Wiederholungstäter: Dreiländergiro reloaded – 2014 SPOOCHA Edition

Rad fahren
Am Stilfser Joch beim Dreiländergiro 2014 (Foto: Sportograf)

Am Stilfser Joch beim Dreiländergiro 2014 (Foto: Sportograf)

Der Dreiländergiro war 2011 mein erster Rennrad-Alpenmarathon. Hier habe ich ausführlich darüber geschrieben. Im Vergleich zum Ötztaler Marathon oder der Maratona dles Dolomites ist das eher eine kleinere Veranstaltung mit rund 2200 Teilnehmern. Anziehungspunkt und Highlight ist natürlich das Stilfser Joch, der Passo dello Stelvio. Die Königin der Passstraßen und mit ihren 48 Kehren zur 2757 m hoch gelegenen Passhöhe einer der prestigeträchtigsten Anstiege in Europa.

Nach mittlerweile 2 Auffahrten lockte es mich diesmal wieder. Hauptgrund meiner nochmaligen Teilnahme war aber das Team Spoocha. Viele der Teilnehmer kenne ich von einigen gemeinsamen Ausfahrten im Raum Bochum, Wuppertal, Elfringhauser Schweiz und drum herum. Und die Idee bzw. der Slogan „Share your Fortune“ ist es allemal Wert, unterstützt zu werden. Die Zielsetzung von SPOOCHA (Sport organisiert Charity) ist es, mit sportlichen Aktionen und Projekten Aufmerksamkeit und Spendengelder für gemeinnützige oder individuelle Hilfsprojekte zu sammeln.

Und wenn man das noch mit dem gemeinsamen Erlebnis eines Radsportevents in den Alpen verbinden kann – um so besser! :)

SPOOCHA does 3LG. Wirklich ein sehr schön designtes und hochwertiges Racefit Jersey von Bioracer.

SPOOCHA does 3LG. Wirklich ein sehr schön designtes und hochwertiges Racefit Jersey von Bioracer.

Mit ganzen 26 Teilnehmern (teilweise aus ganz Deutschland) fand sich also unser Team fast vollständig im Hotel ‚mein Almhof‘ ein und verbrachte das Wochenende dort. Einige waren schon in der Vorwoche angereist, viele am Freitag und ich selbst stieß am Samstag abend hinzu.

Es war richtig toll. Ein solches Event mit einem so großen Team und netten Menschen zu verbringen, macht richtig Laune. Aufenthalt, das Rennen und das gemeinsame Abhängen und warten auf die Zieleinläufe aller weiteren Teammitglieder hat so viel Spaß gemacht.

Insgesamt brachte uns das auch den Erfolg und den Pokal für den zweiten Platz für die teilnehmerstärkste Mannschaft ein.

Das Hotel, obgleich nicht die günstigste Übernachtungsgelegenheit, fand ich für die Giro-Teilnahme ideal. Quasi direkt an Start- und Ziellinie gelegen, konnten wir morgens direkt aus der Hoteleinfahrt in die Startaufstellung gehen.

Bei der Startaufstellung vor dem Hotel.

Bei der Startaufstellung vor dem Hotel.

Und der Weg vom Ziel zur Dusche bzw. zum inkludierten Nachmittagssnack ging kaum kürzer. Hmm, leckeren Cappuccino, Kaiserschmarrn und sortierte Küchlein in der Lounge mit Blick auf Zieltreiben und Schloss Naudersberg. Natürlich erst nach der Dusche, einem Recovery Drink und auch erst nach einem (alkoholfreien ;-)) Bier.

Wie war das Rennen bzw der GranFondo?

Bei bestem Wetter – den ganzen Tag sonnig, dabei nicht zu warm – ging es morgens um 06:30 Uhr (natürlich zu dieser Zeit noch recht kühl) los. Zwar sind wir von Spoocha gemeinsam losgerollt, aber schon beim Rollen und Lücken finden bis zur Startlinie verteilten wir uns unweigerlich recht schnell. Schon nach wenigen Metern erblickte ich allerdings Andy und Giulietta und gemeinsam fuhren wir, über diverse Frühjahrsevents in Belgien plaudernd (an denen ich bisher noch nicht teilgenommen habe) über den Reschenpass und dann nach der Abfahrt hinunter nach Glurns weiter bis Prat.

