Three Peaks Bike Race 2019 – ReCapNo 44

Vor dem Start

Das Three Peaks Bike Race 2019 mit Start am 20. Juli (kurz: #TPBR2019) war bereits die zweite Ausgabe dieses Bikepacking-Rennens im Selbstversorger Modus, organisiert durch Adventure Bike Racing. Wenn ihr wissen wollt, wie die Erstausgabe war, könnt ihr meinen Blog darüber hier lesen.

Startort war wieder Wien und wir waren dort wieder im Velobis Fahrrad-Bistro für das Sign-Up. Der Zielort war dieses Jahr aber nicht Nizza, sondern Barcelona! Das bedeutete nicht nur eine etwas längere Strecke, sondern neben den Alpen auch das Überqueren der Pyrenäen, die auch mit einem Kontrollpunkt vertreten waren. Klar – der Name ist Programm: wie beim Transcontinental Race herrscht beim Three Peaks Bike Race freie Routenwahl. Die Teilnehmer müssen nur sicherstellen, dass sie die drei immer auf Passhöhen liegenden Kontrollpunkte passieren. Das waren diesmal das Stilfser Joch, der Colle delle Finestre und Arcalis-Ordino in Andorra.

Das fand ich besonders reizvoll. Denn weder war ich bisher auf spanischem Festland noch in den Pyrenäen. Das hatte bisher noch nie geklappt. Das Stilfser Joch habe ich schon des öfteren befahren, aber auch länger nicht mehr. Also auch ein schöner Anreiz. Und vom Colle delle Finestre habe ich schon viel gehört, ihn selbst und seine 8 Kilometer Schotter unterhalb der Passhöhe von insgesamt 18 km Anstieg aber noch nie befahren.

Also – what’s not to like? Eigentlich fast nichts – könnte ein bisschen länger sein, vielleicht. ;-) Aber die etwas über 2000 km sind eine schöne Beschäftigung für eine gute Woche und mit zwei Wochen Urlaub ist man daher auf jeden Fall auf der sicheren Seite und kann auch noch ein paar Tage Entspannung und Erkundung am Zielort anhängen. Prima!

Auf diese Art und Weise war damit das TPBR2019 mein Haupt-Event für diesen Sommer. Wie im letzten Jahr bin ich wieder mit dem Zug nach Wien gefahren. Diesmal aber nicht von Freitag nachmittag durch die Nacht mit 4 mal umsteigen und im Resultat schon am Starttag übernächtigt sondern halbwegs angenehm mit dem ICE von Wuppertal nach München und von dort mit einer einzigen weiteren Verbindung nach Wien. Dafür hatte ich mir den ganzen Freitag als Extra-Urlaubstag genommen und bin Freitag morgens schon los gefahren.

Waren es bei der Erstaustragung nur ganze 12 Starter, die tatsächlich von Wien losfahren konnten, ist die Teilnehmerzahl dieses Jahr regelrecht explodiert: 82 Einzelstarter und 18 Teilnehmer in der Duo-Wertung bedeuteten genau 100 Starter!

Deswegen war auch im Velobis am Samstag richtig viel Betrieb und Michael, der Renn-Organisator und Gründer des Adventure Bike Racing, hatte im Vorfeld schon kundgetan, dass man sich auch am Vorabend schon zum Bike-Check und Sign-Up dort einfinden könnte. Ich hatte eigentlich erwartet, dass ich aufgrund der obligatorischen und deutlichen Verspätung, die jede Bahnreise scheinbar gesetzmäßig mit sich bringen muss, nicht mehr rechtzeitig dafür ankomme, doch Michael und Marcela sind auch um kurz vor 9 Uhr abends noch fleißig. All zu viel war noch nicht los. Bernd Schleicher, wie ich auch ein Teilnehmer der Erstaustragung ist auch schon da. So ist es ein sehr entspanntes Hallo-Sagen und Plaudern mit Bernd und Michael. Dann händigt mir Marcela schon mal meine Race-Cap aus. Diesmal ist sie weiß. Meine Nummer ist aber wieder die 44. :)

Damit mache ich mich schon mal auf zur nächsten Straßenecke. Kaum 40 Meter neben dem Velobis liegt nämlich das Hotel, dass ich gebucht habe. Sehr praktisch! Eingecheckt und mit dem Rad auf dem Zimmer kann ich zum Abendessen wieder in’s Velobis gehen. Dort treffe ich dann auch Malte, den ich vom Transcontinental Race No 6 kenne und lerne Mike, Brian, Jürgen und Rainer kennen. Jean-Yves, ebenfalls ein Kontakt vom TCRNo6, arbeitet seit kurzem in Wien. Zwar nimmt er am TPBR nicht teil, lies es sich aber nicht nehmen, zum Hallo Sagen und Geschichten austauschen zum Velobis zu kommen. Tolle Sache.

Am nächsten Vormittag checke ich nach einem gemütlichen Frühstück im Hotel aus und schiebe mein Rad aus der Tür raus und direkt ins Velobis wieder rein. Jetzt ist es voller Teilnehmer und auch Fahrräder. Ich finde trotzdem noch ein Plätzchen. Ich nehme meinen Tracker in Empfang und bin damit quasi startfertig. Bis zum Start um 16:00 Uhr ist aber noch lange hin und es werden noch jede Menge Räder dem obligatorischen Check-up unterzogen und der Sign-Up läuft für die heute Angekommenen.

Natürlich wird die Zeit zum weiteren Hallo-Sagen, Plaudern, Gucken, wer da so Teilnimmt und welche Räder da so sind genutzt. Ich begrüße noch ein paar weitere Teilnehmer vom letzten Jahr oder auch von vergangenen Transcontinental Races. Es ist doch eine schöne große Familie, die Bikepacking-Renn-Szene. Und doch kenne ich längst nicht alle; sogar die wenigsten. Andererseits doch gar nicht so wenige… Hmm, ist das jetzt widersprüchlich? ;-)

Philipp (Jason Hympendahl – ihr kennt vielleicht seine Tour de France Fotos) ist auch da. Wir hatten uns im Vorfeld schon über unsere Rennteilnahme ausgetauscht. Für Philipp war es das erste unsupported Bike-Packing Race. So viel sei verraten – er ist in einer Bombenzeit da durch gerauscht. Mein lieber Scholli. Leichte Geografie-Schwächen (ich scherze ;-)) beim Auffinden des letzten CP (bzw. dem Verwechseln dieses mit einem anderen Pass in Andorra) bedeuteten am Ende leider, dass seine Zeit nicht gewertet werden konnte. Aber so ist das beim Bikepacking-Rennen. Da gehört auch mehr als nur Kurbeln dazu. Ich habe seinen Artikel, den er über das Rennen in der letzten Ausgabe des Tour-Magazins geschrieben hat, noch gar nicht gelesen. Muss mir wohl mal diese Ausgabe kaufen. Und jetzt fährt er gerade bei Jonas Deichmanns Rekord-Versuch von Kap zu Kap mit. Er ist also quasi von Null über das Three Peaks Bike Race zum eingesprungenen Ersatzpartner bei einer 18.000 km Challenge gekommen. Mein lieber Scholli! Alles Gute den Beiden von hier aus.

Wir stärken uns alle noch mit einem schönen Mittagessen und dann ist auch langsam Zeit, die Flaschen zu befüllen und in die Radschuhe zu schlüpfen. Und auf die Toilette zu verschwinden, um Gesäßcreme aufzutragen.

Um 16:00 Uhr wird der Start vor dem Schloss Schönbrunn erfolgen. Kurz vorher finden wir uns für ein sehr kompaktes Briefing davor ein. Und dann erfolgt auch schon der offizielle Start!

Startversammlung vor dem Schloss Schönbrunn in Wien.

Stint 1 – Durch Niederösterreich und durch die Nacht

Und direkt danach geht es ganz angenehm über einen Radweg entlang eines betonierten Flusskanals (hört sich schlimmer an, als es aussah und sich fahren ließ). Dieses Stück war als Startparcours vorgegeben, um die Teilnehmer auf gutem Wege und geordnet aus Wien heraus zu führen. Das Feld zog sich rasch in die Länge und eine erste Aufteilung ergab sich schon an einem Punkt, wo man den Radweg über einen kurzen, nicht einfach erkennbaren rechts abzweigenden Querweg verlassen konnte. Ich bog mit nicht wenigen anderen rechts ab. Meine Route sollte recht weit nördlich Richtung Linz gehen, aber auch nicht genau der Donau folgen, sondern war ein Mittelding aus Höhenmeter optimiertem Terrain (das gerade bei Linz aber doch auch gut wellig war) und kurze Route (also nur kurz die Donau berührend und ihr nicht weit folgend). Diese Planung hatten noch ein paar weitere Teilnehmer und so ergab sich für mich eine Parallele wie in einem Non-Drafting Ironman-Rennen. Über Kilometer erstreckte sich ein Feld von erst noch etwas Näher beieinander befindlichen, dann so zwischen 50 m bis Sichtweite entfernten Fahrern. Während anfangs die Positionen ab und an mal wechselten (wer wirklich nach Wattmesser fährt oder mit ihm mal gleichmäßige Belastung gelernt hat wird es kennen: in Anstiegen wird man von Leuten überholt, die da unweigerlich stärker reintreten wollen. Nach den Anstiegen überholt man diese wieder, weil sie dann erst mal wieder einen Gang runterschalten und mehr Leistung rausnehmen, als sie vorher draufgelegt haben). Auch ein paar wenige Ampeln oder auch eine geschlossene Schranke führte immer mal wieder ein paar Leute zusammen. Aber wir hielten uns immer fair an das Non Drafting Gebot.

Dran geben wollte aber anfangs auch keiner. So ging’s in einer Hatz (wenn man bei oberer Grundlage in Zone 2 wirklich von „Hatz“ sprechen kann) die ersten 100 km durch. Aber in gewissem Sinne war es schon Hatz. Einfach mal so stehen bleiben, um eine Tasche zu richten oder so war nicht drin. Nach 100 km dann der erste Stop an einer Tanke von mir und den Leuten unmittelbar um mich herum. Schnell rein, kühles Mineralwasser für die Flaschen, eine 0,5er Flasche Apfelschorle für den unmittelbaren Brand und für die Rückentasche und ein Waffeleis für den Genuss, Kühlung und ein paar Kohlehydrate. Nach dem ersten Eis sofort nochmal rein, gleiches Eis nochmal als Nachschlag und eine Bifi-Roll gekauft, Eis aufgemacht, rauf auf den Bock und weiter. Das Eis im Fahren gegessen.

Südlich von Linz geht es dann der Traun entlang Richtung Südwesten. Schon lange bin ich allein. Das hat echt viel besser geklappt als befürchtet – am Anfang habe ich mit vielen Leuten darüber sinniert, was für ein Pulk sich wohl kaum auflösend und wie ehrenwert sich an das Non-Drafting haltend über 100er Kilometer ziehen wird, weil es überwiegend flach dahergeht und die richtigen Anstiege erst später im Rennen kommen werden.

Jetzt habe ich auch erstmals etwas Ruhe und erspähe auch erstmals etwas halbwegs Interessantes, um die Kamera zu zücken:

Schön von der frühen Abendsonne angeleuchtete Wolken.

Halb 12, zweite Tanke, gut sortiert – noch zwei Bifi Roll, einen leckeren Joghurt mit Müslitopping, kühle Cola für sofort, kühles Mineralwasser für die Flaschen, Selfie für die Kumpels und weiter. Kaum bin ich wieder richtig in Fahrt nimmt das Wetterleuchten, dass ich erst südlich und links von mir sehen konnte, auch vor mir zu. Bis dann die ersten Tropfen zu fallen beginnen. Das wird ernster, ahne ich. Halte daher sofort an, öffne ohne zu zögern die Seatpack und hole die GoreTex-Überschuhe raus und ziehe sie an. Es folgt die Regenjacke. Kaum habe ich das alles an, wird der Regen heftiger… Oh shit – hier ist gerade nichts zum unterstellen. Die nächsten Häuser sind nicht weit… ich erreiche eine passende Garageneinfahrt gerade noch rechtzeitig, dann setzt der Gewitterschutt vollends und richtig ein. Puh – Glück gehabt. Da stehe ich dann 20 Minuten – esse was, checke Twitter und den Tracker. Dann endet das Gewitter, aber es bleibt am Tröpfeln. Tröpfeln ist egal, weiter geht’s.

Was durch einen facebook-Scherz eines anderen Teilnehmers begann, reifte schon früh zu einem konkreten Marschplan: Der McDonalds in Vöcklabruck schließt um 2 Uhr in der Nacht. Er liegt bei km 233 vom Start. Machbar. Die Aussicht auf ein herzhaftes McD-Menü in der Nacht (im Vergleich zu Ölz Mini-Nussstangen, Topfenkipfel, Eis und Co) ist gute Motivation. Aber die letzten Kilometer ziehen sich doch. Ich habe aber auch Lust reinzuhalten, sehe aber auch, dass das nicht so wirklich gut sein kann. Egal, es sind ja nur noch die letzten 5 km. Knapp ist’s, doch ich bin 4 Minuten vor Schließung im McD in Vöcklabruck und die nehmen auch noch Bestellungen an. Klasse!

Nachtmahl beim McDonalds in Vöcklabruck.

Davor hatte ich unterwegs noch Aleš aus Tschechien getroffen. Er war schneller unterwegs als ich, hatte aber da gerade mit Routingproblemen zu kämpfen.

Auch schon in dieser ersten Nacht wollte ich wenigstens kurz die Augen zu machen und rasten. Zum letztjährigen Three Peaks Bike Race bin ich ja erst am Vornachmittag des Rennens in den Zug gestiegen und mehr oder weniger Schlaflos mit mehreren Zugverbindungen über Nacht frühmorgens in Wien eingetroffen. Dass ich da nach Rennstart schon früh in der Nacht total müde war, war nur zu erwarten gewesen. Da hatte ich mich schon um 0:00 Uhr oder so hingelegt. Jetzt war’s deutlich nach zwei und ich war noch voll bei der Sache. Ich zielte die zweite von drei möglichen und schon per Karte und Google Maps vorausgekundschafteten Biwakmöglichkeiten an. Kurz hinter Straßwalchen, etwa bei Kilometer 270. Noch weiter fahren wäre zwar möglich, aber witzlos gewesen, da es schon 4 Uhr war, als ich diese Stelle erreichte und fast schon die Dämmerung einbrach. Bis ich dann im Bettchen liege, sind weitere Minuten vergangen und nach 2 h 15 stehe ich auch schon wieder auf. Immerhin – alleine nur den Rücken gestreckt und flach gelegen zu haben, war eine gute Sache. Und ich bin hiermit auch offiziell in einem Tag-Nacht-Rhythmus. Auch wenn die Nacht verdammt kurz war. ;-)


Stint 2: First Rain, Rain, Rain and then no Watts

Der erste Blick auf den Morgenhimmel ist ja noch ganz ansprechend. In der nahen und schon geöffneten Tankstelle (so etwas gehört zu einer vor-erkundeten Biwakstelle schon mindestens dazu ;-)) hole ich mir einen Kaffee und Croissant zum Frühstück. Da sieht der Himmel über dem nahen Salzburg aber schon gar nicht mehr gut aus. Au verdammt. Der Blick auf die Wetter App zeigte gestern schon, dass das nichts Gutes wird. Und wenn überhaupt, dann erst im Inntal besser wird. Und Sonne frühestens um 14:00 Uhr. Wäre ich doch durchgefahren, dann wäre ich jetzt schon hinter Bad Reichenhall? Ach – es hätte eh nichts genutzt, wie ich später lerne.

Jetzt ist es aber noch trocken, also schnell weiter, so lange es noch geht. Nicht mal eine Stunde später verlockt ein goldenes M. Wenn ich wegen dem nächsten Gewitterschutt irgendwo aufgehalten werden will, dann nicht wieder unter einem Vordach, unter dem ich so gerade noch im Trockenen stehen kann, sondern da, wo ich meine Morgentoillette erledigen kann, wo es Wi-Fi gibt, wo es warm und windgeschützt ist und wo ich was zu Essen bekomme (in genau der Reihenfolge). Zwar regnet es hier in Eugendorf, keine 15 km vor Salzburg noch nicht, aber es steht unmittelbar bevor. Also schweren Herzens rein da. Drinnen treffe ich Dan aus Belgien. Er wird auch vor mir wieder aufbrechen.

Wer steht nach dem ersten Frühstück dann plötzlich im Eingang? Der Tom aus Salzburg! Er hätte mir liebend gern schon im TCRNo5 und auch im TCRNo6 dotwatchend und kurskreuzend die Hand geschüttelt, aber das hatte sich Routenmäßig nie angeboten. Als ich bei der Planung sah, dass ich durch Salzburg fahren würde, hatte ich ihn darüber informiert und meinen groben Fahrplan durchgegeben. Wenn er also wollte… ich würde am Sonntag früh morgens bis vormittags durch Salzburg kommen. Das hat er sich, trotz strömenden Regens nicht nehmen lassen und überraschte mich also hier im McDonalds. Auf’s Aufbrechen in den Regen hatte ich sowieso noch keine Lust und so war ein zweites gemeinsames Frühstück ganz willkommen – die Energievorräte waren von dem ersten McBreakfast eh noch nicht wirklich voll.

Aber – es half ja alles nichts. Also Überschuhe an, Regenjacke an und – raus da. Auf meiner vorgeplanten Route fuhren wir gemeinsam nach Salzburg hinein und hindurch, quatschten ein wenig, Tom zeigte mir auch, wo welcher Berg wäre, wenn man ihn in den ganzen Regenwolken und dem Nebel hätte sehen können und dann fuhr er heim und in die Dusche und ich duschte quasi draußen im Regen weiter. Durch Bad Reichenhall, über den Steinpass nach Tiro hinein und immer der B 178 folgend, über der sich ein nicht enden wollender Urlaubs(rück?)reiseverkehr ergoss. Das war echt irre. Der teilweise in meiner Route vorgesehene Radweg ist da wirklich keine gute Alternative, weil er ziemlich beschissen angelegt ist. Nicht nur, dass er sich viel mehr windet und auch auf und ab führt – das wäre ja fast noch erwart- und verzeihbar (wenn auch nicht wirklich das Zeichen eines wirklich exzellenten Radweges) – nein, viel schlimmer ist, dass er so angelegt ist, dass der die Bundesstraße sehr oft niveaugleich kreuzt. D.h. kaum ist dem Verkehr auf der Bundesstraße nach rechts entfleucht, muss man diese schon wieder kreuzen. Das geht von rechts kommend schon schlecht, wenn Auto an Auto vorbeirauscht. Das geht von links kommend, wo der Gegenverkehr ähnlich dicht ist, schon mal gerade gar nicht. Da ist man als Radfahrer viel besser dran, wenn man direkt auf der Straße bleibt. Das mache ich dann auch. Ich plane sowieso oft genau so, wenn ich das Malheur am Tisch zu hause schon sehe. Man kann es aber auch nicht immer vom wirklichen Flow her aus der Ferne einschätzen – da muss man dann einfach flexibel reagieren.

