Das Pinarello Dogma F8. Ausgestattet mit SRAM Red eTap und Fulcrum Racing Zero Laufrädern.

Test: Pinarello Dogma F8 und SRAM RED eTap

Produkttests, Rad fahren

Pinarello. Einer der großen und klangvollen italienischen Namen, wenn es um Rennräder geht. Spätestens seit dem Sponsoring des Teams Sky (und der vielen resultierenden Tage in führender Position der Tour de France) auch dem weniger intensiven Rennrad-Kenner bekannt. Während die Vorgänger der aktuellen Modelle durch ihre sehr außergewöhnliche Gabel- und Sitzstrebenform zu polarisieren wussten (mein Fall waren sie wirklich nicht) ist das aktuelle Spitzenmodell, das Dogma F8 (in meinen Augen) ein vom Design her begehrenswerter Renner, der neben guten Fahreigenschaften auch Aero-Eigenschaften, herausgearbeitet in Kooperation mit Jaguar, besitzen soll.

Das hat das Dogma F8 für mich interessant gemacht. Wäre das ein Rennrad, das mir nicht nur optisch, sondern auch vom Fahrverhalten gefallen könnte? Wie fährt es sich? Was passt, was kneift, was ist unstimmig (in der von mir benötigten Rahmengröße)?

11309_0091-Pinarello_DogmaF8_2048

Das Pinarello Dogma F8. Ausgestattet mit SRAM Red eTap und Fulcrum Racing Zero Laufrädern.

SRAM Red eTap. Zur Zeit in aller Munde: Elektronisch. Kabellos! Einige Profiteams fahren sie dieses Jahr ganz offiziell (und testen schon sehr ausführlich für einige Jahre) und im Handel ist sie ganz frisch seit wenigen Wochen für Jedermann zur Nachrüstung oder Selbstaufbau verfügbar. Wie fühlt sich die eTap an? Wie schaltet sie sich?

Wie toll, dass ich in meinem kurzen Südtirol-Stopover Gelegenheit habe, beides zugleich testen zu können. Das ist kein Zufall. Ich habe vergebens versucht, mit ernsthaften Kaufabsichten bei verschiedenen deutschen Händlern (die nennenswerten Umsatz mit hochklassigen Rennrädern im Allgemeinen und Pinarello Dogma im Besonderen erzielen) eine Testmöglichkeit zu erhalten. Ein klein wenig Verständnis habe ich für Händler, die sich natürlich keine Testflotte in allen möglichen Rahmengrößen eines Rades mit Rahmenpreisen zwischen 3900 und 4900 Euro und Komplettradpreisen zwischen 7000 und 10.000 Euro leisten können. Aber so wirklich überhaupt nicht beweglich zu sein in Sachen Testmöglichkeiten… Nein! Das ist ein No Go, das ich auch nicht unterstützen werde. Es gäbe genügend Möglichkeiten für die Händler: Fordert Demo-Days von den Herstellern ein oder fordert bestellbare Testräder an. Macht ein Leihgeschäft mit entsprechenden Rädern auf bzw. lasst euch auch gerne an den Kosten beteiligen (und fairerweise beim Kauf dann verrechnen).

Diesen Weg konnte ich im Rennrad-Mekka für mich schlechthin, in den Dolomiten, beschreiten. Breakout Sports in Badia und Coravara verleiht dort Pinarellos Top-Modell für einen für mich vernünftigen Preis pro Tag (oder auch für mehrere Tage, wenn jemand möchte). Am Vortag nutzte ein Gazetto dello Sport Redakteur diese Testmöglichkeit und am Sonntag (dem Tag der Bergzeitfahrtetappe hoch zur Seiser Alm) hatte ich dann das Rad zur Verfügung.

D.h ich habe hier Gelegenheit, euch meine Eindrücke von einer recht ausführlichen Testfahrt über 80 km sehr aussagefähige Strecke zu schildern.

