Rad am Ring 2013

RaR 2013: Rad am Ring? Regen am Ring!

Rad fahren

Das war Rad am Ring 2013. Zum Vergessen. Aber Unvergesslich.

Rad am Ring 2013

Rad am Ring 2013

Episch, HTFU (Harden the Fuck up) – die Lieblingsattribute der Rennradfahrer – mit ihnen sollte man sparsam umgehen. Und je mehr man sich entsprechenden Unbillen wie Regen, Kälte und anderem aussetzt, weil man einfach fahren will, um so mehr schiebt man natürlich die Grenze der Normalität hinaus. Und umso weniger episch ist es dann, z.B. im Regen zu fahren.

Aber auch im Team, mit guter Unterstützung und einer toll ausgestatteten Parzelle als Homebase bestens versorgt, ist HTFU nicht die verkehrte Bezeichnung für das Wochenende.

Ein Wochenende, dass sich in der Wettervorhersage schon als eher feuchtes Vergnügen ankündigte, welches aber zumindest pünktlich zum Start mit ein paar blauen Flecken am Himmel und Trocken begann.

Die Startfahrer im Aufbruch zur Startaufstellung.

Die Startfahrer im Aufbruch zur Startaufstellung.

Zwei Stunden vorher kam ich am Ring an. Diesmal hielt ich mit dem Wagen an der Einfahrt des historischen Fahrerlagers an, um mit einmal gehen und einmal fahren (per Rad), meine Klamotten auf vergleichsweise kurzem Wege zu unserer Parzelle zu bringen. Das Team Wittgenstein residierte wie üblich auf den Parzellen K23-27. Große Teile unserer Gruppe waren schon gestern samt LKW angereist und hatten das Camp aufgebaut. Ihnen und der dahinterstehenden Orga kann man gar nicht genug danken. Ohne diesen gemeinsamen Einsatz wäre ein jeweils so gelungenes Rad am Ring für das Team nicht denkbar.

Wisent Paulchen - unser Team-Maskottchen. Vorne mit dabei. ;-)

Wisent Paulchen – unser Team-Maskottchen. Vorne mit dabei. ;-)

Beim Aufbau und dem anschließenden Grillen haben manche wohl eine ganz spezielle Taktik der Nahrungssupplementation ausprobiert. Jedenfalls fand ich folgende „Medizin“ bei meiner Ankunft auf einem Tisch im Küchenzelt vor:

Ob das Bestandteil des Carboloadings war...?

Ob das Bestandteil des Carboloadings war…?

Ich konnte ja jetzt schon zum zweiten Mal teilnehmen (hier mein Bericht zu meiner ersten Teilnahme 2012) und muss sagen, dass mir – auch wenn wir uns über das Jahr hinweg sehr selten sehen – meine Teamkollegen mit ihrem jeweils ganz speziellen Charme ans Herz gewachsen sind. Hatte ich auch im Vorfeld schon überlegt, dass andere Events, die Zeitgleich im Jahr zur Rad am Ring Zeit statt finden, auch ganz nett wären – etwa ein Alpen-Mehrtages-Event wie die Tour-Challenge – so steht für mich auch trotz des kompletten ins Wasser fallens dieses Rad am Rings fest, dass ich 2014 wohl wieder dabei sein werde.

Auch dieses Mal waren wir wieder bestens ausgestattet. Unser Camp bestand u.a. aus zwei großen Schlafzelten und einem großen Küchenzelt. Das war auch nötig, denn auch in diesem Jahr wurde wieder ein neuer Teilnehmer-Rekord geknackt: wir waren mit 29 Personen am Start. Darunter waren

