Die Ruhr bei Mülheim an der Ruhr.

Pfingsttour ins Blaue

Rad fahren

Jetzt muss ich aber langsam mal etwas zu meinen Bergischen Touren bloggen. Aufmerksame Leser, Twitter- und Strava-Follower wissen natürlich längst, dass ich meine Bahnen nicht mehr nur im wunderschönen Wittgensteiner Land und dem darüber hinausgehenden Rothaargebirge ziehe, sondern vermehrt im Bergischen Land mit dem Rad unterwegs bin. Schöne Ecken gibt es auch hier, wenn auch aufgrund Bevölkerungsdichte leider weniger Wald aber dafür mehr Ampeln meine Pfade kreuzen.

Auch sind die Steigungen leider kürzer; an Höhenmetern mangelt es dennoch nicht. Und es ergeben sich ganz neue Möglichkeiten. Etwa einfach mal von Wuppertal aus nach Norden an die Ruhr zu fahren.

Diese grobe Richtung schlug ich auch am schönen und sonnigen Pfingstsonntag ein, der leider einer der bisher wenigen Tage dieses Frühlings war, der uns mit dem kalten und regnerischen Frühling etwas versöhnen wollte. So war dies auch meine erste Rennrad-Tour in 2013, die ich in kurz-kurz durchführen konnte.

Ganz ohne vorgeplante Route fuhr ich sprichwörtlich ins Blaue. Warmes Wetter, strahlend blauer Himmel. Endlich mal ganz entspannt Grundlagenkilometer sammeln ohne sorgenvoll auf die Zugbahn dunkler Wolken oder das Regenradar schauen zu müssen. Oder einsehen müssen, dass das ohnehin alles nichts nützt und man nur froh sein kann, dass bei harten Intervalleinheiten am Berg der Regen nicht ganz so stört (wenn nicht die Bergabfahrten und das anschließende Putzen wären).

Nein, am Pfingstsonntag hatte ich alle Zeit der Welt und weder vom Wetter noch von irgend etwas anderem Druck, zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort zu sein. Beste Voraussetzungen also für einen entspannten Tag im Sattel und das Sammeln neuer Eindrücke.

Dazu galt es, zunächst einfach mal neue Wege zu fahren. Bog ich sonst hinter Dönberg immer Richtung Deilbachtal ab, wollte ich jetzt mal gerade aus nach Neviges durchfahren. Gedacht, getan. Der Ort lässt sich auf dieser Route auch ganz angenehm durchfahren und es folgt ein angenehmer, nicht zu steiler und schön zu fahrender Anstieg über die Bogenstraße hoch zur A 535.

Dahinter bin ich dann Richtung des auf der Karte eingezeichneten Tagebaus / Tagebausees weiter den Schildern zur Gaststätte Kleine Schweiz gefolgt. Die war auch gut besucht, einen Ausblick konnte ich aber dort nicht erhaschen. Auch nicht nach der folgend in Kauf genommenen Abfahrt über einen etwas ausgewaschenen Waldweg, die mich danach, dann wieder auf Asphalt unterwegs, immerhin an diversen Schildern an versperrenden Toren zu einem Kalktagebau der Rheinkalk-Werke vorbei.

Ich war danach schnell in Velbert und hätte mir am liebsten einige kleine Sträßchen gewünscht, die mich durch’s Grüne hinab an die Ruhr geführt hätten. So ganz ohne Routenplanung langt der schnelle Blick auf den Garmin da ja nicht, um aussagekräftige Information zu erhalten. Also folgte ich der Straßenbeschilderung Richtung Essen-Kettwig und konnte dennoch schöne Landschaft genießen, kam ich doch an einem besonders schönen Rapsfeld vorbei.

GranTurismo und Pfingstraps

GranTurismo und Pfingstraps

In der Folge kam ich dann nach einer kleinen Abfahrt am Ende der Langenbügeler Straße an der Ruhr bei Kettwig heraus. Hier war ich vor einigen Tagen auch schon mal mit meinem ersten Groupride in dieser Region vorbeigekommen. Die Kettwiger Ruhraue hat auch ihre Reize, die ich heute für mich allein auch etwas ausführlicher aufnehmen konnte. So kam ich bald an Schloss Hugenpoet vorbei. Von der Straße aus kaum zu sehen, weisen von Kettwig kommend nur zwei versteckte Parkhinweis-Schilder zunächst darauf hin.

