October Rides, Part 2: Die Sellaronda in den Dolomiten mit dem Rennrad

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Nach dem tagesaktuellen Blog zur vorgestrigen Ausfahrt geht es weiter geht’s mit dem Posts nachholen. Zwei habe ich noch. Es ist wieder Oktober, zweite Woche und wir sind in den Dolomiten :).

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Ich glaube, ich bin verliebt. In die Dolomiten. Ich bin ja oft und gerne in den Alpen unterwegs. Sie sind mein bevorzugtes Urlaubs- und Fotoreiseziel. Und – seit ich letztes Jahr intensiv mit dem Rennrad fahren begonnen habe – auch der Ort, wo es die ganzen mythischen Pässe gibt, die man als Rennradfahrer gerne selbst unter die eigenen Räder nehmen möchte. Mythische Pässe (z.B. aus der Historie des Giro d’Italia), die gibt es aber auch in den Dolomiten. Und auch tolle Fotomotive, wohin das Auge blickt.

So mag es verwundern, dass ich nun in diesem Oktober tatsächlich zum ersten Mal die Dolomiten selbst besucht habe (während ich durchaus schon zwei, drei Mal in Südtirol, nahe dran oder durch es hindurch gefahren war).

Was soll ich sagen? Eine wunderbare Woche im Oktober mit kristallklaren Fernsichten, blauem Himmel, täglichem Alpenglühen-Schauspiel, kleinen Pässen und schöner Gegend satt. Da der Oktober, wie ich gelernt habe, auch komplette „Nicht“-Saison ist (Nebensaison wäre noch übertrieben), war es auch überall schön ruhig und es gab wenig Verkehr. Der Nachteil ist halt, dass fast alle Bergbahnen und nahezu sämtliche Berghütten Ende September schon den Betrieb einstellen. Auch offene Restaurants und Gaststätten findet man nicht überall. Das fand ich schon sehr interessant, denn der Oktober scheint mir gerade in den Dolomiten _der_ Monat für wunderbare Herbstwanderungen zu sein.

In der Woche bin ich hauptsächlich gewandert (die Fotoergebnisse werden nach und nach auf meinem Flickr-Account zu finden sein), wollte aber auch unbedingt an einem Tag mal ein paar Pässe fahren. Seit meiner Dreiländergiro-Teilnahme in diesem Sommer durch das Stilfser Joch „angefixt“, juckt es mich jedesmal, wenn ich in die Nähe von bekannten Pässen komme. Das war letztens in Sölden der Fall, wo ich mir an einem Tag ein Rad für das Bezwingen des Timmelsjoches auslieh, und das war auch wieder so bei der Planung dieser Urlaubswoche in den Dolomiten. Passo Giau, Passo Pordoi, Mortirolo, das sind nur einige der klingenden Namen die zur Seele des italienischen Radsports gehören.

Und dann der Maratona dles Dolomites (http://www.maratona.it/home.php). Schon im letzten Frühjahr überlegte ich, ob das mein diesjähriges Saisonziel werden sollte. Er war mir dann für meinen ersten Alpenmarathon etwas zu groß und es gab dann auch schon keine Plätze mehr. Seine Strecke, die zunächst mit der Sellaronda startet, schien mir die weitestgehend mögliche Essenz dieser Pässe zu einer einzigen Tagesrundfahrt zu sein. Die Sella Ronda, ja, die wollte ich fahren!

Am Sonntag, dem Anreisetag, hatte es frisch geschneit. Schon vor der abendlichen Ankunft in St. Kassian hatte ich daher meine ersten Aufnahmen von frisch gezuckerten Dolomitengipfeln im Abendlicht im Kasten :). Den Montag, der etwas wolkig vorausgesagt war, verbrachte ich mit einer ersten Erkundung der näheren Umgebung per Auto. D.h. ich fuhr erst mal die Sellaronda mit dem Auto, schaute mal hier und da, schaute mir unter anderem schon das Fausto Coppi Denkmal auf der Passhöhe des Pordoi und auch den dort ebenfalls, allerdings erst in diesem Jahr aufgestellten, Gedenkstein zu Ehren von Gilberto Simoni, der seine lange Karriere bei Lampre und auf Wilier Triestina Rennrädern beendete. Deswegen wurde sein Wilier Triestina Cento Uno, mit dem er im letzten Jahr in die Arena von Verona einrollte, nun diesem Fels eingelassen. Bin gespannt, wie lange das halbwegs ansehnlich bleibt…

[Kehre 21 des Passo Pordoi am Montag in frischem Schnee. Mal Blick bergan, mal Blick gen Tal]

[Raggiungere i propri sogni scalando una montagna è la vittoria più bella.]

