Meine Rennradwoche auf Mallorca und die Teilnahme am Mallorca312 Radmarathon

Rad fahren

Was für eine tolle Woche! Wo nur anfangen?

Mit dem Rennrad im Frühjahr auf Mallorca – für viele Tradition, für viele vielleicht Klischee? Oder so gewöhnlich wie ein Butterbrot? Nichts aufregendes mehr? Fliegen fliegen Fliegen hinterher?

Oder doch mehr? Nicht nur einfach schon halbwegs warm im Frühjahr, gut mit dem Flieger zu erreichen und preiswerte Hotels mit fettem Buffet sondern vor allem eine richtig tolle Rennrad-Destination? Mit allem, was dazu gehört: tolle, abwechslungsreiche Landschaft, weitestgehend sehr gute Fahrbahnbedingungen und gute Unterkünfte? Ja. In der Tat!

Davon habe ich mich jetzt noch einmal selbst überzeugt. Noch einmal, weil ich vor vielen Jahren schon ein mal auf Mallorca war. Damals allerdings mit dem Mountain Bike zum Technik Training Camp. Lang lang ist’s her.

Cap de Formentor mit Far de Formentor, dem Leuchtturm

Cap de Formentor mit Far de Formentor, dem Leuchtturm

Jetzt war ich letzte Woche mit dem Rennrad da. Nach Provence und zweimal Toskana wollte ich dieses Frühjahr endlich mal die bekannten und reizvollen Strecken Mallorcas unter die dünnen Pneus nehmen. Die Straße nach hinab zur Bucht von Sa Calobra mit dem berühmten Krawattenknoten. Die Straße zum Cap de Formentor (beide vom Italiener Antonio Paretti geplant). Diverse Routen durch das Tramuntana-Gebirge (Unesco-Weltkulturerbe, nicht weniger) und hoch über der Steilküste entlang. Das sind schon Klassiker, die man auf jeden Fall mal befahren und gesehen haben sollte.

Und – soviel sei vorweg gesagt – ich wurde nicht enttäuscht.

Mit diesem groben Ziel des Frühjahrsurlaubs im Sinn hatte ich mich im vergangenen Herbst darüber hinaus für die Teilnahme am Mallorca312 GranFondo angemeldet. Einfach als Zusatz-Bonbon und noch ganz ohne die Idee, mich für die Riesenherausforderung des Transcontinental-Race zu bewerben (und auch angenommen zu werden).

Nomen est Omen: Der Mallorca 312 Gran Fondo führt 312 Kilometer entlang und über die Serra de Tramuntana und dann in einer Schleife hinab und hinauf der Ostküste Mallorcas. Eine 225 und eine 167 km Runde werden ebenfalls angeboten.

Normalerweise ist das ja immer so eine Frage, wenn man ein solches Event halbwegs ambitioniert angehen will: vorher anreisen und akklimatisieren? Und dann schön tapern (sportlicher, verdenglischter Fachausdruck für das Rückfahren des Trainingsvolumens vor einem Rennen)? Oder zum Rennen (das am Samstag statt fand) anreisen (also am Freitag mit Stress) und die Woche darauf vor Ort Urlaub machen? Und dann vom Rennen so kaputt sein, dass man kaum fahren kann? Aber man will doch gerade im Urlaub dort viel sehen und viel fahren! Das ewige Dilemma.

Das man am besten damit löst: Just ride! ;-)

Just ride

Just Ride – Jenni und Fabian in Richtung Coll de Femenia

Trainingsziel / Wochenziel:

Spaß haben, Landschaft erkunden, Volumen sammeln: Fahren, Fahren, Fahren. :)

Mit den kommenden Anforderungen des Transcontinental Race im Blick war das sogar erklärtes Trainingsziel bei mir. 312 Kilometer am Samstag? Egal – schön davor jeden Tag ohne Rücksicht auf den Samstag ordentliche Kilometer und schöne Touren fahren und schön vorermüdet in den Samstag hinein gehen. :)

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Blauer Himmel, blaues Gabba – am Freitag war’s frisch und Langarm angesagt.