3 x SPOOCHA bei Glurns (Foto: Sportograf)

3 x SPOOCHA bei Glurns (Foto: Sportograf)

Im Anstieg zum Stilfser Joch blieb Andy bei Giulietta, wir wünschten uns einen schönen Tag und ich zog an. Ich wollte mich am Stilfser Joch zwar nicht komplett verausgaben, aber ich wollte schon zügig und mit neuer Bestleistung da hoch fahren. Das war wie gesagt meine dritte Auffahrt. Die erste, 2011, wie im dortigen Dreiländergiro-Bericht geschildert. Locker, haushaltend, Alpenunerfahren, wenig allgemeine Trainingserfahrung mit dem Rennrad und mit meinem damaligen Cube Streamer Alu-Rennrad. Im letzen Oktober zum zweiten Mal. Im Rahmen eines Dolomitenurlaubs. Mit meinem Wilier Triestina und solo. Oben am Joch fuhr ich da in Wolken und kalten Niesel ein. Und jetzt nochmals beim Dreiländergiro (semi-abgesperrte Strecke) mit meinem Canyon Ultimate CF SLX bei besten Bedingungen.

Stilfser Joch. Noch 20 Kehren (die man hinter mir zur Rechten sehen kann) bis zur Passhöhe. Laune und Leistung bestens. :) (Foto: Sportograf)

Stilfser Joch. Noch 19 Kehren (die man hinter mir zur Rechten sehen kann) bis zur Passhöhe. Laune und Leistung bestens. :) (Foto: Sportograf)

Es ist schon nett, wenn man quasi die ganze Zeit nur andere Teilnehmer überholen kann. Und nur ganz wenige Male selbst überholt wird. Was aber einfach nur heisst, dass die ganz schnellen Jungs und Mädels einfach schon längst vor einem selbst sind. ;-)

2 h 03 Minuten und 21 Sekunden benötigte ich für das Stelvio-Segment auf Strava. Damit habe ich mich zu 2011 um knappe 50 Minuten (2 h 53 Minuten und 4 Sekunden) verbessert. Ich habe allerdings beide Verpflegungsstationen, sowohl die bei Trafoi als auch die an Kehre 1, einfach links liegen gelassen. Da war zu viel los und ich hatte eh 2 Riegel und 1 Gel dabei. 1 Riegel und 1 Gel habe ich auch im Anstieg verzehrt. Das war genug bis zur nächsten Labe unten in St. Maria nach der Abfahrt vom Umbrail. 2 Stunden und 3 Minuten. Eiei – hätte ich das vorher gewusst… Jetzt ist ja klar, was als nächstes dran ist. Ich muss nochmal hin und die zwei Stunden unterbieten… ;-)

Kurz unterhalb der Passhöhe, direkt vor Kehre 1 (Foto: Sportograf)

Kurz unterhalb der Passhöhe, direkt vor Kehre 1 (Foto: Sportograf)

Insgesamt habe ich eine Zeit von 7 h und 31 Minuten (7 h 00 netto) benötigt. Im Vergleich zu meiner ersten Teilnahme (09 h 48 Minuten gesamt) habe ich mich also um 2 h und 17 Minuten verbessert. Nicht schlecht. ^^

Dennoch habe ich mir die Zeit für einige Fotos genommen. Wenn auch nur jeweils auf den Passhöhen von Stilfser Joch und Ofenpass.

Passschild Stelvio samt Canyon Ultimate CF SLX - so viel Zeit muss sein.

Passschild Stelvio samt Canyon Ultimate CF SLX – so viel Zeit muss sein.

Angenehmes Wetter, aber noch sehr kalt oben am Joch.

Angenehmes Wetter, aber noch sehr kalt oben am Joch.

Oben am Joch treffe ich auch Eva und ihren Freund, unten bei der Labe in St. Maria kommen kurz hinter mir Lee und zweimal Ralf an. Alle drei lasse ich vor mir ziehen, hole Ralf aber kurz vor der Passhöhe des Ofenpasses wieder ein. Lee und Ralf Nr. 2 muss ich an der Passhöhe verpasst haben. Ich glaube, sie haben dort gemeinsam eine Cola genommen, während ich mit fotografiert werden und andere Fotografieren beschäftigt war. :)

Typisches Rennradfahrer-Passfoto. Muss auch mal im Rennen sein. ;-) Man beachte die durch den heftigen Gegenwind aufgeplusterte Windjacke.