Am Mittwoch war es dann soweit: Nach dem Frühstück fuhr ich zum nahegelegenen Alta Badia Bike Center in St. Kassian (http://www.altabadiabikes.com/). Dort lieh ich mir für den Tag ein DeRosa Rennrad. Ein schönes Carbonrad, ausgestattet mit Ultegra Compact Gruppe. Sehr zu empfehlen, der Shop. Top und netter Service, gut gewartete, qualitativ gute Bikes und man bekommt Satteltasche samt Ersatzschlauch, CO2-Patrone und Trinkflasche dazu. Die Trinkflasche durfte ich sogar behalten. Für die 35 Euro hätte ich das Rad bis zum nächsten Tag um 9 oder 11 Uhr behalten dürfen.

Zurück zum Hotel und in die Radklamotten gestiegen (nicht ohne Grübelei, was nun direkt angezogen wird und was ich alles mitnehmen muss – und vor allem, wo ich es samt Powershot S95 und Verpflegung unterbringe). Resultat war, dass ich die mitgelieferte Satteltasche dankend angenommen habe, aber den Ersatzschlauch samt CO2-Patrone und Reifenheber rausnahm und meine Vaude-Windjacke samt Knog-Patches Kit darin unterbrachte.

[Ein De Rosa Rennrad in Arraba. Im Hintergrund der Sellastock]
Los ging es bei traumhaftem Wetter in kurz-kurz. Zunächst von St. Kassian hinunter nach Stern, bzw. La Ila aka La Villa (im Ladinischen sind alle Ortsbezeichnungen dreisprachig). Stern ist auch der Startort des alljährlich stattfindenden Maratona dles Dolomites. Von Stern aus führt die Strecke leicht ansteigend zum kurz darauf folgenden Corvara. Ich wollte die Sellaronda im Uhrzeigersinn fahren. Dies ist wohl die am häufigsten gewählte Variante, da sie auch den großen Vorteil bietet, dass man quasi mit der Sonne fährt. Es ist auch die Richtung, die der Dolomiti nimmt. D.h. von Corvara aus ging es als ersten Pass auf den Campolongo. Dessen Passhöhe liegt bei 1875 m und er bietet somit vom bei rund 1500 m hoch liegenden Corvara kommend einen willkommenen, nicht allzu langen und hohen Einstieg in die Sellaronda. Oben an der Passhöhe verlässt man auch Südtirol und befindet sich nun bis zur Passhöhe des Pordoi in der Region Venetien, der Provinz Veneto.

Von der Passhöhe sind es nur rund 5 km Abfahrt, bevor der Talort Arraba erreicht wird. Bis zum Ende der Sellaronda, der Wiederankunft in Corvara, wird es der einzige richtige Talort und auch der einzige richtige Ort, der durchfahren wird, sein. Denn alle weiteren Passabfahrten (und folglich auch Auffahrten) werden im Rahmen der Sellaronda nicht bis zum nächsten Talort befahren sondern es geht jeweils vorher von einer Abfahrt direkt per Abzweig in den nächsten Aufstieg, um den Sellastock zu umrunden.

[Hallo vom Pordoi (direkt hinter Kehre 21) mit dem Sellastock im Rücken]

Aus Arraba weiterfahrend aber kann der nun folgende Pass mit Fug und Recht als komplett vom Tal bis Passhöhe befahren ins eigene Palmarès eingetragen werden: Der Passo Pordoi! Die 33 Kehren des Campionissimo. Fausto Coppi erreichte zwischen 1947 und 1954 viermal als Erster den 2239 m hohen Sass Pordoi. Unterbrochen wurde seine Serie, sofern der Pordoi Etappe des Giro war, nur 1950 durch Jean Robic und 1953 durch Hugo Koblet. Daher wurde ihm zu Ehren auch ein Denkmal dort aufgestellt. Und zwar ein recht aufwendiges und, wenn ich das mal aus Fotografensicht bewerten darf, endlich auch mal eines mit einem ordentlichen, bzw. nicht durch beliebige Bauten zugestellten, Hintergrund. Eine Besichtigung und Fotos waren natürlich Pflicht.

[Fausto Coppi Denkmal]

[passo Pordoi m. s.l.m. 2239]

Aber schon vor dem Erreichen der Passhöhe ist der Pordoi aller Ehren wert. Tolle Aussichten hat jeder Pass der Sellaronda, aber besonders beim Pordoi empfand ich die vielen Kehren als besonders elegant von der Strecke aus zurückblickend in die Landschaft eingebettet. Mit einer Maximalsteigung von 8% ist er auch wunderbar zu befahren. Ob das ein Grund ist, warum der Giro bereits 35 mal den Passo Pordoi erklommen hat?

