BOTReycat #3 – Auf ein Alleycat und einen Weihnachtsmarktbesuch in’s Hohe Venn

Mitten im Dezember ein Alleycat im Hohen Venn? Was kann da schon schiefgehen? Wie sich herausstellt, manchmal einiges. Aber nicht jedes Jahr. Und wenn, dann ist es auch ein Abenteuer. Also im Dezember mit dem Fahrrad in’s Hohe Venn? Unbedingt!

Morgens vor dem Start am Signal de Botrange. Composing mit Teilen der Eventgrafik von Bikepacking.be.

Aber mal von Vorne. Das hohe Venn südlich von Aachen in der Grenzregion von Belgien und Deutschland ist auf jeden Fall eine Reise wert. Und die ist ziemlich kurz, wenn man wie ich von Wuppertal aus anfährt. Mehr als 1 Stunde und 40 Minuten sind es nicht. Dann ist man in der Nordeifel oder den Ardennen, je nachdem, welchen Ort man sich als Logis aussucht. Roetgen oder Monschau auf deutscher Seite zum Beispiel. Wobei letzteres zwar besonders pittoresk, in der Adventszeit aber auch hoffnungslos ausgebucht ist. Auf belgischer Seite vielleicht Eupen oder einen der vielen kleineren Orte – meine Wahl ist nun schon zweimal auf Bütgenbach gefallen. Von dort aus sind es auch nur 16 Minuten mit dem Auto zur Botrange. Dem höchsten Berg – naja, Berg – sagen wir, der höchsten Erhebung in Belgien. Ganze 694,24 m über dem Meer.

Das ist sehr praktisch, weil dort am Signal de Botrange, da startet das BOTReycat. Dieses Jahr war es am 15. Dezember zum dritten Mal soweit. Der Name der kleinen, aber feinen Grass-Roots Veranstaltung von Bikepacking.be leitet sich von der Botrange und dem Format ab, an die diese Eintagesveranstaltung angelehnt ist: einem Alleycat. Das sind quasi Schnitzeljagden per Fahrrad, wo es verschiedene Checkpunkte abzufahren und manchmal auch Aufgaben zu lösen gilt. Der Aufgabenteil beim BOTReycat ist relativ simpel gehalten – er gibt nur Vorgaben, wie die Checkpunkte abzufahren sind.

Diese Checkpunkte, das waren im letzten und in diesem Jahr einige der vielen Talsperren, die es im Hohen Venn gibt. Was es für mich nur noch interessanter macht. Im letzten Jahr waren es 6 Talsperren als Kontrollpunkte. Man musste aber je zweimal zwischendurch zum Startort zurück und mindestens einmal über den Weihnachstmarkt in Monschau fahren. Eine Sternfahrt also.

Talsperren als Kontrollpunkte ergeben einen ganz besonderen Charme für das BOTReycat. Hier die Wesertalsperre bei Eupen.

In diesem Jahr hiess das Motto „Respect the Pentagram“. Wieder waren Talsperren, diesmal vier an der Zahl, als Kontrollpunkte vorgegeben: Die Wesertalsperre bei Eupen, die Dreiläger-Talsperre bei Roetgen, die Rurtalsperre mit dem Oberseedamm bei Rurberg und die Oleftalsperre bei Hellenthal. Der fünfte Zacken des Pentagramms bildete die Signal de Botrange. Nun durfte man die Punkte nicht in einer schönen, direkten Schleife hintereinander anfahren, sondern musste (zumindest dem Geiste nach) ein Pentagramm fahren. Entweder also Start – CP 2 – CP 4 – CP 1 – CP 3 – Start/Ziel oder entsprechend.

Die Routenwahl und Routenplanung ist dabei jedem selbst überlassen. Man kann sich also selbst die (hoffentlich) optimale Stecke zusammenbasteln. Wird aber nie unter rund 160 km Streckenlänge hinauskommen. Welche Wege man wählt, ist der eigenen Präferenz überlassen. Oder der Erwartung des Wetters. „Pray for Snow“ schreibt der Ausrichter immer in die Veranstaltungsnotizen der Vorankündigung. Im letzten Jahr hatten die Gebete geholfen. Aber sowas von! In diesem Jahr war es trocken (der Schnee kam aber direkt drauf in der Nacht danach).

