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Getestet: Cervo Rosso Corsa SR01 Thermal Tights

Produkttests, Rad fahren

Auch wenn es in der letzten Woche von den Temperaturen und der Sonne her eher Sommer war (fast mehr Sommer als im kalendarischen Sommer dieses Jahr…), wir haben Herbst. Und bald Winter. Aber eigentlich haben wir gerade jetzt schon zwei Tage Winter hinter uns. Ein Temperatursturz von über 20 Grad innerhalb weniger Tage brachte den ersten Schnee der Saison 2012/2013. Für solche Bedingungen braucht man funktionelle Kleidung, um sich auf dem Rad wohl zu fühlen und genau den richtigen Grad an Wärmung, Schutz und Atmungsaktivität in einem weiten Aktivitätsbereich zu haben.

Keine einfache Sache. Vor allem, da eine typische Herbst- oder Winterausfahrt viele unterschiedliche Bedingungen aufweisen kann. Vom morgendlichen Start über vielleicht doch überraschend warme Mittagssonne in die Kälte eines bewaldeten Tals oder einer im Schatten liegenden Bergflanke. Oder vom noch halbwegs angenehmen Feierabend-Nachmittag in die Kälte der Nacht. Nehmen wir jetzt noch unterschiedliche Belastungsgrade hinzu – schweisstreibende Anstiege, harte Intervalle oder auskühlende Abfahrten – und es wird klar, dass Radsportbekleidung flexibel sein und jede Menge leisten können muss.

Da traf es sich sehr gut, dass mich Anfang Oktober Cervo Rosso kontaktierte, ob ich nicht ihre Corsa SR01 Thermal Tights ausprobieren wollte. Ja, wollte ich. ;-)

Herbstausfahrt am Rösper Weiher mit der Corsa SR01 Thermal Tight

Bei Hosen durchlaufe ich typischerweise einen Jahreszyklus. Bin ich zunächst noch mit Bibshorts (also kurzen Radhosen mit Trägern) gut ausgerüstet, kommen bei kühleren Ausfahrten Kniewärmer oder sogar Beinlinge zusätzlich zum Einsatz. Je nach dem ziehe ich auch gerne 3/4 Bibshorts an, wenn die Temperaturen auch mitten am Tag definitiv nichts für normale Bibshorts sind.

Wenn es dann noch kälter wird, typischerweise ab November, wenn ich in der Woche auch erst im Dunklen zu einer Trainingsfahrt aufbrechen kann, dann bleiben die Beinlinge und Co daheim. Dafür ziehe ich über die normale Bibshorts dann eine separate lange Hose mit etwas dickerem Material. Eine typische Herbst/Winter Jogging Tight. So sind die Beine schön warm und Oberschenkel und Po haben sogar eine doppelte Lage Stoff – die Bibshorts und die Jogging Tight. Und ich finde, da zählen diese Stoffschichten auch. Diese Kombination ist für die Beine also sehr praktisch und vielseitig. Die hochwertigen Radhosen mit entsprechenden Polstern werden das ganze Jahr genutzt. Und wenn es richtig kalt ist, kommt eine weitere Hose ohne Polster darüber.

Genau eine solche Hose ohne Polster ist die Corsa SR01 Thermal Tights. Es gibt sie aber auch in einer Version mit Polster.

An Materialien kommt Super Roubaix und Thermodream zum Einsatz. Gerade das erstere habe ich auch schon in verschiedenen anderen Kleidungsstücken und finde es ein tolles Material. Leicht, dehnfähig und trotz auch dünner Lagen über einen recht weiten Temperaturbereich behaglich.

Angenehm auf der Haut und schön verarbeitet

Diese Hosen enden oben nicht am „Bund“ wie meine bisherige Jogging Tight, sondern besitzen ebenfalls Träger. Sind also Bib Tights.
Während das generell eine gute Idee auf dem Rad ist (nichts rutscht, auch der Rücken ist geschützt, selbst wenn das Trikot oder die Softshell etwas hoch sitzt), war ich doch hier im Vorfeld am Grübeln: Hosen zum drüberziehen. Also Standardmässig in Kombination mit Radhosen zu tragen. Die ja überwiegend auch Träger haben. Bibshorts also. Wären da zwei Sätze Träger nicht etwas zu viel des Guten, kämen sich gegenseitig ins Gehege und wären dann doch unkomfortabel?

Generell eigentlich schon. Aber ich habe sie mit zwei verschiedenen Bibshorts getestet und konnte keine Probleme oder Störendes feststellen. Passt also und so können die Vorteile zum Tragen kommen: zusätzlicher Schutz gegen Auskühlen des Oberkörpers bzw. der Taille und optimaler Sitz.

Hier die Cervo Rosso Corsa SR01 Thermal Tights über eine Bibshorts einer anderen Schweizer Marke mit A – die Träger sitzen komfortabel übereinander.

Hier die Cervo Rosso Corsa SR01 Thermal Tights über eine Bibshorts einer anderen Schweizer Marke mit A – die Träger sitzen komfortabel übereinander. Zu sehen ist auch eine eingesetzte Rückentasche.

