Der Wahoo Elemnt Roam – eine vertane Gelegenheit und das Windows Me von Wahoo

Anscheinend ist gerade Wahoo Elemnt Roam Test-Veröffentlichungszeitpunkt und da haue ich mal mit in die Kerbe. ;-)

Wahoo Elemnt Roam

Nein, natürlich ist der Elemnt Roam Radcomputer nicht neu, er hat jetzt schon so grob 9 Monate bzw. fast ein Jahr auf dem Buckel. Es ist daher auch keine Testschwemme zu verzeichnen. Trotzdem fand ich es ganz interessant, dass ganz frisch nicht nur der Martin von seinen positiven Erfahrungen mit dem vor dem Atlas Mountain Race aus der Verpackung gezogenen Roam schildert (siehe hier), sondern auch das GranFondo Cycling Magazine einen Langzeittest veröffentlicht hat (siehe dort) und jetzt auch ich endlich dazu gekommen bin, meinen Roam zu verkaufen, so dass ich jetzt mit meinen schon im letzten Herbst notierten Impressionen „vom Leder“ ziehen kann. Hüstel. 

Eigentlich hätte ich das trotz sofortiger Verkaufsabsicht schon früher machen können. Weil erstens: der Roam verkauft sich bestimmt sowieso ganz ok (und wenn es nur an die Leute ist, die sich auf Instagram schlecht mit etwas anderes als dem jeweils neuesten Modell von irgendwas erwischen lassen wollen) und zweitens: Meine Einschätzung des Gerätes und seiner Fähigkeiten kennt Ihr und Leute, die mir in den sozialen Medien folgen oder mit denen ich mich zu diversen Gelegenheiten unterhalte, ohnehin.

Von daher ist das hier auch kein Test per se, sondern soll nur eine Reihe von Eindrücken wiedergeben. Und meinem Wunsch an Wahoo Ausdruck verleihen, dass sie möglichst schnell einen wirklich rundum würdigen Nachfolger des ursprünglichen Wahoo Elemnt herausbringen und den Roam ad acta legen.

Fangen wir also zur Abwechslung mal mit dem Gesamt-Verdikt an:

Für wen ist der Wahoo Elemnt Roam?

Die ursprünglichen Stärken der Elemnt-Radcomputer finden sich auch im Roam wieder: 

  • klar ablesbares Display mit sinnvoll farbreduzierten Karten und einer unmissverständlichen, Fahrtrichtungsinformation beinhalteten Trackdarstellung. 
  • Lange Batterielaufzeit (wie der ursprüngliche Elemnt ist der Elemnt Roam mit 17 Stunden angegeben und erreicht diese mit ein paar Tricks auch, ganz im Unterschied zu den Angaben, die Garmin immer macht).
  • Einfache Kopplung mit der Companion App auf dem Smartphone und damit einfache Einrichtung des Radcomputers, der angezeigten Felder und mühelose Synchronisation von geplanten Routen (entweder auf dem Smartphone direkt in der App, in einer anderen App wie Komoot oder Ride with GPS, über irgendein GPX in einem E-Mail-Anhang oder direkt über die Webseiten von Komoot, Ride with GPS, Strava und Co).

Wer auf diese drei Kernelemente eines guten Radcomputers Wert legt und zusätzlich doch ab und an mal in die Verlegenheit kommt, von seiner geplanten Route abzuweichen und auch ohne Routing nicht mehr auf diese zurückfindet, der mag zu schätzen wissen, dass der Roam jetzt auch ohne Smartphone, direkt auf dem Gerät und on the fly mit seinen neuen routingfähigen Karten eine Neuberechnung der Route durchführen kann. Oder, wer des öfteren mal irgendwo steht, wo er sich nicht auskennt, aber plötzlich auf kurzem Wege zurück zu seinem Startpunkt muss. Wer dass nicht mit dem Handy erledigen möchte, der kann das jetzt ohne Weiteres direkt auf dem Roam erledigen. Das funktioniert recht gut, hat aber dennoch Fallstricke (wie jede Routingempfehlung auf Radcomputern unabhängig vom Hersteller). Was mit dem Wahoo Roam am Gerät geht und was nicht, könnt ihr im Detail im wie immer ausführlichen Geräte-Test bei DC Rainmaker nachlesen (wo sonst?): Wahoo ELEMNT ROAM Cycling GPS In-Depth Review .