1 Starter Jedermann 25 km
5 Starter Jedermann 75 km
8 Starter Jedermann 150 km

1 4er Rennradteam 24 h (mit mir)
2 Solofahrer Rennrad 24 h

1 4er MTB Team 24 h
2 2er MTB-Teams 24 h
1 Solofahrer MTB 24 h

Im Küchenzelt hatten wir nicht nur so wesentliche Utensilien wie 2 Kühlschränke, Elektrokochplatten, 1 Elekro- und 1 Gasgrill und eine Kaffeemaschine, sondern auch einen kompletten LTE-Router samt Notebook. Schließlich musste ja sowohl das Leaderboard der Ergebnislisten verfolgt, als auch der Liveticker für die Team-Website www.erndtebrück-am-ring.de geschrieben werden. Hier konnte jeder rund um die Uhr hineinschreiben, was er gerade mochte. Viele Einträge stammen auch von Carsten, der sich der Wiedergabe der Zeiten verschrieben hatte, und mir. Ich war teilweise sowohl erst Twitter, dann WhatsApp und dann den Liveticker am befüllen. Zu berichten gab es nicht wenig – das Rennen war sehr ereignisreich. Für mich selbst, für das Team und für alle Teilnehmer am Ring.

Drei Wisente in freudiger Start-Erwartung.

Drei Wisente in freudiger Start-Erwartung.

Los ging es bei mir freundlich überrascht: Ich war mit meiner ersten Tasche gerade durch den Tunnel vom historischen Fahrerlager gekommen und noch nicht ganz bei unserer Parzelle, da spricht mich jemand mit einem schönen Wilier Izoard an. Wie sich herausstellt, ist es Marc, der @mb2day auf twitter, der hier samt Freundin vor mir steht und mich direkt erkannt hat. Er ist heuer Ersttäter am Ring und möchte die 150 km Jedermann-Strecke unter die Räder nehmen. Schön, dass wir uns kennengelernt haben, Marc.

Nach unserem kurzen Gespräch gehe ich zur Parzelle, begrüße meine Teamkollegen und lerne den nächsten Marc kennen. Marc ist dieses Jahr neu im Team und bildet mit Carsten, Ralf und mir unser 4er Rennradteam. Wir sprechen uns kurz ab, wer Startfahrer sein soll; Marc soll die Ehre des Startfahrers (und die Freude des Extraadrenalinstoßes der Startrunde im vollen Feld mit allen 24h- und Jedermann-Strecken-Startern) zu Teil werden (ich hatte das Vergnügen im letzten Jahr :)).

Am Start sollten alle die Flaschen in die Höhe halten. Wisent-Such-Bild.

Am Start sollten alle die Flaschen in die Höhe halten. Wisent-Such-Bild.

Flugs noch mein Rad geholt, mein Auto auf dem A-Parkplatz direkt vis-a-vis des Dorint geparkt (was lacostet die Welt – Geld spielt keine Rolex ;-)) und wieder zum Camp. Noch weitere Leute begrüßt, eine Schlafstatt ausgewählt und die erste Flasche aus dem Hause Bosch geöffnet. Fump! Aber keine Sorge – es war alkoholfreie Faßbrause. Kann man sogar trinken. Sind hoffentlich ein paar vereinsamte Mineralien drin… ;-) Die Spannung steigt und langsam könnte es jetzt auch losgehen. Die Startaufstellung rückt näher.

Ute und Metty

Ute und @mb2day

Wir gehen alle zusammen zum Start, die Jedermänner und Startfahrer sortieren sich in die jeweiligen Blocks ein und ich laufe an der Seite an der Startaufstellung entlang und mache ein paar Fotos von unseren Leuten und später vom Start. Jetzt und in der Folge bin ich zusätzlich immer per Twitter am checken, was die anwesenden Twitterkollegen so treiben und auch per WhatsApp wird der Kontakt zu den Radkumpels daheim und auch Kollegen an der Strecke gehalten.

Markus

Markus

Bastian und Tim beim Start.

Bastian und Tim beim Start.

Unser Teamcheffe... Start zum 24h Solo.

Unser Teamcheffe… Start zum 24h Solo.

Udo und Thomas

Udo und Thomas

So bleibt kaum Zeit, endlich meinen ersten Kaffee am Ring zu genießen, noch etwas Kohlehydrate in Form von leckerem Kuchen zu bunkern und Radschuhe und Helm anzuziehen, bevor ich zum Wechselpunkt muss. Denn ich bin nach Marc der zweite Starter unseres 4er Teams.

