Shimano Dura-Ace R9100 Foto/Composing: Shimano

Die Shimano Dura-Ace R9100 – meine Gedanken zur Neuvorstellung

Rad fahren

Shimano hat letzte Woche am Vortag der Tour de France ihre neue Top-Gruppe, die Dura-Ace 9100, vorgestellt.

Für die meisten und ganz objektiv betrachtet ist es die neue Generation der Top-of-the-Line Schaltgruppe des Marktführers. Und damit alleine schon ein signifikantes Ereignis für sich. Wobei heutzutage das Wort „Schaltgruppe“ mehr und mehr für ein ganzes System und für wesentlich mehr als Brems-/Schalthebel, Bremsen, Kurbel, Umwerfer, Schaltwerk und Ritzel steht. Da gibt es mindestens mal eine mechanische und elektronische Version der Schaltung. Hinzu kommen (bisher bei Shimano und SRAM) hydraulische Scheibenbremsen-Versionen, dann auch Laufräder, optionale Zusatz-Schalthebel und -Taster, Smartphone Apps zur erweiterten Konfiguration (Shimano und Campagnolo) und jetzt gleichermaßen mit der Dura Ace R9100 angekündigt: integrierte Leistungsmessung.

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Shimano Dura-Ace R9100 Foto/Composing: Shimano

Mehr und mehr werden also entweder ganz neue Möglichkeiten erschlossen (elektronisch Schalten, drahtlos Schalten), neue Möglichkeiten erweitert (Schaltintelligenz) oder vormals nur über Drittanbieter erhältliche Funktionen direkt integriert. Shimano spricht für sich daher vom „system component concept“ und behauptet, dass das Ergebnis „System Supremacy“ sei.

Es ist leicht nachzuvollziehen, dass da nicht nur die direkten Mitbewerber von Schaltgruppen wie Campagnolo und SRAM (und neuerdings Rotor) sondern z.B. die Anbieter von Leistungsmessern sehr gespannt auf das blicken, was Shimano nun in der nächsten Evolutionsstufe ihrer Topgruppe präsentieren (und letztere aufgeatmet haben dürften, als klar wurde, dass die Leistungsmessung zusätzlich optional angeboten wird und kein Standardfeature der Dura-Ace Schaltgruppe sein wird).

Das wie gesagt für die meisten und von einem Marktstandpunkt betrachtet.

Und was finde ich nun so toll bzw. bemerkenswert daran?

Immerhin habe ich – bei allem Anerkennen der tadellosen Qualität und Schaltfunktion von Shimano-Komponenten – doch bisher so einige Kritikpunkte an 105, Ultegra und Dura-Ace. Und fahre selbst am liebsten die Campagnolo Super Record EPS.

Warum bevorzuge ich die Campagnolo EPS?

Style (Carbon, Carbon, Carbon. Und Schwarz), Ergonomie (toll geformte Schalt-Bremshebel, sehr gute Schalttasteranordnung), Haptik (Schalt-Bremshebel) und taktiles Feedback (Tastenfunktion der EPS)!

Welche Neuerungen reizen mich an der Dura Ace und lassen sie mich zum ersten Mal für ein neues Rad in Erwägung ziehen?

Style: Immer noch nicht ganz an Campagnolo dran – aber endlich nicht mehr zum von der Bettkante schubsen. Endlich ist sie nahezu komplett schwarz und ich werde in Zukunft deutlich weniger Augenschmerzen haben, wenn ich die Top-Ausstattungsvarianten diverser Rennräder ansehe. Dort sticht, wenn eine Dura-Ace verbaut ist, aktuell immer mindestens mal die Kurbel als unpassendes Element bei fast allen Farbkombinationen von Rahmen und weiteren Komponenten hervor. Und das nicht nur bei rein schwarzen Rädern.

Der sehr breite Kurbelarm ist sicher gewöhnungsbedürftig aber interessant. Hier dürften sich unsere Sehgewohnheiten jedoch schnell anpassen. Das ging (mir zumindest) bei der neuen Campagnolo-Kurbel auch so. Ob das auch bei dem sehr eckigen Schaltkäfig des Schaltwerks geschieht?

Bei der Hydraulik-Scheibenbremsen-Version gefallen mir jetzt auch die Schalt-Bremshebel deutlich besser.

Ergonomie: für die mechanische Version gibt es erstmals texturierte Hoodies und besonders bemerkenswert: Shimano hat es geschafft, die Schalthebel nochmals schlanker und nahezu identisch für mechanische und hydraulische Bremsen zu gestalten (Di2).

taktiles Feedback: Jeher einer meiner Hauptkritik-Punkte an Shimanos Di2 System: Nicht nur sind die Schalttaster (Hebel oder Wippen sind es dort nicht mehr) direkt nebeneinander, nein, der Tastenhub ist absolut minimal und sie geben auch kaum Feedback! Das finde ich schon im Sommer mit bloßen Fingern schlecht. Im Winter mit Handschuhen ist das nochmals unpraktischer. Wieviel besser ist da die Gestaltung und Anordnung der Schalttaster an der Campagnolo EPS. Darüber hinaus geben sie bei absolut leichter Bedienung dennoch ein unmissverständliches und perfektes Feedback. Shimano soll den Schalttastern nun „mehr Click“ verpasst haben. Das werde ich mal ausprobieren müssen.

