die erste Kurve der Nordseite und die Hügel der Vogesen.

Ein sehr schöner Anstieg. Irgendwann biegt man um eine Kurve im oberen Drittel und es öffnet sich ein Riesen-Blick weit über die Rheinebene bei Muhlhouse Richtung Osten bzw. Südosten zum Schwarzwald und zu den Alpen. Trotz dass ich voll Druck fahre, habe ich genug Luft und Lust, um den Ausblick zu genießen und Seb gegenüber ein paar Mal zu betonen, wie genial der Ausblick ist.

Weite Sicht über die Rheinebene vom Grand Ballon.

Weite Sicht über die Rheinebene vom Grand Ballon.

Yours Truly - Selfie am Großen Belchen.

Yours Truly – Selfie am Großen Belchen.

Seb und ich – wir waren an jedem Anstieg ein Kletter-Duo und haben uns gegenseitig die Anstiege hochgezogen. Ich konnte heute so zum ersten Mal nachempfinden, wie toll und hilfreich ein Teamkollege in der Spitze auch am Berg ist, wo es ja wahrlich nicht um Windschatten geht. Oft hat Seb geführt. Ich wollte auch gar nicht schneller fahren. Ich wollte aber auch nicht direkt neben ihm fahren und vielleicht damit auch unbewusst noch etwas mehr antreiben (ich nehme bei ihm da ein sehr gesundes Wettbewerbsverhalten wahr ;-)). Wir haben uns aber auch abgewechselt und dann habe ich geführt. Ab und an wechselten wir dann in engen Kurven ab. Das fand ich ganz toll. So haben wir uns gegenseitig gut unterstützt. Hatten es aber auch nicht nötig, uns dann oben an der Kuppe einen abzusprinten. Das haben wir anderen überlassen. Wobei – viele haben uns nicht überholt. Wenn überhaupt.

Das mag aber auch daran gelegen haben, dass wir doch im Tagesverlauf immer weiter in der Fahrzeit zurück hingen.

Zwischen lustigem Quatschen und diversen Fotos: kontemplatives Warten auf dem großen Belchen.

Zwischen lustigem Quatschen und diversen Fotos: kontemplatives Warten auf dem großen Belchen.

Zum Schluss werde ich die Brutto-Zeit von Start bis Ziel mit 12 Stunden 25 stoppen. Die reine Netto-Fahrtzeit ist aber nur 9 Stunden 17 Minuten. Das ist mal ein krasser Unterschied. Aber das war halb so schlimm. Dafür hatten wir einen um so längeren, schönen Rad-Marathon. Wir haben an jedem langen Anstieg oben gewartet, bis wir alle wieder zusammen waren. Das hatte zwischendurch mal etwas länger gedauert – wir hatten jemand mit Knieproblem, wie sich herausstellte und wir hatten einen (temporären) DNF.

Wie das geht? Tja – Ginos Bruder Lorenzo hatte vielleicht nicht die absolut beste Form und auch ein komplett neues Rad, was vielleicht noch nicht optimal eingestellt war. Das hatte er aber dadurch kompensiert, indem er eine klassische Heldenkurbel montiert hatte. Also mal gleich das Lehrbuch, wie ich ein solches Event über 200 Kilometer und 4300 Höhenmeter nicht angehe… Auf der Hälfte des Gran Ballon beschloss er, sich abholen zu lassen…  Um zweieinhalb Stunden später plötzlich an der Verpflegung oben am Servance völlig überraschend mit dem Rad wieder aufzutauchen. Er habe doch nicht Marco angerufen und Zug fahren wäre auch nicht so wirklich sinnig gewesen. So habe er den Gran Ballon umfahren und sei dann wieder auf die Marathon-Strecke eingebogen…

Äh ja. Wir haben uns natürlich gefreut. ^^ Dann hatten wir wie oben geschrieben einen, Gott sei Dank den einzigen Platten und wir hatten, ebenfalls kurz vor der letzten Verpflegung noch jemandem mit gerissener Speiche am Hinterrad. Das konnten wir (dank Seb’s Erfahrung von Paris-Roubaix) mit einer Zange beheben. Naja – so hat sich das geläppert.