Irgendwann wird’s vom Verkehr langsam besser. Der Regen trommelt aber konstant hernieder. Ohne den ständigen Lärm der Autos und vor allem der Abrollgeräusche über regennassen Asphalt höre ich dafür jetzt mein Rad besser. Auweih, was für eine Qual! Da scheint aber wirklich alles zu quietschen und zu leiden. Durch den Dauerregen hat es auch schon längst die zu Hause nur notdürftig hergerichtete Zusatzhalterung meiner Oberrohrtasche aufgeweicht und gelöst. Hatte ich schon immer leichte Probleme mit dem Kippeln von Oberrohrtaschen (die sich durch arrangieren des Powerbankinhalts früher immer gut in den Griff bekommen ließen) offenbarte nun ganz ohne jeglichen Spacerturm verbaute Vorbau das Problem, dass sich eine vertikale Halterung durch einen Frontgurt kaum bis gar nicht herstellen ließ. Notdürftig legte ich noch eine Schlinge aus gefaltetem Textilklebeband über den Spacerstummel oberhalb des Vorbaus und klebte den kurzerhand an die Seiten der Oberrohrtasche. Das war jetzt essig. Neu kleben im Regen – keine Chance. Also aussitzen. Auspedalieren. Und immer mit den Knien dagegen kommen. Fluchen. Die Tasche wieder nach rechts drücken. Hielt nicht lang. Wie gestern schon im Trockenen: versuchen, wider besseren Wissens mit breiterer Kniestellung zu pedalieren. Die Alternative ist nur, dass man sich das Knie an der Taschenwand bzw. Taschenkante wundscheuert. Gut für’s Knie ist keine der Optionen. Mehr gedankliches Fluchen. Trotzdem Ruhe bewahren. Es wird bald aufhören zu regnen.

Kaum 8 oder 9 Stunden nach Start tat es das dann auch endlich. Hurra! Irgendwo bei Wörgl halte ich dann auch an einer größeren Tankstelle und nutze die Gelegenheit für Topfenkipferl, Cola, Almdudler und Co. Und dafür, die nassen Socken und Überschuhe auszuziehen. Und meiner Oberrohrtasche neue Klebebänder zu verschaffen. So richtig geil wird das nie über das Rennen halten und ich werde das noch mindestens drei mal an verschiedenen Tagen mit neuen Klebestreifen versehen müssen, die nie so wirklich toll kleben. Aber das ist erst mal egal.

Füße trocknen.

Zwar scheint jetzt die Sonne, aber der Schaden an mir und meinen Beinen scheint ebenfalls erst mal angerichtet. Der gestrige Stint war mit seinen 267 km und fast 10,5 h in Bewegung die längste Radfahrt des Jahres bisher (leider konnte ich krankheitsbedingt weder meine Trainingswoche in Italien im Mai, noch das geplante Rhönradmarathon-Wochenende fahren – letzteres fand ich besonders schade, weil es die Jubiläumsedition war und eine besonders lange 300 km Strecke für den Sonntag angeboten wurde). Ich bin sie auch die ganze Zeit im guten Ausdauerbereich gefahren (und wie gesagt nachts noch ein bisschen schärfer). Hatte da schon mit Oberrohrtasche und auch Rahmentasche zu tun (siehe meinen Artikel zu meiner kommentierte Packliste) und demzufolge waren die Beine und auch die Knie sicher nicht glücklich. Dazu heute noch 8 Stunden im Regen gefahren. In meinem Kopf war neben den üblichen Fragen und dem Hadern mit der Oberrohrtasche und dem quietschenden Rad ein weiterer Hauptgedanke: bloss keine Erkältung holen! Und das direkt am Start!

Das lag sicher mit an meinem ins Wasser gefallenen Trainingslager begründet. Eine Fahrt durch den Regen ist ja überhaupt kein Problem – man dampft ja auch von innen viel mehr, als es von außen nass ist. So waren meine Gedanken während des Montags der letzten Maiwoche, als ich einen Tag vor dem Giro d’Italia über den Mortirolopass, dann hoch nach Bormio, wieder runter bis nach Tirano und dann über Aprica zurück fuhr. Und zwar mit richtig Druck auf dem Pedal. Und durch den Regen. Hat auch gewissen Spaß gemacht. Aber am Abend dann: Kratzen im Hals und am nächsten Morgen die Gewissheit – Scheisse, erkältet. Trainingswoche im Eimer! Und warum? Ich vermute, eine soziale Verpflichtung just am Samstag davor, bevor ich am Sonntag in den Urlaub fuhr. Gott – ich hasse sowas direkt vor meinem Urlaub. Die Leute kümmern sich ja auch nicht um sich selbst, sondern nehmen jeden Keim mit und verbreiten ihn dann lustig…

Diese Erfahrung steckte mir also nicht nur in Form etwas fehlender Trainingskilometer in einem kritischen Zeitfenster vor dem Rennen, sondern auch psychologisch im Kopf. Ich habe keine Lust, die blendend vorhergesagten folgenden Tage vielleicht nicht genießen zu können, oder sogar gar nicht mehr in Angriff zu nehmen, weil ich mir hier im Dauerregen wieder irgendwas hole. Zusammen mit meinen Knien und aufgrund meines quietschenden Fahrrads entschloss ich mich daher in Innsbruck und recht früh am Abend, in Telfs schon ein Hotel zu suchen, um sowohl mich als auch mein Rad zu pflegen und nach einer guten Dusche und einem McD Menü in einem richtigen Bett zu schlafen. Nach nur 224 km schalte ich schon um 20 Minuten vor 21:00 Uhr am Abend meinen Wahoo aus – ich bin im Hotel Telfser Stuam und mache genau das, was ich gerade geschrieben habe.


Stint 3: (eine erste) Königsetappe mit CP 1 – Stilfser Joch

Ein früher Stopp am Vorabend heisst ja nicht, dass man faulenzt. Wenn die Zeit gut genutzt wird und man dann schnell in die Heia kommt und Qualitätsschlaf holt, ist das super. Man muss nur auch früh genug wieder raus. Nach Morgentoilette und Frühstück auf dem Zimmer (auf dem Gang direkt vor meinem Zimmer steht der Wasserkocher und Instantkaffee, am Abend bekomme ich noch Bananen vom Pensionswirt geschenkt und dazu gibt’s die zwei Tiramisu-Becher vom letzten Tankstellenstop vom Vorabend) sitze ich um 06:30 Uhr wieder auf dem Rad und rolle auf den Inntal-Radweg.

Heute steht Großes an: in 162 km wartet die Passhöhe des Stilfser Joches und damit der erste Checkpunkt des Three Peaks Bike Race 2019. Da will ich heute möglichst früh hin und dann noch weiter.

Während ich im ersten Rennabschnitt vom Start am Nachmittag in und durch die Nacht komplett darauf ausgerichtet war, guten Fortschritt zu machen und in den Flow zu kommen, war der zweite Tag fast ganz vom Morgen weg in der ersten Hälfte komplett verregnet. Auch als am Nachmittag endlich die Sonne herauskam, hegte ich wenig Interesse für die Aussichten im Inntal (die ehrlich gesagt auch gar nicht so sonderlich waren bzw. die ich auch schon kannte). Aber hier und jetzt am Morgen des dritten Tages überquerte ich nach dem frühen Start in Telfs alsbald den Inn nun über diese schöne kleine Brücke des Innradweges; mit schönen Blicken über den Inn herab und hinauf in die Inn-Schlucht Richtung Imst-Bahnhof.

Mein No. 22 Bicycles Drifter auf der Inn-Brücke.

Natürlich machte ich eine ganze Reihe von Fotos, genoss eine Banane dabei und machte mich dann auf, die weitere Strecke entlang des Innradweges in Angriff zu nehmen. Für diesen schönen Abschnitt hatte ich nämlich extra schon im Vorfeld bei meiner Planung den Radweg ausgewählt, weil er besonders schöne Sichten und autoloses Radfahren, gleichzeitig aber auch mindestens so gutes Vorankommen wie auf der Hauptstraße versprach. Denn bei allen schönen Sichten – ein Radweg, der sich umständlich windet, viele enge Abzweige aufweist, ständig auf und ab führt (während die Hauptstraße mit gleichmäßigem Gradient und geradlinig vorankommt) ist im Zusammenhang mit weiträumigen Touren und besonders Rennen einfach nur frustrierend. Nicht der Innradweg in diesem Teil.

Der Moment, wo ich auf diese Brücke einbog, war auch der Moment wo ich zu mir selbst und laut in den Morgen sagte: „Now we are talking!“.

Erst am Morgen des dritten Tages des Three Peaks Bike Race fand ich zum ersten Mal, wonach ich immer suche wenn ich zum Rad fahren aufbreche – ob kurz oder während des Bestreitens eines Bikepacking Rennens quer durch Europa: beeindruckende Landschaften, schöne und neue und faszinierende Orte.

Auf dem Innradweg kam ich so mal auf der Süd- mal auf der Nordseite des Inns gut und ungestört von Autos voran. Landeck ist schnell erreicht und durchfahren und Inn und ich knicken nach Süden hinweg. Noch ist der Anstieg sehr sanft. Das Kerbtal ist nun viel enger und damit auch interessanter. Der Weg auch wieder nahe am Inn. Ich halte an und tippe einen Tweet:

Weil es genau das ist, was ich gerade getan habe.

Dann komme ich zur Pontlatzer Brücke. Auch wieder ein reizvoller Foto-Ort.

Yours Truly auf der Pontlatzer Brücke im oberen Inntal auf dem Weg Richtung Martina. Man beachte die früher beim morgendlichen Start völlig unprätentiös über die Trikotärmel gezogenen Armlinge und die nicht ordentlich heruntergezogene Windweste (die deswegen hochgeschoben ist, damit der Zugang auf die Rückentaschen und damit auf die Kamera, die gerade das Bild macht, ermöglicht wurde).

Die Pontlatzer Brücke ist ein gutes Beispiel für meine vielfältige und spannende Beschäftigung mit den durchfahrenen Orten und der Geschichte Europas auch längst nach Beendigung eines solchen Rennens. Während ich vor Ort vielleicht einfach von der tollen Aussicht oder einem guten Fotostandpunkt angezogen werde oder mich auch irgendetwas so neugierig macht, dass ich es fotografiere, ist es dann die Beschäftigung mit meiner Route, den durchfahrenen Gegenden und dieser Stelle im Nachgang (und sei es nur, um das Foto passend zu verschlagworten und zu verorten), die Weiteres, oft auch Überraschendes zu Tage fördert.

So war die Pontlatzer Brücke im oberen Tiroler Inntal zwischen Fließ und Prutz bereits für die römische Via Claudia eine Überquerungsstelle über den Inn. Später, einmal 1703 und dann wieder 1809 gelang hier den Tirolern bei geringsten eigenen Verlusten vernichtende Schläge gegen einmarschierende Bayrische Truppen (woher sollten die Bayern auch wissen, wie man im Gebirge kämpft und wo man auf Hinterhalte gefasst sein muss? Wahrscheinlich waren sie gedanklich ganz darauf fokussiert, Kruzifixe in Klassenzimmern aufzuhängen und sich in ähnlichen bornierten und kleinstaatlichen Unsinnsforderungen zu ergehen).

Kurz darauf komme ich nach Prutz und wechsele dafür auf die andere Inn-Seite. Heute ist Montag, d.h. die Supermärkte sind offen! Am Ortsausgang wähle ich den Hofer, bekanntermaßen Österreichs Aldi und schaue, was ich da so leckeres finden kann. Die Backtheken sind überall anderswo als in Deutschland (egal ob in Lidl oder Aldi/Hofer und sonstwo) so viel reichhaltiger und interessanter bestückt. Ich nehme mir ein leckeres und leicht scharfe gerollte Pizzateig-Irgendwas-Dings, ein paar Fruchtquetschies für später unterwegs, etwas Obst (Mirabellen), 0,5 l frisches Wasser (wo ich doch schon mal in einem Laden bin) und ein Doppelpack Wraps mit Couscous oder so. Die Schlange an der Kasse ist nicht all zu lang, aber doch schon so, dass ich kurzerhand das erste der Wraps noch vor der Kasse verzehre und ungerührt die offene Wrap-Packung auf das Band lege.

Foodhaul im Hofer in Prutz.

Ich meine, es ist kurz hinter dem nächsten Ort, Ried, wo ich Malte, zum ersten Mal seit dem Start im Rennen treffe. Hinter einer Kuppe sehe ich einen Radfahrer auf einem Bikepacking-Rad, bin aber recht schnell dran und in der leichten Abfahrt fast schon vorbei. Deswegen erkenne ich erst beim Hallo-Rufen und Winken auf gleicher Höhe – Mensch, das ist doch der Malte! – und gehe in die Eisen. Wir fahren danach erst eine Weile nebeneinander und tauschen uns über die vergangenen Tage seit dem Start aus. Kurze Zeit später zwingt eine steilere Abfahrt und dann die Hauptstraße, auf der man besser hintereinander fährt, zum Abbruch des Gesprächs. Ich bleibe eine Weile im Non-Drafting Abstand hinter ihm, aber sehe ihn auch etwas an seinem Lenker nesteln oder in den Feedbacks kramen, was auch immer. Jedenfalls ist da für meinen gegenwärtigen Geschmack zu wenig Zug auf der Kette, also gehe ich vorbei. Malte wird auf der B480, d.h. auf der rechten Innseite bleiben und über die mit vielen Galerien versehenen Reschenstraße nach Nauders fahren. Ich habe mir im Vorfeld die Alternativroute links des Inn ausgewählt.

Denn die Reschenstraße war zu verschiedenen Zeiten mal für Radfahrer ab Pfunds generell gesperrt (aufgrund der vielen Tunnel und des Verkehrs) und sie war auch im ganzen Juni wegen Bauarbeiten gesperrt (für jeglichen Verkehr). Deswegen bin ich bei meiner Planung auf Nummer sicher gegangen und habe meine Strecke über Martina und die Norbertshöhe geführt. Ich war selbst erstaunt, dass ich damit sogar 120 Höhenmeter gespart habe und dafür nur 7 km weiter fahren musste. Und – landschaftlich war die Strecke toll und es flutschte nur so bis nach Martina.

So war ich denn auch für geschätzte 500 m in der Schweiz. Auf der Innbrücke genoss ich erst mal ein wenig die Sonne, aß eine Banane, trank gekauften Multivitaminsaft und machte ein paar Fotos von meinem Rad:

Kurze Stippvisite im Engadin in Martina.

Ich twittere: „Norbertshöhe. Ob ich meine Dreiländergiro-Zeit toppen kann?“
Haha, das war natürlich Spaß. Als ob ich mit dem vollgepackten Bikepacking-Rad eine Zeit aus einer meiner, hmm, waren es jetzt zwei oder drei Dreiländergiro-Teilnahmen? Toppen könnte. Der Dreiländergiro war damals übrigens das erste Jedermann-Rennen und der erste Alpen-Marathon überhaupt, an dem ich teilgenommen habe. Das war in 2011 (hier könnt ihr es nachlesen). Man, ist das lange her.

Die Norbertshöhe ist auch mit Gepäck relativ schnell erkurbelt und schon kann ich mich von ihrer Höhe auf der anderen Seite hinab nach Nauders stürzen. Als ich unter der Hauptstraßen-Unterführung in Nauders ankomme, sieht mich Malte, der auf dieser auch gerade in Nauders angekommen ist. Kurz miteinander quatschend entschließt sich Malte, auch den Radweg links der Hauptstraße zu nehmen. Jetzt ist er es, der etwas mehr Druck auf die Pedalen bringt und ich will im Gegenzug auch lieber einen Apfel im Fahren essen. Also lasse ich ihn von dannen ziehen und werde ihn erst später am Tag oben auf dem Stilfser Joch wieder treffen.

Zwar hatte ich mir ausgemalt, wie toll es wäre, nach langer Zeit nochmal zu Fuße des halb im Reschensee eingestauten Kirchturms von Graun zu stehen und auch ein schönes Foto davon zu machen, entscheide mich dann aber doch lieber, den Radweg auf der Westseite des Sees zu nehmen. Die Sonne steht sowieso unpassend für das angedachte Bild. Da fahre ich lieber hoch über dem See auf ganz ruhiger Strecke entlang und genieße die Ausblicke von dort.

Blick über den Reschensee.

Natürlich fahre ich auch über den Staudamm und natürlich mache ich auch ein paar Fotos meines Rades darauf. Ist ja schließlich eines meiner Langzeit-Foto-Projekte: Meine Räder auf allen möglichen Staudämmen.

Auf dem Damm des Reschensees.

Danach wechsele ich aber bewusst auf die Hauptstraße. Der Vinschgauer Radweg ist zwar relativ attraktiv und in dem benötigten Bereich auch durchgehend asphaltiert, ich will aber Vollgas bergab heizen und mich nicht durch die engen Kurven, teilweise welligen Asphalt und durch Rücksichtnahme auf mögliche Wanderer u.ä. abbremsen lassen.

Das klappt auch super. Aber der Wind ist da echt nicht von schlechten Eltern. Es bläst ziemlich hangauf, was besonders die Kurven der Gegengeraden interessant macht. Aber nicht nur da muss ich sehr konzentriert fahren. Die vereinzelt bergauf, aber auch bergab fahrenden LKW haben ein gutes Tempo drauf und die Straße ist nicht all zu breit. Das waren schon ganz ungewöhnlich heftige Stosswellen, die mich beim Passieren trafen. Aber alles gut und unter Kontrolle. In Nullkommanichts bin ich in Mals und biege Richtung Glurns ab.

In dem kleinen, von historischen Stadtmauern umfassten Örtchen suche ich Abkühlung und frisches Nass zugleich. Wasser gibt’s am Brunnen auf dem Platz, wo auch viele andere Radler (Tourenfahrer und normale Rennradler) ihre Flaschen nachfüllen oder vor den Cafés sitzen. Ich erspähe eine separate Eisdielen-Theke und hole mir da ein schönes, handgemachtes Südtiroler Eis.

Hausgemachtes Eis in Glurns.