A pro pos optimaler Sitz. Den haben sie. Und das finde ich schon bemerkenswert, tue ich mir doch in der Regel schwer, passende Hosengrößen zu finden. Das ist bei kurzen Hosen noch recht einfach. Schließlich macht es relativ wenig, wenn ein passender Sitz mit leicht längeren oder kürzeren Beinen erkauft wird. Bei Trägerhosen wird es schon schwieriger. Jetzt muss die Trägerlänge der genau passenden Hose auch noch mit der Oberkörperlänge zusammenpassen. Natürlich kann eine hohe Dehnfähigkeit der Träger da vieles anpassen – aber zu labberig dürfen diese Träger ja auch nicht sein. Und bei langen Hosen muss jetzt noch die gesamte Beinlänge richtig sein.

Üblicherweise trage ich bei den italienischen (und anderen) Marken bei den Trikots M und bei den Hosen L. Denn ich habe weder Storchenbeine noch einen verhältnismäßig kurzen Oberkörper und so finde ich M bei Hosen meist zu überstretcht über den Oberschenkeln und/oder zu eng in die Schultern schneidend bei den Bibträgern.

Cervo Rosso versicherte mir aber, dass sie zwar in Italien fertigen, aber ihre Größentabellen nicht auf diese winzigen, klassischen italienischen Größenangaben ausgerichtet wären. Also zog ich Cervo Rossos Size Guide zu Rate und landete bei einer angepassten Schätzung von „M“. Angepasste Schätzung deswegen, weil ich dem Guide die S/2 nicht abgenommen habe… ;-) Mit meinen Maßen wäre es eine Größe S gewesen. Bei gleichen Maßen, aber einem Gewicht über 70 kg wechselt die Größe nach M. Eine Größe kleiner als ich sonst trage, das Wagnis ging ich ein und orderte also die Größe M/3.

Ja, und die passt wie gesagt optimal. Bei dem Panelschnitt und den Nähten, die direkt am Knie zusammenlaufen, dachte ich erst: „Hmmm, na, ob das optimal ist?“. Aber doch, das ist es. Diese Hosen passen super, sind absolut komfortabel und trotz ihres Thermo-Einsatzzweckes kaum spürbar.

Ein tolles Detail sind die Fußschlaufen. Kein Reisverschluss stört an der Wade. Und wichtiger: kein Reisverschluss stört an der Schuhkante oder stört im Schaft von längeren Winterschuhen. Bei meiner normalen Jogginghose bin ich zum Schluss immer dazu übergegangen, den Reisverschluss der Beinabschlüsse gar nicht ganz bis nach unten zu ziehen, was natürlich auch nicht optimal ist. Aber im Schaft hat er mir bei längeren Ausfahrten störend an die Knöchel gedrückt. Bei den Corsa SR01 Thermal Tights ist das überhaupt kein Problem. Nichts stört (auch nicht die Fußschlaufe – diese ist so dünn, dass ich sie im Radschuh nicht spüre) und das Bein ist bis zum Fuß vollständig umschlossen. So hat Zugluft, die sonst zwischen Schuh und Beinabschluss an die Socken kommen könnte, keine Chance.

Fußschlaufen der Corsa SR01. Links Innenfuß-, rechts Außenfußseite.

Zum Thema Jogginghose, mit der ich die Corsa hier immer vergleiche. Eignet sich die Corsa SR01 auch für alternative Sportarten? Z.B. zum Laufen? Das ist ja mit einer der Vorteile eines solchen Kombinationsansatzes von gepolsterter Bibshorts und ungepolsterten Überzieherhosen.

Also bin ich einfach einmal eine halbe Stunde damit gelaufen. Erster Punkt, die Träger. Manche Radhosen sind so konstruiert, dass sie ihren optimalen Sitz in Radfahrposition aufweisen. Ich mag das. Das kann aber soweit führen, dass z.B. die Träger bei aufrechtem Stand etwas zu eng in die Schultern ziehen. Bei der Corsa SR01 stören die Träger auch im aufrechten Stand bzw. beim Laufen nicht. Sehr gut.

Leider habe ich beim Laufen festgestellt, dass mich die Fußschlaufen in den Laufschuhen doch etwas stören. Und zwar nicht, weil sie drücken würden, sondern weil ich etwas das Gefühl habe, über sie zu rutschen. Es ging aber eigentlich. Aber als ich zum Ende meines Laufes nach unten nach meinen Füßen schaute, sah ich, dass die Fußschlaufen durch das Laufen komplett über die Ferse nach hinten und aus den Schuhen gerutscht waren. Doof. Also leider, leider nicht zum Laufen geeignet, finde ich.

Was haben die Corsa SR01 Thermal Thights noch für Features neben Trägern und Fußschlaufen? Da wären eine Reflexions-Linie auf dem Oberschenkel entlang des eingesetzten Seitenpanels sowie beidseitig je ein zusätzliches kleines Reflexions-Flap. Für eine Thermal Tight, die vorrangig in der dunklen Jahreszeit zum Einsatz kommt, gerade so ok. Etwas mehr Reflexionsfläche, gerne auch an den Waden, wäre willkommen.

