Timmelsjoch und Venter Tal

Rad fahren, Uncategorized

Ein Aufenthalt mit Bekannten in Sölden; Kurzurlaub bzw. luxuriös verlängertes Wochenende von Donnerstag bis Dienstag mit dem Ziel, am Sonntag zur Siegerlandhütte zu wandern und nach Übernachtung dort am Montag wieder hinunter nach Sölden zu wandern.

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Aber da ist ja noch der Freitag und Samstag. Und das Timmelsjoch. Angefixt vom Dreiländergiro und meinem ersten Alpenbesuch mit dem Rennrad ist mir klar: da nehm‘ ich doch das Rennrad samt Klamotten mit und nutze einen Tag allein für mich und entweder eine Tour über das Timmelsjoch oder zum Rettenbachferner. Das Mitnehmen des Rades scheitert leider in buchstäblich letzter Minute aufgrund Epic Fails von Europcar. „Alle unsere Wagen sind sorgfältig gewartet und auf tadellose Ausrüstung kontrolliert“ – so etwas findet sich sinngemäß auf kleinen Schildern, die in dort gemieteten Wagen baumeln. My Ass! Der eigentlich vom meinem Kollegen weit im Voraus reservierte Vito wies bei Abholung am Vorabend allerdings völlig heruntergefahrene Reifen, einen getapeten Kotflügel und eine Servicemeldung im Tacho, dass die letzte Inspektion seit 30.000 km überfällig sei, auf! Der Ersatzwagen, ein Citroën C4, bot allerdings soeben Platz für alle Mitfahrer samt normalem Gepäck – aber ohne ein Fahrrad.

So nahm ich trotzdem meine Radklamotten mit und wollte mir in Sölden ein Rennrad leihen. Nur an welchem Tag? Freitag 30/70 Prozent Regenwahrscheinlichkeit vormittags/nachmittags, Samstag 40/80 Prozent. Na toll. Sommer geht anders. Aber sei’s drum – je schlechter das Wetter, um so epischer der Passerfolg, oder? ;-)

Und so lieh‘ ich mir am Freitag Vormittag also bei Sport-Brugger (gleichzeitig BMC-Testcenter) ein hübsches BMC Roadracer SL01. 35 € für einen Tag sind allerdings eine Ansage und kein billiges Vergnügen. Wenigstens war das Rad dafür ein feines Teil und mit Shimano Ultegra Compact und 11-27 Ritzelpaket hinten adäquat ausgestattet. Fährt sich gut, muss ich sagen. Kommt für mich aber nicht ganz an mein Wilier GranTurismo ran. Was auch etwas störend war, war die Resonanz der innenverlegten Züge bei schlechtem Belag, wie z.B. bei gefräster Fahrbahn. Das ist bei meinem Wilier deutlich besser.

Leider hatte ich keinen Quartermount für meinen Garmin Edge 800 dabei und Sport-Brugger konnte mir leider auch keinen leihen (tsts, schlecht sortiert – Garmin ist nun wirklich einer _der_ Radcomputerhersteller, insbesondere, wenn GPS involviert ist). Flaschenhalter war auch nur einer am BMC montiert. Was ich mir auch noch gewünscht (und bei dem Wetter gebraucht hätte) wäre eine kleine Rücklicht-LED-Lampe und ein Frontstrahler. Im Rückblick muss ich sagen: stolzer Preis, Sport-Brugger, dafür muss eigentlich noch mehr kommen! Für Vorne hatte ich ein Knog Froglight dabei, für hinten konnte ich aufgrund der eckigen BMC-Sattelstütze meine mitgebrachte Leuchte leider nicht montieren. Na, wenigstens konnte ich im Nebel und in den Galerien und kurzen Tunnels für entgegenkommende Fahrzeuge etwas Positionslicht zeigen. Der Garmin wurde kurzerhand in die Rückentasche gestopft und daher kann man der von ihm aufgezeichneten Temperatur keine Bedeutung beimessen.

Apropos Temperatur: Sonne lies sich keine blicken und ab der Mautstation des Timmelsjoch war ich in der Wolkendecke angelangt. Für den Aufstieg war daher die Temperatur ideal. Für die Abfahrt allerdings… Brrr.