Als ich danach am Brunnen meine Flaschen neu befülle, kommt ein Radfahrer auf mich zu. Es stellt sich heraus, er ist auch Teilnehmer des Three Peaks Bike Race. Tim heisst er, sagt er, und wir schütteln die Hände. Torsten, sage ich. Ach du bist Torsten Frank? Der berühmte Torsten Frank? Ich muss grinsen – ähhh… okeh…? :) Er hat am Start schon mit anderen, z.B. Walter Reiderer gequatscht, den ich vom TCRNo5 bereits kenne und der auch mein Blog kennt und schätzt, so sagt er wenigstens. Mittlerweile habe ich das auch ganz normal in meinen Erfahrungsschatz aufgenommen: ich fühle mich zwar nicht als Blogger oder als jemand mit einem Riesenpublikum, aber es ist ganz normal dass auf deutschsprachigen Events mindestens mal einer, wenn nicht sogar mehrere Teilnehmer dabei sind, die meinem Blog oder meinem Instagram oder allen meiner Kanäle folgen. Aber „berühmt“ war jetzt ein neues Adjektiv für mich… ;-)

Tim fuhr das ganze TPBR übrigens mit einem Singlespeed Rad. Er hatte somit nur zwei Übersetzungen. Um zwischen diesen zu wechseln, musste er halt immer anhalten, das Hinterrad ausbauen, umdrehen und wieder einbauen und dann auch die Kette passend spannen. Irre Leistung! Als er solcherart am Fuße des Stilfser Jochs beschäftigt war, überholte ich ihn auch danach wieder. In Glurns verabschiedete ich mich nach dem kurzen Kontakt wieder (er hatte gerade eine Mahlzeit dort eingenommen) und hielt in Prad nochmal zu einer etwas längeren Supermarkt-Pause an. Wer baut auch doppelstöckige Supermärkte mit Nicht-Fresskram und Haushaltswaren im Erdgeschoss und die Lebensmittel weit verstreut im Kellergeschoss und nur über lange Schräglaufbänder erreichbar? Mal gewinnt man und mal verliert man. Etwas Zeit beim unschlüssigen Rumsuchen in ungewohnten und weitläufigen Supermärkten in diesem Fall.

Heißer Stelvio

Jedenfalls ist Tim bald wieder hinter mir, während ich so feststelle, dass der Tag sehr heiss ist und Schatten am Stilfser Joch erst mal Mangelware. Zum ersten Mal seit langem, eher, seit Jahren, halte ich in einem Anstieg an. Und zwar nicht, weil ich ein Foto machen will. Sondern weil ich ein Ticken ausruhen möchte. Wenigstens ein Minute lang. Und zwar im Schatten der Galerie, in der ich gerade bin. Es ist aber auch die Galerie direkt vor der berühmten Kurve mit dem Schild, Kehre 48! Da hätte ich ja bis dahin noch weiter treten können. Gut, da war jetzt so direkt kein Schatten. Aber Foto muss natürlich sein. Vielen Dank, Tim! :)

Oh hai – ich hab‘ gehört, jetzt sind’s noch 48 Kehren bis zur Passhöhe…

Nach dem Foto geht’s dann weiter. Ich war lange nicht mehr am Stilfser Joch. Hatte auch ganz verdrängt, wie steil und unrythmisch das in der oberen Hälfte bzw. im Bereich zwischen Trafoi und der Franzenshöhe ist. Ein beladenes Bikepacking-Rad und die Hitze tragen ihr Übriges bei. Das ist eine ziemlich langsame Kurbelei und ich bin echt froh, dass ich mit der etap AXS jetzt eine 1:1 Übersetzung am Rad habe. Vorne 33 und hinten 33. Auf halber Höhe zwischen Trafoi und der Franzenhöhe thront an einer Ecke das Restaurant Weißer Fels und da gegenüber ist ein Trinkwasserbrunnen. Oh Mann! So hochwillkommen. Und wie kühl und köstlich! Und Schatten!

Kühles Nass!

Doch weiter! Noch mal ein Stückchen durch Wald und dann öffnet sich der Blick auf die obersten 20 Spitzkehren. Ganz langsam wird es angenehm, weil aufgrund der Höhe die Temperaturen leicht zurück gehen. Na klar, jetzt verschwindet hier in der Steilwand dann aber auch die Sonne hinter dem Berg. Hier wäre sie jetzt eigentlich ganz angenehm. Ach – egal… Trotzdem sind auch die Aussichten natürlich grandios und so halte ich noch ein-, zweimal an, um ein paar Fotos zu machen:

Stilfser Joch. Fast oben. Jetzt geht’s im Schatten weiter.

Deswegen muss Michael, der Rennorganisator, noch ein bisschen auf mich warten. Er hatte mich aber schon im Visier… :)

Wie klein wir doch gegenüber dem Berg sind. (Foto: Adventure Bike Racing)

Er war nämlich zu dieser Zeit am Stilfser Joch, das ja der erste Kontrollpunkt des Rennens war, um die Fahrer am heutigen Tag in Empfang zu nehmen bzw. Fotos von Ihnen zu machen. Ich hatte allerdings nicht erwartet, dass er mit dem Rad auch ein Stück nach unten gefahren war, um dort auch zu fotografieren. So bog ich um eine Kehre und sah da einen Radfahrer mit Kamera stehen und dachte so „Hmm, ein Radfahrer ohne Rad – was macht der da?“ Und sah dann ein Rad links am Rand stehen, aber nur so halb mit einer Tasche ausgerüstet… Und erst dann machte es Klick. „Mensch, Michael – Hi!“ :) Tolle Sache. Mit ein paar gewechselten Worten schickte er mich weiter zur Passhöhe.

Immer dran denken – es geht nicht nur um Type 2 Fun. Am wichtigsten ist der Type 1 Fun – Spaß beim Fahren. (Foto: Adventure Bike Racing)

Oben war ich dann auch endlich wieder in der Sonne und es waren auch ein paar andere Rennteilnehmer dort. Und Marcela war ebenfalls zugegen und ergänzte Michaels Fotografierei. Die erste Anlaufstelle war daher das Passschild, wo ich kein Selfie machen brauchte, sondern Marcela sowohl direkt für Adventure Bike Racing als auch für mich Fotos machte.

CP1, Stiflser Joch. (Danke an Marcela für das Foto mit meinem iPhone :))

Die zweite Anlaufstelle war der Würstl-Stand. Mhhhh, das hat diesmal besonders gut geschmeckt!

Tradition auf dem Stilfser Joch: Würstl mit Kraut im Brötchen.

Malte ist da, Santi, Tim und noch zwei drei weitere entweder schon dort, oder kommen an, während ich da oben bin. So ergibt sich oben am Stilfser Joch so ein klein wenig TCR-Kontroll-Punkt-Stimmung und das finde ich schön. Im letzten Jahr waren wir beim Three Peaks Bike Race viel weniger Starter. Nur 12 insgesamt. Das und die noch etwas mehr Low-Key-Organisation des TPBR ergeben natürlich, dass man auf den 3 Kontrollstellen eigentlich niemanden trifft. Es ist im Vergleich zum Transcontinental Race auch nicht vorgesehen, dass man eine Brevet-Karte mit sich führt und an den Kontrollstellen auf eine Volunteer-Crew stößt, die diese abstempelt usw. Sondern die Kontrollpunkte des TPBR sollen nur das Rennen leiten, stellen schöne und besondere Passhöhen dar – aber da ist sonst keiner. Als Nachweis der korrekten Passage dient das Tracking-File und ein Selfie von einem selbst an der Passhöhe.

Durch die im zweiten Jahr stark gestiegene Teilnehmerzahl und des Timings meiner Ankunft am ersten Kontrollpunkt hat es sich aber ergeben, dass die Renn-Orga an diesem Tag dort war, Fotos machte und wir oben am Stilfser Joch auch etwas Infrastruktur vorfanden: Würstl-Stand, Tische usw. Natürlich gibt’s da auch jede Menge Souvenier-Shops, aber die meinte ich damit nicht. So kam man ins Plaudern und das mag ich eigentlich sehr.

Gut, von einem Effizienz-Standpunkt aus gesehen hätte ich ein Foto machen müssen, schnell so ein Würstl-Brötchen mit Kraut essen und dann weiter. Aber das sollte an einem Kontrollpunkt und tollen Gipfel nicht die oberste Maxime sein. Nicht, wenn das Wetter gut ist und die eigene Rennposition sowieso außerhalb der Top Ten liegt. Und so bin ich fast eine ganze Stunde da oben, bevor ich mich auf die Weiterfahrt begebe. Die Endura-Primaloft-Weste hatte ich mir schon für die Rast dort oben angezogen. Ebenfalls Armlinge. Nach drei Kurven in der Abfahrt, es ist jetzt immerhin schon fast 19:00 Uhr und ich bin auf 2.700 m Höhe. Die 15° im Stillstand sind weit von den 40 Grad heute Mittag im Tal und auch weit von den immer noch 33 Grad in der unteren Hälfte des Anstiegs entfernt. Der Windchill tut ein Übriges. Deswegen halte ich an und hole meine neu gekaufte und erstmals mitgenommene Isolier-Jacke heraus. Die Patagonia Micro Puff Jacket. Ein leichtes und warmes Teil mit nur rund 260 Gramm Gewicht. Ich ziehe mir sogar die Überschuhe an, weil es so durch die Rennradschuhe pfeift. Und dabei klebe ich schon standardmäßig immer die Sohlenbelüftungsöffnungen zu. Sowohl dafür, dass es nicht so dadurch zieht als auch, um leichtes Wasserspray von nassen Straßenoberflächen abzuhalten. Solchermaßen gerüstet, kann ich in eine behagliche Abfahrt eintreten.

Auch die Blicke auf der Bormio-Seite des Stilfser Joch sind toll. Etwas weiter unten haben allerdings die italienischen Möchtegern-Sportwagenfahrer die Kehren des Stelvio für sich in den Beschlag genommen. Anscheinend ist jetzt genau die richtige Zeit für sie. Alle Tagestouristen, Busfahrer und Tourer sind längst herunter vom Berg, Licht ist aber noch da. Also Gelegenheit, den eigenen Wagen und seine Reifen zu testen. Bäh.

Da geht es nun hinab. Die Bormio-Seite des Stilfser Joch.

Trotzdem ist Bormio schnell erreicht. Direkt nach dem Ortseingang entledige ich mich meiner Jacke und der Überschuhe- puh, das war unten dann doch schon wieder sehr warm. Ende Mai war ich schon mal hier. Ich hatte eine Woche Urlaub genommen, um dem Giro d’Italia zu folgen und einige schöne Rennrad-Touren als Trainingscamp zu unternehmen. Leider habe ich mich bei der ersten schon erkältet. Habe wohl leider einen Virus schon in den Urlaub mitgebracht. Sehr ärgerlich! Trotzdem konnte ich auf dieser einen Tour über den Mortirolo-Pass und hoch nach Bormio und wieder hinab nach Tirano auch ein weiteres Ziel dieser Urlaubswoche erreichen: dieses Teilstück meiner TPBR-Route vorerkunden. Und so kenne ich ab Bormio jetzt jeden Meter meiner Route bis Tirano. Biege an der für mich richtigen Stelle auf den Radweg ab, der für mich günstiger als die Straße verläuft, kann an einer bekannten Trinkwasserzapfstelle anhalten und meine Flaschen auffüllen und bin in Nullkommanix in Tirano.

Da ist es schon etwas später, es ist dunkel und die üblichen Take-Away-Läden, die ich so in Google Maps angezeigt bekomme, sind alle schon zu. Ich rolle daher entlang einer nach Lokal-Meile aussehenden Straße entlang und hoffe, irgend etwas passendes zur Versorgung zu finden. Zum Hinsetzen in ein Lokal habe ich eigentlich keine Lust, aber wenn ich anders nicht an etwas zu essen komme…

Nacht senkt sich über die Adda, dem Fluss durch das Veltlin, dem ich von nun an bis zum Comersee folgen werde.

Gemeinsames Abendessen in Tirano

Da sehe ich schon ein Bikepacking-Rad an der Seite einer umschlossenen Ristorante-Terasse stehen. Ach guck an – es ist Maltes Rad, den ich sofort darauf drinnen sitzen sehe. Da setze ich mich gerne dazu. Kurz nach mir taucht auch noch Gabi und ihr Partner Herrmann auf. Die beiden nehmen als Paar in der Duo-Wertung teil. Gabis Blog könnt ihr übrigens hier finden (LumacaGabi). Sie erscheinen frisch geduscht, da sie sich für die Nacht ein Zimmer in Tirano genommen haben. So richtig was zu Essen gibt’s in dem Lokal aber auch nicht mehr. Es stellt sich heraus, dass es eigentlich nur mehr ein etwas größeres, warmes Brötchen mit allem Möglichen drauf gibt. Na gut, dann dass und eine große Cola, die gesplittet angeliefert wird. ;-) Kalorienmäßig war dieser Stop also nicht der Riesen-Bringer, aber trotzdem nötig und auch eine schöne Unterhaltung.

Ich breche dann etwas vor Malte auf, der noch ein Telefonat führen will. Kaum wieder in den Straßen Tiranos unterwegs, treffe ich auf Adam aus Bratislava, ebenfalls Rennteilnehmer. Wir beide stehen rätselnd vor einer Hinweistafel, die auf eine Straßensperrung in unserer Fahrtrichtung hinweist. Ich bin der Meinung, dass uns das nicht betreffen wird oder wenn doch, dass wir mit dem Rad dran vorbei kommen. Also bleiben wir auf dieser Straße, fahren im Schein unserer Lampen nebeneinander her und unterhalten uns. Bald ist die eigentliche Baustelle erreicht und siehe da – sie betrifft eine Brücke, die wir nicht brauchen. Ich verabschiede mich trotzdem von Adam, weil ich lieber erst mal noch meine Lampe richten möchte und in der Folge dann allein weiterfahren möchte.

Meine neue SON Edelux II Dynamoleuchte finde ich sehr gut und bin recht angetan von ihrem Fahrlicht. Sie erzeugt eine schöne Ausleuchtung auf der Straße und die Gemütsruhe, die einem ein Dynamosystem gibt, habe ich direkt schätzen gelernt. Man hat einfach immer Licht. Wenn es drauf ankommt, kann man also immer weiter durch die Nacht fahren. Ohne Angst zu haben, dass der Akku nicht mehr reicht. Ich konnte die Anbringung der Lampe aber im Vorfeld nicht mehr so ausführlich testen, wie ich mir das gewünscht hätte. Der Ort und die Idee waren gut, aber die Anbringung noch nicht Bombproof. So konnte sich die Lampe immer mal wieder leicht losrütteln und der Leuchtkegel war dann nicht mehr so hilfreich. Richtig ausgerichtet finde ich das Licht auf einer guten Straße als sehr gut. Für enge Kurvenfahrten und unübersichtliche, schmale Radwege hingegen wünsche ich mir mehr Leuchtkraft. Um auch kleine Splitansammlungen oder anderes in sich schnell nähernden Kurven erkennen und einschätzen zu können. Da und wenn es in Richtung Off-Road oder Gravel in der Nacht ginge, möchte ich unbedingt noch eine zuschaltbare Highpower-Option, z.B. in Form einer zweiten Lampe. Idealerweise aber in Form ein und derselben Lampe, die dann für diesen Zeitraum Extra-Saft aus einem Pufferakku zieht.

Als ich in solchen Überlegungen vertieft auf dem Radweg zwischen Tirano und Tresenda unterwegs bin, überholt mich auch schon Malte mit mehr Licht und motiviert durch Musik aus seiner Bluetooth-Lautsprecher-Box… :)

In Tresenda selbst sehe ich auch schon wieder die Rücklichter von Adam vor mir. Als der Radweg dann aber auf unbefestigt wechselt und auch längere Zeit so zu bleiben scheint, bleibe ich stehen. No way, das ist mir zu langsam in der Nacht und ich habe doch eh über die Hauptstraße geplant. Also umgedreht und 500 Meter zurück, um die parellel laufende Eisenbahnstrecke überqueren zu können. Ab da dann endlich wieder glatten Asphalt und normale Straße. Und Junge, kann ich es da rollen lassen! Über lange Geraden und immer leicht abschüssig kann ich richtig Kilometer die Adda abwärts machen. Ich finde sogar unerwartet einen 24h Supermarkt und nutze die Gelegenheit, für einen Einkauf. Ein Eis, Wasser, EstaThe, ein großes Stück Foccacia und Mundwasser – ja, richtig gelesen – hole ich mir da. Mundwasser habe ich im Vorfeld als Tipp gegen ausgedörrten Mund von den ganzen Süßigkeiten oder auch Cola und Co gelesen. Und in der Tat – ab und an mal den Mund damit ausspülen wirkt wunder!

Ich bin gut vorangekommen und überlege so langsam an einem Plätzchen für die Nacht. So ungefähr bis Morbend möchte ich kommen. Einen Vorort vorher, in Talamona beginne ich daher, Ausschau zu halten. Bushaltestellen, überdachte, aber trotzdem ruhige Vorflächen von einem Markt oder vielleicht Autohandel wären ganz nett. Aber nichts zu machen. Alle solcher Areale sind dort hoch umzäunt und mit Toren versehen. Bushaltestellen liegen gerade nicht auf meinem Weg. Bei einem anderen allein stehenden Haus mit überdachter Veranda bin ich misstrauisch. Ich überlege mir dann, Richtung Radweg zu fahren. Entlang dessen sollte ich doch vielleicht sogar einen schönen Rastplatz finden? Oder wenigstens eine Bank oder sowas. Ich folge dem Hinweisschild auf den Sentiero Valtelina und Bingo – keine 300 Meter auf ihm drauf leuchtet mir da etwas entgegen. Es stellt sich als eine kleine Rastbucht mit einer Bank und einem Trinkwasserautomaten heraus. Oh, wow – genau passend für mich!

So sah das in der Nacht aus:

UFO Landing Station

Und so am folgenden Morgen in der Dämmerung:

Was für ein toller Rastplatz, bzw. besser, Erfrischungs- und kurze Erholungsstelle, die ich da in der Nacht für mein Biwak am Sentiero Valtellina gefunden hatte. Die Bank war zwar schmal, aber so gerade noch ausreichend für mich und so etwas wie diesen Wasserspende-Automaten, der auch in der Nachtankunft für etwas praktisches Licht sorgte, hatte ich noch gar nirgendwo gesehen.

Das war ein Naturizzatore der secam SpA, der Società per l’Ecologia e L’Ambiente, dem Ent- und Versorger (Wasser und Ökostrom) der Region. Total abgefahren – nicht nur normales, bzw. Leitungskühles Trinkwasser kann daraus bezogen werden – nein, das ist nicht nur extra gekühlt, sondern kann auch wahlweise ohne (rechtet Taste) oder mit Kohlensäure (linke Taste) bezogen werden! Die Taste in der Mitte ist für umgebungswarmes Wasser. Wow!

Die „Böschung“ in der der kleine Rastplatz eingelassen ist, ist übrigens ein Damm und direkt dahinter fließt die Adda. Das Moskitonetz meines Ultraleicht-Bivybags war daher Gold wert.

Am nächsten Morgen fahre ich direkt auf dem Sentiero Valtelina entlang der Adda weiter und genieße die Stille und das Morgenlicht, dass mit dem Morgendunst über der Adda eine tolle Stimmung erzeugt. Herrlich!

Morgenstimmung an der Adda im Veltlin.

