Aller guten Dinge sind… 4. Votec Gravel Fondo

Wow – was für ein geniales Wochenende! Da hat aber auch wieder alles gepasst: Wetter, Location, Landschaft, Strecke und die blendende Organisation von den Jungs und Mädels von Votec, die das alles möglich gemacht haben.

Nachdem die ersten drei Gravel Fondos allesamt im Schwarzwald statt fanden, hat die Veranstaltung jetzt mal die Fühler weiter nach Norden ausgestreckt und ist in der Toskana Deutschlands, im schönen Pfälzerwald, fündig geworden. Und das der schön und sehr reizvoll ist, dass kann ich jetzt betätigen – für mich war es nämlich auch das erste Mal, dass ich mich dort bewegt habe.

Ausgangspunkt und Basislager für das Wochenende war das Forsthaus „Schwarzer Fuchs“ bei Annweiler am Trifels. Aber tief im Wald, nur über eine asphaltierte Stichstraße zu erreichen und fernab von Funknetz (eine gewisse Wifi-Grundversorgung konnte aber über das Forsthaus gewährleistet werden und mein Auto-Hotspot hielt auch gerade soeben noch Kontakt) oder Zivilisationslichtern, was auch für einen toll sichtbaren Sternenhimmel in der Nacht sorgte.

Startplatz, Ausstellungs-, Bikeparking- und Campingwiese am Forsthaus Annweiler am Trifels.

Das war jetzt also schon der vierte Gravel Fondo und ich war bei allen dabei – kann daher auch ein kleines Resümee ziehen. Alle Locations der vergangenen Jahre waren sehr toll. Insbesondere für Gravel Fondo 1, 3 und 4 waren sie aber auch besonders rustikal und etwas abgelegen, dabei aber trotzdem gut erreichbar. In ganz besonderem Maße war natürlich die quasi für uns allein genutzte Schwarzwaldkaserne im ersten Gravel Fondo, aber auch jetzt das Areal des Forsthauses Annweiler am Trifels durch das gemeinsame Campen ein besonders schöner und sehr bequemer und geselliger Rahmen. Zwar konnten auch (wie jedes Jahr) einige Teilnehmer in Pensionen und Hotels im Umfeld unterkommen (oder mussten es vielleicht auch, wenn Sie sich nicht frühzeitig für einen Platz für ihren Camper oder ihr Zelt kümmern konnten oder wollten) aber im Grunde war Platz für fast alle und jeden Geschmack dabei: Ob im (auch gestellten und schon fix und fertig aufgebauten) Zelt, ob im Matratzenlager im Hermann-Krieg-Haus oder als Stellplatz für den Camper.

Glamping new defined: G(rave)l (C)amping. ;-)

Dadurch, und durch das tolle Wetter waren schon mal die besten Vorraussetzungen für ein tolles Gravel-Wochenende gegeben.

Einladung und Rahmenprogramm:

Jetzt war ich schon vier mal beim Gravel Fondo und diesmal auf offizielle Einladung, für die ich mich sehr bedanken möchte. Alex und Stephan hatten dieses Jahr etwas mehr Vorlaufzeit als in den vorhergehenden Jahren und wollten das gute Konzept des Gravel Fondo beibehalten, aber vielleicht hier und da noch etwas ergänzen. Eine solche Ergänzung war das Abendprogramm mit zwei Vorträgen nach dem gemeinsamen Grillbuffet. Und dafür haben Sie u.a. mich und Jon Woodroof vor dem Sommer angefragt. Wahrscheinlich haben wir beide sehr gerne zugesagt, denn so ist es auch gekommen:

Nach dem Abendessen ist schon flugs die Leinwand und der Beamer aufgebaut, die Teilnehmer rücken etwas näher zusammen und Achim, unser Moderator des Wochenendes aus Stuttgart, Triathlon- und Radveranstaltungssprecher-erfahren, leitet charmant in die Vorträge ein.

Jon erzählt über das Silkroad Mountain Race. Deutlich, deutlich entlegener als das Forsthaus Schwarzer Fuchs und deutlich, deutlich gröberer Gravel als die ganz im Gegenteil teilweise super-flowigen Trails des Pfälzerwalds. Und auch deutlich, deutlich kälter. Kein Wunder, finden doch große Teile des 1.700 km langen Rennens im Bereich von oder sogar über 3.000 Meter über dem Meer statt. Ich muss schon sagen, dass ich sowohl die diesjährige TourDivide in Amerika wie auch das diesjährige zweite Silkroad Mountain Race mit (gefährlich) großem Interesse verfolgt habe. Nicht nur deswegen war ich selbst super an Jons Vortrag zu „Life Lessons from the Silk Road Mountain Race“ interessiert. War ein toller Vortrag, Jon!