Neugierig bog in die folgende Seitenstraße ein und stand sofort vor dem von Gräften, so heißen die Wassergräben, umgebenen dreiteiligen Wasserschloss.

Schloss Hugenpoet

Schloss Hugenpoet

Ein sehr schöner Bau, der als Hotel genutzt wird und in dessen Innenhof ein anscheinend nettes, aber auch gediegeneres Klientel aufweisendes Café betrieben wird. Schilder klären auch über die Herkunft und Bedeutung des Namens Hugenpoet auf, der mit Hugen (Kröte(n) und Poet (Pfütze) als Krötenpfuhl eigentlich wenig liebreizend erscheint, was allerdings ganz im Gegensatz zur äußeren Erscheinung des Schlosses steht.

Herrenhaus und Innenhof des Schlosses Hugenpoet

Herrenhaus und Innenhof des Schlosses Hugenpoet

Im Anschluss musste ich auf kleinen Nebenwegen dort auch unbedingt noch ein paar Panda-Aufnahmen machen, um das Fahren in kurz-kurz bei Sonne zu dokumentieren! :)

Pfingst-Panda

Pfingst-Panda

Wie das Foto andeutet, war ich übrigens im Wittgensteiner Wisent-Welt Kit unterwegs. Habe also beste Werbefläche mit höchstem Impactfaktor (Feiertag, jede Menge Leute unterwegs) für den Kreis Siegen-Wittgenstein und für die Wisent-Welt Wittgenstein im Bergischen und im Ruhrgebiet geboten. :)
Ob das da jemand zu Schätzen weiß?

Weiter ging es flach entlang der linken Ruhrseite bis nach Mülheim an der Ruhr, dort überquerte ich dieselbige. Nicht ohne eine Panoramaaufnahme anzufertigen und etwas dem Treiben auf dem Radweg auf der Brücke und unten auf den Uferwegen zu zu schauen und dabei einen selbstgekochten Reiskuchen (herzhaft auf Sushi-Reis-Basis) zu essen.

Die Ruhr bei Mülheim an der Ruhr.

Die Ruhr bei Mülheim an der Ruhr.

Weiter flach fuhr ich nun auf der rechten Ruhrseite durch die Kettwiger Ruhraue Richtung Kettwig, durch Kettwig hindurch und entlang der Ruhrtalstraße nach Essen-Werden, um dort wieder auf die linke Ruhrseite zu wechseln. Der Ortskern von Werden machte einen angenehmen Eindruck auf mich. Ich bog in die Heckstraße ein, um zum Baldeneysee zu gelangen und stieß in der Folge zunächst auf die alte Schleuse Neukirchen, die, so weiss es Wikipedia, aus den Jahren 1777 bis 1778 erbaut wurde. Heute liegt sie aufgrund des 1933 aufgestauten Baldeneysees trocken, steht aber unter Denkmalschutz.

Wehr und Schleuse Baldeneysee

Wehr und Schleuse Baldeneysee

Das Wehr und die Schleuse des Baldeneysees, des größten der sechs Ruhrstauseen, kann von hier aus auch bereits gesehen werden und ab hier befinde ich mich auch auf dem stark durch andere Passanten, Feiertagsradler, Jogger und Skater frequentierten Uferweg, der sich bis nach Essen-Kupferdreh fast immer unmittelbar am Ufer des Sees anschmiegt. Sehr schön aber auch nichts zum Tempo machen. Insbesondere natürlich nicht an einem Feiertag bei bestem Wetter. Aber das ist mir gerade recht. Jetzt ist etwas Zeit zum Sehen und gesehen werden, zum flanieren per Rad. :)

Am Baldeneysee

Am Baldeneysee

Die Zeit ist schon etwas vorangeschritten und ich überlege, ob ich genügend Reiskuchen dabei habe. Eine kurze Einkehr mit Kaffee und Kuchen wäre jetzt recht. Mit Ausblick und ohne Zwang, das Rennrad irgendwo abstellen zu müssen. Alles zusammen finde ich am Hardenbergufer bei Haus Scheppen, wo auch der Hesperbach in die Ruhr mündet.  Plötzliche (und auf diesen Punkt beschränkte) Motorraddichte zeigt es an: hier führt eine weitere Zuwegung an den Baldeneysee und es gibt Parkmöglichkeiten. Aber auch Imbissstände, die nicht nur Fritten und Bratwürste, sondern auch einen sehr leckeren Apfelkuchen und Kaffee in die Pötte zaubern. Und das mit einer höchsteffizienten Abwicklung am Bestell- und Ausgabefenster. Zufrieden tanke ich also mit diesen nachwachsenden Rohstoffen auf und beobachte das Treiben um mich herum.