Stint 4 Vormittags hui, nachmittags pfui

So kann ich bestens gestimmt in den Tag gehen. Gestern habe ich knapp 268 km zurückgelegt. Mit dem Stilfser Joch mittendrin und insgesamt 3.412 Höhenmetern nicht zu schäbig. Heute freue ich mich schon auf den unmittelbar vor mir liegenden Comer See. Schon der Weg dahin ist toll. Wie geschildert entlang der Adda und dann die Pian di Spagna genannte Ebene zwischen dem Mezzola- und dem Comersee querend. Auch da konnte ich herrliche Blicke auf die Bernina-Alpen genießen:

BAAW with a view

Kurz darauf bin ich schon am Nordzipfel des Comer Sees und kann die längere Fahrt entlang seines Westufers in Angriff nehmen.

Am Comersee im Hafen von Gera Lario

Und wie kurzweilig diese ist! Ein Traum. Irgendwie scheine ich genau die richtige Zeit erwischt zu haben. Jedenfalls ist von dem so oft beschriebenen starken Autoverkehr dort die ganze Strecke nichts zu merken. Glück braucht der Mensch!

Comersee

Immer mal wieder sieht man den See und kommt durch kleinere Orte. Interessante und auch von der in früherer Zeit schon immer reichen Vergangenheit zeugende Gebäude, Kirchen und Villen bieten Abwechslung. Wahnsinn auch, wie laut hier die Zikaden zirpen bzw. regelrecht brummen. Am hellichten Vormittag! Vor nicht wenigen, aber immer kurzen Tunneln muss ich immer mal wieder die Gegenverkehrsfahrbahn kreuzen, um auf die seeseitige Umfahrung zu gelangen, die dann aber auch immer superruhig ist und noch schönere Blicke ermöglicht.

In einer solchen halte ich dann auch an, um endlich mal meine Sattelhöhe zu justieren. Üblicherweise habe ich immer Mindgames am Start eines solchen Rennens. Habe ich die frisch montierten Pedalplatten wieder ganz genau so positioniert bekommen, wie die alten? Oder habe ich links oder rechts nicht doch einen leicht anderen Bewegungsspielraum? Passt der Sattel? Merke ich das Knie? Überlicherweise löst sich das dann spätestens nach zwei oder drei Tagen in Luft auf. Hier und jetzt weiss ich aber – nein, dass rede ich mir nicht ein, dass könnte vielleicht in der Tat etwas zu tief sein. Den Sattel meine ich jetzt damit. Ich beginne auch heute wieder recht früh, meine Knie zu merken. Das habe ich sonst nie. Ich habe die erste harte Nacht und den Regen tags drauf im Verdacht. Und halt eben einen Ticken zu niedrig eingestellten Sattel. Und die kraftmäßige langsame Kurbelei gestern zum Stilfser Joch hat da sicher auch nicht so gut getan. Deswegen fasse ich mir ein Herz, montiere die Satteltasche ab und stelle den Sattel ein klitze kleines bisschen nach oben. So etwa 1,5 bis 2 mm. Ab da fühlt sich das viel besser an. Ein Teil davon mehr psychologisch als tatsächlich biometrisch? Mag sein – aber das Resultat zählt.

Justage der Sattelhöhe am Comersee.

Etwa um 11:00 Uhr habe ich das Südufer des Comer Sees erreicht. In einem klimatisierten Supermarkt esse ich meinen Einkauf noch innen, direkt nach der Kasse. Dann muss ich einen kleinen Höhenrücken überwinden und befinde mich dann mehr oder weniger in der Po-Ebene auf einem langen, langweiligen und verdammt heissen „Marsch“ Richtung Turin. Das Thermometer erreicht in langsamer Fahrt an die 46 Grad Celsius. In Marschgeschwindigkeit in der Ebene immer noch 37 – 39 Grad Celsius. Es ist dieses Jahr echt noch heißer und andauernder so, als in den vorangegangenen zwei Jahren beim TCR und seinen ebenfalls extremen Hitzewellen. Und was heisst hier „Marschgeschwindigkeit“? Selbst im Flachen bin ich froh, wenn ich auf einen 23er bis 25er Schnitt komme. Was quasi lächerlich ist. Meine Leistung ist aber entsprechend: So rund 100 Watt – viel mehr will da nicht kommen. Ich nutze jede Gelegenheit, mich irgendwo zu erfrischen. Leichter gedacht als getan. Die durchfahrenen Orte liegen weiter auseinander und sind allesamt klein. So etwas wie eine Tankstelle sucht man da vergebens. Kleine Lebensmittelläden oder Bars sind es, wo ich mir ein Eis kaufen kann.

Die Sesia, ein Zufluss des Po. Weite Schwemmfächer bzw. Kiesflächen zeugen von ihrem Charakter als Wildbach, der sie vor dem Erreichen der Poebene ist. Hier bei Ghislarengo bin ich zwar in dieser, aber doch noch recht weit im Norden und nie weit von den Ausläufern der Alpen entfernt.

Der Nachmittag zieht sich wie Kaugummi und aufgrund meiner Knie entscheide ich, dass ich mir noch vor Turin ein Hotel suchen will. Ich möchte den Knien Ruhe gönnen und mit Ibu einschmieren. Nacken und ganz leicht Achilles links (aber weniger wie sonst) hab ich auch. In Booking.com sehe ich vor Settimo Torinese unmittelbar vor Turin etwas passendes und buche es sofort online.

Flach, gerade, langweilig

Auf der Anfahrt dorthin fahren von hinten Gabi und Herrmann auf mich auf. Wie nett, wir unterhalten uns ein wenig. Etwas später – ich bin aufgrund der langsam endenden Öffnungszeit des nächsten Lidl etwas hippelig und finde deswegen auch wieder ein paar frische Watt in den Beinen – rufe ich an einer Ampel „Yeah, zweite Luft!“ und verabschiede mich nach vorn von den beiden. Mein Ziel ist der Lidl in Settimo Torinese, wo ich fix vor Geschäftsschluss einkaufe, meinen Daypack vollstopfe und wieder einen Kilometer zurück zu meinem Hotel fahre.

Da angekommen, muss ich der Rezeption erstmal verklickern, dass ich ein sicheres Plätzchen für mein Rad brauche. Nachdem dass dann endlich mit dem Ober-Concierge geklärt ist, kann ich mein Rad in das Kellergeschoss und einen Seminar-Raum bringen. Wo, man höre und staune, schon ein anderes Bikepacking-Rad steht. Seinen Besitzer werde ich hier aber nicht treffen und er ist am nächsten Morgen auch vor mir weg. Aber das mit dem Rad unterbringen hätte also auch schneller gehen können. Ich schlafe wohl so von 23:20 Uhr bis 06:00 Uhr am Morgen, trotz meiner frühen Ankunft. Ich nutze die Zeit für Duschen, Essen, Kit waschen und dann noch die Social Media checken, was insgesamt so 2 Stunden ausmacht. Da könnt ihr mal sehen. Schon im letzten Jahr und auch im diesem Jahr habe ich längst nicht jede Hotel-Nacht zum Waschen meiner Klamotten benutzt, so also auch etwas Zeit gespart. Aber da ist auf jeden Fall noch Potenzial, was in Sachen Renn- und Schlaf-Effizienz zu holen ist.

Nach dem Aufstehen gibt’s die Morgentoilette, dann wird sich angezogen und da es schon Frühstück gibt, auch dieses noch fix mitgenommen. Los bin ich dann um 7:31 Uhr gekommen. Also auch wieder 1,5 h nach dem Aufstehen. Mit Toilette und Frühstück und frisch Sonnencreme eingecremt für den Tag geht das aber eigentlich.

Heute ist ein neuer Tag und der nächste Checkpunkt steht an: der Colle delle Finestre! Aber dazu muss ich erst mal durch Turin und dann hinein in das Susa-Tal.


Stint 5: CP 2 Colle delle Finestre und elegant TdF Kollision vermieden

Ich nehme also wie gesagt noch das Frühstück im Hotel mit und bin auch kurz darauf schon in Turin. So schlimm finde ich das gar nicht; kratze ja auch nur an seiner Nordkante und komme sehr gut hindurch. Noch in Turin treffe ich erstmals Sonia. Aus England oder aus Spanien, je nachdem welchen Elternteil wir heranziehen. Ihre tolle erste Frage an mich lautet „Are you having fun?“ Und zwar in einem Tonfall der echtes Interesse und ähnliches – nämlich Spaß haben – von ihrer Seite erkennen lässt. Im Verkehrsgewirr und aufgrund leicht unterschiedlicher Routenplanung verlieren wir uns daraufhin wieder.

Schnell bin ich im Susa-Tal. Was erstmal flacher und breiter ist, als ich es mir ausgemalt habe. Trotz ausführlicher Planung hin und Google Streetview her – ich lasse mich für viele Gegenden doch immer noch gern überraschen und auch aus der topographischen Karte erhält man nicht immer den richtigen Eindruck. Wäre ja auch langweilig. Was ich allerdings schon im Vorfeld gesehen hatte und deswegen Ausschau danach hielt, war das Kloster Sacra di San Michele hoch oben auf dem Monte Pirchiriano. Was für ein monumentaler Brocken und schon von weitem sichtbar. Es soll Umberto Eco für seinen Roman „Der Name der Rose“ als Inspiration gedient haben.

Im Susa-Tal lässt es sich schön fahren. Einen Ort vor Susa überquere ich ein zweites Mal den Fluss Doria Riparia.

Da hatte ich mir schon während der Planung einen Supermarkt ausgeguckt, der mir auch zu späterer Stunde Einkaufgelegenheit und somit Verpflegung ab dort über die ganze Strecke des Colle delle Finestre bis ganz nach Briançon hätte bieten können. Frisch verpflegt wechsele ich danach wieder auf die andere Seite des Flusses und fahre in die unteren Ausläufer des Colle delle Finestre hinein.

Aha, hier bin ich richtig.

Während ich das Schild fotografiere, kommt Sonia wieder vorbei. Und so ergibt es sich, dass wir gemeinsam den ganzen asphaltierten Bereich des Passes nebeneinander hochfahren und uns unterhalten. Über alles mögliche. Sehr angenehm.

Sonia und ich vor dem Beginn der Gravel-Sektion des Colle delle Finestre

So vergeht die Zeit wie im Flug. Furchtbar viele Aussichten gibt es in dem Bereich eh nicht – man ist quasi immer zwischen Bäumen. Das ändert sich erst 8 km unterhalb des Gipfels. Ab da ist der Anstieg unbefestigt und besteht aus Schotter. Hier beschließen wir, allein zu fahren, um uns auf den Untergrund und das eigene Tempo zu konzentrieren. Jetzt wird der Pass für mich auch fotografisch interessanter und so ergibt sich eine Art Bockspringen. Mal bin ich voraus, dann halte ich für Fotos an und Sonia überholt mich usw.

Zwar beginnen jetzt Wolken aufzuziehen, dass macht den Pass und die Aussichten aber nur noch dramatischer. Wirklich eine tolle Erfahrung, der Colle delle Finestre. Damit war er nicht nur der CP 2 des Rennens, sondern auch einer meiner persönlichen Höhepunkte des TPBR.

Colle delle Finestre

Direkt unterhalb der Passhöhe finden Sonia und ich auch wieder zusammen. Auch einen der anderen Spanier holen wir dort ein. Und oben an der Passhöhe kommt ein klein wenig später auch noch Andis hinzu, den ich bereits vom TCRno5 kenne. Oder war er da schon oben? Das weiss ich gerade gar nicht mehr. Jedenfalls machen wir noch ein paar „Beweisfotos“ und dann geht es auch schon individuell in die Abfahrt.

Ich ziehe lieber mal wieder meine schöne warme Jacke über, deswegen bin ich der letzte, der die Passhöhe verlässt. Andis habe ich aber in der Abfahrt wieder eingeholt. Die Abfahrt und auch die weiteren des Tages finde ich genial. Mein Zutrauen zu meinem neuen No. 22 Bicycles Drifter ist nun auch mit Bikepacking-Beladung da. Es stellt ja schließlich das erste Rennen für das neue Drifter dar. Und auch der erste Einsatz mit voller Beladung. Und überhaupt sind es die ersten richtig langen Abfahrten mit ihm. Hatte ich anfangs noch das Gefühl, dass der Schwerpunkt doch etwas höher als beim J.Guillem Orient lag, legte sich das zumindest, was die Abfahrten anging, langsam. Den Finestre runter konnte ich es richtig krachen lassen. Auch später, von Sestriere hinab Richtung französischer Grenze und dann von Montgenevre hinab Richtung Briançon – und da besonders geil – war es eine Wucht, die Kurven hinab zu sausen.

Ich hatte es auch etwas eilig, denn der Himmel zog sich doch sehr zu und es drohte, jederzeit zu Regnen. Der Blick in die Wetter-App verhieß ganz und gar nichts gutes für die weitere Fahrtrichtung. Im Bereich südwestlich von Briançon ging gerade die Welt unter. Ich war aber gerade erst mal in Sestriere und war froh, eine schöne Creperie gefunden zu haben, wo ich drinnen sitzen konnte. Habe da auch direkt zwei frische Crêpes geordert und verzehrt.

Die Sicht im Anstieg Richtung Montgenèvre war recht stimmungsvoll. Und eine Galerie bot interessante Fotogelegenheit.

Die Abfahrt nach Briançon war wie gesagt genial. Trotzdem musste ich unbedingt für folgendes Foto anhalten:

Briançon

In Briancon einfahrend, schwenkt plötzlich Malte neben mir ein. Ihn hatte ich aufgrund meines frühen Hotelstops am gestrigen Abend schon buchstäblich über alle Berge gewähnt. Aber auch er wollte sich in Briancon eine gute Verpflegung und vor allem auch in einem Waschsalon ein sauberes Kit gönnen. Apropos Verpflegung – natürlich muss ich Briançon auch dafür nutzen und peile schon den vorher herausgesuchten Supermarkt an. Deswegen lasse ich Malte auch sofort wieder ziehen.

Als ich vor dem Supermarkt mein Rad anschließe, steht da schon ein Tourenradler auf einem Tandem, sein Partner ist schon drin, er kauft ein, sein Kumpel passt derweil draußen auf das Rad auf. Ich bin bald wieder draußen und beginne, meinen Einkauf zu verzehren, während wir uns unterhalten. Als ich alles aufgegessen habe und mich wieder auf das Rad schwinge, ist von seinem Partner immer noch nichts zu sehen…

Gut versorgt geht es nun weiter auf die lange Talabfahrt bis Embrun. So weit und etwas darüber hinaus will ich heute auf jeden Fall kommen. Denn Morgen wird Embrun Startort der Tour de France Etappe von Embrun nach Valloire sein. Diese Etappe wird auch Briançon durchqueren und vor allem wird sie die Uferstraße des Lac de Serre-Ponçon sperren. Genau da, wo meine Route langführt und wo ein Ausweichen nicht ganz so günstig wäre. Zwar habe ich bei der Planung eine Ausweichroute für den Fall der Fälle vorbereitet, besser ist aber, wenn ich heute noch Embrun und den Lac hinter mir lassen kann.

Briançon ist natürlich schon für die Ankunft der Tour geschmückt und auf der Talfahrt hinab kommt mir auch ein Teil der Tourkarawane entgegen. Wahnsinn, die hupen und winken sogar, als sie mich sehen. Toll, wie rad-affin die Franzosen sind!

Der späte Abend ist genial, die Sonne beginnt, hinter den Bergen zu versinken und sendet tolle Dämmerungsstrahlen in den Himmel über den Dauphiné-Alpen. Im Hintergrund ragen die schneebedeckten Gipfel der Barre des Écrins, dem südlichsten und westlichsten 4000er Gipfel der Alpen und des rechts daneben liegenden Mont Pelvoux in die Höhe.

Dämmerungsstrahlen über den Dauphiné-Alpen.

Zufrieden und guter Dinge rolle ich nach Embrun hinein. Hier gibt es auch einen McDonalds, der mein nächstes Ziel ist. Ich will mich mit einem McD Menü für die Weiterfahrt in die Nacht stärken. Und wen treffe ich da: Wieder Adam! ich setze mich zu ihm, nach dem ich bestellt habe. Der Service ist echt nicht der schnellste und so habe ich mein Deluxe-Burger-Menu erst fast eine halbe Stunde nach Ankunft. Grmpf!

Gemeinsam brechen wir wieder auf, ich lasse Adam aber kurz darauf von dannen ziehen und fahre in meinem eigenen Tempo weiter.

Von dem Stausee sehe ich im Dunklen leider wenig. Selbst beim direkten Überqueren. Ein gutes Stück später beginne ich, nach einem Biwak-Platz für die Nacht zu suchen. Es geht auf Mitternacht zu und für heute ist es langsam genug. Zwar sind trotz der vielen Abfahrten heute irgendwie nur 223 km zusammen gekommen, also sogar 4 weniger als am kurzen gestrigen Tag, dafür war ich aber auch dreimal über 1800 m und beim Colle delle Finestre sogar auf über 2100 m. Und mit insgesamt 3.711 Höhenmeter wies der heutige Tag sogar 300 Höhenmeter mehr als die Stilfser Joch Etappe auf. Meine Route führt mich südlich von Gap durch ein kleines Tal. Da werde ich an einem Abzweig zum kleinen Örtchen Avançon kurz vor halb eins in der Nacht fündig. Eine schöne, etwas abseits von der wenig befahrenen Straße liegende, hölzerne Bushaltestelle. Genau so mag ich es.

Schnell richte ich mein Nachtlager ein und kann reine Netto 4,7 Stunden guten Schlaf bekommen. Der nächste Morgen grüßt mit genialem Morgenrot und einer tollen Aussicht. Was für ein schönes Fleckchen hatte ich da gefunden.

Was für ein Morgen!

Stint 6: Sightseeing with no Watts and frequent Photostops. Legs finally found in the afternoon again.

Dieses schöne Fleckchen will natürlich dokumentiert und der Morgenhimmel genossen werden. Auch esse ich lieber vor dem Losrollen etwas, noch in meine Jacke gehüllt und auf der Bank sitzend, als auf dem Rad. Da kann ich auch noch etwas Twitter und den Tracker checken.

Wenn ich mal so in die Exif-Daten meiner Fotos schaue: Das erste Foto direkt nach dem Aufstehen habe ich um 05:42 Uhr gemacht. Den Wahoo starte ich um 06:47 Uhr. Geht so. Etwas über eine Stunde für Aufstehen, Fotos machen (irgendwie sind 24 Minuten zwischen dem ersten und dem letzten zusammen gekommen…), anziehen und etwas frühstücken…

Ich rolle in den tollen Morgen los und finde schon 15 km später eine tolle Bäckerei hinter Tallard, direkt gegenüber des Flugplatzes Gap-Tallard. Hach, wenn es solche Bäckereien doch mehr gäbe. Die hatten wirklich eine tolle Auswahl schon so früh am morgen. Auswählbare Sandwich-Auflagen, fertig präpariert. Man braucht fast nur drauf zu zeigen. Was mir und meinem Schulfranzösisch auch sehr entgegen kommt. Trotzdem ende ich mit einem belegten und einem puren Baguette. Hmm – das war so nicht in Gänze beabsichtigt. ;-) Aber egal – das kann ich später am Tag noch gut gebrauchen. Hier esse ich jetzt erst mal mein leckeres Lachs-Crème fraîche Baguette und trinke Café au lait draußen im Freien. So würde ich meine Tage gerne öfters starten. Sowohl vom Wetter her als auch vom Kaloriengehalt und der Übereinstimmung zwischen Appetit und Angebot aus gesehen.

