Huegelreiter does Huegelfest! Oder: Maratona dles Volme-, Nahmer und Lennetalschluchten.

Rad fahren

In der letzten Woche lief auf Strava die Rapha Rising Challenge. Zu Ehren der 100sten Tour de France mit dem Beinamen „La Centième“.

GranTurismo im Kornfeld

GranTurismo im Kornfeld

Leider sind solche Höhenmeter- bzw. Kletterchallenges viel zu selten auf Strava. Bei den ganzen Kilometer-Sammel-Challenges fühle ich mich immer benachteiligt bzw. nicht entsprechend gewürdigt. Ich bin mit Bergfaktoren um 10 (also Höhenmeter pro gefahrenem Kilometer) schon richtig flach unterwegs, hab‘ also auf 100 km mindestens 1000 Höhenmeter im Sack – und muss dafür schon suchen. Meistens sind es noch mehr. Andere Leute rollen dagegen ihre Kilometer im Flachen und im Windschatten einer Gruppe zusammen… Naja, auch das ist ja ein schöner von vielen schönen Aspekten des Radsports…

In der Rapha Rising Challenge ging es also darum, die kombinierten Höhen (jeweils von Meereshöhe an) des Peyresourde, Ventoux und Col de Sarenne vom 14. bis zum 21 Juli per Rad zu erfahren: 7235 Höhenmeter in 8 Tagen.

Ok, um das in meinen normalen Wochenkilometern unterzubringen, muss man sich auch in Mittelgebirgsregionen schon etwas strecken.

Genug Motivation also, einen richtigen Kracher zu fahren. Ich präsentiere: Das Hügelfest! (Hier erstmal der Link von Speichennippel – sehr gute Nachfahrqualität, sollte trotzdem an zwei, drei Stellen etwas angepasst werden.)

Nun muss ich zugeben, während ich schon früher gerne mal Anstiege planend so miteinander verknüpft habe, dass möglichst viele Höhenmeter pro Tour herauskommen – _dieses_ Hügelfest ist nicht von mir, sondern vom Mitglied Speichennippel des Rennrad-News.de Forums, aktiv beim RV Adler Lüttringhausen.

Und, was soll ich sagen: Top-Route, wirklich schön! Und hart. Denn hier sind nicht einfach nur ein paar Anstiege möglichst eng hintereinander gestellt. Nein, diese Anstiege weisen meist auch in weiten Anteilen 10, 12, 15 und im Maximum sogar bis zu 21 Prozent Steigung auf! Genau das richtige zum Klettern und genau das richtige für ein Climbfest, bzw. ein Hügelfest! :)

Hinterher standen 3132 Höhenmeter auf dem Radcomputer. 3132 „mundgeklöppelte“, barometrisch gemessene (auch das unterliegt natürlich leichten Schwankungen) und nicht per Smartphone App und Co per Geländemodell aufgeblähte Höhenmeter. Und das auf 153,5 km. Zum Vergleich: Der Dreiländergiro mit Start in Nauders, u.a. über Stilfser Joch und Ofenpass führend, weist auf 168 km Strecke 3.300 Höhenmeter auf. Wer braucht da noch Alpenmarathons? Nun gut – jeder. Schließlich sind die Alpen toll! ;-) Aber um für Alpenmarathons zu trainieren, ist man auch hier daheim bestens aufgehoben. :)

Die urprüngliche Route startet und endet in Lüttringhausen, führt aber recht bald sowohl auf der Hin- als auch auf der Rückstrecke durch Beyenburg. Sehr schön, dennn in Beyenburg bin ich recht fix aus Wuppertal entlang der Beyenburger Straße.

Und direkt nach der Brücke über den Beyenburger Stausee geht es links hoch nach Königsfeld. Es ist bestes Wetter, denn ich bin erst Mittags los. Vorher war es ganz im Gegensatz zur ganzen letzten Woche vollständig bedeckt. Aber jetzt kommt die Sonne hervor und es wird ein strahlender Sommertag. Meine 2 Flaschen sind voll und die Trikottaschen habe ich mit einer Waffel und so vielen Rice Cakes in Alufolie, wie hineinpassen vollgestopft. Das langt für 5 Stunden – all zu viel ist es nicht, denn wie üblich sind natürlich auch Kompaktkamera, Handy, Luftpumpe und Schlüssel (und heute auch noch eine Windweste) in den Trikottaschen.

Staying hydrated...

Staying hydrated…

Der erste richtige „Klopper“ ist die Willringhauser Straße, die mich steil aus dem Ennepetal hoch nach Rüggeberg führt. Ich überhole einen Fußgänger. Er ruft „Hast es bald geschafft, sind ja nur 14%!“. Ich entgegne „Schade!“ und „Jo, max sogar 16!“ und ziehe an (nun gut, da wurde es etwas flacher… ;-))

Ortsmitte Höhendorf Rüggeberg mit dem Schmittenboom

Ortsmitte Höhendorf Rüggeberg mit dem Schmittenboom

Wie gewonnen, so (mit viel Spaß) wieder zeronnen. Das Motto der Tour. ;-) Wobei ich sagen muss: trotz des ständigen Auf und Ab – die Route hat „Flow“. Nichts wirkt bemüht oder abgehackt. Der Straßenbelag ist weitestgehend ok bis gut. Da bietet das Bergische viel, viel Schlechteres. Die Straßen führen der Natur der Sache steil aus den eng eingeschnittenen Tälern von Volme, Nahmerbach und Lenne und zwar meist in Form von schmalen, kaum befahrenen Sträßchen durch den Wald. Die ganze Tour ist supereinsam, kaum störender Verkehr. Auf den steilsten Strecken, die im unteren Teil oft lauschig dicht beschattet sind und sich weiter oben dann zu tollen Blicken auf bewaldete Höhenrücken und Talhänge, auf Höhendörfer oder mal kecke Brückenabschnitte der A45 lichten, ist mir kein einziger Mensch begegnet.

Ein Kornfeld nahe Waldbauer.

Ein Kornfeld nahe Waldbauer.

Aber natürlich führt die Strecke auch durch einige Orte. Wiblingwerde z.B., welches sich auf der Ortstafel als höchstes Kirchdorf der Mark (462 m ü NN) bezeichnet.

Hallo Wiblingwerde.

Hallo Wiblingwerde.

Hier öffenen sich weite Blicke zu allen Seiten. Ob in Rennerde oder auf der Strecke hinunter nach Nachrodt. Hier kann ich schon die ersten Blicke auf Burg Altena erhaschen.

Weiter Blick nach Norden zwischen Wiblingwerde und Rennerde.

Weiter Blick nach Norden zwischen Wiblingwerde und Rennerde.

Die Abfahrt von Wiblingwerde nach Nachrodt. In der Ferne über dem Lennetal die Burg Altena.

Die Abfahrt von Wiblingwerde nach Nachrodt. In der Ferne über dem Lennetal die Burg Altena.

Ein erster Blick auf die Burg Altena aus der Ferne.

Ein erster Blick auf die Burg Altena aus der Ferne.

In Altena angekommen, wird nochmal die Burg abgelichtet…

Die Burg Altena oberhalb der Lenne.

Die Burg Altena oberhalb der Lenne.

…und dann geht es in eine Anstiegsschleife hoch zum Wixberg (ja, der heißt wohl so… ;-)). Hier sehe ich auch ein Hinweisschild auf ein Café-Restaurant „Zum Windsack“. Bei genügend Zeit sicher eine angenehme Einkehr am fernsten Punkt der Route. Meine Vorräte (sowohl fest als auch flüssig) gehen zwar zu Neige, einkehren möchte ich aber nicht. Weiter geht’s, wieder hinab nach Altena. Nicht ohne vorher noch den Blick als Panorama fest zu halten.

Bewaldete Höhenrücken oberhalb der Lenne.

Bewaldete Höhenrücken oberhalb der Lenne.

So ähnlich wie hier sahen viele der kleinen Waldsträßchen aus:

Waldstraße am Wixberg oberhalb Altena.

Waldstraße am Wixberg oberhalb Altena.

In Altena denke ich mir, „hier muss doch irgendwo eine Tankstelle sein…“ Fahre etwas an der Lenne entlang, sehe zwar eine Open-Air-Cocktailparty, aber weder eine Tankstelle noch ein offenes Kiosk etc. Viel weiter will ich aber nicht fahren und bummle durch die Fußgängerzone wieder zurück auf meine Route. Also mit den letzten Schlucken erst mal noch den heftigsten Anstieg der heutigen Runde fahren: Kreinberger 21!