Mein Testtag in Kürze: Mit dem Auto nach Corvara gefahren, bei Breakout das Pinarello Dogma F8 in Rahmengröße 51,5 mit SRAM eTap abgeholt, dann über das Grödner Joch zurück ins Grödner Tal und von St. Christina hoch zur Seiser Alm gefahren. Alle Straßen hoch zur Seiser Alm waren schon seit dem Morgen für das Bergzeitfahren des Giro d’Italia gesperrt. Alle Straßen? Alle asphaltierten, zumindest. Aber das hat mich noch nie aufgehalten. Von St. Christina gibt es einen Weg hoch nach Saltria. Er beginnt asphaltiert und steil, wird dann aber recht bald zu einer Naturstraße – a.k.a. Waldweg.  Runter von der Seiser Alm ging’s dann doch über die noch gesperrte Rückfahrtstrecke der Teams über Pufels/Bula. Schön steil da. Dazwischen habe ich diverse Fotos gemacht und mich in Compatsch am Ziel des Bergzeitfahrens aufgehalten. Ein spannender und aufschlussreicher Tag!

Meine Testeindrücke habe ich als sehr detaillierte Bildunterschriften der folgenden Fotos festgehalten. Ihr könnt die Fotos samt Bildunterschriften auch über die Galeriezusammenstellung am Ende des Artikels nochmals näher ansehen.

Dann mal los. Zuerst meine Eindrücke vom Pinarello Dogma F8:

11309_0106-Dogma_GroednerJoch_2048

Kann es eine traumhaftere Gegend zum Testen eines Rennrades geben? Wohl kaum! Das Pinarello Dogma F8 am Grödner Joch mit dem Sellastock und dem Langkofel im Hintergrund.

11309_0099-cockpit_2048

MOST Komponenten: „Tiger“ Vorbau (Alu) mit der aktuellen Aeroform der Gabelklemmung und „Jaguar“ Lenker. Der Lenker greift sich gut sowohl auf dem Obergriff als im Unterlenker. Mir scheint, dass die Enden vergleichsweise weit nach hinten reichen. Was in Verbindung mit einem kurzen Rahmen potenziell schlecht für die Knie sein kann (denkt an Wiegetritt und enge Kehren). Ein solches Gefühl wird meist nur von wenigen Millimetern ausgemacht. Ein etwas anderer Lenker, ein vielleicht 5 mm längerer Vorbau und schon wäre das ok – also kein Problem.

11309_0270-Vorbau_2048

MOST Komponenten: „Tiger“ Vorbau (Alu) mit der aktuellen Aeroform der Gabelklemmung und entsprechende Carbon-Spacer (hier natürlich zu viele). Schick.

11309_0137-Pano-Waldweg_2048

Auf dem Weg zur Seiser Alm über Waldwege. Das Pinarello fährt sich gut auch über dieses Terrain.

11309_0131-Me_Pinarello_2048

Euer getreuer Tester war sich nicht zu schade, das Dogma F8 auf wirklich jedem Untergrund und jeder Steigung zu testen. Hier auf dem Weg auf die Seiser Alm von St. Christina über Saltria über (gut fahrbarem) Waldweg.

Mir gefällt dieser Übergang zwischen Rahmen und Sattelstütze.

Mir gefällt dieser Übergang zwischen Rahmen und Sattelstütze. Die integrierte Klemmung ist gut versteckt, besitzt aber zwei wirklich sehr kleine Imbus-Schrauben.

11309_0242-Gabel_2048

Die recht weit herausstehende Onda F8 Gabel des Dogma F8. Damit soll die verwirbelte Luft hinter den Gabelscheiden vom Laufrad ferngehalten werden. Schaut aber gar nicht extrem oder ungewöhnlich aus. Mir gefällt sie. Und Pinarello gibt an, dass sie einen 54% geringeren aerodynamischen Einfluss als die Onda 2 Gabel haben soll.

11309_0226-Pinarello_Bruecke_2048

Das Pinarello Dogma F8 im Grödner Tal

11309_0245-Backtire-Clearance_2048

Reifenfreiheit hinten: Mehr als 25 mm (diese sind hier montiert) sind kaum drin.

Tretlager: Pinarello setzt mit Überzeugung auf traditionelle geschraubte italienische Tretlager (BB30) und verzichtet darauf, die Möglichkeiten von Carbon optimal durch eingepresste Tretlager zu nutzen. Denn – Gewinde und Carbon – dass ist nicht die optimale Befestigungsart für diesen Werkstoff. Dennoch: Vielseitigkeit und Zugänglichkeit von geschraubten Tretlagern sind sicherlich ein Vorteil dieser Design-Entscheidung.

11309_0249-Fronttire-Clearance_2048

Sram-Red Felgenbremsen (fand ich sehr gut, keine Probleme) und Reifenfreiheit vorne. Mehr als 25 mm (diese sind montiert) ist kaum drin. Auch so ist schon sehr wenig Luft zwischen Reifenlauffläche und Gabeloberseite.

