Wilier Triestina GranTurismo - mit neuen "Schlappen" ;-)

Letztes, richtiges Training vor dem Maratona. I’m ready :)

Rad fahren

Wilier Triestina GranTurismo – mit neuen „Schlappen“ ;-)

Build 3, Woche 2. E2 bzw. freie Ausfahrt.

Heute zum Trotz Sonnencreme LF 30 gekauft! So, Sonne. Eat this!

Mann, Mann – ich glaube, dieses Jahr habe ich bisher gerade 4 mal Kurz-Kurz getragen, wenn’s hoch kommt. Auch heute wieder: 16,1 °C im Schnitt und mit 3/4 Bibshorts, Trikot, Armlingen und Windweste gut angezogen gewesen. Tan Lines können sich so ganz gewiss nicht einstellen…

So, das war das letzte, richtige Training vor dem Maratona. Ab jetzt wird nur noch etwas gerollt, bzw. Sightseeing in den Dolomiten betrieben. Mithin: Tapering. :)

Mein Trainingsload Ramp Up 2012 bis heute. ATL, CTL und Training-Stress-Balance.

Obiges Bild zeigt meinen Trainingsload Ramp up 2012 bis heute. Die Abbildung stammt aus dem Training Load Plugin für SportTracks. All Time High. :)

In Bad Berleburg schloss hinter einer Ampel auf einmal ein Teamkollege auf mich auf. Teamkollege? Moooment – der Hügelreiter hat ein Team? Jo – in der Tat. Mehr dazu und zum zweiten Jahreshöhepunkt gibt es nach dem Maratona. Mit Andreas bin ich dann von Berleburg über Weidenhausen bis zur Leimstruth gerollt. Er ist dann weiter nach Rückershausen und ich nach Erndtebrück.

Ich lege es ja eher drauf an, bergauf schnell zu sein. Bergab gehört halt dazu. Aber Rekorde muss man da wohlweislich nicht brechen. Die lange, recht kurvenarme Abfahrt der K27 nach Saalhausen bot sich aber für einen Test an, wie ruhig das GranTurismo so läuft und ob die Contis auch schon rund sind. ;-) Scheinen sie zu sein. 81,9 km/h max und lief ruhig und sauber.

Distanz: 119,6 km, Höhenmeter: 1367 m, Zeit: 4 h 29 m, Durchschnittsgeschwindigkeit: 26,7 km/h, Durchschnittsgeschw. in Bewegung: 27,9 km/h, Durchschnitts-HF: 135

auf Strava:

Maratona dles Dolomites – Welche Zeit könnte rausspringen? Zum Pacing…

Rad fahren

Nur noch knapp über eine Woche bis zum Maratona dles Dolomites, der Königin aller Gran Fondos!

Ähnliche Titel, Rankings in Umfragen oder „Muss man unbedingt dran teilgenommen haben“ Listen finden sich für den Dolomitenmarathon zu Hauf. Sechs Stunden Live-Übertragung im italienischen Fernsehen werden auch nicht umsonst gemacht.
Auch dieses Jahr werden wieder 9000 Teilnehmer (aus über 28.000 Bewerbern für einen Startplatz) frühmorgens um halb sieben Uhr aufbrechen, um wahlweise 55, 106 oder die Maratona Strecke mit 138 Kilometern unter die schmalen Räder zu nehmen. Und ich werde einer davon sein!

138 km und 4190 Höhenmeter, 5 Passhöhen über 2000 m über Null. Wie soll ich sie angehen? Was für eine Zeit könnte dabei herausspringen? Immer vorrausgesetzt, es geht alles glatt, es passieren keine Pannen oder Unfälle oder sonst läuft es anders als vorgestellt.

Während ich meinen ersten Alpenmarathon, den Dreiländergiro in Nauders, im letzten Jahr vollständig als Genusstour angegangen bin, möchte ich es diesmal etwas zügiger angehen. Zudem hatte ich etwas Sorge, als vor wenigen Wochen die Zeitlimits veröffentlicht wurden. Aufgrund der jeweils voll abgesperrten Strecke sind entsprechende Limits in Kraft, die eingehalten werden müssen, will man die langen Runden fahren.

In Corvara zur zweiten Auffahrt zum Campolongo-Pass muss man um 11.10 Uhr sein und in Cernadoi in Richtung Giaupass (76km) um 11.40 Uhr. Was bedeutet das für mich?

Außerdem liebäugelte ich mit einer glatten Zahl: ein 20er Schnitt. Bei rund 140 km wäre das eine Gesamtzeit von 7 Stunden. Da – so schnell geht das. Man spielt mit ein paar glatten Zahlen herum und erhält ein fixes Ziel. Kann ich es unter 7 Stunden schaffen? Immerhin reden wir hier über einen Bergfaktor von 30,4 (Bergfaktor: Höhenmeter / Streckenlänge in Kilometern)! Hier bei mir daheim weisen meine Ausfahrten meist Bergfaktoren zwischen 10 und 15 auf.

Ist das für mich machbar? Hier kommt Jürgen Pansy aka Mahatma ins Spiel. Ich hatte im letzen Jahr seine Taktik-Überlegungen im Vorfeld des Ötztaler verfolgt. Er ist da sehr analytisch herangegangen (was ihm aufgrund Riesenpechs mit üblen Pannen leider nichts geholfen hat…). Nichtsdestotrotz – seine Herangehensweise hat er gut nachvollziehbar dargelegt und er hat einen Excel-Spreadsheet für sein Pacing, der Zeiten- und Kalorienbedarfsberechnung zusammengestellt. Dankenswerterweise hat er es auch zum Download bereit gestellt.

Mit Formeln zur Leistung, Luftwiderstand etc. sowie Vorgaben von hauptsächlich Gewicht und FTP werden für die in Abschnitte (Anstiege und Abfahrten) aufgeteilte Strecke die Geschwindigkeit, die Dauer etc. berechnet und kumuliert.

Ich habe mir die Arbeit gemacht und dieses Excel-Sheet für die lange Strecke des Maratona umgesetzt. Damit konnte ich nun auch spielen und ausprobieren.

Zunächst mal brauchte ich aber meine FTP (Functional Threshold Power). Um mich nicht in zuviele verschiedene Definitions-Details zu verlieren, vereinfacht die Leistung, die ich über 60 Minuten maximal erbringen kann.

Nur, wie misst man sie – wenn man keinen Leistungsmesser hat? Am besten über einen halbwegs steil ansteigenden Berg (um möglichst hohen Anteil Steigleistung und wenig Luftwiderstandseinfluss), der so lang ist, dass man ihn auch lange am Stück fahren kann. 60 Minuten ist nicht erforderlich, die Leistung kürzerer Zeiten kann entsprechend umgerechnet – na, sagen wir besser, abgeschätzt werden.

Aber das ist ja trotzdem alles nicht so einfach gemacht. Meine aktuellste Topanstrengung, die sich für den genannten Zweck am besten eignet, datiert vom 08.05.2012. Da bin ich für einen Anlauf eine Bestzeit zu fahren, die Strecke von Fleckenberg nach Jagdhaus hochgefahren. Maximal konnte ich hier eine cp15 (Critical Power über 15 Minuten) bestimmen, da der Berg halt nicht sehr viel länger ist. CP12 sind allerdings gebräuchlicher für das Aufstellen von CP-Kurven und mithin das Abschätzen auf eine CP60, die dann mit der FTP gleichzusetzen wäre.

Über die Website von kreuzotter.de kann über verschiedene Variablen, wie hauptsächlich Systemgewicht und Steigung, die dafür notwendige Leistung berechnet werden. Es geht auch der Rollwiderstand und der Luftwiderstand ein. Aber natürlich fängt es hier an, ungenau zu werden: Wie rauh ist mein Asphalt, wie leicht rollen genau meine Räder, welchen Luftwiderstand biete ich ganz persönlich, wenn ich in Oberlenkerhaltung fahre? Glücklicherweise sollten, sofern man eine windgeschützte Steigung befährt, diese letzteren Faktoren kaum ins Gewicht fallen.

