Festtags-Kilometer. Mit Rennrad und Crosser durch Siegerland, Sauerland, Wittgensteiner Land, Bergisches Land und Hessen

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An der Schönen Aussicht

Schöne Aussicht… … das ist der Name dieser Stelle an der Eisenstraße. Ich glaube, das ist ganz passend. :) Keine Spur von Schnee an diesem 24. Dezember.

Die Verwandtschaft besucht, die Lieben beschenkt und auch zwischen den Tagen im Büro geschafft – dennoch: Da war ja noch etwas Zeit dazwischen. Die Feiertage lagen und liegen sehr praktisch zum Wochenende. Das Wetter ist für Jahreszeit viel zu warm. Aber natürlich sehr praktisch für das Radfahren draußen. Also hervorragende Randbedingungen für ein privates Trainingslager daheim. Zeit für andere Dinge blieb da aber gar nicht.

Von einer Weisheitszahngeschichte, die mich im November nahezu komplett lahmgelegt hatte, war über den Anfang Dezember gerade wieder genug an Fahrten zusammen gekommen, damit ich in den letzten Tagen beginnend mit Heiligabend den Umfang schön hochziehen konnte. Dabei habe ich mich bewusst auf Grundlagentraining E2 in Zone 1-2 konzentriert. Auch die Strecken so ausgewählt, dass zügiges und weitgehend durchgehendes Pedalieren möglich war. Also kein stetes auf und ab auf wohlmöglich noch steilen und „eckigen“ Auf- und Abfahrten. Dennoch sind natürlich wieder einige unvermeidliche (hehe ;-)) Höhenmeter mit hinzugekommen.

Die Kettenbrüder hüben wie drüben (im Wittgensteiner Land und im Bergischen Land / Ruhrgebiet) emsig und natürlich per Strava, oder Instagram, oder Facebook oder Twitter (oder alles zusammen) dokumentierend – was blieb da anderes übrig, als mitzuziehen? ;-) Motivation war genug da und das Wetter passte auch, wie gesagt. Sicher hätte ich gern den einen oder anderen frostigen und dafür sonnigen Tag gegen 8 bis 10 Grad und Meh-Wolken eingetauscht. Aber ich will mich nicht beschweren – am zweiten Weihnachtstag war es sogar richtig schön sonnig. Diesen Tag nutze ich dazu, zum Edersee zu fahren. Das ist von Erndtebrück aus die Rollerstrecke par excellence. Runter ging’s mit Rückenwind, rauf dann halt mit Gegenwind – war trotzdem schön.

Am Sonntag gab es dann mehr Höhenmeter. Dafür aber auch eine schöne Gruppenausfahrt mit Jochen, Roland und Thorsten. Zur Feier des Tages auch mal mit Einkehr beim Kahlen Asten Turm. :)

Insgesamt kamen, immer in maximal zwei aufeinanderfolgenden Tagen, bisher 523 km mit 4809 Höhenmetern zusammen. Heute ist Ruhetag, morgen geht’s mit einer Neujahrs-Tour weiter und für 2016 auch sofort wieder los. Ich habe vor, den Grundlagentrainingsblock dann mit den kommenden drei Tagen hintereinander weg abzuschließen. Ich freue mich auf das kommende Jahr und wünsche Euch allen einen Guten Rutsch!

Festive_Rides

Rad am Ring 2015 – Grüne Bunte Ponyhof-Hölle

Rad fahren

Rad am Ring 2015. Auch dieses Jahr beweist die Schleife durch die Eifel mal wieder, dass sie zurecht „Grüne Hölle“ und nicht „Bunter Ponyhof“ genannt wird (Anregung aus einem facebook-Kommentar der Rad am Ring Seite). Wieder einmal schreibt der Nürburgring und schreibt das Radteam Wittgenstein die Geschichte fort. Das Team bereits zum 6. Male. Und ich persönlich bin zum 4. Mal dabei. Meine persönlichen Eindrücke schildere ich diesmal in „Runden“.

Startpanorama - Das Wetter bessert sich, 16 Stunden Rad am Ring nehmen ihren Lauf. (Foto: Sportograf)

Startpanorama – Das Wetter bessert sich, 16 Stunden Rad am Ring nehmen ihren Lauf. (Foto: Sportograf)


Minus-1te-Runde ;-) „Vorbereitung und Anfahrt“

Ich bereite mich trainingsmäßig ja nie gesondert auf den Nürburgring vor. Zu vermerken gibt es als Besonderheit heuer nur, dass ich seit der Maratona dles Dolomites leichte Beschwerden am rechten Knie habe. Die waren nach der Maratona sofort wieder weg, tauchten vor zwei Wochen Freitag dann nach einer harten FTP-Testprotokoll-Einheit dann aber wieder auf. Am folgenden Samstag merkte ich das Knie dann von Anfang an und dass ich eine Ausfahrt mit Radfreunden am Sonntag nicht abgesagt habe, sondern trotz allem mit ihnen noch durch das Ruhrgebiet (und das noch bei Regen) gefahren bin, das war im Nachhinein einfach nur unvernünftig.

Mit einer ganzen Woche ohne Rad, nur einer Core-Trainig-Einheit und einem kurzen Spazierenrollen am Sonntag, einer leichten E1-2-Einheit am Montag und nochmal am Donnerstag war’s das an Vorbereitung und Heilpause für das Knie.

Anfahrtstechnisch verlief die Hinfahrt zügig und ohne Probleme. Ich war sogar so früh da und durch die Sturmböen (dazu gleich mehr) wahrscheinlich Sonderbedingungen vortreffend, so dass ich mit meinem Einfahrtsschein noch die offizielle Einfahrtsroute befahren durfte. Ich war also zum ersten Mal mit meinem eigenen Auto auf der Parzelle. Luxus! :)

Bisschen mulmig war mir beim Auffahren auf die Grand Prix Strecke aber schon. Ich hätte ja eigentlich über das historische Fahrerlager zur Parzelle gewollt. Durch den Tunnel und ich wäre sofort da gewesen. Aber nein – das hätte ich erst ab 12:00 Uhr gedurft, so der Ordner. Na gut. Dann halt über die Einfahrt nahe Parkplatz C-6. Hmm. Tor offen, keiner da. Bin ich hier richtig? Da ist die Rennstrecke. Öhhh. Na gut – ich muss nach links. Soweit trägt die Streckenkenntnis. Aber jetzt läuft doch noch das Laufevent, oder nicht? Ähhh. Also lieber vorsichtig…

Habe dann tatsächlich ein paar einzelne, versprengte Läufer überholt. Das war aber alles halb so wild. Schnell stehe ich auf unserer Parzelle, parke und begrüße die Kollegen.


Nullrunde:

Zunächst. Das heisst, zunächst hatte der Wind das Kommando. Richtiger gesagt – Sturmböen.

Sie liessen unser Zelt knattern und schlagen. Eine ziemlich laute und störende – zum Teil aber den Aufenthalt im Zelt auch heimelig machende – Geräuschkulisse. Ab und an mussten wir an den Ecken die Gurte der Seitenteile nachziehen. Alles halb so wild. Aber schlafen hätte man da so noch weniger als sonst die Jahre können. Den Küchenpavillon hatte es wohl schon am Freitag abend zerlegt. Eigentlich wissen wir doch, wie Material für den Ring beschaffen sein muss. Mit Faltpavillons braucht man da gar nicht erst aufkreuzen…

Die Geräuschlücken des Zeltes füllte das ständige Heulen des Windes an der Fahnenmastreihe vor dem Boxengassengebäude des Rings. Das war echt nicht von schlechten Eltern.

Unter diesen Randbedingungen und mit der offiziellen Unwetterwarnung des DWD hatten die Veranstalter gar keine andere Wahl, als den Start der Radwettbewerbe zu verschieben. Zunächst um 3 Stunden, hiess es. Das galt auch für die Jedermannrennen, die zu dem verkürzt wurden. Aus der 150er Runde wäre also eine 75 km Distanz geworden.

