Transcontinental Race 2018 – Mein Tagebuch

For the first time I publish my TCR Race Journal bi-lingual. Looking for the English version? Head over here.

Das Transcontinental Race! Ein Rennen über rund 4.000 km quer durch Europa. Von den heiligen Pflastersteinen der Kapelmuur in Geraardsbergen, Belgien zu den sandsteinfelsenkrönenden Klöstern in Meteora, Griechenland. So war es die letzten zwei Jahre für die bereits 5. und 6. Ausgabe dieses im wahrsten Sinne epischen Rennens. Und an beiden Ausgaben habe ich teilgenommen.

So viel könnte man über das Transcontinental Race schreiben – und so viel wurde ja auch schon geschrieben. Auch von mir schon zum TCR 2017 (siehe hier für alle Posts mit dem Tag Transcontinental auf diesem Blog). Geschichten, Erlebnisse, die Natur des Selbstversorger-Rennens und die Logistik und Taktik die dahinter steckt, Training, Vorbereitung, Mentale Einstellung und und und.

Ohne Mampf kein Kampf – Foodhaul und Snackpause vor einem kleinen Supermarkt in Montenegro

Halt! Das war schon die Einleitung zum ersten von zwei Beiträgen, die ich zum letzten Transcontinental, dem TCRNo6 in 2018, bereits geschrieben habe.

Ja, so viel könnte ich schreiben. Und so ich habe ja mich ja auch schon sehr ausführlich über die reinen Zahlen, Daten und Fakten in meinen letzten beiden Artikeln ausgelassen. Habe meine Geschwindigkeiten, Schlafzeiten, Pausenzeiten usw. aufgeführt und zwischen 2017 und 2018 verglichen. Habe beim letzten TCR sogar alles fotografiert, was ich an Snacks und Ernährung gekauft und verzehrt habe und daraus eine ausführliche Energiebilanz erstellt und ausgewertet.

Ihr findet die beiden Artikel 

einmal hier: Das Transcontinental Race: Zahlen, Daten, Fakten – TCRNo5 und TCRNo6 im Vergleich

und einmal hier: Ultracycling-Ernährung im Selbstversorger-Rennen: Quer durch Europa von Supermarkt zu Tanke – mein TCRNo6 Ernährungstagebuch

Beide Artikel beinhalten auch eine Fülle an Erfahrungen und Lehren, die ich gemacht habe. Und Hinweise und Tipps für Selbstversorger-Rennen allgemein. Dazu findet ihr ja auch sonst noch viele verschiedene Beiträge zu den Dingen, die ich ausprobiere und teste und anpasse hier im Blog.

Aber ein ausführliches Tagebuch, das hatte ich bisher noch nicht angefangen. Zu groß erschien mir die Aufgabe, zu viel Anderes war privat und beruflich zu tun. Ja – nicht mal alle meine Fotos hatte ich vor Weihnachten komplett fertig verschlagwortet und georeferenziert. Von der sorgfältigen RAW-Entwicklung und dem Zusammenfügen von diversen Panoramen ganz zu schweigen.

Will ich wirklich wieder seitenlang und recht detailliert über mein TCR reden bzw. schreiben? Ja, doch. Will ich. Also schreiben will ich. Ob es wieder so detailliert werden muss, werden wir sehen. Ich will versuchen, dass Tagebuch diesmal etwas knapper zu fassen. Mal sehen, ob es mir gelingt. Wenn ich einmal anfange, zu schreiben…

Und a pro pos reden – geredet habe ich diesmal auch schon einmal wieder. Wieder auf Einladung des ERG 1900 e.V. hatte ich Mitte Januar erzählt. Über Geschichten, Erlebnisse, die Natur von Selbstversorger-Rennen und die Logistik und Taktik die dahinter steckt. Über meine Lehren aus Ultradistanz-Selbstversorger-Rennen im Allgemeinen und das Transcontinental Race No 6 im Speziellen. Das hat mir wieder sehr gefallen und ich danke für den Zuspruch. Und es gab den nötigen Antrieb, doch noch ein paar mehr Fotos zu entwickeln und zu einer Präsentation zusammenzustellen.