Was also ist schneller (oder einem lieber): die direkte Linie durch den Wald, aber vielleicht mit mehr Höhenmetern und rauerem Geläuf? Oder etwas indirekter, dafür aber über Straßen? Wo es nicht nur besser rollt, sondern die im Fall der Fälle auch hoffentlich schneefrei sind.

Vom Gravelbike bis Rennrad ist (sowieso) alles erlaubt und auch vereinzelte Mountainbikes wurden gesichtet. Ich selbst hatte mich dieses Jahr für mein Rennrad, mein J.Guillem Orient, entschieden. Mit seinen 28 mm Continental GP 4000 Sii Reifen auch für die eine oder andere Waldwegpassage gut. Die wollte ich aber weitestgehend vermeiden. Ich habe statt dessen auf schnelles Vorankommen auf (meist) glatten Straßen oder wenigstens asphaltierten Radwegen gesetzt; die Vennbahn führt z.B. mitten durch das Gebiet.

Mein J.Guillem Orient am für mich ersten Kontrollpunkt, der Dreilägertalsperre.

Zusammengefasst:

Das BOTReycat ist: nicht weit weg, im Dezember nochmal eine spannende Radveranstaltung mit Wettbewerbscharakter als Mix aus Solo (oder Duo-)erkundung, freier Routenwahl, Gravel und Straße bis hin zum Winterbiken (je nach Wetter). Dazu eine schöne Adventsreise mit Besuch des weitbekannten Monschauer Weihnachtsmarktes. Das ist ein feines und interessantes Paket.

Kurzer Exkurs zu 2017:

Das dachte ich mir schon im letzten Jahr, als ich zufällig über facebook auf den Veranstaltungshinweis aufmerksam wurde.
Da hatte ich mein Crossrad, mein Giant TCX Advanced Pro 1, mitgenommen. Auch damals war es schon mit Schlauchreifen bereift. Das Wetter war mit sehr viel Schnee toll herausfordernd. Die Strecken, teilweise durch den Wald, extrem schwierig und technisch. Ohne Stollenreifen wäre es unmöglich gewesen, aber auch so kam man kaum voran. Entsprechend langsam war der Fortschritt.

Nahezu alle gaben auf. Am Ende – es war schon längst dunkel und ich auf dem Weg von der Wesertalsperre bei Eupen – waren nur noch drei Teilnehmer im Rennen. Da erwischte es meinen Hinterreifen. Einfach so, mir nichts, dir nichts, platzte die Reifenflanke. Vorteil – als Schlauchreifen war das Versagen nicht katastrophal und es war beherrschbar. Nachteil – mit einem Flicken oder dem Einfüllen von Dichtmilch war da aber auch rein gar nichts zu holen. Zu Fuß schob ich mein Rad zu einem Imbiss in Eupen und musste mir ein Taxi zum Signal de Botrange bestellen…

Da waren es dann nur noch zwei. Wovon einer im Nachhinein feststellte, dass er sich bei einem Checkpoint vertan hatte. 2017 war also ein BOTReycat mit nur einem einzigen richtigen Finisher!

Ich fand es aber eine ganz tolle Veranstaltung und stand deswegen auch dieses Jahr wieder am Start.

2018 – Respect the Pentagram:

„Respect the Pentagram“ hiess es ja. Ein bisschen kannte ich ja jetzt die Gegend. Mit dem Giant (das jetzt seit September neue Reifen trägt – hatte lange gedauert, ich weiss ;-)) wollte ich nicht noch einmal fahren. Denn ich habe natürlich wieder Schlauchreifen geklebt. Also plante ich meine Routen entsprechend für mein erprobtes Transcontinental Rad – das J.Guillem Orient. Schön mit Auflieger und ich hatte richtig Lust, lange und schnell zu fahren. Aber schnell halt relativ. Eher im Sinne von effizient. Also im hohen Grundlagenbereich und mit möglichst wenig Stops, wenn überhaupt. Mal gucken, was so geht. Gerade auch im Winter.

Routen. Richtig, Mehrzahl. Taktik, Leute. ;-)

Die direktesten Linien schieden für mich aus: Ich kannte die Waldwege nicht und selbst, wenn sie halbwegs gut zu befahren wären wollte ich nicht unnötig Höhenmeter sammeln und lieber leicht und schnell rollen. Zumal ich ja ohne Crosser bzw. Gravelbike unterwegs sein würde. Höhenmeter würde aber ohnehin ordentlich zustande kommen.

Aber einige strategische Verbindungen durch die vielen Waldstücke müssen schon sein. Mit einigen Wegen, von denen ich trotz Open Street Map nicht ganz sicher war, ob sie wirklich durchgehend asphaltiert waren oder wo ich in Kauf nahm, dass auch ein paar wenige Kilometer Waldweg dabei waren, kam ich auf rund 164 km. Das war meine Route A. Route B war für den Fall, dass es wieder schneien würde. Auch da kam ich nicht um eine Waldtraverse drum herum (die bei heftigem Schneefall wohl auch kaum geräumt werden würde), bewegte mich aber ansonsten vorwiegend auf Hauptverbindungsstraßen (die im hohen Venn trotzdem auch nur so mittel befahren sind). Das waren dann auch nur 20 km mehr. Dafür super zügig zu befahren. Also 183 km.

Nun, die erste Route wäre von der Kartensicht ein etwas hübscherer Weihnachtsstern gewesen, aber die zweite Route erfüllte auch die Reihenfolgen-Vorgaben der Kontrollpunkte. Und darauf kam’s ja an. Weil es zwar trocken und schneefrei war, aber doch knacke-kalt und unter Null, wählte ich am Morgen doch meine lange B-Route. Ich hatte ein kleines wenig Sorge, dass so manche Waldwegpassage, gerade wenn doch asphaltiert, eklige Glatteisüberraschungen hätte bieten können. Und meine Anfahrt zum ersten Kontrollpunkt (ich hatte die Dreilägertalsperre gewählt) war super effizient, weil man vom Signal nach Eupen quasi „Schuss“ fahren kann und dann gut durch den Wald (aber asphaltiert) Richtung Roetgen gelangt.

Sehr knackig, aber trocken ist es, als ich mich morgens vor Sonnenaufgang mit den anderen Teilnehmer am Signal de Botrange einfinde und mein Rad auspacke.

Tipp Nummer eins also: mindestens zwei Routenvarianten in Petto haben.

Tipp Nummer zwei: eine Thermoskanne dabei haben. Schon an der zweiten Kontrollstelle traf ich Teilnehmer, deren normale Flasche bereits samt Inhalt komplett gefroren waren. Meine Elite Deboyo, die ich mir zuvor extra für diesen Winter zugelegt hatte, hielt ihren Inhalt selbst 8 Stunden später im Ziel noch warm!

Tipp Nummer drei: entweder wirklich ganz in Ruhe die Ausrüstung einpacken oder wie ich, einfach alles in zweifacher Form für die Anreise dabei haben. Weil ich nicht wusste, ob es nicht doch auch etwas aasser werden könnte und weil ich auch endlich mal meine schon im Herbst gekaufte Apidura Satteltasche testen wollte (und die braucht ja Inhalt), hatte ich einfach alles zweimal mitgenommen: Outer Shell in Form einer Regenjacke, eine zweite Bibshorts, ein zweites Unterhemd, ein zweites Paar Socken, ein zweites Paar Beinlinge…

Moment, ein zweites Paar Beinlinge… Wo war denn mein erstes Paar, fragte ich mich am Vorabend im kleinen aber feinen Hotel Eifelland in Bütgenbach. Verdammt – gar nicht eingepackt! Ich hätte also fast schon mitten im Winter nur mit einer kurzen Hose da gestanden. Auweia! Wie gut, dass ich auf das einfach nur so schon in die Satteltasche gepackte zweite Paar Beinlinge zurückgreifen konnte.

Tipp Nummer vier: Pedal hard and have fun! :)
Ich will mich da nicht zu sehr selber loben, aber wenn ich eine Route plane, dann klappt die Wegführung auch. Ich kann mich dann voll und ganz auf das Erleben der Strecke und auf’s pedalieren konzentrieren. Dieses Jahr gab es von der Teilnehmerzahl nochmal einen kleinen Zuwachs: 30 Solofahrer und 22 Duos waren gemeldet. Mithin also 74 Teilnehmer gesamt. Darunter auch Christian aus Essen, der sich unabhängig von mir ebenfalls angemeldet hatte. Ich hätte mich gefreut, ihn wenigstens am Start oder dann im Ziel kurz zu treffen. Aber leider war am Start jeder mit fertig anziehen, Rad auspacken etc. bis zum Startschuss beschäftigt und wir hatten auch ganz unterschiedliche Routenplanungen. Er wollte z.B. mit der Rurtalsperre anfangen. Wie sich später herausstellte, hatte er aber Probleme mit seiner Wegführung und entschied sich dann (eher unfreiwillig) für eine Freestyle-Variante abseits des geforderten Pentagrams. Und wer sich auch noch kurz vor Schluss anmeldete, war Kristof Allegaert als Duo mit einer Dame. Die beiden traf ich am Rurseedamm. Auf die Frage, wie es liefe hörte ich erst mal „Oh, it’s complicated“ ;-) Aus irgendwelchen unerfindlichen Gründen waren die beiden erst zur Dreilägertalsperre, dann aber unnötigerweise wieder zurück zum Signal de Botrange gefahren. Naja – da gab’s auf jeden Fall was Warmes zum Essen…

Routenwahl:

Ich habe mir die Mühe gemacht, mir auf Strava die Flybys anzusehen und daraus eine kleine Animation zu machen. Da kann man sehr schön das wilde Gewusel der meisten Teilnehmer sehen, die auf unterschiedlichen Wegen entweder zum selben Kontrollpunkt oder eine ganz andere Reihenfolge wählend unterwegs waren. Auch wenn Monschau dieses Jahr kein zwingender Kontrollpunkt war – ganz drum herum kommt man beim BOTReycat nicht. Aber das ist ja auch gut so und sehr reizvoll. Ich bin zwar auch einmal ganz direkt hindurch gefahren und sogar in Armreichweite des Weihnachtsmarktes gewesen, habe aber zumindest am Samstag auf einen Besuch verzichtet. Das wollte ich sowieso am folgenden Sonntag machen. Der Samstag war ganz auf Effizienz getrimmt.

Strava Flyby der meisten Teilnehmer

Effizienz bzw. #fueledbyLebkuchenherzen

Während ich die Apidura Expedition Saddle Pack nur endlich mal testen wollte – eigentlich habe ich sie nur mitgenommen, weil ich einen Ass-Saver haben wollte und dafür sind solche Satteltaschen hervorragend – hatte ich eine zweite, ganz neue Tasche für die ganz konkrete Nutzung am Start. Und zwar die Apidura Racing Handlebar Pack. Frisch von Apidura vorgestellt, hatte ich sie mir vom Fleck weg bestellt. Hier könnt ihr meinen ersten Eindruck zur Tasche finden und einen noch deutlich besseren Eindruck von der Machart der Tasche als bei Apidura direkt gewinnen.

Mein Orient mit Stahl-Thermoflasche (Elite Deboyo) und zweimal Apidura: hinten die Expedition Saddle Pack und vorne die Racing Handlebar Pack. Olef-Talsperre.

Beim Botreycat sollte sie sich im Einsatz bewähren. Hat sie auch. Ob sie Bestandteil meines Langstrecken-Cockpits werden kann, bezweifle ich noch. Aber so als kleines, reduziertes Besteck für eine lange Tagestour kann sie – besonders wenn sie unter Aerobars hängt – doch punkten. Gut – für Flaschen oder so sind ihre internen Seitentaschen mit Deckelzugriff wirklich nicht sonderlich gut. Aber um während der Fahrt Bananen in der einen Seite und lauter Lebkuchenherzen in der anderen Seite zu verstauen und daraus zu mampfen, taugt sie. Mit behandschuhten Händen wird’s ab einer gewissen Tiefe, aus der man die Lebkuchenherzen fischen will, zwar schwierig, aber es geht noch. Im Sommer wäre das gar kein Problem. Man muss aber auch sagen: mit einer richtigen Foodpouch (die ist halt schöner und weiter und wirklich rund oben offen) ginge es nochmal besser.

Aber in dem Abschnitt soll’s ja um Effizienz gehen. Und da heisst es bei solchen Events einfach nur: Nur anhalten, wenn absolut nötig. Und wenn man dann anhält, gleich alles zugleich machen.

