Mein Besuch der 31. Hagener Sommer-RTF „Durch das schöne Sauerland“

Rad fahren

Es war hervorragendes Sommerwetter für das Wochenende angesagt (endlich!) und es wurde mal wieder Zeit für eine RTF.

In meinem Kalender hatte ich für dieses Wochende am Samstag die Hagener Sommer-RTF und am Sonntag eine RTF im Westerwald eingetragen. Beides leider gleichweit in Autominuten entfernt und da ich am Samstag mehr Zeit hatte, wählte ich also die Hagener RTF aus.

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Gesagt, getan – am Vorabend schon die nötigen Utensilien bereit gelegt, durch einen netten Forumskollegen im Rennrad-News-Forum kurzerhand noch die GPS-Strecke der 150er Runde erhalten (die Vorabstreckeninfo auf der Webseite des SSV  Hagen war leider – wie fast immer üblich bei Radsport-Vereinswebseiten – sehr dürftig) und auf den Garmin Edge 800 gespielt und dann am Samstag um kurz vor 8 Uhr aufgestanden (früher ging nicht, Regeneration durch Schlaf ist ein wichtiger Faktor im Training, wenn nicht _der_ wichtigste Faktor, vorausgesetzt, die vorhergehenden Reize wurden ausreichend gesetzt). Um 5 oder 6 Uhr aufstehen – das kann man mal für einen Alpenmarathon oder ein großes Event machen – nicht für eine Feld-Wald-Wiesen-RTF, die eigentlich ja auch nur eine gewöhnliche Wochenend-Ausfahrt ist. Wenn auch mit mehr Gesellschaft.

Mit Zubereitung eines Brötchens und eines Kaffees für Unterwegs und dem Einladen des nötigen Krempels (Rad etc.) hieß das, dass ich etwa um 8:30 Uhr in Erndtebrück los fuhr. In Hagen war ich dann so um viertel vor Zehn. Nun hieß es in der Ausschreibung, dass der Start für die große 150er Strecke von 8:30 bis 9:30 Uhr zu erfolgen habe; für die kürzeren Strecken bis 11:00 Uhr. Nun, das war mir aber ziemlich Schnuppe. Endlich mal ein richtiger Sommer-Samstag! Eine Anfahrt von 101 km mit dem Auto. Da werde ich doch nicht nach 113 km wieder aufhören! Nix! Ich hatte mir auch extra noch ein paar Riegel und Gels für alle Fälle eingepackt und wollte die Flaschen wie üblich an jeder Kontrollstelle voll  halten. Selbst, wenn die Hagener an so einem Tag (hey, dass ist der eine Tag eurer organisierten RTF) schon am frühen Nachmittag auf der Strecke die Zelte abgebrochen hätten, wäre ich also gut versorgt gewesen. Aber dem war Gott sei Dank nicht so und im Gegenteil, gerade heute hatte ich an allen Kontrollstellen angenehme Plaudereien und möchte dem SSV Hagen wirklich ein Kompliment aussprechen: alles ausgewiesen nette und sympathische Leute an den Kontrollstellen!

Übrigens war mein Wilier Triestina GranTurismo dort auch überall die Schau und zog anerkennende Kommentare auf sich. :)

Auf der Strecke war es allerdings aufgrund meiner späten Ankunft relativ leer. Spät ist hier natürlich relativ zu werten. 10 Uhr Startzeit ist für einen rüstigen Hagener Senior, der aufgrund seniler Bettflucht und ohne Anfahrtsstrecke schon um 8:30 Uhr mit den Hufen scharrt, weil er nach der 51er oder 75er Strecke zum zweiten Frühstück wieder daheim sein will, sicher total spät. Ganz allgemein gesehen und insbesondere mit knapp 1,5 Stunden Anfahrt plus Anmelden, Rad ausladen und Rückennummer befestigen ist 10 Uhr hingegen ein wunderbarer Startzeitpunkt für eine Sommertour. :)

Nun ja, hatte ich bei meinen bisherigen RTF-Teilnahmen nur wenig Gelegenheit, das Fahren in der Gruppe kennenzulernen und zu genießen, so war diesbezüglich gestern die totale Flaute ;-)

Ich hatte nur bis etwa Kilometer 95 je zwei Zweier-Gruppen mit denen ich mich zu einem Dreier-Team zusammenschloss.

Zu Anfang Manfred und Mike (Maik?) aus Freudenberg, die die 113er Strecke fahren wollten. Nach dem wir endlich aus dem Hagener und Iserlohner Bereich raus waren, konnte man auch mal nebeneinander fahren und etwas plaudern. Wir haben zwar etwas Führungsarbeit abwechselnd geleistet, aber effektiv konnte man das nicht nennen. Entweder gings sowieso nur rauf oder runter, oder nach einer Abfahrt heizte der eine an mir vorbei, nur um im nächsten Anstieg wieder einzubrechen. Der zweite ließ dann auch Lücke reißen, aber kam auch nicht nach, wenn ich mir dachte: „setz‘ dich mal vor ihn und zieh ihn per Windschatten wieder nach vorn“.