Talking cycling. Cycling far. :)

Deswegen fange ich nun einfach an zu erzählen. Abschnittsweise von Control Point zu Control Point. Davor aber: der Start.


TCRNo6-Tagebuch, Teil 1: Die Anfänge und der Start

Wieder Meteora! Mein Herz schlägt höher. Ich muss schlucken. Wow, wieder Meteora als Ziel. Zum zweiten Mal hintereinander unverändert. Meine Chance doch noch Meteora zu erreichen. Dieser von den Fotos her schon im letzten Jahr als atemberaubendes Weltkulturerbe als nahezu mythisch wahrgenommene Zielort. Den ich 2017 nicht erreichen konnte. „Nur“ rd. 600 km – in den Maßstäben des Transcontinental kann man hier ohne Untertreibung von „nur“ sprechen – trennten mich von ihm, als ich im Norden Bulgariens das Rennen aufgeben musste. Ein zu ambitioniert kurz gewählter Urlaub war drauf und dran samt seinen Puffertagen, die ich noch hinten anhängen hätte können, aufgebraucht zu sein und ich war nach einem defekten Vorderlaufrad und schließlich einer Lebensmittelvergiftung mit 1,5 Tagen Aufenthalt in Wratza komplett aus meinem Zeitrahmen gefallen. So fuhr ich danach nur noch 160 km Richtung Sofia und flog von dort heim.

Jetzt also die zweite Chance. Auch mit einem anderen Zielort wäre ich wohl Feuer und Flamme gewesen. So nachhaltig hatte mich mein erstes TCR, ja, meine erste Langstrecken- und Bikepacking-Erfahrung, in den Bann gezogen. Mit der mir eigenen Sorgfalt und Detailliertheit machte ich mich motiviert an die Bewerbung zum TCRNo6. Und das ist keine kleine Aufgabe. Über 40 Fragen gilt es ausführlich zu recherchieren und zu beantworten. Die Fragen haben alle einen Zweck: festzustellen, ob der Bewerber sich der Aufgabe und Gefahren bewusst ist, ob er die Dimension der Unterfangung erkennt. Ob er sich mit dem Renn-Handbuch und der ersten Skizze des Streckenverlaufs auseinandergesetzt hat und ob er den Geist und das Ethos von Selbstversorgungs-Rennen und letzten Endes die Regel verstanden hat. Zwei Wochen hat man dafür üblicherweise Zeit.

Für das TCRNo6 startete die Bekanntgabe des 2018er Rennens erst sehr spät – Ende 2017/Anfang 2018. Die Bewerbungsfrist ging bis Mitte Januar. Das ist recht spät für ein Rennen dieser Dimension und entsprechend nötiger Vorbereitung – aber war mehr als verständlich, berücksichtigt man die Umstände in der Folge von Mike Halls Todesfall noch vor dem TCRNo5. Es ist toll, dass es überhaupt mit dem TCR weiterging. 

Meine eigenen Umstände zu dieser Zeit waren auch alles andere als ideal. Zum Zeitpunkt, wo ich die Bewerbung bearbeite, habe ich noch nicht mal eine komplette Diagnose im Nachgang einer Überbeanspruchung und eines Loipen-Unfalls, die mir exakt am 1.1.2018 passiert ist und mir seit dem 2.1.2018 einen Gips am linken Fuß bescherte! Zweckoptimismus oder „Scheiss drauf – ich muss mich auf jeden Fall bewerben, komme erst mal was da wolle“?

Kurze Zeit darauf weiss ich es: nahezu vollständige (98%) Großzehensehnenruptur, OP, zusammennähen, Krank geschrieben, Fuß im Airwalker ruhiggestellt. Die Krankschreibungen werden Stück für Stück verlängert – am Ende bin ich erst am Karfreitag zum ersten Mal wieder auf dem Fahrrad draußen.