Aeroeigenschaft und Praxistauglichkeit: das Schaltwerk soll bis zu 30 Zähne schalten können, aber das finde ich gar nicht so interessant. Wesentlicher: Durch die neue Geometrie duckt sich das hintere Schaltwerk hinter das Ritzelpaket und damit aus dem Wind! Und damit ist es nicht nur etwas mehr „Aero“, zum ersten Mal ist das Schaltwerk auch nicht mehr das äußerste Teil hinten rechts am Rad, das ist stattdessen jetzt die Mutter des Schnellspanners. Und das ist ein sehr wesentlicher Aspekt! Wie oft ist mir mein Rad schon auf die Seite und damit auf das Schaltwerk gefallen. Das zieht dann oft die Erfordernis des Zurechtbiegens des Schaltauges nach sich. Bisher hat es gehalten – das muss aber nicht immer so sein…

Integrierter Leistungsmesser: Das finde ich persönlich auch sehr reizvoll. Über Preise und genaue Eigenschaften schweigt sich Shimano noch aus und finale Prototypen werden gerade vom Team FDJ auf der Tour de France getestet. Aber ein direkt mitkaufbares bzw. integriertes Leistungsmessystem gefällt mir sehr!

Reifenfreiheit der Felgenbremsen: diese sind jetzt für bis zu 28 mm breite Reifen ausgelegt. Sehr schön – denn am Straßenrenner will ich bisher keine Scheibenbremsen.

A pro pos Scheibenbremsen: Shimano behauptet, mit den neuen, dedizierten Dura-Ace-Bremsscheiben besseres Hitzemanagement bewerkstelligen zu können. Das Konzept sieht sehr nachvollziehbar aus – der Rotorkern wird quasi als komplette Scheibe bis zur Achse nach innen gezogen. Ich vermute aber, dass dadurch der Luftwiderstand und auch die Seitenwindanfälligkeit negativ beeinflusst wird.

Ganz interessant und von den meisten Presseberichten sicher als prominentestes Feature herausgestellt, für mich aber jetzt erst mal nur nice to have: Synchronized Shifting. Das kennen wir schon von Shimanos eletronischer MTB-Top-Schaltgruppe: Man schaltet nur noch hoch oder runter und die Schaltung entscheidet selbst, ob dafür jetzt ein Wechsel zwischen den vorderen Kettenblättern oder den hinteren Ritzeln erforderlich ist.

Zusammenfassend kann ich sagen: In Zukunft werde ich einem Komplett-Dura-Ace Di2 ausgestattem Rad deutlich aufgeschlossener gegenüberstehen. Auch, wenn ich bisher für mein nächstes Rad die Campagnolo Super Record EPS in der Version 3 favorisiert habe. Problem da aber: Ein kurbelbasiertes Powermeter würde sowohl die Investition in die Super Record EPS deutlich in die Höhe treiben und schlimmer noch, das Prunkstück der Gruppe, die tolle Kurbel, wieder vom Rad entfernen. Hier warte ich aktuell eigentlich darauf, dass die pedalbasierten Powermeter noch etwas besser (sprich: robuster, geringerer Abstand Fuß zur Pedalachse) und unauffälliger sowie kompatibler mit Kurbelarmbreiten und Schuhsohlenbreiten werden. Und weiterhin bin ich auf die Scheibenbremsen-Version von Campagnolo gespannt. Aber auch hier sind die neuen DI2 Schalt-Bremshebel jetzt endlich so, dass sie nicht mehr als missgestaltete Fremdkörper am Lenker wirken und sich auch schlank greifen lassen.

Es bleibt spannend und wir bekommen als begeisterte Rennradfahrer weitere tolle Optionen! :)

Zum Abschluss hier ein Link auf ein schönes First Look Video von GCN.

5 Gedanken zu “Die Shimano Dura-Ace R9100 – meine Gedanken zur Neuvorstellung

  1. DA R9100; kaufen nicht nur die ganz guten Rennradler sondern auch solche wie ich, 57 Jahre 84Kg, Kompaktkurbel 50/34 & hinten mit Rettungsanker 12-30. Auch wir wollen am Markt bedient werden, Schreib mir mal die Vorteile von der DA zu Ultegra, leichter weis ich, Bremsen verzögern die Besser ohne warm zu werden das Stelfio runt., Schaltzüge gehen die Leichter, Verschleiß DA zu Ultegra und Kosten, Danke, ich will es halt wissen, hab jetzt Alurenner/ Ultegra, Corrat. Corones 1400€ 6Jahre und kauf einen neuen Vollcarbonrenner (ca.4000E), der sollte schon anders gebaut sein, Verwendungszweck, Dreiländerg, Dolomitie, Ötzi, Arber 250km, bin kein Sprinter und stehe kurz vor der Rente. ( Ich kurble seit 8 Jahren, ca. 3000km auf Rennrad + 3000km mit Tourenrad, 2-4 x die Woche).