11309_0258-Flaschenkollision_2048

Großer Faux-Pas: so wie die Flaschenhalter im (relativ kleinen) 51,5 cm Rahmen angebracht waren, passt nur jeweils eine Flasche vollständig in ihren Halter. Am Sitzrohr befindet sich noch eine weitere Schraube für eine tiefere Montageposition dieses Flaschhalters. Ich konnte leider nicht ausprobieren, ob es dann vernünftig passt. Eigentlich müsste der Unterrohr-Flaschenhalter etwas weiter nach oben wandern. Ob Halter anderer Marken hier ein besseres Bild abgeben würden? Für meine Kaufentscheidung wäre das ein kritisches Ausschlusskriterium, wenn nicht sauber 2 Flaschen im Rahmendreieck untergebracht werden könnten!

11309_0211-Kurbel170_2048

Mein Dogma F8 in Rahmengröße 51,5 hatte 170 mm Kurbeln montiert. Das finde ich toll – denn die fahre ich auch auf meinem Canyon. Und – ganz wichtiges Thema: Toe-Overlap. Trotz des kompakten Rahmens hatte ich keinen Toe-Overlap (d.h. die Schuhspitze kollidiert mit dem Vorderrad beim engen Einlenken) mit meinen Gaerne-Schuhen. Aber nur so um Haaresbreite: etwa 1-2 mm Luft sind noch. Bei meinem Canyon stubse ich ganz knapp an den Reifen. Mit den Gaerne-Schuhen. Mit meinen Northwave-Schuhen (etwas andere Passform, andere Größe) stoße ich deutlich dran. Das finde ich sehr unschön. Hier wie gesagt: Kein Toe-Overlap, auch bei der kleinen 51,5er Größe – sehr gut!

11309_0260-VittoriaCorsa_2048

Wie passend: Genau diese Vittoria Corsa G+ (das neue Modell mit Graphene Technologie) habe ich seit letzter Woche selbst neu auf meine Zipp 404 montiert, um sie zu testen. Hier waren sie ebenfalls in 25 mm Breite in der schwarzen Version montiert. Schwarz? Naja, eine interessante graphit-graue Flanke, die sich sichtbar von der schwarzen Lauffläche abhebt. Montiert waren sie auf Fulcrum Racing Zero Aluminum Laufrädern. Ein Rundum-Sorglos-Paket, dass seinen Teil für die satte Straßenlage und vermutlich nicht wenig zum Rollkomfort beitrug!

Pinarello_Testride_route

Die Teststrecke. Etwas über 80 km mit zwei ausgewachsenen Pässen (Grödner Joch von Corvara und Grödner Seite) und Aufstieg zur Seiser Alm, teils über Waldweg. Genügend Möglichkeiten für maximale Eindrücke während eines Tages.

Bevor ich zur SRAM RED eTap komme, wie fallen meine Eindrücke und vor allem meine Bewertung des Pinarello Dogma F8 aus?

Meine Güte, das ist echt ein feines Rad! Es überzeugt von der ersten Minute mit einem satten und ruhigem Fahrgefühl auf der Straße – ohne dabei träge zu wirken. Eine der sprichwörtlichen Qualitäten des Dogma wurde ebenfalls recht bald augenfällig – die vielgerühmte Zuversicht auf dem Rad bergab und durch enge Kurven. Das fühlte sich wirklich sehr gut an. War es aber auch schnell?

Da kann ich auf meine Segmentzeiten bei Strava zurückgreifen. Auf der Abfahrt vom Grödner Joch herab Richtung Sellapass fahre ich von 4 Abfahrten die schnellste Zeit, habe aber auch null Verkehr und kenne die Strecke mittlerweile.

Auf der von mir häufiger (und davon schon 4 mal im Rennen, bei der Maratona dles Dolomites) gefahrenen Abfahrt des Grödner Jochs hinab nach Corvara, stelle ich meine zweitschnellste Zeit identisch ein. Es ist Abends um 19:00, absolut nichts los am Joch, mittlerweile hatte ich das Rad den ganzen Tag und somit vollstes Zutrauen, und so versuche ich zu sehen, was drin ist. Ich bin mit dem Dogma und „Kastenprofil“ Systemlaufradsatz (Fulcrum Zero) genauso schnell wie mit meinem Ultimate und ebenfalls „Kastenprofil“ Systemlaufradsatz (Mavic R-Sys). Beides sehr präzise zu fahrende Laufradsätze, beides keine Aeroprofile.