Mit Carsten gehe ich locker quatschend zum Wechselpunkt. Auch dieses Jahr ist wieder klar: wir sind gemäß unserer Teamzusammenstellung und individuellen Fähigkeiten ein lockeres Spaß- und Erlebnisteam. Das Erlebnis 24h Nordschleife steht im Vordergrund – verbissene Zeitenjagd und Optimierung von Sekunden wäre bei uns vergebene Liebesmüh‘. So befestigen wir auch in diesem Jahr den Transponder wie vorgesehen mit dem Klettbändchen am Knöchel; nutzen nicht den Flaschentrick. Carsten und Ralf werden, teils trotz Handicaps und wenigen bis fast gar keinen Jahreskilometern, respektable Zeiten abliefern. Ich habe mir wieder wie letztes Jahr vorgenommen, voll Stoff zu fahren und zu schauen, was geht. :)

Meine erste Runde, Foto: Sportograf

Meine erste Runde, Foto: Sportograf

Von daher bin ich sehr auf Marcs Zeiten gespannt. Seine sportliche Vorgeschichte und seine Lightweight-Laufräder deuten auf fixe Beine hin. Und tatsächlich, nach knapp über 50 Minuten kommt er an. Klasse! 50:10 ist die offizielle Zeitnahme von Start zu Start, da kommt dann aber noch die Teilstrecke durch das Fahrerlager hinzu. Ich muss ihn mal fragen, was sein Radcomputer für den gesamten 1. Stint aufgezeichnet hat.

Er zeigt aber auf seine Bremsgriffe. Dreck dran – oha. Er wurde in einer Kurve etwas abgedrängt oder behindert und musste über’s Gras. Ihm und dem Rad ist aber nichts passiert, daher gehe ich unbelastet in meine erste Runde und die zweite Runde unseres Teams.

Meine erste Runde, Foto: Sportograf

Meine erste Runde, Foto: Sportograf

Und, was soll ich sagen? Yeah, die Eifel hatte mich wieder. Der Ring hat sofort gerufen: „Tritt rein, lass es krachen, Schuuuuub!“. Getreu dem Motto: Mal gucken was geht legte ich alles in die erste Runde und erreichte nach selbstgestoppten 26,0 km, 563 Höhenmetern und 48 Minuten 21 Sekunden wieder den Wechselpunkt. Die Runden der 24 h Fahrer führen jedesmal durch das Fahrerlager und sind daher einen Kilometer länger als die Nordschleifen- und GP-Runden der Jedermann-Rennen. Übrigens hatte ich auch den Eindruck, dass der Streckenbereich im Fahrerlager und zur Einmündung auf die Nordschleife leicht hakeliger abgesteckt ist als im letzten Jahr. Also nicht länger, nicht generell anders, sondern nur in Details ein paar schlecht bzw. zu Zusatzecken führend gesetzte Absperrgitter und einen etwas engeren Zwickel bei der Einmündung zur Nordschleife hin.

Ab hier geht's mächtig bergauf - bis zur hohen Acht. Meine erste Runde, Foto: Sportograf

Ab hier geht’s mächtig bergauf – bis zur hohen Acht. Meine erste Runde, Foto: Sportograf

Mit den 48:21 bin ich spitzenmäßig zufrieden. Meine schnellste volle Runde 2012 dauerte 51:01 Minuten. Auch auf der Steigungsstrecke zur Hohen Acht setzte ich eine neue Bestleistung von 13:54 Minuten und einem Schnitt von 17,7 km/h über dieses Segment. Die schnellste Zeit im letzten Jahr war 14:29 und entsprach einem Schnitt von 16,9 km/h. In der Auffahrt fuhr ich unten noch auf Tim auf, der gerade in seiner zweiten Jedermann-Runde war und wechselte ein paar Worte mit ihm. Insgesamt habe ich sowohl in dieser als auch in meiner zweiten Runde dort nur überholt und wurde kein einziges Mal selbst überholt. In der dritten Runde waren es, wenn überhaupt, maximal zwei.

Fast geschafft. Vor der hohen Acht. Meine erste Runde, Foto: Sportograf.

Fast geschafft. Vor der hohen Acht. Meine erste Runde, Foto: Sportograf.