Danach durfte ich dann zu zwar mehr Kilometern, aber deutlich weniger weit entfernten und deutlich weniger gravellastigen Abenteuern berichten, die für uns Westeuropäer aber doch auch schon recht weit aus der Komfortzone liegen – von dem Radfahren ganz zu schweigen: Ich berichtete über meine Erfahrungen aus mittlerweile zwei Transcontinental Race und zwei Three Peaks Bike Race Teilnahmen und lies es mir nicht nehmen, eine Extraversion meines Vortrages: Quer durch Europa von Supermarkt zu Supermarkt und Tanke zu Tanke im Vorfeld vorzubereiten und dann vorzutragen. Das, die viele positiven Rückmeldungen der Teilnehmer und Organisatoren und die weiteren Fragen in kleiner Runde am Abend und auch am nächsten Tag haben mir große Freude bereitet.

Titelfolie meines Bikepacking-Rennen Vortrags 2019

Mein Dank geht auch an Achim, der ganz enthusiastisch durch das Wochenende moderierte, und dabei auch immer mal wieder auf mein Blog verwies. Nicht, weil ich ihn bestochen hätte, sondern weil er ganz fasziniert von der detaillierten Beschäftigung und Ausarbeitung meiner Themen war. Natürlich hatte er auf Anhieb erraten, was mein Berufsstand ist: Ingenieur… ;-)

Der Star: die Strecke!

Alex und Stephan haben sich richtig in die Streckenplanung reingehangen, und haben sie nach der ersten Planung stückweise verfeinert und mehrfach (bei Alex sogar mit Vollkontaktkörpereinsatz) abgefahren und vor Ort perfektioniert. Und das merkte man. Klar, weite Ausblicke auf Vogesen und Alpen hat man im Schwarzwald, aber nicht im Pfälzerwald. Und wir waren auch viel im Wald und da war jetzt nicht so furchtbar viel mit Aussicht. Dafür war der Wow-Effekt um so größer, wenn sich mal Blicke auftaten und besonders an zwei sehr exponierten Aussichtspunkten auf spektakulären Sandsteinfelsen, an der die Strecke am Samstag direkt entlang führte. Das war echt spektakulär.

Grandiose Aussicht über die Landschaftsform des Wasgau bzw. des Pfälzerwaldes vom Almersberg aus.

Auch das Entlang fahren an der Schnittstelle des Pfälzerwalds zur Rheinebene und zur südlichen Weinstraße war toll und sehr reizvoll. Auch die wenigen, kleinen Örtchen, durch die wir durchgefahren sind. Und in einem davon auch eine sehr leckere Verpflegungspause mit immer nachgeschobenem heissen und frischen Flammkuchen genießen konnten.

Aussicht und Landschaft sind mir enorm wichtig. Auch reizvolle Architektur oder faszinierende Stellen, wie Schluchten (davon gab’s hier aber keine auf unserer Strecke), Felsen, aber auch Bauwerke oder oder historisches gehören dazu. Ebenso charmante Funde unterwegs, wie diese historische Walddusche:

Unter der historischen Walddusche von 1849 in Geisweiler: Jon.

Natürlich ließen es sich einige nicht nehmen, da den Kopf drunter zu halten. Hier Jon z.B. Andere, wie ich und Dan warteten trotz der Hitze geduldig, bis Jon sich soweit entkleidet hatte, um endlich Fotos von so einem Verrückten zu machen. ;-) Mir hätte die Abkühlung zwar sicher auch gefallen, aber ich habe bei sowas einfach keinen Bock auf nasse Bibshorts und bin zu faul, Schuhe und Socken auszuziehen. Andererseits sollen aber auch die nicht nass werden. Also: lieber Fotos machen. Type 2 Abkühlung, sozusagen. ;-)

Aber: Aussicht, Landschaft und drumherum ist auch noch nicht das Gesamtpaket. Dazu gehört noch der Spaß auf dem Rad selbst! Dazu gehört eine flowige Strecke mit genau dem richtigen Grad an Fun und Herausforderung. Bzw. der Möglichkeit, diese Herausforderung für sich selbst zu wählen. Klar gab’s auch einige kurze Streckenabschnitte, wo mancher doch lieber schieben musste und Abfahrten, die von manchen langsamer und von manchen schneller genommen werden konnten. Dazu ist die Spannbreite der Fähigkeiten der Teilnehmer auch einfach zu groß. Vom Roadie, der zum ersten Mal Gravel-Luft schnuppern will und ein Votec Rad für das Wochenende zum Testen ausgeliehen hat bis zum Ex-Mountainbike-Lizenzfahrer war da alles dabei. Aber die Strecke wurde auch allen gerecht.