Für das Botreycat übersetzt heisst das: Nur an den geforderten Kontrollpunkten halten. Gefordert war hier, ein Selfie auf dem jeweiligen Damm der Talsperre zu machen. Und von da auch eine kurze SMS an den Organisator absetzen. Und wenn man dann schon mal da steht, auch einen Schluck aus seiner Thermoskanne nehmen (hier jetzt nur erwähnt, weil ich für extra Isolierungsleistung den Schraubverschluss auf meine Thermokanne gesetzt hatte). Und weil ich sowieso im Winter kaum was trinke. Gleichzeitig etwas hin und her hüpfen bzw. auf der Stelle laufen, um mehr Blutzirkulation in die Füße und besonders Zehen zu bekommen. Und etwas aufwendiger auszupackende Verpflegung zu öffnen, falls man so etwas dabei hat. Ich hatte mal testweise so ein Fläschchen Fresubin Energy Drink dabei. Ganz praktisch: 303 kcal in 200 ml schnell zu trinken. Und ab und an muss man ja auch etwas Wasser wegstellen… Nein – das macht man nicht vom Talsperrendamm! ;-)

Aber ansonsten: fahren, fahren, fahren. Die Bananen unterwegs mit den Zähnen schälen. Das eingepackte Brötchen vom Frühstückstisch während der Fahrt aus der Tasche holen. Und zwischendurch immer mal Lebkuchenherzen einwerfen. Am Abend taten mir die Kaumuskeln weh von den ganzen ziemlich steif gefrorenen Lebkuchenherzen mit Aprikosefüllung. War aber guter Treibstoff. Mit zwei Geltütchen hatte ich so ziemlich die komplette Verpflegung dabei und konnte alles während der Fahrt erledigen. Ganz überraschend brauchte ich ansonsten auch keine wirkliche Aufwärmpausen. Das rumgehopse an den Talsperren hatte schon gereicht. War zwar saukalt und ich war jeweils wieder froh, nach den Fotoaufnahmen in die Handschuhe zu kommen, aber ich hätte noch eine ganze Weile so weitermachen können. Und eigentlich wohl auch sollen…

Pausen kosten:

… aber so einen schönen heissen Kaffee im Warmen und noch etwas mehr Essen, als ich dabei hatte, wollte ich mir doch gönnen. Also kehrte ich vor meiner letzten Talsperre noch in Konzen in eine dort entdeckte Bäckerei ein. Die Bäckerei Moos lag da sehr gut an meiner Strecke. Und sie hatten leckere belgische Reisfladen am Start. Mjamm! Einen solchen und einen Café Creme gönnte ich mir. Und direkt noch ein Brötchen mit einem kompakten Kräuteromelett belegt halb für am Platz und halb für unterwegs. Sehr lange habe ich mich da nicht aufgehalten. Aber es waren halt doch 20 Minuten.

So mag ich meine Kaffeepausen: drinnen im warmen Sitzen aber das Schätzchen im direkten Blick. :)

Und bei der Analyse meiner Aufzeichnung habe ich gesehen, das sich selbst meine vermeintlich kurzen Pausen an den Talsperren geläppert haben. Und dabei war’s so kalt, dass ich wirklich nur die nötigsten, zwei, drei – naja, vielleicht auch 4 oder 5 Fotos gemacht habe. ;-) Und dann wie gesagt schnell einen Schluck trinken, Handschuhe wieder an (bisschen auf- und ab hopsen, damit die Zehen durchblutet werden, nicht zu vergessen) und weiter. Mit dreimal Pipi und vielleicht ein paar Ampelstops waren das genau 50 Minuten Stillstandszeit insgesamt. Schwupps werden aus 07:22 Bewegungszeit 08:32 verstrichene Zeit.

Pah – könnt ihr diese Under-Achiever da hinten am Dammanfang sehen? Effizient, vielleicht. Aber wenn schon Talsperrendamm-Selfie, dann schon von der Mitte! ;-)

7 Stunden 22 Minuten für 183,45 km sind recht ordentlich. Damit bin ich zwar kein Speed Demon, aber war gut unterwegs und habe auch viele Teams hinter mir gelassen. Zwar gibt es offiziell nur Solo- und Duo-Wertungen, aber wenn sich ein paar Leute kennen und gerne gemeinsam fahren, sollen sie’s wegen mir auch gerne machen. So gab es mindestens eine lustige 4er Clicque, die ich auch paar mal unterwegs getroffen hatte.