  • Wer bisher mit dem Elemnt und Elemnt Bolt und seiner Turn-by-Turn Navigation zufrieden war, es nur schade fand, dass das nur mit Komoot oder Ride with GPS, aber nicht mit Strava funktionierte, der darf sich beim Roam ebenfalls freuen – da geht das nämlich nun.
  • Aber von meiner Seite am wichtigsten: Nur wenn ihr immer in einer sehr begrenzten Region unterwegs seid und nie ins Ausland fahrt oder wenn ihr keine Probleme damit habt, in diesen Fällen regelmäßig daran zu denken, die richtigen Kartenausschnitte zu laden, dann könnt ihr mit dem Roam glücklich werden.

Für wen ist der Wahoo Elemnt Roam nicht?

  • Fangen wir da mit dem letzten Punkt der Liste, für wen der Roam ist, an und negieren ihn. Wenn ihr in irgendeinem Dreiländereck wohnt und regelmäßig in alle Richtungen aufbricht. Wenn ihr in der Woche daheim und an den Wochenenden regelmäßig sonstwo unterwegs seid – ein Wochenende in den Ardennen, Pfingsten in den Alpen, dann zu einem Treffen in Frankreich oder zum Urlaub in Spanien. Wenn ihr sehr lange Brevets oder Bikepacking-Routen durch mehrere Länder fahren wollt und euch eben nicht jedes Mal im Vorfeld überlegen wollt „Habe ich die richtigen Teilkarten auf meinem Gerät?“ bzw. Karten rauswerfen und andere reinladen wollt, dann ist der Roam nichts für euch. Der interne Speicher ist leider deutlich zu gering für die neuen, routingfähigen Karten.
  • Wenn ihr euch ohnehin fragt, was Routing auf dem Gerät soll, weil die Ergebnisse oder auch der Kontext für euch sowieso nicht passend sind. Wenn ihr wie ich der Meinung seid, dass im Zweifel unterwegs der 5 bis 6 Zoll große Bildschirm eines Smartphones sowieso deutlich mehr Übersicht als das Display eines Radcomputers (im Falle des Roam 2,7 Zoll) sowie schnellere und intuitivere Bedienung und jede Menge mehr Informationen, je nach App, bietet, wenn man wirklich Neu-Orientierung (und vielleicht sowieso noch ein paar weitere Informationen wie z.B. Öffnungszeiten, Zugverbindungen oder Telefonnummern) suchen muss. Und wenn ihr wie ich der Meinung seid, dass man seine Sonntagstour lieber an einem großen Bildschirm (z.B. Notebook oder Desktop) zu Hause mit Umsicht plant als morgens auf einem Radcomputer zwei Punkte auszuwählen und auf eine erlebnisreiche Tour hofft, dann braucht ihr den Roam ebenfalls nicht, sondern könnt Geld sparen und einen der nach wie vor erhältlichen Brüder des Roam erwerben. Entweder den Elemnt oder den Elemnt Bolt.

Was sind positive Entwicklungen insgesamt ?

Es freut mich zu sehen, dass Wahoo sich weiter sehr stark in den Radcomputer-Markt engagiert und auch in schneller Folge Weiterentwicklungen und neue Fähigkeiten nicht nur durch neue Endgeräte, sondern vor allem auch durch Firmware-Upgrades und Updates der Companion-App den bereits länger auf dem Markt befindlichen Modellen zukommen lässt. Dazu zählt z.B. die hergestellte Kompatibilität mit Garmins Varia-Radar-Rücklichtern bzw. -Sensoren. Eine Funktionalität, die zwar nicht jeder braucht, aber die trotzdem zu den meist nachgefragten Funktionen bzw. zu den meisten Sätzen „Ich würde ja gerne zu Wahoo wechseln, wenn ich nur das Garmin Varia damit benutzen könnte…“ in sämtlichen thematisch passenden Foren geführt hat.

Auch für Dritthersteller, seien es jetzt Lenkerhalter oder Anbieter von Trainingssoftware, ist mittlerweile selbstverständlich, dass Neuentwicklungen zeitgleich oder sofort auf dem Fuße mit Garmin-Entwicklungen folgen. Da darf man jetzt trefflich streiten, wer da schneller ist oder ob man vieles, was für Garmin entwickelt wird, auf dem Wahoo so braucht, weil es da eh schon out-of-the-box passabel gelöst ist. Beispielsweise stand für den Trainings-Software Anbieter TrainerRoad beim Ausrollen ihrer neuen Outdoor-Trainingsplan-Steuerung sowohl Garmin als auch Wahoo ganz vorne im Lastenheft. Realisiert wurde zuerst die Garminlösung, doch die Wahoolösung folgte auf dem Fuße. 