Kurze Zeit darauf weiss ich es: nahezu vollständige (98%) Großzehensehnenruptur, OP, zusammennähen, Krank geschrieben, Fuß im Airwalker ruhiggestellt. Die Krankschreibungen werden Stück für Stück verlängert – am Ende bin ich erst am Karfreitag zum ersten Mal wieder auf dem Fahrrad draußen.

Mitten drin in dieser Phase weiss ich seit dem 20. Februar auch, dass ich nicht am TCRNo6 teilnehmen werde. Die Ergebnisse der Bewerbungen werden an diesem Tag bekannt gegeben. „Unfortunately your application was not successful in the ballot…“ heisst es da für mich. Total niedergeschlagen, aber auch mit dem Gedanken „Na gut, das ist anbetracht meiner Sehne und meines aktuellen Zustands für dieses Jahr sicher auch besser“, sitze ich erst mal da. Aber nicht lange. Schon am nächsten Tag schreibe ich mich für das Three Peaks Bike Race ein! Ja, ich weiss, das ist schon irre… Ich konnte es aber nicht lassen. Schon Ende 2017 schrieb mich Michael Wacker an und machte mir dieses neue Rennen schmackhaft. Er hatte mit einem Mitstreiter Adventure Bike Racing gegründet und die beiden waren nun dabei, neue Selbstversorger Bikepacking Rennen zu kreieren und zu veranstalten. Ich lehnte zuerst ab – zwei Rennen wollte ich mir in einem Jahr nicht an’s Bein binden. Weder von den Terminen noch von der körperlichen Belastung her. Jetzt, wo es aber mit dem TCR nichts werden würde… 

Also für das Three Peaks Bike Race, das erste seiner Art, angemeldet. Von Wien nach Nizza, rund 1600 km, Ihr könnt alles über dieses schöne Abenteuer hier nachlesen. Das sollte im Juni statt finden.

Während ich krank geschrieben war, konnte ich nicht viel zur körperlichen Vorbereitung tun. Außer, mich diszipliniert zu ernähren und bei der ganzen Untätigkeit nicht zuzunehmen. Dann fing ich langsam mit ersten Indoor-Einheiten auf der Rolle an.

Erste vorsichtige „Bewegungstherapie“ mit dem Airwalker auf dem Rollentrainer.

Karfreitag dann das erste Mal draußen. Ok, das konnte was werden, war ich mir jetzt sicher. So 70 % der Zeit. 30 % der Zeit war ich immer am grübeln und in mich hineinhorchen: Muss das da so wehtun? Gehört das so, dass das da schon mal ziept? Ist das Pochen nach dem Training jetzt ein gutes oder ein schlechtes Zeichen. Die Meinung meines Arztes und Chirurgen waren da zwar einerseits beruhigend, aber so wirklich war ich mir da nicht so sicher. Es gab also Höhen und Tiefen. 

Da hinein platzte dann Anfang April die Anfrage von Anna Haslock: Es waren doch noch Plätze für das TCRNo6 frei geworden!

Aus dem verständlichen Trubel um Unsicherheit über die Rennzukunft, die späte Ausschreibung und späte Teilnahmebestätigung ergab sich eine Delle in den Bewerberzahlen und auch für die bestätigten Teilnehmer wohl auch eine ungewöhnlich hohe Quote von Leuten, die dann doch nicht ihre Teilnahme bestätigten oder danach die Teilnahmegebühr überwiesen. Deswegen wurden ehemalige Teilnehmer angeschrieben. So auch ich.

Was macht man, wenn man schon komplett gesund eigentlich nicht zwei Bikepacking-Rennen im Jahr absolvieren will, eigentlich das Jahr auch mehr als voll ist und man sich gerade fragt, ob das Ziehen im Fuß Heilungsverzögerung oder Heilungsbestätigung anzeigt und normal ist? Na klar – man prüft sofort den Kalender Ende Juli und Anfang August, ob da ein Transcontinental hineinpasst! 