So habe ich das entsprechende Segment auf Strava genannt, welches den Anstieg von Einsal bzw. Opperhusen nach Wiblingwerde kennzeichnet. Auf Quäldich.de sprechen sie davon, dass sich eine härtere Prüfung als besagte Ostanfahrt hoch nach Wiblingwerde im Sauerland kaum finden liese. Ich bin geneigt, dem Recht zu geben. Hatte ich im Frühjahr dort auf einigen Anteilen bis zu 21 % auf dem Radcomputer stehen, sprang meine Anzeige heute im Maximum auf 19 %, mal ganz kurz auf 20 %. Nun ja, solche Messungen sind halt nie ganz absolut.

Ein Windrad auf der Höhe neben der A45.

Ein Windrad auf der Höhe neben der A45.

Oben in Wiblingwerde wusste ich: der härteste Anstieg ist geschafft. Aber auch: ich bin noch längst nicht zu Hause. Aber auch meinen letzten Rice Cake hatte ich noch unten im Tal gegessen… Die Flasche war auch fast leer. Jetzt war es etwas blöd, dass die Tour so einsam war. Am Garmin schaute ich auf der Karte, wo wohl der nächste wenigstens etwas größere Ort kommen würde. Und mit Navigon auf dem iPhone suchte ich die nächste Tankstelle. Heedfeld. Bingo – sogar fast genau auf der Strecke. Sehr fein.

Danke, Tanke!

Danke, Tanke!

Einmal Auftanken, bitte: Ein Salami-Brötchen mit Tomate, ein kleines Twix mit auf den Weg. Eine Gatorade, eine kleine Flasche Wasser. Ach  ja, und noch eine Packung AAA-Batterien. Die vorherigen sind mir beim Sturz letztens aus dem aufgeplatzen Rücklicht verlustig gegangen. Bestens: jetzt konnte es weitergehen. Sogar mit Licht, denn die Dämmerung würde bald einsetzen. Einsame Anstiege durch den Wald gab es jetzt auch nicht mehr, aber neben Landstraßen blieben mir die kleineren Nebensträßchen doch erhalten.

So kam ich bei Burg wieder im Ennepetal an, fotografierte den in den letzten Farben leuchtenden Abendhimmel und machte mich auf den nächsten Anstieg wieder hoch nach Rüggeberg.

Abenddämmerung im Ennepetal

Abenddämmerung im Ennepetal.

Hinab in das Tal der Heilenbecke (ganz nahe bei der Heilenbecker Talsperre) und wieder hinauf nach Remlingrade. Und schon war ich wieder in Beyenburg.

Ab hier ging es im Zeitfahrmodus flach die Beyenburger Straße auf selbem Wege zurück wie ich heute mittag hergefahren war. Meine Verpflegungsstrategie ist voll aufgegangen. Immer schön vom Start weg alle rd 45 bis 50 Minuten eine kleine Portion essen und das durchgehend. Dabei ordentlich trinken. So hatte ich auf dieser Strecke noch richtig guten Druck auf den Pedalen und auch in Wuppertal fuhr sich der Akropolis-Schlenker locker-flockig mühelos. Auch wenn ich dann später daheim erstmal ächzend auf den Stuhl sank – im Grunde hätte ich so auch nach 154 km noch sehr gut weiterfahren können. Optimal! :)

Distanz: 153,5 km, Höhenmeter: 3132 m, Zeit: 8 h 19 m, Durchschnittsgeschwindigkeit: 18,7 km/h, Durchschnittsgeschw. in Bewegung: 22,7 km/h, Durchschnitts-HF: 130

auf Strava:

Strava_20130720

Detail-Analyse Maratona dles Dolomites (Zeiten, Abschnitte, Energieverbrauch, Ursachensuche)

Rad fahren

Ende Juni diesen Jahres war ja wieder die Maratona dles Dolomites. Bei vor allem Frühmorgens sehr sehr kaltem, aber wiedermal wunderbar sonnigem Wetter. Hier habe ich ja bereits meinen ausführlichen Bericht zum Maratona 2013 und meiner Aufenthaltswoche in den Dolomiten geschrieben.

Diese Maratona war bereits meine zweite Teilnahme an diesem Event der Extraklasse, was sowohl Schönheit der Strecke als auch Güte der Organisation angeht. Nun, wenn man als Rennradler einen Gran Fondo mehr als einmal fährt, dann möchte man sich natürlich verbessern, nicht wahr? Der freundliche Wettstreit mit sich selbst.

Yours truly kurz vor der Passhöhe des Grödener Jochs mit dem Langkofel im Hintergrund, Foto: Sportograf

Yours truly kurz vor der Passhöhe des Grödener Jochs mit dem Langkofel im Hintergrund, Foto: Sportograf

Und das ganz unabhängig vom Genießen der Landschaft und des Tages auf dem Rad. Ich kann beides. Ich kann sogar noch mehr: Ich kann das genießen, ich kann Fotos davon und währenddessen machen und ich kann mich hinterher fragen: „Mist, über 15 Minuten mehr als letztes Jahr gebraucht – und das bei dem ganzen Training. Lag das jetzt nur an den Fotos oder woran genau?“

Und das trotz der Verletzungen durch den Sturz kurz vor der Maratona-Woche. Wo ich ja wirklich froh sein konnte, überhaupt an der Maratona teilzunehmen. Bin ich auch. Aber all das hält mich nicht davon ab, trotzdem auch meiner Freude an zahlenmäßigen Auswertungen nachzugehen. :)

Außerdem habe ich noch eine Rechnung mit dem Passo Giau offen. Auch dieses Jahr war dort leider wieder der Akku leer. Warum? Kann ich das näher eingrenzen als einfach zu sagen: Speicher leer, nix mehr drin gewesen?

So here we go:

Schon vor der Maratona 2012 hatte ich theoretische Gedankenspiele unternommen, welche Gesamtzeit denn bei meiner ersten Teilnahme herausspringen konnte. Nicht zuletzt, um die vorgegebenen Limitzeiten (bis wann man an den Abzweigungen zur mittleren und zur langen Strecke angekommen sein muss, um die jeweils längere Strecke noch in Angriff nehmen zu dürfen) abzuprüfen. Diese Überlegungen findet ihr hier.

Diese Tabelle habe ich nun mit den tatsächlich gefahrenen Zeiten und Pulswerten von 2012 und 2013 ergänzt und die Differenzzeiten gebildet. Für 2013 sind auch noch die Wattwerte aufgeführt (mit einer Powertap gemessen), wobei diese und auch die Pulswerte immer die Durchschnittwerte für die Einzelabschnitte darstellen.

Rote Abschnitte stellen dabei die Anstiege, schwarze Abschnitte die Abfahrten (oder mehr oder weniger gerade Stücke) dar.

Maratona Pacing Sheet und Vergleich 2012, 2013 (Klicken, um die Tabelle in Originalgröße zu betrachten)

Maratona Pacing Sheet und Vergleich 2012, 2013 (Klicken, um die Tabelle in Originalgröße zu betrachten)

Insgesamt sieht das jetzt gar nicht mal sooo schlecht aus. Ja, etwas länger gebraucht (nun gut, ganze 18 Min und 38 Sekunden). Dafür aber auch schöne Fotos gemacht, wo ich im letzten Jahr vorrangig nur die GoPro am Lenker hatte und ein Video aufgenommen hatte (hier ist das Maratona dles Dolomites Video von 2012 zu sehen).

Also 18 Min 38 Sekunden länger gebraucht. Auf Standzeiten bezogen waren es 11 Min 54 Sekunden länger. Also waren es bezüglich Fahrzeiten insgesamt nur 6 Min. und 44 Sekunden länger. Ok, das ist tatsächlich verschmerzbar.

Insgesamt habe ich 2013 5 Pausen mehr gemacht: 3 separate, neue Fotopausen, 1 Biobreak (mit Fotos, 2012 brauchte ich das gar nicht bzw. hab‘ das bei der Labe am Giau erledigt), 1 Windjacke Ausziehpause, 1 Kappe unter dem Helm Ausziehpause – d.h. ich war beim Essen teils effizienter, habe dafür bei denFotos draufgeschlagen.

Anhand der grünen und orangenen Feldern seht ihr, in welchen Abschnitten ich schneller als 2012 und in welchen ich langsamer war.

