RTF „Durch’s schöne Sauerland“ oder: 147 km Einzelzeitfahren

Rad fahren, Uncategorized

Ich besuchte am gestrigen Samstag die RTF „Durch’s schöne Sauerland“ des RSV Sundern.

Wow – wenn ich jetzt mal die Alpen weglasse, eine der schönsten Strecken, die ich bei einer RTF unter die Räder genommen habe. Wir haben doch eine wunderbare Heimat (die ich jetzt einfach mal naturräumlich ausdehne und die Mittelgebirgsregionen Rothaargebirge und Homert in einen Atemzug nenne)!

Von Start weg ist man auf kleinen und kleinsten Straßen unterwegs, ist man sofort in der Natur. Nicht wie z.B. der Hagener RTF, wo man erst nahezu „ewig“ durch Stadtgebiet und -verkehr fahren muss und wirklich sämtliche Vororte mitnimmt, bevor man endlich ins Grüne kommt. Die Strecke führt zuerst zum Sorpesee, an dessen Westseite man sehr schön direkt am Ufer auf einem gut ausgebauten Radweg entlang geführt wird. Danach kommt man wieder durch Sundern und wird dann über reizvolle Straßen mit wenig Verkehr durch das Sauerland geführt.

11208_0347

[Am Sorpesee]

Hinter Berge führten die Streckenschilder dann auf den Sauerlandradring. Ab da fuhr ich 21,8 km von km 34,8 bis km 56,6 (mit 28,5 km/h Schnitt) auf dem ausreichend breiten und glatt wie ein Babypopo asphaltierten Radweg. Meistens sehr schön, insgesamt vielleicht zum Schluss hin doch etwas lang, weil der Radring doch in weiten Anteilen eher weniger Ausblick in die Landschaft gewährt, sondern beiderseits mit dichterem Buschwerk bestanden ist. Wurde dann doch etwas eintönig. Sonst aber sehr nett und angenehm.

Bis km 90 dachte ich immer so bei mir „Wahnsinn, was für eine Heizerstrecke – wo haben die die Höhenmeter versteckt?“ Dort kam endlich der erste nennenswerte Hügel, nach dem alles davor mehr oder weniger unter „Wellen“ oder „false flat“ subsummiert werden konnte. Schön durch ein schmales Sträßchen hoch über den Kuckuck und Röhrenspring bis zu Faulebutter. Tolle Abfahrt über schmale Straße durch den Wald, rauer Asphalt, aber im großen und ganzen ohne Schlaglöcher und Rillen.

11208_0353_pano

[Bei Faulebutter]

In Lenhausen wurde man an einem schönen Wasserschloss vorbei geführt, ab da führte die Strecke ein Stück entlang der Lenne.

Die zweite nennenswerte Steigungsstrecke war dann die über 5,7 km mit im Schnitt 4,4 % ansteigende Strecke von Leinschede und nach Allendorf. Oben auf der Höhe angekommen, bei km 128, hatte ich dann einen kleinen Einbruch. Nichts dramatisches, aber zwei Effekte kamen schon zusammen, so dass ich nicht mehr mit vollem Druck in Zone 3 fahren konnte, sondern mich ab da eher im klassischen GA1 Bereich aufhielt. Klein wenig war die Luft raus, aber ich wollte mir auch zunehmend mal den Po entlasten und pedalierte also nicht mit Druck durch sondern lies auf Abfahrten auch ab und an mal etwas rollen, wo ich sonst mit entsprechender Trittfrequenz mehr Druck gemacht hätte – was halt ebenfalls dazu führte, dass ich mich da erholte und natürlich auch der Puls etwas herunterging.