Was sind unschöne Begleiterscheinungen, die abgestellt werden sollten?

Bei all dem Funktionsnachschieben, dass in den letzten 9 Monaten geschah, waren leider eine Vielzahl von Versionen und Updates dem neuen Elemnt Roam geschuldet. Dieser bekam zum einen in schneller Folge weitere Funktionen mit auf dem Weg, die bei der Markteinführung noch nicht komplettiert waren und erforderte zum anderen weitere Updates, damit dass dann auch wirklich fehlerfrei funktionierte. Im Zuge des gesamten Wahoo Elemnt und Elemnt Companion App Ökosystems mussten Elemnt und Elemnt Bolt Besitzer zwar nicht die Firmware-Updates für den Roam, wohl aber die App-Updates für ihr Smartphone zwangsläufig mitmachen. Mit unschönen Begleiterscheinungen. Zwar funktionierte alles immer noch und war von der User-Experience nach wie vor deutlich robuster als Garmin, aber es wackelte doch arg im Gebälk und nicht nur ich persönlich war „not amused“. Seit dieser Zeit und bis zum letzten Update der App vor wenigen Wochen hatte ich z.B. nahezu regelmäßig den Fall, dass beim ersten Öffnen der App nach einer beendeten Trainingsfahrt diese erstmal hing und die Aktivität nicht synchronisieren wollte. Oder sich sofort wieder beendete. Erst beim zweiten Öffnen ging es dann. Und zwar egal ob ich jetzt gerade den Elemnt, den Elemnt Bolt oder den Elemnt Roam benutzt hatte.

Dann waren die Status-Anzeigen, ob und wie die jeweilige Aktivität mit den gekoppelten Diensten (Strava, Trainingspeaks etc.) erfolgreich synchronisiert wurde, plötzlich uneindeutig übersetzt bzw. mit neuen Grafiken versehen. Man wusste nie, soll das jetzt bedeuten, dass die Einheit erfolgreich synchronisiert wurde oder muss ich da jetzt drauf drücken, damit sie synchronisiert wird? Was leider im selben Atemzug damit passierte, dass man sich leider nicht mehr auf diese Synchronisierung verlassen konnte und deshalb des öfteren auf die entsprechende Seite in der App schauen musste. Glücklicherweise hat sich auch das wieder gebessert. Ich war aber tatsächlich in ernster Sorge, dass Wahoo sich softwareseitig zum Bananenladen entwickeln würde.

Meine sonstigen Anmerkungen zum Elemnt Roam

Die folgenden Erfahrungen und Anmerkungen kommen von mir als jemand, der alle drei genannten Elemnt-Radcomputer, den originalen Elemnt, den Elemnt Bolt und den Elemnt Roam, besitzt bzw. besessen und benutzt hat. Davon Elemnt und Elemnt Bolt schon seit einigen Jahren und mit diesen erfolgreich mehrfach quer durch Europa navigiert und Renn-Aktivitäten aufgezeichnet hat. Ob in Transcontinental-Rennen oder beim Training im winterlichen Bergischen und Wittgensteiner Land und bei Sauwetter wie bei Sonnenschein. Den Roam hätte ich mir von seinen technischen Daten und Fähigkeiten nie gekauft – ich kannte diese ja von seiner Vorstellung her und wusste, dass ist kein Gerät für mich. Glücklicherweise habe ich ihn im letzten Herbst im sportlichen Wettstreit gewonnen. Deswegen auch dieser Artikel. Doch nun zu den Anmerkungen:

Wahoo kann keine Tasten. Der dritte Elemnt (Elemnt, Bolt, Roam), die dritten komplett unterschiedlichen Druckpunkte und taktilen Feedbacks jeweils sowohl zwischen linken, rechten und Front-Buttons innerhalb eines Modells und dann nochmal unterschiedlich zwischen den einzelnen Modellen. Buchstäblich keine einzige Taste gleicht in erforderlicher Druckstärke, Druckgefühl und in Feedback einer anderen. Echt mal, Wahoo, wie schwer kann das sein?