Ich twittere:

Leider werde ich nicht erhört.

Ich durchfahre die Drôme, um zur Provence und weiter durch sie entlang der Mittelmeerküste schließlich Richtung Pyrenäen zu gelangen. Schon 2 Stunden nach meinem Frühstück klettert das Thermometer über die 30 Grad Marke. Im Fahrtwind gemessen, wohlgemerkt. Um die Mittagszeit zeigt der Wahoo in der Spitze 49 Grad Celsius an! In der andauernden Fahrt! Also nicht, nachdem das Rad in der Sonne gestanden hätte. Vollkommen irre! Erst nach 10 Stunden Fahrtzeit sinkt die Temperatur erstmals wieder unter die 40 Grad Grenze.

Kein Wunder, dass ich mit gefühlten Null Watt daher rolle. Natürlich sind es mehr als null Watt. Aber auch nicht vielmehr. Lächerliche zweistellige Werte um 78 Watt zeigt mir der Wahoo. Und das ist kein Mess- oder Kalibrierfehler, das ist die bemitleidenswerte Tatsache. Aber was heisst, bemitleidenswert. Mir geht es ja gut und das Wetter ist toll und die Aussichten sind entgegen dem Durchfahren der Po-Ebene richtig inspirierend. Es kommt nur halt nichts aus den Beinen raus. Mit hoher Willensanstrengung werden es auf dem Flachen mal 100 oder 120 Watt, um kurz darauf wieder auf 70-80 Watt herunter zu fallen. Gott sei dank ist es wirklich flach, sonst würde ich kaum vorankommen.

Aber auch etwas anderes hindert mich – die Ausblicke sind schön und interessant.

Ich kreuze einen interessanten Kanal, den ich natürlich fotografieren muss. Es ist der Kanal der Èlectricité de France (Canal EDF)der die Durance begleitet und ihr in diversen Stauhaltungen aufgestautes Wasser zum Großteil für Trinkwasserversorgung, Energieerzeugung und für die landwirtschaftliche Bewässerung durch die Drôme und die Provence führt.

Kanal EDF
BAAC Bike against a Canal.

Im Örtchen Laragne-Montéglin besuche ich einen kleinen Lebensmittelmarkt für das auffrischen meiner Vorräte. Der Brunnen auf dem Marktplatz gibt Rätsel auf: Trinkwasser oder kein Trinkwasser?

Dann komme ich zur Schlucht der Méouge, den Gorges de la Méouge. Allem Anschein nach befinde ich mich auf der offiziellen Rad-Route „Tour de la Montagne de Chabre“ wie diverse angetroffene Hinweisschilder zeigen:

Wirklich ein sehr reizvoller Abschnitt meiner Strecke, an diversen Stellen halte ich für Einzel- und Panorama-Aufnahmen an:

Die Gorges de la Méouge

Kurz dahinter bin ich zwar noch nicht in der Provence, aber ich sehe schon erste Lavendel-Felder:

Lavendel.

Jetzt kommt auch der Kamm der provencalischen Voralpen in die Sicht. Wie ich solche Straßen und Straßenabschnitte liebe…

Drôme Roads like these…

Bevor ich sie aber erreiche, durchfahre ich das kleine Örtchen Séderon zur Mittagszeit. Im kleinen Spar-Markt hole ich mir Lebensmittel. Unter anderem Frischkäse und Salami, um etwas Ordentliches für mein Baguette von heute Morgen zu haben. Knappe 50 Minuten halte ich mich dort auf – zum Einkaufen selbst, zum im Schatten herumstehend Baguett schmierend und zum spazierend und die Beine lockernd Essen desselben. Eine Hälfte nehme ich mir fertig geschmiert für unterwegs mit.

Dann kommt endlich mal wieder ein Anstieg. Es gilt, den kleinen Col de Macuègne zu erklimmen. Oben auf seiner Passhöhe kann ich dann zum ersten Mal an diesem Tag den Mont Ventoux sehen:

Dann geht es zweihundert weiter Meter hinauf, zum Col de l’Homme Mort. Sein Name ist Programm! Doch eigentlich dann doch wieder nicht, denn der vorausgegangene Anstieg hat mir geholfen, meine Beine wieder von den Toten aufzuerwecken und langsam wieder ein paar vernünftige Wattwerte zu treten. Immerhin bin ich jetzt und auch im weiteren Verlauf des Tages wieder dreistellig und im Bereich zwischen 140 und 170 Watt unterwegs. Ab jetzt begleiten mich tolle weite Ausblicke auf den Mont Ventoux und ich komme nach Sault.

Weite Blicke über die Provence mit dem Ventoux im Hintergrund.

Der große Supermarkt am Ortseingang hat leider Mittagpause, so dass ich mir in dem touristisch überprägten Ortskern etwas suchen muss. Ich habe aber keine Lust, die überteuerten Preise des „Artisan“-Eisverkäufers zu zahlen oder mich in ein Café zu setzen. Statt dessen hole ich mir nur frisches Wasser und eine Cola in einer Bar und mache mich wieder vom Acker. Ich habe noch Gels und auch etwas von dem Baguette, dass muss erst mal reichen.

Leider komme ich nicht so schnell voran, wie erhofft. Und das hat einen besonderen Grund:

Rollsplitt! Argh! Das sieht auf dem Foto vielleicht noch harmlos aus, weil der Rollsplitt komplett dick und flächendeckend aufgebracht ist. Was das fahren darauf (da auch vorwiegend bergab) umso prekärer gemacht hat. Hinter Sault habe ich diesen Scheiss auf der gesamten Strecke der D 5 bis kurz vor Méthamis! 20 Kilometer Rollsplitt! Das war erschöpfend und nicht nur geistig, sondern auch körperlich anstrengend. Schließlich galt es keinen Fehler zu machen da jederzeit das Vorderrad ausbrechen und ich mit meiner gesamten Fuhre auf dem Boden hätte landen können.

Rollsplit aus der Hölle.

Endlich habe ich wieder normalen Asphalt unter den Rädern und den Ausblick auf das pittoresk auf einen Hügelkamm gebettete Örtchen Méthamis vor mir.

Methamis.

So pittoresk wie es ist, so verschlafen ist es aber leider auch. Ich fahre trotzdem hoch und der Hoffnung auf eine geöffnete kleine Epicerie folgend in den Ort hinein. Ja – sie ist da und hat offen! Gott sei dank. Eis, einen Apfel, Wasser und Cola wechseln ihren Aufenthaltsort vom Lebensmittelregal und Kühltruhe in meinen Magen, dann kann es weitergehen.

Klar, jetzt, wo ich einmal versorgt bin, kommen die Supermärkte quasi Schlag auf Schlag. Ich bin wieder in belebterem Gebiet südlich von Carpentras und fahre auf Avignon zu. Zwischendurch gibt es noch einen größeren Supermarkt-Einkauf und zugehörige Essensrast und dann erreiche ich die Stadt mit ihrer berühmten Brücke. Sur le pont, d’Avignon…

Sehr schön, wie sie sich im warmen Licht der Nachmittagssonne in der Rhone spiegelt:

Pont d’Avignon

Major Faffing in Avignon

In Avignon habe ich auch einen weiteren „Faffing“ Höhepunkt. To faff around heisst ja übersetzt: Zeit vertrödeln. Und Faffing Time ist deswegen ein ständiges Thema bei Bikepacking Rennen. Ruck zuck kommen über die diversen Stops eines Tages und über das ganze Rennen hinweg ganze Stunden und am Ende halbe Tage zusammen, die mit unnötigen Dingen vertrödelt wurden. Gut – manches ist sinnvoll und hilft, das Rennen und das Leben zu genießen, die Gegend in sich aufzunehmen (was man auch im Rennen nicht vernachlässigen sollte) und sorgen auch vielleicht dafür, dass der Hintern mal etwas Luft bekommt und die Beine vertreten werden. Und somit, dass im Fahren dann auch gute Watt gefahren werden können. Auf der anderen Seite ist vieles einfach nicht nötig und man ist einfach nur ineffizient oder gibt seinen (irrationalen) Verlangen nach. Das gehört dann abgestellt und verbessert.

Mein irrationales Verlangen war: ich hatte mich die ganze Zeit auf einen Milchshake versteift. Und in Avignon gibt’s ja einen McDonalds. Der war aber nicht auf meiner Route. Dafür hätte ich in die Innenstadt gemusst. Ich habe schon die ganze Anfahrt mit mir gerungen und habe dann kurz vor der Brücke über die Rhone entschieden – ok, ja, ich fahre einfach mal rein. Die Zeit muss sein… Was soll ich sagen. Natürlich ist man nicht ganz so fix von der Ringstraße um die Stadtmauer dann in der eigentlichen Innenstadt. Dann ist da überall Kopfsteinpflaster. Und zum Übermaß war da auch gerade die ganze Innenstadt zu einem einzigen Open Air Street Music Festival umgestaltet. Die Musik war ja cool, aber das Durchkommen auch nicht ideal. Und als ich endlich vor dem McDonalds angekommen war, musste ich feststellen, dass das ja so ein Innenstadt McD war. Will heissen: in einem normalen Geschäftshäuser, direkt an der sehr bevölkerten Einkaufsstraße, ohne Möglichkeit, das Rad irgendwo anzuketten oder es während des Bestellprozesses im Blick zu haben. Das wollte ich nicht. So bin ich unverrichteter Dinge wieder von dannen gezogen.

So habe ich ganze 20 Minuten verbraten. Hört sich jetzt nicht so furchtbar viel an. Aber für nichts und wieder nichts und nur wegen einer fixen Milchshake-Idee schon blöd. Und deswegen musste ich ja trotzdem kurz drauf doch noch einmal irgendwo anhalten, um weitere Verpflegung aufzunehmen.

Das war dann kurz hinter Avignon in Aramon. Da hatte ich kurz vor Schließung noch einen Supermarkt mit sehr guter Auswahl entdeckt. Yess! Ordentliche Verpflegung! Endlich vernünftigen Kuchen gefunden. Habe dann auch fast den ganzen Inhalt der Kuchenschachtel auf einmal gegessen. War auch gut so. :) Und von dem Eiscafé hätte ich mir noch 2 Becher holen sollen.

Den Rest des Kuchens habe ich in der zusammengefalteten Schachtel unter die Spannriemen der Ortlieb Satteltasche geklemmt.

Ab jetzt mache ich wieder und weiter guten Fortschritt. Die Strecke ist total flach, aber nicht langweilig. Meine Route verläuft über schöne kleine und total ruhige Sträßchen. Nîmes werde ich südlich passieren. Noch bevor ich auf seiner Höhe bin, geht langsam die Sonne unter, ich bin super gelaunt und das laute Zirpen von abertausenden Zikaden bildet den Akkustikteppich dazu. Ist aber interessanterweise nur gerade mal halb so laut wie tagsüber entlang des Comer Sees. Da kommt mir die Idee, warum nicht mal dieses Live-Video-Feature von Instagram ausprobieren? Da ploppen dann auch schon die Accountnamen hoch, die sich in den Feed geschaltet haben. „Wie, du bist live!?“ „Gute Fahrt!“ usw. Schon ganz nett, aber sicher ausbaufähig von meiner Seite. ;-)

In meinem Cue-Sheet steht als nächstes „Lunel, McD an Route (Mi 10-22, Do 10-04, Sa 24h, So 00-04)“. Heute ist Donnerstag, da sollte er also bis 04:00 Uhr in der Nacht geöffnet haben. Als ich dort aber 16 Stunden nach Fahrtantritt am Morgen ankomme und mein Rad schon draußen angeschlossen habe, stehe ich vor geschlossenen Türen. Hmm. Doof – doch schon zu? Es stellt sich heraus, das wenn überhaupt, nur noch der McDrive offen hat. Sehr komisch. Kann aber passieren, war in dieser Gegend auch nicht tragisch – es gibt genug Alternativen. Kaum drehe ich mich um, steht da der Michael hinter mir! Großes Hallo und Nanu – du hier? Ich dachte, er wäre schon viel weiter. Es stellt sich heraus, er hatte diverse Pannen und etwas größere Probleme mit seinem Rad, die er morgen unter Aufsuchen eines Radladens versuchen wollte zu beheben. Jetzt war er auf der Suche nach etwas zu Essen. Oh na gut – dann eben zurück zur Hotelbar, waren seine Worte… ;-)

Ich mache mich zurück auf mein Rad. In der Innenstadt von Lunel komme ich an einem geöffneten Imbiss vorbei und hole mir da etwas, dann geht es weiter. Aber nicht mehr viel. Es ist schon spät und ich peile mein Nachtbiwak wieder so für Mitternacht an. Deswegen beginne ich ab dem nächsten Ort nach Lunel, nach passenden Schlafplätzen Ausschau zu halten. Das ist Lansargues. In der Dunkelheit sehe ich natürlich nicht viel davon, aber es scheint recht interessant und pittoresk zu sein. Aus einzelnen Kneipen und hinter Mauern ertönt Live-Musik, aber die Straßen sind alle eng und die Gassen lassen keinen Raum für Bushaltestellen oder ähnliches. Sie geben aber ein gutes Motiv ab. An einer Hausecke muss ich schließlich anhalten und einfach ein paar Bilder meines Drifter im Laternenschein machen. :)

Straßenecke in Lansargues

Skepsis in Mudaison

Hinter Lansargues folgt Mudaison. Da finde stoße ich auf meiner Route recht bald auf Vielversprechendes. Weiss es aber nicht so recht einzuordnen. Es ist ein großes Industriegebäude auf einem semizentralen Platz. Sieht schon älter aus. Eigentlich so nach Industriedenkmal. An einer Seite zwei vorgesetzte Gebäudeteile, überdacht verbunden mit dem Hauptteil und direkt vom offenen, etwas geschotterten Platz zu erreichen. Eigentlich ideal, um sicht- und windgeschützt unterzukommen. Und trocken wäre es obendrein, obgleich das heute nicht von Sorge ist. Trotzdem umzirkle ich das Gebäude misstrauisch. Auf der anderen Seite dringt leichter Maschinenlärm nach draußen. Ist es also doch noch in Benutzung? Das letzte, was ich will, ist, irgendwo herumzuliegen, wo um 05:00 die Frühschicht ankommt oder mich der Lieferverkehr überrollt. Vis-a-Vis ist etwas, was wie eine Gemeindehalle aussieht. Aber direkt davor läuft auch ein beleuchteter Spazierweg. Überhaupt ist das hier so ein bisschen wie ein Park aufgemacht. Bei der zweiten Runde folge ich dem Spazierweg und komme auf einen ganz frisch errichteten Parkplatz. Die Parkflächen sind schon markiert, aber er ist noch von allen Seiten bau-umzäunt. Hier kann also keiner mit irgendeinem Gefährt, nicht mal Roller, hinkommen. Außer, er kommt über den Spazierweg und hängt dann in der Sackgasse. Ok, denke ich – dann kann ich mich genau hier auch in eine Ecke direkt unter freiem Himmel legen.

Ich schaue mir mein an die kleine Mauer zum Nachbargrundstück gelehntes Fahrrad an. Hmm – die ganzen Reflektoren… Ich habe keine Lust, dass mitten in der Nacht irgendwelche Halbstarken mit ihrem Moped durch den Park fahren und mein Rad wie ein Christbaum aufleuchtet. Deswegen lege ich notdürftig ein paar Feuchttücher um die direkten Reflektoren. Mehr für meine eigene Beruhigung als für wirklich effektiven Nutzen.

Offener habe ich bisher noch nicht biwakiert. Es war aber auch wieder eine gute Nachtruhe. Man wundert sich aber, wie früh schon an solchen Orten auch die Menschen wieder aktiv werden. Noch beim anziehen sehe und höre ich hinter der Gemeindehalle ein paar Jugendliche mit ihren Mopeds herumfahren…


Stint 7: Thunderbolt and Lightning, very, very frightening- Pyreneo! Oh Pyreneo Figaro!

Nicht nur deswegen mache ich mich fix vom Acker – aber nicht ohne noch auf einer Bordsteinkante neben meinem Schlafplatz hockend ein kurzes Frühstück zu verzehren. Ich glaube, ich hatte da ein paar Milchbrötchen mit Fleischwurst, fertig abgepackt im Doppelpack.

Wer errät die Inspiration für die Überschrift des heutigen Stints? Tipp: Es ist eine nur leicht abgewandelte Songzeile von Queen…

Auch heute geht es weiter entlang der Küste. Aber wohlweislich nicht direkt an ihr. Die kürzeste und gerade Route liegt etwas Inland und jeglicher Wind wäre an der direkten Küste nur noch stärker. Das habe ich natürlich schon bei der Planung meiner Route berücksichtigt. Und Gegenwind herrscht heute in und um Narbonne nicht zu knapp! Narbonne ist mein erstes Ziel heute, nach dem ich nach dem Start direkt durch Montpellier fuhr. Dort fand ich auch eine frühmorgens schon offene Boulangerie. Leider mit wesentlich weniger vielfältigem Angebot als die gestern südlich von Gap. Also müssen es schon am Morgen ein paar Süßspeisen tun. Pain au chocolat und irgendwelche gefüllten Kringel.

In Narbonne muss ich mich auch für eine meiner zwei geplanten Routenvarianten entscheiden.

Die „Nordroute“ würde mich quer durch die Corbieren direkt in die Pyrenäen führen und ich würde über Ax-les-Termes auf direktem und kürzesten Wege nach Andorra gelangen. Muss dafür aber auch den höchsten Pyrennen-Pass überqueren. Das ist nämlich nicht der Tourmalet. Nein, das ist der Port d’Envalira in Andorra mit 2407 m über dem Meer. Mithin viel höher als der in Andorra danach zu erreichende CP 3, Arcalis-Ordino mit 2229 m ü. M. Schön einsam und mit erwartbar geringstem Verkehr. Landschaftlich möglicherweise interessanter und auch etwas kürzer. 23 Kilometer. Dafür mehr Höhenmeter, 1850 m mehr, als die „Südroute“. Diese würde über die vermeintlich viel befahrene N116 führen und man muss dafür auch an Perpignan vorbei, hat aber auch eine bessere Versorgungslage.

Da die beste Option also von der Tageszeit abhing, zu der ich dort angelangen würde (am späten Nachmittag hätte ich auf der Nordroute nicht erwarten können, offene Läden finden zu können, wenn überhaupt Läden) und ich auch das Wetter abwarten wollte, hatte ich beide Routen vorgeplant. Aufgrund der Tageszeit und der Wetteraussichten entschied ich mich für die etwas direktere, dafür kletterbetontere und ruhigere Nordroute, die mir auch mehr von Andorra zeigen würde. Denn bei der Südroute hätte ich bis La Seu d’Urgell südlich von Andorra fahren müssen und dann von dort nach Norden in Andorra hinein, nach Andorra La Vella und weiter bis zum CP3 und dann genau dieselbe Strecke wieder zurück bis La Seu.

