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Ass Savers Win Wing – Sinnvolles Zwischending zwischen Ass-Saver und richtigem Schutzblech?

Hier findet ihr einen Test und eine Bewertung des neuen Hinterrad-„Schutzblechs“ von Ass Saver, dem Win Wing. Und da ich die im folgenden vorgestellten Win Wings ausnahmesweise tatsächlich mal kostenlos zur Verfügung gestellt bekommen habe und ich dem tatsächlich auch ausnahmweise mal zugestimmt habe, stelle ich auch gleichzeitig (wie immer eigentlich) den wichtigen Kontext zu anderen Produkten und Lösungen her und stelle direkt die Sinnfrage. Macht dieses Produkt Sinn? Brauche ich es – und wenn nicht, wer könnte es brauchen?

Quick and Dirty

Ich gehe jetzt einfach mal von mir aus: Wir Rennradfahrer, Gravelbiker und MTB’ler wollen ja eigentlich überhaupt keine Schutzbleche am Rad haben.

Wie sieht denn das überhaupt aus!? Voll uncool! Und außerdem ist es unnützes Gewicht! Und die Funktion! Klappert es nur und nervt eh? Passt überhaupt ein Schutzblech in/an meinen Rahmen und wenn ja – dann wird doch auch die maximal mögliche Reifenbreite eingeschränkt. Und im Gelände: Da setzt sich doch nur Matsch fest oder ein falsch erwischter Ast und schon kann’s übel ausgehen für das Schutzblech – und eventuell gar das Rad.

Einige Punkte davon sind sehr handfeste Argumente, andere sind uns zumindest mal mehr, mal weniger wichtig.

Und so versuchen wir ständig, mit so wenig wie möglich an schützendem Material auszukommen. Idealerweise wiegt es nix und man sieht es auch kaum. Noch besser, wenn man es in Null-Komma-Nix an- und abmontieren kann.

Aber was kaum da ist, kann aber auch nur wenig schützen. Etwa diese gern „Mudflaps“ genannten, flexiblen Kunsstoffflügel-Platten, die man an Federgabeln direkt unter die Gabelbrücke mit Kabelbindern befestigt. Die sorgen gerade mal dafür, dass die Standrohre und die Brücke selbst halbwegs vom direkten Wasser- und Schlamm-Beschuss geschützt werden und dass (hoffentlich) genau der Spritz-Anteil, der sonst im Gesicht (wichtiger – auf der Brille) landet, dort nicht ankommt oder zumindest stark reduziert wird.

Gut – das war ein Beispiel für „Vorne“. „Hinten“ war es damals der Ass Saver, der quasi von Heute auf Morgen die ganzen anderen „Hilfskonstrukte“ in Form von an die Sattelstütze oder an die Sitzstreben anklemmbaren abgelöst hatte. Denn die haben auch nur so grob den Hintern bzw. Rücken geschützt, waren oft aber der sprichwörtliche „Pain in the butt“ (excuse my French) wenn es um wackelfreie oder dauerhafte Befestigung ging. Und entweder hingen sie eh windschief weg oder waren aufgrund der Rahmengeometrie nicht da, wo sie optimal schützen konnten. Oder brachten voluminöse und gewichtstreibende Gelenke mit, mit denen man mal mehr recht und mal mehr schlecht die Form der Schutzbleche an die Gegebenheiten des eigenen Rades anpassen konnte.

Hier im Bild ein Beispiel eines schon Jahre alten ToPeak Defenders, den es in ähnlicher Form immer noch gibt. Allerdings mit anderer Befestigung. Damals war aber diese kuriose Befestigung, die ihr hier seht, genau das Argument für mich. Bzw. für mein damaliges Wilier Triestina GranTurismo. Dessen Sitzknotengestaltung und eine recht hohe Sattelstützenschelle andere, klassische „Um die Sattelstütze Schnallen“ Lösungen nie gut zuließ. Die vordere „Gabel“ legte man also an den Sitzknoten vorbei und sie legte sich so an das Oberrohr an, um dass sie dann mit dem breiten Klettriemen fixiert wurde. Das Gummiband sicherte dann nach hinten. War ok und so ziemlich das Beste, was ich damals für meine Zwecke auf dem Markt gefunden hatte. Störte aber trotz allem ein kleines bisschen an den Beinen.