Als sich der neue Startzeitpunkt näherte, aber immer noch keine Verbesserung eingetreten und die Unwetterwarnung bis in den Abend verlängert wurde, hiess es dann: Start zu den 24h-Rennen um 20:00 Uhr, Jedermann-Rennen abgesagt.

Bitter für die Jedermänner, von denen aber sicher nicht wenige davor schon den Ring verlassen hatten. Sturm mit Aussicht auf Regenschauer – das ist sicher nicht das Juli-Wocheend-Rennen, dass man sich so vorstellt. Wie sich herausstellte, war die Entscheidung richtig.

Richtig war aber auch die Entscheidung, sowohl den Start der 24-Stunden-Wettbewerbe zu verschieben, als auch, da zu bleiben und überhaupt zu starten.

Ob und wann es überhaupt zu einem Start kommt, dass wissen wir den Nachmittag über aber nicht so richtig. Wir sitzen im Zelt, Regenschauer kommen und gehen. Die Wasserkocher machen Überstunden.

Hier noch ein Kaffee. Und noch ein Kaffee. Gern auch mal ein Instant-Cappu oder eine heiße Nudelsuppe aus dem Becher. Die mitgebrachten Kuchen und teilweise schon Salate werden probiert. Bei den Salaten halte ich mich noch zurück, aber das Leistungsgewicht sinkt dank Käsekuchen, Apfelkuchen und Nußecken doch mehr, als es der Hohen Acht zuträglich ist.

Sport gibt es nur in Form der Tour de France. Aber immerhin! So können wir die spannende Etappe und den Höhepunkt mit der Ankunft in Alpe d’Huez live mitbekommen. Gar nicht mal so übel. Ralf hat wie üblich ein WiFi-Netz aufgespannt und wir schauen auf seinem Notebook (welches eigentlich für die Liveticker-Einträge des Teams und das Checken der Timings zur Verfügung steht) den ARD-Livestream. Die fachlich-sportliche Qualität des ARD-Kommentars ist unter aller Kanone, davon konnte ich mich schon zweimal während dieser Tour überzeugen. Ich habe dann immer mit schaudern auf Eurosport umgeschaltet. Und so ist es auch nicht weiter schlimm, dass wir erst mal basteln müssen, damit der Ton halbwegs hörbar wird. Die Notebook-Lautsprecher kommen einfach nicht gegen die Windgeräusche und die Gespräche im Zeltinneren an. Am Ende koppeln wir einen externen Mini-Speaker über Bluetooth an mein iPhone, auf dem ich ebenfalls den Stream starte… :)

Saukalt ist es. Für obenrum hab‘ ich für alle Klimaregionen mehrfach alle Optionen dabei. Was bin ich froh, dass ich einer Intention folgend auch noch die dicke Thermoweste (nix für’s Radfahren) mitgenommen habe. Für untenrum habe ich aber nur kurze Hosen und einen Satz Knielinge. Für’s Rennen wird es reichen. Aber für das herumhocken im Zelt und für die gelegentlichen Gänge zu den Toiletten und mal zur Verpflegungszone (Ach – die Bratkartoffeln mit dem panierten Schnitzel am Samstag Mittag habe ich ja auch noch unterschlagen… ;-)) ist es doch untenrum recht frisch.

Da treffe ich übrigens Natascha und Jens. Wie schön! Wir waren ja auch schon zusammen bei der Maratona dles Dolomites vor 2 Wochen. Sie wollten eigentlich das 150 km Rennen fahren… tja, leider dieses Jahr eine Nullnummer…

So habe ich auch am späten Nachmittag mein Rennrad immer noch im Kofferraum. Immer noch keine Startnummer montiert, aber habe schon Radschuhe angezogen.
Warum? Nun, die sind wärmer als meine Straßenschuhe… oO. Als zweites Paar habe ich noch die Northwave Celsius Schuhe dabei. Die sind von unten schön Wasserdicht und auch Warm. Noch die Socken gegen dickere Exemplare getauscht und die Knielinge an und weit nach unten gezogen. So sind auch die Füße wieder warm.

Die Eifel ist auch im Sommer eine Bitch! Obwohl – heute sind ja in ganz NRW Festivals etc. abgesagt worden. Mit diesen Sturmböen ist echt nicht zu spaßen.


1. Runde: „Kaltstart“

Jetzt weiß ich, wie sich Wettkämpfer fühlen, deren Start immer weiter verschoben wird.

Die Böen haben deutlich nachgelassen, der Start findet tatsächlich statt. Ich bin der Startfahrer und mache mich mit Ralf, der Startfahrer für sein Besi & Friends-Team ist, auf den Weg in den Startblock. Jochen, Roland und Thorsten begleiten mich an der Seite – wir werden eine tolle, gemeinschaftliche und sehr ausgewogene Teamleistung einfahren, so viel sei vorweg genommen. :)

Es ist saukalt, ich stehe mit langen Knielingen, normalen Radschuhen mit Überschuhen und Softshell über dem Kurzarmtrikot in der Startaufstellung. Und habe noch die dicke Weste an, die ich 1 Minute vor dem Start zu Jochen rüber reiche.

Und dann geht es endlich los. Weniger Teilnehmer (als bei der Maratona), keine Jedermannstarter voraus und eine breite Autorennstrecke. Ja, in den ersten Kurven muss man ein wenig aufpassen. Aber es ist jede Menge Platz vorhanden.

Auf der Strecke ist es angenehmer als auf der Parzelle. Die Abendsonne ist pünktlich zum Start hervorgekommen und gab Stimmung, die Strecke war fast trocken und trocknete zügig weiter ab.

Nur im ersten Drittel der Strecke merke ich noch einige störende Windböen, danach hat sich das Thema für das restliche Wochenende erledigt.

Runde 1 - Im Pulk durch die Boxengasse. Danach geht's auf die Nordschleife (Foto: Sportograf)

Runde 1 – Im Pulk durch die Boxengasse. Danach geht’s auf die Nordschleife (Foto: Sportograf)

Den Start mit Runde über die Grand Prix Strecke lasse ich noch piano angehen. Mit extrakalten Muskeln will ich mich locker aufwärmen. Will Muskeln, Sehnen und vor allem mein rechtes Knie langsam an das gewöhnen, was gleich noch kommt. Aber schon nach den ersten Metern auf der Nordschleife und dem ersten sich über die in die Abendsonne getauchte Eifel öffnenden Blick ging mir wieder das Herz auf: Die Eifel, Heaven and Green Hell. Die erste Runde war beides. Gute Bedingungen. Yeah!

Nach der Runde hatte ich das prägnanter zusammengefasst. Beim Wechsel – ich übergebe an Thorsten – fragt mich Jochen: „Und? Wie war’s?“ antworte ich: „Super… und Scheisse.“ ;-)

Startrunde: Vom Eschbach ins Brünnchen. (Foto: Sportograf)

Startrunde: Vom Eschbach ins Brünnchen. (Foto: Sportograf)

Scheisse war halt der Kaltstart. Nicht nur aus dem Stand, sondern halt mit der Kälte eines ganzen windverfrorenen Eifelnachmittags in den Knochen. Und aufgrund meines Knies dann doch einer zu langen Pause zwischen den letzten harten Einheiten zwischen meiner Dolomitenwoche und Rad am Ring. Und teilweise doch noch feuchten Kurven, wo ich mir mit meinem relativ frischen Vorderreifen gesagt habe „Lieber erstmal weiter den Reifen einfahren und den Grip erst nur vorsichtig testen“. Und der Wirklichkeit einer kalten Hohen Acht, die man erst nach Acht Uhr abends und einem halben Tag warten angeht. Ansonsten war’s cool. :)

Runde 1 - im Pflanzgarten (Foto: Sportograf)

Runde 1 – im Pflanzgarten (Foto: Sportograf)

Ich fahre eine 49er Startrunde und gebe mich danach dann einem leckeren Teller Nudelsalat hin. Da hat Kerstin wirklich ein sehr leckeres Salätchen gebaut. Aber auch die traditionelleren Variationen von Sarah und allen lieben Menschen, die uns da was leckeres zubereitet haben, waren allein schon Grund genug, an den Ring zu kommen. :)


Meine 2. und 3. Runde: „Doppelstint in der Nacht“

Da das 24h-Rennen durch den Start um 20:00 Uhr zu einem 16h-Rennen geworden ist, liegt mein nächster Einsatz bereits in der Nacht. Da wollen wir in bewährter Manier wieder Doppelrunden fahren. Vor mir hat Jochen schon eine Doppelrunde gefahren.

