Wittgenstein-Medebacher Bucht-Sauerland – mit dem Rennrad 130 km durch das Rothaargebirge

Rad fahren, Uncategorized

Am Samstag bin ich eine schöne lange Tour gefahren. Da ich sie auch im Sinne einer Tourbeschreibung ausgearbeitet habe, gibt’s im Folgenden sowohl einen Trainingstagebuch-Eintrag als auch eine Streckenbeschreibung:

Trainingstagebuch:

Auf dem Plan für Heute stand:

3×10′ EB Berg: 30 Minuten Warm-up, 3×10 Minuten Entwicklungsbereich am Berg bei 70-85 U/min, 5 Minuten Erholung zwischen den Intervallen, Cool-down

Und für Morgen:

2×30′ GA2 Berg: nach 60-90 Minuten im Grundlagenbereich 1 zwei lange Anstiege im Grundlagenbereich 2 mit 70-85 U/min, weiter im Grundlagenbereich 1

Aber: Ich habe Feiertag und Brückentag für einen 3-Tage-Block genutzt, mit dem Ziel, heute am letzten Tag des Blocks nach den beiden Vorbelastungen eine neue Höchstmarke in Kilometern und Dauer zu setzen. Wenn ich tatsächlich die A-Strecke beim Dreiländergiro fahre (zur Zeit noch für die B-Strecke gemeldet), dann werde ich schließlich 168 km und 3300 Höhenmeter zurücklegen müssen. Und dafür sicher irgendwas zwischen 8 und 9 Stunden, hoffentlich nicht viel länger, benötigen (so alles klappt ^^). Stück für Stück trainierend heisst das: heute mal 130 km und 6,5 h als Ziel. So habe ich die Strecke geplant und bin auch genau beim Minimum angestrebten Brutto-Schnitt von 20,0 km/h angelangt. Ah, Mist: 20,0 sagt SportTracks, Garmin.Connect sagt 19,9, Grummel ;-). In Bewegung waren es allerdings 21,9 km/h.

Bewusst im GA1-Bereich angefangen und auch durch den während der ersten Streckenhälfte starken Gegenwind und durch Steigungen nicht davon abbringen lassen. Hier und da ein kleiner Fotostop oder eine steile Abfahrt sorgten für „Po-Entlastung“ und etwas Rekom-Zeiten. Einzig an der Schloßbergstraße zwischen Medebach und Küstelberg bin ich nach einem Fotostop dann bis zum Scheitelpunkt im EB-Bereich gefahren. Kurz drauf von Küstelberg nach Grönbach nochmal leicht am EB-Bereich gekratzt. Dann war bald auch schon Winterberg erreicht, wo erst mal kurz durch die Innenstadt per Rad gebummelt wurde. Raus aus Winterberg und bis nach Altastenberg hinein ging’s nochmal leicht bergan. In Altastenberg wurde dann der Scheitelpunkt der Tour erreicht und ab da folgte die lange Abfahrt in’s Sorpetal. Also Erholung bei lockerem Treten aber trotzdem GA1. Hinter Grafschaft, beim Anstieg im Siepen bei 5:14 h merkte ich zum ersten mal bei tiefen Atemzügen die Lunge – ein Zeichen, dass ich allein von der Dauer der Belastung her so langsam in unkartiertem Gelände unterwegs war. Druck auf dem Pedal ging aber noch und die deftige Steigung von Fleckenberg nach Jagdhaus wurde jetzt nicht wahnsinnig schnell, aber ohne Probleme bewältigt. Einzig die bei dieser Hitze und langsamen Bergauf-Geschwindigkeit um Kopf und Lenker schwirrenden Fliegengeschwader nervten total. Ich stellte fest: man muss mindestens 14 km/h schnell sein, damit man die hinter sich lassen kann…

Aber als ich dann endlich oben in Jagdhaus war, war die Luft raus. Ab da habe ich weder in der folgenden Abfahrt nach Wingeshausen, noch auf der flachen Strecke bis nach Erndtebrück richtig Druck auf’s Pedal bringen können oder wollen. Bzw. der Puls blieb auch irgendwie immer bei maximal 105. Seltsam. Weder tat mir der Hintern weh (erstaunlicherweise – hier mal ein Fotostop, da mal Wiegetritt hatte völlig ausgereicht, um keine Probleme zu haben), noch der untere Rücken. Ich hatte aber auch kein Hunger (hatte noch einen Riegel und ein bisschen Studentenfutter über) und wie Hungerast fühlte es sich auch nicht an. Aber irgendwie waren doch nach dieser Strecke die Batterien aller Systeme leer. Aus diesem Grund (respektive Dauer und Kilometer) RPE auf 7/10 gesetzt.