Nicht im Bikepacking-Modus. Auch nicht jeden Tag 260 Kilometer oder mehr (wie ich es als rechnerische Tagesdurchschnittsstrecke benötige, um im TCRNo5 Griechenland von Belgien aus in 15 Tagen rechtzeitig zur Finisher-Party zu erreichen). Denn die Mallorca-Woche sollte aus klassischen Touren und Genuss meiner Halb-Pension im Fünf-Sterne-Hotel bestehen. ;-) Und auch im Sinne des Trainingsaufbaus will ich solche Belastungen noch nicht über eine Woche fahren. Denn: das aerobe System ist recht schnell aufgebaut. Muskeln, das geht auch noch recht schnell. Bänder und Gelenke hingegen – da muss man aufpassen. Eine übermotivierte Volumen- und Intensitätsexplosion kann einem da ganz schnell über mehrere Wochen schachmatt setzen, wenn es z.B. Knie oder Achillessehnen überlastet.

Aber – alles gut. Auch die dann insgesamt 314 km, die als nun längste am Stück gefahrene Tour bei mir auf dem Radcomputer standen, habe ich bestens und ohne Wehwehchen überstanden. Und davon bin ich einigermaßen positiv überrascht. Keine Sitzprobleme, keine Rückenprobleme, keine Knieprobleme, nichts! Der linke Fuß hatte sich am Außenballen irgendwann zwischen km 180 und 250 ab und an mal bemerkbar gemacht, wenn es über besonders ruppige Straßenabschnitte ging (auch die gab es vereinzelt), das war danach aber sofort wieder weg.

Auch die dann insgesamt 314 km, die als nun längste am Stück gefahrene Tour bei mir auf dem Radcomputer standen, habe ich bestens und ohne Wehwehchen überstanden. Und davon bin ich einigermaßen positiv überrascht. Keine Sitzprobleme, keine Rückenprobleme, keine Knieprobleme, nichts!

Ich schreibe das zum einen meinem doch regelmäßig (wenn auch oft nur einmal pro Woche) durchgeführten Core-Training, meiner fortgeschrittenen Konditionierung, dem bei aller Agilität sehr komfortablen Canyon CF SL (mein Leihrad), dem mitgebrachten Tune Komm-Vor-Carbonsattel und vor allem aber auch der sehr welligen Strecke zu, die wir mit viel Spaß und ordentlich Druck auf dem Pedal zurück gelegt haben. D.h. es war immer sehr abwechslungsreich (mal bergauf, mal bergab, mal Wiegetritt, mal im Sattel). Und viiel Druck auf dem Pedal bedeutet auch potenziell weniger Druck auf den Sattel.

Moment mal: Wir?

Ja, ich war – unerwarteterweise – gar nicht allein auf der Insel. Ok, natürlich nicht. Im April ist auf Mallorca zwar nicht die Hölle los, aber wahrscheinlich doch Hochsaison für Rennradfahrer und auch andere Radfahrer. Zudem sind auch schon (oder im Anschluss an die Osterferien) noch viele normale Touristen dort.

Ich meine aber natürlich mein direktes Umfeld. Im März stellte sich bei einer gemeinsamen Ausfahrt heraus, dass Fabian (mit ihm bin ich bereits im Team Wittgenstein in der Staffel 24 h Rad am Ring gefahren und habe ihn auch für die zweieinhalb Tour Transalp-Etappen im letzten Jahr begleitet) exakt in der selben Woche auf Mallorca sein würde. Zusammen mit einer locker aus allen Winkeln der Republik zusammengefundenen kleinen Gruppe, die ebenfalls den Mallorca 312 bestreiten wollte. Wie genial! Noch besser – wir waren auch im selben Ort – Playa del Muro. Und nicht nur das, sondern auch nur 9 Minuten zu Fuß entfernt voneinander untergebracht.

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After Finish Group-Selfie: Alle drauf. Alle gut drauf. :) Nach der Zieleinfahrt des Mallorca312: Fabian, Jenni, Karina, Ronny, Anna, Hannes und ich. Foto: Ronny

Ich hatte im Vorfeld bereits über ein gutes Angebot Flug und Halbpension-Aufenthalt im wirklich sehr angenehmen Be Live Palace del Muro gebucht. Das kleine Sechsergrüppchen hatte ein schnuckeliges Häuschen mit Minipool.
Insgesamt waren wir so zu Siebt. Ich kam am Sonntag abend an, holte am Montag vormittag mein Leihrad und wenige Minuten später trafen wir uns schon zur ersten gemeinsamen Ausfahrt.