Ich habe trotz dem Sturz und der Folgen also gerade am Anfang leicht zulegen können und kann einige orange Felder komplett durch die Länge der Fotopausen erklären.

Bleibt also „nur“ eine Sache:

Der Einbruch am Passo Giau

Wie ich im Blog zur Maratona-Woche schon schrieb:

„Ein kurzes Stück noch konnte ich mich guten Mutes und guter Beine bis zum Ende der kommenden Abfahrt zum Abzweig nach Selva di Cadore wähnen, doch dann folgte die unerbittliche Wahrheit des Passo Giau. 9,9 km mit 922 Höhenmeter Aufstieg. Insgesammt für einen Alpenpass keine sonderlich ehrfurchtserbietenden Werte. Aber mit durchschnittlich 9,3 %, im Maximum 15 % und nach 5 Stunden und den vorangegangenen 5 Pässen in den Beinen ist er die härteste Prüfung der Maratona. Und was soll ich sagen: trotz dem Versuch, genügend Verpflegung während der vorangegangenen Kilometer aufzunehmen, ist die Luft am Giau bei mir wieder raus. Quälend langsam fahre ich bergauf, keinerlei wirklichen Druck aufbauen könnend. Tank leer, Puls kaum über unterstes Grundlagenlevel hinausbekommend.“

Was ist da passiert? Vor allem hatte ich am Giau im letzten Jahr eine ähnliche Erfahrung und wollte das dieses Jahr durch gute Verpflegung vermeiden.

Vor jeder Passhöhe der Sellaronda (bis auf die erste Campolongo-Passage) das Gleiche: ein Riegel wird auf den letzten Höhenmetern vor der Passhöhe verzehrt, Foto: Crop einer Sportograf-Aufnahme

Vor jeder Passhöhe der Sellaronda (bis auf die erste Campolongo-Passage) das Gleiche: ein Riegel wird auf den letzten Höhenmetern vor der Passhöhe verzehrt, Foto: Crop einer Sportograf-Aufnahme

Diese Enervit Power Sport Riegel sind übrigens furchtbar trocken. Hatte die gar nicht so in Erinnerung. Memo an mich: den Kram nicht mehr kaufen. Dafür sind die Energy Time Fruit and Cereals Riegel sehr lecker und saftig.

Und dennoch ging am Giau gar nichts mehr.

Akkus leer, nichts geht mehr. Der Puls fällt total ab...

Akkus leer, nichts geht mehr. Der Puls fällt total ab…

Also doch noch zu wenig Nahrung nachgeführt?

Dank meiner Powertap kann ich genau sehen, wieviel Kilojoule (kJ) an Arbeit ich auf der Gesamtstrecke (und in jedem gewünschten Abschnitt) „geleistet“ habe.

Das kann z.B. die Analyse-Software Golden Cheetah ausgeben. Demnach waren es beim Maratona 3158 kJ.

Das ist die Arbeit, die auf die Straße gebracht wurde. Um diese zu erzeugen, musste mein Körper aber mehr Energie aufwenden. Und zwar ergibt das mit einem Wirkungsgrad von rd. 1/4 (3 Teile Wärmeverlust, 1 Teil Leistung) des Körpers = 3158 * 4 = 12.632 kJ bzw. etwas genauer mit einem Wirkungsgrad von 24% ergibt das 13.158 kJ Energie.

Habe ich die (wenigstens ungefähr) am Renntag nachgeführt? Ein Versuch einer Kalkulation, wobei ich für solche Dinge wie Brötchen, Kuchen und Co die Gewichte abgeschätzt und die Kilojoule aus Ernährungstabellen herausgesucht habe und für die Riegel, Gels und Getränke die Packungsangaben nutzte:

Nahrungsaufnahme kJ Nahrungsmittel
Frühstück: 1532 1 Brötchen mit Käse
500 etwas Müsli mit Milch
1 Kaffee
254 halben Müsliriegel
Vor dem Start 500 1 Minibrötchen mit Schinken (eingepackt gehabt)
442 1 Enervit Pre Sport (festes Gel zum kauen)
Pordoi 168 1/5 tel MuleBar unten im Anstieg
479 1 30g Enervit Power Sport Riegel oben vor dem Pass
Sella 479 1 Haferflockenriegel, kJ geschätzt (= Enervit Riegel gesetzt)
Grödner Joch 240 1 30g Enervit Power Sport Riegel, halb, trockenes Ding, fühlte mich auch Satt
Campolongo 150 1 Becher „Sali“ also Enervit wohl, Iso-Mineralgetränk
540 2 kleine Stückchen Kuchen, gedeckter Aprikosensandkuchen, ca 3×3 cm Stückchen
885 1 halbes Käse/Kochschinkenbrötchen (oder 2 halbe?)
88 1 drittel Banane (30 g)
Colle Santa Lucia 150 1 Becher „Sali“ also Enervit wohl, Iso-Mineralgetränk
88 1 drittel Banane
1080 4 kleine Stückchen Kuchen
477 1 Flüssiggel Enervitene Sport Competition 60 ml
8052
Da habe ich echt die volle Pausenlänge nur gekaut und getrunken…
Giau 300 2 Becher „Sali“
1770 2 halbe Käse/Kochschinkenbrötchen
1191 3 trockene 4tel Brötchen mit je 2 Käsewürfeln
540 2 kleine Stückchen Kuchen, gedeckter Aprikosensandkuchen, ca 3×3 cm Stückchen
3801
469 ab da auch eine volle 700 ml Flasche Enervit mitgenommen, bis zum Ziel rd 500 ml davon getrunken
Falzarego konnte weder Kuchen noch Brötchen mehr sehen.
270 1 Stückchen Kuchen
350 1 Viertel Brötchen mit Käse (halb wieder weggeworfen, sorry)
280 1 Becher Cola
Gesamt 13222

Also insgesamt 13.158 kJ verbraucht und insgesamt 13.222 kJ nachgeführt (sofern meine kJ-Nahrungsmittelannahmen passen). Insgesamt scheint es also zu passen. Aber den Einbruch hatte ich ja am Giau. Bis dahin hatte ich 8052 kJ aufgenommen (siehe Colle Santa Lucia in obiger Tabelle).

Verbraucht bis Fuß des Passo Giau: 04:51 h, 7242 kJ Aufwand vs. 8052 kJ nachgeführt, passt also soweit.

Verbraucht bis zur Passhöhe des Passo Giau: 06:09 h, 10225 kJ Aufwand vs. immer noch 8052 kJ nachgeführt, schon rechnerisch viel zu wenig! Oha.

Nun sollte man meinen, dass man ja noch etwas in den Speichern hätte, was auch noch in Form von Reserven locker (oder weniger locker?) die Differenz zumindest hätte abpuffern können.

Alle Pässe geschafft, jetzt kann die letzte lange Abfahrt nach La Villa genossen werden. Am Passo Valparola, Foto: Sportograf

Alle Pässe geschafft, jetzt kann die letzte lange Abfahrt nach La Villa genossen werden. Am Passo Valparola, Foto: Sportograf

Aber: Man sagt ja „Kälte zehrt„. Und da mag einiges dran sein. Die extreme und trotz der Hochgebirgslage für Ende Juni sehr ungewöhnliche morgendliche Kühle hat sicher schon einiges zum Reserven verbrauchen beigetragen.

Möglicherweise hatte ich auch gar nicht so richtig prall und voll gefüllte Glykogenspeicher? Ich habe zwar kaum was verbraucht, aber über die Woche hinweg mir auch nicht sonderlich den Magen voll geschlagen. Sogar fern davon. Also das auch ein Faktor?

Ich habe da aber noch etwas gefunden.

Durch die Sturzfolgen und ein paar Arbeitssessions am MacBook (aber eine davon wenigstens in der Höhe: Im Rifugio oben am Col Rodella) habe ich nur moderate Spaziergänge und ansonsten vergleichsweise wenig Zeit in der Höhe verbracht. Weniger als ich sonst in ähnlichen Urlauben verbringe. Somit hatte ich eine vergleichsweise geringe Höhenanpassung. Merkte das durchaus jeweils in den letzten Metern des Passo Pordoi und des Sellajochs. Nicht hingegen am Passo di Giau und am Falzarego/Valparola. Beim Giau war ich wohl viel zu alle, um da noch einen Unterschied zu spüren, bei den beiden letzten Pässen ging’s zwar wieder besser, aber auch längst nicht mehr mit Druck.