Ich muss sagen, ich bin ein bisschen entäuscht, da hätte ich mir mehr erhofft. Bedenkt, dass auch im Rennen die Straße nicht so komplett frei wie bei meinem Dogma-Test ist. Da sind ständig Fahrer, wo man lieber auf die nächste (oder übernächste) Gerade wartet, bis man sicher an diesen vorbei kommt. Andererseits, im Rennen gibt man nochmal etwas mehr Gas und geht die Kurven etwas furchtloser an. Ein klein wenig zurückgehalten hat mich beim Dogma der neue Asphalt an einigen Stellen (das Grödner Joch wird jedes Jahr in teilen neu asphaltiert). Mit dem Gedanken an austretende Bitumenrestöle habe ich vielleicht die eine oder andere Kurve nicht voll genommen…

Aber ich muss relativieren: die Unterschiede meiner Zeiten sind alle sehr klein und meine schnellste Abfahrt (im letzten Jahr) war mit 38mm (vorn) und 58 mm (hinten) Aerolaufrädern nur 10 Sekunden schneller. Was bleibt: die sehr stabile und vertrauen einflösende Straßenlage des Dogma.

Vergleichend zum Canyon Ultimate CF SLX muss ich allerdings sagen: Es ist jedes Quentchen gleichermaßen präzise (wenn nicht sogar präziser) auch auf den schnellsten Alpenabfahrten steuerbar. Durch seine Agilität will es aber auch stets sauber geführt werden. Da bietet das Dogma etwas mehr Raum für „Entspannung“.

Beeindruckend fand ich zunächst auch die Geräuschlosigkeit. Bis auf ein leichtes Surren der Kette war wirklich nichts zu hören. Wo das superleichte Canyon manchmal auf rauerem Asphalt sonor seine Resonanz hören lässt (nicht lästig oder sonderlich laut, aber vorhanden) hörte ich da beim Dogma F8 rein gar nichts. Gut, der Rahmen ist vermutlich auch schwerer (Pinarello gibt leider keine Gewichte an) und vor allem: Mit der Kabellosen SRAM eTap liegt außer dem Zug für die Hinterradbremse nichts im Rahmen, was auch nur irgendwie vibrieren könnte. Sehr angenehm.

Auch die Beschleunigung auf der Geraden und die Kletterfähigkeiten haben mir sehr gefallen. Das Dogma bietet nicht dieses Wow-Gefühl der absoluten Leichtigkeit und des sofortigen Anspringens auf jedes Zucken des Pedals wie das Canyon. Was beim Ultimate um so bemerkenswerter ist, als das die Leichtigkeit in Verbindung mit der Steifheit auch bei vergleichsweise herausragendem Komfort geboten wird.

Weder beim Wow-Gefühl des sofortigen „Anspringens“ noch beim Komfort kann das Dogma F8 ganz mithalten. Aber es ist auch bei weitem kein harsches Rad oder lässt das Gefühl aufkommen, das irgendwelche Leistung verpufft. Ganz im Gegenteil bot es mir das Gefühl einer soliden, satten Straßenlage mit dem Geühl: das passt einfach.

Nun zur SRAM RED eTap:

11309_0261-Bremsgriff_2048

Brems-/Schaltgriff-Ergnonomie: Die Hoodies (also die Griffkörper) umgreifen sich super. Hier ist Campagnolo Super Record EPS meine Referenz, aber die SRAM eTap Hoodies umfassen sich ebenso gut. Sie sind nach oben als „Hörnchen“ nicht ganz so ausgeprägt wie die Campagnolo-Griffe.

Das ist ein klein wenig Schade, weil ich die sehr gerne alleine umgreife, während nur der kleine Finger unten umgreift und die Handballen seitlich auf dem Griffübergang vom Lenker liegen. Typischerweise ist dabei der Unterarm waagerecht. Dieser Griff bietet bei den SRAMs ein klein wenig weniger Griffsicherheit, ist aber noch voll ok.

Bremshebel: in Bremsgriffhaltung gut zu bedienen, in Unterlenkerhaltung für mich nicht ganz so sicher greifbar wie Campagnolo. Campagnolo bleibt hier für mich unereicht. Shimano würde ich hier auch noch etwas über SRAM-Red einordnen (wohlgemerkt, dies gilt nur für den Unterlenkergriff).

