Ich starte beim Atlas Mountain Race!

Das Jahr 2020 geht im Hinblick auf Bikepacking Racing gut und früh los! 

Ich freue mich riesig, dass ich einen Startplatz im Atlas Mountain Race bekommen habe, dessen Erstaustragung im kommenden Februar in Marokko stattfindet. 

Screenshot: Pedal Ed Atlas Mountain Race Website, https://atlasmountainrace.cc

Mein erstes Rennen außerhalb Europas. Von den rein zu überwindenden Höhenmetern (20.000 sind es auf 1145 km Gesamt-Rennstrecke) im Verhältnis vergleichbar mit dem kürzlich beendeten Trans Pyrenees Race. Auch dort war der „Bergfaktor“ rund 17,5. Von der Strecke her aber ganz sicher noch wilder und mit wesentlich mehr Offroad-Anteilen von bestimmt mindestens 60 % die alles von der Sandpiste bis zum ausgetrockneten Bachbett beinhalten können. Steil wird es auch werden und in Kombination mit dem Untergrund wird sich so manche Schiebepassage nicht vermeiden lassen.

Alles in allem ist dies schließlich ein Rennen von Nelson Trees, dem Mann hinter dem Silkroad Mountain Race. 

Und es war auch genau dieses Silkroad Mountain Race, welches in diesem Jahr zum zweiten Mal ausgetragen wurde, welches ich mit noch größerer Faszination als im letzten Jahr schon verfolgt hatte. Genau wie auch die diesjährige Tour Divide. Beide Rennen glänzten insbesondere in diesem Jahr zusätzlich zu der Faszination des Abenteuers und der durchfahrenen Regionen durch das extrem spannende Renngeschehen. Ich hatte schon im Sommer angemerkt, dass mich diese beiden Rennen – obwohl eigentlich abseits meines Straßen und nur ein wenig Gravel-betonten „Beuteschemas“ gelegen – dieses Mal gefährlich detailliert interessiert zurückgelassen haben. Nun gibt es bei der Tour Divide Grizzly- und Braunbären, Pumas und weiter südlich dann Klapperschlangen und Skorpione. Blizzards und Schnee gibt es auch – dieses Jahr besonders interessant. Und das Silkroad Mountain Race fängt ja gefühlt ab 3000 m über dem Meer erst an und wenn man nicht in konstanter Sauerstoffschuld ist, friert man sich den Hintern ab oder verwendet ihn, um mit Durchfall auf dem Klo zu hocken, falls man keine Eingeweide aus Stahl hat oder sich über die Renndauer komplett mit Snickers und Trockennahrung ernährt. Da überlege ich vielleicht noch ein bisschen dran. Außerdem möchte ich wirklich gerne kommendes Jahr im Sommer nochmal das Transcontinental Race fahren. Da bin ich schon auf die Ausschreibung Ende diesen Jahres gespannt und werde sicher wieder mein Glück versuchen.

Aber als ich dann im September auf das Atlas Mountain Race aufmerksam wurde, dessen Registrierungsöffnung auch unmittelbar bevorstand, wusste ich: da will ich mitmachen!

Marokko. Nordafrika. Der hohe Atlas! Schaut mal auf die Webseite, die Fotos dort und auch auf den Teaserfilm mit seinen atemberaubenden Luftaufnahmen:

Screenshot: Pedal Ed Atlas Mountain Race Website, https://atlasmountainrace.cc

Ja, das Atlas Moutain Race ist ein klein wenig außerhalb meiner Komfortzone, so denke ich. Also genau richtig. :) 

Bereits in den Pyrenäen kann man an vielen Stellen sehr weit von der nächsten Behausung und noch weiter von einem wirklichen Ort entfernt sein. Einem Ort, wo es auch Unterkünfte und Einkaufsgelegenheiten gibt. Wenigstens am Tag. In Marokko und im Hohen Atlas wird das nochmals ganz anders sein. Geschweige denn von der mir fremden Kultur und den Menschen dort. Von Oase zu Oase über einen alten Maultier-Pass ist noch eine ganz andere Geschichte als von im Herbst menschenleeren Dorf zum nächsten über einen asphaltierten Pyrenäen-Pass – und ist er auch noch so schmal oder in Teilen auch nur Schotter. 

Der höchste Pass des Atlas Mountain Race wird der Telouet Pass sein. Auf 2600 m kann es auch in Marokko im Februar sein, dass dort Schnee liegen wird. Der Anstieg dahin soll eine halbwegs gute Schotter-Straße sein, die Ab“fahrt“ hingegen lose und steinig und wird sehr wahrscheinlich Schiebepassagen erfordern. 