Ich hatte mich also doch für das Timmelsjoch (Quäldich.de Eintrag) entschieden. Von Sölden aus führt die Straße zunächst steil ansteigend aus dem Ort heraus, um dann leicht nach Zwieselstein abzufallen. Von dort beginnt der Aufstieg zum Timmelsjoch, der allerdings erst ab dem Abzweig vor Obergurgl so heisst. Wenige Kehren später (die Strecke von Sölden aus hat eigentlich kaum Kehren) kam ich schon an der Mautstation vorbei und war ab da in den Wolken. Kurz darauf begann die Straße deutlich abzufallen und ich frug mich schon, ob dass gerade eben die Passhöhe darstellen sollte. Aber so ganz ohne Schilder? Und jetzt schon? Aber da ging es auch schon wieder im Nebel weiter bergauf. Man konnta aber noch weit genug sehen, um den sich langgestreckt das Hochtal entlangziehenden Straßenverlauf und die noch bevorstehende Leistung erahnen zu können.

Immer mal wieder einige Trekking- und Rennradfahrer überholend, die allerdings alle mehr oder weniger Gepäck am Rad hatten (zählt also nicht, Grummel ;-)) arbeitete ich mich doch verhältnismäßig locker und gleichmäßig nach oben. Obgleich ich zum ersten mal mit einer Compact-Übersetzung und nicht mit Dreifach-Kettenblatt vorne (also 34-27 anstelle 30-27) in den Alpen unterwegs war, ging das erstaunlich gut. Fein! Erst kurz vor der Passhöhe holte mich ein Rennradfahrer ein, mit dem ich ein paar Worte wechselte und anschließend gemeinsam in der Hütte am Pass einen Cappuccino trank. Dort trafen wir noch ein Trio, das gerade eine Alpenüberquerung per Pedes durchführte.

Da es auf italienscher Seite auch nicht besser aussah, fuhr ich danach wieder Richtung Sölden ab. Aua! Hätte ich nur meinen Buff dabei gehabt. Bis auf’s Gesicht passte alles: Die Seal Skinz Socken in den Rennradschuhen ohne Überzieher: perfekt. Beinlinge: gut und Muss. Über der Mavic Softshell (drunter Langarm-Funktionshemd und Kurzarm-Trikot) für die Abfahrt noch die Vaude Air Windjacke gezogen: sehr zu empfehlen und voll ok. Handschuhe: natürlich. Aber das Gesicht: meine Herren, das war …kalt. Konnte kaum das Zähneklappern unterdrücken; die Kiefermuskeln waren ordentlich am zittern… Obendrein war’s im oberen Teil nun am Nieseln und die Straße war feucht. Nicht fein.

Immer noch ohne Sonne wechselte ich ab da in den Sightseeing-Modus. Bog nach Obergurgl ab und radelte kurz durch den winzigen, aber sehr effektiv durch den Wintersport verschandelten Ort und wieder zurück auf die Abfahrt Richtung Zwieselstein. In Zwieselstein bog ich links in das Venter Tal (Quäldich.de Eintrag) ab. Sehr schönes Tal. Wie ein verdichtetes und hochkonzentriertes Ötzal war mal links, mal rechts ein hübscher kleiner Wasserfall zu sehen, der in die Venter Ache stürzt.

Vent selbst… naja, bot jetzt auch nicht so viel mehr zu sehen als Obergurgl. Dennoch, eine lohnenswerte Stichfahrt in ein sehr reizvolles Tal.

Ich fuhr dann wieder nach Zwieselstein und anschließend nach Sölden zurück, drehte im Ort noch ein paar Runden und gab dann anschließend sehr zufrieden das geliehene Rad zurück.

Distanz: 78,14 km, Höhenmeter: 2116 m, Zeit: 5 h 23 m, Durchschnittsgeschwindigkeit: 14,5 km/h, Durchschnittsgeschw. in Bewegung: 18,2 km/h, Durchschnitts-HF: 129

http://connect.garmin.com:80/activity/embed/103664861

2 Gedanken zu “Timmelsjoch und Venter Tal

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