Ein ToPeak DeFender RC11 Schutzblech ca. aus 2012

Viele dieser Lösungen gibt es heute noch. Manchmal können sie praktisch sein, oft schützen sie aber auch nicht mehr als das, was ein Ass Saver auch schützt. Wiegen dafür aber deutlich mehr und müssen aufwendiger befestigt werden.

Diese Ass Saver machen halt genau das, was der Name verspricht: sie verhindern eine nasse Kimme… ;-). Bzw. einen nassen Hintern und Rücken. Und helfen vor allem, dass sich das Polster einer Radhose nicht vom Spray des Hinterrads vollsaugt. Oder halten zumindest genug davon ab, dass über eine normale Trainingsausfahrt so wenig am Hintern und Rücken ankommt, dass es dort erst dann unangenehm wird, wenn man wieder nach Hause kommt.

Von diesen Teilen gibt es mittlerweile zahllose Nachahmer (nein, ich weiss nicht, wer damals erster war): Ass Saver, Mudguard, Klixie, D-Flash Express und wie sie alle heißen.

Diverse „Ass Savers“ bzw. Steckschutzbleche für den Sattel

Ihr Schutz / Aufwandverhältnis ist grandios. Für wenig zeitlichen (je nach Bauart und Sattel nur Sekunden), monetären (paar Euro fuffzich oder als Goodie beim Radmarathon oder der dicken Versandhandelsbestellung dabei) und gewichtsrelevanten (oft weniger als 20 g) Aufwand bleibt der Hintern weitestgehend trocken. Zumindest für beginnenden Regen oder wenn auf wechselhaft nassen Straßen nach einem Schauer gefahren wird.

Was gälte es eigentlich noch zu schützen, außer dem Hintern?

Für lange Fahrten bei durchgehendem Regen ist da aber schnell der Wunsch nach mehr Schutz da.

Und zwar gar nicht mal für den Hintern bzw. Rücken. Da regnet es im Zweifelsfall eh drauf bzw. da wird ohnehin schon viel durch den Ass Saver abgehalten. Wichtiger sind eure Beine bzw. eure Füße!

Wer dräut nicht den unabwendbaren Moment, wenn die Überschuhe (sofern man welche an hat) einen Teil ihrer Funktion aufgeben und der Fuß auf einmal in kaltes Wasser getaucht wird?

Ein Teil der Unabwendbarkeit liegt in den Überziehern selbst, im Minimum Löcher für die Schuhplatten und für die Beine bieten müssen. Wenn nicht sogar Nähte, nicht dauerdichtes Material oder Verschlusselemente für zusätzliche Wasserwege sorgen.

Beschuss der Füße und Fußspitzen von der Gischt des Vorderreifens ist die eine große Ursache von nassen Füßen. Um das zu vermeiden, brauchen wir ein tief herabreichendes Vorderschutzblech. Richtig tief. So tief, dass da idealerweise das letzte Stück durch eine flexible Schürze gebildet wird. Sonst kann’s selbst beim überfahren von kleinen Schwellen oder Ästen unangenehm werden.

Gut – da ist ein Win Wing (oder auch Ass Saver) sofort außen vor. Da sind wir rein am Hinterrad. Das wiederum ist aber für die zweite große Ursache von nassen Füßen (und kalten Waden und Beinmuskeln) verantwortlich: Gischt bzw. Spray vom Hinterrad und zwar von da, wo der Win Wing in seiner Funktion aufhört. Nämlich vom oberen Punkt des Hinterreifens (also 12 Uhr auf einem Ziffernblatt) bis etwas über den am weitesten vorn befindlichen Punkt des Hinterreifens hinaus (3 bis 4 Uhr auf einem Ziffernblatt). Wasser, welches sich dort vom Hinterreifen ablöst, spritzt volle Suppe eiskalt (zumindest im Herbst / Winter oder auch im Sommer auf einem Gebirgspass) auf die Beine. Sorgt für kalte und steife Muskeln und läuft dann vor allem von dort direkt hinunter und durch die mehr oder weniger hilfreichen Bündchen der Überschuhe in genau diese und in die Schuhe hinein. Dazu kommt noch der Anteil des Spritzwassers, welches direkt auf die Hacken bzw. Überschuhe trifft.

Nicht nur euren Beinen oder euren Füßen, sondern auch eurem Umwerfer und eurer Kette wollt ihr in so einem Fall ja vielleicht Gutes tun und beide vor Spritz- und vielleicht Schlammwasserbeschuss verschonen. Auch hier geht dann nichts ohne ein richtiges, den Reifen bis zum Tretlager umschließendes Schutzblech.