Eine zweite Möglichkeit ist das Plugin GPS2Powertrack für Sporttracks. Das ist sehr interessant, weil es die gerade erwähnten Berechnungen vollautomatisch für jede meiner gefahrenen Strecken ausrechnen kann. Hierfür werden von Wetterstationen entlang der Strecke u.a. Windrichtung und Windstärke heruntergeladen. Sehr gut gemacht, aber natürlich trotzdem nur im groben Mittel stimmend. Weder werden unterschiedliche Positionen (Oberlenker, Unterlenker) variabel über den Track nachgeführt (ich müsste das ja sowieso dann von Hand in den Track editieren, was Hölle aufwendig wäre und daher auch nicht vorgesehen, aber auch schade, ist), noch kann eine solche Auswertung wissen, welcher Streckenabschnitt vielleicht von der Ausrichtung her komplett Gegenwind aufweisen müsste, aber aufgrund Topographie oder Bewuchs/Bebauung windgeschützt ist. Auch kann die Böigkeit innerhalb kurzer Zeitabschnitte eine solche Berechnung bestenfalls als mittlere Schätzung erscheinen lassen.

Nun gut – welche Werte sind denn für meine Testfahrt herausgekommen?
CP12 = 258 Watt nach GPS2Powertrack und 264 Watt nach Kreuzotter über den selben, nach GPS2Powertrack maximalen 12 Minutenabschnitt.
CP15 = 257 Watt nach GPS2Powertrack (wie zu erwarten also einen Tick geringer also cp12), aber 273 Watt nach Kreuzotter über den selben 15 Minutenabschnitt. Also deutlich höher als cp12 – was ja eigentlich nicht zu erwarten wäre. Angesetzt wurden die gemessenen 17,1 km/h und 6,3% Steigung über den entsprechenden Abschnitt mit 68 kg Fahrer- + 8 kg Radgewicht.

Ok – und wie komme ich nun davon auf eine cp60 bzw. FTP? Gängig und weit verbreitet ist der Faktor von 105 % (bzw. 103 bis 105 %) für die Umrechnung einer cp30 auf cp60.

Für andere Zeiten musste ich etwas suchen. Im Bikeforums.net wurde ich fündig.
Dort schreibt jemand, dass er die folgende Umrechnung bzw. Abschätzung zur Bestimmung der cp60 aus unterschiedlichen, kürzeren Tests heranzieht:

CP180 65-75%
CP120 76-83%
CP90 84-93%
CP60 97-100%
CP30 103-105%
CP12 108-112%
CP6 120-130%
CP1 170-190%

Aha – ich kann mir also nun FTP Leistungen zwischen 258 Watt/1,12 bis 273 Watt/1,08 als ungefähre Wahrheit ausmalen.
Sprich – ich habe den Excel-Spreadsheet mit verschiedenen FTP-Werten von 230 über 244 bis maximal 253 Watt ausgetestet.
Dabei bin ich der von Mahatma angegebenen Strategie gefolgt, die generell für Anstiege eine Anstrengung von 80 % der FTP vorsieht. Von Feinheiten wie „an dem und dem Anstieg eine höhere Leistung fahren, um da oder dort die Spitzengruppe zu bekommen“ sehe ich mal ab. ;-)

Bei Abfahrten fand ich die errechneten Geschwindigkeiten selbst für unter 5 % FTP noch zu hoch. Ich habe Abfahrten deswegen auf 40 km/h fest „verdrahtet“. Einfach aufgrund der vielen Kurven, dem Fahren im Pulk, unbekannten Bedingungen und genereller Vorsicht.

Maratona Pacing Sheet

Und was kommt dann dabei heraus? Eigentlich ganz plausible Werte. Ich bin in der glücklichen Situation, die Sella Ronda, also die ersten 55 km des Maratona, bereits im letzten Oktober gefahren zu sein (die mich auch vom Fleck weg für diese Veranstaltung angefixt hatten). Daher kann ich die Zeiten nun gut gegen meine Erfahrung einschätzen.

Für die erste Auffahrt zum Campolongo würde ich dem Spreadsheet nach bei der maximalen FTP von 253 und einer 80 % Leistung eine Geschwindigkeit von 13,8 km/h erreichen. Im Oktober fuhr ich da (auf einer Tour, bin da ganz normal hochgefahren, nicht am Anschlag) einen Schnitt von 13,9 km/h. Die Abfahrt vom Campolongo nach Arraba fuhr ich übrigens im Mittel mit 41,6 km/h auf zwar nicht mit tausenden Radfahrern, aber mit Verkehr belegten, mir unbekannten Strecke. Von daher denke ich, dass die 40 km/h gut passen werden.

Im Pordoi hatte ich einige Fotopausen, den kann ich also nicht vergleichen. Für das Sellajoch ergibt Excel einen Schnitt von 11,2 km/h – im Oktober fuhr ich 11 km/h. Gebummelt hatte ich nicht, war schon zügig unterwegs, aber habe mir auch nicht die Lunge aus dem Hals gefahren.

Der erste Abschnitt des Grödner Jochs (bis zum Flachstück in der Mitte) ergibt 12,2 – gefahren im Oktober: 11,5 km/h. Der zweite Abschnitt nach dem Flachstück: 15,7 – gefahren im Oktober 13,9 km/h.

Ich denke also, das dürfte gut hinkommen. Schauen wir mal. Demzufolge könnte ich, wenn alles glatt geht, von einer Zeit um die 6:45 h (für eine FTP von 253) bis 7:10 h (für eine FTP von 230) ausgehen. Knapp über 7 Stunden könnte einen Platz unter den ersten 2000, eine Zeit unter 6:50 h sogar unter den ersten 1500 bedeuten.

Aber: Dabei sind ja leider noch keine Stops berücksichtigt. Sieben Stunden im Sattel, ohne einmal die Füße auf den Boden setzen und etwas zu gehen oder stehen, das ist utopisch. Zudem kann ich zwar die ersten Labestationen auslassen (was wohl auch sinnvoll sein soll, da das richtige Staustellen sind), aber spätestens bei der dritten muss ich Wasser und vielleicht etwas zu Essen holen (Riegel und Gels werde ich trotzdem ein paar dabei haben).

Tja – wir werden sehen. Hauptsache, ich kann froh und munter zum Start und komme genau so froh und munter wieder zum Ziel. Ansonsten hoffe ich auf einen wunderbaren Tag und ein tolles Erlebnis. Jedenfalls weiss ich aber jetzt, dass ich, wenn ich vielleicht so ca. 07:00 Uhr über die Startlinie rolle, etwa 03:42 h später und somit noch vor 11 Uhr und damit 40 Minuten vor dem Zeitlimit in Cernadoi sein kann.

Stilfser Joch mit dem Höhenprofil der langen A-Strecke des Dreiländergiro

Der Dreiländergiro 2011

Rad fahren

Stilfser Joch mit dem Höhenprofil der langen A-Strecke des Dreiländergiro

Rechtzeitig vor der diesjährigen Ausgabe möchte ich hier als Schmankerl meinen Bericht vom letzten Jahr zum Besten geben.

Im Sommer 2010 hatte ich wieder mit dem Rennrad fahren angefangen. Ich hatte lange Jahre vorher auch schon mal gerne Fahrrad, seinerzeit mehr Moutainbike, gefahren. Das war aber lange her. Und sonderlich viele Kilometer sind da pro Jahr auch nicht zusammengekommen. Da ich auch die Berge liebe wollte ich beides Zusammenbringen. Rennrad und Pässe, das gehört zusammen!
In 2011 wollte ich also an irgend einem Jedermann Event in den Alpen teilnehmen. Ötztaler? Das erschien mir noch zu groß, zudem konnte niemand sagen, ob man in der Verlosung des Startplatzes Glück haben würde oder nicht. Weiterhin muss man sagen, dass in verschiedenen Foren immer vom Ötztaler geredet wird – dieser aber weder das härteste, noch bei weiten nicht das schönste Rennrad-Event in den Alpen ist.

Bei meiner Recherche stieß ich dann auf den Dreiländergiro. Dieser hatte auch keine langwierigen Anmelde- und Verlosungsprozeduren, sondern man konnte sich einfach Anmelden (bis zu einer gewissen Frist) und hatte damit den Startplatz sicher.

Und so meldete ich mich für den 18. Dreiländergiro in Nauders / Tirol am 26.06.2011 an.