Was macht man, wenn man schon komplett gesund eigentlich nicht zwei Bikepacking-Rennen im Jahr absolvieren will, eigentlich das Jahr auch mehr als voll ist und man sich gerade fragt, ob das Ziehen im Fuß Heilungsverzögerung oder Heilungsbestätigung anzeigt und normal ist? Na klar – man prüft sofort den Kalender Ende Juli und Anfang August, ob da ein Transcontinental hineinpasst! 

Weil… Meteora!  Und #ImgoingtoseeEurope. Eine solche zweite Chance bekommt man nicht noch einmal. Deswegen bestätige ich sofort meine Teilnahme und überweise die Teilnehmergebühren, nachdem ich wider Erwarten feststelle, dass mein Kalender im fraglichen Zeitraum die nötige Luft aufweist.


Auf nach Geraardsbergen!

Ich kenne ja jetzt das Registrierungs- und Startprozedere, die Wege dort und auch den Weg nach Brüssel und von Brüssel nach Geraardsbergen. Wie im letzten Jahr reise ich (wie so viele) nämlich nach Brüssel an und fahre mit meinem Rad von Brüssel zum Startort. Im letzten Jahr per One-Way-Mietwagen. Das geht und ist entspannter als mit der Bahn, aber ist nicht gerade billig. Zu diesem TCR hatte ich mir etwas anderes überlegt: Ich fahre mit meinem eigenen Auto zum Brüsseler Flughafen. Dort parke ich im Langzeitparkhaus und würde mit dem Flugzeug nicht nach Düsseldorf oder Köln sondern einfach nach Brüssel zurückfliegen. Genau so hat das später auch hervorragend geklappt.

Von Brüssel aus radele ich ganz entspannt auf dem selben Track, der mich schon 2017 nach Geraardsbergen geführt hat, dorthin. Komme wieder am Kanal entlang und als erstes wieder am Nudel-Take Away Bistro „Pasta al dente“ vorbei. Das gehört eigentlich schon zum Inventar des TCR und hat auch immer Extra-Goodies für die Teilnehmer. War das zum TCRno5 noch alles neu und fremd für mich, treffe ich dieses Mal schon auf erste bekannte Gesichter. Marion Esfandiari z.B., die resolut-sympathische Hüterin der Transcontinental Race facebook Gruppe. Neu ist, dass es schon am Vorabend der Registrierung und des Starts einen offiziellen Veranstaltungsteil gibt. Der findet auf dem unweit gelegenen Marktplatz open air statt. Deswegen mache ich mich alsbald dahin auf. Hier ist ein erstes Riders Get Together und eine kleine Podiumsdiskussion. Die Zusammensetzung weicht leicht von der angekündigten ab, ist aber super spannend besetzt mit der letztjährigen Damensiegerin Melissa Pritchard, mit dem zweitplatzierten Björn Lenhard, mit Mikko Mäkkipää, der als einziger Teilnehmer an allen TCR teilgenommen hat und sie alle gefinished hat und mit Josh Ibbet, der das Transcontinental 2015 gewonnen hatte.

Am Vorabend der Registrierung und des Rennstarts. Podiumsrunde mit Juliana, Melissa, Josh, Björn und Mikko (von links).

Foodtrucks stehen auch parat und so kann man den frühen Abend mit Small Talk verbringen. Interviews werden auch verlangt und bereitwillig gegeben und man schaut sich schon die ersten diversen Räder der Teilenehmer an und kommt ins Gespräch.

Der Race-Podcast braucht Futter. Björn am Rennvorabend.
Ich darf auch… ;-)

Recht früh am Abend setzte ich mich – wie nicht wenige andere – aber schon wieder auf mein Rad. Ich habe wiedermal nur außerhalb von Geraardsbergen eine Unterkunft gefunden – soo reichhaltig ist das Angebot dort nämlich nicht. Mein Air BnB ist in Michelbecke, direkt zu Fuße des Berendries gelegen. Einem der bekannten Anstiege z.B. der Flandernrundfahrt und anderer flämischer Eintagesrennen! Knappe 15 km sind es dahin, die ich locker bummelnd zurücklege. Ja keine unnötigen Körner vor dem Rennen verschießen.