Man sieht es auch in der berechneten Leistung. Diese lasse ich in SportTracks immer über das GPS2PowerTrack Plugin von Old Man Biking errechnen. Das ist ein ganz niftiges Tool, welches nicht nur Höhenprofil, also Steigung, sondern auch Radgewicht, Sportlergewicht, Rollwiderstand (man kann verschiedensten Reifen und Schlauchtypen auswählen), Windwiderstand (Welche Position auf dem Rennrad) und Windrichtung und Stärke (über Wetterplugin) berücksichtigt. Das kann natürlich trotzalledem nur eine grobe Näherung sein. Denn weder weiß das Plugin, ob eine Strecke nicht trotz starkem Gegenwind vielleicht windgeschützt im Wald verlief, noch bin ich ständig in einer Griffhaltung (Oberlenker, Bremsgriff, Unterlenker), noch ist gesagt, dass mein tatsächlicher cw-Wert in Unterlenkerposition dem der Berechnungsannahme entspricht.

Deswegen habe ich starkes Interesse an einer tatsächlichen Leistungsmessung, etwa über Power2Max, Powertap oder das im nächsten Jahr erscheinende Garmin Vector. Langer Einschub kurzer Sinn: als relative Referenz ist die GPS2PowerTrack Leistungsbestimmung trotzdem interessant. Ich lasse sie immer berechnen, als ob ich die ganze Zeit in Unterlenkerposition gefahren wäre (sollte im Zweifelsfall immer zu wenig Leistung anzeigen und mich nicht mit hohen Werten schmeicheln) und da bekomme ich halt als Durchschnitt für die letzen rund 26 km 106 Watt angezeigt, während ich für die gesamte Strecke davor im Schnitt 151 Watt ablesen kann.

Ansonsten ging es mir während der gesamten Tour hervorragend. Das nennt man wohl gute Form. Diesmal auch keine Probleme mit den Füßen, bzw. Schuhen. Einzig zweimal im ersten Drittel und in der ersten Hälfte zwickte mal kurz der rechte Oberschenkel. Fand das ganz interessant, weil ich mir überlegte, dass ich noch nie so zügig unterwegs war, dass mir irgendwann mal die Oberschenkel gemuckt hätten, bzw. Ansätze eines Krampfes hätten zeigen wollen. Und den unteren Rücken merkte ich heute nach sehr langer Zeit mal wieder. Denke, es könnte am kühlen, windigen Wetter gelegen haben. War aber auch nur ein vereinzeltes Gefühl, was mich nicht behinderte, mir aber zeigte, dass bei den Intensitäten, die ich in den letzten Ausfahrten an den Tag gelegt hatte, dort auch gehörig Muskelarbeit geleistet werden muss.

Gruppen oder Grüppchen oder wenigstens etwas Begleitung hatte ich heute keine. Umso besseres Training für mich, denn so bin ich die ganzen 147 km im Wind gefahren und kann mir jeden Kilometer und jeden Anteil am Gesamtschnitt selbst zuschreiben.

Ist leider so: die 150er Runde (oder sogar den Marathon, die 202er Runde) fahren halt nur wenige (bei der Hagener RTF waren’s z.B. nur 34 Leute). D.h. über die erste Streckenhälfte sah ich fast überhaupt keinen. Und durch die Schleife der langen Strecke hatte ich auch keine Chance, schnell Leute einzuholen, die auf den kurzen Runden unterwegs waren. Erst kurz vor der vorletzten Kontrollstelle, die bei km 80 sehr schön beim Maschinen- und Heimatmuseum Eslohe angeordnet war, sah ich mal ein paar mehr Teilnehmer. Das waren aber alles kleine Grüppchen, die viel zu langsam unterwegs waren. Naja, wenigstens hatte ich jetzt ab und an was zu überholen ;-) Aber viele Leute waren’s nicht, die ich so auf der Strecke gesehen hab.