Leihrad:

Rennrad leihen oder mitnehmen – dass ist bei Flugreisen ja immer die große Frage. Der Vorteil, das bestens eingestellte, gewohnte und bestens ausgestattete Gefährt dabei zu haben, steht den Nachteilen gegenüber, das auch gut verpacken zu müssen (zum Hin- und zum Rückflug jeweils) und dann auf dem Transportweg darum bangen zu müssen, es mit zum Flughafen und zum Hotel zu transferieren und auch noch extra Gepäck-Gebühren zahlen zu müssen. Geschweige denn, erst einmal auch eine gute Tasche bzw. einen guten Radtransportkoffer zu kaufen (wenn man einem normalen Karton nicht trauen mag…).

Andererseits: Vor Ort leihen heisst ja auch: ein ggf. unbekanntes Rad haben, das Rad erst mal vor Ort holen zu müssen und auf sich einstellen müssen. In meinem Fall habe ich daraus ein Best of Both Worlds gemacht:

Mein eigenes Rad nicht mitgebracht, dafür aber darauf Wert gelegt, genau die selbe Marke und dasselbe Modell (wenn auch das Vorgängermodell, welches ich bis vor letztem Jahr ja auch gefahren habe) auszuleihen. Klar, die Komponenten und der Rahmen waren nicht ganz so wertig, aber funktional. Ein Ultimate CF SL Rahmen gegenüber einem Ultimate CF SLX. Ein bisschen schwerer, aber genau die gleiche geniale und erprobte Geometrie. Anstelle einer Campagnolo Super Record EPS eine mechanische Shimano Ultegra – für eine Woche kann man super damit leben. Keine Hochprofil-Carbonlaufräder – aber das war für die Windverhältnisse und kurvigen Steilküstenstraßen auch sehr willkommen.

Meinen Sattel habe ich mitgebracht und Leistungsmessung war auch kein Problem: Ich hatte meine Powertap P1 Leistungsmesserpedalen dabei. Die sind narrensicher und total einfach umzuschrauben.

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Tadelloser Untersatz für die Mallorca-Woche. Ein Canyon Ultimate CF SL mit meinem Tune Komm-Vor Sattel, mit meinen Pedalen, meinem Radcomputer und meiner Lenkertasche.

Pool Area des Be Live Collection Palace de Muro

Hier konnte man es aushalten: die Pool Area des Be Live Collection Palace de Muro. Es war ein toller Radurlaub, denn diesen Bereich meines Hotels habe ich erst am letzten Aufenthaltstag erkundet. :)

Damit frisch abgeholt und Sattel umgewechselt konnte es sofort in die erste gemeinsame Ausfahrt gehen.

Sehr sehr toll! Mal waren wir zu sechst, mal zu siebt, einmal zu viert, ich einmal allein (am Freitag vor dem Rennen) und am Samstag für die 312 km zu fünft unterwegs (um mittendrin doch auf Anna auf ihrer 167 km Runde zu treffen und dann ein gutes Stück bis zur Streckenteilung zu sechst fahren zu können).

Insgesamt kamen so bei mir in 5 Tagen auf dem Rad 869 Kilometer und 11.576 Höhenmeter zusammen. Im Training Stress Score ausgedrückt: 1623 TSS. Absoluter neuer Wochen-Rekord für mich.  Im August 2015 war ich fast genau so hoch – 1621 TSS über die Route des Grandes Alpes. Auf dem dritten Rang liegt die Dolomitenwoche samt Maratona dles Dolomites auch in 2015. Mit einem TSS von 1524. Nice!

Insgesamt kamen so bei mir in 5 Tagen auf dem Rad 869 Kilometer und 11.576 Höhenmeter zusammen. Im Training Stress Score ausgedrückt: 1623 TSS.

Das Wetter war fast durchweg gut und sonnig. Nur am Donnerstag regnete es den ganzen Tag. Gut – das war dann eh ein sehr gut geeigneter Ruhetag, den ich für’s Ausruhen, für’s Bilder-Verschlagworten und Editieren, für Core-Training im Fitness-Studio des Hotels und für das Abholen der Startunterlagen nutzen konnte.