Und bezüglich Höhenanpassung und Folgen habe ich zwei interessante Posts in einem Thread des Tour-Forums gefunden, wo sich auch über Leistungswerte der diesjährigen Maratona unterhalten wird.

Pjotr verweist dort in seinem Post auf eine Grafik der Reduktion der Leistung in Bezug auf die Höhe:

Er führt weiterhin aus „Die Grafik zeigt zunächst einfach mal nur den rechnerischen Effekt der Höhe auf die Leistung. Wenn Du zu denen gehörst, die Höhe schlecht vertragen kann es leicht passieren, dass Du an den ersten Anstiegen zu viele Körner verbrauchst und die Leistung an den letzten Anstiegen dann noch stärker einbricht.

In einem späteren Post bestätigt MI67 dies anektdotisch „Mir scheint meine Höhen-abhängige Leistungsreduktion sogar noch ausgeprägter zu sein, als die Mittelwerte, die in der von Pjotr gezeigten Grafik für nicht akklimatisierte Fahrer ablesbar sind. Das mag daran liegen, dass meine Verbraucher (Muskulatur) einen relativ großen Anteil des Körpergewichts ausmachen, so dass trotz einer halbwegs anständigen VO2max die Höhenlage unerbittlicher zuschlägt, als bei manchem schlanker gebauten Fahrer.

Auch unangenehm ist, dass die Gegenwehr zu Etappenbeginn unweigerlich die Glycogenreserven vorschnell auffrisst und man im Verlauf der Etappe dann um so stärker wieder zur Kasse gebeten wird.

Und so glaube ich, dass trotz des Versuchs der noch besseren Verpflegung als im letzten Jahr mir dieses Jahr vielleicht die Kälte und geringere Höhenanpassung die Speicher vorschnell leergesaugt hat und mich nur noch im Standgas den Giau hochtuckern lies. Ich erholte mich übrigens in der Pause oben am Giau und in der Abfahrt trotz wieder gutem Gefühl nicht komplett, sondern brauchte auch am Falzarego/Valparola mehr Zeit als in 2012.

Was aber sicher auch ein Faktor ist: Nach rund 5 Stunden und schon 5 Pässen in den Beinen muss man das auch von der muskulären Ermüdung ganz unabhängig von den Speichern erst mal stemmen. Hier muss ich auch im Training vorher im kommenden Jahr versuchen, mal 5 Stunden mit ordentlich Schub, also sehr hohem Zone 3 Anteil zu fahren.

Und – unabhängig von der Ernährungs/Glykogenspeicher-Geschichte spielen bestimmt noch zwei weitere Aspekte eine gewissen Rolle:

Zum einen vielleicht durch meine Sturzfolgen induzierte unterschwellige Probleme mit den Muskeln? Ich meinte schon in der Urlaubswoche vor der Maratona ein paar latente Probleme in den inneren Oberschenkeln zu haben. Erhöhte Krampfanfälligkeit könnte die Folge gewesen sein.

Und zum anderen hatte ich dadurch Trainingsausfall, zumindest eine ungünstige Taperingphase.

Gut. So weit meine Analyse. Wir sehen uns im nächsten Jahr bei der Maratona! Denn abgesehen von Minuten hier und da – die Dolomiten sind einfach toll! :)

Meine Maratona dles Dolomites 2013 – Von Stürzen, Wetterkapriolen, Hungerästen und mal wieder einem wunderschönen Tag in den Dolomiten

Rad fahren

Vorweg: warum meine? Kein Druckfehler – im ladinischen ist die Maratona weiblich, also ist es die Maratona dles Dolomites. :)

# Schrecksekunde

Aber diese meine ganz persönliche Maratona-Teilnahme stand 12 Tage davor von einer Sekunde auf die andere plötzlich auf der Kippe. Ein Sturz (mein erster heftiger Sturz mit dem Rennrad) am Mittwochabend 2 Wochen vor der Maratona und 5 Tage vor meinem Urlaubsantritt für die Dolomitenwoche brachte mich dem Asphalt bei 30 km/h sehr unsanft auf Hautkontakt nahe.

Gott sei Dank ging es noch vergleichsweise glimpflich für Mensch und Material ab. Einerseits. Andererseits hatte es neben kleineren Abschürfungen und Prellungen auch die Schulter und das Fußgelenk mit Prellungen erwischt. Interessanterweise hat bei den Klamotten nur ein Socken gelitten und am Rad nur der Umwerfer, der Sattel und die Bremsgriffgummis (samt etwas Lenkerband). Ich konnte notgedrungen auch noch nach Hause radeln (nachdem meine Begleiter beide Reifen geflickt hatten – beide Schläuche verabschiedeten sich nach dem Sturz auf spektakuläre Weise), aber am nächsten Tag ging erst mal nichts bei mir.

So sah also mein Tapering aus. Keine geordnete Rückführung des Trainingsumfangs, keine Pässetouren mit dem Rennrad in den Dolomiten am Anfang der Urlaubswoche, sondern von 30 auf 0: No Sports please…

Ich hätte alleine schon aufgrund des geschwollenen Knöchels keine Radschuhe anbekommen…

Naja, am Abend nach dem Sturz hatte ich schon an il Diavolo gemailt, ob sie ein Schaltauge für mein Wilier Triestina GranTurismo auf Lager hätten und mir entweder zuschicken könnten oder noch einen Termin für eine Blitzreparatur am Freitag einrichten könnten. Letzteres konnten sie und so wurde mein Rad noch am Freitag nachmittag Tipptopp wieder hergerichtet: neues Schaltauge, Inspektion, neue Kette (nach 14.100 km Laufleistung ein verdienter, aber auch erst jetzt richtig notwendig gewordener Austausch – tolle Sache, Campa) und neuer Sattel. Nur Bremsgriffgummis hatten sie leider keine da.

In der Nähe von Livinallongo auf dem Weg zum Passo Giau

# Die Anreise und die Woche vor der Maratona

Und so fuhr ich mit Sack und Pack, dickem Knöchel, schmerzender Schulter und Co am Montag gen Abtei im Gadertal. Ich hatte, wie auch schon im letzten Jahr, ein Holimites Aufenthaltspaket über 7 Tage gebucht. Das ist auch dringend notwendig, will man sich nicht dem Losglück auf die zu Recht begehrten Teilnehmerplätze ergeben. Denn auch in diesem Jahr gab es wieder einen neuen Rekord: 31.600 Anträge auf Teilnahme gab es auf die 9000 Starterplätze.

Aber auch das Ergattern eines solchen Paketes ist nicht gerade einfach. Um in einen Buchungsslot des Systems zu kommen, muss man den Reload-Button des Browsers schon ziemlich glühen lassen. Und dann auch recht schnell unter den dann noch verfügbaren Optionen wählen.

Hatte ich im letzten Jahr eine Pension in Corvara, was sich als optimal in Bezug auf Startort und vor allem Ziel (nämlich Corvara) darstellt, so war ich diesmal in Ciaminades, kurz hinter Badia, oder Abtei. Auch sehr schick und mit dem Vorteil, dass das Expogelände und die Anmeldung fußläufig erreichbar war. Dafür aber mit etwas mehr logistischem Aufwand als Einzelstarter hinsichtlich Zielankunft, Duschen, Gutscheineinlösung in der Eishalle am Ziel etc. versehen.

Egal – die Gastleute waren sehr nett, wie üblich war fast die gesamte Gästeschar nur wegen der Maratona da, das Frühstück und das Abendessen gut (nicht herausragend, aber gut) und es gab WiFi. ;-)

Das Wetter war in der Woche leider nicht vom Besten und führte damit die Misere des Frühjahrs (und auch des langen Winters) fort. Während es morgens oft sonnig bis heiter war, zog es sich gegen Mittag sehr oft zu. Erst abends wurde es dann meist wieder etwas besser. Und kalt war es. Ich frug mich echt, was für ein Urlaub ich da mache. Ein Sommerurlaub war es ganz bestimmt nicht. Einen Herbsturlaub stellt man sich auch anders vor: mit leuchtendem Laub und Fernsicht. Winter-Urlaub? Schnee dafür war an diversen Tagen und bis in Lagen von 1600 Metern da. D.h. dass fast alle Passhöhen davon betroffen waren…

Am Dienstag fuhr ich nur mit dem Auto die Strecke der Maratona ab. Erstens, um nicht viel Laufen zu müssen und zweitens weil ich mir den Passo di Giau mal näher ohne Rennrad betrachten und ein paar Fotos von ihm machen wollte. Hier spielte das Wetter bis in den frühen Nachmittag hinein noch gut mit. Aber der kalte Wind war echt nicht von schlechten Eltern. Gemessene 7 Grad Celsius auf dem Giau und auf dem Valparolo – und dann noch mal der Windchill dazu…

Kehre 23 des Passo Giau. Schon fast oben. Noch ist das Wetter sonnig.