Nach der Runde musste ich erst mal etwas das Laktat aus den Beinen fahren und kurbelte durch’s Fahrerlager und schaute auch etwas über die Expo. Ich versuchte auch, zu einer der D-Parzellen durchzukommen – aber no Chance aus dem Fahrerlager-Infield. Die muss man über die GP-Strecke anfahren. Nun ja – das hatte ja noch etwas Zeit. Also endlich zurück zum Team-Camp und erst mal wieder Kaffee und Kuchen zu den Kilometern gesellt. ;-)

Windschatten gab's auch: Hinter mir! ;-)  Auf meiner ersten Runde, Foto: Sportograf.

Windschatten gab’s auch: Hinter mir! ;-) Auf meiner ersten Runde, Foto: Sportograf.

Mittlerweile zog es sich auch wieder zu. Das sollte es dann auch mit dem (nur leicht) blauen Himmel für das gesamte Wochenende gewesen sein. Um 16:26 Uhr fängt es dann auch zu regnen an.

Immer noch Windschatten. Auf der Start/Ziel-Geraden. Jetzt noch die GrandPrix-Strecke und durch das Fahrerlager und meine erste Runde ist 'rum. Foto: Sportograf.

Immer noch Windschatten. Auf der Start/Ziel-Geraden. Jetzt noch die GrandPrix-Strecke und durch das Fahrerlager und meine erste Runde ist ‚rum. Foto: Sportograf.

Jetzt hatte ich erstmals richtig lange Zeit. Nach mir übernahm Carsten, dann würde Ralf folgen und schließlich würde Marc zu seinem zweiten Stint aufbrechen. Zeit für Twitter, WhatsApp, unseren Liveticker, leckeren Nudelsalat und auch dem Verfolgen der Zeiten unserer Jedermänner. Dort wurden teilweise richtig tolle Zeiten geboten.

Im 75 km Rennen fuhr Tim mit 3:23:47 in seiner AK auf Platz 11, Bastian mit 2:41:11 sogar auf Platz 6 seiner AK. Giovanna erreichte mit 2:46:57 – Gesamt Platz 14, und in ihrer AK Platz 7.

Jochen, ebenfalls vom Start weg vom flüssigen Auf- und Ab der Nordschleife sirenenhaft zu Höchstleistungen verführt, legte auf der 150 km Strecke ebenfalls alles in seine erste Runde und erzielte eine sehr starke 47:11 er Runde für die ersten 25 km, die er jedoch im weiteren Verlauf büssen musste. Aber das war es ihm Wert – verständlich! :)

Ute fährt auch eine spitzenmäßige Zeit: auf der 150 km Strecke ist sie nach 5:49:24 im Ziel und erreicht so insgesamt Platz 15, in der Altersklasse sogar einen Podiumsplatz 3!

Wir haben aber auch schon die ersten Ausfälle zu verzeichnen. Markus, Runde um Runde mit Spitzenzeiten auf der 150 km Strecke, hört mit Knieproblemen vor der letzten Runde auf. Er hat auf dem Rad, besonders auf dem MTB, schon genug erreicht – ihm ist die Gesundheit lieber als noch eine weitere Runde zum finishen. Ralf B. wird auf der MTB-Strecke von einem anderen Teilnehmer abgedrängt und der folgende Baum kann ihm nicht mehr ausweichen. Da dieser auch härter als Ralfs Helm ist, muss er in Folge mit einer Gehirnerschütterung Udo alleine fahren lassen. Somit war sein 2er Team halbiert. Bastian, der sowieso schon im Vorfeld traurig war, dass er aufgrund seines Alters nicht bei den 24h-Fahrern mitmachen durfte, freute sich aber über die Gelegenheit und sprang nach seiner tollen 75km-Rennradleistung nur all zu gerne als MTB-Teampartner bei Udo ein.

In der Folge würde es noch Andreas als einem unserer 24h-Rennrad-Solisten schlecht ergehen (körperliche Probleme und Kopfschmerzen) und Thomas würde es, trotz wesentlich mehr Jahreskilometern, als 24h-MTB-Solisten ganz ähnlich ergehen.

