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Slam that Stem – Körperstatikbeurteilung und Sitzpositionsvermessung bei Kom*Sport

Am Dienstag war ich bei KOM*SPORT in Köln. Die bisher zweite Sitzpositionsanalyse und Fußdruckbeurteilung / Einlegesohlen-Anpassung in meinem nun doch schon 8 Jahre langem Rennradler-Leben.

Warum habe ich mich, etwa 6 Jahre nach meiner ersten solchen Analyse (damals in Frankfurt), dazu entschieden?

Es war ein sehr guter und wertvoller Termin. Von 16:30 bis 19:00 Uhr, also 2,5 Stunden war ich bei Komsport vor Ort. Es wurde sich sehr viel Zeit für mich und meine individuellen Bedürfnisse genommen. Das betrifft die Sehnen-OP vor 1,5 Jahren und meine Ausrichtung auf Ultradistanzrennen, die zusammengenommen die Hauptmotivatoren für meinen Besuch dort darstellten.

Letzten Endes war das aber für die Beurteilung meiner Körperstatik, der Diagnostik und der Sitzposition gar nicht (so) ausschlaggebend. Denn letzten Endes fängt jegliche Einstellung und Anpassung, egal von was (Schuhe, Einlagen, Cleats, Sitzposition usw.) und für was (Rennrad, Zeitfahren, Freizeitfahrer) mit dem Funktionstest der Füße und Sprunggelenkte und der Beurteilung der Körperstatik an. Und meine Positionsanpassung auf dem Rad folgte der gleichen Grundlage und danach meinem eigenen Physiognomie. Unabhängig von dem Zweck, wofür ich mich eigentlich fitten lassen wollte – nämlich vorrangig Komfort und wenig Belastung auch auf sehr langen bis mehrere Tage langen Strecken.

Slam that Stem

Um es vorweg zu nehmen, hat Patrick mit mir „Slam that Stem“ gespielt. Das hätte ich im vorhinein nicht gedacht, dass das sogar für das generelle Komfort-Empfinden besser sein könnte. Alles in allem ist das ja jetzt erstmal eingängig, dass man für Langstrecken-Komfort nicht zu gestreckt sitzen sollte oder auch nicht zu tief vorgebeugt sein sollte. Die Detailfrage ist aber, welche Gelenke bzw. Sehnen- und Bandstrukturen tatsächlich wie in Bezug zu einander stehen. In dem ich im Endeffekt leicht nach vorne rotiert wurde, der Nachsitz (Distanz Tretlager zur Sattelspitze) auch verringert wurde und die Sattelneigung etwas verbessert wurde (ich hatte den neuen Selle San Marco Shortfit montiert, der sich bisher sehr gut anließ, den ich aber erst mal noch etwas zu hoch in der Spitze geneigt hatte) und gleichzeitig der Lenker deutlich tiefer gelegt wurde, entspannte sich mein gesamter Nacken- und Schulterapparat. Auch die Beugung des Rückens wurde letztendlich sogar reduziert, indem eine reverse Beckenrotation (meine laienhaften Worte) minimiert wurde.

Aber etwas kürzer und kompakter wurde ich dadurch auch gemacht. Die Empfehlung lautet auch, den Vorbau um einen cm zu verkürzen und ich sollte einen Rennlenker mit 25 mm reduziertem Reach verbauen.

Soweit, so schon sehr interessant. Die Zeitfahr-Aufsatz-Position müssen wir uns danach nochmal ansehen, wenn ich den entsprechenden Umbau vorgenommen habe. Patrick hat aber trotzdem schon mal einen Blick drauf geworfen und es stellte sich heraus, dass er so jetzt mit dem bis auf die Top-Cap geslammten Vorbau von der Höhe genau richtig scheint. Die Elbow-Pads müssten zum jetzigen Stand gerne noch 2 cm zurück, d.h. mit dem später dann 1 cm kürzeren Vorbau nur 1 cm. Das entspricht auch meinem Gefühl in den Aerobars, dass einfach top ist. Patrick hat mir auch genau das bestätigt, was ich nach meiner Befassung mit dem Thema auch immer sage (und in diesem Beitrag zum Aerobar-Setup mal ausführlich erklärt und mit Grafiken unterlegt habe), dass die Pads etwa zwei cm vom Ellenbogen zu liegen haben und dass deren Position bei ansonsten passendem Lenker dann deutlich hinter diesem zu liegen kommen müssen. Was man bei mir ja auch sieht. Und was gleichzeitig bedeutet, dass alle Aufsätze, die es nicht gestatten, die Elbow-Pads separat hinter den Montagepunkt aum Lenker zu fixieren, fern von optimal sind.