Typisches Rennradfahrer-Passfoto. Muss auch mal im Rennen sein. ;-) Man beachte die durch den heftigen Gegenwind aufgeplusterte Windjacke.

A pro pos Wind. Der war dieses Mal wirklich sehr spürbar. Den ganzen Anstieg (und auch die Abfahrt) zum Ofenpass herrschte starker Gegenwind. Meine Herren. Bergauf reichte nicht. Da musste noch Gegenwind hinzu. ;-)

Sagte ich schon, dass das Stilfser Joch das Highlight des Dreiländergiro ist? Die Abfahrt vom Umbrail ist auch toll.

In der Abfahrt vom Umbrail-Pass (Foto: Sportograf)

In der Abfahrt vom Umbrail-Pass (Foto: Sportograf)

Aber der Ofenpass… Ja, ein Pass halt. Mit seinen eher langen gerade Abschnitten (und vor allem dem Gegenwind) zieht er sich aber schon. Landschaftlich vermag er dass im Anstieg nicht so ganz wett zu machen. Aber das ist Klagen auf hohem Niveau. Schönes Wetter und Alpen drum herum – das ist doch schon mal die halbe Miete. :)

Der Ofenpass hat auch zwei „Gipfel“. Nachdem man erst mal ein gutes Stück abgefahren ist, geht beim Abzweig zum Lago di Livigno eine zweite Gegensteigung los, die nochmals rund 170 Höhenmeter, allerdings bei moderaten durchschnittlichen 3 Prozent in den Weg stellt. Nicht viel, aber spürbar. Ich erfreue mich noch gleichermaßen guten Drucks auf die Pedale und lege diesen Abschnitt zügig zurück. Kurz vor dem Passhöhepunkt, buchstäblich 50 meter, überholt mich aber noch ein Linienbus! Gnaaaaa…

Der bietet zwar perfekten Windschatten, ist aber auf der nun folgenden Abfahrt nicht mal auf der Geraden schnell genug für mich. Aber Safety first! Während die Strecke bis zum Stilfser Joch durch die Organisation und Carabinieri zwar nicht vollständig abgesperrt, der Verkehr jedoch stark reguliert und entsprechend auch angehalten wird, gibt es in der Schweiz nichts dergleichen. Ich lasse also erst mal diverse Autos und Motorräder überholen, bevor ich viele Kurven später an einer gut einsehbaren Geraden Stoff gebe und den Bus überholen kann.

Jetzt geht’s schneller vorwärts. Bis zur nächsten Baustelle. Kurz muss ich anhalten, dann werde ich und einge andere Teilnehmer, die aufgefahren waren, als erste vor dem motorisierten Verkehr vom Streckenposten durch gewunken.

Kurz vor Zernez gibt es noch eine Baustelle. Holla, da galt es echt, wachsam zu sein. Was da an groben Schotter und Schläglöchern unvermittelt an den Asphalt anschloss, erforderte umsichtiges Reagieren und Fahrkunst. Ähnliches wiederholte sich zwei-, dreimal auf der Strecke durch das Engadin. Die Schweizer waren fleißig am bauen. Leider kümmerte es sie anscheinend nicht im geringsten, dass da im „fernen“ Österreich ein Organisator etwas über 2200 Radler an den Ort lockte… Wie anders ist das doch bei der Maratona dles Dolomites, wo die ganze Region ein Jahr auf das Ereignis hinarbeitet und augenscheinlich alles, bis hin zu den Straßenbaustellen, genau auf die Maratona ausgerichtet ist…

In Zernez gab es nochmal eine Labe, an der ich mir ein paar Schokokuchenstücke und eine halbe Banane gönne. Lange halte ich mich nicht auf. Warte auch nicht extra auf eine große Gruppe, um jetzt durch das für seinen Gegenwind berüchtigte Engadin zu rollen. Zwei Radler sind vorraus – die müssen erst mal reichen. Wie gut das mit dem Abwechseln bei der Führung klappt und wie es mit ihrem Speed bestellt ist, wird sich zeigen.

