Sonne, Flüsse und Burgen – In 4 Tagen mit dem Rad von Wuppertal quer durch die Eifel und entlang der Mosel

Hach, was hatten wir für tolles Wetter über Ostern! Genau richtig für meine geplante Bikepacking-Runde, die mich in die Eifel führen sollte. Wie ich schon in meinen Jahresplänen als Idee für mich und Anregung für Euch schrieb: Einfach mal mehr Deutschland von der Haustür aus entdecken. Zum Beispiel und am liebsten die deutschen Mittelgebirge. In der Eifel war ich ja nun schon ein paar Mal. Einmal zu einem Extrem-Radmarathon quer durch die Eifel. Mehrfach zum bekannten Rad am Ring auf dem Nürburgring. Und nun auch schon zweimal zu einer sehr interessanten Veranstaltung im Dezember, dem BOTReycat. Einem Alleycat kreuz und quer durch das Hohe Venn und die Eifel rund um das Signal de Botrange und Monschau.

Die Burg Monschau im Abendlicht.

Nun war ich also schon zweimal in Monschau – aber immer im Winter und zu Weihnachtsmarktzeiten. Ich wollte es und seine Umgebung endlich auch mal ohne Schnee und im Frühling oder Sommer kennenlernen. Auch die Osteifel und in ihr die Moseleifel wollte ich mir mal näher mit dem Rad ansehen. Teile kannte ich ja schon. Z.B. die Gegend um Cochem vom Wandern. Viel weiter Moselaufwärts hatte ich es aber noch nicht geschafft. Trier war zum Beispiel noch ein weisser Fleck.

Also – ran an die Routenplanung:

Routenplanung / Trainingsintention:

Ich schaue in Komoot (www.komoot.de), welche Distanzen das wohl werden könnten. Wuppertal – Monschau rund 165 km, Monschau – Trier ähnlich. Dann die Mosel hoch je nach dem, was man noch so mitnehmen will und wieder zurück nach Wuppertal. Das sah gut aus. Alles in allem sollten es nicht wesentlich mehr als 600 km werden. Schließlich wollte ich noch etwas von der Gegend und von den Zielorten erkunden und genießen. Und ich wollte einen sinnvollen Trainingsblock fahren.

Sinnvoll heisst für mich: Nicht aus dem Winterschlaf von der Couch fallen und sich mit einer 300 km Fahrt am Stück beweisen, dass man es mental fertig bekommt, das durchzustehen (und danach erstmal wieder seine Zipperlein auskurieren muss) sondern eingebunden in sukzessiv steigende Trainingsumfänge sinnvolle Reize in Umfang und Intensität zu setzen.
Sprich: ich hätte genauso gut ein Minitrainingslager daheim (oder auf Mallorca) durchführen können und einen Belastungsblock mit 4 aufeinanderfolgenden Tagen G1 (und ein paar Intensitätsreizen) fahren können. Dabei dann jeden Morgen von daheim oder vom Hotel aufbrechen und abends wieder dorthin zurückkehren können.

Oder ich verbinde das mit dem Durchfahren weiter von daheim weg liegenden Landschaften und vergrößere meinen Aktionsradius, in dem ich einfach ein paar Sachen zum Übernachten mitnehme. Und dabei auch gleichzeitig noch ein paar Sachen am beladenen Rad testen kann (siehe die weiter unten kommenden Anmerkungen zum Sattel, zu den Taschen, zu Schuhen und Fußbequemlichkeit).

Rund 600 km in 4 Tagen. Bestens also. Und doch war bereits das ein (bewusstes) Durchbruchstraining. Bedeutet: Schon sowohl für jeden einzelnen Tag als auch für die 4 Tage in Folge einen deutlich höheren TSS als im ganzen bisherigen Jahr setzend.

Routenplanung analog. War aber nicht nötig. ;-)

Übernachtung und Unterkunft:

Meine Etappenenorte und folglich auch Übernachtungsorte waren Monschau, Trier und Mayen.

Bikepacking hat viele Facetten. Es sagt ja keiner, was man packen muss. ;-) Ich habe Schlafanzug und Kreditkarte eingepackt (aber trotzdem überall bar bezahlt).

Da es sich ja um kein Selbstversorger-Rennen handelte, konnte ich meine Hotels in Ruhe von daheim vorbuchen und auch direkt in meine Routenplanung übernehmen. Sehr praktisch. Wenig praktisch, aber nicht anders erwartet, waren mal wieder die Rezeptionsöffnungszeiten. Die sind im Westen Europas typischerweise sehr kundenunfreundlich. Dass sie aber so früh waren, hätte ich jetzt auch nicht erwartet. Ok, die Osterfeiertage spielten da sicher auch mit hinein. Aber von 3 Unterkünften hatte nur eine die Rezeptionszeit bis 21:00 Uhr (in Monschau), alle anderen nur bis 18:00 Uhr. Da würde ich unter normalen Umständen überhaupt nicht buchen – aber zeitlich passte es so halbwegs und furchtbar viel Auswahl war in meinen Zielorten einerseits generell und andererseits aufgrund Ostern eh nicht.

In Trier hatte ich das so gelöst, dass mein Hotel auf der Anfahrtsroute 5 km vor Trier lag. Dort bin ich also eh vorbei gekommen, habe mir den Schlüssel abgeholt und bin dann direkt weiter nach Trier geradelt, um mich dort umzusehen.

Für Mayen hatte ich am Nachmittag extra umgeroutet und zusätzlich noch nach Cochem ein geiles Sweetspot-Training absolviert samt zwei Top-Ten-Platzierungen in Strava-Segmenten geholt, um pünktlich um 18:00 Uhr in Mayen zu sein. War nicht schlecht – gute Zusatzmotivation. ;-) Auch da habe ich mir dann erst mal nur den Schlüssel geholt und bin auch sofort weiter, um mit dem Rad durch Mayen zu bummeln und mir erst ein Eis und danach einen Dönerteller zu organisieren.

