How Bad Do You Want It? Lesetipp / Hörtipp

Matt Fitzgerald ist Ausdauersport-Experte und Autor. Der Titel seines aktuellsten Werks lautet „How Bad Do You Want It?: Mastering the Psychology of Mind over Muscle.“

Der Titel der deutschen Übersetzung lautet: Siegen ist Kopfsache.

Diese deutsche Ausgabe kenne ich aber nicht. Ich bespreche hier die englische Original-Ausgabe. Zudem habe ich nicht das gedruckte Werk gelesen, sondern das Hörbuch gehört, welches vom Autor selbst gelesen wird.

Für mich eine Novität, bevorzuge ich doch das Lesen und Nachschlagen in Wort und Bild. Aus Zeitgründen wollte ich dem Thema „Hörbuch“ aber mal eine Chance geben. Wo ich doch beim Autofahren sonst auch gerne Podcasts höre, da bietet sich doch auch das Hörbuch an – so mein Gedanke. Mit vielen Fach- und Sachbüchern ist das schwierig, weil ohne Tabellen und Diagramme da wenig geht. Aber das Buch, um das es hier geht, kommt gänzlich ohne solche Dinge aus.

Perfekt geeignet, um es auch als Hörbuch aufzunehmen.

Und, so viel sei vorab verraten: Ein tolles Buch, dass ich sehr empfehle.

Worum geht es?

Matt Fitzgerald bringt dem Leser bzw. Hörer eine Reihe von Bewältigungsstrategien und -Fähigkeiten nahe. Verhaltensweisen, Gedanken und Emotionen die den Athleten helfen, den unweigerlichen Schmerz und Stress zu bewältigen, wenn es wirklich ums Ganze geht bzw. wenn man sich selbst zu Leistungen treibt oder treiben will, die dazu reichen, eine neue Bestleistung zu erzielen oder zu gewinnen. Egal auf welchem Level. Seine Beispiele sind mitreißend und detailreich geschildert und handeln meist um Weltklasse-Athleten. Marathon-Sieger hier, Ironman-Hawai dort, Tour de France Sieg da. Dennoch sind sie auch für Jedermann und -frau greifbar und tauglich.

Denn es geht ganz allgemein darum, die Toleranz für die gefühlte Anstrengung (perceived effort) zu steigern und den Betrag der Anstrengung, der für die jeweilige sportliche Aktivität wahrgenommen wird, zu reduzieren.

Fitzgerald spricht hierbei vom „psychobiological model of endurance performance“, also vom psychobiologischen Modell der Ausdauerleistung. Er führt dieses Modell und die Verbindung von Gefühlen und Gedanken mit dem Körper bzw. die Körperlichkeit von Gefühlen und Gedanken (letztendlich kann und darf man diese nämlich nicht trennen) tiefer und mit verschiedenen Beispieln als das ja letztlich hier längst nicht zum ersten Mal gehörte Mantra „Mind over Muscle“ aus.

Er möchte das psychobiologische Modell auch ganz klar von dem „üblichen“, in seinen Worten, Sammelsurium von Sportpsychologischen Methoden wie Visualisierung, Zielsetzung etc. abgrenzen.

Nach dem Hören seines Buches gebe ich ihm da auch Recht. Anfangs dachte ich noch: Oh, ist ja ganz nett, in der Kapiteleinleitung fast romanhaft ausgeschmückt eine spezielle Begebenheit, ein spezielles Rennen aus der Sicht und den Gedanken eines Protagonisten zu beschreiben… aber jetzt komm’ doch bitte mal kompakt zum Punkt! Das war insbesondere beim Anlesen des Buches der Fall. Beim Zuhören jedoch war das schon viel intensiver und spannender. Und tatsächlich schafft es Matt Fitzgerald, in diesen Abschnitten trotz vermeintlicher Langatmigkeit (Kann man das nicht kürzer und prägnanter schreiben und nach 10 Seiten fertig sein anstelle ein ganzes Buch dafür zu benötigen?) sowohl kurzweilig als auch umso nachvollziehbarer, seine Thesen und die jeweiligen Bewältigungsstrategien darzulegen und zu Begründen.