Kehre 23 des Passo Giau. Schon fast oben. Noch ist das Wetter sonnig.

Die oberen Kehren des Giau vor der Passhöhe.

Die oberen Kehren des Giau vor der Passhöhe.

Am Mittwoch dachte ich mir: Gut, wenn der Knöchel sich ohnehin erholen soll, das Wetter nicht all zu berauschend ist und ich ohnehin noch ein paar Arbeitsdinge zu erledigen habe – dann setze ich mich in ein Rifugio und arbeite auf dem MacBook. Da ich bisher noch nie den Pordoi ganz herab bis ins Fassatal befahren hatte, verband ich das mit einer Fahrt nach Campitello di Fassa um von dort per Seilbahn zum Col Rodella zu fahren. Später fotografierte ich noch etwas dort oben. Unter anderem entstand da dieses Foto vom Passo Pordoi:

Passo Pordoi, Schnee im Juni

Passo Pordoi, Schnee im Juni

Am Mittwoch ging’s dem Fußgelenk schon wieder vergleichsweise gut. Auch wenn sich jetzt erst alle möglichen Farben zeigten und ich auch ganz neue blaue Flecken an den Oberschenkeln entdeckte war ich für Donnerstag guten Mutes. Da wollte ich mich zum ersten mal wieder auf das Rad setzen und schauen, ob’s wieder geht, wie der Bewegungsumfang aussieht oder ob irgendetwas ganz hakt.
Aber es hat alles geklappt. Selbst das Wetter war am Vormittag sehr angenehm. Ich bin aber erst mal nur das Gadertal hinab gefahren. Immerhin aber bis Zwischenwasser und dort dann etwas Richtung Furkelpass aufwärts.

Eine Heuhütte nahe der Straße durch das Alta Badia kurz vor der Ortschaft Badia / Abtei. Im Hintergrund liegt Sankt Leonhard unterhalb des Kreuzkofels

Eine Heuhütte nahe der Straße durch das Alta Badia kurz vor der Ortschaft Badia / Abtei. Im Hintergrund liegt Sankt Leonhard unterhalb des Kreuzkofels

Ich wollte aber nicht zu viel machen und evtl. weitere Heilung verzögern oder zunichte machen und so bin ich ohne viel Druck auch recht bald wieder umgekehrt und zurück in meine Pension gefahren. Immerhin rd 45 km Genußradeln im Alta Badia und die Erleichterung, dass ich am Sonntag an der Maratona würde teilnehmen können. Auch wenn ich noch nicht wirklich flüssig gehen konnte und wollte und auch das ausklicken des Pedals keine besonders tolle Bewegung war.

Ach ja – ich bin auch noch locker weiter hoch von Badia zur Liftstation bei La Villa gefahren, um zu testen, wie lange ich am Maratona-Morgen ich dorthin benötigen würde. 12 sehr lockere Minuten mit kurzem Schaufensterbummel am Bikeladen ortseingangs von La Villa.

Nach der Rückkehr hab‘ ich mich erst ein mal auf eine Bank vor der Pension gesetzt und windgeschützt die Sonne genossen, danach dann den Nachmittag geruhsam mit etwas Bildbearbeitung und anderen Tätigkeiten verbracht. Hierzu suchte ich mir noch ein schönes ruhiges Café, welches ich auch am Ortseingang von Badia (vom Tal kommend) fand.

Für den Freitag waren bis Mittags ausgiebige Regenfälle vorausgesagt (und eine Schneefallgrenze von 1800 m – also Schnee auf allen Pässen… Ich vertraute allerdings auf den Wetterbericht für Sonntag, der trotz allem wieder leicht wärmere Temperaturen und Sonne versprach und legte am Vormittag ungerührt eine konzentrierte Arbeitssession im Gastraum der Pension ein. Hmmm – Urlaub ohne Rennrad fahren, ohne Wandern, ohne Sommer und ab und an auch ohne Urlaub… Jung (ok, hüstel), dynamisch und äh… bekloppt? ;-)

Naja, war auf jeden Fall sehr entspannend für das Fußgelenk und sehr förderlich für das Trockenbleiben der Kleidung… Nachdem dann auch nach Mittag der Regen aufhörte, machte ich mich auf, um die Startunterlagen abzuholen und dem Expogelände einen Besuch abzustatten. Wie ich schon schrieb, ging das sehr bequem fußläufig. Ob es am Wetter lag oder woran auch immer, heuer war die Schlange aber besonders lang…

Ziemlich genau eine Stunde habe ich gebraucht, um meinen Starterbeutel in Empfang nehmen zu können. Drinnen die üblichen Goodies wie ein Enervit-Bidon, ein Probeenergieriegel (waren da im letzten Jahr nicht mehr Pröbchen drin?), wieder solche komischen Gartenarbeitshandschuhe (mir zu groß, aber ich habe tatsächlich am Sonntag mindestens zwei Leute gesehen, die diese während des Maratona trugen… Wahrscheinlich waren die froh, überhaupt irgendwelcher Langfingerhandschuhe habhaft werden zu können… ;-), wieder eine Piccolo-Flasche Maschio-Sekt, etwas Konfekt, bisschen Werbedruckzeug und natürlich das Teilnehmer-Trikot und Startnummern. An einem weiteren Stand holte ich dann noch die zum Holimites-Paket gehörige passende Teilnehmer-Hose ab und konnte mich dann der Expo widmen.

Großes Lob an die Organisation, die ich überhaupt auch dieses Jahr wieder von der besten Seite kennengelernt habe – alles läuft koordiniert und mit großer Erfahrung ab. Und wo gibt es schon solchen Service, dass während der ganzen Woche vor dem Ereignis im Zielbereich ein kostenloses WiFi-Netz aufgebaut wird? Dieses Jahr wurde es sogar auf das Expogelände ausgeweitet, so dass man auch beim Schlange stehen für die Startunterlagen Mails, Twitter, Wetterbericht und Co checken konnte. Klasse!

Samstag: Unter normalen Umständen sollte man ja am Vortag eine kurze Runde zum Beine lockern fahren, dann mal ein paar Intervalle einstreuen und sich dann auf das kommende Rennen freuen. Letzteres habe ich auch gemacht. Und die Beine habe ich nicht locker gefahren, ich habe sie locker baumeln lassen. Und zwar auf dem Sessellift von Badia hoch zur Mittelstation unterhalb des Heiligkreuzkofels. Da bin ich dann locker etwas langspaziert. Auf einem kleinen Weg zum Seelein Le.

Le See

Le See

Hier sollte man gegen Abend sein, da könnte man die in der Abendsonne leuchtende Wand des Kreuzkofels noch in die eine oder andere  Fotokomposition integrieren. Im teilweisen Mittagsgegenlicht, schon zunehmend durch den zuziehenden Himmel der Strahlkraft beraubt, fand ich das nicht so fotogen. Weiter ging es im Bogen ansteigend hoch zur Wallfahrtskirche und dem Schutzhaus Heilig Kreuz, bzw. La Crusc. Omelette mit Preiselbeeren ist zwar sicher nicht das ideale Carboloading Food – aber Apfelkuchen war aus und sehr lecker war es trotzdem :) Mit einem Cappuccino windgeschützt vor der Glockenturmtür sitzend machte selbst einsetzendes Tröpfeln der gemütlichen Stimmung keinen Abbruch.

Auf der anderen Seite des Tals wurde der Blick auf die Puezgruppe zunehmend durch die tiefhängenden Wolken verschleiert. Die Schneeladung des vergangenen Tages war aber eindrucksvoll zu sehen.