Was ich nicht gedacht hätte: Bargeld ist sehr anzuraten. Glücklicherweise war das kein Problem für mich. Bei einem Hotel wäre Kartenzahlung nicht möglich gewesen, ein anderes hatte gerade Probleme mit ihrer Online-Verbindung und musste schon einen anderen Gast zum nächsten Geldautomaten schicken und beim Dritten war ich froh, der Dame einfach mein Geld herüberreichen zu können anstelle darauf zu warten, bis die ihr Online-Terminal an den Start gebracht hätte…

Wetter:

Vom Fahren und Erlebnis war es toll. Bestes Wetter, an allen Tagen fast nirgendwo ein Wölkchen am Himmel und so warm, dass ich nur morgens in Wuppertal bis zum ersten Anstieg und am Samstag morgen für die Abfahrt nach Monschau meine dünne Castelli-Windweste anzog. Unten in Monschau fuhr ich in eine regelrechte Kaltluftlinse, so dass ich da für’s erste und für das Sightseeing sogar von der Castelli-Weste zur Endura-Primaloft-Weste wechselte. Das war’s dann aber auch. Sonst allzeit nur kurz-kurz und jeden Tag Sonnencreme mit Lichtschutzfaktor 20. :)

Das Wetter und seine Aussichten beeinflussten natürlich auch meine Packliste:

Was habe ich mitgenommen:

Die Wettervorhersage war stabil und wies bestes und warmes Wetter aus. Wenig Grund für besondere Vorkehrungen aber ein Basisbesteck – und wenn es nur gegen kalten Wind und möglichen Zwangspausen nach schweistreibender Anstrengung genutzt wird – muss immer dabei sein. Neben Baselayer, Kurzarmtrikot, Bibshorts und Socken wanderten daher auch noch Arm- und Knielinge, meine erprobte, dünne Primaloft-Weste von Endura und (man weiss ja nie) eine Gore Shakedry-Regenjacke (superleicht und winziges Packmaß) in die Taschen. Gegen frischen Morgenwind habe ich dann kurz vor Abfahrt doch noch die leichte Castelli-Windweste mitgenommen. Wechselklamotten für das Rad habe ich mir gespart. Wenn ich die nicht für ein Transcontinental brauche, dann für 4 Tage schon mal gar nicht. Aber ich wollte ja einen kurzen Osterurlaub und kein Survival-Camp veranstalten, also packte ich für Abends und die Hotelübernachtungen noch eine Treckinghose, Unterwäsche, T-Shirt, Oberhemd und Schlafanzug ein. Samt einem normalen Paar Socken und meinen erprobten Kungfu-Slippern. Mit zwei Ersatzschläuchen und einem Mindestmaß an Pannenmaterial (Flickenset, Reifenhebern, Ersatzkettenschloss) war damit auch die Apidura Expedition Saddlebag angenehm gefüllt.

Mein J.Guillem Orient mit Apidura Taschen (von vorne: Racing Handlebar Pack, Expedition Top Tube Pack, Expedition Compact Frame Pack und der Expedition Saddle Pack in der mittleren 14 l Größe).

Endura-Primaloftweste, Arm- und Beinlinge, Hygiene-Zipplock-Beutel (mit Minizahnpasta, Zahnbürste, Gesäßcreme, Blasenpflasterpäckchen, Wundcreme und Traumel-Salbe) und Geldbeutel kam in die Rahmentasche. Ein paar Geltütchen und 2 Sandwiches mit Erdnussbutter und Marmelade kamen in die Top-Tube-Bag. Im Grunde hätte ich in diese Taschen alles hineinquetschen können. Aber dann dachte ich: „Was soll der Geiz“ und habe der Einfachheit halber noch die Apidura Race Series Handlebar Pack unter die Aerobars gehangen. So konnte ich auch noch eine ganze Tüte Nüsse einstecken, musste die Shakedry-Jacke nicht auch noch in den anderen Taschen mit unterbringen und konnte auch eine etwas größere Flasche Sonnenmilch einstecken (für Bikepacking-Rennen kaufe ich mir sonst extra kleine Fläschchen).

Apidura Racing Handlebar Pack mit Riegelvorrat.

So war alles angenehm locker befüllt ohne aber all zu viel leeres Volumen mit zu nehmen.

Auf der Cyclingworld Düsseldorf hatte ich mir zum Messepreis ein Ottolock gekauft. Ich dachte mir, dass ein etwas robusteres Schloss, das gleichzeitig immer noch transportabel ist, vielleicht für ein hochwertiges Rad angemessener ist, als mein bisheriges Aufrollkabelschloss. Auch im Hinblick auf mein kommendes Rad. Aber – was soll ich sagen. Von der Handhabung spricht es mich gar nicht so sehr an. Das einführen und wieder herausziehen in den Schlosskörper fühlt sich immer etwas hakelig an, es ist natürlich nicht so flexibel und auch nicht so lang wie das Drahtschloss. Ich habe es kein einziges Mal benutzt und es immer auf der Seatpack thronen lassen… Statt dessen habe ich immer mein altes Aufrolldrahtschloss verwendet.

Radgewicht und Satteltest:

Riding is testing and testing is riding ;-)

Auch eine lockeres Genuss-Radeln über Ostern bietet sich hervorragend an (bzw. ist ja auch als Teil der Motivation und der Freude an der Sache), Dinge zu testen oder zu verfeinern.

Mein Rad wog 16,5 kg Rad mit allem. D.h. mit wirklich allem. Mit den Taschen, mit zwei 0,5l Flaschen voll Wasser, mit dem nie genutzten Otto-Lock, mit meinem Geldbeutel (den ich sonst für Bikepackin-Rennen komplett entschlacke) und auch mit etwas Verpflegung wie u.a. einem nie angebrochenen Paket Nüssen.

Dabei wiegt mein J.Guillem Orient mit seinen Aerobars (und montierter Lupine Neo samt 6,5 Ah Smartcore-Akku) schon 10,06 kg. Ist also nicht wirklich als Leichtgewicht zu bezeichnen. Was sowohl daran liegt, dass der Rahmen nicht unter besonderen Leichtbauansprüchen konstruiert wurde als auch, dass viele Komponenten unter dem Aspekt Robustheit und Komfort ausgewählt sind. Dazu zählen die Aluminium-Aerobars genauso wie der Redshift Shockstop-Stem oder die Aluminum Sattelstütze. Immerhin konnte ich jetzt beim Sattel etwas abspecken: Bisher habe ich für die Langstrecke gute Erfahrung mit dem Brooks Cambium C15 Carved gemacht. Der wiegt allerdings fette 426 g! Aber: Sattelkomfort steht über allem und seine Metallstreben bieten auch beste Dauerhaftigkeit für die Montage von großen Satteltaschen.

