Erste RTF-Teilnahme: Rund um Schloss Bensberg

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Wie ist das denn nun mit dem Fahren in der Gruppe? Macht es mir mehr oder weniger Spaß als ungestört und in Ruhe meine eigenen Kreise zu ziehen? Was für einen Effekt hat es auf die Durchschnittsgeschwindigkeit und auf die gefühlte Anstrengung. Wie funktioniert das überhaupt (also Abläufe, Handzeichen, Etikette, Sachen auf die man achten muss)?

Alles Dinge, die für das Erleben der Landschaft und der sportlichen Betätigung sowie der Regeneration vom Alltag für Touren allein oder zu zweit nicht von Belang sind und ohne die die meisten Radler daher jahre- oder ihr Leben lang super auskommen.

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Ich wollte das jedoch nun endlich auch mal wissen. Einerseits aus reinem Interesse, andererseits als Vorbereitung auf den diesjährigen Dreiländergiro. Nun ist eine x-beliebige RTF vielleicht nicht _die_ perfekte und effizienteste Methode, diese Dinge zu erlernen. Aber es ist zum Einen eine schöne Methode, sich ohne Stress der Sache ganz nach eigenem Gusto Schritt für Schritt zu nähern und zum Anderen, neue Strecken im weiteren Umkreis im Rahmen von gleichgesinnten Teilnehmern kennen zu lernen.

Ich hatte ja hier schon Termine rund um’s Rad im Raum Südwestfalen mit dem Schwerpunkt RTFs zusammengestellt. Passend in der Nähe (und auch das ist alles relativ hier bei uns in Siegen-Wittgenstein ;-)) und terminlich vor dem 3LG liegt aber nur der 3. Seen-Marathon samt zugehörigen RTF-Strecken Ende Mai in Korbach. Eine Veranstaltung war mir aber zu unsicher bzw. zu wenig und so habe ich vor kurzer Zeit nochmal die über das Frühjahr ausführlicher bestückte Datenbank des Breitenradsportkalenders (http://breitensport.rad-net.de/breitensportkalender/) durchforstet.

Dabei fiel mir die RTF „Rund um Schloss Bensberg“ des RSV Staubwolke Refrath 1952 e.V. in’s Auge. Zwar wirklich nicht mehr in der näheren Umgebung, und 90 km hin und zurück mit dem Auto, nur um 75 oder auch 115 km mit dem Rad zu fahren ist weder besonders ökologisch noch billig. Andererseits: viel näher wird es kaum und es könnte auch schlimmer kommen. Ich könnte z.B. statt Rennrad fahren Motorrad Rennen fahren als Hobby haben und wäre dann also mit Auto und Hänger 2 x 90 km gefahren und hätte dann während der Sport-Ausübung zusätzlich weitere fossile Brennstoffe in die Umwelt und Geld aus meiner Börse geblasen… ;-)

Sei’s drum, die Information der RTF-Strecke auf der Webseite des RSV Staubwolke präsentierte die Streckenführung durch das Bergische Land u.a. mit vielen Fotos im besten Licht und verkehrstechnisch war der Startort auch optimal für mich angebunden. Also schwang ich mich für ein Wochenende, einem Sonntag und obendrein dem 1. Mai zur völlig unchristlichen Zeit von halb Acht Uhr morgens aus den Federn, um dann kurz vor halb Neun mit Rad und Radklamotten im Auto gen Bensberg zu fahren.