Ich fand, es war eine angenehme Nacht zu fahren. Saukalt war es zwar, aber so kennt man die Eifel. Auch im Sommer. Es liess sich aber wirklich hervorragend fahren. Aero is everything. Die Strecke war trocken, mein Licht (Lupine Wilma, hehe) sehr gut und der Vorderreifen hatte jetzt genug Kilometer drauf. Die Kurven und die Fuchsröhre wurden so zu einem Genuss! :)

Runde 2. Die erste der Doppelrunde in der Nacht. Im Brünnchen.

Runde 2. Die erste der Doppelrunde in der Nacht. Im Brünnchen.

Für die beiden Runden habe ich 1 h 51 Min gebraucht. Beim zweiten Mal zur hohen Acht rauf hätte ich fast einen Krampf in der Oberschenkel-Innenseite des rechten Beins bekommen. Konnte ich so gerade noch durchdrücken, in dem ich in den Wiegetritt wechselte und so quasi bis vor dem Karusell blieb. Ansonsten alles Gut! :)

Zurück im Zelt angekommen wechsele ich ein paar Worte mit Jochen. Ansonsten ist es ruhig. Verdammt kalt ist es. Wenn nicht der Schlaf, dann die Kälte – sie treibt in die Schlafsäcke. Aber erst mal mache ich mir eine heisse Tomatensuppe… Ahhh…. :)

Andreas kommt ins Zelt. Schon vor dem verschobenen Start haben sie einen Ausfall im Team, starten nur zu Dritt. Mit Wind, Kälte und Regenschauern sind sie eher zurückhaltend als auf Rennmodus gestimmt. Aber bei allen hat die Eifel in ihren ersten Runden ihre Magie gewirkt. Letzten Endes ist es doch geil, hier auf dem Ring zu fahren. Mit etwas anderen Worten und endorphingeladen breit grinsend drückt das auch Andreas aus und will, dass ich ein Foto von ihm mache. Na, das mache ich doch gern:

Die Eifelnacht, sie wirkt... belebend ;-)

Die Eifelnacht, sie wirkt… belebend ;-)

Dann noch was in den Liveticker schreiben, Twitter und WhatsApp checken, doch noch eine Decke aus dem Kofferraum hervorholen und unter den Schlafsack gelegt, damit noch mehr Isolation da ist. Die Kombi aus Schlafsack und Campingecke ruht diesmal auf einem Feldbett.

Haha – ein Neuerwerb. Frisch für den Ring. Die Kollegen nutzen so etwas schon seit Jahren. Sehr gut – so können zur Not auch schon mal Regenbäche über den Schotterboden laufen, ohne dass man davon in Mitleidenschaft gezogen würde… Etwas bequemer als eine Luftmatratze ist es auch.

Aber trotz allem. Kalt, klamm, klamm, kalt… so richtig gut bin ich nicht gebettet. Das wir dieses Mal kein extra Schlafzelt, sondern ein gemischtes Aufenthalts- und Schlafzelt haben, ist auch nicht so optimal. Um Drei Uhr irgendwas mache ich die Augen zu und ob man das wirklich Schlaf nennen kann, was von da bis um 06:15 von statten geht, weiss ich nicht wirklich.

Auch Thorsten, Roland und Jochen konnten ihre Nachturns super abspulen. In der Nacht liegen wir auf Platz 87 von knapp 700 Vierer-Rennradteams und arbeiten uns weiter vor.


Runde 4 — „Nach der Nacht – Akkus leer, Sonne lacht“

Thorsten weckt mich – obwohl es eigentlich nicht nötig ist – um viertel nach 6. Jochen ist gerade auf seine Runde gestartet. Es ist die erste Einzelrunde nach der Nacht. D.h. in rund 55 Minuten muss ich ihn abwechseln.

Der Schuhfön kommt zum Einsatz. Erst Straßenschuhe, dann Gabba, dann Radschuhe werden von klammer Kälte befreit, damit ich wenigsten beim Anziehen ein angenehmes Gefühl habe. :) Kurze Morgentoillette und kurzes, knappes Frühstück: nur 2 Weissbrot-Sandwich-Scheiben, dazwischen ohne Butter 2 Scheiben Käse, etwas Salz vom Salzstreuer. Eine Tasse Kaffee, 4-5 Nüsse, das war’s. Der Rest musste das Sponser-Energydrink-Pulver in der Trinkflasche richten. So wirklich hat das aber alles zusammen noch keine ausreichende Energie liefern können. Die sehr kühle Nachtruhe hat auch nicht wirklich helfen können. Ohne mollige Wärme und ohne Massage waren die Beine nach meiner Nachtpause gefühlt eher härter als erholter…

Also irgendwie sind die Akkus schon oder noch leer. Zumindest fühlt es sich so an. Effektiv bin ich aber schon etwas schneller als in der Nacht. Aber es ist schon hart. Die Sonne hilft und es ist mal wieder toll, den Eifelring am Morgen bei Sonnenschein zu befahren. Aber es ist noch kalt und der hohe Tauanteil auf der Fahrbahn lässt mich viele Kurven ein klein wenig zurückhaltender Angehen.

Sonnenschein am Morgen. Noch ist es kalt - aber so kann der Tag beginnen :) (Foto: Sportograf)

Sonnenschein am Morgen. Noch ist es kalt – aber so kann der Tag beginnen :) (Foto: Sportograf)

Jedes bisschen Kurvenschwung kostet aber. Das zeigt mir dieses Jahr besonders. Ich gehe bei jeder Abfahrt in tiefe Aerohaltung, beschleunige vorher über die Kuppe in die Abfahrt hinein und nehme den vollen Schwung mit. So überhole ich meist viele, die vor mir in die Kurve oder Abfahrt hineingegangen sind, noch während ich am Gegenhang so schnell bin, dass ich noch nicht treten muss / kann, sie aber schon wieder am pedalieren sind.

Runde 4 - in der Fuchsröhre. Going low and going fast ;-) 92,6 km/h. (Foto: Sportograf)

Runde 4 – in der Fuchsröhre. Going low and going fast ;-) 92,6 km/h. (Foto: Sportograf)

Auf der Döttinger Höhe gibt es mal wieder keinen Windschatten. Oder doch. Hinter mir gibt es welchen. Leider nicht vor mir. Für Spielchen oder zurückfallen lassen habe ich aber weder Zeit noch Lust.

Als ich zur Parzelle zurückkehre sind Bänke rausgerückt, alle wach und Kaffee ist am Start. Endlich wärmt die Morgensonne. Herrlich. Jetzt erst mal ein Nutellabrot, ein Kaffee, dann geschäftlich zur Boxengasse ;-) Und wo ich schon mal da war, noch 3 Euro in zwei belegte Brötchenhälften investiert und ein paar Stände der Expo besucht.

Tweets nach der ersten Runde nach der Nacht.

Tweets nach der ersten Runde nach der Nacht.


5. Runde „On the Rivet“

Wem sagt „On the Rivet“ etwas? Das ist Radfahrer-Lingo und rührt aus den Zeiten, in denen Sättel noch vernietet waren. Z.B. vorne an der Spitze. On the rivet war man, wenn man alles aus sich herausholte und um maximalen Druck auf die Pedalen aufzubringen, auch ganz nach vorn auf die Sattelspitze gerutscht ist.