Sattel:

Aber vielleicht geht’s ja noch etwas komfortabler? Die ewige Frage der Ultracyclists… ;-) Oder vielleicht geht es wenigstens genauso komfortabel, dabei aber leichter?
Deswegen hatte ich mir vor einiger Zeit den Specialized Power Arc Expert Sattel in der Breite 143mm bestellt. Das ist ein Vertreter der neuen Mode der besonders kurzen Sättel (Short Nose). Und er hat einen Ausschnitt. Den hat mein Brooks Cambium zwar auch, aber ein Ausschnitt in einer flexibel aufgespannten Satteldecke und ein Ausschnitt in einem vollflächig gestützten Sattel sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Ich war also skeptisch, ob das bei mir nicht zu unangenehmen Druckspitzen führen würde. Deswegen habe ich auch erstmal die preiswerte Expert Version gekauft. Aber schon die spart fast mal 200 g gegenüber dem Brooks. 243 anstelle von 426 g sind signifikant.

Auch hier wie mit meinen Schuhen (weiter unten dazu mehr) ein kalkuliertes Risiko: Lieber hätte ich diesen Sattel mal für eine richtig Lange 100 oder 100+ km Tour ausprobiert, bevor ich ihn mit auf ein Viertages-Bikepacking nehme. Zwar habe ich ihn schon eine Weile, aber bisher meist nur für Fahrten zwischen einer und zwei bis maximal drei Stunden eingesetzt. Da machte er eine ganz gute Figur.

Nach den 4 Tagen kann ich sagen: Der Sattel ist sehr in Ordnung. Er führt zu deutlich spürbarer geringerer (bis non-existenter) Reibung der inneren Oberschenkel an der Satteldecke als beim Cambium, weil diese beim Power Arc da größeren Freiraum haben. Ich muss also weniger bis gar keine Gesäßcreme dort auftragen und hatte dort überhaupt keine Irritationen. Auch lässt er im Rahmen die nötige Freiheit beim Wechseln zwischen Aufrechtposition (Bremsgriffhaltung) und Position in den Aufliegern zu. Und das obgleich die Spitze nicht sehr breit ist, auf der ich dann ja eher hänge.

Vom Komforteindruck ist er aber immer prägnant spürbar. Was natürlich nicht so ideal ist. Manchmal gibt es ja Sättel, auf denen man für eine Stunde gut sitzen kann, die dann aber zunehmend unangenehm werden. Das ist beim Specialized Power Arc nicht so. Da denke ich die ganze Zeit: hmm, also der könnte gerne etwas komfortabler sein. Aber – das bleibt so, auch nach Stunden und jetzt dann 4 Tagen (allerdings 4 Tagen mit nur rund 140 bis 170 km). Insgesamt federt der Sattel auch kaum. Sprich: Rauher Untergrund, der nicht durch Reifen, Rahmen und Sattelstütze gefiltert wird, wird sehr unnachgiebig durch den Sattel weitergereicht. Ist der Power Arc also der ideale Sattel für mich? Ich bin echt noch nicht sicher. Ich glaube, ein einwöchiges Bikepacking-Rennen wäre für mich damit problemlos möglich. Aber ich will lieber nochmal weiter probieren. Vielleicht doch wieder einen Brooks, aber jetzt mal den neuen Cambium C13 Carved 145 All Weather mit Carbongestell. Der soll immerhin nur 280 g wiegen und mittlerweile würde ich seinem Carbongestell auch eine Satteltasche zumuten. Vielleicht noch mit etwas Schutzklebestreifen versehen.

Schuhe und Füße:

Ich merke schon am ersten Tag, wie ich aufgrund der Rahmentasche unwilkürlich besonders das linke Bein vielleicht (?) einen Hauch leicht ausstelle und dadurch eine (natürlichen ?) nach Außen Kippung der linken Fußsohle vielleicht verstärke. Anders als beim rechten Fuß, der die ganze Zeit problemlos bleibt, merke ich jetzt schon direkt (wie sonst beim TCR erst nach 2 oder 3 Tagen), wie der linke kleine Zeh oben außen wund wird. Klebe mir am Abend nach der Dusche direkt ein Blasenpflaster drauf.

Shiny! Meine neuen Gaerne Carbon G.Stilo Rennradschuhe.

Raue und holperige Straßen-Abschnitte verstärken den Effekt der Reibung immer mal wieder in den Folgetagen.
Ansonsten passen meine neuen Schuhe sehr gut um den Fuß. Wieso war ich mit neuen Schuhen auf eine 4-Tages-Bikepacking-Tour aufgebrochen? Eigentlich wollte ich schon seit letztem Herbst neue Rennradschuhe haben. Die nach viel Anprobieren gewählten Sidi stellten sich dann für meinen sensitiven linken Spann beim Fahren als doch nicht ganz so ideal für mich heraus. Daher habe ich sie sofort wieder von ihren Pedalplatten entledigt und für den Verkauf geschont (ihr könnt diese noch erwerben, wirklich kaum gefahren, wie neu und in Größe 42 – siehe hier).

Also doch wieder Gaerne-Schuhe. Mit meinen alten war ich ja auch super zufrieden. Aber jetzt wusste ich nicht, wann da Modellwechsel war. Komischerweise war auch fast nirgendwo die Größe 41,5 zu bekommen. Bis ich sie bei einem Versender entdeckte. Aber – hatte Gaerne was an seinen Leisten geändert? Kaum da und anprobiert, stelle ich fest: ein klein wenig zu eng! Also doch Größe 42! Sind die dann einen Hauch zu groß oder passt dann alles perfekt? Urgs. Nun, bis die dann da waren… war auch die Woche vor Ostern da.

Alt gegen Neu. Tat Not. ;-)

Aber ich kann vermelden: Das Experiment der neuen Schuhe, die ich ja erst für knappe 2 Stunden (einmal Rekom, einmal locker G1) ausprobiert habe, war gut verlaufen. Vielleicht war aber auch das Problem des linken kleinen Zehs dadurch verstärkt.