Natürlich kann ich mich auf den Skepsis-Stuhl setzen und ausführen, dass man für jede These in der großen bunten Welt des Sports ein passendes Beispiel finden kann. Und damit beschreiben kann, warum genau diese Fertigkeit, diese emotionale Grundhaltung bzw. diese Entschlossenheit genau aus jener Abfolge von vorherigen Ergebnissen und Erlebnissen des Athleten folgern musste. Fitzgerald ist aber ehrlich genug, dass es nicht reicht, einfach nur seinen Sieg herbei zu träumen oder zu wünschen, sondern dass natürlich auch die Genetik und die körperlichen Fähigkeiten eine große Rolle spielen.

Er bringt sogar ein sehr konkretes Beispiel, dass das bloße und sehr genaue Träumen eher kontraproduktiv ist. Und im Kapitel 5 „The workaround effect“ gibt er auch Beispiele, wie es ohne die körperlichen Fähigkeiten, bzw. mit vermeintlichen körperlichen Nachteilen gelingen kann, an die Weltspitze vorzustoßen. Ich glaube ich brauche aber niemandem zu sagen, dass es dazu natürlich dennoch außergewöhnlich guter anderer körperlicher Voraussetzungen bedarf – neben außergewöhnlichen Willen.

Aber um diesen außergewöhnlichen Willen geht es im Buch überall. „How bad do you want it?“ Wie sehr willst du es?

Vom Grad des Wollens…

Vom Grad des Wollens ist es abhängig, wie sehr man sich quälen und schinden kann. Nur, wenn man sich diese Frage mit „absolut“ beantworten kann, wird man weiterlaufen, weitermachen können. Wird man das irrwitzige Tempo halten können, dass es braucht, um am Gegner dran zu bleiben und ihn letztendlich zu überholen. Oder durchzuhalten und weiter zu fahren, auch wenn der Gipfel noch nicht erreicht ist. Auch wenn die Lunge rasselt, die Beine zu platzen drohen und jede Faser des Körpers wimmert und man nur noch aufgeben will. Außer – man will nicht aufgeben!

Und darum geht es in dem Buch. Wie findet man heraus, wie viel man wirklich geben kann? Wie kann man über sich heraus wachsen? Wie kann man das Meiste aus dem machen, was man hat? Was limitiert unsere Fähigkeit, alles das zu Geben, was wir haben?

Wider Erwarten (siehe meinen Eindruck vom ersten anlesen oben) fand ich das Hörbuch äußerst kurzweilig und hatte es innerhalb 2 Wochen durchgehört. Meistens im Auto, wo ich es viel spannender als diverse Podcasts fand. Aber auch mal beim Wohnungsputz. Zum Einschlafen höre ich meistens nichts. Neu bei Audible und beim Thema Hörbuch habe ich es mal versucht. Die Smartphone-App hat da eine Extra-Funktion für. Die ist aber eigentlich nur eine Stoppuhr und der Vortrag endet nach der vorgewählten Zeit abrupt – es wird da also nichts leicht ausgeblendet oder so. Wie dem aber auch sei: Das Hörbuch eignete sich für mich sowieso nicht zum Einschlafen. Zu prägnant ist Fitzgerald’s Stimme, der als Autor sein Buch selbst vorliest, als dass ich dabei Einschlafen könnte.

Selbst vom Rennrad- und Fahrradvirus befallen, fand ich aber auch die Kapitel, die auf Marathon oder anderen Laufevents basierten, spannend. Die in den zwölf Kapiteln als Angelpunkt gewählten Sportler-Beispiele betreffen dabei überwiegend Marathon, Triathlon und Rennrad, gemischt mit Cross-Triathlon, anderen Laufdisziplinen und Rudern.

Ich habe beim Hören auch nochmal richtig Lust bekommen, mir den 1996er IronMan auf Hawaii mit der nun erhaltenen Detailkenntnis über die Umstände und die Konkurrenz von Paula Newby-Faser, Natascha Badmann und Karen Smyers anzusehen. Und ich konnte mich lebhaft an die Tour de France 2011 und auch an die Tour von 2004 erinnern, wo in beiden Ausgaben gemeinsam Thomas Voeckler unglaubliche 20 Tage in Gelb fuhr. Weitere „Auftritte“ von Radrennfahrern im Buch gehen an Greg Lemond, Cadel Evans und Jens Voigt.