Am Freitag war es vormittags noch etwas durchwachsen und bewölkt sowie den ganzen Tag über sehr windig und kalt. Aber wenigstens Nachmittags sonnig. Die anderen machten einen zweiten Ruhetag und holten dort ihre Startunterlagen ab (aber da sie auch schon am vergangenen Samstag angereist waren, hatten sie schon einen Tag mehr in den Beinen als ich). Ich wollte wie gesagt auch direkt vor dem Mallorca312 eine Vorbelastung setzen und klapperte daher auf einer 117 km Runde einige Punkte auf meiner Sightseeing-Liste ab:

Der Freitag: Mallorca Tag 5 – Kulturprogramm im Wind gechillt

Bin nach Sineu gefahren, habe dort das Velodrom besucht und befahren: check.
Ein Bekleidungshersteller hatte für die Woche dort sein Minicamp aufgeschlagen und richtete einen lockeren Wettbewerb aus: Für einen Euro Spende an den örtlichen Radverein eine Runde auf dem Velodrom, selbstgezeitet, und in die Liste eingetragen. Die schnellste Tageszeit gewinnt eine Radsportkappe. Das war mir aber gerade egal. Ich wollte einfach nur mal mit dem Rad auf der Bahn gefahren sein und ein paar Fotos gemacht haben (leider war das Licht zu dem Zeitpunkt ziemlich unspannend). Auch wollte ich meine G1-Fahrt nicht mit einem harten Intervall krönen. Daher bin ich einfach nur drüber gegondelt und trug dann irgendeine Zeit ein. Die hingeschriebenen 65 Sekunden trafen dann auch im Vergleich zu den vielen 24er Zeiten auf einiges Erstaunen bei dem Ryzon-Mensch. Ich fragte noch scherzhaft, ob es auch eine Competition für die Lanterne Rouge gäbe… ;-)

Velodromen i Sineu

Velodromen i Sineu

Velodromen i Sineu

Steilkurve, Velodromen i Sineu

Danach bin ich auf den Puig Randa gefahren, habe dort die Aussicht genossen und das Kloster besucht. Was für ein Wind dort oben!

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Im Kloster Santuari de Cura auf dem Gipfel des Puig Randa.

Eine Abfahrt auf teilweise anderer Route bescherte weitere schöne Kurven und führte mich später zum Kloster Monti-Sion. Im Gegensatz zum Puig-Randa ist dort keine Einkehr möglich, die Anlage auch kleiner, aber sehr reizvoll im Ensemble.

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Nicht hoch, aber schwungvoll – Serpentine hoch zum Santuari Monti-Sion. Blick in das Kurveninnere…

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… und Blick nach Außen über Porreres im Hintergrund. Einer von mehreren Bildstöcken auf dem Weg zum Kloster.

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Das Kloster Monti-Sion.

Und schlussendlich bin ich dann noch durch Petra gefahren, um dort auf dem Marktplatz Kuchen zu essen: check. Wobei das erst gar nicht so einfach war, in der Vielzahl der gleich aussehenden kleinen Gassen den Marktplatz zu finden.

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Pfarrkirche San Pere in Petra

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Roads to ride – in der Ebene nördlich von Petra.

Zurück zum Montag: Dort sind wir freestylemäßig zunächst nach Norden nach Alcudia gefahren.

Mallorca, Tag 1 – traumhafte Sa Calobra

Was erst eine Tour zum Cap werden sollte, wurde dann aber eine sehr schöne Tour zunächst über den Coll de Femenia und dann nach Sa Calobra. Yeah! Erster Eintrag meiner „Bucket-List“ direkt abgehakt.

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Traumhafte Straße Richtung Sa Calobra und Puig Major.

Was für eine tolle Strecke dort hin und was für eine noch tollere Serpentinenstraße hinab zu der Bucht von Sa Calobra. Dort unten gab es dann leckeren Kuchen. Und dann mussten bzw. durften :) wir wieder hinauf. Denn, die Straße des Coll dels Reis (so heisst der Pass, der aber eigentlich immer nur Sa Calobra genannt wird) ist eine Sackgasse.

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Der berühmte „Krawattenknoten“ der Sa Calobra Straße.

Nachmittags war es dann auch super ruhig dort. Mittags war doch noch deutlich mehr los. Sowohl was Rennradfahrer als auch Autofahrer und auch Busse betraf. Glücklicherweise soll sowohl die Sa Calobra-Straße als auch die Straße zum Cap de Formentor ab 2018 nur noch für kleine Shuttelbusse und nicht mehr für Kfz-Individualverkehr und größere Busse zugelassen werden.