Das kleine B&B stellt sich als wahrer Jackpot heraus. Ein sehr sympathisches Gastgeber-Ehepaar. Gespräche über die Tour de France und die Ronde van Vlaanderen. Zum reichhaltigen Frühstück gibt es u.a. Käse von der Mama von Frederik Backert. Der ist Fahrer beim Radteam Wanty-Groupe Gobert, wird mir erzählt. Wie könnte es auch anders sein: der einzige andere Gast ist auch ein TCR-Teilnehmer. John aus England, CapNo 227. Er ist Radmechaniker. Ich stelle fest, dass auch für diese der Spruch mit den Schustern und den Schuhen gilt. Lenkerband muss er noch wickeln. Und eine Tasche noch unterbringen. Zwischen die Auflieger passt sie nicht, an anderen Stellen stört sie ihn. Dabei ist er gar nicht unerfahren. Er habe schon mal das Trans America Bike Race bestritten, sagt er.

Während er werkelt und tüftelt, hole ich mein Rad schon mal aus dem Schuppen. Hier ist es vor dem Aufbruch in voller Glorie. So, wie es da steht, wiegt es 18,8 kg voll beladen, mit Riegeln und Co zur Ergänzung für die ersten Tage. Ohne Wasser.

Mein J.Guillem Orient vor der Garage meiner liebenswerten Gastgeber in Michelbecke.

Wir wollen gemeinsam zur Registrierung aufbrechen. Die startet irgendwann vormittags, läuft aber bis 16:00 Uhr. Danach ist dann erst Rider Briefing und dann abends wieder um 22:00 Uhr der Start. An einem Sonntag diesmal. Nicht an einem Freitag, wie noch im Jahr davor. Hier sitze ich sitze ich also recht entspannt, und nehme das Angebot für einen zweites Frühstück und das schmieren eines Lunchpaketes an. John ist immer noch am basteln. So langsam sollten wir dann aber doch mal losfahren. Um 13:00 Uhr ist es dann endlich soweit. Naja – es ist noch mehr als genug Zeit.

Im Jeugdcentrum wieder das bekannte geschäftige Treiben. Die Registrierung ist dieses Jahr viel geschmeidiger als 2017. Gleich drei freiwillige Mechaniker sorgen obendrein für zügiges Vorankommen beim obligatorischen Bike-Check.

Nicht nur, dass ich das eine oder andere Gesicht jetzt kenne, nein auch mich scheinen einige zu kennen. Mehr als einmal werde ich angesprochen – ich sei doch der und der und wie es mir ginge usw. Blog, Instagram und sozialen Medien sei Dank. Manche habe ich im Bikepacking-Zusammenhang auch schon an anderer Stelle kennen gelernt. Svenja z.B. im letzten Frühjahr in Hamburg, auf einem schönen Pedale&Poeten-Abend, an dem ich zum TCRNo5 vortragen durfte.

Besonders habe ich mich auch gefreut, Johanna und Marion vor dem Start kennen zu lernen. Beide starteten als Team in der Duo-Wertung und kommen eigentlich aus der Fixed Gear Crit Szene. Wie ich im letzten Jahr standen beide vor einer ganz anderen Art der Herausforderung Langstrecke. Um es vorweg zu sagen – sie würden es hervorragend meistern und ich hatte für mich eine ganz tolle Mohrrübe gefunden, die mich während des Rennens immer zusätzlich super motivieren würde. Man findet nach ein paar Tagen ganz automatisch Teilnehmer, die ähnlich voran kommen und auch lange in Schlagdistanz bleiben. Auch mal vor und mal hinter einem sind. Oder immer so ein Quentchen vor einem… und wo man dann immer so schaut, wer wo ist. Und Marion und Johanna würden super unterwegs sein! 