Schneebedeckte Almen der Puezgruppe in den Wolken

Schneebedeckte Almen der Puezgruppe in den Wolken

Sassongher in den Wolken

Sassongher in den Wolken

Ich setzte mein Beinbaumel-Training verschärft fort, indem ich für die Abfahrt jetzt schon direkt den 2er-Sessellift vom Heilig Kreuz Schutzhaus zur Mittelstation und von dort den 4er Sessellift hinab ins Tal nutzte. Gut, das Letzterer eine Kunststoffhaube hatte. Wind und Tröpfeln wären sonst doch unangenehm gewesen. Bald hörte das Tröpfeln auf und unten angekommen schlenderte ich nochmal über die Expo. Sehr schade, dass Pinarello ein Sponsor der Maratona ist. Nichts gegen das Sponsoring, aber ich würde mir halt anstelle von Pinarellos viel lieber Colnago, Bianchi, De Rosa oder Wilier Triestina Räder anschauen. Naja, dafür gab es z.B. einen schönen Campagnolo-Stand mit allen Gruppen, Testbikes mit EPS auf Ergotrainern, Laufräder von Campa und Fulcrum. Oder der Stand, wo die lecker locker luftigen Kuchenstücke gratis zur Probe gereicht wurden. Oder der Stand von Selle Italia, wo ich mir deren ID Match System für die Sattelauswahl erklären und auch eine Messung durchführen lies. Ergebnis: Ich würde optimalerweise Selle Italias Sättel der Gruppe S3 benötigen. Aha, schmal, aber mit Aussparung. So einen Sattel hatte ich noch nie. Mal schauen, ob ich irgendwann mal einen teste…

# Sonntag, Renntag! :)

Yay, der Höhepunkt auf den ganz Alta Badia samt allen Gästen, die gefühlt aus 99 % Rennradfahrern und -fahrerinnen bestehen, die ganze Woche gewartet hat.

Leider hat so ein Gebirgsmarathon die unangenehme Eigenschaft, schon verdammt früh zu starten…

Natürlich wurde das Rad schon am Vortag hergerichtet. Unverabredet findet sich die ganze Belegschaft der Pension im Radkeller ein, prüft noch einmal den Reifendruck, poliert hingebungsvoll das Rad, als ob es 10tel Sekunden aus dem Windwiederstand herauszuholen gilt, ölt vielleicht noch die Kette, prüft die Schaltung… Nun gut, wer alles das wirklich macht, da frage ich mich, mit was für einem Radzustand ist der in der gerade zu Ende gegangenen Woche hier herum gefahren…  Meine Tätigkeit beschränkte sich daher auf das Sauberwischen mit Babyfeuchttüchern (Style und Bling Bling!) und das Anbringen der Startnummer samt Transponder. Danach ging’s zum Abendessen und danach wurde die Ausrüstung für das morgendliche Ankleiden bereit gelegt.

Hier galt es zu entscheiden: Wie kalt wird es nun wirklich werden? Langarmjersey oder Trikot mit Armlingen? Gar die Softshell? 3/4 Tights oder Bibshorts mit den Castelli Nanoflex Knielingen? Die „Sommer“ Langfinger-Handschuhe oder die etwas dickeren Übergangszeit-Langfinger-Handschuhe? Ihr seht schon – ich war Ausrüstungstechnisch wirklich auf alles vorbereitet. Soviel war wettertechnisch schon vor der Dolomitenwoche absehbar gewesen.

Ich entschied mich für ein Langarmjersey, eine Campagnolo-Thermoweste (dickes, innen leicht angerautes Material, durchgehender Rücken, der auch etwas Regen aushalten würde), Bibshorts, Knielinge, dünne Neopren-Überzieher für die Schuhe und in die Rückentasche bzw. für ganz kühle Abfahrten und das Warten in der Startaufstellung noch eine dünne Vaude-Windjacke. Dazu die Sommer-Langfingerhandschuhe und eine Cap unter den Helm. Und, um es vorwegzunehmen – das war für mich optimal.

All dies bereitgelegt, war es auch schon Zeit, ins Bett zu gehen, denn der Wecker würde schon um 10 vor 5 klingeln, ächz!

Das tat er dann auch. Aufstehen, ins Bad, Radklamotten anziehen, Rückentaschen der Weste mit einem Gel, 3 Riegeln, einem Carbo-Preload-Jelly, natürlich der Kamera, meiner Sony RX100 (never leave Home without it), Handy und Luftpumpe beladen und runter zum Frühstück. Da schnell ein Brötchen geschmiert, gegessen, etwas Müsli genommen und fix noch so ein Minibrötchen für das Essen in der Startaufstellung vorbereitet und eingesteckt und ab in den Radkeller.

5:45 Uhr. Uff ist das Kalt. Einklicken und Richtung Startaufstellung losgefahren… Um 6:30 wird der Start erfolgen, um 6:10 werden die Straßen aus Richtung Corvara gesperrt werden (was mich aus Badia kommend nicht betrifft), spätestens um 6 Uhr sollte man in seinem Startblock sein, will man dort nicht komplett am Ende herumhängen. Von allen Hotels, aus allen Seitenstraßen kommen die Teilnehmer, radeln locker zur Startaufstellung. Der Himmel ist klar, erste Bergspitzen zeigen sich im goldenen Schimmer ersten Sonnenlichts – wie schon im letzten Jahr eine tolle Stimmung!

Erste Strahlen der Morgensonne kitzeln die Spitze des Sassongher

Erste Strahlen der Morgensonne kitzeln die Spitze des Sassongher

Aber. Es. Ist. Verdammt. Kühl!

Mit der Windjacke noch über dem Langarmjersey und der Weste geht es aber überraschend gut. Ich stehe auch windgeschützt in der geduldig wartenden Masse. :)

Vor mir...

Vor mir…

... und hinter mir im Pinarelle-Startblock

… und hinter mir im Pinarello-Startblock

Und immer noch strömen Teilnehmer zu den Startblöcken…

 Morgensonne auf den Bergen

Morgensonne auf den Bergen

6:25 Uhr. Bald wird der Startschuss erfolgen. Gut, dann wird es aus meinem Startblock noch nicht sofort losgehen, aber bald wird sich die Menge in Bewegung setzten und noch enger Richtung Blockausgang zusammenrücken. Zeit, den Garmin anzuschalten und auch die Windjacke zu verstauen. Jetzt wird es aber doch sehr kalt… Ich erlaube den Muskeln einfach, ihrem Zitteranfall nachzugeben und so etwas Wärme zu erzeugen… Mir hilft’s nicht, aber vielleicht dem Körper? Ich will jetzt unbedingt losfahren…

*Böller!* Wow, _der_ war nicht von schlechten Eltern… Ob die da vom Hubschrauber eine Lawinen-Auslösungs-Böller gezündet haben? Die italienische Lautsprecherstimme jauchzt und passieren tut hier erst mal nichts. ;-) Aber, und das ist bei 9000 Teilnehmern schon enorm, nach nur 10 Minuten geht es tatsächlich los und um 6:44 überquere ich die Startlinie. :)

In einer mir angenehmen Geschwindigkeit rolle ich ein, nehme Fahrt auf, überhole dabei nicht schnell, aber doch fortwährend Teilnehmer um Teilnehmer (keine Sorge, so werde ich trotzdem nicht in die vorderen Ränge vorstoßen, dafür gibt es ausreichend Teilnehmer) und so geht das durch Corvara und auch die ersten Pässe, eigentlich fortwährend über die Sella Ronda hindurch.

Ich halte mich eigentlich immer links auf der, vergleichsweisen, schnelleren Spur auf. Aber auch dort kann man die ersten beiden Pässe nicht voll durchziehen (aber das will ich auch gar nicht), sondern muss seine Lücken suchen bzw. kann eigentlich immer moderat leicht schneller als die Teilnehmer rechts neben einem Fahren. Fand ich sehr angenehm und konnte auch durchaus mein Tempo fahren. Ja, gerade am ersten Pass, dem Campolongo, muss man schon etwas aufpassen, aufmerksam fahren und es kann da auch durchaus schon mal zu Stockungen kommen. Sei es, weil eine Kurve vielleicht besonders eng ist oder weil ein leichter Gradientenwechsel jemand doch unvorbereitet erwischt und er plötzlich in seiner Schaltung rumrührt. Erfahrung im Feld ist hier definitiv nicht fehl am Platz. Trotzdem empfand ich die Stimmung als sehr kooperativ und überhaupt nicht verbissen und oder verärgert. Das soll’s ja schon mal geben, bei anderen Rennen oder unter den gerade nicht guten, sich dafür aber haltenden Rennradlern, die dann meinen, dass sie von den anderen ja nur in der Entfaltung ihrer eigenen Leistung gehindert würden… Hier eigentlich gar nicht. Und wie auch, bei einer solch atemberaubenden und wunderbaren Umgebung!?