Ich habe nun folgende Überlegung:
a) meine Solestar-Einlegesohlen beidseitig mit einer Lage ganz dünnem Neopren um einen knappen Millimeter verstärken, damit beide Füße leicht höher sitzen und somit auch der Spann und Knöchel „weiter aus dem Schuh heraus“ kommen, damit der Einstiegsbereich weiter weg von der Fußbewegung ist und so weniger irritieren kann. Denn ich habe das Gefühl, dass diese Bereiche den entscheidenden winzigen Millimeter höher an meinem Fußgelenk als die alten Schuhe reichen.

b) die linke Sohle zusätzlich leicht außen aufhöhen, um den linken Fuß gerader zu stellen, dass der Druck mehr ganzflächig und auch mit dem großen Zeh und nicht nur mit der Außenseite aufgebracht wird.

c) das alles aber auch zum Anlass nehmen, nach vielen Jahren nochmal eine Bikepositions-Analyse durchführen zu lassen und meine Körperstatik / Pedalierkinematik nach Dysbalancen überprüfen zu lassen. Und je nach Ergebnis vielleicht auf mich persönlich angepasste Solestar-Einlegesohlen fertigen zu lassen.

Doch genug der Darstellung von Vorbereitung und allgegewärtigen Ausrüstungs-Überlegungen – auch wenn wir das doch gerne machen… ;-) Nun zur Tour an sich.

Burgen, Schlösser und Flüsse, Hügel und Radwege

Karfreitag morgen geht es los: Wuppertal – Monschau.

Die Route habe ich wie gesagt in Komoot geplant. Monschau als erstes Ziel war klar. Das ich unterwegs auch über den Damm der Rurtalsperre Schwammenauel fahren wollte, war mir auch klar. Nachdem ich diese Punkte gesetzt hatte, schaute ich anhand der POIs (Points of Interest) und Highlight-Abschnitte in der Nähe der Route, was sich noch so anbot. Ah, Ausblick auf die Buntsandsteinfelsen der Rur. Ok – nehmen wir mit. Oder: „Wenn ich hier wieder herunter fahre, dann kann ich das ganze Stück da entlang der Rur fahren. Ist auch asphaltiert.“ Ok – nehmen wir auch. :)

Bevor ich dorthin kam, musste ich allerdings erst einmal über den Rhein. Bis zum Rhein selbst war relativ ereignislos. Aufgrund des Wetters und meines Vorhabens zwar super entspannt und freudig, aber halt trotz vereinzelter Radwegabschnitte einfach viel zu städtisch bzw. besiedelt und mit zu hoher Ampeldichte. Flow und das Gefühl, wirklich über Land unterwegs zu sein, kam erst kurz vor dem Rhein auf:

Schönes Sträßlein hier kurz vor der Fähre Zons – extra nur für uns Fahrradfahrer.

Dann folgte aber auch sofort der Rhein. Fähre fahren. Auch mal schön. :) Die Überfahrt hat genau für den Verzehr eins meiner Toastscheiben-Erdnussbutter-Erdbeermarmelade Sandwiches gereicht.

Am Fähranleger der Fähre Zons.

Eine interessante Windmühle lugte hinter Bäumen und Mauern hervor:

Ah – ein Freilichtmuseum. Kurz hineingesehen und dann weiter. Immer gegen den recht vernehmlichen Wind, Richtung Eifel. Auch hier wieder, erst mal nicht so spannend. Flach halt. Aber da muss man durch, will man zur Eifel. Die war dann bei Nideggen erreicht. Ab hier wurde es interessant. In Nideggen selbst bin ich einfach aus Neugier mal rein in die Altstadt und durch die mittelalterlichen Stadttore gezirkelt und dann direkt weiter gefahren. Nahe Blens kann man einen schönen Blick auf Buntsandsteinfelsen über der Rur geniessen und wenig später war ich in Heimbach, der kleinsten Stadt Nordrhein-Westfalens und Tor zum Nationalpark Eifel.

Mein Rad posiert vor der der Burg Hengebach über der Rur in Heimbach.

Ideal, um die verdiente Kaffeepause einzulegen. Mein Ziel war es schon, so lange kein toller Anblick fotografisch festgehalten werden sollte, immer durchweg effizient in Bewegung zu bleiben. Ohne Stress und einem genussvollem Radwander-Erlebnis angemessen. Aber auch dazu dienend, Effizienz, möglichst wenig Stops und Nahrungsaufnahme on the go noch mehr zur Angewohnheit werden zu lassen. So lief es an diesem und an den folgenden Tagen jeweils immer zu nur genau einer Kaffee- und Kuchenpause hinaus. Für den Rest war ich mit Riegeln, einem Gel hier, einer Banane da oder einem vom Frühstückstisch mitgenommenen Hörnchen ausreichend versorgt. Ok – am Sonntag gab’s vorher noch eine Bratwurst im Brötchen zu Mittag und am Montag hatte ich ja noch eine kleine Pause für ein Eis, fällt mir da noch ein.

Hinter Heimbach folgte ein besonders schöner Abschnitt direkt am Südufer der Stauanlage Heimbach vorbei.

Wehr der Stauanlage Heimbach.
Das langgezogene Staubecken Heimbach.

Als Nächstes stand dann der Damm der Rurtalsperre Schwammenauel auf dem Programm.

Blick auf die Rurtalsperre.
Ich habe dieses Langzeitprojekt, in dem ich mein Fahrrad auf jedem Staudamm und jeder Staumauer von Nordrhein-Westfalen (und, nun – eigentlich auch jedem Staudamm der Welt, an dem ich mit dem Fahrrad vorbeikomme) fotografiere. Hier: mein J.Guillem Orient auf dem Damm der Rurtalsperre Schwammenauel.

Von da aus eine schöne Steigung durch noch nicht sehr grünen Buchenwald hinauf auf die Hochebenen der Eifel und bald drauf wieder hinab. Ich wollte einfach möglichst weit und nahe der Rur folgen. Auch wenn es bedeutete, kurz darauf wieder recht lang und steil nach bergauf zu fahren um auf asphaltierten Wegen nach Monschau zu gelangen. Monschau selbst lag schon fast ganz im Schatten, als ich dort ankam. Ich bin trotzdem hinab in den Ort gefahren, um mich schon einmal umzusehen. Einen geöffneten Imbiss fand ich dort aber nicht vor und auf Café, Bistro oder Restaurant hatte ich dort keine Lust. Also wieder hoch auf den Berg. Nach Mützenich, dort hatte ich mein Zimmer für die Nacht gebucht und dort war auch eine Gastronomie angeschlossen.