Während ich damit beschäftigt war, meinem Körper etwas mehr Energie zuzuführen, als das in der kurzen Zeit zwischen Schlafsack und erster Morgenrunde mit dem Weissbrot möglich war, bringt Thorsten die bis dato schnellste, offizell gezeitete Runde nach meiner Startrunde hinein. Eine 52er Zeit. Hmmm – und das nach der bisherigen Anstrengung! Klasse! Und: Motivation! Hehe :)

Es ist etwa 10:00 Uhr und endlich kann ich kurz-kurz in meine 5. Runde starten. Und somit auch unser schönes Team Wittgenstein-Trikot in voller Pracht zeigen. 52 Minuten gilt es zu schlagen. ;-)

Runde 5 - Los geht's. Hier ziemlich am Anfang in der Boxengasse. (Foto: Sportograf)

Runde 5 – Los geht’s. Hier ziemlich am Anfang in der Boxengasse. (Foto: Sportograf)

Gefühlt und gemessen war es die härteste Runde, die ich dieses Jahr gefahren habe. 238 gegenüber 235 Watt normalized Power für diese 5. gegenüber der 1. Startrunde. Und 218 gegenüber 206 Watt Durchschnitt. Die Runden unterscheiden sich aber auch in Bezug auf die Strecke etwas, da die Startrundenfahrer die Grandprixstrecke zweimal zurücklegen. Zumindest für unseren Parzellenstandort trifft das so zu.

Hi there! ;-)  Racing hard and acting cool - am Anfang der Nordschleife in der Hatzenbach. (Foto: Sportograf)

Hi there! ;-) Racing hard and acting cool – am Anfang der Nordschleife in der Hatzenbach. (Foto: Sportograf)

Die Strecke war auch total trocken, so dass ich auch das erste Mal nahezu alle Kurven (bis im Bergwerk) voll durchgezogen habe. In der ersten Runde war’s noch feucht und teilweise böig, dann war’s dunkel, dann taunass und jetzt endlich ideal. :) Alles voll durchgedrückt und auch sonst alles abgerufen, was noch so ging.

Runde 5 - in der Fuchsröhre. Going low and going fast ;-) Mit Gabba 92,6 km/h und mit Aero-Trikot 93,0 km/h. Komplett unwissenschaftlich, aber hey: schneller ;-)  (Foto: Sportograf)

Runde 5 – in der Fuchsröhre. Going low and going fast ;-) Mit Gabba 92,6 km/h und mit Aero-Trikot 93,0 km/h. Komplett unwissenschaftlich, aber hey: schneller ;-) (Foto: Sportograf)

Erfreulich: Das Knie hat über das ganze Wochenende keine Mucken gemacht (habe auch nach jeder Runde mit Arnikasalbe dick nachgelegt) und ich habe die 52 Minuten unterboten. :)

Buchstäblich vor der letzten Kurve. Nochmal alles geben, was drin ist. (Foto: Sportograf)

Buchstäblich vor der letzten Kurve. Nochmal alles geben, was drin ist. (Foto: Sportograf)

Leicht ernüchternd, aber ich schiebe es mal auf die suboptimalen 2 Wochen vor Rad am Ring und auf die äußeren Bedingungen (Kälte, warten auf den Start und dabei frieren, Leistungsgewicht etc.) konnte keine neuen Bestzeiten abliefern. Ok, doch, eine, und zwar in genau der letzten Kurve unserer Team Wittgenstein Runde:

Segmentzeiten

Segmentzeiten „Hatzenbachclimb“. Ist aber in der Tat die letzte Kurve, wo die Grand-Prix-Strecke auf die Innenarena schwenkt. Platz 58 von über 1000 ist auch nicht übel. :)

Mein Rekord auf die Hohe Acht bleibt bei 13 Min 54 sek. aus dem September 2013.

Segmentzeiten Hohe Acht.

Segmentzeiten Hohe Acht.

Das ist das tolle an Strava-Segmenten und der Auswertung. Man kann sich eine solch schöne Gegenüberstellung geben lassen. Heuer immerhin die zweitschnellste persönliche Zeit. Und auch relativ gleichmäßig in allen Runden gefahren. Man kann konstatieren: die schnellste Runde wurde seinerzeit im September gefahren – da habe ich noch ein paar Kilometer mehr in den Beinen.

Aber ich war klar nicht bei meiner Maximal-Leistung. Wobei: zum einen rufe ich die eher auf langen Anstiegen ab und zum anderen war ich aufgrund des Knies im Vorfeld nicht optimal vorbereitet und bin auch die erste Runde wie gesagt ganz leicht verhalten angegangen. Eine neue Maximalleistung (zumindest im Vergleich der letzten 3 Monate) zeigt dann allerdings die lange Dauer der Doppelrunde. Wie man in der folgenden Abbildung sieht, geht die rote CP-Kurve ab etwa 1 h und 12 Min in die Maximallinie über und bildet diese. Geht man allerdings nach meinem FTP-Wert, dann müsste ich so eine Einzelrunde noch fixer fahren. In der letzten Runde wäre ich auch wohl dafür bereit (es gilt ja nichts mehr aufzusparen), dann aber wiederum auch zu kaputt von den Vorrunden…

Critical Power Kurven der Runde 1 (hellgrau) und der Doppelrunde 2 und 3 (rot) vor der Maximalkurve der letzten drei Monate (Golden Cheetah Auswertung)

Critical Power Kurven der Runde 1 (hellgrau) und der Doppelrunde 2 und 3 (rot) vor der Maximalkurve der letzten drei Monate (Golden Cheetah Auswertung)


Abschluss:

Nach mir ist noch mal Thorsten dran. Dann folgt Roland. Er hat die Ehre unsere letzte Runde zu fahren, aber auch die Last, sich ganz zum Schluss nochmal zu motivieren, während die anderen sich schon die leckeren isotonischen Getränke auf Hopfenbasis unserer heimischen Brauerei Bosch zuführen können.

Aber natürlich warten wir nur darauf, uns in das Spalier der übrigen Teams vor der Zielgeraden einreihen zu können und ihn in Empfang zu nehmen. Als er dann reinkommt, fahren wir, der guten Ringtradition folgend, gemeinsam über die Ziellinie.

Geschafft! Zufriedene Zieldurchfahrt. Von Links: Torsten, Thorsten, Roland, Jochen. Zweimal Canyon Ultimate CF SLX, einmal Canyon Aeroad CF SLX und ein kein Canyon ;-)  (Foto: Sportograf)

Geschafft! Zufriedene Zieldurchfahrt. Von Links: Torsten, Thorsten, Roland, Jochen. Zweimal Canyon Ultimate CF SLX, einmal Canyon Aeroad CF SLX und ein kein Canyon ;-) (Foto: Sportograf)

Das Ziel, unter die Top 100 zu kommen, haben wir mehr als dick erreicht. Platz 71 von 696 Rennrad-Viererteams ist der Endstand. Damit unter den Top 75 und hauchknapp daran vorbei, besser als 90 % aller anderen 4er Teams zu sein! Ganz starke Sache und wir können zurecht stolz auf uns sein.

Alles in allem war es trotz (und ein bisschen natürlich auch wegen) der Eifelwetter-Unbillen wieder ein tolles Wochenende am Nürburgring! Wir können es jetzt schon wieder kaum abwarten auch im nächsten Jahr wieder mit großer Truppe zum Ring anzureisen und gemeinsam Spaß rund um Rennrad und Moutainbike zu haben!

Meine Runden auf Strava:

20150725_Strava-RaR-Runde1Runde 1, Runde 2+3, Runde 4, Runde 5

Auf ’ne Edertalwaffel mit Vanilleeis und heißen Kirschen zur Ederstaumauer

Rad fahren

Anfang Juni. Der 07.06.2015. Was für eine geniale Tour bei bestem Wetter durch das wunderschöne Edertal! Einfach nur traumhaft. Schön locker flockig im GA1 Bereich mit Thorsten zum Edersee und zurück. Im Grunde nie über 190 Watt.

195 Kilometer von Erndtebrück zur Staumauer und zurück – nahezu den gesamten Lauf der Eder von der Quelle bis zum See umfassend. Sehr zu empfehlen!

Kulminierend in einer leckeren Waffel mit Eis, Sahne und heißen Kirschen an der Sperrmauer. :)

Auf Höhe Laisa kurz vor Battenberg öffnet sich dieses weite Panorama von den Ederberghöhen über das Ederbergland und den Burgwald.

Auf Höhe Laisa kurz vor Battenberg öffnet sich dieses weite Panorama von den Ederberghöhen über das Ederbergland und den Burgwald.