Lichter, sonnendurchfluteter Laubwald und Sandsteinfelsenformationen – der Pfälzerwald.

Ich fand sie super! Schön flowig – nie zu steil, dass man längere Stücke auf der Bremse stehend runterschleichen musste oder einfach nur im kleinsten Gang endlos hochknirschen muss, abwechslungsreich von den Untergründen (Waldweg, schottrig, auch mal sandig, nur minimalst Asphalt, auch mal Kopfsteinpflaster und richtiges Felsenpflaster und teilweise richtig lange, sehr schön flowige Singletrails mit nur ganz wenigen Wurzeln…) und auch von den Steigungen, so dass man mal flach heizen konnte, aber sich auch mal an einer kurzen, steilen und mit Stufen versehenen Pfadstrecke versuchen konnte.

Noch ein bisschen zusätzliches Abenteuer mit noch ein Stückchen mehr Herausforderung boten dann an beiden Tagen noch zwei kürzere Stücke Waldweg, der in der Mitte tief aufgegraben war, um irgendwelche Kabel zu verlegen. Zu beiden Seiten türmte sich der Aushub und liess nur schmalen Fußraum über. Da musste man etwas kreativ sein. Zwischen balancieren entlang der Grabenkante, mehrfachem Drüberspringen (ich bin gespannt auf die Fotos unserer Begleitfotografen!) oder einfach auf der Grabensohle fahren war an Bewältigungsstrategien alles dabei. Eine ungeplante, für längere Ausweichrouten dann doch nicht zu sehr störende und ganz im Gegenteil spannende Bereicherung des Wochenendes. #Crossiscoming :)

Und der Untergrund. Das ist ja immer von der Gegend und deren Grundgestein abhängig. Ich hatte ja schon Sand erwähnt. Kurz nach dem Start und einem leichten Anstieg folgte die erste, immer etwas von flacheren Stücken unterbrochene Abfahrt. Sie war nicht zu steil, sah nach einem handelsüblichen Waldweg aus, wie ich ihn von überall her kenne und daher ging ich sofort in die Drops und liess rollen… Und sah dann plötzlich in meiner Spur eine gar nicht mal so kleine Sandkuhle… Whoaaa! Arsch nach hinten, Lenker leicht führen und noch etwas mehr Schub geben und durch… Puh, das war erst mal eine kleine Einnordung, was man also im Pfälzerwald immer erwarten muss. Aber einmal gelernt war es dann gar nicht mal schlecht. Ganz im Gegenteil – das war immer so ein klein wenig Salz in der Suppe und war sehr gut beherrschbar. Und gab nochmal eine Extraportion an (nicht zu schwerer) Herausforderung. Man musste an solchen Stellen schon wissen, was man tat oder halt entsprechend langsam sein, um die richtige Spur für sein Rad zu wählen. Oder halt schon mal etwas Sandgruben-Erfahrung für die Cross-Saison sammeln. #Crossiscoming-No2.

Das führt mich zum Thema Bikehandling und ich will da auch etwas auf meine (sehr rudimentären) Gravelfähigkeiten und meine Eindrücken zu meinem neuen Gravelbike, dem No. 22 Bicycles Drifter, eingehen. Schließlich hatte es beim Gravel Fondo seine erste richtige Ausfahrt in seinem natürlichen Habitat. Zuvor bin ich es vorrangig auf der Straße gefahren, weil ich es, nachdem es endlich fertig war, direkt für das Three Peaks Bike Race ausgestattet hatte.

Mein No. 22 Bicycles Drifter bei seinem ersten richtigen Gravel-Einsatz.

Bikehandling:

Oh wow – das fühlte sich alles sehr geil an! Es würde mich wundern, wenn ich ohne Übung (bin im Grunde seit dem Gravelfondo im letzten Jahr September nicht offroad gefahren und auch davor das ganze letzte Jahr nahezu nicht) plötzlich so viel besser geworden wäre. Will das aber auch nicht alles dem Rad und/oder den Reifen zuschreiben.

Ich glaube, das war ein Mix aus allem: Terrain, Route, Rad, Reifen, der richtige Druck und das kleine bisschen Erfahrung über Waldwege, was ich immer schon hatte.

Samt dem Versuch der Anwendung des auf der Hinfahrt gehörten Podcasts von TrainerRoad mit Mountainbike-Technik-Training Legende Lee McCormack. Mit Hip Hinging, Triangle of Awesome und gerader (nicht verdrehter) Hüfte. Was beim Triangle of Awesome automatisch erreicht wird: Pedale waagerecht, Knie exakt nebeneinander und über dem Tretlager (gar nicht so einfach). Hände leicht. Und den Trail als eine Serie von Wellen begreifen. Auch Kurven – die dann als seitliche Wellen. Sprich: man kann nicht überall und durchgehend den gleichen Druck und damit Grip haben. Aber man kann eine Kurve als Serie von kleinen Kurvensegmenten begreifen und aktiv Druck (Row- und Antirow) erzeugen.

