Garmin hat den Edge 820 vorgestellt – ist er interessant?

Rad fahren

Hersteller wie Garmin denken ja immer, sie müssten neue Funktionen erfinden bzw. einbauen, um neue Geräte attraktiv zu machen. Dabei verkennen Sie, dass ein Großteil ihrer aktuellen und potenziellen Kundschaft einfach nur Geräte möchte, die einfach nur  funktionieren und ein paar Grundeigenschaften aufweisen. Nicht zu groß, nicht zu schwer,   die Bedienung lässt einen nicht verzweifeln, die Qualität der aufgezeichneten Tracks ist gut, die Firmware ist robust, die Akkulaufzeit ausreichend und die Anschlüsse sind so angeordnet, dass man sie auch benutzen kann, während das Gerät in seiner mitgelieferten Halterung steckt…

Grundlegende Dinge, oder? Warum führe ich sie auf? Weil z.B. der Garmin Edge 1000 nur zwei der obigen Punkte erfüllen kann. In der Tat finde ich die Firmware (zum ersten Mal für ein von mir genutztes Garmingerät) robust und die Qualität der aufgezeichneten Tracks ok (grundsätzlich können das die Edge-Versionen mit GPS+GLONASS wesentlich besser als die Versionen nur mit GPS).

Garmin hat nun den Edge 820 angekündigt. Siehe das erste Preview von DC Rainmaker hier.

Dann wollen wir mal die Checkliste prüfen:

Garmin Edge 820

  • Kartenfähig (und routingfähig – wer sich darauf einlassen möchte…) ohne Kompromisse und doch im kompakten Formfaktor (gleich wie Edge 520) – sehr gut!
  • Touchbedienung wie der Edge 1000 – uh oh, viel zu oft treibt einen der Edge 1000 mit „Lock Screen“ Meldungen in den Wahnsinn. Egal ob es regnet, einfach nur neblig ist oder ob es ein wunderbar trockener Tag ist. Selbst bei besten Bedingungen ist die Präzision der Auswahl und der resultierenden Aktion ein Glückspiel. Sicher ein Kompromiss von Garmin, um zum einen die Bedienung auch durch Handschuhstoff zu gewährleisten und das Gerät nicht auf jeden Regentropfen ansprechen zu lassen. Die resultierende Qualität der Bedienung ist jedoch zum Haare raufen. Auf einem Smartphone ist die Unterscheidung zwischen Scrollen einer Liste oder Auswahl eines Listenelements problemlos, auf dem Edge 1000 muss man sehr vorsichtig und bewusst agieren und selbst dann ist Erfolg nicht garantiert… Viel des Charmes des 820 wird für mich davon abhängen, ob Garmin beim Fertigen und Kalibrieren von kapazitiven Displays erheblich dazugelernt hat oder nicht.
  • Batterielaufzeit 1: Der Edge 1000 und der Edge 520 sind mit 15 Stunden angegeben. Natürlich erreichen beide Geräte und besonders der Edge 1000 diese Zeit bei weitem nicht. Insbesondere, wenn man beim Edge 1000 das Kartendisplay zum navigieren oder Track nachfahren darstellen lässt. Eine erste Info, die mittlerweile berichtigt wurde, gab für den Edge 820 sogar nur 12 Stunden an. Das wäre die komplett falsche Richtung! Nicht nur ich wünsche mir ein Gerät, mit dem eine Tagestour > 8 Stunden ohne externe Stromversorgung und ohne Zittern möglich ist! Beim Edge 1000 ist das nicht gegeben! Diese Angabe wurde mittlerweile korrigiert und auch bei Garmin kann man sehen, dass die Dreierriege 520, 820 und 1000 einheitlich mit 15 Stunden angegeben wird. Bleibt zu prüfen, wie lang der 820 nun wirklich hält.
  • Batterielaufzeit 2: DC Rainmaker berichtet, dass der 820 dafür aber eine recht effektive Stromsparoption habe, die bei Bedarf alles abschaltet, was nicht unbedingt gebraucht wird – also in der Hauptsache das Display. Dabei aber weiter alles aufzeichnet und bis zu 50 % längere Laufzeit ermöglicht. Wenn man das also von Anfang an einschalten kann, könnte man vielleicht im Maximum tatsächlich 12 Stunden Aufzeichnungszeit herausholen? Bliebe einem tatsächlichen Test vorbehalten, ob man das a) kann b) welche Laufzeit dabei herausspringt. Aber: Zum Track nachfahren und das Gerät tatsächlich für Infozwecke unterwegs zu benutzen hilft das natürlich nicht…

Das sind die für mich ausschlaggebenden Punkte – natürlich kann der 820 noch mehr, aber solche Dinge wie WiFi etc. könnt ihr gerne bei DC Rainmaker erlesen. Diese Funktionen nützen alle nichts, wenn das Gerät nicht auf dem Rad einfach bedienbar ist und das macht, was ich von ihm will: wenig Platz wegnehmen, alle meine Trainingsdaten aufzeichnen und darstellen und mich Tracks nachfahren lässt (keine Garmin-Navigation bitte, Danke). Und das alles, ohne dass ich nach 6, 8 oder 10 Stunden mit einem toten, stromlosen Klotz da stehe.