Das Display des Roam, das wegen seines Gorillaglases und leicht satinierten Oberfläche (schaut ja fesch aus) so oft gelobt wird, finde ich de fakto das Schlechteste der drei Modelle. Wenn zwar nur leicht, aber erkennbar. Das ist Klagen auf hohem Niveau. Aber was Ablesbarkeit und Kontrast angeht, so sehe ich folgende Reihenfolge von am Besten zu Schlechter: Elemnt, Elemnt Bolt, Elemnt Roam.

Bei eingeschalteter Displaybeleuchtung fällt der Roam nochmals eine Winzigkeit gegenüber dem Elemnt und dem Bolt ab. Das kann mit der nun beim Roam durch einen Lichtsensor dimmbaren Hintergrundbeleuchtung zusammenhängen. Aber selbst bei Maximaleinstellung trifft das für mich zu.

USB-Anschluss: Dieser ist beim Roam jetzt wie beim Bolt auf die Unterkante gewandert. Das finde ich eine sehr schlechte Entscheidung. Sämtliche Kabelführungen, ob an einem Outfront-Mount oder am mitgelieferten Time-Trial Mount (für Extensions) sind so schlechter gestellt, was den verfügbaren Platz zwischen Elemnt Roam und Lenker oder Vorbau angeht. Hier ist mindestens ein zusätzlicher „Bogen“ oder sogar „Knick“ den ein Kabel, egal von wo geführt, einnehmen muss, von Nöten. Und im Zweifel ein größerer Abstand vom Lenker. Dahingegen mündet der USB-Anschluss am Elemnt auf der Rückseite in das Gerät. Da finde ich sie deutlich besser positioniert. Generell sollten alle Radcomputer-Hersteller darauf achten, dass diese Buchse mit sämtlichen mitgelieferten Halterungen harmoniert. Und nicht ein Out-Front-Mount den Computer so dicht am Lenker positioniert, dass gar kein Kabel eingesteckt werden kann oder die Computer-Aufnahme die USB-Buchse direkt verdeckt.

USB-Anschluss-Abdeckung. Die ist jetzt ein sehr dünnes und labbriges Gummiteil (labbriger als beim Elemnt), das gar nicht mehr gut in seine Fassung passen will. Einmal geöffnet, hält es gar nicht mehr gut in komplett geschlossener Funktion. Das geht besser, wie Wahoo am Elemnt zeigt (aber wohl vergessen hat).

Wenn man der USB-Abdecklasche nicht gut zuredet, dann lugt sie immer ein klein wenig hervor.

Speicher! Der Elefant im Raum. Es ist mir unbegreiflich, wie Wahoo den Roam mit einem so ungenügenden Speicher, der zudem nicht durch z.B. einen Micro-SD-Kartenslot erweiterbar ist, spezifizieren konnte. Man ist da sehenden Auges hineingelaufen. Möglicherweise war es so, dass der Chipsatz es nicht zugelassen hat, etwas mehr Speicher zu implementieren, selbst wenn man gewollt hätte und man zum entsprechenden Entwicklungszeitpunkt das Projekt komplett hätte neu auflegen müssen. De Fakto hat der Roam genau wie der Elemnt und der Elemnt Bolt nur 2,78 GB interne Speicherkapazität. Nur mit dem Unterschied, dass die Karten für den Roam, die vom Detaillierungsgrad keinerlei Unterschied zu den bisher gewohnten Karten für den Elemnt und Elemnt Bolt aufweisen, nun „unter der Haube“ Routing-Metadaten beinhalten. Beinhalten müssen. Damit der Roam selbst mit Hilfe dieser Daten Routingberechnungen in den Karten durchführen kann. Und diese Datenmenge ist erheblich. Während ich beim Elemnt und Elemnt Bolt problemlos ganz Europa, Nordamerika und Afrika im Gerät halten kann (und Ozeanien, Südamerika und Co aufgrund der geringen Straßendichte wohl auch noch passen würde) und daran nach dem Kauf keinerlei Gedanken mehr verschwenden musste (egal wo ich bin, ich habe die Karte auf dem Gerät) ist es beim Roam plötzlich so, dass man sich sogar in Deutschland sehr genau überlegen muss, welches Bundesland denn bitte im Gerät gespeichert bleiben soll, wenn man daneben auch noch bei den Nachbarn fährt und natürlich auch da die passende Karte auf dem Gerät haben möchte.