Screenshot „How Bad do you want it“ Audiobuch in der Audible App

Was mir beim Hören fehlte und bei einem Hörbuch generell schlecht ist: Nach dem erstmaligen Hören wesentliche Punkte schnell wieder finden können. Sich Punkte anstreichen oder hervorheben geht halt bei einem Hörbuch nicht. Das kann ich natürlich nicht dem hier rezensierten Buch vorwerfen – das ist einfach eine Besonderheit eines Hörbuches. Die Audible App bringt hier die Funktionalität von Clips und Lesezeichen mit. Damit kann man bestimmte Stellen markieren, in der Länge bestimmen und gezielt wieder anspringen sowie sie auch mit Notizen versehen. Das ist schon mal sehr gut. Aber trotzdem noch nicht so schnell wieder auffindbar und „mit einem Blick“ erfassbar, wie dass bei einem Druckwerk bzw. digitalen Textdokument geht.

Unabhängig davon könnte aber auch die gedruckte / oder elektronische Lese-Ausgabe durch separate Hervorhebungen oder durch Zusammenfassungs-Kästchen der wichtigsten Aussagen eines Kapitels durchaus noch besser werden. Denn solche habe ich beim Durchblättern eines Previews nicht entdecken können.

So mache ich dann halt meine eigene kurze Nachschlags-Sektion pro Kapitel und bringe euch damit mit meinen eigenen Take-Away Notizen, das, was ich beim ersten Hören zunächst einmal für mich selbst mitgenommen habe etwas nahe.

1. A Race is like a fire walk

Hier setzt Fitzgerald die Grundlagen für die folgende, Kapitel auf Kapitel weiter getragene Argumentation seines Mind over Muscle Gedankengebäudes. Und er führt dazu das Bild des Laufs über glühende Kohlen ein. Wie weit kommt man über das Kohlenbett bis zum anderen Ende. Wie weit rückt das anderen Ecke in die Entfernung als Parallele zum Erreichen des persönlichen Limits bzw. wie Nahe man dessen kommen kann. Zudem erklärt der Autor hier die Grundlagen des eigentlichen Limiters von Ausdauer-Leistungen: Die gefühlte Anstrengung!
Wenn sich eine bestimmte Anstrengung einfacher anfühlt, obgleich sie tatsächlich genau gleich hoch wie unter anderen Umständen ist, wird sie einfacher toleriert, kann länger gehalten oder deutlicher überschritten werden. Der tatsächlichen physikalischen Leistungsfähigkeit des Körpers kann näher gekommen werden.

Man kann also mehr tatsächliche Leistungskapazität mitbringen oder man kann mehr von dem Ausschöpfen, was man an tatsächlicher Leistungskapazität hat.

Die physische Kapazität ist die nicht erreichbare Wand am anderen Ende des glühenden Kohlebeckens. Die psychische Kapazität bzw. die mentale Fitness bestimmt, wie nahe man sich ihr nähern kann. Wie weit kommt man, bevor man die erforderlichen Schmerzen nicht mehr erträgt. Bis man sich sagt: „Das ist es nicht wert“. Oder was hilft einem dabei, die Hitze gar nicht so sehr zu fühlen, um weiter an die Wand heran zu kommen… A Race is like a Firewalk.

2. Brace Yourself

Wie fühlst du dich? Wie fühlst du darüber, wie du dich gerade fühlst? Fühlst du dich schlechter, als du dachtest du würdest dich fühlen? Was hast du erwartet? Dass es heute auch einfach werden würde? Wappne dich. Mach dich jedesmal auf’s neue auf das Gefasst, was jetzt kommt. Es wird hart werden, es wird dein härtestes Rennen werden. Dann wirst du auch nicht überrascht, wenn du dich quälen musst… Antizipiere und akzeptiere, was du tun musst, um das zu erreichen, was du willst. Den Sieg, die King of the Mountain-Krone, die persönliche Bestzeit.