Er war nicht all zu lang und  es gab zwei Strecken zur Auswahl: A und B. Die Strecke A führt von Nauders über Reschenpass, Stilfser Joch, Ofenpass, Norbertshöhe wieder nach Nauders. Vorsichtshalber hatte ich mich allerdings für B angemeldet. Die kurze Strecke und ohne das Stilfser Joch.

Aber – das Stilfser Joch, das reizte mich doch. Mit seinem Ruf, dem An- und Ausblick und auch der frühen Positionierung im Streckenverlauf. Und als ich dann im Herbst 2010 über folgendes Foto stolperte, war es um mich geschehen.

Oh my God! Ich hatte ja schon ein paar Fotos vom Stilfser Joch gesehen, z.b. auch beim entsprechenden Pass-Eintrag auf Quäldich.de. Aber diese Gesamtansicht hier… Wow! Ok, ich würde richtig Trainieren und ich würde – obwohl mit dem Rennrad noch nie in den Alpen gewesen und noch nie einen richtigen Pass gefahren – mich zur Strecke A ummelden und das Stilfser Joch fahren.

Das Stilfser Joch, mit 2.757 m s.l.m. der höchste Straßenpass Italiens und der zweithöchste Straßenpass der Alpen! Auch „Die Königin der Passstraßen“ und „Höchster Rummelplatz Europas“ genannt. Nicht einfach nur Bergauf. Nein, 1.828 Höhenmeter am Stück!  Diese Zahl sehe ich jetzt noch (und werde sie wohl noch laaaaaange Zeit) jedes Mal, wenn ich eine Ausfahrt in Strava hochlade. Denn da steht unter All Time Biggest Climb genau diese Zahl. Und egal bei welchem anderen Strava-Member ich draufklicke – da steht eine kleinere Zahl… ;-)

Strecke A also. Was sagt die Webseite des Dreiländergiros dazu?

Länge: 168 km, sehr anspruchsvoll, Steigung bis 15%
Höhenmeter: 3.300
Richtzeit: 8 Stunden
Start: 6.30 Uhr

Die Teilnehmerzahl soll so um die 3.300 gelegen haben. In den Ergebnislisten des Jahres 2011 lassen sich 2760 Finisher insgesamt (Männer   Frauen, Strecke A und B) finden.

Nach Nauders selbst bin ich erst für ein verlängertes Wochenende am Donnerstag vor dem Rennsonntag gefahren.

Burg Nauders

Willkommen in Nauders – hier die Burg Nauders unter strahlenden Sonne.

Bis zuletzt war ich am bibbern, ob ich mir vorher noch eine Erkältung eingefangen habe. Das letzte volle Training in der Vorwoche am  Samstag durch kalten Regen und ein abendlicher Geburtstagsbesuch war wohl nicht gut. Seit Sonntag hatte ich dann ganz leichten Grammel (das typische „es ist noch keine Erkältung, könnte aber eine werden“ Kratzen). Daher hatte ich am Dienstag auch nur eine Rekomeinheit zum Testen der neu aufgezogenen Schläuche und Mäntel sowie der eingestellten Schaltung durchgeführt und ansonsten geschont und Flöhe husten gehört. „Ist diese Hitzewallung jetzt normal?“, „Ist es gerade schwül oder ist wird das Fieber?“ Dabei ein ganzes Rudel Vitamin-C-Tierchen und eine ganze Echinacea-Population ausgerottet. Erst am Samstag Abend vor dem Dreiländergiro hatte ich leichtes Zutrauen und die letzten Zweifel verflogen dann erst im Giro bei Prad und dem Einstieg zum Stilfser Joch.

Am Vorabend des Rennens – ich sage immer Rennen, weil es sich kurz schreibt. Es ist Gott sei Dank eben kein „Rennen“ sondern ein Granfondo, Cyclosportif oder: eine RTF. Ja, eine RTF mit Zeitnahme.  Die Strecken sind nicht abgesperrt, lediglich das Stilfser Joch wird durch Carabinieri etwas „Geregelt“, um den motorisierten Verkehr etwas zurückzuhalten und zu steuern. Desweiteren gibt es verschiedene Labestationen, ganz wie bei normalen RTFs und letzten Endes: Selbst, wenn es keine Labestationen gäbe und auch die Strecke komplett abgesperrt wäre – der Anspruch aus Höhenmetern und Streckenlänge sorgt dafür, dass, zumindest meiner Meinung nach, alle Teilnehmer mit Respekt vor der Strecke dabei sind. Es gibt keine Leichtsinns-Teilnehmer oder Straßenrambos, die durch unselektive Strecke im Pulk durch das Rennen gezogen werden und dabei sich und andere gefährden. Das einem natürlich auch in Alpenmarathons (oder auch in der heimatlichen RTF oder beim Brötchen Holen) unschöne Sachen zustoßen können, ist leider ein Fakt des Lebens…

Von diesem kleinen Exkurs zurück zum, äh, Rennen. Oder zur RTF… ;-)

Die Ausrüstung liegt bereit

Also, am Vorabend des Rennens legte ich meine Ausrüstung für den nächsten Morgen bereit. Um 06:30 war der Start, d.h. irgendwann nach sechs Uhr musste ich in der Startaufstellung stehen und davor etwas gefrühstückt haben. Puh. Am nächsten Morgen kam es aber noch schlimmer. Es war nicht nur elendsfrüh, nein, der Himmel war wolkenverhangen, es war am Tröpfeln und die Straßen waren komplett nass. Oh jeh oh jeh.

Naja, es half ja nichts. Raus, zum Start rollen und aus allen Ecken und Enden kamen Rennradler. Wow.

Morgens am Start in Nauders. Der blaue Bogen da unten ist übrigens noch _nicht_ die Startlinie.

Wie geschildert; ich war selbst am Start noch unsicher, wie es um meine vollständige Gesundheit bestellt war. Zudem war es etwas am Nieseln. Daher dachte ich beim Start: „Lass die einfach alle mal fahren, wenn sie wollen“. Ich selbst bin ich extrem langsam angegangen. Ich wollte auch nicht im dicken Pulk vom Reschensee runter nach Mals und in Glurns reinschiessen. Diese Herangehensweise hatte zudem den Vorteil, dass ich im späteren Verlauf immer etwas zum Überholen vor mir hatte.

Da ich zudem noch nie so weit, so lang und so, äh, hoch (sowohl von der Gipfelhöhe – 2757 m NN am Stilfser Joch – als auch von den Höhenmetern) mit dem Rad gefahren bin, habe ich bewusst gut mit den Kräften hausgehalten. Sowohl am Stilfser Joch als auch am Ofenpass. Anscheinend wohl sogar sehr gut, denn aus der kleinen Gruppe, die ich dann sehr viel später am Tag ein gutes Stück durch’s Engadin bis zur letzten Labe bei Martina gezogen hatte, frugen mich gleich zwei unabhängig, ob ich vorher irgendwo einen Defekt gehabt hätte.  Herzliche Grüße von hier aus nochmal an den netten Mapei-Mann auf dem Mountainbike samt Kollegen und den Discovery-Channel-Kollegen.

Der berühmte eingestaute Kirchturm von Alt Graun im Reschensee. Hier an einem späten Nachmittag aufgenommen. Der mächtige Ortler wacht im Hintergrund.

So weit musste ich aber erst einmal kommen. Am Reschensee vorbeifahrend, erhaschte ich nicht nur einen Blick auf den bekannten eingestauten Kirchturm von Graun, sondern auch erste, im durch Wolkenlücken hindurchblitzenden frühen Morgenlicht aufleuchtende Bergspitzen. Diese Lücken waren aber noch nicht sehr zahlreich. Sorgten aber auch schon für tolle Blicke auf Lichtfinger, die tief unten im Vinschgau helle Flecken auf die Hänge malten.

Vor dem Dreiländergiro aufgenommen – aber wer in der Abfahrt vom Haidersee die Blicke nach Rechts richtet, kann Burg und Kloster bewundern.

Vor dem Dreiländergiro aufgenommen – aber wer in der Abfahrt vom Haidersee die Blicke nach Rechts richtet, das Kloster Marienberg bewundern.