In der Halle quatschen wir nach der Registrierung an der Seite am Boden sitzend etwas. Sie beide haben in Abstimmung mit der Renn-Orga die Erlaubnis, einen Fotografen dabei haben zu dürfen. Sebastian (@click.inspired) wird ihren Spuren durch Europa folgen, hat aber eine Riesenlatte an Auflagen zu erfüllen, darf nur ganz begrenzt zu bestimmten Orten fotografierend interagieren und wird gesondert getracked, um nicht unfairen Support darzustellen.

René hat sich mit Hingabe der Verfeinerung seines Transcontinental Rades gewidmet und wird daher zurecht von der GCN-Crew, die vor Ort Impressionen einfängt, interviewed. Hier könnt ihr das Ergebnis sehen:

https://youtu.be/ZEImemPWBnU?t=435

Später ist dann auch das Rider Briefing gehalten und die Brevet Karten ausgeteilt. Job Simons, der Sohn des im letzten Jahr in der ersten Nacht des Rennens tödlich verunfallten Frank Simons hielt eine sehr emotionale und tolle Rede. Mit ihm unterhielt ich mich auch noch später draußen vor dem Pasta al dente.

Jetzt war nur noch diese sich immer komisch zwischen den Dimensionen anfühlende Zeit zwischen dem Rider Briefing und dem eigentlichen Start um 22:00 Uhr zu verbringen. Manche versuchen, so lange zu möglich irgendwo in der Halle zu dösen. Manche verziehen sich in die umliegenden Cafés oder Pizzerien. Mit am ruhigsten ist es oben im Pasta al Dente. Eigentlich ja ein Take Away, kann man da eine schmale Stiege hoch, wo es zu den Toilletten geht. Zwei, drei kleine Tische sind da aber auch. Hier kann man noch etwas in sich gehen und ist auch keinem Wind oder vielleicht fallenden Tropfen ausgesetzt. Aber dieses Jahr ist es eh trocken. 

Noch einen Becher Nudeln und dann gehe ich zum Marktplatz. Klaas ist mit einem Kollegen extra aus Deutschland angereist, um die Startatmosphäre zu erleben und auch um mir Hallo zu sagen. Tolle Sache. Der Marktplatz füllt sich mit gelb bewesteten bzw. Reflektor-Harnischen bekleideten Radfahrern. Fertig für die Fahrt in die bald anbrechende Nacht. 

Die Teilnehmer sammeln sich langsam für den Start auf dem Marktplatz in Geraardsbergen

Der historische Stadt-Rufer verkündet die üblichen Worte und Grüße. Es gibt einen Heiratsantrag auf der Bühne. Die Menge bejubelt das „Ja“ von Melissa und kurz darauf geht es los!

„Oui“

Die übliche Startrunde einmal durch Geraardsbergen, damit die Zuschauermenge Zeit hat, sich an die Kapelmuur zu begeben. Und normalerweise, um die Fackeln anzuzünden. Der Sommer 2018 war aber fast überall in Europa extrem trocken. Just am Vortag wurde daher in Belgien ein offizielles Verbot von offenem Feuer erlassen. Also ohne Fackeln, aber wie im letzten Jahr mit Riesen-Adrenalin und Jubeln der Zuschauer. So ging es dann in die steile, kopfsteingepfasterte Kapelmuur. Auch dieses Jahr geht alles glatt. Ich komme gut durch und fahre an der Kapelle vorbei auf meine Route. Genauso wie 251 andere Weitradler  um mich herum. Wir bilden eine lange Kette aus roten Rücklichtern durch die Nacht.

Endlich ist es los gegangen!


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4 Kommentare zu „Transcontinental Race 2018 – Mein Tagebuch

  1. Interessante erste Einblicke die du hier gewährst.
    Ich denke, dass du überlegt hast, ob du wieder über dein TCR schreiben sollst, ist völlig normal. Aber umso besser, dass du dich dafür entschieden hast, denn man gewinnt doch immer wieder neue Einblicke und Eindrücke. Außerdem verarbeitet man über das Verschriftlichen des Erlebten nochmal ganz anders, als wenn man darüber erzählt oder in Gedanken schwelgt. Ich habe lange mit mir gehadert, ob ich einen Blog starten sollte und ob das überhaupt Leute interessiert. Am Ende ist es mir aber mittlerweile gar nicht so wichtig, ob es Leute interessiert, denn es bietet soviel Potential das Erlebte, wie oben geschrieben, für mich selbst zu verarbeiten und einzuordnen.