Vielleicht war deshalb mein Trainings Stress Score etwas niedriger als vom Nordeifel-EXTREM-Marathon Ende Mai. Der war ja mit 256 km und rund 4600 Höhenmeter sogar von den Zahlen noch etwas heftiger. Dort hatte ich einen TSS von 677. Hier bei Les Trois Ballons einen TSS von 649. Ich empfand den Trois Ballons aber etwas härter. Ich führe das auf die längeren Anstiege zurück.

Gerade auch zum großen Belchen hoch: Da habe ich die zweitbeste Leistung über eine Stunde bisher gefahren: 235 Watt. Und das nach 6 Stunden 40 und schon über 100 km und diverse Höhenmeter in den Beinen. Meine beste Stundenleistung bisher habe ich im letzten August gefahren. 249 Watt. Und das war frisch über eine etwas flachere Runde im Rahmen eines persönlichen Zeitfahrtests.

Im letzten Drittel des Grand Ballons merkte ich dann auch meine linken Fußsohle. Da baute sich langsam Druck auf. Ging aber. Später merkte ich dann, dass das linke Fußgelenk gut beansprucht war. Ich hab’s dann am Abend mit Sportsalbe eingerieben. Der Lohn der Mühe war aber, dass ich den Gipfel wie auch die beiden Prozent-Kracher am Anfang (der Col des Chevrères) und am Ende (der Anstieg zum Plateau des Grillauds, die Côte de Beulotte) allein zu erst erreiche. Und ein super Bergtraining absolviere. :)

Zum Schluss, eigentlich noch vor der letzten Verpflegung, können wir alle keine Anstiege mehr sehen. „Da kann doch jetzt nichts mehr kommen?“, „Neee, keinen Bock mehr auf Anstiege.“, „Hmm, es fehlen doch noch 400 Höhenmeter, wo sind die denn…?“, „Das ist jetzt nur eine Welle…“

Die Welle hatte knappe 380 Höhenmeter und hieß Col d’Oderen. Seb unermüdlich voraus, der Rest sofort wieder zurück. Ich dachte zu mir… Orrr, hilft nix, hinterher. Fuhr dann die Lücke wieder zu und weiter ging das gewohnte Spiel. Ohne Nachlassen an der Schwelle gemeinsam bis ganz nach oben. Da dann bis hinter die Kuppe rollen (damit auf jeden Fall das entsprechende Strava-Segment beendet wurde) und dann wieder auf die Kollegen warten… ;-)

Aber danach kam wie gesagt noch der letzte und steilste Kracher der 3 Ballons, der bis mindestens zu 16 – 18 % steile Anstieg zum Plateaux des Grillauds.

Da gingen und schoben nicht wenige… War lustig zu sehen, wie so nach und nach der eine oder andere nach oben blickend schließlich einfach zusammensackte, den Kopf ganz neigte, einfach aufhörte zu pedalieren und dann ausklickte… ;-)

Aber oben auf dem Plateau war es wunderbar. Tolles Licht, rollend flache Landschaft, überall kleine Tümpel, Heurollen, ein kleines Sträßchen hindurchführend auf dem wir auf leicht ondulierendem Terrain rollen konnten… Ein Klasse Abschluss eines tollen Radmarathons. Der zweite, finale Abschluss war dann der Dampfhammer-Zug von Seb auf dem letzten Flachstück zum Ziel hin. Mit 38er Schnitt flogen wir die letzten 8 km flach bis ins Ziel hinein nach Raddon-et-Chapendu. Genial.

Ein kleiner und nicht sehr repräsentativer Ausschnitt des Plateau des Grillauds mit seinen

Ein kleiner und nicht sehr repräsentativer Ausschnitt des Plateau des Grillauds mit seinen „tausend“ Teichen. Hier hätte man viel mehr Zeit mit Fotografieren verbringen können…

Eine tolle Landschaft, anspruchsvolle Kletterei, tolle Ausblicke (sobald sich die tiefhängenden Wolken verzogen hatten) haben Werbung für die Vogesen gemacht. Die Orte, durch die man durchfuhr… Gut war: es waren nicht viele und nur sehr kleine. Alles sehr ländlich, was ich toll fand. Es gibt aber hübschere Orte und Gebäude als in weiten Teilen dort. Aber das soll nicht nachteilig aufgefasst werden – im Meisten ist man wirklich über kleine Straßen durch den Wald oder die Belchen rauf und runter unterwegs.