Das ist eine schöne Rollertour, die weitestgehend mit wenigen Höhenmetern und nur sanften Gradienten auskommt. Sowohl über die Straße als auch über den Ederradweg (er erstreckt sich über rund 190 km von der Quelle bis zur Mündung) kommt man sehr gut voran.

Entlangrollend auf dem glattem Asphalt des Radwegs durch das Edertal in Richtung Edersee. Thorsten und ich in unserem Team Wittgenstein Kit. 'Wittjestä' steht auf Wittgensteiner Platt auf dem Frontpanel des Trikots.

Entlangrollend auf dem glattem Asphalt des Radwegs durch das Edertal in Richtung Edersee. Thorsten und ich in unserem Team Wittgenstein Kit. ‚Wittjestä‘ steht auf Wittgensteiner Platt auf dem Frontpanel des Trikots.

Allerdings ist der Radweg nicht durchgehend befestigt. Selten gibt es mal eine unbefestigte Stelle. So entdeckten wir an diesem Tag ein Stück zwischen Viermünden und Niederorke, wo der Ederradweg unbefestigt und teilweise recht grob geschottert ist.

Wir haben uns für dieses Stück nicht stoppen lassen – Gravel ist ja „in“. ;-)

Gravel.

Gravel.

Über ein unbefestigtes Stück des Ederradwegs.

Über ein unbefestigtes Stück des Ederradwegs.

Ein Feldweg im Edertal zwischen Frankenberg und dem Edersee. Hier gleichzeitig ein Stück des Ederradweges.

Ein Feldweg im Edertal zwischen Frankenberg und dem Edersee. Hier gleichzeitig ein Stück des Ederradweges.

Ansonsten haben wir aber den glatten Asphalt bevorzugt. Und glatt ist er dort, der Asphalt. Ob auf den asphaltierten Radwegabschnitten oder der Straße. Beste Qualität für schönes Rollen.

Ich hab' schon überlegt, ob ich eine Collage mache. Ich habe diverse Fotos, wo Thorsten seine am heutigen Tage rutschende Sattelstütze wieder richten musste. ;-)

Ich hab‘ schon überlegt, ob ich eine Collage mache. Ich habe diverse Fotos, wo Thorsten seine am heutigen Tage rutschende Sattelstütze wieder richten musste. ;-)

Leuchtendes, frisches Juni-Laub. Die Krone eine Eiche - von unten vom Radweg aus fotografiert.

Leuchtendes, frisches Juni-Laub. Die Krone eine Eiche – von unten vom Radweg aus fotografiert.

Das Edertal.

Das Edertal.

Ufervegetation und Makrophyten in der Orke, kurz vor der Einmündung in die Eder.

Ufervegetation und Makrophyten in der Orke, kurz vor der Einmündung in die Eder.

Ufervegetation und Makrophyten in der Orke, kurz vor der Einmündung in die Eder.

Ufervegetation und Makrophyten in der Orke, kurz vor der Einmündung in die Eder.

Bald sind wir am Edersee. Bei Herzhausen an der Stauwurzel. Mit dem Crosser könnten wir jetzt über den auch wieder unbefestigten Radweg am Südufer des Edersees fahren oder aufwendiger, dem Urwaldsteig auf der Nordseite folgen. Mit dem Rennrad folgen wir der L 3084 über Vöhl und müssen dazu erst mal wieder 136 m vom Ederseeufer weg und hinauf. Bei Nieder-Werpe kommen wir dann endlich wieder an das Ufer des Sees und können von dort an bis zur Staumauer mit Seeblick „promenieren“.

Schloss Waldeck thront hoch über dem Edersee.

Schloss Waldeck thront hoch über dem Edersee.

2 x T(h)orsten an der Ederstaumauer.

2 x T(h)orsten an der Ederstaumauer.

Mein Ultimate CF SLX und Thorstens Aeroad CF SLX an der Staumauer des Edersees.

Mein Ultimate CF SLX und Thorstens Aeroad CF SLX an der Staumauer des Edersees.

Eine Waffel später geht es über das Edertal wieder zurück in’s heimische Wittgensteiner Land.

Distanz: 195,9,1 km, Höhenmeter: 1405 m, Zeit: 09 h 35 m (brutto), Durchschnittsgeschwindigkeit: 20,6 km/h, Durchschnittsgeschw. in Bewegung: 25,0 km/h, Durchschnitts-HF: 115

Auf Strava:

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Les Trois Ballons 2015 – Ein Spoocha-Radmarathon-Wochenende in den Vogesen

Rad fahren

3 Uhr 20 in der Nacht. Ich werde wach vom Regen der auf das Dachfenster prasselt. Das Dachfenster, das direkt über dem Bett und nur 1 Meter über meinem Kopf ist. Ein Dachfenster in einem von außen sehr unscheinbaren Haus. Mitten im Nirgendwo zwischen Saint-Bresson und Raddon-et-Chapendu in der Haute-Saône.

Die Anfahrt

Ich war froh, dass ich es gefunden habe. Nach rund 7 Stunden Autofahrt von Wuppertal in die Vogesen. Freitag nachmittags und abends durch Luxemburg, dann durch Metz und vorbei an Nancy ist echt nicht schön… Ich lasse meinem Frust bei einem viel zu kleinen Cafè au Lait in einer kleinen Raststätte an der Autobahn südlich von Thionville per Twitter und über Whats App heraus. Whats App nutze ich übrigens nur wegen der Rennrad-Kollegen. Sowohl der Wittgensteiner als auch der Bergischen/Ruhrgebietstruppe… Ein schlimmes Stück Software, aber ich schweife ab. Versöhnend wirkt die wirklich sehr leckere Tarte aux apricots. Ich nehme gleich ein zweites Stück. Schließlich habe ich morgen was vor.

Ich fahre zum 3 Ballons Grand Trophee Cycling Event. Les Trois Ballons. Oder in Deutsch: die drei Belchen. Die Ausschreibung verspricht 213 km und 4300 Höhenmeter.  Die meisten davon im Anstieg zu den drei Belchen Col des Chevrères, Ballon d’Alsace und Grand Ballon.

Letztes Jahr haben wir mit einer größeren Spoocha-Gruppe am Dreiländergiro teilgenommen. Für dieses Jahr hatten wir uns Ende letzen Jahres die Vogesen und les Trois Ballons als Ziel ausgeguckt, zu dem wir anreisen und ein kurzes gemeinsames Wochenende verbringen wollten. Leider waren wir nicht so viele wie letztes Jahr in Nauders. Während wir den einen oder andern lieben Menschen vermisst haben war es aber in kleiner Gruppe in einem Ferienhaus ganz für uns alleine umso netter.

Unsere Man Cave für's Wochenende. Von hinten sogar recht pittoresk. Foto: Marko

Unsere Man Cave für’s Wochenende. Von hinten sogar recht pittoresk. Foto: Marco

Und dieses Ferienhaus – von dem hatte ich nur eine grobe Anfahrtskizze. Ganz wie früher. Bevor jedermann ein Smartphone mit Google Maps hatte. Und auch bevor jeder ein Navi hatte. So richtig Oldschool. Und ich wusste auch gar nicht, was mich da genau erwartete. Nur, dass es jemand aus der Truppe organisiert hatte und man von dort recht gut mit dem Rad zum Start und zum Ziel fahren können sollte. Bis nach Luxeuil les Bains führte mich mein Navi, ab da war’s dann ein klein wenig spannend. ;-)

Ich war aber recht bald und kurz vor der Dämmerung angekommen. Zweifelnd hinter das von vorne fast schon baufällig wirkende Haus gefahren und – da standen die Autos der Kollegen. Und auf der Veranda wurde schon an Rädern geschraubt. Puh – doch richtig! :)

Ich habe altbekannte und für mich ganz neue Gesichter begrüßt, meine Radkiste mit Schuhen, Helm und Krimskrams und die Sporttasche auf mein Zimmer getragen und bin danach doch nochmal kurz nach McDonalds am Rand von Luxeuil les Bains gefahren. Es gab zwar Käse, Salami und Brot – aber ich wollte heute noch was Warmes haben. Ideales Carbo-Loading mit ’nem Burger und weltweit gleich mittelmäßigen Fritten… ;-)

Eine Cola, ein kleines Bier und ein paar Gespräche später suchten wir unsere Betten auf. Das war so um halb Eins. Und jetzt ist es nicht mal halb vier und der Regen hat mich geweckt… Also wach und Regen… beides doof! Oropax retten ein kleines bisschen Schlaf bis 5 Uhr. Da geht der Wecker… Seufz – Radmarathons…

Der Tag

Wir treffen uns zum Frühstück. Draußen regnet es noch immer. Hmmm – sollte es nicht eigentlich bis zu 26° warm werden? Kalt ist es nicht. Die übliche Frage: was anziehen, was mitnehmen? Für meine Allzweckwaffe, das Castelli Gabba Convertible, ist es mir zu warm. Ich bin froh, dass ich auch meine Gore Oxygen AS Regenjacke mitgenommen habe. Die kann ich anziehen – dafür bleiben die Windweste und die Armlinge im Haus. Wie sich herausstellte, die ideale Wahl.