Nach der Abfahrt und der Ankunft in Prad hielt ich dann an einem kleinem Parkplatz vor dem Ortsausgang von Prad, gegenüber dem Hotel Prad, an und entledigte mich erstmal den Beinlingen und zog die Windjacke aus. Armlinge und Windweste liess ich erstmal an. Notiz an mich selbst: Hier hatte das entsprechende Strava-Segment zum Stilfser Joch schon angefangen – beim nächsten Mal also noch weiter vorher halten oder es so machen, wie meine Hotelbekanntschaft: ganz alte Beinlinge mitnehmen und in der Fahrt ausziehen bzw. runterreissen und dann, ja, er wollte sie wegwerfen… Das sollte man natürlich nicht tun, „Rennen“ hin oder her – selbst wer sich einen Platz unter den ersten 100 ausrechnet, sollte dafür nicht die Natur mit Müll beeinträchtigen!

Nach dem Ortsausgang Prad beginnt die Steigung. Ab jetzt geht es 25 km nur Bergauf! Toll! :) Im Schnitt warten jetzt knapp 8 %, an steilen Stücken geht es kurz bis zu 15 %. Insgesamt ist das Stilfser Joch Mythos – ich fand es aber wunderbar zu befahren. Nach Prad folgt Ponte di Stelvio, dann Gomagoi. Kurz hinter Gomagoi kommt sie dann. Die 48. Kehre / Tornante. Jetzt sind es noch genausoviele Spitzkehren bis zur Passhöhe.

Kehre 48. Hier gehen sie los - die 48 Kurven in den Pässehimmel.

Kehre 48. Hier gehen sie los – die 48 Kurven in den Pässehimmel.

Die 47ste folgt sogleich, bis zur nächsten ist es aber erst mal wieder ein Stück. Erst kommt Trafoi und damit die erste Labestation. Zu essen gibt es da aber… nichts mehr! Unglaublich. Teilnehmer wie ich, die im hinteren Drittel (oder noch weiter hinten) nun jetzt schon über 2 Stunden unterwegs sind und die bis zur Passhöhe und damit der nächsten Labestation nun weitere ein bis zwei Stunden sich stetig bergauf kämpfen werden müssen, würden jetzt schon ernsthaft um ihr Ziel gebracht werden, hätten sie nicht eine Notfallration dabei. Gerade ebenmal isotonische Getränke gibt es noch; und reines Wasser. Eine dermaßen schlechte Organisation ist mir noch nie passiert. Entsprechend viele negative Beiträge gibt es, vollkommen zurecht, in den verschiedenen Foren oder Blogs.

Später oben am Joch werde ich immerhin noch ein paar Bananen erhaschen können. Sonst gab es da auch nichts mehr. Unten, nach der Abfahrt vom Umbrail, in St. Maria, da hatte ich mich immerhin schon auf die letzten Riegel und trockene Toastbrote vorgearbeitet. Und in Zernez war ich dann schon Kuchenklasse. In Zernez gab es alles, was man sich so vorstellt.

Noch bin ich aber im Anstieg zum Stilfser Joch. Die Verpflegungssituation in Trafoi war zwar mehr als unschön, aber ich hatte ohnehin selbst zwei Riegel und zwei Gels dabei. Das kann ich auch nur jedem empfehlen. Jetzt wird die Strecke kurviger, die Serpentinen folgen in kürzeren Abständen. Noch werden wir durch Bäume begleitet.

Um diese Wasserfälle (und mehr) so sehen zu können, braucht man in Trafoi nur links nach Drei Brunnen abbiegen. Wäre allerdings schlecht während des Giro selbst. ;-)

Stilfser Joch oberhalb von Trafoi

Stilfser Joch oberhalb von Trafoi

Irgendwann weichen die Bäume und machen kargem Fels, Wiesen und hier und da Schneeresten Platz. Und den kühn an den Hang geschlagenen, unglaublich engen Serpentinen. Die Straße ist echt schmal. Ich war richtig erstaunt, als ich sie am Freitag direkt erst mal vorab mit dem Auto befahren hatte (Zum Erkunden, Wandern und Fotos machen). Da muss man schon gut fahren können. Und sich vor jeder Kehre den Hals verrenken, ob auch keiner von oben kommt. Und hier fahren sogar kleine Linienbusse hoch. Respekt.

Bei 2188 m ist die Franzenshöhe erreicht. Und auch die Sonne übernimmt mehr und mehr die Regentschaft über dem Himmel. Kurze Zeit später und den ganzen restlichen Tag werden wir wunderbares Wetter haben.

Kurz unterhalb der Franzenshöhe

Was ein Anblick auf die noch vor uns liegenden Höhenmeter! Ich habe nicht nur einmal das Frotzeln (oder die ernsthafte Erwägung) links oder rechts neben mir gehört: Das war’s, ich halte hier an und trinke mir ein Weizen… ;-)

Bald – in meinen Augen viel zu Bald, bin ich oben an Kurve 1 und damit der Labe kurz vor dem Stilfser Joch selbst.

Labestation an Kehre 1 des Stilfser Joch

Stilfser Joch / Passo dello Stelvio

Stilfser Joch / Passo dello Stelvio

Stilfser Joch, Kehren 2, 3 und 4

Stilfser Joch, Kehren 2, 3 und 4

Das Stilfser Joch / Passo dello Stelvio

Den ganzen Anstieg habe ich mit einem Pulsschnitt von 143 bewältigt. War dabei oft im GA 1, teilweise auch über GA 2 heraus, aber im Mittel im gesamten GA 2 Bereich. Und konnte so frohgemut die Landschaft bewundern und schön stetig den Anstieg bewältigen. Insgesamt habe ich für das Stilfser Joch eine Zeit von 3:00:39 h benötigt. Mit Gesamt 22 Minuten Standzeit ergibt sich somit eine reine Fahrtzeit von 2:37 h nur bergauf – fein.

Cima Coppi. Passhöhe Stilfser Joch / Passo dello Stelvio

Fausto Coppi, il Campionissimo

Kurz nach der Labe oben am Stilfser Joch halte ich am Passschild wieder an und rüste mich erst mal wieder für die kommende Abfahrt. Denn trotz der Sonne ist es hier oben und um so mehr dann bei der folgenden Abfahrt richtig, richtig kalt. Also schön in Ruhe den Buff unter den Helm gezogen, Beinlinge an, Armlinge an, Windjacke an. Dabei noch etwas die Atmosphäre hier oben am Joch in mich aufgesogen und dann in die Abfahrt gerollt, die nach wenigen hundert Metern dann in den Abzweig zur Abfahrt über den Umbrailpass und damit in die Schweiz führte.

Kurz nach dem Abbiegen vom Stilfser Joch und kurz hinter der Schweizer Grenze. Der Umbrailpass führt uns in reiner Abfahrt in die Schweiz und das Val Müstair.

Schweiz. Hach :) Allein schon der Blick hinein und die schöne Abfahrt. Das kurze Stück Naturstraße ist wirklich sehr gut „befestigt“. Kein grober Schotter oder ähnliches, nein, eine wassergebundene mineralische Deckschicht, die gut zu befahren ist. Natürlich kann man in den Kurven nicht mit maximaler Schräglage rangehen – aber man muss sich im Vorfeld keine Sorgen machen, ob und wie man über das im Streckenplan angekündigte „Naturstraßen“ Stück heil hinüberkommt.

31 Minuten dauert die tolle Abfahrt bis nach Sta. Maria im Val Mustair, Hier gibt es eine weitere Labestation (mit trockenem Weissbrot und ein paar Powerbar-Riegeln, yay…)

Wieder wandern Windjacke und Beinlinge in die Rückentaschen und weiter geht es Richtung Ofenpass.

Los geht’s: hier haben die ersten Meter zum Ofenpass bereits begonnen

Der Pass dal Fuorn, wie er lokal heisst, ist nicht zu unterschätzen. Zwar nicht so lang und nicht so hoch wie das Stilfser Joch, aber über weite Strecken ist er knapp 9 % steil. Die Labestation ist direkt an der Passhöhe untergebracht.

Pass dal Fuorn / oben am Ofenpass

Pass dal Fuorn / oben am Ofenpass

Oben am Ofenpass genehmige ich mir wieder einen Powerbar-Riegel, fülle meine Flaschen auf und ziehe dann wieder die Windjacke und Armlinge an. Ich bin hier nicht auf der Flucht, ich genieße (und zwar in vollen Zügen) diesen herrlichen Tag in den Bergen und auf dem Rennrad! Rein geht es in die Abfahrt. Hier war ich schon mal im Schweizer Nationalpark wandern. Eine tolle Abfahrt; ich kam mir fast vor wie in Kanada. Lange Geraden, links und rechts Nadelbäume. Zum Jauchzen Herrlich!