Schlussendlich fahrt ihr vielleicht nicht immer alleine und da gibt es dann noch den Hintermann oder die Hinterfrau. Die freuen sich auch, wenn sie die Gischt eures Hinterrades nicht abbekommen. Um diesen Personen dann Freude zu bereiten, muss ein Schutzblech weit nach hinten um den Reifen herumgezogen werden. Vielleicht mal mindestens so bis 8 Uhr, um mal wieder das Zifferblatt zu bemühen.

Auch das liegt nicht im Lastenheft des Ass Saver Win Wings.

Immer noch quick, aber weniger dirty?

Ok, was macht der Win Wing denn dann überhaupt?

Er bringt einen normalen Ass Saver näher an den Ort des Geschehens. Bzw. an die Quelle des sich vom Reifen lösenden Sprays. Aber nur von dem Anteil, der sonst auf eurem Hintern bzw. Rücken landen würde.

Ok, näher dran hält mehr ab. Soweit, so offensichtlich! Mach Dinger! Lohnt sich dafür der Mehraufwand? Ist da Mehraufwand oder gibt’s sogar Anwendungsfälle, wo ein Win Wing praktikabler als ein normaler Ass Saver ist? Ich habe tatsächlich einen gefunden. Aber ob der’s rausreisst?

D.h. wir schauen uns in einem ersten Teil erst einmal die Bestandteile des in zwei Größen erhältichen Win Wing an und schauen, wie es um die Qualität und die Montagefreundlichkeit bestellt ist. Und in einem zweiten Teil (nachdem ich mal in schlechtem Wetter über Asphalt und über Trails fahren konnte) folgt dann die Schlussbewertung, ob für mich der Win Wing Sinn macht oder man entweder direkt bei einem normalen Ass Saver bleiben sollte oder gleich richtige Schutzbleche installiert.

Win Wing, die technischen Details

Der Win Wing besteht aus einem schmalen Kunststoffbügel der von hinten gesehen u-förmig von einer Sitzstrebe zur anderen über den Reifen hinweg verläuft. Mit integrierten, flexiblen Gummibändern wird er an den Sitzstreben befestigt. Das eigentliche Schutzblech ist ein separates Teil und einem normalen Ass-Saver in Material, Flexibilität und Form recht ähnlich. Es wird über zwei seitlich der Bügelkrone angebrachten Stutzen aufgeklipst und eines von drei kleineren mittig angebrachten Löchern wird auf den Dorn in der Mitte des Kunststoffbügels gesteckt. Damit kann ein relativer Winkel von -10, 0 und +10 ° zur Oberkante des Kunsstoffbügels festgelegt werden.

Das ist – mit sehr wenigen zu beachtenden Aspekten – tatsächlich super fix gemacht.

Zunächst ein paar Fotos:

Der Win Wing wird in zwei Versionen angeboten: Win Wing Road und Win Wing Gravel. Beide Versionen und diverse erhältliche Designvarianten des Schutzblechs seht ihr hier:

Die Road-Version ist für Reifenbreiten von rund 23 bis 35 mm und die Gravel-Version für Reifenbreiten von rund 35 bis 60 mm vorgesehen. Ich habe interessenshalber auch die Road-Version mal an mein Drifter dran gehalten und montiert. Aber in der Tat – für meine derzeit montierten Reifen mit 41 mm Breite ist die Reifenfreiheit doch sehr gering. Mindestens mal, wenn es auf tatsächlichen Gravel-Untergrund und damit auf Dreck am Reifen gehen würde.

Trotzdem könnt ihr an den nächsten Fotos schon einmal sehen, was es mit der -10, 0 und +10 ° Einstellung auf sich hat. Je nach Neigung eurer Sitzstreben könnt ihr damit eine euch genehme Neigung des Win Wing Schutzbleches einstellen. Sie sollte in der Tat eher waagerecht statt steil aufragend sein, um den Vorteil des Win Wings auszuspielen – den Spray dort abzuhalten, wo er entsteht. Ist wahrscheinlich auch aerodynamischer. Wobei man an diesem Ort in der turbulenten Zone hinter dem Fahrer und seinen Oberschenkeln ohne genaue Vergleichstests (wie beispielsweise hier beschrieben: Aerodynamik-Tests – aller Anfang ist leicht) rein gar keine Aussagen nur nach Optik treffen kann. Nicht einmal, ob es relevant ist.