Sich seiner Versorgungssituation und besonders des Wasservorrats bewusst zu sein, wird eine Konstante im Rennen. Besonders aber auf dem entlegensten Abschnitten. 

Alles in allem lese ich in der ersten Nullausgabe des Race Manual des öfteren „there will likely some hiking involved“ oder „hard going“ oder auch „will likely have you cursing us, with reason“ ;-)

Das Rennen und das drum herum ist daher nicht zu unterschätzen! Allein schon die Temperatur-Bandbreite zwischen möglicherweise unter dem Gefrierpunkt in der Nacht und an die 30 Grad am Tag betragen kann, ist ein Faktor.

Ich habe schon für die Entscheidung der Rennteilnahme und für das Ausfüllen der Bewerbung mit Recherchen über Marokko und den Hohen Atlas befasst und kann mich jetzt nach der Teilnahmebestätigung über den Winter mit Begeisterung weiter der Vorbereitung widmen. 

Viel Zeit ist ja nicht mehr. Gerade genug, um wieder komplettes Gefühl in die kleinen und Ringfinger meiner beiden Hände kommen zu lassen und einen soliden Grundlagentrainingsblock nach kurzer Ruhephase im Anschluss des TPRNo1 abzuschließen. 


Schaut deshalb des öfteren mal rein. Vielleicht werde ich wieder die eine oder andere Recherche-Frage oder auch ein Recherche-Ergebnis hier im Blog ausbreiten. Aktuell überlege ich z.B. schon kräftig am Bike-Setup und ob und wie ich meine Kitlist für das #AMR2020 (so der offizielle Hashtag für das Atlas Mountain Race) anpassen will.

Allein aus dem Untergrund und den erwarteten Gradienten sehe ich zwei Optionen: 

1a) Entweder mein Drifter Gravelbike mit 650B Laufrädern und 48 bis 50 mm Reifen ausstatten. Das wäre sicher eine gute Option, da man auch mit noch breiteren Reifen um diverse Schiebepassagen nicht drum herum kommen wird. Und dann ist es wenigstens schön leicht zu schieben. Aber: da habe ich schon beim Trans Pyrenees Race gemerkt, dass mit so viel Kletterei und so steilen Anstiegen (11 – 18 % war da keine Seltenheit) die 1:1 Übersetzung meiner Sram red eTap AXS an ihre (oder besser gesagt meine) Grenzen stößt. Und mal eben eine noch größere Kassette montieren ist da nicht. 

1b) Ich habe mal durchgerechnet, was ein „Mullet“-Built kosten würde. Also vorne auf 1x gehen und hinten einen Sram Eagle Zahnkranz 10-50 aufziehen. Problem: das erfordert auch den Kauf eines Eagle AXS Schaltwerks. Das coole daran: Es geht. Und zwar total einfach. Ohne jedwedes Gefummele an irgendwelchen Kabeln oder Zügen. Einfach das red etap AXS Schaltwerk ab- und das Eagle AXS Schaltwerk anschrauben. Funktioniert auch mit den Road-Schalthebeln. Vorne die Doppelblatt-Kombo von der Kurbel abziehen (Zentralaufnahme) und 1x Blatt aufziehen. Fertig. Aber nicht ganz preiswert, die Sache: mit etwas über 700 Euro ist man dabei (ohne die Laufräder). Da ich es natürlich nicht zulassen will, ohne ein Powermeter zu fahren, wird’s doch wieder teurer. Aber auch das geht. :)

Wäre sogar ohne großartigen Aufwand immer hin- und herwechselbar. 650B Laufradsatz mit XD-Driver und Eagle Kassette rein, Schaltwerke umgeschraubt, Kettenblätter getauscht und fertig. 

Andererseits: mich nervt schon, dass ich jedesmal das Lenkerband neu wickeln muss, wenn ich die Aerobars an- oder abmontiere, weil ich natürlich die Schaltknöpfe an deren Spitzen mit meinen Bremshebeln verbinden will. Also dann doch der übliche Weg und ein Rennen als Ausrede für ein neues Rad benutzen? ;-)

Das wäre die Möglichkeit 2) Ein Mountainbike kaufen. :) Ein Hardtail wäre zwar möglichst leicht, mir aber dann doch zu wenig interessant zusätzlich zu meiner Gravel-Feile. Also wenn schon, dann denn schon. Ein vollgefedertes Bike. Und zwar eines der neueren XC- bzw. Marathon-Provenienz mit 100 mm Travel und Inline-Dämpfer für möglichst viel Platz im Rahmendreieck und elegantes Aussehen. Sram Eagle (aber aus Preisgründen vermutlich mechanisch) als 1x Gruppe mit 12 Ritzeln hinten und irgendwas mit 36-50 sollten die pedalierfähigen Gradienten deutlich nach oben schieben und auch die eine oder andere Abfahrt oder überhaupt Fahrt komfortabler oder überhaupt andenkenswert machen. Auch würden noch etwas fettere Reifen hinein passen. Der Nachteil wäre: wenn es mal zu schieben gilt, ist so ein Rad ohne jede Beladung schon 11 bis 11,8 kg schwer.