11309_0264-Red-Pinarello_2048

SRAM RED eTap, vom Farbschema super passend zum Dogma mit rotem und weißem Schriftzug.

SRAM eTap Schaltlogik: Habe mich sofort eingefunden. Sehr eingängig. Rechter Hebel nach links drücken schaltet die Kette hinten nach links (in Hebelrichtung), also hoch. Links umgekehrt. Beide Hebel drücken wechselt vorne. Entweder von klein auf groß oder umgekehrt. Je nachdem, wo sich die Kette befindet. Einfach und logisch.

Finde ich die Schaltlogik deswegen generell gut? Würde ich sogar so weit gehen, wie manch anderer Reviewer der sogar fragt „Warum sind da nicht früher Leute darauf gekommen?“ (Unabhängig davon, dass so etwas erst wirklich gut mit elektronisch konfigurierbaren Schaltungen funktioniert)?

Nicht wirklich. Stellt euch vor, ihr fahrt gerade einhändig und wollt vorne Schalten. Na? Geht nicht. Da braucht ihr beide Hände am Lenker für. Beispielsweise beim Essen oder trinken… oder eine Kamera haltend. Oder Handzeichen gebend.

Was auch nicht geht: gleichzeitig vorne und hinten schalten – ok, mache ich selbst auch sehr selten – ist aber mit Di2, EPS oder normalen Schaltungen möglich.

Oder ihr schaltet ein Ritzel zu weit. Um diesen Irrtum zu berücksichtigen, braucht ihr jetzt die andere Hand. Ganz davon abgesehen: Sollte SRAM das Feld des Single-Chainring vorne weiter auf das Rennrad ausdehnen… dann wäre das eine Super-Möglichkeit, mit nur noch einer Hand alle Schaltvorgänge (nur noch hinten) durchzuführen. Nicht aber so mit dieser Schaltlogik.

Also: Sie funktioniert, man kann sich sehr gut dran gewöhnen, sie ist auch eingängig – Aber ich finde für mich, dass die Nachteile dieser Logik überwiegen. Kein Dealbreaker, aber auch nicht optimal.

Die Schalthaptik: Hmmm. Ja, in Ordnung. Aber nicht optimal. Meine Referenz ist hier wiederum Campagnolo Super Record EPS: Eine bessere Schalthaptik kann ich mir kaum vorstellen. Wenig Druckkraft benötigt, dennoch einen absolut unmissverständlichen Klick-Feedback gebend. Und vor Qualität strotzend. Dabei durch die Anordnung von Zeigefinger- und Daumenhebeln unverwechselbar, welcher Schalter was macht und dies selbst mit dicksten Handschuhen unterscheidbar.

Shimano ist da viel schlechter: Deren Di2-Taster bieten viel zu wenig Hebelweg / Tastweg, um ein solides und unzweifelhaftes taktiles Feedback zu geben. Dies gilt schon für normale Sommerbedingungen. Mit Handschuhen wird das nochmals schlechter. Sie sind allerdings leichtgängig genug.

Die Sram-Hebel… für mein Gefühl muss man sie einen winzigen Hauch zu weit nach innen bewegen, bis sie schalten. Sie brauchen dafür für meinen Geschmack auch ein winziges Etwas zuviel Kraft (die sind jetzt nicht schwergängig oder so – nur einfach nicht ideal getuned, für mein empfinden). Das Schaltgefühl ist bei weitem nicht unsolide, aber hat schon so eine federige Rückmeldung und ein entsprechendes (kaum vernehmbares) Geräusch.

Ich hatte die ganze Zeit überlegt, woran mich dieses sehr subtile Geräusch und das sehr subtile Gefühl erinnerte… Und dann fiel es mir ein…

Fanbecher1

Genau, Fangbecher. Bekannter (und so kenne ich sie) ist eine leicht andere Form, wie sie die Süddeutsche hier zeigt. Wie wahr deren Zitat doch ist „Das Geräusch der integrierten Metallfeder haben viele heute noch in den Ohren.“ ;)

Ok, natürlich gibt es keinen Vergleich der 100% Solidität ausstrahlenden Sram eTap zu einem Plastikspielzeug der 70er Jahre. Und doch…