Am Rücken ist noch eine zusätzliche Tasche (deren Oberkante mit Reflexionsmaterial gesäumt ist – an einer Stelle, die leider nie jemand im Einsatz sehen wird). An den Inhalt dieser Tasche kommt man unterwegs aber nicht heran – es sei denn, man würde alle Kleidungsstücke des Oberkörpers ablegen. Würden Profis bei Rennen solche langen Hosen tragen, dann wäre es möglicherweise ein guter Platz für den Radio-Transponder. Aber sonst… Naja, die Tasche stört auch nicht, von daher… ;-)

Cervo Rosso Badge und Rückentasche

Und? Thermal Tights. Wie „Thermal“ sind sie denn?

Ich habe die Hosen nun (jeweils über eine normale Bibshorts) während 5 verschiedenen, längeren Ausfahrten getragen. Auf dem Rennrad, auf dem Crosser. In Nightrides, bei bewölktem Wetter und die letzten beiden Tage bei bis zu Minus 4 Grad Celsius. Während intensiver Fahrten und während eher erholsamen Bummelausfahrten, auf denen ich fast mehr fotografiert als gefahren habe.

Cervo Rosso nennt diese Hosen „Thermal Tights“ und spricht im beschreibenden Text auf der Produktseite von „Winter Tights“.

Sind es klassische Winter Tights? Das kommt auf das individuelle Wärmebedürfnis bzw. Kälteempfinden drauf an, würde ich sagen. Diese Hosen gehören zu Cervo Rossos Performance Ware. Und „Performance“ muss man hier wörtlich nehmen. In diesen Hosen muss man Performance abliefern und wird in nichts dadurch gestört. Wenn man also aktiv genug ist, dann sind diese Hosen auch für Temperaturen unter dem Gefrierpunkt gut. Nach meiner eigenen Einschätzung dürften sie gerne noch etwas dickeres Material aufweisen, damit sie noch etwas wärmer halten, wenn man auf einen Nightride geht oder Windchill (den man auf dem Rennrad per Definition hat) bei Minusgraden ertragen muss. Heute am späten Nachmittag, im Schatten und mit über 30 km/h bei minus 3 Grad unterwegs, hätte ich mir schon noch etwas wärmere Beine gewünscht. Fand schon, dass meine Oberschenkel etwas durch die Temperaturen litten. Mir war nicht kalt, aber ich spürte schon, dass sie einfach nicht die optimale Betriebstemperatur erreichen konnten.

Mein Testergebnis:
Sehr schön verarbeitete, toll passende, komfortable Hosen für die Übergangszeit und den Winter bis zu etwa Minus 3 Grad mit schönen Details. Je nach persönlichem Empfinden vielleicht doch etwas zu kühl wenn es noch kälter wird oder geringe Aktivitätsgrade vorherrschen (Pausen, lange Passabfahrten). Dafür aber kaum spürbar und damit optimal für Performance geeignet. Und dies auch bei wärmeren Temperaturen, wie z.B. 8 oder 10 Grad. Von daher könnte ich mir auch sehr gut die Corsa SR01 mit eingesetztem Polster als alleinige Hose ohne Bibshorts drunter für die Übergangszeit vorstellen. Der Stoff ist über einen verhältnismäßig weiten Temperaturbereich einsetzbar.

Ride in Style :)

4 Gedanken zu “Getestet: Cervo Rosso Corsa SR01 Thermal Tights

  1. Schöner Bericht, schöne Fotos.

    Die Sache mit den Fusschlaufen und Joggen ist denke ich ein Grundproblem, kein Fehler der Hose. Kann mich auch nicht erinneren Laufhosen mit Schlaufen mal gesehen zu haben (ok ok, gibts bestimmt, aber nicht in der Mehrzahl). Find Fusschlaufen extrem praktisch das dadurch der Übergang zu den Socken gut abgedichtet wird. Die Tasche finde ich schon etwas merkwürdig. Auch wenn sie nicht stört, erwarte ich schon durchdachte Produkte in dieser Preislage. Und wenn die Tasche einfach so ungünstig angebracht ist das sie unbenutzbar ist, hätte man es auch lassen und 2,5 Euro sparen können.

    Was mir gefällt sind die schönen breiten Träger. Machen nen prima Eindruck :)

    1. Danke, ja – das mit dem Rausrutschen der Schlaufen mag wohl ein generelles Problem sein. Da kann man nichts machen. Werde die Hosen aber vielleicht auch mal beim Langlauf testen. Dafür sind sie halt um so besser für den eigentlichen Zweck, dem Radfahren, geeignet.

  2. Da kann ich mich Markus insgesamt anschließen. Die „Abdichtung“ bis zum Fuß scheint mir ein sehr wichtiger Aspekt zu sein und ist durch die breiten Schlaufen prima gelöst. Schöner Bericht!

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