Getestet: Cervo Rosso National Pride Jersey 2.0 Swiss und Corsa Mk 3 Bibshorts

Produkttests, Rad fahren
Cervo Rosso National Pride Jersey 2.0 Swiss

Cervo Rosso National Pride Jersey 2.0 Swiss

Cervo Rosso. Rotwild auf Deutsch. Das zeigt die junge (gerade 3 Jahre alte) schweizer Radbekleidungsmarke auch prägnant in ihrem Symbol, einem symbolisierten Hirschkopf in rotem, umgekehrt tropfenförmigen Feld.

Schweizer Marke? Cervo rosso bezeichnet sich selbst als „swiss-based“ – lässt aber viel in Italien produzieren. Das scheint schweizer Gründlichkeit und Qualität mit italienischem Bekleidungs-Know-How zu verbinden und bietet die Gelegenheit, anstelle ostasiatischer Arbeitsbedingungen von zweifelhaften Ruf stattdessen europäische Fertigung zu unterstützen.

Ich hatte ganz zu Cervo Rossos Anfang mal einen kurzen Post zu ihnen geschrieben. Und ich hatte Gelegenheit, eine mir zur Verfügung gestellte Winterhose zu testen, die meinen Anklang gefunden hat.

Was mir bisher immer ein wenig seltsam erschien, war das sehr überschaubare Angebot auf der Webseite von cervo rosso. Die Anzahl verschiedener Bekleidungsteile mag dem jungen Markenalter von cervo rosso geschuldet sein. Sie sind halt noch kein Vollsortimenter, der einen Rennradfahrer mit all seinen Bekleidungsbedürfnissen vom Funktionsunterhemd bis zur Regenjacke in unterschiedlichsten Abstufungen komplett befriedigen kann. Das ist kein Problem. Und es ändert sich auch zunehmend mit immer weiteren Produkten im Sortiment.

Aber auch die Anzahl der verfügbaren Stücke ihres Angebots war bisher meist sehr begrenzt oder bei Null. Die Hose (die Corsa SR01 Thermal Thights), die ich z.B. sehr gut fand, fand sich schon seit längerem überhaupt gar nicht mehr im Sortiment. Just heute, zur Vorbereitung dieses Beitrages, habe ich sie wieder im Sortiment entdecken können.

Nun ja. Im Style-Department ist Cervo Rosso schon mal nicht schlecht aufgestellt, finde ich. Da ich Anfang des Jahres auf der Suche nach einer neuen kurzen Hose war, dachte ich, ich kaufe mir mal ein schönes Set von Cervo Rosso. Die Hose sprach mich vom Design sehr an. Ich mag die Cervo Rosso Typo mit ihren klaren, an Normschrift angelehnten Formen und auch der Look mit den roten Beinabschlüssen gefiel mir. Das passende Trikot bestellte ich gleich dazu.

Alpengetestet: Mit cervo rosso Trikot und Radhose im Kaunertal

Alpengetestet: Mit cervo rosso Trikot und Radhose im Kaunertal

Schon kurz nach der Bestellung war ich also in Besitz des National Pride Jersey 2.0 Swiss und der Corsa Mk 3 Bibshorts.

Lieferung und Verpackung:
1a. In einem Plastikbeutel befand sich eine schöne rote Musette mit cervo rosso Design und in ihr das Trikot und die Bibshorts in ihren Folienhüllen. Dazu lag noch ein Testpaket mit zwei Gelbeuteln des Ausstatters von IAM Cycling, ein Schlüsselanhänger und eine cervo rosso Neopren-Hülle, die man vielleicht als Börse oder Hülle für ein kleines Handy hernehmen kann.

Kurzarm-Trikot National Pride Jersey 2.0 Swiss:
Das allgemeine Design gefällt mir sehr gut. Den Trend zu immer längeren Ärmeln mag mancher gut finden – ich weniger. Mir sind die Ärmel zu lang. Sie reichen bis fast ganz genau an das Ellenbogengelenk. Die Passform des Trikots in Größe M ist für mich aber sehr gut.

Cervo Rosso styled (Trikot, Hose, Socken) im Deilbachtal

Cervo Rosso styled (Trikot, Hose, Socken) im Deilbachtal

Der Kragen ist sehr hochgezogen, dabei aber nicht zu eng. Er engt auch bei längerem Fahren nicht ein. Dennoch: zu Anfang empfand ich ihn durchaus als einen Hauch zu einengend. Das mag sich jetzt wiedersprüchlich anhören. Aber es gibt da einen feinen Unterschied zwischen einem hohen, den Hals gut abschließenden Kragen, der perfekt ist, der sich einfach schließen und öffnen lässt und trotzdem schmeichelt. Der Kragen des Castelli Gabba Convertible Jacket ist dies für mich. Der Kragen des cervo rosso engt zwar nicht ein, aber man merkt anfangs schon, wenn man den Reissverschluss bis ganz oben zieht. Er könnte für mich also einen Hauch weiter oder vielleicht auch nachgiebiger sein.