Die Schaltperformance: Ich habe mich dabei ertappt, für das schnelle Schalten über mehrere Ritzel den Hebel der eTap gedrückt zu halten. Die Campagnolo EPS-Hebel sind präzise und leichtgängig genug, so dass ich da instantmäßig klick-klick-klick die Gänge durchklicke. Bei der eTAP verhindert schon der für den Schaltvorgang erforderliche Schwenkweg, dass das ähnlich schnell ginge. An der Gangwechselgeschwindigkeit hatte ich nichts auszusetzen. Das Kettewechseln funktionierte insgesamt sehr gut, nur unter Last krachte es doch sehr „im Gebälk“. Ich schalte selten unter Last, kenne das aber so nicht von Campagnolo. Das empfand ich jetzt nicht als so super von SRAM.

Mein Fazit zur SRAM Red eTap:

Eine sehr solide und gefällige Schaltung, die einen sehr ausgereiften Eindruck macht. Nicht von mir getestet, aber sehr vielversprechend sind darüber hinaus Erweiterungsmöglichkeiten der Schaltung, z.B. mit den eTap Blips, die sich als Zusatzschalter überall am Lenker positionieren lassen oder in Form der SRAM eTap Clics die bisher eleganteste Form der Schaltung für Aerobars darstellen.

Durch die kabellose Funktion ist sie damit eine der am einfachst zu montierenden Schaltungen. Alles in allem bleibt meine Schaltung der Wahl im Hinblick auf Ergonomie, Haptik und taktilem Feedback allerdings die Campagnolo Super Record EPS.

11309_0257-Kurbel_2048

Schon leicht staubig – aber das Design der SRAM RED Kurbel weiß sehr zu gefallen. Am Sitzrohr der RED eTap Umwerfer mit dem eingeklipsten Akku, der Baugleich mit dem des hinteren Schaltwerkes ist und somit mit diesem austauschbar ist. Praktisch, wenn an einem hinten der Saft ausgeht – so kann man immer noch vorne auf klein oder groß schalten und dann den (hoffentlich noch Energie liefernden) Umwerferakku nach hinten wechseln.

11309_0255-Schaltwerk_2048

Das SRAM RED eTap Schaltwerk: An der Gangwechselgeschwindigkeit hatte ich nichts auszusetzen. Das Kettewechseln funktionierte insgesamt sehr gut, nur unter Last krachte es doch sehr „im Gebälk“. Ich schalte selten unter Last, kenne das aber so nicht von Campagnolo. Das empfand ich jetzt nicht als so super von SRAM.

11309_0109-eTap_Schaltwerk_2048

Ein anderer Winkel zur Ansicht des SRAM RED eTap Schaltwerks am Pinarello.

 

Zum Abschluss nochmals alle Fotos in Galerieform. Viel Spaß und Kette Rechts!

19 Gedanken zu “Test: Pinarello Dogma F8 und SRAM RED eTap

  1. Danke für den Bericht, gut und nachvollziehbar geschrieben. Was ich mir ja noch unbedingt von der eTap wünschen würde: Die Schaltung soll einfach selber vom kleinsten zum größten Gang schalten. Ob sie dabei vorne oder hinten schaltet, ist mir dabei vollkommen egal. Eigentlich sollte sich sowas doch einfach programmieren lassen. Auch könnte man sicherlich dem User die Möglichkeit geben, das gewünschte Schaltverhalten über eine App zu konfigurieren und an die Schaltung zu übertragen.

    1. Hallo Harald, danke für deinen Kommetar.

      Die Campagnolo EPS v3 kann man als Benutzer beliebig konfigurieren, so wie du das beschreibst. Das läuft dann über die MyCampy App für iPhone und Android (www.campagnolo.com/DE/de/CampyWorld/Produkte/campagnolo_eps_2016)

      Bei der SRAM eTap ist das anscheinend gar nicht vorgesehen. Die FAQ auf der SRAM-Webseite sagt dazu: „No. It is a closed system. The RED eTap is not programmable.“ (https://sramroadsupport.zendesk.com/hc/en-us/articles/206583818-Can-I-customize-the-shifter-paddle-or-blip-operation-E-g-have-the-left-paddle-shift-up-or-connect-two-blips-to-one-shifter-and-have-each-blip-shift-in-a-different-direction- ).