Schon zum Start kann ich die Regenjacke ausziehen, so warm, nein, eher leicht schwül waschküchenmäßig ist es schon um 7 Uhr 15 zum Start. Jeweils oben an den ersten Anstiegen und für nicht wenige Abfahrten ist die Gore Jacke aber wieder ideal.

Um 6:30 rolle ich schon die 11 Kilometer von unserem Domizil zum Start nach Luxeuil les Bains. Ich muss mir im Gegensatz zu den anderen noch die Startnummer abholen. Das T-Shirt, was es dazu gibt, stopfe ich mitsamt der Tüte hinter einen Stromkasten eines kleinen Gebäudes auf dem Startgelände. Prima – als ich das Versteck am Sonntag wieder aufsuche, ist es noch da. :)

Also, 7 Uhr 15 ist Start und wir rollen zu siebt los auf die 213 Kilometer-Runde. Zwei weitere „Spoochies“, Marco und Martin, starten etwas später auf die 105 km-Runde. Und Natascha und Jens werden wir leider während des Tages und des Gran Fondos gar nicht zu Gesicht bekommen. Sie fahren auch die 213er Runde und waren in einem Hotel untergebracht. Trotz modernster Telekommunikationstechnik haben wir am Start nicht zusammenfinden können. Dabei war dort die Masse jetzt auch nicht sooo groß. Ich würde mal ganz grob ein Teilnehmerfeld in Höhe von vielleicht zwei- bis dreitausend Rennradlern schätzen.

Nach dem Start rollen wir erst einmal rund 20 km sehr flach in größeren Grüppchen dahin. Dann folgt der erste kleine 130 m Hüppel, die Cote Faucogney. Nach nur weiteren 10 km folgt dann der erste Belchen. Auf dem Höhenprofil, auf das ich vorher nur einen kurzen, sehr groben Blick geworfen hatte, schaut der gar nicht zu wild aus. Sehr hoch ist er auch nicht. Aber die letzen 2,1 km sind im Schnitt 11 % steil und nicht selten steht die Prozentanzeige bei 15 % oder darüber.

Im Einstieg zum Anstieg des Col des Chevrères. Tief hängen die Wolken an den Hängen.

Im Einstieg zum Anstieg des Col des Chevrères. Tief hängen die Wolken an den Bergflanken.

Bevor wir dieses Teilstück erreichen, sehe ich auf einmal Seb, Ralf und Gino an der Straßenseite stehen. Seb hat einen Platten. Ich halte auch an und nutze die Gelegenheit, zum ersten Mal die Kamera heraus zu ziehen und ein paar Bilder zu machen.

Wir waren froh dass dies der einzige platte Reifen unserer Gruppe war. Ich habe noch nie so viele Leute mit Reifenpannen an der Seite gesehen wie in diesem Marathon. Die meisten in der ersten Hälfte. Ok, dort gab es recht viele Abschnitte auf tollen kleinen Straßen mit rauer Oberfläche (typisch halt für Frankreich) und mit festem oder losem Splitt. Aber nichts außergewöhnliches womit ein normaler Reifen Probleme haben sollte. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass alle diese Leute mit empfindlichen Zeitfahrreifen unterwegs waren?

Aber wer weiß. Wir haben sogar jemandem auf einem (alten) Zeitfahrrad mit einem Scheiben-Hinterrad gesehen!

Wie man sieht, hingen zu diesem Zeitpunkt regenschwere Wolken tief über den Bergkuppen. Im Anstieg war leichter Sprühnebel willkommen. Später fing es dann aber im Anstieg zum nächsten Belchen, dem Ballon d’Alsace, richtig zu regnen an. Oben am Gipfel und der dortigen Verpflegung war meine Regenjacke zumindest an den Armen auch total durch. Unschön. Aber für die folgende Abfahrt trotzdem noch vor dem Fahrtwind schützend. Und damit mehr als die halbe Miete.

Aber wettertechnisch war danach das Schlimmste überstanden. Im Anstieg zum Col du Hundsruck kam schließlich die Sonne heraus. Und so konnten wir oben an der Passhöhe auch zum ersten Mal eine sehr nette Aussicht bewundern.

Mein Canyon am Col du Hundsruck.

Mein Canyon am Col du Hundsruck.

Es folgte, natürlich, wieder eine Abfahrt. Wieder eine ganz tolle Abfahrt. Wie alle Abfahrten heute. Und danach dann der Höhepunkt des Profil, der Grand Ballon. Nach rund 111 km – bzw. für uns nach rund 122 km und nach 6,5 Stunden fuhren wir in den Anstieg hinein. Ab da hieß es 15 km und 934 m vertikal mit durchschnittlich  6% zurückzulegen. Hors Category.

Auf dem Großen Belchen (Grand Ballon). Vom Scheitelpunkt der Straße hinunter nach Norden blickend. Über die erste Kurve der Nordseite und die Hügel der Vogesen.

Auf dem Großen Belchen (Grand Ballon). Vom Scheitelpunkt der Straße hinunter nach Norden blickend. Über die erste Kurve der Nordseite und die Hügel der Vogesen.

Ein sehr schöner Anstieg. Irgendwann biegt man um eine Kurve im oberen Drittel und es öffnet sich ein Riesen-Blick weit über die Rheinebene bei Muhlhouse Richtung Osten bzw. Südosten zum Schwarzwald und zu den Alpen. Trotz dass ich voll Druck fahre, habe ich genug Luft und Lust, um den Ausblick zu genießen und Seb gegenüber ein paar Mal zu betonen, wie genial der Ausblick ist.

Weite Sicht über die Rheinebene vom Grand Ballon.

Weite Sicht über die Rheinebene vom Grand Ballon.

Yours Truly - Selfie am Großen Belchen.

Yours Truly – Selfie am Großen Belchen.

Seb und ich – wir waren an jedem Anstieg ein Kletter-Duo und haben uns gegenseitig die Anstiege hochgezogen. Ich konnte heute so zum ersten Mal nachempfinden, wie toll und hilfreich ein Teamkollege in der Spitze auch am Berg ist, wo es ja wahrlich nicht um Windschatten geht. Oft hat Seb geführt. Ich wollte auch gar nicht schneller fahren. Ich wollte aber auch nicht direkt neben ihm fahren und vielleicht damit auch unbewusst noch etwas mehr antreiben (ich nehme bei ihm da ein sehr gesundes Wettbewerbsverhalten wahr ;-)). Wir haben uns aber auch abgewechselt und dann habe ich geführt. Ab und an wechselten wir dann in engen Kurven ab. Das fand ich ganz toll. So haben wir uns gegenseitig gut unterstützt. Hatten es aber auch nicht nötig, uns dann oben an der Kuppe einen abzusprinten. Das haben wir anderen überlassen. Wobei – viele haben uns nicht überholt. Wenn überhaupt.

Das mag aber auch daran gelegen haben, dass wir doch im Tagesverlauf immer weiter in der Fahrzeit zurück hingen.