Hah – als ob ich das allein vom Hören alles begriffen hätte bzw. überhaupt das Richtige dazu visualisiert hätte.

Aber das lief schon sehr gut und ich hatte auch vergleichsweise gutes Zutrauen, um es schön laufen zu lassen, bzw. teilweise auch noch Gas zu geben.

Aber es gab auch nur an zwei Stellen überhaupt mal kurz so steile Stellen, dass man die ganze Zeit auf der Bremse stehen wollte. Ansonsten konnte man es immer super laufen lassen und sich aussuchen, wo man etwas Bremsen wollte. Es sei denn, man wog vielleicht etwas mehr als ich oder wollte es unbedingt wissen und fuhr mit Schläuchen in den Reifen. Was anscheinend sehr viele taten. Folgerichtig sah ich an jeder Abfahrt immer mal wieder (und manchmal gefühlt alle 100 Meter) jemandem am Rand stehen und einen neuen Schlauch einziehen. Irre.

Equipment- und Setupwahl:

Meine WTB Riddler Reifen in 37 mm Breite fand ich super und genau richtig für den wechselhaften, oft an der etwas lockeren und rolligen Seite der Bandbreite liegenden Untergrund. Während ich für Straße wieder von tubeless abgekommen bin (haben Vorteile, aber auch Nachteile und wenn es ganz übel läuft, sorgen die Nachteile dafür, dass man ziemlich dumm da steht), gibt es für Gravel bzw. MTB und Offroad kein besseres System als tubeless. Ja – natürlich gibt’s auch da die üblichen Nachteile: wie steht es um die Toleranzen zwischen Reifen und Felge, dichtet die Reifenflanke und die Reifenwulst im Felgenhorn wirklich zuverlässig oder gibt es schleichenden Luftverlust durch Flanke, Reifensitz und/oder Ventil? Aber mit Schlauch kann man einfach nicht die niedrigen Drücke fahren, die man für optimalen Komfort und optimale Traktion haben will, ohne alle 100 Meter Durchschläge zu riskieren (siehe oben) oder sein Rad wie ein rohes Ei um alle möglichen größeren Steinchen und Wurzeln herum zu zirkeln.

Die genannten Nachteile habe ich natürlich auch erfahren: Die vor knapp zwei Monaten montierten Riddler wurden hinten nie so wirklich gut dicht. Ich dachte, ich hätte sie soweit und der Druckverlust hielte sich mit vielleicht 1 bar pro Monat in Grenzen, wurde aber am Wochenende eines Besseren belehrt. Das war übrigens auch der erste Einsatz dieser Reifen im Gelände. Samstag nach Tag 1 war das Hinterrad bei 1,5 bar. Nachgepumpt auf 2,1 bar war der Reifen am Sonntag Morgen schon wieder auf 0,3 bar. Upps!. Aufgepumpt auf 2,3 bar und mit etwas Erfahrung das Beste gehofft – ging auch gut. War dann am Ende von Tag 2 bei der Rückkehr auf 1,2 bar hinten. Ohne Sorge um Durchschläge, ohne schwammiges Gefühl oder ohne Ausweichen oder Ausbrechen in der Kurve. Habe die Reifen dann vor dem Nachhause Fahren wieder auf 2,2 bar aufgepumpt, und da war der Hinterreifen dann etwa die ganze folgende Woche. Werd’ daraus mal einer Schlau! Bzw. ich kann mir vorstellen, was dazu führen kann. Aber das zeigt auch einfach, dass es halt sehr vom Setup und jedem einzelnen Systembestandteil abhängt, ob ein tubeless System dichtet oder nicht. Ehrlich gesagt will ich solche Ratespielchen nicht im Rahmen eines mehrtägigen Bikepacking-Events haben. Für den Gravel Fondo war es aber cool.

Bei dem von mir teils freiwillig, teils in der absoluten Untergrenze unfreiwillig, niedrigen Druck war es aber natürlich gut, dass der Asphalt-Anteil an beiden Tagen absolut minimal war. Insgesamt bin ich vorne 2 bar und hinten dann im Mittel vielleicht so 1,7 bar gefahren. Und das war für die Strecken an beiden Tagen genial. Ich hatte das Gefühl, dass ich mit dem Riddler mal mindestens genauso geschmeidig und sogar mit mehr Grip unterwegs war, als im letzten Sommer mit dem A. Dugast Schlauchreifen am Giant TCX. Eingeschworene Cyclocrosser mögen Blasphemie schreien – aber ich kann’s ja auch nicht 100 Prozent bestätigen. Es liegt einfach zu viel Zeit und ganz andere Untergründe dazwischen.