Die Gravelversion ist dagegen sehr auskömmlich für meine 41 mm Reifen:

Ich finde die Form und den denzent vorhandenen Flex der Montagebügel sehr gelungen. Ebenso wie die Befestigung. In der Fahrt klappert nichts. Es ist erfreulich wenig Materialstärke vorhanden, was Optik und Gewicht gut tut und dennoch bleibt der Win Wing symmetrisch an Ort und Stelle. Da muss man nicht mit Verwindung oder unterschiedlicher Einstellung von linken und rechten Streben oder Drahtbügeln kämpfen, wie es mir früher bei Systemen wie den Race Blades von SKS ergangen ist. Früher ohne Gelenk und rein zum Biegen, heute mit kleinen Gelenken und kleinen Teleskopstrecken zur Längeneinstellung war es immer in Krampf, aus der Kombination von Reifenumfang, Sitzstrebenwinkel und Schutzblech-Radius ein sowohl gefälliges wie auch überall schleiffrei verlaufendes Schutzblech-Montage-Ergebnis zu erzielen. Dafür gab’s aber auch mehr Schutz!

Der Win Wing umgeht diese Probleme auch damit elegant, indem eben keine Radien von Schutzblech und Reifen übereinandergebracht werden müssen. Das Win Wing Schutzblech schert sich nicht um Reifenradien – es steht einfach gerade in den besagten 3 möglichen 10 Grad-Winkelschritten vom Reifen weg. Und bietet damit auch viel weniger Schutz. Aber auch einen Vorteil: Er ist viel weniger Anfällig gegenüber am Reifen anhaftenden Dreckklumpen oder Steinchen, die sich erst weiter oben vom Reifen lösen. Oder wo sich der Ass Saver Win Wing schadlos wegbiegen und wieder zurückflitschen kann. Ob sich das in einem Praxistest irgendwie zeigen lassen kann, muss ich sehen.

Montieren ist aber wie gesagt ein Kinderspiel. Besonders gefällt mir die Ausformung des Schlaufentunnels am Befestigungspunkt der Sitzstrebe und der flexible Riemen. Der Riemen greift sich durch die Riffelung sehr gut und ist super einfach eingefädelt. Das beste Allerdings: Einmal eingehakt, legt sich der überstehende Rest ganz natürlich an den Halter an. Egal im wievielten Loch er sitzt. Nichts steht störend ab. Sehr cool. Es sind die kleinen Details… :)

Anschlagpunkt an der Sitzstrebe und Riemenführung

Eine kleine Kritik habe ich aber doch. Die ist allerdings fast unausweichlich: Wenn euch der Lack oder das Finish eures Rades (in dem Fall der Kettenstrebe) lieb ist, klebt die Montagestelle mit etwas Tape ab. Ja – der Anschlagpunkt des Win Wing Bügels hat einen Gummiein- bzw. Aufsatz zur Rahmenschonung. Ja, der Riemen ist wunderbar anschmiegsam. Und ja, der Bügel sitzt vergleichsweise robust und stabil an Ort und Stelle. Trotzdem – wenn ihr hinten auf die Spitze des Schutzblechs tippt, könnt ihr damit am Anschlagpunkt wackeln. Selbst wenn es dort zwei Riemen oben und unten (und damit Overkill) gäbe, würde sich im rauhen Alltag da immer Schmutzwasser und damit letzten Endes Schleifpaste sammeln und ihr Werk verrichten können. Es gibt kaum eine (lies: eigentlich keine) Riemenverbindung am Rad – sei es für ein Schutzblech oder eine Tasche – die so gestaltet ist, dass nach einem Festzurren da absolut kein Schmutz oder Staub zwischen Riemen und Rahmen und auch absolut keine Vibration und damit keine Abrasion statt finden kann. Die einzige Lösung: an dieser Stelle ein Stück Klebeband oder Klebefolie aufbringen. Nur was flächig geklebt ist, wird nicht unterwandert und reibt nicht.