Zwischen lustigem Quatschen und diversen Fotos: kontemplatives Warten auf dem großen Belchen.

Zwischen lustigem Quatschen und diversen Fotos: kontemplatives Warten auf dem großen Belchen.

Zum Schluss werde ich die Brutto-Zeit von Start bis Ziel mit 12 Stunden 25 stoppen. Die reine Netto-Fahrtzeit ist aber nur 9 Stunden 17 Minuten. Das ist mal ein krasser Unterschied. Aber das war halb so schlimm. Dafür hatten wir einen um so längeren, schönen Rad-Marathon. Wir haben an jedem langen Anstieg oben gewartet, bis wir alle wieder zusammen waren. Das hatte zwischendurch mal etwas länger gedauert – wir hatten jemand mit Knieproblem, wie sich herausstellte und wir hatten einen (temporären) DNF.

Wie das geht? Tja – Ginos Bruder Lorenzo hatte vielleicht nicht die absolut beste Form und auch ein komplett neues Rad, was vielleicht noch nicht optimal eingestellt war. Das hatte er aber dadurch kompensiert, indem er eine klassische Heldenkurbel montiert hatte. Also mal gleich das Lehrbuch, wie ich ein solches Event über 200 Kilometer und 4300 Höhenmeter nicht angehe… Auf der Hälfte des Gran Ballon beschloss er, sich abholen zu lassen…  Um zweieinhalb Stunden später plötzlich an der Verpflegung oben am Servance völlig überraschend mit dem Rad wieder aufzutauchen. Er habe doch nicht Marco angerufen und Zug fahren wäre auch nicht so wirklich sinnig gewesen. So habe er den Gran Ballon umfahren und sei dann wieder auf die Marathon-Strecke eingebogen…

Äh ja. Wir haben uns natürlich gefreut. ^^ Dann hatten wir wie oben geschrieben einen, Gott sei Dank den einzigen Platten und wir hatten, ebenfalls kurz vor der letzten Verpflegung noch jemandem mit gerissener Speiche am Hinterrad. Das konnten wir (dank Seb’s Erfahrung von Paris-Roubaix) mit einer Zange beheben. Naja – so hat sich das geläppert.

Vielleicht war deshalb mein Trainings Stress Score etwas niedriger als vom Nordeifel-EXTREM-Marathon Ende Mai. Der war ja mit 256 km und rund 4600 Höhenmeter sogar von den Zahlen noch etwas heftiger. Dort hatte ich einen TSS von 677. Hier bei Les Trois Ballons einen TSS von 649. Ich empfand den Trois Ballons aber etwas härter. Ich führe das auf die längeren Anstiege zurück.

Gerade auch zum großen Belchen hoch: Da habe ich die zweitbeste Leistung über eine Stunde bisher gefahren: 235 Watt. Und das nach 6 Stunden 40 und schon über 100 km und diverse Höhenmeter in den Beinen. Meine beste Stundenleistung bisher habe ich im letzten August gefahren. 249 Watt. Und das war frisch über eine etwas flachere Runde im Rahmen eines persönlichen Zeitfahrtests.

Im letzten Drittel des Grand Ballons merkte ich dann auch meine linken Fußsohle. Da baute sich langsam Druck auf. Ging aber. Später merkte ich dann, dass das linke Fußgelenk gut beansprucht war. Ich hab’s dann am Abend mit Sportsalbe eingerieben. Der Lohn der Mühe war aber, dass ich den Gipfel wie auch die beiden Prozent-Kracher am Anfang (der Col des Chevrères) und am Ende (der Anstieg zum Plateau des Grillauds, die Côte de Beulotte) allein zu erst erreiche. Und ein super Bergtraining absolviere. :)

Zum Schluss, eigentlich noch vor der letzten Verpflegung, können wir alle keine Anstiege mehr sehen. „Da kann doch jetzt nichts mehr kommen?“, „Neee, keinen Bock mehr auf Anstiege.“, „Hmm, es fehlen doch noch 400 Höhenmeter, wo sind die denn…?“, „Das ist jetzt nur eine Welle…“

Die Welle hatte knappe 380 Höhenmeter und hieß Col d’Oderen. Seb unermüdlich voraus, der Rest sofort wieder zurück. Ich dachte zu mir… Orrr, hilft nix, hinterher. Fuhr dann die Lücke wieder zu und weiter ging das gewohnte Spiel. Ohne Nachlassen an der Schwelle gemeinsam bis ganz nach oben. Da dann bis hinter die Kuppe rollen (damit auf jeden Fall das entsprechende Strava-Segment beendet wurde) und dann wieder auf die Kollegen warten… ;-)

Aber danach kam wie gesagt noch der letzte und steilste Kracher der 3 Ballons, der bis mindestens zu 16 – 18 % steile Anstieg zum Plateaux des Grillauds.

Da gingen und schoben nicht wenige… War lustig zu sehen, wie so nach und nach der eine oder andere nach oben blickend schließlich einfach zusammensackte, den Kopf ganz neigte, einfach aufhörte zu pedalieren und dann ausklickte… ;-)

Aber oben auf dem Plateau war es wunderbar. Tolles Licht, rollend flache Landschaft, überall kleine Tümpel, Heurollen, ein kleines Sträßchen hindurchführend auf dem wir auf leicht ondulierendem Terrain rollen konnten… Ein Klasse Abschluss eines tollen Radmarathons. Der zweite, finale Abschluss war dann der Dampfhammer-Zug von Seb auf dem letzten Flachstück zum Ziel hin. Mit 38er Schnitt flogen wir die letzten 8 km flach bis ins Ziel hinein nach Raddon-et-Chapendu. Genial.

Ein kleiner und nicht sehr repräsentativer Ausschnitt des Plateau des Grillauds mit seinen

Ein kleiner und nicht sehr repräsentativer Ausschnitt des Plateau des Grillauds mit seinen „tausend“ Teichen. Hier hätte man viel mehr Zeit mit Fotografieren verbringen können…

Eine tolle Landschaft, anspruchsvolle Kletterei, tolle Ausblicke (sobald sich die tiefhängenden Wolken verzogen hatten) haben Werbung für die Vogesen gemacht. Die Orte, durch die man durchfuhr… Gut war: es waren nicht viele und nur sehr kleine. Alles sehr ländlich, was ich toll fand. Es gibt aber hübschere Orte und Gebäude als in weiten Teilen dort. Aber das soll nicht nachteilig aufgefasst werden – im Meisten ist man wirklich über kleine Straßen durch den Wald oder die Belchen rauf und runter unterwegs.

Die Menschen bei den Verpflegungsstellen und bei den Kreuzungs- und Verkehrssicherungen waren sehr freundlich. Was ich nicht so toll fand, war die Verpflegung selbst – sie war ok, aber nicht berauschend. Gerade die beiden als „Powerbar“ beworbenen Verpflegungsstellen… Da gab’s gerade mal Energie-Getränk und die Performance Bars… Dabei gäbe es doch von Powerbar noch viel mehr…

Naja – dafür fand ich das Trockenobst, die Bananen-Stücke (kaum angerührt), die Orangen-Viertel (oh jaaa! :)) und Baguette-Brot mit Salami und mit Camenbert super und voll ausreichend. Wobei – an einer Verpflegungsstelle war Käse und Salami aus.

Und es war ziemlich dreckig rund um die Verpflegungsstellen… Das kenne ich sonst nicht so.

Gesamturteil: Ja – sollte man mal gemacht haben. Ein zweites Mal würde ich die Vogesen dann aber alleine oder in der Gruppe selbstorganisiert fahren.

Der Abend

Im Ziel geben wir die Transponder zurück und tauschen das Pfand gegen eine Goldmedaille als Erinnerungsstück ein. Danach gibt es zwei kühle Bier als Erfrischung. Als ich danach wieder auf den Bock steige, bin ich auch bocksteif… Wir fahren mit dem Rad zu unserem Domizil und machen uns sofort an die Zubereitung des Abendessens.

Gut ausgestattete Küche mit rustikalem Herd. Foto: Marko.

Gut ausgestattete Küche mit rustikalem Herd. Foto: Marco.