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Kann schon mal eng werden. Toll abwechslungsreiche, aber auch schmale Straße.

Mallorca Tag 2 – So blau das Meer, so rauh der Teer

Am Dienstag gab es dann eine sehr coole Vorbelastung und Vorschau zur Mallorca312-Runde. Im Reim dich und Schlager-Contest-Modus: Mallorca Tag 2 – So blau das Meer, so rauh (allerdings nur selten) der Teer! ;-)

Zu viert sind wir den Küstenklassiker gefahren und haben uns insgesamt 218 Kilometer und 3.066 Höhenmeter gegönnt.

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Küstenklassiker-Goodness! Fabian, Jenni und Hannes.

Was für eine endgeile Tour! :) Landschaft, Entdeckungen, Schüttelreime, Schlager-Anträllerei, elende Wellen (im Gelände) und Charakterschulung par Excellence auf dem Weg entlang und hoch über der Küste Richtung Westen (Wind schulte unseren Charakter). Mega-Bocadillos in Deia, flankiert von Lemoncake und Mandelkuchen, geile Mucke in der Bar, geile Mucke aus einem Van beim Meerblick-Fotostop und megastarke Pulls von Fabian und Jenni. Krasser Scheiss, spätestens ab Andratx hab ich nur noch gestaunt, wie fit die Jungs und Jenni alle sind – ich wäre alleine längst nicht mit dem Schub über die Wellen gedrückt. Nicht bei 200 km plus… :)

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Es gibt wohl kaum eine Tankstelle, die mehr Auswahl an Gels, Riegeln und anderen Dingen für Rennradfahrer bietet. Daneben auch ein Café. Am Coll de Sa Bataia.

Die Ornot Handle Bar Bag:
Zusätzlich zum Wahoo Elemnt, den ich in dieser Woche ausschließlich benutzt habe und der seinen guten Eindruck (bis auf seinen Out-Front-Lenkerhalter) voll bestätigte, habe ich noch die kleine Lenkertasche von Ornot getestet. Sehr praktisch. Sie habe ich dann für den Rest der Woche und auch für den Mallorca 312 Gran Fondo am Lenker belassen. Toll. Drinnen hatte ich: Topeak-MiniRocket Pumpe, ToPeak-Multitool, Klebepatch-Kit zum Flicken, einen Ersatzschlauch, 2 Gels und einen Riegel. Bis auf den Ersatzschlauch habe ich den Kram sonst in den Trikottaschen. Am Samstag kam zusätzlich hinzu: die sehr geile Endura Prima-Loft-Radweste (die sich sehr klein zusammenlegen lässt), später dann noch Knielinge und immer mal wieder Zeugs, was ich von den Verpflegungsstationen für das nachträgliche Verzehren mitnahm. Hier mal eine Banane und einen Riegel, da zwei abgepackte Sandwiches und noch ein Gel. Immer sehr cool direkt im Zugriff auch beim Fahren. Nicht schlecht!

Für mein eigenes Canyon muss ich mir allerdings noch etwas in Bezug auf die Klettriemen überlegen. Da will ich meine elegant geschwungene Bremsleitung und EPS-Kabelleitung (gemeinsam im Spiralschlauch geführt) nicht einfach so an den Lenker quetschen. Weil aufgrund der elektronischen Schaltung auch nur dieses eine Kabel im Bogen zum Rahmen führt, erhält die Tasche auf der rechten Seite keinen Gegendruck und würde ohne weiteres daher leicht schräg hängen und Wackelpotenzial haben. Zum einen brauche ich hier also eine Verlängerung und zum anderen geeignete Abstandhalter (z.B. aus geschlossenzelligem Schaumstoff) die zwischen Lenker und Tasche in die Kletttriemenschlaufe gesteckt werden können, so dass ich gegen diesen Widerstand die Tasche trotzdem unbeweglich festzurren kann – so die Idee).