Und jetzt müsst ihr für euch selbst überlegen: ist euch der Lack oder das Finish eurer Sitzstreben wichtig? Und wenn ja, wollt ihr da jedesmal eine frische Lage Klebeband anbringen oder ist es ok für Euch, da einmal eine transparente Schutzfolie anzubringen, die dann immer dran bleibt? Wenn ersters und letzeres: prima: Das Anbringen eines Ass Saver Win Wing geht fast genau so flott von der Hand wie das Einstecken eines normalen Ass Savers unter den Sattel. Dann ist das immer noch genau so „Quick“ und vielleicht ein bisschen weniger „Dirty“.

Wenn das Tape wichtig ist, aber bei Nichtgebrauch wieder weg soll… dann ist wohl eher ein Ass Saver für den Sattel das richtige für euch – oder es wird halt aufwendiger mit dem Anbringen eines Win Wings.

Aber wie war das noch mit dem Thema, wenn ein Win Wing praktikabler als ein normaler Ass Saver unter dem Sattel ist? Das ist immer dann der Fall, wenn ihr irgend etwas direkt hinter dem Sattel montiert habt. Eine kleine Satteltasche zum Beispiel. Warum keine große, typische Bikepacking-Satteltasche? Ganz einfach – eine solche „Seatpack“ ist im Grunde ein noch viel besserer und voluminöserer Ass Saver und hält nochmal mehr ab. Da braucht es also gar keinen Ass Saver mehr und auch keinen Win Wing. Beide würden nicht mehr schützen können, als es eine große Seatpack ohnehin tut.

Es bleibt also bei sehr kleinen Satteltaschen oder auch hinter dem Sattel montierten Trinkflaschenhaltern. Wie sie z.B. gerne an Triathlon-Rädern benutzt werden. Ich nutze so einen an meinem Cervélo P-Series Zeitfahrrad. Und ich habe auch an diesem Rad mal die Win Wing Road ausprobiert. Passt auch sehr gut an die schmalen Sitzsstreben des P-Series. Ihr seht hier auch, wie sich die Road Version in ihrer Dimension zu einem 25 mm Straßenreifen verhält:

Damit aber sind wir soweit mit den technischen Details durch. Eins noch, die Gewichte!

Der Win Wing Road wiegt 64 g und der Win Wing Gravel wiegt 73 g.

Zum Vergleich: normaler Ass Saver wiegt um die 17 g.

Und der Eingangs gezeigte ToPeak Defender RC11 (nur für Straßenbereifung) wiegt 98 g.

Ein SKS Raceblade Pro für das Hinterrad (nur für Straßenbereifung bis 25 mm gedacht) wiegt 202 g.
Und ein altes SKS Raceblade XL für das Vorderrad, etwas kürzer gesägt und von mir als Hinterradschutzblech damals am Crosser verwendet (eigentlich nur bis Reifenbreite 32 mm gedacht) wiegt 168 g.

Hier könnt ihr es im Einsatz bei einem Winterrennen in den Ardennen sehen:

Hack or bodge? Eine frühere Version eines SKS Raceblade XL für das Vorderrad nochmals etwas gekürzt und hinten montiert.

Diese Raceblades sind schon nicht schlecht. Zumindest für Hinten. Vorne ist immer noch eine andere Sache, was die Haltbarkeit an der Gabel und auch generell was die ja oft nur geringe Fußfreiheit bis zum Vorderreifen (der sogenannte Toe-Overlap) angeht. Für das Hinterrad kommt es halt darauf an, wie gut man die Metall-Bügel an die Winkel seiner Sitzstreben angepasst bekommt. Das ist schon deutlich frickeliger, als einfach nur den Ass Saver Win Wing Bügel anzubringen. Und ich kann auch nichts zur Dauerhaltbarkeit der mittlerweile mit ein paar kleinen Schraubgelenken versehenen Bügel der SKS Raceblades sagen. Insbesondere für den Graveleinsatz habe ich da meine Zweifel. Aber – dafür sind diese ohnehin nicht wirklich vorgesehen. Dafür ist die maximal verfügbare Breite zu gering.

Zurück zu den Win Wings. Immer noch Quick, aber weniger Dirty als ein normaler Ass Saver? Das steht zu vermuten – aber wenn ja, wie viel und lohnt sich das?