Nun mag der eine oder andere Anführen, dass man dann ja immer noch schnell irgendeine Karte löschen und die passende benötigte Karte schnell laden kann. Über die Companion-App geht das tatsächlich relativ einfach und ist kein Vergleich zu dem Akt, der da auf Garmin-Computern nötig wäre. Das ist richtig. Aber das ist doch total 1995 und nicht 2020, ja nicht mal 2015! Und auch überhaupt nicht praktisch. Wie oft würde man sich irgendwo wiederfinden, wo man dann doch mal ein Stück durch Luxemburg, die Niederlande oder meinetwegen auch Baden-Württemberg fährt. „Ach“ darf man dann denken, „stimmt ja, Ba-Wü hatte ich letzen Herbst rausgeschmissen, weil ich Platz für Gran Canaria und den Rennradurlaub im Winter brauchte“. Na toll. Und jetzt braucht ihr gerade dort eine Routing-Information. Weil, das Handy habt ihr ja zu Hause gelassen. Denn ihr habt ja einen Radcomputer, der das Routing ganz allein auf dem Gerät kann… Hmmm…

Nein, das ist nicht wirklich kundenfreundlich. Anderes Beispiel: Trans Pyrenees Race. Ja, das ist Bikepacking und das macht nicht jeder. Aber es könnte ja auch die geführte Pyrenäen-Überquerung mit allen Annehmlichkeiten und Begleitfahrzeug sein. Mal nördlich, mal südlich des Pyrenäen-Hauptkamms. Ihr braucht also Frankreich und Spanien auf dem Roam. Und vielleicht noch Andorra. Aber das fällt nicht ins Gewicht. Problem: Frankreich und Spanien passt nicht gleichzeitig auf den Roam. Tja, blöd. Gut – aus diesem Grunde hat Wahoo damals nach der Markteinführung des Roam sehr schnell eine feinere Granularität der Karten nachgeschoben. Ihr könnt (und müsst) daher dann einzelne Bundesländer bzw. Regionen laden, damit das passt. Jetzt wird es aber schon unübersichtlich und trotz Companion-App ist das nicht mehr so schnell gemacht. Jetzt dürft ihr nämlich anhand einer anderen Karte (z.B. Google Maps oder der Wikipedia-Seite der französischen Departements) auswählen, welche Teilkarten ihr denn für euren geplanten Radurlaub aus Frankreich und welche aus Spanien genau braucht und folglich in der Auswahlliste der App anzuklicken sind. Und spätestens hier hört es für mich auf. Von einem Transcontinental Race, wo man durch bis zu 16 Länder fährt, will ich erst gar nicht anfangen. 

Viele Sätze für eine knappe Tatsache: die Speicherausstattung des Wahoo ist ungenügend und führt zu erheblichen Einschränkung in der Nutzbarkeit. Nicht für jeden Nutzer. Und nicht ohne Workarounds. Aber überhaupt nicht für ein Gerät in 2019 oder 2020 angemessen. Egal für welchen Preis. Und schon gar nicht für über 300 Euro. 

Geschwindigkeit: Ist noch ausreichend und ok. Aber es fängt schon an zu knirschen. Waren es früher (und teilweise jetzt auch noch) besonders Garmin-Computer, die bei (gar nicht mal so vielen) geladenen Routen und auch Segmenten (für Strava und Garmin.Connect KOM-Vergleiche) richtig zäh in der Nutzerinteraktion wurden (so schlimm ist es beim Roam glücklicherweise bei weitem noch nicht), so bessert sich das auch bei Garmins und anderen Wettbewerbern doch wieder. Wahoo scheint mir da eher auf dem absteigenden (oder stehenbleibenden) Ast zu sein. Ein Beispiel: auf dem Kartendisplay zeigen alle Wahoos immer mal wieder kurz „Laden“ an, wenn sie Kartensegmente intern nachladen. Eigentlich merkt man als Anwender nichts nachteiliges davon. Durch die größeren Karten steht „Laden…“ aber gefühlt sehr lange oben links im Kartendisplay. In der Zeit bekommt das Kartendisplay auch in Bewegung keine Aktualisierung. Zu diesem Thema passt sehr gut die Beobachtung von Ray Maker (aus seinem oben verlinkten Test) „When I talk with (numerous) Wahoo employees – I get the impression they haven’t actually tried their competitors units for any length of time. At least not in the last few years. Every discussion I have they talk of slow/laggy cumbersome units of 3-4 years ago (the same time they originally developed the BOLT). But the reality is, their competitors of today are fast and clean (and now the ROAM is slow). Be it Hammerhead, Sigma, or Garmin – the 2018/2019 units just aren’t like your Dad’s units, they’re fast, clean and efficient. And for Wahoo to essentially roll out what amounts to a handful of routing options for a new unit begs the question: What have they been doing for two years?