      1. Tja, wenn Campagnolo jetzt mal noch eine Wireless-Version brächte. Dann hätten sie mich.
        Aber mit der aktuell vorstellten hydraulisch bremsenden eTap bleibt’s für mich trotz der „Schaltschwäche“ bei einer eTap fürs Brevet-Rad.

    1. Hat sicher Vor- und Nachteile, so ein Tretlager. Das Dogma empfinde ich auch als schön designtes Rad, kann mich allerdings mit den aktuellen Farbschemata nicht anfreunden. Das ist allerdings eine Diskussion, die ich dem eigentlichen Test nicht aufdrücken wollte: ich finde den senkrechten Balken entlang des Sitzrohrs und vielmehr noch die weisse (oder andersfarbige) „Banderole“ im anschließenden Ober- und Unterrohr ganz furchtbar. Diese bricht den Rahmen optisch entzwei. Ein aktuelles Dogma F8 müsste für mich also leider wieder ganz schwarz sein. Mal abwarten, wie die 2017er Designs aussehen werden.

      1. Habe mir ein Canyon bestellt, habe lange zwischen schwarz und jet silver grey geschwankt. Jet Silver ist es geworden. Das Cross ist schwarz und das aktuelle Storck auch.

    1. Puh, da kann ich nur von der Pinarello-Webseite ausgehen, die da leider nicht mit Details glänzt. Sie hebt allerdings hervor (und führt es auch im Whitepaper zum Dogma auf), dass sie ein „Italian threaded bottom bracket“ verwenden. Deutlich kann man auch die außenliegenden Lagerschalen sehen. Sowas kann geschraubt, kann vielleicht aber auch separat eingepresst sein? Da gibt es ja so viele mögliche Permutationen, das es nicht mehr lustig ist…

  2. Wunderbarer Beitrag, Danke Torsten! Du hast Deine Eindrücke toll dokumentiert und anschaulich bebildert, Dein Beitrag ist ein Genuß! Hinsichtlich der „elektrischen“ Schaltungen bin ich eher konservativ, aber sonst ist das Pini schon ein tolles Rad, war bei mir neben dem Bianchi Oltre in der engeren Wahl, habe dann aber doch das Bianchi genommen, mechanisch geschaltet.

  3. Hallo Torsten
    Habe soeben interessiert deinen Bericht gelesen. Die letzten Jahre hat mich ein Scott Foil mit Ultegra Di2 immer stehts treu begleitet. Die Schaltung war wirklich verlässlich. Auch eine Super Record EPS V2 kenne ich gut. Seit einigen Wochen bin ich nun Besitzer eines Cervélo S5 mit Red eTap. Und ich bin begeistert von der Schaltung und der Logik! Und hier merke ich auch deine sehr subjektive Meinung zu der Schalt-Haptik. Verglichen zur Shimano Di2 ist der Druckpunkt bei eTap nahezu ideal und die Grösse der Paddels wirklich gut gewählt (gleich wie bei den mechanischen SRAMs) um sie auch mit Winterhandschuhen und in Unterlenkerposition wirklich gut bedienen zu können. Hier sogar der Super Record EPS überlegen, welche einen kleineren Paddel am Bremshebel hat und man ja auch noch mit dem Daumen nach oben greifen muss um den inneren Schalthebel zu bedienen.
    Die Tatsache als Argument zu nehmen, dass man nicht einhändig vorne hochschalten kann, finde ich ein wenig daneben. Dies kannst du ja auch bei Di2 und EPS nicht, wenn du mit der linken Hand die Flasche in der Hand hältst! Und dasselbe hinten, wenn du mit rechts tinkst! ;)

    Dass die Schaltgeräusche etwas rustikaler und stärker sind als insb. bei Di2, nun dies ist halt SRAM. Sie schalten auch bei mechanischen Schaltungen etwas „knackiger“.

    Klar, du bist rund 80km mit einer neuen, dir unbekannten Schaltung gefahren und hast daraus einen Bericht geschrieben. Dafür danke ich dir.
    Vielleicht wären deine Bedenken und negativen Punkte mit mehr Kilometern von dir auch anders gewichtet worden….