Hoffnung, dass es beim nächsten Mal leichter wird, nicht so weh tun wird, dass es dir einfacher fällt… das ist nicht die beste der Bewältigungsstrategien. Sich wappnen, davon ausgehen, dass das nächste Rennen das härteste aller bisherigen sein wird, ist da viel sinniger, reifer, angebrachter. Es wird dann sehr viel leichter fallen, die nötige Anstrengung zu ertragen. Man weiss, worauf man sich einlässt / einlassen will…

3. Time is on your side

Am Beispiel des knappsten Tour de France Gewinns der Geschichte durch Greg Lemond, der 1989 mit nur 8 Sekunden vor Laurent Fignon gewann, lernen wir über zeitbasierte Ziele und Pacing-Hintergründe.
Warum und wie halten wir unsere Leistung zurück, wenn wir nicht einen All-Out Sprint versuchen? Und wie lang kann diese All-Out-Leistung dauern? 5 Sekunden? 10, 15, 30 Sekunden? Aus verschiedeneren Studien scheint diese Grenze bei etwa 30 Sekunden zu liegen. Für alles, was länger dauert, halten wir bewusst oder unbewusst Leistung zurück. Aber wie machen wir das? Pacing ist eine Kunst, die Erfahrung benötigt. Die aber auch sehr von der Motivation abhängig ist. Und von der gefühlten Anstrengung.

Die Quintessenz: Hinterher ist man immer Schlauer. Sobald man im Ziel ist, oder sobald man der Qual nachgegeben hat und einen Gang zurückgeschaltet oder aufgegeben hat weiss man: ein bisschen mehr wäre doch noch gegangen. Eine Sekunde hätte ich noch herausholen können…

Das ist der Punkt: Erreichbare Ziele setzen. Zeitbasierte Ziele sind hier besonders effektiv. Sie müssen erreichbar sein. Wer eine Strecke einmal in einer Stunde bewältigt hat, wird zugeben, dass es beim nächsten Mal möglich sein muss, dass mindestens 5 Sekunden schneller sein zu können.

Mit einem idealen, schwierigen und erreichbaren Ziel verbessert man sich am meisten gegenüber unrealistischen, nicht erreichbaren oder auch viel zu einfach erreichbaren Zielen bzw. Zeiten.

4. The Art of letting go

Zu viel Träumen und Ziele setzen kann dich blockieren. Je mehr du es willst (ironischerweise konterkarierend zum Titel und Tenor dieses ganzen Buches), um so sehr kannst du dich unter Druck setzen. Dich selbst damit blockieren und abwürgen bzw. drosseln. Dieses im Englischen „Choking“ genannte Phänomen wird hier beschrieben. Die Lösung: Los lassen. Weniger auf das Ziel, mehr auf das Tun, das Trainieren achten und Wert legen. Wieder den Spaß und die Motivation am Sport an sich finden. Etwas, was ich selbst nur stark befürworten kann. Der Antrieb muss aus dir selbst kommen, aus der Freude am Sport. Nicht, weil du unbedingt siegen willst. Nicht, weil du unbedingt irgendeinen Ausgleich von etwas anderem suchst. Sondern weil du Spaß und Freude an genau deiner Sportart hast.

Der interessante „Fakt“ an diesem Kapitel ist: erst als die Protagonistin, hier die australische Triathletin Siri Lindley, gar nicht an ihren Sieg glaubte, weil sie vermeintlich von ihrem Trainer viel zu hart trainiert wurde und ohne Tapering und mit superschweren Beinen bei einem Rennen antreten sollte, fing sie an zu gewinnen.

Ich habe „Fakt“ hier in Anführungszeichen gesetzt, weil ich ja oben schon etwas zum Skepsis-Stuhl geschrieben habe. Letzten Endes schildert Matt Fitzgerald hier reich ausgeschmückte und detaillierte Anekdoten. Er kann damit seine jeweiligen Bewältigungs-Strategien und ihren Platz im psychobiologischen Modell gut begründen und erläutern. Bzw. wird aus diesen ihm bekannten Fallstudien heraus seine Thesen und Modelle entwickelt haben, die er aber auch jeweils mit weiteren Studien ergänzt und belegt. Trotzdem sind seine Schilderungen und Beispiele sehr eingängig.

5. The workaround effect

Uff… Leute mit schwachem Magen sollten die ersten 5 Minuten bzw. die ersten zwei Seiten des Kapitels überspringen… Too much information. Genauso detailliert und reich ausgeschmückt, wie Fitzgerald die letzten Meter eines Rennens sezieren kann, so schildert er auch die Amputation eines Armes bei einem Arbeitsunfall…. Sehr starker Tobak.

Am Ende aber steht die Botschaft: Sich nicht unterkriegen lassen, selbst wenn man nicht für den Sport geschaffen zu sein scheint (z.B. eher klein, wenn die Weltklasse-Ruderer allesamt ansonsten eher Hünen sind). Oder wenn man nach einer Verletzungspause zurückkehrt. Oder wenn daraus sogar bleibende Einschränkungen oder sogar Behinderungen entstanden sind. Ein sehr beeindruckendes Kapitel.

6. The gift of failure

Wieviele Fehlschläge oder knappe Verfehlungen von Podiumsplatzierungen braucht es, um Trotz und Unverwüstlichkeit zu begründen und soweit zu erhöhen, damit sie in die Energie und den Willen kanalisiert werden können, die schließlich zu neuen Leistungshöhen und – in diesem Fall – zum Gewinn der Tour de France führt?

Das wird am Beispiel von Cadel Evans und seinem schließlichen Sieg der Tour de France 2011 ausgeführt.

7. Today’s Weakness, Tomorrows Strength

Hier schlägt Fitzgerald nochmal die Brücke zur Neuro-Plastizität und zum Workaround-Effekt von Kapitel 5. Und ergänzt dies durch den Effekt des sogenannten „Bulletin-Boarding“. Also die Trotz-Reaktion und das Zusammenreissen und „Denen zeig’ Ich’s!“, dass von ausgesprochenen oder unausgesprochenen Beleidigungen oder unrespektvollen Ansichten folgt. Oder auch von Sticheleien bzw. Zweifeln von Anderen oder Gegnern. Das kann dazu führen, es nicht nur aus Trotz „mehr zu wollen“, sondern auch Wege zu finden, vermeintliche Nachteile in Vorteile zu kehren oder darum herum zu arbeiten.

8. The answer is inside you

Sport kann eine hervorragende Therapie für so vieles sein. Auch für geringes Selbstwertgefühl. Genau dieses Gefühl, gekoppelt mit Unsicherheit und Perfektionismus, kann aber auch hinderlich und zerstörerisch sein. Ein bisschen Sport, ein bisschen Training ist gut, richtig? Dann ist noch ein bisschen mehr Training noch besser, richtig? Und noch mehr, und noch mehr… Du bist nie gut genug? Du hast nie genug für deine Vorbereitung getan? Falsch! Das führt nur zu Übertraining und Selbstzerstörung. Die Bewältigungsstrategie, die hier greifen muss, ist Selbstvertrauen.

9. The Group effect

Interessante Einblicke in die Frage, warum oder ob bestimmte Gruppen bestimmte Sportdisziplinen zu beherrschen scheinen. Heutzutage z.B. Kenianer Langstreckenläufe. Aber sind das genetische Vorteile? Oder ist es der sogenannte Gruppen-Effekt? Dieser wird von Fitzgerald hier erläutert. Und auch, wie man von ihm profitieren kann. Train with the Greats. Nutze die Inspiration in der Gruppe und die Motivation aus dem Wettbewerb und dem Training mit Gleichgesinnten.

10. What do you Expect

Hier lernen wir am Beispiel von Thomas Voeckler über den Publikums-Effekt und den Erfolgs-Effekt.

Wenn wir Publikum haben, strengen wir uns mehr an. Noch wirksamer wird dies, wenn uns das Publikum darüber hinaus entsprechend motivierende Anfeuerungen zukommen lässt. Unter Beobachtung zu stehen – und darüber hinaus auch noch angefeuert zu werden – lässt uns nicht nur stärker anstrengen und mehr leisten, es lässt uns auch glauben und fühlen, uns mehr anstrengen und mehr leisten zu können.

Und wenn uns das einmal gelungen ist, wenn wir einmal über uns hinausgewachsen sind, dann können wir aus diesem Erfolg selbst schöpfen. Hey… ich habe das ja in mir…!? Ja, ich habe das in mir! Was mir einmal gelungen ist, kann ich wieder erreichen!

Beide Effekte teilen sich eine Grundlage: Die eigene Erwartungshaltung wird gesteigert. Tief in uns selbst, bewusst und unbewusst. Erwartungshaltung aus purem Träumen oder Wünschen ist anders. Diese Erwartungshaltung aus dem Wissen, schon einmal eine ganz besondere Leistung geschafft zu haben, ändert die eigene Erwartungshaltung und damit die Motivation und den Willen, die nötige Anstrengung zu durchstehen, profund!