Auch insgesamt ging die Zeit mit interessanten Diskussionen wie im Fluge vorbei. Nicht nur um’s Fitting drum herum sondern auch zu Vorbaudämpfungen, Reifen, Maßrahmen und vor allen Schuhen.

Bei meiner Position auf dem Rad dachte ich (denke ich jetzt auch noch): so viel kann da nicht falsch sein, wenn ich damit schon zwei (na gut, 1,8) Transcontinental Races und ein Three Peaks Bike Race relativ problemlos hinter mich gebracht habe. Aber Raum für Verbesserung ist ja überall. Und mal jemandem von außen auf die eigene Position schauen lassen und vor allem jemanden, der da richtig Ahnung von hat, drauf schauen zu lassen, kann ja nur zu neuen Erkenntnissen führen.

Bei den Füßen dachte ich, ist aber sicher das meiste Potenzial zu holen. Zwar sind auch hier nach erst etwa so 3 bis 4 Tagen leicht taub werdende kleine Zehen sicher absolut kleine Problemchen in der Spanne der möglichen Ausfall-Erscheinungen bei solchen Ultradistanzen und so mancher würde vielleicht froh sein, wenn er von ähnlich wenigen Problemen auch nur bei einem Eintages-GranFondo berichten könnte. Aber das (und die Tendenz, dass der linke kleine Zeh sich auch recht bald Blasen holen will) deutet ja auf eine verbesserungsfähige Druckverteilung im Schuh hin. Und eine Verbesserung hier kann sich auch nur positiv auf die Leistung und auf latente Probleme bei Sehnen und Gelenken auswirken.

Und ich wollte wissen, ob und wie sich ggfs. die damalige Ruptur meiner Großzehensehne im Fußgewölbe oder anderswie manifestiert hat und ob sich Anpassungen meiner Einlegesohlen daraus ableiten lassen. Denn ich hatte schon vor einigen Jahren mal spezielle Einlegesohlen anfertigen lassen und als die mir dann irgendwann durchgenudelt erschienen, hatte ich mir Solestar-Sohlen zugelegt. Aber nicht individuell angepasst, sondern als Standard-Kauf „vom Regal“.

Köln ist nah, Komsport und Solestar auch.

Und das ist das besonders Praktische – durch die enge Verbindung von Komsport und Solestar sind individuelle Anpassungen über Komsport besonders einfach. Sogar noch einfacher, als ich gedacht hatte. Nachdem ich zu erst ein kleines Eingangsgespräch mit Patrick und mit Sebastian hatte, nahm sich zuerst Sebastian meiner und meinen Füßen und Körperstatik an, während Patrick mit meinem Rad entschwand und es für die folgende Bikepositions-Anpassung vorbereitete.

Nach der Fußanalyse entschwand dann Sebastian mit meinen alten mitgebrachten Solestar-Einlagen und Patrick zeigte mir zur Information ein paar sehr interessante Lake-Schuhe, die meiner Fußform eher entsprächen als meine Gaerne. Ihr kennt ja vielleicht meine Sensitivität bei Radschuhen nicht nur hinsichtlich Passform der Leisten, sondern auch der Ausstattung und Ausformung des Einstiegsbereiches sowie besonders auch der Zunge. Ich habe da ja schon zig Schuhmarken und Schuhmodelle ausprobiert. Und bin deswegen auch wieder bei Gaerne gelandet. In der Tat passten die gezeigten Lake-Modelle aber auf Anhieb genau so gut. Im Vorfuß sogar etwas besser und im Einstiegsbereich auch (zumindest im Laden) unauffällig und gut. Definitiv eine Überlegung wert – wenn nicht für Rennradschuhe (die Gaerne sind ja recht neu), dann aber für MTB-Schuhe, wo ich ja immer noch auf der Suche bin.

Dann war auch Sebastian wieder mit meinen angepassten Solestar-Einlagen da. Die Cleat-Position hatten wir schon vorher etwas nach hinten Richtung Fußmitte passend zur Verbindungslinie Groß- und Kleinzehen-Grundgelenke korrigiert.

Erst danach ging es dann zur schon erläuterten Radpositionsanpassung.