Mit einem Ass Saver ist nach einer Fahrt über regennassen Asphalt und feucht-nasse unbefestigte Wege (nach oder während dem Regen) die Hose am Hintern oft noch passabel trocken. Am Hintern selbst spürt man nichts. Die Oberschenkel sind dann mehr oder weniger feucht bzw. nass, wenn es wirklich beim Fahren geregnet hat. Und auf dem Rücken (z.b der Softshell) hat man dann ein schönes Schlamm-Spritz-Muster. Alles war innendrin während der Fahrt angenehm trocken. Aber außen trotzdem nass und vor allem dreckig.

Jetzt die große Frage: ändert sich das nachhaltig durch den Einsatz eines Win Wings? Meine Vermutung: wo ich vorher innen trocken geblieben bin, bleibe ich auch mit dem Win Wing trocken. Und die Hose und der Rücken der Jacke werden nach der Fahrt trotzdem schlammbespritzt sein. Aber vielleicht ein bischen weniger. In die Wäsche muss der Kram aber so oder so. Interessant wird es sein, ob sich zumindest für die oberen Oberschenkel etwas mehr Schutz ergibt.

Das muss der kommende zweite Teil dieses Tests zeigen, für den ich aber erst einmal passendes Wetter benötige. Also – schaut demnächst noch einmal rein, was mir der Fahrtest im Regen an Erkenntnissen gebracht haben mag.

Teil 2: Fahrtest

… folgt demnächst.

Folgt jetzt (22.11.2022).

So – ich bin jetzt diverse Male mit dem Win Wing auch im Schmuddelwetter und Regen gefahren. Sowohl über Asphalt wie auch über typische Waldwege und auch durch tiefes Geläuf. Solches von der Sorte, wo sich der Reifen tief eingräbt und die Stollen schön viel Dreck mitnehmen, hochschleudern und gegebenenfalls auch an die Schutzblechfläche und sogar an den Montagebügel drücken und diese beeinträchtigen könnten.

Und… nichts und: Der Win Wing hat sich durch nichts beeindrucken lassen. Blieb immer an Ort und Stelle, nichts hat gewackelt oder geklappert. Und das, obwohl ich ihn neben dem Gravelbike sogar an meinem Mountainbike eingesetzt habe. Mit dessen 2,25″ Reifen ist der Win Wing Gravel größenmäßig zwar am Anschlag, aber selbst matschige Pfade waren damit kein Problem.

Ass Saver Win Wing am Canyon Exceed Hardtail

Ich habe den Win Wing gemäß Anleitung möglichst horizontal eingesetzt. D.h. die eigentliche Schutzblechfläche war im mittleren der drei Löcher für den Montagebügeldorn befestigt. Das soll für möglichst gutes Abfangen des vom Reifen hochgeschleuderten Wasser und Schmodder sorgen. Und es lässt auch die beste Reifenfreiheit an der Vorderkante über. Andererseits sorgt das vielleicht auch dafür, dass da noch ein bisschen mehr aus dieser Lücke ganz nach vorne sprühen kann. Und da liegt, zumindest bei der Sitzstreben- und Sitzknoten-Konfiguration meiner Fahrräder, die Sattelstützenklemme.

Das ist der einzige kleine Schönheitsfehler. Also, kein Fehler per se – über die beschränkte Schutzwirkung einer solchen, nur sehr stückweisen Abdeckung der Reifen habe ich weiter oben ausführlich gesprochen. Aber es wäre halt schon schön gewesen, wenn gerade auch dieser Bereich der Sattelstützenklemme von direktem Schlamm- oder Regenwasserbeschuss noch freigehalten werden könnte. Beim Drifter, also meinem Gravel-/Allroad-/Go-Anywhere/Rennrad (;-)) geht es sogar fast so gerade noch. Da wird im weitesten nur die Unterkante der Sattelstützenklemme vom Modder erreicht. Aber das ist halt meine persönliche Situation. Jemand mit anderen Sitzstreben oder mit besonders hochliegender Sattelstützenklemme (aus anderen Gründen eher unschön, weil optisch nicht so prall und weil so die Auszuglänge der Sattelstütze kürzer und damit ihr mögliches Dämpfen geringer ausfällt), der hat so ein Problem nicht.

Deswegen will ich nicht zu sehr meckern – anders als ursprünglich gedacht, stellt sich für mich der Win Wing als deutlicher Gewinn gegenüber einfach nur einem Ass Saver dar. Auf meinem Hintern und Rücken hatte ich überhaupt keine Schlammspritzer. Die blieben, anders als mit einem Ass Saver in entsprechenden Situationen, komplett trocken und sauber. Ziel erreicht!