Also eigentlich: Ziel erreicht. :) Neuen Lifetime-Rekord in Bezug auf Tourdauer und Tourlänge gesetzt. Systeme leer gefahren. Hab mich trotzdem zum Schluss immer noch auf dem Rad (unter diesen Umständen) wohl gefühlt. Interessanterweise hatte ich zwischendurch und recht zu Anfang (hinter Berge bei 2 h 40 Min gemerkt) die linke hintere Schulter gemerkt, wenn ich im Wiegetritt beschleunigen wollte. Etwas dehnen und Schulter lockern half aber. Verspannt? Etwas einseitig belastet?

Distanz: 131,5 km, Höhenmeter: 1817 m, Zeit: 6 h 36 m, Durchschnittsgeschwindigkeit: 20,0 km/h, Durchschnittsgeschw. in Bewegung: 21,9 km/h, Durchschnitts-HF: 120

http://connect.garmin.com:80/activity/embed/90117175

Tourenbeschreibung:

132 km, 1800 Höhenmeter auf vorwiegend verkehrsarmen Nebenstraßen, hügelig (Bergfaktor 13,8).

Eine schöne Tour auf fast ausschließlich verkehrsarmen Nebenstraßen durch das Wittgensteiner und Sauerländer Rothaargebirge mit einem Abstecher in die offene Medebacher Bucht.

Die Tour beginnt in der Ortsmitte von Erndtebrück, aber natürlich ist der Einstieg überall auf der Rundstrecke möglich. So bieten sich z.B. Bad Berleburg, Hallenberg, Medebach oder Winterberg hervorragend als Ausgangspunkte an. Von Erndtebrück folgen wir der Hauptstraße B62 nach Osten aus dem Ort. Keine Sorge, die Bundesstraße ist im Wittgenstein nicht störend stark befahren. Bereits in Leimstruth biegen wir links auf die K45 ab und fahren durch die kleinen Örtchen Rinthe und Hemschlar. Von dort bis nach Bad Berleburg hinein lässt es sich im sanften Gefälle zügig rollen. Am Ende der Bahnhofstraße stoßen wir auf einen Kreisverkehr, wo wir direkt die erste Ausfahrt Richtung Krankenhaus/Diedenshausen auf die L717 (Sählingstraße) nehmen. Sie führt uns in gemächlicher Steigung vorbei an Wald und Wiesen hoch zum Laibach (Quäldich.de-Eintrag).

Bei der folgenden Abfahrt nach Diedenshausen gilt wie häufig im Rothaargebirge bei Land- oder Kreisstraßen: Nicht zu sehr von der Landschaft ablenken lassen, sondern ein waches Auge auf Risse, Rillen oder kleinere Schlaglöcher zu haben. Aber nicht abschrecken lassen, auch mit Rennrädern ist diese Strecke zu genießen und im weiteren Verlauf wird die Oberfläche der L717, der wir noch bis nach Hallenberg treu bleiben werden, auch wieder besser. In Diedenshausen angekommen folgen wir der Vorfahrtstrecke nach links und Norden Richtung Hallenberg. Wir kommen zunächst in Wunderthausen vorbei, wo wir einen Blick auf die hübsche kleine Kirche werfen können. Eine kurze Steigung später kommen wir bei Trambach aus dem Wald und uns eröffnet sich ein schöner, weiter Blick auf Bromskirchen und ins Frankenbergische.

Die direkt anschließende Abfahrt bis nach Hallenberg ist bis nach den ersten zwei Kurven noch ruppig, verläuft dann aber auf wunderbar glattem Asphalt. In Hallenberg angekommen, biegen wir in der Ortsmitte links auf die B236 Richtung Winterberg ab, können die Bundesstraße aber schon bald vor dem kleinen Ort Liesen rechts abbiegend verlassen. Hier wird die Landschaft schon offener und wir lassen die Hügel und Berge des Rothaargebirges erst einmal hinter uns und genießen die Medebacher Bucht. Hinter Medelon nehmen wir nicht den direkten Weg links nach Medebach, sondern biegen auf ein kleines Nebensträßchen (Medebacher Straße) nach rechts ab und fahren über eine kleine Anhöhe nach Berge. Nach kurzem Fotostop bei der Barockkirche St. Johannes Evangelist, welche 1699 erbaut wurde, drehen wir um und folgen im Ort direkt an der kleinen Brücke abzweigend dem Wirtschaftsweg (Driebenweg) nach Osten. Nach kurzer Fahrt biegen wir links auf die L740 ab. Hier haben wir auch den tiefsten Punkt der Rundstrecke erreicht. Ab hier geht es erstmal Bergauf! Zunächst aber kaum merklich bis nach Medebach. Wem es nach einer kleinen Pause gelüstet, der findet hier zahlreiche Einkehrmöglichkeiten. Hinter Medebach nimmt die Steigung langsam zu, verbleibt aber lange bei sehr gemütlichen rund 2,7 %. Leider sind ab hier die L740 und die folgenden Strecken bis nach Winterberg stärker befahren. Besonders am Wochenende können hier unsere freundlichen Nachbarn mit den gelben Kennzeichen auf ihren Motorrädern schon mal störend sein, wenn sie mal sehen wollen, wie es sich zügig durch kurvige Bergstrecken fahren lässt.