[Wunderbarer Rückblick auf die Kehren des passo Pordoi von Arraba kommend]

Oben auf dem Pordoi ziehe ich mir für die folgende Abfahrt allerdings erstmal Beinlinge an und auch die Windjacke über. Auf über 2000 Meter wäre es auch ohne Wind im Oktober sehr kühl. Mit Fahrtwind sehr kühl und mit der frischen Brise, die dort oben weht, definitiv zu kühl, um kurz-kurz abzufahren.

[Abfahrt vom Pordoi]

Der Belag ist super, aber ich komme kaum zum Fahrt aufnehmen. Zu toll die Ausblicke, zu oft der Impuls, anzuhalten und ein paar Fotos zu machen. Herrlich! Aber es ist ja auch nicht sehr weit. Nach etwas über 6 km ist bereits der Abzweig zum nächsten Pass erreicht. Auf geht’s zum Sellajoch. Aber zunächst mal wird sich wieder der Beinlinge und der Windjacke entledigt. Es ist Herbst und ich bin in den Bergen – da ist bei gutem Wetter halt etwas Kleidungsakrobatik angesagt :).

[Blick auf die Langkofelgruppe]

Der Anstieg zum Sellajoch ist schon etwas steiler als der Passo Pordoi. Es werden im Maximum wohl an die 11 % gewesen sein. Aber immer noch nichts ernsthaftes. Man ist aber doch schon etwas mehr beschäftigt als bei der vorhergehenden Auffahrt. Aber die Blicke sind nach wie vor traumhaft. Teilweise kommt man den senkrechten aufragenden Wänden ganz nahe – überwältigend. Und auf dem Sellajoch selbst bietet sich dann ein toller Blick auf die Langkofelgruppe. Gut, dass sich der Betrieb im Oktober in Grenzen hielt. Wenn hier im Sommer Heerscharen von Touristen kreuz und quer über die Straße laufen bzw. überall Autos parken und Busse die Pässe hoch- und herunterkriechen… So aber war es sehr angenehm. Wenn auch windig. Noch windiger als am Pordoi. Noch bevor ich meine Haferkekse rausholte oder mich der Fotografie widmete, zog ich daher erstmal sowohl Beinlinge, Armlinge und Windjacke an sowie den Buff als Helmunterzieher an.

Nach dem Snack und ausgiebigen Aufnehmen des dargebotenen Panoramas ging es in die Abfahrt. Auch die war mit rund 5 km fast viel zu schnell wieder zu Ende und der Einstieg zum Grödner Joch erreicht. Dessen Bezwingung erwies sich als relativ leicht, liegt doch der Einstieg schon auf rund 1900 m Höhe und die verbleibenden etwas über 200 Höhenmeter verteilen sich auf eine dreigeteilte Strecke: ein Drittel Anstieg, ein Drittel flach, ein Drittel Anstieg. Auch hier bieten sich tolle Ausblicke auf die Langkofelgruppe und auf Cir-Spitzen und Puez-Gruppe.

War der Anstieg zum Grödner Joch auch nur sehr kurz, so konnte ich nun eine umso längere Abfahrt genießen. Über rund 10 km ging es hinab bis in Corvara die Sellaronda komplett war. Von dort rollte ich wieder auf leicht abfallender Strecke hinab bis nach Stern, fuhr dann aber noch etwas weiter bis Badia um eine kleine Schleife über St. Leonhard und die Wiesen bis nach St. Kassian anzuschließen. Ich wollte halt noch etwas auf dem Rad sein und mir auch noch ein paar Ecken im Gadertal auf zwei Rädern anschauen. Bald darauf kam ich wieder in St. Kassian bei meinem Hotel an.

Was eine tolle, geniale Tour! Überwältigende Landschaft, wunderbare Aussichten und ein wunderschön sonniges Oktoberwetter. Hier werde ich auf jeden Fall noch öfters mit dem Rennrad unterwegs sein. Ein Termin dafür steht auch jetzt schon fest: am 1. Juli 2012 findet der Dolomitenmarathon statt. Nach dieser Tour will ich auf jeden Fall teilnehmen. Auf die Verlosung wollte ich mich nicht verlassen, also habe ich ein Pauschalpaket samt Unterkunft schon jetzt gebucht und bin mit Glück noch über die Warteliste hineingerutscht. Dolomiten, ich komme wieder :)

Distanz: 75,6 km, Höhenmeter: 2045 m, Zeit: 5 h 41 m, Durchschnittsgeschwindigkeit: 13,3 km/h, Durchschnittsgeschw. in Bewegung: 18,6 km/h, Durchschnitts-HF: 132

auf Garmin Connect:

http://connect.garmin.com:80/activity/embed/122237842

auf Strava:

http://app.strava.com/rides/1951285/embed/1cd2651846c28f8c227e3b2fd454aec81567f691

3 Gedanken zu “October Rides, Part 2: Die Sellaronda in den Dolomiten mit dem Rennrad

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