Und / oder war es auch mein No. 22 Bicycles Drifter, was zum sicheren Fahrgefühl beigetragen hat? Wahrscheinlich. Aber auch hier – ohne wirklich ganz bewusst verschiedene Räder herzunehmen und am selben Tag nacheinander die gleiche Testrunde damit zu fahren, wage ich da keine absoluten Statements. Auf jeden Fall fühlte ich mich nicht irgendwie unsicher oder komisch auf dem Drifter. Es war der erste richtige Gravel-Einsatz für das Rad und den hat das Drifter mit Bravour gemeistert. Auch auf Schotter bzw. Waldwegen scheint es die aufgewendete Leistung auf ganz besonders mühelose Weise in Vortrieb umzuwandeln. Das ist schon sehr faszinierend. In fast allen Abfahrten war ich in den Drops (und oft im High oder Low Hinge – denke ich ;-)), was mir von Seiten des Bikefittings gar keine Mühe macht, sondern einfach nur eine von mehreren, ganz normalen Positionen ist, die ich dauerhaft halten kann. Damit gibt es natürlich viel besseres Zutrauen und man hat einen tieferen Schwerpunkt.

Ich hab’ nochmal richtig Lust bekommen, so eine Fahrtechnik-Klinik o.ä. zu absolvieren. Nein, nicht notwendigerweise für Cross. Das hatte ich vor zwei Jahren mal in einem kleinen, eins zu zwei (will meinen, wir war nur zwei Schüler und ein Lehrer) Vormittag gemacht und es war auch sehr lehrreich. Aber mich interessieren jetzt weniger typische Cross-Skills wie im Fahren auf- und abspringen, Rad schultern usw, sondern mehr und bessere Fahrtechnik auf dem Trail und über Schotter. Wie optimal flache Kurven ohne Bermen fahren, wie maximalen Grip erzeugen, Linienwahl, Sicherheit auch über Drops usw.. Quasi der Übergang in Richtung MTB-Trailtechnik. Vor vielen Jahr(zehnt)en habe ich mal zwei solcher MTB-Techniktrainingcamps mitgemacht. Einmal mit Regina Stiefl auf Mallorca und einmal mit Stefan Herrmann am Gardasee. Hmm, den und seine MTB-Academy gibt’s ja noch heute, sehe ich gerade beim Blick auf Google. Vielleicht mal eine Überlegung.

Die Besetzung:

Startversammlung am Samstag – gleich geht’s los!

Die Teilnehmer, aber auch die coolen Industriepartner, die allesamt selbst radsportverrückt sind und von denen auch fast alle an beiden Tagen selbst mitgefahren sind, sind dann das Salz in der Suppe. Allen voran Alex und Stephan selbst, die beide sehr starke Radfahrer sind und die sich dank ihres tollen Teams zumindest teilweise auch selbst in die Trails stürzen konnten. So konnte ich z.B. mit Alex auch unterwegs etwas plaudern und ihm auch auf dem super genial langen Singletrail am Sonntag hinterherfahren. Er als ehemaliger MTB Lizenzler (habe ich das richtig mitgenommen, Alex?) wusste, wie’s geht und ich dachte mir so – „ah, so schnell kann man hier also problemlos fahren“ (hüstel) und bin hinterher. War das eine Gaudi! Stephan hat sich allerdings vorrangig um die Verpflegungsstellen und tagesaktuellen Dinge gekümmert und stand sonst überall mit seiner Kamera herum. Sogar am Sonntag im Wasser. Samt Kamera. Ungeplant. ;-)

Es hat mich sehr gefreut, Jon Woodroof (dem Kopf hinter TwotoneAMS) kennenzulernen. Er hat, wie oben geschildert, den Vortrag zum Silkroad Mountain Race gehalten. Und wir werden uns beide bereits im Oktober zur Erstaustragung des neuen Transpyrenees Race, dem #TPRNo1, wieder treffen. Sehr geil. Aber auch Ken Brinsmead, der für Liasion Angelegenheiten bei Wahoo zuständig ist, ist ein sehr fähiger Radfahrer und sympathischer Mensch. Der auch gerne seine Erfahrungen aus seiner MTB-Lizenz (noch so einer… ;-)) mit kleinen und kurzen Tips an seine jeweiligen Mitfahrer weitergab, wie ich verfolgen konnte. Und natürlich die bekannten Gesichter aus den letzten Jahren. Der Votec Gravel Fondo hat nicht wenige Wiederholungstäter. Zu recht. Deswegen viele Grüße an Achim, Andi, Thomas, Dirk, die Jungs von GoodTimesRoll.cc und all die anderen netten Mit-Graveller!