Also die kompakte Gesamtwertung der RTF:

  • Strecke: Hat mir sehr gefallen.
  • Verpflegung: Sehr gut. Nutellabrote, Schmalzbrote, Frischkäsebrote, geviertelte Bananen an jeder Station. Getränke das übliche: Wasser und Instant-Eistee oder so. Hab‘ ich aber nicht genommen. Mir reichten meine zwei mitgebrachten 0,75er Flaschen. Eine mit Wasser, eine mit leichter Iso-Mischung.
  • Streckenkennzeichnung: Gut.
  • Startzeiten und Veranstaltungsendzeit: Sehr gut
  • Organisation: Bis auf die oberen Punkte, die schon mal mehr als die halbe Miete sind: Oh je! Ich will die Qualität der RTF nicht schmälern, kann sie nur jedem empfehlen. Aber bei der Anmeldung und Anfahrt, da müssen sie was machen! Da war bei der Anmeldung nicht klar, wer wo was kassieren sollte und wer welche Kasse brauchte etc. Die Anmeldescheine für Trimmfahrer lagen draußen und sahen in ihrem A4 Format eher wie Meldescheine für’s Einwohnermeldeamt, als für eine RTF aus.

Die beiden Jungs (also keine Kinder, Erwachsen waren sie schon), die am Trimmfahrer Tisch saßen…. denen konnte man die Schuhsohlen im Gehen beschlagen. Wieso muss einer der beiden (mit einer Geschwindigkeit die das Gegenteil von Steno ist) eine ganze Zeile Information von dem Meldeschein auf eine Liste übertragen und dafür 1 ganze Minute brauchen – wenn eh beide Zettel beim Organisator verbleiben!? Und wieso sitzt der zweite daneben und wartet, bis sein Kollege diese Infos auf sein Tabellenblatt gemalt hat (Schreiben kann man das in dieser Geschwindigkeit nicht nennen) und nennt mir erst dann Kosten, will kassieren und mir die Startnummer geben!? Sowas geht doch gleichzeitig. Warum sitzen die sonst zu Zweit da?

Auch ohne dass man ein Wunder an Organisationstalent ist, sollte das einem solchen Zweierteam einleuchten. Vielleicht sollten sie auch einfach mal eine RTF bei einem anderen Verein mitfahren – egal wo ich bisher war, die waren top organisiert und eingespielt.

Naja – und die im einzige im Internet zu den Parkplätzen erhältliche Auskunft lautete: „bitte folgt den Schildern und dem Personal des RSV Sundern“. Als ich in Sundern von Recklinghausen aus kommend einfuhr, gab’s da aber weder als zur RTF zugehörig erkenntliche Parkplatz-Hinweisschilder, noch Personal des RSV Sundern. Und die Hinweisschilder zum Startpunkt waren für die RTF-fahrenden Radfahrer ausgelegt. Sprich, diesen folgend stand ich zuerst mal in einer Sackgasse im Thomas-Beckert-Weg. Das geht auch deutlich besser!

Naja, ich fand trotzdem sehr schnell einen passenden Parkplatz in der Nähe des Startpunktes und nach dem unerquicklichen Meldeprozedere war es dann auch wie oben geschildert eine sehr schöne RTF. Also, eine schöne Strecke. Einsam. ;-)  Aber ich war sehr damit zufrieden. Und bin auch sehr mit meiner Leistung zufrieden. Hat Spaß gemacht. Und ein bisschen Kettengespräche gab’s dann zum Abschluss bei einem Kaffee und Kuchen und anschließend einer Wurst im Brötchen (gesunde Mischkost ist wichtig ;-)) doch noch.

Eins noch: Startzeiten von 8 bis 12:00 Uhr und ein Veranstaltungsschluss um 18:00 Uhr finde ich sehr löblich und möchte es daher nochmal extra erwähnen.

Distanz: 146,36 km, Höhenmeter: 1655 m, Zeit: 5 h 47 m, Durchschnittsgeschwindigkeit: 25,3 km/h, Durchschnittsgeschw. in Bewegung: 28,1 km/h, Durchschnitts-HF: 141

http://connect.garmin.com:80/activity/embed/115047209

 http://app.strava.com/rides/1655209/embed/7d5d76f79535b529022c0cc3f20d2be219ef21fd

 

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s