Doch zurück zu unserer tollen Dienstragsrunde: Immer, wenn ich auf die Leistungsangabe meines ELEMNT sah, war ich beim Durchdrücken der Wellen irgendwie mindestens bei 240 Watt oder sogar mehr. Also weit im Schwellenbereich oder sogar darüber. Ich dachte mir: oh wei, dass kann doch nicht die ganze Zeit gut gehen…

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Straßen zum Träumen

So bekundete ich nach einem sehr coolen kurzen Supermarkt-Refill irgendwo nach Andratx, vermutlich Es Capdellà, dass ich doch schon „leicht anerschöpft“ sei. ;-) Die Cola und eine leckere Apfeltasche gaben aber wieder frische Energie. :)

Und – sehr interessant, am Beispiel vom (in meiner Trainigssoftware GoldenCheetah automatisch detektierten und Ausgewiesenen) Anstieg Nr 11: Durchschnittsleistung war dort zwar nur 195 Watt, das wäre so gerade in G2, bzw. Zone 3, Tempo. über knappe 13 Minuten. Meine HF steigt aber von 112 am Start auf 161 am Ende des Intervalls. Die Leistung steigt auch durch das Intervall an, weisst aber den Wellen folgende Mikrointervalle auf. Ständig geht die Leistung auf 250, 260, 270 Watt, immer mal für 30 bis 40 bis 60 sek und mehr.
Bei anderen Wellen geht’s immer mal wieder auf 320 bis 350 Watt rauf. Schon eine sehr starke Belastung, die aber in Verbindung mit den ebenfalls vorhandenen Abfahrten und einer längeren Pause in Deià auch nur eine übliche relative Intensität von rd. 0,6, eine xPower von 155 und eine TSS von 397 ergab.

A pro pos Pause in Deià. Die Mega-Bocadillos habe ich ja bereits erwähnt. In Deià wollten wir einkehren, das stand vorher schon fest. Hannes führte uns zunächst zur Kirche hoch. Eine kleine Extra-Bergwertung bestätigte: Ja, ganz reizvolle Gassen und ja – an der Kirche gibt es immer auch was zu essen, wie Hannes meinte. Allerdings nicht in Form eines Cafés sondern eines kleinen Standes mit Zitronenkuchen und frisch gepresstem Orangensaft. Ok – hier konnten wir schon mal unsere Flaschen nachfüllen und uns Zitronenkuchen als Vorspeise teilen.

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Refill an der Kirche in Deià

Also wieder zurück in den Ort und halbwegs unschlüssig auf ein Café / eine Bar zugesteuert. Ein entgegenkommender Radfahrer riet uns aber dringend ab. Was gab’s sonst noch… ah – vielleicht diese Bar hier… Kuchen? Oder doch Bocadillos. Na, wird schon passen. Draussen sitzen passte aber platzmäßig nicht. Also hinein. Aber die Räder? So direkt an der Straße stehen lassen war dann doch leicht uncool. Hannes fragte einfach den Besitzer und klar: bringt die Räder hinein. Gar kein Problem.

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Bikes inside in der Bar Tramuntana

Sehr cooler Laden. :)

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Hannes, Jenni, Fabian und ich in der Bar in Deià.

Mallorca Tag 3 – Auf die Spitze getrieben.

Am Mittwoch ging es sehr locker und für mich als Rekom-Ride zu siebt in voller „Mannschafts-Stärke“ als schönen Ausflug zum Cap Formentor. Eine absolut tolle Straße. Muss jeder Mal gefahren sein. Leider war auch an diesem Tag und an dieser Strecke viel Auto- und teilweise Busverkehr. Immer noch sehr schön zu fahren und ein tolles Erlebnis, beizeiten aber mit viel Auf-Der-Bremse-hängen und hinter Autoschlangen entlangfahren und vorbeischlängeln. Ich habe ja bereits zu Sa Calobra erwähnt, dass auch diese Strecke zum Cap ab 2018 verkehrsberuhigt werden soll.

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Cap de Formentor

Mit wieder mal diversen frei umgedichteten und angesungenen Schlagerversatz-Stücken und Jauchzern (nicht zu vergessen, Frederico wurde des öfteren gerufen ;-)) ging es vom Cap wieder zurück. Highlight – ein live auf dem Rad durchgeführter Schuhplattler zur Verwunderung der jeweils überholten anderen Radler.