Good Times Roll am Badesee…
Immer großes Blatt und 8000 Watt! Julien brauchte 200 Watt für die Kurbel und 7800 Watt für den mobilen Wifi-Hotspot – er war der offizielle Instagram-Storyteller des Gravel Fondo.

Apropos Industriepartner: Wer Votec Bikes probefahren wollte, konnte dies tun, wenn er sich früh genug für eines der begrenzt vorhandenen Räder angemeldet hatte. Von Wahoo konnte man wie jedes Jahr wieder zahlreiche Geräte leihen und ausprobieren. Ich meine, Ken sagte irgendwas von 70 Geräten, die er an die Teilnehmer ausgegeben hatte. Ich habe ihm übrigens meine Kritikpunkte am neuen Roam mitgeteilt, die er auch allesamt nachvollziehen konnte. Ich bin gespannt, wann und in welcher Form ein Nachfolger des Roam herauskommen wird. Eigentlich sehr schade, dass ich so von einem erst frisch herausgekommenen Produkt sprechen muss. Aber nicht nur für meine Belange (da natürlich für europakreuzende Rennen ganz besonders) ist der geringe Speicher durch die stark angewachsenen Kartengrößen vom Start weg nicht mehr zeitgemäß. Sorry – kein Lob für Wahoo für den Roam. Ihr kennt mich, ich nehme da kein Blatt vor den Mund, wenn mir etwas nicht gefällt. Für’s Weichspülen und Kritikpunkte nicht ansprechen sind die kommerziellen Radsportzeitschriften und die ganzen auf Ambassador-Status und Freebies hoffenden Fanboy-Influencer zuständig. Lob aber für Wahoo für den Bolt, den Element und die Unterstützung ihrer vielen Kunden und der Gravel Fondo Veranstaltung!

Gravel Union, Schwalbe und Shimano waren weitere Unterstützer. Und von WTB steckte eine Trinkflasche im Goodiebag. Ob die sich mit den Reifen grün waren…? ;-) Aber meine Güte, wenn ich an die ganzen aufgerissenen Schlauchverpackungen an den Verpflegungsstellen denke, hatte Schwalbe allein damit genug zu tun… Shimano bot technische Unterstützung und hatte ein paar ihrer neue Produkte am Stand verfügbar. Schuhe, Vorbauten und auch deren halbwegs neues Bikepacking-Taschensystem. Und vor allem die in diesem Jahr neu vorgestellte GRX Gravelgruppe. Mal in 1x und mal in 2x Konfiguration an zwei Rädern zum befingern (leider nicht zum Probe fahren). Ich muss schon sagen, die macht einen sehr guten Eindruck. Auch die für Rennrad-Sehgewohnheiten ungewöhnlichen neuen elektronischen Brems-/Schalthebel mit dem geänderten Drehgelenk-Punkt der Hebel machen einen sehr guten Eindruck und griffen und bedienten sich zumindest im Stand sehr gut.

Campz gehört ja wie Brügelmann auch zur Internetstores GmbH und das passte ganz gut, denn so konnten den Teilnehmern fertig aufgebaute Zelte als Unterkunft angeboten werden. Das fand ich sehr bequem und mir hat auch das Zelt sehr gut gefallen. Bin da überhaupt kein Spezialist drin und habe ewig nicht mehr in einem Zelt geschlafen. Das Angebot fand ich aber ganz praktisch, das Zelt im Anschluss für einen sehr guten Spezialpreis gleich mitzunehmen. Vorausgesetzt, man baut es selbst ab. :)

Zelte am Morgen.

Ich habe zwar mit dem Gedanken gespielt, es aber doch verworfen. Selbst der geringe Beitrag wäre vermutlich zu viel gewesen, weil ich entweder gar nicht zelte oder, sollte ich für irgendein Unterfangen doch mal ein Zelt anschaffen wollen, dann doch wieder ganz tief in die Spezial- und Ultraleicht-Kiste greifen will. Ich weiss gar nicht, ob Campz da auch was im Angebot hat. Wunschtraum: beim nächsten Gravel Fondo darf man mit langer Vorausplanung selbst den Katalog wälzen und das Wunschzelt seiner Wahl buchen, aufbauen lassen und dann zum Sonderpreis nachher mitnehmen… Hüstel. Na, Campz und vor allem das Aufbauteam der freundlichen Helferinnen und Helfer werden sich bei mir für diese Idee bedanken…. ;-)