Die Menschen bei den Verpflegungsstellen und bei den Kreuzungs- und Verkehrssicherungen waren sehr freundlich. Was ich nicht so toll fand, war die Verpflegung selbst – sie war ok, aber nicht berauschend. Gerade die beiden als „Powerbar“ beworbenen Verpflegungsstellen… Da gab’s gerade mal Energie-Getränk und die Performance Bars… Dabei gäbe es doch von Powerbar noch viel mehr…

Naja – dafür fand ich das Trockenobst, die Bananen-Stücke (kaum angerührt), die Orangen-Viertel (oh jaaa! :)) und Baguette-Brot mit Salami und mit Camenbert super und voll ausreichend. Wobei – an einer Verpflegungsstelle war Käse und Salami aus.

Und es war ziemlich dreckig rund um die Verpflegungsstellen… Das kenne ich sonst nicht so.

Gesamturteil: Ja – sollte man mal gemacht haben. Ein zweites Mal würde ich die Vogesen dann aber alleine oder in der Gruppe selbstorganisiert fahren.

Der Abend

Im Ziel geben wir die Transponder zurück und tauschen das Pfand gegen eine Goldmedaille als Erinnerungsstück ein. Danach gibt es zwei kühle Bier als Erfrischung. Als ich danach wieder auf den Bock steige, bin ich auch bocksteif… Wir fahren mit dem Rad zu unserem Domizil und machen uns sofort an die Zubereitung des Abendessens.

Gut ausgestattete Küche mit rustikalem Herd. Foto: Marko.

Gut ausgestattete Küche mit rustikalem Herd. Foto: Marco.

Ich zimmere mir zuvor aber noch eine erste Recovery-Mahlzeit rein. Eine Schüssel Bircher Müsli mit Nutella und Milch. :)

Wir haben zwei tolle Nudel-Rezepte am Start und bald duftet es nach Knoblauch, Gewürzen, Tomaten, Oliven und Süßkartoffeln im ganzen Haus. Das Nudelwasser wird aufgesetzt und… plötzlich ist der Strom weg… öha. Nach geraumer Fahndung kann der Saft an einem Hausanschlusskasten außen am Haus wieder bereit gestellt werden. Die Kerzen, die wir schon herausgesucht haben, bleiben am Tisch und sorgen für gemütliche Stimmung. Endlich können wir auch Natascha und Jens begrüßen, die den Weg zu uns gefunden haben.

Wir verbringen einen tollen, lustigen, leckeren und später dann auch leicht feuchten Abend gemeinsam. Andi hatte leckeren Rotwein von einem Winzer am Mont Ventoux mitgebracht. Später gab es noch Gin Tonic für die Bettschwere. Total unnötig, soll aber ein dufte Recovery-Getränk sein. Oder haben die mich da etwa beschummelt? ;-)

Gedeckter Tisch. Foto: Marko.

Gedeckter Tisch. Noch ohne Kerzen. Noch ohne Wein. Und ohne Spoochies :) Foto: Marco.

Was für ein geniales, aber leider viel zu kurzes Wochenende in den Vogesen. Hier und genau auf solche Weise sollten wir noch mal hin kommen und einen Rad-Urlaub verbringen, versichern wir uns…

Distanz: 230,1 km (inklusive Hinrollen zum Start), Höhenmeter: 4031 m (Garmin Edge 1000 sind notorisch bescheiden, was die Höhenmeteraddition angeht), Zeit: 12 h 26 m (brutto), Durchschnittsgeschwindigkeit: 18,4 km/h, Durchschnittsgeschw. in Bewegung: 24,6 km/h, Durchschnitts-HF: 128

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