Also rein in die Pyrenäen, Johoo! :) D.h. zuerst durchquere ich die vorgelagerten Corbières, wie ich nach dem Rennen lerne. Während dem Rennen frage ich mich beim ersten Passschild seit langem, ob ich schon in den Pyrenäen bin oder noch nicht. Noch nicht, weiss ich jetzt. Ich stehe auf dem Col de Bédos mit ganzen 485 m über dem Meeresspiegel. Es ist immer noch windig und es zieht sich leider zunehmend zu.

Auf dem Col de Bedos.
Dunkle Wolken über den Corbieren.

Ich bin hier schon in der Region Okzitanien und genauer, im Departement Aude. Benannt nach dem Fluss Aude. Später werde ich in das Ariége, ebenfalls nach seinem Fluss benannt, kommen.

Im kleinen Ort Mouthoumet finde ich eine geöffnete Epicerie und versorge mich da. Beim wieder vor die Tür treten beginnt es zu tröpfeln. Bäh. Also lieber schon mal die Überschuhe an und die Regenjacke herausgeholt und bereit gelegt. Kurz nach der Weiterfahrt muss ich sie dann doch auch schon anziehen. Wetterleuchten und Grummeln voraus. Oder doch südlich meines Weges? Wenn man das in den Pyrenäen sieht und hört, sollte man sofort Schutz suchen. Aber hilft ja nichts – einfach anhalten und warten und dann kommt vielleicht doch nichts? So kommt man in Bikepacking-Rennen nicht voran. Und – es gab eh nichts. Nur die schmale, sich entlang von Felsen und unter Bäumen windende Straße. Der Regen wird stärker. Doch das Wetterleuchten scheint hinter der Bergkette südlich von mir zu bleiben. Deswegen durchfahre ich auch den nächsten Ort, Albières. Doch kurz hinter ihm geht der Schutt richtig los und das Gewitter ist über mir. Shit! Die Gore shakedry Regenjacke hält stand und ist toll. Aber durch den Helm ist sofort die Racecap durchweicht, es tropft von oben in den Nacken und die dicke Seatpack hält zwar zuverlässig Regenspray von Straße und Hinterrad vom Hintern fern, aber die Jacke ist jetzt nicht so furchtbar lang im Rücken, als dass sie auch wirklich den ganzen Po bedeckt.

Zurückfahren ist keine Option, ich habe eine schnelle Abfahrt hinter mir. Voraus kommt immerhin ein Abzweig zu einem kleinen Sackgassen-Örtchen, zeigt die Karte auf dem Wahoo. Vielleicht ist da was. Ja – eine Bushaltestelle. Gott sei Dank – über mir zucken die Blitze und ich will raus aus dem direkten Schutt. Eine dreiviertel Stunde warte ich in der einsamen Bushaltestelle das Gröbste ab.

Auch hier bin ich froh, dass ich die Regenjacke ausziehen und statt dessen die warme Micropuff-Jacke aus der Seatpack ziehen kann. Ich wäre jetzt ohne sie zwar nicht wirklich ausgekühlt, aber es wäre längst nicht so angenehm gewesen. So konnte ich da beruhigt sitzen und wirklich auch kurz erholen anstelle Energie für’s Herumzappeln aufzuwenden.

Als das Gewitter aufgehört hat und zu einem normalen, leichten Regen geworden ist, breche ich wieder auf.
Leider begleitet mich der Regen noch eine ganze Weile. Deswegen ist der Col de Paradis gar nicht so paradiesisch.

Oder doch? Jedenfalls erblicke ich von ihm erstmal die Sonnenkannte mit goldenem Spätnachmittagslicht. Diesen Blick habe ich jetzt die ganze folgende Zeit vor mir. Den Regen aber weiterhin noch über mir.

Meine Route ist trotzdem sehr schön, führt jetzt direkt entlang der Aude durch frischgrüne Wiesentäler. Im Örtchen Campagne-sur-Aude komme ich am frühen Abend an einer noch offen scheinenden kleinen Epicerie vorbei und halte an, binde mein Rad an. Man bedeutet mir aber, dass jetzt schon geschlossen wäre. Ich muss wohl etwas entäuscht geschaut haben denn sofort wird die Frage nachgeschoben, was ich denn bräuchte. Man könne mir gern noch ein Sandwich machen. Na da schau – ja gerne! Sofort wird die Mama und oder Schwiegermama gerufen und man lädt mich in den Laden ein, wo frische Schinkenscheiben von der Keule geschnitten und auf ein gut gebuttertes Sandwich drapiert werden. Ich bekomme noch Vorträge über die wertvolle Butter und ein paar Geschichten über die Epicerie und den Ort erzählt. Außerdem bekomme ich eine alte Ansichtskarte des Ortes geschenkt, die ich tatsächlich gerne einstecke. Und hoffe, dass sie hinter dem Kamerabeutel halbwegs schweissgeschützt ist. Zum Abschied drückt man mir allen ernstes noch einen schimmeligen Pfirsich in die Hand. Der sei wirklich gut und der Schimmel gar nicht schlimm. Ähhhhh… Ich bedanke mich auch dafür, versuche den Pfirsich halbwegs würdevoll und nicht wie strahlenden Sondermüll zu halten und schwinge mich auf mein Rad. Nach der nächsten Hausecke feuere ich ihn dann in den nächsten Garten… Das war aber trotzdem sehr nett und ich habe jetzt wieder etwas zu kauen.

Kurz darauf und immer noch im Department Aude geht es jetzt aber wirklich in die Pyrenäen hinein. Nördlich von Quillan erklimme ich den 890 m hohen Col de Coudons. Es ist die kleine D613, die in der weiteren Folge zum unmittelbar vor Ax-les-Termes liegenden Col de Chioula führt. Das ist die nördlichste von drei möglichen Passüberquerungen nach Ax-les-Terme. Und gleichzeitig die niedrigste. Etwas südlich davon liegt der Col du Pradel, der ebenfalls sehr reizvoll, aber noch deutlich kleiner und noch etwas abgelegener auf in der Karte und auf Google Streetview aussah. Und noch weiter südlich, daher mit längerer Wegstrecke und Umweg versehen und auch der höchste der drei Möglichkeiten, liegt der Col de Pailheres. Der wiederum soll zu den schönsten der Pyrenäen zählen, doch aus den genannten Gründen hatte ich ihn nicht in meiner Routenplanung berücksichtigt.

Das und mal wieder einen sehr schönen Sonnenuntergang zeige und erzähle ich bei meinem zweiten Instagramm-Live-Video. Kurz nachdem ich erleichtert feststelle, dass die zwei Schäferhunde, die da bellen und angerannt kommen, auf ihrer Seite des Gott sei Dank vorhandenen Zaunes bleiben. Puh – Hütehunde in den Bergen. Damit soll überhaupt nicht zu Spaßen sein! Dann lieber noch Streuner in Rumänien. Da wäre auch der Fluchtweg flach und nicht ansteigend wie hier…

Mittlerweile ist es auch schon länger wieder trocken und ich versuche vergebens, meine Racecap vorne über der Aerobar-Spitze baumelnd zu trocknen. Jetzt muss sie da weg, ich brauche die dahinter liegende Leuchte. Ich höre ja selten Musik beim Radfahren, habe aber schon in den unteren Bereichen des Col de Coudon das iPhone auf Laut gestellt und höre meine Metal Playlist in die Nacht hinein. Das hilft bei den Watt, mit denen ich hier auch ganz zufrieden bin.

Ich will in der Nacht noch guten Fortschritt erzielen. Ax-les-Termes muss sein! Aber da werde ich zum nachtschlafender Stunde kaum etwas bzw. garantiert nichts Vernünftiges finden. Und ein Hotel mit Dusche wäre jetzt nicht nur mal wieder an der Reihe sondern nach dem nassen Tag auch ganz angebracht. Eigentlich ist es ja nur noch der Col de Chioula und dann der Pass hoch nach Andorra hinein (hüstel, der höchste Pyrenäenpass ja nur). Und in Andorra gibt’s doch bestimmt Hotels mit 24-Stunden-Rezeption. Ja, gibt es, wie mir die Booking.com App zeigt, die ich im Aufstieg zum Coudon im Fahren durchsuche. Hmm, wann mag ich da ankommen? In einem Anflug von völliger Fehleinschätzung male ich mir so zwei Uhr nachts aus und muss dabei wohl zig Kilometer und mal mindestens 1000 Höhenmeter völlig außer acht gelassen zu haben. Ich telefoniere also im Fahren voraus nach dem ausgewählten Hotel in Andorra (nicht etwa im Grenzort Pas de la Casa sondern noch weit dahinter) und vergewissere mich, dass die heute wirklich rund um die Uhr besetzt sind und bestelle ein Zimmer… Nun, zu einer Übernachtung dort sollte es nie kommen, soviel sei vorausgeschickt.

Die Nacht und die D613 zieht sich wie Kaugummi. Es folgt erst einmal ein längeres Flachstück, was sich aber im Dunklen und jetzt langsam wieder einsetzenden Regen wie eine false Flat anfühlt. In Antizipation auf weitere nasskühle Kilometer, zunehmender Höhe und dann einer kalten Abfahrt halte ich an passender Stelle an, um auf dem Boden hockend meine Beinlinge anzuziehen. Kalten Zugwind unter dem Helm und das mit nassem Kopf will ich vermeiden. Ich fahre ja sonst auch nie ohne Kappe, da wäre mir das unter diesen Umständen schon mal gar nicht zuträglich. Die Racecap ist aber noch total nass. Also hole ich meinen Buff heraus, nutze ihn als Skullcap und als Regenschutz nehme ich einen 1 l Ziplock-Beutel, den ich von innen gegen die Luftschlitze meines Kask Protone Helmes lege. Auf die Art und weise habe ich einen angenehm warmen und trocken Kopf. Sehr nice!

Hier habe ich den gerade geschilderten Hack nach der Ankunft in Ax-les-Termes fotografiert.

Bei Belcaire beginnt nun der Col de Chioula. Denke ich. Jedenfalls geht es richtig nach oben. Das ist er auch tatsächlich schon. Aber nach einer ersten Passhöhe folgt erst einmal wieder ein Stück Abfahrt nach Prades und dann geht es von dort aus weiter nach oben. Und es zog und zog sich. Zwar bin ich schon oft in der Nacht gefahren, auch bergauf, aber noch nie einen alpinen Pass. Kaugummi ist nichts dagegen. Mittlerweile war ich bei Podcast angelangt und höre eine ganze Folge von Johannas Wundersamer Fahrradwelt (Hört mal rein, wenn ihr das hier lest, seid ihr sicher Bikepacking-Affin und das ist einer der Schwerpunkte von Johannas noch jungem Podcast). Ausgerechnet natürlich nicht in der Folge, die ich da höre, da geht es um die Puncheurz in Hamburg.

Dann ist irgendwann der Podcast zuende und ich bin auch fast oben auf der Passhöhe. Jetzt muss sie doch kommen? Nein, noch eine Kurve. Doch da, da leuchtet was im Scheinwerferlicht. Ja, das ist das Passschild. Endlich! Ich präsentiere – mein erstes Fahrrad-vor-Passschild-Foto in der ratzedunklen Nacht:

Col du Chioula in der Nacht.

Jetzt die wärmende Kunstfaserdaunen-Jacke angezogen und hinein in die Abfahrt nach Ax-les-Termes. Und auch die warmen Handschuhe. Trotzdem ist es saukalt und ich lasse halb wegen der Sichtweite meines Lichts und halb wegen der Kälte die Geschwindigkeit auf „halbgar“. Im hellen wäre ich sicher in der Hälfte der Zeit unten angekommen. Endlich komme ich in den Bereich der ersten Häuser von Ax-les-Termes. Längst habe ich realisiert, dass ich mich früher mit der Hotelsuche in Andorra krass verschätzt hatte. Schon Ax-les-Termes war ein sehr ambitioniertes Tagesziel, dass ich sehr froh war zu erreichen. Damit hatte ich sehr viel Boden gutgemacht. Mir war aber auch klar, dass ich mitten in der Nacht – es war kurz nach 02:00 Uhr – keine Unterkunft mehr vorfinden würde. Ich wusste aber, dass es einen Campingplatz etwas außerhalb gibt und setzte meine Hoffnungen darauf, dort ein unverschlossenes Wasch- und Toilettenhaus vorzufinden. Bingo!

Um 02:18 Uhr kann ich den Wahoo stoppen. Tagesziel erreicht. Ich finde besagte Gelegenheit und schiebe mein Rad in die hinterste der Duschkabinen, wo ich gerade genug Platz für das Rad und meine Schlafmatte finde. Jedenfalls habe ich alles, was ich brauche: Trockenheit, Wärme, fließendes Wasser und eine Toilette. :)


Stint 8 – Screw this, sick of the rain

Am frühen Morgen höre ich jemanden, der sich anschickt, die Duschen zu putzen und überlege mir schon, wie ich denjenigen Begrüßen soll bzw. wie der oder diejenige wohl reagieren wird. Aber anscheinend wird nur der Bereich zwischen Waschbecken und Duschkabinen-Türen geputzt? Eigentlich erwarte ich, dass unter den aufgeständerten Türen trotzdem zu sehen ist, dass da jemand liegt. Aber nichts passiert. Hmm, na gut – wach bin ich ja eh und bevor besonders frühe Camper hier aufschlagen… Schnell packe ich soweit alles zusammen und mache das Rad soweit abfahrbereit. Dann nutze ich aber noch die Toilette und erst dann ziehe ich mich komplett an. Gerade rechtzeitig, um vor den Augen des ersten verdutzt blickenden Campers mein Rad aus den Duschräumen zu schieben.

Jetzt ist es 07:12 Uhr und ich starte den Wahoo. Geschlafen bzw. gedöst habe ich effektiv nur 3,5 Stunden. Direkt gegenüber der Campingplatz-Einfahrt sehe ich auch schon eine Boulangerie und halte direkt wieder an. Hier gibt’s erstmal Frühstück:

In der Boulangerie gegenüber vom Campingplatz.

Der Himmel sieht gar nicht gut aus, als ich wieder nach Ax-les-Termes hinein und auf meine Route rolle. Jetzt geht es erst mal hoch. Nur hoch. Die ganze Strecke bis nach Pas de la Casa, dem ersten Ort in Andorra und gleichzeitig die Grenze. Es ist der Anstieg zum Port d‘Envalira. Und kurz hinter Ax-les-Termes fängt es auch schon wieder an zu regnen. Ich nutze die Galerie, aus der ich gerade erst heraus gekommen bin, um mir im Trockenen die Überschuhe anzuziehen, die Regenjacke hatte ich schon an, und fahre weiter. Der Regen hält sich nicht mit Vorgeplänkel auf sondern wechselt sehr direkt in einen guten Schutt über. Und bleibt so. Die. Ganze. Zeit! Stoisch radle ich nach oben.

Ein sich unter nebelverhangenem Nadelwaldhang im ruhigen Wasser spiegelndes Krafthaus der EDF – Centrale hydroélectrique de Mérens motiviert mich wenigstens mal kurz das iPhone (aber nicht meine normale Kamera) aus der Tasche zu ziehen und ein paar Fotos zu machen, dann radle ich weiter.

Ein Wasserkraftwerk an der Ariege.

Unterhalb von Pas de la Casa habe ich aber wirklich die Faxen dick! Gestern schon durch den Gewitterschutt und dann noch lange folgend im Regen gefahren und im Grunde nur auf Fließen gedöst und jetzt schon wieder komplett eingeweicht. Die Wettervorhersage verheisst nichts gutes für den weiteren Tag. So hätte ich zwar noch eine ganze Weile bergauf fahren können. Aber dann ab 2400 m in so einem Wetter abfahren ist wahrlich kein Zuckerschlecken. Gewittern soll es auch noch. Bah nee – Google Maps wird am Ortseingang von Pas de la Casa fluggs nach Hotels gecheckt. Die Auswahl ist gut und Preiswert. 30 Euro für die Nacht? Würde ich jetzt allein für eine heisse Dusche bezahlen. Nehme ich! 5 Minuten später stehe ich vor der Rezeption und checke ein. Mein Rad ist gar kein Problem, Haleluja! Es ist 10:57 Uhr und ich bin fertig für den Tag! 33 km waren das nur. Und 1326 Höhenmeter. Das ist mal ein ordentlicher Bergfaktor.

Zwar werde ich mit dieser Entscheidung über den Nachmittag noch zwei, drei mal hadern, weil auch das Wetter natürlich gar nicht so schlecht ist, wie vorhergesagt, aber das sah dann auf der anderen Pass-Seite doch ganz anders aus, wie auch die Instagram-Shots und Gruppen-Nachrichten anderer Rennteilnehmer zeigten. Nein, dann doch lieber ausführlich mein Kit waschen, alles komplett trocknen und mir selbst auch Ruhe gönnen.

Das habe ich dann auch ausführlich getan. Nach der ausgiebigen Dusche habe ich im Hotelbistro erst einmal ausgiebig rehydriert. Und zwar mit warmen wie mit kalten Getränken, Und nicht nur Cappuccino, sondern auch zwei Minztee, in die ich noch von meinem mitgebrachten Ingwerextrakt zugab:

Wilde Mischung aus Warm werden, Flüssigkeitshaushalt ergänzen, Genuss und Erkältungsvorsorge: zwei Cappucino, 2 Tee, Ingwerextrakt (soll ja keiner sagen, ich wäre nicht vorbereitet gewesen), Radler, bereits verputzte Schokohörnchen.

Dann erkunde ich erst mal Pas de la Casa. Ich muss schließlich auch Verpflegung für morgen kaufen, denn das soll ein großer Tag werden. Es ist strahlender Sonnenschein vorhergesagt (was mich mit zu meiner Entscheidung gebracht hat, den folgenden Tag abzuwarten) und ich will schon in aller Frühe aufbrechen. Aber das Einkaufen ist in Pas de la Casa leichter gesagt als getan. Was für ein gräßlicher Ort, der nur aus Supermärkten für das zollfreie Einkaufen aus Frankreich und Spanien heraus zu bestehen scheint. Und in diesen Supermärkten nur Großgebinde von allem möglichen, was man nicht brauchen kann. Waschmittel, Alhohol, Zigaretten und Tabak. Ich werde dennoch fündig und kann mir im Hotelzimmer schon mal mundgerechte Portionen für das Essen im Fahren vorbereiten:

Nach dem All you can eat Abendbuffet im Hotel geht es früh ins Bett und am nächsten Morgen früh wieder raus.

Um 05:35 Uhr stehe ich unten an der nun durch Sperrgitter abgesperrten Rezeption und lege den Schlüssel da hin. Um 05:38 Uhr fahre ich draußen los.