Ich hatte Gelegenheit, die neue Position und die Einlagen- samt Cleat-Anpassung im Anschluss direkt zu testen. Natürlich noch mit meiner alten Vorbaulänge und meinem bestehenden Lenker. Denn ich bin von Köln aus mit meinem Rad nach Hause gefahren. Etwa 57 km bis nach Wuppertal. Und besonders die Füße und die Fußposition fühlten sich super an. Auch von meiner Haltung auf dem Rad fand ich ok, tendenziell besser, auf keinen Fall schlechter. Ob die Position auch für den Rücken besser ist, kann ich nach dieser einen Fahrt noch gar nicht sagen. Vor allem deswegen nicht, weil ich die ganze Zeit einen schweren Rucksack auf dem Rücken hatte (Notebook, Straßenkleidung, Radschloss, Krams) und ich das normalerweise überhaupt nicht gewohnt bin.

Das werde ich jetzt also noch in den nächsten Ausfahrten weiter beobachten. Die Fußgeschichte erscheint mir schon einmal super gelöst. Aber auch das ist Gegenstand weiterer Beobachtung. Bezüglich des Sattelmodells muss ich noch weiter überlegen. Auf meinem gerade frisch aufgebauten No. 22 Drifter habe ich zur Vorsicht direkt mal den Brooks Cambium C13 Carved Allweather montiert. D.h. die Carbon-Variante meines bereits erfolgreich benutzten alten Cambium C15 Carved.

Ich habe das Fitting noch auf Basis meines schon bewährten J.Guillem Orient durchführen lassen (und nicht für das neue Drifter), weil ich in seiner bisherigen Einstellung eine Baseline haben wollte und wissen wollte, ob ich überhaupt eine neue Position erhalten würde und wenn ja, wie und in welcher Art die von meiner bisherig gewählten Position abweicht. D.h. ich werde jetzt zum einen etwas mit dem Orient testen und zum anderen die neue Position auch auf das neue Drifter übertragen und sehen, wo ich da lande.

Anhand des übernächsten Fotos sieht man die Unterschiede in der Position vorher und nachher. Beachtet, dass ich den erst vor kurzem in den Test genommenen Selle San Marco Sattel als nächstes sowieso selbst schon in der Neigung mit der Nase nach unten korrigiert hätte. Was ich vor kurzem zu Sätteln auf Instagram geschrieben habe, könnt ihr hier noch mal sehen und auch gerne dem Link folgen (es geht da nämlich noch weiter. ;-)).

Ein paar Gedanken zum Selle San Marco Shortfit Dynamic Open-Fit Wide L3 und zu (Shortfit)-Sätteln insgesamt auf Instagram
Mein J.Guillem Orient aufgebockt zur Sitzpositionsanalyse bei KOM*SPORT. Links vorher, rechts nachher.

Rahmen, bzw. Oberrohrlänge und Steuerrohrlänge passen demnach also ideal und das sogar nicht nur ohne jeden Spacer, sondern idealerweise sollte ich auch die Top- bzw. Dustcap durch ein nur minimal hoch bauendes Exemplar ersetzen. Sehr praktisch, dass ich das schon beim Drifter so vorgesehen habe und da dann wahrscheinlich auch komplett auf alle Spacer verzichten kann, wenn sich beim Fahren in Natura diese Position bestätigt. Die Änderung der Sattelneigung erscheint extrem, ist allerdings im Fotovergleich durch leicht unterschiedliche Winkel nochmals betont, wäre von mir ohnehin reduziert worden und ist so wie sie jetzt rechts eingestellt ist gemäß Patrick gut – aber wir haben jetzt auch nicht mit den „Millimeterbruchteilen“ gespielt alldieweil Patrick sehr zufrieden war und der 3T-Lockingmechanismus bei der J.Guillem-Titanstütze das auch gar nicht gewährleistet. Ich muss wie gesagt ohnehin sehen, ob der Selle San Marco der Sattel der Wahl für Ultradistanzen sein kann.

Erst war meine Sitzhöhe etwas reduziert worden, dann nach der Anpassung vorne wieder leicht nach oben. Mit dem Resultat, dass die Sattelhöhe exakt wieder da landete, wo ich sie ohnehin eingestellt hatte. Aber der Nachsitz wurde reduziert – also der Sattel etwas nach vorn gerückt.

Jetzt springe ich gleich mal auf mein Rad für eine weitere Ausfahrt am heutigen Feiertag und werde die neue Position weiter testen.

