Biggetalsperre Panorama und GranTurismo

Berge und Wasser: von Erndtebrück durchs Sauerland zur Biggetalsperre und zurück

Rad fahren

Heute (d.h. am letzten Samstag, den 2.6.2012) wollte ich mal eine richtig lange Tour fahren. Einen Allzeit-Rekord hatte ich mir abgeschminkt, dazu war’s mir irgendwie noch zu kalt und so früh am Tag wollte ich auch nicht los. Aber es sollte länger als die bisherigen Touren dieses Jahr werden. Hierfür suchte ich mir kurzerhand eine Tour der Bike-Arena Sauerland halbwegs passender Länge heraus, die mitsamt Verbindungsanfahrt für die nötigen Kilometer sorgen sollte. Ich wählte „Berge und Wasser“ :)

Normalerweise hätte ich diese noch etwas ausgeschmückt und selbst nachgeplant. Am letzten Wochenende bzw. davor hatte ich aber wenig Zeit und so schob ich die Tour wie heruntergeladen auf den Garmin. Hatte mir auch vorher nicht sehr genau den Track angesehen – würde schon passen. So war unterwegs auch für Spannung gesorgt, wo es denn jeweils langführen würde… ;-)

Ja, eine sehr schöne Tour! Aber kalt war es. Nicht ein bisschen – nein, richtig kalt. Auf dem Balkon war ich noch am grübeln. So windgeschützt und voll in der Sonne war es relativ angenehm. Aber die Luft war echt kalt. So zog ich vorsichtshalber doch die 3/4 Bibshort an und packte mir die Armlinge in die Trikottasche. Draußen vor der Tür zog ich dann sofort die Armlinge an. Fuhr los. Und drehte nach wenigen hundert Metern erst mal eine Schleife zurück vor die Haustür. Rein, eine zweite Weste (eine solide Gore-Windweste) und Handschuhe geholt und angezogen. Mann mann…

Dann ging es aber richtig los.
Über Röspe und Wingeshausen und Fleckenberg nach Schmallenberg, von dort über Gleidorf nach Bad Fredeburg und da dann auf einen sehr schönen Radweg, der auf glattem, schmalen Asphaltband über eine alte Bahnlinie verläuft. So ging es mit Schwung und Mühelos bis Dorlar und von dort über eine Hügelkuppe nach Menkhausen.

Hier fand ich mein erstes Fotomotiv des Tages (nicht, dass es vorher keine hübschen Stellen gegeben hätte – ganz im Gegenteil. Ich wollte nur erst mal „Meter“ machen): Eine hübsche kleine Kapelle, die weissgeputzt in der Sonne strahlte.

Kapelle in Menkhausen

Direkt nebendran ein schöner Rast- bzw. Dorfplatz mit Brunnen, angeschlossenem Spielplatz und einem kleinen, aber feinen Gemeinschafts- und Feierheim bzw. einer Grillhütte.

Schöner Rastplatz in Menkhausen

Damit sich der Fotohalt lohnte, verzehrte ich hier einen ersten Riegel. Bzw. Besser nur 2/3 davon – nur nicht übertreiben… ;-)

Etwas weiter südlich im Sauerland (nicht heute befahren) fand ich die Landschaft schon mal öder, nicht so hier und heute. Weiter ging es äusserst lieblich über kleine Sträßchen durch Cobbenrode und weiter. Überhaupt, kleine Sträßchen: Wirklich eine toll geplante Tour. Fast durchgehend auf kleinen, sehr ruhigen und schönen Straßen. Ob ruhige Landstraßen, Kreisstraßen, Radwege oder Wirtschaftswege – prima.