Ich zimmere mir zuvor aber noch eine erste Recovery-Mahlzeit rein. Eine Schüssel Bircher Müsli mit Nutella und Milch. :)

Wir haben zwei tolle Nudel-Rezepte am Start und bald duftet es nach Knoblauch, Gewürzen, Tomaten, Oliven und Süßkartoffeln im ganzen Haus. Das Nudelwasser wird aufgesetzt und… plötzlich ist der Strom weg… öha. Nach geraumer Fahndung kann der Saft an einem Hausanschlusskasten außen am Haus wieder bereit gestellt werden. Die Kerzen, die wir schon herausgesucht haben, bleiben am Tisch und sorgen für gemütliche Stimmung. Endlich können wir auch Natascha und Jens begrüßen, die den Weg zu uns gefunden haben.

Wir verbringen einen tollen, lustigen, leckeren und später dann auch leicht feuchten Abend gemeinsam. Andi hatte leckeren Rotwein von einem Winzer am Mont Ventoux mitgebracht. Später gab es noch Gin Tonic für die Bettschwere. Total unnötig, soll aber ein dufte Recovery-Getränk sein. Oder haben die mich da etwa beschummelt? ;-)

Gedeckter Tisch. Foto: Marko.

Gedeckter Tisch. Noch ohne Kerzen. Noch ohne Wein. Und ohne Spoochies :) Foto: Marco.

Was für ein geniales, aber leider viel zu kurzes Wochenende in den Vogesen. Hier und genau auf solche Weise sollten wir noch mal hin kommen und einen Rad-Urlaub verbringen, versichern wir uns…

Distanz: 230,1 km (inklusive Hinrollen zum Start), Höhenmeter: 4031 m (Garmin Edge 1000 sind notorisch bescheiden, was die Höhenmeteraddition angeht), Zeit: 12 h 26 m (brutto), Durchschnittsgeschwindigkeit: 18,4 km/h, Durchschnittsgeschw. in Bewegung: 24,6 km/h, Durchschnitts-HF: 128

Link zu Strava.

Nordeifel-EXTREM-Marathon – extrem toller Rennradsamstag

Rad fahren

Letzte Woche stand die Frage im Raum, wer denn noch mit nach Euskirchen kommen wollte. Der RSV Euskirchen hätte da eine sehr schöne Strecke und man wollte die lange Strecke fahren. Die richtig lange Strecke. Die Euskirchener nennen diese:

Nordeifel-EXTREM-Marathon.

Hmmm: 256 km und rund 4600 Höhenmeter wurden dort aufgerufen.

Tolle Daten, die Respekt einflößen und die man nicht so zwischen Tür und Angel fährt. Oder doch? ;-) Das Wetter versprach, trocken zu bleiben (tat es) und die Temperaturen moderat (wich doch stark nach unten ab – der Windchill tat sein Übriges).

Und ich will dieses Jahr ja auch schließlich noch den Ötztaler Radmarathon fahren (auch irgendwie zwischen Tür und Angel, denn so richtig Urlaub dafür habe ich nicht übrig). Wäre also eine gute Trainigsfahrt, denn wann fahre ich schon mal an die oder über 200 km? Richtig – bis auf zwei, drei Mal noch gar nie! ;-) Hier gibt’s übrigens einen Bericht von meiner bisher längsten Fahrt über 263 km – solo und mit 3536 Höhenmetern.

Eifelhorizont

Eifelhorizont

Und: bisher kannte ich die Eifel nur von den 24 Stunden am Nürburgring. Die Strecke und die Beschreibung auf den Seiten des Radsportvereins Euskirchen versprachen eine tolle Gelegenheit für richtig viel (Nord)Eifel-Genuss.

Überhaupt: Daumen hoch für Umfang und Güte der Veranstaltungsinformationen! Informationen zur Strecke, Downloadlink der Tracks, zu Sehenswürdigkeiten (sogar per Audiofiles), zu den Anstiegen – sehr gut! Das hat richtig Lust geweckt.

Auf der Strecke dann: übliche, gute Ausschilderung mit Pfeilen, wie man es so von RTFs kennt. Dazu dann noch überall Schilder, wenn Gefahrenstellen lauern könnten („Achtung“, „Bremsen“ etc.), Hinweisschilder mit Länge, Durchschnittsgradient, Höhenmetern und Sternewertung am Fuß der Anstiege und auf der Straße mit Markierungen versehen Schlaglöcher (von denen es wenige gab – überwiegend war die Oberflächenqualität sehr gut).

253 km durch die Nordeifel. Die meisten davon über solch schöne und absolut unbefahrene Nebenstraßen mit sehr gutem Zustand und glatten Asphalt.

253 km durch die Nordeifel. Die meisten davon über solch schöne und absolut unbefahrene Nebenstraßen mit sehr gutem Zustand und glatten Asphalt.

Und großes, großes Lob für die Qualität der Strecke als solches und den Mut, wirklich einen „Extrem“-Marathon mit solch vielen und auch vielen knackigen Anstiegen anzubieten. So beeindruckten nicht nur Landschaft und die absolut verkehrsarme Streckenführung auf den vielen kleinen Nebensträßchen (lebt überhaupt jemand in der Eifel? Man wähnte sich fast auf einer komplett abgesperrten Strecke…) sondern auch solche Kracher wie Reifferscheider Burgberg. Auf einer Länge von 360 m galt es im unteren Teil „nur“ 37 Höhenmeter zu überwinden, aber bei max. 18 % und von einer Abfahrt kommend direkt rein in knüppelhartes, fettes Kopfsteinpflaster. Die Euskirchener haben den Anstieg daher auch liebevoll „Kleiner Koppenberg“ getauft. Der zweite Klopper ist der Kirchberg: 91 Höhenmeter wollen auf 720 m überwunden werden und dafür kurbelt man dann schwer bei einer maximalen Steigung von 21%. Sehr genial! ;-)

Kurvig auf und ab durch die Nordeifel.

Kurvig auf und ab durch die Nordeifel.

Ich habe das erste Mal im Rahmen einer RTF an einem Marathon (sonst bin ich nur bei richtiggehenden Alpenmarathons und Cyclosportivs am Start) teilgenommen und habe so keinen Vergleich zu sonstiger RTF-Marathon-Verpflegung. Fand diese völlig ok und gut. Sehr schön war, dass es an jeder Kontrolle richtiges Brot mit Leberwurst oder Frischkäse, nebst Salzstangen etc. gab. Das ist doch für so einen Tag im Sattel viel brauchbarer als der ganze Süßkram, den es sonst so gibt. Z.B. Waffeln und so. A pro pos Waffeln – die gab es natürlich auch. Aber nicht die billigen Dinger, sondern die leckeren dicken belgischen Waffeln. Da ich die in Belgien bei der Flandern-Rundfahrt und bei L-B-L allerdings zu genüge hatte, verzichtete ich darauf. Bis zur letzten Kontrolle. Da gab es sogar Kaffee! Oh wie genial – gerade bei dem sehr kühlen Tag. 10° Celsius war’s im Schnitt. Ein Kaffee und dazu eine belgische Waffel und dann nur noch 28 km bergab bis flach zum Ziel… Ahhhh, wie geil! :)

An der 2. Kontrolle und Verpflegung in Antweiler.

An der 2. Kontrolle und Verpflegung in Antweiler.

Geil war der ganze Tag. Und dazu hatte auch meine Gesellschaft großen – ach was, den größten :) – Anteil. Ein toller langer Tag mit Natascha, Jens, Seb, Ralf, Stefan und David. Schönes Fahren in der Gruppe. Gute Unterhaltung. Abwechseln im Wind, nebeneinander auf den ganzen kleinen Sträßlein und zum Schluss fast ein richtiggehender belgischer Kreisel bis nach Euskirchen hinein.

Distanz: 252,5 km, Höhenmeter: 4208 m, Zeit: 11 h 28 m (brutto), Durchschnittsgeschwindigkeit: 22,0 km/h, Durchschnittsgeschw. in Bewegung: 24,9 km/h, Durchschnitts-HF: 127

Auf Strava:

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