So langsam wurde es dann an der Zeit für meinen zweiten Stint. Hmm, weiterhin Regen, gar nicht mal zu knapp. Was anziehen? Ich entscheide mich, dass es „Gabba“ Time und Zeit für einen „unfair advantage“ ist. Wie bei den Profis bei Mailand-San Remo. Runter mit dem Team-Trikot, her mit dem schwarzen Castelli-Gabba. Das ist wirklich ein geniales Teil. Hatte es seit vergangenen Samstag und auch dort direkt in heftigem Regen getestet.

Gabba-Time! Nordschleife im Regen. Meine zweite Runde, Foto: Sportograf

Gabba-Time! Nordschleife im Regen. Meine zweite Runde, Foto: Sportograf

Wieder zum Wechselpunkt, wieder auf Marc gewartet. Diesmal mit seiner Freundin Giovanna. Bald kommt er rein – aber, oh Schreck, wie sieht er aus!? Die ganze rechte Seite aufgeschürft, das Rad waidwund!

Marc ist auf regennasser Fahrbahn im Brünnchen von der Strecke abgekommen, ihm ist der Reifen bei gut 70 Sachen weggerutscht! Trotzdem hat er die Runde noch in respektabler Zeit beendet und übergibt mir den Transponder. Ich weiss ihn sicher von seiner Freundin begleitet – er muss jetzt erst mal ins Medical Center – und ich starte meinen 2. Stint. Gehe aber nicht nur die Kurven bei der Nässe verhaltener an, sondern brauche auch bis ganz zum Anfang der hohen Acht, um wieder halbwegs Motivation aufzubauen: es regnet, es ist trübe und wir sind definitiv nur noch zu dritt (es stand sofort fest, dass er nicht mehr fahren kann). D.h. auch, dass ich der einzige verbliebene Fahrer „mit Ambition“ (sorry Carsten und Ralf ;-)) war und dass es so bei dem Wetter extra schwierig mit weiterer Motivation in den Nachtstints würde. Carsten wird zudem nach seinem dritten Stint und damit seiner ersten Runde in der Dunkelheit sagen, dass er erst wieder fahren wird, wenn es hell wird. Seine Augen machen ihm in der Dunkelheit zu schaffen und er sieht kaum etwas. Naja – da hätte er in der Nacht ruhig weiter fahren können. ;-) Ich würde später auch kaum was sehen; dichter Nebel vereitelte jede Nachtsicht…

Zweite Runde. Regen. Vorsicht in den Kurven. Foto: Sportograf

Zweite Runde. Regen. Vorsicht in den Kurven. Foto: Sportograf

An Beginn zum Anstieg zur hohen Acht führend war mir das aber erst mal wieder egal und ich genoss auch das Regenprasseln, was sich jetzt ohne den Fahrtwind mit dem stärker werdenden Keuchen und dem Sirren der Ketten mischte.

Im Karusell. Auf geht's zur hohen Acht. Meine zweite Runde, Foto: Sportograf

Im Karusell. Auf geht’s zur hohen Acht. Meine zweite Runde, Foto: Sportograf

Wieder zurück im Camp: erst mal raus aus den nassen Klamotten. Schuhe aus, Socken aus, Socken ausgewrungen, Zeitung in die Schuhe gestopft, Trikot aus, Hemd aus… Boah, jetzt würden sich die nassen Klamotten sammeln…

Jetzt nur noch zu dritt, d.h. relativ bald war ich wieder zu meiner nächsten, der dritten Runde dran. Das war mein erster Turn im Dunklen. Also die Lupine Wilma an das Rad montiert. Tolle Lampe. Würde mir aber vergleichsweise wenig nützen. Zwar war es in der dritten Runde trocken – ok, was anziehen – hmm, ok, die Softshell… ;-) – aber dafür in den ersten 8 Kilometern so neblig, dass man kaum die Streckenbegrenzung sah und so mit deutlich reduzierter Geschwindigkeit nahezu einen Blindflug machte. Mehr Licht half auch nicht, machte nur die Nebelwand heller…

Nach diesen 8 km waren die Bedingungen angenehm. Aber man merkte, dass jetzt schon (es war noch nicht mal 00:00 Uhr) deutlich weniger auf der Strecke los war. Der Regen und insgesamt die Bedingungen hatten einige Teams dezimiert und andere überlegten es sich bestimmt zweimal, ob sie lieber eine Pause mehr machen…

Die Fahrradhistorie des Nürburgringes reicht deutlich weiter als die Rad am Ring Verantstaltungen zurück: 1927 fand dort bereits die Rad-Weltmeisterschaft statt.