3 Gedanken zu “Garmin hat den Edge 820 vorgestellt – ist er interessant?

  1. Da komme ich mir mit dem Garmin EDGE 25 richtig „klein“ vor, bin aber sehr damit zufrieden, insbesondere mit der Ergänzung um das Varia Radar Rücklicht, tolle Sache.

  2. Danke! Endlich mal jemand, der es auf den Punkt bringt, Besonders das Thema „Batterielaufzeit“.

    Als ich vom neuen 820 gehört habe, war ich voller Hoffnung, das Garmin endlich mal auch konsolidiert und nicht nur wieder neue Features implementiert, die man nicht braucht. Aber was kommt statt dessen? Neue Funktionen und eine Stromsparfunktion, die das Display abschaltet! Soll man jetzt lachen oder bitterlich anfangen zu weinen?

    Ja Himmelhergott…..!!!

    Merken die denn überhaupt noch irgendwas? Ein Navi, das das Display abschaltet, um Strom zu sparen? Was soll ich denn damit? Ich benutze den Edge 1000 durchaus als Tacho. Ist ja nix dagegen zu sagen. Aber genauso häufig benutze ich das Navi und die Kartenanzeige und wer jemals in Umbrien in den Bergen unterwegs war, auf Wegen, die man kaum als Weg erkennt und in einem Gebiet, für das es schlicht und ergreifend keine Wanderkarten gibt und ebenso wenig Schilder (oder zumindest nur sehr, sehr selten), der schaltet das Navi nicht ab und der will auch nicht, das das Display ausgeht, auf dem der Track eingezeichnet ist. Da verfährt man sich nach wenigen Sekunden oder Minuten und d.h. das Display muss laufen und am besten noch mit Abbiegehinweisen.

    Ein bissl Strom könnt man ja sparen, wenn man einfach dem Trackwurm nachfährt, d.h. den Track immer anzeigt und dann einfach der Linie nachfährt. Das wäre ja auch noch ok, aber selbst da vermurkst Garmin eine sinnvolle Funktion, in dem sie die Linie auf dem Edge so dünn machen, das sie praktisch nicht mehr erkennbar ist, egal in welcher Farbe man sie anzeigen lässt.

    Von den ganzen Bugs will ich ja gar nicht mehr reden, aber wo in Gottes Namen ist denn jetzt das Problem, einfach mal nen vernünftigen Akku einzubauen, der ordentlich Saft hat und auch dann 10-12 Stunden hält, wenn man das Ding benutzt, wie es vorgesehen ist? Das ist doch in Zeiten eines Teslas keine Raketentechnik mehr und ich würd ja sogar mehr dafür zahlen. Oder zumindest, das man den Akku wechseln kann. Wäre ja auch ok und dann könnten die sogar noch dran verdienen, das man überteuerte Ersatzakkus kauft.

    Aber nee. Stattdessen wird die Bastellösung um neue Basteleien erweitert und ich werd ne Kerze anzünden, wenn endlich jemand an den Markt geht, mit einem Gerät, das die im Text genannten zwei bis drei Punkte erfüllt und damit endlich eine ernstzunehmende Alternative zu Garmin anbietet. Das Ding ist praktisch schon unbesehen gekauft….

    1. Du sprichst mir da aus der Seele, Jörg. Insbesondere bei der Tracklinie packe ich mir ständig vor den Kopf. Als ob sich Garmin überhaupt nicht vorstellen kann, das jemand _nicht_ die automatische Routingfunktion nutzen, sondern einen Track nachfahren will… Bei ersterer gibt es eine dicke rosa Linie, die unübersehbar ist (nur ist halt das Routing meist wenig Zielführend (Pun intended)egal wie man’s anstellt). Beim ständig von mir genutzten Track nachfahren ist man oft am Rätseln, wo denn nun der Track langführt, weil die Linie kaum von anderen Straßensignaturen unterscheidbar ist… Grmpf…

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