166 km und dafür moderate 1926 Höhenmeter hatte ich an diesem Karfreitag zurückgelegt. Wobei sich die Höhenmeter eher auf die letzten 66 km in der Eifel konzentrierten.

Mein Rad kann ich mit auf’s Zimmer nehmen und nach der Dusche gibt’s ein leckeres überbackenes Käse-Champignon-Schnitzel mit Salatbuffet und einer ordentlichen Menge rustikaler Pommes Frites. Ganz der Profi schaufele ich mir alles hinein, denn von den Kalorien her weiss ich, dass ich das mindestens brauche. Aber ich bin echt mehr als pappsatt danach und frage mich fast schon, wie ich danach schlafen soll. Ging aber problemlos. :)

Meine liebste Dekoration in Hotelzimmern: mein eigenes Rad darinnen.

Samstag: Monschau – Trier

Bei meiner geschilderten Art der Planung – was liegt denn so an interessanten Highlights zwischen meinen vorgesehenen Tageszielen auf der Karte in Komoot – bin ich auch im Vorfeld auf den Kyll-Radweg gestoßen, der den überwiegenden Teil des zweiten Tages ausmachte. Wirklich ein toller Radweg. Das für die kommende Nacht ausgewählte Hotel lag etwas vor Trier, was sehr praktisch war, da es nur bis 18:00 Uhr Rezeptionszeit hatte. Ich würde aber passend ankommen und einchecken können und mir dann halt unmittelbar danach Trier selbst ansehen können. Für Trier klickte ich mir eine kurze Stadtrunde mit Porta Nigra, Kaiserthermen und dann noch einem Stadtteich und der Römerbrücke zusammen.

Nach dem Frühstück aber erst noch einmal hinab nach Monschau. Kalt ist’s und ich ziehe sogar meine Endura-Primaloft-Weste über. Ansonsten ist aber wie sonst auch kurz-kurz angesagt. Ein herrlich sonniger Morgen in Monschau. Ich kann mich kaum von den vielen Fotomotiven und dem einfachen Genießen der Sonne lösen.

Mein J.Guillem Orient an der Rur in Monschau mit dem Eingang der Stadtkirche, dem Roten Haus und dem Haller im Hintergrund.
Fachwerkfassaden direkt oberhalb der Rur.

Irgendwann später fahre ich dann gut gelaunt in den weiteren Tag. Natürlich erst mal wieder hinauf, später quer durch ein belgisches Manövergebiet und dann auf die Vennbahn, die später fast nahtlos in den Kyll-Radweg übergehen wird. Erst leicht bergauf, dann nahezu stetig und sanft bergab. Der Asphalt ist bombig, steifer Gegenwind steht an, trotzdem rollt es hervorragend in den Aerobars.

Asphalt so samtig glatt wie die Gradienten sanft und lange, gerade Abschnitte. Hier bin ich gerade von der Vennbahn auf den Kyll-Radweg gelangt, die nahezu nahtlos ineinander übergehen.

Eine weitere kleine Talsperre wird vom Radweg aus erspäht und muss natürlich auch direkt angefahren werden. Eine Talsperre mehr, auf deren Damm ich mein Rad fotografieren kann. :)

Räder auf Staudämmen. Ich mag das. :) Das hier ist der Kronenburger See. Eigentlich ein Hochwasserrückhaltebecken, dass im Sommer in höherem Dauerstau für die Freizeitnutzung gefahren wird. An der Kyll nahe Stadtkyll.
HWE des Kronenberger Sees als Kelchüberfall an der linken Seite des Staudamms mit Asphaltoberflächendichtung.

Kurze Zeit später komme ich kurz vor Stadtkyll an einem tollen Rastplatz vorbei.

Eisenbahn-thematisch ausgestattetenr Rastplatz am Kyll-Radweg.

Direkt hinter dem Passieren der Grenze zwischen Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz in Richtung Süden vor Stadtkyll findet man diesen sehr geräumigen Rastplatz mit jeder Menge Platz zum bequemen Ausruhen. Und der Eisenbahnwaggon stellt Schatten oder Schutz selbst im härtesten Regen bereit. Das einzige, was diesem Rastplatz fehlt, ist ein Trinkwasserbrunnen zum Flaschen nachfüllen. Aber so oder so ist die nächste Autotankstelle nicht weit. Ein paar 100 Meter weiter ist eine Brücke. Von dieser sieht man bereits eine Aral-Tankstelle. Von daher würde ich diesen Platz auch als perfekt für einen Overnighter ansehen. :)

Sowas findet man an einem Bahntrassenweg. Stellt natürlich einen hervorragenden Hintergrund für mein Fahrrad dar.

Etwas später wandelt sich der Charakter des Kyll-Radweges. Er ist dann nicht mehr ein Bahntrassenradweg, sondern führt auch über (asphaltierte) Feldwege und Sträßlein.

Kyll-Radweg

In Gerolstein freue ich mich, noch lebendiges Andenken an das Team Gerolsteiner in Form dieser Skulptur in einem Kreisverkehr vorzufinden.

Kreisverkehr-Schmuck in Gerolstein.

Und denke auch, dass hier eine gute Gelegenheit für einen Kaffee- und Kuchenstop ist.

Kaffee und Kuchen in Gerolstein.

Ich wünschte, es gäbe diese genial leckeren Milchreisfladen auch bei uns. Ich kenne diese aber eigentlich nur aus den Bäckereien in der Eifel. Als ich diese hinter der Theke des Cafés erspähe, lasse ich mir sofort einen halben davon einpacken. Sehr praktisch, dass ich die nur luftig beladene Apidura Racing Series Handlebar Bag am Rad habe. Da passt die Tüte problemlos hinein.

Kurz vor und besonders direkt aus Kyllburg heraus befinden sich die einzigen ernsthaften Steigungen des Kyllradweges. 7 % und 118 Höhenmeter sind im Vergleich zum restlichen Kyll-Radweg eine regelrechte Zäsur. Belohnen jedoch mit einem schönen Plätzchen mit Aussicht auf die Stiftsanlage bei Kyllburg. Hier lasse ich mir schon mal die erste Hälfte meines halben Reisfladens schmecken.

Blick auf die Stiftsanlage in Kyllburg.

Kurz darauf folgt hinter Erdburg ein besonderes Schmankerl und sehr schönes Stück direkt entlang der Kyll. Das müssen die 3 % nicht asphaltierter Streckenanteil sein, denke ich mir. Denn auf der Internetseite des Kyllradweges heisst es, dass er zu 97 % asphaltiert sei. Sehr gut zu fahren ist das hier trotzdem. Und man kann wunderbar den Fluss genießen:

An der Kyll.

Später folgt man einem Weg parallel entlang zur Eisenbahnstrecke durch das Kyll-Tal. Ich weiss nicht mehr genau, ab wo. Aber ich glaube spätestens ab Auw an der Kyll ist die Oberflächenqualität des Radweges dann nicht so toll. Befestigt zwar, ja. Aber dermaßen rauh, dass ich lieber weiter über den unbefestigen Weg von vorhin gefahren wäre. Der lag aber nun mal längst hinter mir. In Teilen bin ich da einfach drüber geprügelt. Froh, einen gefederten Vorbau zu haben und das leichte Reiben der Zehenaußenseiten an den Schuhen ignorierend (welches besonders links trotz des aufgeklebten Blasenpflasters spürbar war und sicher nicht zum abheilen beitrug).

Immerhin gab es einen interessanten Tunnel zu durchfahren:

Hinter dem Bretterzaun fährt die Bahn

Ich glaube, bei Daufenbach konnte ich diese Rüttelpiste endlich hinter mir lassen. Vor Kordel bis zum letzten Stück des Radweges bei Ehrwang verliess ich den Radweg zugunsten zunächst der Land- und dann der Bundesstraße. Der Radweg selbst wäre kurze Zeit später aufgrund einer langwierigen Felssicherungs- und Tunnelbaumaßnahme ohnehin gesperrt gewesen. Über das Osterwochenende war dort jedoch sowieso so gut wie kein Verkehr.

Im unteren Kyll-Tal hinter Kordel

Kurze Zeit darauf bin ich auch direkt bei meinem Hotel, hole nur den Schlüssel ab und fahre direkt weiter nach Trier hinein.

Die Sonne scheint zwar nur noch auf die Rückseite der Porta Nigra, beeindruckend ist sie dennoch und viel wichtiger – kurz darauf erspäht mein Auge direkt nebenan eine Fassade mit der Aufschrift: „Mondo’s Kaffeehotel“. Und davor ein paar freie Außentische. Super – es ist zwar schon halb Sieben, aber Kaffee und Kuchen gehen ja immer. Das will also getestet werden und ein Abendessen hat ja noch Zeit. :)

Die Porta Nigra in Trier.

Danach folge ich meiner kleinen Sightseeing-Runde durch Trier. Die Kaisertherme ist eher unterwältigend und sowieso komplett eingerüstet, also fahre ich direkt weiter. Der Stadtteich liegt in schönem Abendlicht und animiert für wenigstens ein, zwei Fotos.

Aulbachweiher in Trier.

Dann rolle ich weiter, über die Römerbrücke und für den Rückweg auf den Moselradweg. Einen Imbiss, ein McD oder ähnliches scheint nicht direkt auf meiner Route zum Hotel zurück zu liegen. Ich habe mich aber sowieso ganz Bikepackingmäßig dazu entschieden, an einem Supermarkt vorbei zu fahren und mein Abendessen für das Hotelzimmer da einzukaufen. Es gibt Smoothies, Fanta in zwei Geschmacksrichtungen, Couscous-Salat und Chickenwraps. :)

Ich finde leider keinen Fön in meinem Zimmer und in meinem Bad, also lasse ich auch am zweiten Tag das Waschen meiner Klamotten bleiben.

Heute waren es 170 km und 1166 Höhenmeter von Monschau bis nach Trier.

Ostersonntag: Von Trier nach Mayen

Heute soll es also an der Mosel entlang gehen. Ich nehme nicht alle Moselschleifen von Trier aus stromab nach Cochem mit; das wären mir zuviel Kilometer geworden. Aber Bernkastel-Kues wollte ich durchfahren (war unspektakulär), bei Traben-Trarbach vorbeischauen (das fand ich sehr interessant) und wieder durch Cochem durch.

Eigentlich hätte ich nach Cochem auch noch gerne die Burg Eltz mitgenommen. So war mein ursprünglicher Plan. Ich war aber am dritten Tag etwas bummelig unterwegs. Mosel macht anscheinend müde ;-). Gegenwind hatte ich sowieso an den ersten zwei Tagen und auch heute wieder fast durchgehend und ich war etwas in Sorge wegen der linken Wade (was sich aber dann im späteren Verlauf des Tages in Luft auflöste). Und weil ich auf eine schöne Kaffeepause nicht verzichten wollte, aber auch noch rechtzeitig das Hotel in Mayen erreichen musste, routete ich in Cochem kurzerhand um. Anstelle gehetzt zur Burg Eltz zu fahren und dort eh nur im Gegenlicht zu stehen, genoss ich lieber Kaffee und Kuchen in Cochem und fuhr 30 statt 50 km quer über Land nach Mayen. Das umrouten kostete auch keine Minute und ging dank Komoot und Wahoo komfortabel und einfach von der Hand.

Während ich so entlang der Mosel fuhr, ertappte ich mich bei dem Gedanken, wie es wohl wäre, ein kleines Weingut zu besitzen und ob man als Winzer über’s Jahr hinweg genug Zeit hätte, den Weinberg alleine zu lassen und Radfahren zu gehen…

Zunächst mal kürzte ich aber wie gesagt von Trier bzw. Ehrang kommend über Land ab, um dann bei Osann wieder zur Mosel hinab zu fahren:

Weinreben an der Mosel.

Bernkastel-Kues war dann doch ganz nett, zumindest auf der anderen Moselseite:

Moselschiff vor Burgruine Landshut bei Bernkastel-Kues.

Davor bot das Örtchen Lieser auch ein sehr interessanteres Fotomotiv, das Schloss Lieser:

Schloss Lieser.

In Traben-Trarbach gelangte ich am Uferweg an die Brücke, auf der das Brückentor sein musste. Ah – das wollte ich mir ja ansehen. Also kurz zurück, rein in ein paar andere Straßen, durch eine kurze Fußgängerzone, und da war es. Ja, kann sich sehen lassen.

Das Brückentor von Traben-Trarbach.

Wie praktisch, dass da auch eine Imbissbude stand. Da habe ich mir eine Bratwurst im Brötchen vor der Weiterfahrt gegönnt.

Es ist ja Ostern, die Sonne strahlt und ich fahre überwiegend auf einem naturgemäß recht flachen Flussradweg. Die Rezeptur dafür, dass es voll mit Radwanderern und vor allem Radausflüglern jeglicher Coleur, Fahrradtypus und Radbeherrschung ist. Das hatte ich in Kauf genommen und wäre in ganz schlimmen Falle auf die Straße ausgewichen. War aber gar nicht notwendig. Klar – in einigen Abschnitten war der Radweg gut befahren, aber nicht unangenehm oder ein flüssiges Vorankommen behindernd.

Ich kürze mal wieder eine Moselschleife ab. Diesmal bei Pünderich. Das bedeutet einmal 130 m hoch und dann wieder runter. Bei Reil geht es hinauf, dann über eine sehr kleine Straße kurz hinab und dann das letzte Stück hinauf. Das ist an der Kuppe unbefestigt. Bietet aber eine tolle Aussicht über die Mosel.

Moselschleife bei Pünderich.

Während ich mein Panorama beendete, höre ich hinter mir: „Pass mal auf, von dem machen wir jetzt mit seiner Kamera ein schönes Foto.“ Drehe mich um und entgegne lächelnd „Da hat der gar nichts gegen.“ ;-)

Oberhalb der Mosel bei Pünderich.

Ich bin kurz vor der „Pündericher Aussicht“, wo es mit „Siggis Wandertreff“ auch die Gelegenheit für einen Imbiss gegeben hätte. Ich fahre aber wieder hinab auf die andere Seite und wieder zur Mosel.

Was es nicht alles gibt…

Weiter geht’s direkt an der Mosel:

Entlang der Mosel.
Selfie-Pano.

Ich komme gegenüber Beilstein vorbei:

Beilstein und Burg Metternich auf der gegenüberliegenden Moselseite.

Und bin bald darauf in Cochem.

Der Blick auf die Reichsburg in Cochem grüßt bei der Anfahrt.

Die überlaufene Moselufer-Café und Restaurant-Meile lasse ich links liegen und suche mir zwei drei Straßen weiter eine schöne Bäckerei, die auch frische, selbstgemachte Limonaden anbietet.

Erdbeerschnitte x 2, Cappuccino und Ingwer-Zitronen-Minz-Limonade.

Nach Kaffee und Kuchen führt mich meine neue Route dann quer über’s Land Richtung Mayen. Bei Klotten verlasse ich also die Mosel und fahre den langen Anstieg zur L 107 hoch. Noch recht weit unten kommt mir von oben ein Moutainbiker mit leichter Bikepacking-Garnitur am Rad entgegen gerauscht. Kurze Zeit später höre ich ein Rad hinter mir herkommen und mich einholen.

Es stellt sich heraus: Es ist Holger Loosen, der in Klotten wohnt und selbst eifrig mit seinem Mountain Bike an allen möglichen Events, auch mit Bikepacking-Anteil, teilnimmt. Und der seit letztem Jahr eifrig an seinem eigenen Event, dem Eifel-Graveller, feilt. Der Eifel-Graveller findet dieses Jahr zum ersten Mal statt. Er führt über 650 km durch die Eifel, nimmt so ziemlich alle Highlights mit und startet am 25.08. just hier in Klotten. Schaut mal auf der Event-Seite vorbei: eifel-graveller.de

Na, so ein Zufall also. Holger hat mich an meinem Rad erkannt, sagt er. Wir treffen uns zum ersten Mal. Kurzweilig begleitet er mich die gesamte Steigung. Oben macht er ein Selfie von uns beiden und dann verabschieden wir uns.

Holger (Foto) und ich.

Für mich geht’s weiter nach Mayen. Die linke Wade mit ihrem harten Punkt von gestern abend hat den ganzen Tag nicht gemuckt. Ich hatte ihr ja auch nichts abverlangt. Bis jetzt. Jetzt gibt’s Knallgas. :) Erst G2/Tempo und dann EB bis SB, was auch für zwei Top Ten Platzierungen in Strava-Segmenten führt. Macht auch Laune. Passend um 18:00 Uhr bin ich in Mayen.

Das gleiche Spiel wie am Vortag: ich hole mir den Schlüssel für mein Zimmer und fahre dann mit dem Rad weiter. Bummele in die Innenstadt Mayens, durch die Fußgängerzone, einmal rund um den inneren Ring und um die Burg.

Bei der ersten Runde hole ich mir ein Eis. Bei der zweiten Durchfahrt besorge ich mir dann einen Dönerteller zum mitnehmen und fahre wieder zum Hotel zurück.

Tourdaten vom Ostersonntag: 140 km und 1415 Höhenmeter.

Ostermontag: Von Mayen zurück nach Wuppertal

Die einzigen zwei Zwangspunkte, die ich an meine Komoot-Rücktour-Planung angelegt hatte, waren Schloss Bürresheim im Nettetal und die Abtei Maria Laach. Ich hätte ja gerne auch noch ein richtiges Eifelmaar in meine Osterbikepacking-Tour aufgenommen, aber so richtig schön hatte so eines nicht in meine restliche Route gepasst. Na – ein andermal dann.

Schloss Bürresheim war wirklich lohnend! Da habe ich einige Fotos gemacht:

Könnte ich mir gut als Rad-Trainingslager-Herberge vorstellen…
So sah der erste Blick auf Schloss Bürresheim aus.

Etwas später komme ich dann zur Abtei Maria Laach. Ich freue mich, dass ich mit dem Rad unterwegs bin. Auf der Landstraße, auf die ich unmittelbar bei Maria Laach von der Höhe kommend einbiege, steht Auto an Auto und wartet auf die Einfahrt auf dem zwischen Abtei und dem Laacher See gelegenen Parkplatz. Ich bummele mit dem Rad ein mal auf das Abtei-Areal, mache wenige Fotos und rolle dann auch auf den Parkplatz. Stelle aber fest, dass der Weg zum See von dort nur unbefestigt ist von Spaziergängern überlaufen ist. Man sollte sowieso, wenn es einem nur um eine Seeumwanderung gelegen ist, nicht diesen Parkplatz, sondern einen etwas weiter nördlich, wo die L 82 abzweigt, ansteuern. Das sehe ich, als ich selbst diese Richtung weiter fahre. Immer mit ein paar hübschen Blicken, allerdings zwischen Bäumen hindurch, auf den Laacher See, der eben kein Eifelmaar ist, sondern ein Caldera-See. Aber so spitzfindig muss man vielleicht nicht sein – beide Seeformen haben expliziten vulkanischer Ursprung.

Die Klosterkirche in der Abtei Maria Laach.
Abtei Maria Laach.

Kurze Zeit drauf befinde ich mich schon in der Abfahrt das Brohltal hinunter. Trink Brohler, dann wird’s dir wohler. Tönissteiner Sprudel… ja – hier gibt’s die eine oder andere Mineralwassermarke:

Tönissteiner.

Aber natürlich auch nach wie vor Burgen, Schlösser und Herrenhäuser:

Schloss Schweppenburg im Brohltal.
Cockpit View.

Und am Ausgang des Brohltals wartet auch schon wieder der Rhein und fast unmittelbar im nächsten Örtchen die nächste Rheinfähre:

Der Rheinradweg zwischen Bad Hönningen und Bonn lässt sich gut und zügig befahren. Bis auf ein unbefestiges und kurzes Steilstück an der Erpeler Ley kurz vor Erpel gegenüber von Remagen. Das muss ich nehmen, weil die Unterführung zur Uferstraße hin davor aufgrund Baustelle gesperrt ist. Und in Bonn selbst ist der Uferradweg die Hölle. Viel zu schmal, viel zu befahren. Ich nutze da alsbald die erste Möglichkeit, vom Radweg runter auf normale Straßen zu kommen.

Davor bin ich aber genussvoll am Rhein geradelt. Nicht immer mit Blick auf diesen, allerdings. Ich luge mal durch ein Stadttor in Linz am Rhein hinein:

Linz am Rhein.
Fachwerk und reich geschmückte Fensterläden.

Suche in Rhöndorf nach einem kleinen Café mit Außengastronomie, werde aber nicht wirklich fündig (keine schöne Auswahl) und bin dann aber direkt danach in Königswinter um so erfolgreicher mit einem kleinen Hinterhof-Café.

Keine Sorge, das war nur das erste Stück… ;-)

Mit zwei Stückchen Kuchen im Magen ertrage ich dann die schon geschilderte Radweg-Qualität und Frequentierung zwischen Königswinter und Bonn ein Stückchen, flüchte dann aber in Bonn auf normale Straßen. Es geht weg vom Rhein, grobe Richtung Bergisch-Gladbach und dann hinein ins Bergische Land. Auch hier gibt es natürlich Schlösser und Burgen, wenn auch nicht in dieser Dichte wie an Mosel und Rhein. Deswegen fotografiere ich direkt doch mal Schloss Strauweiler bei Odenthal. Nicht zuletzt, weil das ja auch in Besitz der Familie zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg ist. Da haben wir wieder die Verknüpfung zum geliebten Wittgensteiner Land. :)

Schloss Strauweiler bei Odenthal.

Ab Odenthal bin ich also wieder auf Home Turf. Über die Balkantrasse und durch Wermelskirchen geht es in’s Morsbachtal, wo die Sonne sehr schön auf einem hübschen, typisch Bergischen Haus mit Schiefer und grünen Holzläden steht:

Typisch Bergisch. Schiefer und Grün.

Noch einmal hoch nach Ronsdorf und dann hinab nach Wuppertal und ich bin von meiner viertägigen Osterbikepacking-Tour zurück!

Tourdaten des Ostermontag: 143,47 km und 1468 Höhenmeter.

Insgesamt: 621 km, 5975 Höhenmeter.

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11 Kommentare zu „Sonne, Flüsse und Burgen – In 4 Tagen mit dem Rad von Wuppertal quer durch die Eifel und entlang der Mosel

  1. Hey , mal wieder ein schöner Bericht von dir ! Hat Lust gemacht auf so eine Tour , die ich selbst schon ähnlich für mich geplant habe ( allerdings fällt wegen Bänderriss und viel Pech im letzten Winter grad das Radeln flach ) , allerdings für 5 oder 6 Tage . Du hattest ja ein Wahnsinns Wetter ! Sowas kann man nicht planen ! Danke für die Inspiration , und es sind tolle Bilder geworden ! Gruss,Thorsten

    1. Danke schön, Thorsten! Oh je, das hört sich ja wenig gut an. Ich hoffe du bist wieder auf dem Weg der Besserung und kannst bald wieder mit dem Radeln loslegen.

      viele Grüße

      1. Ich denke im Juli wird es wieder , Rad am Ring muss aber leider ausfallen ! Also vielleicht im Hersbt noch eine ähnliche Tour wie deine ! Mal sehen wie schnell die Regeneration läuft !

    1. Haha, du meinst, irgendwann nimmst du dir auch mal so viel Zeit für 600 km wie ich? Wo ich doch mit Ehrfurcht und Neid auf die ganzen 600er Brevets schaue, die du da auch in toller bergiger Gegend abreisst. Du wirst beim TPBR2019 regelrecht fliegen! Freue mich schon auf’s Treffen. :)

      1. ja, das ist beneidenswert, denn der zeitdruck auf den organisierten Brevets ist nicht so fein … aber diesmal haben wir doch ziemlich lange aufenthalte einplanen können … wenn ich doch wider erwarten mich nach der three peaks noch für die Bisettrice entscheide, dann habe ich vor jeden abend schöne schlafpause in b&b oder so …
        das werden wir noch sehen, ob wir „fliegen“ werden … mich grauts schon vor der ersten nacht durchfahren …

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