So ging es wellig bis abfallend über Fretter und Deutmecke bis nach Finnentrop, bzw. eher Bamenohl. Und als ich so auf die Bamenohler Straße (hier also ausnahmsweise mal ein Stück auf einer Bundesstraße, der B 236, aber mit einem Radweg) einbog und wenige Meter auf dem Radweg gerollt war, sah ich auf einmal dies hier:

Wasserkraftwerk Bamenohl

Von der Art des Gebäudes und den links dahinter sichtbaren hochgefahrenen Schütztafeln und der Böschung war sofort klar: Oi, eine Wasserkraftanlage! Und ich kann an keiner Wasserkraftanlage einfach so vorbeifahren. ;-) Das musste ich also näher inspizieren. Ich stand an der Wasserkraftanlage Bamenohl, ein Wasserkraftwerk der Lenne und Listerkraftwerke GmbH (LLK). Ein Ausleitungskraftwerk, das Wasser aus der Lenne entnimmt, über einen 2 km langen Obergraben zum Krafthaus zuführt und die so gewonnene Fallhöhe von maximal 7,5 m mit zwei Zwillings-Francis-Turbinen (je 6,3 m³/s Schluckvermögen) abarbeitet.

Fassadendetails Wasserkraftwerk Bamenohl

Es ist Baujahr 1923. Ach, damals hat man sich auch in der gesamten Architektur noch richtig Mühe gegeben, ja, war teilweise geradezu verspielt. Das hier soll Jugendstil sein. Der maschinentechnische Teil, wie Turbine, Generator und das drumherum soll ebenfalls noch aus dem Jahr 1923 stammen. Das ist das schöne an der Wasserkraft: robust und langlebig. Lediglich die Generator- und Turbinensteuerung wurde vor einiger Zeit automatisiert.

Der Obergraben war allerdings trocken. Hier kann man die Oberwasserseite mit dem Einlaufrechen, dem Nebenschuss, das Krafthaus und einem tollen Rennrad ;-) sehen:

Wasserkraftwerk Bamenohl (und Wilier Triestina GranTurismo :))

Warum der Obergraben trocken war, sah ich wenig später. Er wurde weiter oben neu angelegt. Ob er früher schon im entsprechenden Bereich als Trog ausgeführt war, kann ich nicht sagen.

Einlaufrechen Wasserkraftanlage Bamenohl

Obergraben der Wasserkraftanlage Bamenohl, abgelassen

Neugestaltung Obergraben Wasserkraftwerk Bamenohl

Neugestaltung Obergraben Wasserkraftwerk Bamenohl

Neugestaltung Obergraben Wasserkraftwerk Bamenohl

Neugestaltung Obergraben Wasserkraftwerk Bamenohl, Überlaufschwelle

Neugestaltung Obergraben Wasserkraftwerk Bamenohl

Neugestaltung Obergraben Wasserkraftwerk Bamenohl

Nachdem ich genug Fotos gemacht hatte und dabei die heute zum ersten Mal frisch angezogenen, weissen Campagnolo Lycra-Schuhüberzieher schön mit Flecken von frisch sprießendem Gras entlang des Obergrabens eingesaut hatte (Grmpf) war ich auch am Abzweig zum Repetal angelangt, der Repetalstraße. Ein letztes Foto noch an selber Stelle – mein treues und überaus schickes Wilier Triestina GranTurismo:

Wilier Triestina GranTurismo - typischer Fotohalt...

Wilier Triestina GranTurismo – typischer Fotohalt…

Entlang von Niederhelden, Helden und Repe kam man nicht umhin zu bemerken, dass die landschaftlichen Reize und die Nähe des Biggesees den Leuten scheint’s ein gutes Auskommen zu geben schien. Sehr gepflegte Orte, kleinere Pensionen und größere Hotelanlagen, hier mal ein Gestüt und da mal ein Golfplatz…

Hinter Repe fand ich mich dann auch auf der Biggeseestraße wieder und bald darauf bei Bremge tatsächlich am Biggesee selbst.