Wir werden sehen. Lasst uns erst mal den Herbst genießen! Vielleicht bei mir schon mit der einen oder anderen MTB-Testfahrt. :)

Seid ihr selbst schon einmal in Marokko gewesen? Habt ihr Tipps und Hinweise, vielleicht auch für geniale Quellen in Bezug auf Outdoor-Betätigung im Hohen Atlas oder in Bezug auf Marokko allgemein?


13 Kommentare zu „Ich starte beim Atlas Mountain Race!

  1. Ja Glückwunsch dann mal zur Teilnahme ! Ich war vor ein paar vielen Jahren mal in Marokko und bin dabei auch, allerdings mit dem Bus, durch den hohen Atlas gefahren. Man kann sagen, jedenfalls für mich, eine der faszinierendsten Gegenden die ich je gesehen habe.

    Möge Dir dieses Unterfangen gelingen und Du schadfrei das Ziel erreichen.

  2. Großartig! Da bin ich ja gespannt!

    Besonders würde mich Dein Rad-setup interessieren – besonders was Reifengröße/breite und verwendete Laufräder betrifft.

    Grüße!

  3. Hallo Torsten,
    ich habe Deine Testfullys ja schon auf Instagram gesehen und auch Kommentare abgegeben.
    Deine Bevorzugung eines Fullys kann ich verstehen, allerdings sehe ich hier mehrere Nachteile:
    1) Anfälligkeit der Technik (auch wenn Stunzi der lebende Gegenbeweis ist)
    2) Gepäckmontage (Rahmentasche fällt aus)

    Da Du ja ohnehin kleine Rahmengrößen brauchst, wird das mit der Rahmentasche ohnehin ein Krampf. Meine Revelate tangle (M) passt saugend in mein Diverge (56) und 520 (57), ist jedoch für mein Chisel (M) viel zu lang und auch in mein verkauftes B+ Spezi (L) passte die nicht rein.
    Und wenn Du eine gefunden hast, passen keine Trinkflaschen mehr rein!
    All das spricht generell gegen ein MTB, aber noch mehr gegen ein Fully, da hier auch die Mitnahme von Wasserflaschen limitiert ist.

    Auch wenn ein Hardtail nicht mehr weit von einem Gravelbike entfernt sein mag (was Reifenbreite betrifft), ist es dennoch etwas ganz anderes! Die Reserven sind einiges höher, gerade bei dem Mehrgewicht durch Gepäck.
    Ich bin mit vollem Gepäck den Bike Park in Bad Ems runter, keine Rekordzeit, aber problemlos. Im Idealfall eine Dropper Post und ein Gestell für eine „Poporakete“ – damit können auch techn. Abschnitte kommen.

    Gerade wenn der Untergrund ruppig und die Aussichten felsig sind, würde ich immer auf ein MTB setzen. 780 mm quer in der Hand fühlen sich einfach sicherer an als ein 460 mm Ziegengeweih.

    mfg,
    Armin

    1. Hallo Armin, das sind alles sehr valide Punkte. Lustigerweise war ein weiterer Befeuerungsgrund meines aktuellen Interesses in ein Fully ein sehr cooles Bild und dann der Instagramm-Feed des Taschenherstellers JPak, der ein Salsa Spearfish in Schwarz mit tollen Cuben Fiber Taschen in Silbrig schimmernd und genau passend und sehr durchdacht zeigte. Ja… das Herz muss schon mit bei der Sache sein, bei aller schnöden, analytischen Ingenieur-Herangehensweise. :D

      Auch mit der Robustheit hast du sicher recht. Das ideale Bike wäre vielleicht was leichtes mit 29er Reifen, Reifenbreite so 2,1 bis 2,25 Zoll, großer Übersetzungsbandbreite, unbedingt einen richtig kleinen Gang (32×50 oder 51), ordentlich Platz im Rahmen, viele Befestigungsösen und hinten ungefedert, vorne gefedert. Mindestens mal eine Lauf. Wobei – die kann ich nicht einschätzen.