Schlusswort:

Wenn bei dem allen bei euch jetzt hängen geblieben ist: „Wow, er lässt ja kein gutes Haar am Roam“, dann kommt das ziemlich hin. Hängt aber im überwältigenden Maß vom ungenügenden internen Speicher ab. Wenn der adäquat bzw. durch einen Micro-SD-Kartenslot erweiterbar wäre, wäre ja fast alles gut. 

Ok, ich würde die recht beschränkten Navigationsfähigkeiten auf dem Gerät selbst immer noch nicht benötigen und die Karten würden mir visuell nicht mehr Detailinformation bieten als bisher auch schon auch dem Elemnt, aber deren gewachsene Größe würde mir nicht weh tun. 

Es wäre auch nichts dabei, was mir Mehrwert gegenüber dem Elemnt bieten würde. Der Bildschirm ist genau so groß. Das Gerät ist ziemlich genau so groß. Die Akkulaufzeit ist genauso lang. Die Knöpfe drücken sich ein wenig schlechter als beim Elemnt, das Display ist gut, trotzdem eine Winzigkeit schlechter als beim Elemnt. Oh, ok – also nicht mal Mehrwert, sondern auch in der Hardware eher ganz leichter Minderwert.

Was bleibt? Er hat ein aufgefrischtes Äußeres. Ok, wer’s braucht. Aber wenn schon 2020, warum dann immer noch so große schwarze Kanten um’s Display? Und dafür UVP 70 Euro mehr bezahlen (Elemnt 279,99 und Elemnt Roam 349,99 Euro)?

Nein. Bleibt zu hoffen, dass mein Elemnt noch so lange hält, bis Wahoo hoffentlich schnell einen Nachfolger zum Roam herausbringt. Mit wirklichem Mehrwert über ein Teilset an Navigationsfähigkeiten auf dem Endgerät selbst hinaus. Also Funktionen wo ich sage: Ja, die hätte ich gerne. Für besseren Einblick in mein Training, für bessere Trainingssteuerung oder für bessere Routeninformation unterwegs. Z.B. bessere oder überhaupt Unterstützung von POI-Darstellung auf dem Gerät, Schätzungen bis zur Ankunft an solchen POIs, Panning der Karte, bessere und unabhängige x-y-Zoomstufen für das Höhenprofil und vieles mehr wären Dinge, die sofort auf der Hand liegen.

Bis dahin bin ich weiterhin sehr zufrieden mit meinem Wahoo Elemnt. Und wenn der dann doch irgendwann einmal kurzfristig ausfallen sollte und Wahoo noch keinen Roam-Nachfolger vorgestellt hat, dann muss ich mir echt etwas überlegen. Der Wettbewerb schläft nicht, Wahoo.

Bis dahin, ich mache jetzt mit dem Entwickeln meiner Fotos vom Atlas Mountain Race weiter. Marokko, was für eine Erfahrung – seid gespannt und bleibt gesund!

10 Kommentare zu „Der Wahoo Elemnt Roam – eine vertane Gelegenheit und das Windows Me von Wahoo

  1. …ich hatte den Roam schon fast im Warenkorb und zum Glück dann doch nicht gekauft: der Speicher ist echt zu mager. Ich wohne direkt an der niederländischen Grenze und reise gerne herum. Das ständige Überprüfen, ob man die richtigen Karten installiert hat, hätte mich zu sehr genervt. So bin ich seit Jahren mit meinem Bolt zufrieden und komme damit bestens klar! …gruß Uli

    1. Jupp. Und der Roam hat ja im Grunde nichts an Fähigkeiten außer dem Routing hinzugewonnen. Wer das per se nicht nutzt ist mit jedem anderen Elemnt echt besser gestellt. Und das für weniger Geld.

  2. Gut zu lesen. Ich hatte mit dem Bolt ein paar Probleme, die wirklich über die Jahre (auch nach einer Bug-Meldung von mir) ausgebügelt wurden.