Das Drifter vor der Hotelrezeption.

Stint 9: Finishing it up: straight from Andorra to Barcelona

Es gilt noch, einige Höhenmeter bis zur Passhöhe des Port d‘Envalira zu überwinden. Nach zwei Kehren bin ich erst einmal oberhalb von Pas de la Casa und kann den noch schlafenden Ort fotografieren:

Das noch schlafende Pas de la Casa.

Dann nähere ich mich der Passhöhe vor der vor mir im Nebel die Lichter einer Tankstelle leuchten. Ahh, mehr Frühstück als die paar Nougatstücke, die ich mir im Hotel noch vor dem Start eingeworfen habe. Der Tankstellenwart ist leicht mürrisch, aber ich finde, was ich brauche. Abgepackte Dreiecks-Sandwiches aus der Kühlteke und Eiscafé – besser als nichts.

Tankstelle vor der Morgendämmerung auf der Passhöhe des Port d‘Envalira.

Gegenüber der Tankstelle ist dann auch schon die Passhöhe. Eine knappe Stunde nach dem Start bin ich oben. Ganze 3 Grad Celsius hat es:

Passhöhe erreicht. 3,1 Grad Celsius.

Es folgt eine tolle und lange Abfahrt in das Herz Andorras hinein. Die Wolken reissen auf und die Sonne kommt hinter den Bergen hervor. Es wird ein toller sonniger Tag mit strahlend blauem Himmel! Alles richtig gemacht! Es wird aber den ganzen Tag ein recht kühler Wind in Andorra herrschen. Besonders in den oberen Bereichen des Arcalis. Zuerst einmal habe ich einen weiteren Pass zu überqueren. Den Col d’Ordino. Der war mir lieber, als ganz bis nach Andorra La Vella abzufahren und dann von dort aus hoch nach Ordino und weiter zum CP 3 zu radeln. Da habe ich lieber gar nicht mal so viele Höhenmeter drauf gepackt und dafür noch einen Pass in Andorra mitgenommen. Und mir auch gleichzeitig die gräßliche Auffahrt aus Andorra la Vella hinaus erspart, die Quäldich.de als den Horror Gorja de la Grella bezeichnet. Und der Col d’Ordino hat sich wirklich gelohnt.

Kurz hinter der Passhöhe. Was für eine einladende Abfahrt!

In Ordino angelangt, biege ich dann auf die Straße Richtung el Serrat und Norden ab. Irgendwo entlang dieser beugt sich ein junger Mann aus einem Fenster und ruft „Come on! Barcelona!“ und dann seine Freundin hinterher „Barcelona! Juuuuuu!“. Ich muss lachen und winke zurück. Anscheinend sind hier schon genug komische Radfahrer mit weissen Kappen und Nummern drauf samt Gepäck am Rad vorbeigekommen, dass die beiden neugierig wurden und einen mal gefragt haben, was die so alle hier vorhaben.

Hinter el Serrat nimmt dann die Steigung zu und führt nach Westen in das Tal an dessen oberen Ende die Bergstation Arcalis liegt. Hinsichtlich der asphaltierten Route ist dort eine Sackgasse. Und genau das Ende des Asphalts ist, wo der dritte und letzte Checkpunkt des Three Peaks Bike Race liegt: Ordino-Arcalis.

Anstieg zur Bergstation Arcalis.

Dreimal besuchte die Tour bisher den Anstieg zu Arcalis. Das erste Mal 1997, das Jahr, in dem ein junger Deutscher zum ersten und bisher einzigen Mal die Tour de France gewann! Und hier, nach der Bergankunft in Arcalis, streifte er sich damals zum ersten Mal das gelbe Trikot über. Radsportgeschichte Hautnah!

Diese Gedanken kamen sofort hoch, als ich zu diesem passend gestalteten Tunnel mit dem Straßengrafitti „Ulle 4ever“ gelangte. Das war ein zu gutes und tolles Motiv, um es nicht zu fotografieren. Beim Thema „Ulle 4ever“ kamen mir aber natürlich sofort auch andere Gedanken. Einerseits tolle Erinnerungen an die damaligen Tour de France Übertragungen, die ich mir sehr gerne angesehen habe (auch heute noch übrigens). Auch und gerade wegen der tollen Landschaften. Und damals gab es auch immer noch Zwischeneinspieler mit dem Besuch und dem Nachkochen von typischen Gerichten der Region in ARD und ZDF. Hach, tolle Zeiten.

Auch der Wettbewerb zwischen erst Jan Ullrich und Marko Pantani und später zwischen ihm und Lance Armstrong waren toll. Nun – natürlich wussten wir schon sehr bald darauf, dass dies eine EPO-durchdrungene Zeit war. Spätestens mit dem Festina-Skandal. Von den drei genannten Protagonisten sind zwei sehr tragische Figuren (oder waren es, im Falle von Marco Pantani) und eine ein komplettes Arschloch (falls da Fragen offenbleiben – natürlich spreche ich bei letzterem von dem einzigen Nicht-Europäer im Bunde).

Ulle 4ever

Aber mit all dem traurigem Kopfschütteln darüber, das ich im Geiste durchführe wenn ich an Jan Ullrich und seinem Absturz aus dem Sportolymp und dem Absturz im Leben denke (und da schüttele ich meinen Kopf gleichermaßen über ihn wie auch über seine Berater und über das öffentlich-rechtliche deutsche Fernsehen – nein, ich korrigiere mich – ich schüttele meinen Kopf in der Tat noch mehr über das scheinheilige und mitinvolvierte öffentlich-rechtliche TV in Form von ARD und ZDF) kann ich doch nicht anders und muss die hier an diesem und anderen Bergen erbrachte Leistung und den vergossenen Schweiss anerkennen. Genau wie die errungenen Erfolge und die Geschichte, die hier gemacht wurde.

Schon dreimal war Ordino-Arcalis Schauplatz der Tour de France.

Einige Kehren später komme ich an diesem Kreisgebilde vorbei. Es nennt sich „Arcalis 91“ und ist ein Kunstwerk des Künstlers Mauro Staccioli. Der Kreis soll die Perfektion und die Unendlichkeit versinnbildlichen:

Unendlich ist der Anstieg glücklicherweise nicht. Kurz darauf bin ich oben angelangt und kann gleich zwischen zwei „Passhöhenschildern“ wählen. Natürlich wähle ich nicht, sondern fotografiere kurzerhand an beiden. :)

Hier gibt es sogar offizielle Strava-Segment-Schilder, wie praktisch.

Danach gehe ich in die Bergstation-Gaststätte und schaue mich um. Ah – ein Crépes-Stand. Ist der schon an, kann ich jetzt schon welche haben, frage ich am frühen Vormittag. Ja, kann ich. Dann nehme ich direkt zwei und einen Café con Leche, por favor!.

Danach dann aber lieber auch noch einen hausgemachten Joghurt und einen Riegel. Und ich bekomme zwei Saft nachgereicht, die gäbe es nämlich zu den bestellten Crêpes normalerweise noch dazu.

Lecker Crêpes und Café con Leche.

Prima, dann kann es ja jetzt in die Abfahrt gehen. Mal schauen, wann und ob ich im Laufe des Tages die beiden Teilnehmer, die mir allerdings schon früh unten im Anstieg nach Arcalis entgegen gekommen waren, irgendwann einholen kann. Erst mal genieße ich aber Andorra! Pas de la Casa war gestern wirklich kein gutes Aushängeschild für das kleine Fürstentum, bzw. besser, Principat Andorra. Heute sind die Gebäude und Orte viel interessanter und erinnern mich allesamt an die Schweiz. Man merkt, hier ist viel Geld verbaut. Reizvoll finde ich auch, dass sich vieles in erdigen Naturstein-Brauntönen abspielt.

Rustikale Kapelle, hübsch-saubere Orte.

Die Verkehrsinfrastruktur ist natürlich irre dicht. Aber die vielerorts anzutreffenden niveaugleichen Radspuren auch sehr gut. Heute ist Sonntag, wie mir erst viele Kilometer später am Nachmittag südlich in Spanien einfallen wird, und wohl auch deswegen hielt sich der Verkehr in sehr angenehmen Grenzen. Außer kurz vor der Grenze nach Spanien, da stauen sich die Autos. Aber nur die – ich kann schön auf der Radspur nebenher fahren.

Vorher bin ich durch Andorra La Vella, Andorras Hauptstadt gefahren und fotografiere den dort sehr urban überprägten und befestigten Fluss Valira.

Südlich davon liegt ein Supermarkt direkt neben meiner Route und ich kann Verpflegung nachkaufen. Endlich mal eine kompakte erreichbare aber trotzdem große Auswahl! Da gibt’s auch Ensemaidas. Dieses Schmalzgebäck habe ich ja erst letzten Herbst auf Mallorca kennengelernt. Wird eingepackt. Genauso wie weitere Teigtaschen und Bananen. Klasse, endlich mal richtig geil versorgt. Mittlerweile ist es wieder sehr warm, ich bin tief genug. Die Jacke wird verstaut, die Beinlinge ausgezogen. Sonnencreme muss aufgetragen werden. Dann kann’s endlich weitergehen.

Wie gesagt bin ich schnell aus Andorra draußen und dann auch schon im ersten spanischen Ort, La Seu d’Urgell. 104 km stehen jetzt schon auf der Uhr. Dort brauche ich aber nichts und bleibe auf der Umfahrung, um sofort weiter Richtung Süden zu fahren.

Schnell steigt jetzt die Temperatur auf 36 Grad im Fahren und bleibt da auch. Aber das ist im Vergleich zu den letzten Tagen regelrecht angenehm. Trotz schon dreier hochalpiner Pässe in den Beinen habe ich richtig Druck in den Beinen als wäre es der erste Tag des Rennens. Sehr wahrscheinlich eine Kombination aus dem halben Tag Ruhe gestern, dem ordentlichen Essen, dem kühlen Morgen und der Aussicht, dass ich heute noch das Rennen beenden werde. Also auch unbewusst nichts mehr für einen Folgetag zurückhalten muss.

Mit 150 bis 170 Watt bin ich sehr angenehm und gut über die immer leicht abfallende und gut befahrbare Straße nach Süden unterwegs und mache richtig Kilometer. Ich bin zuerst auf der N-260 und später dann auf der C-14, die entlang des Segre nach Süden führen. Wenig nördlich von Oliana ist er zu einem Stausee eingestaut und schaut von der Straße aus ganz reizvoll aus:

Embalse de Oliana

Er wurde bereits 1935 projektiert, aber 1959 erst final im Betrieb genommen. Natürlich muss ich auch die Staumauer fotografieren.

Staumauer nahe Oliana.

Auf das Befahren verzichte ich aber – so ohne weiteres komme ich von der gut ausgebauten und in Teilen als Brücke geführten Straße nämlich nicht herunter und die Anfahrt scheint einen großen Umweg zu bedeuten und obendrein versperrt zu sein:

Ein gutes Stück hinter Oliana muss ich dann links Richtung Osten abbiegen. Erstmal weisst der Gradient auch wieder nach oben. Es gilt die Collada de Clarà zu überwinden. Immerhin 880 m hoch und das letzte Passschild, dass ich in diesem Rennen sehen werde:

Collada de Clarà.

Später in Solsona sind meine in Andorra eingekauften Vorräte aufgebraucht. Erst beim Einbiegen auf den Parkplatz des örtlichen Lidl fällt mir ein: „Ach ja… Sonntag…“ Ok, dann also die nächste Tanke. Eis, Sandwiches, Cola, Wasser. Das Übliche halt.

Die Landschaft ist recht reizvoll und abwechslungsreich. Leicht hügelig, jetzt aber wieder vorrangig leicht abfallend. Etwas vor Manresa auf Höhe des Ortes Callus sehe ich dann zum ersten Mal das Montserrat-Gebirge am Horizont. Wow!

Der erste Blick auf Montserrat.

Von da an muss ich gefühlt alle paar Kilometer anhalten, wenn sich wieder eine leicht andere Perspektive, ein leicht anderer Vordergrund darbietet.

Montserrat, einige Kilometer weiter, in der Bildmitte links ein Kloster.

Ein großartiges Finish!

Wahnsinn, Michael hat echt nicht zu viel versprochen! Als ein erstmalig eingeführter Bestandteil enthält das 2019er Three Peaks Bike Race einen fest vorgegebenen Zielparcours. Solche Parcours kennt man von anderen Bikepacking-Rennen mit freier Routenwahl, vorrangig vom Transcontinental Race. Mit ihnen soll sowohl mehr noch als durch die Vorgabe eines einzelnen Kontrollpunktes das Rennen geführt und gesteuert werden. So kann teilweise eine vom Veranstalter als besonders sicher, als besonders reizvoll oder einfach nur auch als besondere Herausforderung vorgesehene Strecke vorgegeben werden. Oder einfach die Teilnehmer davon abgehalten werden, die kürzeste und vielleicht verkehrsreichste Route zu wählen.

Der Zielparcours des TPBR2019 verfolgt drei Zwecke: die Teilnehmer auf geordneter und bestmöglicher Route nach Barcelona zum Ziel am Arc de Triomf zu führen, ihnen in Form des Tibidabo nochmal einen fetten und nicht zu flachen Anstieg „vor den Latz zu knallen“, sie aber auch gleichzeitig mit einem bombastischen Ausblick über Barcelona zu belohnen und vor allem auch, ihnen Montserrat zu zeigen. Um das zu erreichen, war er ganze 87 km lang. Das ist mal recht ordentlich!

Ein gutes Stück südlich von Manresa fängt er an. Und ich finde ihn einfach nur großartig! Wie etwas weiter oben schon geschrieben. Schon weit vor Parcousbeginn war ich beim ersten Sichten des Montserrat Gebirgsstocks bereits begeistert. „Wow, genial – sofort mal ein Foto machen!“. So herausragend ist dieses Sandsteingebirge aus seiner Umgebung. Aber am Start des Finishing Parcours war es dann, wo die Magie richtig begann. Ich erreichte diese Stelle genau zur richtigen Stunde, denke ich mal. Nahe Sonnenuntergang. Wow! Kudos für Michael und Adventure Bike Racing! Dieser erste Abschnitt des Parcours konnte es ohne weiteres mit der Großartigkeit von Meteora im Rahmen des Finish Parcours des TCRNo5 und TCRNo6 aufnehmen. Es war wirklich eine wunderbare und majestätische Erfahrung, sich auf dieser Strecke Montserrat zu nähern und dann entlang seiner Felshänge hinab Richtung Kloster Santa Maria de Montserrat und dann weiter abzufahren.

Diese Sicht bot sich z.B. kurz nach Beginn des Finish-Parcours:

Kurz hinter dem Beginn des Finish-Parcours. Mein Drifter vor Montserrat.

Auf der anderen Seite der Straße ragten Ast-Kreuze empor. Ich wüsste ja gerne, was es damit auf sich hat.

Astkreuze.

Kaum wieder auf dem Sattel und ein paar Kurven weiter – wieder viel zu gut, um nicht anzuhalten und ein Foto zu machen:

Road to Montserrat.

Und wenig später ergab sich folgendes Panorama – herrlich!

Montserrat-Panorama.

Dann erreicht die Straße den unmittelbaren Fuß der aufragenden Sandsteinwände und führt daran entlang herab Richtung Monistrol de Montserrat. Mittlerweile ist die Sonne hinter dem Horizont verschwunden und die Nacht bricht herein. Vom Rest des Finish Parcours und der Landschaft drum herum sehe ich erst mal wenig.

Dafür erreicht mich eine Instagram-Direktmessage von Malte. Er ist gestern im Regen etwas nach mir von Ax-les-Termes aufgebrochen, aber weiter gefahren. Daher konnte er am heutigen Nachmittag schon im Ziel ankommen. Hat dafür aber keinen schönen sonnigen Tag in Andorra gehabt. Ja, man kann nicht alles haben… ;-) Aber ganz toll – er sieht mich im Tracker und fragt, ob ich durchfahre. Ja, und wie ich durchfahre! Dann will er auf mich warten, sagt er. Ganz toll – aber ich texte zurück (bzw. habe mittlerweile durch ihn die Sprachnachricht-Funktion in Instagram entdeckt und sende eine Sprachnachricht – das geht im Fahren deutlich einfacher), dass das noch dauern kann und ich nicht vor 2 Uhr in der Nacht mit meiner Ankunft in Barcelona rechne. Denn mittlerweile sind die Speicher ganz schön leer. Ich bin schließlich seit heute morgen um halb 6 mit guten Speed (wenn ich nicht gerade für Fotos stoppe) unterwegs und habe schon über 260 km in den Beinen.

Auf meinem Cue-Sheet findet sich:

48 km – Terassa
BP 24 h Tanke ziemlich am Anfang
Burgerking wenig abseits Route (12:00-01:00)
Petro7 24h Tanke am Stadtausgang

Ohhh ja – den Burgerking, den brauche ich jetzt!

Nach 18 Stunden Brutto-Fahrzeit komme ich da an, kette mein Rad vor dem Eingang an und bestelle mir ein fettes Whopper-Menü mit Riesencola. Das war aber auch echt nötig. Nach rd. 35 Minuten kann es dann weitergehen. Jetzt sind es nur noch 37 km bis in’s Ziel. Aber es warten noch drei deutliche Anstiege. Der letzte ist der Tibidabo. Unterwegs denke ich fast, ich halluziniere – da steht in einer Kurve knapp 10 Meter vor mir ein riesiges Wildschwein, regungslos, und starrt mir genau in die Augen. Ich starre zurück und dann bin ich auch schon vorbei. Nein, ich habe nicht fantasiert. Wildschweine in der direkten Umgebung und in Barcelona selbst sind eine regelrechte Plage. Ich sehe noch zwei weitere und höre noch viel mehr. Eine Weile nach dem Rennen verlinkt jemand einen sehr interessanten Artikel des Guardian darüber. Wer mehr darüber lesen möchte: hier klicken.

Der Anstieg zum Tibidabo hat es noch einmal in sich. Gerade auch das oberste letzte Stück ist richtig fies steil. Der Vergnügungspark natürlich längst geschlossen. Nicht, dass ich da jetzt so kurz vor dem Ziel noch etwa hätte reinblicken wollen. Aber über Barcelona blicken, das will und kann ich. Und das ist auch in der Nacht ganz toll:

Bick über den Torre de Collserola auf das Lichtermeer von Barcelona.

Jetzt folgt nur noch die Abfahrt und das problemlose navigieren durch die nachts verkehrsarmen Straßen Barcelonas. Und da kommt auch schon das Ziel ins Blick – der Arc de Trimof!

Geschafft! 8 Tage, 10 Stunden und 42 Minuten nach dem Start rolle ich durch den Triumph-Bogen; welch passendes Ziel!

Hinter mir liegen 2079 Kilo- und 23.050 Höhenmeter über die Alpen und durch die Pyrenäen, zahlreiche tolle Aussichten, viel vergossener Schweiss, tolle Erlebnisse und Bekanntschaften!