      Das gesagt: ein (leichtes) und trotzdem robustes Fully ist da bestimmt nicht verkehrt und kann vielleicht gerade auf Waschbrettpisten den Unterschied zwischen OK und in den Wahnsinn getrieben machen. Das werde ich herausfinden… ;-)

      Zum Thema der Rahmentasche. Nun ist es leider so, dass ich auch im Gravelbike nicht die größte, sondern gerade mal Medium unterbekomme. Und, besonders am Rennrad/Gravelbike) da sehr empfindlich bin, was die seitliche Ausbeulung angeht. Will sagen: So viel bekomme ich da leider auch beim Gravelbike nicht unter. Gerade mal Arm- und Beinlinge, Buff, Windweste, Ladekabel, Medikamente und das war’s dann eigentlich auch schon.

      Das würde ich auch in eine (Full)frame-Bag für das Thrill Hill bekommen. Meine aktuellen Überlegungen gehen aber eher in die Richtung, das freizulassen und dafür eine oder 1 l Flasche zu montieren. Was an Kapazität durch die Rahmentasche verloren geht, wird eine Rollbag (oder ein Harnisch mit Drybag) am Lenker mehr als wett machen. Denn da kann ich dank Flatbar dann in die vollen Gehen und Aerodynamik treibt mich auf einer Gravelpiste mit 12 % Steigung nicht so um wie in einem Straßenrennen. Und ich werde Anycages an den Tauchrohren der Federgabel befestigen. Entweder nur für weitere Trinkflaschen oder anderes Zeugs. Unter dem Unterrohr bekomme ich auch nochmal richtig viel unter. Entweder mit einer Extra-Tasche oder in Form eines Flaschenhalters mit nochmal einer 0,75 l Flasche.

      Durch beides: Flatbar-Lenker und Gabelrohr-Montage bin ich gegenüber meinem gewohnten Straßen- und Gravel-Setup dicke im Kapazitätsplus.

      1. Also ich überlege derzeit, mir einen Zorrocarry zu bauen, allerdings nicht aus Resten (wie das original), sondern von Grund auf (evtl. mit 3D Druck Teilen).
        Dann hätte man fast alles in einem 30 L Rucksack und würde den bei normaler Fahrt hinter den Sattel klemmen.

  4. Bez. Reifenwahl:
    Du weisst ja, wie sich Jay Petervary bei dem Silk Road Race 2018 mal mit 42er rumgeschlagen hat und danach seinen Kommentar dazu… Denke auch, mit 29×2.1 oder 2.4er geht man einen guten Kompromiss ein.

    Aber: dropbar, das muss schon sein! Für Dich als Ästheten so oder so …!

    1. Haha, ja. Hatte er da nicht ein Salsa Warbird? Ich denke. Gewonnen hatte er ja trotzdem, aber dass dabei die Reifen nicht ausschlaggebend, dafür aber trotzdem hinderlich waren, darüber hat er sich ja ausgelassen. Hmm, Dropbar… Ach – ich glaube, ich teste jetzt mal, wie sich so ein Endurance Flatbar Setup fährt (und sich sexy fotografieren lässt ;-)).

  5. Bezüglich Radauswahl: Ich habe ja schon des öfteren die „Rigs of the Silkroad Mountain Race“ und „Rigs of the Tour Divide“ Typ Artikel auf Bikepacking.com und anderswo durchgeschaut. Gerade klappere ich die Kit-Listen für das SRMR dahingehend ab, wo und wie ich mein bisheriges Kit für das AMR anpassen will. Da lese ich gerade nochmal den Beitrag von Lael zu ihrem Setup (https://bikepacking.com/bikes/laels-2019-silk-road-mountain-race-rig-and-kit/) und was lese ich da:

    „Whenever touring dirt internationally, I always opt for a hardtail, usually with a suspension fork. When I don’t know the terrain, I’ll run 2.1” or 2.3” tires. This is the tire size I typically race on the Tour Divide. The Great Divide Mountain Bike Route could be successfully ridden on a gravel bike because the road surfaces are fairly smooth. However, no one has ever won the Tour Divide on a gravel bike. Physical fatigue over time wears on the body and comfort is essential for endurance performance. The SRMR is considerably rougher than the Great Divide. I’m very happy to have large volume tires. I might even consider racing a cross-country full suspension bike, like the Specialized Epic, on this route. I definitely don’t think I’d ride faster on a gravel bike.“

    Das passt zu meinen Überlegungen. Und das passt zu dem, was ich heute in der Mittagspause bestellt habe… ;-)

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