    Ich jedenfalls finde die Schaltlogik für den täglichen Gebrauch kinderleicht und wirklich vereinfacht. Und übrigens: Die Griffweite der SRAM-Hebel lässt sich auch einstellen, dann hättest du sie evtl. auch besser greifen können… ;)

    Beste Grüsse und noch viel Spass auf zwei Rädern

    Christian

    1. Hallo Christian,

      danke für deinen Kommentar. Letztlich kann man natürlich alle Schaltungen fahren. Die funktionieren alle tadellos und natürlich: Jeder wird mehr oder weniger ausgeprägte persönliche Präferenzen haben.
      Die habe ich auch – aber sie sind a) durch tatsächliches ausprobieren und Nutzen (in Teilen mehrfach, in Teilen weil ich mehrere Räder mit unterschiedlichen Ausstattungen besitze) unterlegt. Und ich beschreibe auch meine Gedanken und Erwägungen dazu.

      Ohne dass ich damit Magazin-Tests oder Tests von _guten_ Webmagazinen obsolet machen möchte (dazu schreibe ich viel zu wenig Blog-Posts und habe auch viel zu wenig Zeit und auch gar nicht das Interesse dazu), bin ich schon der Meinung, dass solche ausführlich begründeten Berichte wie meiner wesentlich hilfreicher und auch ehrlicher sind als die weichgespülten, es allen (und besonders den Werbekunden) rechtmachen wollenden, sogenannten „Tests“ von eben besagten Magazinen (oder deren Webseiten-Pendants). Da ist im Zweifel immer alles Toll.

      Und ich meine auch von mir behaupten zu können, dass ich relativ unempfindlich gegen die doch so häufig auffindbare (und in Teilen menschlich verständliche) Neigung bin, mir das schönreden oder das verteidigen zu müssen, was ich mir gerade gekauft habe. Im Zweifel nutze ich einfach mehrere Dinge oder Marken parallel. Und wenn mir das neue Modell einer Marke nicht gefällt, dann wende ich mich auch gerne von einer Marke ab. Ob das bei Computern, Kameras, Fahrrädern oder deren Komponenten oder anderen Dingen ist. Hält die Hersteller auf Trab und den Geist frisch. Außerdem hat man so Abwechslung. :)

      Zum Schalten: Das ist tatsächlich ein echter Nachteil der eTap. Am meisten schaltet man ja hinten. Also egal ob du jetzt eine Flasche in der Hand hast oder minutenlang auf einem trockenen Riegel rumkaust oder (immer Vorsicht walten lassen) das Smartphone oder besser die Kamera in der Hand hältst (und das kann schon mal noch länger als beim Riegel kauen sein) – mach das mit der linken Hand und du kannst bei Shimano und bei Campagnolo schön mit Rechts rauf und runter schalten. Und wenn es mal vorn sein soll – kurz den Riegel oder die Kamera von links nach rechts wechseln. Ist alles kein Akt – für mich aber in der Tat ein signifikanter Nachteil. Ich könnte mit der eTap leben – aber die EPS ist halt noch toller.

      Ich werde mir jetzt ein neues Rad aufbauen. Die eTap wäre billiger gewesen und auch einfacher zu installieren… aber es hilft ja nix. Die EPS liegt mir wesentlich mehr und ist bisher durch nichts zu toppen. :)

  4. Hallo Torsten,
    ich habe mit Interesse deinen Testbericht Dogma F8 gelesen.
    Da ich mir genau dieses Rad als Rahmenset selbst aufbauen will,
    möchte ich dich fragen, ob du mit der Rahmengröße 51,5 entsprechend
    deiner Körpergröße gut klargekommen bist .
    Laut einem Rahmenrechner komme ich für mich auf 52, jetzt überlege ich
    51,5 oder 53 zu nehmen.

    Über eine Antwort würde ich mich freuen

    Gruß
    Gerd

    1. Hallo Gerd,

      ja, die Größe fand ich für mich optimal, größer sollte der Rahmen für mich nicht sein. Zumal der Rahmen ja kein abfallendes Oberrohr besitzt. Und mit größeren Rahmen kostbare Schrittfreiheit (Überstandshöhe) und Sattelstützenauszug (optisch stimmiges Erscheinungsbild und Flexmöglichkeit für Komfort) verloren geht.

      viele Grüße,
      Torsten

  5. Hallo Torsten,

    darf ich dich bezüglich der Rahmengröße doch noch was fragen.
    Wie groß bist du und welche Innenbeinlänge hast du.
    Der Händler bei dem ich das Rahmenset bestellen möchte
    gibt 50 entsprechend meinen Körpermaßen an.
    Ich habe 51,5 im Visier(laut Rahmenrechner) und bin eher der Tourenfahrer.

    Viele Grüße
    Gerd

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s