Und vor mir stehen Michael, Malte und Marcis, die mich hier mitten in der Nacht um 02:42 Uhr in Empfang nehmen. Sehr cool, damit hätte ich gar nicht gerechnet. Nach dem ersten Halloo und Händeschütteln drückt mir Malte das gewünschte und versprochene Radler in die Hand und Michael macht Fotos.

Toll, das Michael als Rennorganisator sogar mitten in der Nacht noch die Teilnehmer in Empfang nimmt und Klasse, das Malte auch noch wach geblieben ist. Marcis aus Lettland ist eine Stunde vor mir angekommen. Er ist mir heute morgen in der Auffahrt nach Arcalis entgegengekommen. Er eröffnet mir, dass er den ganzen Tag auf den Tracker geschaut habe, in Sorge, dass ich ihn einhole. Ich hatte im Fahren auch gut Meter auf ihn gemacht, aber aufgrund der vielen Fotos und tollen Aussichten gerade bei Montserrat lief er nie wirklich Gefahr, von mir eingeholt zu werden. Aber das konnte er natürlich nicht wissen. Hat ihn aber auf Trab gehalten. ;-)

Zufrieden im Ziel unter dem Arc de Triomf in Barcelona (danke an Malte für das Dirigieren im Ausschnitt und Selbstauslöser starten :)).

Bei Radler, Cola und Bier quatschen wir so eine ganze Weile, dann kommt eine weitere Stunde später Francisco aus Portugal an und wird ebenfalls klatschend begrüßt. Wir fahren mit unserer Unterhaltung fort, kreisen um das eigene Rennen, um Stories von den Teilnehmern, um Self-supported Rennen und deren Ethos im Allgemeinen und Speziellen. So vergeht die Zeit wie im Flug bis ich irgendwann mal anmerke, dass ich so langsam nach einem Hotel mit 24h-Rezeption Ausschau halten wolle. Denn da ich ja wusste, dass man in Barcelona auf jeden Fall immer etwas findet, hatte ich für die Ankunft noch überhaupt nichts organisiert oder gebucht.

Das würde sich jetzt auch nicht mehr lohnen, ich sollte doch eher in den Park oder zum Strand und mir da ein Plätzchen suchen, entgegnet mir Michael. Recht hat er – es ist ja schließlich schon fast 5 Uhr, Schockschwerenot!

Wir verabschieden und dann langsam und ich steige wieder auf mein Rad. Der Blick auf die Karte zeigt – der Strand das Meer ist nicht weit weg. Also rolle ich mal dahin und versuche auch schon auf dem Weg irgendwas passendes zum Hinlegen zu finden. Ein Ding der Unmöglichkeit! Zumindest, wenn man etwas geschützt und allein mit einem nicht ganz preiswertem Rad neben sich liegen möchte. In Barcelona ist rund um die Uhr und überall Betrieb, wie ich lerne.

Selbst am Strand angekommen und entlang einiger Piers rollend – überall sind kleine Grüppchen. Oder auch Wachleute. Teilweise haben sie auch die Bestuhlung der anliegenden Pier-Restaurants in Beschlag genommen.

Mit einem solchen Dreier-Grüppchen komme ich etwas unfreiwillig ins Gespräch. Angetrunken erscheinen sie nicht, aber etwas high schon. Trotzdem sind sie ganz nett und wissbegierig. Und natürlich wollen sie Fotos mit einem solchen, äh, Radsportler ;-) machen, der gerade etwas über 2000 km von Wien kommend zurück gelegt hat. Einer ganz besonders. Na gut, wenn’s denn sein muss… ;-)

So komme ich aber auch zu einem wundervollen Abschlussbild für mein Three Peaks Bike Race. Vor dem Meer und dem frühen Morgenhimmel kurz vor Sonnenaufgang:

Der Abschluss einer wunderbaren „Renn-Reise“ am Mittelmeer in Barcelona.

Epilog: Vom Rennmodus in eine lockere Urlaubswoche in Barcelona

Es war wieder mal eine großartige Erfahrung. Nur ich, mein Rad, ein Startort und eine Zielvorgabe und auf dieses Ziel dann Stunde um Stunde, Tag für Tag zuarbeiten. Dabei sich nur auf das Hier und Jetzt, auf den eigenen Körper, auf die unmittelbar wichtigen Dinge wie Nahrung, Wasser, Wo Schlafen und auf die unterschiedlichen Landschaften zu konzentrieren. Und das zugleich mit vielen Anderen tun, die Gleiches, aber doch wieder anderes Erleben und mit ihren eigenen Erlebnissen die große Geschichte eines solchen Rennens schreiben. Eine Woche ist fast schon zu kurz dafür. Die 14 bis 16 Tage (plus/minus) eines Transcontinental Race gefallen mir da persönlich noch besser.

Es muss aber auch nicht immer Balkan sein, auch Südwesteuropa birgt jede Menge toller Landschaften und Menschen. Und hat bestimmt für jeden – für mich auf jeden Fall – noch viele weisse Flecken. So war ich persönlich noch nie in den Pyrenäen. Ich war auch noch nie auf dem spanischen Festland (nur dreimal auf Mallorca). So war alleine das schon super interessant und ansprechend für mich und ein weiterer Grund, mich damals für das #TPBR2019 anzumelden. Barcelona! Ich hatte seinerzeit direkt das Youtube-Video von Montserrat Caballé & Freddie Mercury herausgesucht: Barcelona!

„I had this perfect dream
Un sueno me envolvio… „

Die Stadt wollte ich mir näher ansehen. Und das tat ich jetzt. Immer noch ohne ein Auge zugetan zu haben, stehe ich auf dem Pier und schaue der Sonne beim Aufgehen zu:

Die Sonne geht auf.

Dann suche ich mir auf der Karte und im Internet Vorschläge für ein gutes und möglichst früh schon öffnendes Café und radele da hin. Ja, ich scheine etwas Gutes gefunden zu haben und beginne mich durch die katalanischen Frühstückssüßspeisen zu fräsen. Ich buche ein Hotel, zunächst für eine Nacht, unmittelbar an der Ecke zum Parc de la Ciutadella und der Promenade zum Arc de Triomf. Da kann ich aber erst um 13:00 Uhr einchecken. Also weiter gefrühstückt, im Internet gesurft und dann erst mal wieder zum Arc de Triomf. Da ist aber gerade keiner, also dann endlich ins Hotel und endlich eine Dusche! Dann in die Off-Bike-Kleidung gesprungen und wieder ab zum Arc, um die nächsten Ankommenden in Empfang zu nehmen. Die gleiche Idee hatten auch andere Teilnehmer und so sind wir eine schöne große Gruppe, die die Neuankömmlinge in Empfang nimmt und Renngeschichten austauschen kann:

Finisher-Versammlung (die, die noch da sind und die die gerade frisch angekommen waren) (Foto: Adventure Bike Racing).

Ich habe bei dem Foto übrigens gerade das Telefon am Ohr, weil ich schon das Hotel für die nächsten Tage buche.

Mein Plan ist lockeres Sightseeing per Rad an einigen Tagen und einfach entspannt die Stadt in mich aufnehmen und mal sehen, was ich mache. Dazu will ich auch an einem Tag nach Girona fahren, welches nur etwas über 100 km nördlich von Barcelona liegt und bekanntlich einer der bevorzugten Trainings- und Aufenthaltsorte von Profi-Rennradfahrern und Profi-Triathleten ist.

Und so mache ich dass dann auch. Am nächsten Tag radle ich mit meinem eigenen Rad nach einem gemütlichen Frühstück durch Barcelona und klappere die Highlights des Touristenführers ab: La Rambla, den Hafen, das Viertel Eixample insgesamt, La Sagrada Familia (die unmittelbar vor einem noch viel beeindruckender ist, als ich sie mir von Fotos vorher vorgestellt habe) und die Avinguda Diagonal, wo ich abends ankommend direkt zu meinem neuen Hotel radle.

Tags drauf miete ich mir ein Donkey Republic Rad. Das ist ein ganz sympathischer Leihradservice mit praktischer App, den es in verschiedenen Städten gibt. So kann ich unbesorgt auch Besichtigungen vornehmen oder einkaufen gehen. Beides mache ich auch. Mit meinem Schlaf- und Off-Bike-T-Shirt ist schließlich kein großer Staat zu machen. Und Attraktionen zur Besichtigung gibt es in Barcelona auch zu Hauf. Leider brauchen die ganzen Gaudi-Stätten und allen voran natürlich die Sagrada Familia im Minimum 48 Stunden vorlauf, um eine Führung zu erhalten, selbst für die 08/15-Massenführungen. So wähle ich das Aquarium im Hafen aus, um es mir anzusehen.

Während der ganzen Zeit in Barcelona bin ich übrigens von der tollen Integration des Radverkehrs in die Straßen fasziniert. Ich hasse normalerweise Radwege und Radspuren wie die Pest! Sie sind selbst in deutschen Städten, die halbwegs versuchen, es richtig zu machen, ein elendes Stückwerk und alleine dadurch schon nicht nur nicht gut zu befahren sondern auch ein erhöhtes Risiko gegenüber dem normalen benutzen der Fahrbahn. Selbst mit detailliert vorausgeplanter Route braucht es vielerorts erst mal umschauen und beinahe detektivischen Spürsinn, um an einer Kreuzung den weiteren Verlauf ausfindig zu machen: „Ah, also hier links, dann um die Laterne herum und dann hinter diesem Treppenvorsprung geht dann wohl die Wegführung weiter…“. Von der Qualität der Untergründe, Wurzelhochgedrücktem Asphalt, viel zu schmalen und für den Gegenverkehr vorgesehenen Radwegen, ungekehrten und mit Scherben übersähten Wegen sowie Gefährdung bei Grundstückseinfahrten und Nebenstraßenkreuzungen will ich erst gar nicht anfangen.

Nicht so in Barcelona. Breite und niveaugleiche Radwege und nachvollziehbare Wegeführung allerorten. Nahtloses Einfädeln in den laufenden Verkehr – so gut kann Radinfrastruktur sein und so gut habe ich noch keine gesehen wie in Barcelona. Gut – ich bin da wirklich kein Experte oder Radwege-Advokat, dafür ist mein Anspruch ein anderer und die Beispiele die ich kenne, einfach nur viel zu grottig. Aber ich bin schon durch ein paar Städte entlang gekommen. In manchen etwas mehr bei etwas längeren Aufenthalten und in vielen nur bei dem Versuch, sie möglichst schnell mit dem Rad zu durchqueren (während Bikepacking-Rennen). Wie gesagt, angenehmer als in Barcelona und wirklich zur Nutzung einladend habe ich es noch nirgendwo vorgefunden.

Doch genug zum Rad-Infrastruktur-Rant. Die Tage und das Bummeln durch Barcelona waren per Rad ausnehmend angenehm und chillig. Doch ich wollte ja auch noch nach Girona! Also hatte ich mir fluggs eine Route gebastelt, habe aus meinem Hotel ausgecheckt und bin am Donnerstag 123 km nordwärts nach Girona gefahren. Immer dem Wind entgegen, der wiedermal nicht von schlechten Eltern war.

Girona ist definitiv einen Besuch wert! Nicht nur wegen dem Service course oder auch La Fabrica, dem bekannten Fahrrad-Café. Sehr lecken Toast haben die. Und klasse Smoothies. Der Café con Leche war so gerade nur Durchschnitt, allerdings. Vielleicht hätte ich für den dann den dritten Laden im Reigen – Espresso Mafia – besuchen müssen? Auch die Altstadt ist sehr toll da. Hat mir sehr gefallen. Im Service Course habe ich mich nicht nur umgesehen, sondern auch deren Kollektion anprobiert, die auf Cuore-Jerseys und Hosen beruht. Passte 1A, deswegen habe ich mir direkt ein Service Course Jersey, Baselayer und eine Cap mit genommen. Das ist jetzt gesetzte Tradition beim Three Peaks Bike Race. Danach im Zielort oder drum herum einen ikonischen Radladen besuchen und sich da neues Kit kaufen. Im letzten Jahr habe ich den Aufenthalt in Nizza benutzt, um ausführlich Café du Cyclist Besuche abzustatten, diverse Sachen anzuprobieren und auch ein komplettes Kit (da sogar mit Bibshorts und Socken) einzukaufen.

Sightseeing in Girona.

Ich übernachte in Girona, mache ein Großteil der gerade beschriebenen Bummelei am Freitag und fahre nachmittags mit dem Zug wieder nach Barcelona zurück. Dort habe ich schon das dritte Hotel im Reigen gebucht. Taktisch in fußläufiger Entfernung zum Radladen „Tomas Domingo – The Bike House“, wo ich am Donnerstag noch einen Radkarton für den Rückflug klar gemacht hatte. Da musste ich übrigens persönlich hinfahren – telefonisch war da keiner zu erreichen. Die haben tolle Auswahl und freundliches Personal. Hat aber trotzdem nichts geholfen, am Freitag Abend wusste keiner mehr was von einem Karton bzw. sie hatten alle schon wieder verbraucht oder weggeworfen. Grmpf. Aber kein Problem – eben das nächste Rad aus einem Karton gezogen und schon war einer für mich frei. 10 Euro habe ich dafür an der Kasse gelassen (gebe ich ja gerne, aber normalerweise könnten die eigentlich mir 10 Euro dafür geben, dass ich ihnen den Karton entsorge). Klebeband hole ich mir in einem Schreibwarenladen und in einem Supermarkt besorge ich mir einen Doppelpack Haushaltsrolle zum abpolstern diverser Rahmenteile. So ausgestattet spaziere ich in mein Hotel.

„Eine der größten Terrassen im Viertel“ aus der Hotelbeschreibung stellt sich als gerade mal groß genug heraus, den Radkarton da drauf zu stellen. Und um ihn und das Rad dahin zu bekommen, muss ich beides über das Bett heben. Und das Bett zuerst auch Richtung Zimmertür schieben, damit ich die Terassentür ganz öffnen kann. Nun denn – so geht es ja dann doch.

Beim Radverpacken nehme ich mir gerne Zeit. Irgendwann ist aber endlich alles zur Zufriedenheit verpackt und der Karton zu. Am nächsten Morgen bleibt nur, noch das Taxi zu bestellen, zum nahen Flughafen zu Fahren und nach dem erfolgreichen Einchecken in den Flieger zu steigen.

Zwei schöne Wochen auf dem Rad gehen zu Ende!

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15 Kommentare zu „Three Peaks Bike Race 2019 – ReCapNo 44

      1. Danke! Bist du zufrieden damit? Da die Custom-Größen machen wäre das auch eine Lösung für mich, endlich mal was in der passenden Länge UND schön leicht.

      2. Das ist superleicht, bietet keine wirkliche Wärme- oder Windschutz-Leistung. Manche Leute nehmen ja auch nur einen Biwak-Sack mit, um es wenigstens ein klein wenig Wärmer als ohne alles zu haben. Dafür ist es kaum geeignet (oder nur ein bisschen, wenn man wirklich das Moskitonetz über sich schließt). Es ist aber ganz toll, um als Unterlage für die Schlafmatte zu dienen und um Schmutz und Viechzeugs abzuhalten. Witterungs- oder Feuchteschutz musste ich noch nicht testen – ich versuche immer, mich irgendwo ins Trockene zu legen.

  1. Puh. epischer Bericht. Man kann das auch teilen und in Abständen veröffentlichen. Erhöht den Spannungsbogen.
    Aber war schön zu lesen !. Danke für die Mühe.

  2. Hallo Torsten, klasse Bilder und toller Bericht, habe die Woche so noch mal erleben können beim Lesen … und immer wieder gedacht „ja, genau, so war es…“
    Philipp verfolgen wir auch gerade von Cape zu Cape … Wir konnten ihn auf den letzten paar Kilometern vor Barcelona kennen lernen. Er erzählte uns von seinem Pech …
    Habe deinen Bericht verlinkt bei mir (und dabei gemerkt, dass ich Frank und Malte geschrieben hatte … hahaaaaaa)
    Genial die Idee mit dem Föhn und Isolierband.
    In deinem Bericht scheint es so, als wärst du immer nur beim Essen 😂🤣
    Arcalis: Du Glücklicher, du hattest blauen Himmel … wir sind rauf im Gewitter und strömendem Regen bei 4° …
    Bis dann mal wieder!!!!!! LG aus BX

    1. Hallo Gabi,
      danke für deinen Kommentar. :)
      Echt – soviel Essen als Thema? Kommt dir bestimmt nur so vor – als Radfahrer wissen wir ja einerseits, warum wir das machen (also das Radfahren… nämlich nur um mehr leckere Sachen Essen zu können ;-)), andererseits auch, wie wichtig das für die Langstrecke ist. ;-)

      Ich habe auch bestimmt noch zu wenig gegessen. Wenn ich immer das finden würde, wonach mir wirklich in dem Moment der Appetit steht und was man in der Hitze gut runterbekommt und was trotzdem genug Kalorien hat, dann wäre mir schon sehr viel geholfen. :)

      Deine „Performance-Art“ mit den Rettungsdecken-Zuschnitten für die Abfahrt von Arcalis war aber auch nicht ohne. Hut ab für die Kreativität und das Durchstehen – solche Abfahrten sind dann echt richtig, richtig fies. Das können sich Leute nicht vorstellen, die nicht schon mal in der kälte oder im Regen eine alpine Abfahrt bewältigen mussten.

      viele Grüße
      Torsten

      1. 🤣 ja, ja wir verstehen uns … Ich freue mich auch schon immer auf die guten Sachen, die vielen Eis, Schoki, …, die man ohne Gewissensbisse naschen darf … Naja und mit der Menge … ich habe vielleicht mehr Fettreserven und brauche nicht soooo viel … hhhaaahahaaaaa!!!
        Und wenn es mal so richtig hart wird, dann denke ich immer „geht vorbei“ … allerdings trifft das nicht auf Gewitter zu … da hab ich panische Angst. Auf dem Arcalis habe ich da schon gezweifelt, was ich denn hier grad mache. Haarsträubend. Die Kälte und der Regen waren vergessen, ich zitterte nur jedem weiteren Blitz entgegen … und das Wetter zog hin und her und es war kein Ende in Sicht. Warten auf den nächsten Tag will man ja dann doch nicht …
        Grüßle
        PS: bist du nächstes Jahr auch wieder dabei? Aller guten Dinge sind drei …?

      2. Hallo Gabi, auch das nächste TPBR und dann wieder nach Nizza würde mich reizen. Priorität hat aber nach wie vor das TCR. Von daher werde ich schauen, wie im November das Announcement aussieht und mich dann sehr wahrscheinlich wieder dafür bewerben. Vielleicht wächst ja auch meine Abenteuerlust und ich schaue mal über den großen Teich auf eine TourDivide (da gefällt mir nur das Wildlife nicht so ganz… brrr, Grizzlys) oder auf ein Silkroad Mountain Race.

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