Lange Geraden wie hier prägen die Abfahrt des Ofenpasses durch den Schweizer Nationalpark

Bald ist Zernez erreicht, und fast wäre ich an der Labestation vorbeigefahren, so schön war ich noch von der Abfahrt in Schwung. Aber auch hier wird schön angehalten und geschaut, was es Leckeres gibt. Endlich! Ich habe mich in die Kuchenklasse vorgefahren. Die erste Labestation, die voll ausgestattet ist und alles bietet, was augenscheinlich bereits seit Beginn für die Ausgabe vorgesehen wurde.

Und dann: das Engadin. Der Abschnitt, wo in jedem Bericht, Report, Forenbeitrag steht: „du musst eine gute Gruppe finden, da durch das Tal meist ein guter Gegenwind zu erwarten ist“. Naja. Windig war es in der Tat. Aber auch sehr schön. Berge zu beiden Seiten, über weite Strecken der smaragdgrüne Fluss zur Rechten, das fast ständige, leichte Gefälle – da macht auch der Gegenwind keinen Kummer. Es läuft einfach gut. Dabei noch schönstes Wetter, aber nicht zu heiß – Herz, was willst du mehr? :)

Im Engadin, den Inn zur Rechten

Im Engadin kommt der Wind oft von vorn, aber das Gefälle ist auf meiner Seite

Im Engadin

Dann kommt Martina und mit dem Ort die Grenze zurück nach Österreich und die letzte Labestation am Fuß der Norbertshöhe. Hier gönne ich mir eine Cola. Esse noch einen halben oder 2/3 Riegel und mache mich dann in den letzten Anstieg des Dreiländergiros. Oben angekommen, liegt Nauders einladend im Tal und alles, was noch übrig bleibt, ist, zum Ort herunter und in das Ziel zu rollen. Und als ich im Ziel bin, bin ich fast enttäuscht: ein wunderbarer Tag und mein erster Alpenmarathon auf dem Rennrad liegt hinter mir.

Ausruhen nach dem Giro zu Füßen Burg Nauders

Ausruhen nach dem Giro zu Füßen Burg Nauders

Verdient. Und sogar gutaussehend. Und Rot! Das Finisher-Trikot des Dreiländergiro 2011

Ich habe viele Fotos unterwegs gemacht, habe einfach die herrliche Landschaft genossen und dabei sowohl ein Super Training (*Hust*, Rennen kann man es wirklich nicht nennen) durchgeführt, als auch meine ersten beiden Alpenpässe in mein Palmarés geschrieben. I’m hooked!

Distanz: 165,76 km, Höhenmeter: 3504 m, Zeit: 9 h 47 m, Durchschnittsgeschwindigkeit: 16,9 km/h, Durchschnittsgeschw. in Bewegung: 19,5 km/h, Durchschnitts-HF: 135

auf Strava:

Das Kalenderblatt für diesen Monat in meinem Rennradkalender 2012

Foto-Galerie:

Action-Cam-Kurzvergleich: GoPro HD Hero 2 und Somikon FullHD DV-82.aqua

Fotografie, Produkttests, Rad fahren

Ich hatte mir vor wenigen Wochen kurzentschlossen auch mal eine sogenannte Action-Cam bestellt. Also eine dieser sehr kleinen, robusten und meist wasserdichten Videokameras, die für die Montage an diversem Sportgerät (vom Surfboard über Fahrad bis hin zu Motorrädern, Offroad-Fahrzeugen oder sogar Flugzeugen) oder für Helmmontage oder sonstwo am Körper vorgesehen sind. Das schöne dabei ist, dass der Fantasie dabei keine Grenzen gesetzt sind und die Kameras so ziemlich alles mitmachen.

Klassische Vertreter und wohlmöglich Begründer dieser Geräteart sind z.B. die bekannten GoPro Kameras (man sieht sie auch in vielen Fernsehproduktionen) oder auch die Contour Kameras. Daneben gibt es aber noch weitere Hersteller / Exemplare.

Eines davon ist die Somikon Full-HD Actioncam, die von Pearl vertrieben wird. Andere Bezeichnungen derselben Kamera lauten RD32II oder auch DV-82.aqua.

Somikon Full-HD Action-Cam (Foto: Pearl.de)

Somikon Full-HD Action-Cam (Foto: Pearl.de)

Kurzentschlossen deshalb, weil es im Rennrad-News.de Forum ein paar positive Stimmen zu dieser Kamera gab und sie mit 99,- Euro preislich nicht sehr ins Gewicht fällt, somit deutlich günstiger als eine aktuelle GoPro HD Hero 2 ist, aber auch ein ordentliches Produkt zu sein schien, welches deutlich besseres Material (und Handling) liefern sollte, als die ebenfalls viel diskutierten (und nochmals kleineren) Keychain-Cameras.

Tja – am Pfingsten hatte ich erste Tests bei einer Rennrad-Tour unternommen. Und aufgrund der Ergebnisse direkt beschlossen, diese Kamera wieder zu retounieren. Da ich jetzt aber eine Action Camera haben wollte, bestellte ich mir im Anschluss eine GoPro HD Hero 2 (in der Outdoor-Edition), quasi den Platzhirsch unter den ActionCams.

GoPro HD Hero 2 (Foto: Gopro.com)

GoPro HD Hero 2 (Foto: Gopro.com)

Im folgenden möchte ich meine ersten Eindrücke zu beiden Kameras schildern und sie mit ein paar relativ einfach produzierten, kurzen Videos untermalen.

Video 1 Actioncam-Kurzvergleich

Sony NEX (als Vergleich), GoPro HD-Hero 2, Somikon FullHD (aka RD32II aka DV-82.aqua)

Die Sony NEX diente mir in diesem (sehr einfachen und schnellen) Kurzvergleich als Benchmark. Denn sie macht nicht nur als Fotokamera eine herausragende Figur, sondern besitzt auch sowohl von den technischen Daten (Full HD 1080p mit bis zu 60(NTSC) bzw. 50 (PAL) Frames pro Sekunde) als auch in der Praxis (siehe z.B. Sony NEX 5N shoots for BBC oder Booths and Bodies: Short documentary shot on Sony NEX 5N von Philip Bloom) das Rüstzeug für professionelle Videoergebnisse. Natürlich ist sie aber nicht so robust und für die Einsatzzwecke und -Orte vorgesehen, wo die ActionCams glänzen können.

Wie schlagen sich die beiden ActionCams GoPro HD Hero 2 und die Somikon FullHD (aka RD32II aka DV-82.aqua) ihr gegenüber?

Ich habe zu diesem Vergleichszweck allerdings keine großartigen Testreihen durchgeführt, sondern lediglich eine Einstellung an fließendem Wasser zur Basis genommen und alle Kameras für obiges Video zunächst nur in der 1080er Auflösung benutzt. Die GoPro hätte hierbei zwei weitere Bildwinkel-Einstellungen parat gehabt (Wide und Narrow, hier genutzt: Medium), die allerdings in diesem Video nicht gezeigt werden. Demzufolge habe ich an der Sony NEX die 16mm, f/2.8 Festbrennweite genutzt. Habe allerdings keine sonderliche Mühe bezüglich Einstellungsangleichung an die ActionCams oder bestmögliche Videoqualität walten lassen. Einfach ISO 200 und f/5.6 eingestellt, auf den Stein in der Bachmitte fokussiert und laufen lassen. Insofern ist die NEX leider nicht mit der durchgehenden, knackigen Schärfentiefe der GoPro HD Hero 2 vergleichbar. Allerdings ist das Wasser aufgrund der längeren Belichtungszeit bei der NEX schöner dargestellt. Hier hat man also bei der NEX die freie Wahl und die größere Flexibilität – muss aber auch wissen, was man will.

Was mir bei der NEX weiterhin aufgefallen ist, sind die Treppenstufen an den horizontalen Fugen der Fassadenverkleidung oben links im Bild. Das ist bei den anderen beiden Kameras allerdings auch, wenn auch teilweise etwas geringer (sowohl durch Sensorgröße, als auch Bildwinkel), gegeben.