Ja, ich habe diesen Test nochmal zum Anlass genommen, mir auch weitere Lösungen von z.B. SKS und ToPeak „auf dem Papier“ anzusehen. Aber als leichtgewichtiger Weight Weenie schrecke ich bisher immer wieder vor dem substanziellen Gewichtszuwachs und dem mehr an Montageaufwand zurück, der z.B. mit einem SKS Mudrocker Rear verbunden ist. Der schützt dann auch den Sitzknoten und bei einem Full Suspension Bike auch die Dämpferwippe, aber wiegt halt auch anstelle von 73 g direkt 283 + 35 g.

Und gerade mit dem MTB habe ich festgestellt, dass ich im Zweifel doch lieber den Win Wing ansetze (auch wenn ich dazu lieber ein Stück Isolierband auf meine Sitzstreben klebe), als einen Ass Saver unter den Sattel zu schieben. Wo ein solcher bei schmalen Rennradreifen den eng zentrierten Gischtstreifen noch gut vom Hintern fernhalten kann, fliegen spätestens bei breiten und sogar bestollten MTB-Reifen die Dreckspritzer auch zum guten Teil an ihm vorbei. Und ein Gravelbike liegt da in der Mitte. Da macht so ein Win Wing schon eine gute Figur. Ich stelle aber auch fest, dass ich, je nach Straßensituation und Witterung, für’s Gravel- und Straßenrad lieber eben kurz einen normalen Ass-Saver unter den Sattel schiebe. Der ist halt nochmal niedrigschwelliger in der Anwendung. Dennoch – der Win Wing ist eine solide Ergänzung im Reigen der leichtgewichtigen aber erstaunlich robusten Schmutz- bzw. Wasserabweiser für das Hinterrad.

Und damit: ich hoffe ihr konntet ein paar Infos für euch sammeln und habt einen tollen Winter mit allzeit trockenem Hintern!

4 Kommentare

    1. Hallo Marco,
      sehr schön – leise ist gut, da stört man die anderen nicht beim Lesen… 🤣

      Insteressante Dinger – Schauen nahezu identisch zu den Fendor Bendors (für hinten) und Speed Mullets (für vorn) aus, die’s schon seit geraumer Zeit von Ass Savers gibt. Unterschied scheint mir zu sein, dass sie zum Rollen um das Oberrohr gedacht sind, wenn nicht in Gebrauch.

      Und der Hintere könnte ein wenig kompatibler mit mehr Sitzstreben und Bremsbrücken-Konfigurationen sein. Das ist nämlich für mich das Problem mit den Fendor Bendors, die ich gar nicht im Text erwähnt habe. Die passen nicht an mein Drifter.

  1. Hallo Torsten,

    als ich ich Dinger gesehen habe, musste ich laut lachen! Der nächste Versuch, mit Minimalismus dem Schmodderbeschuss Herr zu werden. Für den Allerwertesten könnte es tatsächlich funktionieren (könnte man geometrisch auf einem Blatt Papier aufmalen), aber sonst wird es nix bringen!
    Für mich gibt es nur EIN einziges abnehmbares Schutzblech für Gravelbikes auf dem Markt, dass den Namen auch wirklich verdient: die SKS Speedrocker mit Verlängerung. Die Erstmontage dauert, danach geht es auch ganz fix. Einziger Wehrmutstropfen: das hintere Konstrukt geht nicht bis zum Tretlager und vorne geht es konstruktionsbedingt eigentlich auch nie ohne toe-overlap.
    Deswegen bevorzuge ich ganz klar mein Trek 520 mit den Pelago Alublechen, wenn die Straßen nass sind und bleiben.

    MfG,
    Armin

    1. Hallo Armin,
      isso – außer richtigen Schutzblechen, vorne _und_ hinten und diese auch tief genug heruntergezogen, ist alles andere herum-doktor’n an Symptomen.

      Aber – ein richtiggehendes Schutzblech will der Win Wing ja gar nicht sein. Und in der Tat: habe gerade auch für’s MTB neulich nochmal bei SKS und Co rumgeschaut – klar gibt es Alternativen (die auch bei weitem keine Schutzbleche sind), die wenigstens noch die Sattelstützenklemme auch sauber halten… Aber die wiegen direkt 283 + 35 g (SKS Mudrocker rear). Da ist so ein Win Wing mit 73 g eine ganz andere Hausnummer.

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