    1. Hallo Karl,

      vielen Dank für deinen Kommentar und die Fragen. Ich versuche, das etwas zu sortieren:
      – Bremsen: verzögern die besser ohne warm zu werden?
      Wenn du die Scheibenbremsen-Version meinst – dann ja, die neu vorgestellten Scheibenbremsen der Dura-Ace sollen das Thema Kühlung und Bremsfunktion nochmals verbessern. Für die Ultegra und/oder 105er Shimano-Gruppen gibt es noch keine Version mit dieser neuen Scheibentechnologie. Bei deinen 84 kg würde ich für vorne eine 160 mm Bremsscheibe vorschlagen und die würde dir auch mit der bisherigen Version der hydraulischen Scheibenbremse von Shimano für alle Lebenslagen gute Dienste tun.

      Wenn du die normale Felgenbremsen-Version meinst – dann nein. Da gibt es eigentlich keine Unterschiede in Bremspower und überhaupt keine in Sachen Temperatur.

      – Schaltzüge, gehen die leichter?
      Eigentlich nicht. Nicht, dass ich wüsste. Sowohl bei Ultegra als auch bei der Dura-Ace sind die Zugfunktionen bzw. die mechanische Schaltbarkeit exzellent.

      – Verschleiß DA zu Ultegra:
      Hier ist mir kein Unterschied bekannt. Da würde ich eher Unterschiede zwischen den Marken, z.B. Shimano und Campagnolo sehen. Auf englisch sagt man, „other Groupsets wear out, Campagnolo wears in“. Da ist was dran. Ketten etc. halten meiner Erfahrung nach bei Campagnolo wesentlich länger als bei Shimano. Es hängt aber auch viel von regelmäßiger Pflege und gutem Umgang mit dem Antrieb ab (Gänge unter Last reinwürgen oder beim Schalten sanft entlasten).

      Wo es tatsächlich Unterschiede zwischen der Topversion und der Mittel- und noch mehr der Einstiegsversion gibt, sind im wesentlichen:
      – Das Gewicht (wobei es dem einzelnen überlassen ist, ob 80 bis 200 Gramm jeweils hunderte Euro wert sind)
      – Ein wenig das Gefühl und die Haptik. So eine Topgruppe fühlt sich dann doch das Quentchen besser an.
      – Ggfs das Aussehen: bei Campagnolo gibt es, je teurer die Gruppe wird umso mehr Carbon. Bei Shimano fand ich bisher teilweise sogar die Ultegra besser aussehend oder für die meisten Räder stimmiger als die Dura-Ace. Geschmackssache.

      Und jetzt besonders in Bezug auf die ganz neu vorgestellte Dura-Ace R9100: Die von Shimano mit dieser Gruppe eingeführten Dinge gibt es bisher so noch gar nicht für die darunter angesiedelten Gruppen, wie z.B. die Ultegra. Die neuen Schaltgriffe, die auch in der hydraulischen Version so schlank wie die mechanische Version ist. Das Schaltwerk mit seiner Position und Spreizung. Die neue Anlenkung des Umwerfers und auch die Option des integrierten Leistungsmessers – das kommt jetzt alles erst mit der neuen Dura-Ace.

      Von daher – im Zweifel dann die neue Dura-Ace nehmen sofern verfügbar und es Shimano sein soll und der Preis keine Rolle spielt. :)

  2. Hi, der Artikel ist interessant – aber der Schreiber muss ein Künstler sein. Ich zitiere: „Wie oft ist mir mein Rad schon auf die Seite und damit auf den Umwerfer gefallen. Das zieht dann oft die Erfordernis des Zurechtbiegens des Schaltauges nach sich“ . Wenn das Rad umfällt, fällt es auf den Umwerfer? Sitzt der Umwerfer am Schaltauge, das zurechtgebogen werden muss? Oder ist es eher das Schaltwerk, auf das das Rad fällt?…Allein diese Aussagen lassen ein wenig an der Qualität des Artikels zweifeln. …Und m.E. steht bei der ganzen Aufzählung und Beschreibung nur die Optik im Vordergrund!

    1. Hallo HaDi,

      welch erfrischende und liebreizende Art des Kompliments an den schreibenden Künstler (also mich) und des Hinweises einer Wortverwechslung (Umwerfer anstelle Schaltwerk). Über die Qualität der Schlussfolgerung des anmerkenden Künstlers, der es nicht beim Hinweis belässt, sondern beim konstruieren eines Zusammenhanges zwischen dem wortverwechselten Umwerfer und dem Schaltauge verweilt, werde ich nichts beitragen… ;-)

      Und selbstverständlich steht die Optik zwar nicht im Vordergrund (aber an erster Stelle – „Style“ ist ja ganz offensichtlich mein erster fett hervorgehobener Unterpunkt). Das ist bei wertigen Rennrädern ganz, ganz wichtig! Aber natürlich nicht nur. Schick ohne Funktion ist nichts wert. Häßlich mit Funktion nicht wünschenswert. Schick mit Funktion – das wollen wir haben.

      viele Grüße,
      Torsten

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