Mit der NEX und dem 16 mm Objektiv beginnt das Video. Es folgt als nächste Einstellung die GoPro mit der Einstellung 1080P25 (also 25 fps, Frames pro Sekunde), dann die Somikon, in der Einstellung 1080P30 (also 30 fps, man kann sie leider nicht PAL-konform einstellen). Das ist natürlich ein krasser Qualitätsabfall. Man sieht allerdings, dass die Bildqualität nicht gleichmäßig schlecht ist, sondern in linken Drittel, bzw. im linken oberen Drittel, recht gut und vergleichbar mit der GoPro ist. Im Zweifel für den Angeklagten und so gehe ich davon aus, dass ich ein mördermäßig dezentriertes oder anderweitig defektes Exemplar erhalten hatte. Ich frage mich allerdings, wie man ein vermutlicherweise wenig komplexes, kleines und fest intern verbautes Videoobjektiv so dermaßen dezentrieren kann.

Es folgen einige Slides, die die Bilder von der Sony, der GoPro und der Somikon nebeneinander stellen. Hierbei durfte die Somikon ihre starke Bildseite zeigen. Dennoch konnte sie mich von der Bildqualität überhaupt nicht überzeugen.

Mein Eindruck über die Somikon FullHD (aka RD32II aka DV-82.aqua):

Die überwiegend matschige Fläche des Bildes wäre absolut indiskutabel. Aber auch das gute Drittel kann mich nicht ganz zufriedenstellen. Vor allem, da mir ein paar weitere Sachen an der Somikon nicht gefallen (ich hatte sie auch mal bei einer Rennrad-Tour dabei, währenddessen allerdings nur aus der Hand gefilmt):

  • Farben. Mal quietschend, mal eher ungesättigt und etwas verblaut (bin farblich aber nicht die letzte Instanz, so zu sagen ;-))
  • bei leichtem Gegenlicht bereits hohe Gefahr von starker Kontrastminderung und Regenbogenreflexfächern im gesamten Bild. Die Ursache wird hier sicher die Frontscheibe der Camera sein. Vielleicht kann man da die Ränder der Frontscheibe schwärzen und eine kleine Gegenlichtblende basteln, um dieses Problem etwas zu lindern oder sogar ganz zu entfernen.
  • Jello Galore. D.h. waberndes und wechselweise gestaucht und wieder gestrecktes Bild (ein Effekt, dem latent alle zeilenweise ausgelesenen Sensoren unterliegen). Gut, die extreme Stärke des Effekts, dass kann am Halten liegen. Wobei leichte Abfahrten auf sehr glattem Asphalt mit frei gehaltener Kamera noch mit am besten scheinen. Auf den Lenker aufgelegt oder auch hart an den Bremshoodie angepresste Kamera (sollte eigentlich unbeweglicher als so ziemlich jeder Halter sein – aber lege da noch nicht meine Hand für ins Feuer) gibt gnadeloses Jello und tanzende Baumwipfelkantenlinien, eieiei. Getestet hatte ich das in der Einstellung 1080P 30fps.
  • Die Standbilder stellen mich überhaupt nicht zufrieden. Den Bildausschnitt bei einem Standbild nicht festlegen zu können ist ohnehin mehr als schlecht. Hinzu kommt, dass die Farben echt schlimm sind (flauer als Video, Blaustich) und sich auffällige Randunschärfe nachteilig auswirkt. Bei auch nur einem Fitzelchen Qualitätsanspruch definitiv nicht nutzbar!
  • Montagemöglichkeiten ungenügend. Der mitgelieferte Lenkerhalter kommt nicht mit normalgroßen Rennradlenkern klar (nur mit dünnen, klassischen Lenkerrohren) und kann alleine ohne weitere Maßnahmen die Kamera nicht ruhig halten (soweit Erfahrungsberichte aus dem Rennrad-News.de Forum). Der Helmhalter, den ich mir als optionales Zubehör gekauft hatte, machte keinen vertrauenerweckenden Eindruck.
  • Ton: ob mit oder ohne rückseitigen Stopfen (stellt Wasserdichtigkeit der Kamera her und verdeckt dabei Mirco-SD-Card Slot, Mikrofonöffnung und proprietären Micro-USB-Port) nicht gut.
  • Sehr ungewöhnliches Videoformat im AVI-Container.

Was mir bei der Somikon hingegen gefallen hatte:

  • Formfaktor: sehr geschmeidig aus der Rückentasche zu zaubern und auch darin wieder zu verstecken. Lässt sich auch relativ gut halten und auch grob „zielen“.
  • Vibrationsrückmeldung bei Tastendruck

Mein Eindruck über die GoPro HD Hero 2:

Was gefällt mir nicht so:

  • zum SD-Karte entnehmen muss jedesmal das Außengehäuse geöffnet und die Kamera entommen werden.
  • Möchte man eine externe Stromversorgung nutzen, muss ein gesondertes Gehäuse (Skeleton) gekauft und verwendet werden.
  • Ton bei wasserdichtem Gehäuse nicht gut, auch bei offener Klappe kaum besser (aber immerhin besser als bei der Somikon).

Was gefällt mir:

  • Montagemöglichkeiten. Jede Menge Optionen und Halter bereits durch GoPro selbst. Da die GoPros auch quasi das Synonym für ActionCams sind, gibt es obendrein jede Menge Zubehör von Drittherstellern.
  • Weiteres Zubehör wie Displaybacks, WiFi-Steuerungsmodule und und und verfügbar.
  • Bildqualität. Richtig gut. Der Maßstab bei den Action Cams. Und sogar die Standbilder sind nutzbar.
  • Vielzahl der Modi: Verschiedene Auflösungen, Bildwinkel, Pal/NTSC Bildwiederholfrequenzen, Upside/Down Modus (für Überkopfmontage), Standbild, Timelapse, Selbstauslöser, Burstmode.
  • Verschiedene Anschlussmöglichkeiten, z.B. externes Mikrofon
  • Nutzt H.264 Codec in einem MP4 Container. D.h. problemlos in alle ordentliche Schnittprogramme wie z.B. FinalCut oder Adobe Premiere einlesbar.

Video 2 Actioncam-Kurzvergleich

OK, die Somikon ist raus. Obiges Video zeigt daher in Kürze einige verschiedene Einstellungen der Sony NEX (zusätzlich zum Pancake-Festbrennweiten Objektiv mit 16 mm Brennweite in einer zweiten Einstellung die Verwendung des VCL-ECU1 Vorsatzes, der eine Brennweite von 12 mm ergibt), dann die GoPro in der Einstellung 1080P25, Wide. Dann 1080P25, Medium und dann 1080P25, Narrow. Das sind die drei verschiedenen Bildwinkel, die für 1080P einstellbar sind. Bisher hatte ich stets das wasserdichte Gehäuse der GoPro geschlossen. In der nächsten Einstellung öffnete ich diese Klappe, um einen Tonvergleich zu haben.

Es folgt nochmals die Einstellung 1080P25, Medium, um einen direkten Vergleich zur folgenden Zeitlupe zu geben. Diese Zeitlupe wurde einfach durch Abspielreduktion auf 25 % erreicht. Demzufolge läuft das Bild effektiv mit 6,25 Bildern pro Sekunde und ruckelt daher entsprechend. Besser und überzeugend gelingen solche Zeitlupen, wenn von vorneherein mit höherer Bildrate aufgenommen wird, als man für das abspielen mit 25 fps benötigt. Nimmt man beispielsweise direkt mit 50 fps auf, kann man die Abspielgeschwindigkeit auf 50 % reduzieren, hat aber immer noch 25 Bilder pro Sekunde für absolut flüssige Bewegungen zur Verfügung. Leider können fast alle Consumer (und Prosumer, und nicht wenige Profi) Kameras 1080P nur mit 25 bzw. 30 fps aufnehmen. Hier ist die Sony NEX die rühmliche Ausnahme). Höhere Bildraten sind nur bei geringeren Auflösungen möglich. Bei 720P beherrscht die GoPro bis zu 50 bzw. 60 fps (PAL/NTSC). Und bei WVGA (848 x 480 Bildpunkte) sogar bis zu 100/120 fps. Letztere Modus wurde in der folgenden Einstellung genutzt, musste natürlich hochskaliert werden. Dafür kommt man in den Genuss 4facher Zeitlupe ohne Kompromisse in der flüssigen Wiedergabe der Bewegung, nimmt aber geringe Auflösung bzw. Bildqualität in Kauf.