    Für deine Leistung habe ich enormen Respekt, vor allem mit dem späten Trainingsbeginn und der vorhergehenden Verletzung! Seitdem ich Fotos von Meteora gesehen habe, steht für mich auch fest: da muss ich mal hin.

    Hattest du eigentlich auch mal die Option mit full frame bag und Trinkblase in Betracht gezogen oder wäre das aus deiner Sicht zu umständlich und am Ende auch etwas zu viel Platz, der gar nicht benötigt wird?

    Grüße und gute Fahrt,
    Paul

    1. Hallo Paul, vielen Dank für deinen Kommentar. Ja, das stimmt wohl. Das Schreiben ist zwar ein ziemlicher Aufwand, aber auch eine schöne Arbeit, die einen das erlebte noch einmal nach voll ziehen lässt. Und Gelegenheit zur eigenen Reflektion bietet. Aber auch einen Platz, um die ganzen schönen Fotos zu präsentieren und in Kontakt mit weiteren Menschen und deren Sicht zu kommen.

      Full frame bag – manche mögen es ja. Ich habe es nie selbst probiert, möchte das aber auch gar nicht. Ich finde eine Trinkblase ziemlich unpraktisch. Sagen wir mal, die Dinger sind so robust, dass man sich um das Verletzen der Blase und auch der Anschlusspunkte keine Sorgen machen muss (weiss ich nicht, es wäre mir wohl immer etwas unwohl dabei), dann bleibt immer noch der Faktor, dass man schneller mal seine Trinkflaschen an einem Brunnen am Wegesrand oder am Wasserhahn im Bistro oder der Toillette gefüllt hat als so eine Blase. Und man kann auch mal anderen Kram als nur Wasser einfüllen ohne sich zu sorgen, dass man sein Trinksystem rettungslos versaut, ohne es wirklich gut spülen zu können.

      Jemand anderes mag das gern in Kauf nehmen, wenn er dafür richtig viel Flüssigkeit an Bord haben kann und es bequem findet, aus einem Schlauch zu trinken. Ich nicht so. Ich habe beim TCR auch regelmäßig Wasser ausgekippt und neues, kaltes Wasser eingefüllt wo auch immer ich Gelegenheit dazu hatte. Das wäre ein Riesenumstand mit Trinkblase gewesen.

      Ich hätte auch die Sorge, dass mich ein Full frame bag zu seitenwindanfällig macht. Die meisten Befürworter solcher Taschen berichten aber, dass das gar nicht so einen Effekt haben soll. Hmm – ob das auch wirklich stimmt? Da mag was dran sein – weil sooo viel Platz zum durchwehen ist in meinem Rahmendreieck dann auch nicht mehr wirklich zwischen Half Frame Bag und darunter angeordneten Flaschen.

      viele Grüße,
      Torsten

  2. Die Problematik der Trinkblase verstehe ich und hat mich bisher auch davon abgehalten einen Full-Frame Bag mit Trinkblase zu fahren. Obwohl es eigentlich doch eine gute Option wäre für kleine Rahmen (Ich fahre das TCX in kleinster Rahmengröße) und ich weiß auch nicht, wie anstrengend es ist dauerhaft die Flüssigkeit aus diesem Schlauch zu ziehen.

    Das mit der Windanfälligkeit scheint gar nicht so problematisch, wenn du den Half-Frame Bag fährst und zwei Flaschen ist ja auch nicht mehr unbedingt viel Raum für den Wind geboten.

    Danke für deine ausführliche Antwort und allzeit gute Fahrt!
    Paul

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