Schnell schließe ich auf. Langsam sind die beiden nicht, aber auch nicht so richtig schnell. Also erst mal schauen und ein wenig mit den Kräften haushalten. Zweimal wechseln wir uns mit der Führung ab, dann fahren weitere zwei auf uns auf. Die Gruppe wird nun etwas zügiger, bis an einer kurzen Steigung der Führende übermütig wird und zu stark reinhält. Ich find’s gut, der Rest der Gruppe nicht. Auch ihn verlässt kurz drauf sein Dampf und so ziehe ich alleine durch, um weiter vorne zu sehen, auf was ich auffahren kann. Da kommt von hinten einer mit mächtig Dampf. Ich springe auf und gehe schon im Windschatten bis in den EB. Aber das macht Laune und wir wechseln uns gegenseitig ab. Also immer Zone 3, Zone 4. So überholen wir zwei Grüppchen bis wir langsam auf eine 5er Gruppe aufholen, auf die ich mein Auge geworfen hatte. Deren Speed passt und ich muss auch etwas rausnehmen. Das deute ich mit Handzeichen an und wir sortieren uns erstmal hinten rein.

Etwas später kommt noch eine weitere schnelle 3er Gruppe von hinten auf und plötzlich finde ich mich mit diesen Dreien und dem schnellen Teilnehmer von vorhin in der Zuggruppe dieser Reihe. Zu fünft wechseln wir uns regelmäßig ab und zerren ganz ordentlich am Gruppenschwanz. Mal eben, mal in sanften und mal im steileren Gefälle geht es so durch das Engadin bis zur letzten Labe in Martina zu Fuße der Norbertshöhe. Eigentlich muss ich solche „ebenen“ Streckenabschnitte ja nicht so haben. Dieses Mal hat es aber Laune gemacht. Ich hatte auch die ganze Zeit eher das Race Face an und anstelle auf die Landschaft habe ich auf den Reifen des Vordermanns geschaut oder beim Führen auf Watt, Tempo und Straßenhindernisse. Hat auf seine Weise Laune gemacht.

Dafür gab’s in Martina erstmal zwei Becher Cola, zwei halbe Bananen und das obligatorische kurze Treffen mit John, der ankam, als ich gerade losfahren wollte.

Ich hätte besser 3 halbe Bananen genommen. Oder die Cola hat nicht ganz bis zur Norbertshöhe gereicht… ;-)

Die bin ich zwar auch noch sehr gut hochgekommen, aber bei den letzten 5 Kehren war der Tank dann doch nicht mehr ganz so voll. Andererseits: das deutet ja auf nahezu perfekte Ernährungsstrategie hin. :)

Wenn ich mir das Sportograf-Foto anschaue, scheint man mir das leicht „ins Reserve gehen“ aber gar nicht an zu sehen. Ganz im Gegenteil – ich scheine da wohl gerade vom After-Finish-Beer zu träumen… ;-)

Auf der Norbertshöhe. Jetzt folgt nur noch eine kurze Abfahrt ins Ziel in Nauders. Achtung: Fahrer träumt von kühlen, sprudelnden Hopfengetränken... ;-)

Auf der Norbertshöhe. Jetzt folgt nur noch eine kurze Abfahrt ins Ziel in Nauders. Achtung: Fahrer träumt von kühlen, sprudelnden Hopfengetränken… ;-) (Foto: Sportograf)

Distanz: 165,76 km, Höhenmeter: 3425 m, Zeit: 7 h 31 m, Durchschnittsgeschwindigkeit: 22,1 km/h, Durchschnittsgeschw. in Bewegung: 23,6 km/h, Durchschnitts-HF: 140

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4 Gedanken zu “Wiederholungstäter: Dreiländergiro reloaded – 2014 SPOOCHA Edition

  1. Klingt ja nach nem sehr schönen Event. Klasse. Und du hast dich ja irre verbessert zu 2011. Auch dazu Glückwunsch. Da war ein deutlicher Sprung. Cool. Sag mal, was hast du den für einen Startplatz mit dem Team ausgeben müssen?

    1. Jo, war’s auch. Danke. :)

      Da gab es jetzt keine Extra-Konditionen. Wir haben uns alle individuell angemeldet für den normalen Preis. 65 Euro glaube ich. Wenn man sich früh genug anmeldet, ist das straightforward. Anmelden, überweisen, Startplatz sicher. Nix mit Anzahlen, um in eine Lostrommel zu kommen und danach dann erst richtig blechen…

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