Eigentlich wollte ich ja, wie eingangs gesagt, ökonomische obere Grundlage fahren. Dachte mir dann aber recht bald nach dem ersten Kontrollpunkt: „Ach, was soll der Scheiss – was hilft es, wenn ich schön spritsparend fahre, aber mir vor dem Ziel die Füße einfrieren?“ Also habe ich ein ganz klein wenig aufgedreht und hatte immer so Zone 3, also Tempo angezielt. War cool und hat Spaß gemacht. Und ich habe es auch am Abend ein wenig gespürt. Was immer wieder erstaunlich ist, wie gering dann doch die durchschnittliche Wattleistung ist. Und auch die Normalisierte Leistung, bzw. XPower, wie sie GoldenCheetah angibt. So war meine durchschnittliche Leistung über die gesamten 8,5 Stunden 157 Watt (rund mittlere Zone 2 bei mir). Und die xPower (in etwa NP) lag bei 180 Watt. Was immer noch deutlich unter der Obergrenze meiner Zone 2 (die liegt bei 202 Watt) ist. Und das trotz 2:20 h in Zone 3 zwischen 202 und 243 Watt. Aber halt auch 2:05 h im Bereich Recovery, Zone 1, zwischen 0 Watt (Freilauf oder Stillstand) und 148 Watt. In Zone 3 war ich jedoch auch meistens mit 209 bis 220 Watt unterwegs. Eine dann doch einfach zu haltende Dauerleistung (wenn man nicht gerade in eisiger Luft versucht, ein ebenso eisiges Lebkuchenherz zu kauen… Aber: das war über alles dann doch ein Intensity Factor von 0.66. Ich habe mir für den Tag eine RPE (Rating of perceived exertion) von 7 notiert. Für eine Eintagesverantstaltung kann der IF auf jeden Fall noch nach oben, denke ich. Aber bei einem Mehrtagesevent wäre ich so nicht über mehrere Tage unterwegs.

7 Stunden und 22 Minuten – ohne jede Pause hätte das Platz 5 oder 6 bedeutet – wenn ich genauso kurze Standzeiten wie der Sieger, Jens van Roost gebraucht hätte. Er war mit einem 26,0 km Schnitt und 06 Stunden 29 Minuten unterwegs. Seine Bewegungszeit war dabei 06:27 h. Das heisst er war nicht nur super fix, sondern hat auch insgesamt (wenn Strava da stimmt) 3 Minuten gestoppt! Wow – der ist garantiert nicht wie ich mitten auf den Damm gefahren und hat wohl auch wirklich nur eine vorgefertige SMS losgeschickt. Seine Watt werden von Strava auf 260 Watt geschätzt. Chapeau!

Danach wird’s etwas normaler. Simon oder auch Nico hatten z.B. beide eine Strecke von 172 bzw. 170 km zurückgelegt und so 06:49 bzw. 07:00 h Bewegungszeit dafür benötigt. Gesamt waren sie dann auch mit je etwa 30 bis 40 Minuten Standzeit bei einer Overall-Zeit von 07:23 bzw. 07:37 h. Die beiden waren (da leicht unterschiedlich gestartet) mit 16:04 Ankunftszeit auf Platz 4 und 5 gewertet. Ich selbst kam um 17:12 zeitgleich mit Steven und seinem Kollegen wieder am Signal an. Das war so ungefähr Platz 12 oder 13 insgesamt oder Platz 8 Solisten. Ganz echt und noch verbesserungsfähig, denke ich. :)

Die restlichen Fahrer kamen dann noch so bis abends um 8 Uhr ins Ziel. Wenn ich die Notizen von Gunther, dem Menschen hinter Bikepacking.be richtig deute, gab es 12 DNF und so rd. 15 Teilnehmer, die dann doch nicht gekommen sind. Alles in allem aber eine wesentlich bessere Quote als im letzten Jahr.

Mir hat es wieder einmal sehr gefallen. Herzlichen Dank an Gunther für so ein schönes Event. Dieses mal konnte ich, dank des fehlenden Schnees, mehr vom Hohen Venn und auch mehr im Tageslicht sehen. Dunkel wurde es wirklich erst kurz vor meiner Zielankunft.

Am frühen Abend vor dem Signal de Botrange angekommen.