Die Fahrradhistorie des Nürburgringes reicht deutlich weiter als die Rad am Ring Verantstaltungen zurück: 1927 fand dort bereits die Rad-Weltmeisterschaft statt.

Als ich von meinem dritten Stint reinkomme, schreibe ich auf Twitter und im Liveticker, dass ich erst mal eine Einkaufsliste für das nächste Jahr mache: Zweites Paar Rennradschuhe. Noch mehr Radsocken, noch mehr Funktionsunterhemden. Elektrische oder Gasbetriebene Schuhtrockner, Nebelscheinwerfer…

Zwar war es von oben trocken, doch teils noch nasse Strecke, der Nebel, das Schwitzen – ich hatte schon wieder nasse bzw. klamme Klamotten. Gut, dass ich genug eingepackt hatte. Aber so ein zweites Paar Schuhe wäre schon praktisch.

Nach meiner dritten, der insgesamt neunten Runde unseres Rennrad-Teams, war es kurz nach Elf. Einmal löst mich noch Carsten ab. Nach seiner Runde schreibt er um 0:35 Uhr in den Liveticker: „3. Hölle überlebt. Regenpause, tierischer Nebel, trete in Streik solange es dunkel ist. Mit 1:19:29 bin ich zufrieden :-)“. Nach Carsten geht dann nochmal Ralf auf die Strecke. Wir haben vorher schon abgemacht, dass ich danach auch noch mal fahren werde, wir aber dann eine Nachtpause einlegen. Den Umständen aus Regen, Nebel und dem dezimierten 4er Team, welches nur noch ein 3er Team ist, geschuldet.

Während Ralf auf der Strecke ist schaue auf das Regenradar. Oh fu… das nächste, ausgedehnte Niederschlagsgebiet rollt an. Und wohlmöglich wird es genau dann ankommen, wenn Ralf von seiner Runde wieder reinkommen wird. Und ich raus muss. Naja. Egal.

Aber zunächst bleibt es doch stabil, die Front scheint zunächst westlich der Nordschleife nach Norden zu ziehen.

Ralf schreibt: „2. Nachtrunde beendet, es ist trocken auch die strasse – da macht es gleich wieder richtig Spass“ in den Ticker, während ich um 01:51 Uhr zu meinem nächsten Turn aufbreche.

Ich habe mich gegen die Gore-Jacke entschieden und ziehe wieder die (klamme) Softshell über. Aber die Schuhüberzieher kommen wieder an und auch eine Sugoi-Haube auf den Helm. Ich beschließe gleichzeitig, wie letztes Jahr einen Doppelstint in der Nacht zu fahren. Der einzige Doppelstint unseres Teams für dieses Jahr. Aber ich will wenigstens auf 5 Runden kommen.

In der Erste Runde finde ich angenehme Bedingungen vor, es ist trocken, aber wieder bis zur Fuchsröhre dichter Nebel. Wofür habe ich eigentlich die Lupine Wilma gekauft? Damit kann ich nur den Nebel heller machen, aber nicht mehr sehen. Auf niedriger Wattstufe taste ich mich durch die dichten Nebelfelder. Der Verlauf der Strecke kann nur noch erahnt werden. In der Mitte der Fahrbahn kann man kaum noch die Curbs am Rand der Strecke sehen. Am Rand will man in den Kurven aber auch nicht fahren, um noch Reaktionszeit für kommende Kurven zu haben…

In der Nacht. Hier ist mal kein Nebel . Und es ist auch trocken - oh Wunder. Foto: Sportograf

In der Nacht. Hier ist mal kein Nebel . Und es ist auch trocken – oh Wunder. Foto: Sportograf