Hier ist etwa Halbzeit auf dem Uferweg zwischen Stauwehr und Stauwurzel. Ich schaue mir noch kurz den Innenhof von Haus Scheppen an – wer mag, kann hier auch etwas ruhiger auf der Außenterasse Kaffee und Kuchen oder anderes genießen – und fahre dann weiter entlang des Ufers des Baldeneysees. Bei Essen-Kupferdreh am Lukas hat mich die Hauptstraße wieder und ich überlege, wie ich wohl am günstigsten weiter entlang der Ruhr fahre.

Ich entschließe mich dafür, der K3 folgend sofort die Ruhr wieder zu ihrer rechten Seite hin zu überqueren und bin dann kurze Zeit später ob der Verkehrsführung, der zunehmenden Spurenanzahl und Autobahnauffahrtschildern irritiert. So fahre ich nicht weiter gen Norden, sondern biege in ein Wohngebiet ab, um die stark ausgebaute B 227 zu flankieren. Nützt aber nichts, bald folgt eine kurzweilige Abfahrt, die mich wieder auf die Bundesstraße führt. Immerhin entdecke ich so eine beampelte Überquerung und einen durchaus auskömmlichen Radweg auf der rechten Seite. Dem folge ich bis zur Beginn der Ruhrallee in dem, was Google Maps als Stadbezirke II (von Essen) benennt. Nun ja. Hier biegt der Radweg wieder zur Ruhr hin ab, ist für mich aber nicht mehr vom Ausblick so interessant. So überwiegen die Nachteile (schmal, langsame bewegte Hindernisse) und ich nutze die erste Gelegenheit, die mir eine nah parallel verlaufende Straße bietet, um dem Radweg zu entfliehen.

Ich bin jetzt auf der Westfalenstraße und folge der abknickenden Ruhr alsbald durch ein Abbiegen auf die K5 und der groben Beschilderung Richtung Bochum-Dahlhausen. Dort komme ich direkt am Eisenbahnmuseum vorbei (in früheren Tagen wollte ich hier immer mal hin – hier und heute interessierte es mich nicht so, ist aber sicher einen Besuch Wert). In der Folge komme ich an einem interessanten Wehr und einer interessanten, seltenen Brückenart, einer Schwimmbrücke, vorbei.

Diese lasse ich heute aber rechts liegen und folge der Straße, die aber sehr bald rechtwinklig von der Ruhr abknickt und in Form einer Pflasterpassage – jaaa, Pavé! ;-) – etwas ansteigend in die Mitte des Stadtteils Linden führt. Es gibt – natürlich – auch ein entsprechendes Segment auf Strava („Pah, those wanna be COBBLES?„). Nein, es ist nicht von mir und ich sah das auch erst nach dem Hochladen meines Tracks auf Strava. In der Folge führt die Straße wieder hinab zur Ruhr; zum Ruhrwehr Hattingen. Das Pflaster ist weg, dafür verlaufen nun Straßenbahnschienen unangenehm nah auf dem rechten Fahrstreifen.

Durch Hattingen der L 651 folgend geht es relativ unspektakulär, danach geht es aber mit kurzen Gegengefällen im Grunde langsam aber stetig Sprockhövel umfahrend bis nach Hasslinghausen bergauf. Erst mal dort angekommen, geht es relativ flach auf der Höhe wieder zügig nach Wuppertal. Der Blick nach links über die Schulter zeigt schöne Ausblicke über das Tal der Ennepe und eine schöne Pfingsttour geht zu Ende.

Distanz: 101,7 km, Höhenmeter: 1128 m, Zeit: 5 h 59 m, Durchschnittsgeschwindigkeit: 17,5 km/h, Durchschnittsgeschw. in Bewegung: 23,1 km/h, Durchschnitts-HF: 124

auf Strava:

Strava_20130519

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