Apropos Goodie-Bag. Die waren wieder sehr nett befüllt. Mich freut es immer, wenn da nicht aller möglicher Kram (und vor allem Papier) von den unterstützenden Firmen drin ist, sondern mehr liebevoll ausgewählte und das Event unterstützende Dinge drin sind. Dafür gab’s dieses Jahr Extrapunkte, auch beim Branding. Ein Mini-Kulturbeutel oder Handybag mit Votec Gravel Fondo Logo. Nett. Und da drin eine Schlafmaske mit Gravel Fondo Logo. Hah, die habe ich sogar am Sonntag morgen benutzt, weil ich noch etwas dösen wollte, und der Himmel doch schon hell wurde. Ohrenstopen (aber ohne Logo ;-)) waren auch sehr praktisch. Und ich habe jetzt eine sehr schöne emaillierte Blechtasse, mit der wir auch auf nachhaltige Weise die leckeren Kaffeespezialitäten genießen konnten. Denn dieses Jahr war zum zweiten Mal wieder Blackbird-Coffee am Start, die die Mühle mahlen und den Zweikreiser zischen ließen. Und jede einzelne der leckeren Kreationen bekam ein kleines Latte-Art-Herz, wenn Milch involviert war.

Da schaut jemand zu viele GCN-Bikepacking-Videos… ;-) Sorgt damit aber für gute Gelegenheit, die Gravel Fondo Tasse zu fotografieren.
Blackbird Coffee sorgte wie auch schon im letzten Jahr für leckere Kaffee-Kreationen.

Und auf diese Weise war es wiedermal ein rundherum gelungenes Wochenende auf dem Votec Gravel Fondo. Ich freue mich schon auf die fünfte Ausgabe und bin gespannt, wo es uns da hinführen wird!


Link zu den Strava-Aktivitäten der beiden Tage: Tag 1, Samstag und Tag 2, Sonntag


Noch mehr Fotos vom Gravel Fondo Wochenende findet ihr in dem von mir extra angelegten Album in meinem flickr-Account:

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6 Kommentare zu „Aller guten Dinge sind… 4. Votec Gravel Fondo

  1. Feiner Bericht …. zu Deinen mysteriösen Druckverlusten: hatte ich auch so, ging tatsächlich erst durch Nachfüllen von ca 10-20 ml Dichtmilch – ich habe die besten Erfahrungen mit Stans … – weg. Es reichte der Rest an Flüssigkeit ansonsten nicht zum Benetzen der undichten Stellen. Hier dann unbedingt einen reminder im iPhone um alle 3-6 (???) Monate nachzufüllen, da je nach Temperaturen ja natürliche Austrocknung besteht …

    1. Vielen Dank für’s Lob und den Ergänzungen zu Druckverlusten. Ja, ich wollte den Artikel nicht mit Details zu Tubelesstechnologie und Sealants etc. überfrachten. Das ist in der Tat so. Es gibt unterschiedliche Reifenarten, vom Tubeless Ready über Tubeless Easy zu 2Bliss (Wortspiel von Specialized) und und und. Jeder Hersteller versteht auch etwas anderes darunter. Aber im Grunde gibt’s Reifen, deren Flanke (und Gesamtkarkasse) dafür gemacht ist 100 % dicht zu sein (und da ist die Dichtmilch im besten Fall dazu da, wirklich nur dann in Funktion zu treten, wenn es ein Loch gibt und ansonsten aber auch, um allfällige Mini-Undichtigkeiten zwischen Reifenwulst und Flanke bzw. im Ventilsitz abzudichten). Und dann die Vertreter mit dem TLE usw. Kürzeln, die meist dafür gedacht sind, mittels Dichtmilch auch noch kleinere Undichtigkeiten der nicht sehr stark vulkanisierten oder beschichteten Flanke abgedichtet zu bekommen.

      Das Ding ist: es gibt Dichtmittel, die egal bei welchem Reifentypus, Schwierigkeiten mit gleichmäßiger Benetzung bzw. dem Erreichen von Undichtigkeiten in der Flanke haben. Finish Line ist wohl die Marke, mit dem größten negativen Image hinsichtlich Dichtmittel. Deren Kampagne war ein Reinfall sondergleichen. Auch die meisten anderen, auf eher lange Haltbarkeit oder andere vermeintlich positiven Eigenschaften getrimmten (neueren) Sealants scheinen da eher schlecht abzuschneiden. Z.B. schneidet das Orange Seal Endurance regelmäßig schlechter ab, als das originale Orange Seal.

      Nach wie vor scheint es also so zu sein, dass die althergebrachten und auf Latexbasis hergestellten Klassiker (Stan’s und das von denen für Schwalbe hergestellte Doc Blue, Orange Seal und auch z.B. Effetto Mariposa) im Gesamtgebrauch am Besten abschneiden und die meisten zufriedenen Nutzer haben.