Hinter dem Haus Waldfrieden erreichen wir eine kurze Zwischenkuppe. Dahinter zeigt sich uns ein toller Ausblick des sich in die bewaldeten Hügel windenden Straßenbandes, dass für die nächsten rund 2,2 km Steigungsprozente von 8,9% im Schnitt ankündigt. Ist dies geschafft, kommen wir durch Küstelberg. Hinter Küstelberg biegen wir rechts auf die L872 Richtung Grönbach ab. Über einen kleinen Hügel und noch eine kurze Strecke über die B480 und es ist geschafft: wir sind über die verkehrsreichsten Abschnitte der Tour hinweg und wir haben Winterberg erreicht. Auch hier bietet sich ein kurzer Bummel per Bike durch das Zentrum und/oder ein Kaffee auf dem Marktplatz an. Sehen- und gesehen werden ist hier für Tagestouristen und für zahlreiche Biker, ob motorisiert oder unmotorisiert, ob per MTB oder Rennrad eigentlich immer möglich.

Wir folgen der B480 Richtung Westen und Altastenberg aus Winterberg heraus. Wer mag, kann vor Altastenberg zunächst noch links abbiegen und ein paar weitere Höhenmeter bis zum Dach Westfalens, dem Kahlen Asten auf 841 m über NN, sammeln und dort den tollen Rundumblick genießen. Uns genügen aber heute die 781 m ü. NN, die wir in Altastenberg erreichen und die gleichzeitig den höchsten Punkt der Tour bedeuten. Auch hier eröffnen sich uns wunderbare Blicke Richtung Lenne und Sorpetal und darüber hinaus. In das Sorpetal führt uns auch die jetzt folgende lange Abfahrt auf reizvoller Nebenstraße. Kurz vor Rehsiepen kommen wir am Großen Bildchen vorbei. Hier, wo die L742, der wir jetzt weiter nach links Richtung Rehsiepen folgen, auf die K75 stößt, befindet sich auch der Zielpunkt des alljährlich durchgeführten Bergsprintrennens Bildchen-Sprint, eines von drei, bzw. 2011 vier im Rahmen der Sauerland-Trophy durchgeführten Bergzeitfahren. Bergauf sind wir aber zuerst einmal genug gefahren – wir genießen weiter die lange Abfahrt der Sorpe entlang durch die kleinen Orte Obersorpe, Mittelsorpe und Niedersorpe.

Bei Winkhausen mündet die Sorpe in die Lenne und wir biegen im Ort angekommen zunächst nach links Richtung Oberkirchen ab, nehmen aber nach nur rund 150 m einen unscheinbaren Abzweig zwischen zwei Häusern nach Rechts. Auf diesem Wirtschafts- und Radweg erklimmen wir einen kleinen Höhenrücken und fahren am Fraunhofer Institut für Molekularbiologie vorbei nach Grafschaft hinein. Allen Verlockungen des Sightseeings (Kloster) oder der Verköstigung von alkoholischen Köstlichkeiten (örtliche Brennerei und Brauerei) sowie Cafés widerstehend, folgen wir der K17 Richtung Schmallenberg, fahren aber nicht direkt hinein, sondern biegen am Scheeweg Richtung Fleckenberg ab. Hier wartet dann steigungstechnisch der herausfordernste Teil der Strecke. Direkt aus dem Ort geht es steil in den Anstieg nach Jagdhaus (Quäldich.de Eintrag), der dann nach flacherer Passage in zwei kleinen Serpentinen wieder bis auf 12% ansteigt, um dann im Mittel mit rund 7,5 % durch den Wald hinauf nach Jagdhaus zu führen. Oben hinter Jagdhaus ist es dann geschafft! Alle Steigungen sind hinter uns und wir können die schöne Abfahrt nach Wingeshausen hinein genießen. Diese Strecke, nur in entgegengesetzter Richtung, nahm auch 2008 die bisher leider letzte Deutschland-Tour auf der 5. Etappe von Mainz nach Winterberg. Von Wingeshausen bis nach Erndtebrück fährt es sich dann nahezu flach und ganz entspannt bis zum Ausgangspunkt unserer Tour, nach Erndtebrück.

2 Gedanken zu “Wittgenstein-Medebacher Bucht-Sauerland – mit dem Rennrad 130 km durch das Rothaargebirge

  1. …tolle seiten. In der ecke war ich letzten september unterwegs. da fand gerade der bildchen sprint statt.Scheint, dass wir gemeinsame hobbies haben ;-))…gruß uli

  2. Danke! Hehe, jo – Radfahren und fotografieren. Hab dich mal als Contact auf Flickr geaddet. :)Bildchen-Sprint ist ja im Herbst wieder. Und als besonderes Schmankerl wird dieses Jahr ein Rennen in der Bobbahn in Winterberg (natürlich bergauf) innerhalb der Sauerland Trophy gefahren.

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