Der erste Anstieg zum Campolongo. Blick zurück über Corvara und auf den Sassongher.

Der erste Anstieg zum Campolongo. Blick zurück über Corvara und auf den Sassongher.

Harmonie war das diesjährige Motto der Maratona. Und in Harmonie mit der Natur, den Bergen, der Strecke, seinem Rennrad und sich fühlen – dazu hat man auf der langen Strecke wunderbare 138 km lang Gelegenheit! Herrlich.

Nach dem Campolongo geht es in die Abfahrt nach Arraba und im Ortskern geht’s dann scharf rechts in den Anstieg zum Pordoi. Die Strecke kennend, gehe ich schon früh in den richtigen Gang und halte mich wieder links. Und richtig, wie erwartet ist allenortens mächtiges Krachen der Schaltungen und Kettenrasseln von unbedarften und gefährlichen „Touristen“, hinter denen ich nicht kalt erwischt werden möchte, weil sie plötzlich mitten oder wenigstens am Rand stehen bleiben. Entweder, weil sie sich voll verschaltet haben, die Kette runtergesprungen ist oder sie natürlich mitten im Abzweig und im tiefsten Punkt sofort ihre Jacke ablegen wollen… Zwar ein wenig harmonischer Gedanke, dafür einer, der einem auf dem Rad und in Bewegung hält… ;-)

Der Sellastock und das saftige Grün der Hänge des Passo Pordoi sind ein fabelhafter Anblick in der Morgensonne. Ich will nicht wirklich wissen, wieviel Dutzende Teilnehmer mich während der Fotos für dieses Panorama überholt haben... ;-)

Der Sellastock und das saftige Grün der Hänge des Passo Pordoi sind ein fabelhafter Anblick in der Morgensonne. Ich will nicht wirklich wissen, wieviel Dutzende Teilnehmer mich während der Fotos für dieses Panorama überholt haben… ;-)

Auch im Pordoi sind wir alle Zusammen ein riesig langer Lindwurm, der sich die zahlreichen Kehren soweit das Auge reicht der Passhöhe entgegen windet. Ich finde das Toll! Man hat immer etwas neben der Landschaft zu schauen, kann später sehen, dass man nicht alleine leidet, kann das Gefühl der gemeinsamen Leistung teilen, obwohl vergleichsweise wenig geredet wird. Viel später, am Giau, wird es komplett ruhig sein.

Der Passo Pordoi und der Blick gen Passhöhe.

Der Passo Pordoi und der Blick gen Passhöhe.

Auch auf der Pordoi-Passhöhe fahre ich durch. Nehme weder Verpflegung auf, noch ziehe ich meine Windjacke über. Die Abfahrten sind kühl, aber noch ok in meiner Kluft. Ich schliesse nur den für die Auffahrt geöffneten Reisverschluss von Weste und Jersey. Bald schon geht es in den nächsten Anstieg, auf zum Sellajoch. Aus dem noch im Schatten liegenden Wald überragt uns dabei eindrucksvoll der Sellastock.

Der Sellastock.

Der Sellastock.

Oben auf dem Sellajoch angekommen, eröffnet sich ein weiter Rundblick über den nahen Langkofel bis über das Grödener Tal und die gegenüberliegende Puez- und Geisler-Gruppe. Die folgende Abfahrt ist aufgrund der Himmelsausrichtung besonders kühl. Kleines Schmankerl: Wir durchqueren einen die Straße überströmenden Bach. Hier haben die Schnee- und Tauwassermengen der zurückliegenden Tage das Gewässer wohl über das Schluckvermögen des Durchlasses anschwellen lassen.

Sellajoch Panorama

Sellajoch Panorama

Meine Beine bedanken sich, als es nach der Abfahrt wieder in den nächsten Anstieg, auf zum Grödner Joch geht. Mein Ächzen wird allerdings gnädig von den – ihr ahnt es – krachenden Schaltungen des einen oder anderen Teilnehmers übertönt… ;-)

Wie am Pordoi und am Sella zwinge ich mir auch nahe der Passhöhe des Grödner Jochs einen Energieriegel hinein. Ich will mich gut ernähren, um ausreichend Energie für die ganzen 4100 Höhenmeter zu haben.

Nach der tollen Abfahrt hinunter nach Corvara merke ich im beginnenden zweiten Anstieg zum Campolongo die Oberschenkel erst mals. Aua, Krampfansatz? An der Stelle? Jetzt schon… ohoh. Bewusst die Pedalierbewegung durchdrückend und zunächst langsam, dann wieder höherfrequent kurbelnd, kann ich das schnell überwinden. Das war bisher allerdings mein einziges Problem und daher war ich schon erleichtert. Das Fußgelenk hielt und ich spürte keinerlei Beeinträchtigung. Meinte aber schon jeweils auf den Passhöhen, dass mir wohl etwas die Pässe- bzw. Höhenakklimatisierung fehlte.

Oben, zum zweiten Mal am Campolongo angekommen, hielt ich wie im lezten Jahr zur ersten Verpflegungsaufnahme. Hier gab es alles, was das Herz begehrt: Brötchen mit Kochschinken- und Käseaufschnitt, gedeckte Aprikosen- oder Preiselbeerkuchen, Obst, Wasser oder Mineral bzw. Iso-Getränk.

Verpflegungsstation auf dem Campolongo Pass.

Verpflegungsstation auf dem Campolongo Pass.

Jetzt folgt die lange Abfahrt, erst steil wieder nach Arraba, dann weniger steil nach Rucava. Hier folgt ein kurzer Gegenanstieg nach Colle Santa Lucia. An dessen Fuße mache ich einen kurzen „Bio-Break“ und wo ich doch schon mal stehe, mache ich auch noch schnell ein Foto ;-)

Die Häuser und die Kirche von Laste Di Sopra, Laste Di Sotto, Val und Davare am Gegenhang des Cordevole-Tals. Kurz hinter dem Abzweig der Route Richtung Colle Santa Lucia.

Die Häuser und die Kirche von Laste Di Sopra, Laste Di Sotto, Val und Davare am Gegenhang des Cordevole-Tals. Kurz hinter dem Abzweig der Route Richtung Colle Santa Lucia.

Weiter geht es zur nächsten Verpflegungsstelle. Sehr schön bei Belvedere di Colle Santa Lucia gelegen.

Kurz oberhalb der Verpflegung bei Belvedere di Colle Santa Lucia.

Kurz oberhalb der Verpflegung bei Belvedere di Colle Santa Lucia.

Wie schön, das weiss ich aber erst seit Anfang meiner diesjährigen Urlaubswoche. Tipp: wer ein kleines bisschen Zeit mitbringt, der sollte etwas über die Verpflegungsstelle hinaus gehen, und hinter der Gaststätte unbedingt den Blick ins Tal genießen.

Das Tal des Cordevole vom Aussichtspunkt Belvedere di Colle Santa Lucia. Ein wunderbares Panroama mit dem Lago Alleghe und der Civetta Gruppe zur Linken. Dieses Panorama hatte ich allerdings bereits am Dienstag aufgenommen.

Das Tal des Cordevole vom Aussichtspunkt Belvedere di Colle Santa Lucia. Ein wunderbares Panroama mit dem Lago Alleghe und der Civetta Gruppe zur Linken. Dieses Panorama hatte ich allerdings bereits am Dienstag aufgenommen.

Während ich obiges Pano bereits am Dienstag aufgenommen hatte, musste ich bei dem tollen Licht am Sonntag aber unbedingt noch mein GranTurismo in Szene setzen. :)

Wilier Triestina GranTurismo vor der Aussicht auf Lago Alleghe und die Civetta-Gruppe.

Wilier Triestina GranTurismo vor der Aussicht auf Lago Alleghe und die Civetta-Gruppe.

Aber jetzt wird es bald ernst. Ein kurzes Stück noch konnte ich mich guten Mutes und guter Beine bis zum Ende der kommenden Abfahrt zum Abzweig nach Selva di Cadore wähnen, doch dann folgte die unerbittliche Wahrheit des Passo Giau. 9,9 km mit 922 Höhenmeter Aufstieg. Insgesammt für einen Alpenpass keine sonderlich ehrfurchtserbietenden Werte. Aber mit durchschnittlich 9,3 %, im Maximum 15 % und nach 5 Stunden und den vorangegangenen 5 Pässen in den Beinen ist er die härteste Prüfung der Maratona.