Die Arme sind wie gesagt sehr lang. Ihr Abschluss wird durch einen etwa 4 cm breiten Bereich gebildet, der innen flächig gummiert wirkt. Das sorgt für Grip am Arm. Dieser ist jetzt nicht unangenehm, aber optimal finde ich das nicht. Es gibt andere Trikots, die ebenfalls eng am Arm anliegen, auch richtiggehend Aero sind, aber ohne eine solche Gripfläche auskommen. Und dabei auch nicht am Arm wandern. So finde ich z.B. das Bioracer Prof. Jersey Bodyfit in der Hinsicht optimal. Beim cervo rosso Jersey muss man den Ärmel dahingegen beim Anziehen erst mal über die Unterarme „ruckeln“ und dann den Ärmel vielleicht sogar noch in der Drehung etwas anpassen, damit der restliche Ärmelbereich auch „gerade“ und ohne Extrafalten liegt. Ich denke es wird deutlich, dass ich das nicht optimal finde und eine Anpassung deutlich empfehle.

Ein weiterer Minuspunkt, den ich gerade gestern festgestellt habe: Die Beladefähigkeit der Rückentaschen ist leider eher beschränkt. Zwar braucht man nicht jeden Tag die volle Ladung, aber ein Tag in den Alpen (und cervo rosso kommt ja aus der Schweiz, sollte es also wissen) braucht doch schon so einiges an Stauraum: Armlinge, evtl. Beinlinge, leichte Windjacke, Handy, Pocketkamera (ja, unbedingt – never on the saddle without it!), Luftpumpe, Minitool, Flicken (Briefmarkengroß und 3 mm dick), mindestens 4 Riegel o.ä.

Cervo Rosso Bekleidung und Canyon Ultimate CF SLX

Cervo Rosso Bekleidung und Canyon Ultimate CF SLX

Gestern hatte ich alles das dabei. Allerdings ohne Beinlinge und dafür noch ein winziges Gorillapod Kamerastativ. Ich habe es mit Ach und Krach in die Rückentaschen hineinbekommen. In andere Trikots, deren Taschen unbeladen auch nicht der Linie schaden oder schlabbern, geht da doch mehr hinein.

Positiv auf der Taschenseite möchte ich die zusätzliche Reisverschlusstasche auf der mittleren Rückentasche erwähnen.

Der Stoff ist angenehm, aber recht dünn. Während also die langen Arme (bis zum Ellenbogen) und der hohe Halsabschluss auf ein Trikot für die Übergangszeit hindeuten könnten, erscheint mir das Trikot insgesamt eher für sommerliche Temperaturen gemacht. D.h. Arme, Halsabschluss und auch eher auf der knapp geschnittenen Seite befindliche Taschen sind daher eher dem Aero-Effekt als anderen Gründen geschuldet. Da macht das Trikot auf jeden Fall eine gute Figur. Mit seinem Styling ebenso.

Insgesamt kann ich für mich aber nur 3,5 von 5 Sternen vergeben. Ich würde es in dieser Form nicht noch einmal kaufen, obwohl es mir vom Look gefällt.

Corsa Mk 3 Bibshorts:
Zunächst einmal zur Größe. Generell muss ich bei anderen Marken immer Größe M bei Trikots und Größe L bei Hosen bestellen, egal ob Castelli, Assos, Mavic, Champions Systems, Biemme etc. Hier habe ich es gewagt, der Größentabelle von cervo rosso zu vertrauen und habe Größe M bestellt. Und Bingo: Sie passt!

Die Passform finde ich gut. Sie ist auf der engen, raceorientierten und muskelunterstützenden Seite. Die Träger (die Bibs) sind so, wie sie sein müssen. Nicht einengend, im Stehen straff, in der Bikeposition ideal.

Im Deilbachtal

Im Deilbachtal

Gut finde ich die Beinlänge. Endlich mal nicht zu lange Beine, sondern etwas mehr „Luft“ zwischen Knie und Beinbund als sonst so (Generell finde ich ja, Radhosen-Hersteller sollten ihre kurzen Hosen mit zwei unterschiedlichen Beinlängen anbieten).