Damit wir wieder einen Eindruck von der realen Fließgeschwindigkeit des Wassers und auch des Auflösungsvorteils der 1080P-Auflösung bekommen, schliesst sich wieder eine 1080P25 Einstellung an, die ich in der Folge mit einer 720P Einstellung vergleiche, die auf 1080er Auflösung hochskaliert wurde.

Den umgekehrten Test habe ich in Video 3 gemacht:

Die GoPro HD Hero 2 einmal nativ in der Auflösung 720P25 und im Vergleich gegenübergestellt: eine Aufnahme nativ in 1080P25 aufgenommen und auf 720er Auflösung herunterskaliert.

Hier fällt es mir selbst am Originalmaterial schwer, definitive Unterschiede zu erkennen. Geschweige denn im durch die Konvertierung des Videoportals höher komprimierten Videoclip.

In Video 4 habe ich weitere Beispiele verschiedener Zeitlupen-Modi dargestellt.

Hier mache ich nochmals den oben genannten Zusammenhang zwischen der Bildwiederholrate des Aufnahmeformats und der Abspielgeschwindigkeit deutlich. Zeige aber auch, dass man mit entsprechenden Möglichkeiten verschiedener Schnitt- oder Effektprogramme durchaus auch stärkere Zeitlupen bei glatten Bewegungsabläufen hinbekommen kann, als es das Ausgangsmaterial eigentlich erlauben würde. Nämlich indem man entsprechende Zwischenframes rendern lässt. Nehme ich beispielsweise mit 50 FPS auf, kann ich eine zweifache Zeitlupe (oder eine Verlangsamung auf 50 %) bei vollen 25 FPS ohne Kompromisse erhalten, indem ich im Schnittprogramm einfach angebe: Dieser Clip wird nicht in der originalen Bildwiederholrate von 50 FPS abgespielt, sondern nur mit 50 % davon. Resultat ist, dass die Abspielzeit um das doppelte gedehnt wird und wir, bei immer noch für flüssige Bildübergänge ausreichenden 25 FPS, nun eine zweifache Zeitlupe erhalten haben. Für eine vierfache Zeitlupe mit gleicher Qualität müssten wir im Original mit 100 FPS aufnehmen. Liegen diese nicht vor, soll aber trotzdem eine vierfache Zeitlupe dargestellt werden, muss das Material mit nur noch 12,5 FPS abgespielt werden. Jetzt können aber deutlich ruckende Bewegungen wahrgenommen werden; die Bildwiederholrate ist für die flüssige Wiedergabe nicht mehr hoch genug. Verschiedene Programme (z.B. Adobe After Effects) können in so einem Fall zwischen den Originalframes Überblendungen errechnen, und so das Ausgangsmaterial mittels dieser interpolierten Frames wieder auf 25 FPS bringen.

Die Güte dieser Ergebnisse steht und fällt natürlich mit dem Grad der Verlangsamung und mit der Art der Bewegung im Bild, die der Interpolationsalgorithmus möglichst geschickt berücksichtigen muss. Das kann oft selbst bei vierfacher Verlangsamung noch gut aussehen, kann aber schon je nach Motiv bei zweifacher Verlangsamung deutlich erkennbare Artefakte liefern. Im obigen Video kann man es am weissen Strömungsmuster unter dem mittigen Stein gut erkennen.

Im Video 5 zeige ich abschließend noch einen Kurztest der GoPro am Rennrad, befestigt mit dem K-Edge GoBig GoPro Handle Bar Mount

Hier zeige ich einfach nur zwei Einstellungen, mit dem ich mir einen ersten Eindruck vom Bildeindruck (vor allem Vibrationen und Jello / Rolling Shutter) am hauptsächlich vorgesehenen Einsatzort – am Rennrad – machen wollte. Hierzu hatte ich mir den K-Edge GoBig GoPro Handle Bar Mount bestellt. Von K-Edge habe ich bereits einen Chain-Catcher. Und als ich sah, das es von denen auch elegante und ganz augenscheinlich grundsolide Spezialhalter für die GoPro gibt, war klar, dass es genau das ist, was ich brauche. Kein unnötiges Geraffel aus großen Schrauben, Plastikschellen und Plastiggelenkauslegern am Lenker, sondern ein kleines Teil, welches die GoPro absolut unbeweglich und in diversen Positionen am Lenker befestigt und dabei ein sehr aufgeräumtes Gesamtbild bewahrt.

Ich bin sehr zufrieden. Tonmäßig ist natürlich die Hölle los. Bei den gezeigten Clips war die GoPro im Gehäuse mit der geschlossenen Klappe. Werde auchmal die offene Klappe testen, denke aber, dass vor allem die Gehäuse-Vibrationen gedämpft werden müssten, um wirklich halbwegs verwendbaren Ton zu erhalten.

Ergebnis:

Ich habe es direkt Eingangs ja schon vorweggenommen: die Somikon FullHD Action-Cam sagt mir in der Summe ihrer Eigenschaften und Möglichkeiten nicht zu. Bei der sehr schlechten Bildqualität gehe ich davon aus, dass ich ein fehlerhaftes, oder zumindest außerhalb der Toleranzen liegendes Exemplar hatte. Das kann das Gesamturteil über die Somikon allerdings nicht retten.

Die GoPro HD Hero2 werde ich behalten. Für sie spricht die Bildqualität, das gesamte Konzept und das umfangreiche System an Zubehör, dass es nicht nur vom Hersteller, sondern auch von vielen Drittherstellern gibt.

Biggetalsperre Panorama und GranTurismo

Berge und Wasser: von Erndtebrück durchs Sauerland zur Biggetalsperre und zurück

Rad fahren

Heute (d.h. am letzten Samstag, den 2.6.2012) wollte ich mal eine richtig lange Tour fahren. Einen Allzeit-Rekord hatte ich mir abgeschminkt, dazu war’s mir irgendwie noch zu kalt und so früh am Tag wollte ich auch nicht los. Aber es sollte länger als die bisherigen Touren dieses Jahr werden. Hierfür suchte ich mir kurzerhand eine Tour der Bike-Arena Sauerland halbwegs passender Länge heraus, die mitsamt Verbindungsanfahrt für die nötigen Kilometer sorgen sollte. Ich wählte „Berge und Wasser“ :)

Normalerweise hätte ich diese noch etwas ausgeschmückt und selbst nachgeplant. Am letzten Wochenende bzw. davor hatte ich aber wenig Zeit und so schob ich die Tour wie heruntergeladen auf den Garmin. Hatte mir auch vorher nicht sehr genau den Track angesehen – würde schon passen. So war unterwegs auch für Spannung gesorgt, wo es denn jeweils langführen würde… ;-)

Ja, eine sehr schöne Tour! Aber kalt war es. Nicht ein bisschen – nein, richtig kalt. Auf dem Balkon war ich noch am grübeln. So windgeschützt und voll in der Sonne war es relativ angenehm. Aber die Luft war echt kalt. So zog ich vorsichtshalber doch die 3/4 Bibshort an und packte mir die Armlinge in die Trikottasche. Draußen vor der Tür zog ich dann sofort die Armlinge an. Fuhr los. Und drehte nach wenigen hundert Metern erst mal eine Schleife zurück vor die Haustür. Rein, eine zweite Weste (eine solide Gore-Windweste) und Handschuhe geholt und angezogen. Mann mann…

Dann ging es aber richtig los.
Über Röspe und Wingeshausen und Fleckenberg nach Schmallenberg, von dort über Gleidorf nach Bad Fredeburg und da dann auf einen sehr schönen Radweg, der auf glattem, schmalen Asphaltband über eine alte Bahnlinie verläuft. So ging es mit Schwung und Mühelos bis Dorlar und von dort über eine Hügelkuppe nach Menkhausen.

Hier fand ich mein erstes Fotomotiv des Tages (nicht, dass es vorher keine hübschen Stellen gegeben hätte – ganz im Gegenteil. Ich wollte nur erst mal „Meter“ machen): Eine hübsche kleine Kapelle, die weissgeputzt in der Sonne strahlte.

Kapelle in Menkhausen

Direkt nebendran ein schöner Rast- bzw. Dorfplatz mit Brunnen, angeschlossenem Spielplatz und einem kleinen, aber feinen Gemeinschafts- und Feierheim bzw. einer Grillhütte.