Und was soll ich sagen: trotz dem Versuch, genügend Verpflegung während der vorangegangenen Kilometer aufzunehmen, ist die Luft am Giau bei mir wieder raus. Quälend langsam fahre ich bergauf, keinerlei wirklichen Druck aufbauen könnend. Tank leer, Puls kaum über unterstes Grundlagenlevel hinausbekommend. Mmpf. Das wird ein langer Aufstieg… Ich nehme an diverse Faktoren, nicht zuletzt die Kälte und meine ungenügende Höhenanpassung haben mir schon vom Start weg die Glykogenspeicher leergesaugt. Doch das möchte ich in einem separaten Blogpost beleuchten. Jetzt muss ich nur hilflos ansehen, dass es nur wenige um mich herum gibt, die hinter mir bleiben, oder die ich gar langsam, seeehr langsam, einholen kann. Ganz im Gegenteil werde ich (zwar Gott sei Dank auch nicht mit oft mit riesiger Differenzgeschwindigkeit) des öfteren überholt. Aber hier geht es eigentlich keinem mehr wirklich gut. Die Gesichter zeigen die Anstrengung. Wenn man etwas hört, dann mal mehr, mal weniger vernehmliches Keuchen… Naja. Irgendwann werde ich oben sein und werde mich durch die halbe Labe futtern…

Und so war es dann auch. Irgendwann war ich oben, fuhr wieder von hinten in die Verpflegungsstelle (auch wenn die Zeit mies ist, erst muss die Passhöhe erklommen sein, erst muss das Strava-Segment komplettiert sein, _dann_ wird die Verpflegung angesteuert) und stand da 21 Min und 43 Sekunden. Und während der gesamten Zeit war ich eigentlich nur am Kauen, am Trinken und liess mir meine Flasche neu befüllen…

Der Passo Giau. Am Sonntag hatten wir hier zwar etwas mehr Schnee, dafür aber Sonne. Diese Aufnahme ist vom vorangehenden Dienstag.

Der Passo Giau. Am Sonntag hatten wir hier zwar etwas mehr Schnee, dafür aber Sonne. Diese Aufnahme ist vom vorangehenden Dienstag.

Die folgende Abfahrt war wieder besonders toll. Das war die einzige Abfahrt, wo ich die Windjacke zusätzlich an hatte. Die hatte ich nämlich auf der Passhöhe schon während der Pause angezogen.

Nach einer landschaftlich reizvollen und schön flüssig zu fahrenden Abfahrt halte ich bereits vor dem Abzweig zum Falzarego-Pass an und stopfe die Jacke wieder in die Rückentasche. Den Anstieg zum Falzarego kann ich wieder besser, wie die spätere Auswertung zeigt, aber trotzdem nicht so gut wie im letzten Jahr fahren. Aber genießen kann ich sie – und dass ist ja die Hauptsache. :)

An der Falzaregolabe nehme ich einen Becher Cola, greife mir ein halbes Brötchen, aber kann es eigentlich nicht mehr wirklich sehen. Halb angebissen (sorry Umwelt, sorry liebe Helfer) werfe ich es in den Abfall. Nun ja, noch ein paar Meter den Valparola hinauf und dann ist es geschafft. Es folgt die, sehr windige, Abfahrt hinab nach Sankt Kassian und weiter zum Startort von heute morgen, nach La Villa. Nun nochmal den sanften Anstieg nach Corvara und dann folgt die Zieldurchfahrt dort. 138 tolle Kilometer durch die wunderbare und bis auf die morgendlichen Temperaturen wieder mal mit besten Bedingungen gesegnete Dolomitenwelt liegen hinter mir!

Zeit vom letzten Jahr überschritten? Ja. Hrmpf. Gnnngnn. Rrrrgrdoofhmpf – das werd‘ ich noch analysieren (hab‘ ich inzwischen ;-)). Tolle Fahrt durch die Dolomiten gehabt? Jepp! Schöne Fotos gemacht? Ohja!. Wirklich zufrieden sein dürfend, überhaupt heute morgen losfahren zu können, geschweige denn, die komplette Strecke bestreiten zu können; nach dem Sturz in der Vorwoche? Ja, ja und ja!

Also, was willst du dann? Nix – außer meine Pasta, meinen Apfelstrudel, mein Schnitzel im Brötchen und mein Bier (alles für Gutscheine vom Startpaket :)) und wieder einen Startplatz für das nächste Jahr! Maratona 2014, ich komme! :)

Nach der Maratona rollte ich zufrieden von Corvara Richtung Badia zu meiner Pension.  Hier bin ich kurz vor La Villa und damit dem Startpunkt vom Morgen. An der linken Straßenseite sind noch die Absperrungen zu sehen, die für das Wegräumen vorbereitet sind.

Nach der Maratona rollte ich zufrieden von Corvara Richtung Badia zu meiner Pension.
Hier bin ich kurz vor La Villa und damit dem Startpunkt vom Morgen. An der linken Straßenseite sind noch die Absperrungen zu sehen, die für das Wegräumen vorbereitet sind.

Now we are talking, Wilier Triestina – Das neue Cento1AIR

Rad fahren

Wilier Triestina, die traditionsreiche Rennradschmiede aus dem Veneto, hat etwas Neues vorgestellt: die fünfte Generation des Cento1, die Inkarnation des Cento1 als Aero-Racebike. Oder die Verschmelzung von Merkmalen der Zeitfahrmaschine Twinblade mit der Geometrie des Cento1SR. Das Cento1AIR!

Und was soll ich sagen: das erste neue Wilier Triestina Modell, was bei mir wieder einen „Haben Wollen“ Reiz auslösen könnte. Seht selbst:

Wilier Triestina Cento1AIR Red Fluo (Foto: Wilier Triestina)

Selbst das Designschema mit den abgewinkelten Linienzügen scheint bei den Formen und der Rahmengestaltung ein gefälliges Gesamtbild zu erzeugen. Ihr merkt an meiner Wortwahl, dass ich noch nicht vom Fleck weg hin und weg bin, sondern das Design durchaus noch etwas in mir „reifen“ muss, bzw. ich mir gerne ein vollweiß-rotes Farbschema wünschen würde.

Aber immerhin ist es wesentlich gefälliger und cooler als bei seiner Einführung am Cento1SR! Und, wie das Video anzudeuten scheint, ist auch die Oberseite des Oberrohrs so wie sie sein muss: rein und edel. Und nicht mit lauter „billigen“ und prolligen Feature-Buzzwords bedruckt wie beim Cento1SR. Denkt euch einfach als Beispiel den Vergleich zwischen einer hochwertigen, schnörkellosen Alu-Handballenauflage eines Apple MacBook und einem billigen Discounter-Laptop, wo auf dem Plastik neben Intel Inside Logo noch weitere nichtssagende und das Auge beleidigende Floskeln wie „DualBoostMode“, „SuperHiResDisplay“, „TruMotionTec“, „TwinSpark GTI BlaBlubb whatever“ draufgepappt sind.

Wilier take note: let the design and the handling speak for themselves. Don’t print cheap marketing hype buzzwords (assymetric rear arms and whatever) on the top tube or elsewhere on the frame. Those things are for the manual or your web site. Cento1SR was wrong, Cento1AIR seems right so far.

A pro pos Video. Hier ist es:

Ich bin sehr gespannt, wie die technischen Daten sind (Rahmen und Gabelgewicht) und wie es sich fährt. Z.B. ob die Aero-Sitzstütze gemeinsam mit dem Rahmen genügend Komfort bieten kann.

Und ich dachte schon, nach dem geradezu genial designten GranTurismo käme von Wilier Triestina gar nichts mehr, was das bei einem Rennrad so wichtige „Wow!“ bei mir auslösen könnte. Weder das .zero7, noch das Cento1SR konnten dies leisten. Schon gar nicht mit den in meinen Augen nicht sehr vorteilhaften Designs. Auch der Nachfolger des GranTurismo, das GTR, welches interessanterweise noch gar nicht auf der Wilier Triestina-Website zu sehen ist, ich aber schon im Laden angefingert habe, ist vom Design und der Lackierung ein Rückschritt vom GranTurismo, wie ich finde.

Aber das Cento1AIR im Farbschema „Dark“… joaaaa, ich würde es auf jeden Fall sehr gerne mal Probefahren! Im September diesen Jahres soll es verfügbar sein.

Wilier Triestina Cento1AIR „Dark“ (Foto: Wilier Triestina)