Der Beinbund ist aus dehnfähigem, etwas dickeren Stoff mit cervo rosso Stickerei und innenliegenden Silikonpunkten, die effektiv das Rutschen verhindern. Ich finde Passform und Komfort gut.

Das Polster… Hmm, Hmm. Ich finde, es ist ok – ist aber nicht das Beste, das ich kenne. Es ist jetzt weder besonders komfortabel, noch besonders unkomfortabel. Aber ab und an spürt man es. Und das habe ich sonst so bei keiner Hose – die auch ganz unterschiedlich in ihrer Polsterung sind. Hier verorte ich also Verbesserungspotenzial. Wenn ich momentan auch nicht spezifizieren könnte, in welcher Art.

Sehr interessant finde ich die Wechselwirkung zwischen Hosenstoff und Hosenpolster mit der Art des Sattels. Bis vor kurzem fuhr ich sowohl auf meinem Wilier Triestina als auch auf dem Canyon Selle Italia Sättel. Auf diesem würde ich die Hose nicht länger fahren wollen. Die Hose ist viel zu glatt! Was vielleicht die Beinbewegung durch keinerlei Reiben an Sattelflanken optimal gestalten soll führt so nur dazu, dass man ständig auf dem Sattel hin und her rutscht.

Kennt ihr die Übertragungen von Einzelzeitfahren, z.B. beim Giro d’Italia oder Tour de France? Sicher ist euch aufgefallen, dass da viele Fahrer ständig auf dem Sattel nach vorn rutschen und alle paar Pedalumdrehungen sich wieder nach hinten rücken müssen. Dass das nicht optimal sein kann und auch einfach nur nervt, kann leicht eingesehen werden. Nicht wenige Profis gehen daher soweit und fahren extra aufgeraute Sättel oder haben sogar Textilstreifen aufgeklebt (was wiederum nicht regelkonform war, da es nicht zur Standardausstattung der Sättel gehörte, wenn ich das richtig sehe).

Sei es drum – mich störte es. Aber: Vor kurzem habe ich einen fi’zi:k Testsattel montiert. Und, für mich selbst erstaunenswert: obwohl sich die Satteloberfläche nur minimal weniger glatt als die meiner beiden Selle Italia anfühlt, ist der Effekt mit der Corsa Mk3 deutlich. Damit rutsche ich gar nicht mehr.

Also: zu glatt für Selle Italia Sättel, ok für fi’zi:k Sättel, scheint das Ergebnis. Auch beim Polster: während ich es auf meinen lange gewöhnten Selle Italia Sättel als im Vergleich meiner anderen Hosen als am wenigsten für lange Fahrten bewerte, ist es auf dem fi’zi:k Arione ok. Anscheinend egalisiert dieser Sattel einige Polsterunterschiede. Auf ihm bin ich mit der Corsa Mk3 schon zweimal über 160 km am Stück unterwegs gewesen. Ohne Probleme.

Insgesamt (wegen Polster und unnötiger Glattheit) meine Note aber auch nur 3,5 von 5.

Mit anderen Präferenzen mag sich diese Wertung für euch leicht verschieben – generell finde ich, dass cervo rosso sehr auf die Erfahrungen seiner Nutzer hört und jeweils in die nächsten Produktgenerationen einfließen lässt. Ich bin gespannt, wie es mit weiteren Produkten bei Cervo Rosso weitergeht und wünsche der Marke viel Erfolg.

2 Gedanken zu “Getestet: Cervo Rosso National Pride Jersey 2.0 Swiss und Corsa Mk 3 Bibshorts

  1. Interessant, vor allen Dingen weil ich mir zuletzt ebenfalls ein Trikot und ne Bib von denen geholt habe… „Mit anderen Präferenzen mag sich diese Wertung für euch leicht verschieben“ exakt das ist es nämlich genau! Und schön, dass es auch so gesagt wird. Mit den kleineren Taschen am Trikot kann ich sehr gut leben. Bezüglich des Trikots fällt mir ansonsten der Vergleich schwer, habe ich ein anderes geordert.
    Die Hose fahre ich mit einem fizik, vielleicht bin ich deswegen von Anfang an auch ein wenig begeisteter gewesen. Wichtig vielleicht auch, womit man Sie vergleichen mag. Trug ich zuletzt eine einfache Mavic oder einfache Craft, so ist das schon ein echter Schritt und die Cervo deutlich angenehmer auf langen Strecken und ich nutze ab 100km keine andere Hose mehr.
    Schöner Test!

  2. …der beschreibung nach scheint unser radlladen beim selben produzenten seinen trikot schneidern lassen. Wobei die cervo textilien noch ein paar euro höher liegen ;-) …gruß uli

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