      Zu meinen Riddler kann ich berichten, dass ich mir letzten Samstag sogar einen Platten eingefahren habe. In der Lauffläche ist ein winziges Löchlein und meine verwendete Dichtmilch – Tune OneShot (ebenfalls mit viel TamTam und vermeintlichen Vorteilen gegenüber anderen Dichtmitteln am Markt beworben) – war nicht in der Lage, das abzudichten. Gehen wir mal zur Verteidigung von Tune davon aus, dass da nach dem Gravel Fondo Wochenende vielleicht irgendwie nicht mehr genug Dichtmilch vorhanden gewesen wäre. Nun – ich habe am Sonntag eine ganze Mini-Nachfüllflasche in den Hinterreifen eingefüllt, und so wirklich Druck hält der trotzdem nicht.

      Da es am Sonntag auch geregnet hatte, konnte ich sehr schön sehen, ob und wo es rausschwitzt. Am Vorderreifen wirklich nur sehr vereinzelt über die Flanken. Das sieht sogar noch vergleichsweise gut aus (du willst nicht wissen, wie das damals immer bei meinem überhaupt nicht für Tubeless vorgesehenen Clement X’Plor Reifen ausgesehen hat – fast wie eingeschäumt. 😅 Aber, es war fahrbar und hielt nach anfänglichen Schütteln, nachfüllen, in alle Richtungen halten usw. zuverlässig den Druck. Das war mit Stan’s Dichtmilch). Und am Riddler-Hinterreifen war an der Flanke gar nichts zu sehen. Noch. Wenn die Reifen mehr Kilometer intus haben (gerade, wenn die Flanke aufgrund wenig Druck viel gewalkt wird), wird sich das irgendwann ändern.

      Natürlich muss regelmäßig geschaut werden, ob da überhaupt noch genug flüssige Phase im Reifen ist, um wirksam überall hinzukommen.

      Ich werde aufgrund dieser Erfahrungen mit der Tune Oneshot Milch die Reifen abmontieren, säubern und wieder zu Stan’s Dichtmilch zurück wechseln. Mal schauen, ob ich zusätzlich noch etwas Glitter reinmische. Ich würde ja gerne etwas von Stan’s Race Sealant hinzumischen, aber 30 Euro für eine Vorratssflasche ausgeben, die dann möglicherweise schneller altert, als sich sie nutzen kann, wäre auch blöd.

  2. Toller Bericht mal wieder, danke dafür!

    Mein eigenes Drama mit dem Riddler hast Du ja vielleicht auch schon bei mir nachgelesen. Wird vermutlich ein Montagsmodell gewesen sein.

    Ich hatte mit meinen Schwalbe G-One Bite mit Schwalbe Milch eigentlich wenig Probleme. Ich hatte aber zuletzt definitiv ein paar Einstichstellen durch die dann etwas Luft entwich, was sich beim Nachpumpen durch leises Zischen bemerkbar machte. Bemerkt habe ich das immer erst morgens vor dem Weg zur Arbeit, oder abends, wenns zurück gehen sollte. Immer waren nur noch maximal 1,5 von ca. 3 bar übrig. Ich habe dann darauf geachtet den Reifen bewusst mit der Stichstelle nach unten abzustellen. Dann hat die Dichtmilch das Ihrige getan. Leider hat das nie lange gehalten.

    Irgendwann hatte ich die Nase voll und habe den Reifen demontiert um ihn genauer zu untersuchen. Und siehe da: Es saß eine winzige Scherbe noch im Durchstich. Außerdem war mittlerweile (nach etwa 4 Monaten) keinerlei Flüssigkeit mehr im Reifen. Ich vermute, dass die Dichtmilch das Leck immer wieder verschließen konnte, aber während der Fahrt die Scherbe durch Walken dies wieder zunichte gemacht hat.

    Trotz neuer Dichtmilch und entferner Scherbe war zuletzt der hintere Reifen nicht dauerhaft dicht zu bekommen.
    Am letzten Wochenende bin ich dann mit gemischten Gefühlen den Dirty Boar angegangen, ohne Luftverlust. Und jetzt seit drei Tagen immer noch kein Nachpumpen erforderlich.
    Richtig verstehen kann man das nicht.

    Beim Reinigen des Materials nach der Dirty-Boar-Schlammschlacht stellte ich übrigens reichlich Latexmilch auf dem Sattelrohr und der Satteltasche fest. Das geht echt schwer runter!

    Viele Grüße aus Duisburg,
    Markus

    1. Hi Markus, das mit der Scherbe ist interessant und gut im Hinterkopf zu halten. Insgesamt zeigt aber auch dein Beispiel wiedermal, dass Tubeless zwar viel kann, aber seine Vorteile halt auch mit anderen Nachteilen erkauft werden müssen und dass es so etwas wie ein 100 % zuverlässiges System nicht gibt. Wie bei allem im Leben: Hourses for Courses und „Irgendwas is ja immer (TM)“.

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