In Port de Pollença gab es Kuchen am (leider windigen) Pier und den Entschluss, durch’s sogenannte „Peter Maffay-Tal“ noch eine Schleife nach Muro dran zu hängen und da nochmal Kuchen zu essen. :)

Einziges Mimimi der Woche: Ich merkte es ab und an im rechten Beinbizeps von gestern. Überhaupt scheinen die Beinbizeps dieses Jahr mein genereller Schwachpunkt zu sein. Da hatte ich doch schon des öfteren Spürung und auch mal Sorge. Aber nach dem Ruhetag am Donnerstag hatte ich dort keine Probleme mehr.

Ja, und dann der Samstag und der Mallorca 312 Gran Fondo!

Hach, ich weiss gar nicht, wo ich anfangen soll.

Was für ein geiler Tag! Was für eine tolle Truppe. Ich bin mit Jenni, Fabian, Ronny und Hannes den Mallorca 312 gefahren. Anna und Karina waren auch dabei, sind aber die kurze Runde gefahren.

Der Mallorca 312 war richtig genial. Tolles Wetter, gerade morgens am Anfang und das erste Drittel: Ganz nach meinem Geschmack! Im frühen Morgenlicht entlang der Küste der Bucht von Alcudia bei genial ruhigem Meer in großer Gruppe geradelt. Dann linksschwenk und immer noch flach Richtung Serra de Tramuntana und in den ersten Anstieg, den Coll de Femenia, den ich in dieser Woche nun zum dritten Mal befuhr. Aber immer wieder toll.

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Traumhafter Start in den Tag. In der Bucht von Alcudia. Oh – man sieht, dass wir uns ganz am Ende des letzten Startblockes eingereiht hatten… ;-)

Dann über Puig Major bis nach Andratx immer entlang der Steilküste. Auf und ab bei grandiosen Aussichten auf das Meer und durch kleine Dörfer. Die Abfahrt von Puig Major hinab nach Sóller – der Kracher.

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Yours Truly in der genialen Abfahrt vom Puig Major hinab nach Soller.

Dann ein zwar auch welliges, aber flaches Intermezzo auf eher breiten Straßen. Hier dachte ich noch: „Oh wei, wenn dass jetzt die verbleibenden 200 km so weitergeht…“ Noch viele Leute zusammen, bald danach auch der Zusammenschluss mit den kürzeren Schleifen und bei den Teilnehmern wohl noch viel Adrenalin aus den Abfahrten und Eindrücken zu vor und wohl noch vergleichsweise frische Beine. Das war erst noch recht schnell und so musste man wachsam und jederzeit bremsbereit sein. Das wandelte sich aber schnell. Spätestens nach der nächsten Verpflegungsstation war für mich davon nichts mehr zu spüren und es hat direkt wieder Spaß gemacht. Gerade auch das letzte Drittel als teilweise verwinkelte und sehr wellige Kurvenhatz über kleine Nebenstraßen und, wie davor auch schon, immer wieder mal durch kleine Ortschaften.

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Küstenhighlights.

Und wie wir da abgefeiert wurden… Die Spanier sind da echt enthusiastisch bei der Sache gewesen. Und selbst jeder Streckenposten war freundlich und grüßte zurück. Ok, Jennis (und auch unser) freundliches und lautes ¡Hola wird da auch dazu beigetragen haben. Und außerdem haben wir bei Sicht von Applaudierenden Chicas und Chicos am Rand unsererseits laut los gejohlt – Stimmung pur! ;-)

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Kurz vor Es Capdellà

Und erst mal in Artà! Wir dachten, was geht denn hier ab. Die letzte Verpflegung, rund 30 km vor dem Ziel und der ganze Ort macht Fete rund um die Verpflegungsstation. Jeder bekam direkt erst mal ein Freibier in die Hand gedrückt. Klasse!

Stimmung auch so – Mein Bedarf an frei aus dem Stehgreif umgetexteten Gassenhauern und Werbe-Melodien ist jetzt erst mal gedeckt… ;-)

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Schmale Sträßlein, viele Rampen – das dritte Drittel des Mallorca 312.

Krasser Scheiss auch, dass wir 5 alle so gleich stark an den Wellen und Rampen waren und sie gnadenlos durchgedrückt haben. Gerade Hannes war da auch kaum zu bremsen.

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Im Ziel nach 314 km. Alle zusammen gefahren – alle gleich stark. Alle für einen, einer für alle!

Starke Truppe, Starkes Team – hat Riesenspaß gemacht!

Was für eine tolle Woche!

Hier noch einige weitere Impressionen als Galerie: