Der Votec Gravel Fondo 2017

Letztes Wochenende war Gravel Fondo Wochenende. Votec Gravel Fondo. Im letzten Jahr fand die Premiere im Südschwarzwald statt und ich war hellauf begeistert. Und ich war da nicht alleine.

Familiär, tolle Landschaft, weite Blicke, geniales Herbstwetter, sehr schöne (und durchaus anspruchsvolle, aber für jeden leistbare Strecke), wechselnde Untergründe und von jedem eine schöne Dosis (flowiger feiner Kies, Waldwege, fahrbare Singletrails und Asphalt), lecker Essen und ein Modus, der einen das alles Genießen lassen konnte. Der genug Raum für das Erlebnis der Landschaft und den gemeinsamen Plausch auf dem Rad lässt. Und der auch über eigens definierte und vor Ort markierte Strava-Segmente den Wettbewerbsgedanken seinen Raum bietet. Wer will, der kann. Und der kann sogar dann coole Preise gewinnen.

Alles in allem eine Sache, die nach Fortsetzung schreit. Konnte die zweite Ausgabe den hohen Erwartungen aus der Premiere gerecht werden? Besser konnte es ja eigentlich kaum werden. Ich glaube, Stephan, einer der Organisatoren und Kopf hinter dem Gravel Fondo, hatte sich mal ähnlich geäußert, dass er froh wäre, wenn es wieder mindestens genau so gut würde. Gerade mit dem Wetter kann man ja auch mehr und weniger Glück haben.

Um es vorweg zu nehmen. Ja, doch, konnte sie.

Auch wenn wir mit dem Wetter zumindest am ersten Tag in der Tat weniger Glück als im letzten Jahr hatten. Aber – pünktlich zum Start am Samstag morgen hörte der Regen auf. Und es blieb dann auch durchgehend von oben trocken. Wenigstens bis zur abendlichen Grillparty. Da schüttete es wieder. Nun – die Location war toll und da oben in der Glasmännle-Hütte waren wir auch trocken untergebracht. Das Problem war nur das heraufkommen. Der eigentlich vorgesehene Sessellift wäre sehr ungünstig gewesen… Aber das konnte gelöst werden.

Alle oben aufgezählten tollen Elemente waren am letzten Wochenende wieder präsent: Eine schöne und anspruchsvolle Landschaft (diesmal im Nordschwarzwald bei Baiersbronn). Der auf Zusammensein und gemeinsames Erlebnis ausgerichtete Modus mit GPX-Tracks und Strava-Segmenten. Das Wochenend-Programm bestehend aus zwei Rides am Samstag und am Sonntag mit einem Samstag-Abend-Barbecue dazwischen. Und die wirklich leckeren Kuchen an den diversen Verpflegungsstationen samt dem strategisch eingestreuten Coffein-Fix durch Biosk, die mit ihrem braunen Bulli wieder extrem leckeren Cappu (und Americano oder Espresso) kredenzten.

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Signout-Tafel für Tag 1. An der Glasmännlehütte. Und mit lecker Cappuccino von Biosk.

Dieser hatte es mir beim letzten Mal ja schon sehr angetan. Und auch der Kuchen ist kein 08/15 Kuchen als nur so semi-trockener Blechkuchen á la Apfelkuchen oder Plaumenkuchen. Nein, Nein, leckerer Reiskuchen und Käsekuchen. Aber vor allem auch Schwarzwälder Kirsch und sehr leckerer Kuchen mit Käse-Sahnecreme und Früchten. Genau die richtige Konsistenz für mich. Bitte unbedingt beibehalten! :)

Wie gesagt, das Wetter war am Samstag eher von der rustikaleren Sorte. Auch der Nebel oder die tiefhängende Wolkendecke war jetzt nicht immer super-fotogen. Ausblicke gab es aber dennoch. Dafür entschädigte der Sonntag, der seinem Namen Ehre machte. Es macht halt einfach mehr Spaß, bei einer Pause oder nach dem Zieleinlauf gemeinsam in der Sonne zu sitzen und sich wärmen zu lassen, als in sehr merkbaren Wind auf 900 m NN auszukühlen.

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Hinein in die Wolken am Samstag.

Persönlich war ich auch sehr zufrieden, dass wir am Sonntag direkt an einem See vorbeikamen. Dem Sankenbach-See.

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Sankenbachsee-Panorama. Ein eiszeitlicher Karsee, der allerdings erst 1980 durch das erneute Aufschütten seines Endmoränenwalls wieder als See aufgestaut wurde…

Am Samstag hatten wir dafür immerhin einen sehr tollen Blick auf einen See. Ohne See, wäre ich glaube ich nicht vollends glücklich gewesen. ;-) Und am Samstag konnte wer nicht einfach nur an der Aussichtsplattform vorbeigefahren ist, einen tollen Blick in die Tiefe auf und über einen See werfen.

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Ellbachseeblick über Ellbachsee und Mitteltal im Hintergrund von der Aussichtsplattform.

Südschwarzwaldsehnsucht von einem Wald- und Mittelgebirgsverwöhnten

Wenn ihr mich allerdings fragt, welche Gegend hat mir besser gefallen, der Südschwarzwald 2016 oder der Nordschwarzwald 2017 – dann muss ich sagen: der Südschwarzwald war schon cooler. Mag jetzt für einen Baiersbronner vielleicht leicht enttäuschend sein, aber so Namen und Orte wie Feldberg, Feldbergsee, Schluchsee und Co ziehen halt mehr. Zurecht, finde ich. Die Landschaft ist noch etwas interessanter, die Häuser bzw. Gehöfte sahen uriger und mehr nach „Schwarzwald“ aus. Die Ausblicke hier in Baiersbronn waren auch richtig toll – aber da bin ich ja auch so ein bisschen verwöhnt, muss ich sagen. Lange Fahrten durch tollen und endlos erscheinenden Wald kenne und schätze ich halt auch sehr von meiner eigenen Heimat, dem wunderschönen Wittgensteiner Land. Da ist so ein Nordschwarzwald in seinen Erhebungen noch etwas höher, in vielen Blicken noch etwas weiter… aber das ist es dann auch. Und in sich selbst ja auch sehr schön. Kritteln auf hohem Niveau. Egal ob Nord- oder Südschwarzwald – sie alle haben ihre Schätze, die es zu entdecken gilt. An einigen sind wir wie gesagt auch sehr schön durch die Streckenwahl vorbei geführt worden.

Blick über Seebach Richtung Rhein
Blick über Seebach Richtung Rhein

A Pro Pos Strecke – dieses Jahr gab es direkt von Anfang an für jeden Tag zwei Strecken zur Auswahl. Eine etwas Längere und eine etwas Kürzere. Eine gute Erweiterung, finde ich. Beiden gemein war jeweils der Start und weite Teile anfangs des Tages. Der Start war eine Rampe, die sich gewaschen hatte. Das hatte mich zu Scherzen veranlasst, das nächstes Jahr Rollentrainer für das Aufwärmen zum Start bereitgestellt werden sollten. Vielleicht Wahoo Kickr, das würde sich anbieten. Schließlich konnte man sich in diesem Jahr Radcomputer von Wahoo ausleihen, um diese einmal zu testen. Überhaupt war das Event durch Votec, Brügelmann, Sram und Wahoo gut und sinnig durch Sponsoren unterstützt. Erstmals war als Sportverpflegungssponsor Gu dabei. Nicht, dass ich überhaupt jemals in Versuchung geraten wäre, einen Energydrink zu mir zu nehmen. Oder die bereitgestellten Gels dem Kuchen oder dem Schinken vorzuziehen. Aber ich weiss die dem Startbeutel ausführlich beigegebenen Gels zu schätzen und werde sich sicher in Bälde mal probieren. Wer wollte, konnte sich auch dieses Jahr wieder im Vorfeld ein Votec-Gravelbike zum Testen vormerken lassen; dafür gab es wohl ein gewisses Kontingent. Ich habe zwar noch nie auf einem Votec-Rad gesessen, aber zumindest optisch machen sie auf mich einen sehr guten Eindruck. Gerade auch in der schwarz-roten-Version.

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Votec VRX im Vordergrund.

Und wo hat man schon bei so einem eher auf Spaß und Gemeinsamkeit ausgerichteten Event gleich mehrfach die Chance auf einen netten Gewinn? An beiden Tagen wurden die zwei schnellsten Damen und die zwei schnellsten Herren in dem für den Tag ausgelosten Strava-Segment geehrt. Und bekamen auch Preise. Warum der bzw. die jeweils zweitplatzierte am ersten Tag nur einen Händedruck, am zweiten Tag dann aber doch einen 50- bzw. 100-Euro Gutschein erhielt, hat sich mir allerdings nicht so ganz erschlossen. Sei’s drum, ich war eh nicht dabei. ;-)

Wie hat’s mir gefallen?

Das ist ja schon oben beschrieben, soll hier aber nochmal extra erwähnt werden. Alles in allem hat es mir wieder sehr gefallen. Ich freue mich schon auf ein nächstes Mal und bin gespannt, welchen Ort bzw. welche Routen und welche Ideen Stephan für nächstes Jahr ausgräbt.

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Anfahrt zum Gravel über schöne schmale und ruhige Asphaltstraßen. Ganz links im Bild: „Motor“ des Gravel Fondo, Stephan Geiß.

Sehr schön fand ich, dass das Wochenende für mich Gelegenheit war, wieder auf Christopher und Tina zu treffen, die ich beide am Start des Transcontinental Race zum ersten Mal kennen gelernt hatte.

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Top Service: Am Ziel von Tag Eins standen mehrere Hochdruckreiniger hinter der gemütlichen Glasmännlehütte bereit. Soziale Rad-Reinigungs-Session mit Tina und Christopher :)

Auch die übrigen Teilnehmer und Gespräche fand ich toll. Interessant, wieviele Leute davon direkt oder indirekt was mit der Fahrradindustrie zu tun hatten. Ob das der Besitzer eines Rennradladens war oder ein Entwicklungsingenieur von Cannondale oder ein Mitarbeiter von Tune oder oder. Da sind die Brand Manager usw. von Sram, Wahoo und Co, die alle auch sehr locker drauf waren und auf dem Rad eine gute Figur machten, noch gar nicht erwähnt. Muss wohl an der Schwarzwald-Location und dem Einzugsbereich Freiburg im Speziellen und Süddeutschland im allgemeinen liegen…

Sportlich war es für mich wie im letzten Jahr. Hauptmotivation war nicht, die Strava-Segmente zu rocken, sondern tolle, kletter- und damit aussichtslastige Touren zu fahren. Und viele Fotos zu machen. :)

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Mein TCX Advanced Pro 1 am Sankenbachsee.

Während ich im letzten Jahr zum Gravel Fondo etwas Sorgen über einen möglichen Infekt hatte und statt dessen dann aber leichte Magenprobleme hatte, war es in diesem Jahr das zum letzten Wochenende erst 4 Wochen zurück liegenden Transcontinental Race, das mir noch in den Knochen steckte. So hatte ich mir dort gegen Ende noch eine leichte Malässe mit der linken Wade zugezogen, die mir in den vergangenen Wochen leichte Sorge bereitete. Deswegen hatte ich bis Ende August nur bis maximal drei leichte Recovery-Rides pro Woche durchgeführt und war erst Anfang September wieder in das regelmäßige Training eingestiegen. Und hatte mich auch da bis letztes Wochenende nur bis maximal Zone 2, also Grundlagenausdauer 1, belastet.

Sport ist Mord

Am Samstag merkte ich die Wade zwar noch leicht und sie fühlte sich immer noch leicht anders an (wieviel davon mentale Kopfsache war und jetzt noch ist, weiss ich nicht). Trotzdem fuhr ich die Steigungen meist im Bereich Z3 bis Z4, also Tempo bis Schwelle. Gemeinsam mit Christopher, war ein angenehmes Fahren und Erzählen. In Summe war ich am Samstag so je knapp 1 Stunde in Zone 3 und 1 Stunde in Zone 4. Ohne jemals bewusst irgendwo anzugreifen, sondern mich nur in gutem Tempo schön zu belasten. War angenehm.

Am Sonntag war es anfangs erst deutlich lockerer. Ich bin weit hinten gestartet, bin auch mal locker mit einigen anderen Teilnehmer-Grüppchen gefahren. Und hatte auch viele Fotos gemacht. Den ganzen Sonntag hindurch. Einfach aufgrund des schöneren Wetters und den daraus folgenden Fotogelegenheiten. Schlechtes Wetter ist zwar auch gut für Fotos, aber da muss halt doch einiges zusammenkommen (der richtige Grad von Wolken oder Nebel etc.).

Erst später bin ich dann auf ein Grüppchen um Stephan gestoßen, dass erst größer war und dann kleiner wurde. Da waren wir in den Anstiegen schon mit etwas mehr Zug auf der Kette unterwegs. Aber immer noch im Erzähltempo.
Am letzten Segment des Tages hatte ich dann richtig Lust, zu sehen was geht. „Threshold Homerun“ wurde es benannt. Es führte über 5,6 km erst auf Asphalt, dann auf Gravel insgesamt zu einem Höhengewinn von 298 m. Beinhaltete aber auch ein paar flachere Stücke. Mann mann. 18 Minuten 51 habe ich gebraucht. Die zu einem hohen Maß für meine 12,5 Minuten Zone 5 (Vo2-Max) und 9 Minuten Zone 6 (Anaerob) verantwortlich waren. Junge Junge.

Ich bin mit angepeilten 260 bis 280 Watt eingestiegen und war aber später in weiten Teilen bei 300 Watt und höher, in der Spitze bei 396 Watt. Im unteren Viertel ist ein Kollege vom bikestore Würzburg zu mir aufgeschlossen, der erst eine Weile hinter mir blieb und sich dann leicht vor mich setzte. Ich war am Anschlag und war fest entschlossen, einfach nicht von dieser Stufe herunter zu gehen und nach zu lassen.

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Kleine Gruppe in der Anfahrt zum letzten Segment des Tages.

Setzte mich hinter ihn und gemeinsam fuhren wir so eine Weile bergauf. Keiner von uns beiden wusste, wie lang das Segment überhaupt war, wo es endet und wie die Strecke bis dahin aussah. Einfach nur durchziehen und die Anstrengung halten. Irgendwann liess er vor mir leicht nach. Erst erholte ich mich ganz leicht, zog dann aber erst neben ihn und dann weiter. Er liess abreissen, ich zog durch. „Da oben geht’s nach rechts, da wird’s wohl flacher. Gute Möglichkeit für ein Segment-Ende“ Nope – falsch gedacht. „Aber da, da kommt eine Schutzhütte, da ist bestimmt oben.“ Nope… Immer noch nicht. „Argh, Kuppe erreicht? Flachstrecke… Kein Segmentschild? Weiter, weiter…!“ Dann endlich: Das kleine Schild am Boden: „Threshold Homerun – Ende“ Ufff!

Wenn ich die 20 Minuten Marke heranziehe, war es kein neuer FTP-Rekord. Aber immerhin mit 264 Watt das vierthöchste 20 Min Leistungsmaximum der vergangenen 12 Monate. Und das nach 2 aufeinanderfolgenden Tagen Graveln mit deutlichem Anteil Zone 3 und Zone 4 im Vorfeld. Also vorerschöpfter als vor einem normalen FTP-Testprotokoll. Dafür aber mit Super-Motivation, weil ich im mittleren Drittel einen „Hasen“ vor mir hatte. Bei der 10 Minuten-Stufe habe ich mit 293 Watt immerhin mein dritthöchstes Ergebnis der vergangenen 12 Monate geleistet.

Alles in allem bin ich sehr zufrieden. Die Wade hat gehalten und beim Segment ist der 4. Platz herausgesprungen. Schade, ein Platz am (nicht existenten) Podium und zwei Plätze oder 26 Sekunden am Brügelmann-Gutschein für den Zweitplatzierten vorbei. ;-)

Mal sehen, was ich jetzt im Anschluss für eine Herbstform erreichen kann. Schließlich war das Wochenende mehr oder weniger „aus dem Stand“ heraus gefahren. Aber immerhin auf einer (hoffentlich) Mörder-Grundlagenausdauer vom Transcontinental aufbauend. :)

Vielen Dank an die Organisatoren und Sponsoren des Votec Gravel Fondo. Ich bin schon gespannt, wie sich das Event im nächsten Jahr weiter entwickelt und welches Gebiet bzw. welche Gebiete Stephan aussuchen wird.

Zusätzlich zu den Galerien hier im Anschluss am Ende dieses Blogbeitrags habe ich noch ein paar weitere Bilder in mein Flickr-Album zum diesjährigen Gravel Fondo gepackt. Falls ihr dabei wart, schaut dort gerne mal hinein. Von dem einen oder anderen Teilnehmer habe ich noch weitere Fotos dort hinein gepackt.

Galerie Samstag:

Galerie Sonntag:

Flickr-Album mit weiteren Teilnehmer-Fotos:

Flickr-Album-Screenie

 

6 Kommentare zu „Der Votec Gravel Fondo 2017

  1. Toller Bericht, super Fotos 🔝
    Kann mich dem Lob für diese Veranstaltung nur anschließen.
    Gruß aus dem Westen Österreichs – Zelli

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