Im Bistro am Signal hatte ich mir dann einen schönen Café und ein Crêpes au Chocolat gegönnt. Nach etwas Plauderei fuhr ich dann in mein Hotel zurück, um erst mal eine sehr lange heisse Dusche zu genießen.

Kleine Süßigkeit zum Abschluss.

Weihnachstmarkt in Monschau:

Auch wenn es nur knappe 2 Stunden Autofahrt zwischen dem Hohen Venn und Wuppertal sind – einfach nur für das Botreycat hin- und sofort wieder zurück fahren fände ich etwas schade. Monschau ist echt ein nettes Städtchen und sein Weihnachtsmarkt zurecht ein Besuchermagnet. Und – zumindest wenn man ihn mittags besucht – auch gar nicht so überlaufen. Jedenfalls fühle ich mich da wesentlich wohler als auf den üblichen Feld-Wald-Wiesen-Innenstadt-Weihnachtsmärkten, wo man nirgendwo durchkommt, weil die ganzen Schnappsdrosseln, äh, festlich besinnte Menschen mit Wunsch auf etwas weihnachtliche Wärme in der Kehle, vor den ganzen Glühweinständen rumlungern.

Natürlich sind auch in Monschau die bestfrequentierten Stände die, wo es was zu Essen und zu Trinken gibt. Aber ich finde, es lohnt sich, sein Hotel noch für die Übernachtung zum Sonntag und einem ausführlichen und gemütlichen Frühstück zu nutzen und danach auf dem Heimweg noch in Monschau zu stoppen, um sich dort die Innenstadt, die Eifelrur und den Weihnachtsmarkt anzuschauen.

Das habe ich dann auch gemacht und bin danach schön entspannt nach Hause gefahren. Ein tolles, sehr lohnenswertes Wochenende in der Eifel. BOTReycat – meine Empfehlung für Euch. Und für mich habe ich mitgenommen: ich muss auch unbedingt mal im Sommer in das hohe Venn und vor allem auch nach Monschau, wenn alles grünt und blüht und es wärmer ist.

Kommt gut in’s Neue Jahr!

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4 Kommentare zu „BOTReycat #3 – Auf ein Alleycat und einen Weihnachtsmarktbesuch in’s Hohe Venn

  1. Wieder ein super Bericht, vielen Dank! Ist es jetzt doch eine Apidura Seat Pack geworden? Ich hab mir auch grad zu Weihnachten eine gegönnt (auch Expedition). Die wartet aber noch auf den ersten Einsatz.

    Gruß aus Hamburg

    1. Hallo Andreas, habe nach wie vor auch die Ortlieb. Wollte einfach mal die Apidura testen. Alles für den Dackel, äh, den Leser, ach was – nein, alles nur für mich ;-) Die Apidura habe ich auch bewusst ein kleines bisschen kompakter gewählt. Es ist nicht das ganz große Modell. Mithin auch etwas kleiner als die Ortlieb. Das war aber erst ein erster Test. Noch zu kurz für einen Entscheid, welche Tasche z.B. zum nächsten Bikepacking-Race mit darf.

  2. Hi torsten,
    klasse, was du an berichten raushaust. Ich kann das neben deinen excellenten fotos und den touren an sich nur bewundern. Die BW aufnahmen zu dem sind allererste sahne und ich weiß, dass es manchmal stressig ist solche aufnahmen zu machen. da denkt man sich beim fahren öfters, soll man anhalten, oder nicht? Lohnt sich das? Als einzelfahrer nahme ich mir auch immer die zeit eindrücke festzuhalten, das gehört für mich immer dazu. Aber so verlängert sich natürlich die gesamtfahrzeit ;-/ Nachher erfreuen sie aber alle leser und motivieren vllt. so etwas selber zu machen.
    …gruß uli

    PS …auf die Elite Deboyo Flasche kann ich auch nicht mehr verzichten!

    1. Hi Uli, vielen Dank! Gerade dein Fotolob weiss ich zu schätzen. :) Manchmal wünsche ich mir, ich würde das auch bei Fahrten machen, wo ich mal mit anderen unterwegs bin. Da sind die Momente nur so flüchtig. Und die ganze Zeit will ich da auch nicht die Kamera im Anschlag haben. Noch die (nicht ganz so fotoaffinen) Kollegen dirigieren.

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