11. Passion knows no Age

Das Kapitel ist ja wie für mich gemacht. :) Hier beschreibt Fitzgerald Athleten, die auch im höheren Alter noch auf Weltklasse-Niveau unterwegs sind und siegen. Und Spaß daran haben. Ich wusste gar nicht, dass Haile Gebreselassi eine solch lange Karriere hatte. Von 1992 bis 2015 war er fast stetig in den Spitzenrängen bei seinen Laufdisziplinen, vorrangig Marathon, vertreten und heimste mehrere Weltrekorde und Goldmedaillien ein. Weitere Protagonisten sind Ned Overend und Shut-up Legs Jens Voigt.

Hier wird weniger eine Bewältigungsstrategie erläutert. Mehr die Botschaft, die ich nur von ganzem Herzen unterschreiben kann, dass eine positive und optimistische Lebenseinstellung, neben einer Leidenschaft für den Sport an sich und einen aktiven Lebensstil die Voraussetzung von scheinbar langsameren Altern bzw. von Leistungsvermögen weit über den normalen Horizont von typischen Athleten-Alterskassen ist.

12. Is it Worth it?

Diese Frage muss sich jeder Athlet selber stellen. Für jede seiner Schritte und für jedes seiner Rennen. Was motiviert mich? Was sind meine waren Werte? Bewältigungsstrategien und Aussicht auf Belohnung und Bestätigung, die für den einen Menschen und Character gelten und funktionieren, müssen nicht für den anderen Menschen gelten. Aber Erfolg und das Gefühl, in sich bzw. über sich hinaus gewachsen zu sein, dass kann in jedem von uns schlummern und jedem von uns etwas geben. Ob wir es jetzt schon wissen oder nicht. Ob wir es vor anderen oder vor uns selbst zugeben oder nicht. Auch vermeintlich unkompetitive Sportler, denen es nur um das Erleben, nur um das Ankommen geht (und was heisst da schon „nur“!?), sind davon nicht frei bzw können sich selbst darin wieder finden, welche Erfahrung es sein kann, seine eigenen Grenzen getestet und überschritten zu haben. Egal ob sie das im Rahmen einer Weltklasse- oder einer Jedermann-Leistung erreicht haben.

Für wen ist das Buch?

Für Ausdauersportler jedes Leistungsniveaus und Anspruches. Der einzige Anspruch, den man haben muss, ist, wachsen zu wollen. Als Athlet. Oder einfach nur in sich. Nicht mal über sich hinaus, diesen Anspruch muss man nicht mal haben. Wenn man aber trotzdem motiviert ist, dieses Buch zu lesen / zu hören, dann kann man diese Erfahrung machen oder dabei zumindest geholfen bekommen.

Auch wer Rückschläge erfahren musste, sei es krankheits- oder verletzungsbedingt, der findet hier Hilfestellung und Motivation.

Und es finden alle diejenigen Trost und auch Handwerkszeug, wie ich, die nicht mit der Top-Genetik für ihren Sport gesegnet scheinen. Die erst mit viel Trainigsfleiß an die Zeiten bzw. Leistungen herankommen, die andere scheinbar aus dem Stehgreif und untrainiert auf den Asphalt, auf die Tartanbahn oder ins Wasser zaubern. Wieviel kann ich noch über mein vermeintliches Limit hinaus erreichen? Wo liegt dieses Limit? Wie mache ich mehr aus dem, was ich vermeintlich nur habe?

Denn zum Schluss ist es immer die Frage: How bad do you want it?

Viel Spaß beim Lesen oder beim Hören!

Detailangaben zum Buch:

How Bad Do You Want It?: Mastering the Psychology of Mind Over Muscle
Autor: Matt Fitzgerald
Verlag: Velopress
Im Englischen: 265 Seiten
Veröffentlicht: Oktober 2015
ISBN13: 9781937715410

Gehört als Audible Hörbuch. Gesprochen vom Autor Matt Fitzgerald.

Tipp: Audible bietet 30 Tage kostenlosen Testzeitraum an. Als Amazon Prime Kunden kann man diesen Testzeitraum auf 3 Monate ausdehnen und bekommt sogar 2 Gutscheine für 2 Bücher dazu. Auf diese Art hat mich momentan das Buch 0,- Euro gekostet. Ich denke aber, dass ich das Audible Abo behalten werde.

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