    Dann flog aber beim Höhenprofil der Zoom-Level „5km je vertikalem Strich“ (15km Vorausschau) heraus. Jetzt sieht man nur die kommenden 1,5km oder den Rest der Fahrt. Für richtige Anstiege untauglich. Seitdem magich den Support weniger und bin bei Updates kritischer.

    Die vertikale Skala im Höhenprofil war mir sowieso immer ein Rätsel.

    1. Ja, ein gutes System mit dem Blick auf’s Wesentliche. Das mag ich an den Wahoo Elemnt Radcomputern. Was aber nicht heisst, dass da nicht noch viel Raum für Verbesserung und Weiterentwicklung gegeben ist.

  3. Danke für die klaren Worte. Ich bin mit meinem Elemnt eigentlich zufrieden. Bis auf die Tatsache, dass ich seit etwas über einem Jahr keine Möglichkeit finde, einen Track von Komoot über das iPhone/wahoo app auf den Elemnt zu laden. Ja, ich weiß, übertragen geht auch mit USB-Anschluss, aber gerade das kann/will ich vor allen Dingen unterwegs nicht. Kennst Du das Problem? Hast Du eine Lösungsmöglichkeit? Liegt es womöglich an einer Einstellung am iPhone, denn ich sehe nach dem Verlassen von Komoot mehrere apps auf die ich teilen könnte, aber die wahoo taucht dort nicht mehr auf.

    1. Hallo Monty,
      nur um etwaigen Missverständnissen vorzubeugen: mir geht’s hier nur um den Elemnt Roam. Der Elemnt ist nach wie vor super. Bis auf die temporären Kollateralschäden, die die Companion App in den letzten Monaten betroffen hatten.

      Tracks von Komoot: das sollte ja von Haus aus problemlos funktionieren. Hattest du das schon mal funktionierend eingerichtet? Wenn ja, und es jetzt (bzw. seit einem Jahr nicht geht): Lösche doch mal die Verbindung zwischen Komoot und dem Wahoo in der Companion App. Und dann klicke sie wieder auf einrichten an. Vielleicht musst du dafür die Login-Daten von Komoot kurz wieder eingeben. Dann sollte das synchronisieren wieder nahtlos funktionieren.

  4. Ich fahre schon geraume Zeit den ELEMNT und bin damit sehr zufriefen, schon deshalb, weil ich vom Garmin 520 kam und der 520er war überhaupt nichts für mich.

    Ich synchronisiere den ELEMNT problemlos zu Strava, habe von Strava aber noch nichts auf den ELENT übernommen, von Komoot hingegen öfter und gerne, wie auch problemlos. Ich benutze übrigens auch ein IOS Telefon.

    Seit der ELEMNT nun auch mein Garmin Varia Radar bedient, fällt der EDGE 25 am Lenker weg. Der EDGE war nur zur Anzeige des Radars, da ich den 520er verkauft hatte und der vorherige 25er noch in meinem Bestand ist.

    An sich wollte ich mir ja auch mal den Roam anschauen, darauf verzichte ich nun besser. Danke Torsten, Dein Betrag ist sehr aufschlussreich ich schätze Deine Erfahrung sehr.

    Manchmal ist es wohl besser, nicht jede Neuerung zu verfolgen, mit meinem ELEMNT bin ich sehr zufrieden, aktuell mit dem Radar noch weit mehr. Ich fahre übrigens noch das alte Varia Radar, ebenso mit größter Zufriedenheit, lediglich sein Akku könnte etwas größer sein.

    Danke für Deinen sehr informativen Beitrag zum Road 👍

  5. Eine Synchronisation unterwegs kann man hinbekommen, indem man auf dem Handy einen WLAN-Hotspot einrichtet, den Element dann mit diesem verbindet und „synchronisiert“. Etwas aufwendig, aber funktioniert.

    1. Guter Hinweis. Noch einfacher, sollte es irgendwo haken oder man unterwegs einen speziellen Track synchronisieren möchte bzw. auf dem Gerät haben möchte: In der Companion App den Track laden (die synct ja auch unterwegs über das Handynetz) oder den Track halt direkt in Komoot (oder wo such immer er sich befindet) öffnen und an die Companion App übergeben. Von dort wird der Track dann mit „Select“ in der Routenauswahl zum Gerät gebeamt. Da sind echt alle Wege möglich und gut implementiert.

      Ich habe die ursprüngliche Frage aber so verstanden, wie es generell und daheim wieder automatisch geht.

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