Schöner Rastplatz in Menkhausen

Damit sich der Fotohalt lohnte, verzehrte ich hier einen ersten Riegel. Bzw. Besser nur 2/3 davon – nur nicht übertreiben… ;-)

Etwas weiter südlich im Sauerland (nicht heute befahren) fand ich die Landschaft schon mal öder, nicht so hier und heute. Weiter ging es äusserst lieblich über kleine Sträßchen durch Cobbenrode und weiter. Überhaupt, kleine Sträßchen: Wirklich eine toll geplante Tour. Fast durchgehend auf kleinen, sehr ruhigen und schönen Straßen. Ob ruhige Landstraßen, Kreisstraßen, Radwege oder Wirtschaftswege – prima.

So ging es wellig bis abfallend über Fretter und Deutmecke bis nach Finnentrop, bzw. eher Bamenohl. Und als ich so auf die Bamenohler Straße (hier also ausnahmsweise mal ein Stück auf einer Bundesstraße, der B 236, aber mit einem Radweg) einbog und wenige Meter auf dem Radweg gerollt war, sah ich auf einmal dies hier:

Wasserkraftwerk Bamenohl

Von der Art des Gebäudes und den links dahinter sichtbaren hochgefahrenen Schütztafeln und der Böschung war sofort klar: Oi, eine Wasserkraftanlage! Und ich kann an keiner Wasserkraftanlage einfach so vorbeifahren. ;-) Das musste ich also näher inspizieren. Ich stand an der Wasserkraftanlage Bamenohl, ein Wasserkraftwerk der Lenne und Listerkraftwerke GmbH (LLK). Ein Ausleitungskraftwerk, das Wasser aus der Lenne entnimmt, über einen 2 km langen Obergraben zum Krafthaus zuführt und die so gewonnene Fallhöhe von maximal 7,5 m mit zwei Zwillings-Francis-Turbinen (je 6,3 m³/s Schluckvermögen) abarbeitet.

Fassadendetails Wasserkraftwerk Bamenohl

Es ist Baujahr 1923. Ach, damals hat man sich auch in der gesamten Architektur noch richtig Mühe gegeben, ja, war teilweise geradezu verspielt. Das hier soll Jugendstil sein. Der maschinentechnische Teil, wie Turbine, Generator und das drumherum soll ebenfalls noch aus dem Jahr 1923 stammen. Das ist das schöne an der Wasserkraft: robust und langlebig. Lediglich die Generator- und Turbinensteuerung wurde vor einiger Zeit automatisiert.

Der Obergraben war allerdings trocken. Hier kann man die Oberwasserseite mit dem Einlaufrechen, dem Nebenschuss, das Krafthaus und einem tollen Rennrad ;-) sehen:

Wasserkraftwerk Bamenohl (und Wilier Triestina GranTurismo :))

Warum der Obergraben trocken war, sah ich wenig später. Er wurde weiter oben neu angelegt. Ob er früher schon im entsprechenden Bereich als Trog ausgeführt war, kann ich nicht sagen.

Einlaufrechen Wasserkraftanlage Bamenohl

Obergraben der Wasserkraftanlage Bamenohl, abgelassen

Neugestaltung Obergraben Wasserkraftwerk Bamenohl

Neugestaltung Obergraben Wasserkraftwerk Bamenohl

Neugestaltung Obergraben Wasserkraftwerk Bamenohl

Neugestaltung Obergraben Wasserkraftwerk Bamenohl, Überlaufschwelle

Neugestaltung Obergraben Wasserkraftwerk Bamenohl

Neugestaltung Obergraben Wasserkraftwerk Bamenohl

Nachdem ich genug Fotos gemacht hatte und dabei die heute zum ersten Mal frisch angezogenen, weissen Campagnolo Lycra-Schuhüberzieher schön mit Flecken von frisch sprießendem Gras entlang des Obergrabens eingesaut hatte (Grmpf) war ich auch am Abzweig zum Repetal angelangt, der Repetalstraße. Ein letztes Foto noch an selber Stelle – mein treues und überaus schickes Wilier Triestina GranTurismo:

Wilier Triestina GranTurismo - typischer Fotohalt...

Wilier Triestina GranTurismo – typischer Fotohalt…

Entlang von Niederhelden, Helden und Repe kam man nicht umhin zu bemerken, dass die landschaftlichen Reize und die Nähe des Biggesees den Leuten scheint’s ein gutes Auskommen zu geben schien. Sehr gepflegte Orte, kleinere Pensionen und größere Hotelanlagen, hier mal ein Gestüt und da mal ein Golfplatz…

Hinter Repe fand ich mich dann auch auf der Biggeseestraße wieder und bald darauf bei Bremge tatsächlich am Biggesee selbst.

Biggetalsperre Panorama und GranTurismo

Biggetalsperre Panorama und GranTurismo

Erst hat man einen Baumstreifen zwischen sich und dem See, dann aber volle Sicht und kommt auch direkt hinter der im Foto dargestellten Brücke auf einen schönen Rad- und Spazierweg durch den Wald und in der Folge entlang des Sees bis nach Olpe hinein. Eine sehr schöne Strecke. Nur kurz vor Olpe ist mit erhöhtem Fußgänger, Spazierenfahrer und Skater-Aufkommen zu rechnen. Heute ging es aber. Dennoch sollte man sich hier auf dem letzten Stück auf geruhsames Bummeltempo einstellen. Dafür gibt es ja auch viel zu sehen. :)

Kaum in Olpe angekommen und hindurch gerollt, wird es auf der K 6 schon wieder total ruhig. An dieser Stelle hier biegt die Strecke auf die K 10 nach Thieringhausen ab.

An der K6 hinter Olpe

An der K6 hinter Olpe

und genau hier befindet sich auch ein Heiligenbild, wie ich sah.

Heiligenbild

Heiligenbild

Nach Thieringhausen geht es erst mal wieder ein klein wenig bergauf, um nun ein Wegstück mit kurzen Wellen bzw. kleinen Steigungsstücken einzuleiten. Dafür kann man aber weit schauen:

Weiter Blick vor Altenkleusheim

Weiter Blick vor Altenkleusheim

Und die Windkraftanlagen am Horizont; da fährt man dann so rund 10 km später dran vorbei… ;-)

Kaum dran vorbei, führt die Strecke wieder abwärts. Und während ich so dahinrolle, meldet sich (wie heute schon ein paarmal) der Garmin und sagt, ich wäre von der Strecke abgekommen. Oh – hier wird also künstlich Strecke gemacht, sehe ich, und kehre also kurz vor Rahrbach um, um einmal über einen Höhenkamm herüber nach Oberveischede und dann danach über den selben Höhenkamm wieder zurück. So kommen neben den Kilometern aber auch noch ordentlich Höhenmeter und auch die schöne Strecke durch den Wald hoch Richtung Apollmicke hinzu.

Nun kann ich es trotz mittlerweile 130 zurückgelegten Kilometern bis nach Kirchhundem und dann Würdinghausen schön fliegen lassen. Ich bin die ganze Strecke bewusst locker gefahren und freute mich, auch nach der langen Fahrtzeit gut und mühelos unterwegs sein zu können.

Überhaupt war mein Begrenzer heute nur (und das erst einige Zeit vor Schluss, aber noch beherrschbar), der Hintern. Hierfür hatte ich auch gesorgt, in dem ich doch ab und an einfach mal eine ausgiebige Fotopause machte. Und mich für meine insgesamt 3 Riegel auch jedesmal hingestellt (und sie nicht im Fahren verzehrt) hatte. Kein Begrenzer, aber zum Schluss dann spürbar war: der untere Rücken. Aber für die insgesamt 162 km, die ich dann nach dem Abschlussanstieg zum Rhein-Weser-Turm und der folgenden Abfahrt nach Röspe und dann dem Rest nachheim hinter mich gebracht hatte, voll in Ordnung, finde ich.

Schee – und kalt – war’s. :)

Distanz: 161,9 km, Höhenmeter: 2932 m, Zeit: 7 h 54 m, Durchschnittsgeschwindigkeit: 20,4 km/h, Durchschnittsgeschw. in Bewegung: 25,1 km/h, Durchschnitts-HF: 121

auf Strava:

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