Vorher schaute mich mir den Startort noch auf Google Maps an und dachte mir so: „Ideal: Schulareal, viele Parkplätze, direkt nördlich davon weitere Parkplätze und auf der anderen Straßenseite nochmal Parkplätze. An einem Sonntag sollte da doch also ganz bequem ein Stellplatz zu finden sein, auch wenn man aufgrund längerer Anfahrt und Nachts-Aufsteh-Aversion erst zwischen 9:00 und 10:00 Uhr ankommt“. Aber Pustekuchen. Die Stellplätze an der Schule waren natürlich schon voll. Der große Parkplatz erwies sich als hartnäckig verteidigter Privatparkplatz eines ansässigen, leider auch am Sonntag besuchten, eher etwas mondän daherkommenden Spa und Sportcenters und die Parkplatzfläche auf der gegenüberliegenden Straßenseite als ebenfalls voll und teils für den allsonntäglichen Oldtimertreff abgesperrt. Und die Moral von der Geschicht: Vertrau auf positive Fernerkundung nicht. ;-)

Gott sei Dank fand ich nach vergeblicher Stellplatzsuche im zweiten Anlauf direkt an der Schule und dem Startort einen Teilnehmer, der schon fertig war und gerade sein Rad verstaute. So konnte ich also 8 Minuten vor 10 Uhr und Meldeschluss endlich parken. Los gekommen bin ich dann nach Melden, sorgfältiger Nummernbefestigung am Trikotrücken (ungewohnt) und Rad ausladen um 20 nach 10. Mir war schon bei den Vorüberlegungen klar, dass ich nicht frühmorgens da sein würde, wenn möglicherweise der große Pulk der Ambitionierten los starten würde. Insofern hatte ich mir auch schon gedacht, dass ich mit dem Thema „Gruppe fahren“ es auch erst mal etwas würde warten müssen. Aus diesem Grund, und weil es nach Trainingsplan erst wieder mit drei neuen Belastungswochen losging, suchte ich mir die mittlere Runde, die 75 km Strecke, aus.

Die Strecken hatte ich schon am Vorabend auf dem Garmin Edge 800 geladen. Ich fand die Strecke zwar top ausgeschildert, aber die Tracklinie der Streckenführung und meine eigene Position immer im Auge zu haben, schuf eine angenehm entspannte Seelenruhe. Angst, sich zu verfahren oder ein Hinweis-Schild zu übersehen, brauchte ich deswegen überhaupt nicht haben. Aufgrund des späten Losfahrens war ich zunächst auch ganz alleine und konnte mich ganz auf „Sightseeing“ konzentrieren. Ich fuhr zwar ab und an an Radfahrern mit Rückennummern vorbei, aber es waren nur vereinzelte „Versprengte“, einige Senioren und auch das eine oder andere Pärchen. Auch an einigen Rennradlern, die sicher nicht die RTF fuhren, kam ich vorbei. Bis zur zweiten Kontrollstation war es also ein angenehmes Nachfahren einer vorgeplanten Strecke und kennenlernen der durchfahrenen Region des Bergischen Landes. So „bergisch“ war es da gar nicht. Auch wenn der Name nicht unbedingt mit dem geographischen Relief, sondern mit dem Herzogtum Berg zusammenhängt, wie Wikipedia weiß. Und es auch Landesteile gibt, die sehr wohl bergisch sind. Jedenfalls sind für mich 766 Höhenmeter auf 72,10 km (so das Ergebnis meiner Aufzeichnung) schon fast angenehm flach. Mal ein ganz anderes Streckenrelief, als ich sonst gewohnt bin. Wenn ich hier bei uns berghoch fahre, dann geht es danach auch fast direkt und auch ähnlich tief wieder herunter. Bis auf eine Steigung bei Altenberg würde ich die Strecke eher als „leicht onduliert“ bezeichnen. Mal was anderes und sehr angenehm zu fahren.

Kurz vor dem zweiten Kontrollpunkt der 75er Strecke stieß die 115er Route wieder auf die 75 km Strecke. Endlich konnte ich (abgesehen vom Anmeldeprozedere beim Start) etwas RTF-Atmosphäre kennenlernen. Hier waren sicher so rund 40 Leute zugegen, es herrschte ein moderates Kommen und Gehen, man konnte flachsen und fachsimpeln (und natürlich das typische Rennradler-Tiefstapeln „ich fahr‘ heut‘ nur ganz locker wegen meiner Knie/Bandscheibe/überstandener Erkältung/vollständigen Entfernung aller inneren Organe….“) hören und die verschiedensten Rennradmarken sehen.