Darunter leidet natürlich der Schnitt ganz enorm, nicht nur durch das langsame Abfahren und Durchfahren der Kurven, sondern es fehlt auch einiges an Schwung, den man ansonsten mit in den nächsten Gegenanstieg nehmen würde. So leiden die Nachtzeiten ganz erheblich. Für die erste der Doppelrunden werde ich selbstgestoppte 1:03:15 benötigen, die zweite Runde dauert 1:13:56. Zum einen genehmige ich mir direkt am Anfang einen Milchreiskuchenriegel und zum anderen beschließe ich, auch dieses Jahr mal an das Angebot der Verpflegungsstation an der hohen Acht zu prüfen. Einfach nur aus Neugier. Hab dann da ein Apfelstückchen, einen kleinen Schluck Schorle, zwei Salzstangen und noch irgendwas genommen.

Nachtflug! Foto: Sportograf

Nachtflug! Foto: Sportograf

Jetzt setzt auch wieder der Regen ein. Erst langsam, dann immer stärker. Hinter der hohen Acht kommt auch wieder Nebel hinzu. So geht es über die Döttinger Höhe. Als ich mich der Grand Prix Strecke nähere, zeigt die Eifel, dass sie ja noch mehr kann. Starker Regen prasselt nieder, der dazugehörige Wind treibt ihn ins fast schmerzhaft ins Gesicht. Ich bin froh, als ich nach der Runde durch’s Fahrerlager wieder auf der Parzelle ankomme. Kaum schiebe ich mein Rad ins Zelt, zerreißt ein Blitz die Dunkelheit und es Donnert! Nacht’s um 10 nach Vier, alles klar…

Jetzt aber erst mal wieder runter mit den nassen Klamotten! Alles Patschnass. Ich kann ja so auch kaum zum Duschen gehen. Also muss es ohne gehen – schön warm abfrottieren, passt schon. Bis ich wieder warme und trockene Klamotten anhabe, verwandelt sich der Schotterplatz in ein Netzwerk von Rinnsalen, welches schnell dichter wird. Schnell läuft es auch in die Zelte. Gott sei Dank ist das Schlafzelt am wenigsten Betroffen; ich kann meine Isomatte ein gutes Stück in die Mitte ziehen – dort scheint es trocken zu bleiben.

Als ich mich schnell in’s Küchenzelt aufmache, muss ich da aber schon auf Zehenspitzen durchstaksen, um mir nicht schon wieder nasse Füße zu holen. Ich will doch nur einen heißen Cappuccino zum Aufwärmen und etwas Kohlehydrate…

Das Regenradar-Bild. Heftig.

Das Regenradar-Bild. Heftig.

Im Zelt sind zu dieser Zeit nur noch Matthias, einer unserer beiden 24h-Solo-Rennradfahrer und sein Bruder, der unser Physio ist, zugegen. Ich lege mir leere Bierflaschen unter die Füße, damit ich vernünftig sitzen kann und nicht die Beine hochziehen muss.

Man muss sich nur zu helfen wissen. Fußstützen, um trockene Füße zu behalten. Küchenzelt morgens um 5.

Man muss sich nur zu helfen wissen. Fußstützen, um trockene Füße zu behalten. Küchenzelt morgens um 5.

So hocke ich da, kann mir gerade noch den Teekessel mit heißem Wasser angeln lassen und komme ansonsten eigentlich nicht weg… Gut, ich kann eh noch nicht schlafen. Seit einiger Zeit ist nun Land unter im Camp, der Wind rüttelt beängstigend an unseren Zelten. Aber sie halten. Für viele Pavillion-Parzellen kann man das nicht sagen. Diese werden teils vom Wind abghoben, zerdrückt, auf benachbarte Autos geworfen etc. Sirenen heulen, die Feuerwehr ist unterwegs. Wir haben im Küchenzelt schon längst die Steckdosen hochgelegt.

Um 05:28 wird bekannt, dass die MTB Strecke unbefahrbar ist, ein Communique der Rennleitung sagt an, dass das MTB-Rennen bis 08:00 Uhr unterbrochen wird.