Alles in allem bin ich super zufrieden mit dem Nachmittag bei Komsport in Köln.

7 Kommentare

    1. Hi Stefan, danke für den Hinweis. Ja, Tailfin kenne ich. Wirklich sehr interessant. Besonders deren neue Tasche mit dem Gelenk (die aktuell in leichter Verzögerung der Erstauslieferung ist).

      Ich schaue mir solche Sachen eher unter dem Aspekt des Bikepacking und Ultracycling anstelle des Pendelns an. Ich bin eh‘ nur ‚Teilzeitpendler‘ ;-) und dafür würde ich mir keinen Tailfin kaufen wollen. So ganz preisgünstig sind die Dinger ja leider auch nicht.

      Der Preis wäre aber nur die eine Sache. Die andere Sache wäre das zwar nur leichte, aber doch signifikante Zusatzgewicht gegenüber einer normalen Saddlebag wie von Ortlieb oder Apidura). Ein kleines bisschen war die Optik dann auch noch ausschlaggebend bei mir. Habe aber wirklich lange nachgedacht, ob ich mir deren neues Modell holen sollte. Argument wäre die bessere Zugänglichkeit des Inhalts gegenüber einer klassischen Saddlepack gewesen. Konterargument wie gesagt aber der stolze Preis, in der Gewichtung etwas höher aber noch das Gewicht und die Zusatzstreben (hinsichtlich Optik).

  1. Hallo Tosten,

    schöner Artikel zu einem wichtigen Thema. Bei welchem Bikefitter in Frankfurt warst Du und wie war der im vergleich zu komsport? Ich wohne in der Nähe von Frankfurt und will nun basierend auf den Ergebnissen eines Bikefittings des dortigen Rad-Labors ein neues Gravelbike kaufen.

    Herzliche Grüße,
    Karsten

    1. Hi Karsten, das war damals Jens Machacek. War auch eine gute Erfahrung. Zu lange her um das irgendwie zu vergleichen. War recht ähnlich von der Herangehensweise.
      viele Grüße
      Torsten

  2. Hi Torsten, aus gegebenem Anlass einer Schuhsuche: Hast Du Dir dann Lake-Schuhe für MTB/Gravel gekauft? Wenn ja, welches Modell und mit welcher Erfahrung?

    Beste Grüße
    Karsten

    1. Hi Karsten. Ja, ich habe mir die Lake MX 237 gekauft. In Größe 41.5 und in der Regular Version. Die sind mir schon weit genug und passen super. Also für mich da kein Bedarf, noch eine „Wide“ Version zu kaufen.

      Das Oberteil ist aus Känguru-Leder. Trotzdem war der Einstiegsbereich samt Heel cup sehr steif und hat mir in Marokko echt Probleme gemacht. Sind also nicht die richtigen Schuhe für ausgedehnte, stundenlange Hike-A-Bike Eskapaden über steile und fels-übersähte Maultierpfade. Dafür ist auch die Sohl etwas zu steif.

      Für alles andere sind sie aber super! In der Tat: ich habe sie jetzt auch für das TPBR2020 genutzt, was ja rein über Straße verlief. Ist mein aktueller Standardschuh.

      Was nicht so schön ist: das schwarze Leder der Zunge färbt ab wenn’s hoch her geht oder es regnet. Tipps wie Haarspray etc. helfen da nur bedingt. Es gibt wohl wirklich keine auch nur halbwegs perfekten Schuhe da draußen. Seufz.

      1. Ich habe gerade einen Lake MX 241 zu Ansicht da. Als Schuh durch die Bauart eher ein dicker Mesh-Strumpf mit einer Schnürsandale drumherum. Der Schuh lässt sich sehr weit öffnen, so dass der Einstieg einfach ist, und gut in der Weite um den Fuß regulieren. Durch die Einteilung des Schuhoberteils in Segmente ist der Fuß darin sehr beweglich – anders ausgedrückt gibt er zur Seite wenig Halt, übt aber auch keinen Druck aus. Angabegemäß ist er für Langstrecken gemacht. Sohle und Ferse wie beim MX 237 Carbon, die Probleme beim Gehen sollten also die gleichen sein.

        Praktische Erfahrung habe ich damit noch nicht gemacht. Vermutlich werde ich ihn zurückschicken, da mir die weite Größe zu wenig Halt zur Seite gibt und ich die normale Weite probieren will.

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