Nachdem ich brav meine Karte stempeln ließ, mir ein paar Fertigwaffeln und einen Becher Undefinierbares mit Geschmack (Eistee oder irgendwas isotonisches?) genehmigt hatte, wartete ich auf den Aufbruch eines größeren Pulks. Ich brauchte nicht lange warten und schmuggelte mich dann fix dazu. ;-)  Erst als Letzter vorsichtig hintendran, dann schon sehr bald ein paar Leute überholend, die an der ersten kleinen Steigung größere Löcher reißen ließen. Bald ging es in einer lockeren Gruppe von einem runden dutzend Fahrer in Zweierreihe über die Nebenstrecken des Bergischen Landes. Wow! Konzentriert, aber nicht angespannt konnte man die Fahrt genießen. Und das gemeinsame dahingleiten mit einem dutzend surrenden Freiläufen oder einfach nur Laufgeräuschen der Räder durch den Wind um einen herum… Genial, das hat was!

Habe auch brav aufgepasst, dass ich nicht mein Hinterrad verloren habe (Todsünde: Loch reißen lassen), habe bei den Handzeichen Instant learning by doing gemacht, konnte gut den Effekt beobachten, den das Aufsteigen des Vordermanns in den Wiegetritt auf dessen Hinterrad hat (das wird nämlich mehr oder weniger zurückgeworfen, wenn der Vordermann vor dem Wiegetritt nicht hochschaltet und kurz beschleunigt) und langsam etwas sicherer werden. Wechsel wurden in der Gruppe, in der ich mich befand, nicht gefahren. Das ist also eine Lektion für später einmal. Positionswechsel kamen ganz zwanglos nach Abfahrten, Kurven oder einmal ein Wartestop auf Nachzügler der Gruppe. Ich hatte auch mal kurz parallel neben jemand anderen geführt. Nach einem Halt kamen drei etwas fittere Teilnehmer des wohl festen Grüppchens nach vorne. Ab da ging’s dann in einer Einzelreihe gut voran. Ich hing mich an die vierte Position und wir fuhren dann mit 43er Schnitt auf nahezu flachem Terrain. So Hundertprozent harmonisch fand ich das noch nicht, weil es immer mal wieder leichte Beschleunigungs- und dann wieder Leerlaufphasen gab; aber das war unter anderem sicher auch ein wenig dem Verkehr geschuldet. Und während dessen war der Puls auch solide im EB-Bereich…  Aber dafür hatten wir die anderen auch weitgehend hinter uns gelassen :) Am folgenden Anstieg zerfiel dann der Rest der Gruppe. Die zwei fitten Leader zogen voran, mein Vordermann wurde langsamer und ein weiterer kam dann von hinten vorbei. Ich überholte dann auch und fuhr einfach zügig weiter den letzten kleinen Anstieg hinauf. So konnte ich also wenigstens für runde 15 km mal in das Fahren in der Gruppe hinein schnuppern. Ich fand’s alles in Allem einen sehr schönen Sonntag und eine sehr schöne, gut organisierte RTF (habe da zwar absolut keine Vergleiche, aber ich konnte über nichts klagen – außer über die Parkplatzsituation).

Die gefahrene Strecke habe ich zusätzlich zum unten verlinkten Garmin.connect Eintrag auch auf GPSies.com hochgeladen. Der von der RSV Staubwolke heruntergeladene GPX-Track genügte zwar zum Nachfahren, war aber über weite Strecken so weit von der wahren Straßenführung entfernt, dass eine Routennachberechnung und folgende Turn-by-Turn-Navigation des Edge 800 nicht möglich war.

Distanz: 72,1 km, Höhenmeter: 766 m, Zeit: 2 h 52 m, Durchschnittsgeschwindigkeit: 25,1 km/h, Durchschnittsgeschw. in Bewegung: 26,1 km/h, Durchschnitts-HF: 140

http://connect.garmin.com:80/activity/embed/82794361

2 Gedanken zu “Erste RTF-Teilnahme: Rund um Schloss Bensberg

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