Bis zur Unterbrechnung sind die Jansohn-Brüder unermüdlich auf der Strecke. Hammerharte Jungs. Sie werden auch die einzigen vom Team Wittgenstein sein, die nach der Unterbrechung das Rennen wieder aufnehmen. Aussichtsreich auf Platz 2 in ihrer Altersklasse werden sie diesen Rang auch bis zum Ende verteidigen. Klasse Leistung.

Zwischenzeitlich wurde auch das Rennradrennen unterbrochen – allerdings erst um 06:00 Uhr, als das gröbste schon durch war. Um 06:00 Uhr komme ich auch erst zur Ruhe und lege mich in meinen Schlafsack. Um diese Zeit und noch danach höre ich viele Autos, die den Platz noch in der Nacht verlassen. Verständlich, wenn einem vielleicht das Zelt um die Ohren geflogen ist oder man von untern abgesoffen ist.

In dieser allgemeinen Aufbruchsstimmung beschließt das ganze Team während eines feuchten Frühstücks, auch schonmal das Camp bereits am Vormittag weitestgehend abzubauen. Keiner hat mehr Bock, für einen Blumentopf Kopf, Kragen und Material zu riskieren. Und schon wieder nass zu werden.

Nur die Jahnsons fahren wie gesagt noch. Um 8 Uhr kommt, ebenfalls im Aufbruch befindlich, noch eine Arbeitskollegin (von der fernen D-Parzelle) zum Hallo-Sagen vorbei, worüber ich mich sehr freue.

Durch die Rennunterbrechung wurde auch zunächst die Ergebnislisten unzugänglich – eigentlich herrschte zu dieser Zeit über Rennstatus und Rennstand keine Information vor, was die Motivation nur noch weiter senkte.

So war dann auch jeder froh, als wir alles eingepackt hatten und losfahren konnten. Noch deutlich vor Ende der 24 Stunden. Hach, was war das letztes Jahr schön, als man zur gleichen Zeit schön in der Sonne sitzen konnte, die Lebensgeister wieder kamen und gleichzeitig Leckeres auf dem Grill brutzelte.

Dieses Jahr: Nasse Klamotten, Wind, Regen, kein gemeinsamer Zieleinlauf, keine 6 Runden, nur in einer Runde Genießen der Rennstreckenaspekte (Abfahrts- und Kurvenspeed) möglich, Verletzte… Doof.

Dennoch – auch (oder vielleicht gerade das) ist die Grüne Hölle Nordschleife.

Und damit episch.

Also – nächstes Jahr wieder.

HTFU!

Meine Runden einzeln auf Strava:

Runde 1: http://www.strava.com/activities/80963552, 0:48:21
Runde 2: http://www.strava.com/activities/80963550, 0:54:48
Runde 3: http://www.strava.com/activities/80963529, 0:59:04
Doppelrunde 4 & 5: http://www.strava.com/activities/80963559, 1:03:15 & 1:13:56

9 Gedanken zu “RaR 2013: Rad am Ring? Regen am Ring!

  1. Ich lese immer nur Kuchen, Kuchen, Kuchen. Mh, sollte vlt. bei Euch mitfahren 2014? ;) Spass bei Seite und Glückwunsch zu den fünf Runden, dem durchhalten und unfallfreiem Durchkommen. Wenn die Kollegen schon stürze hatten, ist das immer schwieriger weiterzufahren. Und naja, wenn es 2013 wettertechnisch so schlimm war, kann es 2014 ja eigentlich nur besser werden. :)

  2. Hey Torsten,

    ein ganz toller Bericht! Das ist ja fast so wie selbst gefahren zu sein :-)

    Mir hat es bei Euch Radlern auf jeden Fall wieder richtig viel Spaß gemacht. Hoffentlich klappt es nächstes Jahr auch bei mir einmal mit dem Radfahren über die Nordschleife.

    1. Hallo Michaela,
      ja danke – fand auch, dass es Spaß mit uns allen gemacht hat. Radfahren wäre toll. Stehst dann in der Tradition der guten Damenresultate… Also schön trainieren… ;-)

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