Nach der zweiten Kontrolle verabschiedete ich mich zur Streckenteilung der 113 und 156 km Strecke und stieß alsbald auf ein anderes Zweier Team. Die bummelten allerdings oben auf jeder Kuppe so komisch, so dass ich mich kurzerhand auf der nächsten Kuppe nach vorn setzte und zügig in die Abfahrt ging. Das war die lange Abfahrt nach Blemke. Aber siehe da, sie blieben dran und unten im Tal setzte sich das Caisse d’epargne Trikot vor mich. Schön. Tempo war eigentlich ganz gut, hätte aber gern noch etwas höher sein können. Nach der Ortsdurchfahrt von Plettenberg setzte ich mich dann nach vorn, zog an und hielt die Pace auf langsam ansteigender Straße hoch. Mir wär’s da egal gewesen, ob beide hätten reißen lassen müssen oder nicht. Aber beide blieben dran und vor Osterau führte dann auch mal kurz der Zweite der beiden, bevor die Steigung wieder größer wurde.

Irgendwann nach der dritten Kontrollstelle, auch wieder auf einem schön stetigem rund 1% Gradient – ich war an dritter Stelle hinten, fand das Tempo locker, aber ok – rief das Caisse d’epargne Trikot plötzlich nach vorn „mach mal langsamer, kein Bock mehr auf so schnell…“  Hmm, hier jetzt langsamer werden? Es sind noch 60, 70 Kilometer und ich will auch noch mal irgendwann nach Hause… Ich rollte nach vorn und versuchte etwas lockerer zu machen und trotzdem zu führen – dennoch riss sofort ein Loch. Kurze Zeit später noch mal nach hinten geschaut: das Loch wurde größer. Hmm, also wirklich wohl kein Bock mehr auf schnell (wobei – alles ist relativ, furchtbar schnell bin ich ja auch nicht). Egal, ich zog also an und hatte sie alsbald komplett hinter mir gelassen. Die letzten rd. 62 Kilometer fuhr ich also allein, was mich aber nicht sehr bekümmerte. Wetter war toll, Landschaft bis Dato mit dem Rad unbekannt – passte also.

Einzig ab Kilometer 97, dort spürte ich auf einmal die rechte Ferse bzw. eher die Achillessehne. So was bin ich gar nicht gewohnt. Bisher schiebe ich es mal auf die neuen Gaerne Schuhe. Dieses Jahr tue ich mich echt schwer mit dem Erwerb neuer Schuhe. So richtig glücklich bin ich noch mit keinem Modell geworden. Gott sei Dank gab sich das langsam wieder und ich konnte weiter Druck auf beide Pedale geben. Auf den letzten Kilometern hatte ich dann aber ein Druckgefühl unter dem linken Ballen – auch hier wieder: Schuhe, hmmm.

Nochmal zurück auf Landschaft und Strecke. Da in ich zwiegespalten.

Gut. Mit Start mitten in Hagen ist es klar, dass man erst mal durch Stadtverkehr nach draußen muss. Ob’s in Hagen schönere  oder ruhigere Strecken gibt? Kann ich nicht beurteilen. Jedenfalls zog es sich, bis man endlich nach knapp 20 km vor Iserlohn südwärts abbiegen und endlich mal ins Grüne fahren konnte. Nun ist Hagen keine Großstadt und der Verkehr jetzt nicht übermäßig. Und man muss auch nicht immer durchs Grüne fahren; etwas städtisches Flair, interessante Straßen zum Schauen mit hübscher Architektur oder wenigstens interessanten Häuserfronten etc., das hätte ja auch was. Aber davon gab’s nicht sooo viel (da mögen mir die Hagener und Iserlohner jetzt verzeihen – oder den SSV Hagen eine möglicherweise andere Streckenwahl ans Herz legen ;-p). Vielleicht liegt’s auch an der Erwartungshaltung. Die RTF nennt sich schließlich „Durch das schöne Sauerland“ und nicht „Durch teilweise wenig charmante Vororte von Hagen“ ;-)

Andererseits: man kann (und sollte) den Charakter der eigenen RTF auf der Vereinsseite auch ein bisschen beschreiben und dafür werben bzw. die Erwartungen lenken. Hier könnte ich mir die Kombination aus Sauerländer Landschaft, aber auch Industriekultur vorstellen. Es gab durchaus den einen oder anderen Streckenteil, der zwar an Industrie, aber an alter Industrie mit klassischer und gut erhaltener Backsteingebäudestruktur oder geschieferten Gebäuden, an alten Staustufen etc. entlangführte. Das war z.B. bei Kilometer 116, so bei Augustenthal oder Wettringhof der Fall.

Auch die Durchfahrt von Altena hat mir gefallen. Insgesamt gab’s aber für meinen Geschmack zu viele zu gut ausgebaute Bundes- oder Landstraßen, die aufgrund Autobahnnähe auch viel Verkehr führten. Auf die Biggetalsperre konnte man auf einem schönen kleinen Sträßchen kurz vor der Rohscheider Kontrolle (also nur für die 156er Runde) einen Blick erhaschen. Warum man keine Vorbeifahrt an der Fürwigge- und Versetalsperre eingebaut hat, sondern knapp drum herum fährt, kann ich auch nicht sagen. Nun ja, dass zur Strecke – wenn ich im nächsten Jahr wieder vor der Wahl stünde: Hagener RTF oder Westerwälder RTF, dann würde ich zuerst mal die Westerwälder RTF ausprobieren. Allein schon, um auch diese dann mal kennenzulernen.

Distanz: 157,23 km, Höhenmeter: 1970 m, Zeit: 6 h 53 m, Durchschnittsgeschwindigkeit: 22,8 km/h, Durchschnittsgeschw. in Bewegung: 26,6 km/h, Durchschnitts-HF: 131

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