Biggetalsperre Panorama und GranTurismo

Biggetalsperre Panorama und GranTurismo

Erst hat man einen Baumstreifen zwischen sich und dem See, dann aber volle Sicht und kommt auch direkt hinter der im Foto dargestellten Brücke auf einen schönen Rad- und Spazierweg durch den Wald und in der Folge entlang des Sees bis nach Olpe hinein. Eine sehr schöne Strecke. Nur kurz vor Olpe ist mit erhöhtem Fußgänger, Spazierenfahrer und Skater-Aufkommen zu rechnen. Heute ging es aber. Dennoch sollte man sich hier auf dem letzten Stück auf geruhsames Bummeltempo einstellen. Dafür gibt es ja auch viel zu sehen. :)

Kaum in Olpe angekommen und hindurch gerollt, wird es auf der K 6 schon wieder total ruhig. An dieser Stelle hier biegt die Strecke auf die K 10 nach Thieringhausen ab.

An der K6 hinter Olpe

An der K6 hinter Olpe

und genau hier befindet sich auch ein Heiligenbild, wie ich sah.

Heiligenbild

Heiligenbild

Nach Thieringhausen geht es erst mal wieder ein klein wenig bergauf, um nun ein Wegstück mit kurzen Wellen bzw. kleinen Steigungsstücken einzuleiten. Dafür kann man aber weit schauen:

Weiter Blick vor Altenkleusheim

Weiter Blick vor Altenkleusheim

Und die Windkraftanlagen am Horizont; da fährt man dann so rund 10 km später dran vorbei… ;-)

Kaum dran vorbei, führt die Strecke wieder abwärts. Und während ich so dahinrolle, meldet sich (wie heute schon ein paarmal) der Garmin und sagt, ich wäre von der Strecke abgekommen. Oh – hier wird also künstlich Strecke gemacht, sehe ich, und kehre also kurz vor Rahrbach um, um einmal über einen Höhenkamm herüber nach Oberveischede und dann danach über den selben Höhenkamm wieder zurück. So kommen neben den Kilometern aber auch noch ordentlich Höhenmeter und auch die schöne Strecke durch den Wald hoch Richtung Apollmicke hinzu.

Nun kann ich es trotz mittlerweile 130 zurückgelegten Kilometern bis nach Kirchhundem und dann Würdinghausen schön fliegen lassen. Ich bin die ganze Strecke bewusst locker gefahren und freute mich, auch nach der langen Fahrtzeit gut und mühelos unterwegs sein zu können.

Überhaupt war mein Begrenzer heute nur (und das erst einige Zeit vor Schluss, aber noch beherrschbar), der Hintern. Hierfür hatte ich auch gesorgt, in dem ich doch ab und an einfach mal eine ausgiebige Fotopause machte. Und mich für meine insgesamt 3 Riegel auch jedesmal hingestellt (und sie nicht im Fahren verzehrt) hatte. Kein Begrenzer, aber zum Schluss dann spürbar war: der untere Rücken. Aber für die insgesamt 162 km, die ich dann nach dem Abschlussanstieg zum Rhein-Weser-Turm und der folgenden Abfahrt nach Röspe und dann dem Rest nachheim hinter mich gebracht hatte, voll in Ordnung, finde ich.

Schee – und kalt – war’s. :)

Distanz: 161,9 km, Höhenmeter: 2932 m, Zeit: 7 h 54 m, Durchschnittsgeschwindigkeit: 20,4 km/h, Durchschnittsgeschw. in Bewegung: 25,1 km/h, Durchschnitts-HF: 121

auf Strava:

Foto-Galerie:

2 Gedanken zu “Berge und Wasser: von Erndtebrück durchs Sauerland zur Biggetalsperre und zurück

    1. Ja, war echt schön. Die Bike-Arena ist echt rührig. Ich glaube man kann/konnte über outdoor-active auch eigene Touren beisteuern. Jedenfalls sind zu letztem Jahr noch einige Touren hinzugekommen.

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